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Untertitel: WDR mediagroup GmbH im Auftrag des WDR
Das Allgäu berührt die Seele, sagen viele.
Und wer einmal hier war, kommt wieder oder bleibt.
Doch was genau ist es, das den Menschen in dieser Bergwelt
so zu Herzen geht?
Kann es sein, dass man im Allgäu dem Himmel näher kommt als anderswo?
Um das herauszufinden, besuchen wir außergewöhnliche Menschen und Orte.
* Musik *
Von Oberstdorf aus bringt einen diese Bergbahn rauf
auf das Nebelhorn.
* Musik *
2-mal muss man unterwegs umsteigen.
Dann liegt sie einem zu Füßen:
die Allgäuer Bergwelt aus Alpen und Hochalpen.
Da steht man dann auf 2.224 m, mit 400 Gipfeln um sich herum
und vielen anderen Menschen.
Das ist der Preis für die Bequemlichkeit.
Wir suchen ein anderes Gipfelglück
und starten zu einer richtigen Bergtour.
Okay, auch die hier beginnt zumindest recht locker.
Mit E-Bikes fahren wir von Oberstdorf aus ins Rappenalptal.
Irgendwo da oben leben Steinböcke.
Und mit Henning Werth an meiner Seite hoffe ich,
ihnen heute ganz nah zu kommen.
Und was meinst du, liegen heute Steinböcke in der Luft?
Es ist relativ heiß für die Steinböcke auf der Südseite.
Ich glaube, dass wir die eher am frühen Abend sehen können.
Aber schauen wir mal, wie die Temperaturen am Grat sind.
Vielleicht geht ein leichter Wind, und wir haben Glück.
Das ist der gemütlichere Teil unserer Tour. - Absolut.
Die Temperaturen sind sehr angenehm, hier am Fluss unten.
Henning Werth nimmt auch Touristen mit auf Steinbocktour.
Autos sind verboten im Rappenalptal.
Deshalb hatte Henning die Idee,
die ersten 19 km mit E-Bikes zu machen.
Nach 40 min ist es aber vorbei mit dem Genussradeln am Fluss,
und der 2. Teil der Steinbocktour beginnt.
* Musik: Nancy Sinatra "These Boots Are Made For Walkin'" *
Allgäuer Hauptkamm hier. Mädelegabel.
Biberkopf, das ist der südlichste Berg hier.
Da gibts auch Steinböcke.
Da gehen wir jetzt aber nicht rauf. - Nein. Wir sind gleich da.
Das haben meine Eltern auch immer gesagt, wir sind gleich da.
♪ These boots are made for walkin', and that's just what they'll do. ♪
Steinbock müsste man sein.
Da tut man sich leichter.
♪ One of these days these boots are gonna walk all over you. ♪
Sag mir bitte, dass wir gleich da sind.
Schau, da ist die Hütte. - Ehrlich?
(stöhnt)
Wie schön.
(atmet schwer)
Die schönste Hütte, die ich je gesehen habe.
Jetzt bin ich echt froh.
Ich dachte, ich wäre fitter.
Aber merkt ja keiner.
Der Weg ist das Ziel.
Das ist jetzt mein Gipfelglück.
Ich habs geschafft.
Und darf jetzt an einem Ort wie diesem wieder auftanken.
Wir sind auf der Mindelheimer Hütte.
Auf 2.058 m Höhe.
Auf unsere Leistung. - Super, ja.
Am Abend gehen wir noch mal los.
In den Allgäuer Hochalpen
leben heute wieder mehrere Hundert Steinböcke.
Eine Herde soll ganz in der Nähe sein, oberhalb der Hütte.
Henning kennt ihre Gewohnheiten genau.
Die Steinböcke, jetzt sitzen sie gerade in der Sonne.
Wie aus dem Nichts sind sie plötzlich...
Über dem Geröllfeld, oberhalb der Felswand, in der Wiese.
Im Hochsommer verziehen sie sich, wenn der Tag heiß ist.
Die besten Chancen, Steinböcke zu sehen,
hat man früh morgens oder abends.
Henning steigt immer höher hinauf.
Er will uns auch die Geißen mit ihren Jungen zeigen.
Der Mann hat Ausdauer.
Und ein gutes Gespür.
Da sind ganz viele Jungtiere, genial. - Echt?
Da musst du mal durchschauen. - Kleine?
Ja, Kitze. - Wie süß.
