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Original subtitles

"DAS WICHTIGSTE IM LEBEN IST DIE WAHL EINES BERUFES.

DER ZUFALL ENTSCHEIDET DARÜBER."

BLAISE PASCAL

EIN LEICHTES MÄDCHEN

JUNI

Naïma!

- Was ist, mein Lieber? - Komm her.

Tschüs, bis später.

- Was ist? - Ich muss dir was sagen.

- Sag schon. - Ist 'ne Überraschung.

- Sie kommt. - Ist es gut versteckt?

Was macht ihr da?

Zum Geburtstag viel Glück...

Das war doch nicht nötig.

Zum Geburtstag viel Glück, Naïma...

Puste sie aus!

- Küsschen. - Wie sagt man?

Jawoll!

- Danke. - Happy B-day.

- Alles Gute, Süße. - Danke.

- Das Beste zum Schluss. - Ja!

Hier, ein kleines Geschenk.

- Aber nein... - Doch!

- Ist das euer Ernst? - Klar.

- Alles für mich? - Für wen sonst?

Für die Nachbarin etwa?

- Natürlich. - Mir kommen die Tränen.

Übertreib nicht!

Komm, wir gehen zum Strand.

Ich bin allzeit bereit, Herzchen.

- Eher nicht. - Doch, guck.

- Mit deinen halb angezogenen Tretern? - Pass auf.

Aua! Bist du neidisch?

Du kannst es nicht auswendig?

Doch, ich kann es. Leg los. Keine Sorge.

Dein Text ist: "Du spinnst, Mädel. Du klingst wie deine Mutter."

"Du spinnst, Mädel. Du klingst wie deine Mutter."

"Weißt du, was?

Du versauerst hier wie deine Alten, weil du eine Pennerin bist."

Wow! Du hast's echt drauf.

Ich hatte Gänsehaut.

- Findest du? - Ja, du klingst voll echt. Verdammt gut.

- Nein, du bist verdammt gut. - Nein, du.

Es war der erste Ferientag.

Ich war gerade 16 geworden.

Sofia?

Du hast dich aber verändert!

Meine liebe kleine Cousine.

Seit Sofias Umzug nach Paris sahen wir uns selten.

Hilfst du mir, sie zuzumachen?

- In welcher Sprache ist das? - Das?

Das ist Latein. Es bedeutet:

"Genieße den Augenblick".

In jenem Sommer hatte sie ihre Mutter verloren.

Auch sie hatte sich verändert.

Was willst du werden, wenn Geld nicht zählt?

- Ich weiß nicht. Weißt du's? - Ja, Schauspieler.

Wirklich? Cool. Und du?

- Das Gleiche. - Ja.

- Wir sprechen am 13. vor. - Echt?

Was müsst ihr machen?

Eine beliebige Szene. Ich spiele Leïlas Rolle.

- Wer ist Leïla? - Leïla Bekhti.

- Kennst du sie? - Ein bisschen.

Im Ernst?

Ein Selfie mit ihr, und er denkt, sie sind 'best friends'.

- Du bist nur neidisch. - Reg dich nicht auf.

- Tolle Handtasche. - Danke.

- Ist sie echt? - Ja.

So was kostet doch...

an die 3000 oder 4000.

3000 Euro?

In jenem Jahr hatte ich einen Freund gehabt.

Er hieß Enzo.

Kurz vorm Sommer hatten wir uns getrennt. Ich dachte nie mehr an ihn.

Das Gespann mit Dodo genügte mir völlig.

- Morgen, Mädels! - Guten Morgen.

- Naïma, schläfst du noch? - Nein.

Ich bin wach. Sie liest mir was vor.

"Leserbriefe:

Ich war noch nie verliebt.

Und es stört mich gar nicht."

- Schönen Tag euch. - Dir auch.

- Aufwachen, Naïma. - Ich bin doch wach.

Sie ist hinter der Tür. Lies weiter.

"Meine Mutter sagt, eines Tages werde ich meinen Traumprinzen treffen.

Aber ich glaube nicht daran.

Liebesgeschichten finde ich gruselig. Ich gehe lieber aus und habe Spaß."

Sofia?

Alles Gute zum Geburtstag!

Ist das dein Ernst?

- Gefällt sie dir? - Hast du sie gekauft?

Klar, was sonst?

Ich bin schockiert.

Nicht doch...

Sogar die Verpackung ist schön.

Damit bist du wie ich. Wir haben jetzt die gleiche.

Ich freu mich so.

Danke, Sofia.

Gern geschehen.

Du musst sie vom Haaransatz an auskämmen.

Der Trick ist also, hier steht's: Es genügt, auf Hydratation zu achten.

- Soll ich dir die Tipps vorlesen? - Ja, wenn du willst.

"Für krauses, verworrenes Haar..."

