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* Angespannt pulsierende Kl�nge *
* Dezentes Stimmengewirr *
* Kameras klicken. *
(L. Thomas, Archiv) Ich leite eine beh�rden�bergreifende Sondereinheit,
deren Aufgabe es ist,
die Vorg�nge in der Sowjetunion zu bewerten und zu reagieren.
Wir wissen, dass sich im Atomkraftwerk Tschernobyl
ein schwerer Unfall ereignet hat.
Und dieser Unfall hat zu einer Explosion gef�hrt.
Alle wollten wissen, was los war,
aber die Sowjets lieferten keine Informationen.
Ja, da hinten. (Journalist) Wissen Sie,
ob die Katastrophe einged�mmt wird?
Was unternehmen die Sowjets?
(L. Thomas) Wir haben die uns bekannten Fakten pr�sentiert.
* Wuchtiges Dr�hnen *
(L. Thomas) Die Sondereinheit hatte �ber die CIA
Zugriff auf aktuelle Satellitenaufnahmen
rund um das Kraftwerk.
Wir wissen, es kam zu einem Brand,
und dass weiterhin radioaktive Strahlung austritt.
Ein Problem waren die erheblichen Emissionen radioaktiven Materials.
Man nannte sie "die radioaktive Wolke".
Diese Wolke wanderte in der Atmosph�re rund um die Welt.
Ist sie einmal unterwegs, kann man nichts dagegen tun.
Diese Strahlung hat weltweit Folgen.
* Dramatische, wabernde Kl�nge *
* Bebendes Dr�hnen *
* Verh�ngnisvoll-wabernde Kl�nge *
* Schicksalhafte, pulsierende Kl�nge *
(W. Andrews) Ich wei� noch, es war ein Montagmorgen.
Ich ging zur �blichen Zeit ins B�ro, wohl um 9 oder 10 Uhr.
Die Ticker liefen hei� mit der Nachricht,
dass die Schweden einen Nuklearunfall
in der Sowjetunion aufgedeckt haben und die Sowjets dazu schweigen.
Wir fragten sofort unsere sowjetischen Kontakte ab -
aber es herrschte Funkstille.
So wurden am Montagabend, dem 28. April,
mit Spannung die 21-Uhr-Nachrichten "Wremja"
mit einer Reaktion der Sowjets erwartet.
* Feierliche TV-Intromusik *
(Sprecherin) Bei einem Unfall im Atomkraftwerk Tschernobyl
wurde ein Reaktor besch�digt.
Die Sch�den werden beseitigt. Unfallopfer bekommen Hilfe.
Eine Regierungskommission wird eingerichtet.
Ich erinnere mich an das Timing:
Der Nuklearunfall war nicht der Aufmacher,
sondern wurde 25 Minuten nach Beginn der Sendung gemeldet.
Und das ganz beil�ufig:
"�brigens, es gab einen Atomunfall, wir sind dran.
Das sollte euch und der Welt f�rs Erste reichen."
Erstaunlich.
* Jubel *
(Sprecher) Gorbatschow weckt Hoff- nungen auf einen verbesserten Dialog.
* Geheimnisvolle Musik, klickende Kameras *
(K. Kalmbach) Wir m�ssen uns bewusst sein,
dass wir uns 1986 noch in einer Situation befanden,
in der Europa geteilt war,
die dominiert war von Kalter-Kriegs-Rhetorik.
Und gleichzeitig befinden wir uns 1986 in einer Situation,
wo Michail Gorbatschow mit seiner Politik
von "Glasnost und Perestroika", also von "Offenheit und Transparenz",
sich schon daf�r einsetzte,
diese Kluft zwischen Ost- und Westeuropa zu �berbr�cken.
Trotz all dieser Bem�hungen um Glasnost und Perestroika
waren die Informationen,
die die Sowjetunion in den ersten Tagen nach dem Unfall teilte,
sehr, sehr limitiert.
