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Nein, nein, nein, nein. Bitte schön, volles Licht.
Nur noch vor. Nein, nein, nein.
Bitte, hellste Beleuchtung.
Ostberlin, 1956.
Chausseestraße 125,
Wohnung Berthold Brecht.
Selbst die Geliebte meiner Jugend, der ich sehr zugetan war und die mir wegen
einer merkwürdigen Gleichgültigkeit meinerseits entglitt, kommt mir in der
Erinnerung vor wie die Gestalt in einem Buche, das ich gelesen habe.
Spidi im Peking, im Allgäu
Bi,
Guten
sagt er, Morgen sagt sie.
Ich komme gleich nach Goethe.
Es war schon ein bisschen anmaßend, wie er das sagte, aber so habe ich es damals
nicht empfunden.
Sommer 1917.
Der Primaner Brecht hatte eine erste Verabredung mit der Schülerin Paula
Bannholzer. Endlich. Er hat ihr ein Lied mitgebracht.
Warum sagen Sie sowas?
Was meinen Sie?
Dann stolpert durch die Höllenblut. Das ist doch nur ein Lied, Fräulein Paula.
Ein Spiel.
Höllenblut, damit spottet man nicht.
Haben Sie keine Angst, dass Sie mit den Sündern in der Hölle ewig... Ewig
brennen, meinen Sie?
Jetzt lachen Sie wieder.
Aber glauben Sie nicht an die Hölle?
Doch, doch.
Und auch an den Himmel.
In jedem Fall, der wir vorziehen.
Obwohl, beim Herrn Ludwig war die Sünder in der Hölle, das wäre sicherlich die
interessantere Gesellschaft.
Sind denn nichts heilig?
Sie und ich.
Heilig? Wir?
Wichtig.
Was Besonderes.
Ich bin nichts Besonderes. Ich bin gar nichts.
Das kann sich ändern.
Wir sind katholisch.
Das ist nur Wissen.
Und Sie?
Ich lese viel in der Bibel.
Ein schönes Buch.
Ein starkes Buch.
Aber auch ein böses Buch.
Die Heilige Schrift?
Ja.
Da bin ich so erschrocken. Ich bin davor, den ganzen Weg von der
Springerin, wir haben ja auch gar nicht nachgekommen.
Und dann bin ich davor, so war ich da entsetzt, was er sich da gemacht hat. Er
hat sich dann nachher entschuldigt. Dann habe ich ein bisschen Zeit.
mich direkt gefunden.
Ich war ja noch gänzlich unerfahren in all diesen Sachen.
Und da haben wir den Schirm aufgemacht. Und da war er selig, weil er mich hat da
küssen können. Da war er zufrieden.
Wollen wir nicht du zueinander sagen?
Eugen. Nein, nicht Eugen.
Bibi.
Und du bist jetzt Bibi.
Warum Bibi?
Bitterstief.
Bitterstief. Von Englisch. Das ist so wahr. Teil bitter, Teil süß. Das hat er
ausgesucht.
Vielleicht stimmt es.
Bitte war es, weil ich so wenig geneigt war, ihm so intim zu werden.
Und das war das Bessere für ihn.
Ich will, dass du zu mir gehörst.
Wir sollen es alle wissen.
Aber du darfst jetzt mit keinem anderen mehr gehen.
Ich glaube, da hat er meine anderen Verehre.
Er hat sich wahnsinnig geärgert und hat mich auf sein Zimmer bestellt, auf die
Bude da drüben. Da hat er mich ganz schön verschüchtert in der Ecke
gesessen. Er hat gesprochen mindestens über eine Stunde, den Vortrag gehalten.
Und dann hat er mir später gesagt, innerlich hat er andauernd gezittert,
ich könnte davon gehen.
Augsburg im Ersten Weltkrieg.
Begeistert waren sie 1914 in den Krieg gezogen.
Rechtsfreund Kaspar Neher hatte sich freiwillig gemeldet.
Recht schreibt ein Stück.
Sein Ball feiert das Leben.
Ja.
Ja, das ist der Ball.
Der grast die Weiber schmackend ab. Und auch die Männer.
Und wirft sie weg, wenn sie verdorrt sind.
Nur wie das Leben kann.
Es kennt keine Moral. Ja.
Mit dem Ball könntest du berühmt werden.
Du auch.
Ich brauch dich.
Merkwürdig.
Wenn man nächste Woche nicht mehr leben würde.
Kat, ich habe Pläne mit dir.
Ich war ein bisschen neugierig, was das ist, der Krieg.
Deshalb habe ich mich freiwillig gemeldet.
Jetzt wissen wir es besser.
Ja.
Der Mond wird tot.
Du kannst ihn sehen, jeden Tag.
Er reißt die Menschen in Stücke.
Die Toten werden in den Schlamm getreten.
Elf Klassenkameraden sind einberufen, sind bereit, ihr Leben für das Vaterland
zu opfern.
Dulce et decorum et pro patria mori. Es ist süß und ehrenhaft, für das
Vaterland zu sterben, der Spruch des edlen Horats.
Alle haben sie, meine Herren, und diese Worte in ihrem Aufsatz zur Besinnung
sehr gut erläutert.
Das höchste Glück wäre mir, meine Pflicht zu erfüllen und an der Front den
Heldentod zu sterben.
Wiedemann.
Ja.
Setzen.
Recht.
Stehen Sie auf.
Lesen Sie.
Da.
Der Ausspruch, dass es süß und ehrenvoll sei, für das Vaterland zu sterben, kann
nur als Zweckpropaganda gewertet werden.
Der Abschied vom Leben fällt immer schwer, ein Bett wie auf dem
Schlachtfeld, am meisten gewiss jungen Menschen in der Blüte... Was für ein
schäbiges, materialistisches Menschenbild.
Ohne Ideale.
Hat er da etwas ausgesprochen, was viele gedacht haben? Weiter.
Das ist wohl zu viel gesagt, was es viele gedacht haben, weil von dem
Empfinden bis zum Aussprechen, bis zum klar durchdenken, bei den meisten
natürlich nicht gereicht hat.
Nur Hohlköpfe können die Eitelkeit so weit treiben. Ich höre nichts.
Nur Hohlköpfe können die Eitelkeit so weit treiben, von einem leichten Sprung
durchs dunkle Tor zu reden.
Und auch dies nur, solange Sie sich weit ab von der letzten Stunde glauben.
Schweigen Sie!
Das ist eine niederträchtige Verhöhnung des Opfertods Ihrer Schulkameraden.
Sie haben sich damit alles verdorben.
Jetzt wird die Schulkonferenz darüber befinden, ob Sie an dieser Schule
bleiben können.
Recht. Es ist eine Enttäuschung.
Jetzt helfe Ihnen Gott.
Sie wollen dich von der Schule verweisen.
Könntest du Mama gar nicht sagen?
Weil du doch eh schon immer kalter wirst.
Eugen, was hast du dir dabei gedacht?
Um Himmels Willen. Es ist die Wahrheit.
Tecum Philippus et Celerent Fuga.
Der Hora hat sich geflüchtet. Man kann nicht alles laut aussprechen, was man
denkt.
Lass dir das mal von deinem Vater sagen.
Wenn man es nicht sagen darf, ist es die Wahrheit.
Was heißt denn du schon?
Zu Kriegsbeginn hast du ganz andere Wahrheiten geschrieben.
Wir Deutschen müssen jetzt unsere Ehre wahren, unsere Freiheit.