"Beginne an den Haarspitzen." Da kommt jemand.

Nichts wie ran!

Siehst du das?

Das sind seine Fortpflanzungsorgane.

Spannend...

Du bist wie ein Seeigel.

Du bist stachelig.

Ich nicht, ganz im Gegenteil.

Guck mal.

Siehst du?

Fühlt sich zart an.

Da auch.

Aber...

hier...

ist es am zartesten.

Weil ich da unten rasiert bin.

Meine Cousine spinnt.

Rede ich etwa mit dir?

Wir sind Cousinen. Also redest du auch mit mir.

- Was meinst du? - Lassen wir's.

- Hier, das ist für die Haare. - Danke.

Nimm deine Tasche. Ich trage das Handtuch.

Hey, Mädels!

Nicht weggehen! Kommt her.

- Ich will dich sehen. - Vergiss es.

Kommt zurück.

Gib's auf, das sind Schlampen.

Pass auf, was du sagst.

Schlampen!

Mit wem redest du eigentlich?

Verpiss dich! Heul dich bei Mama aus!

Du spinnst wohl, mich "Schlampe" zu nennen!

Fangt eure Seeigel und haltet die Klappe.

Was? Verpiss dich, Schlampe!

Die nennen uns "Schlampen" und du schweigst?

Und wenn schon. Ist das schlimm?

Die nennen uns "Pennerinnen", und sie sagt nichts.

Was für Arschlöcher.

Dreckige Schlampen!

Sieh mich an. Was hat dir der Typ gegeben, mit dem du zusammen warst?

- Wie hieß er noch? - Enzo.

Also?

Ich weiß nicht. Liebe?

Aha, Liebe.

Ich suche nicht nach Liebe.

- Alle suchen danach. - Ich nicht.

Mich reizen Empfindungen, Abenteuer.

Gefühle zählen für mich nicht.

Soll ich dir einen Rat geben?

Warte nie auf etwas, führ es selbst herbei.

Verstehst du?

Du verstehst doch?

Gehen wir?

Auf meiner Insel

Ist's gut sein

Auf meiner Insel

Gibt's nie was zu tun

Wir lassen uns von der Sonne streicheln

Und faulenzen

Ohne an morgen zu denken

Auf meiner Insel

Ist das Wetter schön

So gemütlich

An der Seite meiner Süßen

Unter hohen Kokospalmen, die im Wind schaukeln

Ohne einen Laut

Träumen wir von uns

Na?

Na.

- Kommst du nicht rüber? - Nein.

Was stört dich eigentlich?

Dass wir vor ihnen zu Abend essen,

auf dem Präsentierteller,

ist irgendwie seltsam.

Es ist hart, fast wie im Zoo.

Mach dir keine Gedanken.

Die Leute sehen uns zum Vergnügen an.

Das ist Teil ihrer Ferienaktivitäten.

Und was ist unser Vergnügen?

Vielleicht gilt das auch für uns.

Da bin ich mir nicht so sicher.

Das Prinzip von wahrem Luxus ist,

sein Gegenteil gekannt zu haben.

Das geht Hand in Hand.

Man muss arm gewesen sein, um wirklich reich werden zu können.

Umgekehrt muss man, um Armut zu ertragen, wissen, dass Reichtum existiert.

Dass etwas anderes existiert.

Worin besteht dann ihr Vergnügen?

Ich hab's dir gerade erklärt. Bist du blöd, oder was?

Der Whisky ist gut.

Er sieht schön aus, oder?

Ja. Warum hast du ihn gekauft?

"Schön ist dasjenige, was ohne Interesse gefällt."

"Schön ist, was man nicht besitzen,

sondern bewundern will."

Ich bin kein Konsument, sondern ein Liebhaber.

Da ist ein Unterschied.

Also, Sokrates...

- Gehen wir aus? - Nein, bitte, ich bin müde.

Komm, es ist Sommer.

Ich will Spaß haben. Komm schon.

Heute Nacht

Tanze ich den Mambo

Im Royal Casino

Mit Rokoko-Deko

Der Regen

Wird mich vergessen lassen

Du wirst mich träumen lassen

Wie in den Sommerliedern

Es ist Liebe am Strand

Meine Augen in deinen Augen

Küsse und Muscheln

Zwischen dir und dem Blau

- Hat's dir gefallen? - Philippe, hast du Zigaretten?

- Hier ist es. - Ist das Ihr Boot?

Ja, das da.

Sie sind also Sängerin?

Ich? Sängerin? Machen Sie sich über mich lustig?

- Kein bisschen. Sie singt gut, oder? - Quatsch.

- Göttlich! - Hör auf.

- Stimmt, es war ein Witz. - Sag ich doch.

- Das klebt überall an den Händen. - Bei mir auch.

