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Untertitel: Norddeutscher Rundfunk 2019
âȘ Bedrohliche Musik âȘ
Die "St. Louis."
Viele Jahre lang fuhr ich mit ihr unter der Flagge der Hapag
ĂŒber die Weltmeere.
Die Order meiner Reederei war fĂŒr mich immer oberstes Gebot,
bis ich selbst entscheiden musste.
Ich will die Schicksalsfahrt im Mai 1939,
so sehr sie mich erschĂŒtterte, nicht missen.
Es war eine Aufgabe,
die mehr Spuren in mir hinterlieĂ als ein Taifun in der SĂŒdsee.
âȘ Bedrohliche Musik âȘ
* Meeresrauschen *
* TĂŒr wird entriegelt *
* TĂŒr wird entriegelt *
Guck mal.
Der ist von Leo, ein Zauberstein.
Adam Mandel ist frei.
Er muss Deutschland fĂŒr immer verlassen.
Wir lassen uns nicht vertreiben.
Ich hab nichts verbrochen, die mĂŒssen mich freilassen.
All unsere Nachbarn sind weg, Walter, alle.
Ich hab dir eine Karte besorgt fĂŒr ein Schiff nach Kuba.
Was sollen wir in Kuba?
Warten, bis wir in die USA können.
Was ist mit der Praxis und dem Haus? Es gibt kein Haus mehr.
Ich hatte keine Wahl. Bist du wahnsinnig?
(Wache) Genug jetzt.
Sag ihnen, dass du Deutschland verlÀsst.
Was ist mit dir und Leo? - (Wache) Genug jetzt!
Wir kommen nach.
âȘ Melancholische Klaviermusik âȘ
Wir kommen nach.
Die Flucht aus Deutschland wird fĂŒr Juden immer schwieriger.
Viele jĂŒdische Familien trennen sich fĂŒr ihre Freiheit.
Sie hoffen auf ein Wiedersehen im Ausland.
FĂŒr den 13. Mai 1939
setzt die Hapag fĂŒr die "St. Louis" eine Extrafahrt an.
Unter meinem Kommando soll es nach Kuba gehen.
An Bord:
Ăber 900 Juden auf der Flucht.
(Mann) So, NĂ€chster. Koffer und Ausweis!
(Walter ist frei.
Er erwartet uns in Havanna.
Ich habe alles verkauft: die Möbel, das Porzellan.
500 Reichsmark kostete die Karte fĂŒr das Schiff,
150 Dollar das Visum nach Kuba.)
(Mann) Was haben wir hier?
(Es bleibt ein bisschen Geld,
aber jeder Passagier darf nur 10 Mark ausfĂŒhren.
Was macht man mit 10 Mark?)
Wo bringen Sie mich hin? - Mitkommen! - Ich muss auf das Schiff!
(Mann) Der NĂ€chste, Koffer und Ausweis!
Ausweis.
âȘ Spannungsvolle Musik âȘ
Danke.
Na, geh, komm.
Halt, Sie da!
Mitkommen.
Ich wurde gerade kontrolliert. Kommen Sie mit.
Geh du schon mal vor, Leo.
Schneller.
Leibesvisitation.
Bitte ausziehen.
âȘ Bedrohliche KlĂ€nge âȘ
(Angst?
Immer, ĂŒberall.
Schon lang.
Am schlimmsten ist, dass man nicht weiĂ, was als NĂ€chstes kommt.
Diese Unsicherheit macht einen kaputt.
Aber ich muss stark sein, ich hab ein Kind.)
âȘ Bedrohliche KlĂ€nge âȘ
Leute fragen mich oft: Warum habt ihr so lange gewartet?
Erstens haben die Mittel ...
In der mittleren Klasse hat man nicht genug Geld gehabt,
um frĂŒh auszuwandern.
Leute, die reich waren, sind am Anfang ausgewandert,
denn dann konnte man noch das Geld rausnehmen.
Aber spÀter konnte man nicht das Geld rausnehmen.
Und viele Leute haben gedacht, das kann nicht dauern, nicht?
In einer gebildeten Nation,
wie kann das dauern, so eine Dummheit?
Da hat man zu lange gewartet.
Dann waren die Grenzen geschlossen ...
Es war nicht mehr so leicht, auszuwandern.
* Schiffshorn *
âȘ Blaskapelle: "Muss i denn zum StĂ€dtele hinaus" âȘ
* Jubeln *
(Wir legen pĂŒnktlich ab.
Es lÀuft alles nach Plan.
Unsere Fahrt nach Havanna, Kuba, wird wohl zehn Tage dauern.
Sonst befördere ich Deutsche mit Parteiabzeichen.
Diese Fahrt ist anders,
was zu Irritationen bei der Mannschaft fĂŒhrt.)
Matrose, alles verladen unten? - Mensch, war ich besoffen!
Achtung.
Meine Herren.
Betrachten Sie diese Sonderfahrt als eine normale Atlantik-Passage.
An Bord gelten die Regeln der Hapag. Wie immer.
Ich werde mich daran halten, dasselbe erwarte ich von Ihnen.
Die Passagiere haben bezahlt.
Ihnen steht tadellose Behandlung zu.
Herr KapitĂ€n, das ist durch die NĂŒrnberger Rassengesetze unmöglich.
Ausnahmslos alle Passagiere wollen das Reich verlassen.
Sie gelten mit Betreten des Schiffes als AuslÀnder,
auf die diese Gesetze nicht anwendbar sind.
Ostermeyer, Sie ĂŒbernehmen die Kommunikation mit den Passagieren.
Sonst noch Fragen?
Vielen Dank.
SchlÀfst du da, Leo?
Ja.
Nur noch ein paarmal schlafen, dann sind wir bei Papa.
Was ist denn? Warum guckst du so?
Was hast du da gemacht, Mama?
Die haben mir ein paar Fragen gestellt.
Wollten wissen, wie ich heiĂe und musste meinen Pass noch mal zeigen.
Warum bist du dann traurig?
Ich bin nicht traurig.
Wollen wir uns das Schiff angucken?
Komm.
âȘ Langsame Klaviermusik âȘ
(FĂŒr Leo ist die "St. Louis" ein Abenteuerspielplatz.
Schwimmen, Kino, Spiele.
