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Rohmilch trinken und wandern gehen,
auf dem Land leben, umgeben von Natur, mit einem Mann,
der sich um Frau und Kinder sorgt, im Garten Dinge anbauen,
dabei schöne Kleider tragen
und voll und ganz als Frau für die Kinder da sein können.
Zurück in eine Zeit, in der alles besser schien.
In eine Zeit, wo die Rollen von Mann und Frau glasklar waren.
In eine Zeit, wo die Rollenverteilung weniger infrage gestellt wurde.
In eine Zeit, wo man über sein naturverbundenes TikTok
noch nicht "Remigration" schreiben wollte.
Tradition, zurück zu etwas Altem, Naturverbundenheit,
klare Rollenverteilung und Erwachen.
Gefühlt ist eine Krise nach der anderen am Start,
da kann man sich hilflos und unsicher fühlen.
Eine klare Anleitung fürs Leben wäre da schon mal nice.
(Dramatische Orgelmusik)
(Ernste Orgelmusik)
Doch zwischen Süßmaus-Reels, Traditions-TikToks
und Straßenumfragen ...
(Lockere Musik)
Da weiß man manchmal nicht, ist das noch rechts- oder schon rechtsextrem?
Wenn es rechtsextrem sein sollte, rafft man das vielleicht gar nicht.
In einem Moment schaust du dir noch Wander-TikToks an
und im nächsten postet dieselbe Person so was.
(Elektronische Musik)
Dahinter scheint oft dasselbe zu stecken.
Der Wunsch nach einer Zeit, in der alles besser war.
Ich sprech mit dem Politologen Marcel Lewandowsky.
Eine Umfrage von letztem Jahr zeigt,
20 Prozent der Befragten ordnet sich politisch rechts ein.
Und auch wenn mehr Männer eher rechte als linke Parteien wählen,
spielen Frauen in der rechten Szene eine oft große Rolle,
die womöglich unterschätzt werden könnte.
Darüber spreche ich
mit der Eva Berendsen.
So was wie Stolz auf Familie, auf Tradition, auf Werte, auf Herkunft.
Das klingt jetzt mal nicht nach 'Ausländer raus'.
Sie ist Herausgeberin
des Reports: TikTok-Universum der extremen Rechten.
Und ich habe mit der Journalistin Jules gesprochen,
denn sie ist vor über einem Jahr zufällig auf die rechte
und rechtsextreme Bubble auf TikTok gestoßen
und hat dann weiter recherchiert.
Darum hat sie einen tiefen Einblick
in die rechte und rechtsextreme Social-Media-Szene.
Sie erzählt uns, was sie dort wahrnimmt
und wie schnell die Grenzen
zwischen rechts und rechtsextrem verschwimmen können.
Leute, es wird wild. Holt euch Wasser und let's fetz.
(Lauter Rülpser)
(Applaus, Jubelruf)
Der war ordentlich.
Ganz kurz, Spaß beiseite.
Dieses Video zu machen hat viel Mut gekostet.
Weil wir glauben, dass es einige Reactions geben könnte.
Falls du eher still zuschaust, es aber wichtig findest,
dass wir uns solche Themen anschauen, dann kannst du uns das zeigen,
indem du diesen Emoji in die Kommentare haust.
Danke dafür.
(Düstere Musik)
Ich bin 24, lebe bewusst traditionell
und möchte euch in meinem Leben als Hausfrau und Mutter mitnehmen.
In den letzten Jahren ist mir immer mehr bewusst geworden,
dass Rollenbilder einen Sinn haben.
Ich liebe es,
in die Rolle der Frau und Mutter immer mehr hineinzuwachsen.
Das alles, was ihr gerade gesehen habt,
also der Wunsch oder das Leben nach einer klaren Rollenverteilung,
ist rechts und konservativ und das ist legitim.
Grundsätzlich ist es in Deutschland so,
dass der Begriff "rechts" an sich schon umstritten ist.
