All language subtitles for Die Neue Zeit - S01E01 - Nach dem Krieg.deu

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Original subtitles

(Soldat, dumpf) Sanit�ter!

* Klacken der Filmrolle *

* Schrei *

(Soldat, dumpf) Los, los, los! Schneller!

* Explosion *

(Gropius) Halt! Zur�ck! Schreiben Sie eine Depesche

an den Gro�herzog von Sachsen!

(Telegrafist) Das ist Wahnsinn!

Als Offizier befehle ich Ihnen: Telegraphieren Sie!

Sie wollen eine Kunstakademie �bernehmen?

Das ist Ihre wichtige Nachricht an den Gro�herzog?

* Knall *

(Martin) Herr Gropius? Ein Wagen ist gerade vorgefahren.

Ich denke, dass ist Stine Branderup f�r das Interview mit "Vanity Fair".

Vanity Fair ...

* Es klingelt. *

(Branderup) Walter.

Stine, meine Liebe!

Vielen Dank, dass du mich empf�ngst. Ach, f�r dich hab ich immer Zeit.

Auch wenn ich nicht f�r "Vanity Fair" schreiben w�rde?

Ehrlich gesagt, hab ich mich gefragt,

warum du �berhaupt ein Interview willst.

Du schreibst doch sonst nur �ber Leute, nicht �ber Architektur.

Wei�t du, ich m�chte ein Interview mit dem einflussreichsten

Architekten seiner Generation machen.

Wasser?

Ich nehme gerne etwas St�rkeres.

Bourbon, Scotch?

Bourbon. Bitte mit Eis.

Hast du mein Buch nur gekauft oder auch gelesen?

* Sie lachen. *

Cheers. Danke.

Du hast doch nichts dagegen, oder? Nein, keineswegs.

Bist du bereit? Oh ja.

Du hast diesen Sommer eines der wichtigsten Geb�ude deiner langen

und erfolgreichen Karriere vorgestellt.

Das 246 m hohe Geb�ude der Pan American World Airways in New York.

Du geh�rst du den einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts.

Ein Begr�nder der Moderne.

Du bist weltber�hmt geworden

als erster Direktor der legend�ren Bauhaus Schule.

Diese Schule hast du 1919 in Weimar mit vielen einflussreichen K�nstlern

der europ�ischen Avantgarde zusammen konzipiert

und schlie�lich er�ffnet.

Also sag mir mal, Walter ...

Wie lebst du mit der L�ge, dass Frauen und M�nner am Bauhaus

gleich behandelt worden seien?

Ich mag deine Art, Stine.

Offenes Visier.

Du er�ffnest Interviews wie ein Mann.

Wie war das? Sind Frauen am Bauhaus unterdr�ckt worden?

Nein, sicher nicht.

Ich habe diese Schule auf der Basis der Gleichberechtigung gegr�ndet.

Was soll das, Stine?

Na ja, ich hatte gerade eine �u�erst interessante Unterhaltung

mit der Tochter von D�rte Helm.

Du erinnerst dich doch an D�rte Helm?

Ja ...

Ich erinnere mich an D�rte sehr gut.

Aber ich ... ich frage mich, woran sich ihre Tochter erinnert.

Sie war ... was, f�nf Jahre alt als ihre Mutter starb.

Ich verstehe.

Dann erz�hl du mir doch einfach etwas �ber sie.

D�rte kam aus einer wohlhabenden, b�rgerlichen Familie.

Sie war J�din.

Ihr Vater war Professor f�r Altphilologie in Rostock.

D�rte hatte bereits eine dreij�hrige Ausbildung zur K�nstlerin genossen.

Stand kurz davor, ihr Studium in Weimar zu beenden,

(St�lzl) Ist der Platz noch frei?

(Mann) Ja, gern.

Danke.

Hei�.

(D�rte Helm) Entschuldigen Sie, reisen Sie nach Weimar?

Ja, ich will am Bauhaus studieren. Sie auch?

Ich studiere bereits seit 3 Jahren an der Staatlichen Kunstakademie.

In einem halben Jahr mache ich meinen Abschluss.

Aber dann kriegen Sie gar nichts mit von der Neuen Zeit dort.

Haben Sie's da gelesen? Der Gropius hat revolution�re Pl�ne.

