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Sie sind ja schon wieder da. Wie sind Sie denn hier hereingekommen? Bitte
lassen Sie mich wenigstens hier auf ihn warten. Machen Sie, dass Sie rauskommen.
Sie brauchen sich gar nicht so aufzuregen.
Ich gehe ja schon.
Kein langes Palawa, hauen Sie ab.
Aber das werde ich Alvin sagen.
Sie meinen wohl Herrn Knobbel? Für Sie immer noch Herr Direkter Knobbel. Was er
für mich ist, geht Sie gar nichts an.
Für ein Hausmädchen sind die Reifen frech.
Aber, Nertchen.
Nein.
Sag mal, Nertchen, was tust du hier? Heute ist doch gar nicht Dienstag.
Ich hatte solche Sehnsucht nach dir.
Nun ja, das ist verständlich. Aber sieh mal, Nertchen, du weißt doch, dass ich
die ganze Woche schwer arbeiten muss.
Sei brav und geh wieder nach Hause, ja?
Ciao. Bis zum Dienstag.
Ciao.
Gibt's was Neues? Das kann man wohl sagen. So, warte. Ich kündige, Herr
Knubbel. Aber, Tilda.
Das hält doch kein Mensch mehr aus, jeden Tag eine andere.
Tilda, das können Sie mir doch nicht antun. Diese Anrufe.
Kann ich Herrn Knoppe sprechen?
Ich muss ihn unbedingt sehen. Ich bringe mich um, wenn er keine Zeit für mich
hat. Für mich ist er ganz bestimmt zu sprechen.
Aber telefonieren?
Telefonieren ist doch nicht verboten.
Das ist die Post von heute Morgen.
Tagtäglich schicken sie Blumen. Sie schleichen sich in die Wohnung.
Sie verstecken sich in den Schränken.
Kannst du schweigen von denen, die sich gleich ins Bett legen?
Aha, schon wieder eine, wie?
Machen Sie gar nicht erst auf, ich bin nicht zu Hause.
Ach, Tilda, was soll ich bloß tun?
Ich habe noch so viel nachzuholen in meinem Leben.
Das kann man auch bei einer einzigen tun.
Haben Sie eine bestimmte im Auge?
Mich?
Tilda?
Ja, Tilda.
Nein. Eine alte Bauernregel sagt, ein Tag in der Woche muss Ruhe sein.
Dann sollen Ihnen die Bauern den Haushalt führen. Ich gehe.
Das war die siebte.
Schade, eigentlich war sie ganz nett.
Santa? Ja, Santa, nein, heute ist doch nicht Mittwoch.
Ich hatte solche Sehnsucht nach dir. Nein, nein, daraus wird nichts. Komm,
zieh dich gleich wieder ab.
Ach, und ich habe mich schon so gefreut.
Ja, das sehe ich.
Nichtsdestotrotz, Liebling, heute ist mein Ruhetag.
Das heißt allerdings, wenn du schon mal da bist.
Also gut,
dann bleibe ich.
Aber nur ausnahmsweise.
Danke. Für mich keinen Sekt. Ich trinke wie üblich mein Glas Wasser.
Warum trinkst du immer was?
Tja, meine Damen und Herren, diese Frage wird mir sehr oft gestellt.
Aber sehen Sie, gerade dieses Wasser hat vor ein paar Jahren mein Leben total
verändert. Heute bin ich zwar ein toller Hecht, wie Sie sehen, aber damals gab es
Zeiten, da war ich... Damals war ich Assessor.
Assessor im Ministerium für Fremdverkehr. Und zu jener Zeit war ich
das genaue Gegenteil davon.
Sag mal, mit wem sprichst du eigentlich?
Mit vielen Leuten, schön brav sein. Wo war ich jetzt stehen? Ach so, ja,
richtig.
Sehen Sie, ich habe mich seither verändert, in jeder Beziehung. Und das
wiederum hängt mit einem kleinen Ort hoch im Norden unseres Landes zusammen.
Jongborn heißt das Dorf. Und seine Einwohner sind seit Jahrhunderten von
der Wunderkraft einer kleinen Quelle überzeugt. Sie nennen dieses Munte-Dahin
-Plätschern der Rinnensaal ganz einfach die Liebesquelle.
Jongborn. Ein Ort wie hunderttausend andere auch. Menschen, Tiere und keine
Sensation.
Wenigstens bis jetzt noch, denn das sollte sich später ändern.
Kurz nichts Besonderes. Und dort sollte Jongborn in meinem Leben eine
entscheidende Rolle spielen.
Guten Morgen.
Aber, aber, Marsch in die Schule.
Es ist jeden Morgen das Ende. Es kommen alle zu spät.
Guten Morgen, Herr Pastor.
Grüß Gott.
Guten Morgen. Guten Morgen, Herr Braun.
Das ist der Herr von der Werbeagentur. Sibelius, erfreut.
Guten Morgen, Herr Bürgermeister. Ah, Herr Apotheker. Es ist alles
vorbereitet. Guten Morgen.
Na, auch schon aus den Federn, Carolina?
Schon länger, als du denkst.
Was unser kleines Junkborn braucht, ist Verkehr, Verkehr und noch was Verkehr.
Fremdenverkehr.
Regenfremdenverkehr.
Das könnte uns auf die Beine bringen.
Ich darf also zusammenfassen.
Sie möchten aus Jongborn ein Urlaubsparadies machen. Genau.
Und meine Werbeagentur soll dafür den Propagandafeldzug organisieren. Stimmt.
Stimmt, genau.
Meine Herren, ich darf Sie gleich darauf aufmerksam machen, das kostet eine Menge
Geld. Geld spielt keine Rolle. Das Ministerium für Fremdenverkehr hat uns
eine großzügige Subvention zugesagt.
Zugesagt? Aber wir haben sie noch nicht. Herr Pastor, lachen Sie nicht.
Keine Bange. Was ich in die Hand nehme, das klappt.
Junge Mann, fangen Sie ruhig an. Verlassen Sie sich ganz auf mich.
Bitte?
Das ganze Sträuben nützt dir nichts.
Der Bürgermeister, der Karl kommt mit seiner Kuh.
Und jetzt?
Jetzt bekommst du gleich Besuch. Ein nettes Mädchen.
Jetzt lernst du gleich einen jungen Mann kennen.
Hallo, Papi. Ah, mein Sohn.
Pass gut auf. Ich weiß natürlich noch nicht, von welcher Seite wir herangehen,
woran wir die Propaganda aufhängen können.
