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Original subtitles

(Blecherne Orchestermusik)

(Krähen)

(Triumphierende Musik)

(Dramatische Orchestermusik)

(Musik wird verhalten)

(Singt Sopran) ♪ Ich schenk mein Herz nur dem allein

♪ Dem ich das Höchste könnte sein ♪

♪ Der mich gewinnt, der mich erringt

♪ Der mir zu Füßen liebend sinkt

♪ Ich schenk mein Herz nur einem Mann

♪ Dem ich in Liebe gut sein kann

♪ Der mir gefällt

♪ Den ich begehr

♪ Ob er nun Knecht

♪ Oder König wär

(Spricht mit Akzent) Die Männer haben mich umworben

Ich bin gewöhnt an Schmeichelei

(Singt mit Triller) ♪ Ich habe dieses Spiel verdorben

♪ War nur mein Herz auch nicht dabei

♪ Schlugen sie mich in Banden

♪ Dann war ich stets ein anderes Weib

♪ Doch nie hab ich's verstanden

♪ Zu lieben nur zum Zeitvertreib

♪ Ich schenk mein Herz nur dem allein

♪ Dem ich das Höchste könnte sein

♪ Der mich gewinnt, der mich erringt

♪ Der mir zu Füßen liebend sinkt

♪ Ich schenk mein Herz nur einem Mann

♪ Dem ich in Liebe gut sein kann

♪ Der mir gefällt

♪ Den ich begehr

♪ Ob er nun Knecht

(Singt im Falsett) ♪ Oder König wär

(Musik verklingt) (Applaus)

(Jubelrufe)

(Gedämpfter tosender Beifall)

(Er brüllt wütend)

(Er atmet stoßweise)

(Applaus und Bravo-Rufe setzen sich fort)

- Was ist denn passiert, Herr Höfgen? - Was willst du hier?

Scher dich zum Teufel, raus!

(Applaus und Jubel nehmen ab)

Wir sind zu einem langweiligen Bankett eingeladen.

Da müssen wir hin. Seid nicht böse.

- Ein paar Minuten, Dorchen? - Wir kommen sowieso schon zu spät.

Entschuldigung. Verzeihen Sie, guten Abend.

Ich möchte Ihnen sagen, wie wunderbar Sie waren. Fantastisch.

Gut, dass ich Sie erwische. Das war großartig.

Sie Schwindler, Sie waren gar nicht in der Vorstellung.

Sie sollen sehr begabt sein.

Ich, begabt? Lauter, bitte.

Oh ja, Sie sind wirklich sehr talentiert, Herr Höfgen.

Ich bin sicher, Sie werden beweisen können, wie talentiert Sie sind.

Ich muss jetzt gehen. Auf Wiedersehen.

- Böck, sieben Mark. - (Frau) Aber Hendrik.

Brauchst du Geld, kann ich dir 50 Mark bis zum Ersten leihen.

Misch dich nicht in Männersachen.

Böck gibt, und er gibt gern. Komm her.

Guten Abend, Miklas. Guten Abend.

Dank dir schön. So!

Der Doktor Kroge, der lässt mich ja verhungern.

- Guten Abend, Höfgen, Sie alter Sünder. - Der Sünder setzt sich.

Herr Direktor, wie hat's Ihnen gefallen?

Was belastet dich, Hendrik?

Dass ich ein Provinzschauspieler bin.

Ist das alles? Und sonst weiter nichts?

(Nebelhorn ertönt)

Guten Tag.

- Du hast dich verspätet. - (Er seufzt)

Du wirst noch mal erleben, dass ich dir entgegengehe, was du so befürchtest.

Nur das nicht, was, Heinz?

- Bitte nenn mich nicht Heinz. - Warum nicht, das ist doch dein Name.

Ich mag das nicht. Verstehst du?

Ich verstehe alles, Heinz.

Auch, dass du nicht mal ein Bier trinkst wie ein Mann, wenn er Lust dazu hat.

- Fangen wir an? - Sag, was willst du mit Bier?

Das passt nicht mal zu dir, dass du einfach "Bier" sagst.

Es klingt aus deinem Mund wie eine Lüge, wenn du sagst: "Ein Bier, bitte".

Ich trinke nicht, Juliette.

Ich weiß, Heinz. Zieh deine Schuhe aus.

Na, was ist denn? (Träge Bassmusik erklingt)

Steh nicht da, als hättest du dir in die Hosen gemacht.

(Musik wird beschwingter)

(Rhythmisch) Eins, zwei... Eins, zwei, drei, vier.

- Auf eins. - Eins, zwei, drei, vier.

(Sie zählt weiter im Takt)

- Eins, zwei... - Vier.

- Eins, zwei... - Vier.

Yeah.

Fall bloß nicht hin.

(Jazzmusik spielt weiter)

Schneller. Schneller.

Was hast du in den Knochen, Mann.

Du willst Schauspieler sein, dich auch noch für Geld sehen lassen.

(Lachend) Du komisches Stückchen Elend.

- (Kusslaut) - (Sie lacht lauthals)

(Prustend) Oh Gott.

Könntest du die Musik lieben, wäre sie nicht ermüdend.

Du lachst mich immer aus, Juliette. Du lachst mich nur aus.

- Komm! - Ich kann nun mal nicht weinen.

- Würdest du mich lieben, könnte ich es? - Ich liebe dich auch so.

Du liebst nur dich selbst. Das ist dir nicht peinlich genug.

Meinst du? Red ruhig weiter, das ist sehr schön, was du hier sagst.

Du beachtest mich sowieso nicht.

Du achtest nur darauf, dass auf deinem Gesicht...

Es ist eine Maske, hörst du?

Auch ich hab Haut und Knochen, und ein Körpergewicht.

Und Wimpern, und Fingernägel, genauso wie du.

Ja?

Ich... ich friere, wenn mir kalt ist.

Auch ich habe Hunger und Durst.

Denk an meine Mutter, und ich weiß, dass ich dich spüre auf der Welt,

und Kommunisten, aber...

meine Augen sind nicht meine Augen.

- Ja! - Meine Hände sind nicht meine Hände.

Mein Gesicht ist nicht mein Gesicht.

Und mein Name ist nicht mein Name!

Weil ich ein Schauspieler bin.

Juliette, weißt du, was das heißt, ein Schauspieler?

Ein Schauspieler, das ist...

eine Maske.

Komm. (Wild) Komm!

(Aufschreiend) Juliette!

Juliette!

(Sie jauchzt auf)

(Sie stöhnt angetan)

Meine Damen und Herren.

Ich habe die Ehre, Sie wieder zu einer Leseprobe begrüßen zu dürfen.

Doch gestatten Sie mir, dass ich Ihnen zunächst

Fräulein Nicoletta von Niebuhr vorstelle,

die als Gast die weibliche Hauptrolle in dieser Inszenierung spielen wird.

(Spärlicher Applaus)

- Darf meine Freundin dableiben? - Dagegen habe ich nichts.

- Zwei Kognak, und einen Absinth. - Ja, Herr Direktor.

Kommt sofort, Herr Direktor.

- Drei Bier, bitte. - Ja, mach ich.

- Bitte sehr, zwei Kognak, ein Absinth. - Danke.

- Auf gute Zusammenarbeit. - Ja.

Jetzt müssen Sie mich leider entschuldigen.

- (Hendrik) Möchtest du ein Bier? - (Mann) Ja.

Gut, Väterchen Hansemann...

- Werden wir beide auch schön aussehen? - Wir sind doch schön.

Darf ich vorstellen: meine beste Freundin, Barbara Bruckner.

Es freut mich sehr. Was ist?

- Sie duften ganz schön nach Lavendel. - Ja?

Finden Sie auch, dass ich nach Lavendel rieche?

Na, was sagen Sie? Ein Mann und Lavendel.

Das brauch ich wie Brot.

Etwas auf Schläfen und Hals, und ich fühle mich ausgeschlafen.

Wäre besser, ich würde schlafen, aber dazu habe ich leider keine Zeit.

Ein Bier und ein Mineralwasser.

Wir hören uns an, was er zu sagen hat.

Gutes übernehmen wir, im Übrigen tun wir es so, wie wir es für richtig halten.

Er ist gut, aber altmodisch.

Die Perspektive des Hamburger Künstlertheaters, das bin ich.

Das heißt besser, wir beide. Natürlich.

Die meisten Stücke hier sind nur bürgerliches Geseire.

Aber Otto und ich haben ein Konzept für ein Theater, das alle angeht.

Unsere Hafenarbeiter, zum Beispiel.

(Nicoletta) Wo wollen Sie das spielen?

Völlig egal, im Hafen, in Fabriken, im Keller.

Die Genossen wollen das Stück. Wir sagten es für letzte Woche zu.

- Machen wir schon. Erst die Premiere. - Ja, ja.

Wir müssen die politische Verantwortung des Theaters beweisen, schwierig.

Bevor wir uns revolutionär geben, müssen wir erst mal gut sein.

Damit fängt es an.

- Wer wird dort spielen? - Alle, die so denken wie wir.

Auch Arbeiter, wenn es passt. Es kommt darauf an, was wir sagen.

Und nicht wie. Doch auch das klappt, wenn Hendrik unsere Stücke inszeniert.

Sprechen Sie. Warum schauen Sie mich so an?

- Darf ich nicht? - Wenn es Ihnen Spaß macht, meinetwegen.

(Lauter Jubel)

(Applaus und Jubel halten an)

(Sie reden unverständlich)

(Tosender Beifall hält an)

(Vogelzwitschern)

Ohne dich gehe ich völlig zugrunde, Barbara.

Es steckt zu viel Schlechtes in mir.

Selbst bezwinge ich es nicht.

Aber du könntest das Gute in mir stärken.

Ich kann nicht mehr sprechen.

Es fallen mir so viele einst gespielte Rollen ein.

Ich liebe dich, Barbara.

Ich bin verliebt. In eine Frau.

Juliette,

bin ich eigentlich ein schöner Mann?

Ach, ich hab dich nie im Theater erlebt. Vielleicht bist du schön, aber...

ehrlich gesagt hast du mir nie gefallen, Heinz.

Nur... deine verlogenen, kalten Augen,

die haben einen kindlich-traurigen Ausdruck.

Das machst du geschickt.

(Seufzend) Und in wen hast du dich verliebt?

- In ein Mädchen. - Hm, fantastisch.

Dass du dich verliebst.

Am Ende wirst du noch laufen lernen, nicht nur tanzen.

(Eindringlich) Liebe das Mädchen, Heinz.

Und erzähl mir nichts von ihm.

Bleiben wir dabei, dass wir uns dann suchen?

Ja.

Weißt du was?

Ich komme mit.

Ich habe nichts zu verlieren, Heinz.

Sag mal, bist du verrückt?

Geh zum Psychiater, Heinz.

Obwohl du nicht den Mut hättest, über dich zu sprechen, was?

Na geh, Heinz, wir sehen uns sowieso bald wieder.

Auch, wenn ich's nicht wollte.

Entschuldige, Großmutter, hättest du jetzt Zeit für mich?

Das ist mein... - ...Verlobter.

- Ja. - Ich sehe mir den neuen Enkel mal an.

- Gar nicht so übel. - (Er lacht schallend)

Verzeihen Sie. Meine Frau Mutter entschuldigt sich, sie kommt gleich.

Ich nehme an, Sie wissen, lieber Höfgen,

Mütter, die den einzigen Sohn lieben,

bestehen nicht darauf, dass er sich aus ihrem Schutz begibt.

Guten Tag, Sebastian.

Das ist Sebastian.

Mama.

(Seufzend) Tja.

Es freut mich. Es freut mich außerordentlich.

Barbara, mein liebes Kind.

Nicoletta von Niebuhr, auch ein Kind des Hauses.

Freundin der glücklichen Braut, fast ihre Schwester.

Mehrfache Geliebte des Bräutigams,

natürlich nur auf der Bühne und nach Regieanweisung.

Was hoffentlich noch oft sein wird.

Dürfte ich Tante Bella zu Ihnen sagen?

Ja natürlich, Nicoletta.

Kommen Sie, Höfgen, lassen wir die Damen allein.

Gehen wir spazieren. Ich zeige Ihnen den Garten.

- Aber ja, das interessiert mich sehr. - (Die Frauen kichern)

(Er würgt leise)

(Er hustet heftig)

(Husten hält an)

(Husten erstirbt)

Hast du auch so merkwürdige Erinnerungen wie ich?

Weißt du, solche, wo einem heiß und kalt wird, wenn man dran denkt.

Und man muss oft daran denken.

Ich bin ungefähr zwölf Jahre alt gewesen,

da wurde ich Mitglied im Knabenchor unseres Gymnasiums.

