All language subtitles for Wings.of.Desire.1987.RM4K.1080p.BluRay.x265.HEVC.AAC-SARTRE_[ger]

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Original subtitles

(Damiel, Gedankenstimme) Als das Kind Kind war,

ging es mit hängenden Armen,

wollte, der Bach sei ein Fluss,

der Fluss sei ein Strom

und diese Pfütze das Meer.

Als das Kind Kind war, wusste es nicht, dass es Kind war.

Alles war ihm beseelt, und alle Seelen waren eins.

Als das Kind Kind war,

hatte es von nichts eine Meinung, hatte keine Gewohnheit,

saß oft im Schneidersitz, lief aus dem Stand,

hatte einen Wirbel im Haar

und machte kein Gesicht beim Fotografieren.

Damiel

Marion (spricht mit französischem Akzent)

Cassiel

Homer

Peter Falk

(ruhige Cello-Musik)

(melancholische Cello-Musik)

(Harfenklänge)

(gedämpfte Straßengeräusche)

(Man hört die Gedanken der Menschen als gedämpfte Stimmen.)

Guck mal!

(sich überlagernde Gedankenstimmen)

(Harfen-Akkord) (Gedankenstimme) Die Labsal,

den Kopf zu heben zum Licht hier draußen im Freien.

Die Labsal der von der Sonne durchleuchteten Farben

der Augen der Menschen.

(Frau) Endlich verrückt, endlich nicht mehr allein.

Endlich verrückt, endlich erlöst. Endlich verrückt, endlich ruhig.

Endlich eine Närrin, endlich ein inneres Licht.

(Durchsage) Das Rauchverbots-Zeichen

wurde für den Anflug auf Berlin eingeschaltet.

Rauchen Sie nicht mehr, bis Sie sich im Flughafengebäude befinden.

(Mann)... 12.000 für Spiegel...

(Frau) Ach je, sind wir schon da? Neun Uhr morgens...

(Das Mädchen summt eine Melodie und erfindet eine Geschichte.)

...und rannte zu ihm, und rannte, und umarmte ihn dann.

Da ist ein kleines Häuschen,

und da sind auch zwei Stockwerke und eine Terrasse.

Und da gehen wir auch jeden Tag baden.

Und der Mann, der da wohnt, der heißt Pedro...

(Peter Falk, englisch) Ich verstehe diese Figur noch nicht.

Ich weiß so wenig über diese Rolle.

Das wird sich beim Drehen ergeben.

Hauptsache erst mal: ein gutes Kostüm.

Berlin... Emil Jannings,

Kennedy, von Stauffenberg, ein Teufelskerl...

Hast du ein tolles Bild gemalt. - (Peter) War das in Berlin?

Und wenn schon, es ist ja geschehen.

Was würde Großmutter sagen?

"Geh spazieren!"

Tokyo, Kyoto, Paris, London,

Triest, Berlin...

(sphärische Musik)

(Radio-Sender) ...updates throughout the weekend, AFV, Berlin...

RIAS Berlin, eine freie Stimme der freien Welt...

...from the wir es ofthe AP and UPl...

(unverständlich)

...Erich Honecker empfing am Vormittag...

...an den Kontrollpunkten starker Ausreiseverkehr...

(sphärische Musik)

(ruhige Cello-Musik)

(Junge) Immer nichts Vernünftiges im Fernsehen.

(Frau) Ihr habt zu viele Farben, um euch in der Zeit auszukennen.

Ihr stolpert über eure Farben und seid nie pünktlich.

(Musik aus dem Rekorder) (Frau) Das ist kleiner, als ich dachte.

Wie kriege ich alles rein? Kühlschrank, Waschmaschine...

Muss ich mir was einfallen lassen.

Es riecht noch so. Nur staubiger.

Hat sie alles gesammelt: Rabattmarken, Ansichtskarten, U-Bahn-Tickets.

Nie was weggeworfen, ging nicht, konnte sie nicht.

Mutter!

Meine Mutter... war sie nie.

Mein Vater... Mein Vater war mein Vater.

Sie ist tot.

Keine Träne, kein Schmerz...

Vielleicht später. Gott, bin ich schon alt!

Meine Schwester kommt. Ich muss weg hier, ganz schnell.

(Musik aus dem Rekorder: "Some Guys" von Tuxedomoon)

(Kinderstimmen von unten)

Mich kriegst du nicht!

(Musik: "Pas Attendre" von Sprung aus den Wolken)

(Mann) Sie liebt dich nicht. Sie hat dich nie geliebt.

Und du tust auch nur so als ob.

Sei doch froh, dass sie dich vergessen haben. Endlich bist du frei!

"Ich möchte jetzt sterben und dann immer weiterleben", hat sie gesagt.

(Die Musik ist gedämpft weiter zu hören.)

(älterer Mann) Was soll det bloß mit dem Jungen werden?

Der hat nur die Musik im Kopf.

Also nein, det halt ick nicht mehr aus. Was will der denn nun noch?

Nu hab ick ihm schon 'ne Gitarre gekauft.

Will er noch ein Schlagzeug?

Ein Geld kostet det alles, nee!

Langsam wird mir det zu viel, ick weiß nicht.

Kommt der nie zur Vernunft?

Nee, also... jetzt langt mir det.

So geht's nicht weiter.

Nee, also... mal muss ja Schluss sein.

Det kann ick einfach nicht mehr mitmachen.

(Frau) Kein Wunder, hat nur Rock 'n' Roll gelernt.

(seufzend) Na ja, vielleicht fängt er sich noch eines Tages.

Man kann's halt nur hoffen.

(verklingende Musik, gedämpfte Kinderstimmen)

(Kind) Mann! Nein, nein, ich bin... (unverständlich)

(Damiel) Als das Kind Kind war, war das die Zeit der folgenden Fragen:

(im Singsang) Warum bin ich ich und warum nicht du?

Warum bin ich hier und warum nicht dort?

Wann begann die Zeit...

Du musst alleine gehen. - Ich weiß!

(Damiel) ...und wo endet der Raum?

Ist das Leben unter der Sonne nicht bloß ein Traum?

Ist, was ich sehe und höre und rieche

nicht bloß der Schein einer Welt vor der Welt?

Gibt es tatsächlich das Böse und Leute, die wirklich die Bösen sind?

(im Singsang) Wie kann es sein, dass ich, der ich bin,

bevor ich wurde, nicht war,

und dass einmal ich, der ich bin,

nicht mehr der ich bin, sein werde.

(Martinshorn, Babygeschrei) (Mann) Hoffentlich hast du's bald!

(Frau) In den Bauch atmen! Das Kind braucht Sauerstoff.

(Mann) Hätte doch ich selber die Schmerzen!

(Frau) Tut das weh!

(Mann) Bald ist es so weit. - (Frau) Gleich geschafft.

(Mann) Wir haben's gleich. - (Frau) Es lässt nach.

(Frau) Würmchen, ich freu mich auf dich. Bin gespannt, wie du aussiehst.

(Eine Frau zetert weinend.)

(Mann) Wirst noch zugrunde gehen an den Frauen.

(Dame) Ich glaube, Blacky, ich hab mich verfahren.

Wir wollen doch zum Waldfriedhof.

(Der Mann spricht Türkisch, Korangesänge aus dem Radio.)

(Die Korangesänge verklingen.)

(Damiel) Und?

Sonnenaufgang: 7.22 Uhr, Sonnenuntergang: 16.28 Uhr.

Mondaufgang: 19.04 Uhr, Monduntergang, Wasserstand von Havel und Spree...

Vor 20 Jahren stürzte ein sowjetischer Düsenjäger

nahe der Spandauer Heerstraße in den Stößensee.

Vor 50 Jahren war... - ...die Olympiade.

Vor 200 Jahren überflog Nicolas Blanchard die Stadt in einem Heißluft-Ballon.

Wie die Flüchtlinge neulich.

Und heute: In der Lilienthaler Chaussee ist einer gegangen,

ist immer langsamer geworden

und hat dann über die Schulter ins Leere geschaut.

Im Postamt 44 hat einer, der heute Schluss machen will,

auf all seine Abschiedsbriefe Sondermarken geklebt, auf jeden eine andere,

und hat dann draußen mit einem amerikanischen Soldaten englisch geredet,

zum ersten Mal seit seiner Schulzeit, und zwar fließend!

In der Strafanstalt Plötzensee hat ein Häftling,

bevor er mit dem Kopf gegen die Wand gerannt ist, "jetzt" gesagt.

An der U-Bahn-Station Zoo rief der Beamte statt des Stationsnamens

plötzlich das "Feuerland" aus! - Schön!

Im Park las ein alter Mann einem Kind aus der "Odyssee" vor,

und der kleine Zuhörer, der dabei ganz zu blinzeln aufhörte.

Und du, was hast du zu erzählen?

Eine Passantin, die mitten im Regen den Schirm zusammenklappte

und sich nass werden ließ.

Ein Schüler, der seinem Lehrer beschrieb,

wie ein Farn aus der Erde wächst, und der staunende Lehrer.