(Rudolf Helm) Die uns nicht interessieren.

(Off) Ich erinnere mich sehr gut daran,

wie ich D�rte Helm zum ersten Mal sah.

Es war ein sch�ner, sonniger Tag.

Und ... sie versuchte irgendwas ...

zu fangen?

�brigens: Alle erinnern sich an das Bauhaus nur in Schwarz/Wei�.

Aber Farbe war �beraus wichtig f�r uns.

* Beschwingte Musik *

Sie waren beim Roten Kreuz?

Ja.

Welcher Frontabschnitt? Isonzo, Slowenien. Dann Westfront.

Da bedank' ich mich, Herr Helm. Bis sp�ter.

Warten Sie. Ich zeig dem Fr�ulein St�lzl nur kurz den Weg.

Wir sehen uns gleich im Audimax? Ja.

Entschuldigung.

(Auerbach) D�rte ... D�rte! D�rte!

Dein Freund? Ein Freund.

D�rte.

Ich hab dich so vermisst in den Sommerferien.

Guten Tag, Johannes Ilmari Auerbach.

Gunta St�lzl.

Und das hier ist Marcel. Wie hei�t du nochmal?

Marcel Breuer, aus P�cs, Ungarn.

Ich wollte ihr gerade zeigen, wo sie sich immatrikulieren kann.

(Gross) Das Rote Kreuz befindet sich neben der Bahnhofsmission.

Ach, nicht so unfreundlich, Hansi.

Du sollst mich nicht so nennen.

Mit dir bin ich noch nicht fertig, Auerbach!

Drecksau.

Entschuldige ...

Er hasst mich, weil ich Kommunist bin. Und euch Juden hasst er auch.

Ich bin kein Jude.

Meine Mutter ist auch J�din.

Ich bin kein Jude.

Gunta.

�h, wohin?

Da. Bis gleich.

* Stimmengewirr *

Guten Tag, gibt's noch einen Platz im Prellerhaus?

(Sekret�rin) Ja, noch sind Pl�tze frei.

Da m�ssten Sie diesen Antrag ausf�llen.

Das Fr�ulein k�nnte direkt bei Ihnen einziehen.

Ja.

D�rte!

* Applaus *

(Greil) Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Studenten,

ich habe heute als Minister f�r Volksbildung die Ehre,

Ihnen den neuen Direktor

der staatlichen Kunstakademie vorzustellen.

Bitte begr��en Sie Herrn Walter Gropius.

* Applaus *

Sehr geehrte Damen und Herren, Honoratioren aus Stadt und Land,

willkommene Studenten der �lteren Semester und neue Studierende.

Wie ich sehe, haben sich auch viele Frauen eingefunden,

die bei uns die M�glichkeit nutzen wollen zu studieren, und das,

muss ich sagen, freut mich au�erordentlich.

* Applaus *

(Baronesse) Und die weniger M�nner, die er hat, sind Juden und Zigeuner.

(Off) Ab dem Moment, in dem ich M�nner und Frauen

als gleichberechtigt erkl�rte, war mein gr��ter Feind eine Frau.

Die Baronesse von Freytag-Lohringhoven.

Und sie war nicht irgendjemand.

Sie repr�sentierte die etablierten Eliten von Weimar.

In der Hauptstadt der Weimarer Republik.

Der Ort an dem Geschichte geschrieben und

�ber die Zukunft entschieden wurde.

Der Heimatstadt von Gr��en wie Goethe und Schiller

und Liszt, Herder, Nietzsche,

Richard Strauss.

Das war, als w�rde was losbrechen. Ein Kampf der Kulturen.

Und die Baronesse war die ...

Anf�hrerin der extremen,

konservativen H�ter des deutschen Kulturerbes.

Sie war Vorsitzende der Weimarer Kunstkommission

und verwendete st�ndig ihre Position als Journalistin gegen uns.

Armer Walter. Immer diese Presse.

Allein die Idee des Bauhauses war schon eine Bedrohung.

Aber die Befreiung der Frauen

war der reinste Horror f�r die Baronesse.

Wir befinden uns inmitten einer niemals vorher dagewesenen

ungeheuren Katastrophe der Menschheitsgeschichte.