Wer hat sich freundlicherweise bereit erklärt, Ihnen Jungborn zu zeigen? Die
sind würdig.
Was ist?
Ach so.
Mach sie beim nächsten Mal selber. Wir sind ja nachher noch. Gut, Herr
Bürgermeister. Stellvertreter. Im Moment noch. Nur im Moment. Wieso?
Apotheker Sörensen war zwei Wahlperioden lang, Bürgermeister. Aber diesmal ist
Nils Hansen gewählt worden. Aber nächstes Mal bin ich jetzt wieder, wenn
ich Jungborn im Fremdenverkehr erschlossen habe. In diesem Sinne, meine
Herren, an die Arbeit.
Kommen Sie.
Papi. Passt schön auf, dass ihr was lernt.
Wiedersehen. Und zieht die Mädchen nicht wieder an den Zöpfen. Wiedersehen, Papi.
Herr Pastor, sagen wir alle Kinder zu Ihnen, Papi? Nein, nur meine eigenen.
Morgen. Morgen.
Morgen.
Morgen, Jörg. Morgen, Freund Eckhardt.
Das hier gehört alles Nils Hansen, dem jetzigen Bürgermeister.
Herr Pastor, wie kommt es, dass diesmal nicht der Apotheker, sondern dieser Nils
Hansen Bürgermeister geworden ist?
Keine Ahnung.
Vielleicht hängt es damit zusammen, dass die Frauen dieses Jahr zum ersten Mal
mitwählen durften.
Das scheint ja ein kapitales Mannspiel zu sein.
Ja.
Was ist denn?
Da ist mir was reingeflogen.
Wo denn?
Da. Warte.
Das werden wir gleich haben.
So.
Das ist hier nun wirklich das Letzte, was Ihnen unser Ort zu bieten hat.
Hübsch, aber ich finde, der ist zu klein.
Um daraus was machen zu können, müsste der mindestens so groß sein wie die
Niagara-Fälle. Dann werden wir keine Werbeagentur brauchen.
Ein paar Häuser und das Übliche drumherum. So üblich ist das drumherum
gar nicht.
Das sind sanfte Hügel, das ist unberührte Natur, das ist dann aber auch
wieder entfesselte Wildheit.
Wenn hier wenigstens mal eine Schlacht stattgefunden hätte.
Meinetwegen auch eine Niederlage. Tja, dann gibt es hier kein Gespenst. Oder
eine Sage.
Und ob.
Das Gespenst, den Sie... Herr Bürgermeister?
Lass den Quatsch mit dem Titel, Gunnar. Ich heiße Nils und Schluss.
Leif. Angenehm.
Es war doch gerade von Schlachten und von Niederlagen die Rede. Auf dieser
Wiese zum Beispiel sind mehr Schlachten gewonnen und Niederlagen genossen worden
als in der ganzen Landesgeschichte.
Ich fürchte, nur mit diesem Schlachtgetümmel könnten wir schlechte
Reklame machen.
Das ist schade. Das ist nämlich etwas, was für unser Nest typisch ist. Nicht
wahr, Gunnar? Wieso?
Ich weiß nicht, wovon du redest. So kommen wir nicht weiter.
Gibt es denn nicht eine Sage?
Doch, eine ganz tolle sogar.
Da, die Liebesquelle.
Ach, das ist doch heidnischer Aberglaube. Heidnischer Aberglaube ist
immer gut.
Die Quelle soll aus dem Felsen gebrochen sein, als dort ein Liebespaar
zusammenfand. Und deshalb schenkt sie dem Mann, der daraus trinkt, gewaltige
Manneskraft. Und den Frauen, die nackt darin baden, unwiderstehliche Schönheit.
Hier wird an die niedrigsten Instinkte appelliert. Sowohl in der plastischen
Darstellung der weiblichen Geschlechtmerkmale, als auch im Text.
Der direkte Hinweis auf männliche Stärke im Zusammenhang mit weiblicher Schönheit
ist, wenn ich mich so ausdrücken darf, Exzellenz... Eine ganz verfluchte
Schweinerei.
Puh, Teufel.
Den Kerl, der diese perversen Pfeile erfunden hat, sollte man einsperren.
Pardon, Exzellenz, aber diese Pfeile sind von mir.
Knobbel! Ich wollte damit nur auf die anstößigen Stellen hinweisen.
Ich bin noch nicht so alt, dass ich vergessen habe, wo diese Stellen sind.
Aber Sie haben recht.
Einmal muss dieser schlüpfrigen Reklame Einhalt geboten werden.
Sehr wohl, Exzellenz. Es muss einmal ein Exempel statuiert werden.
Statuieren wir, Knobbe.
Jungborn bekommt keinen Staatszuschuss.
Richtig.
Das wissen wir für gestern. Danke.
Bis morgen.
Dass Jungborn keine staatliche Subvention bekommt, haben wir bloß im...
abscheulichen Plakat zu verdanken.
Ich weiß gar nicht, was ihr habt. Das Mädchen ist doch sehr gut getroffen. Das
ist ja gerade deswegen.
Bringen Sie uns was zu trinken.
Mein Auftrag war, Reklame zu machen. Alles andere ist nicht meine Sache.
Sie haben uns alles verdorben. Und sich auch. Ohne Subvention kein Honorar für
Sie. Ich weiß gar nicht, warum ihr euch so aufregt. Das Schlimmste, was uns
passieren kann, ist, dass wir eben keine Fremden kriegen.
Interessant. Der Herr Bürgermeister torpediert die Interessen seiner eigenen
Gemeinde. Sie meinen wohl Ihre Entretten, Herr Apotheker? Nicht gleich
persönlich werden.
Allerdings auch deine. Das stimmt nicht.
Und ob.
Was mich anbetrifft, ich komme ganz gut ohne den fremden Verkehr auf.
Sie gehen schon?
Aber es ist doch noch nichts beschlossen.
Macht, was ihr wollt.
Außerdem habe ich noch etwas vor.
Na,
Stine?
Für mich ist heute Feierabend.
Hast du noch was vor?
Ich gehe direkt auf mein Zimmer. Gute Nacht. Gute Nacht.
Gute Nacht.
Vielleicht fällt Ihnen mit morgen etwas Besseres ein. Gute Nacht.
Diese jungen Leute, immer müde.
Gute Nacht. Es ist eine Pleite.
Machen wir uns nicht zu, wir sind blamiert. Da haben wir schwarz auf weiß
abgelehnt wegen unsittlicher... Und was das Schlimmste ist, meine Herren, es
stimmt. Was?