Ich hatte eine ungeheure Freude,

und bildete mir auch ein, besser singen zu können als alle anderen.

Anlässlich einer Hochzeit sollten wir in der Kirche singen.

Ich wollte mich natürlich hervortun,

hatte einen ungeheuren Stolz auf meinen Sopran.

Und als der Chor anfing, hatte ich eine ungeheure Idee:

Ich sang eine Oktave höher als alle anderen.

Und wie ich so dastand, stolz gebläht, und sang,

da warf mein Musiklehrer einen langen Blick auf mich.

Eher angewidert als strafend.

Und er sagte leise: Sei doch still.

Verstehst du?

So ganz leise, ganz trocken. Sei doch still.

Und ich hatte das Gefühl, ein jubilierender Engel zu sein.

Hast du auch Erinnerungen solcher Art?

Nein.

Du hast dich nie in deinem Leben wirklich geschämt.

Aber ich oft, und das war eben das erste Mal.

Weißt du, ich muss mich

so oft so entsetzlich schämen.

So in die Hölle hinein schämen.

Verstehst du? Hm?

Hier das Zimmer im Souterrain, das Fenster geht auf die Straße.

Da wird ein Laternenpfahl stehen, und da noch einer.

Dahinter ist die Bäckerei, wo die Frauen nach Brot anstehen.

Halt.

Prima.

Frau Schulk, Sie kommen aus der Tiefe und gehen bis dort vor.

Barbara, kann hier ein Laternenpfahl her,

mit einem so starken Licht, dass es einem die Augen ausschält?

Du hältst dann hier deinen Monolog:

"Ich bin die Witwe Queck mit dem nicht bezahlten Zins."

Barbara, wir könnten hier noch zwei, drei Laternen aufstellen,

in den Zuschauerraum.

Damit die Leute sich fühlen wie in ihrer Straße,

in ihrer verdreckten Straße.

Hier können wir alles vollkleben,

mit Plakaten und politischen Losungen, bunt durcheinander.

Da hinten stellen wir einen Krämerladen auf,

in dem es nichts gibt, versteht ihr?

Alles hier im Raum soll ausdrücken, von dem wir sprechen wollen.

Und von Zeit zu Zeit kommen zwei Polizisten,

drängeln sich durch und fixieren das Publikum.

Es muss Schluss sein mit passivem Dasitzen,

der Isoliertheit der Schauspieler und Zuschauer.

Der Zuschauer muss aktiv an der Handlung teilnehmen.

Die Zeit vom Guckkasten ist endgültig vorbei!

Der Schauspieler mit seinem Text

ist nur ein Element der Vorstellung, aber nicht Mittelpunkt.

Raum, Licht, Wände, Bewegungen, Töne,

das alles muss zu einer großen Wirkung verschmelzen.

Dann haben wir richtiges Theater.

Wir müssen den Arbeitern ein totales Theater zeigen!

Ein Theater, das sie erschüttert und zum Glühen bringt.

Ich bin Witwe Queck und kann den Zins nicht zahlen.

Ich arbeite für Bäckermeister Meininger, dem das Haus gehört.

Nur so bringe ich meine sieben hungrigen Kinder durch.

Moment mal, die halbe Stunde muss bezahlt werden.

In Ihrem Auftrag stehen wir eine halbe Stunde rum.

Hier herrscht Logik, und Hunger.

Ja, ja, ich habe schon 51 Mark und 25 Pfennig Schulden zu bezahlen.

Ich habe nichts. In den letzten Tagen konnte ich nicht mal mehr, äh...

Sie dumme Gans. Und Sie sabotieren unsere Arbeit.

Als ob ich das nicht wüsste.

Bestimmt hat der Herr Miklas oder einer seiner Parteifreunde Sie aufgehetzt.

- (Frau) Was wollen Sie denn? - Warum soufflieren Sie nicht?

Sie brauchen nicht mehr soufflieren.

Mit Provinzkomödianten kann man kein revolutionäres Theater machen.

Mit Dilettanten kann man überhaupt kein Theater machen!

Auch zur Revolution braucht man Profis, sogar zur Revolution!

Ich lad Sie zum Schnaps ein.

Wir trinken aufs Scheitern seines Arbeitertheaters.

Miklas, du bist ja völlig aus dem Häuschen.

Guten Tag. Guten Tag.

Zwei Klare bitte, Hansemann.

Leisten wir uns mal wieder einen aufsässigen Abend?

- Ich möchte Sie zum Essen einladen. - Was, mich?

- Guten Morgen. - (Hendrik) Morgen.

Du schläfst ja noch halb.

Ich bin wach.

Ich telefonierte schon mit unserem Kolonialwarenhändler.

Er ist etwas ungeduldig, wegen der großen Rechnung.

Entschuldige, dass ich dir nicht den Anblick köstlicher Frische biete.

Aber wenn ich, so wie du, täglich ausreiten würde,

dann sähe ich wohl reizvoller aus.

Aber in unseren Kreisen ist ein so nobler Frühsport nicht üblich.

Du triffst den Ton des beleidigten Ehemanns, wie bei Moliere.

Ach, hör doch auf!

Es ist auch nicht üblich, die ganze Nacht

mit einem Lumpen von Nationalsozialisten am Tisch zu sitzen.

- Miklas ist kein Lump. - Alle Nationalsozialisten sind Lumpen.

Man muss sich hüten, bei ihnen zu sein. Es beschmutzt direkt.

Dass gerade du dafür kein Verständnis hast.

Aber das ist der berühmte Liberalismus eurer Familie.

Du hast keine Gesinnung, nur verspielte Neugierde.

Für dich ist Überzeugung ein psychologisches Phänomen.

Miklas tut mir leid, spielt nur kleine Rollen, verdient kaum was.

Außerdem wird er von euch schlecht behandelt.

Er muss sich an etwas aufrichten. Darum macht er da mit.

Aha, wie viel Verständnis du aufbringst für diesen Lausekerl.

Wie würden die uns denn behandeln, kämen die an die Macht?

Oh, Gott behüte uns davor.

Und doch plauderst du mit ihm an einem Tisch.

Ich weiß, das ist eure bürgerliche Toleranz.

Immer Verständnis haben für seinen Todfeind.

Sicher würdest du dich auch mit dem faschistischen Terror einlassen.

Euer Liberalismus könnte sich wohl auch an die Diktatur gewöhnen.

Nein, danke schön. Darf ich dir etwas sagen, mein Liebes?

Es ist allgemein üblich, ein Ei aus der Schale und mit Salz zu essen.

Ich weiß, in der Villa Bruckner speist man das aus dem Glas,

und mit sechs Gewürzen, sicher sehr originell.

Aber unnötig, sich über jemanden zu belustigen,

der an diese Originalitäten nicht gewöhnt ist.

- Jugendlicher Liebhaber in Halberstadt? - Herbert Boltz.

- Wo spielt Frau Türkheim-Gavernitz? - Heidelberg.

- Wo spielt Hannelore Kühn? - In Mannheim.

- Wer spielt dort den Othello? - Max Krause.

- Und Jago? - Johannes Fiedler.

- Desdemona in Leipzig? - Käthe Müthel.

- Und in Jena die erste Sentimentale? - Eine blöde Kuh namens Lindenthal.

- Ja... - Warum bitte ist sie eine blöde Kuh?

Das weiß ich nicht, aber sie ist eine.

Ich weiß, warum Sie die Dame beleidigen.

Sie ist befreundet mit einem nationalsozialistischen Führer.

Es interessiert mich nur mäßig,

Titel und Namen der Liebhaber Fräulein Lindenthals zu erfahren.

(Anzüglich) Muss ja auch eine ziemlich lange Liste sein.

Hüten Sie sich, Höfgen.

Ich dulde die öffentliche Beleidigung einer Dame nicht.

Nur, weil sie Mitglied der NSDAP ist.

Und weil sie befreundet ist mit einem deutschen Helden.

(Aufreizend) Sie dulden es nicht? Hm.

Aye, aye.

Hör auf, du bist betrunken.

Nein, das bin ich nicht. Oh nein, im Gegenteil.

Anscheinend bin ich hier der Einzige mit Ehrgefühl im Leibe.

Niemanden in diesem verjudeten Milieu stört die Beleidigung einer Dame.

Lass mich!

(Gepresst) Nein!

- Hans, beruhige dich. - Verschwinde!

Ich glaube Ihnen wohl, dass Sie nicht betrunken sind.

Sie werden also nicht mit mildernden Umständen rechnen können.

Und unter dem verjudeten Milieu, in dem Sie sind,

müssen Sie nicht mehr lange leiden.

Das verspreche ich Ihnen.

Ja, ihr mögt vielleicht recht haben.

Ich bin wie ihr der Meinung, er hat sich unmöglich benommen.

Aber ich kann einen mittellosen, kranken Menschen nicht so entlassen.

Krank? Der ist überhaupt nicht krank.

Warum so unentschlossen? Immer bereit zu Kompromissen.

Genau wie unsere Regierungsparteien.

Entschuldige, Barbara.

Wir müssen dem Mörderpack zeigen, dass es Grenzen gibt.

Ich beschwöre euch, besteht nicht auf fristloser Entlassung.

Es ist für ihn schon Strafe genug,

dass er für die nächste Spielzeit nicht engagiert wird.

Der weiß nicht, was er gesagt hat. Er hat die Nerven verloren.

Ich wundere mich, Otto.

Ich wundere mich sehr, dass ich gerade dich so sprechen höre.

Komm, bleib sachlich. Es geht darum, ihn nicht zum Märtyrer zu machen.

- Das wäre in dieser politischen... - Entschuldige die Unterbrechung.

Diese interessante, aber theoretische Unterhaltung hat keinen Sinn.

Der Fall liegt einfach: entweder er oder ich.

Also, wenn Miklas das Theater nicht verlässt, ja...

Dann werde ich es verlassen.

(Direktor) So ein Unsinn.

Sie können ganz beruhigt sein, Höfgen.

Er wird fristlos entlassen.

(Flotte Musik)

(Lied: "Can Can" von Jacques Offenbach)

(Musik steigert sich)

Ja, ja, ja!

Schluss, aus, aus! Das ist doch kein Trauermarsch.

- Ziffer neun. - (Orchester setzt wieder ein)

Licht!

Entschuldigen Sie die Störung,

Sie sollen das Plakat der nächsten Premiere abnehmen.

Es muss sofort in die Druckerei zurück.

Kann man nicht mal hier im Haus meinen Namen richtig schreiben?

Ich heiße nicht Henrik, sondern Hendrik.

Hendrik Höfgen.

Den Namen wird man sich merken müssen.

Verstehen Sie mich, Dr. Kroge, ich will mich nicht binden.

Das strapaziert meine Nerven.

Fest engagiert ist man unfrei, und ich muss frei sein, frei.

Liebling eines Provinzpublikums kann und will ich nicht sein.

Nein, nein, nein, das will ich nicht sein.

Sie möchten also endgültig aus Hamburg weg?

Das ist noch völlig unentschieden.

Der Professor lud mich zum Gastspiel ein.

Man weiß nie, was aus einem Gastspiel in Berlin wird.

Die Martin wird meine Partnerin sein.

Also gut.

Dann nehmen Sie an.

Danke.

(Zugrattern)

Berlin.

(Langsame Klaviermusik)

(Getragen singend) ♪ Und hast du zum nächtlichen Schlummer

♪ Geschlossen die Augen kaum

♪ So wird mein Bild dich verfolgen

♪ Bis in den tiefsten Traum

♪ So wird mein Bild dich verfolgen

♪ Bis in den tiefsten Traum

♪ Bis in den tiefsten

♪ Den tiefsten Traum

♪ Bis in den tiefsten

♪ Den tiefsten Traum

Ja, danke schön, meine Damen. Also dann bis morgen.

- Auf Wiedersehen. - Wiedersehen.

Sie sind also dieser Höfgen.

Mhm. Sie haben Freunde, Herr Höfgen.

Leute, die vom Theater was verstehen, wiesen mich auf Sie hin.

Auch Ihr Herr Schwiegervater hat mir von Ihnen gesprochen.

Als wir uns neulich im Kultusministerium getroffen haben.

(Nachdenklich) Und nun auch noch Dora Martin.

Im Leben bin ich vielleicht etwas unscheinbar.

Aber auf der Bühne, hoffe ich, nicht.

Für diese Verwandlungsfähigkeit

hat mein Schwiegervater sehr treffende Worte gefunden.

(Skeptisch) Na.

Man könnte es ja mal mit Ihnen versuchen.

Erwarten Sie nicht zu viel.

Es ist kein großes Engagement, was ich Ihnen anbieten will.

Wahrscheinlich sind Sie von Hamburg ein anständiges Einkommen gewohnt.