Soll ich die Stöcke nehmen? - Mhm.
Ich sehe sie.
Da sind lauter Junge.
Total viele. - Ja.
Fast 10 oder so, kann das sein?
Kriegen die so viele Junge?
Eine Geiß bekommt nur ein Jungtier.
Das ist eine Art Kindergarten.
Die tun sich zusammen, da kann man sich besser schützen.
Sie bleiben einige Zeit beim Weibchen.
Das ist die kritischste Zeit im Winter, diese harten Phasen zu überleben.
Viele von denen überleben das nicht und sterben.
Das ist der Grund, warum der Steinbockbestand
sich in den Allgäuer Alpen noch nicht richtig vermehrt hat.
Der ist relativ stabil.
Dazu haben die weiblichen Tiere zu wenig Jungtiere.
* Musik *
Was für ein Ort.
Was für ein Erlebnis.
Am nächsten Morgen haben wir alle das Gefühl,
dem Himmel ein kleines Stück näher gerückt zu sein.
* Musik *
Die Schönheit der Allgäuer Bergwelt.
Wer könnte sie besser festhalten, als ein Fotograf.
Jonathan Besler ist im Allgäu geboren.
Im Bergdorf Hinterstein.
Für seine "Dreamscapes", seine Traumlandschaften,
durchwandert er ständig seine Heimat.
Immer auf der Suche nach Aussichtspunkten und Motiven.
Ich war schon immer gerne in Landschaften unterwegs.
Wurde mir auch von meinen Eltern so in die Wiege gelegt.
Das habe ich hier in meiner Heimat, dem Allgäu,
so von früh auf mitbekommen.
Und auch in der Schule schon habe ich gerne gezeichnet,
Landschaften gemalt.
So was hat mich schon immer fasziniert.
Ich finde, man kann hier nie genug bekommen beim Fotografieren.
Jedes Mal, wenn man an einen Ort kommt, wird es anders.
Man hat eigentlich nie die gleiche Situation, die man schon hatte.
Und zu verschiedenen Wetterzeiten, Tageszeiten,
man hat immer verschiedene Möglichkeiten
und kann jeden Ort viele Male neu erleben.
Für seine Fotos nimmt er sich Zeit.
Viel Zeit.
Über Stunden hört man nur das Klicken der Kamera.
Der Fotoapparat steht fest auf dem Stativ, schießt einzelne Bilder,
die später im Zeitraffer zusammengefasst werden.
Tausende Male hintereinander fotografiert Jonathan
einen einzigen Ausschnitt in der Landschaft.
So entstehen seine Clips aus 15.000 Einzelbildern.
* Musik *
Um solche Motive festzuhalten, nimmt Jonathan einiges in Kauf.
Wenn man die ganze Nacht draußen verbringt, gibt es oft Bedingungen,
die nicht so schön sind.
Z.B. man sitzt im Nebel oder hat um die 0°.
Die ersten 5 min genießt man meistens.
Mit der Zeit kommen dann die widrigen Bedingungen,
wie z.B. heute die Mücken.
Die kommen zu Tausenden hier durch.
Das ist dann ein bisschen lästig,
aber man nimmt es einfach so hin.
* Musik *
Mir gefällt hier v.a. die Unberührtheit, die Sterne,
z.B. die Milchstraße, die perfekt sichtbar ist.
Die zieht dann in der Nacht vorbei.
Das macht es für mich einzigartig.
* Musik *
Jonathan Besler hält Stimmungen fest.
Magische.
Dramatische.
Melancholische.
Die Schönheit der Allgäuer Berge.
Er ist dem Himmel wirklich sehr nah.
* Musik *
Wir kommen vorbei an urigen Orten wie Fischen
und werfen einen Blick auf die Kapelle von Berghofen.
Wir fahren durch Bad Hindelang ins Hintersteiner Tal,
die Ostrach fließt hindurch, wild und schön.
* Musik: James Bay "Hold Back the River" *
♪ Hold back the river, let me look in your eyes.
Hold back the river so I
can stop for a minute and see where you hide. ♪
Hinterstein ist übrigens auch gut für eine Abkühlung.
In den Bergen entspringt der Zipfelbach.
Unterhalb des Wasserfalls liegt der Kneipp-Kur-Garten "Prinze Gumpe".
In dem kleinen Teich, auf Allgäuerisch "Gumpe",
soll schon Prinzregent Luitpold von Bayern gerne gebadet haben,
daher der Name "Prinze Gumpe".