Und das ist aller Opfer wert.
In der Zeitung hat es gestanden.
Da war ich stolz.
Weißt du, was das jetzt heißt? Deine neuen Wahrheiten.
Kein Abitur, kein Studium der Medizin, keine Rückstellung.
Ein Attest wegen meinem Herzen? Dann nimmst du mich nicht bei der Musterung.
Nein, nach der Dissertierung von der Schule wirst du sofort eingezogen.
Dann landest du an der Front.
Da gibt es keine Ausnahme. Jetzt nicht mehr.
Man tut seine Pflicht. Und du?
Was tust du hier?
Ich schreibe.
Ja, du schreibst und schreibst und fühlst dich uns allen überlegen.
Ein Dichterin.
Aber was soll das alles werden?
Ich will einmal berühmt werden.
Ich werde der Welt zeigen, wie sie ist.
Aber wie sie wirklich ist.
Da haben Sie dir unter Goethe und Schiller ja gerade noch ein Blatt
geladen. Ja.
Ich bin der Nächste.
Ich bin der Nächste. Ich werde da einen Tag stehen.
Haben Sie ihm das geglaubt, Herr Mann? Ja, absolut.
Er hat ja immer gesagt, ich bin der letzte Dichter der deutschen Sprache.
Das letzte deutsche Genie.
Menschen, höret die Geschichte,
die erst kürzlich ist geschehen, die
ich treulich euch berichte.
Lasst uns dann ein Beispiel sehen.
So müsste im Theater zugehen.
Ein Benkelsänger eröffnet die Handlung oder eine Art Konferentier.
Ein Clown kommentiert, achten Sie mal auf Hamlet. In der nächsten Runde macht
er einen schweren Fehler.
Ja, da geht der K.O.
Schau dir den Dicken an. Zwei Zentner und fliegt sie in die Taube. Schaut, der
bläst den Rock. Die treiben es da auf der Schaukel.
Wie der Perra die Leute verändert.
Hey, froh, dass du das Kriegsabitur doch noch machen darfst. Bist ja gerade so
davon gekommen, hey.
Das war die Handlung eines durch den Krieg verwirrten jungen Menschen, haben
sie gesagt.
Dafür sind andere ins Narrenhaus gegangen.
Wer hat's noch gebraucht?
In der Brücke?
Sind wir doch wieder da bei der Familie Brecht.
Schon ab mit der Frau Brecht.
Sie kann sich gar nicht mehr um den Haar wegkönnen.
Ja, der Händel.
Der Eugen hat ja gar nichts mehr gehört von Ihnen.
Von der Flond.
Was hat denn gewesen?
Frau Brecht.
Das ist doch der Held zu mir.
Der Eugen geht ja im Herbst zum Medizinstudium.
Nach München.
Wird mein Bruder vom Militär zurückgestellt.
Mich nimmt's dann hoffentlich im nächsten Jahr.
Und wie geht's Ihnen?
Da, so in der Sonne.
Da kommt noch mal etwas Kraft.
Das hilft.
Gegen die Schmerzen. Ich bin eh nur mehr ein Zaungast des Lebens.
Da, schau her.
Auferstanden von den Toten.
Das war mal ein Röcker.
Und mein Vater?
Ich glaube, da war mal was.
Kann es auch jeder werden?
Die Ärzte haben mich untersucht. Und?
KV.
Verwendungsweg. Herrgott, was für ein Wort.
Steht im Marschbefehl.
Zu deiner Beerdigung komme ich keine Zeit.
Das Schicksal so will?
Schicksal?
Kass, dieser Krieg, dieses ganze Blutbad da draußen, das ist alles ein
Riesenschwindel.
Ich glaube, das ganze Leben ist ein Schwindel eigen.
Neulich habe ich eine Spinne gesehen.
Sie wirft den Faden von einem Punkt zum anderen.
Sie klettert rauf und runter.
Wunderschön war das, wie sie bebt.
Sie trägt diesen Faden in ihrem Körper.
Ein Faden, der sie überall hinbringt.
in einen toten Platz.
Ich bin in einem Grab gelegen, eingeklemmt und dabei.
Bändig begraben.
Ich konnte mich kaum bewegen.
Ganz finster war es. Ich wusste nicht mehr, wie viele Tage, wie viele Nächte.
Und wenn du dann verreckt bist, dann kommen die Würmer.
Zuerst kommen die Ratten.
Wir liegen am Lech an der Sonne.
Lassen uns im Wasser treiben.
Schauen in den nackten, hungrigen Himmel.
Am Abend ultraviolett.
Die Spielerei liegt brav im Bett und schnarcht.
Die Paula?
Wie ist mit der?
Du neugieriger Pfaff.
Rauschliger.
Paula muss bald verbreiten.
Ein weich, fette Hüften tu ich wie ins
grüne Gras. Rock und Hose tu ich lüften,
sonnig denn. Ich liebe das, weil das weich,
fette Hüften tu ich wie ins grüne Gras.
Und Schuss und Nase sauber, denn ich liebe das.
Es ist grausam.
Was ist grausam?
Ich muss da schließlich wieder hin.
Du doch auch.
Der Bernd ist ja freigestellt als Medizinstudent.
Mensch, maler näher.
Wir zwei haben noch was vor.
Denk dran, noch einmal werden sie dich nicht ausgraben.
Drei, vier, drei, das weibt die schöne Sache.
Der Bal haust in so einer Dachbude.
Und jetzt schleppt er auf beiden Armen die Sophie herein, als hätte er sie von
der Straße geraubt.
Was ist?
Sophie atmet schwer.
Bal sagt gleichmütig, bekommen Sie nicht recht Atem?
Sophie, ich weiß nicht, was ich habe.
Sie lehnt sich gegen die Wand.
Baal, ich weiß es.
Es ist der Frühling.
Es wird dunkel und du riechst mich.
So ist es bei den Tieren.
Den Tieren?
Das soll vor allen Leuten im Theater gesagt werden.
Ja.
Baal reißt die Tür zu, geht rasch zu ihr.
Nimm die Sophie in die Arme.
Sophie, atemlos.
Lass mich.
Du bist so hässlich. So hässlich, dass man erschrickt.
Ball, aber dann macht es nichts.
Ball küsst Sophie.
Sophie, nicht.
Nicht. Weißt du, dass mich noch nie einer so... Da war noch nie was, wo ich
bin.
Wahl führte Sophie nach hinten zum Bett.
Das bin ich.
Wahl.
Du musst mich liebhaben.
Dafür habe ich dich geholt.
Ich muss jetzt heim.
Warum wartet man auf mich?
Ja, das musst du.
Kannst du dich mal wieder aufs Land schicken?
Zum Hamster?
Ja, das meine ich.
Ja, was denn?
Er hat ja ein Zimmer in München. Ich glaube, ein Schwabing war das.
Ja, dann hat er gesagt, ich soll mich jetzt heim.
Zimmer hinlegen. Er muss auf die Universität die Vorlesung gehen. Der
holt mich dann ab zum Mittagessen.
Lieber Kass, der Fall Bitterzwid nähert sich irgendeiner Katharsis, die vorüber
sein muss, bis du dies liest.
Sie scheint es zu wollen.
Helfe ihr Gott und ich.
Bidi.
Nein, nicht Bidi.
Nicht.
Und dann haben wir gegessen und da haben wir als Nachtisch so einen Heidelbeeren,
einen Blaubeerenschnitten noch gegessen. Und die Zähne sind ja blau geworden.