Sie werden sich bei uns zunächst mit etwas weniger zufriedengeben müssen.

Sind Sie anspruchsvoll?

Äh... Geld interessiert mich nicht.

Ich bin ziemlich bescheiden.

Ich brauche nur jeden Tag ein frisches Hemd

und ein bisschen Eau de Cologne.

Details besprechen Sie mit Fräulein Bernhardt. Ich instruiere sie.

Ja, dann grüßen Sie bitte Ihren Herrn Schwiegervater von mir.

- Hendrik Höfgen. - Ah ja.

- Bernhardt. - Freut mich sehr.

- Hier ist Ihr Vertrag. - Danke schön.

- Darf ich? Danke. - Bitte.

700 Mark Monatsgage abzüglich Steuern. Rollenanspruch haben Sie nicht.

So.

(Er bläst aufs Papier)

Seien Sie bitte so gut und geben Sie die Blumen

mit dieser Karte

Frau Martin.

Ja?

Na, Hendrik Höfgen?

Jetzt bist du wieder ein Anfänger.

Hamburger Ruhm, Routine, Sicherheit liegen hinter dir.

(Beschwörend) Jetzt musst du alle deine Kräfte sammeln.

Und das da

wird jetzt... abgearbeitet.

(Beschwingte Musik setzt ein)

(Musik wird schneller)

(Musik endet)

(Gedämpfte Unterhaltungen)

- (Flüstert) Wer ist das? - Der Hamburger, hat was mit der Martin.

- Er ist der Liebhaber der Bernhardt. - Du bist falsch informiert, Liebes.

Guten Abend, Herr Höfgen.

Schön, dass Sie trotz Ihrer vielen Arbeit kommen konnten.

Darf ich Sie mit einigen Verehrern bekannt machen?

Mr. Davidson von der London Times,

Cäsar von Muck und Herr Müller-Andrea.

(Englisch) Ich habe Sie sehr bewundert in dem russischen Stück.

Sie bewegen sich so wunderbar.

Kein anderer Deutscher, nicht einmal Konrad Beit,

bewegt sich so ausdrucksstark.

Wir werden Ihre Karriere mit großem Interesse verfolgen.

Geraten Sie nur nicht unter den Einfluss des Kulturbolschewismus,

der schon am Kurfürstendamm herrscht.

Was soll das heißen?

Zur Erneuerung muss die deutsche Kultur zu ihrem Volkstum zurückkehren,

zum Urwesen von Blut und Boden.

Diese russischen Tobereien oder französischen Salonstücke

sind dem Geist fremd, den das deutsche Volk braucht.

Fürwahr, jede Kultur muss ihre eigenen Wurzeln finden.

In Deutschland gibt es derzeit ein starkes nationales Bewusstsein.

Das wird sich ganz gewiss auf die Kultur auswirken.

Die deutsche Kultur ist bei Schauspielern

wie Herrn Höfgen in guten Händen.

Auf Ihre Karriere und die deutsche Kultur.

Oh, Leni, kennen Sie Herrn Höfgen schon?

Berlins neuer Theaterstar, das steht morgen sicher auch in der Times.

Ich sah Sie auf der Bühne. Sie tanzten, nicht?

Ja, ich tanze oft und gern.

- Ich habe eine gute Tanzlehrerin. - So?

Ich mache eine Büste von Ihrem Charakterkopf.

(Klavier spielt)

(Er singt) ♪ Kein Schlips am Hals, kein Geld im Sack

♪ Wir sind ein schäbiges Lumpenpack

♪ Auf das der Bürger speit

♪ Der Bürger blank von Stiebellack Mit Ordenszacken auf dem Frack

♪ Der Bürger mit dem Chapeau claque Fromm und voll Redlichkeit

♪ Wo hat der Bürger alles her

♪ Den Geldsack und das Schießgewehr

♪ Er stiehlt es grad wie wir

♪ Bloß macht man uns das Stehlen schwer

♪ Doch er hat mehr als sein Begehr

♪ Schröpft dazu die Taschen leer Von allen Arbeitstier

♪ Oh, wär ich doch ein reicher Mann

♪ Der ohne Mühe stehlen kann

♪ Gepriesen und geehrt

♪ Träf ich euch auf der Straße dann Ihr Strohkumpane Fritz, Johann

♪ Ihr Lumpenvolk, ich spie euch an Das seid ihr Hunde wert

♪ Das seid ihr Hunde wert

(Applaus)

(Mann) Raus! Du Judensau!

- Du sollst verschwinden. - Ja, ja, ja.

(Schläge werden fortgesetzt)

Die sind völlig betrunken.

Einer der Bekanntesten des Staatstheaters: Hendrik Höfgen.

Heute nicht Staatstheater, nichts Berühmtes,

ich bin euer Genosse Hendrik Höfgen.

(Singt) ♪ Was will das Proletariat?

♪ Dass keiner zu herrschen hat

♪ Was will das Proletariat?

♪ Dass keiner zu herrschen hat

♪ Kein Herr soll befehlen

♪ Kein Knecht soll sich quälen

♪ Freiheit, Gleichheit allen Seelen

Ich diktiere. Überschrift:

"Der Schauspieler Höfgen eroberte mit einem Schlage

die Herzen der Berliner Arbeiter."

Neuer Absatz.

- Hendrik? - Hallo.

Ich war beim Antiquitätenhändler.

Ich kaufte das Bild und ein paar Kleinigkeiten.

- Ist nicht schlimm, oder? - Nein, warum denn?

Du kannst es gleich bewundern. Ich zieh mich nur um.

(Sie stöhnt auf)

(Atemlos) Ich liebe dich, Barbara.

Nicht nur dein Vater, oder deine Großmutter,

ich... ich liebe dich.

Ich, Hendrik Höfgen.

Willkommen in meinem Heim, mein lieber Sebastian.

Leider muss ich weg, das Theater erwartet mich.

Aber wenn ich zurück bin, können wir miteinander reden.

Zu dritt.

(Schalkhafte Musik)

(Musik setzt sich fort)

(Musik wird triumphierend)

(Musik wird verspielt)

(Musik setzt sich fort)

Auf!

Zwei!

Drei!

- (Alle) Auf! - Vier!

Fünf!

- Sechs! - (Alle) Für alle Ziele.

Wir sind die Kraft unseres Volkes.

Wir werden gemeinsam eine neue Welt schaffen.

- Welchen Beruf hat dein Vater? - Straßenarbeiter.

- Und dein Vater? - Bauer.

- Und deiner? - Lehrer, er sorgt für unsere Bildung.

- Und dein Vater? - Bäcker, er backt für unser Volk Brot.

Müller, er kann unser Getreide mahlen.

Arzt ist er, macht uns gesund.

Maurer, er baute unsere Häuser.

- Eisenbahner. - Elektriker.

Wir sind die Söhne eines Volkes.

Wir haben alle dasselbe Ziel: Einigkeit und Stärke.

- Wir folgen dem Führer. - Nein.

Das überzeugt mich nicht. Das war zu kraftlos.

"Wir sind die Söhne eines Volkes.

Wir haben dasselbe Ziel: Einigkeit und Stärke.

Wir folgen dem Führer." Noch mal, eins, zwei, drei.

- Einigkeit und Stärke! - Noch mal!

- (Lauter) Einigkeit und Stärke. - Laut, und noch mal!

- Einigkeit und Stärke! - Wir folgen dem Führer.

Blut...

ist ein ganz besonderer Saft.

(Leise) Lass in den Tiefen der Sinnlichkeit

uns glühende Leidenschaften stillen.

Euch ist kein Maß und Ziel gesetzt.

Beliebt's Euch, überall zu naschen, im Fliehen etwas zu haschen.

Bekomm Euch wohl, was Euch ergetzt.

Nur greift mir zu, und seid nicht blöde.

Du hörest ja, von Freud' ist nicht die Rede.

Dem Taumel weih ich mich, dem schmerzlichsten Genuss.

Verliebtem Hass, erquickendem Verdruss.

Oh glaube mir,

der manche tausend Jahre an dieser harten Speise kaut,

dass von der Wiege bis zur Bahre

kein Mensch den alten Sauerteig verdaut.

Glaub unsereinem:

Dieses Ganze

ist nur für einen Gott gemacht.

Er findet sich in einem ew'gen Glanze.

Uns hat er in die Finsternis gebracht.

- Einzig Tag und Nacht. - Allein ich will.

Das lässt sich hören.

Doch nur vor einem ist mir bang:

Die Zeit ist kurz, die Kunst ist lang.

Ich dächt, ihr ließet Euch belehren.

Assoziiert Euch mit einem Poeten.

Lasst den Herrn in Gedanken schweifen,

und alle edlen Qualitäten auf Euren Ehrenscheitel häufen.

Des Löwen Mut, des Hirsches Schnelligkeit.

Des Italieners feurig Blut, des Nordens Dau'rbarkeit.

Lasst ihn Euch das Geheimnis finden, Großmut und Arglist zu verbinden.

Um Euch, mit warmen Jugendtrieben, nach einem Plane zu verlieben.

Möchte selbst solch Herren kennen.

Würd ihn Herrn Mikrokosmus nennen.

Was bin ich denn?

Wenn es nicht möglich ist, der Menschheit Krone zu erringen,

nach der sich alle Sinne dringen.

Du bist am Ende,

was du bist.

Setz dir Perücken auf von Millionen Locken.

Setz deinen Fuß auf ellenhohe Socken.

Du bleibst doch immer,

was du bist.

- Gratuliere. - (Applaus setzt sich fort)

Bravo.

(Applaus verebbt)

Es war wundervoll. Sie waren fantastisch.

Das ist die Rolle Ihres Lebens. Mephisto ist die Rolle Ihres Lebens.

(Atemlos) Sie sagen das nicht ohne Boshaftigkeit, oder?

Ich nehme keinem übel, dass er ist, wie er ist.

- Jedenfalls danke ich Ihnen sehr... - Lassen wir diese üblichen Sprüche.

- Was sind Ihre nächsten Pläne? - Ich lerne gerade Englisch.

Was? Englisch, wieso?

- Ich werde in Amerika arbeiten. - In Amerika?

- Warum? - Bei uns fällt allmählich der Vorhang.

Haben Sie das nicht bemerkt?

Sie haben hier eine wunderbare Position, eilen von Erfolg zu Erfolg.

Tausende lieben Sie. Warum denn?

Die Liebe von Tausenden. Die begeistern sich schnell für andere.

Dora, Theater wird immer gespielt.

Ganz gleich, was in Deutschland geschieht.

"Gleich, was in Deutschland geschieht." Meinen Sie das ernst?

Aha...

Dann wünsch ich Ihnen viel Glück.

Wir werden uns lange nicht sehen. In ein paar Tagen reise ich ab.

Schon in den nächsten Tagen?

Ich möchte nicht warten, bis es zu spät ist.

Aber Ihnen geht's bestimmt immer gut, Hendrik Höfgen.

Ganz gleich, was in Deutschland geschieht.

(Er hustet)

Es ist offen.

Weißt du nicht mehr, Mephisto, dass ich die Tür nie abschließe.

Ich brauche weder Kette, noch Riegel oder Lebensversicherung.

- Du hast sicher eine abgeschlossen. - Oh, ich brauche keine.

Na dann setzen Sie sich, mein Herr, hier bei mir.

Du hättest mich auch besser unterbringen können, hörst du?

- Hast du dich schon angemeldet? - Ja, mein Herr.

Der Hausmeister?

- Was hat er gesagt? - Nichts.

Der war besoffen, dudelte einen Schlager:

- "Kein Schlips am Hals..." - Natürlich.

Tja, er hat mir den Schlüssel gegeben, und ich bin eingezogen.

Ich hab so auf dich gewartet.

- Und deine Frau, wie geht es ihr? - Oh nein.

Sie ist bei ihrem Vater. Gott sei Dank.

Sie machen sich Sorgen

um... die... Republik.

- Um die Republik... - (Sie stöhnt)

In Hamburg haben die Ausländer, mit denen ich gesprochen hab,

auch große Sorge um Deutschland.

Um die deutsche Kultur, deren erster Papagei du bist.

Als würde ihr eine große Gefahr drohen.

Was planen die Juden gegen Deutschland? Alle Welt spricht von ihnen.

Sogar die Huren, obwohl denen die Farbe des Hosenschlitzes egal ist.

Barbara versteht bestimmt was von Politik, stimmt's?

Passt sie auf dich auf?

Nein.

Sie ist sogar meistens ganz anderer Meinung als ich.

- Hm, hast du ihr das auch gesagt? - Nein.

Was hätte das für einen Sinn?

Worte bedeuten eben doch nicht alles.

Na, ach.

Du.