Eine Blinde, die nach ihrer Uhr tastete, als sie mich spürte.

Es ist herrlich, nur geistig zu leben und Tag für Tag für die Ewigkeit

von den Leuten rein, was geistig ist, zu bezeugen.

Aber manchmal wird mir meine ewige Geistes-Existenz zu viel.

Ich möchte nicht mehr so ewig drüberschweben.

Ich möchte ein Gewicht an mir spüren,

das die Grenzenlosigkeit an mir aufhebt und mich erdfest macht.

Ich möchte bei jedem Schritt oder Windstoß,

"jetzt" und "jetzt" und "jetzt" sagen können

und nicht wie immer, "seit je" und "in Ewigkeit".

Sich an den freien Platz am Kartentisch setzen,

begrüßt werden, auch bloß mit einem Nicken.

Die ganze Zeit, wenn wir einmal mittaten, war es doch nur zum Schein.

Haben uns im nächtlichen Ringen mit einem von denen

zum Schein die Hüfte ausrenken lassen,

haben zum Schein einen Fisch mitgefangen,

haben zum Schein an den Tafeln gesessen,

getrunken und gegessen zum Schein,

haben uns Lämmer braten und Wein aufwarten lassen,

draußen bei den Zelten in der Wüste. Nur zum Schein!

Nicht, dass ich ja gleich ein Kind zeugen oder einen Baum pflanzen möchte,

aber es wäre doch schon etwas,

beim Nachhausekommen nach einem langen Tag

wie Philip Marlowe die Katze zu füttern.

Fieber haben,

schwarze Finger vom Zeitunglesen,

sich nicht immer nur am Geist begeistern, sondern endlich an einer Mahlzeit,

einer Nackenlinie,

einem Ohr.

Lügen! Wie gedruckt!

Beim Gehen das Knochengerüst an sich mitgehen spüren.

Endlich ahnen, statt immer alles zu wissen.

"Ach" und "oh" und "ah" und "weh" sagen können...

statt "Ja und Amen"!

Ja... und sich einmal auch begeistern können am Bösen.

Von den Passanten im Vorbeigehen alle Dämonen der Erde auf sich übertragen

und hinaus in die Welt jagen. (Damiel zischt.)

Ein Wilder sein!

Oder endlich zu spüren, wie es ist,

unter dem Tisch die Schuhe auszuziehen und die Zehen auszustrecken.

Barfuß, so.

Allein bleiben.

Geschehen lassen.

Ernst bleiben.

Wild können wir nur in dem Maß sein, wie wir unbedingt ernst bleiben.

Nichts weiter tun, als anschauen, sammeln, bezeugen, beglaubigen, wahren.

Geist bleiben.

Im Abstand bleiben. Im Wort bleiben.

(Frau) Guck mal, ein Cabrio!

(Mann) So was kauft man nicht! Das klaut man, sonst wird's einem geklaut.

Mensch, stell dir doch mal vor: Dach auf und raus aus dem Smog!

In einem Zuhälterschlitten!

(sich überlagernde Gedankenstimmen)

(Mann) "...der Regenwald baut sich in fünf Stockwerken übereinander auf.

Die Triebfeder des Wachstums ist der Lichtmangel.

Deshalb überzieht den Urwald..."

(Frau) "Walter Benjamin kaufte 1921 Paul Klees Aquarell 'Angelus Novus'."

(2. Mann) "Über sie hinweg ziehen die Kraniche..."

(3. Mann) "...schaut, den Kopffest auf dem Halse..."

(unverständlich)

(2. Frau) "Die seltene Implantation im kurzen interstitiellen Teil

geht ebenfalls mit einer... (unverständlich)

Gelegentlich ist der Uterus... (unverständlich)

Der Fruchttod erfolgt gewöhnlich

im zweiten bis dritten Schwangerschaftsmonat..."

(sich überlagernde Gedankenstimmen und erhabener Klangteppich)

(feierlicher Gesang einer Sopranistin und Chor)

(Die Musik übertönt die Gedankenstimmen der Lesenden.)

(feierlicher Gesang und Chor, sich überlagernde Gedankenstimmen)

(Gedankenstimme eines Kindes, stockend)

"...verschiedene Gleichungen kann man zusammenfassen zu einer einzigen.

Der Vorteil besteht darin..."

(Eindringlicher Chorgesang übertönt die Stimme des Kindes.)

(Ein Mann liest einen hebräischen Text.)

(eindringlicher Chorgesang)

(Gedankenstimmen in verschiedenen Sprachen)

(eindringlicher Chorgesang)

(Der Mann liest einen englischen Text.)

(Die Gedankenstimme des Mannes verstummt, erhabener Chorgesang.)

(Die Musik wird leiser und verklingt allmählich.)

(Homer keucht.)

Erzähle, Muse, vom Erzähler,

dem an den Weltrand verschlagenen kindlichen Uralten

und mach an ihm kenntlich den Jedermann.

(zarte Violinen-Klänge)

Meine Zuhörer sind mit der Zeit zu Lesern geworden,

und sie sitzen nicht mehr im Kreis, sondern für sich,

und einer weiß nichts vom anderen.

(Er keucht.)

Ein Greis bin ich mit einer brüchigen Stimme,

aber die Erzählung hebt immer noch an aus der Tiefe

und der leicht geöffnete Mund wiederholt sie,

so mächtig wie mühelos.

Eine Liturgie,

bei der niemand eingeweiht zu sein braucht,

wie die Wörter und Sätze gemeint sind.

(Mann) Vielleicht hat sie kein Geld, sich einen anderen Arzt zu suchen.

Jetzt habe ich sie vier Jahre nicht mehr gesehen,

seit zwei Jahren ist sie krank.

(Frau) Wann betet ihr endlich mit eigenen Worten?

Verräter seid ihr.

Aber da kommen die jungen Dinger

und verdrehen die Ohren und dann geht det gleich...

(Mann) Warum leb ick denn überhaupt? Warum leb ick?

(unverständliche Gedankenstimmen)

Wer soll das alles bezahlen? Die kleine Rente...

...wischen, bisschen was aufräumen...

(Gedankenstimme auf Türkisch)

(Mann) Du bist verloren, aber das kann noch lange dauern.

Die Eltern haben dich verstoßen, deine Frau hat dich verraten,

deine Kinder erinnern sich nur noch an deinen Sprachfehler.

Du könntest dir vorm Spiegel jedes Mal eine runterhauen.

(Harfen-Akkord) Was ist das?

Irgendwas ist.

Ich bin doch auch noch da! Wenn ich will, wenn ich bloß will.

Ich muss nur wollen, dann komm ich da wieder raus.

Hab mich reinfallen lassen, kann mich auch wieder rausholen.

Wär ja gelacht. Da hatte Mutter recht...

(kleines Mädchen) Was hat der Mann an der Hand?

(Eine U-Bahn rattert.)

Mensch, das sind ja zwei Mark. - Nee, ist 'n Bierdeckel.

Quatsch, los jetzt, zieh hoch!

(metallisches Klimpern) Sind nur 10 Pfennig.

(Junge) "Wetten, dass...?" war gestern geil.

(2. Junge) Gestern gab's kein "Wetten, dass...?".

(3. Junge) Vor ein paar Tagen, vor einem Monat.

(Junge) Ich bin so allein, ist das nicht gemein?

Zu Dreien, das wär fein.

Aber... (Ein Flugzeug übertönt den Satz.)

(4. Junge) ...vor fünf Jahren...

(5. Junge) Sie lebten glücklich bis an ihr Leben...

(Der Elefant trompetet.)

(entfernte Zirkus-Musik)

(Zirkus-Musik)

Marion, nein, so doch nicht! Mon dieu!

Was soll das?

Oma! Mit Schwung, nicht mit Kraft!

Ach, was machst du?

Nicht bammeln, fliegen! Du bist ein Engel!

(Marion) Himmel, Arsch und Zwirn!

Und Wolkenbruch!

Ich kann nicht fliegen mit den Dingern!

(Zirkusdirektor) Natürlich kannst du. Ist mit Flügeln einfacher als ohne.

Aber nicht mit diesen Hühnerfedern!

(Mann, französisch) Was hat sie gesagt?

(2. Mann, französisch) Die Hühnerfedern stören sie.

(3. Mann, französisch) Denk dir, du bist 'ne Taube!

(1. Mann, französisch) Oder eine Möwe!

(französisch) Und ihr? Spatzen seid ihr!

Ihr spielt ja heute... wie eine Feuerwehrkapelle!

(Zirkusdirektor) Jetzt ist genug! Konzentrier dich, Marion!

(4. Mann) Mancher gibt sich viele Müh... - (5. Mann) ...mit dem lieben Federvieh.

(beide) Reiß dich zusammen! - (deutsch) Reiß dich zusammen!

Natürlich reiß ich mich zusammen!

Was glaubt ihr, was ich hier tu?

Ich wär euch längst auf den Kopf gefallen,

wenn ich mich nicht zusammenreißen würde.