* Musik *
Dem Himmel nah fühlt sich wohl auch, wer auf der Nagelfluhkette wandert.
24 km führt sie über den Hochgrat bis zum Berg "Mittag"
bei Immenstadt.
* Musik *
Die Magie der Berge, hier wird sie spürbar.
Selten und bizarr sind die Gesteinsformationen.
Nagelfluh ist ein Mix aus Sand und Geröll,
der schon im Tertiär entstand.
Die eingebackenen Kieselsteine sehen aus wie Waschbeton.
"Herrgottsbeton" nennen es die Allgäuer.
Die Almwiesen rund um den Hochgrat werden schon lange bewirtschaftet.
Zigtausend Tiere weiden hier im Sommer.
Auch ihnen ist es zu verdanken, dass so eine
unvergleichliche Vielfalt an Pflanzen und Kräutern herrscht.
Das Wissen um die Heilkraft der heimischen Pflanzen
wird seit Jahrhunderten von weisen Frauen gehütet.
* Musik *
Zierlich ist sie, wirkt irgendwie mädchenhaft.
Sie ist ein Kind der Berge.
Ihr Name: Bärbel Bentele.
Kaum jemand im Allgäu kennt sich mit der Heilkraft der Wildkräuter
so aus wie sie.
Da haben wir eine Teufelskralle.
Teufelskralle, der Dost, der Wilde Majoran.
Da ein kleiner Holder.
Da haben wir eine besondere Quendel.
Das ist der Wilde Thymian.
Der blüht jetzt auch schön.
Der steht auf einem Ameisenhaufen,
der ganze Busch.
Und ab und zu braucht man gute Luft.
Ein Pächter von uns, der hat schlecht Luft gekriegt,
der hat schwer geschnauft.
Der hat, bevor er wieder hinauf hat müssen,
sein Taschentuch in einen Ameisenhaufen gelegt,
meistens in so einen großen Klammerhaufen.
Da hat er das Taschentuch anpieseln lassen von den Ameisen.
Dann hat er es ausgeschüttelt.
Des hat er sich immer wieder an die Näs gehebt.
Wenn jetzt ein Thymian, wo sowieso schon befreiend ist
für unsere Lunge, wenn der auf einem Ameisenhaufen steht,
dann darfst du von der Pflanze
so 3 Blüten wegnehmen.
Sagst Danke zu der Ameise, dass sie ihn dir abgibt.
Und wenn du keine Luft mehr kriegst, hebst du es unter dein Näs.
Dann kannst du mit voller Kraft weiterlaufen.
Bärbel war Hirtin auf einer Alpe am Fuß des Hochgrats.
Heute führt sie Touristen in den Berg, erzählt von den Pflanzen
und den Sagen, die sich um sie ranken.
Ein Holder kommt immer da vor, wo der Mensch ist.
Die Pflanze hat eine positive Kraft
für das ganze Gehöft, für das Haus,
für all die Menschen, die da wohnen.
In vielen Sagen wird der Holunder...
Immer ist es so a bissel die Ehrfurcht,
aber auch Zuflucht der anderen.
Unter dem Holder sind die einen daheim.
Also die Kleinen, die Wichtel, die von der anderen Seite der Zeit.
Sie weiß viel über diese "andere Seite der Zeit".
Über die kleinen und die großen Wesen,
die seit Jahrhunderten in den Allgäuer Bergen hausen.
Das ist der Wacholder, ein schöner Berg-Wacholder.
Von der Mythologie ist der Wacholder, heißt ja "wachen",
also er wacht über uns.
In ihm stecken die Ahnen.
Ich stelle mir ihn vor wie ein alter Gamsbock,
der auf einem Felsen steht.
Und seine Gämsen mit den Jungen bewacht.
Und irgendwann wird er auch einer von den Ahnen sein.
Die wachen dann von oben auf uns runter.
* Musik: Carolin No "Hear The Silence" *
♪ Hear my all-time favorite tune.
Hear my sorrow, hear my pain.
I hear your foodsteps coming back again. ♪
Als Kind war Bärbel Bentele jeden Sommer auf dieser Alpe,
half ihrem Vater beim Käsen.
Die Mittlere Simatsgund-Alpe
betreibt jetzt ein befreundetes Ehepaar.
Die Sagenerzählerin aus Stiefenhofen kommt gerne hierher.