(Leise) Ich möchte so gern hier mit dir schlafen.

Soll ich das Bett machen?

Ja!

Hendrik!

Hendrik!

- Wach auf. Hörst du nicht? Steh auf. - (Er brummt)

Was, du bist schon hier?

Ich kam extra mit dem Frühzug, deinetwegen.

- Was gibt's? - Wann bist du ins Bett gekommen?

(Seufzend) Ich bin müde, ich hab die ganze Nacht gedreht. Warum?

Die Nazis haben die Wahl gewonnen. Weißt du, wer Reichskanzler ist?

Nein.

- (Hitlers Stimme ertönt) - Hörst du das?

Hörst du das?

Einmal ihren Stand...

(Seufzend) Dieser böhmische Gefreite ist Reichskanzler?

Hier, lies.

Ich glaubte, vor Nationalsozialisten braucht man sich nicht zu fürchten.

- (Er murmelt) - Denk mal an die Geschichte mit Miklas.

Das kann unangenehme Folgen haben.

- Oder nicht? Was tun wir denn jetzt? - (Nuschelnd) Ja, ja...

Man muss jetzt einen klaren Kopf behalten.

Und nicht in Panikstimmung geraten.

Also der österreichische Kabarettist

ist Reichskanzler geworden.

Aber es gibt doch Oppositionsparteien?

Kommunisten und Sozialdemokraten.

Die verhindern, dass seine Bäume in den Himmel wachsen, oder?

Vielleicht gibt es sogar einen bewaffneten Widerstand.

Selbst wenn die Nationalsozialisten regieren, was kümmert das mich?

Für mich ist das unerheblich. Ich bin ein Rheinländer.

Vater und Mutter sind Rheinländer, was kann uns da passieren?

Und außerdem bin ich ein Schauspieler! Nein?

Ich geh abends in mein Theater, spiele meine Rollen, möglichst gut.

Und dann geh ich wieder heim. Basta.

Es gibt auch Menschen, die Konsequenzen ziehen,

und das Land verlassen, in dem künstlerische Arbeit nun unmöglich ist.

Berührt dich denn nichts, was außerhalb des Theaters geschieht?

Es gab Wahlen, in einem demokratischen Staat.

Eine Partei hat gewonnen, das ist alles. Das ist nicht neu.

Ich hab mich nie für Politik interessiert. Warum jetzt?

- Verstehst du nicht, was hier vorgeht? - Ach...

- (Telefon klingelt) - Lass das, geh nicht ran.

Ich bin nicht da, ich bin nicht da! Ich bin krank.

Ich bin... Sag, was du willst.

Hendrik, glaubst du, das ist eine Lösung,

wenn du dich einschließt, versteckst, nicht da bist?

Du steckst den Kopf in den Sand.

Fällt dir keine konkrete Stellungnahme dazu ein?

Konkret, konkret? Das ist meine Antwort.

- Nein. - Hamlet, Shakespeare!

Das ist Selbstbetrug. Gehen wir, wenn unsere Freiheit in Gefahr ist.

Das ist meine einzige Art der Freiheit für mich, für einen Schauspieler.

Du kannst dich nicht hinter Shakespeare verstecken.

Ich bin ein Schauspieler, ein Schauspieler in Deutschland,

und zwar zu allen Zeiten.

Du kannst gehen. Dein berühmter Vater wird übersetzt.

Du kannst überall Kulissen malen, Antiquitäten kaufen.

Aber ich, ich brauche die deutsche Sprache!

Ich brauche meine Heimat!

Verstehst du denn das nicht?

(Es klopft)

(Es klopft erneut)

(Es klingelt)

- Wer ist da? - Otto.

- Wer? - Otto.

Entschuldige, ich muss dich sprechen.

- Kaffee oder Tee? - Nein, lass mal.

Ich bitte dich, mit uns aufzutreten.

Die Antwort auf das Geschehene ist gemeinsam auftreten,

wir alle, die zusammen gehören.

Zeigen wir, dass wir noch da sind, jetzt, damit wir nichts verspielen.

Soll man das Publikum auseinander prügeln?

Wenn schon, müssen wir eine Taktik haben.

Wenn wir taktieren, fallen wir für immer.

Wir müssen uns dieser Demagogie entgegenstellen.

Das erwarten alle noch Unentschlossenen von uns.

Wir sind berufen zu sagen:

Leistet Widerstand, erhebt euch gegen die Diktatur.

Wir sind zuerst mal Schauspieler.

Ich meinte auch nicht die Straße, sondern die Bühne.

Wir sollten zwei, drei Tage warten.

Wir müssen sofort was tun, heute Abend noch.

Otto?

Ich bleib lieber in der Reserve.

(Er pfeift leise vor sich hin)

Gott sei Dank habe ich heute keine Vorstellung.

(Liest) "Filmvertrag."

"Ausland."

Hm, "Hauptrolle".

"Produktionsleiter Altenburger". (Er schnalzt)

Du, die ist wunderschön. Sie sitzt neben dem rechten Seitenaltar.

- Aus! Sehr gut. - Ja?

Sehr gut. Die Zweite, ja?

Meine Herren, jetzt die Szene,

wo die Offiziere auf der Fischer-Bastei der jungen Dame nachstellen.

Was ist denn los? (Mit Nachdruck) Was ist los?

- Ist Feierabend, können wir heimgehen? - Der Reichstag ist abgebrannt!

- Was? - Man sagt,

die Kommunisten hätten ihn in Brand gesteckt.

Ihre Frau fuhr mit ihrem Vater nach Paris. Sie sollen sofort nachkommen.

Sie wagte nicht, Sie anzurufen.

Sie dürfen nicht nach Berlin zurück. Ich fahre nach Wien.

In Berlin sind eine Menge Leute verschwunden,

mit denen Sie befreundet waren, wie Otto Ulrichs.

Man muss mit allem rechnen.

Ich fürchte, wir können nie zurückkehren.

Die Nazis führen seit Jahren schwarze Listen,

auf denen der Professor, Ihre Frau, ihr Vater und Sie stehen.

Geh bitte nie wieder nach Berlin zurück.

Hendrik, das musst du mir versprechen.

Bitte.

(Livemusik spielt)

- Zum Wohl und tausend Dank. - (Frau) Zum Abschied...

- Zum Wohl. - (Mit Akzent) Zum Wohl.

Auf die schönste Schauspielerin Europas.

(Schnelle Musik setzt ein)

Wann reisen Sie nach Hause?

Ich bleibe noch ein paar Tage in Budapest.

Die Stadt ist schön, und dann fahr ich nach Wien.

- Wegen eines Vertrages. - Ich verstehe Sie, Hendrik.

Schauen Sie, jetzt sage ich's Ihnen.

Ich fahre auch nicht zurück nach Deutschland.

Ich habe Sie für diese Rolle engagiert,

damit Sie unauffällig auch weg können, wenn Sie wollen.

(Frau) "Ich hörte, Sie sind in Budapest, und bekam die Adresse vom Filmstudio.

Ich hoffe, mein Brief erreicht Sie.

Ich bin in Berlin und darf etwas filmen, in einem Lustspiel.

Bei den Aufnahmen lernte ich die Kollegin Lindenthal kennen."

Sie ist mit einem Fliegeroffizier befreundet,

einem der mächtigsten im Reich.

Lotte Lindenthal ist eine großartige Frau.

Sie lässt beim Dreh niemanden ihren großen Einfluss spüren.

Ich machte sie darauf aufmerksam, dass Sie im Ausland sind,

und nicht wagen, nach Berlin zurückzukehren.

"Aber wovor fürchtet er sich?" Sie seien doch ein bedeutender Künstler.

Sie sah Ihren Mephisto mehrmals.

"So bedeutende Schauspieler sind unentbehrlich."

Sie versprach, mit ihrem Freund über Ihren Fall zu sprechen.

Und heute Morgen sagte sie:

"Was immer sich Höfgen an Extravaganzen geleistet hat.

Bei so bedeutenden Schauspielern wird Männe Verständnis haben."

Er versprach, Ihnen passiert nichts, wenn Sie heimkommen.

Egal, was Sie früher angestellt haben.

Also Hendrik, Berlin erwartet Sie. Sie haben hier nichts zu befürchten.

Niemand hier kann am Theater Ihren Platz einnehmen.

Das ist mir und denen klar, die jetzt unser Leben beherrschen,

in dem Theater für mich und meinesgleichen Versteck ist.

In dem wir uns sicher fühlen können und nichts zu befürchten haben.

Und das wäre es auch für Sie, Hendrik.

Theater spielen ist eine Mission.

"Es grüßt Sie in alter Freundschaft Ihre Angelika Siebert."

- Ihr Name? - Hendrik Höfgen.

Beruf?

Schauspieler.

Wo?

Am Staatstheater in Berlin.

- Stimmt was nicht? - Nein, nein.

Bitte.

Danke schön.

Ich weiß nicht, ob Sie sich bei uns wieder einleben werden.

Hier herrscht nun ein anderer Geist

als der, den Sie in diesem Hause gewöhnt waren.

Mit dem Kulturbolschewismus ist Schluss.

(Gedehnt) In den Stücken Ihrer Freunde

und den bei Ihnen beliebten französischen Farcen

werden Sie nicht mehr Gelegenheit haben aufzutreten.

Jetzt wird hier deutsche Kunst gemacht.

Mir schien, offen gesagt, kein besonderer Anlass zu bestehen,

Sie aus dem Ausland wieder hierher zu rufen.

Aber Fräulein Lindenthal wünscht Sie als Partner

in einem kleinen Lustspiel, mit dem sie hier debütiert.

Ich wollte nicht ungefällig gegen die Dame sein.

Übrigens bin ich überzeugt, dass Ihnen die Rolle des eleganten Hausfreundes

und Verführers keinerlei Schwierigkeiten bereiten wird.

Ich friere so.

Ich werd dich wärmen.

Was, ist nicht geheizt, bei diesem scheußlichen Wetter?

(Empört) So also hast du mich erwartet? Wirklich, sehr nett von dir.

Da drüben ist ein warmes Zimmer. Komm.

Oh nein, ich bin wirklich sehr eilig heute.

- Davon könnte uns warm werden. - Sicher nicht in dieser kalten Wohnung.

Mein neues Mädchen ist schuld. Sie weiß es noch nicht.

Sag ihr, die du erwartest, braucht die Wärme.

Ja, aber ich bin eben erst nach Hause gekommen.

Wärst du halt früher heimkommen, wenn ich herkomme.

Mich muss man erwarten, verstehst du? Ungeduldig.

In Eile und Hast treff ich ja täglich meinen Mann.

Und überhaupt: Wo hast du denn dieses neue Dienstmädchen her?

Sie ist viel zu hübsch.

Eine große Ehre, mit Ihnen spielen zu dürfen.

Schön, wieder einen warmen, seelenvollen, anmutigen Ton zu hören.

Wie schön, denn ich weiß, Sie schmeicheln mir nicht.

Ich, ein Schmeichler? Ich bin bekannt, Menschen Unangenehmes zu sagen.

Ich mag aufrichtige Menschen gut leiden.

(Murmelt) Wenn sie sich umdreht, wird alles gut.

Wenn sie aber sogar noch winkt, ist das ein Triumph.

Lange war ich in Hamburg. Nach dem Brand verließ ich das Theater, wie Mohrenwitz.

Bonetti erschien gar in Uniform zu den Proben.

Vor meiner Entlassung warf er mich aus der Kantine.

Er sagte: "Jetzt haben wir euch am Schlafittchen, Böck."

Diese Burschen wollten mich verprügeln.

Die Wirtin kündigte mein Zimmer, da konnte ich nicht bleiben.

Sind Sie böse, dass ich zu Ihnen komme?

Als ich hörte, dass Sie in Berlin sind, schöpfte ich Hoffnung

und dachte, vielleicht meint es Gott doch gut, und bin hergekommen.

- Sind Sie mir böse? - Ich bin Ihnen nicht böse, Böck.

Packen Sie und wohnen bei mir, bis die Verhältnisse sich geordnet haben.

Aber reden Sie mit keinem darüber.

Erfinden Sie was oder verschwinden Sie einfach.

Wissen Sie, es könnte sein, dass ich an Ihrer Stelle Selbstmord begehen würde.

Ich kaufe dir ein Radio, damit du weißt,

wie es um dich herum zugeht.

Geh nicht aus der Wohnung, rede nicht mit den Nachbarn.

Du bist der einzige Mensch für mich auf der Welt.

- Ist Budapest schön? - Das weiß ich nicht.

Ja, ganz schön.

- Ich wäre gekommen. Barbara war fort. - Nein.

Du kämst nicht mal über die Grenze.

- Ich bin deutsche Bürgerin, so wie du. - Nein.

