All language subtitles for Brecht Part 2 - 2019

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Original subtitles

Nein, nein, nein, nein. Bitte schön, volles Licht. Nur noch vor. Nein, nein,

nein. Bitte, heiße Beleuchtung.

My name is Bertolt Brecht.

I am born in Augsburg, Germany in 1898.

I live in New York.

Verzögern Sie bei den Antworten.

Wenden Sie sich an Ihren Übersetzer.

Ich verstehe ja nicht deine Frage. Das ist korrekt, Sir.

Bertolt Frecht, seit 14 Jahren im Exil, wird vor das Komitee gegen

unamerikanische Betätigungen nach Washington geladen.

Es geht um die angebliche kommunistische Unterwanderung der Filmindustrie in

Hollywood. Bist du oder warst du jemals Mitglied in die kommunistische Partei?

Keiner der Zeugen wird diese Frage beantworten.

Mit einem Anwalt bereitet er sich auf das Verhör vor.

Seine dänische Mitarbeiterin und Geliebte Ruth Berlau hilft ihm dabei.

Aber ich bin Gott in diesem Land und möchte

nicht auf irgendwelche juristischen Streitfragen eingehen.

Und du warst ja nie in der Partei.

Niemand.

Da musst du nicht lügen.

Brecht wollte zurück nach Deutschland und wir wussten das.

Brecht hatte gemischte

Gefühle. Er verstand die Bedeutung von diesem Kampf.

Er identifizierte sich damit. Er wollte sich nicht drücken.

Aber andererseits wollte er das vollenden, was er als seine

Lebensaufgabe ansah.

Weiter zu arbeiten an seinem Werk.

Und dazu musste er in Deutschland sein.

Am nächsten Tag verlässt Brecht Amerika in Richtung Europa.

1948 kommt eine Einladung vom Deutschen Theater in Ost-Berlin in den

sowjetischen Sektor der Stadt.

Brechts Stück Mutter Courage und ihre Kinder soll hier auf die Bühne kommen.

Mit Helene Weigel in der Hauptrolle.

Die Regie übernimmt zusammen mit Brecht Erich Engel.

16 Jahre.

Nicht nur die Häuser sind in Trümmer gegangen.

Premiere 11. Januar 1949.

Ob Sie uns zuschauen wollen?

Die Leute da hinten.

Ob dieser Zusammenbruch genug Durst erzeugt hat nach neuem?

Sie werden mir schon zu sehen und zu hören, wenn ich Ihnen die Geschichte vom

Krieg und der Courage zeige. Ja, es ist doch vollkommen ungewohnt für Sie.

Aber jetzt bist du halt nervös, wie vor jeder Premiere.

Aber es ist so eine wichtige, so eine besondere Premiere.

Sie werden nicht gleich rauslaufen.

Da sorge ich schon dafür.

Und schließlich ist es wärmer da herin als draußen.

Und schau dir die ganze Menge an.

So ganz vergessen sie ja dann doch nicht.

Denn der Brecht wüsste, wie sehr du seine Anzunft in den Nachrichten

verfolgt hast.

Amerika, Schweiz, Österreich.

Und jetzt ist er da, hier im Theater.

Unter den Besuchern der Regie-Schüler Yvonne Monk und die Schauspielerin

Isotillian.

Die Marketenderin Courage zieht mit ihrem Wagen durch die Wirren des 30

-jährigen Krieges. Ihr Schicksal ist das Schicksal des einfachen Menschen.

Die Marketenderin macht ihre Geschäfte mit dem Krieg.

Sie verliert dabei alles, auch ihre Kinder.

Viele da draußen haben auch viel verloren.

Und jetzt fühlen sie sich als Opfer.

Geh raus und zeig ihnen, wie es gekommen ist. Sie sind schuld, wie die Courage.

Kein Mitleid. Vielleicht verstehen sie dann, wie es anders gehen kann.

Danke. Wie alles Gute ist auch der Krieg am Anfang halt schwer zu machen.

Wenn er dann erst floriert, ist er auch zäh.

Dann strecken die Leute zurück vorm Frieden, wie die Würfler vorm Aufhören,

weil da müssen sie zählen, was sie verloren haben.

Aber zuerst schreckens zurück vorm Krieg.

Wenn also die Leute, wenn das Stück anfängt, die Werber, bevor der Wagen der

Courage anrollt, in einer für mich völlig ungewohnten, zynischen und

witzigen Weise über Krieg und Geschäft redeten. Mir also klar wurde, über so

heilige Güter wie die Nation und das Leben der Nation kann auch so geredet

werden und man kann auch darüber lachen.

Alle meine Gesichtspunkte veränderten sich, ganz abgesehen davon.

dass diese Aufführung an bestimmten Stellen so durch und durch ging, bis auf

die Knochen, wie ich es vor dem im Theater noch nie erlebt hatte.

Die Toten ruhen und was

noch nicht gestorben ist, das

macht sich auf die Sonne.

Und ich sagte ihm, wir verwöhnen dich. Zu dem musst du.

Brecht entschließt sich zur Übersiedlung aus der Schweiz in den sowjetischen

Sektor von Berlin.

Er zieht in eine Villa am Weißen See.

Für ihn war es der richtige Platz für den Neubeginn.

Auf der richtigen Seite der Geschichte, im richtigen Moment.

Vor allem gab es hier ein staatlich finanziertes Ensemble, mit dem er seine

Stücke ausprobieren konnte.

Zunächst als Dauergast im Deutschen Theater, aber mit der Hoffnung auf ein

eigenes Haus.

Am besten das Theater am Schiff Bauer Damm.

Wie anstrengend es ist, böse zu sein.

Dort, wo er zuletzt mit der Drei-Groschen-Oper einen Welterfolg

gefeiert hat.

Jetzt packen wir einmal gründlich das Fluchtgepäck aus.

Immer standen die Koffer oben auf dem Schrank. Für die nächste Flucht.

Der Galilee.

Er wird noch etwas warten müssen.

Die Kara, der Buntila, der Kreidekreis. Diese Zeit wird nur noch bleiben.

Er wird uns beistehen, allein wenn wir es nicht schaffen.

Sie kommen doch auf dich zu.

Es war, als ob sie gewartet hätten, ob es den Brecht noch gibt.

Die Alten, die überlebt haben.

Die Freunde wie der Kass und der Jering.

Und die jungen Leute, die sich jetzt melden.

Die nicht versaut sind vom Kitsch des Göring-Theaters.

Und der Näherer kommt aus Zürich für den Buntiler.

Und die kleine Lutz aus Basel hat mir auch zugesagt.

Geehrtes Publikum, der Kampf ist hart.

Doch lichtet sich bereits die Gegenwart.

Wie jung sie noch ist.

Ich werde mich um sie kümmern müssen.

Um alle.

Es ist ja nichts da.

Ja, ja, ja.

Die Perla steht vor der Tür.

Ihr Koffer ist in unser Gepäck geraten.

Bitte mach ihr keine neuen Hoffnungen.

Sie soll hier leben und der Manson will mitarbeiten. Das habe ich ihr

versprochen.

In Amerika hat sie geglaubt, du würdest sie heiraten.

Du weißt, was ich meine.

Dein Koffer.

Der Brecht ist doch da.

Der Brecht ist erschöpft, der braucht jetzt seine Ruhe.

Ich arbeite mit ihm.

Ja, du kannst für uns fotografieren. Und die Stücke dokumentieren, für die

Modellbücher. Du kannst ja nicht einmal einen Text fehlerfrei abtippen. Und du,

Helli, als du für Brecht in Dänemark unbedingt selber abtippen wolltest.

Wegen die Kredits Steffin und Brecht.

Brecht!

Solche Arme hattest du da. Alles fantasiert.

Und die Regie ist mir auch versprochen.

Reicht! Wir sind jetzt wieder in Deutschland.

Nicht mehr in Dänemark.

Ihr wart fremd damals in Skopos dran. In Exil.

Da war ich nützlich für euch.

Wegen dem Theater, der Visa, wegen dem Auto und das spezielle Essen für Brecht.

Du hast das Geld gehabt.

Mein Mann, den Dr. Lund, habe ich wegen Brecht verlassen.

Brecht hat mir diesen Rang gegeben.

Unterwegs, Schweden, Finnland, Amerika. Immer sollte ich bei ihm bleiben.

Helita Brecht liebt mich.

Und ich bin seine Frau.

Ruth, sei jetzt vernünftig.

Vernunft.

Immer die Brecht-Vernunft.

Du hast es versprochen, dass wir jetzt zusammenleben.

Du wirst weiter am Theater mitarbeiten.

Mit dir.