Innerhalb von fĂŒnf Minuten hat er neue Freunde gefunden.
Die Weite des Ozeans beruhigt.
Fast jeder, dem man in die Augen schaut, wirkt gelöst.
Endlich raus aus Deutschland.
Der Druck der letzten Tage, alles fÀllt ab.
Trotzdem ist es ein Abschied.
Wer weiĂ, wann ich meine Freunde wiedersehe?)
Mein Vater hat angefangen zu weinen.
Meine Mutter hat ihm gesagt:
"Warum weinst du?
Wir fahren von Deutschland weg, und wir fahren nach Kuba.
Warum weinst du?"
Und er hat gesagt:
"Ja, du hast ... NatĂŒrlich, du hast recht.
Aber ich weine, weil viele von unsere Verwandte ...
... sind noch in Europa.
Wer weiĂ, wann wir sie wiedersehen werden."
Er hatte recht,
weil wir haben sie nie wiedergesehen.
Sie waren in Polen, und sie sind alle ermordet worden.
Darf ich? NatĂŒrlich.
Max, du bist ja ganz blass! - Guten Tag. Frei?
Bitte, nehmen Sie Platz! - Danke.
Entschuldigung. - Wohin denn so schnell?
Es gibt gleich noch Bockbier und Tanz!
Das nenn ich die Freuden der Hochseeschifffahrt.
Ich bin froh, wenn ich wieder festen Boden unter den FĂŒĂen habe.
Ich habe ein Medikament, wollen Sie das?
Danke, nein. Sicher? Sicher.
Wie lange ist Ihr Mann schon in Havanna?
Seit vier Monaten.
Wir haben auf dem ersten Schiff nur einen Platz bekommen.
Ich hab erst einen Brief bekommen.
Er schreibt bestimmt öfters.
Er ist Arzt.
Max war als Anwalt bekannt. Ah, ja.
Das wird so schnell nicht wieder. Da muss man reden können.
Ich pauke wie ein PennÀler Spanisch. Es ist nie zu spÀt.
Ja.
Oh, danke.
* Klirren *
Entschuldigung.
Das war ungeschickt. Das tut mir leid.
Lassen Sie, ich mach das.
Alles zu Ihrer Zufriedenheit? Ja.
Danke.
Danke schön.
âȘ Beschwingte Streichmusik âȘ
Ja!
Prost.
(Es fĂŒhlt sich unwirklich an nach allem, was passiert ist.
Zu Hause durften wir nach 20 Uhr nicht auf die StraĂe,
und jetzt gibt es TanzsÀle und Bars.
Wer kann, der lacht und versucht zu vergessen.
Diese bezaubernde Elise versucht,
ihren seekranken Mann zum Reden zu bringen.
Einen Anwalt, Dr. Joseph.
Ein miserabler Entertainer.
Aber er schafft es, dass alle lachen.
Einen Metzgermeister gibt es, Pollock.
Mit seinem Vater trÀumt er von einer koscheren Metzgerei unter Palmen.
Ich vermisse Walter.)
âȘ Streichmusik âȘ
(Ein Telegramm der Hapag.
Auf Kuba könnte es Schwierigkeiten geben
mit den Einreise-Permits der Passagiere.
Die Lage verschĂ€rft sich durch zwei FlĂŒchtlingsschiffe,
die nach Kuba fahren: die "Orduna" und die "Flandre".
Laufen sie vor uns in Havanna ein, befĂŒrchtet Hapag,
dass meine Passagiere nicht einreisen dĂŒrfen.
Der Funker kann eine Positionsmeldung auffangen.
Bei der Ausfahrt hatte die "St. Louis" 38 Stunden Vorsprung,
jetzt sind es nur noch zwölf.
Nur noch 24 auf die "Flandre".
Beschleunigte Fahrt, KursÀnderung. Wir fahren nördlich der Azoren.
Das verkĂŒrzt die Route um 75 Seemeilen, also fĂŒnf Stunden.
So Gott will, werden wir das Rennen fĂŒr uns entscheiden.)
El es abogado ...
Ella es abogada.
Hallo.
Hallo.
Darf ich?
Ja, bitte.
Wir haben nicht so ...
So daran gedacht, was wir in Kuba machen werden.
Ich hab versucht, ein paar Worte Spanisch zu lernen,
aber nicht genug, um mich zu unterhalten können.
Aber ich glaube in dem Alter, in dem wir waren,
es war alles auch ein bisschen Abenteuer.
Wir konnten schwimmen gehen, ins Kino gehen, Tennis spielen.
Es war, wie auf Ferien zu sein.
Geht nÀher zusammen. Gisela?
Okay.
Mein Vater war nicht sehr freundlich.
Das Gesicht war ernst sozusagen.
Der wusste, was los ist in Deutschland.
Er war im KZ gewesen sechs, sieben Monate.
FĂŒr meine Eltern war es sehr, sehr schwer.
MĂŒssen sich vorstellen,
Sie kommen in ein fremdes Land, sprechen nicht die Sprache.
Alle waren in derselben Situation.
Nehmen Sie sich in die Arme.
* Kameraauslöser *
âȘ Zartes Klavierspiel âȘ
Mama!
Guck mal!
Da!
Land in Sicht.
âȘ Hoffnungsvolle Musik âȘ
Huhu!
Wir kommen!
* Schiffshorn *
(Der Vorsprung auf die "Orduna" betrÀgt sieben Stunden.
Der auf die "Flandre" sogar 24.
Wir haben die Wettfahrt fĂŒr uns entschieden.)
âȘ Ruhige Klaviermusik âȘ
âȘ Ruhige Klaviermusik âȘ
Noch jemand Einreisekarten?
Noch jemand Einreisekarten?
So ein anderes Licht hier.
Ja!
Elise ...
Wo sind unsere PĂ€sse?
Hier.
Kleiner Witz gefÀllig?
Ein Exil-Jude in New York hat ein Hitlerbild im Zimmer hÀngen.
"Bist du meschugge?", sagt sein Freund.
"Nein. Das ist mein Mittel gegen Heimweh!"
(Kubanischer Offizier) Atencion!
(Spanisch)
(Spanisch) ... no, no, no no!
Was ist da vorne los?
Was ist da los?
Keine Ahnung.