Konservative würden den Begriff rechts
auch aus nachvollziehbaren Gründen gerne für sich verwenden,
weil sie sagen,
das ist einfach die rechte Seite des politischen Spektrums.
Da gehört der Konservatismus auch hin,
denn das stammt ursprünglich aus der Französischen Revolution,
in deren Nachgang die Konservativen
auf der rechten Seite des Parlaments saßen.
Aber Konservatismus ist eigentlich mehr so eine Art Geisteshaltung,
die sagt, es gibt bestimmte Traditionen,
es gibt bestimmte Dinge, die schlicht und einfach natürlich sind,
bestimmte natürliche Ordnungen,
Hierarchien und auf denen basiert die Gesellschaft.
Es kann passieren, dass rechts in denselben Topf
wie Rechtsextremismus oder Rechtsradikalismus geworfen wird.
Da gibt es aber Unterschiede.
Während das rechts und oder konservativ ist ...
(Sanfte Musik)
.. ist dieses TikTok rechtsextrem.
Hier kann man zwar auch den Wunsch
nach einer traditionellen Familie lesen,
aber auch eine treudeutsche Volksgemeinschaft.
Das Wort Volksgemeinschaft wird laut unterschiedlichen Quellen
dem Rechtsextremismus zugeordnet.
Und das Wort "Remigration"
kann man auch rechtsextremen Bewegungen zuordnen.
Das wird später spannend für uns.
Beim Rechtsradikalismus und beim Rechtsextremismus geht es darum,
dass im Zentrum ein Verständnis
von natürlicher Ungleichheit zwischen Menschen liegt.
Sei es auf Basis der vermeintlichen Rasse,
das ist wissenschaftlich nicht haltbar,
aber trotzdem sind rassistische Vorstellungen
innerhalb des rechtsradikalen bis rechtsextremen Spektrums
immer noch weit verbreitet.
Oder aber es sei aufgrund von bestimmter Kulturen,
die nicht miteinander vereinbar seien
und deshalb auch nicht im gleichen Raum zusammenleben dürften.
Die ganzen TikToks, die ich für meine Recherche gesehen habe,
konnte ich ganz oft nicht richtig zuordnen.
Sie bewegen sich entweder nah an der moralischen Grenze dessen,
was man so in einem demokratischen Grundkonsens noch sagen kann.
Oder sie bewegen sich häufig an der Grenze des Sagbaren,
ohne rechtliche Konsequenzen bekommen zu können.
Das werdet ihr aber auch noch merken,
dass sich diese Grenze des Sagbaren durch das Video ziehen wird.
Zum Beispiel bei rechten Influencerinnen
mit großer Reichweite habe ich das beobachtet.
Diese hier hat etwa 240.000 Follower auf Instagram.
Sie stellt hier ja nur eine Frage,
in die man eben viel reininterpretieren kann.
Zum Beispiel eine Haltung gegen Menschen,
die einen Hijab tragen oder,
dass deutsche Frauen mit Migra-Hintergrund
Deutschland nicht lieben würden.
Aber wie sie das am Ende meint,
weiß man nicht, weil es eben eine Frage ist.
Oder sie stellt zugespitzte politische Fragen
zur Einwanderungspolitik in Straßenumfragen.
Fühlen Sie sich schon fremd im eigenen Land?
(Angespannte Musik)
Ja, mir wurde gesagt von einer Dame ...
Da kommt ja nur immer, dass man die Ausländer rausschaffen muss.
Die AfD ist eine junge Partei
und es sind auch sicher Politiker oder Leute dabei,
die sich ungeschickt verhalten haben in der Kommunikation.
Die AfD möchte nicht alle Ausländer rausschmeißen.
Und es geht darum, dass die Politik verpasst hat,
den Kontakt zum Volk zu halten.
Die Leute sind ja nicht dümmer geworden,
sondern sie wehren sich gegen Reglementierung
und mir zu sagen, wie ich zu denken habe.
Wenn das jemand macht, bin ich dagegen.
Spannend finde ich, dass Vorschriften und Reglementierung
hier zum Beispiel mit der LGBTQ+-Fahne
und dem Gender-Sternchen bebildert werden.