(Jemand klatscht in die Hände.)

(Mann) Hört mal her!

Ihr könnt aufhören!

Wir können Miete und Strom nicht mehr zahlen.

Wir sind pleite.

Das heißt: morgen früh Abbau,

die Wagen ins Winterquartier,

Kuckuck drauf,

und für dieses Jahr ist der Zirkus gestorben.

Tut mir leid.

(Marion) Aus der Traum. Nicht mal eine Saison.

Wieder einmal keine Zeit gehabt, etwas zu Ende zu führen.

Heute Abend also: die letzte Vorstellung mit meiner alten Nummer.

Und dann ist auch noch Vollmond.

Da bricht sich die Artistin in der Zirkuskuppel das Genick.

Tais-toi! Sei still!

(Marion) So habe ich mir das nicht vorgestellt,

der Abschied vom Zirkus.

Am letzten Abend kommt kein Mensch. Ihr spielt wie die Dorfdeppen,

und ich fliege als Suppenhuhn durch die Manege.

(Marion) Und dann... mach ich wieder Serviererin.

(französisch) So 'ne Scheiße!

(Marion, deutsch) Augenblicke wie diese, wie jetzt gerade,

eine schöne Erinnerung in zehn Jahren.

Die Zeit wird alles heilen.

Aber was ist, wenn die Zeit selbst die Krankheit ist?

Als ob man sich manchmal bücken müsste zum Weiterleben.

Leben, ein Blick genügt doch.

Er wird mir fehlen, der Zirkus.

Komisch, ich fühle nichts. Es ist Schluss, und ich fühle nichts.

Oh, ein Engel geht vorbei.

(Marion) Ich darf kein schlechtes Gewissen mehr haben...

Marion! - ...wenn ich mich schlecht fühle.

(französisch) Noch ein gefallener Engel.

(Marion) Als hätte der Schmerz keine Vergangenheit.

Es hört immer auf, wenn es gerade anfängt.

Zu schön, um wahr zu sein.

Endlich draußen in der Stadt.

Wer bin ich? Wer bin ich geworden?

Die meiste Zeit bin ich zu bewusst, um traurig zu sein.

Eine Ewigkeit habe ich drauf gewartet, dass jemand ein liebes Wort zu mir sagt.

Dann bin ich ins Ausland gefahren.

Jemand, der sagen würde: "Heute lieb ich dich so sehr."

Ach, was wär das schön.

Ich brauche nur den Kopf zu heben, und die Welt geht auf vor meinen Augen...

(Der Elefant trompetet.) - ...steigt mir ins Herz.

(Grunzen)

(Marion) Als ich ein Kind war, wollte ich auf einer Insel leben.

Eine Frau allein.

Machtvoll, allein.

Ja, das ist es.

(Er spielt eine melancholische Melodie.)

(Marion) Alles so leer, unvereinbar.

Die Leere.

Die Angst... (französisch) Angst, Angst, Angst, Angst.

(deutsch) Die Angst.

Wie ein kleines Tier, das sich im Wald verirrt hat.

Wer bist du? Ich weiß nicht mehr.

Ich weiß nur: keine Artistin mehr.

Schluss mit dem Trapez!

Bloß nicht weinen. So ist es halt.

Das kommt vor. Es läuft nicht immer, wie man will.

So leer. Alles so leer.

(hallende Mundharmonika-Töne)

(Musik: "The Carey" von Nick Cave and The Bad Seeds)

(französisch) Was soll ich tun? (deutsch) Was soll ich tun?

(französisch) Mehr denken.

(deutsch) Nichts mehr denken.

Einfach nur da sein.

Berlin... hier bin ich fremd und trotzdem ist alles so vertraut.

Auf jeden Fall kann man sich nicht verlaufen.

Man kommt immer wieder an der Mauer an.

Vor einem Foto-Automaten warten,

und dann kommt ein Foto mit einem anderen Gesicht heraus.

So könnte eine Geschichte anfangen.

Die Gesichter.

Ich habe Lust, Gesichter zu sehen.

Vielleicht finde ich eine Stelle als Serviererin.

(Musik: "The Carey" von Nick Cave and The Bad Seeds)

(Gesang) ...the weeks flew by

Till they moved on the show, Leaving his caravan behind

Ich habe Angst vor heute Abend.

Zu blöd! Die Angst macht mich krank,

weil immer nur ein Teil von mir Angst hat und der andere nicht daran glaubt.

Wie soll ich leben?

Vielleicht ist das gar nicht die Frage.

Wie soll ich denken?

Ich weiß so wenig.

Vielleicht weil ich immer nur neugierig bin.

Manchmal denke ich so falsch,

weil ich so denke, als ob ich dabei zu jemand anderem spräche.

Im Innern der geschlossenen Augen noch einmal die Augen schließen,

dann leben sogar die Steine.

(Musik: "The Carey" von Nick Cave and The Bad Seeds)

(Gesang) The carny left behind a horse All skin and bones

That he named "sorrow"

And there was a shallow, unmarked grave...

(Marion) Bei den Farben sein!

Les couleurs. Die Farben!

Die Neonlichter im Abendhimmel.

Die rote und gelbe S-Bahn.

Sehnsucht.

Sehnsucht...

Ich muss nur bereit sein.

Sehnsucht nach einer Welle von Liebe, die in mir emporstiege.

Das ist es, was mich immer so ungeschickt macht,

die Lustlosigkeit.

Lust zu lieben...

Lust auf Liebe!

(Musik: "The Carey" von Nick Cave and The Bad Seeds)

(Gesang) And the rain came hammering down

Everybody running for their wagons

Tying all the canvas flaps down

The mangy cats growling in their cages

The bird-girl flapping and squawking around

The whole valley reeking of wet beast Wet beast and rotten, sodden hay

Freak and brute creation Packed up and on their way

The three dwarves peering from their wagon's hind

Moses says to Noah...

(Mann) Guck doch nicht so blöd! Hast du noch niemanden krepieren sehen?

Ich lieg hier in 'ner Pfütze, stink wie 'n Tanker.

Ich kann doch nicht eingehen wie 'ne Primel.

Wie die alle dastehen, wie die mich anglotzen.

Der Ölfleck... Das Ding ist mir einfach weggerutscht.

...dass es mir leid tut. Karin, ich kann doch nicht einfach...

Karin, ich wollt doch morgen...

Wie ich bergauf ging und aus dem Talnebel in die Sonne kam.

Das Feuer am Rande der Viehweide. (Martinshorn)

Die Kartoffeln in der Asche,

das Bootshaus weit draußen im See,

das Kreuz des Südens,

(beide) der Ferne Osten,

der Hohe Norden,

der Wilde Westen,

der Große Bärensee.

Die Insel Tristan de Cunha,

das Delta des Mississippi,

der Stromboli.

Die alten Häuser Charlottenburgs.

Albert Camus.

Das Morgenlicht.

(Ankommender) Was steht ihr rum?

Das Augenpaar des Kindes. - Hat jemand den Notarzt gerufen?

Das Schwimmen am Wasserfall. - Da kommt Blut aus den Ohren!

(Sterbender) Die Flecken der ersten Tropfen des Regens.

(mit tiefer klarer Stimme) Die Sonne.

Das Brot und der Wein.

Der Hüpfschritt.

Das Osterfest.

Die Adern der Blätter.

Das wehende Gras.

Die Farben der Steine.

Die Kiesel auf dem Grunde des Bachbetts.

Das weiße Tischtuch im Freien.

Der Traum vom Haus im Haus.

Der schlafende Nächste im Nebenraum.

Die Ruhe des Sonntags.

Der Horizont.

Der Lichtschein vom Zimmer im Garten.

Das Nachtflugzeug.

Das freihändig Radfahren.

Die schöne Unbekannte.

Mein Vater.

Meine Mutter.

Meine Frau.

Mein Kind.

(wehmütige Cello-Musik)

(Homer) Die Welt scheint zu verdämmern,

doch ich erzähle wie am Anfang

in meinem Singsang, der mich aufrechterhält,

durch die Erzählung verschont von den Wirren der Jetztzeit

und geschont für die Zukunft.

(Harfenklang und Violinen-Motiv)

(Homer) Aus ist es mit dem Weitausholen wie früher,

vor und zurück durch die Jahrhunderte.

Kann nur noch von einem Tag zum anderen denken.

Meine Helden sind nicht mehr die Krieger und Könige,

sondern die Dinge des Friedens,

eins so gut wie das andere.

Die trocknenden Zwiebeln

so gut wie der Holzstamm, der durch den Morast führt.

Aber noch niemandem ist es gelungen,

ein Epos des Friedens anzustimmen.

Was ist denn am Frieden, dass er nicht auf die Dauer begeistert

und dass sich von ihm kaum erzählen lässt?

Soll ich jetzt aufgeben?

Wenn ich aufgebe, dann wird die Menschheit ihren Erzähler verlieren.