Dann hat er mich, Peter musste so lachen, dann hat er mich plötzlich vor
allen Leuten mitten auf den Mund geküsst, weil es ihm so gut gefallen
hat. Und ich war tatsächlich wieder diplomiert, ich habe mich wieder
geschämt. Aber ihm hat es gepasst und das war's.
Von diesem Tag an wurde ich ein gewisses Schuldbewusstsein nicht mehr los.
Andererseits hätte ich jetzt noch viel inniger zubereicht.
Von nun an begann unsere schönste Zeit.
Lieber Karl, bittersweet, die ich jetzt ganz habe.
Du musst sie malen.
Ihre Periode ist ausgeblieben.
Ich war natürlich nicht vorsichtig, kein bisschen.
Es hätte der Heiterkeit geschadet. Ich bin doch kein Tarot-Spieler.
Ich kann meine Trümpfe nicht so zurückhalten.
Das ist mir nur wieder komisch.
Ich werde wiederkommen.
Ich will kämpfen, dass der Krieg nicht zu euch nach Deutschland kommt.
Achte auf dich.
Und komm hier heil zurück.
Meine Ausbilder sagen, ich wäre der beste Soldat im Rekrutendepot.
Ein guter Soldat erkennt die Gefahr, wenn es denn sein soll.
Ein Brief für dich und eine Vermutter.
Ich danke dir für alles.
Sei vorsichtig.
Ich werde dir von der Front schreiben.
Ich habe Angst um ihn.
Er schwimmt so in seiner Heldenbrunne dahin.
Wie du das sagst, das gefällt mir nicht.
Noch steht der Feind nicht auf deutschem Boden.
Jetzt geht es um einen ehrenhaften Frieden.
Ehre, Pflicht, Vaterland?
Und dann?
Heldentod.
Wie du aussiehst.
Ich meine, den Koppel hast du umgeschnallt.
Ich hab's verlegt.
Was ist denn das für Schuhe?
Ich bin ja nur ein Sanitätssoldat und pflege meine Geschlechtskranken.
Die haben ihre Wunden von einem ganz anderen Schlachtheld.
Als der Krieg im vierten Lenz keinen Ausblick auf Frieden bot,
zog der Soldat seine Konsequenz und starrt den
Heldentod. Es zog die ärztliche Kommission
zum Gottesacker hinaus und grub mit geweihtem
Spaten.
den gefallenen Soldaten aus.
Mit Schindrara und Wiedersehen, mit Weib und Hund
und Fass.
Und mittendrin der Todsoldat, wie ein
besoffener Ass.
Die Sterne, die sind nicht immer da, es kommt ein
Morgenrot.
Doch der Soldat, wie er gelernt, sieht in den Helden Tod.
Über zwei Millionen tote Soldaten an der Front. Über zwei Millionen
Kriegskrüppel. Und 426.000 Hungertote in der Heimat.
Der Krieg war verloren.
Zeitenwende.
Im November 1918 bricht in einer Revolution das Kaiserreich zusammen.
Die radikale Linke unter den Revolutionären
fordert auch den Umsturz der kapitalistischen Gesellschaftsordnung.
Die junge Republik, geführt von den Sozialdemokraten, ruft das Militär zur
Hilfe.
Im Berliner Zeitungsviertel kämpft die Reichswehr gegen Spartakus.
Nun red doch.
Ich muss fort.
Fort.
Unser Kind, ich... Es darf hier nicht zur Welt kommen.
Ich bin halt auch nicht... nichts gefragt worden. Ich bin halt eine
gewesen, die das Wort musste.
Der Bus fährt nur einmal am Tag.
Ja. Das klingt ja richtig fett.
Ich darf mich in Augsburg nicht blicken lassen.
Die Schande.
Und das Kind?
Später finden wir Pflegeeltern und dann darf ich in einem Jahr vielleicht wieder
heim.
Da war das Kind noch nicht aufs Zoll.
Da ist er mindestens alle vier Wochen gekommen.
Da hat er dann in dem Zimmer nebenan geschlafen. Da bin ich rüber nach.
Ich hab drinnen gelegen und hatte tatsächlich Kohlenhydrate.
Es war schlecht beieinander.
Was ist denn? Was hast du?
Mein Herz!
Er hat Angst gehabt.
Das hat man ja bei Herzgeschichten.
Er hatte furchtbare Angst gehabt.
Dann bin ich aufgehört und hab ihm dann Umschläge gemacht.
Dann sagt er, ja, es wird jetzt leichter, es wird besser. Und es ist
dann auch allmählich zur Ruhe gekommen.
Einmal hätte ich die Schublade aufgemacht.
Dann ist genügend Geld dran.
Das hat mir schon sehr zu denken gegeben, denn ich habe sowas noch gar
nie gesehen.
Seinen Namen in München.
Wenn du erst den Kammerspiel vorschlagen würdest.
Ja,
wenn du erst den Kammerspiel vorschlagen würdest.
Tagebuch Kaspar Neher, März 1919.
Ich war heute mit Bert zusammen und war froh.
Wir stellten fest, dass Bert unbedingt ein Genie wäre. Und ich auch.
Wir glauben an unser Genie wie an den Strohhalm des Besinkenden.
Die Studenten Brecht und Neher pendeln zwischen Augsburg und München.
Mit Sympathie beobachten sie, wie die Revolution in München eine Räterrepublik
gründet, auch ein Traum vieler Künstler.
Als die Kommunisten in der Räterrepublik die Macht übernehmen, marschiert die
Reichswehr ein.
Recht und Nähe erleben wie das Militär, unterstützt von den rechtsgerichteten
Freikorps, die Räterrepublik blutig niederkämpfen.
Rechtsbruder Walter hatte sich den Freikorps angeschlossen.
Walter, du musst doch nicht mal dein Leben aufs Spiel setzen.
Der Warterkurs ist doch erledigt.
Du tätest dein Leben überhaupt nicht aufs Spiel setzen.
Nein, auf keinen Fall.
Und schon gar nicht fürs Freikorps.
Sieh zu, dass du heil in deine Studentenbude kommst.
Gestern haben sie ihren Posten abgestochen.
Die Kameraden sind ziemlich wütend.
Oberhalb der Theresienwiese lagen in mehreren Reihen feindliche Gefallene und
Erschossene.
Man hatte mit ihnen kurzen Prozess gemacht.
Wir mussten mit ansehen, wie sich Leute von uns an die Toten heranmachten und
sie übel schändeten.
Auf die von Blut, Kot und Urin Besudelten wartete das Mackengrab.
1984 hat mir Walter Brecht davon erzählt.
Hier hat er die Störung der Totenwache erlebt.
Als eine ungeheuerliche Blasphemie und Unverständnis.
So habe ich es in dieser Stunde verstanden. Und ich möchte lügen.
wenn ich es heute nach so vielen Jahren sehr viel anders verstehen würde.
Diese Herausforderung aller anderen, die in diesem Haus schmerzlich gefangen
waren, um selber gewissermaßen ein eigenes Empfinden zuzudecken, so war er.
Zwanzig Winter hatten sie bedroht.
Ihre Leiden waren Legion.
Der Tod schämte sich vor ihr.
Ich ging in den Dienst und da saß er um sieben Uhr auf dem Gelände am Stagraben.
Dann sagte er zu mir, ich muss meiner Mutter das Totengedicht machen.
Oh, warum sagen wir das Wichtige nicht?