(R. Richardson) Die sowjetische Reaktion
auf jedes ungel�ste Problem -
besonders auf eine solch peinliche Katastrophe -
war immer der Versuch der Vertuschung.
Das war ein Reflex der B�rokraten - auch jetzt, im Fall Tschernobyl.
(G. Ackerman) Ich glaube nicht,
dass sie Tschernobyl aus Panik geheim hielten.
Es war rein ideologisch.
Die Welt sollte nicht erfahren, dass dem kommunistischen Regime
ein derartiger Fehler unterlaufen konnte.
Ein solches radioaktives Leck hatte die Welt noch nicht erlebt.
Alle Atomwissenschaftler, mit denen wir sprachen,
spekulierten �ber eine Kernschmelze.
Der Brennstoff im Reaktorkern erhitzt sich so stark,
bis er schmilzt und nach unten flie�t.
Das nennt man Kernschmelze.
Sie ist gef�hrlich,
weil radioaktives Brennmaterial aus dem Reaktor nach au�en treten kann.
* Angespannte Kl�nge *
(J. Fowler) Menschen in Windrichtung des Unfalls
werden potenziell gef�hrlicher Radioaktivit�t ausgesetzt,
genau wie beim Fallout einer Atombombe,
mit Partikeln, die Jahrtausende gef�hrlich bleiben k�nnen.
(Sprecher) Dass es sich um den bisher schwersten Unfall
in einem Atomkraftwerk �berhaupt handelt,
darin sind sich westliche Experten einig.
Sie halten es f�r wahrscheinlich,
dass der Reaktorkern durchgeschmolzen ist.
Und sie halten es f�r sicher, dass der Graphitblock,
in dem die Brennst�be eingebettet sind, brennt.
(K. Kalmbach) Die Auswirkungen - der radioaktive Niederschlag -
betrafen ganz Westeuropa. Aber die Konsequenzen,
die unterschiedliche westeurop�ische Regierungen
aus diesen radioaktiven Niederschl�gen zogen,
waren sehr unterschiedlich von Land zu Land.
In Deutschland nahmen die Beh�rden
die potenziellen Gefahren ernster als in Frankreich.
(Sprecher) Sorge in mehreren europ�ischen L�ndern.
In Frankfurt haben Beh�rden
wegen einer m�glichen Kontamination von Rasenfl�chen
Sportveranstaltungen im Freien untersagt.
(K. Kalmbach) Die Frage, die Menschen besonders verunsicherte, war,
welche Lebensmittel eigentlich noch sicher w�ren zu konsumieren.
- An der italienischen Grenze wurden polnische Rinder beschlagnahmt.
Aus der N�he der Sowjetunion stammende Lebensmittel
k�nnten kontaminiert sein.
In Deutschland war eine Zeit lang der Verzehr von Milch,
bestimmten Beeren, Champignons und verschiedener Gr�ngem�se untersagt.
(L. Thomas) Die �ffentlichkeit war besorgt.
Schlie�lich sind die Gesundheitsgefahren
eines radioaktiven Fallouts bekannt.
(R. Regan) Es ist ein Unding, dass die Sowjetunion zu etwas schweigt,
das mehr als die H�lfte der Weltbev�lkerung betrifft.
(Moderatorin) Zugeschaltet aus Washington ist Lee Thomas,
der Leiter der Tschernobyl-Sondereinheit.
Was sagen Sie zur Darstellung sowjetischer Offizieller,
der Westen �bertreibe die Sch�den?
(L. Thomas) Das ist der schlimmste Atomunfall der Geschichte.
Nach allem, was ich wei�, ist das keine �bertreibung.
Allerdings wurden uns die erbetenen Informationen
noch nicht �bermittelt.
Diese Informationen
haben wir von den Sowjets nie bekommen.
Ihre Regierung schien es als ihre Aufgabe zu sehen,
ein Wunschbild zu malen, das mit der Realit�t nichts zu tun hatte.