Die Kontrolle, die brechen alles ab.
Ich versteh das nicht.
(Kubanischer Offizier auf Spanisch)
Warum geht's nicht weiter? - Keine Ahnung, was da los ist.
Vamos, por favor.
(Spanisch)
* Klopfen *
Ja?
Senor, buenos dias.
Buenos dias.
Die kubanischen Behörden ...
Was denn?
Die kubanische Regierung ...
Die Einreise-Permits der Passagiere sind fĂŒr ungĂŒltig erklĂ€rt worden.
Aha.
* TĂŒr schlieĂt *
(Als wir nach Kuba einliefen, haben wir uns gewundert.
Warum machen wir so weit drauĂen im Hafen fest?
Manche sagten,
der Hafen sei nicht tief genug fĂŒr so ein groĂes Schiff.
Das erste spanische Wort, was wir lernen, ist "manana":
"Morgen".
Aber morgen kommt nicht.)
(Es kommen Barkassen auf das Schiff zu, besetzt mit Leuten,
die Angehörige und Freunde begrĂŒĂen wollen.
Sie dĂŒrfen nicht anlegen.
Der kubanische PrÀsident Bru
hat persönlich die Abfertigung der "St. Louis" untersagt.)
* Stimmengewirr *
Martha!
Martha!
Walter!
Da ist Papa!
Leo, mein Junge!
Papa! Papa! Hier!
Die Murmel!
Sie hat funktioniert!
Wie geht's euch?
Gut! Gut!
Wie geht's dir?
Gut.
Ich bin ... Ich bin so froh, euch zu sehen!
DĂŒrfen wir nicht zum Papa?
Doch.
Die lassen uns nicht vom Schiff. WeiĂt du, was los ist?
Nein, ich weiĂ auch nichts.
Haltet durch!
Alles wird gut!
Alles wird gut.
âȘ Langsame Streichmusik âȘ
(Ich kann nicht verhindern,
dass kubanische Zeitungen die Passagiere erreichen.
Sie schreiben ĂŒber die "St. Louis" und berichten,
dass Kuba die Visa aus Hamburg nicht mehr anerkennt.
Die Wirkung auf die Passagiere ist verheerend.)
Es gibt nichts Neues.
Beachten Sie die AushÀnge.
Falls wir was erfahren, steht es da. Bitte.
Herr KapitÀn?
Verzeihung, ich werde auf der BrĂŒcke gebraucht.
Stimmt es, was in der Zeitung steht?
Was steht in der Zeitung?
Laut dem Artikel lÀsst uns der PrÀsident nicht ins Land.
Das ist nicht möglich.
Wir haben gĂŒltige Visa und dafĂŒr bezahlt.
Geld einstreichen und dann dĂŒrfen wir nicht an Land.
Sagen Sie uns, was Sache ist! Beruhigen Sie sich.
Die können uns doch nicht hier gefangen halten.
Die Hapag ist im Besitz einer Zusicherung,
dass die "St. Louis" in Havanna einlaufen darf.
Und dass die Passagiere eine Einreisegenehmigung erhalten.
Wann denn?
Wir warten auf die Ausschiffungsgenehmigung.
Das ist der ĂŒbliche Weg.
Sobald es Klarheit gibt, lasse ich es Sie wissen.
Wie lange kann das dauern? - Wir werden hier festgehalten.
Kann doch nicht wahr sein, dass wir hier ...
âȘ Bedrohliche KlĂ€nge âȘ
Wenn wir zurĂŒckfahren, bekommen diese Parasiten,
was sie verdient haben. Ja.
Die Menschen waren verzweifelt,
denn sie wussten, man wĂŒrde sie umbringen.
HĂ€tten sie uns nach Hamburg gebracht oder nach Bremerhaven:
wir wÀren von Bord gegangen, und es wÀre unser Ende gewesen.
Am schlimmsten war es fĂŒr die, die aus dem Lager gelassen wurden.
Die hatten groĂe Angst, weil sie unterschrieben hatten,
dass sie nie zurĂŒckkommen werden.
(Ein Sumpf aus Korruption breitet sich vor uns aus.
PrÀsident Brus Tourismusminister hat meinen Passagieren in Hamburg
jedes einzelne Visum fĂŒr 150 Dollar verkauft.
Das Geld steckte er in die eigene Tasche.
Da Bru selbst nicht profitierte,
stempelt er das GeschÀft per Dekret als illegal ab.
Und erklĂ€rt die Einreise-Permits meiner Passagiere fĂŒr ungĂŒltig.)
Wie soll ich die Leute lÀnger hinhalten?
Die bestĂŒrmen mich mit Fragen, die Stimmung kippt.
Sie sollten eine Ansprache halten.
Was soll ich den Menschen sagen?
"PrÀsident Bru hat bekrÀftigt, keine Juden an Land zu lassen"?
Die jĂŒdischen FlĂŒchtlingsorganisationen
sollen sich darum kĂŒmmern!
Bru will, dass wir die kubanischen GewÀsser verlassen.
Die Passagiere ...
Ich hab 900 Passagiere an Bord.
Ich muss leer nach New York,
um die Karibik-Kreuzfahrt aufzunehmen.
Und der Hapag-ReprÀsentant in Havanna? Hoffmann.
Er hat mit dem Polizeichef und der Einwanderungsbehörde geredet.
Und? Ohne Ergebnis.
Viel lÀnger kann ich die Sicherheit nicht aufrecht erhalten.
Und wenn ich ...
Wenn ich selbst versuche, mit Bru zu sprechen?
Es ist so heiĂ.
Ja.
Danke schön.
Joint, das jĂŒdisches Hilfskomitee, ...
... verhandelt jetzt mit der Hapag und den kubanischen Behörden.
Wir sind eine Prestigefrage einzelner Minister geworden.
Das ist absurd. Ja.
Joint soll eine Kaution fĂŒr uns zahlen.
Lasst mich bitte durch. - Bist du Jude?
Ob du Jude bist, hab ich gefragt! - Ich bin doch nur ein ganz kleiner.
Die Juden mĂŒssen an Bord bleiben.
Bitte lass mich.
Bitte. - Morgen vielleicht.
Nein, jetzt!
Halt!
Haltet ihn!
Senor Capitan.