- Mein Vater war Norddeutscher... - Nein.

Du musst das jetzt verstehen, wenn du das nicht begreifst,

dann werden wir beide Schwierigkeiten haben.

- Du bist schlimm, wie ein Hausmeister. - Du bist ein Idiot!

Scher dich zum Teufel, du... du Schauspieler!

Frau Lotte, ich habe eine große Bitte. Ich muss einfach den Mephisto spielen.

Ja, ich will's versuchen.

Ich freue mich drauf, Sie als Mephisto wiederzusehen, wie ein Kind.

Unter uns, Sie haben den Mephisto mir zu verdanken.

Es gab da gewisse Befürchtungen in ministeriellen Kreisen.

Man fürchtete, Sie könnten den Geist der alten Inszenierung

in einen kulturbolschewistischen Geist in unsere neue Einstudierung tragen.

Es gelang mir, diese Befürchtungen zu überwinden und zu widerlegen.

Cäsar, ich danke Ihnen, ich danke Ihnen wirklich sehr.

(Hendrik) Bitte geben Sie die Blumen...

- Ja? - Frau Lindenthal.

So.

- Guten Morgen. - (Alle) Guten Morgen.

- Morgen. - Morgen, Herr Höfgen.

Ach, Herr Miklas,

- Sie gibt's auch noch? - Guten Morgen.

Fein.

(Leiert) Ich bin allhier erst kurze Zeit,

und komme voll Ergebenheit.

Einen Mann zu sprechen und zu kennen, den alle mir... mit Ehrfurcht nennen.

Eure Höflichkeit erfreut mich sehr. Ihr seht einen Mann wie andre mehr.

Habt Ihr Euch sonst schon umgetan?

(Zügig) Ich bitt Euch, nehmt Euch meiner an.

Ich komme mit guten Mut, leidlichem Geld und frischem Blut.

Mutter wollt mich kaum entfernen. Möcht gern was Rechts lernen.

- Da seid Ihr eben recht am Ort. - Aufrichtig, möchte schon wieder fort.

In diesen Mauern, diesen Hallen will es mir keineswegs gefallen.

Es ist ein gar beschränkter Raum, man sieht nichts Grünes, keinen Baum.

Und in den Sälen, auf den Bänken,

vergeht mir Hören, Sehen und Denken.

Das kommt nur auf Gewohnheit an.

So nimmt ein Kind der Mutter Brust nicht gleich am Anfang willig an.

Doch bald ernährt es sich mit Lust.

So wird's Euch an der Weisheit Brüsten mit jedem Tage mehr gelüsten.

An ihrem Hals will ich mit Freuden hangen. Doch sagt mir nur...

wie kann ich hingelangen?

Erklärt Euch, eh Ihr weiter geht, was wählt Ihr für eine Fakultät?

- Das ist jetzt der Strich, ja? - Ja.

Der Geist der Medizin ist leicht zu fassen.

Ihr durchstudiert die groß und kleine Welt,

um es am Ende gehen zu lassen wie's Gott gefällt.

Vergebens, dass Ihr wissenschaftlich schweift.

Ein jeder lernt nur, was er lernen kann.

Doch der den Augenblick ergreift, das ist der rechte Mann.

Ihr seid noch ziemlich wohl gebaut.

An Kühnheit wird's Euch nicht fehlen, und wenn Ihr Euch selbst vertraut,

vertrauen Euch die andern Seelen.

Besonders lernt die Weiber führen.

Es ist ihr ewig Weh und Ach

so tausendfach aus einem Punkte zu kurieren.

Und wenn Ihr halbweg ehrbar tut,

dann habt Ihr sie all unterm Hut.

Ein Titel muss sie erst vertraulich machen.

Dass Eure Kunst viel Künste übersteigt.

Zum Willkomm tappt Ihr zu Siebensachen, um die ein andrer Jahre streicht.

Versteht das Pülslein wohl zu drücken,

und fasset sie mit feurig schlauen Blicken

wohl um die schlanke Hüfte frei, zu sehn...

(Er kichert) Wie fest geschnürt sie sei.

Das sieht schon besser aus. Man sieht doch, wo und wie.

Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum.

So ist das.

(Gedämpftes Stimmengemurmel)

Ich salutiere den gelehrten Herrn. Ihr habt mich weidlich schwitzen machen.

- Wie nennst du dich? - Die Frage scheint mir klein.

Für einen, der das Wort so sehr verachtet.

Der, weit entfernt von allem Schein, nur in der Wesen Tiefe trachtet.

Bei euch, Ihr Herren, kann man das Wesen meist aus dem Namen lesen.

Wo es sich allzu deutlich weist, wenn man euch Fliegengott Lügner heißt.

- Wer bist du denn? - Ich bin ein Teil von jener Kraft,

die stets das Böse will und stets das Gute schafft.

- Was ist gemeint? - Ich bin der Geist, der stets verneint.

Mit Recht, denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht.

Drum besser wär's, wenn nichts entstünde.

So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz, das Böse nennt,

mein eigentliches Element.

Guten Abend, der Ministerpräsident lässt Sie in seine Loge bitten.

Ja.

Geht alles wie geschmiert.

Darf ich dir meinen hervorragenden Kollegen Hendrik Höfgen vorstellen?

Aha, unser Mephistopheles.

Mhm.

Gratuliere.

Diese Maske ist perfekt. Sie ist das Böse selbst, das heilige Böse.

Dabei ist Ihr Blick aus der Nähe so mild.

Ihr weicher Händedruck ist Höfgen-eigenartig.

Aber das scheint das Geheimnis der Schauspielkunst zu sein.

Kraft und Geist zu zeigen, während man schwach ist.

Na ja.

Ich kann mir vorstellen,

dass Sie sich gründlich auf diese Rolle vorbereitet haben.

Mit meinem ganzen Leben, Herr Ministerpräsident.

Richtig, nur so geht es.

Das ist das Geheimnis der Größe.

(Unverständliche Unterhaltung)

Toi, toi, toi.

Machen Sie weiter so, Mephistopheles.

(Telefon klingelt)

Hier bei Höfgen. (Flüstert) Lotte Lindenthal.

- Höfgen. Ja... - Hendrik?

- Was machen Sie heute Abend? - Nichts.

- Kommen Sie zu uns? - Gern.

- Es sind nur ein paar Freunde da. - Sehr gern.

- Um elf. - Danke vielmals.

- Also bis dann. Wiedersehen. - Danke schön. Danke.

Böckchen.

(Er singt) ♪ Nur ein paar Freunde sind da

♪ Nur ein paar Freunde sind da

Böckchen, ah!

(Hustend) Bin ich denn nicht ein unglaublicher Schurke?

Ein Schurke, warum denn? Sie haben doch nur Erfolg.

Auf die Erneuerung der deutschen Kultur, meine Damen und Herren.

- Es leben die Schauspieler. - (Alle) Vivat, vivat, vivat!

Auch in unseren Theatern stecken viele deutschfremde Elemente.

Wir müssen ein geistiges Zollsystem für Kulturschmuggler schaffen.

Damit fremde Elemente die deutsche Sprache, Literatur

und das deutsche Theater nicht länger vergiften können.

Das kann nicht nur Aufgabe der Grenzwache sein.

Bei diesem Zollsystem müssen auch die Kulturschaffenden mitwirken.

- Verstehen Sie mich? - Jawohl, Herr General.

Es gibt viele, die das nicht verstehen.

Schauen Sie sich das Gemälde an, mein Lieblingswerk.

Ein Meisterwerk der deutschen Romantik.

Und wo muss ich darauf stoßen?

Im Lager eines mit Akzent sprechenden Kunsthändlers.

Ich ließ es restaurieren.

Nein, nein, die Zukunft in der Malerei gehört nicht den Liebermanns.

Doch Ihr Mephisto beschäftigt mich immer noch.

Erst Sie haben mir diesen Kerl richtig nahegebracht. Ein toller Bursche.

Steckt nicht in allen von uns etwas von ihm?

Ah... ich meine,

Ist nicht in jedem rechten Deutschen ein Stück Mephisto verborgen?

Wohin kämen wir, wenn wir nur die faustische Seele hätten?

Das könnte unseren Feinden so passen.

Nein, nein, deren Mephisto, das ist auch ein deutscher Nationalheld.

Man darf es nur den Leuten nicht sagen.

Ich muss jetzt leider gehen.

Kommen Sie übermorgen zu mir ins Amt, 10.30 Uhr.

Es kommen ausländische Journalisten, Franzosen, Belgier, Engländer, Amis.

Sie wollen viel wissen. Vor allem, was Deutschland heute bedeutet.

Und die deutsche Kultur. Das erzähle ich Ihnen selbst.

Ihre Aufgabe ist es, meine Ausführungen zu ergänzen, über das Theater,

die Malerei, Bildhauerei, Architektur.

Die werden schon was zu schreiben haben.

Die sollen von fachkundigen Leuten informiert werden.

Sagen Sie, warum haben Sie so einen weichen Händedruck?

(Gedämpftes Gemurmel)

Meine Herren, es lohnt sich wirklich, darüber nachzudenken.

Hören Sie, meine Herren, Sie leben doch selbst in...

Guten Tag. Tja, so sieht man sich wieder, wie die Zeit vergeht.

Sie waren wunderbar als Mephisto. Diesmal viel stärker und härter.

Aber ich fand Sie damals auch sehr gut.

Da spürte ich schon den Kern dessen, was sich nun voll entfalten konnte.

Sie gefielen mir auch gut mit Lotte Lindenthal.

Sie ist wohl die berufenste Darstellerin des deutschen Frauentyps.

Sagen Sie, was haben wir hier verloren?

Warum verschwendet er Zeit mit Ausländern? Worum geht es?

Er sagte, sie interessieren sich für die deutsche Kultur.

Sie werden wohl ein paar Fragen stellen.

- Verstehe, Sie sprachen mit ihm. - Ja.

Hallo, wie geht's? Schön, Sie wiederzusehen.

Der Herr Ministerpräsident wollte mich unbedingt sprechen.

Wir haben immer mit den alten Statuen Probleme.

Abreißen oder stehen lassen? Als ob das wichtig wäre.

Als ob davon unsere Zukunft abhängt.

Ich möchte eine Büste von Ihnen machen. Was sind Sie für ein Mensch?

Erstaunlich, der Unterschied von Privat- und Mephistogesicht.

Privat wirken Sie nicht diabolisch, eher schüchtern.

Ich mache eine Büste von Ihnen. Ich weiß nur nicht, ob aus Ton oder Bronze.

- Woraus wohl Ihr Gesicht ist? - Vielleicht eine Mischung.

Es gefiel mir ausgezeichnet, wie Sie den Mephisto spielten. Ich sah nur Sie.

Übrigens, ich bereite eine Ausstellung vor.

Der General will sie vorab ansehen. Kommen Sie doch auch.

- Hier ist meine Nummer. - Danke.

Wenn Sie zufällig mal Zeit haben, rufen Sie an und kommen zu mir ins Atelier.

Sie entspannen sich, ich modelliere Sie.

Eigenartig, Ihr Gesicht. Deutsch, und doch ständig anders.

Mhm, das ist Schauspielerei. Der Rest ist Demut und Fleiß.

Ich habe Ihr Geheimnis entdeckt, Mephisto.

Es ist der Überraschungseffekt, stimmt's?

Das Unerwartete.

Ich habe beobachtet, wie Sie auf der Szene erscheinen: immer anders.

Hm? (Er lacht brummend)

Mal unmotiviert schnell, mal, wenn man was ganz anderes erwartet,

gar zu langsam, ja, schleppend.

Aber immer überraschend und unberechenbar.

Dadurch erwecken Sie das Gefühl des erstmaligen Erlebnisses.

Selbst, wenn Ihr Text bekannt ist. Das ist Ihr Geheimnis.

Und die ungeläufige Zunge, bewusst gedehnte Pausen, sehr präzise Betonung.

Ich glaube, ich lerne von Ihnen.

Es ist wichtig, dass man nie im Voraus berechnet werden kann.

Der Zuschauer braucht nicht zu wissen, was ich als Nächstes tue, wohin ich geh.

- Kann sich nicht vorbereiten, wehren. - Ja, ganz genau.

Dabei geschah nur eine Rhythmusänderung oder ein längeres Atemholen.

Herr General, am Theater spielen den König die anderen.

Aber entscheidend ist ein strenger Aufbau für die ganze Vorstellung.

Der Wechsel von Piano und Fortissimo.

Dazu gehört Fingerspitzengefühl, ein Kunstverstand

und, wie ich es auszudrücken pflege, eine verfeinerte Kultur.

Höre ich "Kultur", entsichere ich meinen Revolver.