Ich erinnere mich an den CIA-Vertreter in der Sondereinheit -
einen jungen Mann.
Er konnte uns gute Informationen liefern.
Die Sondereinheit von Lee Thomas wollte stets
�ber den Stand der L�scharbeiten auf dem Laufenden sein.
Die Sowjets sagten, die Lage sei unter Kontrolle,
aber unsere Satellitenbilder zeigten weiterhin Feuer
und L�schhubschrauber im Einsatz.
* Angespannte Kl�nge *
Neben Sand warfen sie Bor, Blei und Dolomit ab -
ein Material, das bei Hitze Kohlendioxid freisetzt.
(W. Schkljarow) Alle waren sehr besorgt.
In der gesamten Ukraine wurde Bor f�r den Reaktor gesammelt.
Sechs Hubschrauber waren gleichzeitig im Einsatz.
Einer startet, ein anderer landet, ein dritter wird beladen,
ein vierter wirft seine Ladung ab.
* Spannungsvoll tosende Kl�nge schwellen an. *
Das Feuer im Reaktorkern mit dem radioaktiven Material
war das gr��te Problem.
(L. Thomas) Wohin gelangt das radioaktive Material?
Es steigt in die Atmosph�re.
Und wo geht es nieder?
* Widerhallendes Dr�hnen *
* Knackend tickende Kl�nge *
(Archiv) Der Fokus der Aufmerksamkeit liegt auf der Strahlen�berwachung.
(M. Dickerson) Wir haben f�r die Region
die Wetterdaten der letzten vier, f�nf Tage gesammelt.
Ich bin Marv Dickerson
und war 1986 am Lawrence Livermore National Laboratory,
zur Zeit des Unfalls in Tschernobyl.
(Archiv) Es ist die weltweit modernste Einrichtung ihrer Art.
Die Rechner empfangen Strahlungswerte
aus Europa, Japan und den USA.
(M. Dickerson) Es hie�, es w�rde nie Unf�lle in Atomkraftwerken geben -
und wenn, dann nur mit lokalen Folgen.
Wir glaubten das nicht.
Wir hielten gro�e Unf�lle f�r m�glich.
Diese radioaktive Wolke w�rde um die Erde ziehen
und ihren radioaktiven Niederschlag �berall verteilen.
Und niemand konnte absch�tzen,
was das f�r die Gesundheit der Menschen bedeutete.
(M. Dickerson) Die radioaktive Wolke in Tschernobyl
bildete sich auf zwei Wegen:
Zun�chst wurde radioaktives Material durch die urspr�nglichen Explosionen
kilometerweit in die H�he geschleudert.
Danach kam es zu einem Brand. Brennt radioaktives Material,
bef�rdert der Rauch Radionuklide in die Atmosph�re.
Sie k�nnen ein paar Kilometer �ber der Erdoberfl�che bleiben.
Str�mungen in mehreren Luftschichten
verteilen sie in unterschiedliche Richtungen.
Die Wolke in der obersten Schicht zog �ber Nordchina und Japan.
Eine kleinere Menge
wurde sogar �ber dem Bundesstaat Washington gemessen.
Der untere Teil der Wolke, der durch das Feuer entstanden war,
zog �ber Europa hinweg.
Am 30. April drehte der Wind.
Er drehte um fast 180 Grad
und blies die Radioaktivit�t Richtung S�den, nach Kiew.
Ich w�re nicht gerne s�dlich des Reaktors gewesen, in Kiew.
In unserer CIA-Sondereinheit verfolgten wir auch
die Entwicklungen im sowjetischen Alltag.
Trotz des Atomunfalls im nahe gelegenen Tschernobyl
ging das Leben in Kiew auf Bestreben der sowjetischen F�hrung
seinen gewohnten Gang.
Sie wollte die Lage in Kiew als normal darstellen.
In einer Zeit,
in der Schutzvorkehrungen wichtig gewesen w�ren,
gab es sogar eine Parade.
(L. Thomas) In der Sowjetunion gab es immer eine Maiparade.