Die Unsittlichkeit? Nach dem, was ich Nacht für Nacht so beobachte.
Was beobachten Sie Nacht für Nacht, Frau Lehrerin?
Immer noch Fräulein.
Niemand, der Sie kennt, wird daran zweifeln. Aber durch diese frivole
Propaganda wird meine Ehre angetastet.
Niemand wird Sie antasten. Was der Teufel.
Aber nun Schluss mit der Antasterei. Was beobachten Sie Nacht für Nacht?
Unmoral. Unmoral?
Scheußliche Unmoral.
Wo?
Kommen Sie mit.
Wo ist die Unmoral?
Bin ich im Klassenzimmer?
Von da aus kann man auch nichts sehen.
Sie müssen auf das Katheter steigen.
Wir müssen das Licht ausmachen.
Ich sehe noch immer nichts.
Versuchen Sie es damit.
Es ist alles stockfinster.
Warten Sie ab.
Es ist gleich halb zehn.
Es tut sich was.
Es bewegt sich was.
Was?
Ein Mädchen.
Ein Mädchen.
Darf ich auch mal, meine Herren?
Oh, das ist ja hochinteressant.
Jetzt ich.
Ein Mann.
Ja.
Aber jetzt darf ich auch mal einen Blick rüberwerfen, ja?
Nichts mehr zu sehen.
Schade. Wie?
Schande, meine ich. Eine Appenschande. Sie haben es nötig. Dieses schamlose
Frauenzimmer kann auch niemand anders sein als Ihre Kellnerin.
Ausgeschlossen. Stina liegt längst brach in ihrem Bett.
Jede Wette, sie heißt nicht raus. Das werden wir ja gleich sehen.
Das ist bestimmt der Wirt.
Sie ist nicht da.
Also war sie es doch.
Den werde ich zeigen.
Was mache ich?
Herr Wirt, haben Sie schon wieder Ihre Johannistriebe?
Hier kommt ja allerhand an den Tag.
Hier ist John Henningsen.
Wer auch?
Die Schüssel.
Ich glaube, ich habe dir deutlich genug klargemacht, dass es zwischen uns beiden
aussieht. Du alter, mieser, blöder Schnüffler.
Das ist Abkorn tiefer Verworfenheit.
Mach auf.
Sie ist nicht allein.
Komm du mir morgen zur Arbeit. Der ganze Gemeinderat.
Haltet doch eure Versammlungen woanders ab.
Und guten Morgen.
Hilfe! Ich bin blind.
Danke. Na, was habe ich gesagt? Sie ist in ihrem Bett.
Aber nicht allein.
Sie hat einen Mann bei sich.
So ein Luder. Du bist ja bloß neidisch.
Meine Herren, mit den Fetten, die ich hier habe, alle unter derselben Decke
gesteckt. Bitte keine Verallgemeinerung. Mein Haus zum Beispiel ist rein. Es ist
frei von jeder Ausschweifung. Kein Nikotin, kein Alkohol, keine... Sie
wissen schon, was ich meine.
Nein, Britta, das geht entschieden zu weit.
Dass du dir im Internat das Rauchen angewöhnt hast, na schön.
Aber Cognac. Aber Mami, in einem so vornehmen Institut wird eben auch für
geistige Bedürfnisse gesorgt. Prost.
Wenn das Onkel Justus sehen würde.
Onkel Justus, der Gerechte.
Spotte nicht auch noch.
Ich spotte nicht, das ist Latein.
Justus, Justa, Justum. Der, die das Gerechte.
Hast du nichts anderes gelernt im Internat?
Vieles. Zum Beispiel...
Nachdenken? Worüber?
Zum Beispiel über die Männer.
Britta, darüber haben kleine Mädchen nicht nachzudenken. Wie kleine Mädchen
meinst du?
Es ist eben zu früh.
Wofür, Mami?
Für die Männer.
Ich meine zum Nachdenken über die Männer.
Wann darf man über sie nachdenken?
Bevor man heiratet.
Kurz bevor man heiratet.
Und wenn man nicht heiratet, so wie du?
Das gehört nicht hierher. Mach das, wenn du ins Bett kommst.
Mami, erzähl doch, wie war das damals mit Papi und dir? Das fehlt gerade noch.
Erzähl es doch wenigstens als abschreckendes Beispiel.
Herr Apotheker, Sie müssen dieses Opfer aufsichern. Denken Sie an Jungform.
Denken Sie an den Fremdenverkehr.
Und an Ihre Wiederwahl als Bürgermeister. Herr Stellvertreter. Gut,
ich werde beim Minister höchstpersönlich protestieren.
Darf ich?
Ja, ich... Stottern Sie nicht, setzen.
Zigarre? Schuld an allem, Schuld an allem ist die Reklame, Herr Mann. Darauf
habe ich nur gewartet. Sie reden erst, wenn Sie gefragt sind.
Von Ihnen ist die Schweinerei?
Das ist keine Schweinerei, sondern ein nacktes Mädchen. Nackte Mädchen sind
eben eine Schweinerei. So, dann leben Sie hier in einem Schweinestall. Sie!
Bitte.
Aber mein Herr, Kunstwerke sind doch nicht geeignet, gewisse niedrige
Begierden zu wecken.
Das habe ich damit nicht sagen wollen. Es gab Zeiten, da wurden die Luditäten
übermacht. Dann übermalen wir eben in drei Teufels Namen.
Gestatten Sie.
Bitte. Ja, jetzt ließen Sie sich schon darüber reden.
Das geht nicht. Lesen Sie doch mal, Knobbe.
Die Liebesquelle von Jungborn schenkt Männern Frauen.
Obszön bleibt obszön. Die Beihilfe wird nicht gewährt.
Wenn ich etwas sagen darf. Jungborn hat doch nichts mit dem Plakat zu tun. Es
ist der harmloseste Ort der Welt.
Bei uns glaubt sogar die Hebamme noch an einen Storch.
In diesem Fall würde ich vorschlagen.
Ja?
Werfen Sie die Hebamme hinaus.
Wir sind ein Bogen der Sauberkeit.
Ja, mit einer Liebesquelle.
Eine Sage, alles erlogen. Das Wasser hat keine Wunderkraft.
Ich selbst trinke es seit Jahren.
Dann kann allerdings nicht viel dahinter stecken.
Aus einer alten Schachtel macht auch das Baden keine schöne Frau. Bitte
überzeugen Sie sich selbst.