Und diese 15-jährige Influencerin mit knapp 90k auf Insta
stellt sich auch so ein paar Fragen.
Ich war vier, als es hieß: Wir schaffen das.
Aber das Deutschland, von dem Sie mir erzählen,
kann ich heute kaum wiedererkennen.
Seitdem frage ich mich,
wie wäre das, wenn man ohne Angst ins Freibad gehen könnte?
(Schrei)
Wie wäre das, in der Fußgängerzone Deutsch zu hören?
(Stimmengewirr)
Wie wäre das,
wenn man sich nicht fremd fühlen müsste im eigenen Land?
(Ruhige Musik)
Wie wäre das,
wenn Nachrichten nicht täglich neue Messerangriffe melden müssten?
(Stimmengewirr)
Wie wäre das, wenn Willkommenskultur nicht bedeutete,
dass man selbst weniger wert ist?
Wie wäre das, wenn man Heimat nicht nur als Wort in Büchern fände?
Und wie wäre das, wenn man sich das alles auch laut fragen dürfte?
Beide machen Content,
der ultra-mainstream und normal aussieht.
Beide lassen sich rechts einordnen,
sie distanzieren sich von Extremismus.
Die 15-jährige Influencerin nennt es:
sich trauen, den Mund aufzumachen.
Wie kann man mit 14 so radikal sein?
Ja, wie kann man, Man?
Radikal kommt von Radix, die Wurzel.
Also von der Wurzel her denken.
Das können wir unterstützen.
Es wird nicht akzeptiert, wenn junge Menschen
eine nicht-mainstream-konforme Meinung haben.
Ich habe damit angefangen, weil so was fehlt.
Aber beide machen immer mal wieder
mit rechtsextrem eingestuften Menschen Content.
Hier zum Beispiel mit dem österreichischen
rechtsextremen Aktivisten Martin Sellner.
Oder die 15-Jährige mit dem Politiker Björn Höcke.
Er gilt als zentrale Figur des rechtsextremen Flügels der AfD.
Herr Höcke, Sie waren selbst Lehrer.
Was sagen Sie den Schülern, die angefeindet werden,
weil sie eine Meinung haben, die nicht jeder hat?
Der Content kommt aus unterschiedlichsten Gründen gut an.
Warum das so ist, schauen wir uns gleich an.
Aber einer davon könnte sein, dass laut einer Studie,
knapp 40 Prozent der Jugendlichen in Deutschland
zwar Politikern und Parteien folgen,
aber 60 Prozent folgen politischen Influencern.
Diese scheinen vertrauenswürdiger zu sein.
Und rund 75 Prozent gaben an,
dass sie politische Informationen über Social Media aufnehmen.
Die Studie zeigt also,
dass Social Media eine extrem wichtige Rolle spielt
für junge Menschen, wenn es um Politik geht.
Deshalb können TikTok und Co.
einen wichtigen Einfluss auf politische Wahrnehmungen haben.
Wir schauen uns an, welcher Content so auf den For-You-Pages landet
und ob man checkt,
dass es sich dabei um politische Posts handeln könnte.
(Sanfte Musik)
Angefangen hat alles mit den Bergen.
Denn ich liebe die Berge.
Mit Frauen, die naturverbunden sind, die wandern gehen.
Das bin ich auch.
Da waren Frauen, die ihre Heimat lieben.
Denn Heimatliebe ist kein ...
♪ Staatsverrat, wir sind keine Neonazis
♪ und keine Anarchisten.
♪ Wir sind einfach gleich wie ihr.
(Dynamische Musik)
Und auf einmal, da war ich dann bei jungen Frauen,
die Rohmilch toll finden.
Denn Rohmilch soll gesund und vor allem natürlich sein.
Sie hier zum Beispiel.
Sie geht gerne wandern.
Und zeigt, wie sie sich rohe Milch holt.
Als ich rausfinden wollte,
warum sie das tut und auf den Account gegangen bin,
hab ich diesen Post gesehen.
