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* langsame, düstere Musik *
* ängstliches Atmen *
Ich muss dir von einem Traum erzählen.
Ich war im Wald.
Aber an den Bäumen waren keine Blätter
und das Moos am Boden war Asche.
Und ich hab Schreie gehört, wie von einem verletzten Tier.
Ich bin dem Schrei gefolgt.
Tiefer und tiefer in den Wald hinein.
Der Schrei war richtig verzweifelt.
Mir hat's fast das Herz zerbrochen.
Und dann
hab ich dich endlich gefunden.
Dich in deiner ursprünglichen Gestalt.
Und mir ist klargeworden, dass das kein Traum gewesen ist, sondern
die Erinnerung an unsere erste Begegnung.
Ich bin aufgewacht
und war froh.
Bald bist du bereit.
Bald wirst du frei.
* düstere Titelmusik *
Ellie Stocker
Gedeon Winter
* gedämpft: Handy, Rufe *
* Düstere Musik schwillt an. *
* Musik verstummt, Handy und Türklopfen. *
* Türklingel, Klopfen *
* hektisches Klingeln und Klopfen *
Ich arbeite beim Bäcker. Ich muss in der Früh um fünf aufstehen.
Das Haus hier hat dünne Wände.
Ich schlafe direkt daneben
und bei Ihnen läutet ununterbrochen das Telefon.
Schon wieder! Da wird man ja spinnert, was ist denn los bei Ihnen?
Warum muss denn das klingeln? * Handy *
Machen Sie halt den Vibrationsmodus an um die Zeit.
Winter, ja?
Bitte? Dauernd klingelt das Handy!
Da kriegst ja einen Vogel! Wer bist du?
Um fünf muss ich aufstehen! Ich arbeite beim Bäcker.
Wer hat das gesagt?
Was rufst du Arsch auf dem Handy an?
Das nächste Mal hol ich die Polizei. Woher hast du überhaupt die Nummer?
Was? Red langsam, okay?
Red langsam, hab ich gesagt! * Nachbarin beschwert sich weiter. *
Sag mal, seid ihr völlig deppert?
Das nächste Mal hole ich die Polizei! Wo ist das?
Du bleibst, wo du bist.
* bedrohliche Musik *
* Klopfen * (Mann) Ja?
Ich bin's.
Der scheiß Junkie-Albaner ... Sch, sch, sch.
Dein Junkie-Albaner hat ...
Ich brauch was für die Nasen.
Sag mal, bist du deppert?
Nimm des, bringt dich auch weiter.
Warum rufst du Arschloch mich am Handy an?
Mein Vater sagt, wenn ich einmal ein Problem hab,
bist du der Mann für alle Fälle. Das kostet extra.
Der bringt mich sowieso um. Das ist nicht mein Problem.
Hat dich jemand reingehen sehen? Nur die eine Alte hat gerufen,
weil der Haberer so aggressiv war. Es interessiert mich nicht.
Hat dich jemand gesehen? Nur die vier Bitches,
die sind illegal da, die sagen nix.
Zieh die Jacke aus. Was?
Zieh die Jacke aus, geh, komm!
Rein da, rein da.
Zieh das Hemd aus, ja, komm, komm.
Was bist denn so aggressiv? Du hältst die Backen und hör zu:
Du schleichst dich jetzt, schau, dass dich keiner sieht.
Dann lass dir von deinem Papa ein Alibi geben für die Nacht.
Hast mich?
Wenn die bei dir anklopfen, wegen DNA-Spuren, sagst du,
dass du schon mal da warst zum Pudern.
Du kannst dich aber nicht erinnern, wann das war.
Hast du mich verstanden? Hä? Hast du verstanden?
Und was ist mit dem Messer? Schleich dich.
* düstere Musik *
* Handy *
Winter? (Mann) "Hab ich Sie geweckt?"
Ja, na klar, was sonst? "Verdacht auf Mord."
Was? "Ein Mord."
Nicht schon wieder, habts keine anderen?