Wir sind jetzt im sozialistischen Deutschland, Ruth. Wir arbeiten am

Aufbau einer neuen Gesellschaft.

Und wann beginnt unser Leben?

Komm. Ich fahre dich nach Haus.

Aber wie ich die Strecke, schreiben Sie an Ihre Mutter und Ihren Vater, von Zoo

nach Friedrichstraße pur, glaube ich, brechen zu müssen.

Ihr macht euch keine Vorstellung.

Ganze Häuserfassaden haben hinten Riesenbunker stehen, schräg in der Luft,

wie untergehende Schiffe.

Das hat mich in keiner Weise zurückgeschreckt.

Nein, ich nahm alles, alles, alles nahm ich an.

Es konnte das Schlimmste passieren. Ich hätte noch immer gesagt, lieber das

Schlimmste und Theater spielen, als zu Hause im Frieden leben.

Brecht bearbeitet mit seinem neuen Berliner Ensemble den Hofmeister von

Lenz, ein Stück aus dem Jahr 1774.

Regine Lutz spielt das Kusschen.

Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat.

Samt? Samt allen Kreaturen.

Regine, dieses kokette Spiel mit dem Hofmeister, machen Sie es noch ein

bisschen deutlicher.

Das adelige Mädchen interessiert sich doch gar nicht für den

Religionsunterricht. Sie ist doch ein Arzt, sie spielt mit ihm.

Das ist die andere Seite des einfachen Kustchens. Sie liebt das Spiel mit dem

Feuer. Und der Hofmeister kann sich nicht wehren. Recht hatte seinen alten

Freund Kaspar Neher für das Bühnenbild und die Co-Regie dazugeholt. Hans! Ja?

Als Hofmeister verdienst du 60 Thaler im Jahr.

Da bin ich arm.

Nein! Da sind Sie feig!

Vom Charakter her könnte man denken, aber es ist die Gesellschaftsordnung,

die Sie feig macht.

Monk, zeigen Sie mir mal, wo er steht auf der sozialen Leiter.

Lessing als Bibliothekar, 600 Thaler im Jahr.

Die Solotänzerin der Dresdner Hofoper, 6000 Thaler. Eine Köchin, 10 Thaler.

Und eine Viehmarkt?

Eine Viehmarkt, einen Thaler im Jahr.

Und die Hure des Königs?

So, und jetzt aufgepasst. Die Geliebte von August dem Starken, 100.000 Thaler

im Jahr.

Ja, das prägt Ihren Charakter. Deshalb machen Sie den Kratzfuß und buckeln vor

der Herrschaft.

Aber Sie flätschern die Zähne dabei.

Der Diener. Der Teufel sei euch.

Der Teufel sei euch.

Die Franzosen haben den König geköpft. Die Deutschen haben sich gebückt.

Keine Revolution.

Dieser Hofmeister wird sich kastrieren, um seine Anstellung zu behalten.

Wir graben das auf.

Wir wollen das ändern.

Regine, noch einmal die Verfügung, bitte schön.

Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat.

Ja, so stimmt.

Und damit gehe ich zurück.

Dass Sie flüchten.

Jetzt dreht sich das Machtverhältnis um. Die Schülerin examiniert Ihren Lehrer.

Ich glaube, dass Gott mich geschaffen hat.

Hätte es doch nicht.

Samt? Samt allen Kreaturen.

Mir, Leib? Mir, Leib und Seele?

Auch Leib.

Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat.

Und noch?

Und noch erhält.

Dazu Kleider und Schuhe, Essen und Trinken, Haus und Hofbein und Kind.

Ecker, Vieh und alle Güter. Ja, ja, ja, jetzt macht sie sich lustig über ihn.

Sie ist eine Schülerin.

Sie ist eine Frau.

Und Sie, Sie sind im Zustand einer gefüllten Samenblase seit Wochen und

Monaten.

Vergessen Sie das nicht.

Ach, das Fleisch, die Begierde, die Verbotene steigt in Ihnen auf.

Das Sexualleben, sowas ist für Sie in dieser Welt nicht vorgesehen. Verstehen?

Ist aber da.

Du Arsch.

Ich hatte nie den Ehrgeiz, mit Brecht zu schlafen.

Nein, dazu roch er mir viel zu scharf und zu grässlich.

Sie kämpfen es wieder, was da in Ihnen aufsteigt. Die Zwangslage eines armen

Teufels, der sich entscheiden muss zwischen Geschlechtsleben und

Berufsleben. Ja, und sowas kann man von uns heute nicht mehr einfordern.

Er war ein ganz leiser, schüchterner, stiller.

Liebhaber, wenn Sie so wollen.

Ich trug ja diese Frisur und dann über die Haare, aber eben

immer, ich sage immer das Wort körperlos.

Es war immer körperlos, so zart, so behutsam.

Die Lutz war für mich eine Offenbarung damals, wenn ich im Bett lag mit dem

Schauspieler. Das Bild hat sich mir so eingeprägt.

Und der Erfolg war ja unglaublich. Ich habe noch in den Briefen nachgeguckt und

da hatten wir 54 Vorhänge und daneben der eiserne noch dazu. Man kann sich das

schwer vorstellen, aber das Deutsche Theater hat damals wirklich getunkt.

Ich war Neulehrer, wie man das nannte, für Mathematik. Und da ist dieser

Schlussvers, den habe ich mir an die Wand geschrieben.

Lehrer und Schüler einer neuen Zeit, bedenkt seine Knechtseligkeit, damit er

euch davon befreit.

Damals im Skobusbrand hast du mir die Sterne gezeigt.

Und da war auch die Kaschopeia.

Schau, da oben treffen sich unsere Augen, wo immer wir sind, hast du

gesagt.

Und dann hast du mich geküsst.

Deine Augen haben gelächelt.

Ja, Elske, ich liebe dich.

Und es wird unverändert sein, auch in zehn, auch in zwanzig Jahren.

Nun siehst du mich nicht mehr.

Und mein Schuss wird kalt von unten.

So kalt, dass da ich druck in meine Kopf.

Lieber Herr Professor, aber mein Leben wollte ich mir nicht nehmen.

Ich hatte starken Wodka getrunken und spielte Ophelia, damit Brecht endlich

einmal eine Nacht bei mir blieb, was er mir so lange versprochen hatte.

Es war schrecklich, weil er ging ab und zu zum Essen zurück und erneuerte immer

wieder ihre Hoffnung. Er konnte sich nicht trennen.

Und natürlich gab es ein, sagen wir mal, lebhaftes, erotisches Leben, nicht nur

in der Nähe von Brecht, sondern überhaupt.

Es waren eben viele junge Leute verschiedener Geschlechts und die

lebten. Und eine der Lehren von Brecht, die Brechts Anwesenheit auch nur

vermittelte, war also, zu leben lohne sich in jedem Fall.

Und das galt natürlich für ihn selber. Natürlich war bekannt im Ensemble, dass

er nicht mal ein Dichter, sondern ein Mann war. Und das war sich vielleicht

auch bewusst, dass seine Nähe produktiv machte. Auch diese Frauen spielten

anders. Mein schönes Fräulein, darf ich es wagen, mein Arm und Geleit ihr

anzutragen?

Wenn weder Fräulein, weder schön, kann ein Ungeleit nach Hause gehen.

Das ist ein herrlich schönes Kind.

Die hat was in mir angezündet.

Sie ist so sitt und tugdreich und etwas schnippisch, doch zugleich.

So viele, sagen Sie es Ihnen.

Drum, wenn Sie plötzlich etwas auf das Gerätchen zugehen, dann kann sie eine

kleine Bewegung machen, eine Flucht irgendwo hin.

Hören Sie, Paul, die Schüler der Meisterklasse haben pünktlich zu

erscheinen. Auch die Herren müssen kommen.

Es ist das Geld der Arbeiterklasse.

Und unbeholfen.

Entschuldigung. Also Rüdige war so das Mädchen für alles, aber eine sehr

sympathische Figur. Aber mit ihr hatte er auch ein kurzes Verhältnis.

Und das hatte er allerdings gemeinsam mit Paletsch. Und wisst ihr, der Faust

kannte das nicht, die Fräulein zu ansprechen.

Ist er das scheu?

Nein, etwas geil.

Kann ich in der Szene nicht schon zeigen, dass er mir sympathisch ist?

Dann habe ich eine bessere Verbindung zur Nächsten.

Bei dem Satz, bin wieder Fräulein, wieder schön, da gehen sie einige

Schritte.

Er hatte dann so einen albernen Gang.

Er trippelte so, so wie ein Mädchen nie trippelt. Aber er trippelte so in seinem

grauen Anzug, die Mütze vorne.