Und hat die Menschheit einmal ihren Erzähler verloren,

so hat sie auch ihre Kindschaft verloren.

(wehmütige Violinen-Musik und Harfen-Akzente)

(Homer) Ich kann den Potsdamer Platz nicht finden!

Na ja...

(grummelnd) Hier?

Das kann er doch nicht sein!

Denn am Potsdamer Platz,

da war doch... das Café Josty.

Nachmittags habe ich mich da unterhalten und einen Kaffee getrunken,

das Publikum beobachtet, vorher meine Zigarre geraucht

bei "Löhse und Wolff", ein renommiertes Tabakgeschäft,

gleich hier gegenüber.

Also, das kann er hier nicht sein,

der Potsdamer Platz, nein!

Man trifft keinen, den man fragen kann.

Das war ein... ein belebter Platz!

Straßenbahnen,

Omnibusse mit Pferden und zwei Autos,

meines und das vom Schokoladen-Hamann.

Das Kaufhaus Wertheim war auch hier.

Und dann...

hingen plötzlich Fahnen... dort.

Der ganze Platz war vollgehängt mit...

Und die Leute waren gar nicht mehr freundlich

und die Polizei auch nicht.

Aber ich gebe so lange nicht auf,

bis ich den Potsdamer Platz gefunden habe!

Wo sind meine Helden?

Wo seid ihr, meine Kinder?

Wo sind die Meinigen,

die Begriffsstutzigen,

die Ursprünglichen?

(Ein Hubschrauber rattert.)

Nenne mir, Muse, den armen unsterblichen Sänger,

der, von seinen sterblichen Zuhörern verlassen,

die Stimme verlor,

wie er vom Engel der Erzählung... (Die Spieluhr spielt "Berliner Luft".)

...zum unbeachteten oder verlachten Leiermann

draußen an der Schwelle zum Niemandsland wurde.

(Mädchen) 20 Mark,

40 Mark, 80 Mark!

Mann, in einer Woche könnt ick 500 haben. Ab in den Süden.

Det war echt 'ne Schnapsidee, hier zu stehen.

Viel zu viel Durchgangs-Verkehr.

Scheißwichser, der kommt schon zum dritten Mal.

Zu dumm, 'n Loch in' Schnee zu pissen. lck will weg hier.

Wenn eener vorbeikommt, der mich kennt, dann schmeißen die mich!

Jetzt könnt ich den Klaus gebrauchen.

Der würd mir echt jut aufbauen.

Der war so jut. Der war einfach zu jut. So eener krepiert dann eben.

(Der Motor tuckert.)

(Chauffeur) Gibt es noch Grenzen? Mehr denn je.

Jede Straße hat ihren eigenen Grenzbalken und Grenzstrich.

Zwischen den einzelnen Grundstücken gibt es einen Niemandsland-Streifen,

getarnt durch eine Hecke oder einen Wassergraben.

Wer da hineingerät, der fällt über spanische Reiter

oder wird getroffen vom Laserstrahl.

Die Forellen im Wasser sind in Wirklichkeit Zitterrochen.

Jeder Hausherr oder auch bloß Wohnungs-Eigentümer

nagelt sein Namensschild als Wappen an die Tür

und studiert die Morgenzeitung als Weltherrscher.

Das deutsche Volk ist in so viele Kleinstaaten zerfallen,

als es einzelne Menschen gibt.

Und die einzelnen Staatsgebilde sind beweglich.

Jeder trägt das Seine mit sich herum

und verlangt eine Übertrittsgebúhr, wenn ein anderer es betreten will,

in Form einer in Bernstein eingeschlossenen Fliege

oder eines Bocksbeutels.

Das nur für die Grenze. Weiter ins innere eines jeden Kleinstaates

kommt man nur mit den jeweiligen Losungswörtern.

(wehmütige Streicher-Musik)

(Chauffeur) Die deutsche Seele der Gegenwart erobert nur der

und kann nur der führen,

der jedem einzelnen Kleinstaatler mit dessen Losungswörtern kommt.

Zum Glück ist gegenwärtig niemand in der Lage dazu.

So schwärmt jeder für sich ins Ausland

und lässt in allen Himmelsrichtungen seinen Reichswipfel flattern.

Auch seine Kinder schütteln schon ihre Rasseln

und ziehen ihre Scheiße in Kreisen um sich.

(Peter Falk, englisch) Das ist also das Buch? "Das Double".

Hitler hatte also einen Doppelgänger? - Jaja.

Es gab zwei Hitlers? - (Junge, englisch) Nein, so nicht.

Hitler kam zurück von der Ostfront. - Ja.

Und er starb vor der Landung in den Alpen.

(Peter) Goebbels hat einen Schauspieler...

(Junge) Weil niemand wissen durfte...

(Peter) Wenn du mich fragst:

Diese Geschichte klingt recht unglaubwürdig.

Ja?

(englisch) Noch eine gute Stunde bis zum Drehen. - Wunderbar!

Realistischer als unser Film hier.

(Peter) Ich erklär dir was: Die Leute mögen Detektivgeschichten.

Jeder Vorwand ist dafür gut genug.

Verstehst du? - Ja.

Du hast recht, es ist Humbug. Aber das hier ist auch Humbug.

Hör bloß damit auf, Erika. Bitte!

Wir sehen uns später. - Tut mir leid.

Hör zu, meine Süße. - Ja?

(Mann, englisch) Bleib zurück! - (Peter) Wir haben genug Fotos.

Schluss mit der Knipserei!

Sie suche ich, Helen. Ich kann diesen Scheißhut nicht tragen.

(englisch) Der Hut steht Ihnen ausgezeichnet.

Setzen Sie ihn auf! - Glauben Sie mir!

(Peter) Ihnen steht er.

(Helen) Dort sind andere Hüte zum Anprobieren.

(Peter) Ja...

Das nenne ich eine Auswahl!

Hier finden wir bestimmt einen Hut, der zu mir passt.

Ein Hut, der zu mir passt.

Schauen wir mal hier... - (Helen) Was für einen Hut suchen Sie?

(Peter) Ich will deutsch aussehen, anonym,

in der Menge untergehen.

Da sehen Sie aus wie Humphrey Bogart.

Versuchen Sie den! - Gut.

Wie wär's mit diesem... Oh mein Gott!

Und der hier? - Gut.

Der ist für die Oper. - Damit sehen Sie aus wie ein Rabbi.

Versuchen Sie den! - Gut.

Der hier... - Da.

Damit sehe ich aus wie ein Buchmacher.

Was ist das denn?

Wie wäre es mit dem? - Es muss doch ein Hut dabei sein!

(Peter) Ich bin in Verkleidung und ich will keine Aufmerksamkeit erregen.

Und der hier?

Lächerlich, diese Hüte.

Alles Gangsterhüte...

Aber der hier nicht.

Der ist zum Heiraten.

Versuchen Sie den! - Der ist fürs Pferderennen... in London.

(Helen) Der ist doch gut.

Hey... sieht gut aus!

(Peter) Vielleicht. - Der ist es!

(Peter) Kann sein. Möglich!

Toll! Wie jemandes Großvater.

(Peter, deutsch) Also...

Ja!

Ja... (mit chinesischem Akzent) Charlie Chan...

(englisch) Erhabener Sohn, nicht sehr schlau.

(Er lacht diebisch.)

(Peter und Helen sprechen weiter auf Englisch.)

(Peter, englisch) Colombo hatte keinen Hut. Sah trotzdem toll aus.

War mein eigener Mantel...

"Wo ist dein Regenmantel, Peter?" "Gerade in der Reinigung."

Was ist? Was hast du denn?

Wo bist du mit deinen Gedanken?

(Klicken)

Heute Abend werde ich Seezunge essen.

Ob's hier Seezungen gibt?

Oder Spaghetti al pesto.

Gibt's in Deutschland Spaghetti?

(mit Akzent) Es wird sich nie ändern. (Satz auch auf hebräisch)

Die Abzeichen spiegeln. Elegant waren die Brüder.

Das haben sie verstanden.

Haben Sie Feuer? - Feuer ja, aber keine Flamme.

Gern geschehen. - Danke.

(Mann) Das Einzige, was mir fehlen wird von draußen,

vom Reich des Lichts, werden die Spatzen sein...

Das Geld macht glücklich. Wie soll man leben?

(Mann) Dahlem Dorf ist ein Schwindel.

Ihr seid ja gar keine Einheimischen. Du bist ein Flüchtling, du auch.

Du bist noch nass vom Schwimmen in der Ostsee...

(Mädchen) Ich sitze hier schon seit heute Morgen rum.

Mir ist so kalt und so langweilig.

(Alter) ...und der Wind im Gesicht, und die erste Schneeluft,

und das Wasser im Rinnstein, und der Balkon mit der schönen Fremden...

(älterer Mann) ...sind echte oder sehen ganz so aus.

Gab's ja welche, die haben den Hunden das Fressen weggefressen im KZ.

Wären euch die Flausen vergangen... Noch ist nicht aller Tage Abend.