Leichte Worte waren es, dicht hinter den Zähnen, waren herausgefallen beim Lachen
und wir ersticken daran in unserem Hals.
Wollen Sie mal reinsehen?
Sie können sich gar nicht vorstellen, dass Brecht weinen konnte.
Nein, nein, denke ich nicht.
Notizbuch 1921, Titelblatt. Härte!
Er konnte heimisch lachen, er konnte, aber er hat, ich kann mir das
nicht vorstellen.
Er war einfach in meine Garderobe gekommen und hat mir Komplimente
gemacht.
Er redete und redete.
Ich bemerkte, dass ich ihn sympathisch fand.
Dann führte er mich in Augsburg spazieren und redete und redete.
Und damit empfehlen wir uns.
Ich werde nochmal mit der Intendanz der Kammerspiele durchsprechen, mein Lieber.
Aber Ihr Titel, Spartakus, der gibt ihm eine falsche politische Tendenz.
Mein Kriegsheimkehrer ergreift nur Partei für sich selbst.
Für das breite bürgerliche Bett. Aber gerade weil es nicht politisch
aufgezogen hat.
Die Marta hätte einen guten Vorschlag.
Trommeln in der Nacht.
Das kann von mir sein. Das nehmen wir.
Gute Nacht.
Herr Dr. Feuchtwanger, ich wäre Ihnen andauernd und herzlich gehoben.
Warum ist er so schön?
Er will einigen und allen.
Ein Menschenfleißer.
In seiner Art.
Ist er echt?
Zu leben lohnt sich in jedem Fall.
Ja.
Sie haben sehr aufreizend mit der Frau Feuchtwanger getanzt.
Sehr sinnlich.
Aber dann bin ich hier weggelaufen.
Und sind zu mir gekommen.
Und wir haben getanzt.
Wanger.
An Wanger.
Sehr sinnlich.
Warum wollten Sie unbedingt weg? Noch vor Mitternacht?
Weil ich gerade jetzt Geburtstag habe.
Glückwunsch.
Ich bin jetzt 23 Jahre alt.
Das finde ich ja etwas älter.
Eingeistig betrachtet bin ich ein Natusalem.
Ganze Bibliotheken sind da oben versammelt.
Und eigene Stücke, die jetzt auf die Bühne kommen.
Trommeln in der Nacht.
Dann kommt der Ball.
Und vorher noch die Bibel.
Ein Frühwerk.
Ein Frühwerk? Wir sind doch erst 23.
Hab's geschrieben, da war ich 15.
Dann folgt Gargai.
Und vor allem meine Sommersinfonie.
Woher haben Sie den Pelz?
Eine Sängerin braucht heutzutage so etwas.
Ein Pelzbeschützt.
Tu ihn weg.
Wir haben eine seltsame Art zu tanzen.
Seltsam?
Mehr so eine Art rhythmisches Schreiten.
Was will dieser Widerling von dir?
Ich leide es nicht, wenn er dich antatscht mit seinen glibberigen
Froschfingern.
Ich habe es ihm gesagt.
Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr.
Und?
Was hat er gesagt?
Er liebt mich.
Er tut alles für mich, wenn ich nur bei ihm bleibe.
Ich kann ihn riechen.
Wie er sich dir mit seinem Arsgeruch nähert.
Und wie es dich ekelt.
So ist er nicht.
Wenn ich will, lässt er mich in Ruhe. Sag ihm, dass du jetzt zu mir gehörst.
Er weiß es.
Und? Lässt du weinen?
Fuck, ja, Belly. Mit tropfnassen Taschentüchern.
Ab sofort nimmst du kein Geld mehr von ihm an.
Du lässt ihn nicht mehr durch deine Tür und in dein Bett kommen, gar nicht.
Auf gar keinen Fall.
Ich kann ihm doch nicht das Theater verbieten.
Das nicht.
Aber wie du ihn ansingst. Ich bin die Carmen.
Ja, aber auch die macht...
Ich
bin schwanger.
Von wem? Von wem? Von dir.
Aber mach dir keine Sorgen.
Ich werde recht heiraten.
Ich habe schon ein Kind, das unter Bauern aufwächst.
Mag es dick werden und mich nicht verfluchen.
Aber jetzt reißen sich schon die Ungeborenen um mich.
Ich kann nicht heiraten.
Ich muss die Ellbogen frei haben, allein schlafen und skrupellos sein.
Ich bin eine Zigeunerin.
Ich brauche jemanden, der anders ist.
Der mich hält. Darf ich nicht laufen?
Ich schreibe jetzt Filme.
Hast du mich denn noch ein bisschen lieb?
Du dumme Gei.
Jeden Tag, denke ich an dich.
Wenn ich 21 bin, dann können wir doch heiraten.
Ja, Geld müssten wir halt haben.
Könnten wir auf den Jungen für uns nehmen.
Da, wo er jetzt lebt, der Wegmacher und seine Frau.
Ob das das Richtige hier ist?
Das sind gute Leute.
Frank Bannholzer bleibt noch viele Jahre in Kimmerershofen.
Er wird hier zur Schule gehen.
Ein älterer Wegmacher und seine Frau hatten ihn gegen Bezahlung aufgenommen.
Nur selten kommen die Eltern zu Besuch.
Von Marianne. Für Sie.
Ich heirate recht.
Sie haben verstanden?
Sie hat starke Blutungen gehabt.
Man musste operieren. Und ja, sie hat das Kind verloren.
Frau Recht?
So heißt du ihr?
Nein,
er hat mich hergebracht.
zu deinem Engagement nach Wiesbaden reisen.
Deine Karriere steht jetzt nichts mehr im Wege.
Warum willst du mich jetzt quälen? Ich habe gerade mein Kind verloren.
Mein Kind, das du verraten hättest an den da.
Nach der ersten Blutung hast du mir selber eine Abtreibung vorgeschlagen. Du
und dein Medizinstudent, der Müller-Albert.
Ich wollte es nicht wecken.
Ich wollte es behalten.
Schau mal, Marianne.
Das ist der Frank.
Mein Sohn.
Ich habe ihn gerade mit der Paula in Kimmerer Zucht gesucht.
Ein kluger, lieber Junge.
Ich zeige ihr grausam die Bilder von Frank.
Sie weint laut auf.
Ich könnte das Mensch erwürgen.
Die Hure soll kein Kind haben.
Mein Kind ging weg von ihr, weil sie kein reines Herz hatte.
Heraus von mir.
Heraus.
Jetzt sie als Hure benutzen lassen.
Den anderen hinwerfen.
Du gehörst nicht mehr zu mir.
Worauf man bei einer Schilderung der Marianngeschichte das sorgfältigste
Gewicht legen müsste.
Der Halbjude ist Geschäftsmann, die Frau Opernsängerin, der junge Mann Literat.
Der Geschäftsmann wünscht ihren Geist, der Literat ihren Körper zu besitzen.
Ich fahre mit der Bi an den See.
Wir nehmen ein Sonnenbad im Kahn, weil sie unvergleichlich aussieht, schmal und
zart. Dann lehre ich ihr das Schwimmen. Er hat mir das Schwimmen gelernt. Oh,
der Lügner, der Lügner. Ich konnte doch schwimmen. Ich habe es doch gelernt.
13 Jahre alt habe ich doch schwimmen gelernt. Oder 12 kann es sein.
In der Kabine sitzen wir nackt.
Sie hat für eine reine, natürliche Art eine unerhörte Anmut und Würde in allem.