Dann bleiben Sie stehen und schauen nochmal zurück. Und dann so ruckweise

drehte er sich dann so um.

Da ist etwas geschehen. Verstehen Sie? Sie spüren das.

Das ist eine Begegnung, die wird Ihr Leben verändern.

Das war nicht das Proletarische an der Reiche.

War nicht etwas, was er für Gretchen haben wollte, sondern wollte er für sich

haben.

Ganz grob für sein Bett, er wollte das haben.

Der Becher war ihm lieber, trank aus bei

jedem Schmaus, die Augen gingen ihm über,

so oft er trank darauf.

So einfach.

Und das ist schön, Käthe.

Käthe?

Weiltraut heißt ich doch.

Ein Star muss einen richtigen Namen haben.

Ja, ein Star.

Muss er dringend den Knast vernehmen, der trinkt zu viel. Er säuft.

Bald kommt er dir besoffen in die Vorstellung.

Er ist krank.

Gibt's doch diese Tabletten.

Dieses Antabus.

Sie haben alle ihre Verletzungen aus diesem Krieg mitgebracht. Er ist schon

ganz gesund.

Ach, deine jungen Leute, da muss man ein Auge drauf haben.

Die Abendregie war wieder mal nicht besetzt.

Der Pol hätte da sein sollen.

Der fehlt neuerdings auf den Proben. Was sagst du, der Rüdiger?

Wo ist eigentlich das Mädchen? In der Küche ist ja nichts gemacht, nicht mal

gespült.

Ich hab's heimgeschickt.

Ah, da schau her.

Das Puppern war bei dir.

Zu Besuch.

Wir haben geprobt.

Sie hatte nun wirklich keine gute Ausbildung gehabt.

Das übernimmst jetzt du persönlich.

Sie ist zweimal mit ihren Eltern exkmitiert worden.

Mit Möbeln auf der Straße. Sie träumt nachts davon.

Wir sind auch exkmitiert worden.

Aus Deutschland, Dänemark, Finnland, Schweden und Amerika.

Die Walteroth weiß das vielleicht nicht.

Davon möchte nicht einmal ich träumen.

Schau, Helli, wo du gerade davon sprichst.

Waltraud. Ist doch eigentlich kein schöner Name für eine Schauspielerin.

Ja.

Waltraud Reichelt.

So heißt das Kind normal.

Käthe.

Käthe Reichelt. Wie besser.

Na, Käthchen, wie findest du das?

Schön.

Dass es da mehrere Frauen gab, mit denen er lebte und die er liebte, war eben

eine von den Selbstverständlichkeiten, über die nicht lange nachgedacht wurde.

Die

Regie

machte ausschließlich schlechten Spaß.

der so weit ging, dass am Vorabend des 1. Mai die betrunkenen Studenten in

Auerbachs Keller grülten, der Mai ist gekommen.

Eine ähnliche Verhöhnung des deutschen Volksliedes war bisher auf unserer Bühne

nicht erlebt. Die Welt ging unter.

Eine Katastrophe.

Der junge Monk sei wohl noch zu jung, um zu wissen, was

er dem Tag der Arbeit damit angetan hat.

Nein, dieser Faust. Ein Prometheus, der den Göttern das Feuer entreißen will,

aber nicht die Spur. Das ist ein engbrüstiger Professor, ein hilfloser

Gernegross, ein Psychopath.

Das soll Goethes erdenstürmender Urfaust sein?

Willkür des Textes, Entstellung durch angebliche Einfälle, Entstellung der

Gestalten. Das bedeutet nichts anderes, als dass das Werk seines humanistischen

Inhalts entleert, seines Sinnes beraubt ist.

Man muss sich fragen, Ist es nicht an der Zeit, dass das Berliner Ensemble

sein Schaffen überprüft?

Und, Monk?

Wollen Sie an der Regie was ändern?

Also, ich sehe keinen Anlass.

Na, dann bleibt es, wie es ist.

Ich bitte euch, das kommt von ganz oben.

Überlegt mal.

Ist es das wert?

Und scheinbar haben gewisse Leute da oben ganz genau verstanden, was wir da

gemacht haben.

Eben kein humanistischer Erdenstürmer, der Faust. Nein, ein mieser Lehrer, der

das Grätchen einfach nur im Bett haben will.

Genau so war es gemeint.

Aber denk dran, sie zahlen das Theater.

Unsere Brotgeber sind die Arbeiter.

Sehe ich genauso.

Was ist?

Ich war in der Wohnung von Pole, er ist verschwunden.

Die Wirtin will nichts darüber sagen.

Könnte sein, man hat ihn abgeholt.

Ich wurde das Opfer eines Agent-Provokateurs, der mich

angezeigt hatte, ich hätte für den amerikanischen Geheimdienst

gearbeitet.

Da wurde ich aus heiterem Himmel verhaftet. Ich wusste nicht, warum.

Und ich meine, wenn ich meinen Vater hier so vorstelle, das war ja so ein

kleiner, eigentlich hilfloser Männlein. Der war ja...

Nicht viel größer als ich.

Und Nervenbündel.

Und ich kann mir vorstellen, dass es gar nicht viel brauchte, um ihm Führung zu

machen.

Verhöre waren von 6 Uhr früh bis 10 Uhr abends. In dieser Zeit durfte man nicht

schlafen.

Gekommen sind sie um halb elf.

Das ging dann bis früh um fünf.

Und das 14 Tage lang. Und dann bin ich zusammengeklappt.

Da habe ich gesagt, schreiben Sie, was Sie wollen.

Ich unterschreibe.

Monk,

wie haben Sie sich entschieden?

Werden Sie das neue Stück Katzgraben für uns inszenieren?

Es geht nicht.

So.

Dieser Ort Katzgraben.

Die Probleme dort in der RPG.

Die Enteignung.

Die Sozialisierung von Grund- und Bodenmont. Das ist ein revolutionärer

Akt. Aber dieses Stück zeigt nicht die Wirklichkeit in der DDR.

Was meinen Sie, was es zeigt?

Die neue landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft.

Im ungetrübten Glück auf dem Traktor.

Sozialisten müssen doch fragen, was ist.

Was ist hier in der DDR?

Bevor sie sagen, was und wie es sein sollte.

Habe ich bei Ihnen gelernt. Ich weiß.

Aber was Besseres ist zurzeit nicht.

auch eine glückliche Fügung gewesen sein, mehr als nur Schüler und

Meister. Es war mehr.

Es war eine große Zuneigung.

Ich wollte weg aus der DDR, die mir vorschrieb, was ich zu lesen hatte und

was ich zu äußern hatte.

Es machte sich doch unbemerkbar, dass das Ensemble ewig die Insel bleiben

würde, wie es in den ersten Jahren war.

Nein, nein, nein!

Was nein?

Du sollst nicht weinen. Lass deine Tränen zu Hause. Die gehören nicht auf

die Bühne.

Gehören nicht, Herr Herr?

Und die Mutter, die gerade ihren Sohn verloren hat?

Die fängt an zu denken.

Und gerade jetzt entscheidet sie sich für den Kampf gegen den Faschismus. Das

sollst du zeigen.

Mit Trauer. Nein!

Sie soll sich nicht bemitleiden.

Distanz!

Deine Gefühle, das ist privat.

Das ist ganz und gar unprofessionell. Zeig, wie sich die Karah mit jedem Stoß,

der sich erschüttert, verhärtet.

Stumpf wird.

Und dann am Ende wird sie lebendig.

Und gib den Genossen die versteckten Gewehre. Nimm die Gewehre heraus.

Mach dich fertig, Josef. Das Brot ist auch fertig.

Weigel war eine Schauspielerin, die weinte sehr schnell.

Das konnte Brecht nicht leiden.

Und da ist sie ziemlich grob geworden und da hat sie mich zu sich kommen

lassen und hat bitterlich geweint.

Und ich habe gesagt, du, ich bin 22, ich kann dir da nicht helfen.

Und sonst hat sie das mit einem zerschau getragenen Stoizismus

behandelt, der aber nach meiner Meinung viel verdrängt hat.

Helene Weigel verlässt die Villa am Weißen See.

Sie zieht in eine eigene Wohnung in der Nähe des Theaters.

Die Weigel kann man nur sagen, das ist eine der kühnsten und interessantesten

Figuren, die ich je kennengelernt habe.

Die Weigel hat das Berliner Ensemble gemacht.

Sie hat recht gemacht.

indem sie alle seine Arbeiten, die organisatorischen Arbeiten, übernommen

hat.

Abgesehen, dass sie das Theater genial leitete, bis hin zu sozialen

Bedingungen, dass man also, die kümmern sich um Frisuren bei den Damen, die

kümmern sich um Wohnungen sowieso, half auch bei Proben und

ermöglichte Brecht eben das Leben im Grunde.