* Feierliche Parade-Musik, Jubelrufe *
(L. Thomas) Es war eine gro�e Demonstration
ihrer milit�rischen St�rke.
Ich erinnere mich an die Panzer,
die Raketen und die vorbeimarschierenden Truppen.
Das war immer im Fernsehen - die gro�e Maiparade der Sowjetunion.
(Lautsprecher) Ura!
* Tosender Jubel *
* Donnerndes Dr�hnen *
* Verh�ngnisvolles Sirren und Dr�hnen *
(G. Menzheres) Die Parade war lange geplant.
Und dann erhielten wir die Nachricht, dass der Wind Richtung Kiew dreht
und wie gef�hrlich das f�r Kiew ist.
Am Abend des 30. April
waren die Strahlungswerte in Kiew bereits um ein Hundertfaches erh�ht.
(G. Menzheres) Schtscherbyzkyj war st�ndig mit Gorbatschow am Telefon.
"Ihr macht zu viel Panik!", sagte Gorbatschow.
Das sagte er auch dem Stadtparteikomitee,
als ein Mitglied ihn anrief und fragte:
"Wie k�nnen wir das machen? Wir hatten gerade einen Unfall.
Wir k�nnen die Leute nicht auf eine Parade schicken!"
Der Unfall war noch keine Woche her.
Die Sowjets hatten noch immer keine Erkl�rung abgegeben,
die auch nur ansatzweise der Wahrheit
und ihrem Wissen �ber das Ausma� der Katastrophe entsprach.
Der Bev�lkerung von Kiew wurde gesagt, sie sei nicht in Gefahr.
(G. Menzheres) Der 01. Mai kam.
Schtscherbyzkyj sagte: "Ich warte am Telefon."
Aber Gorbatschow ging nicht ran.
Da wussten wir, dass unsere Lage ernst ist.
Die Parade musste stattfinden.
* Feierliche Parade-Musik, Jubel *
(G. Menzheres) Die Atmosph�re war angespannt.
Da standen sie und l�chelten.
Nun ja, sie konnten schlie�lich keine finstere Miene machen.
* Unterschwellige d�stere Kl�nge *
(W. Schkljarow) Ich wurde gebeten, an der Parade teilzunehmen,
weil Ger�chte kursierten, dass ich verstorben sei.
Ich sollte den Leuten zeigen, dass ich noch lebe.
Ich stand oben auf der Regierungstrib�ne.
(G. Menzheres) Die lokalen Parteifunktion�re wussten bereits,
dass Kinder nicht drau�en sein sollten.
Deshalb brauchten wir Kinder,
gegen deren Teilnahme niemand etwas einzuwenden hatte.
Wir holten sie aus speziellen Internaten.
Wir stellten eine Kolonne auf, die schnell vorbeizog.
Danach fuhren wir nach Hause.
* Pfeifender Jubel *
* Dezente verh�ngnisvolle Kl�nge *
(G. Menzheres) Meine pers�nliche Meinung war und ist:
Der Aufmarsch dieser Kinder war nicht n�tig.
Die Nachrichten zum ersten Mai zeigen eine bunte Parade in Kiew.
Die Sowjets begehen den Festtag,
als w�re der Atomunfall bereits Geschichte.
Ich sah die Berichterstattung an jenem Abend mit Erstaunen.
Die Menschen tanzten auf den Stra�en.
Die Botschaft war: "Wir sind in Feierlaune, hier ist alles bestens."
Das AKW war nur gut 100 Kilometer entfernt und die Regierung schwieg.
(W. Schkljarow) Die �ffentlichkeit war sp�ter nat�rlich emp�rt
�ber die Parade bei so einer Strahlung.
Ich verstehe bis heute nicht, warum sie notwendig war.
* Unheilvoll pochende Kl�nge *
* Dramatisch-verzerrtes Dr�hnen *
Anfangs schien der Materialabwurf per Hubschrauber zu funktionieren.
