All language subtitles for Nymphomaniac_ Volume 1__de

af Afrikaans
ak Akan
sq Albanian
am Amharic
ar Arabic Download
hy Armenian
az Azerbaijani
eu Basque
be Belarusian
bem Bemba
bn Bengali
bh Bihari
bs Bosnian
br Breton
bg Bulgarian
km Cambodian
ca Catalan
ceb Cebuano
chr Cherokee
ny Chichewa
zh-CN Chinese (Simplified)
zh-TW Chinese (Traditional)
co Corsican
hr Croatian
cs Czech
da Danish
nl Dutch
en English
eo Esperanto
et Estonian
ee Ewe
fo Faroese
tl Filipino
fi Finnish
fr French
fy Frisian
gaa Ga
gl Galician
ka Georgian
de German
el Greek
gn Guarani
gu Gujarati
ht Haitian Creole
ha Hausa
haw Hawaiian
iw Hebrew
hi Hindi
hmn Hmong
hu Hungarian
is Icelandic
ig Igbo
id Indonesian
ia Interlingua
ga Irish
it Italian
ja Japanese
jw Javanese
kn Kannada
kk Kazakh
rw Kinyarwanda
rn Kirundi
kg Kongo
ko Korean
kri Krio (Sierra Leone)
ku Kurdish
ckb Kurdish (Soranî)
ky Kyrgyz
lo Laothian
la Latin
lv Latvian
ln Lingala
lt Lithuanian
loz Lozi
lg Luganda
ach Luo
lb Luxembourgish
mk Macedonian
mg Malagasy
ms Malay
ml Malayalam
mt Maltese
mi Maori
mr Marathi
mfe Mauritian Creole
mo Moldavian
mn Mongolian
my Myanmar (Burmese)
sr-ME Montenegrin
ne Nepali
pcm Nigerian Pidgin
nso Northern Sotho
no Norwegian
nn Norwegian (Nynorsk)
oc Occitan
or Oriya
om Oromo
ps Pashto
fa Persian
pl Polish
pt-BR Portuguese (Brazil)
pt Portuguese (Portugal)
pa Punjabi
qu Quechua
ro Romanian
rm Romansh
nyn Runyakitara
ru Russian
sm Samoan
gd Scots Gaelic
sr Serbian
sh Serbo-Croatian
st Sesotho
tn Setswana
crs Seychellois Creole
sn Shona
sd Sindhi
si Sinhalese
sk Slovak
sl Slovenian
so Somali
es Spanish
es-419 Spanish (Latin American)
su Sundanese
sw Swahili
sv Swedish
tg Tajik
ta Tamil
tt Tatar
te Telugu
th Thai
ti Tigrinya
to Tonga
lua Tshiluba
tum Tumbuka
tr Turkish
tk Turkmen
tw Twi
ug Uighur
uk Ukrainian
ur Urdu
uz Uzbek
vi Vietnamese
cy Welsh
wo Wolof
xh Xhosa
yi Yiddish
yo Yoruba
zu Zulu

Original subtitles

(Wasser prasselt auf Metall)

(Leises, schrilles Quietschen)

(Metallisches Quietschen)

(Plätschern)

(Wasser plätschert leise) (Metallisches Quietschen)

(Stille)

(Plätschern)

(Metallisches Quietschen)

(Lautes Prasseln)

(Wasser prasselt leise)

(Metallisches Quietschen)

(Leises metallisches Klappern)

(Wind säuselt)

(Lied: "Führe mich" von Rammstein)

♪Wenn du weinst, geht es mir gut

Die Hand deiner Angst füttert mein Blut

Führe mich

Führe mich

Halte mich

Halte mich

Führe mich

Nymphomania

Ich verlass dich nicht

Führe mich

Führe mich

Halte mich

Halte mich

Führe mich

Nymphomania

Ich verlass dich nicht♪

(Musik klingt aus)

(Leises Plätschern)

Hallo?

Sie hatten einen Unfall.

Ich rufe einen Krankenwagen und komme gleich wieder.

- Bleiben Sie liegen. - Nein...

Nein.

Was, nein?

Ich brauche keinen Krankenwagen.

Doch, das sehe ich deutlich. Ich rufe einen.

Dann werde ich weg sein, bevor Sie zurückkommen.

- Das wird schmerzhaft sein. - Schon möglich.

Das macht mir aber nichts aus.

Ich nehme an, ich soll auch nicht die Polizei rufen?

Stimmt, da liegen Sie ganz richtig.

Kann ich denn irgendwas für Sie tun?

Ich hätte gerne eine Tasse Tee mit etwas Milch.

Tja...

Na ja...

Dann müssen Sie mit zu mir.

Auf der Straße serviere ich keinen Tee.

Können Sie gehen?

Ja.

Ich habe sogar Kuchen gekauft.

- Ich wasche Ihre Kleidung. - Nicht meinen Mantel.

Er riecht ziemlich streng.

Es ist mein Mantel.

Es ist Ihr Mantel.

Was ist passiert?

Wurden Sie ausgeraubt?

Ich bin selbst daran schuld.

Ich bin einfach ein schlechter Mensch.

- Ich traf noch nie schlechte Menschen. - Oh doch, jetzt schon.

Möchten Sie darüber reden?

Sie würden es nicht verstehen.

Geben Sie mir eine Chance.

Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.

Wieso hängt da dieser lächerliche Angelhaken?

Das ist eine Fliege. Ich fing mit ihr mal einen Fisch.

Einen ziemlich großen. Merkwürdigerweise.

Beim Fliegenfischen geht es darum,

Federn und anderes so an den Haken zu binden,

dass sie wie Fliegen aussehen, die Fische gerne fressen.

Und weil die Fliege sehr leicht ist, braucht man eine Leine,

die schwer ist

Das erzeugt Geschwindigkeit

beim Auswerfen.

Angeln Sie oft?

Immer wieder, doch.

Aber ich fange nicht viel.

Als ich jung war, hatte ich ein Buch, das ich verehrte.

Ein altes Buch von Izaak Walton namens "Der vollkommene Angler".

Es war wie eine romantische Naturbibel für mich.

Ich weiß vielleicht, wo ich anfange.

Aber damit Sie es verstehen,

muss ich Ihnen die ganze Geschichte erzählen.

Und die ist lang.

Lang ist gut.

Mit einer Moral, fürchte ich.

KAPITEL EINS DER VOLLKOMMENE ANGLER

Ich beginne mit dem Köder.

Ich entdeckte meine Möse, als ich zwei war.

Als kleines Kind begeisterte ich mich für Mechanik.

Bewegungsenergie, zum Beispiel,

hat mich immer fasziniert.

Und meine Freundin, nennen wir sie "B",

hatte immer neue Ideen.

Frosch spielen gehörte zu Bs Klassikern.

("Walzer Nr. 2" von Dmitri Schostakowitsch)

(Klopfen)

- (Mutter) Joe, ist alles in Ordnung? - Einen Moment!

(Mutter) Seid ihr fertig?

Lass sie doch in Ruhe, Herrgott noch mal.

Ich liebte meinen Vater sehr. Er war Arzt.

Meine Mutter hieß Katherine.

Mein Vater nannte sie "Kay".

Sie war wohl das, was man eine "kalte Zicke" nennt.

Sie wandte uns immer den Rücken zu, wenn sie Patiencen legte.

Ich hasste Patiencen.

Beim Sportunterricht kletterte ich das Tau hoch

und hing dort ewig rum, mit dem Tau zwischen den Beinen.

"Das Gefühl" nannten wir das.

Ich erinnere mich sehr deutlich an dieses Wort: "Das Gefühl".

Der einzige Unterschied zwischen mir und anderen Menschen ist vielleicht,

dass ich vom Sonnenuntergang immer mehr erwartete.

Atemberaubendere Farben, wenn die Sonne den Horizont berührt.

Das ist vielleicht meine einzige Sünde.

Warum bestehen Sie darauf, dass Kinder Sünder sind?

Nicht Kinder. Ich.

Ich sehe nirgends Sünde,

ich bin aber auch nicht religiös.

Weil Sie den Rest der Geschichte nicht kennen.

Und ich bin übrigens auch nicht religiös.