(Als KapitÀn braucht man Geduld.
Wind und Meer sind unbestechlich.
Ich verhandele mich durch die Vorzimmer Havannas.
Niemand will zustÀndig sein, aber auch niemand sagt Nein.
Ich versuche, ein positives Ergebnis zu erreichen.
Ich spreche ĂŒber die FlĂŒchtlinge, beschreibe ihre verzweifelte Lage.
MitgefĂŒhl scheint allen fremd zu sein.
Meine Drohung, die Reederei werde Kuba verklagen,
registriert man kĂŒhl.
Ich setze darauf,
dass mein Erscheinen Bru zu einer positiven Lösung bewegt.
Auch wenn er mich nicht vorlÀsst.
Am Ende des Tages ĂŒberreicht man mir ein neues Dekret.
Die "St. Louis" hat den Hafen von Havanna zu verlassen.
Wird dem nicht nachgekommen, erhÀlt die Kriegsflotte Befehl,
mein Schiff aus den HoheitsgewÀssern Kubas zu zwingen.
Wer illegal von Bord geht,
wird festgenommen und durch Gewalt auf das Schiff zurĂŒckgebracht.)
Senores.
Por favor.
âȘ Bedrohliche KlĂ€nge âȘ
âȘ Bedrohliche KlĂ€nge âȘ
Etwa 30 Passagiere haben versucht, die Gangway zu stĂŒrmen.
Die Kubaner haben auf sie eingedroschen.
Eine Frau ist gestĂŒrzt. und hatte eine Fehlgeburt.
Herrgott.
Der Gewaltausbruch hĂ€tte verhindert werden mĂŒssen.
Jede Provokation des MilitÀrs macht die Lage nur beschissener.
Wie konnte es dazu kommen?
Ein Beamter kam an Bord ... Was?
Ich habe zwei Familien gehen lassen, was hÀtte ich tun sollen?
Keinen Grund zum Aufstand liefern!
* Klopfen * Ja.
Warum durften zwei Familien an Land?
Wir können morgen darĂŒber reden.
Nein, nicht morgen.
Einreise-Permits aus Hamburg wurden fĂŒr ungĂŒltig erklĂ€rt.
Diese Familien waren im Besitz weiterhin gĂŒltiger Visa.
Jetzt aber.
Wissen Sie, wie viele Familien an Bord im KZ waren?
Nein. Trotzdem.
Das hilft auch nicht weiter.
Wir wissen nicht, was los ist.
Warum sagen Sie uns nichts? Weil ich es nicht weiĂ.
Das Joint-Komitee verhandelt, aber diese Verhandlungen sind zÀh.
* Klopfen * Herein!
Können Sie nicht den Druck erhöhen?
Dass wir an Land können.
Es tut mir leid, dass ich nichts erreicht habe,
aber wir mĂŒssen die Ruhe bewahren, wir sind auf die Kubaner angewiesen.
Der Anwalt der Hapag kommt morgen an Bord.
Vielleicht hat der 'ne Lösung.
(Die Meldung, dass das Schiff die kubanischen GewÀsser verlassen muss,
verbreitet sich wie ein Lauffeuer.
Die "St. Louis" wird zur Attraktion.
Schaulustige und Reporter aus aller Welt gieren nach Sensationen.
In Havanna haben Kubaner gegen FlĂŒchtlinge demonstriert.
Die Welt schaut betroffen zu.
Aber tatenlos.
âȘ Melancholische Musik âȘ
âȘ Melancholische Musik âȘ
âȘ Melancholische Musik âȘ
Frau Loewe?
(tonlos) Ja?
Ihr Mann lebt.
Sie haben ihn in ein Krankenhaus in Havanna gebracht.
In ein Krankenhaus? Ja.
Er wird's schaffen.
Ich muss zu ihm.
Das geht nicht.
Ich muss aber zu ihm.
Ich will zu meinem Mann.
Ich will von diesem verdammten Schiff!
âȘ Melancholische Musik âȘ
Die ganze Sicherheit ist weg.
Das ganze Leben ist so verÀndert, dass man kaum glauben kann,
nicht, dass ...
Ein Familienleben, ein sicheres Leben.
Ein Heim ...
Alles ist plötzlich verschwunden.
Es ist kaum zu glauben,
wie man sich damit abfindet, weil man weiĂ, man kann nix tun.
* TĂŒr schlieĂt *
(Meine Frau und ich haben ein Ritual.
Wenn ich auf Fahrt gehe, steht sie mit unserem Sohn
auf der Höhe von Klein-Flottbek am Ufer.
Ich kann Elsa und Rolf dann sehen und winke zum Abschied hinĂŒber.
Am Tag dieser Abfahrt war die Stimmung getrĂŒbt.
Die Hapag setzte diese Fahrt auĂer der Reihe auf den Fahrplan.
Ich erfuhr kurzfristig davon.
HĂ€tte ich gewusst, worauf ich mich einlasse,
ich hÀtte abgesagt.
Und mit meiner Frau unseren Hochzeitstag gefeiert.)
Nein!
Walter.
Walter.
Wie geht's euch?
Leo?
Er schlÀft.
Hör mir zu, hör mir zu, Martha.
Morgen frĂŒh komme ich mit einem Boot und hole euch.
Ich zeig dir, wo ihr euch verstecken könnt. Das geht nicht.
Das Schiff fÀhrt jeden Moment los. Du musst hier weg.
Ich lass euch nicht mehr alleine.
Dann bleib ich hier. Nein.
Ich bleibe hier.
(verschlafen) Papa.
Schlaf weiter.
Ich bleib jetzt bei euch.
Aber nur, wenn du niemandem davon erzÀhlst.
Ja?
Schlaf.
âȘ Streichmusik âȘ
* Lautes Klopfen *
Ăffnen Sie die TĂŒr.
Aufmachen!
Kommen Sie mit.
Bitte nicht.
Bitte. Kommen Sie.
Bitte nicht. Bitte.
Es ist gut.
Es reicht!
Bringen Sie den Kerl von Bord!
âȘ Traurige Musik âȘ
âȘ Traurige Musik âȘ
* Schiffshorn *
(Nach einer Woche des Wartens sind wir gezwungen,
den Hafen von Havanna zu verlassen.