In einer Umwandlung des gesamten menschlichen Lebens.

F�r den k�nstlerischen Menschen aber ist das ein Gl�ck,

wenn er den Mut hat, neue Wege zu gehen.

Eines Tages werden Sie, die Studierenden des Bauhauses,

aus sich heraus brechen, und dann werden Sie es sein,

die die Zukunft dieser neuen Welt entscheiden.

Denn wir sind, und daran glaube ich fest,

die Werkzeuge eines neuen revolution�ren Weltgedankens.

Und ich sagen Ihnen ganz deutlich, hier und jetzt,

ich stehe und k�mpfe f�r die radikale Kunst.

Was soll das denn sein?

Werden wir gemeinsam rausfinden! Seien Sie gespannt.

Radikale Kunst, interessant.

Bevor ich zu den alten, ehrw�rdigen Meistern komme,

w�rde ich Ihnen gerne einige neue Meister vorstellen.

F�r die Bildhauerei Gerhard Marcks.

* Applaus *

Lyonel Feininger wird die druckgrafische Werkstatt leiten.

* Applaus *

Und f�r die Holzbildhauerei Georg Muche.

* Applaus *

Und nun freue ich mich, Ihnen den neuen Studienleiter

vorstellen zu d�rfen, Johannes Itten.

* Applaus *

(Itten) Ich danke Ihnen, Herr Direktor.

Uns allen muss klar sein, dass heute die Stunde null ist,

denn niemand wei�, wie radikal die Ver�nderungen

des kommenden Jahrhunderts noch sein werden,

aber eines wei� ich sicher:

Mit den alten Mitteln l�sst sich diese Zukunft nicht gestalten.

Deshalb ist der von mir konzipierte Vorkurs obligatorisch.

Auch f�r die �lteren Semester gilt dieses Probehalbjahr.

(Gross) Das hat man schon gemunkelt! Mein Name ist Hans Gross.

Ich studiere seit vier Jahren hier an der Akademie

und ich bin ein Meister meines Fachs,

ob Sie das nun best�tigen wollen oder nicht.

- Wir werden sehen, wer zu Recht Lehrling, Geselle

oder Jungmeister ist.

Im Augenblick sind diese Begriffe reine Spielerei.

- Spielerei? Und Sie nennen sich Meister!

- Das ist nicht als Affront gegen die �lteren Semester gedacht,

sondern als eine Chance zur Befreiung aus Ihrer trockenen braven Akademie.

* Proteste *

(Herfurth) Das ist eine Kriegserkl�rung!

Du wirst auf keinen Fall einen Vorkurs bei diesem Heinrich belegen.

Ich muss ein ernstes Wort mit denen reden.

* Lautstarke Proteste *

Herr Direktor Gropius.

Baronesse von Freytag-Loringhoven.

Herr Itten. Welch eine Ansprache!

Bin sehr erfreut, Ihnen Dr. Emil Herfurth vorstellen zu k�nnen.

Er ist Gymnasiallehrer und hat viel Erfahrung

mit der Ausbildung junger Menschen.

Die Sie, wie ich h�re, in den B�rgerausschuss einbringen,

der sich schneller gegen das Bauhaus formiert hat,

als wir unsere Arbeit aufnehmen k�nnen.

(Herfurth) Nicht gegen etwas, sondern f�r die ehrw�rdige Tradition

der klassischen Weimarer Kunst.

Sie, mein lieber Gropius, wollen Dinge niederrennen,

an denen unsereins von fr�her h�ngt.

Was ja sehr belebend sein kann.

Wer wird denn sogleich in einen Disput verfallen?

Als ehemalige Studentin der Schule und �berzeugter Impressionistin,

ist mir einfach nur an einem guten und sch�pferischen Geist gelegen.

Da sind wir einer Meinung. Nur wie sieht der aus?

Das lehrt uns alles die Antike. Man muss nichts Neues erfinden.

Und das sehe ich anders. Sicher.

Aber bedenken Sie, dient das Geistige dem Staat, so wird es gef�rdert.

Dient es ihm nicht, wird es unterdr�ckt.

Nur die Parasiten der Kunst wurden auch immer zu Parasiten des Staates.

Wen nennen Sie einen Parasiten? Ach bitte, bitte!