Warum wählen Sie den lieblosesten Aspekt der Religion,

den Begriff der Sünde,

und erhalten ihn über die Religion hinaus am Leben?

Diesen Selbsthass verstehe ich nicht.

Ich sagte ja, dass Sie es nicht verstehen würden.

Nein, ich...

Tut mir leid, ich bin still.

Bitte fahren Sie fort.

"Nervus pudendus".

"Nervus dorsalis clitoridis".

Mein Vater erzählte mir gern von Bäumen und ihren Blättern.

Für ihn war das Teil einer guten Erziehung.

Als die Esche erschaffen wurde,

wurden alle anderen Bäume im Wald neidisch.

Sie war der schönste aller Bäume.

Man konnte nichts Böses über sie sagen.

Dann, im Winter...

als die Esche all ihre Blätter verlor,

bemerkten alle Bäume ihre schwarzen Knospen und lachten.

"Seht nur, die Esche hatte ihre Finger in der Asche!"

Siehst du?

Im Winter erkennt man die Esche immer an den schwarzen Knospen.

Er liebte die lehrreichen Kindergeschichten besonders,

weil sie mir halfen, mich an das Gelernte zu erinnern.

Ich wusste, wie gerne er diese Geschichten erzählte,

also tat ich manchmal so, als hätte ich sie vergessen.

(Vater) Blätter in Herzform.

Langweile ich Sie?

Nein. Ich bin nur gespannt, wie Sie das Angeln einflechten werden.

Die Fliege an der Wand könnte helfen.

Man nennt sie "Nymphe".

Sie wäre eine gute Einleitung für Nymphomanie.

Die Nymphe entspricht einem frühen Stadium

im Leben eines Insekts.

Als ich noch eine junge Nymphe war,

musste ich unbedingt meine Jungfräulichkeit verlieren.

Hoppla.

Ich kannte diesen Jungen, J, der hatte ein Moped.

Also, er wirkte auf mich ziemlich erfahren.

Ich war 15.

Meine romantischen Erwartungen waren wohl etwas zu hoch.

Aber er hatte gute, starke Hände.

Seine Hände gefielen mir.

Hallo.

- Hi. - Hi.

Wäre es ein Problem für dich, mich zu entjungfern?

Nein, da sehe ich kein Problem.

Also...

Wo soll ich hingehen?

(Quietschen, Rumpeln)

(J hustet kurz)

Es ist der Scheißvergaser.

Ich krieg das einfach nicht hin.

- Das ist nicht so gut. - Hm?

- Das ist nicht so gut. - Stimmt. Wozu hab ich denn ein Moped?

Du solltest vielleicht dein Höschen ausziehen.

Er rammte mir seinen Schwanz rein und stieß dreimal zu.

(Beide stöhnen)

(Sie stöhnt)

(Beide stöhnen)

Dann drehte er mich um wie einen Kartoffelsack.

Dann stieß er ihn mir noch fünfmal in den Arsch.

(Sie stöhnt vor Schmerz)

(Sie stöhnt vor Schmerz)

(Beide stöhnen)

(Beide stöhnen)

(Beide stöhnen)

(Motor knattert kurz)

(Kurzes Quietschen)

(Motor springt an)

Ich habe diese beiden demütigenden Zahlen nie vergessen.

Drei und fünf?

Das sind Fibonacci-Zahlen.

Kann sein.

Jedenfalls tat es höllisch weh.

Ich schwor, nie wieder mit jemandem zu schlafen.

Der Vorsatz hielt natürlich nicht lange an.

Um auf das Angeln zurückzukommen...

Ein paar Jahre später

war ich bei meiner Freundin B.

Und wie immer hatte sie eine neue Idee,

finanziert vom Sparschwein ihres kleinen Bruders,

das sie regelmäßig leerte.

Wir zogen Kleider an, die später

als "Fick mich"-Klamotten bekannt wurden.

Es sollte ein Wettkampf werden.

Wir machten eine Zugreise.

B meinte, wir bräuchten keine Fahrscheine.

"Wer am meisten Männer gevögelt hat, wenn wir am Fahrtziel sind,

gewinnt die Tüte Süßigkeiten."

("Born To Be Wild" von Steppenwolf)

Darf ich mal unterbrechen?

Als Sie den Gang entlanggelaufen sind, haben Sie "den Fluss gelesen".

("Born To Be Wild" läuft rückwärts)

("Born To Be Wild" läuft wieder normal)

(Mann) Die meisten großen Fische halten sich von der Strömung fern,

um Kräfte zu sparen und der Beute aufzulauern.

Wo sie sich im Strom verstecken, folgt einer komplexen Hierarchie.

Die Topographie bestimmt, wo es am attraktivsten ist.

Und die größten Fische nehmen die besten Stellen ein.

(B) Lächle, stell Blickkontakt her.

Wenn du reden musst, stell W-Fragen, sonst sagen sie nur Ja oder Nein.

Dann geht es wie von alleine. Ihr geht aufs Klo und habt Sex.

Und wenn es eklig ist?

Dann denkst du an die Tüte Süßigkeiten.

Wie... Wie spät ist es?

Zehn.

(Zögerlich) Woher kommst du?

Von zu Hause.

Wer weiß, wo die Toilette ist?

Wenn Sie nach rechts gehen, erreichen Sie eine Toilette

am Waggon-Ende.

Aber es ist so klug eingerichtet, dass Sie auch nach links gehen können,

um eine Toilette zu erreichen,

da am Ende des nächsten Waggons auch eine ist.

Ich zeige Ihnen, wo die Toilette ist.

Es erwies sich als erschreckend einfach.

Innerhalb kürzester Zeit lag B vorn, mit fünf zu drei.

Und sie hatte völlig recht: Blickkontakt herstellen und lächeln.

Aber dann war plötzlich Schluss.

Eine klare Parallele zum Angeln im Strom.

Tatsächlich sucht entweder kein einziger Fisch Nahrung

oder alle gleichzeitig, dann verfallen sie in einen Fressrausch.

Alle beißen an. Und so plötzlich, wie es anfing, hört es auf.

Am ehesten beißen sie zu Beginn eines leichten Regens.

Das liegt wohl daran, dass sie sich dann im Strom sicher fühlen.

Denn man sieht sie von oben nicht. Die Wasseroberfläche ist zu bewegt.

Aber dann klappte es wieder, wenn auch etwas langsamer.

Ja, ich glaube, ich weiß, wie das läuft.

Fliegenfischen kann man in mehreren Phasen.

Wenn die Fische nicht mehr beißen, wechselt man zu Phase zwei.

In Phase zwei ahmt man nicht einfach ein Insekt nach,

sondern ein Insekt, das taumelt.

Man zieht an der Schnur, und zwar ruckweise.

So glaubt der Fisch,

es sei eine leichte, verletzte Beute, und dann lässt man die Fliege

wieder hilflos flussabwärts treiben.

Dann, halbherzig,

ein paar Rucke aufwärts.

Das kann man sehr elegant machen.

Geht es Ihnen gut?

Es ist wegen Betty.

Ich habe gerade erfahren, dass sie sehr krank ist.

Ist Betty eine enge Verwandte?

Schon irgendwie.

Sie ist mein Zwerghamster.

Zwerghamster?

- Das kann nicht Ihr Ernst sein. - Was hätte ich tun sollen?

Außerdem hatte ich als Kind wirklich einen Zwerghamster.

Und Sie standen ihm sehr nahe?

Überhaupt nicht. Eine verdammte Plage.

Zwerghamster? Es wäre schlimmer, wenn es ein Mensch wäre.

Sagen Sie das nicht.

Ich mag meinen Hamster sehr.

Ja, ich finde, das war eine sehr zynische Aussage über Betty.

Ja, ich hatte ihr einen gemütlichen Käfig vorbereitet, als ich sie bekam.

Gefiel das Betty?

Betty war begeistert.

Eines der unbedeutendsten Geschöpfe der Natur.

Ist Ihnen klar, dass die Wahl eines Zwerghamsters

gewisse sexuelle Konnotationen suggeriert?

Inzwischen ja, aber es war keine bewusste Wahl.

Zeigen Sie mir, wo die Toilette ist?

Mir läuft die Nase.

Die Zielpersonen gingen uns aus

und B lag nach Punkten vorn.