* Musik *
Er liebt sie alle.
Bei ihm kommt das blühende Allgäu auf den Tisch.
Kräuter sind einfach sein Ding.
Heimat, sagt Axel Kulmus, kann man schmecken.
Seine Kräuterwiese liegt in einem Naturschutzgebiet bei Stiefenhofen,
hier erntet Axel Kulmus alles, was in der Region wächst.
Daraus macht er Wildkräutersalat, Heublumensüppchen,
oder Brennnessel-Schupfnudeln.
Keine Frage. Der Mann ist Koch.
Ich bin naturverbunden aufgewachsen.
Und ich hab mir gedacht, Kochen wird auf Dauer nicht reichen.
Und die Kräuter haben mir geschmeckt.
Dann habe ich mit Heu, mit Bärlauch angefangen.
Ich habe eine Liebe dran gefunden.
Es ist mir dran,
dass ich die Kräuter auf den Teller bringe.
Der Besitzer des Landgasthofs Rössl in Stiefenhofen
macht seit den 90er-Jahren von sich reden.
Allein in seinem Garten wachsen 80 bis 100 verschiedene Kräuter.
Auch Unkraut, wie Giersch oder Brennnessel,
kommen beim Kräuterwirt in den Topf.
Heute gibts Tafelspitz im Wildkräutermantel.
Dafür wird der Tafelspitz gewürzt und scharf angebraten.
Dann sanft in Heu gebettet und mit Gemüsefond begossen.
Heu hat ein gutes Aroma.
Wenn du reinschaust:
Je magerer das Heu ist, umso größer ist der Kräuteranteil.
Ab 850, 900 m wächst dann so ein richtig kräftiges,
inhaltstoffreiches Heu.
Da haben jetzt auch die Kartoffeln was davon.
Sie landen in einer Tasche aus Alufolie.
Etwas Gemüsebrühe dazu und ab in den Ofen.
Und jetzt sind die Kräuter dran.
13 kommen allein in dieses Gericht.
U.a. Rotklee und Brennnessel.
Zu mir hat mal eine Kräuterbäuerin gesagt, du musst bloß
positive Energie der Brennnessel vermitteln
und behutsam in die Hand nehmen.
Dann brennt sie dich nicht.
Aber ein bisschen Schmäh ist dabei.
Dann werden die Schalotten mit Butter angeschwitzt,
mit Gemüsebrühe abgelöscht.
Der Kräutersud des Tafelspitz kommt auch noch dazu
und ein bisschen Schmand.
Dazu gibts Rote Bete, junge Karotten, Staudensellerie
und Zwiebellauch.
Also, es klappt nicht immer alles das 1. Mal.
Mit Lavendel war ich lang auf Kriegsfuß.
Da hab ich mal zu viel hereingekriegt.
Das hat fast geschmeckt wie Badezusatz.
Dann habe ich ihn 2 Jahre net angerührt.
Jetzt hab ihn wieder liebgewonnen.
Er hat dem Lavendel verziehen.
Der Tafelspitz hat nur knapp 10 min im Ofen gegart
und wird jetzt in den feingeschnittenen Kräutern
und Blüten gewälzt.
* Musik *
Das sind Zahnbürschtle.
So sagt man bei uns,
die einen sagen Pfeifenputzer, die anderen Zahnbürschtle.
Wenn du schaust,
irgendwo haben sie was von einer Zahnbürste.
Aber eigentlich ist es der Wiesenknöterich.
Guten Appetit.
* Musik *
Wir reisen weiter.
Vorbei am Alpsee bei Immenstadt. Richtung Ostallgäu.
Wir wollen dorthin, wo alle Allgäu-Besucher
früher oder später mal landen, nach Füssen.
Denn südlich von Füssen thront Schloss Neuschwanstein.
Das "Märchenschloss" König Ludwigs II.
gehört zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Deutschlands.
1,3 Mio. Besucher jährlich.
Füssen ist aber auch nicht ohne.
Die Stadt am Lech soll die höchstgelegene Stadt Bayerns sein.
Über der Altstadt das Hohe Schloss, einstige Sommerresidenz
der Augsburger Fürstbischöfe.
Ja, Sie sehen richtig, ich trage ein Dirndl.
Darin fühlt man sich großartig.
Das hat auch was mit himmlischen Gefühlen zu tun.
Außerdem ist Sonntag, da putzt man sich halt ein bisschen mehr raus.