Die Leutchen sind im Kleinen wie Deutschland im Gro�en,

immer gleich aus dem H�uschen.

Die Leutchen, Herr Direktor? Kommen Sie, wir gehen.

Die Leutchen?

Parasiten war wesentlich taktvoller.

Hier sind einige Werkst�tten.

Und das ist das Prellerhaus.

Hier ist dein Bett ...

und hier ist dein Schreibtisch.

* Jubel *

D�rte!

Ich will dem Ungarn Weimar zeigen. Kommt ihr mit?

Oh ja, unbedingt. Alles erkunden.

Entschuldigung. Guten Tag. Ich m�chte nicht st�ren.

D�rte, w�rdest du mich bitte zum Bahnhof begleiten?

Ja, nat�rlich. Dann komme ich sp�ter nach.

Du darfst es nicht vergessen, wir m�ssen damit fertig werden.

Das sind Zeichnungen f�r ein M�rchenbuch,

an dem meine Tochter mit mir arbeitet.

Das sind Illustrationen von Geschichten,

die ich ihr fr�her immer erz�hlt habe.

Wir haben schon einen Verleger daf�r gefunden.

Es freut mich, Ihre Bekanntschaft zu machen, Herr Doktor Helm.

Mein Name ist Johannes Ilmari Auerbach. D�rte und ich sind

seit einiger Zeit... Kommilitonen.

(Kutscher) Dr. Herfurth?

Ich hole Sie dann sp�ter wieder ab.

(Sekret�rin) Herr Minister? (Greil) Ja.

- Dr. Herfurth f�r Sie.

- Ja, gleich. Dann w�rde ich vorschlagen,

dass wir uns n�chste Woche ...

Ich rufe gleich zur�ck, ja? Danke.

Herr Dr. Herfurth.

- Herr Volksbildungsminister. Guten Abend.

- Wie geht es Ihnen?

- Ich bin besorgt nach der Er�ffnungsrede des Herrn Gropius.

- Oh. Hat Sie Ihnen missfallen?

- Mein B�rgerausschuss wird nicht tatenlos zusehen,

wie diese Radikalen sich hier einnisten.

- Was Sie als radikal zu diffamieren versuchen,

das halte ich f�r die hoffnungsvolle Zukunft.

- Zukunft?

Die Zukunft wird doch wohl wie immer aus einem Kompromiss geboren.

Glauben Sie nicht auch?

- Wie meinen Sie das?

- Ich wei�, dass Sie die Trennung von Schule und Kirche planen.

- Ja. - Das ist doch Ihr gro�es Projekt.

- Schule und Kirche geh�ren getrennt. Allerdings, ja.

- Wenn Sie f�r Ihre Schulreform Unterst�tzung

im konservativen Lager suchen, kann ich behilflich sein.

- Und wollen daf�r was?

- Ich bitte Sie nur, sich gerecht zu verhalten.

Ein Student wie Hans Gross muss doch die M�glichkeit haben,

bei seinen alten Meistern sein Studium zu beenden.

Glauben Sie nicht auch?

- Hm.

�berlegen Sie es sich.

Wenn das Anliegen des Hans Gross entschieden wird,

brauche ich nur Ihre Neutralit�t.

Herr Minister.

Runter, runter. Hast du's geschluckt?

* Sie lachen. *

Das ist Alma Mahler.

Wer ist das?

Gropius' Ehefrau. Gustav Mahlers Witwe.

Interessant.

Sie ist sehr selbstbewusst.

Aha ... Promisk soll sie sein.

Bitte?

Wenn M�nner viele Frauen haben, sind's Kavaliere.

Bei Frauen zerrei�t man sich das Maul.

Oh, Gunta. Ja.

Herr Direktor Gropius, Meister Itten, Verzeihung.

D�rfen wir uns kurz vorstellen? Wir sind Ihre Studenten.

Mein Name ist Johannes Ilmeri Auerbach, das ist Gunta ...

St�lzl. Freut mich.

Und Marcel Breuer aus P�cs. Freut mich.

D�rte Helm. Ach, Sie sind Fr�ulein Helm?

Ihr Vater hat sich uns bereits vorgestellt.

Der Altphilologe von der Universit�t Rostock.