(Lockere Musik)
Ich hab das auch nicht kommen sehen, Leute.
Sie war nicht die Einzige, die mich auf einen Irrweg geführt hat.
Wegen Wandern, Leute. Irrweg.
Sie zum Beispiel wandert und ist gern in der Natur.
Wie ich.
Nur, dass bei ihr so was dabei steht, wenn sie das tut.
Und sie knallt sich gerne rohes Zeug rein.
(Energische Musik)
Wer hätt's gedacht,
das mit der Rohmilch lässt sich politisch einordnen.
It's a thing. Zumindest in den USA.
Der Professor Dr. James Fitzgerald beschreibt in einem Interview,
dass Rohmilch ein Symbol einer rechten Gegenbewegung ist.
Es kann zeigen, dass man der Regierung nicht vertraut,
während vieles verarbeitet ist,
sieht das mit der Rohmilch anders aus.
Die Natürlichkeit und Reinheit der Rohmilch
kann dann perfekt zur Tradwife-Ästhetik passen.
Denn die Tradwife backt gern ihr Sauerteigbrot selbst
und kocht gerne gesund für die Familie.
Sie ist verheiratet, stellt Mann und Familie an erste Stelle,
sieht schön aus, ist meistens weiß und übernimmt die Rolle,
die für sie vorgesehen ist.
Also, dass im Prinzip die Zuständigkeit
für die Reproduktionsarbeit
und das, was wir heute Care-Arbeit nennen.
Also Kinder, Küche, Werte, Erziehung,
dass das halt bei der Frau liegt,
weil das sozusagen ihre angeblich natürliche Funktion ist.
Die Tradwife ist das perfekte Beispiel dafür,
wie Grenzen verschwimmen können,
so dass sie zum Teil nicht da sind.
Es kann ein traditioneller, konservativer Lifestyle sein,
in dem man lebt und der total legitim ist.
Und zum anderen kann genau der genutzt werden,
um ganz bewusst eine bestimme Haltung zu platzieren.
Diese Creatorin trinkt zum Beispiel nicht nur gerne Rohmilch,
sie zeigt auch ihr Tradwife-Leben.
Und untermalt dieses mit Stickern, wo nicht nur Dinge draufstehen
wie "Du willst es doch auch", "Remigration"
oder "It's nice to be white".
Für diese Sticker macht sie by the way auch Werbung.
An einem selbst bestimmten Leben oder dem Wunsch,
als Mutter und Hausfrau zu leben, ist nichts verwerflich.
Hier passiert aber, dass ein Image,
das für Sanftheit, Weiblichkeit, Naturverbundenheit
und Heimatliebe steht, dafür dient,
extreme Ansichten zu vermitteln.
Da ist also ein Trend,
der ganz, ganz anschlussfähig ist für extremrechtes Gedankengut.
Und wo auch rechte Frauen andocken.
Wir sagen tatsächlich, dass so was wie Tradwife,
ist wie eine Art Trojanisches Pferd für rechtsextreme Szenen.
Weil man da seine rechtsextreme Botschaft
hinter einer vermeintlich harmlosen Fassade verstecken kann.
Spannend ist dabei,
das lässt sich generell auf die Rolle der Frau
im rechten Spektrum übertragen.
Frauen fanden ganz lange kaum Gehör in der Politik.
Und ausgerechnet bei rechten und konservativen Parteien
stehen sie oft an der Spitze.
Also bei Parteien, die nicht unbedingt dafür bekannt sind,
Frauenrechte an erste Stelle zu setzen.
In Deutschland ist Alice Weidel bei der AfD an der Spitze.
In Italien ist Giorgia Meloni Regierungschefin.
In Frankreich hat Marine Le Pen lange das Präsidentenamt angestrebt.
Frauen wählen eher links.
Also das ist einmal sozusagen ...
ist es die Realität.
Und hier will man einfach in die Breite
und man möchte natürlich politisch Relevanz gewinnen.
Und da führt der Weg halt auch über Frauen.