So landeten wir im Erste-Klasse-Abteil, in dem S saß.

Fahrkarten, bitte.

Danke. Ladys?

Fahrkarten?

(Joe) Oh...

- Ich glaube, ich habe meine verloren. - Kann sein.

Und Sie wohl auch, wie?

Ich habe für Ihren Scheißzug keine Fahrkarte gekauft.

Er ist so verdammt lahm. Wir hätten schon vor 30 Minuten ankommen sollen.

Unabhängig von Verspätungen braucht ihr Fahrkarten.

Je acht Pfund, bitte.

Ups!

Ich habe sie versehentlich zerrissen.

Ich zahle nicht für Papierfetzen.

- Hier ist noch eine. - Tolle Idee.

Oh, die hier ist auch verschwunden.

Die Polizei kann die Zahlung am nächsten Bahnhof entgegennehmen.

Immer mit der Ruhe. Die Damen sind wohl ohne Geld unterwegs.

- Wenn es Ihnen recht ist, bezahle ich. - Nein, ist es nicht.

Behalten Sie Ihr Geld, die Polizei erledigt das.

Es war so vereinbart, ich hatte es nur vergessen.

Verstehe. Zwei Fahrkarten erster Klasse

für zwei erstklassige Ladys.

Angenehme Fahrt noch.

Fahrkarten, bitte!

Jetzt, nachdem Sie so nett zu uns waren,

möchten wir auch nett zu Ihnen sein.

Sehr freundlich von Ihnen, ist aber nicht nötig.

Ich meine es ernst.

Ich habe sowieso schon verloren.

Ich bin bereit, dir fünf Extra-Punkte zu geben...

wenn du den da drinnen rumkriegst.

Ich beschloss, vielleicht etwas verzweifelt,

dass ich die Tüte Süßigkeiten nur gewinnen konnte,

indem ich diesen Mann unmissverständlich provozierte.

(Mann) Großartig. Ein "provozierter Biss".

Wenn alles andere scheitert,

bringt eine dramatische Provokation passive Fische zum Beißen.

Sie reagieren instinktiv auf die richtige Provokation.

Das ist dann keine Fliege, sondern ein Wobbler in leuchtenden Farben,

am besten rot.

Der beste ist der, den wir "finnische Waffe" nennen:

der Rapala-Köder.

Sie haben ein Geschenk gekauft.

Ja.

Für meine Frau.

Sie reisen erster Klasse und haben uns Fahrkarten gekauft.

Warum bringen Sie Ihrer Frau dann kein anständiges Geschenk?

Ich sehe, dass es am Bahnhof gekauft wurde.

Natürlich hätte ich ihr etwas...

Besseres kaufen sollen...

Aber ich musste plötzlich schnell nach Hause.

Warum hat es ein Mann wie Sie,

mit einem so geregelten Leben, plötzlich eilig?

Es hat mit der Familie zu tun.

Meine Frau und ich haben eingesehen...

dass wir doch gerne Kinder hätten.

Und wenn wir Kinder wollen, muss es jetzt sein.

Meine Frau hat gestern angerufen, um mir zu sagen...

dass ihr Eisprung eingesetzt hat.

Und genau heute Abend deutet alles auf maximale Fruchtbarkeit hin.

Verstehen Sie?

Darum kaufte ich ihr ein Geschenk am Bahnhof.

Ich musste mich beeilen, um noch meine Fahrkarte zu kaufen.

Jetzt verstehe ich.

Was verstehen Sie?

Warum Sie keinen Sex mit uns hatten.

Nicht, weil ich es nicht wollte.

Bitte...

Ich flehe Sie an, bitte nicht.

Es ist schon gut.

Bitte nicht.

Sie waren die ganze Zeit so was von geil,

wollten aber Ihre Ladung nicht hergeben.

Bitte nicht.

(Keuchend) Oh, fuck...

(Er stöhnt)

(Er stöhnt)

(Er stöhnt laut)

Wow.

Also wurde oraler Sex, aus der Perspektive des Anglers,

Ihre "finnische Waffe".

Ist das alles, was Sie dazu sagen?

Was soll ich sonst dazu sagen?

Dass ich verwerflich gehandelt habe.

Dass meine Handlungen bereits anschaulich zeigen,

was für ein schrecklicher Mensch ich bin.

So sehe ich das nicht.

Im Gegenteil, ich sehe es als sehr vergnügliche und lustige Geschichte.

Ich habe andere bewusst missbraucht und verletzt.

Um meiner eigenen Befriedigung willen.

Und was ich bis jetzt erzählt habe, ist erst der Anfang.

Aber als Sie die Geschichte erzählten, waren Sie fröhlich, voller Humor.

Sie haben lediglich...

ein paar Leuten eine denkwürdige Erfahrung verschafft

und S seine Ladung genommen.

Aus einem jugendlichen Übermut heraus.

Ich habe gelesen, dass Sperma stirbt, wenn man es zu lange zurückhält.

Oder noch schlimmer, es degeneriert.

Vielleicht haben Mr. S und seine Frau jetzt dank Ihnen ein gesundes Kind.

Ich entdeckte meine Macht als Frau

und nutzte sie ohne Rücksicht auf andere.

Das ist inakzeptabel.

Ach, Liebes...

Nennen Sie mich nicht "Liebes".

Nein.

Ich wollte nur sagen... wenn man Flügel hat,

warum nicht fliegen?

(Draußen fährt ein Zug vorbei)

Keine Geschichten mehr.

Sie müssen schlafen.

Nein, nein.

Das macht mir allmählich Spaß.

Ich weiß nicht mal, wie Sie heißen.

Mein Name ist Joe.

Meiner ist Seligman.

So ein lächerlicher Name.

(Er lacht leise)

Er ist jüdisch.

-Sie sagten, Sie sind nicht religiös. - Mein Urgroßvater schon.

Und meine Eltern nannten mich so als Zeichen einer

sentimentalen Verbundenheit zum Judentum.

Aber wir sind immer Antizionisten gewesen.

Was nicht dasselbe ist wie Antisemiten,

wie manche politische Mächte uns einreden wollen.

"Seligman"...

bedeutet "der Glückliche".

Und, sind Sie glücklich?

Ich schätze, ja.

Auf meine Weise.

Obwohl ich einer bin, der sich erst rechts die Fingernägel schneidet.

Was bedeutet das?

Für mich gibt es zwei Sorten Menschen:

die, die sich erst die Nägel der linken Hand schneiden,

und die, die mit der rechten anfangen.

Nach meiner Theorie sind diejenigen, die mit links anfangen, unbeschwerter.

Sie neigen dazu, das Leben mehr zu genießen.

Denn sie fangen mit der leichteren Aufgabe an

und heben die schwierigeren für später auf.

Und, wie machen Sie es?

Immer die linke Hand zuerst. Ich glaube, es gibt keine andere Wahl.

Sich immer erst auf das Angenehme stürzen.

Ist man dann mit der linken Hand fertig, bleibt nur noch die rechte übrig,

und sie ist dann die leichteste, die übrigbleibt.

So habe ich es noch nie betrachtet.

Na ja, man ist nie zu alt... um dazuzulernen.

- (Joe) Das ist Rugelach. - Ja.

Jüdischer Kuchen. Da haben wir wieder die Sentimentalität.

Aber es ist nicht nur Rugelach. Es ist Rugelach mit einer Kuchengabel.

Rugelach ist für mich ein Gebäck.

Gebäck mit einer Kuchengabel zu essen, ist unverzeihlich.

Es mit einer Kuchengabel zu servieren, ist irritierend unmännlich,

um nicht zu sagen geradezu feminin.

Es kann uns mit meiner Geschichte weiterbringen.

Ich habe auch jemanden gekannt, der Rugelach jeden Tag aß,

fast ehrfürchtig, mit einer Kuchengabel.

Und auch wenn es einen Zeitsprung bedeutet,

muss ich Ihnen von Jerôme erzählen.

Ich schätze, das nächste Kapitel bildet

keine so direkte Anklage gegen mich wie der Rest der Geschichte.

Es wird auch eine sentimentale Seele wie Sie glücklich machen,

da es Beobachtungen zum Thema Liebe enthält.