Sie war die Mutter von Skanzel. Ja, das war sie. Und alles Unangenehme hat sie

gemacht. Sie hat recht, alles aus dem Weg geräumt.

Das war überhaupt der Pfeiler, auf dem das ganze Theater ruhte.

Ohne die Weigel wäre das Berliner Ensemble wahrscheinlich nicht geworden.

Heli? Ja?

Wo bist du?

Hier in Weißensee.

Groß und einsam.

Seitdem du ausgezogen bist.

Wenn du es nicht mehr ertragen konntest.

Ja.

Sind ja nicht nur die Waber-Geschichten.

Wenn du mich als Schauspielerin infrage stellst.

Hallo?

Ja, das habe ich mich auch ständig gefragt.

Wie ist das möglich?

Ich erkenne es dann nur so, weil sie das auch immer gesagt hat, sie ist von

Anfang an von Brechts Genie überzeugt gewesen.

Sie ist davon überzeugt gewesen, dass das ein besonderer Mensch ist und dass

der gefördert gehört.

Der Hill hat es mir beschafft. Von einem Maler, darüber ist es am besten.

Warst du zu einsam in Weißensee?

Ich wollte näher ran ans Theater.

Und wegen dem Theater bin ich hier.

Stell dir vor, das Schiffbauerdamm geht an die kasernierte Volkspolizei. Was?

ZK-Beschluss. Ich habe es gerade aus dem Büro von der Elfriede. Dir wollten sie

es nicht sagen.

Das ist ja irrsinnig.

Operetten und andere patriotische Aufgaben. Die Partei will es doch.

Das ist eine ungeheure Schweinehai. Wir entwickeln hier das fortschrittlichste

Theater der Welt und die begreifen es nicht.

Ja, was soll ich denn noch tun?

Gegen einen ZSK-Beschluss.

Die es gemacht haben, die können es auch wieder ändern.

Einigen da oben sind wir auch lästig. Noch länger Gast im deutschen Theater,

das ist kein Zustand. Also wenn ich kein eigenes Theater kriege, dann baue ich

hier ab.

Und ich? An den Herrn Ministerpräsidenten Otto Grote wohl.

Sie haben vielleicht gehört, dass in Westdeutschland die unsinnigen Gerüchte

über Zwistigkeiten zwischen mir und der Regierung der Deutschen Demokratischen

Republik wieder sehr verstärkt aufgemacht werden. Die Übernahme des

Theaters am Sittbauer Damm durch das Berliner Ensemble, das weit über

Deutschland hinaus bekannt ist, würde meine Verbundenheit mit unserer

Republik... deutlich dokumentieren.

Hier ist RIAS Berlin, eine freie Stimme der freien Welt.

Da Sie nicht in der Lage gewesen seien, den Willen der Arbeiterschaft direkt zum

Ausdruck zu bringen, hätten Sie den Weg zum RIAS eingeschlagen, um auf diese

Weise Ihren Forderungen... Recht?

Geht nicht.

Schalten Sie mal das Radio ein. Da bereitet sich etwas vor. Die Bauarbeiter

der Stalinallee melden ihre Forderungen übers Radio an.

Sofort die Gesenkung der Lebenshaltung... Nein, im RIAS

natürlich. Machen Sie mal.

Freie und geheime Wahlen.

Freie und geheime Wahlen, das sind doch die Forderungen...

Viertens, keine Maßregelung von streikenden... Ja, heute Maske des

Kapitalismus.

Der Demonstrationszug kommt heran.

Wo arbeiten Sie denn? Wenn ich so... Arbeit!

Alles klar!

Wann fängt denn die Schicht an morgen? 6.10 Uhr.

Und was hat denn den Anstoß gegeben? Ist der Entschluss heute Morgen gefallen

oder gestern schon? Heute früh.

Heute früh. Heute früh.

Und was wurde die Arbeit sofort niedergelegt? Sind irgendwelche da

geblieben? Nein, niemand.

Keine Nachrichten.

Das ist ja Irrsinn. Warum senden wir solche Sülzestadt-Informationen? Man

müsste denen Bescheid geben.

Ich könnte rausfahren zum Sender.

Wir könnten zum Programm beitragen. Sagen Sie es denen. Jubel aus 5000

Kehlen der Demonstranten, die hier rings um das Columbia-Haus, die HO.

beherbergt wird. Was hat sie umgetan? Da oben, da, sie haben sich sofort ergeben.

Haben die Waffen weggeschmissen und haben sich sofort ergeben. Eine gute

Gelegenheit zu zeigen, dass man dazugehört.

Das wäre jetzt vielleicht der richtige Moment, um in die Partei anzutreten.

Für dich?

Die Partei der Arbeiterklasse verlangt Disziplin. Ja, aber sie muss auch lernen

können.

Die Partei ist dazu bereit.

Genau das hat Ulbricht gestern Abend bei seiner Rede im Friedrichstadtpalast

gesagt. Und jetzt steht's im ND.

Es sei jetzt das Entscheidende, erklärte Walter Ulbricht, dass die Partei sich

eng mit den Massen verbindet und sorgfältiger auf die Kritik der

Werktätigen hört.

Elisabeth Hauptmann, seit 1949 arbeitet sie wieder für Brecht. Und dann

beauftragte er Elisabeth Hauptmann, um mich zum Rundfunk zu fahren, habe ich

mir den Chef vom Dienst kommen lassen. Der hat gesagt...

Das ist mal wieder typische Bauchschmerzen eines Intellektuellen wie

Brecht. Es gibt überhaupt keinen Grund zur Sorge. Völlig normal, wir ändern das

Rundfunkprogramm nicht.

Da hat die Hauptmann so gebrüllt, diese sanfte Elisabeth Hauptmann. Ihr seid

blöd, hat sie gesagt. Die Situation ist so gefährlich, die steht auf der Kippe.

Die Existenz dieses Landes mit seinen Vorzügen. Die Geschichte wird.

der revolutionären Ungeduld der Sozialistischen Einheitspartei

Deutschlands ihren Respekt zollen.

Die große Aussprache mit den Massen über das Tempo des sozialistischen Aufbaus

wird zu einer Sichtung und zu einer Sicherung der sozialistischen

Errungenschaften führen.

Brecht wünscht sich eine Aussprache des Regimes mit den Massen. Von ihnen soll

die Partei lernen.

Die Parteizeitung wird aber nur den Ergebenheitssatz veröffentlichen. Es ist

mir ein Bedürfnis, Ihnen in diesem Augenblick meine Verbundenheit mit der

Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands auszudrücken.

Ihr Bert Brecht. Und Brecht wird nicht öffentlich gegen diese Verkürzung

protestieren.

Ab 13 Uhr wird im sowjetischen Sektor von Berlin der

Ausnahmezustand verhängt.

Ja, dann geben Sie mir doch den persönlichen Sekretär von Konophe Grote

wohl. Was ist denn überhaupt?

Ich muss Ihnen Vorschläge und Briefe von Brecht rüberbringen.

Ja, dann kommen Sie mit dem Wagen direkt an die Wache. Wir sind mit dem Wagen

nicht durchgekommen.

Wer spricht denn da?

Kilian.

Isot Kilian.

Professor Wolfgang Harigs Frau.

Verstehen Sie? Ja, dann bis gleich.

Ja, bis gleich.

Gut gemacht.

Die Welt blickt nach Berlin.

Zum ersten Mal seit Bestehen der Deutschen Demokratischen Republik

protestierten Zehntausende von Ostberlinern in einer spontanen

Demonstration gegen die Gewaltherrschaft des SED-Regimes.

Die Unruhen sind das Werk von Provokateuren und faschistischen Agenten

ausländischer Mächte und ihrer Helfershelfer aus deutschen

kapitalistischen Monopolen. Die Schuldigen werden zur Beantwortung

gezogen und streng bestraft.

Die Arbeiter und alle ehrlichen Bürger werden aufgefordert, die Provokateure zu

ergreifen und den Staatsorganen zu übergeben.

Wie beschämend sich Brecht wiederum dem Terrorsystem gebeugt hat, beweist die

Ergebenheitsadresse an den Generalsekretär der SED. Es ist wirklich

an der Zeit, die westdeutschen Bühnen, die Dramen und Inszenierungen Brechts

auf ihrem Programm haben, vor die Frage zu stellen, ob sie einen Parteigänger

der Gewaltherrschaft weiterhin das Wort geben wollen.

Auf den Bühnen in Westdeutschland beginnt ein Boykott der Stücke Bertolt

Brechts.