Die Sichtbarkeit der Frau soll das Image der Partei modernisieren
und oder weibliche Wählerinnen ansprechen
und auch vor Sexismusvorwürfen schützen.
Frauen wirken,
das hat einfach was mit unseren gesellschaftlichen Stereotypen
zu tun, die wirken harmloser.
Attraktiver.
Harmlos kann es zum Beispiel auch sein,
wenn man auf einen Account geht
und dort typisch feministische Anliegen sieht.
Wie zum Beispiel mehr Schutz für Frauen.
Wenn ich mir zum Beispiel diesen Post anschaue,
dann spricht mich das als Frau,
die sich für Frauenrechte interessiert, sehr an.
Oder dieser Slide, wo draufsteht,
man sei noch nicht wütend genug.
Mit Frauen, die ernst in die Kamera schauen.
Der Fachbegriff dazu ist Femonationalismus.
Der beschreibt, dass rechte Gruppen feministische Themen benutzen,
um ihre eigenen politischen Ziele zu unterstützen.
Zum Beispiel kann es sein, dass sie über Frauenrechte sprechen,
um ausgrenzende Aussagen zu rechtfertigen.
Bei diesem Account handelt es sich um einen unabhängige Initiative,
die sich für traditionelle Familienwerte
und die zentrale Rolle der Frau als liebevolle Mutter einsetzt.
Hört sich ja ganz nett an.
Wenn der Verfassungsschutz NRW die Initiative
nicht als rechtsextremen Verdachtsfall sehen würde.
Denn neben süßen Traditionskleidern,
Pro-Life-Posts und Nein zum World-Hijab-Day sagen,
macht die Initiative auf ihrem Account
unter anderem auf schlimme Gewalttaten
gegenüber Frauen aufmerksam.
Und findet dafür aber nur einen Schuldigen.
Was würdest du machen,
wenn sich dein Ex-Freund bei dir meldet?
Vielleicht will er sich entschuldigen.
Oder er plant, dich von fünf Syrern vergewaltigen zu lassen.
Was klingt wie ein schlechter Scherz,
ist für eine 17-Jährige aus Heinsberg
leider bittere Realität geworden.
Ihr Ex holte sie mit dem Auto ab,
während der Fahrt stiegen drei weitere Männer ins Auto.
Und sie fuhren zu seiner Wohnung, wo zwei weitere Männer warteten.
Der Ex-Freund verließ die Wohnung.
Nach der Vergewaltigung war er aber so gütig,
zurück zu kommen und sie zu einer Freundin zu fahren.
Was könnte das Problem sein?
Ähm ...
(Verträumte Musik)
Dass man als Frau von Migranten angepöbelt wird,
oder einem zugepfiffen wird, das ist mittlerweile normal.
Mir selbst ist so eine ähnliche Situation widerfahren.
Was ich im Umfeld von rechtsextremen Akteuren
aber ganz klar wahrnehme, diese Angst vor Missbrauch wird nur
im Kontext von Migration dargestellt.
Also nur gegen ausländisch angesehene Männer gerichtet.
In NRW fanden letztes Jahr 209 Gruppenvergewaltigungen statt.
Daraufhin wurden 84 Ausländer festgenommen
und 71 Deutsche.
Und jetzt gucken wir uns mal die Vornamen der deutschen Täter an.
Achmet, Alpha, André, Andreas, Ayse, Bada ...
Wie viele Frauen von ihren Partnern unabhängig von Herkunft
Vergewaltigungen oder häusliche Gewalt erleben,
wird selten bis gar nicht thematisiert.
Ihr habt recht. Ich bin zu jung.
Genau wir die 13-jährige Leonie zu jung war,
um von einer Gruppe Afghanen unter Drogen gesetzt,
gruppenvergewaltigt und ermordet zu werden.
All diese Taten, die angesprochen wurden,
sind furchtbar, nicht zu entschuldigen
und hat niemand verdient.
Und es geht hier nicht darum,
Gewalttaten in Zusammenhang mit Migration
unter den Teppich zu kehren, zu verschweigen
oder nicht ernst zu nehmen.