* Musik: KT Tunstall "Suddenly I See" *
♪ And everything around her is a silver pool of light.
People who surround her feel the benefit of it, it makes you calm. ♪
Hallo Erih.
Ich bin Andrea, freut mich sehr.
Und auch im Dirndl, wie schön.
Sieht super aus. - Passen wir zusammen.
Trägst du das öfters?
Ja, zur Arbeit habe ich mein Arbeitsdirndl.
Das ist mein Sonntagsdirndl.
Wir haben ja auch Sonntag und Sonntagswetter.
Stimmt es, dass Füssen die höchstgelegene Stadt Bayerns ist?
Ja, das ist richtig. Wir sind über 800 m hoch.
Wenn wir auf dem Schloss sind, sind wir 806 m hoch.
800 ist ja schon was.
Ab 1.000 ist die Duz-Grenze, habe ich mir sagen lassen.
Auf den Hütten sowieso.
Ach ja, da war doch noch was.
Wie kommt man in Füssen dem Himmel näher?
Vielleicht über die Geschichte eines Heiligen,
der vor mehr als 1.200 Jahren den schrecklichen Drachen
des Unglaubens, der Furcht und der Gottlosigkeit besiegt haben soll.
Geschehen in der Nähe von Füssen.
Zu sehen in der Barockkirche St. Mang.
Wie schön.
Da ist der Drache.
Einen Drachen habe ich in einer Kirche noch nie gesehen.
Das hängt mit dem Magnus zusammen.
Der als Benediktinermönch hierher entsandt wurde,
um die Menschen zu christianisieren.
Das war Beginn des 8. Jh.
Und er hat den letzten Drachen getötet.
So heißt es.
Der Drache ist das Symbol für das Böse,
er hält das Licht von Christus.
Wir sehen, er wendet sich ab.
Und er hat noch Kraft.
Jetzt ist die Frage, wie hat er den Drachen erlegt?
Das können wir uns in einem Bild anschauen.
Er gilt ja als der Allgäuer Schutzpatron. - Ja.
Dem Magnus sind über 20 Kirchen geweiht.
Er hatte noch mehr Fähigkeiten, nicht nur Drachentöten.
Er hatte einen Wanderstab, mit dem ist er über die Felder geschritten,
hat das Ungeziefer vertrieben.
Er hat den Menschen beigebracht Eisenerzverhüttung
und Getreideanbau, also handfeste Dinge.
Aber getötet hat er den Drachen nicht mit dem Stab,
sondern mit einem Klumpen Pech.
Daraus hat er einen Kranz gemacht und den Kranz angezündet.
Und dem Drachen ins Maul geworfen.
Das sehen wir da oben.
Das ist in der Nähe von Füssen, in Roßhaupten.
In der Schlucht hauste der Drache
und hat den Pferden die Köpfe abgebissen.
Der Drache ist verbrannt.
Innerlich.
Innerlich verbrannt, an seiner Boshaftigkeit zu Grunde gegangen.
Übrig blieb ein Häuflein Asche
und ein Ruhm über die Grenzen Füssens hinaus.
Der heilige Magnus wird auch "Apostel des Allgäus" genannt.
Er ist der Patron der Städte Füssen und Kempten.
Eine Vollmondwanderung zum Schloss Neuschwanstein.
* Musik *
Spätabends, wenn die Autos und Busse von den Parkplätzen weg sind
und Ruhe über dem Schloss einkehrt,
beginnt der Aufstieg zur Marienbrücke.
Ludwig II. hätte das bestimmt gefallen.
Er liebte die Einsamkeit,
wollte eigentlich sein Schloss für sich allein.
Als den Mondkönig bezeichnete er sich gerne.
Er war oft nachts unterwegs.
Ludwig hat geschrieben, es ist notwendig,
sich solche Paradiese zu schaffen.
Um für kurze Zeit von der schauderhaften Zeit,
in der wir leben, fliehen zu können.
2 Gründe, weshalb ich gerne in der Nacht hier raufgehe:
Einmal weil es ruhiger ist, da kann man ein bisschen mehr empfinden,
was dieser König empfunden hat.
Und das andere, bei Vollmond deshalb,
weil König Ludwig den Mond geliebt hat.
In Hohenschwangau hat er sich
einen Nachthimmel über sein Bett malen lassen.
Und Vollmond hat er geliebt wegen dieses sanften Lichtes.