Ich bestreite ja nicht, dass Agenten eingeschleust wurden. Aber mit den

Provokateuren macht man sich etwas zu einfach.

Die Bühnenarbeiter haben ein Minimumlohn.

Können sich nichts in den Läden H.A.O. kaufen.

Ihnen geht's dreckig.

Die Arbeiter gehen in die Arbeit mit einer Marmeladenstulle.

Sie haben das den Gewerkschaften vorgetragen, wurden immer wieder

vertröstet. Es geschah nicht. Die, die hohe Gelder haben, da gab es Extraläden.

Und dann noch mal ein Schicht dazwischen.

Und die HO-Läden waren für das Volk. Und dann hat sich natürlich schon Hass

entwickelt.

Partei und Staatsführung fahren immer nur im Auto.

Ihre Frauen stehen nicht in der Schlange. Und wenn jemand mit Abzeichen

zu Ihnen spricht, dann sagt doch niemand seine wirkliche Meinung.

Das stimmt bestimmt, ja. Nee, das war bei uns ganz anders.

Eine Diskussion, die kam bei uns gar nicht so offen. Und daran sieht man auch

die Qualität dieses Ensembles, dass sie so etwas zuließen. Die Forderung nach

einer anderen Regierung, nach freien Wahlen, das sind echte Forderungen der

Bevölkerung.

Dieser Regierung glaubt niemand mehr.

Eine Frage.

Wissen Sie, was so eine Wahl zustande brächte?

Jetzt und sofort.

Wer weiß das?

Diese Forderung nach freier Wahl wäre meiner Meinung nach

in keiner Weise für uns sinnvoll.

Der wollte gar keine bürgerliche Demokratie. Nee.

Recht wollte die Diktatur des Proletariats.

Ich glaube nicht, dass die Bevölkerung menschlich weit genug vom

Narzissmus entfernt ist. Die Regierung, die wir jetzt haben, wirkt ja in

Kampfstellung gegen diese den Frieden in der ganzen Welt bedrohenden Elemente.

Der Diskussionsleiter Erwin Geschonnek beendet die Versammlung mit einer

Warnung. Denkt immer daran, dass es über eine andere Regierung in einen neuen

Weltkrieg geht.

Oh Gott, ja.

Und wo endete das?

Wir sind das Volk.

Vielleicht war dieser 17.

Juni, das war der erste große Aufbruch innerhalb der Ideologie überhaupt,

glaube ich.

Dann kamen noch 56 Ungarn dazu und dann habe ich gesagt, jetzt muss ich

weggehen. Das halte ich nicht länger aus.

Nach dem Aufstand des 17.

Juni ließ der Sekretär des Schriftstellerverbandes in der

Stalinallee Flugblätter verteilen.

auf denen zu lesen war, dass das Volk das Vertrauen

der Regierung verscherzt habe.

Wäre es dann nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte

ein anderes.

Es gab noch keine richtige Abteilung, will man sagen, der Staatssicherheit,

die auf Künstler angesetzt worden wäre.

Das machte die Partei im einheitlichen Sinn tatsächlich durch ihre Genossen.

Es ist die Aufgabe der Kunst, sich positiv am Aufbau des Sozialismus zu

beteiligen.

Es hilft Ihnen aber nichts, wenn jetzt einfach im Film, im Theater mehr

Arbeiter und Bauern vorkommen.

Die Probleme und Widersprüche in unserer Gesellschaft müssen gezeigt werden, dann

kann man die richtigen Lösungen finden.

Konflikte können durchaus gezeigt werden.

Die Lösungen sollten aber immer optimistisch sein. Wobei Girmus ähnlich

war wie Ulbricht, so ein proletarischer Eisenschädel, der autodidakt

sich einiges beigebracht hat und jetzt fest überzeugt ist, so ist es. Immer nur

die schlechtesten Traditionen.

Dabei sind wir in der DDR die wahren Erben der humanistischen Tradition in

der deutschen Geschichte.

Von Luther über Lessing, Goethe, unsere Klassiker, Marx, Engels, Pieck und

Ulbricht. Wie bitte?

Pieck und Ulbricht machen Ihre Arbeit. Lassen Sie mich meine machen.

Und dafür brauche ich endlich ein eigenes Theater.

Als ewiger Gast und Untermieter im deutschen Theater, das geht so nicht

weiter.

Und wie wollen Sie in die Rang?

bewusst Armen, Theater der Desillusion, unsere Werktätigen gewinnen, dazu in

dieser volksfremden Sprache.

Ich gewinne sie.

Ich vertraue auf die Menschen und auf ihre große Lust zu denken.

Lieber Genosse Walter Ulbricht, trotz der falschen Konzeption von Brecht in

dieser Sache, würde ich auf der anderen Seite eine elastische Behandlung der

ganzen Angelegenheit vorschlagen.

und aus diesem Grund auch ernsthaft in Erwägung ziehen, dem Berliner Ensemble

und Brecht ein Theater zur Verfügung zu stellen.

Ich verspreche mir außerdem eine erzieherische Wirkung von diesem Akt.

Dann wird er beweisen müssen, dass er fähig ist, das Publikum, insbesondere

die Werktätigen, durch sein Theater zu gewinnen.

Mit den bisherigen Mitteln kann er das nicht.

Deshalb müsste man ihm nicht irgendeine kleine Quetsche, sondern ein richtiges

Theater geben.

damit er seinen Primitivismus und Puritanismus nicht durch mangelnde

Technik entschuldigen kann.

Er schlägt vor dem Recht, das Theater Schöpfer dann zu geben, aber er hat im

Kopf, dass man es ihm so einrichtet, daran zu gründen.

Der Schöpfer unserer Pläne, der Mannschaften blicks und schnellen

Entschlusses, er, Nosse Walter Ulb.

Sagen Sie mal, Herr Isok, ich habe da mal eine Frage.

Gibt es etwas an mir, was Ihnen nicht gefällt?

Ich meine, gibt es da etwas, was Sie stört?

Wenn ich angebrillt werde.

So richtig unkontrolliert und entsetzlich.

Ich bitte Sie, am Theater, das kommt vor.

Wenn jemand etwas nicht gemacht hat, das kann ja viele Gründe haben.

Das ist richtig.

Und sonst?

Es ist diese ganze Unberechenbarkeit bei Ihnen.

Unberechenbarkeit? Ihre Gefühle.

Mal friedlich, so wie jetzt, und dann auf einmal aufbrausend und laut. Mal so,

mal so.

Sie wissen vielleicht gar nicht, was die Kollegen im Theater sagen.

Recht geht vor Recht.

Wo sind wir jetzt?

Sie wissen doch, ich habe da am See ein kleines Landhaus.

Nein.

Leider keine Zeit.

Wollen Sie mich jetzt raussetzen? Ich werde Sie niemals raussetzen.

Und ich werde Sie auch nie wieder anbrüllen.

Versprochen?

Der Mensch ist enderbar.

Auch der Brecht?

Sind Sie wahnsinnig geworden?

Sie wollen kündigen?

Es ist wegen dem 17. Juni und Ihrem Brief an die Regierung.

Mein Vater sagt, wer jetzt noch zu Ihnen steht, der muss auch Ihre Haltung zur

Regierung... Was wissen Sie von meiner Haltung?

Sie wollen gehen. Sie können gar nicht auf eigenen Füßen stehen.

Ja.

Und das sage ich Ihnen. Bei jedem Theater werden Sie Schiffrocher leiden.

Ja. Und da hat er ja recht.

Ich war noch... Sie wissen ja gar nicht, wie das da spielen geht.

Nichts ist da. Gar nichts.

Sie sind vollkommen unselbstständig. Sie können überhaupt noch deine Anerkennung

gewinnen, wenn alles und jedes um Sie akkurat auf Sie zugeschnitten wird.

Er war ja nur sauer, dass ich kein Verhältnis mit ihm anfing. Das war der

Grund. Aber nun wollte ich erst recht nicht.

Was ist denn mit der Münzel?

Sie wird kündigen.

Wir haben sich entschieden an dem Tag, nach der Bebrüllung. Natürlich blieb ich

da.

Schau mal her.

Wir

haben es

geschafft.

Jetzt holst du dein Theater.

Das Schiff brachte an.

Jetzt bleibst du hier.

Und die Frau Intendantin hat endlich ein festes Haus. Ich danke dir, Heli.

Das war die richtige Größe.

Und die richtige Lage.

Und die richtige Geschichte.

Jetzt ist das Unternehmen beschlossen und jetzt wird es also mit Spaß

ausgefüllt.

Da bleiben wir also gespannt im Gras sitzen, Michel, bis die gute Grusche ein

Kännchen Milch erstanden hat.