Sie steht auf Ältere, was?

Weiß nicht. Ist doch egal.

Ich frag nur so.

Warum bist du so empfindlich, wenn ich von ihr rede?

Bin ich nicht.

Doch.

- Kennst du deinen Text? - Klar kenne ich ihn.

Wieso machst du mir ständig Druck?

Warum kreischst du gleich? Ich frag doch nur.

Es ist schon bald.

Ich will nicht, dass wir uns blamieren.

Ich kenne ihn. Du bist gleich so bockig!

- Unglaublich. - Zickig, nicht bockig.

- Was machst du? - Wie meinst du das?

Ich komme natürlich mit dir.

Yeah!

Guten Abend.

Guten Tag.

Von welchem Land ist das eigentlich die Flagge?

Isle of Man.

Ist das ein Land?

Ja, klar. Die Britischen Inseln.

- Champagner? - Nein danke, ich trinke Whisky.

Wir sind hier im Ausland.

- Wir sind nicht mehr in Frankreich? - Nein.

Man braucht einen Reisepass und ein Visum.

Ich hab schon eines.

In diesem Land sind wir also frei?

- Klar. - Wir dürfen alles?

Alles. Was immer Sie wollen.

Dann will ich da hin.

- Wohnen Sie hier? - Wir, ja.

- Ich wohne in Paris. - Ich liebe Paris.

Was machst du eigentlich in Paris?

Was für eine Frage!

Jetzt sind Ferien!

Da reden wir doch nicht über die Arbeit.

Wir sind hier, um uns zu amüsieren.

- Hier, damit Sie nicht frieren. - Danke.

Kommen Sie, wir wärmen uns drinnen auf.

- Arbeiten Sie zusammen? - Ja.

Nein, das stimmt nicht.

Na ja, im Grunde arbeitet er sozusagen für mich.

Nein, ich bin eher sein... Sklave, könnte man sagen.

So ein Blödsinn.

Ich bin dein Sklave.

- Ich bin Sklave seines guten Blicks. - Warum?

- Er erkennt den Wert der Dinge. - Und Sie nicht?

Ich? Ich bin ein guter Einkäufer.

- Was ist in dich gefahren, Dodo? - Nichts.

- Warum schmollst du? Ist was? - Tu Ich nicht.

- Sag schon. - Es ist nichts.

Komm, Dodo!

Ich hab auch 'ne Jacht.

Ich hab bloß den Schlüssel verloren. Komm schon, Kumpel.

- Es ist nichts. - Sag schon.

Ich schmolle nicht.

- Du willst es nicht sagen? - Es ist nichts.

- Sind das Ihre Freunde? - Nein, Bekannte.

Können Sie ihnen ausrichten, dass sie verschwinden sollen?

- Machst du's bitte? - Warum ich? Mach du's.

Du sagst immer: "Warum ich?"

Du kannst nur schmollen.

Hey, Jungs, bitte...

- Ich mach's. - Lass es ihn machen.

- Was sagst du da? Für wen hältst du dich? - Hör auf.

- Du warst nicht eingeladen. - Was heißt hier "pscht"?

Reg dich nicht so auf.

Für wen hältst du dich mit deinem Arschgewackel?

Du bist ja nur neidisch, weil dein Arsch nicht beachtet wird.

Mach nur so weiter!

- Alles okay? - Bei mir, ja.

Komm, Naïma.

Was ist? Komm.

Wie alt sind Sie?

Jeder hat sein persönliches Alter, ein Leben lang.

Was soll das heißen?

Ich meine damit, dass wir zwar wachsen und altern,

aber ich kannte schon Männer, die ihr ganzes Leben lang 30 waren.

Andere bleiben bei 15 stehen,

wieder andere können es kaum erwarten, 50 zu sein.

Ihre Theorie gefällt mir.

Und ich?

Wie alt bin ich demnach?

Sie? Ich weiß es nicht.

Erst muss ich Sie näher kennenlernen.

- Sie werden enttäuscht sein. - Warum?

"Warum, warum"... Frauen fragen immer "Warum?".

- Komm. - Da unten ist noch eine Etage?

Ja, klar.

- Gute Nacht. - Gute Nacht.

- Kommst du? - Ja.

- Wiedersehen. - Schönen Tag noch.

Warte auf mich.

Das macht 7,80 Euro.

Danke.

Nimm du die Rechnung, ich hab nichts dabei.

Ich auch nicht.

Du bist ohne Geld ausgegangen?

Ja, wenn ich ausgehe, nehme ich nie welches mit.

- Du erwartest, dass die anderen zahlen? - Genau.

Findest du das normal? Na toll.

- Wir sitzen hier wie Bettlerinnen. - Chill mal. Macht doch nichts.

- Wohin gehst du? - Bis gleich.

Guten Tag, die Herrschaften.