Bei der Ausfahrt sÀumt eine riesige Menge von Menschen die Uferkais.
Sie winken und weinen.
Autos begleiten unsere Ausfahrt.
Ein Boot der Hafenpatrouille folgt uns.
Es soll sichergestellt werden,
dass die "St. Louis" den Hafen schnell verlÀsst.)
* Lautes Stampfen *
* Lautes Stampfen *
* Stampfen wird lauter *
* Lautes Stampfen *
(Die Menschen an Bord fĂŒhlen sich betrogen.
Sie fĂŒhlen sich um ihre Freiheit,
um alles, was man ihnen versprochen hat, betrogen.
Eine solchen Abfahrt habe ich noch nicht erlebt.)
* Stampfen wird schneller *
Alle Menschen, alle Leute am ganzen Schiff, waren sehr deprimiert.
Es war ...
Die konnten das nicht verstehen.
Sie wussten, was mit uns geschieht, wenn wir nach Deutschland kommen.
Jeder hat Angst gehabt,
dass wir nach Deutschland zurĂŒckkommen und wir wussten ...
Meine Eltern wussten, die anderen wussten:
Wenn wir nach Deutschland zurĂŒckkommen,
wĂŒrden wir in ein Lager geschickt.
Herr KapitÀn!
Entschuldigung?
Er hat eine Ăberdosis genommen.
Kommt er durch?
Bitte bleiben Sie zurĂŒck.
Herr Ostermeyer? - Ja? - Ein Telegramm.
Herr KapitÀn.
Wohin fahren wir?
Ich weiĂ es nicht.
âȘ Bedrohliche KlĂ€nge âȘ
KapitÀn?
Hier.
Ein Telegramm von Direktor Holthusen.
âȘ Bedrohliche KlĂ€nge âȘ
Lassen Sie die Passagiere zusammenrufen.
âȘ Bedrohliche KlĂ€nge âȘ
* Gemurmel *
Meine Herrschaften!
Ruhe jetzt! Ruhe!
Es gibt fĂŒr die "St. Louis" eine neue Order. Lauter!
Es gibt eine neue Order der Reederei.
Sie heiĂt "ZurĂŒck nach Deutschland".
* Menge stöhnt auf * Dreckskerl!
Das kann nicht sein! Wir haben alles aufgegeben.
Wir liegen nicht mehr auf Reede, aber die Verhandlungen gehen weiter.
Ich bin fest entschlossen ... Das ist eine LĂŒge!
Genau, das ist eine LĂŒge!
Warum haben wir den Hafen verlassen?
KapitÀn.
Wer verhandelt mit wem?
Wenn das so einfach wÀre, könnte ich Ihnen das sagen,
und die politischen Verwicklungen hÀtten sich aufgelöst.
Aber es ist nicht einfach.
Mein Mann stirbt allein in der fremden Stadt.
Das Wichtigste, was wir tun können, ist, dass Sie die Ruhe bewahren.
Darum möchte ich Sie bitten.
Wo fahren Sie mit uns hin? Was machen Sie jetzt?
Wo bringen Sie uns jetzt hin, verdammt?
Ich fahre 20 Jahre bei der Hapag.
Ich habe ihre Weisungen stets befolgt.
Aber solange verhandelt wird ...
Ich verspreche Ihnen:
Ich warte.
Gegen die Anweisung der Reederei.
Ich warte auĂerhalb der Dreimeilenzone,
so lange ich kann.
âȘ Unruhiges Piano-Spiel âȘ
(Ich bekomme die Nachricht:
Die Insel Pinos werde von den Behörden fĂŒr eine mögliche Landung
der Passagiere der "St. Louis" inspiziert.
Kurz darauf erweist sich die Meldung als falsch.
Hoffnung und EnttÀuschung.
Hoffnung und EnttÀuschung.)
Der Wasservorrat reicht zwölf Tage, die Verpflegung auch.
Uns lÀuft die Zeit davon.
Wir hĂ€tten Brennstoff aufnehmen mĂŒssen.
Nach Hamburg kommen wir noch.
Fast alle Passagiere haben ein Visum fĂŒr die USA.
Nur die sind noch nicht gĂŒltig wegen der jĂ€hrlichen Einwanderungsquote.
Warum sollte PrÀsident Roosevelt seine Tore nicht schon öffnen?
New York?
Ich kenne den Hafen gut. Eine illegale Landung?
Und wenn die Amerikaner schieĂen?
Das Schiff darf nicht beschÀdigt werden.
Wir mĂŒssen zurĂŒck nach Hamburg.
Wir nehmen Kurs auf Miami.
Die Reederei hat schnellstmögliche RĂŒckkehr befohlen.
Wer hat Sie mit der Schiffsleitung betraut?
Niemand, Herr KapitÀn.
Ich vertrete die Staats- und Parteiinteressen.
Ostermeyer, Kabel an die Hapag.
Zu HĂ€nden Herrn Direktor Holthusen.
Bleibe in Verbindung
mit jĂŒdischen Organisationen und amtlichen Stellen.
MS "St. Louis" wird mit allen Mitteln
eine Landung auĂerhalb Deutschlands zu erreichen suchen.
Gezeichnet: Gustav Schröder, KapitÀn.
Noch so ein Fehlverhalten, Hendrich,
und ich lasse Sie auf den Bahamas absetzen!
Jetzt verziehen Sie sich von meiner BrĂŒcke.
Herr KapitÀn.
(Wir nehmen Kurs auf Miami.
Die Stimmung ist angespannt.
Dem Nervenkrieg an Bord wÀre ich kaum gewachsen
ohne die tÀglichen Besprechungen mit meinem ersten Offizier.
Jeden Tag schicken wir Telegramme an die Direktion in Hamburg.
Wir hoffen, dass Amerika uns Landeerlaubnis erteilt.
Mit Vertretern der FlĂŒchtlinge schicke ich einen direkten Hilferuf
an PrÀsident Roosevelt, meine Passagiere aufzunehmen.
Auch das American Joint Distribution Committee unter Morris Troper
und einflussreiche Amerikaner aus Politik und Wirtschaft.
Sie richten Petitionen, Bitten und Forderungen nach HumanitÀt
an die Adresse des US-PrÀsidenten.