Kann ich ein Kännchen Milch haben, Großvater, und vielleicht ein

Maisfladen? Milch? Wir haben keine Milch. Warum ist der Bauer so abweisend?

Warum will er die Milch über den Preis verkaufen?

Wenn der Bauer noch alle seine Ziegen hätte, hätte er auch viel Milch. Ja,

dann könnte er schon großzügiger sein.

Ja, wenn wir es so darstellen, dann schauen auch die Zuschauer mit einem

anderen Blick auf die Menschen auf der Bühne. Auch das Publikum kann sich

verändern, wenn sich die Verhältnisse ändern.

Das bürgerliche Geschwätz vom Charakter, der immer wieder durchschlägt, wie der

Fettfleck in der Hose, ist doch ein Blödsinn.

Michel, hast du das gehört?

Drei Piaster.

Das können wir uns nicht leisten.

1944,

New York, 57.

Straße, im Apartment von Ruth Berlau.

Gemeinsame Arbeit am kaukasischen Kreidekreis. Eine Magd ist auf der

Flucht. Sie rettet ein Kind.

Es ist das Kind des Gouverneurs. Sie liebt das Kind von Anfang an, aber warum

liebt sie es nicht?

Ja, du hast recht, da fehlt was.

Wenn sie sich mit dem Soldaten verlobt, wo der flucht, dann will sie doch ein

Kind von ihm.

Aber der ist nicht da.

Dann nimmt sie das Wendelkind.

So ist der kleine Michael auch ein Kind der Liebe.

Das ist gut.

Das stimmt.

Dann müssen wir es doch mal so versuchen.

Sie? Und ich habe es nicht einmal gestohlen wie die Grusche.

Unsere Michael.

Red nicht so viel darüber.

Das muss ja nicht gleich jeder wissen in Santa Monica, dass du ein Kind von

Brecht bekommst.

Ich kann nicht deine Gespenst sein.

Die Hure von einem Klassiker.

Gut, sei doch vernünftig.

Ich kann nicht vernünftig sein wie du.

Wir arbeiten und lieben uns.

Das hält uns zusammen.

Für den Sozialismus, der kommt.

Ich weiß, dass er kommt.

Bleiben wir zusammen?

Ja. Für immer.

Sie, denk an die drei Piaster.

Es ist nichts drin, aber du meinst, du trinkst und das ist etwas.

Aber fühl mal.

Du sagst, das ist nur ein Muskel, aber warum tut das manchmal so weh?

Brechts Familie lebt in Los Angeles.

Das Apartment von Ruth Berlau ist für ihn das kleine New Yorker Büro. Ruth

telefoniert und verhandelt für ihn. Sie fotografiert Brechts Texte und legt mit

ihren Kleinbildfotos eine Art Mikrofilmarchiv seiner Manuskripte an.

Brecht hatte Angst, dass in einem Krieg oder auf der Flucht sein Werk verloren

gehen könnte.

Ich als Richter habe die Verpflichtung, dass ich für das Kind eine Mutter

aussuche.

Ich werde eine Probe machen.

Zauber, nimm ein Stück Kreide und zieh einen Kreis auf den Boden.

Das dauert zu lang.

Stell das Kind hinein.

Klägerin und Angeklagte, stellt euch neben den Kreis.

Beide.

Hast das Kind bei der Hand?

Die richtige Mutter wird die Kraft haben, das Kind aus dem Kreis zu sich zu

ziehen.

Santa Monica, 1944.

Das Haus der Familie Brecht.

Hallo?

Hallo, Herr Brecht, ich bin hier.

Nach einer Operation an der Gebärmutter, die Ruth Berlau in Los Angeles vornehmen

ließ, kam es zu einer Frühgeburt. Das Kind starb.

Ruth Berlau blieb danach eine Zeit lang bei Brecht in Santa Monica.

etwas entfernt vom Haus der Familie.

Dann arrangiert er ihre Rückreise nach New York.

Und dass du selbstständiger werden kannst in New York, unabhängig von mir

und wieder zum Schreiben findest, ist doch auch eine Chance für dich.

Mach dir keine Sorgen wegen anderer Frauen und komm wieder, sobald es geht.

Ich liebe dich.

Ich dachte, er wollte mich loswerden. Und ich wollte vernünftig sein.

Aber dann fand ich diesen Brief, den er mir auf dem Bahnhof in die Tasche

gesteckt hat. Ich will genauso werden, wie du es willst.

In New York bricht sie unter diesem Konflikt zusammen.

Gut wird in die Psychiatrie eingeliefert.

Und damit hat der Gerichtshof festgestellt, wer die wahre Mutter ist.

Mut!

Weg mit!

Lass mich!

Lass mich los!

Die dritte Sache.

Jetzt ist es zu spät.

Jetzt suchst du das junge Fleisch.

Noch einmal.

Also noch einmal eine richtige Umarmung da, da wo was los ist. Komm, komm.

Mir geht es gut, Eli.

Brecht und ich.

Ja, wir waren in diesem Mai 54 enger beieinander.

Es ergab sich so.

Und dann sagte er, ich sollte es entscheiden, wie nah wir uns sein wollen

und ob ich zu ihm kommen wolle.

Er war viel zu...

feige, um einen direkt anzusehen. Er guckte dann so ein bisschen aneinander

vorbei.

Es war nicht Ja, nicht Nein.

Er überließ den Entschluss dem anderen.

Da bin ich.

Ich freue mich, dass du gekommen bist.

Wir haben lange gewartet.

Es war diese sanfte Stimme. Und jetzt?

Wenn er Regine sagt, Regine mit dem R, ja, das hatte

Charme.

Und einmal sagte er, Sie, dein liebes Mädchen. Ui, ui, ui, dachte ich.

Höchste Gefahr im Verzug.

Er hat da wohl erwartet, dass ich mich hingebe.

Diese. Nicht mehr Isott oder Isottchen?

Nein, diese.

Und Heli?

Sie ist vernünftig. Sie wird es verstehen. Mach dir keine Sorgen.

Helene Weigl war inzwischen in die Chausseestraße eingezogen. In die

Wohnung direkt über Brecht.

Sind auch diese.

Wirklich, also für mich manchmal unertragbare Weibergeschichten da mit

diesem blöden Frauenzimmer, wo ich nie verstanden habe, was er davon hat.

Also für mich waren einige dieser Damen unverständlich.

Wissen Sie, wenn ich über meine Beziehung zu Brecht etwas sagen sollte

und darüber nicht ausspreche, wäre es ein Verschweigen.

Denn das war...

Wichtig, natürlich.

Aber so wichtig war es auch wieder nicht.

Es ist gar nicht so einfach, über diese Sachen zu sprechen.

Und nicht auf die anderen Damen einzugehen.

Das hat natürlich... Es war

eine große Liebesbeziehung.

Das hat alles sehr, sehr weh getan.

Es war nicht einfach, etwa.

Sommer 1954,

das Berliner Ensemble in Paris.

Eine Einladung zum Internationalen Theaterfestival ins Theater, Sarah

Bernhard.

Zugleich ein Besuch in der Weltstadt der Kultur.

Ein besonderer Flair liegt über der Stadt.

Die Geschäfte mit den schönen Kleidern, die Buchhändler an der Seine, die Maler

am Montmartre, die Bistros und der Louvre.

Brecht ist mit seinem Auto aus Berlin gekommen.

Wir freuen uns auf das Wiedersehen.

Auch Isot Kilian ist dabei.

Gerda Goetert, hinter der Kamera, verabschiedet ihre Freundin Angelika in

die Vorstellung.

Courage glaubt, dass der Krieg für ihr Leben notwendig ist.

Aber das, was da vor uns hingestellt wird, geschieht außerhalb von uns.

Und im gleichen Moment, wo dieser Abstand gegeben ist, sehen wir, wissen

wir, dass der Krieg nicht schicksalhaft ist. Das ist der große Beitrag von

Brecht. Sein Theater erspart sich eine Predigt und es ist dadurch viel

machtvoller.

Das Berliner Ensemble gewinnt den ersten Preis des Festivals.

Und zu Hause eine etwas bessere Presse und zunehmenden Wert als Aushängeschild

der DDR.

In der Sporthalle an der Stalinallee feiern Kinder aus allen Sektoren Berlins

mit dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund. Mit der

Weihnachtsamnestie 1954 kommt Brechts Meisterschüler, der Lyriker Martin Pohl,

nach zwei Jahren frei.

Ich hatte die Weidel am Apparat und die sagte mir, ach Pohl, bist du wieder da?

Das ist ja schön.

Als ob ich aus dem Krankenhaus gekommen wäre.

Man kommt doch gleich zu uns.