- Hallo, Naïma, wie geht's? - Danke, gut.

Jungs, das muss besser laufen!

Warst du bei deiner Mutter?

- Hey, meine Hübsche. - Ja?

Wolltest du nicht ein Praktikum bei uns machen?

Ah, ja, stimmt.

Hat meine Mutter das gesagt?

Ich bin sehr beschäftigt, ich muss vorsprechen.

Aber ich möchte gern.

- Komm, wenn du bereit bist. - Einverstanden.

Tschüs.

Nächstes Frühstück!

Ich möchte zahlen.

- Das macht 7,80. - Hier.

Danke.

Ihr Wechselgeld.

- Wiedersehen. - Schönen Tag noch.

- Ich hab bezahlt. - Warte.

- Alles okay? - Ja, warum?

Du bist zu nichts gezwungen. Bist du mir böse wegen letzter Nacht?

Nein.

Für mich ist da nichts geschehen.

Okay, gehen wir.

- Guten Tag, die Damen. - Guten Tag.

- Was würde dir Freude machen? - Du hast doch nichts dabei.

- Es ist ein Geschenk. - Von wem?

Von Andres.

Das ist wahnsinnig teuer.

Ja, das ist echt nett von ihm.

Ja...

Die liebe ich!

- Die ist schön, was? - Wunderschön.

- Entschuldigen Sie... - Ja?

- Darf ich wissen, was die Uhren kosten? - Natürlich.

Ludivine, die Preisliste, bitte.

Sofort, Madame.

Jeweils 1500 Euro.

- Sind es die teuersten? - Nein, das ist diese hier.

Für 3500 Euro.

Dann nehme ich die.

- Die gefällt mir nicht so. Sie ist winzig. - Egal, wir nehmen die teuerste.

Wenn du sie nicht magst,

kommst du zurück und tauschst sie gegen die zwei um.

Aber wozu zwei Armbanduhren?

Egal, du kannst deiner Mutter eine geben.

Sie würde sich freuen.

- Ja... - Siehst du.

Bitte, wir haben uns entschieden.

- Ich nehme diese Armbanduhr. - Eine gute Wahl.

- Ludivine! - Ja, Madame.

Soll ich sie Ihnen geben oder gleich behalten?

Setzen Sie es auf die Rechnung von Monsieur Montero.

In Ordnung.

Entschuldige.

Hallo, Mädels.

- Guten Tag, die Herren. - Guten Tag.

- Wie geht es Ihnen? - Sehr gut, danke.

Weißt du, wie du mal sterben willst?

Nein.

Ich denke immer an die Passagiere des Flugs Rio-Paris.

Sie starben einfach so in der Unfallnacht.

Anscheinend hatten sie keine Ahnung.

Alle sagten: "Wie toll, da merkst du nicht, dass du stirbst."

Finde ich gar nicht toll.

Ihnen wurde die Möglichkeit genommen,

nachzudenken, Angst zu haben,

sich zu verabschieden,

zu verzeihen,

um Verzeihung zu bitten.

Denkst du an deine Mutter?

- Komm, wir gehen aus. - Nein, heute Abend nicht.

Aber geh du.

Möchtest du allein sein?

Naïma!

- Alles klar? - Ja, und bei dir?

- Willst du probieren? - Ich bin nicht hungrig.

Bist du mir noch böse wegen neulich?

- Wieso? - Wegen der Sache mit Sofia.

Nein, schon vergessen.

Ich hab's übertrieben.

- Komm mit. - Wohin? Nach Nizza?

Ich lass mir eins machen.

- Was? - Ein Tattoo.

Ist das dein Ernst?

- Mit welchem Geld? - Meinem Geburtstagsgeld.

- Ist das ein Witz? - Ist doch ein Geschenk.

Du kannst doch nicht mein Geld für so was ausgeben.

Doch, ich mag das.

Ich dachte, wir fahren damit nach Paris, aber doch nicht für so 'nen Quatsch.

War es für mich oder für dich?

- Für dich. - Siehst du.

Dodo, gib mir deine Hand, bitte.

Ich sollte dich leiden lassen.

Sofia.

- Was? - Guck mal.

Freust du dich?

Gefällt es dir?

Danke.

- Wach auf! - Was machst du da?

Hast du gesehen, wie spät es ist? Wir verpassen unsere Sendung.

- Was für ein Chaos. - Wo ist Sofia?

Sie ist einkaufen gegangen.

- Willst du einen Kaffee, mein Kleines? - Nenn mich nicht so.

- Was ist das für eine Uhr? - Egal, die ist sowieso hässlich.

So was machst du mit deinem Geld?

Hast du im Hotel für dein Praktikum angerufen?

Ich sagte doch, ich bin nicht sicher, ob ich es mache.

Und dein Vorsprechen?