KAPITEL ZWEI JERÔME

(Joe stöhnt lustvoll)

(Sie stöhnt laut)

Darf ich dir etwas sagen?

Klar.

Klar.

Ja.

Ja, klar.

Vielleicht ist es nicht wichtig. Für mich aber schon.

Für mich aber schon.

Das war mein erster Orgasmus.

Wirklich?

Du bist der Erste.

Das macht mich sehr glücklich.

Ich liebe dich.

Du bist der Erste.

Nun, ich muss zugeben:

Ziemlich viele Mädchen sagen das.

Die Zugreise hatte meinen Appetit gesteigert

und schon bald gründeten B und ich einen Klub

namens "Die kleine Herde".

(Ein Klavierton wird wiederholt) (Im Chor) Mea vulva, mea maxima vulva...

B war die Anführerin, da sie die Mutigste war.

Sie war katholisch erzogen worden. Sie kennen sicher die Praktiken

der katholischen Kirche.

...mea maxima vulva. Mea vulva...

(Seligman) Das ist interessant.

Blasphemisch, satanisch.

Die Musik. Das Intervall zwischen H und F.

Es ist ein Tritonus. Das Teufelsintervall.

Es war in der mittelalterlichen Musik verboten.

Die Staubsaugerin hat es erfunden. Sie nahm Klavierstunden.

Die Staubsaugerin?

Die Staubsaugerin hatte besonderes Talent für schlaffe Schwänze.

Sie hatte eine Art Saugkraft in ihrer Möse.

So etwas dachte ich mir schon.

Es ging ums Vögeln und um das Recht, geil zu sein.

Wir masturbierten zusammen,

solche Sachen.

Aber es war rebellisch.

Keine festen Freunde. Wir durften keinen Kerl mehr als einmal vögeln.

- Wogegen haben Sie rebelliert? - Liebe.

Liebe?

Wir bekämpften die liebesfixierte Gesellschaft.

(Romantische Musik)

Ich glaubte an unsere kleine Herde, aber das war natürlich naiv von mir.

Irgendwann konnte auch die Stärkste unser Manifest nicht mehr befolgen.

Dritter Mai. Mein dritter Geschlechtsverkehr diese Woche,

- wieder mit Alex. - Der dritte?

Wollten wir nicht mit jedem Typen nur einmal ficken?

Ich glaube nicht, dass du das mit Alex verstehst.

- Will ich auch nicht. - Unsere Beziehung...

Beziehung? Da haben wir's.

Du glaubst, du wüsstest alles über Sex.

(Leise) Die geheime Zutat beim Sex ist Liebe.

Für mich war Liebe nichts weiter als Lust gepaart mit Eifersucht.

Alles andere war völliger Unsinn.

Auf 100 Verbrechen, die im Namen der Liebe begangen wurden,

kommt nur eins, das im Namen der Lust begangen wurde.

- Starke Behauptung. - Nun...

Umso mehr wünschte ich mir eine ernsthafte Ausbildung.

("Walzer Nr. 2" von Dmitri Schostakowitsch)

Glasgow.

Aberdeen.

Warum lächeln Sie?

Ich stellte mir vor, wie Bildung wohl in Ihrer Erzählung vermittelt wird.

Da gibt's nichts zu belächeln.

Das verstehe ich.

Was für eine Ausbildung haben Sie erhalten?

Erst habe ich Medizin studiert, wie mein Vater.

Aber es fiel mir immer schwerer, mich zu konzentrieren.

Ich ließ das Studium schleifen, bis ich schließlich abbrach.

Stattdessen suchte ich dann nach einem Job.

Ein Job mit halbwegs anständigem Gehalt war schwer zu finden.

Ich konnte eigentlich gar nichts.

Ich hatte also wenig Hoffnung,

als ich mich als Sekretärin in einer Druckerei bewarb.

Können Sie mir etwas mehr über Ihren Werdegang erzählen?

- Ähm... - Was Ihre Ausbildung angeht.

Ich habe die Schule abgeschlossen

und dann beschlossen, Medizin zu studieren.

Aber das habe ich abgebrochen.

Es hier zu versuchen mag sinnlos wirken.

- Richtig. - Aber ich brauche einen Job.

Ich habe es überall versucht.

Gewöhnlich vergebe ich keinen Job, nur weil einer ihn braucht.

Haben Sie irgendwelche Kompetenzen als Sekretärin?

Nein, ich dachte, Kompetenzen seien nicht nötig, um...

Sie dachten nicht, dass Sie Kompetenzen brauchen, um hier Sekretärin zu sein?

Nein.

Können Sie einen Umschlag öffnen?

Ja, ich glaube, ich kann einen Umschlag öffnen.

Das freut mich zu hören.

Ich bespreche diese Unterhaltung jetzt mit Mr. Jerôme, meinem Chef.

Glauben Sie, es besteht eine Chance?

Das bezweifle ich.

Also...

Für diesen Job ist es wohl völlig okay, keinerlei Erfahrung zu haben.

Sie haben die Stelle.

- Heißt das, ich soll morgen anfangen? - Ich schätze, ja.

- (Joe) Guten Morgen. - Ach ja...

- (Klopfen) - Ja?

Guten Morgen, Sir. Ich möchte Ihnen unsere neue Sekretärin vorstellen.

Joe. Sie wollten ihr ihre Aufgaben erklären.

- Hier ist sie. - Liz, noch einen Kaffee, bitte.

- Gern, Sir. - Danke.

Hi.

Jerôme?

Deine erste Liebe.

Du dachtest sicher nicht, dass aus mir etwas würde.

Und da sitze ich nun auf dem Chefsessel von M&J Morris Ltd.

- Ja, das ist ziemlich überraschend. - Überraschend?

Es ist ein göttliches Zeichen.

Ich denke seit damals oft an dich.

Hast du an mich gedacht?

Tja...

Sonst sitzt mein Onkel hier.

Aber er ist in Kur wegen seinem Magen, nimmt lange Bäder

und trinkt viel Wasser, der Arme, bis auf Weiteres.

Also bin ich jetzt das "J" bei M&J Morris Ltd. Wie findest du das?

Wir drucken Karten und Umschläge und solchen Kram.

Kompliziertes Geschäft. Ich habe keine Ahnung davon.

Komm, ich führe dich herum, ja?

- Liz? - Ja, Sir?

Da sind Sie ja. Gute Arbeit.

Wenn Sie gute Arbeit leisten, sage ich: "Gute Arbeit, Liz."

- Wie heißt sie? - Liz.

- "Gute Arbeit, Liz." - Gute Arbeit, Liz.

Das ist Bobby. Bobby, das ist Joe.

Er druckt die Visitenkarten.

Er ist steckengeblieben.

Fuck.

Ja.

- Gibt es keinen Alarmknopf? - Was?

- Gibt es keinen... - Alarmknopf, ja, gute Idee.

(Kurze Alarmsirene)

Kaum zu glauben.

Nach all den Jahren bist du immer noch so schön.

Oh, nein.

- Nein. - Nein?

- Nein, Jerôme, das funktioniert nicht. - Was?

Das hier.

Warum nicht?

Du bist nicht mein Typ.

Das ist dein letztes Wort?

- Ja. - Na gut.

Verflucht noch mal.

Scheiße.

Okay.

Gib mir die Hand.

Feuerwehrgriff.

- Alles klar? - Ja.

Warum hatten Sie keinen Sex mit ihm?

Ich bin nicht sicher. Ich habe mit vielen Idioten gevögelt.

- Er hat Sie dann wohl gefeuert? - Nein.

Wenn er mich gefeuert hätte, hätte er verloren.

Da niemand meine Aufgaben definiert hatte,

beschloss ich aufzuräumen,

um die Wogen zu glätten.

(Liz) Guten Morgen.

- Anrufe? - Nein, Sir.

Was hast du gemacht?

- Ich habe aufgeräumt. - Du hast aufgeräumt?

- Es war ziemlich unordentlich. - Liz?

Ja, Sir?

Sie hat aufgeräumt.

Das wusste ich nicht. Ich war kurz weg.

Spinnst du total?

- Was sollen Tee und Gebäck hier? - Ich dachte, du wolltest Frühstück...

Du dachtest? Ich bezahle dich nicht fürs Denken.