Sie sagt, ich wirke männlich, wenn ich spreche.
Überhaupt nicht.
Im Besten umhaft und frech und am besten, wenn etwas passiert.
Ich habe sie sehr lieb.
Gerade noch mit der
Bier auf der anderen Seite von dir und jetzt schon wieder mit der Marianne.
Du konntest doch keine gehen lassen.
Sie liebt mich.
Mit Recht hat sie gebrochen.
Ich kann sie sexuell nicht befriedigen.
So was sagst du dir?
Ja, nur du kannst mich befriedigen.
Sie hat sehr schöne Worte.
Danke, Marc.
Danke. Ich will
Timbuktu
und ein Kind.
Und ein Haus.
Und ohne Tür.
Und will allein sein im Bett.
Und mit einer Frau im Bett.
Gleichzeitig. Ja, das ist es ja gerade.
Dazu die Äpfel vom Baum und das Holz vom Baum.
Keine Axt führen.
Und den Baum mit Blüten, die Äpfel, Blattwerk in großer Aufnahme vor meinem
Fenster. Und noch was?
Ja, einen Knecht zum Düngen.
Er will alles haben.
Alles.
Und warum?
Mit der Begründung, dass ich nur einmal vorhanden bin.
Und wer ist der Knecht?
Immer die anderen.
So ein Liebeskitsch.
Aber große Gefühle.
Notiz Marianne Zoff, 1921. Ein großer Mann darf auch lügen.
Immer lügen. Warum auch nicht?
Überhaupt, wenn man so lügt, dass man selbst alles glaubt, was man sagt, das
ist auch Kunst.
Und wer kann auch im Sommer lügen, wenn es heiß ist, ganz heiß ist?
Brecht kann es.
Bert Brecht kann alles.
September, still unter einem jungen Pflaumenbaum,
da hielt ich sie, die stille, bleiche Liebe,
in meinem Arm wie einen holden
Traum. Und über uns im schönen
Sommerhimmel war eine Wolke,
Ohne mich, da sind sie ja endlich.
Ich sah, ich hatte noch nie einen Menschen gesehen.
Ich hatte das Gefühl, das, was jetzt kommt, kann nie enden.
Ich hatte sofort das Gefühl der Erkenntnis, in diesem kleinen,
unscheinbaren Menschen dort, da schlägt das Herz unserer Zeit.
geschwommen still hinunter und vorbei.
Die blauen Bäume sind wohl abgehauen und
fragst du mich, was mit der Liebe sein soll. Ich hatte nur einen Wunsch.
Dieses Schülergefühl.
Liebe.
Große Liebe in der Welt.
Gib mir den als Freund.
Ich weiß schon, was du meinst, doch ihr
Gesicht, das weiß ich nicht mehr. Und er bat Liebe, Liebe
auf der Welt, gib mir den zum Freund. Etwas emphatisch, etwas theatralisch,
aber es muss doch etwas von Gefühl in ihm da gewesen sein, das sich da
geöffnet hat.
Ja, das waren zwei sehr verschiedene Menschen, die sich aber aus welchen
Gründen auch immer sehr angezogen haben. Arnold.
Bertolt.
Auch mit T am Ende?
Ja, ich denke schon.
Ich bin übrigens eine Kleinschreibung.
Ach was.
Alle? Ja, durchweg.
Der Brecht hatte sozusagen den Bal in der Tasche und mein Vater den Vatermord.
Also beide waren auf dem Sprung. Sie waren arme Schlucker.
die sich verstanden, etwas zu stilisieren. Recht mit seinem
Lederkappel und seinem langen Ledermantel.
Und mein Vater mit weißen Antügen.
Recht.
Oder eben überhaupt mit Antügen und etwas herrschaftlicher.
Und die beiden waren sowas wie Asphalt-Cowboys, die die Straßen von
Berlin durchliefen, weil sie hatten nicht einmal Geld für den Bus und liefen
die ganzen Nächte durch.
Und gingen von einer Premiere zur anderen. Brecht hatte immer irgendwo
jemanden, den er kannte. Und wenn es dann ein Spezient war oder ein
Schauspieler, den dann mit in die Truppe reinhielten. Und sie mussten nicht
zahlen und waren dabei und haben es gesehen.
In Berlin scheitert Brecht mit dem Versuch, Bronnens Stück Vatermord zu
inszenieren. Seine erste eigene Premiere bekommt er in den Münchner
Kammerspielen.
dass der eigene Premiere dann rumwächst.
Dem Feuchtwanger habe ich es zu verdanken, dass sie mich spielen.
Und schau mal da.
Neben seiner Frau.
Das ist der Jering.
Der Kritiker vom Berliner Börsenkurier.
Von dem hängt es ab.
Ja. Ob es morgen in Berlin meinen Namen buchstabieren können, ja.
Spartacus?
Oder die Macht der Liebe?
Das Blutbad im Zeitungsviertel?
Oder jedermann ist der Beste in seiner Haut?
Der Dudel sagt Pfeif.
Die Menschen sterben im Zeitungsviertel. Die Häuser fallen auf wie der
Morgengraub.
Wie erseufte Katzen liegen sie auf dem Asphalt.
Ich bin ein Schwein und das Schwein geht heim.
Ich ziehe ein frisches Hemd an.
Meine Haut habe ich noch.
Das Geschrei ist alles vorbei morgen früh.
Aber ich liege im Bett morgen früh und vermehre mich.
Damit ich nicht aussterbe.
Glaubst nicht so romantisch, ihr Wucherer.
Ihr Halsabschneider, ihr blutdürstigen Feiglinge, ihr.
Jetzt kommt das Bett.
Das große, weiße, breite Bett.
Komm.
Ja, gut.
Der 24-jährige Bert Brecht hat über Nacht das sichterische Ansicht
Deutschlands verändert.
Punkt.
Mit Brecht ist ein neuer Ton, eine neue Melodie, eine
neue Vision in der Zeit.
Punkt.
Nein, nicht angekommen. Einfach eine neue Vision in der Zeit. Punkt. Eine
literarische Sensationspremiere.
Der ungewöhnliche Erfolg von Bert Brechts Komödie Trommeln in der Nacht
war ein neues Zeichen dafür, dass sich das echte, starke, wenn man es nur wagt,
immer durchsetzt.
An den Herrn Standesbeamten des Standesamts München ein dringend.
Abkürzung der Aufgebotsfrist in Sachen der Eheschließung des Schriftstellers
Eugen Bertolt Brecht mit der Okernsängerin Vollern Marianne Zoff.
Im Namen und Auftrag der Brautleute bitte ich, die Aufgebotsfrist für
dieselben so abkürzen zu wollen, dass die Eheschließung spätestens am Freitag,
den 3. oder Samstag, den 4. November 1922 möglich ist.
Begründung, die Braut befindet sich im 5. Monat der Schwangerschaft, ärztliches
Zeugnis in der Anlage.
Zweitens, der Bräutigam, der durch die erfolgreiche Uraufführung seines Stückes
Trommeln in der Nacht, Kammerspiele, bekannt gewordene Bühnenschriftsteller
Berthold Brecht.
muss zur Vorbereitung der Erstaufführung in Berlin, München verlassen. Er begibt
sich dann zur Vorbereitung der verschiedenen in ganz Deutschland
angesetzten Erstaufführungen auf ein längeres Reiseleben und kann ohne
Berufsstörung und große Kosten nicht so rasch wiederkommen.
Wie lange willst du diesmal in Berlin bleiben?