Lass mich in Ruhe. Merkst du nicht, dass du mich erdrückst?

Es ist dein Leben,

es sind deine Entscheidungen, man lebt nur einmal.

Glaubst du, dass Sofia frei ist?

Ist sie das etwa nicht?

Freiheit heißt manchmal auch Arbeit.

Es ist eine härtere Arbeit als Büroarbeit.

Siehst du nicht, dass sie manchmal sehr müde ist?

Du übrigens auch. Sieh nur.

Ich hoffe, du hast wenigstens schöne Ferien.

Ja, Ferien sind etwas Schönes.

Hör auf.

Wir gestanden es uns nicht ein,

aber wir warteten auf ein Zeichen der Männer von der Jacht.

Sofia hatte ein Prinzip:

nie als Erste zurückrufen.

Zwei Tage später kam die erwartete Nachricht.

HALLO, COUSINEN.

ABENDESSEN MORGEN MIT FREUNDEN, KOMMT IHR MIT?

Ich war sicher, dass sie sich melden.

Du klebst es hier an

und spannst es so.

Das erzeugt den Katzenaugen-Effekt.

Mit zurückgebundenem Haar geht es nicht. Es müssen Haare vorne bleiben.

Hier hast du mehrere Schlingen.

Damit wählst du die Intensität.

Leicht, mittel oder stark gestrafft.

Sophia Loren machte das so.

Ich möchte die Uhr umtauschen.

Haben Sie etwas anderes gewählt?

Danke.

Kochst du etwa?

Wir essen in einer knappen Stunde.

Vor einem Essen mit Männern sollte man gegessen haben.

- Wir gehen ja nicht deshalb hin. - Warum sonst?

Um sich kennenzulernen, zu reden.

Am wichtigsten ist es, alle um dich herum bewusst wahrzunehmen.

Wenn du die ganze Zeit "Mmh, mjam" machst,

als wärst du am Verhungern, dann geht das nicht.

Mach wenigstens Sauce.

- Kann ich nicht. - Soll ich?

- Du kannst Sauce machen? - Los geht's.

Warte, ich mach dir eine.

Du machst das toll.

Du könntest Küchenchefin werden!

- Ist doch nur eine Sauce. - Ja, aber du machst das gut.

Küchenchefinnen gibt es nicht viele.

- Weibliche Chefinnen! - Yes!

- Das würde mir gefallen. - Ja?

Wohin geht ihr, Mädels?

Guck mal.

Zeig her.

Oh, nein.

Ernsthaft?

- Weißt du, dass das Stück "Naïma" heißt? - Wirklich?

- Ein Musikstück, das meinen Namen trägt? - Ja.

Gut zu wissen.

Was ist los?

- Bei euch ist es recht still. - Ich hab nichts zu sagen.

- Endlich gibt es mal jemand zu. - Das kann gar nicht sein.

Doch, es stimmt. Ich bin ganz schlecht in Konversation.

- Wirklich? - Das ist nicht mein Ding.

Das heißt nicht, dass du nichts zu sagen hast.

Sondern, dass du nicht nichts sagen willst.

Kommt! Wir schwimmen eine Runde.

Los geht's!

Andres, na los!

Du bist ja so brav.

Nein, ich weiß nicht...

Los!

Pass auf das Kleid auf.

Fortsetzung! Weiter!

Das Wasser ist salzig. Das ist ein Meerwasser-Pool.

Gib ihnen Trinkgeld.

Komm rein, dann fühlst du dich besser.

Was machen wir jetzt?

Party auf dem Boot.

- Nein, wir gehen zurück ins Hotel. - Seid ihr langweilig!

Andres? Willst du lieber ohne mich zurück?

- Warum? - Na ja...

Wegen denen? Nein!

- Sicher? - Ja.

- Was machen wir jetzt? - Nichts. Wir sind nicht eingeladen.

Sofia.

Warte, bin gleich wieder da.

Kommst du mit?

Und meine Cousine? Ich kann sie nicht allein nach Hause schicken.

Ich schlafe heute Nacht auf dem Boot.

- Wie kommst du heim? Zu Fuß? - Ja, kein Problem.

Sicher? Sonst gehe ich mit dir.

- Nein, geht schon. - Okay.

Morgen machen wir eine Bootstour.

Kannst du mir mein Kleid, Badesachen und Hut bringen?

- Morgen? - Ja, morgen früh.

Okay, bring ich dir.

- Stört es dich nicht? - Nein.

- Sicher? - Ja.

- Bis morgen. - Okay.

Warte auf mich.

VORSPRECHEN DODO!!! 14:30 UHR

Man muss gut mischen.

- Ist das das Schwierigste beim Spiel? - Ja.

- Zwei für jeden? - Ja, und drei Karten in die Mitte.