- Wir machen das noch mal. - Noch mal?

Nimm das, bring es raus und mach es noch mal.

- (Klopfen) - Einen Moment.

Herein.

- Möchtest du jetzt Tee und Hörnchen? - Klar, warum nicht.

- Wo ist meine Kuchengabel? - Kuchengabel?

- Ja. - Ich...

Ich hätte dir eine gebracht, aber es kommt mir unpassend vor.

(Seligman) Unmännlich.

Feminin.

Andererseits muss man sagen,

dass eine Kuchengabel ein praktisches Werkzeug ist.

Wie eine Kreuzung

aus Messer und Gabel.

Es geht darum,

mit einer Hand den Teller zu halten und mit der anderen zu schneiden.

Und dann den Kuchen zu essen... mit der Gabel.

Das ist nicht feminin, aber bourgeois ist es.

Die Bolschewisten sollen

bei ihren Zügen durch Russland,

um Männer von Jünglingen zu trennen

oder vielmehr die Bourgeoisie vom Proletariat,

Jünglinge in die Häuser geschickt haben, die sie anzünden wollten,

um sicherzugehen, dass dort Kuchengabeln waren.

Das ist nicht wahr.

Ich weiß es nicht aus erster Hand.

- (Joe) Hallo. - (Mann 1) Hallo.

- (Mann 2) Hi. - (Joe) Hi.

Könntest du mir vielleicht helfen? Da ist Schmutz drauf, hier.

Deine schmutzigen Finger waren drauf.

- Wir sollten dir die Hände waschen. - Ja, unbedingt.

- Du musst sehr begabt sein. - Ja, klar.

Jerôme hätte gesagt, dass die Kriegserklärung von mir kam.

Oft fuhr er mit mir in die Stadt, nur damit ich seinen Mantel hielt.

- (Joe) Da. - Wo?

Hinter dem grünen Auto.

- Nicht groß genug. - Doch, da ist viel Platz.

Ich hab's gesehen. Da ist kein Platz.

Doch, du kommst rein.

(Leise) Ach, Scheiße.

Nein.

Kann ich's versuchen?

- Ob du's versuchen kannst? - Ich habe ein Talent dafür.

Ich habe es gerade versucht. Da ist nicht genug Platz, Joe.

Okay?

- Kann ich's versuchen? - Du willst es versuchen?

Warum nicht?

Etwa zu dieser Zeit vollzog sich in mir eine tiefgreifende Veränderung.

Plötzlich sah ich so etwas wie eine Ordnung im Chaos.

Das Ganze war ein großer Fehler.

Ich wollte einer von Jerômes Gegenständen sein.

Ich wollte immer wieder von ihm aufgehoben und abgelegt werden.

Ich wollte, dass seine Hände mich anfassen,

nach einem komplexen Prinzip, das ich nicht verstand.

Seinen starken Händen?

Ja, aber es ging nicht mehr nur um seine Hände.

Alles an ihm schien anders geworden zu sein.

Das stimmte natürlich nicht, und das wusste mein Gehirn.

Ich war wütend auf mich, weil ich ihn in diesem neuen Licht sah.

Liebe macht blind.

Nein, nein, es ist schlimmer.

Liebe verzerrt die Dinge.

Schlimmer noch, Liebe ist etwas, worum man nie gebeten hat.

Erotik war etwas, das ich von Männern wollte und verlangte.

Aber diese idiotische Liebe...

Ich fühlte mich von ihr gedemütigt,

auch von der Unehrlichkeit, die daraus folgt.

Bei der Erotik geht es darum, Ja zu sagen.

Liebe spricht die niedersten Instinkte an,

eingehüllt in Lügen.

Wie sagt man Ja, wenn man Nein meint, und umgekehrt?

Ich schäme mich für das, was aus mir wurde.

Aber es entzog sich meiner Kontrolle.

Wissen Sie, was Sie gerade machen?

Nein, was mache ich?

Sie verteidigen Ihre Persönlichkeit.

Ich dachte, es ginge darum, sie zu offenbaren?

Zu dieser Zeit ging ich wieder spazieren.

Ich ging im Wald spazieren.

(Zärtliche Streich- und Klaviermusik)

Im Wald meiner Kindheit.

Ich ging immer denselben Weg, wieder und wieder.

Nach dem Torhaus nach rechts.

Und bei der Esche noch mal nach rechts.

Sie hat die schönsten Blätter im Wald.

Vorbei an der Frau mit dem Pudel

und dem alten Mann auf der Bank.

Er ließ mich nicht los, der Gedanke an Jerôme

und seine lässige Eleganz.

Zu dieser Zeit durften andere Männer

meinen Körper sonst nicht anfassen.

Und schon bald hörte ich ganz auf, Sex zu haben.

Ich versuchte oft, ihm zu begegnen.

Ich fand heraus, wo er wohnte,

wagte aber natürlich nie zu klingeln.

Ich saß lange an einem Brief,

in dem ich ihm meine Gefühle offenbarte.

Ein Monat verging, ehe ich den Mut aufbrachte,

ihn zu übergeben.

Entschuldigung, ist das nicht Jerômes Büro?

Zum Glück ist dies nie Jerômes Büro gewesen und wird es auch nie sein.

Aber mein Neffe hat mich vertreten, während ich krank war.

Ist das ein Brief für ihn?

- Ja. - Geben Sie ihn mir, dann erhält er ihn.

Ich weiß nur nicht, wann, zumal er schon längst weg ist.

Wie junge Leute ihre unbändige Reiselust finanzieren, ist mir ein Rätsel.

- Er ist also fort? - Er hat uns im Stich gelassen, ja.

Er schwärmt von einer Weltreise, hat geheiratet...

Geheiratet?

Geheiratet, ja.

Er ist mit meiner Sekretärin verduftet.

Liz.

Und Ihre Stelle?

Jerômes Onkel verlangte etwas mehr Ahnung vom Geschäft, also...

Und dann war Schluss mit der Liebe?

So einfach ist es wohl nicht.

Doch mehr dazu später.

Wie es in Romanen heißt.

Jerôme ist einfach verschwunden?

Ja. Wobei ich versuchte, ihn auf meine Art zu behalten, im Geiste,

wenn ich im Zug masturbierte, umgeben von anderen Leuten.

- Sie haben auf dem Zugsitz masturbiert? - Ja, sicher.

- Ich setzte ein Puzzle zusammen. - Ein Puzzle?

Ich fand bei den Mitreisenden Details,

die mich an Jerôme erinnerten.

(Zärtliche Streich- und Klaviermusik)

Aber mit der Zeit entglitten mir die Details seines Äußeren,

so sehr ich mich auch bemühte.

So ist das wohl mit dem Gedächtnis. Man erinnert sich schemenhaft,

an das Wesentliche.

Aber das ist nicht unbedingt etwas Schlechtes.

Natürlich sind die Bäume als Umrisse im Winter schwer zu unterscheiden.

Siehst du die Knospen?

Mein Vater gab sich alle Mühe mit seinen Leitfäden zu den Pflanzenarten.

Genaugenommen...

sehen wir im Winter die Seelen der Bäume.

Im Sommer ist alles grün und idyllisch, aber im Winter

treten alle Äste und Stämme hervor.

Sieh nur, wie gekrümmt sie alle sind.

Die Äste müssen alle Blätter ans Sonnenlicht tragen.

Das ist ein langer Überlebenskampf.

Es überraschte mich,

dass er die nackten Stämme "die Seelen der Bäume" nannte.

Ein poetischer Gedanke, der für ihn untypisch war.

Nach eigenem Bekunden zog er die empirischen Wissenschaften vor.

Und nach Jerôme?

Ich reagierte...

nun, sagen wir mal... aggressiv.

Wie?

Indem ich meine Jagd auf Männer intensivierte.

Kennen Sie die Supermarkttüren,

die sich dank eines Sensors öffnen und schließen?

Vergleichen Sie diese Türen mit meiner Vagina,

wobei deren Sensor außergewöhnlich sensibel ist.

Dank meines sensiblen Türöffners

konnte ich meine morphologischen Studien über Blätter auf Genitalien anwenden.

Ich begab mich auf eine Reise.