Ich habe gerade in München geheiratet.
Pack gar nicht erst auf.
Entschuldige, aber ich brauche mein Zimmer heute Nacht. Herr Fräulein?
Und ich, Arnold?
Du kennst doch die Helene Weigel.
Die Begabte.
Sie spielt gerade bei Jessner am Stadttheater.
Die will was werden.
Und sie wohnt direkt gegenüber in der Spichernstraße Nummer 16.
Ganz oben unter dem Dach.
Du meinst, ich kann das auch einfach?
Ja.
Sie ist berühmt für ihre Mehlspeisen.
Wie in der Küche.
Für eine Nacht?
Für eine Nacht.
Was?
Aha.
Steht jemand wett für die Nacht?
Wer sagt denn so was?
Der Bronner?
Na, da kommen sie halt rein.
Eine schöne Wohnung haben sie da.
So, gefällt's Ihnen?
Ein Atelier.
Und die ganze Stadt vor dem Fenster.
Theater, Verlage, Zeitungen, Kneipen und die Kinos.
Alle Freunde, alle Feinde.
Wollen gleich ganz Berlin erobern. Wer sich in dieser Stadt durchsetzt, der
braucht schon ein paar Ellbogen und ein paar Irne.
Die Wiener Mehlspeisen.
Sagen Sie mal, suchen Sie eigentlich einen Schlafplatz oder einen
Mittagstisch? Beides.
Recht war nicht nur einfallsreich, amüsant, witzig. Er hatte auch die Aura
eines Kindes.
Zog, ohne es zu wollen, Blicke, Gefühle, Tastversuche an sich.
Was er sah, wovon er hörte, wollte er haben.
Sie könnten es ruhig mal mit anpacken, wenn Sie es da draußen weich lieben
wollen.
Meinst du nicht, das Matratze wird dort besser?
Bei mir.
Dazu sage ich nur... Eine
gruselnde Nacht, der Herr.
Eine Decke ist halt zu wenig für so eine Nacht.
Nein.
Wie die stille, bleiche Liebe in meinem Arm wie einen
holden Traum. Und über uns im schönen
Sommerhimmel war eine Wolke, die ich lange
sah.
Sie war sehr weich und ungeheuer.
Und als ich auch sah,
war sie immer da.
Du sollst bleiben.
Was sollst du bleiben?
Immer ein Geschenk.
Keine Tribute.
Keine Tribute.
Paula Banholzer heiratet 1924 den Handelsvertreter Hermann Groß.
Sie darf Brechts Sohn nicht zu sich nehmen.
Und meine Mutter wurde dann auch von der Familie meines Vaters da abgelehnt. War
einfach quasi mit einem Sandmeil, quasi befleckt, uneheliches Kind.
Brecht, dann quasi der große Kommunist. In der Zeit überall in Deutschland,
wissen Sie ja besser als ich, verfehmt. Und mit diesem Mann hatte meine Mutter
eine siebenjährige Beziehung.
Und das wurde ihr sehr verübelt.
Rechtssohn Frank Ballholzer diente als Soldat in Hitlers Wehrmacht.
Er wird in einem Kino an der Ostfront getötet.
Partisanen hatten das Gebäude gesprengt.
Jetzt kannst du deine Musik probieren in deinem neuen Hauptquartier.
Zumindest kommt da niemand zu mir rüber in die Babelsberger.
Wie du das hinbekommen hast beim Wohnungsdampf?
Dass du es nur weißt, ich bin von Beruf Schauspielerin.
Da hat der arme Beamte... Da hat er jetzt einsehen müssen, dass da
Schwangere lebt, die sich vielen Stockwerke hochklappern.
Heli, du bist einfach großartig.
Wie du dich kümmerst.
Ja, ich bin schon eine brauchbare Person.
Ganz besonderer.
Einer wie keiner.
Eine, um die du nimmer herumkommst?
Nicht kann und auch nicht will.
Und jetzt schon gar nicht.
Es soll dir eine Augenweide sein.
Wie der Vater.
Madame, wir beide sind Ihnen andauernd und reichlich gewogen.
Seid vorsichtig mit der steilen Treppe.
Tatsächlich, jetzt geht es mir nur so leid.
Guten Tag.
Sie haben mich angerufen. Sie benötigen eine Sekretärin? Ja.
Fräulein Hauptmann, Fräulein Weigel.
Das war die Spurmütterin.
Ach.
Kommt.
Und, ähm... Sie beherrschen also die englische Sprache? Ich war mal Lehrerin.
Könnten Sie mir Stunden geben?
If you like it. Really?
There is another question.
Können Sie Maschine schreiben?
Mit ein, zehn Fingern.
Sehr gut.
Die werden Sie auch gebrauchen.
Der Kiepenheuer sitzt mir im Genack.
Ich werde mit ihm sprechen, dass er sie als meine Sekretärin bezahlt.
Meinen Sie, das macht er?
Ja.
Aber... Elisabeth, das geht nicht.
Wie kann ich sie noch nennen?
Beth?
Meine Mutter ist in New York aufgewachsen.
Beth.
Ja, das passt für ihn.
Und wir passen zu mir.
Wonderful.
Und dann trafen wir uns und das erste Jahr weiß ich, da war niemand da.
Feuchtwanger kam, aber der hatte selbst genug zu tun, um mit Berlin fertig zu
werden.
Nun ja, und es war auch dann zwischen Brecht und mir sehr viele Gespräche.
Ich kann es mir heute selber kaum vorstellen.
Was für ein Partner ich damals war. Im Mama-Haus geben Sie den neuen Zeppelin.
Und hier habe ich Ihnen die Kipling-Gesichtung übersetzt.
Sehr gut.
Wie steht es mit Samson Körner?
Er wird uns sein Leben erzählen.
Sehr gut. Sie stenografieren, ich mache eine Biografie daraus.
Das könnte eine interessante Geschichte werden.
Der Kortner müsste vor dem Kampf im Sportpalast daraus vorlesen.
Was liegt die Presse?
Die Steuerwerke machen ein Preisaustreiben.
Der Gewinner bekommt ein neues Auto.
Was ist Berlin ohne ein eigenes Auto?
Was?
Wir machen Reklame.
Fingende Steuerwagen.
Wir fahren dich so ohne Erschütterung.
Dass du glaubst, du liegst in einem Wasser.
Haare und...
Wie
seine Augen folgen meiner Hand.
Wie sein Vater.
Sein Bruder, der Walter, war hier zu Besuch.
Fräulein Weigel hat das sagen müssen.
Und dass er jetzt der Onkel ist von unserem Stefan, das hat ihm keiner
gesagt. Und die Marianne?
Die Angetraute ist ahnungslos.
In Familienangelegenheiten, da ist es geht, es geht.
Jetzt sag mir die Wahrheit, du hast das mit der Weigel.
Wer sagt denn so was? Das ist mir zugetragen worden.
Das sind Lügen.
Und dass du ein Kind mit ihr hast?
Sind das auch Lügen?
Und dass du immer zu ihr gehst zu Mittag?
Und dass du dich schon ganz an das neue Kind gewöhnt hast?
Marianne, du täuscht dich gewaltig. Ich stehe gar nicht gut mit der Weige.
Am Ende wirst du sie nur heiraten.
Marianne, hör mir zu. Ich bin mit dir verheiratet und ich kenne nur ein Kind.
Und das ist unsere Hanna.
Verstehst du das?