"Leider nicht." Wo ist das?
"Ein Chalet in Sankt Johann." Schick mir die Adresse.
Scheiße.
* bedrohliche Musik *
Heute Nacht wurde in Österreich diese Frau
von einem Mitarbeiter der Teufelshornbahnen
nackt auf einer Skipiste aufgegriffen.
* Er schnupft etwas. *
Sie wurde mit einer Stichwaffe schwer verletzt
und wird zurzeit notoperiert.
Mittlerweile konnte die Frau auch identifiziert werden.
Es handelt sich hierbei um eine Spanierin
mit dem Namen Nuria Garrido.
Geboren in Madrid, 32 Jahre alt und sie arbeitet
bei der Ortus-Stiftung in München als Dolmetscherin.
Aufgrund der Tiefe und der Anzahl der Stichwunden
gehen unsere österreichischen Kollegen momentan
von einem versuchten Tötungsdelikt aus.
* Hubschrauber *
(Beamter) Grüß Gott.
Zuletzt gesehen wurde Frau Garrido in Begleitung dieses Mannes.
Dominik Gross, Vorsitzender der Ortus-Stiftung in München.
Er wird seit letzter Nacht vermisst.
Gross ist Deutscher, das Chalet liegt in Grenznähe.
Wir werden bei der Fahndung helfen und unsere Kollegen unterstützen.
Sagt Ihnen diese Person was? - Naa, wer soll das sein?
Der als vermisst gemeldete Herr Dominik Gross.
Ich war grade oben am Tatort. Was sagen die vom Krankenhaus?
Dann frag nach, die Frau ist eine Augenzeugin, bis gleich.
Trottel.
Wie sehen die Stichverletzungen aus?
Darüber haben wir noch keine Infos, guten Morgen.
Morgen, allerseits. (alle) Morgen.
* Klopfen * An die Arbeit, gehen wir.
Wart erst mal ab, das kann momentan alles sein.
Ich halt dich auf dem Laufenden, okay?
Okay. Okay.
* Bellen *
* spannungsvolle Musik *
Jaja, verstehe. Und Fußspuren von dem Schneemobil weg?
Dann erweitert den Suchradius.
Alter. Chef, die Piloten haben was.
(Pilot) "Leitstelle, kommen." - "Leitstelle an November 1."
"November 1, ich sehe eine Person am Gipfel."
"November 1, Person bewegt sich nicht."
Könnten Sie bitte rausgehen? "Bergrettung an Leitstelle,
fliegen näher ran."
"November 1, sind auf 50 Meter." - "Leitstelle an Bergrettung,
was seht ihr?" - "Der kniet im Schnee."
(November 1) "Seht ihr das? Bergrettung, seht ihr das auch?"
"Scheiße."
Das haben die Österreicher gerade geschickt.
* spannende Musik *
* Auslöser *
* Auslöser *
* unheilvolle Klänge *
* Auslöser *
Na, private Fotosession beendet?
Ich freu mich auch sehr, Sie wiederzusehen.
Ja, genau, happy.
* mehrfaches Auslösen *
Schaut so aus, als ob Sie den Fall nicht loswerden.
Ja, schaut so aus.
Was ist mit der Frau?
Die hat den Täter gesehen. Weiß nicht.
Die ist gerade aus dem OP raus. Ich war grad auf dem Weg dahin,
als mich die freudige Nachricht ereilt hat,
dass Sie Kontakt suchen. Lassen Sie uns zusammen fahren.
Ich bin wirklich nicht heiß auf die Sache.
Dieses Mal ist sein Kopf und Arsch auf unserer Seite.
Und solang nicht geklärt ist, wer für die Geschichte zuständig ist,
muss ein Österreicher die Sache erledigen.
Was? Soll ich mit Blut unterschreiben?
Politik ist Politik.
Ich würde trotzdem gern mitkommen,
vielleicht kann ich helfen. Okay, ich fahr voraus.
Wir kennen uns auch, vom Pass. Wie geht's Ihnen?