* Musik: Ed Sheeran "I See Fire" *
♪ I see fire,
burning the trees.
And I see fire,
hollowing souls.
And I see fire,
blood in the breeze.
And I hope that you remember me. ♪
(lacht)
Super.
Da kommt es einem echt entgegen.
Der König.
Der gehört ja zu Füssen.
Füssen nennt sich auch Stadt von König Ludwig.
Stadt der Königsschlösser.
Der Ludwig war auch einer, von dem man sagen kann,
der wollte dem Himmel sehr nahe sein.
Ja, auf jeden Fall.
Er wollte seine Schlösser möglichst weit oben bauen,
damit er hinunterschauen kann.
Er hat ein Jagdhaus auf dem Tegelberg gebaut.
Er empfand das so erhebend, alles unter sich zu lassen,
die schreckliche Welt, so hat er es empfunden.
Er wäre so gerne über das Schloss Neuschwanstein geflogen.
Ja? - Ja.
Weiß man das? - Ja.
Er hat in Auftrag gegeben, dass man ihm ein Fluggerät bauen soll.
Und jetzt raten Sie mal, wer auch immer schon
diesen Traum vom Fliegen hatte?
Und sich jetzt das 1. Mal traut.
Der Mann an Erihs Seite ist David Maier von der Flugschule "Aktiv".
Die Seilbahn bringt die beiden auf den Tegelberg.
* Musik: Muse "Supermassive Black Hole" *
Du als Passagier bist vor mir,
wir sind verbunden über ein Verbindungsstück.
Diesem Zug müssen wir gemeinsam entgegenwirken.
Versuchen, die Spannung nach vorne aufrecht zu erhalten.
Sich möglichst wenig nach hinten ziehen lassen.
♪ Oh baby don't you know I suffer?
Oh baby can you hear me moan?
You caught me under false pretences.
How long before you let me go? ♪
Dann werde ich dich vorher fragen, bist du bereit?
Dann gibst du ein Signal.
Heißt für dich gleichzeitig, es geht gleich los.
Bist du bereit? - Ja.
Dann 3, 2, 1, langsam.
Dann kommt der Zug, dagegenhalten.
Bereit? - Ja.
3, 2, 1, langsam.
Dann kommt der Zug, dagegenhalten.
Ein Stück nach rechts, rechts lauf.
Ich habe schon mal zugeschaut, wie das gemacht wird.
Bin eine Weile da gestanden.
Da hatte ich mir gedacht, das mache ich auch mal.
* Musik *
* Funk *
Hopp, hopp, hopp.
* Musik *
Das war klasse.
Das war so super.
* Musik *
Unsere Route führt uns noch mal vorbei am Alpsee.
Das Allgäu ist ein bedeutendes Käseland.
Im kleinen Ort Thalkirchdorf soll es jemanden geben,
der auch blutige Anfänger in die hohe Kunst des Käsens einweiht.
Im Dorfhaus von Thalkirchdorf befindet sich
die 1. öffentliche Käseschule Deutschlands.
* Musik *
Einfach so umbinden wie ich.
Wo muss der Knoten hin? - Das ist egal.
Es kommt darauf an, ob man ledig ist oder verheiratet.
Rechts heißt verheiratet, links ledig.
In der Mitte unentschlossen.
Die sind für die Hygiene, riecht gut.
Ein bisschen kommt man sich vor wie früher im Chemieunterricht.
Die Milch fürs "Experiment Käse" ist schon im Kessel.
Hier in der Käseschule lernt man alles über Käse.
Weichkäse, Schnittkäse, Hartkäse.
Über das Allgäu, über die Tradition.
Dass man weiß, in dieser Gegend ist Käse zu Hause.
Seit ca. 200 Jahren.
Die Milch muss erwärmt werden auf 35°.
Dazu habt ihr die Rührthermometer im Kupferkessel.
Mit dem dürft ihr ab und zu die Milch umrühren.
Ganz wichtig:
Im Uhrzeigersinn rühren.
Nicht entgegen, sonst wird das nichts.
Und warum?
Wegen den rechtsdrehenden Milchsäurebakterien.
Das ist nicht wahr, oder? - Wir machen ab und zu einen Scherz.
Das war der Erste.
Ich hab 36°.
* Musik: 2raumwohnung "36grad" *
Hat die Milch die richtige Temperatur, kommt Lab dazu.