Ich bereiste, um die Märchensprache zu benutzen,

das Land der großen schwarzen Schwänze,

das Land der kleinen gelben Schwänze und so weiter.

Vor allem kämpfte ich mich

durch unzählige beschnittene Schwänze.

Wussten Sie übrigens,

dass alle jemals abgeschnittenen Vorhäute zusammen

von hier bis zum Mars und zurück reichen würden?

(Draußen fährt ein Zug vorbei)

(Joe) Mrs. H.

KAPITEL DREI MRS. H

Ich hatte einen umfangreichen Männerzirkel aufgebaut

und wusste allmählich nicht mehr, wer nun wer war.

(Mann 1) Schatz, wollen wir uns treffen?

(Mann 2) Hier ist Fisher. Ich denke an das, was du gesagt hast.

Ich bin nicht wütend, falls du das denkst.

(Mann 3) Hi, Joe. Hier ist noch mal Rob.

Es war toll mit dir. Ruf mich an.

(Mann 4) Hi, Joe. Ich habe ein paar Nachrichten hinterlassen. Alles okay?

(Joe) Ich gab es bald auf, mich an die einzelnen Beziehungen zu erinnern.

Es war unmöglich.

Und es war unmöglich zu wissen, was sie hören wollten.

Also erfand ich ein System.

Sie beruhte ganz auf dem Zufall.

Eine Eins bedeutete eine übermäßig liebevolle Antwort.

Eine Zwei: weniger leidenschaftlich, aber noch positiv.

Und so weiter bis zur Fünf: eine Totalabfuhr.

Und Sechs: gar keine Antwort.

Hallo, Eddie, ich bin's.

Ich habe lange nachgedacht. Wir sollten Schluss machen.

Tschüss.

Das Gute daran: Ich musste nicht über die einzelnen Beziehungen nachdenken.

Hi, Patrick. Hier ist Joe.

Stattdessen wurde ich völlig unberechenbar,

was die Männer natürlich noch rasender machte.

Du bist ganz schön lästig.

Ich will dich daher nicht mehr sehen. Ruf nicht zurück.

- (Seligman) Das klingt anstrengend. - Ja, das war es.

Aber zum Glück hatte ich mein kleines Trostbuch.

Wenn ich Trost oder Frieden brauchte,

nahm ich mein Herbarium und sah mir meine Lieblingsblätter an.

Esche, Zitterpappel und Linde.

Wenn man eine größere Gruppe von Liebhabern hat, wie ich damals,

gibt es typische Unterschiede in ihrem Wesen.

H war der Typ Klette.

Du musst gehen. Ich erwarte Gäste.

Aber der kommt erst um 19 Uhr.

Ja, aber bis 19 Uhr ist es nicht mehr lang.

Liebst du mich?

A sollte um 19 Uhr kommen

und ich musste H loswerden.

Ich liebe dich zu sehr.

Du versprichst es immerzu,

aber jetzt ist mir klar, dass du nie deine Familie für mich verlassen wirst.

Es ist traurig, aber...

es ist deine Entscheidung.

Es ist unbefriedigend für mich, dass ich dich nicht ganz haben kann.

Deswegen können wir uns nicht mehr treffen.

Lebe wohl.

Ich...

Ich wünsche dir ein schönes Leben.

(Lautes Klopfen)

Liebling, ich gehöre dir.

Ich habe sie verlassen.

(Er küsst sie)

- (Frau) Ist er reingegangen? - (Kind) Ja.

(Frau) Ist die Tür zu?

- (Frau) Hallo. - (Joe) Hallo.

Es tut mir leid. Wir hatten versprochen, nicht hochzukommen.

Wir wollten uns nur vergewissern, dass er hier sicher angekommen ist,

nach dieser großen Entscheidung.

Dürfen die Kinder zu ihm rein?

Eine schöne Wohnung.

Sie ist so... unkonventionell.

Ach ja...

- Du brauchst den Autoschlüssel. - Nicht nötig.

Doch, du brauchst ihn. Er mag das Auto.

Hier.

- Nimm ihn einfach. - Ich will das Scheißauto nicht.

Ist schon gut. Wir fahren mit dem Bus.

So gewöhnen sich die Kinder am besten daran.

Ihr Lebensstandard wird natürlich nicht mehr der gleiche sein...

(Joe) Hi.

- Was ist das? - Ein Geschenk.

Ein Kissen, das er selber bestickt hat.

- (Mrs. H) Und für wen ist es? - Daddy.

Ist es okay, wenn sie ihren Vater hier Daddy nennen?

Wenn es Ihnen lieber ist, können sie ihn

"er" oder einfach "der Mann" nennen.

Erst wollte ich keinen von euch jemals die Kinder sehen lassen,

aber ich habe es mir anders überlegt.

Ihr Vater sollte den kleinen Menschen gegenüberstehen,

deren Leben er zerstört hat.

Gib Daddy dein Geschenk.

Der Kleine hat ein Auto eingestickt.

Mir ist klar, dass das nicht jeder erkennt,

aber mit dem Herzen erkennt man viel,

so unwichtig diese Information für dich sein mag.

Ist es in Ordnung, wenn ich den Kindern das Hurerei-Bett zeige?

Schließlich sind auch sie von diesem Geschehen betroffen.

Ihr wollt es sehen, stimmt's? Sehen wir uns Daddys Lieblingsort an.

Kommt, Jungs.

Oh!

Hier ist also alles passiert.

Versucht euch dieses Zimmer gut einzuprägen.

Besonders das Bett.

Das wird euch später bei der Therapie von Nutzen sein.

Da fasele ich von Therapie und denke gar nicht an die Kosten!

Glaub nicht, dass wir hier sind, um zu betteln.

Es tut mir leid.

Es tut mir leid.

Ich bin albern. Mami ist albern.

Lasst uns einen Tee trinken.

(Scheppern von Geschirr)

(Sie schluchzt leise)

Der Vater der Kinder hat gern zwei Stück Zucker in seinem Tee.

(Klopfen)

Ich mache das. Nein, nein, bitte.

- Hallo. - Hallo.

Ja?

Wie schön. Sehr aufmerksam.

- Jungs, kommt her. - Ist Joe da?

Das könnte interessant werden.

- Hi. - Das ist mein Sohn.

(A) Hallo.

- Schau ihm in die Augen. - Ich bin Andy.

- Ein Freund von Joe? - Ja.

- Kennen Sie sich schon lange? - Noch nicht so lange, nein.

- Keine Ewigkeit? - Nein.

(Mrs. H) Eine Dreiecksbeziehung.

Das ist so exotisch, so...

weltoffen.

In dieser Hinsicht...

habe ich versagt.

Zweifellos.

Jungs,

jetzt ist es Zeit, aufmerksam zu sein

und alle Fragen zu stellen, die ihr auf dem Herzen habt.

Denn...

ich hoffe,

dass ihr nie wieder solche Leute oder solch eine Situation erleben müsst.

Nun? Habt ihr keine Fragen?

Nein?

Dann fange ich an, ja?

Was meint ihr, wie viele Leben sie innerhalb eines Tages zerstören kann?

Fünf?

Fünfzig?

Oder mehrere hundert?

Hören Sie, das alles ist ein großes Missverständnis.

Jungs,

ich liebe euren Vater nicht.

Das sagt sie nur, damit wir uns besser fühlen,

das ist euch sicher klar.

Denn wenn das nur ein Spaß wäre...

Wäre das nur ein Spaß, dann wäre er so grausam...

Kein Mensch kann so grausam sein.

Ein Netz von Gefühlen zu zerstören, das über 20 Jahre hinweg entstanden ist,

ist kein Spaß, das versichere ich euch.

Nun...

Drei sind einer zu viel, sieben dürften das hübsche Ding also etwas überfordern.

Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass sie die Einsamkeit genießen würde.

Wir sollten die Gelegenheit ergreifen, um zu gehen,

bevor es grotesk wird.

(Sie schluchzt)

(Er weint)

Nein, nein! Komm zurück!

Du machst deinem Vater noch ein schlechtes Gewissen!

(Sie weint laut)

(Sie schreit)

Wie hat dieses Erlebnis Ihr Leben beeinflusst?

Gar nicht.

Gar nicht?

Nein.