Gut, danke, und Ihnen? Auch gut, danke.
Könnten Sie meinen Wagen nachbringen?
Äh, ja. Super, danke.
Und mit wem fahren Sie dann?
Vor seiner Zeit bei der Ortus-Stiftung
war Gross Vorstand der Henning AG.
Ein Bestechungsskandal 2007 hat ihn den Job gekostet.
Er hat ein Buch geschrieben, "Über den Gipfeln der Macht".
War dreißig Jahre lang verheiratet und hat vier Kinder.
Kollegen von mir haben der Witwe vorhin die Nachricht überbracht.
Eigentlich waren es ja zwei Nachrichten.
Sie hat erfahren, dass ihr Mann tot ist
und dass er sie jahrelang betrogen hat.
Sie wird nie mit ihm darüber reden können.
Das find ich ja das Schlimmste, den Leuten sagen zu müssen,
dass jemand gestorben ist, den sie lieben.
* Er atmet schwer aus. *
Wenn in Indien wieder mal ein Zug entgleist und 200 Menschen sterben,
dann ist uns das da ein bisschen zu abstrakt.
Aber wenn im Freibad ein Kind ersäuft,
da sind sie dann plötzlich da, die ganz großen Gefühle.
Und deswegen haben Sie lieber erst gar keine?
* Handy *
Geh, Alter.
Pass auf, ich ruf dich an und sag, wann und wo.
Und ruf mich nie wieder am Handy an. Servus.
* ruhige Musik *
Familie?
So was Ähnliches.
Danke.
Im Sommer ist es eigentlich ganz schön hier.
Jetzt ist die Hütte nur ein Pickel am Arsch der Welt.
Und kalt. - Ein kalter Arsch.
Hm?
Nein, danke.
Mach dir keinen Kopf wegen der Chefin.
Die ist zu allen so, die kann nicht anders.
Sie hasst mich.
Dabei will ich immer machen alles richtig.
Musst du an dir abtropfen lassen.
Einfach an was anderes denken.
Guck mal, Zaubertrick:
Hokus Pokus.
* Lachen * Au!
Du bist ganz schlechter Zauberer.
Hallo, ich bin super! Ich hab nur das Fidibus vergessen.
Ich muss zurück zur Arbeit.
Tina, ich hab's bekommen. Ist großartig, super Arbeit.
Danke dir.
Erinnern Sie sich an den Mord auf dem Pass? Der tote Schlepper?
Sind Sie da immer noch dran?
Hier die deutsche Soko-Leiterin, Ellie Stocker.
Das Foto ist von heute Früh vor Dominik Gross' Chalet.
Und das ist der österreichische Beamte, der damals auch dabei war.
Gut. Die Fälle hängen vielleicht zusammen. Das wäre 'ne Meldung wert.
Das ist nicht nur eine Meldung, das ist was ganz Großes.
Das hat Potenzial, so was wollen die Leute.
Das wird sich zeigen. - Ich weiß das.
Das muss man sich nur vor Augen führen. Stellen Sie sich vor:
ein Sehnsuchtsort.
Ausgerechnet dort, wo die Welt noch in Ordnung ist,
schlägt plötzlich das Böse zu.
Ja, das klingt ganz interessant, aber übertreiben Sie nicht etwas?
Er hat mir die Botschaft geschickt! Also uns. Unserer Zeitung.
Also haben wir die Verantwortung.
Gut. Dann bleiben Sie weiter dran. Liegt ganz an Ihnen.
(Frau) Wann sie wieder zu sich kommt,
kann ich Ihnen zurzeit nicht sagen.
Es war sehr schwer, sie zu stabilisieren.
Sie hat viel Blut verloren.
Die Stichkanäle im Thorax sind breit und tief,
haben innere Organe verletzt, Magen und Darm durchstochen,
aber die Bauchschlagader sowie größere Arterien knapp verfehlt.
Schläge im Gesicht und leichtere Schnittverletzungen hier und hier.
Wie konnte sie mit so schweren Verletzungen dem Täter entkommen?