- Man darf sie nicht zeigen? - Nie.

Aber jetzt decken wir sie auf...

Von hier aus setzt man.

Von hier aus.

Du musst eine Reihe bilden. Ein Ass ist schon mal gut.

- Was hast du für Karten? - Kann ich sie zeigen?

Ja, damit du verstehst.

Was ist das Ziel? So viele Karten wie möglich?

- Sofia! - Komm!

Bitte Schuhe ausziehen.

Gefällt es dir?

- Ja. - Schön, nicht?

Ich bin noch nie mit dem Boot gefahren.

Vorhin sah ich meinen Wohnblock. Sah ganz klein aus.

Du wohnst in Cannes und warst nie auf einem Boot?

Es gibt für alles ein erstes Mal.

So lässt es sich leben.

Ihr Boot kommt.

- Guten Tag, Jungs. - Guten Tag, die Herren.

Warte. Halt mal meine Schuhe.

Philippe nahm uns mit zu einer Freundin.

Sie hieß Calypso.

Ich wusste nicht, dass ich so nah an Italien wohnte.

Calypso!

Was für eine Freude.

Andres Montero.

- Wie schön, über den Strand anzukommen. - Ja, traumhaft.

Ich hole euch ab, weil das hier ein Labyrinth ist.

Marco und ich übernachteten oft da unten.

Ein richtiger Dschungel.

Philippe machte seine reichen Freunde miteinander bekannt.

Das war sein Job.

Wir haben angefangen, immer mehr Kunst zu kaufen.

Das Haus ist sehr schön.

Rita!

Andres stammt aus einer Familie bekannter Seefahrer.

Er liebt Antiquitäten.

Er hat einen Sextanten aus dem 17. Jahrhundert gekauft.

- So? - Ich dachte, ich hätte es dir erzählt.

- Habt ihr ihn auf dem Boot? - Ja.

- Philippe kann ihn holen. - Nun ja, warum nicht.

Nein, du bist gerade erst angekommen.

Komm zuerst was trinken.

Stört dich doch nicht?

Nein, ich mache es gerne.

- Ich kann ihn auch holen. - Nein, bleib hier.

- Danke. - Keine Ursache.

Es sind zwei Personen mehr.

Warten Sie, ich komme mit.

- Wo habt ihr den Anker geworfen? - Dort.

Sie ist schön.

Wer? Die Villa oder die Frau?

Ihre Freundin.

Natürlich ist sie schön.

- Und auch gefährlich. - Warum gefährlich?

Ich wäre auch gern eine gefährliche Frau.

Was willst du mal machen?

- Wann? - Im Leben.

Ich weiß es nicht.

Schauspielerin, nicht?

Nein, Dodo will Schauspielerin werden.

- Willst du nicht studieren? - Haben Sie studiert?

Hör auf mich zu siezen, sonst werfe ich dich ins Wasser.

Ich kann Sie nicht duzen.

- Willst du die Wahrheit wissen? - Ja.

Ich habe das Falsche studiert.

Was soll das heißen? Du hast es doch gut hier.

Dir fehlt nichts.

Freiheit ist für mich, aufzustehen, wann man will, ohne Vorgesetzten.

- Ist das nicht der Fall? - Nein.

Du wirst keine gefährliche Frau, wenn du im Schatten bleibst.

Das lernt man, indem man das Wort ergreift.

Nichts sagen und sich verstecken ist einfach.

Sieh mich an.

- Wie spät ist es? - 14:30 Uhr.

Die verarscht mich doch. Das ist ein Witz.

Die geht mir auf den Sack.

- Du bist dran. - Tut mir leid, aber meine Freundin...

Wir können nicht warten. Wir sind in Eile.

Verdammt, wie soll ich's jetzt machen?

Danke.

Das ist schön, was?

Siehst du, das ist mein Job.

Möchtet ihr noch was?

Einen Kaffee? Oder einen Grappa?

Einen Kaffee.

Sie kennen sich also schon lange?

Ungefähr sieben oder acht Tage.

Stimmt doch, oder?

- Ist noch ganz frisch, nicht wahr? - Ja.

Es ist verrückt...

Jedes Mal wenn ich ein Schiffshorn höre,

denke ich an Marguerite Duras.

Marguerite Duras?

Was ist Ihr Lieblingsroman von ihr?

Ich mag sie alle.

Aber einen mögen Sie sicher ganz besonders?

Kommt immer darauf an...

Es ändert sich je nach Phase, wie ich mich fühle.

- Und gerade eben wäre es welcher? - Eine heikle Frage.

Denn das verrät so viel von mir. Es ist mir unangenehm.

Sicher, aber jetzt gerade sind wir doch unter uns.

Jetzt ist aber genug.

Nein, ganz im Ernst.

Früher war es "Der Schmerz", und...

heute würde ich sagen, es ist...