Wo gehobelt wird, da fallen Späne.

Ja, das ist wahr.

Manche... geben dem Süchtigen die Schuld.

Anderen tut der Süchtige leid.

Aber ich war aus Lust heraus süchtig, nicht aus Not.

Klar, dass Sie das sagen.

Aus Lust, die um mich herum Zerstörung verbreitete,

wo immer ich hinging.

Nun ja, Sucht führt manchmal zu einem...

Fehlen von Mitgefühl.

Man kann nicht gleichzeitig Löwen bekämpfen und Kindern die Nase putzen.

Für mich hatte Nymphomanie mit Gefühllosigkeit zu tun.

Sie sind sehr stur.

Aber was ist mit Ihnen?

Wie ging es Ihnen dabei?

Ging es Ihnen gut? Oder schlecht?

Mrs. H hatte recht, was die Einsamkeit anging.

Ich kann nicht leugnen, dass sie mein ständiger Gefährte war.

Sie waren also mit all diesen Männern zusammen und doch einsam?

Ich wollte Ihnen nicht davon erzählen...

aber Sie haben mich in eine Falle gelockt.

Es war ein bestimmtes Gefühl.

(Sie seufzt)

Es ist schrecklich, dass alles so banal sein muss.

(Sanfte Musik)

Als ich sieben war, musste ich operiert werden.

Nichts Ernstes, aber eine Narkose war nötig.

Ich war bereits vorbehandelt worden und fühlte mich okay.

Aber als ich in den Raum blickte, in dem die Operation vorbereitet wurde,

da war es, als müsste ich durch ein undurchdringbares Tor,

ganz allein.

Es war nicht nur, dass meine Mutter mir fehlte.

Ich glaube nicht, dass mein Vater mir fehlte, obwohl er der Nette war.

Es war, als wäre ich vollkommen allein im Universum.

Als wäre mein ganzer Körper gefüllt mit Einsamkeit und Tränen.

Und ich darf immer noch kein Mitleid mit Ihnen haben?

Wollen wir fortfahren?

(Joe) Was lesen Sie da?

Ich lese nicht wirklich,

ich mache mich nur wieder mit Edgar Allan Poe vertraut.

- Den kenne ich nicht. - Nein?

Nun, er war ein...

Mann voller Ängste.

Er starb den furchtbarsten Tod, den man sich vorstellen kann.

Das sogenannte Delirium tremens.

Es tritt auf, wenn man nach langem Alkoholmissbrauch

plötzlich abstinent wird.

Der Körper gerät in eine Art hypersensiblen Schockzustand.

Man hat die grässlichsten Halluzinationen,

Ratten, Schlangen und Kakerlaken,

die aus dem Boden kommen,

Würmer an den Wänden...

Das gesamte Nervensystem ist in höchster Alarmbereitschaft.

Permanente Panik und Paranoia.

Dann versagt der Kreislauf.

Doch die Panik und das Grauen bleiben bis zum Zeitpunkt des Todes.

Ich weiß, was Delirium ist.

(Seligman) "Ich war den ganzen Tag geritten,

einen trüben, grauen, lautlosen Herbsttag lang,

durch eine öde und traurige Gegend,

auf die erdrückend schwere Wolken hingen.

Da endlich, als die Schatten des Abends herniedersanken,

fand ich mich in Sichtweite des Hauses Usher."

KAPITEL VIER DELIRIUM

Hallo, Dad.

Hallo, Liebes.

Wie geht es dir?

Ich habe mit Mum gestritten.

Sie... Sie kommt nicht.

Du darfst nicht mit ihr streiten.

Du weißt, wie sehr sich Kay vor Kliniken fürchtet.

Ich weiß, dass sie nicht kommt. Wir haben uns schon alles Nötige gesagt.

Kay und ich haben uns zu Hause verabschiedet.

Ich will gar nicht, dass sie kommt.

Das kann ich nicht akzeptieren.

Du wirst es müssen.

Sie ist eine feige, dumme Zicke.

Nein, ist sie nicht.

- Doch. - Nein, ist sie nicht.

- Doch. - Nein.

Doch, ist sie. Du hast das nie begriffen.

Macht es dir keine Angst?

Nein.

Nein.

Wie kannst du keine Angst haben?

Ich habe so viele sterben sehen.

Und dann gibt es dieses Zitat von Epikur über Furchtlosigkeit vor dem Tod.

"Solange wir da sind, ist der Tod noch nicht gekommen.

Wenn der Tod gekommen ist, sind wir nicht mehr da."

Ich weiß, was passieren wird.

Ich kenne auch alle Medikamente, die ich bekommen kann.

Also, nein.

Ich habe keine... Ich habe keine Angst.

Meine wunderbare Tochter.

Mein wunderbarer Dad.

K... Kay!

Daddy, was hast du?

Kay...

(Er schluchzt)

Daddy.

Hey.

Es wird alles gut.

(Er schluchzt und weint)

Wollen Sie nicht spazieren gehen?

Ich bleibe währenddessen bei Ihrem Vater.

Sie werden bleiben?

- Sie werden hierbleiben? - Ja.

Eschenblätter.

Wo hast du sie gefunden?

Sie waren im Park.

Sie ist wahrlich der schönste Baum im Wald.

Dad.

Wie erkennt man sie im Winter?

Ich habe es dir hundertmal gesagt.

Ich kann mich nicht erinnern.

Als die Esche erschaffen wurde,

wurden alle anderen Bäume im Wald neidisch.

Sie war...

Sie war der schönste Baum im Wald.

Ihr Holz war das stärkste.

Sie war der Weltenbaum in der nordischen Mythologie.

Man konnte nichts Böses über sie sagen.

(Angestrengt) Dann, als alle anderen Bäume...

die Esche mit ihren... schwarzen Knospen sahen,

fingen sie alle an zu lachen.

"Seht nur!

Die Esche hatte ihre Finger in der Asche!"

(Joe schluchzt)

(Vater stöhnt ängstlich) Dad? Daddy!

Daddy, was ist los?

Was ist los?

Daddy, ich bin's!

(Er schreit)

(Joe) Hilfe! Hilfe!

(Piepen)

Schon gut.

Ist schon gut.

Alles in Ordnung.

Beruhigen Sie sich. Alles in Ordnung.

(Vater schreit weiter)

- (Arzt) Wir müssen ihn fixieren. - (Vater) Was macht ihr?

Was macht ihr mit mir?

Joe!

Was machst du mit mir?

(Er stöhnt ängstlich)

(Er schreit)

Joe!

(Er schreit weiter) Joe!

Gönnen Sie sich eine Pause.

(Permanentes Maschinendröhnen)

(Joe) Entschuldigen Sie. Können Sie mir helfen sauberzumachen?

Okay, keine Sorge.

(Schwester) So...

Wir müssen das Bettzeug wechseln.

Bereit?

(Permanentes Maschinendröhnen)

(Sie weint)

Als er starb,

hatte ich keine Gefühle mehr übrig.

(Seligman) Das ist verständlich.

(Joe) Nein. Ich weiß nicht, was mit mir geschah.

Es war sehr beschämend.

(Seligman) Beschämend? Ich verstehe nicht.

(Joe) Ich wurde feucht.

Sie wollen sich negativ darstellen

und machen sich vor, Sie seien schlechter als alle anderen.

Aber diese Geschichte bekräftigt das nicht.

Es kommt sehr oft vor, dass man auf eine Krise sexuell reagiert.

Es mag Ihnen beschämend vorkommen,

aber die Literatur ist voll von schlimmeren Beispielen.

(Draußen fährt ein Zug vorbei)

- Sie hören Musik, wie ich sehe? - Ja.

Das liebe ich sehr.

Soll ich eine Kassette holen?

Wenn schon eine drinsteckt, würde ich die gerne hören.

Ich höre sie in letzter Zeit oft.

Leider ist es keine vollständige Aufnahme.

- Was ist es? - Bach.

Aus seinem Orgelbüchlein.

"Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ".

Das Thema ist ursprünglich ein Choral.

Bach arrangierte ihn neu und verschönerte ihn ein wenig.

Er war der Meister der Polyphonie, falls Sie das kennen.

Nein, noch etwas, das ich nicht weiß.