Meine Meinung: gar nicht. Jedenfalls nicht gleich.
Wie? Angstbradykardie.
Wenn bei extrem hohem Adrenalinausstoß
weder Kampf noch Flucht möglich ist,
dann kann der Organismus sprichwörtlich vor Angst erstarren.
Der Herzschlag sinkt dabei auf ein Minimum.
Dieser Zustand kann einige Minuten andauern.
Die Frau muss von außen wie tot ausgesehen haben,
ist dann aber wohl wieder aufgewacht.
Darf ich mal?
Sie hatte schlimme Schmerzen. Ja.
Okay, vielen Dank.
* beklemmende Klänge*
Ich arbeite mit meinen Leuten
seit drei Wochen an diesem Fall. Ja, ich hab mit Ihrem Chef geredet.
Die Sache ist aber größer, als wir gedacht haben.
Und der Täter agiert auf beiden Seiten.
Es macht also Sinn, Ihre Soko mit unserem Team zusammenzulegen.
Wann wird das entschieden? Die Innenminister sind in Kontakt.
Bis dahin sind wir froh, wenn Sie uns unterstützen.
Oder, Herr Winter?
Jaja, sicher.
Wenn Sie wollen, kann uns Christian Ressler beraten,
der Fallanalytiker. Ressler?
Das wäre genial. (Mann) Frau Stadtlober?
Ja, Moment. Hier ist heut die Hölle los.
Seit dem Artikel ermittelt das ganze Land.
Ein Artikel? Auf der Online-Seite der Münchner.
Die haben wieder geschrieben. Es gibt ein hübsches Foto von euch.
Ressler, Wahnsinn!
Haben Sie sein Buch gelesen? Naa.
Wir haben nur die DNA-Spuren von Gross und der Frau.
Es war aber eine dritte Person im Chalet.
Der Täter muss Handschuhe getragen haben, vielleicht einen Schutzanzug.
Das Schuhprofil ist seltsam, schaut aus wie manipuliert.
Das hat jemand nachträglich verändert.
Das ist der Bericht aus dem Labor. Im Blut von Gross war Rohypnol.
Das lähmt die Muskulatur.
Die Frau ist nicht vergiftet worden? Die ist wohl vorher aufgewacht.
Also, er sticht auf sie ein, denkt, sie ist hinüber,
und dann, dann bringt er den Gross um.
Er schleift ihn zum Motorschlitten ...
Langsam, Litkowski. Nicht hetzen, langsam.
Wie ist er überhaupt reingekommen?
Scheinbar hat er das Alarm- und Überwachungssystem ausgeschaltet.
Und ist eingestiegen.
(Heller) Die Schiebetür hat keine Zusatzsicherung.
Und das Alarmsystem, kann man das auch so ausschalten?
Eigentlich nicht. Aber ... Aber?
Auf Gross' Handy war eine Hackersoftware.
Da schau.
Jemand schickt dir den Link,
'ne SMS oder per Mail mit Anhang, und wenn du den öffnest:
Bumm! Dann installiert sich das auf deinem Handy.
Damit kann derjenige alle Daten auslesen.
Ähm, Emails, Gespräche, Chats, Kalender, alles.
Alarm- und Überwachungssystem werden auch über eine App gesteuert.
Deshalb wusste er, wann Gross im Chalet ist.
Na ja. Ja. Mit wem. Wie oft.
Ja, das hab ich jetzt auch verstanden.
Sehr gut geplant alles.
Kompliment. Trotzdem ging er ein Risiko ein.
Es gibt viele Parallelen zum ersten Mord.
Ein Einzeltäter, der seine Tat genau plant: das Gift, das Messer,
die Tötungsart, das Zurschaustellen der Leiche, der Rossschweif.
Aber hier ist er ein viel größeres Risiko eingegangen.
Ein prominentes Opfer in Begleitung,
er steigt in ein Haus ein, das mit einer Alarmanlage gesichert ist.
Warum macht er sich's noch schwerer als beim letzten Mal?