Wir haben heute Generalprobe. Da trifft sie auch in Brecht.

Es war, als ob ich wieder zur Crew gehöre.

Das war ja nicht so.

Und vielen Dank für die Briefe.

Auch an den Staatsanwalt.

So hatte ich das Gefühl, doch noch dazuzugehören.

Dass ich nicht ganz verschwunden war. Es war ein Schutz.

Schön, dass du wieder da bist.

Lass es dir schmecken.

Danke, Herr Helli.

Danke.

Paul, jetzt erzählen Sie doch mal ganz genau, was Ihnen passiert ist.

Ich habe unterschrieben, nicht über den Fall zu sprechen.

Erzählen Sie es mir trotzdem. Ich will es wissen.

Die Verhöre nachts.

Der Schlafentzug am Tag.

Das hat nie zusammengeklappt.

Ich sagte dann dem Vernehmer, schreiben Sie Opfer, die wollen ich

unterschreiben.

Sie sind also wegen einer Lüge verurteilt worden.

Sie haben etwas zugegeben, was Sie gar nicht getan haben.

Aber das wussten doch alle.

Ich werde mich jetzt an die Justizbehörden wenden.

An den Generalstaatsanwalt. Er wird ihre Rehabilitierung betreiben.

Um Gottes Willen, tun Sie das bloß nicht.

Ich sitze uns morgen wieder am Knast.

Sie müssen vergessen, Paul.

Lesen Sie mal die Ballade, die Oscar Wilde auf das Zuchthaus in Reading

geschrieben hat. Da hat er gesessen wegen Homosexualität.

Und...

Schreiben Sie Ihre Ballade.

Als Sühne war ihm vom Gericht auferlegt worden, ein Schreibverbot von fünf

Jahren. Zur Beschäftigung in dieser Zeit schlägt der Schriftstellerverband vor,

Pohl sollte in ein Heim für schwer erziehbare Jugendliche gehen.

Man trug mir indirekt Spitzeldienste auf, nicht?

Und das machte das Maß voll.

Da bin ich gegangen.

Reicht?

Ja, liebe Anna Segers.

Was machen Sie denn in Moskau?

Ist das amtlich?

Ja, selbstverständlich.

Auf jeden Sinn.

Jetzt holst du dir den Stahl im Preis.

Dann werden unsere Gegner erst einmal ihre Goschen halten.

Sind doch nicht an die 100.000 Rubel Preisgeld?

Die Hälfte in die Schweiz. Für alle Fälle.

Und die Rühlicke kommt mit nach Moskau, die kann doll mädchen.

Und die Göttchen?

Bleibt hier.

Aber du kommst doch mit, oder?

Ich hefte ihn dir persönlich an die Jacke.

Die Völker, die sich eine sozialistische Wirtschaft erkämpft haben, haben eine

wunderbare Position bezogen, was den Frieden betrifft.

Der Menschen werden friedlich.

Der Kampf aller gegen alle verwandelt sich in einen Kampf aller für alle.

Wer der Gesellschaft nützt, nützt sich selbst.

Wer sich selbst nützt, nützt der Gesellschaft.

Gut haben es die Nützlichen, nicht mehr die Schädlichen.

Das ist die Geheimrede von Khrushchev auf dem 20.

Parteitag.

Der polnische Offizier hat mir die Abschrift vertraulich zukommen lassen.

Stalin ging den Weg des Terrors.

Hinrichtungen ohne Gerichtsurteil und ohne normale Untersuchung riefen einen

Zustand der Unsicherheit und der Furcht, sogar der Verzweiflung hervor.

Auch der Ausbruch aus der Barbarei.

Kann barbarische Züge haben.

Als er starb vor drei Jahren, den haben wir da begraben.

Tag des Abschieds von dem größten Genius unserer Epoche, von Josef

Vissarionovic Stalin.

Aufgedeckt wurde, dass viele Parteiarbeiter, die in den Jahren 1937,

1938 als Feinde angesehen wurden,

in Wirklichkeit niemals Feinde, Spione, Schädlinge und ähnliches gewesen sind,

dass sie tatsächlich immer ehrliche Kommunisten

waren.

Aber man hat sie angeschwärzt und manchmal hielten sie die barbarischen

Foltern. Folter steht da.

Folter.

Also doch.

Und manchmal hielten sie die barbarischen Foltern nicht aus und

beschuldigten sich selbst schwerer und unwahrscheinlicher Verbrechen.

Bei der Säuberung wurden die Genotten nach der Folter erschossen und

die Urteile nachträglich angefertigt.

Mein Kind, die es geheim halten wollen, haben recht.

Man kann es nicht veröffentlichen.

Zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

Ihnen mit Gewehr und Peitsche alle Tage der Woche, alle Werktage

der verdiente Mörder des Volkes.

Als ich den Blitz in der Wochenschau gesehen habe, habe ich mit Charles

Lotten in Galilee sofort geändert.

Die Ruth hat unseren Galilee dann 1947 in Los Angeles gefilmt.

Der frühe Morgen, die schöne Stunde, wie er sie genießt, der erste Blick

in die Bücher, der erste Unterricht.

Das Denken ist eine körperliche Lust.

Der Morgen eines neuen Jahrhunderts.

Alles beginnt mit der Lust an der Erkenntnis. Doch was wird mit diesem

Wissen geschehen? Wer wird es gebrauchen oder missbrauchen?

Die Ursünde der Naturwissenschaft und das Endprodukt, die Atombombe, das war

ein ganz klarer Grundpunkt bei der Aufführung in Kalifornien.

Und das spielte immer noch eine große Rolle natürlich für unser Denken in

Berlin zehn Jahre später.

Es war die Situation des Kalten Krieges.

Ein dritter Weltkrieg würde Deutschland unbewohnbar machen, so schließt die

Erklärung, die der Dichter Berthold Brecht zu den Pariser Abmachungen

veröffentlichte. Die zweite Phase der Wiederbewaffnung der Deutschen

Bundesrepublik hat begonnen. Rund 2000 Freiwillige sind in die Ausbildungslager

eingerückt. Der alte Freund Kaspar Neher auf dem Weg zu Bertolt Brecht in den

sowjetischen Sektor von Berlin.

Seit den frühen 50er Jahren mit Verschärfung des Kalten Krieges war es

zwischen Brecht und seinem Bühnenbildner nicht mehr zu einer Zusammenarbeit

gekommen. Sag dem Brecht nicht, dass ich angerufen habe.

Du weißt schon, er mag es nicht.

Er ist ziemlich runter.

Schaut wie eine Grippe aus. Ich will aber nicht aufhören. Das Fieber kommt

und geht.

Aber er ist doch in Behandlung. Die von der Charité und der Dr. Mertens aus dem

Weltenwiedel, nein.

Und er will sich nichts anmerken lassen.

Er probt und probt.

In den Sitzungen von der Akademie reibt er sich auf.

Und sein Herz?

Sehr wackelig, sagt er.

Er kriegt Digitalis zur Unterstützung.

Galilei lässt hier seinen Assistenten durch das neue Fernrohr blicken.

Muss er nicht selber auch mal durchsehen? Nein!

Was sieht er denn? Die Sonne beleuchtet die Erde und den Mond. Die Erde wirft

ihren Schatten auf den Mond. Das weiß er ja!

Wenden Sie sich einfach nach vorne, genießen Sie Ihren Triumph.

Was du siehst, ist, dass es keinen Unterschied zwischen Himmel und Erde

gibt. Was du siehst, ist, dass es keinen Unterschied zwischen Himmel und Erde

gibt. Mal, ich war da mit der Iser zum Kino, da musste er bald den Saal

verlassen. Wie ein Anfall? Ich habe plötzlich keine Luft bekommen.

Was geschieht mit dem Wissen? Ein neues Weltbild könnte eine neue Gesellschaft

begründen, frei von Papst und Kaiser.

Alles hängt ab vom Mut Galiläes, sein befreiendes Wissen nicht der Macht zu

überlassen, sondern dem Volk weiterzugeben.

Himmel abgeschafft.

Hören Sie, Kamper, da stehen Sie auf, weil Sie entsetzt sind über die Folgen.

Drehen Sie sich auch nach vorne und bleiben Sie ganz starr.

Ja.

Wo ist Gott in deinem Weltsystem?

In uns oder nirgends.

In uns oder nirgends.

Wie der Verbrannte gesagt hat.

Wie der Verbrannte gesagt hat. Schau, dass der Brecht einmal zur Ruhe kommt.

Das heißt, dass Bene B.

zurückkommt. Wie?

Und das Bild fällt in die DDR.

Nur für den Galilei.