Die Polyphonie stammt aus dem Mittelalter.

Ein rein europäisches Phänomen.

Sie zeichnet sich aus durch die Vorstellung,

dass jede Stimme eine eigene Melodie hat,

aber sie zusammen harmonieren.

Bachs Vorläufer, Palestrina,

komponierte viele Werke für mehrere Chöre gleichzeitig.

Er gab sich der Polyphonie hin.

(Chöre singen "Missa Hodie Christus Natus Est" von Palestrina)

Aber in meinen Augen

perfektionierte Bach den melodischen Ausdruck und die Harmonie.

Und er kombinierte sie

mit einer recht unverständlichen Zahlenmystik,

die wahrscheinlich auf der Fibonacci-Folge beruht.

Diese Folge beginnt mit der Null. Dann kommt die Eins.

Die Folge entsteht dadurch, dass immer die zwei letzten Zahlen addiert werden.

Null plus eins ergibt eins, eins plus eins ergibt zwei.

Zwei plus eins ergibt drei, drei plus zwei ergibt fünf.

Fünf plus drei ergibt acht, acht plus fünf ergibt dreizehn.

Es gibt eine interessante Verbindung zum Satz des Pythagoras

und zum Goldenen Schnitt.

Es ging darum, ein göttliches System

in Kunst und Architektur zu finden.

So, wie der Tritonus, der in Ihrem Klub auf dem Klavier gespielt wurde,

als Teufelsintervall galt.

Die Quersumme der Zahlenwerte in Bachs Namen

ist 14, und er benutzte diese Zahl oft in seinen Kompositionen.

Das Geniale an Bachs Namen:

Jeder Zahlenwert jedes einzelnen Buchstaben

ist eine Fibonacci-Zahl.

Dieses Stück hat drei Stimmen. Eine Bass-Stimme...

(Tiefe Orgelklänge)

Die zweite Stimme, gespielt mit links...

(Orgelmusik in mittlerer Tonlage)

Und die erste Stimme, gespielt mit rechts.

(Orgelmusik in hoher Tonlage)

Zusammen lassen diese drei Stimmen die Polyphonie entstehen.

Normalerweise betrachtet man eine Nymphomanin

als eine Frau, die nie genug kriegen kann,

und daher mit vielen Menschen Sex hat, und das stimmt natürlich alles.

Aber wenn ich ehrlich bin, geht es für mich gerade um...

die Summe all dieser verschiedenen sexuellen Erfahrungen.

So gesehen...

habe ich nur einen Liebhaber.

KAPITEL FÜNF DIE KLEINE ORGELSCHULE

(Joe) Da das Stück drei Stimmen hat,

werde ich nur von drei Liebhabern sprechen.

Wer der Bass ist, ist klar. Das ist F.

F hatte ein rotes Auto, das er gebraucht gekauft hatte.

Da ich damals jede Nacht mit sieben oder acht Männern Sex hatte,

war die Planung knifflig.

Jeder musste einen genauen Termin haben.

F war ein guter Mann.

Wenn er einen Termin um zehn hatte,

kam er immer gegen neun und parkte unten an der Straße.

Ich musste lächeln, wenn ich ihn sah.

Oft erbarmte ich mich seiner und ließ ihn Kaffee trinken,

während ich mit dem Vorgänger zum Abschluss kam.

Schwer zu sagen, warum ich gerade von F spreche.

Er hatte etwas Beruhigendes

und wusste genau, was ich wollte,

wenn wir Sex hatten.

Ich würde sogar sagen,

dass es eine Art Telepathie gab,

wenn wir Sex hatten.

Ganz ohne Worte wusste er genau,

was ich wollte,

wo er mich zu berühren hatte

und was er zu tun hatte.

Das heiligste Ziel für F

war mein Orgasmus.

"Wann?" Und dann...

antworteten die Schwäne mit der gleichen Stimme...

Das berechtigte ihn zu Privilegien, die kein anderer genoss.

F war die Bass-Stimme.

Monoton, vorhersehbar und ritualisiert,

daran besteht kein Zweifel.

Aber er war auch das Fundament, das so wichtig ist,

auch wenn es für sich genommen nicht viel bedeutet.

(Einfache Orgelmusik in Basslage)

G war anders.

Der Einzige, auf den ich warten musste und wollte.

Wenn er schließlich kam und ich die Tür öffnete,

kam er nicht sofort rein,

wie auch eine Katze nicht gleich reinkommt.

Als hätte sie alle Zeit der Welt, wenn die Tür einmal auf ist.

Aber er war mehr als eine Katze.

Er war wie ein Jaguar oder Leopard.

Er bewegte sich wie sie, was mich unglaublich erregte.

Er hatte das Sagen. So war das.

(Andächtige Orgelmusik in mittlerer Tonlage)

(Bass-Begleitung setzt ein)

Obwohl es mir gelang, die komplizierte Logistik zu bewältigen,

täglich bis zu zehn sexuelle Befriedigungen zu arrangieren

und gleichzeitig einen Vollzeitjob zu haben,

war ich anfällig für eine gewisse Traurigkeit.

Wenn dieses Leben mir Pausen erlaubte,

nutzte ich sie also für meine Spaziergänge.

Diese wiederholten Spaziergänge

wurden zur Metapher für mein Leben.

Eintönig und sinnlos.

Ja, genau wie die Bewegungen eines Tieres im Käfig.

Im Grunde warten wir nur auf die Erlaubnis zu sterben.

(Seligman) Nein...

Nein, nein.

Nein, es gibt in Ihrer Geschichte ganz unrealistische Zufälle mit Jerôme.

Erst stellt er Sie zufällig als Sekretärin ein.

Dann gehen Sie in einen Wald, in dem Fotos von ihm rumliegen.

Und nicht nur das. Er ist dort!

Und wie ein Gott zieht er Sie durch die Wolken zu sich hoch.

(Seligman) Du meine Güte.

(Joe) Jerôme war da, weil er sich mit seiner Frau gestritten hatte,

die in ihrer Wut ihre Reisefotos zerrissen hatte.

- Das ist schwer zu glauben... - Haben Sie mehr von meiner Geschichte,

wenn Sie sie glauben oder sie nicht glauben?

Stimmt. Da mögen Sie recht haben.

(Ein Klavierton wird wiederholt)

(Leise) Die geheime Zutat beim Sex ist Liebe.

Die dritte Stimme. Die geheime Zutat.

(Seligman) Cantus Firmus.

(Sie stöhnt lustvoll)

(Er stöhnt genussvoll)

Fülle all meine Öffnungen.

(Erhabene Orgelmusik in hoher Tonlage)

(Dreistimmige Orgelmusik: "Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ" von Bach)

(Musik bricht unvermittelt ab)

(Er stöhnt leise)

Was ist denn los? Hm?

- Ich kann nichts fühlen. - Was?

Ich kann nichts fühlen.

Ich kann nichts fühlen.

(Verzweifelt) Ich kann nichts fühlen.

(Sie schluchzt)

(Lied: "Führe mich" von Rammstein)

♪Wenn du weinst, geht es mir gut

Die Hand deiner Angst füttert mein Blut

Führe mich

Führe mich

Halte mich

Halte mich

Führe mich

Nymphomania

Ich verlass dich nicht

Führe mich

Führe mich

Halte mich

Halte mich

Führe mich

Nymphomania

Ich verlass dich nicht

Du bist mir ans Herz gebaut

Zwei Seelen spannen eine Haut

Und wenn ich rede bist du still

Du stirbst, wenn ich es will

Wenn du weinst, schenke ich dir

Kinder der Angst, Tränen von mir

Wenn du weinst, schenke ich dir

Die Kinder der Angst, Tränen von mir

Führe mich

Führe mich

Halte mich

Halte mich

Führe mich

Nymphomania

Ich verlass dich nicht

Zwei Bilder, nur ein Rahmen

Ein Körper, doch zwei Namen

Zwei Dochte, eine Kerze

Zwei Seelen in einem Herzen

Führe mich

Führe mich

Halte mich

Halte mich

Ich fühle dich

Verlass mich nicht

Ich verlass dich nicht♪

Untertitel von: Thomas Wojczewski

Can't find what you're looking for?
Get subtitles in any language from opensubtitles.com, and translate them here.