Bürgerlicher Quatsch.

Den auch die Bolschewisten nachplappern, um Dozenten und Lehrer einzunehmen.

Nicht zu reden von den Künstlern, nicht?

Auch ich blieb von den bolschewistischen Strömungen nicht unberührt.

Ich muss gestehen, ich kokettierte lange Zeit mit der Linken.

Na ja, jeder kann sich mal in was Blödes verrennen.

Es waren eben schlechte, wirre Zeiten. Trinken wir einen Schluck.

Herr General, es gibt andere verdienstvolle Künstler,

die dieselben Torheiten begingen.

Die büßen für Sünden, die man mir großmütig erließ.

Und das beschäftigt mich.

Ich bitte für einen bestimmten Menschen, ich könnte sagen, für einen Freund.

Ich verspreche, er hat sich gebessert.

Ich bitte für Otto Ulrichs.

Otto Ulrichs... Wer ist das?

Er war Leiter des kommunistischen Kabaretts "Der Sturmvogel".

(Nachdenklich) Tja.

- Das ist wohl ein ziemlich übler Kerl. - Ach nein, das ist kein übler Kerl.

Er ist vielleicht etwas leichtsinnig, und unbedacht, aber kein übler Kerl.

Er ist sogar etwas zu anständig:

Wenn er sein Wort gibt, hält er es auch.

Jetzt darf ich ans Staatstheater.

Weißt du, was komisch ist? Dass ich das nicht glauben will.

Wie ich es auch nicht glauben kann,

dass ich hier bei dir am Fenster sitze.

Ich weiß, es ist Wirklichkeit, aber ich fühle es nicht.

- Großartig. - Herrlich, wirklich.

Ein deutsches Werk.

- Eins, zu dem nicht jeder fähig ist. - Ja.

Es ist ein mutiges Werk.

Kommen Sie, Mephisto.

Unterschreiben Sie auch.

Was habe ich prophezeit, liebe Leni? Es wird ein Erfolg.

Vielen Dank.

Sie Gauner, Sie machen ja heimlich Besuche.

Ja, ja.

Wenn ich was Persönliches hinzufügen darf: Es ist ein mutiges Werk.

Mutig, weil es unsere Zeit erfasst.

Weil es durch die Schönheit der Kraft zu wirken sucht,

ohne Affektiertheit und bürgerlichen Snobismus,

und gegen den verlogenen, verkrüppelten Geschmack der Kulturgroßmäuler.

Hier sind Muskeln und Profile zu sehen, hier ist der Mensch zu sehen,

wie ihn gesunde Menschen sehen wollen:

Stark, und in seiner Stärke schön.

Kämpferisch, und in seinem Kampfe siegreich.

- Hendrik Höfgen, eine wunderbare Rede. - Nicoletta, du bist hier?

- Ihr kennt euch? Das wusste ich nicht. - Oh, sehr gut sogar.

Du bist in Berlin? Seit wann?

- Ich kam extra, um mit dir zu essen. - Ah.

Ich sah dich zwar lange nicht, las aber alles über dich.

- Also, wo essen wir heute Abend? - (Zögerlich) Wo du willst.

- Wie geht's in Hamburg? So ohne mich? - Ach, Hamburg.

Ich bin jetzt in Berlin, um mit dir zu essen. Hamburg ist passé.

Er ist nicht informiert.

Kroge ist in der Schweiz. Ist einfach weg.

Er ließ alles stehen und liegen, sagte nicht mal der Motz Bescheid.

- Er ist einfach... husch. - Der Kroge ist ein Verräter.

Warum trittst du mit denen auf, hältst Reden?

Man hat mich aufgefordert.

Ach was. Du musst nicht hin, hast du das nötig?

Das ist völlig ausgeschlossen, da Nein zu sagen.

Niemand an meiner Stelle hätte das getan. Wer was anderes sagt, lügt.

Der General ist ein sehr netter Kerl. Er versteht was vom Theater.

Und ist nicht so kleinkariert wie die meisten anderen.

Du bist ein braver Junge.

Willst dich gut benehmen.

- Du willst die Bequemlichkeit... - Ja!

- Weil du Angst hast. - Ich benehme mich gern gut!

- Das mag ich. - Dann solltest du dich gut benehmen.

Nur beides zusammen wird schwierig.

(Spitz) Bei mir sein und dich gut benehmen?

Verdammtes Negerweib, hm?

Ich kann nichts dafür, dass ich anders bin, als man hier sein darf.

Das sieht man mir sogar an. Man kann mir auf der Straße ins Gesicht spucken.

Ich kann es nicht ändern, nicht mal, wenn ich wollte.

Haare, Nase bleibt alles so, auch wenn ich was anderes will,

wenn ich mich dessen schäme, und ich bin doch deutsch.

Eine deutsche Negerin, das ist meine Muttersprache.

Was soll ich denn machen? Wo soll ich denn hingehen?

Das weiß ich nicht. Ich weiß nicht mal, was aus mir wird.

Du denkst nur an dich.

Und ich Idiot träume, dass wir ein Kind haben.

- Ein kleines Mädchen... - Na, das fehlt noch.

Wieso?

Was kann ein Kind dafür, in einer Zeit zu leben,

da es die Karriere seines Vaters hindert?

(Scharf) Es ist genug jetzt.

Jetzt ist es genug!

"Jetzt ist es genug."

Ach, genug. Ich kann das sehr gut verstehen,

warum es deine Frau neben dir nicht ausgehalten hat.

Hier, ich hab mal ein Bild von dir genommen.

Guck hin. Erkennst du dich überhaupt noch wieder?

Abend, ich muss mit Ihnen sprechen.

Sie wollen mir offen sagen, was Sie sonst hinterrücks reden?

- Was meinen Sie? - "Höfgen geht über Leichen."

Und dergleichen mehr. Sagen Sie das nicht?

Ich bestreite nicht, dass ich Sie nicht mag.

- Was wollen Sie? - Bitte unterschreiben Sie das.

Meine Unterschrift, so, wozu? Möchten Sie Gehaltserhöhung?

Oder sammeln Sie Unterschriften,

weil die feuerpolizeilichen Bestimmungen Ihnen unsicher erscheinen?

Nein, in Bezug auf die Moral scheint mit einiges unsicher,

wenn Sie schon über Sicherheit sprechen, und zwar nicht nur im Theater.

Wogegen protestieren Sie?

Gegen eine Führung, die unsere Rechte missachtet.

Sie sind doch in der NSDAP.

- Sie waren es schon in Hamburg. - Ich trete aus der Partei aus.

Das ist Ihre Sache.

Ich bitte Sie, lesen Sie unser Protestschreiben,

und unterschreiben Sie es.

Sie sind, unabhängig meiner eigenen Meinung,

heute der führende Schauspieler Deutschlands.

Ich sag Ihnen was, ich werde das Zeug nicht mal lesen.

Passen Sie auf, dass Sie sich und andere nicht ins Unheil stürzen.

Miklas, scheren Sie sich zum Teufel.

Von dir Drecksau lasse ich mich nicht provozieren.

(Er stöhnt laut auf)

(Er seufzt)

Mein Gott.

Meinen Glückwunsch, lieber Höfgen.

Ja, es gibt Elemente, die man nur verteufeln kann.

Sie drücken sich präzise aus.

Als Soldat müsste ich Sie befördern. So freue ich mich nur.

Es fällt mir gerade ein, dass Sie nichts zu befürchten brauchen.

Ich sah aus Passion Ihr Horoskop an, alte Pilotenangewohnheit.

Also, in Ihrem Horoskop steht nur das Beste.

- Alles Gute, Höfgen. - Danke schön.

(Klicken in der Leitung)

Was passiert? Morgen.

Morgen. Guten Morgen.

Guten Morgen.

Los, gehen Sie spazieren.

(Mehrfaches Klicken)

(Schüsse fallen)

Schlimm, ein so junger Bursche.

Ich hatte nie besondere Sympathie für ihn.

Er hatte etwas Beunruhigendes, finden Sie nicht?

Beunruhigend?

Das war bestimmt kein Verkehrsunfall.

Er war mit dem Protestschreiben sicher auch bei dir?

Ja, bist du verrückt geworden?

Wie kannst du so einen Unsinn reden?

Warum soll's kein Unfall gewesen sein, wie ausgeschrieben?

Als ob die Regierung das nötig hat, einen kleinen Schauspieler

durch einen fingierten Unfall um die Ecke zu bringen?

Wir sind doch in keinem schlechten Theaterstück.

Man soll eben nicht bei großem Verkehr über die Straße gehen.

Ich habe große Pläne mit Ihnen.

Wir sind unter uns, sagen Sie Nein und bleiben Schauspieler.

Doch dann können Sie nicht so viel für die Sache tun, wie Sie könnten.

Ihre Eröffnungsrede war sehr schön, Sie sind nicht nur Schauspieler.

Sie haben das Wesentliche gesagt.

Sie müssen eine Selbstbiografie schreiben und sie mir einreichen.

Und zwar so bald wie möglich.

Höfgen.

Sie intendieren im Preußischen Staatstheater.

Das ist einfach: Immer ein volles Haus im Preußischen Staatstheater,

und das deutsche Publikum soll sich für Sie begeistern.

Verstehen Sie?

Es ist nicht nötig,

auf die Sachen in Hamburg näher einzugehen.

Ebenso wenig nötig ist es,

das revolutionäre Theater zu erwähnen.

Erwähnen Sie nur einige Ihrer dortigen Rollen.

Nun...

Was haben Sie sich denn vorgestellt,

dort in Hamburg?

Wie ist es Ihnen eingefallen?

Als Deutscher.

Für den russischen Bolschewismus zu agitieren. Unglaublich.

- Wo ist Ihre Frau? - In Paris, so viel ich weiß.

Eben nicht. Sie lebt in Amsterdam und ist ziemlich aktiv gegen ihr Vaterland.

Sie machen dort eine Zeitung.

Sie stehen auch nicht im Briefwechsel?

Wir... haben keinerlei Kontakt miteinander.

Die Scheidung wird nicht schwierig, dafür sorge ich.

Deutsche Staatsbürger, die Deutschland verließen.

Sie konnten uns nicht ausrotten, so unterschrieben sie ihr Todesurteil.

Wo die Schwäche abstirbt, wird die Menschheit gesund.

Die Politik, wie das Theater, ist wie ein Kampf.

Wie auch ein jeder Wiederaufbau der Anfang eines neuen Krieges ist.

Ja.

Aber jetzt geht es ja nicht darum.

(Gedehnt) Ah, Hamburg.

(Er singt) ♪ In einer Hafenstadt am...

Es gibt dort viele Ausländer, Nachtbars, Lokale.

Ich verstehe Sie vollkommen.

Aber was soll in der Reichshauptstadt...

Ich will Sie nicht kränken, wir sind ja Männer.

Wie kommt das Hamburger Andenken nach Berlin?

Juliette Martens.

Wird sie von Ihnen ausgehalten?

Sie haben einmal mit gutem Gefühl in einer Gesellschaft gesagt,

Professor Bruckner sei kein Mann der Zukunft.

Mit noch besserem Gefühl trennten Sie sich von seiner Tochter.

Wenn Sie ein so gutes Gespür für eine reine Anschauungsweise haben,

wie kommt dann dieses Negerweib nach Berlin?

Nun, sie ist da.

Das ist Rassenschande.

Ich rate Ihnen, nicht mal ihr Bild aufzubewahren.

- Herr General... - Warten Sie, ich bin nicht fertig.

Ich hoffe, Sie haben mich vollkommen verstanden.

- Ja. - Also?

- Es soll ihr nichts geschehen. - Überlassen Sie das mir.

Ich möchte Sie bitten, Herr Ministerpräsident,

dass sie ungeschoren aus Deutschland ausreisen kann.

Wir beide verstehen uns schon, man schafft sie zur Grenze und Adieu.

Vergessen Sie diesen Teil unseres Gesprächs.

In der Zeit halten Sie eine Pressekonferenz.

Thema: allgemeine Informationen zum Theaterleben.

Das Repertoire, die Pläne und Ihre Vorstellungen.

Im Oktober

haben wir in unserer Pariser Botschaft eine Kulturdemonstration.

Ich hätte es gern, dass Sie hinfahren.

(Leise) Böck.

Bestimmt wissen sie auch von ihm.

Böck?

Böck!

Mein Notizbuch.

(Leise) Böck bleibt.

- Hier ist es. - (Unwirsch) Ja, gib her.

Ich muss jetzt Freunde anrufen.

Ich brauch dringend einen Freund...

- Da, suchen Sie mir einen Freund. - Wen denn?

Sie haben so viele Freunde.

Freunde...

Fräulein von Niebuhr, Nicoletta von Niebuhr.