(alte Dame) Constant, der Franzose,

den habe ich irgendwo auf der Straße kennengelernt.

"Berlin, das wird nicht mehr", sagte er mir, der Constant.

Das Haus war zur Hälfte weg. Etwas stand noch. Na ja, wie lange?

Ja, ich sehe noch diese Frau vor mir, die da oben zwischen den Ruinen stand

und... schüttelte das Bett aus.

Wann war denn das? Mai? Juni '45.

(Papier raschelt.)

(Peter, englisch) Dürfte ich Sie zeichnen? - (englisch) Guten Morgen.

(Peter) Sie zeichnen, okay? - (englisch) Ja, bitte.

Geht ganz schnell. Nicht bewegen!

(Peter, englisch) Ob sie eine Jüdin ist?

Was für ein liebes Gesicht!

(alte Dame, deutsch) Ob das gekonnt ist, was er macht?

Scheint so, ne? - (Peter, englisch) interessant...

Was für Nasenflügel! Eine dramatische Nase.

Diese Leute sind Statisten, "Extras".

"Extras" sind so geduldig, sitzen und warten.

(alte Dame) Ich hätt's gern mal gesehen, vielleicht schenkt er es mir, ne?

(Peter) "Extras"... diese Menschen sind extra.

"Extra-Menschen".

(englisch) Oh, sehr gut.

Sehr schönes Bild!

(Peter) Der gelbe Stern heißt Tod.

Warum wohl Gelb?

Sonnenblumen.

Van Gogh hat sich umgebracht.

Diese Zeichnung ist Mist.

Na und? Sieht ja niemand.

(Peter) irgendwann mal gelingt mir eine gute Zeichnung.

Ich hoffe doch sehr.

(Mann, englisch) Action für die Stuntmen!

(2. Mann, englisch) Kommt, Jungs! Ich will Action sehen!

(Keuchen und Kampfgeräusche)

(2. Mann) Stopp! - (4. Mann) Cut!

(englisch) Die kämpfen nicht. Sieht aus, als wäre es choreographiert.

(Die Männer sprechen weiter im Hintergrund auf Englisch.)

Jerry! - (englisch) Ja, Peter?

Habe ich Zeit für ein interview? Berliner Fernsehen.

Ja, Peter.

Deine Nahaufnahme kommt erst nach dieser Einstellung dran.

Lass dir Zeit. - Ich komme, Jungs. Wir machen's sofort.

(deutsch) Ja, now ist gut.

(Peter, englisch) Was ist los mit dir, Peter?

"Das Leben... würde mir sehr fehlen",

sagte der General zu der Hure.

Sagte die Hure zum General...

(Stimmen im Hintergrund)

(tonlos)

Komm, ich zeig dir was anderes.

(aufgeregte Kinderstimmen)

(aufgeregte Kinderstimmen)

(Einmarschmusik des Zirkus)

(Kinder kreischen aufgeregt, Applaus.)

(alle) Hallo!

(unverständlich)

(fröhliche Musik)

(hoher Saxophon-Ton, Applaus)

(Kind) Dort hängt schon die Feder raus. Bei der... bei dem Schwanz.

(Kinder, empört) Oh!

(Damiel) Als das Kind Kind war,

würgte es am Spinat, an den Erbsen,

am Milchreis und am gedünsteten Blumenkohl,

und isst jetzt das alles, und nicht nur zur Not.

Als das Kind Kind war, erwachte es einmal in einem fremden Bett,

und jetzt immer wieder,

erschienen ihm viele der Menschen schön, und jetzt nur noch im Glücksfall,

stellte es sich klar ein Paradies vor,

und kann es jetzt höchstens ahnen,

konnte es sich nichts nicht denken

und schaudert heute davor.

Als das Kind Kind war, spielte es mit Begeisterung

und jetzt, so ganz bei der Sache wie damals nur noch,

wenn diese Sache seine Arbeit ist.

(fröhliche Musik)

(schwirrender Saxophon-Klang)

(spannungsgeladene Musik)

(Krachen, schriller Schrei)

(Krachen, schriller Schrei)

(Krachen, schriller Schrei)

(Krachen)

(Krachen, aufgeregte Kinderstimmen)

(Kinder jubeln und kreischen.)

(Pfiffe)

(Kind) Hallo!

(unverständlich)

(Das Saxophon dudelt.)

(unverständlich)

(Das Huhn gackert kreischend.)

(vereinzelter Applaus)

(Kinder beginnen zu schreien.)

(Jubel und Applaus)

(Die Kinder jubeln weiter.)

(Kreischen und Pfiffe)

(Tusch) (Kreischen und Pfiffe)

(Applaus, begeisterte Schreie)

Bravo! (Applaus, begeisterte Schreie)

(Kreischen)

(Ballons platzen knallend.)

(Ausgelassene Schreie, Ballons platzen knallend.)

(Fröhliche Musik setzt ein.)

(Der Elefant trompetet, gedämpfte Kinderstimmen.)

(Cassiel) Weißt du noch, wie wir zum ersten Mal hier waren?

(Damiel) Die Geschichte hatte noch nicht angefangen.

Wir ließen es Morgen und Abend werden, warteten ab, was kommen würde.

Es brauchte lange, bis der Fluss sein Bett fand,

bis das stehende Wasser überhaupt zu fließen begann.

Urstromtal!

Eines Tages, ich erinnere mich noch, hat hier der Gletscher gekalbt

und die Eisberge segelten nach Norden.

Einmal trieb ein Baumstamm vorbei, noch grün, mit einem leeren Vogelnest.

Myriaden von Jahren waren nur die Fische gesprungen.

Dann kam der Augenblick, wo der Bienenschwarm ertrank.

(Cassiel) Eine Zeit später kämpften hier am Ufer die zwei Hirsche miteinander.

Danach die Wolke von Fliegen und die Geweihe, wie Äste den Fluss hinab.

Aufgerichtet hat sich immer wieder nur das Gras,

wuchs über die Kadaver der Wildkatzen, der Wildschweine, der Büffel.

Erinnerst du dich, wie eines Morgens aus der Savanne,

die Stirn verklebt mit dem Gras,

der Zweibeiner, unser lang erwartetes Ebenbild, trat,

und wie sein erstes Wort ein Ausruf war?

Hieß es "ach" oder "ah" oder "oh"? Oder war es einfach nur ein Stöhnen?

Über diesen Menschen haben wir endlich lachen können, zum ersten Mal.

Und von seinem Ausruf und vom Rufen seines Nachfolgers

haben wir zu sprechen gelernt. - Eine lange Geschichte.

Die Sonne, die Blitze, der Donner oben am Himmel,

und unten auf der Erde die Feuerstellen, die Luftsprünge,

die Rundtänze, die Zeichen, die Schrift.

Dann brach plötzlich einer aus dem Kreis und lief geradeaus.

Solange er so geradeaus lief...

und manchmal vielleicht im Übermut kurvte,

erschien er nur frei, und wieder haben wir mitlachen können.

Aber dann, anders plötzlich,

rannte er im Zickzack und die Steine flogen.

Mit seiner Flucht begann eine andere Geschichte,

die Geschichte der Kriege. Sie dauert noch an.

Aber auch die erste vom Gras, von der Sonne,

von den Luftsprüngen, von den Ausrufen dauert noch an.

(Möwen kreischen.)

Weißt du noch, wie an dem einen Tag hier die Chaussee aufgeschüttet wurde?

Wo am anderen Tag dann der Napoleonische Rückzug stattfand?

Und in der Folge dann die Pflasterung... stattfand?

Die heute vergrast und eingesunken ist wie die einer Römerstraße.

Mitsamt den Panzerspuren.

Aber wir waren nicht einmal Zuschauer. Dazu waren wir seit je zu wenige.

(Cassiel) Und du willst wirklich? - (Damiel) Ja.

Mir selber eine Geschichte erstreiten.

Was ich weiß von meinem zeitlosen Herabschauen

verwandeln ins Aushalten eines jähen Anblicks,

eines kurzen Aufschreis, eines stechenden Geruchs.

Ich bin schließlich lang genug draußen gewesen,

lang genug abwesend, lang genug aus der Welt.

Hinein in die Weltgeschichte!

Oder auch nur einen Apfel in die Hand genommen.

Schau, die Feder dort auf dem Wasser: schon verschwunden.

Schau, die Brennspuren auf dem Asphalt.

Und jetzt die Zigarettenkippe, wie sie dahinrollt.

Und wie der vorzeitliche Fluss versiegt

und nur noch die heutigen Regenlachen zittern.

Weg mit der Welt hinter der Welt!

(sphärische Musik)

(Martinshorn)

(Krähen schreien.)

(Hupen)

Hey, Jerry.

(Peter, englisch) interessante Zeichenaufgabe.

Dieser Mann hat Augen wie ein Waschbär.

Aber er hat einen guten Hut.

(Gedankenstimme des Mannes auf Französisch)

(Peter) Welch dunkle Ränder unter seinen Augen.