Ja, der war nicht ganz gl�cklich �ber meinen Vorkurs.

Nein ... Das war er nicht. Was sagen Sie denn dazu?

Ich kann noch nichts dazu sagen.

Das wird sich sehr bald �ndern.

Gut, wir wollen nicht weiter st�ren. Einen sch�nen Abend noch.

Sch�nen Abend.

S��.

- Mich m�sst ihr jetzt bitte entschuldigen.

- Ah, kommt nicht in Frage, Johannes. Ich reise morgen nach Wien. Nein.

- Bei deinem n�chsten Besuch habe ich mehr Zeit f�r dich.

- Nein. Ach kommt. Nein.

Wenn ich schon mal da bin, in dieser erzkonservativen Piefke-Stadt.

Johannes, du Schweizer Langweiler, nein, bitte, bitte.

- Bis morgen. Bis morgen, Johannes.

- W�nsche viel Vergn�gen.

Und? Kommt ihr miteinander aus?

Abwarten. Er ist ehrgeizig.

Warum f�hrst du nicht mit uns nach Wien? - Lass das!

Fehlst mir.

* Blasmusik *

Was machen die? Hoffest!

Aber man darf nicht feiern im Hof, das ist nicht erlaubt.

Kleines Hoffest?

* Feierliche Musik *

* Jubel und Applaus *

* Feierliche Tanzmusik *

Du bist so sch�n, D�rte. Wundersch�n.

Du bist so wundersch�n.

Oh Gott, du bist so sch�n.

(Polizist) Jetzt ist hier Schluss! Alle sofort vom Hof!

(Greil) Morgen Herr Gropius.

Ach, Herr Minister. W�rden Sie mal eben?

Ja, nat�rlich.

Das geht zur�ck an van der Velde.

Und wenn Sie so freundlich w�ren kurz mit dem anderen ...

Sie gehen dann auf die andere Seite.

So.

Was f�hrt Sie denn zu mir?

Die kleine Geschichte mit dem Wachtmeister? Ich hoffe nicht.

Es hei�t, der Fl�gel stand in Flammen.

Oh, ein Inferno.

Ach nein, ein Bein war hin,

aber die Ungarn haben das schnell wieder repariert.

Ah, ist es jetzt schon eine Aff�re?

Die B�rgerversammlung wird eine daraus machen.

Gut, ich h�re auf Ihren Rat, Herr Minister. Was kann ich tun?

Sorgen Sie f�r Ruhe.

Lassen Sie die alten Studenten mit den alten Meistern fertig studieren

und spalten Sie die Akademie. Spalten?

Und den Etat auch? Wir haben doch ohnehin kein Geld.

Nein, nein, nein auf keinen Fall. Ich brauche alle Ressourcen.

Ich zeige Ihnen mal, was ich vorhabe. Kommen Sie.

Ab jetzt gibt es kein Z�gern mehr und kein Hadern. Keine Kompromisse.

Sie kennen das Grundst�ck am Horn?

Ja. Ich meine.

Wir bauen eine ganz neue Schule. Eine Bauhaus-Siedlung. Sehen Sie?

Aha.

(Itten) Morgen.

(Studenten) Morgen. - Morgen.

Willkommen zu meinem Vorkurs. Bitte.

Herr Gross, wie sch�n, dass auch Sie hier sind.

- Neugier ist eine k�nstlerische Tugend.

Die Frage ist, ob ich wiederkomme.

- Das ist Ihre Entscheidung.

Haben alle Papier?

Nein, Herr Meister.

Herr Itten oder Meister Itten. Nicht Herr Meister bitte, das ist kindisch.

Danke.

Wer Papier hat, teilt bitte mit den anderen.

- Nein.

- Wie?

- Ich spare mir das Material vom Mund ab, da werde ich jetzt nicht teilen.

- Wir sind nur in der Gemeinschaft stark, merken Sie sich das bitte.

F�rs Erste k�nnen wir auch darauf �ben. Bitte.

(Model) Gut so, Meister?

- Nein.

Kommen Sie runter.

Ich m�chte, dass Sie rennen.

Rennen Sie. Bewegen Sie sich. Kommen Sie, kommen Sie.

Bewegen Sie sich. Na los. Bewegen Sie sich!