Ich warne Sie.
Es könnte eine Kommission eingesetzt werden, um die allgemeine Moral in
Jongborn zu überprüfen.
Sie brauchen nicht zu warnen.
Ich bitte sogar um eine solche Prüfung.
Keine schlechte Idee.
Sollte sich herausstellen, dass man Jongborn Unrecht getan hat, kommen Sie
vielleicht doch zu Ihrem Staat zu Schuss.
Haben Sie innigsten Dank, Exzellenz.
Mögen Sie meine Zigarren nicht?
Exzellenz. Ich bin nicht Raucher.
Hosenscheiße.
Jawohl.
Knobbel, prüfen Sie Jongborns Moral.
Aber Exzellenz, ich bin dafür nicht im Geringsten geeignet. Ganz im Gegenteil.
Für diese Aufgabe braucht man einen Mann, bei dem gewisse Dinge keine
niedrigen Begierden erwecken. Außerdem wollten Sie doch schon lange
Regierungsrat werden.
Oh.
Also, die Gelegenheit ist günstig.
Knobbel, auf nach Jongborn.
Das ist die Bedingung des Ministeriums. Und deshalb, Jungborner und
Jungbornerinnen, müssen wir beweisen, dass wir ein Ort untadeliger Moral sind.
Und sollte das nicht so ganz stimmen, dann muss es wenigstens in den drei
Tagen und Nächten so aussehen, in denen die Inspektion stattfindet.
Tja, und was soll das Ganze?
Drei Tage Abstinenz.
Ihnen wird das für nichts schwerfallen.
Ich fühle mich überhaupt nicht getroffen.
Bürger, mit diesem armen Märchen von der Liebesquelle muss radikal Schluss
gemacht werden.
Das ist ein wahres Wort.
Moment. Von dieser Quelle hat unser Ort seinen Namen.
Jungborn.
Das heißt Jungbrunnen.
Ach, das ist doch bloß heidnischer Unsinn.
Nein, das ist verzeichnet in unseren Kirchenbüchern. Stimmt das, Herr Pastor?
Ja, so ist es.
Aber das gehört doch nicht hierher.
Und ob das hierher gehört.
Da.
Die Männer, so von dieser Quelle saufen, erstarken gewaltiglich in ihrer
Manneskraft. Unsere Männer sollten mehr Wasser trinken.
Die Weiber aber werden begehrenswerter über alle Maßen, so sie nackend in der
Quelle baden, insonderlich...
Wenn solches bei zunehmendem Monde geschieht, so steht es in der Chronik,
also ist es so. Wenn wir wollen, dass das Ministerium für Pendenverkehr uns
seinen finanziellen Segen zusagt, muss unsere Entscheidung sein.
Wir machen mit diesem albernen Märchen von der Liebesquelle Schluss.
Es gibt keine Liebe in Jonkborn.
Alles, was mit der Quelle und der Liebe zu tun hat, ist nur Trug.
Du bist nicht bei der Versammlung?
Och, mich ekelt das Geschwätz an. Mich auch.
Bist du deshalb weggelaufen? Ich habe dich gesehen und da wollte ich dir guten
Tag sagen.
Ich bin schon seit drei Tagen hier. Ich dachte, du magst mich nicht mehr. Und
auch, aber du hast dich sehr verändert.
Du bist ganz anders geworden.
Und wieso?
Du bist gewachsen.
Ach, ich bin eben größer geworden.
Ganz enorm. Und zwar überall.
Pfui. Wie kannst du sagen, pfui? Ich finde es ganz prima. Wirklich?
Ich kann das beurteilen.
Schließlich kenne ich dich aus einer Zeit, wo du dir eingebildet hast, ein
Junge zu sein.
Ach, diese Kinderei.
Damals hast du auch ausgesehen wie ein Junge.
Beim Räuberspielen, beim Reiten und beinahe auch beim Baden.
Ach, du bist gemein. Bleib, ich zeig dir was.
Was? Lass es schon sehen.
Man soll nicht sagen, dass ausgerechnet ich gegen den Fortschritt bin.
Wenn es zum Besten unserer Gemeinde ist, dann treten wir eben diese drei Tage
kurz.
Ich frage dich jetzt zum letzten Mal.
Wenn du mir die Frage wieder nicht richtig beantwortest, bekommst du eine
5.
Also, was ist das?
Ein Eichhörnchen, Herr Lehrer.
Bekomme ich jetzt eine 1?
Nein, eine 5.
Das ist nämlich ein Fuchs.
Und es ist doch ein Eichhörnchen.
Ich kann mich sehr gut daran erinnern, dass du mal behauptet hast, es wäre ein
Fuchs.
Das hast du nicht vergessen?
Ich habe sehr viele nicht vergessen.
Zum Beispiel, dass du mich einmal in den Fluss geworfen hast und ich deiner
ertrunken wäre.
Warum sollte ich das getan haben? Weil ich dich nicht heiraten wollte.
Du verwechselst mich.
Das muss eine andere gewesen sein. Aber Britta, deswegen brauchst du doch nicht
verlegen zu werden.
Damals warst du gerade acht Jahre alt.
Sag mal, würdest du mich heute auch noch heiraten wollen?
Karl, wir müssen gehen, wenn die Lehrerin kommt.
Die ist in der Versammlung.
Herr Apotheker, bitte machen Sie Britta keine Vorwürfe.
Gehen Sie raus.
Lassen Sie mich mit Britta allein.
Und nehmen Sie zur Kenntnis, dass Sie meine Nichte nie mehr wiedersehen
werden. Und du ihn auch nicht.
Herr Sören... Ja?
Britta, ich spreche mit deinem Onkel, wenn er sich beruhigt hat. Dazu werden
Sie keine Gelegenheit mehr haben.
Kannst du mir sagen, warum?
Britta, du bist noch sehr jung.
Und junge Mädchen verlieren schnell ihr Herz in den falschen. Und dann ist es zu
spät. Aber Onkel, was hast du gegen Karl?
Britta, du weißt... wie sehr mir an deiner Zukunft liegt.
Und wenn ich das nicht eben gesehen hätte, wenn ich dich nicht mit diesem
Jungen gesehen hätte, würde ich es dir nie sagen.
Wo ist dein Onkel?
Das ist kein Umgang für dich.
Warum? Weil er eine verwerfliche Beziehung hat.
Mit wem?
Mit der abscheulichen Person von Jungborn. Mit Dina.
Der Kellnerin?
Ja. Jetzt weißt du es.