Aber wenn du mit einem anderen Mann gehst, dann ist es aus.
Willst du wirklich mit diesem komiker Tio Lingen durch die Provinz als
Künstlerpärchen tingeln?
Mir ist ein Anzieh...
Dann gibt es einen Krieg zwischen uns.
Situation scheußlich. Hier ich, da der Revolver. Endlich, hier mit Baldrian.
Nissen, netter Kerl, aber Inspezienten erschießen, klarer Mordversuch.
Wirkung prompt, beruhigt schon.
22. November 1927.
Brecht wird von Marianne geschieden.
Entscheidungsgründe des Gerichts.
Aufgrund der Zeugnisverweigerung der Zeugen ist als erwiesen anzusehen, dass
die Beklagte mit dem Schauspieler Theodor Lingen und der Kläger mit der
Schauspielerin Helene Weigl geschlechtlichen Umgang gehabt haben.
Rechtsversuch, Marianne als alleinschuldige Ehebrecherin verurteilen
zu lassen, war gescheitert.
Gut, dass ich Sie endlich gefunden habe.
Aufrecht, mein Name.
Ich habe soeben das Schiff Bauer Damm übernommen.
Ein eigenes Theater.
Ja.
Glückwunsch. Danke.
Ich bin aber in einer gewissen Verlegenheit.
Ich habe kein Stück, mit dem ich eröffnen könnte.
Ein Bier, bitte.
Sehr gerne. Danke.
Joe Fleischhacker, das ist ihr Stück.
Spielt in Amerika, an der Weizenbörse von Chicago.
Wir zeigen die Spekulation mit dem Brot der Welt.
Verbrechen des Kapitalismus. Weizenbörse auf der Bühne, ich weiß nicht.
Das ist doch Raub.
Ausbeutung der Ärmsten.
Schauen Sie aufrecht.
Das ist wieder Diebstahl bei den Löhnen, wo die Unternehmer den Mehrwert, den die
Arbeiter schaffen, in die eigene Tasche bringen.
Das erste Verbrechen, von dem sich alle anderen ableiten.
Ich brauche etwas Unterhaltsames.
Ich hätte da vielleicht noch so ein kleines Nebenwerk in Arbeit.
Nur so zum Spaß arbeite ich dran, verstehst du?
Beggars Opera.
Was haben Sie denn da vorhin für ein Buch mitgebracht?
Beggars Opera von John Gay.
Eine Bettler-Oper.
Genau genommen, des Bettlers Opa.
Beckers Opa.
Das Stück ist 200 Jahre alt. Und es ist trotzdem heute der Sensationserfolg in
London. Ah, Mensch, halt!
Das hat ihm doch der Dr. Schmidt gesagt.
Der Rest atmet raus.
Worum geht's in dem Stück?
Das Personal.
Huren, Bettler, Diebe.
Und ein Anwalt, der ihr Hehler ist.
Alles dreht sich ums Geld.
Lug und Vertrug.
Worum geht es?
Dieser Peachum hat in London ein Bettler-Imperium aufgebaut.
Dazu übernimmt er, was er auf der Straße findet.
Die selbstständigen Handwerker des Bettlertums, die begabten Laien.
Seine Organisation weist ihnen in der Stadt feste Plätze zu.
Maske und Kostüm stellt die Firma.
Ein Unternehmer und seine Angestellten. Er besitzt die Produktionsmittel und
die...
Die Beckler sind eine Ausbeutung. Da gibt es eine interessante Figur.
Einen gewissen McKee.
Ein Straßenräuber.
Mit hansenschönen Frauen und derle. Und der lügt und begrüßt. Die eine mit der
anderen, weit mit der dritten.
Aber dann kommt ihm ein richtiger Räuber in die Quere.
Und der stiehlt ihm die Tochter.
Das ist gut.
Genau darum geht es ja in der Bettleroper. Die bürgerliche Lebensform
der Verbrecher und die verbrecherische Lebensform der Bürger.
Die Vorliebe der Bürger für Räuber in den Romanen oder jetzt auch im Kino
entsteht ja aus dem Irrtum, der Räuber sei kein Bürger.
Und das wiederum erklärt sich aus dem Irrglauben, der Bürger sei kein Räuber.
Komm, sprich.
Die Kleinigkeit hier.
Die übernehmen Sie doch, oder?
Warten Sie! Wann kann ich es lesen?
Morgen Nachmittag können Sie die ersten Szenen bei mir abholen lassen.
Bichernstraße 16.
Ganz oben unterm Dach.
Danke. Erster Akt, zweite Szene. So ein Räuber ist auch nur ein Gemütsmensch.
McKees will jetzt Hochzeit feiern. In Weiß. Darauf besteht die Braut. Die
Unschuld. Schon weg.
Trotzdem. Ein Brautwerk muss her.
Der schönste Tag im Leben einer Frau.
Es fehlen noch zur Ausstattung die großen Gefühle.
Die Opern links herauf und runter.
Sie haben es doch gelernt.
Puccini. Ja, genau.
Genau das meine ich.
Jetzt kommt der Moment.
Der großen Einfühlung.
Das alte Theater zeigt, was es kann.
Der Liebeskitsch.
Das Parkett schließt die Augen.
In den Logen schwimmen sie weg.
Und das schneiden wir jetzt auf.
Wir zeigen die Fleischlichkeit der bürgerlichen Liebe.
Das Portemonnaie und die gefüllte Samenblase.
Das ist die Basis.
Rechts. Sie sind ein Materialist. Ja.
Und von unten zum Überbau das liebende Herz.
Dem Räuber fehlt allerdings der Ehevertrag vor Staat und Altar.
Und gibt es kein Schriftstück vom Standesamt?
Und keine Blumen auf dem Altar?
Bleibt doch die Liebe.
Oder nicht.
Sehr gut.
Das soll man jetzt als Duett der Verliebten singen?
Der Weil muss uns die Musik dazu machen.
Setz dich beim Aufricht durch.
Die Liebe dauert.
Oder dauert nicht.
Und dem oder jenem.
Herr Brecht wird ja sehr viele Songs einfügen. Nicht!
Und dafür baue ich hier im Hintergrund eine übergroße Jahrmarktsorgel auf.
Die Pfeifen verziere ich mit Putten. Die Musik soll endlich raus aus dem
Orchestergraben, raus aus diesem Versteck. Die Musiker sollen nicht
länger unsichtbar bleiben.
Sie sitzen direkt hier unter der Orgel.
Alle sollen alles sehen.
Alles hoch über den Köpfen der Schauspieler. Gerade so wie im Zirkus.
Und so sollen auch die Umbauten ablaufen. Ja.
Und hier werde ich einen halbhohen Vorhang entlangziehen. Dahinter finden
die Umbauten statt.
Fast einsehbar, fast offen.
Wir betonen, das hier ist nur Theater.
Der Weil wird uns viel Musik liefern.
Weil? Kurt Weil.
Der macht doch diese strenge, atonale Katzenmusik. Na, ich meine, der scheucht
mir das ganze Publikum raus. Keine Katzenmusik. Der Weil schreibt uns eine
schmissige Musik.
Anspruchsvolle, eingängige Songs mit Niveau.
Wollen Sie nicht gleich den ganzen Laden übernehmen, Brecht?
Der Weil hat einen ganz neuen Ton gefunden. Der unterstreicht mit seiner
Musik die Sätze.
Da fangst du an zu denken.
Das ist gut. Gefällt mir.