Such ihre Nummer raus, und ruf an.

Soll ich Kaffee machen, oder Tee?

Soll ich Intendant werden, ja oder nein?

Kann ich es? Darf ich es? Muss ich es?

Ist es meine Pflicht? Kann ich mich irgendwie nützlich machen?

Kann ich jemandem helfen? Und wenn ja, soll ich jemandem helfen?

(Prustend) Oder soll ich es als eine neue Rolle auffassen?

Soll ich emigrieren, nach Amerika?

Ich kann auch so viel Geld verdienen wie Dora Martin im Film.

Wenn ich ein solches Amt annehme, bei dieser Regierung, dann...

Will ich das überhaupt?

Sie brauchen mich.

Ich war schon beinahe Emigrant,

und jetzt fordert mich der General auf, seine Theater vor der Pleite zu retten.

Morgen früh muss ich ihm eine Antwort geben.

Der Himmel hat...

offensichtlich große Pläne mit mir.

Dann hast du gewonnen.

Würdest du mir helfen?

Ich würde stolz auf dich sein.

Ja, ich werde dir helfen, Hendrik.

Man müsste ewig leben.

Hier der Pass mit einem Frankreich-Visum.

Sie haben fünf Minuten zum Packen.

- Ja, aber warum? - Wir warten auf Sie, beeilen Sie sich.

Für die Gagenerhöhung bedankt euch nicht.

Ich stellte das zur Bedingung, als ich dieses Amt übernahm.

Alles voller Staub.

Sind Sie in der Statisterie nicht so sorgfältig wie in anderen Räumen,

dann muss ich die Damen

leider aus dem Preußischen Staatstheater heraus bitten.

Ich hoffe, wir kommen weiter gut miteinander aus.

Sollten Sie Probleme haben, kommen Sie zu mir.

Ich möchte Sie riesig gern zum Kaffee einladen.

(Stockend) Äh, darf ich Ihnen das Geld geben dafür?

Leider kann ich nicht dabei sein.

Herr Intendant, Joachim möchte Sie sprechen.

Ja, soll hereinkommen.

Halt, Hannelore.

So, jetzt kann er kommen.

Bitte überlege, welche Rollen für mich infrage kommen.

Mit dir kann man reden, du bist nicht wie andere Intendanten.

Du bist selbst Schauspieler, verstehst einen.

(Er denkt) Ich muss so tun, als sagt er was Wichtiges.

Mit Schauspielern muss man so reden, dass sie sich wohlfühlen. Mit mir auch.

(Nörgelnd) Ach nein, ich mag keine Premieren.

Man muss lächeln und freundlich sein. Man ist ein einziges gefrorenes Lächeln.

(Geziert) Ich hasse das.

Du findest das schön, ja? Aber ich nicht!

Aber ich find's gar nicht schön!

- Morgen, Herr Kappelmüller. - Morgen.

- Wie geht's Ihnen und der Familie? - Gut.

- Ihre Tochter hat die Meisterprüfung? - Ja, danke.

- Wiedersehen. - Wiedersehen.

Guten Morgen. (Er seufzt)

Na, fällt Ihnen nichts auf?

Neuer Anzug, neue Schuhe, neuer Intendant.

Nein? Ach.

"...zu bemerken, Ex-Bolschewist Höfgen, als Intendant des Staatstheaters,

in seiner Hamlet-Inszenierung einen früheren Genossen auftreten lässt."

- Hannelore? - Ja?

- Hängt die Besetzungsliste schon aus? - Nein, noch nicht.

Ja, gut. Warten wir noch zwei Tage.

Danke.

Ich muss mehr bieten als die alten Parteigenossen.

Kontakte muss man haben, Beziehungen pflegen.

Das ist das Wesen des Systems.

(Mit bayerischem Dialekt) Gestern war ich im Preußischen Staatstheater.

Da sah ich ein Stück, das hat Faust geheißen.

Da hat der Kasperl Mephisto geheißen. Vollkommener Blödsinn.

Den spielte ein gewisser Höfgen, was für ein Name, das war furchtbar.

Lieber geh ich ins bayerische Volkstheater, also bis dann.

Warum mach ich das bloß alles?

(Seufzend) Weil's mir Spaß macht.

Ich muss mich über dilettantische Stücke freuen,

und Schauspieler engagieren, weil sie blond sind.

Meist sind sie total unbegabt.

In Frankfurt wurde,

nach Applaus für Marquis Posas "Geben Sie Gedankenfreiheit",

die Vorstellung abgesetzt. Was sagst du dazu?

Dann in München "Die Räuber". Schiller, ein Nationaldichter, unglaublich.

Dabei sollen wir deutsche Autoren aufführen.

Werde ständig dazu aufgefordert. Aber wen denn?

Die wirklich guten Autoren sind emigriert.

Und die noch da sind, dürfen oder wollen nicht mehr schreiben.

Es ist nicht zu fassen, was man hier überhaupt noch für Theater machen kann.

Aber vielleicht grabe ich ein paar alte Possen aus?

Rokokoperücke, weiß das Gesicht, dann...

Aber das Beste ist:

Für die Regierung ist Shakespeare jetzt ein völkischer Autor.

Spielen wir doch "Wie es euch gefällt". Die Vertriebenen kehren zurück.

So zeigen wir den Gegnern der Diktatur, der Wille zur Befreiung lebt.

Das hab ich nicht gehört, Otto. Das kann ich gar nicht gehört haben.

Bin ich nicht ein unglaublicher Schurke?

Ist es nicht eine Riesensauerei, was ich hier mache?

"...Fürst und Nicklich, beide im Verband des Theaters...

...völkischen Gesichtspunkten bitte ihre Entlassung einzuleiten."

- Guten Morgen, Herr Intendant. - Guten Morgen.

- Morgen. - Guten Morgen.

- Na, wie geht's Ihnen? - Gut.

Guten Morgen.

- Und Ihnen? - Danke, Herr Intendant.

- Lassen Sie sich nicht stören. - Wiedersehen.

"Die betreffenden Bühnenarbeiter Fürst und Nicklich...

(Tastenanschläge) sind für uns unersetzlich,

und ihr Fehlen könnte den reibungslosen Theaterbetrieb

gefährden."

Punkt. Datum, Gruß, Unterschrift.

(Beschwingte Musik)

(Musik setzt sich fort)

(Musik verklingt)

Hast du mir was mitgebracht? Wenigstens einen Ledermantel?

- Ledermantel? - Die gibt es massig in Deutschland.

Die mich zur Grenze brachten, trugen auch einen.

Das ist die neue Herrenmode.

Deine Augen sind so tot.

Wie guckst du denn?

- Leer? - Nein, stumpf.

So fühle ich mich auch seit ein paar Tagen.

Siehst du. Und dabei warst du nie so.

- Ich hab über dich nachgedacht. - Ja?

Ich muss dir wohl sehr dankbar sein, hm?

Ohne dich wäre ich wohl schon im KZ, wenn ich überhaupt noch leben würde.

Weißt du, Hendrik,

wenn du dich noch wohlfühlst bei mir, bleib hier.

Ich sorge für dich. Du brauchst nicht aus dem Zimmer für 'ne Weile.

Dann finden wir schon was, du bist doch begabt.

- Ich hätte nach Amerika gehen können. - Siehst du.

Ich glaube, ich war wirklich begabt.

Aber auch schrecklich feige.

Und was soll ich woanders? Statist, Bühnenarbeiter, Techniker?

Glaubst du, dass diese Hände zu Schwerarbeit geboren sind?

Ich sorge für dich. Was willst du denn?

- (Flüsternd) Erfolg. - Hendrik Höfgen, stell dir mal vor.

Du gehörtest mir.

- Hm? - Hm.

- Juliette? - Hm?

Ich muss jetzt gehen.

- Sehe ich dich noch? - Weiß ich nicht. Ich muss ins Hotel.

- Kann ich dich zum Zug bringen? - Nein.

Das wär nicht gut. Du passt nicht ins Bild.

Ist gut, lassen wir den Bahnhof. Mach alles so, wie du willst.

Das tue ich doch.

Ich bin ja hier.

- Juliette. - Hm?

Schreib mir nicht mehr. Das ist nicht gut.

Sehr wenig Leute sind hier im Kaffeehaus.

- Willst du nicht in der Sonne sitzen? - Nein.

Obwohl ich in letzter Zeit ziemlich wenig Sonne hatte.

- Darf ich dich etwas fragen? - Mhm.

- Lebst du noch allein? - Nein, ich habe Freunde.

Und du?

Freunde? In dieser Zeit?

Schwierig.

Wie kannst du in Berlin leben? Du weißt doch Bescheid.

- Siehst, was passiert. Warum? - Barbara... Ich lebe im Theater.

- Doch das ist in Berlin. - Ja.

Aber ich glaube, das kannst du von Paris aus nicht so beurteilen.

Du bist nicht mehr nur Schauspieler, nach dem Schwur.

Du bist jetzt Intendant, hm?

Kein Schwur, ich habe nur die Lippen bewegt.

Jemand muss die Werte hinüberretten in eine bessere Welt.

Ich werde Hamlet spielen.

Gleichgültig, ob Shakespeare der Macht gefällt, oder nicht.

Für die ist Shakespeare nur ein Schmuckstück.

Das steckt man sich an und prahlt: "Das haben wir auch, wir sind nicht so."

- Du darfst nicht dort bleiben. - Ich habe eine Familie in Berlin.

Ich bin mit dem Theater verheiratet. Du weißt das.

Ich kann Menschen helfen, denen es schlecht geht.

Und wenn ich weggehe... Da kommt nichts Besseres nach.

Phrasen.

Es ist immer dasselbe mit dir.

Deine Art, dich selbst zu betrügen, funktioniert immer noch.

Es ist egal, wie viele du rettest.

Das ist nur eine freundliche Geste gegenüber Freunden.

Du legalisierst diese Leute. Von dem Vorwurf kannst du dich nie reinwaschen.

Wir können nicht wählen, wo wir geboren werden. Die Zeit kommt zu uns.

Das Volk kann nicht emigrieren.

Ich als Schauspieler muss dort leben,

damit ich sie beobachten und spielen kann.

Ich bin da, lebe da. Ich kann sagen, es gibt auch anständige Leute unter ihnen.

Was ich immer gehasst habe, sind diese "Kaffeehausgenies".

Genauso hasse ich diese Kaffeehauswiderständler.

Das Wertvolle, die Kunst, das Theater, setzt sich jederzeit über alles hinweg.

Das ist meine felsenfeste Überzeugung. Und das stimmt auch.

Warum wolltest du dich mit mir treffen?

Tja... das weiß ich eigentlich selber nicht mehr.

Das könnte sogar gefährlich für dich werden.

Sag mal, Barbara,

hast du mich eigentlich...

jemals geliebt?

Warum bin wohl heute hergekommen?

Hättest du zugehört, würdest du nicht fragen,

oder begreifst du das auch nicht?

- Du bist mit allem einverstanden? - Danke schön.

Das musst du wohl, sonst würdest du nicht dort leben.

Sag mir, was bedeutet für dich Freiheit?

Brauchst du sie überhaupt zum Leben?

Oder brauchst du nur Liebe und Erfolg?

Erfolg genügt mir, das bedeutet ja, dass mich viele lieben.

Und die Wut der Neider tut gut.

Barbara, du darfst mich nicht für eure Ohnmacht verantwortlich machen.

- Herr Höfgen. - Herr Davidson, welch Überraschung.

(Englisch) Die ist für das, was in Deutschland geschieht.

Madam, entschuldigen Sie.

Zahlen. Äh, l'addition, s'il vous plait.

Bin ich zu früh gekommen?

Leb wohl, Barbara.

Darf ich das zahlen?

(Er prustet leicht)

Was könnt ich hier machen?

Freiheit.

Wozu?

(Tangomusik spielt)

(Musik setzt sich fort)

Oberon und Titania.

Ich begrüße...

Ich begrüße unser wunderschönes, uns alle bezauberndes

und wahrlich deutsches Hochzeitspaar.

Zwei jugendliche, dabei aber doch reife Menschen,

von reinster Rasse und edelstem Blut, die uns oft verzaubert haben,

und die nach besten Kräften unserer neuen Gesellschaft dienen.

Sie leben hoch.

Ja, lieber Doktor, vielen Dank.

- Alles Gute. - Danke vielmals. Bitte.

- Marietta, ich freu mich so. - Ich wünsch euch alles Gute.

- Danke. - Wirklich schön von euch.

Herr General, schön, dass Sie auch da sind.

Man kann sagen, was man will. Es gibt nichts Schöneres als den Grunewald.

Lieb, dass ihr beiden da seid.