Beibeer! Komm gleich!
Hast du gemerkt, wie das die Weiber aufgeregt hat? Was?
Das mit der Nacktbaderei in der Quelle.
Und dazu ist heute noch Vollmond.
Ich weiß einen Platz, wo man einen wunderbaren Blick auf die Quelle hat.
Ich auch.
Welchen? Den Anstand.
Ich glaube, heute Nacht gibt es ideales Wüstenlicht.
Meine und sie, ich wollte gerade aufstehen.
Ich weiß nicht, ich finde diese Idee mit dem fremden Verkehr verrückt. Aus einem
Kuhdorf einen Kurort zu machen, das macht doch bloß den Apotheker reich.
Guten Morgen. Hast du denn mitgehört? Keinen Ton.
Man hat mir erzählt, wenn hier der Fremdenverkehr losgeht, macht er eine
Bar auf. Dann ist er jeden Tag als erster blau.
Hat sich der Bürgermeister so lange aufgehalten. Nicht länger als dich.
Was finden die Leute, wenn sie hierher kommen, schon sehenswert? Was werden sie
schon finden?
Ein paar Kühe.
Und noch mehr Ochsen. Und ein Gemeindeboden.
Sie scheint unseren Bürgermeister zu kennen, dass ihr so über ihn redet. Wäre
ja schön, wenn frisches Blut ins Dorf käme.
Dann braucht man vielleicht eine gute Partie.
Man sollte es mal ausprobieren. Was?
Ob das wirklich stimmt mit dem Baden in der Quelle?
Sonst wären Sie ja nie auf die Idee gekommen mit dem Fremdenverkehr.
Eben, wenn wir tatsächlich ein Fremdenverkehrsort werden sollten, dann
kümmern sich die Kerle überhaupt nicht mehr um uns.
Das liegt nur an euch.
Der Herr Bürgermeister, da hast du uns eine schöne Geschichte eingebrockt.
Wenn jemand schuld ist an der Fremdenverkehrsgeschichte, dann seid ihr
es. Ach nein. Wieso?
Warum habt ihr eure Männer nicht unter dem Baton? Dann würden sie nämlich genau
das tun, was ihr wollt.
Du hast leicht reden.
Wie sollten wir denn das machen?
Nehmen wir einmal an, ich wäre verheiratet.
Zum Beispiel mit ihr.
So lange schon, dass ich längst vergessen hätte, wie hübsch sie ist.
Was würdest du dann tun?
Ich weiß nicht.
Sie müsste mich daran erinnern, wie schön das alles war.
Die ersten Küsse, die ersten Dummheiten.
Und wenn wir uns dann wieder richtig vertragen, dann sagt sie einfach nein.
Ihr müsst nur nein sagen.
Nein, es soll ja nicht sein. Das habt ihr Männer ja selbst so beschlossen.
Und wenn ihr sie eine Weile habt zappeln lassen, dann werden sie alles tun, was
ihr wollt.
Und dann regieren die Frauen in Jonkborn bei Tag und bei Nacht.
Du gehst noch aus?
Ideales Jagdwetter heute, findest du nicht auch?
Du gehst noch aus?
Ideales Jagdwetter heute.
Was hast du vor?
Ich denke, du gehst ins Bett.
Beides. Wie?
Ich gehe ins Bett und habe was vor.
Nein, nein, es ist ausgemacht.
Drei Tage nichts und wieder nichts.
Du gehst noch aus?
Ideales Jagdwetter heute.
Ist Britta schon im Bett?
Natürlich. Wann fragst du?
Dieser Karl hat sich heute hier herumgetrieben.
Karl? Was hast du gegen ihn?
Er ist der kleinste Bauer hier im Dorf und kommt somit für meine Nichte nicht
in Frage.
Verrückt, nicht?
Auf dem Einstand an der Quelle?
Jawohl, und war der Kaufmann und der Wirt. Na, die haben es gerade nötig.
Danke, Stina. Nicht zu danken, ich habe nichts gesagt.
Rita!
Warum spionierst du mir nach?
Ich habe dich gesehen. Ich bin dir nachgelaufen.
Lauf doch dahin, wo du hingehörst. Wo soll ich denn hingehören?
Stell dich doch nicht so dumm. Du weißt es so gut wie ich.
Was weiß ich?
Geh doch zu deiner Stina.
Stina?
Ja, die hat sex, so viel du willst.
Vielleicht sogar ein bisschen zu viel. Aber das macht ja alles Eindruck auf
Männer, was zu viel ist.
Willst du ihr warten, weil du meinst, dass du zu wenig hast?
Das geht dich gar nichts an.
Ruhe mich nicht an.
Sie haben dich angelogen. Für mich gibt es keine Stina. Wenn du mich nicht
loslässt, dann weiß ich. Weiß doch.
Und wenn es eine Stina gegeben hätte, jetzt gibt es für mich bestimmt keinen
mehr.
Halali.
Halala. Hast du schon was gesehen? Schon ein Stück draußen? Ein Prachtstock.
Du wirst überrascht sein.
Das gönne ich ihm. Wem?
Dem Apotheker. Vorhin spielt er sich auf und dabei ist seine eigene Schwester.
Mach keine Witze. Caroline?
Wer hätte das gedacht?
So was blüht im Schatten unserer Apotheke. Lass mich... Die
Apotheker. Jetzt wird's lustig.
Danke. Ist was im Gehege?
Wie man es nimmt.
Ich habe ein kapitales Stück gesehen.
Puh, bei der Quelle.
Ob ihm der rege Wildwechsel auch gefällt?
Das ist doch... Das ist unmöglich!
Was? Die Lehrerin!
Ist das wirklich die Lehrerin?
Sie eine antifrau Lehrerin.
Fräulein, wenn ich bitten darf.
Sie können Sie ja heiraten, wenn Sie wollen, Herr Apotheker.
Du brauchst nicht zu erschrecken.
In dieser Jahreszeit werden hier Wildzeuge geschaffen.
Es tut mir furchtbar leid, meine Herren. Ich bin gestolpert und ich hatte den
Finger am Abzug und da muss ich irgendwie einen Schuss gelöst haben.
Ja, man kann von Glück reden, dass ich nur Schrot geladen hatte.
Mir hat's gereicht.
Wer kann auch ahnen, dass Sie zu drei Mann hoch auf dem Einstand sitzen.
Was haben Sie da eigentlich gemacht?
Trinken wir auf den Schreck einen Schluck Kaffee. Das weckt die
Lebensgeist.