Sondern viel mehr darum, anzuschauen,
wie diese Gewalttaten besprochen werden.
Auf vielen Accounts, die ich in der Recherche gesehen habe,
wird in den Videos suggeriert,
dass Vergewaltigung kein Thema mehr sei,
wenn Ausländer, die sich "nicht verhalten können",
abgeschoben werden.
Doch der unsicherste Ort für Frauen ist ihr eigenes Zuhause und Umfeld.
Die meisten Vergewaltigungen, gehen vom eigenen Partner oder Ex aus.
2024 gab es in Deutschland laut Kriminalstatistik
13.320 angezeigte Fälle von Vergewaltigung
und sexueller Nötigung.
Von den rund 11.300 Verdächtigen, die in solchen Fällen
identifiziert wurden,
waren knapp 6.900 deutsche Staatsbürger.
Und etwas mehr als ein Drittel, nämlich 4.440,
nichtdeutsche Tatverdächtige.
Die Statistik zeigt also,
in wie vielen Fällen ein Tatverdächtiger
aus der jeweiligen Gruppe vorkam.
Sie sagt aber nicht automatisch,
warum das so ist und wer genau damit gemeint ist.
Um aber die Zahlen einmal ganz genau zu erklären
und alles nachvollziehen zu können, braucht man Zeit.
Denn es ist eben ein komplexes Thema.
Doch es lohnt sich immer, sich diese Zeit zu nehmen.
Die Gründe für Ausländerkriminalität sind vielschichtig.
Zum Beispiel Altersstruktur, Geschlecht, soziale Lage
oder andere Faktoren.
Aber es lässt sich nicht auf eine Ursache reduzieren.
Man sollte es also nicht
auf "Ausländer sind schuld" runterbrechen.
Denn Gewalt gegen Frauen ist ein strukturelles Problem,
das tief verankert ist.
Auch in Deutschland.
Ein Problem, das sich nicht schnell und einfach lösen lässt.
Allerdings nicht, wenn man auf Social Media schaut.
Da scheint es für einige Menschen eine einfache Lösung
für so ein komplexes Problem zu geben.
Remigration.
Und die wird schon fast romantisch inszeniert.
Mal wieder in den Bergen, in der Natur, am Wasser.
(Lockere Beats)
Doch was hat's eigentlich mit diesem Begriff auf sich?
Der Begriff der Remigration wird teilweise
im rechten Spektrum so gedacht,
dass Abschiebungen ausgeweitet werden
auf Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft,
die aber Migrationsgeschichte haben.
Das wird nicht immer so klar gesagt,
sondern der wird jetzt praktisch synonym verwendet
für große Abschiebeinitiativen.
Aber innerhalb des Spektrums rechts außen
gibt es tatsächlich schon dieses Verständnis von Remigration
als Möglichkeit der Schaffung einer ethnisch homogeneren Gesellschaft.
Remigration scheint ein Allrounder zu sein.
Es ist nicht nur eine Lösung, die Frauen vor Übergriffen schützen soll,
sondern sie soll auch
die traditionelle Grundordnung schützen können,
die Deutschland braucht, um wieder stabil zu werden.
(Energische Elektromusik)
Stabil, Bruder. Stabil. - Stabil.
Marcel Lewandowsky hat mir erklärt,
dass rechte Akteure oft mit Ängsten arbeiten.
Das eine ist eine Angst vor sozialer Veränderung
mit Blick auf gesellschaftlichen Wandel,
Liberalisierung.
Das sieht man etwa daran,
dass traditionelle Familienbilder schwächer werden.
Das Zweite ist eine gesellschaftliche Veränderung
mit Blick auf die Migration.
Also Menschen mit Migrations- geschichte werden sichtbarer,
haben in Gestalt ihrer Eltern und Großeltern
ihre Kultur und Religion mitgebracht und zeigen die auch,
leben die auch aus.
Das prägt wiederum das Stadtbild.