Sagredo, ich glaube an den Menschen. Und das heißt, ich glaube an seine Vernunft.

Sie wissen, für diese Wahrheit sind schon andere als Ketzer verbrannt

worden. Aber jetzt haben Sie Beweise.

Und sprechen Sie es ganz nüchtern. Dann wirkt es umso besser.

Sagredo, ich glaube an den Menschen. Und das heißt, ich glaube an seine Vernunft.

Ohne diesen Glauben würde ich nicht die Kraft haben, am Morgen aus meinem Bett

aufzustehen.

Er braucht dich.

Er hat es doch längst einen Namen.

Hätte es im Westen und im Osten arbeiten können.

Ein Staatssekretär im Westen hat es mir damals schriftlich gegeben.

Eine Arbeit bei Brecht über Politikum.

Über Bekenntnis für die andere Seite.

Eine künstlerische Arbeit bei mir über Politikum.

Ein Bekenntnis für die andere Seite. Für die andere Seite vom eisernen Vorhang,

so sehen die das.

Eine Unverschämtheit ist das von dem Mann.

Völlig indiskutabel.

Eine Frechheit, eine Bodenlose, eine Schweinerei. Ja, aber du weißt es doch.

In diesem Land wird jeder Text, jede Zeile, auch von dir, von der Partei

kontrolliert. Schon das Papier für den Druck wird da erst nach der Zensur

zugeteilt. Gegen solche Dummheiten kämpfen wir an.

Und vieles ist schon besser geworden.

Es ist so.

Wir sind nicht genau das, was Sie wollen. Aber Sie wollen nicht verlieren,

was Sie mit uns haben.

Diese Reihe des Hofs, wie die aufgestellt sind, das hat er genau

nachgebaut.

Das ist so wie die Stellung der führenden Genossen auf der Tribüne bei

der Parade am Roten Platz oder auf dem Marx-Engels-Platz.

für den Kenner aufschlussreich.

Jaja, da bestand natürlich auch das Publikum aus Kennern.

Unter der Aufsicht der kirchlichen Autorität hat Galilei in den

Heldennächten heimlich die Diskorsi, seine Wissenschaft, aufgeschrieben. Er

zeigt seinem Schüler das Versteck im Globus. Die Inquisition hatte Galilei

unter anderem der Folter zum Widerruf gezwungen.

Sein neues Weltbild musste er als Irrtum verleugnen.

Sie versteckten die Wahrheit vor dem Feind.

Das ändert alles.

Erläutere das, Andrea.

Bisher war er für Sie der Verräter aus Angst vor der Folter. Jetzt machen Sie

aus ihm einen Helden. Mit dem Mann auf der Straße sagten wir, er wird sterben,

aber er wird nie wieder rufen. Sie kamen zurück. Ich habe wieder gerufen, aber

ich werde leben.

Ihre Hände sind befleckt, sagten wir. Sie sagten, besser befleckt als leer.

Besser befleckt als leer.

Klingt realistisch.

Klingt nach mir.

Das kommt Ihnen auch bekannt vor. Es ist erstaunlich, dass das so spät erst

gesehen worden ist, diese Identität von Precht und Galilä. Precht geht, steht

wie Galilä.

I was as strong as the authorities.

And I surrendered my knowledge to the powers that be.

To use it.

Glauben Sie, dass Brecht das wusste, dass er mit Galilei auch etwas über sich

und seine Situation erzählt?

Wusste ist ein sehr schwieriger Begriff.

Das betrifft den

Unterschied zwischen Wissenschaft und Kunst.

Das ist eine verschiedene Art Wissen.

Er hat es geschrieben.

Und verzeiht sich Galileo sein Verrat?

Besser befleckt als leer.

Beides gilt, die Leistung und der Verrat.

Galileo hätte sein befreiendes Wissen dem Volk übergeben müssen.

Das sagst du.

Wir stellen Fragen.

Und manche meinen, auch der Brecht weiß vorher schon die Antworten. Vorsicht bei

den Antworten.

Wir sind Seiltänzer.

Wir brauchen das Seil, um drauf zu tanzen, sonst verwenden Sie es

plötzlich, um jemanden dran aufzuhängen.

Ich fand die Frage Verurteilung von Galilä.

Rechtfertigung oder Verurteilung unbeantwortbar.

Die muss weitergereicht werden.

Die darf das Theater nicht beantworten. Die muss immer wieder neu beantwortet

werden im Publikum.

Ja, krass.

Bald werdet ihr da unten stehen.

Dann musst du mir versprechen, den Galiläen mit dem Engel zu Ende zu

machen. Da ist er jetzt schon bei den Proben dabei.

Nein, also das glaubst du selber nicht.

Du hast ja noch so viel zu tun.

Aber dann, mit 60, da setzen wir uns zur Ruhe.

Lassen die Assistenten arbeiten.

Ein Haus unter südlichem Himmel.

Mit viel Zeit für unsere Gespräche.

Wie damals in Augsburg?

Ja, genau.

Wien, Wien, wir in der Trauer gehen und um die Borda stehen.

Er ist dahin, hin, hin, der Geist war

meinerseits.

Achtung, Achtung. Ein, zwei, drei.

Und da ging es ihm

so schlecht, dass er nicht mehr raufbrüllen konnte zur Bühne.

Hört mal zu.

Hallo.

In London werde ich nicht dabei sein.

Deshalb... müssen wir alle noch einmal etwas schneller werden.

Die langweilen sich schon dort in England.

Die sprechen ja nicht alle Deutsch.

Das klingt ja wie eine Stimme aus dem Grab. Aber der Handlung werden Sie schon

folgen können mit den Bildern und Eierkästen.

Das war zwei Tage, bevor ich starb.

Na ja.

Das habe ich zum vorletzten Tag probiert noch nicht.

Glatscht nicht so gemütlich.

Durch die Szene.

Nicht Fußgängere spielen.

Mehr Tempo.

Schauen wir uns jetzt noch einmal an.

Aber die letzte Regieanleitung von ihm war für das Gastspiel. Da habe ich die

dicke Frau im Kreidekreis, war so eine wartierte.

Nicht so viel illustrieren.

Die alte Frau ist nicht krank.

Die ist nicht dumm. Die ist nur dick.

Ja.

Ich werde halt nicht so lange bleiben können.

Gute Reise. Er gab mir die Hand.

Die Hand war so schlaff und so drucklos.

Ich habe ihm alles zu verdanken.

Alles, was ich bin, was ich wurde danach, habe ich alles ihm zu verdanken.

Er hat viele Menschen in Anspruch genommen für sein Leben und für seine

Pläne, aber er hat ihnen auch was... Aber er hat unendlich viel gegeben, wenn

man den Verstand hatte, es zu nutzen.

Sie waren so viele Jahre bei ihm.

Sie waren eine von ihm sehr geliebte Schauspielerin. Haben Sie das Gefühl,

Sie haben ihn gekannt?

Er hat mich gekannt.

Und zwar sehr gut.

Und ihn konnte man nicht kennen.

Dann hat er hat ihn so leicht auf der Wange geschahen.

Und dann hat er das letzte Wort, das Papa sagte, war, lass mich doch in Ruhe.

Dann war er weg.

Es hat gut gemacht.

nach meinem Tod zu öffnen.

Ich bitte Helly, Folgendes zu veranlassen.

Erstens, dass der Tod sichergestellt wird.

Ich öffne jetzt die Femuradaterie.

Zweitens, dass der Sarg aus Stahl oder Eisen ist.

Drittens, dass der Sarg nicht offen ausgestellt wird.

Viertens, dass er, wenn er ausgestellt werden soll, im Probenhaus ausgestellt

wird.

Fünftens, dass keine Musik gespielt wird. Jetzt sind wir alle ganz allein

auf der Welt.

Und nur den Namen Brecht auf einem Stein hat.

Danke, Heli.

Brecht.

Gleich eine Woche später erschien eine Reklame, eine Annonce von einer

Weinfirma aus dem Rheinland.

Drei Groschentröpfchen mit der Totenmaske von Brecht.

Die Weigel hat alle Totenmasken wieder einsammeln lassen und hat sie von einem

Bühnenarbeiter auf dem Hof des Theaters zerschlagen lassen.

In der DDR folgt jetzt auf die systematische Überwachung der

politischen Opposition auch die der Künstler, schließlich der gesamten

Bevölkerung.

Helene Weigel übernimmt den Auftrag von Brecht, das Berliner Ensemble in seinem

Sinn weiterzuführen. Sie rettet Brechts Nachlass vor dem Zugriff der SED und

schützt sein Werk vor Verfälschungen durch die Partei.

So hilft sie mit vielen anderen, Bert Brecht ein Klassiker zu werden.

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