Caroline, bist du noch wach?
Mit dem Kaffee wird es leider nichts. Meine Schwester ist nicht zu Hause.
Vielleicht ist sie an die frische Luft gegangen.
Eine warme Nacht. Heute darf man ja noch. Was?
Spazieren gehen.
Herr Bürgermeister, nehmen Sie das nicht auf die leichte Schulter. Helfen Sie
Jonkborn, den Ecken drei Tage sauber zu halten. Wie soll man das machen?
Wir müssen Selbstkontrollen durchführen, um etwaigen Dummheiten zuvorzukommen.
Und wie wollen Sie dahinter kommen?
Ich habe eine schlaflose Nacht hinter mir. Eine äußerst fruchtbare.
Diese Erfindung wird uns bei der freiwilligen Moral-Selbstkontrolle sehr
nützlich. Sieht aus wie ein Erdbebenmesser. In gewissem Sinne ist es
doch einer.
Kommen Sie mit, meine Herren.
Dieser Zeiger zeigt die geringsten Erschütterungen an.
Erschütterungen? Was haben Erschütterungen mit Moral zu tun?
Nehmen wir einmal an, wir wollen kontrollieren, ob sich in einem Zimmer,
sagen wir, etwas heftig bewegt.
Was soll sich denn da heftig bewegen?
Das Bett.
Herr Bürgermeister, da gibt es nicht zu lachen. Wir brauchen das Instrument nur
an die Tür zu halten und schon können wir feststellen, ob sich etwas rührt. Da
ist sicher gar nichts.
In dem Fall natürlich nicht.
Ach, seien Sie doch so gut, gehen Sie in das Zimmer, um das Bett in Bewegung zu
setzen, ja? Na schön.
Ich werde mein Möglichstes tun.
Guten Morgen.
Was haben Sie denn?
Ein kleiner Jagdunfall. Aber was ist denn mit Ihnen los?
Sie sehen aus, als hätten Sie heute Nacht gebadet.
Aufgestellt wie eingehüpft. Die Jungen nach rechts und nach hinten. Sieh nicht
so ein Gesicht.
Ja, gut.
Schön in die Mitte, ihr beiden.
Wartet auf mein Zeichen.
Du liebe Güte.
Halte da.
gar nichts schief gehen.
Hoffentlich haben Sie recht.
ein altes Zimmer wieder haben?
Nein, das ist für unseren Ehrengast. Binden Sie sich.
Lieben gern.
Schönen guten Tag allerseits.
Was ist denn?
Kennst du mich nicht mehr?
Leider kenne ich dich.
Du bist der Kerl, dem wir den ganzen Ärger hier zu verdanken haben.
Nur um sicher zu gehen. Ist das Zimmer in Ordnung?
Meine Zimmer sind immer in Ordnung.
Kümmern Sie sich um Ihren eigenen Laden, Sie Pillendreher.
Ich habe dir gesagt, du sollst mich in Ruhe lassen.
Der Herr Apotheker, bitte entschuldigen Sie, soweit nicht gemeint. Aber davon
habe ich leider gar nichts.
Ich wollte mich nur überzeugen, ob hier für unseren Ehrengart alles in Ordnung
gebracht worden ist.
Seien Sie ganz unbesorgt.
Es ist alles in bester Ordnung. Dann kann ich ja wieder gehen.
Kapotheke.
Weil Sie gerade hier sind.
Ja.
Ich wollte Sie schon immer mal etwas fragen.
Was?
Ich habe ein Muttermal.
Na und?
Ja, aber an einer ganz wichtigen Stelle.
Da? Da.
Haben Sie noch ein Zimmer frei?
So leid es mir tut, aber wir sind belegt.
Aber ich benötige nur ein ganz kleines Zimmer. Ein großes hätten Sie sowieso
nicht bekommen.
Fragen Sie mal die Kellnerin.
Angelehnt. Und dann kriege ich noch die 20 von gestern.
Warum kommst du nicht rum?
Wenn ich Ihnen sagen soll, wie man so eine Mutter mal entfernt, muss ich es
natürlich erst einmal sehen.
Ich schäme mich aber.
Aber liebes Kind, ich bin doch kein Mann.
Nein? Das heißt natürlich bin ich ein Mann. Aber in diesem Fall bin ich nur
Mediziner. Wirklich?
Und auch.
Sie müssen es mir aber sagen.
Was?
Wenn sich...
Der Mediziner in den Mann verwandelt.
Bestimmt.
Oh, ich glaube, ich kann schon wieder abreisen.
Herr Regierungsassessor, ein Missverständnis. Eine rein medizinische
Konsultation.
Ihr? Der Helfer der Menschheit fragt mich nach Ort und Stunde.
Er ist da!
Lied! Jubel! Das ist nicht im Sinne meines Auftrags. Der Ort möge sich so
verhalten, als ob ich gar nicht da wäre.
Sagst du, dass ich eine gute Bäuerin abgebe?
Was soll ich drauf sagen? Sag ich nein, dann bist du beleidigt. Sag ich ja, dann
habe ich den versteckten Heiratsantrag angenommen.
Du bist ein Ekel.
Ja oder nein?
Dass die Frauen immer wollen, dass man ja sagt.
Du wirst mich also nicht als Bäuerin haben.
Ist gar nicht so sicher, dass ich Bauer bleibe.
Sieh mal, die Klitsche ist zu groß zum Sterben und zu klein zum Leben.
Und besonders für zwei.
Aha. Und wer macht jetzt Heiratsanträge?
Wer sagt denn, dass ich dich meine?
Scheiße.
Guten Tag.
So, der erste Tag wäre ohne Zwischenfall vorbei.
Wir sind ein durch und durch moralischer Ort. Was hast du denn?
Nichts. Doch, doch, du bist heute so... Aber Jon, du vergisst das Wohl unserer
Gemeinde.
Ach was, die Gemeinde interessiert mich jetzt nicht.
Lass mich in Ruhe.
Aber Frieda...
Alles in Ordnung?
Hast du mich aber erschreckt.
Du mich auch.
Aber wieso?
Entschuldige. Es war wirklich nicht meine Absicht.
Das ist doch jetzt egal.
Erschrocken bin ich sowieso schon.
Vergiss nicht, es ist nichts.
Hey, doppelt!
Dieser Knobbel schleicht doch tatsächlich durch den ganzen Ort. Ich
wundere, dass er hier noch nicht vorbeigekommen ist.
Also ich muss ja sagen, so hart habe ich mir das wirklich nicht vorgestellt.