In diesem Pferdestall findet heute meine Hochzeit mit Fräulein Polly Peach im
Stadt, die mir aus Liebe gefolgt ist, um mein weiteres Leben mit mir zu teilen.
Operette.
Von oben bis unten.
Das ist alles viel zu süßlich.
Pausen, sagen Sie.
Diese blaue Schleife.
Was ist damit?
Könnten Sie vielleicht darauf verzichten? Eher verzichte ich auf diese
Rolle. Ich habe eh keinen vernünftigen Auftritt zu Beginn des Stücks. Da müssen
Sie mir noch was schreiben, Herr Brecht. Damit klar wird, wer hier die Hauptrolle
spielt.
Gut.
Tun Sie ihm den Gefallen.
Derweil und ich führen ihn durch eine Moritat ein.
Eine blutige. Und da besingt er deine Schandtaten.
Gut. Mit hellblauer Fliege.
Der hat Zähne und der Haifisch, der hat
Zähne und die trägt er im Gesicht.
Und Mekiter, der hat ein Messer, doch
das Messer sieht man nicht.
Ein schöner, ironischer Kontrast, dieses fast zärtlich gesungene Hat ein Messer.
Aber es könnte auch scharf sein, das Wort, sodass es schneidet.
Hat ein Messer.
Und das Messer sieht man nicht.
Besser wäre es, wenn der Geron direkt als Benkelsänger das Lied singt. Gleich
am Anfang, in einem Vorspiel.
Auf dem Markt von Zoho. Da wird sich der Paulsen aber freuen.
Der Paulsen.
Operettenpaulsen schleicht als Merkies auf der Bühne herum und hört zu, wie
seine Verbrechen gesungen werden.
Zur Ramp. Ja.
Er hat Sehnen und sie hat er im Gesicht.
Soldaten wohnen auf den Kanonen vom Kaffee
-Kausch-BH.
Wenn es mal regnete und es begegnete Ihnen eine neue Rasse,
eine braune, verwohrene Blatte, dann machen Sie die Leute auch ihr Bütig
-Tata.
Die Zeitungen prophezeien eine Serie von 500 Aufführungen.
500 Vorstellungen in Berlin.
Jetzt hat die Stadt erobert.
Das ist der Ruhm.
Prost.
Was ist mit München, Leipzig, Dresden?
Hamburg, Köln, Königsberg.
Und was ist mit London und Paris?
New York.
Und Moskau?
Ganz in Weiß.
Brecht und Helene Weigl mit ihren Kindern Stefan und Barbara im eigenen
Sommerhaus am Ammersee.
Auch Brechts und Mariannes Tochter Hanne ist gelegentlich dabei.
Brecht?
Der Dichter Bert Brecht, der sich mit der Berliner Bühnenkünstlerin Helene
Weigel vermählte.
Das ist gegen die Verabredung.
Auf dich wurden Lasten gelegt, die man nur auf die sichersten Schultern legt.
Du würdest übersehen wie das nächstliegende.
Von dir wurde erwartet die besondere Einsicht.
So essen am letzten die, denen das Werk am nächsten fliegt, die Köche.
Ich kenne es sehr gut.
Setze deinen Namen also nicht auf die nicht abreißende Liste der Abgefallenen.
Ja, so ist es aber auch. So schwer war es.
Es war schwer.
Für jeden irgendwie.
Aber besonders für die, die nun immer da waren.
Nicht wahr?
Wie soll man das bezeichnen?
Er war aber...
Jemand, der Besitz haben wollte, der Besitz haben wollte auch von Menschen.
Er hat immer einen Kreis um sich gehabt von guten Freunden, auch von Frauen.
Sie gab er auch nicht gerne hin.
Marianne Zoff und Tochter Hanne. Nach ihrer Scheidung von Brecht hatte sie
1928 Triolingen geheiratet.
Der beliebte Schauspieler schaffte es, seine jüdische Frau, ihre Mutter und
Brechts Tochter heil durch den Terror in Nazi-Deutschland zu bringen.
Goebbels wollte für sein Unterhaltungskino nicht auf den
beliebten Komedienten verzichten.
Was für Gesichter.
Maxim Gorkys Roman Die Mutter im Kino.
Ein Film von Pudovkin über die Vorgeschichte der russischen Revolution.
Das wäre eine Rolle für dich.
Okay, dafür bin ich jetzt jung.
Pelagea Vlasova verliert in den Kämpfen ihren Sohn. Sie übernimmt die Fahne der
Revolution.
Wie man sich gejagt hat im 1. Mai.
Wie man auf sie geschossen hat.
Vor unseren Augen, direkt vor dem Liebknechthaus.
Zu hart.
Ich hätte es nicht für möglich gehalten.
Eine Demonstration haben sie zusammen geschossen.
20 Tote standen auch in der Zeitung.
Die Sozialdemokraten haben es oft im Gewicht. Nein, Heli, ich meine... Ich
meine, wie wirklich das mit einem Mal war.
Über Inflation, Weltwirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit.
Das ganze Elend unter der glänzenden Oberfläche der Weimarer Republik
versteht Brecht als notwendige Systemkrise des Kapitalismus.
Die Schriften von Marx, Engels und Lenin haben ihm die Augen geöffnet.
Gemeinsam mit Günter Weisenborn bearbeitet Brecht Gorkis Roman für die
Bühne. Nach dem Tod ihres Sohnes übernimmt die Mutter die Führung. Sie
eignet sich das Wissen der Bourgeoisie an, enteignet sie geradezu.
Sie durchschaut den Zusammenhang zwischen dem Besitz an
Produktionsmitteln in den Fabriken und der Ausbeutung.
So übernimmt sie die Führung, wird eine Mutter für alle Söhne.
Was spricht gegen den Kommunismus?
Er ist vernünftig.
Jeder versteht ihn.
Er ist leicht.
Du bist doch kein Ausbeuter. Du kannst ihn begreifen.
Er ist gut für dich.
Erkundige dich nach ihm.
Die Dummköpfe nennen ihn dumm.
Und die Schmutzigen nennen ihn schmutzig.
Er ist gegen den Schmutz und gegen die Dummheit.
Wir aber wissen, er ist das Ende der Verbrechen.
Er ist keine Tollheit.
sondern das Ende der Tollheit.
Er ist nicht das Haus, sondern die
Ordnung. Er ist das Einfache,
das schwer zu machen ist.
Nach Hitlers Machtantritt und dem Reichstagsbrand setzen die ersten
Verhaftungswellen ein.
Von Freunden war Brecht vor einer drohenden Verhaftung gewarnt worden.
Gefährdet war auch Helene Weigel. Für die Nazis war sie eine jüdische
Bolschewistin. Ihre Pässe bitte.
Elisabeth Hauptmann setzt den Sohn Stefan ins Flugzeug nach Prag.
Die Tochter Barbara bringt sie zunächst zum Großvater nach Augsburg.
Hier ist eine größere polizeiliche Aktion eingeleitet. In verschiedenen
Stadtgegenden, vom Keller bis zum Boden, Wohnung für Wohnung. Es wird zum
Beispiel darauf Obacht gegeben, ob sich unter den Personen, die angetroffen
werden, politisch gesuchte Personen befinden. Endlos lange Reihe von
Polizeiwagen, selbst mit Beamten, Karabinern, Maschinenpistolen. Und daran
ein ungeheures Aufsehen.
eine irrsinnige Angst bei den Kommunisten, bei den
sozialdemokratischen Funktionären.
Can't find what you're looking for?
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