Lab hat die Eigenschaft,
Milch in relativ kurzer Zeit dick werden zu lassen.
Aber bitte nicht probieren, warnt Käsemeister Georg Gründl.
Sonst seid ihr ständig am Laufen.
Zügig hineinschütten und langsam verrühren.
1/2 h muss alles ruhen.
Die Magie der Chemie ist jetzt im Spiel.
Kalzium verbindet sich mit dem Eiweiß der Milch und dann:
♪ Guck mal, was die Jungs da hinten tun.
Sag ihnen, das will ich auch. ♪
Kommt die Käseharfe zum Einsatz.
♪Immer, wenn die Jungs das tun, merk ich, was ich brauche. ♪
Einfach vom Handgelenk raus.
Vor und wieder zurück.
Immer kleiner.
Am Randbereich, genau.
Mit der Harfe wird die eingedickte Milch
in körnergroße Stückchen zerteilt.
♪ Guck mal, was die Jungs da hinten tun.
Sag ihnen, das will ich auch. ♪
Mit der Molke zusammen.
Handgeschöpfter Käse.
Langsam sieht es schon nach richtigem Käse aus, oder?
Als Nächstes macht man den sensorischen Test.
Nein, stopp.
Bei mir schmeckts nach gar nichts.
Wenn ihr in der 1. Stunde aufgepasst habt,
habt ihr mitgekriegt, dass erst nach 12 h die Milchsäure entsteht.
Dann schmeckt es käsig.
Wenn er nicht schmeckt, ist die letzte Möglichkeit verschenken.
Oder verkaufen.
Kommt nicht in den Rucksack.
Am Ende darf jeder seinen eigenen Käse mit nach Hause nehmen,
Allgäuer Profikäse kosten.
Und bekommt von Georg Gründl
noch ein paar Käseweisheiten mit auf den Weg.
Ich glaub dem nix mehr.
* Musik *
Zu den wichtigsten Festen des Jahres gehört der Viehscheid.
So heißt der Alpabtrieb im Allgäu.
Eine touristische Attraktion.
Etwa 700 Alpen werden auf den Allgäuer Hochweiden bewirtschaftet.
Im September, nach dem Bergsommer, kommen zigtausende Kühe
zurück in die Täler.
Angeführt wird der Zug von geschmückten Kranzrindern.
Der Spiegel soll die bösen Geister fernhalten.
Den festlichen Schmuck aus Zweigen und Blumen gibt es nur,
wenn während des Sommers
auf der Alpe weder Mensch noch Tier zu Schaden kam.
Auf dem Scheidplatz werden die Kühe an ihre Besitzer zurückgegeben.
Unter dem lauten Gebimmel ihrer Schellen.
Noch einmal zieht es uns auf einen Berg:
auf die Reuterwanne bei Wertach.
Wir begleiten eine Wandergruppe.
Keine gewöhnliche.
Sie wandern von Hütte zu Hütte.
Im Gepäck: ihre Instrumente und ihre Liebe zur Musik.
* Musik *
Ihr Konzertsaal ist die Natur.
* Musik *
Diese Tiefe, dieses Klangerlebnis, das man gemeinsam erlebt,
finde ich so schön, dass ich das
gerne so oft wie möglich machen will.
(jodelt)
Das ist natürlich eine wunderbare Plattform.
Wo es keine Grenzen gibt.
So was finden man normalerweise nicht als Jodler.
So ne schöne
Musikgesellschaft.
Sie wollen mit ihrer Musik Menschen berühren.
Und sie wollen helfen.
Die Musiker des Projekts "Vuimera" sammeln mit ihren Konzerten
in der Natur und in Kirchen Geld für eine Schule in Nepal.
Damit 200 Kinder bald zur Schule gehen können.
Dafür gehen sie zu Fuß über die Berge.
Dafür spielen sie ihre Musik.
Wenn der Tag beginnt, Klänge zu hören, wo der Geist noch ganz offen ist.
Diese Klänge aufzunehmen, ist ein besonderer Moment.
Das Gleiche zum Sonnenuntergang.
Wenn die Stimmung dementsprechend ist, sind das besondere Momente.
Die fühlen sich dann besonders an.
Ich sag Danke fürs Zuschauen und bis bald.
Aus dem Himmel im Allgäu. Tschüs.
* Musik *
Habe ich n Milchbart?
Nein.
Wir sind gleich da.
Das haben meine Eltern früher auch gesagt.
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