Ich denke nicht, dass er die Frau zuerst umbringen wollte. Darf ich?
Die Position von dem Stuhl da, die Blutspuren drum herum.
Die ersten Verletzungen waren nicht tödlich.
Vielleicht wollte er Nuria Garrido erst leicht verletzen,
um sie einzuschüchtern.
Dann hat er sie auf den Stuhl gesetzt.
Und sie musste zuschauen.
Die Frau musste zuschauen,
wie er seine Macht ausübt, wie er Gross quält.
Dann hat er den Mann wahrscheinlich vor ihren Augen hingerichtet.
Dann hat er die Frau aufs Bett geworfen und auf sie eingestochen.
Er braucht Zuschauer.
Darum nimmt er die Mühen in Kauf.
Am Tatort war die Frau sein Publikum, hier sind wir es.
Die Presse, die Leute, die das lesen.
Der hat Gross ganz gezielt ausgewählt.
Er will sagen: "Schaut, dazu bin ich fähig.
Ich bin genial und ich hab den Längsten."
Das, äh, ist übrigens die Kollegin Stocker aus Deutschland.
Vielen Dank für die interessante Einschätzung.
Hi. - Ah ja, übrigens,
wir haben die Anrufe ausgewertet.
Den einen, den sollten Sie sich anschauen.
Vielleicht nur ein Spinner, aber der redet von Bestrafung
und der roten Jahreszeit.
* spannungsvolle Musik *
* Hundebellen *
* Musik wird düster. *
* Hundebellen, Schleifgeräusch *
Der Gross war der Vorstand von der Henning.
Der war oft im Fernsehen und in der Zeitung.
Von dem hat er immer wieder geredet.
Die Mächtigen, hat er gesagt,
die Großkopfigen und die Globalisierung.
Die leiten das letzte Kapitel ein.
Sie haben von "der roten Jahreszeit" gesprochen.
Das hab ich am Telefon alles schon erzählt.
Dann erzählen Sie es doch noch mal, bitte.
Das ist die Zeit danach.
Wenn alles, wie wir es kennen, zu Ende geht.
Wenn die Gesellschaft sich zerstört hat.
Dann überleben nur die, die wo bereit sind, die nicht gegen,
sondern mit der Natur sind.
Die Leute aus der Sekte?
(stöhnend) "Sekte". Das ist keine Sekte.
Der Mann kann nur viel weiter schauen.
Und weil er mehr sieht als wir,
drum redet er nicht nur gescheit daher.
Sondern macht halt auch was. Und, was?
Er hilft denen, die es wollen.
Nur wer mit der Natur leben kann, der kann auch überleben.
Und Sie gehören zu denen, die überleben?
Naa.
Er wollte mich nicht mehr.
Ich hab ein bisschen viel getrunken in der Zeit, zu viel Scheiß gebaut.
Er hat gesagt, ich wär zu schwach.
Deswegen lieferst du ihn jetzt ans Messer? Willst dich rächen?
Was?
Nein, ich liefere den doch nicht ans Messer. Spinnts ihr?
Ich wollte euch nur einen Hinweis geben.
Der darf davon auf gar keinen Fall erfahren.
Auf gar keinen Fall!
Wisst ihr, was der mit mir macht?
* beklemmende Klänge *
Ist euch überhaupt klar, wer der Mann ist?
Cernunnos.
Gott des Waldes.
Der hat in meine Seele geschaut.
* düstere Musik *
* Autotür fällt zu, Gespräch unverständlich. *
Wir würden gern Herrn Brunner sprechen.
* Gackern im Hintergrund *
Der ist leider nicht da.
Und Sie sind? Die Leute nennen mich Manus.
Die rechte Hand vom Herrn Brunner.
Manus und Cernunnos.
Woher haben Sie das? Wir haben unsere Quellen.
Aha. Wo ist denn Herr Brunner?
Das kann ich leider nicht sagen. Der ist schon ein paar Tage weg.