"Der Liebhaber".

"Der Liebhaber"!

"Der Liebhaber" ist wunderbar.

Aber natürlich!

Wunderbar. Darf ich Sie mal etwas ganz direkt fragen?

Ja, sicher.

- Sagen Sie, wenn Sie's indiskret finden. - Bestimmt nicht.

- Wie alt bist du? - Ich bin 22.

Das hatte ich mir gedacht.

- Das ist doch verrückt. - Was?

So viele Schönheitsoperationen zu machen.

In deinem Alter verstehe ich das nicht. Du bist sehr hübsch.

- Findest du nicht? - Danke.

Warum "danke"?

Mich "hübsch" zu nennen...

Das ist nett.

Aber Sie sind auch sehr schön.

Danke.

Vielleicht, weil ich nichts habe machen lassen.

Dagegen anzukämpfen finde ich erbärmlich.

Als würde ich den Tod leugnen, verstehst du?

Außerdem finde ich, dass es einen älter macht.

Findet ihr das nicht?

Erbärmlich? Nein.

Ich finde es eher rührend.

- Rührend? - Ja.

- Ich mag Ihr Haus. Es ist schön. - Danke.

So eines in Ihrem Alter zu haben, ist mein Traum.

Es ist heiß. Können wir schwimmen gehen?

- Klar. Nutz die Gelegenheit. - Mir ist echt heiß.

- Willst du nicht auch ins Wasser? - Nein, danke.

Was machen wir? Schwimmen?

- Spazieren gehen? - Ja.

- Einen Spaziergang? - Einverstanden.

Du solltest im September wiederkommen.

- Gerne. - Da ist es sehr angenehm.

Andres, ich habe jemanden was Erstaunliches über dich sagen hören.

Das interessiert mich.

Es hieß, du warst mal Anarchist.

Ich bin immer noch Anarchist.

Anarchist? Ganz bestimmt...

Sie sind einer der reichsten Kunstsammler Brasiliens,

spekulieren auf Künstler, auf Aktienkurse,

sind an der Börse vertreten.

Der typische Anarchist!

Ganz genau.

Das müssen Sie mir erklären.

Ich verstehe es.

Sehr gut. Dann erklären Sie es uns.

Die Anarchisten wollen doch Freiheit, nicht?

- Es ist etwas komplexer. - Lass sie ausreden.

Was macht in unserer Gesellschaft frei?

- Geld. - Exakt.

Für Anarchisten ist Geld nicht wichtig.

- Stimmt, es gehört nicht zu ihren Werten. - Folglich?

Geld zu verachten ist leichter für Reiche als für Arme.

Das ist richtig.

Sie hat alles kapiert, ohne dass man es ihr erklären musste!

Und ich habe den ganzen Vormittag übersetzt!

Ich komme mir blöd vor.

Nein, es hat Ihnen Spaß gemacht.

Und ich freue mich, wenn Ihnen etwas Spaß macht.

- Gehen wir! - Auf Wiedersehen.

Gute Rückfahrt.

- Pass doch auf! - Tut mir leid.

- Hilf mir. - Es war keine Absicht.

Schnauze!

Naïma, steh auf.

Wer gibt Ihnen das Recht, so mit ihr zu reden?

- Ich hole Mineralwasser. - Nein, das tun Sie nicht.

Zuerst entschuldigen Sie sich bei unserem Gast.

- Nein, ich... - Schon gut.

Bleib hier.

Ich warte.

Es tut mir leid.

Es tut mir leid, Mademoiselle.

Es tut mir leid, Mademoiselle.

So?

- Magst du das? - Mach, was dir gefällt.

Ich gehöre dir.

- Magst du meinen Finger hier? - Ja.

- Soll ich weitermachen? - Ja.

Darf ich?

Ja.

Und das?

Ja.

Was liest du?

Nicht doch...

Du bist noch ein Kind, Naïma.

Nein.

Doch.

Nein!

Doch.

- Nein. - Siehst du!

Hey, wach auf!

- Beeilung, verschwinde! - Was ist los?

- Raus hier. - Sofia, was ist los?

- Raus! - Warum schubst du mich?

- Willst du mich durchsuchen? - Wieso?

- Raus! - Wir waren es nicht.

Wo hätten wir ihn denn hintun sollen?

Komm.

Keine Sorge. Andres wirft sie raus. Sie haben den Sextanten gestohlen.

Wir sind gleich weg. Hol deine Sachen, schnell.

Mit solchen Leuten haben wir nichts zu schaffen.

Sie können in Ihre Kabine. Ich regle das.

Jetzt aber raus!

Fass mich nicht an. Lass mich in Ruhe.

Los jetzt! Raus hier!

Sofia, komm zurück.

Komm zurück!