Brück dich nicht auf.
Ich? Mich lässt die Sache sowieso kalt.
Also mir ist das zu dumm. Ich lasse die Presse auf, Jungborn, los.
Das ist gegen unsere Abmachung.
Ich habe nichts abgemacht.
Ich habe nur versprochen, für euch Propaganda zu machen. Und das werde ich
auch, ob ihr wollt oder nicht.
Man müsste ihn zurückhalten.
Warum? Weil wir jetzt die Subvention ganz bestimmt nicht bekommen.
Keine Subvention, kein Fremdenverkehr und kein Erfolg für Apotheker Sören.
Du bist rein.
Jetzt halt dich aber ran, sonst zahlen wir die Runde.
Schmeiß alles rein, was wir an Artikeln über Jonkborn haben.
Außerdem habe ich einen neuen Knüller, schreib mit.
Ein Schatten schleicht durch Jonkborn.
Tja, das dritte Tachometer des Herrn Apothekers.
Also stimmt das doch.
Die Bevölkerung scheint doch etwas gegen mich zu haben.
Ich verstehe Sie nicht. Dadurch, dass Sie die Quelle trockenlegen, arbeiten
Sie Ihrem Feind, dem Apotheker, in die Hände.
Ja, heute ist er noch froh, wenn es keine Quelle mehr gibt.
Aber morgen, wenn sich Ihre Propaganda auswirkt und die ersten Fremden kommen,
dann ist er der Erste, der nach der Quelle jammert.
Und Sie lassen die Quelle erst wieder laufen, wenn er erledigt ist? Ja.
Ich darf annehmen, dass Ihre Exzellenzen günstigen Bericht über Jungborn
vortragen werden. In der Tat, ich muss bescheinigen, dass nichts festgestellt
werden konnte, was einer Subventionszahlung im Wege stünde.
Wie dillig!
Wo sind die Hotels?
Ach, der Brunnen!
Und was die Subvention betrifft, Herr Regierungsadvessor, so ist die Frage
dieser Quelle noch immer nicht geklärt. Ich kann mich des Gefühls nicht
erwehren, dass ich in Ihrem Ort am laufenden Band verschaukelt werde.
Sie ist doch bloß nicht mehr existierend. Sie existiert nicht mehr.
Sie ist versiegt, vertrocknet und verschwunden.
Was sagen Sie, Herr Bürgermeister? Die Quelle ist weg.
Das muss ich mit eigenen Augen sehen.
Was für eine Freude. Damit ist das letzte Hindernis beseitigt.
Guten Tag.
Sie wünschen? Ich möchte Quellwasser.
Wie bitte? Ich möchte Ihnen alles Quellwasser abkaufen, was Sie vorrätig
haben. Wie hieß es noch in der Zeitung?
Ausgerechnet jetzt muss das passieren.
Ich darf Sie auf keinen Fall unter den Fremden herum sprechen.
Ein Doppelzimmer mit Bad.
Wir haben keine Zimmer mehr bedauert. Wenn es so ist, dann schlafe ich auch im
Kuhstall. Hauptsache, man kann hier irgendwo unterkommen.
Aber nein, wir haben keine Zelte.
Aber Mami, ich glaube, es ist besser, wenn wir wieder heimfahren. Wir bleiben
hier, solange du aussiehst wie Sophia Loh.
Das ist eine Katastrophe.
Bitte lassen Sie mich durch.
Wo sollen wir bloß mit den vielen Leuten hin?
Nirgends. Am besten schick sie nach Hause. Was?
Die Quelle ist nämlich versiegt.
Hier noch staatliche Beihilfe zu leisten, hieße dem Lach der Tür und Tor
öffnen.
Britta!
Britta, stell dich sofort nach Hause!
Schamloser Mensch, ich habe Ihnen doch gesagt, es sollen Männern nicht mehr zu
da kommen.
Ihr Verbot interessiert mich nicht. Hören Sie endlich auf, mir Vorschriften
zu machen.
Sie, Sie, Sie Lümmel, man müsste sich aus dem Dorf vertreiben.
Was Sie hier angerichtet haben, wird Ihnen ganz Jongborn nicht verzeihen. Mit
Jongborn meinen Sie wohl die Geschäftemacher, was?
Den Wirt, den Kaufmann und sich selbst. Aber das sind Gott sei Dank nur drei.
Eine Mahnung des Schicksals. Genau.
Quelle aus dem Felsen brach, als dort ein Liebespaar zusammenfand.
Jetzt hat er sich erneut bestätigt.
Was sagen Sie da?
Ich verstehe kein Wort.
Sie können sich das nicht vorstellen, Exzellenz. In diesem Jonsaum ist der
Teufel los.
Sehen Sie nicht, dass ich telefoniere. Das ist mir doch egal.
Exzellenz. Ich fürchte, es wird zu Exzessen kommen. Rund 200 Damen haben
die Absicht, heute Nacht zu baden. Es ist noch dazu Vollmond.
Was treiben Sie eigentlich da hinten?
Ich ziehe um. Der Wirt hat mein Zimmer auch noch vermietet.
Bitte, Exzellenz, was soll ich unternehmen?
Ich mache Sie dafür verantwortlich, wenn es zu einem Skandal kommt.
Beweisen Sie endlich, dass Sie ein Mann sind.
Jawohl, Exzellenz.
Danke. Dankeschön.
Danke.
Ich spüre es, ob Sie es glauben oder nicht, es beginnt schon zu wirken.
Nein, seit wann trinken Sie es? Seit heute früh. Es ist erst die fünfte
Flasche und es beginnt schon zu wirken.
Tatsächlich? Dann wäre es vielleicht ganz richtig, ich würde meinen Mann auch
ein paar Tage herkommen lassen.
50 pro Person.
Das ist aber sehr teuer.
Denken Sie an die einmalige Aussicht auf die Liebesquelle.
Danke.
Der Weg zum Anstand ist durch Leuchtfarbe markiert. Sie können ihn
unmöglich verfehlen.
50 pro Person. Danke.
50 pro Person.
Danke.
Ich verkaufe den Hof und gehe weg von hier. Aber Karl, warte doch erstmal ab.
Nein, nein, ich bleibe nicht hier. Ich gebe den ganzen Kempel billig weg.
Hier würde ich ihn sogar schenken.
Du gehst jetzt weg, aber allein. Dafür werde ich sorgen.
Und wenn du glaubst, dass du durch den Garten kommen kannst, dann hast du dich
betäuscht.