Wo wollte er hin? Das weiß ich nicht so genau.
Er ist öfter für 'ne ganze Zeit im Wald. Keiner weiß, wann er kommt.
Was macht er im Wald?
Der Herr Brunner, der ist ein Grenzgänger.
Der wandelt zwischen Natur und Zivilisation.
Er ist unser Lehrer, er bereitet uns vor
auf die Zeit danach. Ja richtig, das Ende naht.
Weil die rote Jahreszeit bricht ja bald an.
Das klingt für Sie gespinnert.
Schauen Sie sich die Menschheit doch an.
Jedes Gesellschaftssystem ist zusammengebrochen.
Ob Römer, der Perser, Ägypter ...
Wir dürfen nicht glauben, wir sind was Besseres.
Die Hybris von den Leuten, die Dekadenz.
Die bringen alles zum Einsturz, und Brunner weiß, wie man überlebt.
Ehrlich? Wo kann man sich da einschreiben?
* Er lacht. * Für Zyniker haben wir keinen Platz.
* Er kichert leise. *
Alles in Ordnung?
Jaja, kannst dich gern umschauen.
Wenn Sie hier mit Ihrer Gruppe
den Untergang unserer Zivilisation überleben,
was geschieht dann mit den anderen?
Wer nicht vorbereitet ist, der kann nicht überleben.
* Tor quietscht. *
* Babyweinen im Hintergrund *
Die Leute, die nicht an Ihre Philosophie glauben, müssen sterben.
Na ja, das ist doch ein ganz natürlicher Prozess.
Wenn es die Zivilisation nicht mehr gibt, ist hier nur die Natur,
und die ist viel stärker als wir.
Wer dann nicht gelernt hat, in Einklang mit ihr zu leben ...
* leise, düstere Musik *
* Musik schwillt leise an. *
* spannungsgeladene Klänge *
Also, was Sie erzählen, das klingt alles ziemlich brutal.
Brunner neigt ja zu Gewalt. Ist sogar vorbestraft.
Seine Exfrau hat ihn angezeigt. Schwere Körperverletzung.
'tschuldigung, jetzt muss ich doch fragen.
Haben Sie einen konkreten Vorwurf?
Wenn nicht, dann bin ich zu keiner Aussage verpflichtet.
Ist das richtig? Das ist richtig.
Aber Herr Brunner sollte sich schnell melden.
Sonst lasse ich ihn suchen.
Ja.
* Der Boden knarrt. *
* düstere Musik, hallende Kinderstimme *
* Schleifgeräusche *
* laute hallende Schritte *
(laut) Herr Winter?
Wir gehen.
* Motor wird gestartet. *
* beklemmende Klänge *
* Musik schwillt an. *
Ich hab dir Post auf den Schreibtisch gelegt.
Schönen Abend. - Dir auch.
* bedrohliche Musik *
* Musik verklingt. *
Herr Turek. Hat er sich bei Ihnen gemeldet?
Oh, bitte. Nicht so schnell.
Ich bin extra aus München gekommen, um Sie zu sprechen.
Freut mich, Sie kennenzulernen.
Ich hab über Sie recherchiert.
Sie sollen sehr zielstrebig sein. Ich mag das, das gefällt mir.
Wenn Sie Informationen wollen, haben Sie den Weg umsonst gemacht.
Frau Stocker, mir ist eines sehr wichtig:
Sie können mir vertrauen. Ich hab die erste Botschaft weitergeleitet,
noch bevor nur ein Wort veröffentlicht worden ist.
Er hat sich gemeldet.
Er vertraut mir scheinbar.
Ich hab die Redaktion im Nacken, die wollen das Ganze sofort drucken.
Aber ich hab gesagt, auf keinen Fall,
nicht bevor ich mit Ihnen geredet hab.
Deswegen finde ich, sollten wir zusammenarbeiten.
Ich kann Ihnen was geben und Sie mir auch.
Informationen, an die keiner rankommt.
Herr Turek. Wir machen keine Deals mit der Presse.