Komm, wir beweisen ihnen,

dass wir's nicht waren.

Was beweisen? Was ändert das schon?

- Komm zurück, Sofia. - Geh!

Wir sind keine Diebinnen.

Ist mir scheißegal.

Komm schon.

Lass mich in Ruhe.

Ich will allein sein.

Was?

Wir wollten sie ja nicht heiraten, oder?

Es hätte andere Wege gegeben. Sie wären sowieso nicht geblieben.

- Wie willst du das wissen? - Ich weiß es eben.

Ich hab mich geirrt.

Ist doch keine große Sache.

- Gute Nacht, Sokrates. - Nenn mich nicht mehr so.

Nie wieder.

Vanessa, wo ist Dodo?

Er ist da drüben.

Dodo, ich muss mit dir reden.

Bitte, nur kurz.

Bitte.

- Ich bin mit Freunden hier. - Unter uns, nur kurz.

Hau ab, lass mich in Ruhe.

Hau ab.

- Hast du sie gekriegt? - Was?

Die Rolle.

Ja.

Ich bin stolz auf dich.

- Blöde Zicke. - Ich dich auch.

Schmollst du nicht mehr?

- Gib mir deine Tasche. - Du bist echt stur.

- Du bist stur. - Selber.

Meine Füße tun so weh.

Du takelst dich auf, aber kannst nicht auf High Heels gehen.

Trägst du mich Huckepack?

- Du wirst mir das Kreuz brechen. - Komm schon.

Hüpf!

Bist du schwer!

- Was ist passiert? - Sie dachten, wir hätten was geklaut.

Was denn?

- Einen Gegenstand oder ein Kunstwerk. - Was jetzt?

Manche Gegenstände sind wie Kunstwerke. Ich weiß nur, dass es teuer ist.

- Warst du es? - Nein.

Sofia war's auch nicht, falls du das denkst.

Sofia ist mir egal.

Du hast dich verändert.

Hör auf!

Doch, ich schwör's dir.

Davor warst du nicht so. Gib's zu.

Und wenn schon. Ist Veränderung schlecht?

Hab ich kein Recht drauf?

Warum regst du dich auf? Ich hab nur gefragt.

Davor waren wir...

wie Schwestern, und jetzt wie ein altes Paar.

Wir haben nicht mal Sex.

Willst du mich etwa begrabschen?

Was hast du? Deine Titten sind klasse, Witzbold.

- Warum nervst du? - Weiß nicht.

Und du?

- Mach das nicht. - Warum nicht?

Ist doch nur Spaß.

Guck, du hast alles zerstört.

Sie ging, wie sie gekommen war,

praktisch ohne Vorankündigung.

Wie das Ende der Jahreszeiten.

Man weiß, dass es kommt, aber bemerkt es erst am Tag darauf.

Alles in Ordnung?

Ich weiß nicht, was ich hier tue.

Fürchtest du, ich halte dich für eine Diebin?

Nein. Ich wollte nur meine Gefühle zeigen.

Ich bin nicht verliebt. Das ist es nicht.

Ich will mich nur von dir verabschieden.

Na gut.

Also dann...

Auf Wiedersehen.

- Hältst du mich auch für eine Diebin? - Nein.

Er auch nicht. Mach dir keine Sorgen.

Das alles ist ganz unwichtig.

Ich weiß, dass du Prinzipien hast. Aber es geht nicht um Prinzipien.

Es geht um Charakter.

Du hast eine Menge davon.

Das weißt du doch, oder?

Es waren doch schöne Ferien, oder?

- Ja. - Oder nicht?

- Doch. - Nein.

Nein?

- Doch. - Nein.

- Doch. - Nein...

Auf Wiedersehen, Naïma.

Auf Wiedersehen, Philippe.

In jenem Sommer sah ich Sofia nicht wieder.

Sie schrieb mir in einer E-Mail, dass sie jetzt in London lebte.

Sie war glücklich...

dort.

SEPTEMBER

Kommt in die Gänge, Tempo!

Anrichten, Jungs. Ist alles bereit?

Die Brühe.

Wo ist die Brühe? Ist sie gut?

Weiter!

Das Würfelgemüse, schnell.

Und die Melone, die andere Seite bitte, kleiner!

Crème brûlée, wie lange noch?

Für das Kleid kannst du 170 verlangen.

Und für die Tasche ungefähr 180.

Die da kannst du viel teurer verkaufen.

- Die nicht. - Warum nicht?

Ich sehe dich nie damit.

Nein, die verkaufe ich nicht.

Sie ist ein Andenken.

Bist du bereit, Küchenchefin?

Bereit, Küchenchefin!

IM GEDENKEN AN PHILIPPE ELKOUBI

Untertitel: Birgit Leib u. a. Eurotape - Nordkurier Mediengruppe - 2019

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