Seien Sie frei, seien Sie wild! Na hopp.

* Gel�chter *

Sehr gut. Und die anderen zeichnen sie.

Fangen Sie sie ein. Die Fl�chtigkeit des Augenblicks.

Na los!

* Klassische Musik *

Ja, probieren Sie's.

Probieren Sie's. Gucken Sie genau hin.

(Gross, leise) Das ist doch vollkommen idiotisch.

* Stimmengewirr und Gel�chter *

Zeichnen Sie, zeichnen Sie.

Los, wieder zur�ck!

Kein Papier, Sie haben gar kein Papier zum Zeichnen da.

(Feininger) Und ich keine Farbe in der Druckerei.

(Marcks) Ja gut, aber ohne Speckstein geht es nicht.

(Greil) Der Krieg hat das Land ausgezehrt.

Die Reparationen sind erdr�ckend. Das muss ich Ihnen doch nicht erkl�ren.

Sie haben einen Etat, und mit dem werden Sie auskommen m�ssen.

Und Sie wollen 'ne ganze Siedlung bauen.

Dieses Land braucht eine Vision, Herr Minister,

und daf�r treten wir hier an. Ja.

Ich bitte darum. Mit Ihrem Etat.

Meine Herren, Meister Itten.

- Was f�r eine Siedlung?

Ein anderes Mal, Lyonel.

Und jetzt?

Wir improvisieren.

* Beschwingte Musik *

(Gross) Gropius und Itten haben die Studenten M�ll sammeln geschickt,

damit sie Material f�r ihre Arbeiten haben.

Das ist erb�rmlich!

Es ist keine Kunstakademie mehr, das ist ein wilder Kinderhort.

- Wissen Sie,

ich hatte mit dem Minister vereinbart,

dass Sie bei den alten Meistern zu Ende studieren k�nnen.

Verstehen Sie, eine Spaltung der Akademie? Sozusagen zwei Akademien.

Aber Gropius hat es durchschaut und abgelehnt.

- Was genau hat er durchschaut?

(Baronesse) Geteilte Schule, halber Etat.

Man m�sste Gropius zwingen.

- Tja, aber wie?

- Ich h�tte da eine Idee, die Frage ist nur, wie weit Sie,

Herr Gross, bereit w�ren zu gehen.

W�ren Sie bereit, das in der B�rgerversammlung vorzutragen?

Meister Feininger? Es klappt!

Ja, sehr gut. Sehr gut.

Also haben wir Farbe.

So, zur Inspiration zeige ich Ihnen jetzt ein paar meiner Arbeiten.

Folgen Sie aber nur Ihren eigenen Ideen.

(Studentin) Meister?

(Feininger) Jetzt etwas Grunds�tzliches

zur Technik des Holzschnitts.

(Sekret�rin) Buchhalter Kurz ist jetzt da. - Ja.

Kommen Sie?

(Kurz) Danke.

Herr Direktor wollte mich sprechen?

Ach ja, Kurz, schauen Sie.

Das ...

ist der Besteckkasten meiner Gro�mutter

und ich werd' den auf jeden Fall wieder abholen.

Sagen Sie das dem Pfandleiher?

Und was sollen wir denn als erstes anschaffen?

Fragen Sie die Meister.

Ach, und Kurz,

ich br�uchte jetzt nat�rlich ein wenig Besteck aus der Mensa.

Versuchen Sie's.

Sie sollen einen Kreis zeichnen und kein Ei.

Das ist kein Ei, das ist eine Kartoffel.

Aha.

Sie halten sich f�r ein schlaues Etwas, ein kesses Ding.

Ich will Ihnen mal was sagen, Ihnen allen.

Aufh�ren.

Ich habe diesen Vorkurs konzipiert,

damit die Spreu vom Weizen getrennt wird.

Und deshalb w�rde ich Ihnen raten, an Ihrer Kartoffel zu arbeiten.

Weitermachen.

Ich nenne es die heilige Familie.

Es ist ... �h ...

das ist ...

Gef�llt es Ihnen nicht?

Doch. Doch, doch. Es ist perfekt.

Ich finde es wundersch�n.

Es ist mir ein bisschen unangenehm zu sagen,

aber es sieht aus wie von mir.