(Gedankenstimme des Mannes auf Französisch)

(Peter) Er macht sich Sorgen.

Ich frage mich, ob dem Regisseur meine Arbeit gefällt.

Die sagen immer: "Wunderbar", egal was man tut.

(Kampfschrei und Aufschreie)

Ich muss Geschenke für die Kinder kaufen. Vielleicht Bilderrahmen?

Bin ich heute ein besserer Schauspieler als früher?

(Harfenklang und Violinen-Motiv)

(Homer) Nur noch die Römerstraßen führen ins Weite,

nur noch die ältesten Spuren führen weiter.

Wo ist hier die Passhöhe?

Auch das Flachland, auch Berlin hat ja seine verborgenen Passhöhen,

und dort erst fängt mein Land, das Land der Erzählung, an.

Warum sehen nicht alle schon als Kinder die Pässe,

Pforten und Durchschlüpfe unten auf der Erde und oben im Himmel?

Würde jeder sie sehen,

gäbe es eine Geschichte ohne Totschlag und Krieg.

(Mann) 10.000-mal hab ich's überlegt, jetzt mach ich's.

Komisch, dass ich so ruhig bin.

Wieso hab ich die roten Strümpfe zu den schwarzen Schuhen an?

Nebelig. Mir 'nen Pullover angezogen, wusste, dass es kalt wird.

Ganz gute Jacke, doch! War 'n Sonderangebot.

Nur die Tasche reißt auf. Hat sie mir geschenkt. Na ja.

Kies aufm Dach. Wieso? Damit es nicht wegfliegt, oder was?

Dummes Zeug.

Würde gern fliegen. Wie lange man wohl braucht?

Flugzeug fliegt nur im Kreis, über Berlin, einmal wird's abstürzen.

Ganz schön kalt. Meine Hände waren immer warm.

Ist ein gutes Zeichen. Knirscht so unter meinen Füßen.

Wie spät es wohl ist? Die Sonne geht unter.

Na ja, logisch: Westen. Na ja, wenigstens weiß ich jetzt, wo Westen ist.

Dann bin ich jedes Mal mit der U-Bahn nach Osten gefahren,

wenn ich nach Hause wollte.

So habe ich die Sonne im Rücken, links der Stern.

Ist gut eigentlich: Sonne und 'n Stern.

Ihre kleinen Füße! Wie sie immer hüpft: von einem Bein aufs andere.

Tanzt so süß! Wir waren ganz alleine.

Ob sie meinen Brief schon hat?

Ich will nicht, dass sie den Brief schon gelesen hat!

Havel, ist das ein Fluss oder ein See? Hab ich nie begriffen.

Hinten ist der Wedding? Im Osten? Eigentlich ist überall Osten.

Komische Leute, sie schreien. Lass sie schreien.

Ist mir egal, ist mir doch egal. Diese ganzen Gedanken...

Ich möchte eigentlich nicht mehr denken. Ich gehe.

Warum eigentlich? - Nein!

(Krähen schreien.)

(Peter Falk spricht auf Englisch im Fernsehen.)

Sie wollen die Geschichte wissen? - (lnterviewer, englisch) Ja.

(Peter) 1945, Berlin, Kriegsende.

Ein amerikanischer Detektiv...

wird von einem Deutschen in Amerika angestellt,

um den Sohn seines Bruders in Deutschland zu finden.

Sein Bruder ist tot, die Familie verschwunden...

(Eine S-Bahn rattert.)

(lnterviewer) 1945?

(ruhige Cello-Musik)

(dynamische Cello-Passage)

(unruhige Streicher-Musik)

(Frau) Lass mich in Ruhe, du Dreckskerl! Nein!

(Junge) Mama!

Mama!

(Fliegeralarm) (melancholische Cello-Musik)

(melancholische Cello-Musik)

(Marion) Das schaffe ich nie heute Abend.

Kein Trapez in Vollmond-Nächten!

Nicht beim letzten Mal, beim allerletzten Mal.

Ich muss aus diesem Traum aufwachen.

Schluss mit dem Zirkus! Vorbei!

Und wieder ist mir, als ob es in mir Abend würde.

Die Angst.

Angst vor dem Tod.

Der Tod.

Warum nicht?

Manchmal das einzig Wichtige:

Nur schön zu sein.

Und sonst gar nichts.

Sich im Spiegel betrachten,

das ist so, als ob man sich beim Denken zuschauen würde.

Also: An was denkst du?

Ich denke, ich darf schon noch Angst haben,

aber nicht mehr davon reden.

Du bist immer noch nicht blind geworden, dein Herz schlägt noch.

Und jetzt weinst du doch!

Du möchtest weinen wie ein kleines Kind, das einen großen Kummer hat.

Weißt du, warum du weinst? Um wen?

Nicht um mich. Ich weiß auch nicht mehr.

Ich wüsste es gerne.

Nichts weiß ich.

Ich hab ein bisschen Angst.

Ist schon vorbei, ist weg.

Kommt bestimmt wieder. Es macht gar nichts.

(entfernte Zirkus-Musik)

(Trommelwirbel)

(Applaus)

(Trommelwirbel)

(Tusch)

(Applaus, Pfiffe)

(Zirkus-Musik)

(Die Musik klingt leiernd.)

(Applaus)

(spannungsvolle Zirkus-Musik)

(Applaus)

(Applaus)

(dissonante Musik-Passage)

(spannungsvolle Zirkus-Musik)

(erschreckte Rufe aus dem Publikum)

(Applaus)

(spannungsvolle Zirkus-Musik)

(Applaus)

(Zirkus-Musik)

(Applaus)

(Applaus, Pfiffe)

(Pfiffe)

(Jubel)

(Ein Mann spricht auf Französisch.)

(Lachen)

(Männer reden durcheinander und singen auf Französisch.)

(Beide singen auf Französisch.)

(Beide singen auf Französisch.)

(Die Männer reden im Hintergrund.)

Ich werd den Himmel... - Ich werd den Himmel...

Nicht traurig sein.

(Sie singen schmetternd auf Französisch.)

(Marion beginnt wieder zu singen.)

(Mann) Berlin, Berlin! - (2. Mann) Berlin!

(Lachen)

(Marion) Einfach sagen können wie jetzt gerade:

"Ich bin vergnügt."

Ich habe eine Geschichte.

Und ich werde auch weiter eine haben!

(sphärische Musik) (Geräusch des Staubsaugers)

(sphärische Musik mit Chorgesang)

(Geräusch des Staubsaugers)

(Musik: "Six Beils Chime" von Crime and the City Solution)

(Sänger) This is where it started

The trucks, the trees and her six belle

Now baby's going to look back home

I'm wearing my clean clothes

Yeah, I still got the ones you gave me

You've been treading some unsafe ground

And baby looks tired tonight

Out amongst the pikes and narrow streets

You go around

l hear the six belle, they're ringing

Yeah, the six belle they chime

Lay down your head now

You will sleep sound

I'll hold onto you Through life's time

You're seventeen

You're seventeen at this time

(Jubel, Pfiffe) (Solo-Schlagzeug)

I wearyour silver ring

With your hand on my heart

Left you there with your gray eyes

Pack up their suitcase and leave

Raise my hand up to the sky...

(Gedankenstimme der Frau, japanisch) Ich freue mich, hier zu sein. Toll!

Er sieht nicht ins Publikum, er sieht zum Himmel hoch...

...an age ago you wouldn't touch me

On the last day We will always be fighting

A promise a year ofluxury

Perfect

Perfect kiss

How long, my long lost Will the last day be

I'm innocent ofyou there And you ofme

And you will sleep sound

I'll hold onto you In life's time

You're seventeen

You're seventeen at this time

(Jubel, Pfiffe) (Schlagzeug-Solo)

I met you when you were a young girl

Years and years six belle back

Six belle passed above the two

On a pier in another time

When I drew your body close to mine... - (Marion) Was mache ich gerade?

Ich schaue vor mich hin und lasse mich in den Weltraum treiben.

Da ist es wieder: mein Wohlgefühl.

Wie wenn im Innern meines Körpers sich sanft eine Hand schließt.

(Sänger) My pretty one My fearless one

You held your head up high then

My fearless one... (Gedankenstimme der Frau auf Türkisch)

(ruhige Cello-Musik)

(Marion) Als das Kind Kind war,

war das die Zeit der folgenden Fragen:

(im Singsang) Warum bin ich ich und warum nicht du?

Warum bin ich hier und warum nicht dort?

Wann begann die Zeit und wo endet der Raum?

(murmelt) Ich will, dass du bei mir bleibst.

Ist das Leben unter der Sonne nicht bloß ein Traum?

(Hundegebell)

(sphärische Musik)

(Baustellenlärm)

(Peter, deutsch) Dreharbeiten... Spazieren...

(englisch) Gehen... Sehen und schauen...

Ich wollte, du wärst hier, Großmutter.

Das muss dieser Bahnhofsein, der mit dem merkwürdigen Namen.

Nicht der Bahnhof, wo die Züge anhalten,

sondern der angehaltene Bahnhof.