Und beides kann zu einer sozialen Verunsicherung
bis hin zur Abwehrhaltung führen,
es gibt eine stärkere Sichtbarkeit
auch verschiedener Geschlechtsidentitäten.
Und auch Menschen mit bestimmten Geschlechtsidentitäten,
die auch politische Rechte für sich einfordern.
Und auch die "künstliche Feministin" ist ein Problem.
Feministinnen sind alle hässlich und grässlich.
Also da ist irgendwie die künstliche Feministin,
die die gesellschaftliche Ordnung infrage stellt
und die auch die Geschlechterordnung infrage stellt.
Auf der anderen Seite steht dann diese natürliche Tradwife.
Und all das kann stören.
Es kann die klare Rollenverteilung stören,
den Wunsch der weißen, schönen Frau stören,
die Mutter und Hausfrau sein will.
Dieser Wunsch nach einem einfacheren Leben, kann Sicherheit bieten.
Also dieses Bild funktioniert,
weil es reale Unsicherheiten gibt.
Es gibt ökonomische Unsicherheiten,
es gibt Unsicherheiten über den Wandel der Gesellschaft.
Und diese klassischen und traditionellen
Familien- und Rollenbilder, die bieten vor allem Sicherheit.
Die sagen, dies ist sozusagen angesichts
einer sich stark verändernden Welt euer Schutzraum.
Und dieser Schutzraum hat, so ist das Narrativ,
seit Jahrhunderten funktioniert.
Und deshalb müsse er sozusagen wiedergeholt werden.
Stark emotionalisierte oder populistische Inhalte
bekommen auf TikTok besonders viel Reichweite.
Und weil solche Inhalte womöglich viele junge Menschen erreichen,
könnte es sein, dass manche gar nicht wissen,
dass sie so politische Inhalte teilen.
Bei einigen sehr jungen Usern hab ich mich aber auch gefragt,
wird hier wirklich aus einer gefestigten,
politischen Ideologie heraus gepostet
oder viel mehr auch,
um durch Provokation Aufmerksamkeit zu erhaschen
und zu rebellieren.
Ohne dass ich damit die Inhalte relativieren möchte.
Klar, das sind nur Mutmaßungen,
aber bei so ein paar TikTokerinnen hatte ich auch so ein Gefühl.
Einfach weil ... ich sag mal ...
es besonders polarisierend war?
(Lockere Musik)
Gleichzeitig bin ich auf junge Frauen gestoßen,
die davon berichten,
es aus der rechten und rechtsextremen Szene rausgeschafft zu haben.
Ein paar sagen sogar, sie wären nur "trendrechts" gewesen.
(Nachdenkliche Akkorde)
(Lebendigere Musik)
Doch Jules ist in ihrer Recherche
nicht nur auf solche TikToks gestoßen,
sondern auch auf immer wiederkehrende Emojis
in den Kommentarspalten. Also Codes.
Rechtsextreme Codes sind kein neues Phänomen.
Sie finden nur gerade auf Social Media
zum Beispiel in Emoji-Form echt großen Anklang.
Sie geben den Akteuren erst mal natürlich die Möglichkeit,
ihre Ideologien ohne die Gefahr von strafrechtlicher Verfolgung
zu verbreiten.
Mit dem Emoji, bei dem eine Person winkt,
ist natürlich nicht immer direkt ein Hitlergruß gemeint.
Auch ein Blitz-Emoji ist erst mal ein Blitz.
Ein weiteres Beispiel: Die Zahlenkombination 444
kann in einem Kontext eine Engelszahl sein,
in einem anderen ist es die Parole "Deutschland den Deutschen".
Doch eine Sache hat Jules besonders geschockt.
Ein Emoji-Code, den ich auf dem TikTok-Profil
einer jungen Frau gesehen habe,
der hat doch was mit mir gemacht und mir gezeigt,
wie viel Hass und Hetzte darin stecken können.
Man sieht ihr Gesicht, darüber die Bildaufschrift
"Life is great without".
Und dann ein Saftpäckchen-Emoji.