Das mag schwer nachvollziehbar sein,
aber die Menschen stehen an erster Stelle.
Opfer, für die es zu spät ist, Familien,
die Leute, die wir beschützen müssen.
Wenn Sie etwas haben, geben Sie es mir.
Sie unterschlagen Beweismaterial.
Für mich stehen die Menschen auch an erster Stelle.
Sind Sie auch so schwer zugänglich?
Ich bin der "good cop".
(Gross) "Ich weigere mich, tief zu leben. Ich ..."
* Frauenweinen im Hintergrund *
"Ich steh über den Gipfeln und zer- trete den Himmel unter euren Füßen."
(ängstlich) "Ich kenne keine Demut."
"Ich war gierig, ich habe mich bereichert ...
* Schreien * ... und gelogen."
"Ich hab ... Meine Strafe wird eure Rettung sein."
(schluchzend) "Bitte nicht."
* Wimmern *
"Eine neue, bessere Welt
wird kommen."
(flüsternd) "Die rote Jahreszeit bricht an."
* dramatische Musik *
(Claas) Die Innenminister von beiden Ländern
haben die Teams aufgestockt und zusammengelegt.
Wir mieten das Hoffmann-Gelände an der Grenze,
da ist genug Platz und es ist schnell erreichbar.
Es wird mehr Geld geben,
es gibt einen Etat für den Analytiker.
Das ist 'ne ...
'ne ganz andere Geschichte jetzt.
Mit dem Mord an Gross ist das zu einem Politikum geworden.
Die haben mich gefragt, ob ich dir das noch zutraue.
Mir ist egal, was die denken, aber ...
Wenn wir Fehler machen, dann macht uns die Presse die Hölle heiß.
Jeder wird mitreden, alle werden sie's besser wissen
und es geht nicht mal um die Sache, das wird emotional.
Ab jetzt arbeiten rund um die Uhr 30 bis 40 Leute unter dir, Ellie.
Für die hast du allein die Verantwortung.
Ich hab dir von meinem letzten Fall erzählt.
Mir hat's damals fast das Genick gebrochen.
Ich war vielleicht ehrgeizig genug, aber ...
Hab sicher den Druck unterschätzt.
Wenn's den Moment gibt, um auszusteigen, dann jetzt.
Niemand nimmt's dir übel,
wir nehmen einen erfahrenen Ermittler, jeder versteht's.
Okay.
* Kuss *
Danke.
Ich werd dich vermissen.
Du bist ja nur eine halbe Stunde von hier.
Na ja, aber wer leistet mir jetzt beim Rauchen Gesellschaft?
* sanfte Musik *
Ähm ...
Dieser Brunner.
Wenn du was Konkretes hast, dann sag mir Bescheid, ja?
Ich ruf den Staatsanwalt an.
Der ist ein zäher Hund, der will immer alles genau wissen.
Wir sind dran, ich hab Leute geschickt, die den Hof beobachten.
Gut.
Hallo, Herr Ressler.
Ellie Stocker, ich bin die erste Sachbearbeiterin auf dem Fall.
Ich freu mich sehr, dass Sie uns unterstützen.
Ihr Buch hab ich drei Mal gelesen. Mindestens.
Da sind Sie nicht die Einzige.
Ich schreib grad an Band zwei.
Kapitel eins baut sich zunächst auf wie ein neuer Fall,
ist aber dann ein Traum.
Das klingt interessant.
Müssen Sie mir nachher unbedingt noch weiter erzählen.
Wollen Sie vorher noch einen Kaffee?
Um Gottes willen. Einen grünen Tee mit Milch und Honig, bitte schön.
Das kriegen wir auch noch hin.
Das ist übrigens mein Kollege Gedeon Winter aus Salzburg.
Ja, wir kennen uns.
Ach, echt? Entfernt.
Gut, dann können wir ja direkt loslegen.
(Ressler) Wie ich aus den Polizeiberichten entnehmen kann,
war unser Mann bei beiden Taten sehr gut vorbereitet.