Zeugnisse der NĂ€chstenliebe in Telegrammen.
Ich lasse sie aushÀngen.)
Lesen Sie vor!
"Wir sind noch schwer an der Arbeit. Verliert die Hoffnung nicht!
Joint Havanna am 8. Juni '39."
"GemÀà Kabel aus New York wird jede mögliche Anstrengung
durch das Komitee unternommen, um RĂŒckkehr zu vermeiden.
Hapag Hamburg."
"Habe mit Verantwortlichen gesprochen.
Sie können beruhigt sein, dass alles Denkbare versucht wird.
Max Warburg, New York."
Hey, seid mal ruhig.
"Als europÀischer Vorsitzender des Joint Distribution Committee
möchte ich jede Möglichkeit zusichern, einen Hafen zu finden.
Wir erwarten eine Entscheidung in den nÀchsten 36 Stunden.
Morris Troper, Paris."
âȘ Langsame Streichmusik âȘ
(FĂŒr die sind wir nur eine Zahl.
Keine Gesichter.)
Wir sind Menschen und keine AussÀtzigen.
Herr KapitÀn.
Danke.
âȘ Unheilvolle KlĂ€nge âȘ
(Das Schicksal der Passagiere
macht die Situation der deutschen Juden in den USA bekannter.
Wie ich höre, lehnen dennoch 83 % der US-BĂŒrger
die Lockerung der EinwanderungsbeschrÀnkungen ab.
Obwohl viele dieser Amerikaner selbst von Einwanderern abstammen.
Prominente Juden scheinen sich vornehm zurĂŒckzuhalten.
Ebenso der PrÀsident.
Roosevelt steht im Wahlkampf,
und 12 Mio. arbeitslose WĂ€hler wollen keine Konkurrenz von auĂen.)
We are Americans.
* Jubel *
Man hat sogar ein Telegramm an Mrs. Roosevelt geschickt:
Sie soll nur die Kinder reinnehmen.
Aber man hat keine Antwort bekommen.
Die US-Regierung stand unter enormen Druck, AuslÀnder fernzuhalten.
Es gab zu diesem Zeitpunkt nicht genĂŒgend ArbeitsplĂ€tze in den USA.
Und wenn mehr AuslĂ€nder kamen, wĂŒrden sie die ArbeitsplĂ€tze,
die die Amerikaner verdient hatten, wegnehmen.
So nahm der Widerstand gegen die Einwanderung zu.
Das wiederum spielte Hitler in die HĂ€nde:
Nachdem Kuba den Juden die Einreise verweigert hatte
und Amerika den Juden die Einreise verweigert hatte, sagte Hitler:
"Alle werfen uns vor, dass wir die Juden nicht wollen,
aber seht sie euch an, sie wollen sie auch nicht.
Warum empören sie sich dann so, dass wir keine Juden wollen?"
Und natĂŒrlich war das, was er sagte, wahr.
Niemand wollte die Juden.
Ich dachte, Kritsch hat die Wache.
Soll ich Sie ablösen? Nein, packen Sie sich wieder hin.
Das sind die Lichter von Miami.
Wir fahren innerhalb der Dreimeilenzone.
Kurs halten.
Kommen Sie mal.
Ich muss mich auf Sie verlassen können.
Um 4 Uhr werde ich Alarm auslösen.
Alle in die Boote, ich lasse evakuieren.
Es gibt doch keinen Notfall.
Keiner wird danach fragen, wenn wir die Befehle geben.
Die Technische Mannschaft bleibt an Bord,
Kritsch auf der BrĂŒcke.
Der weiĂ von nichts.
Sie wollen 1000 Mann ausbooten?
Wenn wir die FlĂŒchtlinge an Land bringen, sind sie in den USA.
Das wird Konsequenzen haben.
Es ist Gestapo an Bord.
Ich ĂŒbernehm die Verantwortung, Sie haben von nichts gewusst.
Haben Sie schon mal evakuiert?
Nein.
Das gröĂte Problem sind die Alten, die sind zu langsam auf der Treppe.
Kann ich mich auf Sie verlassen?
Ja, Herr KapitÀn.
âȘ Bedrohliche KlĂ€nge âȘ
* Lautes Ticken *
âȘ Bedrohliche KlĂ€nge âȘ
Gut, Ostermeyer. Ăbernehmen Sie. Jawohl, Herr KapitĂ€n.
* Sirene *
* Schiffshorn *
* Sirene *
(Lautsprecher) * Attention! This is the United States Coast Guard.
* Please leave US territory *
Was ist das?
Das sind Amerikaner. Amerikaner?
* We urge you to leave US territory immediately. *
Was wollen die?
Sie sagen, wir sollen amerikanische HoheitsgewÀsser verlassen.
* Schiffshorn *
Warum will uns keiner?
Ich kann doch arbeiten. Ich mach alles!
* Please leave US territory immediately. *
Hart backbord zur Kehrtwende.
(Der KapitÀn hat nichts gesagt.
Ein paar Passagiere
haben die KursÀnderung am Sonnenstand gemerkt.
Wir fahren jetzt zurĂŒck nach Europa.
Uns wird gesagt, dass sÀmtliche Verhandlungen weitergehen.
Aber es bleibt nicht viel Zeit.
Der KapitĂ€n lĂŒgt.
Er ist in der Partei.
Wieso sollte er sich in Gefahr bringen,
um sich fĂŒr uns einzusetzen?)
Bevor die uns zurĂŒckfahren, mĂŒssen wir was machen.
âȘ Hoher Chorgesang mit Piano âȘ
âȘ Hoher Chorgesang mit Piano âȘ
âȘ Hoher Chorgesang mit Piano âȘ
(Ich kann nicht mehr schlafen.
Definitive Order aus Hamburg, Cuxhaven anzulaufen.
Ich halte das geheim.
Da ich hoffe, diese Weisung nicht ausfĂŒhren zu mĂŒssen.)
* Klopfen *
Ja?
Ich stehe vor Ihnen als Sprecher der Verzweifelten.
Ich respektiere Ihre Rolle als KapitÀn,
aber verstehen Sie auch uns.
FĂŒr uns ist die Lage ausweglos.
Was ist das?
Massenselbstmord?
Diese Menschen waren in deutschen KZs,
bevor man sie auf dieses Schiff lieĂ.