Ja?

Ich m�chte genau so gut sein wie Sie, Meister Feininger.

Ja. Sehr sch�n.

Was liest 'n da?

Die Reformehe.

Johannes redet st�ndig vom Heiraten.

Aber?

Darf ich dich mal was fragen?

Mhm.

Also wenn der Johannes und ich zusammen sind ...

also so zusammen sind ...

Dann ...

guckt er mich so an.

So irre und sagt so Sachen,

und dann macht er sich's selber ...

Ist das so?

* Sie schmunzelt. *

Nein.

Woher hast du das Muster?

Einfach so drauflos gewebt.

Es wird ein Schal.

Gef�llt er dir?

Ist sch�n.

Kannst du Handwerken? Weben und stricken?

Sehr gut sogar,

an meiner M�dchenschule durfte man blo� keine Fehler machen.

Riechen Sie das?

Die stundenlange Sonne, die n�tig war, bis diese Frucht reifte?

Sp�ren Sie diese pockige Haut, diese raue Oberfl�che?

Schmecken Sie den sauren Saft im Fruchtfleisch?

K�nnen Sie sich das alles vorstellen? Ja? Nein? Doch.

Ja, Meister Itten.

Warum malen Sie dann nichts davon?

Nur reproduzieren, das k�nnen Sie, Fr�ulein Helm.

Wie ein dressiertes �ffchen.

Dieses kleine �ffchen hat auch

formidabel den Meister Feininger kopiert.

Sie sollen das Wesen einer Sache erfassen.

Nicht die uninteressante Reflexion des Sonnenlichts.

* Traurige Kl�nge *

Ich geh da nicht hin.

Beim Itten ist ein Fest, das ist doch gut.

(Breuer) Ein Fest ist immer gut.

Komm schon. Alle gehen zum Fest.

B�h. Das ist doch keine Suppe.

Das ist einfach nur hei�es Wasser mit Fett.

* Beschwingte Musik *

Sto�en wir an?

Gerne. Worauf trinken wir?

Auf den Anfang. Der w�re gemacht.

Auf den Anfang.

Ihr Vater hat mir einen b�sen Brief geschrieben.

Ittens Kurs �rgert ihn wohl.

Er schreibt, Sie sollen jetzt sofort abschlie�en,

um Kinderbuchillustratorin zu werden. Ist das auch Ihr Wunsch?

Ja.

Ist es schlimm?

Darf ich ehrlich sein? Unbedingt.

Er ist mir etwas unheimlich.

Ja. Das verstehe ich.

Niemand tanzt.

Keiner traut sich.

W�rden Sie sich trauen? Mit mir? Theoretisch?

Theoretisch. Aber die Leute w�rden reden.

Ja, da haben Sie recht. Die Leute reden ja gerne.

Er�ffnen wir den Tanz.

* Leute klatschen im Rhythmus der Musik. *

* Sie jubelt. *

Genug. Genug.

Sie k�nnen sich das Gesicht des Funkers nicht vorstellen,

wir waren mitten in einem Angriff der Franzosen und

unter Artilleriebeschuss, und ich gab ihm diese Depesche,

in der ich mich um die Leitung der Schule bewarb.

Das klingt grotesk, aber ich dachte, ich w�rde sterben.

Und auf einmal wurde mir klar, dass alles,

was ich bis dahin getan hatte, vollkommen bedeutungslos war.

Ich hatte der Welt nichts Pers�nliches hinzugef�gt.

Wenn Sie w�ssten,

dass Sie morgen sterben, w�rden Sie dann heute Abend noch

Illustrationen f�r Kinderb�cher zeichnen?

Ich verrate Ihnen was. Ich kann gar nicht zeichnen.

Nicht einen Strich.

Ist nicht Ihr ernst!

Doch. Aber verraten Sie es niemandem.

Ich denke, ich gehe jetzt besser ins Bett.

Gute Nacht. Ach.

Eine Sache noch zu Meister Itten: Zeigen Sie es ihm.

Na, sch�n getanzt?

Zerrei�en sich alle das Maul?

Nat�rlich.

Sollen sie doch.

Eben.

* Jubel *

* Rhythmische Melodie und Jubel *

Untertitel: OMNIMAGO GmbH 2019

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