Hey, wat denn, ist det Columbo? - Nee, glaub ich nicht.

Nee, doch nicht mit dem schäbigen Mantel! - Stimmt.

Der rennt doch hier nicht durch die Pampe, bist du verrückt?

(ruhige Cello-Musik)

(englisch) Ich seh dich nicht, aber ich weiß: Du bist da!

Ich spür's!

Du spukst hier schon die ganze Zeit herum.

Ich würde gern dein Gesicht sehen, dir in die Augen sehen

und dir sagen, wie gut es hier ist!

Allein etwas anzufassen! Das hier ist kalt, ein gutes Gefühl!

Oder zu rauchen,

Kaffee zu trinken... Und beides zusammen ist unschlagbar.

Oder... zu zeichnen.

Mit dem Stift ziehst du einen dicken Strich,

dann daneben einen dünneren

und zusammen wird was draus.

Oder wenn du kalte Hände hast,

dann reibst du sie.

Schau, das ist gut, das fühlt sich gut an.

Es gibt so viele gute Sachen.

Aber du bist ja nicht da. Ich bin da.

Ich wünschte, du wärst da,

du könntest mit mir reden.

Ich bin ein Freund.

Compañero.

(Ein Bus nähert sich.)

(Ein Vogel tschilpt.)

Und? - Ich werde in den Fluss steigen.

Alter menschlicher Spruch, oft gehört, den ich heute erst verstehe.

Jetzt. Augenblick der Furt. Es wird kein anderes Ufer geben.

Die Furt gibt es nur, solange wir im Fluss sind.

Hinein in die Furt der Zeit, die Furt des Todes.

Herab von unserem Ausguck der Ungeborenen.

Zuschauen ist nicht herabschauen. Es geschieht auf Augenhöhe.

Zuerst werde ich ein Bad nehmen.

Dann lasse ich mich rasieren, möglichst von einem türkischen Barbier.

Der wird mich massieren bis zu den Fingerspitzen.

Dann kaufe ich mir eine Zeitung

und lese sie von den Schlagzeilen bis zum Horoskop.

Am ersten Tag werde ich mich nur bedienen lassen.

Wer was von mir will, den weise ich zum Nebenmann.

Wer über meine ausgestreckten Beine stolpert,

wird sich bei mir entschuldigen. Ich werde zurückrempeln.

Der Wirt im vollen Lokal wird mir einen freien Tisch finden.

Draußen wird ein Dienstwagen halten. Der Bürgermeister wird mich mitnehmen.

Jedem werde ich bekannt vorkommen, niemandem verdächtig.

Kein Wort werde ich sprechen und jede Sprache verstehen.

Das wird mein erster Tag sein.

Aber nichts davon wird wahr sein.

(harmonischer Streicher-Klang)

(Mann) Sie kann den Fernseher behalten. In Karl-Marx-Stadt gibt's keinen Westen.

Und die "Aktuelle Kamera", die kann ich auch in schwarzweiß sehen.

(harmonischer Streicher-Klang)

Ich werde sie in den Arm nehmen.

Und sie wird mich in den Arm nehmen.

(harmonischer Streicher-Klang)

(Scheppern)

(Ein Hubschrauber rattert.)

(flüstert) Ich glaub, der ist besoffen. - Ja.

(Scheppern)

(Ein Vogel kreischt.)

Gehen wir!

(Scheppern)

(Scheppern)

Schmeckt.

Jetzt begreif ich einiges. (rhythmisches Scheppern)

Ist das Rot? - Ja.

Haben Sie sich verletzt?

Heute geht's gut? - Gut.

Und die Rohre? - Die Rohre sind gelb.

Gelb. - Ja. - Und der da?

Der ist graublau. - Graublau?

Und der? - Lila. - Und der?

Der ist orange, ocker. - Ocker?

Oder orange? - Ocker. - Ocker.

Gelb. Rot. - Das ist Gelb, ja.

Der? - Der ist grün. - Grün.

Und das oben über dem Auge? - Da ist Blau.

Da ist Blau. Blau!

Ist es heute sehr kalt? - Das geht vorbei.

Ich würde so gerne einen Kaffee trinken.

Haben Sie kein Geld? - Ja... nein.

Das freut mich, dass es heute so gut geht. Danke.

Schön!

(Martinshorn)

(Hundegebell)

Kaffee. - Mit Milch und Zucker?

Schwarz. - Danke schön.

(Musik: "When I Go" von Minimal Compact)

(Sängerin)That l was swallowing my pride

And now I know

lt's not enough for me

To be on somebody's side

Can you hear it? Can you see it?

Can you look me in the eyes...

(Damiel) Als das Kind Kind war,

genügten ihm als Nahrung Apfel und Brot.

Und so ist es immer noch.

Als das Kind Kind war,

fielen ihm die Beeren wie nur Beeren in die Hand.

Und jetzt immer noch...

machten ihm die frischen Walnüsse eine raue Zunge.

Und jetzt immer noch...

hatte es auf jedem Berg die Sehnsucht nach dem immer höheren Berg.

Und in jeder Stadt die Sehnsucht nach der noch größeren Stadt.

Und das ist immer noch so.

Griff im Wipfel eines Baumes nach den Kirschen

in einem Hochgefühl wie auch heute noch.

Hatte Scheu vor jedem Fremden.

Und hat sie immer noch.

Wartete es auf den ersten Schnee.

Und wartet so immer noch.

(Eine U-Bahn rattert.)

Als das Kind Kind war,

warf es einen Stock als Lanze gegen den Baum.

Und sie zittert da heute noch.

(Scheppern)

Entschuldigung, wo komm ich zur Akazienstraße?

Du gehst die Potse hoch bis zum Kleistpark dann rechts in die Grunewaldstraße,

über die Gleditsch, aber nicht rechts in die Goltz,

sondern links, und schon bist du da. - Oh, Mann!

(entfernte Rufe)

(entferntes französisches Chanson)

(metallisches Klappern)

(Er lacht laut.) Ho!

(entfernte Stimmen)

Der Eingang ist fürs Team. Statisten um die Ecke.

Statisten? Oh, yes. - Statisten, ja bitte.

Hey, hey! - Statist.

So sehen Sie aus. Die wollen alle Autogramme.

Scheißbulle! (laute Kinderstimme)

(Kinder rufen und schreien.)

Hey, Compañero!

(englisch) Ich bin so froh, dich zu sehen!

Wie geht's? - (englisch) Bestens.

Ich hab dich mir größer vorgestellt.

Noch größer? - Noch größer.

Wie lange schon?

Minuten... Stunden,

Tage, Wochen, Monate.

Zeit!

Ich geb dir ein paar Dollar für den Übergang.

Ich hab Geld. - Ah!

Ich hab was verkauft.

Die Rüstung, was?

Wie viel hast du dafür gekriegt?

200 Mark.

Du bist übers Ohr gehauen worden. Aber das passiert.

Ich will dir was erzählen, ist gut 30 Jahre her.

New York, ein Leihhaus in der 23. Straße:

500 Dollar hab ich gekriegt.

Du warst...

Ja.

Du bist also...

Du auch! - Oh ja.

Es gibt viele von uns.

(englisch) Mister Falk, ich such Sie überall. Wir sind so weit.

Ich komm sofort, David.

Du bist nicht der Einzige.

Hm. - Was hast du jetzt vor?

Da ist ein Mädchen... - Ah, so ist es richtig!

Hey, warte! Du wolltest mir mehr erzählen!

Ich will so viel wissen! Einfach alles!

Find es selbst raus! Das ist doch der Spaß dabei.

(Kinder rufen) Columbo! Columbo!

Columbo!

Columbo!

Columbo!

Columbo!

Columbo!

(Mann, französisch) Mach dir keine Sorgen, Marion! Es wird alles gut!

Ich schick dir Postkarten vom Eiffelturm!

Bis zur nächsten Saison!

Vergiss den Zirkus Alekan nicht!

(französisch) Bis zum nächsten Jahr! - Tschüss, Marion.

Tausend Küsse!

Soll ich dir ein Paket schicken? Mit einem Camembert drin?

Los geht's! Tausend Küsse, Marion! Tschüss!

Ciao, Chice. - Tausend Küsse!

(Musik: "Pas attendre" von Sprung aus den Wolken)

(Musik: "Pas attendre" von Sprung aus den Wolken)

(Stille)

(Wispern vieler Gedankenstimmen)

(Marion) Ich könnte nicht sagen, wer ich bin.

Ich hab nicht die geringste Ahnung von mir.

Ich bin jemand ohne Herkunft,

ohne Geschichte, ohne Land.

Und darauf bestehe ich:

Ich bin da, bin frei.

Ich kann mir alles vorstellen. Alles ist möglich.

Ich brauche nur aufzuschauen, und schon werde ich wieder... die Welt.

Jetzt, auf diesem Platz:

ein Gefühl von Glück, das ich immer behalten könnte.

(Wind rauscht.)

(Eine Elster keckert.)