Ich kann nur sagen: Geben Sie die Hoffnung nicht auf.
Troper verhandelt in Europa. Frankreich, Holland, Belgien.
Eine politische Lösung wÀre ein Wunder.
Wenn wir weiter nach Osten fahren, sind wir in fĂŒnf Tagen in Hamburg.
Helfen Sie mir hier!
Sie sind einer der wenigen, auf die die Leute hören!
Vertrauen Sie! Vertrauen Sie auf Troper, auf die Joint!
Die können es schaffen! Was, wenn nicht?
Diese Menschen werden nicht nach Deutschland zurĂŒckkehren.
Niemals.
Sie sind zu allem entschlossen.
* TĂŒr schlieĂt *
âȘ Unheilvolle KlĂ€nge âȘ
(Ich bitte einen Mann, der im KZ gesessen hat,
mir seine Erlebnisse zu schildern.
Er sieht mich verlegen an und schweigt.
Ich frage, ob es verboten sei, darĂŒber zu sprechen.
"Wer weiĂ, was uns noch bevorsteht", sagt er.
"Lieber tot als das noch mal."
In seinen Augen lese ich eine furchtbare Angst vor der RĂŒckkehr,
aber nicht minder eine feste Entschlossenheit.
Ich lasse einen Wachdienst einrichten,
um UnglĂŒcks- und andere FĂ€lle zu verhindern.
60 Punkte des Schiffs werden mit Posten besetzt.
Die Stimmung sinkt unter Null.)
Zigarette? Nein, danke.
Wo ist denn Ihr Sohn?
SchlÀft.
Ist ein guter Junge.
Ach ja, obwohl er Jude ist?
Mit Ihrem Mann, das tut mir ehrlich leid.
Ich hab das nicht gerne gemacht.
In drei Tagen fahren wir an der englischen KĂŒste vorbei.
Ein Beiboot.
Leo und Sie.
Ich könnte Ihnen helfen.
Was wollen Sie dafĂŒr?
âȘ Unheilvolle KlĂ€nge âȘ
Nein.
Nein!
Lass deine dreckigen Finger von mir. Hören Sie auf, junger Mann!
Vater!
Vater.
Ihr Drecksjuden.
Geht's?
Alles in Ordnung?
Alles gut? Ja.
Das reicht jetzt.
Das reicht!
âȘ Melancholische Musik âȘ
Entsteht dauernder Schaden, so sollst du geben Leben fĂŒr Leben.
Auge fĂŒr Auge, Zahn fĂŒr Zahn.
Hand fĂŒr Hand, FuĂ fĂŒr FuĂ.
Brandmal fĂŒr Brandmal.
Hör zu, Gott.
Wenn es dich gibt ...
Hilf mir.
Das ist kein guter Plan, viel zu gefÀhrlich.
Wir mĂŒssen das Kommando ĂŒbernehmen.
Wir schnappen uns den KapitÀn.
Und wenn er Probleme macht?
Wenn er Probleme macht, dann geht er ĂŒber Bord.
Fragt eure Zimmernachbarn und auf den GĂ€ngen.
Jeder, der sich uns anschlieĂt, zĂ€hlt.
âȘ Bedrohliche KlĂ€nge âȘ
Herr KapitÀn, hier ist eine Dame, die mit Ihnen sprechen möchte.
Pollock ist nicht zum Essen gekommen.
Andere auch nicht.
Es stimmt etwas nicht. Ja, ich weiĂ.
Mir wurde gemeldet, dass es Spannungen gibt.
Ich kĂŒmmer mich drum.
Herr KapitÀn, sie haben sich versammelt!
Gehen Sie auf die BrĂŒcke, rasch?
Wir werden nicht nach Deutschland zurĂŒckkehren.
Nehmen Sie Kurs auf Kanada.
Jetzt!
Das kann ich nicht, selbst wenn ich wollte.
Wieso denn nicht?
Unser Brennstoff geht zur Neige, wir können nur Europa erreichen.
Sie lĂŒgen. Ich glaube Ihnen kein Wort.
Kommen die Maschinen zum Stillstand, gibt's keinen Strom, keine Heizung.
Sie fahren jetzt nach Kanada!
Wir steigen in die Rettungsboote,
auf hoher See mĂŒssen wir gerettet werden.
Als SchiffsentfĂŒhrer sind Sie international verfemt.
Jeder Staat wird Sie festsetzen.
Wir warten auf Nachricht von Morris Troper.
Die verhandeln doch, also gedulden Sie sich.
Sie fahren uns jetzt nach Kanada, sonst landen Sie im Meer!
Haben wir Nachricht? Ja.
Und?
Kanada hat uns abgelehnt.
Bitte.
Nehmen Sie Vernunft an. Die Verhandlungen gehen weiter.
Zerstören Sie nicht ihre einzige Chance,
Ihr Vater braucht Sie.
Ziehen Sie Ihre MĂ€nner zurĂŒck. Das Ganze hat nie stattgefunden.
âȘ Melancholische Musik âȘ
âȘ Melancholische Musik âȘ
Wir hatten viel Vertrauen in den KapitÀn gehabt,
aber trotzdem:
Er hat Order gehabt, zurĂŒck nach Deutschland zu kommen,
und er hat es auch getan.
âȘ Melancholische Musik âȘ
Entschuldigung, die TĂŒr stand offen. Darf ich einen Moment?
Sie haben meinen Ersten Offizier auf die BrĂŒcke geschickt?
Ja.
DafĂŒr wollte ich mich bei Ihnen bedanken.
Bitte.
Fahren wir morgen an der englischen KĂŒste vorbei?
Ja. Nein.
Kein Land hilft uns, nur weil wir in Sichtweite sind.
Alle Regierungen haben sich verweigert.
Versprechen Sie mir was?
Fahren Sie uns nicht zurĂŒck nach Deutschland.
Ich weiĂ nicht, ob ich so ein Versprechen halten kann.
âȘ Melancholische Musik âȘ
Wir werden sehen.
Ostermeyer.
Schröders Verhalten
schadet dem Ansehen des Deutschen Reiches vor der Welt.
Als Erster Offizier mĂŒssen Sie das Kommando ĂŒbernehmen.
Was soll das, Hendrich?