(Musik endet)

Ich bin und bleibe deutscher Künstler und Patriot,

wer auch immer im Vaterland regiert.

Nirgendwo auf der Welt gefiele es mir so wie hier im Grunewald.

Und wo würde man so gutes altdeutsches Bier bekommen?

Cäsar, schön, dass Sie da sind.

- Sic itur ad astra. - Hm.

In dieser Villa können Sie ja Hausproben halten, lieber Hendrik.

Wir sind stolz auf Sie gewesen, wie Sie in Paris gesprochen haben.

Wie Sie ganz einfach auf alle Fragen geantwortet haben.

Wie Sie...

ganz offen und ehrlich gesagt haben, wie es bei uns ist. Ich...

(Musik setzt wieder ein)

(Motoren erklingen)

(Motoren verstummen)

(Musik spielt weiter)

Weiter tanzen, weiter tanzen.

Guten Abend.

Oh, das ist eine Überraschung.

Da sage ich nicht Nein.

(Er stöhnt genüsslich)

- Ich gratuliere meinem Mephisto. - Danke schön.

Mit den Worten unseres alten Admirals Tirpitz:

"Ziel erkannt, Kraft gespannt." Ich bin sehr gespannt.

- Auf Ihren Hamlet, mein Mephisto. - Ich auch.

Übrigens machte Ihr Interview in Paris auf alle sehr guten Eindruck.

- Ja. - Hm.

Meine Liebe. Meinen Glückwunsch, meinen Glückwunsch.

Und viele gesunde deutsche Jungs.

Danke.

Gnädige Frau.

(Er brummt vor sich hin)

Schön. (Zufrieden brummend) Hm, schön.

Aha.

(Gedehnt) So... Ja, ja.

(Lachend) Das könnte mir gefallen. Ja.

(Murmelnd) Sehr schön.

Sehr schön.

Vielen Dank, gnädige Frau.

Zum Wohle.

Wir haben keine Arbeitszeiten, nur Arbeit.

Ich muss jetzt leider gehen.

Seien Sie glücklich miteinander,

Hamlet.

(Musik setzt ein)

(Autotüren schlagen zu, Motoren starten)

(Musik wird schwungvoll)

♪ Im Grunewald Im Grunewald ist Holzauktion

♪ Ist Holzauktion, ist Holzauktion

♪ Im Grunewald, im Grunewald Ist Holzauktion

♪ Ist Holzauktion Ist Auktion

♪ Rechts um die Ecke Links um die Ecke

♪ In der Mitte, da ist Holzauktion

♪ Rechts um die Ecke Links um die Ecke

♪ In der Mitte, da ist Holzauktion

♪ Im Grunewald, im Grunewald Ist Holzauktion

♪ Ist Holzauktion, ist Holzauktion

♪ Im Grunewald, im Grunewald Ist Holzauktion

♪ Ist Holzauktion, ist Auktion

♪ Der ganze Klafter Holz Der kost' 'nen Taler

♪ 'nen Taler, 'nen Taler

♪ Der ganze Klafter Holz Der kost' 'nen Taler

♪ 'nen Taler 'nen Taler kost' der bloß

♪ Ja, Leute Der ganze Klafter kost' 'nen Taler heute

♪ 'nen Taler, 'nen Taler

♪ Der ganze Klafter Holz Der kost' 'nen Taler

♪ 'nen Taler 'nen Taler kost' der bloß

Weißt du, Nicoletta, was ich in letzter Zeit oft überlegt habe?

Ob wir das eigentlich alles verdienen?

Wenn ich hart mit mir ins Gericht gehe, muss ich sagen, ja.

Wer sonst, wenn nicht wir, die wir die Individualität und Kunst vertreten,

soll und muss sich nicht darüber hinwegsetzen können,

was in der Welt geschieht.

Wir sind dadurch ein Beispiel und...

die Ermunterer für die anderen.

Gleichgültig, welcher Dreck in der Welt ist.

Die wahre Kunst, das Künstlerische, bleibt immer rein und wahr.

Nein, ich bin ja mit dem Theater verheiratet.

Du ja auch.

Ich wollte Otto Ulrichs die Gagenerhöhung mitteilen,

und unterschreiben lassen, aber ich erreiche ihn nicht.

Ich sandte einen Boten und eine Nachbarin sagte ihm,

dass zwei Männer ihn vor zwei Tagen abgeholt hätten.

Rufen Sie den Ministerpräsidenten an.

Und verbinden Sie mich mit ihm.

Ist er noch nicht da, bitten Sie um einen Termin sofort bei seiner Rückkehr.

- Hallo? - Geben Sie her.

Höfgen.

Ja, ich möchte gerne mit dem Herrn Ministerpräsidenten sprechen.

- Guten Tag. - Guten Tag.

Bitte kommen Sie.

Guten Tag.

- (Gedehnt) Na, was ist los? - Exzellenz?

Sie haben mir neulich geholfen, wegen eines Kollegen.

Jetzt muss ich Sie erneut darum bitten.

Es geht darum:

Otto Ulrichs

ist vor ein paar Tagen

aus seiner Wohnung abgeholt worden.

- Sind Sie deshalb zu mir gekommen? - Ja, Exzellenz.

Sie hab ich satt, Höfgen, gehen Sie.

Damit haben Sie nichts zu tun, Sie sind nicht kompetent.

Lassen Sie besser die Finger von dieser Sache.

Ich gebe Ihnen einen Rat: Mischen Sie sich nicht in alles ein.

Sie täten besser dran, sich um Ihre Sachen zu kümmern,

damit Sie nicht zertreten werden wie ein Käfer.

Glauben Sie, Sie sind jemand?

Ulrichs war in dreckige Affären verwickelt.

Dem Intendanten meines Staatstheaters sollte ein Hochverräter egal sein.

Gehen Sie.

Sie sollen gehen.

Raus, Schauspieler!

Ich weiß, was ich und das ganze Theater dem General zu verdanken haben.

Ich weiß auch, dass wir das zum Großteil Ihnen verdanken.

Darum wage ich es, Sie zu bitten, für Otto Ulrichs zu intervenieren.

- Ich mache mir große Sorgen um ihn. - Wieso Sorgen? Er ist doch tot.

Wissen Sie das gar nicht?

So viel ich weiß, hat er Selbstmord begangen.

Selbstmord.

Aber er wusste, was er riskiert.

Ich glaube, er ist eher zu beneiden.

Der Prinz von Dänemark

verzichtet auf Rang, Jugend und Liebe.

Er ist der Retter des Nordens.

Der einsame Ritter mit erhabenen Ideen im Herzen und Willen.

Mit der Idee der Reinheit für Blut und Rasse.

Hamlet ist auch kompliziert.

Er ist ein großer und einfacher Mensch.

Selbst auf die Gefahr hin, mich in so kurzer Zeit zu wiederholen,

er ist ein nordischer Mensch: Er tötet.

Und in seinem auch sich vernichtenden Kampf...

zeigt er uns den Weg in die Zukunft.

Er befiehlt uns das reine Leben.

Das ist sein Testament an uns. Er ist also kein Schwächling.

Ganze Schauspielgenerationen machten den Irrtum,

ihn als Neurastheniker, ödipalen Wirrkopf,

Revoluzzer, als dekadenten Typus darzustellen.

Das glaube ich nicht. Hamlet ist ein harter Mann.

Es ist nicht nur meine Meinung, dass Sie ihn

als energischen, konsequenten Menschen kennenlernen werden.

Hamlet ist eine Gefahr für den deutschen Menschen.

Wir alle haben das Grübeln in uns und müssen es überwinden.

Denn verlangt sind Aktionen, nicht nur Gedanken,

und schon gar keine zersetzende Reflexion.

Hamlet ist der tragische Kampf

zwischen Tun und Nicht-Tun.

Zwischen Zögern, Grübeln

und Handeln.

Wir, die Träger des germanischen Kulturwillens,

wissen, was wir daraus zu verstehen haben.

Hamlet ist ein völkisches Werk.

Es ist weder religiös, aristokratisch oder bürgerlich,

sondern völkisch wie griechische Tragödien.

Darum schaffen wir die Barriere

zwischen Zuschauer und Schauspieler ab.

Der Raum, das Licht, die Bewegungen, die Töne sind alles.

Auch der Zuschauer selbst.

Alles verschmilzt zu einem großen gemeinsamen Effekt.

Wir müssen ein totales Theater machen.

Ein Theater, das erschüttert,

und mobilisiert.

(Applaus erklingt)

(Applaus hält an)

(Schwungvolle Musik)

Die Theaterausstattung für heute Abend soll 60.000 Mark gekostet haben.

Und es muss deswegen fünf Tage geschlossen bleiben.

- Nette Geburtstagsfeier. - Ja.

- Dass man das mitmachen muss... - Ja.

- Guten Abend. - Guten Abend.

(Walzermusik ertönt laut)

Guten Abend, werte Herren.

- Guten Abend. - Abend.

Guten Abend, Herr Intendant.

So prachtvoll feiert man nur noch in Berlin.

Guten Abend.

- Guten Abend. - Guten Abend.

Sehr liebenswürdig. Oh, guten Abend, Herr Oberst.

(Leises Stimmengemurmel)

Liebste Bella, wir sahen uns ja ewig nicht.

Geht's Ihnen gut? Kein Heimweh nach Ulm?

Warum frag ich, hier geht es Ihnen ja fantastisch.

Ihrem großen Sohn geht's auch gut?

Guten Abend.

- Guten Abend. - Guten Abend.

- Wie geht's, lieber Höfgen? - Ausgezeichnet.

- Wie ist die Stimmung? - Man scheint sich zu amüsieren.

- Gratulation zu Ihrem Hamlet, famos. - Danke.

Der Chef war ganz hingerissen.

Er ging nach der Premiere auf einen Empfang und sprach nur von Ihnen.

Es ging nur ums Theater und Sie. Sie sind wirklich zu beneiden.

Mit Erfolg ist das halt so. Manchmal hat man ihn, manchmal nicht.

Nein, lieber Höfgen, Sie geben den Menschen etwas, Sie schaffen etwas.

Ja, glauben Sie mir.

Da kommen sie.

(Feierliche Musik setzt ein)

(Jubelrufe)

(Musik endet)

Na, wie geht's, Mephisto?

Sehr gut, Eure Exzellenz.

Ich habe Ihnen gar nicht gesagt, wie wunderschön Ihr Hamlet ist.

Das freut mich, danke. Ich muss ein paar Worte reden.

Herr Ministerpräsident,

gnädige Frau,

meine Damen und Herren.

Wir sind stolz.

Ja, wir sind stolz und froh, dieses Fest

in diesem Hause heute mit Ihnen zu begehen.

Wenn mir schon die Ehre zuteilwurde, Sie im Namen aller zu begrüßen,

gestatten Sie mir, die Grußworte an den Staatsmann und Soldaten,

einen Gruß an den Freund und großmütigen Gönner der Kunst vorauszuschicken.

Den wir als Leitbild verehren, als Freund lieben,

und als Herren folgen.

Ohne ihre Förderer ist die Kunst ein Vogel mit gelähmten Schwingen.

Und wie der Dichter sagt, "Die Götter mögen dich beschützen,

und für deine Ziele das Herz Roms schlagen."

(Walzermusik spielt)

Der Herr Ministerpräsident möchte Sie sprechen.

Er erwartet Sie draußen im Wagen. Ich begleite Sie.

Sie allein.

Nicoletta bringt dich nach Hause. Ich beeile mich.

(Motor läuft im Leerlauf)

(Leises Windheulen)

Na, Mephisto? Was für eine Kraft blickt hier auf Sie?

Spüren Sie diese Kraft?

Das ist das Theater.

Schauen Sie diese Arena an, sie wird bald fertig. Wunderbar, nicht?

Hier würde ich eine Vorstellung inszenieren.

Blinzeln Sie nicht, schauen Sie der Geschichte ins Auge.

Was für ein Echo.

Hendrik Höfgen! (Seine Stimme hallt nach)

Wir herrschen über Europa, die Welt. Wir schaffen ein tausendjähriges Reich.

Hendrik Höfgen! (Echo ertönt)

(Gedehnt) Hendrik Höfgen! (Echo ertönt)

Gehen Sie.

Los!

In die Mitte.

(Schreit) Hendrik! (Echo ertönt)

Höfgen! (Echo ertönt)

Na, Höfgen, wie ist es, in diesem Licht zu sein?

Das ist das richtige Licht, nicht?

(Wind heult laut)

Was wollen die von mir?

Was wollen die?

Ich bin doch nur Schauspieler.

(Gedämpfte Paukenschläge)

(Beschwingte Musik setzt ein)

No Limits Media 2017 Untertitel: J. Wiese, M. Urgesi

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