Er verfügt also über genug Zeit, seine Taten zu planen.
Vermutlich ist die Person kinderlos
und geht keiner festen Beschäftigung nach.
Er verfügt über finanzielle Mittel,
die ihm auch eine gewisse Unabhängigkeit verschaffen.
Der Täter hat mit Sicherheit einen Raum,
in dem er ungestört planen und sich vorbereiten kann.
Ein Haus, einen Keller, einen Speicher, irgendeinen Ort,
zu dem nur er Zutritt hat.
Die letzten Ermittlungen haben ergeben,
dass das Handy des zweiten Opfers
mit einer Schadsoftware versehen wurde.
Unser Täter besitzt also Computerkenntnisse
und er hinterlässt keine Spuren.
Beide Taten waren von langer Hand geplant.
Die Platzierung und die Inszenierung der Leichen,
die Symbole, seine Audiobotschaften
zeigen seine starke narzisstische Neigung.
Er braucht Publikum.
Deshalb auch der gezielte Kontakt zur Presse.
Es reicht ihm nicht, nur von uns gesehen zu werden.
Er will von allen gesehen werden.
Auf der anderen Seite ist unser Mann ein ausgeprägter Sadist.
Er sucht den Schmerz und die Angst seiner Opfer.
Er genießt den Moment vor dem Tötungsakt.
Unser Täter ist sicher nicht verrückt.
Er leidet nicht unter Wahnvorstellungen
und, auch wenn das vielleicht so ausschaut:
Unser Mann ist auch kein politisch motivierter Terrorist.
Gut.
Beide Opfer haben in seinen Augen Böses getan.
Ein krimineller Schlepper, ein korrupter Manager,
aber darum geht es ihm nicht wirklich.
Kontrolle,
Macht,
Zerstörung.
Das allein treibt ihn an.
Natürlich weiß er,
dass diese Bedürfnisse nicht gesellschaftlich anerkannt sind.
Ein Dilemma.
Sein Narzissmus verlangt, bewundert zu werden,
sein sadistischer Trieb will quälen und zerstören.
Was tun?
Er konstruiert sich eine Ideologie,
in der er beides sein darf.
Grausamer Schlächter
und strahlender Ritter zugleich.
Unser Mann
ist Henker und Richter in einer Person.
* Knistern, düstere Musik *
* Rabenkrächzen *
* entspannte Musik im Hintergrund *
Warum ruft Ihr debiler Sohn mich auf dem Handy an?
Haben S' dem ins Hirn geschissen? (Mann) Ich weiß.
Mein Sohn ist ein unnötiges Scheißgebein.
Aber bei uns gibt's eine Regel und die lautet:
Familie ist heilig.
Du gehörst auch dazu.
Du bist unser Mann, wenn's Ärger gibt.
Ist doch eh wieder alles beim Alten.
Falke,
du hast uns einen Gefallen gemacht.
Und ich lass mich nicht lumpen.
Das Messer
war eine Fahrkarte nach Steyern.
Und die gilt ein Leben lang.
Ich hab's fachgerecht entsorgt, alle Spuren beseitigt.
Sicher, ich weiß.
Du warst immer zuverlässig.
Also, wie viel willst?
Also gut, das ist mein Preis:
Ich bin draußen.
Keine Serviceleistungen mehr, keine Informationen.
Unsere Geschäftsbeziehung ist hiermit beendet.
Du weißt aber schon:
Mit uns ist das Leben einfacher.
* dramatische Musik *
Ich mag's zurzeit kompliziert.
* bedrohliche Musik *
* Musik schwillt an. *
* Plätschern *
* Tür quietscht. *
* Tür fällt ins Schloss *
* Handy *
Ja?
"Herr Winter, ich bin's, Ellie Stocker."
"Unsere Zeugin, sie ist aufgewacht."
Ich komm.
* Geräte piepsen. *
* stummes Gespräch, unheilvolle Musik *
(gedämpft) Ganz viele Haare.
* stumm, unheilvolle Musik *
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2019
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