Die Strahlungswerte �ber dem Reaktor sanken offenbar.
Aber am 01. Mai stellten sie entsetzt fest,
dass sowohl Strahlungswerte als auch Temperaturen wieder stiegen.
* Bebend-verzerrtes Dr�hnen *
Die Wissenschaftler vor Ort be- f�rchteten eine neue Kettenreaktion
in den Resten des Reaktorgeb�udes.
Sie f�rchteten eine neue Explosion.
(W. Schkljarow) Tschernobyl ist Tschernobyl.
Und es wird uns noch lange verfolgen.
* Ersch�tterndes verzerrtes Dr�hnen *
* Rhythmisch prasselnde Kl�nge *
* Nerv�s-beklemmende Kl�nge *
(Dr. Gale) Dieses Foto habe ich
im Moskauer "Krankenhaus Nummer sechs" aufgenommen.
Der Feuerwehrmann liegt unter einem Schutzzelt,
um ihn gegen lebensbedrohliche Infektionen abzuschirmen.
Zum Zeitpunkt des Tschernobyl-Unfalls war ich Professor f�r Medizin
an der University of California in Los Angeles.
Wir hatten in der Behandlung von Menschen,
die hohen Strahlendosen ausgesetzt waren,
durch unsere Krebsforschung viel Erfahrung.
Ich wollte meine Hilfe anbieten.
Ich war mir nicht sicher, wie es aufgenommen werden w�rde,
aber der russische Botschafter in Washington rief mich an und sagte:
"Herr Gorbatschow m�chte, dass Sie nach Moskau kommen."
Ich packte meine Sachen und stieg in ein Flugzeug.
Ich und die beiden Piloten waren die Einzigen, die nach Moskau flogen,
alle anderen flogen von dort weg.
Am n�chsten Tag begannen wir mit der Untersuchung
der nach Moskau ausgeflogenen Techniker und Feuerwehrleute.
Das Krankenhaus von Pripjat war nicht ausger�stet,
um so schwere Verletzungen zu behandeln,
wie sie die ersten Opfer zeigten.
Die am schwersten verletzten Patienten
wurden nach Moskau geflogen.
Mehr als 200 Techniker aus dem Kraftwerk, Feuerwehrleute
und andere Unfallopfer wurden in das Krankenhaus Nummer sechs verlegt -
ein Krankenhaus speziell zur Behandlung
von Menschen aus der Nuklearindustrie.
* Trostlos-tr�be Kl�nge *
(P. Khmel) Sie brachten mich in den 9. Stock.
Dann kam der KGB.
Es hie�, die Station sei abgeriegelt.
Ich wollte meiner Familie schreiben
und bat eine Krankenschwester um Papier.
Ich schrieb, wo ich war.
Drei, vier Tage vergingen - nichts geschah.
Ich fragte eine andere Kranken- schwester nach ihrer Kollegin.
Sie wurde entlassen.
Sie wollten die ganze Sache unter Verschluss halten.
Das war eine reflexartige Reaktion bei den Sowjets.
(P. Khmel) Alles wurde untersucht: Verdauungsorgane, Nervensystem ...
Die �rzte lie�en nichts aus.
Ich z�hlte die Bodenfliesen, ... die Fliesen an den W�nden.
Die Zeit verstrich.
Ich schaute in den Spiegel: Meine Haare fielen aus.
Ich wollte meinen Schnurrbart zurechtstreichen.
Ich trage seit der 9. Klasse einen Schnurrbart.
Er war immer mein Stolz.
Als ich meinen Schnurrbart anfasste, fiel er einfach aus.
Ich habe wirklich geweint.
(Dr. Gale) Die Folgen der Strahlenbelastung
sind nicht sofort ersichtlich.
Etwa eine Woche oder zehn Tage nach der Exposition
fielen den Feuerwehrleuten die Haare aus.
Es kommt zur Funktionsst�rung des Knochenmarks,
Sch�den an der Haut und im Verdauungstrakt.