Was im Englischen Juice heißt, also das Saftpäckchen,
was aber auch unweigerlich an das englische Wort Jews,
also Juden erinnert.
Falls ihr euch über Codes noch besser informieren wollt,
dann schaut mal in die Infobox, da haben wir was verlinkt.
Krass, wie unterschwellig die Message sein kann.
Und gerade in diesem Unterschwelligen kann eine große Gefahr liegen.
Denn egal, ob es rechtsextreme Codes sind
oder Tradwife-Ästhetiken,
einzelne TikToks machen einen womöglich nicht rechtsradikal,
aber die Masse kann's am Ende womöglich machen.
Die "Zeit" spricht in einem Dossier
von einer rechtsextremen Jugendkultur.
Immer mehr junge Menschen sind offen für rechtsextreme Ideen.
Das geht aus einer Untersuchung des Forschungsverbunds MOTRA hervor.
Eine Untersuchung zu rechtsextremen Chatgruppen
auf Telegram zeigt, wie jung viele Radikalisierte sind.
In 37 ausgewerteten Fällen lag das Durchschnittsalter
bei nur 16,4 Jahren.
Fast ein Viertel der Beteiligen war sogar jünger als 14.
Zudem radikalisierte sich etwa jede zweite Person
innerhalb von weniger als einem Jahr.
Unterschiedliche Quellen deuten darauf hin,
dass Social Media zu einer Radikalisierung beitragen kann.
Und wo Radikalisierung ist,
da kann auch schnell Hass und Gewalt sein.
Und da kann's gefährlich werden.
Auch für mich als afrodeutsche Person.
Wenn junge Menschen sich radikalisieren,
dann hat das unterschiedliche Gründe.
Da gehören Zukunftsängste dazu, aber auch das Gefühl,
dominant sein zu können und sich zugehörig zu fühlen.
Denn das bietet Community.
Ich glaube, rechtsextreme Akteure sprechen
junge Menschen an, weil sie ihnen das Gefühl geben,
sie ernst zu nehmen.
Und gerade in der Coronazeit,
wurden Jugendliche extrem abgehängt,
auch von der Politik.
Aber das Versäumnis, Jugendlichen und jungen Erwachsenen
in allen Lebensräumen eine Perspektive zu geben
und diese zu sehen und zu hören,
bringt, denke ich, einen enormen Push für diejenigen,
die diesen Unmut für ihre ideologischen Vorhaben ausnutzen.
Rechtsradikaler Content sieht heute oft nicht mehr aus wie früher.
Nicht unbedingt Springerstiefel und kahl rasierte Köpfe.
Stattdessen wirkt's weich, ästhetisch und nahbar.
Blumenwiesen, Natur, traditionelle Kleider,
gesunde Ernährung und der Wunsch nach einem einfacheren Leben
auf dem Land.
Dabei ist es wichtig zu unterscheiden,
rechts oder konservativ zu sein,
ist erst mal eine legitime politische Position.
Was mir aber vor allem klar geworden ist,
auf welche Art eine Person rechts ist,
kann genauso individuell wie die Person selbst sein.
Wandern, Dinge im Garten anbauen oder eine Stay at Home Mom sein wollen,
sind im Einzelnen nichts rechts oder rechtsextrem.
Genauso wenig wie rohe Milch trinken.
Und gleichzeitig kann das perfekt genutzt werden,
um eine Ideologie nach außen zu tragen.
Das Problem: Die Grenzen verschwimmen.
Zwischen konservativ, rechts und rechtsextrem
liegt bei sehr vielen Videos,
die ich gesehen habe, nur ein schmaler Grat.
Und ein Punkt wird dabei oft unterschätzt.
Die Rolle von Frauen.
Problematisch wird es da,
wo Menschen als weniger wert dargestellt
oder demokratische Grundwerte infrage gestellt werden.
Schreibt eure Gedanken zum Thema gerne in die Kommentare.
Bis zum nächsten Mal, passt auf euch auf. Tschüsschen.
SWR 2026
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