Ich bin OrtsgruppenfĂŒhrer an Bord.
Schröder fraternisiert mit dem Volksfeind.
Er wird nie wieder ein Schiff kommandieren.
Die "St. Louis" braucht einen neuen KapitÀn.
âȘ Langsames Klavierspiel âȘ
(Uns erreicht die Nachricht,
dass die Gestapo in Hamburg den Schlepper "Holstenau" chartert.
Sie will uns mit einer bewaffneten Mannschaft entgegenfahren
und auĂerhalb der Dreimeilenzone an Bord gehen.
Sobald das Schiff Cuxhaven anlÀuft.
Und es wird die Verschickung der FlĂŒchtlinge auf KZs vorbereitet.
Ich wage mir nicht auszumalen, was das fĂŒr die Menschen bedeutet.)
Sie wollen das Schiff bei Nacht und Niedrigwasser auf Sand setzen,
es in Brand stecken und alle Passagiere evakuieren?
Die EnglĂ€nder mĂŒssen SchiffbrĂŒchige aufnehmen.
Und die Passagiere? Die weihen wir nicht ein.
Nur der LI weiĂ Bescheid.
Sie wollen das Schiff aufs Spiel setzen?
Wir funken SOS, lassen den Brand sofort löschen.
Es ist die letzte Möglichkeit.
Warum warten Sie das Telegramm von Troper nicht ab?
Das Ultimatum war gestern. Die ganze Nacht ist nix passiert.
Ich hab schon zu lang gewartet.
Darf ich Sie was Persönliches fragen?
Ja.
Warum sind Sie in der Partei?
Ihr Sohn ...
Er ist doch ...
Ach so. Trauen Sie sich ruhig.
... nicht, wie er sein soll.
Wie die Volksgesundheitsfanatiker sich das vorstellen.
Ist es nicht wichtiger, ihn zu schĂŒtzen?
NatĂŒrlich will ich ihn schĂŒtzen,
aber das steht auf einem anderen Blatt.
Ich kann mir schwer vorstellen,
fĂŒr den Tod von 900 Menschen verantwortlich zu sein.
âȘ Bedrohliche KlĂ€nge âȘ
160 Grad steuern.
160 Grad steuern.
âȘ Bedrohliche KlĂ€nge âȘ
160 Grad liegen an. - Danke.
Ein Feuer im Maschinenraum?
Das ist Sabotage, dafĂŒr gehen Sie ins KZ.
Ostermeyer, Sie ĂŒbernehmen das Kommando.
Das ist eine Ăbung.
Der VerrĂ€ter will das Schiff fĂŒr die Juden opfern!
Es ist eine FeuerĂŒbung.
Wenn ich Sie richtig verstehe, ist das gerade Meuterei.
Entfernen Sie sich von der BrĂŒcke!
Wird's bald?!
Sie haben gehört, was mein Erster Offizier gesagt hat?
Ich war mir ja nicht sicher.
Man lernt sich besser kennen.
Ja.
Danke dafĂŒr.
Herr KapitÀn.
âȘ Spannungsvolle KlĂ€nge âȘ
* Leises Stimmengewirr *
Entschuldigen Sie bitte.
âȘ Spannungsvolle KlĂ€nge âȘ
"EndgĂŒltige Vereinbarung fĂŒr die Ausschiffung der Passagiere
zustande gekommen.
Ich bin glĂŒcklich, Sie wissen zu lassen:
Die Regierungen von Belgien, Holland, Frankreich und England
haben zugestimmt.
Morris Troper, Paris."
Das glaube ich nicht.
Nur ein neues GerĂŒcht. Wieder nur ...
* Aufgeregtes Stimmengewirr *
Die Landung in Antwerpen muss schnell vonstatten gehen,
da die "St. Louis" ...
* Lauter Jubel *
âȘ Harmonische Musik âȘ
Halleluja!
âȘ Harmonische Musik âȘ
Also, das war ein Jubel.
Leute haben geschrien, haben gesagt, wir sind ...
Wir sind gerettet sozusagen.
Wenn wir gehört haben, dass wir nicht
nach Deutschland zurĂŒckkommen, war es ...
Jeder war sehr fröhlich.
Ein Mensch muss Hoffnung haben.
Man lebt mit Hoffnung.
Ich hab meistens gelebt mit Hoffnung.
* Klopfen *
Ja?
Darf ich? Kommen Sie rein.
Passagieren ist der Zutritt zum Funkraum verboten.
Ja, das ist die Vorschrift.
Wir haben eine Nachricht an Morris Troper verfasst.
Mit den Vorschriften ist es immer so eine Sache.
Ich begleite Sie zum Funkraum.
âȘ Ruhige Orgelmusik âȘ
"Die 907 Passagiere der 'St. Louis'.
13 Tage schwankend zwischen Hoffnung und Verzweiflung,
erhielten heute Ihre befreiende Nachricht.
Unsere Dankbarkeit ist so unendlich wie der Ozean,
auf dem wir seit dem 13. Mai schwimmen.
Nehmen Sie den ewigen Dank jener MĂ€nner, Frauen und Kinder entgegen,
die ein gemeinsames Schicksal an Bord der 'St. Louis' vereint."
KapitÀn Schröder war ein Mensch.
Er hat ein Herz gehabt.
Er hat gefĂŒhlt, was wir uns ...
Was wir durchmachen, gemacht haben.
Und ...
Es gab Menschen, die so was machen.
Und er war einer von diesen Leuten.
Es war gut zu wissen, dass er nie die Absicht hatte,
uns nach Deutschland zurĂŒckzufĂŒhren.
Denn schlieĂlich:
Warum sollte es wichtig fĂŒr ihn sein,
was mit uns geschieht?
So war das gut zu wissen,
dass er sehr interessiert an unser Wohlsein war.
Er war ein Beispiel dafĂŒr,
dass es damals auch gute Menschen unter den Deutschen gab.
Die Deutschen sollten von ihm erfahren
und stolz auf ihn sein.
Denn er hat wirklich das Richtige getan.
âȘ Harmonische Musik âȘ
âȘ Harmonische Musik âȘ
âȘ Harmonische Musik âȘ
âȘ Harmonische Musik âȘ
Copyright Untertitel: NDR 2019
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