Du übernimmst die Wache, bis ich dich ablöse.
Dann setze ich doch gleich in den Garten.
Ich gehe jetzt auf die Pirsch.
Weidmannsunheil. Du bist mir verantwortlich für diesen Schandklick.
Das ist deine Sache.
Herr Bürgermeister, was wollen Sie hier?
Tja, wissen Sie, ich habe etwas ganz Dringendes mit Ihnen zu besprechen.
Was? Es ist natürlich rein dienstlich, rein dienstlich. Ist es denn so
dringend, dass es mitten in der Nacht sein muss?
Ja, wissen Sie, es ist eine eitle Sache.
Es handelt sich nämlich um Bretter.
Später darüber reden.
Du gehst noch aus?
Ideales Jagdwetter heute.
Ein kleiner Pirschgang.
Ja, aber Frieda... Genug gepirscht.
Heute bleibst du zu Hause.
Aber natürlich, Frieda.
Wenn du meinst.
Gib das Gewehr her.
Du kannst mich doch nicht einfach abrüsten.
Aber so ein ideales Jagdwetter kommt vielleicht nie wieder.
Schweig, Ingmar. Und komm.
Moment.
Ingmar!
Man wird ja noch einen Schluck Wasser trinken dürfen.
Ausgerechnet jetzt.
Bitte entschuldigen Sie, Herr Pastor, dass wir Sie in Ihrer Nachtruhe gestört
haben, aber es ist wirklich sehr dringend.
Muss das denn gleich sein? Hat das nicht Zeit?
Ich, äh, ich habe heute noch was Wichtiges vor.
Herr Pastor, können Sie das nicht auf morgen verschieben? Wir wollen Jungborn
nicht verlassen, ohne vorher Mann und Frau zu sein.
Naja, dafür hat ein Pastor immer Zeit.
Los, Friede Gute, zieh dich an, du bist Trauzeuge.
Jawohl, ihr wohnt ins Bett, aber mag Schlaf.
Ihr müsst immer neugierig sein. Du bist auch immer dabei.
Ich bin gleich bereit.
Wenn Sie nochmal wollen, müssen Sie nachlösen. Am besten Sie kaufen
Zehnerkarten. Bitte verhalten Sie sich ruhig. Gehen Sie vorsichtig die Leiter
hoch. Sie knacken. Sind Sie der Nächste? Die Benutzung des Fernglases kostet
irgendwann 50.
Ihre Taten bitte.
Vielen Dank.
Es wird zugeschüttet.
Auch einen Schluck? Danke.
Ja, ich warte.
Knobbe, was ist denn? Was wollen Sie mitten in der Nacht?
Guten Abend, Exzellenz.
Ich spreche aus Jongborn.
Bitte entschuldigen Sie die späte Störung.
Ich möchte Ihnen einen detaillierten Bericht erstatten.
Ich weiß mir keinen Rat mehr.
Das war von Ihnen zu erwarten.
Jawohl, Exzellenz. Ich habe vertagt.
Ich bin ein Vertrager.
Knobbeln! Dieses Jonkborn scheint sich zu einer Seuche auszuwachsen.
Hendrik, warum halten Sie an?
Ich halte nicht an.
Wir sind leider felsgefahren, Exzellenz.
Eins steht fest. Die Quelle fließt auf Gemeindegrund. Ja, und?
Also gehört das Wasser der ganzen Gemeinde.
Sehr richtig.
Aber wer hat die Welt auf dieses Wundermittel aufmerksam gemacht?
Ich.
Aber er ist doch meine Veranlassung.
Auf Ihre Veranlassung, aber gegen meinen Willen. Ich bestehe auf meinem Anteil im
Wassergeschäft. Halt du dein Maul. Du verdienst ein Vermögen mit einer
Zuschauertribüne im Wald. Das war ja schließlich auch meine Erfindung. Das
war meine Idee.
Ideen, Ideen, ihr redet immer von Ideen. Euch geht's doch nur ums Geld.
Der haltet doch den Scheißdreck. Ich baue eine Badeanstalt und verlange
Eintritt.
Sind Sie stecken geblieben? Ja, in jeder Beziehung.
Können Sie mir raushelfen? Ich will versuchen.
Du hast nichts dagegen?
Das ist nämlich meine Frau.
Wo wollen Sie hin? Nach Jongborn?
Ja.
Haben Sie etwas gegen Jongborn?
Eine ganze Menge.
Ein Haufen von Schweinekerlen, Idioten und Geschäftemachern. Ach nein.
Ja.
Wissen Sie, wer der größte Idiot bei der Geschichte ist?
Der Minister.
Wieso? Ist doch klar.
Wenn der nicht so sauer auf das Plakat reagiert hätte, wäre diese Quelle keine
solche Sensation geworden.
Ach, so sehen Sie das?
Wenn was verboten wird, dann wollen Sie ihn alle haben.
Was würden Sie tun, wenn Sie an der Stelle des Ministers wären?
Was tun?
Na ja, mit Jonkbaum.
Und der Liebesquelle?
Ja, das ist doch ganz einfach. Für den gibt es nur eine Möglichkeit.
Dass er hingeht und die Quelle... Tja.
Bleibt also die Frage, wem gehört die Liebesquelle?
Dem Staat.
Warum ist er persönlich?
Die fatale Quelle wird verstaatlicht.
Dann bewerbe ich mich um die Stellung eines Leiters der staatlichen
Quellbetriebe.
Bedauere, den Posten habe ich bereits dem jungen Mann versprochen, der mich
auf die großartige Idee gebracht hat.
Karl Krock.
Meine Herren.
Ihr ergebener Diener.
Meine Damen und Herren, bitte Ruhe.
Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass wir unser Bad mit dem
ersten behördlich genehmigten weiblichen Badegast eröffnen.
Diesen feierlichen Akt, den habe ich nicht mehr miterlebt.
Ich war bereits damit beschäftigt, die Wirkung des Wassers der Liebesquelle am
eigenen Leibe zu erproben.
Das war sie also, die Geschichte meiner ans wunderbare grenzenden Verwandlung.
Und seither geht mir natürlich der Vorrat an Quellwasser aus Jongborn nie
aus, was Sie sicher verstehen werden.
Na, wie wäre es, meine Herren?
Wollen Sie es nicht auch mal probieren? Und Sie, meine Damen, falls Sie genau
wissen wollen, wo Jongborn liegt?
Rufen Sie mich doch mal an. Einfach anrufen.
Also, zu Ihrem Wohle, meine Damen.
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