(Ein Flugzeug nähert sich.)

(Er pfeift.)

(Ein Tor fällt zu.)

(Hupen)

(Kinderstimmen)

(Schritte nähern sich.)

(beide) Was machst du denn da? - Ich sitze.

(Junge) Bist du traurig? - Nein.

(2. Junge) Bist du krank? - Ja.

(1. Junge) Was hast du denn? - Mangel.

(beide Jungen) Ach so.

(Damiel) Ein doppelter Knoten ist das Einzige, was hält.

(1. Junge) Mangel. - Mangel an Essen vielleicht.

(1. Junge) Oder Mangel an Trinken. - Muss ich meiner Mutter erzählen.

(Damiel) Sie ist nicht fort, Cassiel, ich weiß es!

Ich werde sie wiederfinden.

Etwas wird geschehen, und es wird gelten heute Nacht.

Cassiel.

(Damiel) Sie wird mich alles lehren.

Es gibt noch andere Sonnen als die oben am Himmel, Cassiel.

In der tiefen Nacht wird heute der Frühling beginnen.

Ganz andere Flügel werden mir wachsen als die gewohnten.

Flügel, über die ich endlich werde staunen können.

(melancholische Cello-Musik)

(Scharren und Quietschen)

(Straßenlärm)

(gedämpfte Schlager-Musik aus dem Kiosk)

(englisch) Kann ich einen Kaffee haben, bitte?

(deutsch) Danke.

(englisch) Inspektor.

Sie wissen doch sicher, wie man jemanden findet.

(englisch) Vom Suchen versteh ich mehr als vom Finden.

Suchen Sie jemanden?

(seufzend) Ich will nur jemanden finden. - Wen?

Junge, Mädchen, Mann, Frau?

Einen Mann also, ja.

Kennen Sie seinen Namen? Nein?

Wissen Sie, wo er wohnt?

Ich weiß nichts. - Nichts, hm?

Ein schwieriger Fall!

Ich muss weiter. Gute Nacht.

Viel Glück! - Inspektor.

Ich seh dich nicht, aber ich weiß, du bist da.

Ich spür's.

Ich würde gerne dein Gesicht sehen, weil ich dir so viel sagen möchte.

Ich bin dein Freund.

Compañero.

(gedämpfte Schlager-Musik aus dem Kiosk)

(Musik: "The Carey" von Nick Cave & The Bad Seeds)

And a murder ofcrows did circle 'round

First one, then the others flapping blackly down

And the carny's van still sat upon the edge

Tilting slowly as the firm ground turned to sludge

And the rain it hammered down And the rain it hammered down

And the rain it hammered down And the rain it hammered down

And no one saw the carny go No one saw the carny go

No one saw the carny go

l say, it's funny how things go...

(Jubel, Applaus)

(Pfiffe, Applaus, Jubel)

(Mann) Zugabe!

(Nick Cave) One more song and it's over.

But I'm not gonna tell you about a girl, I'm not gonna tell you about a girl.

I'm gonna tell you about a girl.

(Musik: "From Her to Eternity" von Nick Cave & The Bad Seeds )

You know, she lives in Room 29

Why that's the one right up top a mine

l start to cry,

l start to cry

When I hear her walkin'

Walkin' barefoot cross the boards

All through this lonesome night

l hear her cryin' too Hot tears come splashin' on down

Leaking through the cracks

Down upon my face l catch 'em in my mouth

l catch 'em in my mouth

Mine

Mine

Mine

From her...

to...

eternity

From her...

to...

eternity

From her...

to...

eternity

Walk n' cry, walk n' cry

Kneel n' cry, kneel n' cry...

(Der Song ist weiter gedämpft zu hören.)

She's wearing them blue stocking, l bet

And I'm standin' like this with my ear to the ceiling, listen

l know it must sound absurd

But I can hear the most melancholy sound l ever heard

l walk n' cry

Walk n' cry

From her...

to...

eternity

From her...

to...

eternity

From her...

to...

eternity

Oh tell me why, oh tell me why

l wanna know why Oh tell me why

This desire to possess her is a wound

And it's naggin' at me like a shrew

But I know, that to possess her ls therefore not to desire her

Oh then you know Welt then you know

Oh then you know Welt then you know

That little girl would just have to go

Go

Go

From her... to... eternity

From her... to... eternity

From her... to... eternity

From her... to... eternity

(entfernter Jubel)

(Nick Cave, entfernt) Good night.

Es muss einmal ernst werden.

(ruhige Cello-Musik)

Ich war viel allein, aber ich habe nie allein gelebt.

Wenn ich mit jemandem war, war ich oft froh.

Aber zugleich hielt ich alles für Zufall.

Diese Leute waren meine Eltern, aber es hätten auch andere sein können.

Warum war der mit den braunen Augen mein Bruder

und nicht der mit den grünen Augen vom Bahnsteig gegenüber?

Die Tochter des Taxifahrers war meine Freundin.

Aber ebenso gut hätte ich doch den Arm um den Kopf eines Pferdes legen können.

Ich war mit einem Mann, war verliebt...

und hätte ebenso gut ihn stehen lassen

und mit dem Fremden, der uns auf der Straße entgegenkam,

weitergehen können.

Schau mich an oder nicht.

Gib mir die Hand oder nicht.

Nein, gib mir nicht die Hand und schau weg von mir.

Ich glaube, heute ist Neumond.

Keine ruhigere Nacht.

Kein Blut wird fließen in der ganzen Stadt.

Ich habe nie mit jemandem gespielt.

Und trotzdem habe ich nie die Augen geöffnet und gedacht:

Jetzt ist es ernst.

Endlich wird es ernst.

So bin ich älter geworden.

War ich allein so unernst?

Ist die Zeit so unernst?

Einsam war ich nie,

weder allein noch mit jemand anderem.

Aber ich wäre gern endlich einsam gewesen.

Einsamkeit heißt ja: Ich bin endlich ganz.

Jetzt kann ich das sagen, denn ich bin heute Nacht endlich einsam.

Mit dem Zufall muss es nun aufhören.

Neumond der Entscheidung.

Ich weiß nicht, ob es eine Bestimmung gibt,

aber es gibt eine Entscheidung.

Entscheide dich.

Wir sind jetzt die Zeit.

Nicht nur die ganze Stadt,

die ganze Welt nimmt gerade teil an unserer Entscheidung.

Wir zwei sind jetzt mehr als nur zwei.

Wir verkörpern etwas.

Wir sitzen auf dem Platz des Volkes,

und der ganze Platz ist voll von Leuten, die sich dasselbe wünschen wie wir.

Wir bestimmen das Spiel für alle.

Ich bin bereit.

Nun... bist du dran.

Du hast das Spiel in der Hand.

Jetzt... oder nie.

(ruhige Streicher-Musik)

Du brauchst mich.

Du wirst mich brauchen.

Es gibt keine größere Geschichte als die von uns beiden,

von Mann und Frau.

Es wird eine Geschichte von Riesen sein,

unsichtbaren,

übertragbaren,

eine Geschichte neuer Stammeltern.

Schau, meine Augen.

Die sind das Bild der Notwendigkeit,

der Zukunft aller auf dem Platz.

Letzte Nacht... träumte ich von einem Unbekannten,

meinem Mann.

Nur mit ihm konnte ich einsam sein.

Offen werden für ihn, ganz offen.

Ganz für ihn.

Ihn ganz als Ganzen in mich einlassen.

Ihn umschließen... mit dem Labyrinth der gemeinsamen Seligkeit.

Ich weiß,

du bist es.

(ruhige Streicher-Musik)

(entfernte Zirkus-Musik)

(Damiel) Etwas ist geschehen.

Es geschieht immer noch.

Es ist verbindlich!

Es war in der Nacht, und es ist jetzt am Tag.

Jetzt erst recht.

Wer war wer?

Ich war in ihr und sie war um mich.

Wer von der Welt kann von sich behaupten,

er war mit einem anderen Menschen zusammen?

Ich bin zusammen.

Kein sterbliches Kind wurde gezeugt,

sondern ein unsterbliches gemeinsames Bild.

Ich habe in dieser Nacht das Staunen gelernt.

Sie hat mich heimgeholt,

und ich habe heimgefunden.

(Zirkus-Musik)

Es war einmal.

Es war einmal, und also wird es sein.

Das Bild, das wir gezeugt haben, wird das Begleitbild meines Sterbens sein

Ich werde darin gelebt haben.

Erst das Staunen über uns zwei,

das Staunen über den Mann und die Frau,

hat mich zum Menschen gemacht.

(Zirkus-Musik)

Ich... weiß... jetzt,

was... kein...

Engel... weiß.

(Homer) Nennt mir die Männer und Frauen und Kinder, die mich suchen werden,

mich, ihren Erzähler, Vorsänger und Tonangeber,

weil sie... mich brauchen

wie sonst nichts auf der Welt.

(französisch) Die Reise kann beginnen. (Seine Stimme hallt.)

(Wispern vieler Gedankenstimmen)

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