Im schlimmsten Fall sind Herz-Kreislauf-System
und das zentrale Nervensystem gesch�digt.
Menschen, die sehr hohen Strahlendosen ausgesetzt sind, ...
k�nnen wir nicht helfen.
Sie sterben.
(P. Khmel) Vor meiner T�r sa� immer ein KGB-Mann.
Einmal kam eine Augen�rztin zu mir herein.
Sie schaute sich pr�fend um und sagte:
"Ich habe Ihnen eine Zeitung mitgebracht. Lesen Sie."
Und sie zeigte mir Fotos von sechs Feuerwehrleuten, die gestorben waren.
Besonders betroffen waren die Feuerwehrleute,
die gleich nach der Explosion auf dem Dach der Reaktorhalle im Einsatz
und daher massiver Strahlung ausgesetzt waren.
(P. Khmel) Ich sah sechs meiner Kollegen, ...
... darunter: Ignatenko, Kibenok, ... Pravyk.
Wir waren Freunde, wir gingen zusammen in die Disco.
Ich h�tte nie gedacht, dass uns so etwas zust��t,
dass ich sie nie wiedersehen w�rde.
* Tr�be Kl�nge *
(P. Khmel) Ich bat die �rztin, mir die Zeitung als Andenken dazulassen,
aber das wollte sie nicht und sagte:
"Verraten Sie Ihren KGB-Leuten nichts davon!"
Sie nahm die Zeitung und w�nschte mir gute Besserung.
Von den �ber 200 Einsatzkr�ften im Krankenhaus Nummer sechs
starben 28 in den kommenden Wochen und Monaten.
Ich war tief beeindruckt von den Feuerwehrleuten.
Ihre Opferbereitschaft hat viel Schlimmeres verhindert.
(P. Khmel) Manchmal muss ich abends an einem 26. April weinen.
* Tr�be and�chtige Kl�nge *
* Er seufzt. *
(P. Khmel) Zw�lf aus unserer Gruppe wurden nach Moskau gebracht.
Nur sechs �berlebten.
Die anderen werden in ewiger Erinnerung bleiben.
* Dramatische, brodelnde Kl�nge *
Etwa zehn Tage flogen sie ununterbrochen,
um den Brand im Reaktorkern zu ersticken.
Dann erlosch er.
Einige Tage nach dem mysteri�sen Anstieg der Temperatur im Reaktor
sank sie wieder.
Niemand wusste, warum.
(Sprecherin) Nach langer Funkstille hat Moskau den Generaldirektor
der Internationalen Atomenergie-Organisation eingeladen,
eine Geste, die auch f�r den Gast Hans Blix �berraschend kam.
(H. Blix) Der russische Vertreter bei der Atomenergie-Organisation
rief mich an und lud mich zu einem umfassenden Informationsaustausch
nach Russland ein.
Er fragte, ob wir Tschernobyl sehen wollten, und ich sagte:
"Selbstverst�ndlich."
Wir umkreisten das zerst�rte AKW in einem Hubschrauber.
Der Blick aus dem Fenster bot einen tragischen Anblick.
Wir sahen das ganze Ausma� der Zerst�rung.
* Ersch�tterndes Dr�hnen *
(Archiv) Die ersten westlichen Besucher berichten,
dass das Feuer im abgeschalteten Block 4
gel�scht ist.
(H. Blix) Aus der besch�digten Anlage steigt kaum noch Rauch auf.
Hans Blix war klug und wusste,
dass er sich �ber dem Reaktor einer Gefahr aussetzte.
Er kam aber mit der Nachricht zur�ck, dass das Feuer gel�scht war.
(H. Blix) Es war wichtig,
dass es mit uns die ersten unparteiischen Augenzeugen gab.
Die Welt gierte nach Informationen.
Die erste unabh�ngige Entwarnung gab es auf einer Pressekonferenz,
die auch Fragen westlicher Reporter zulie�.
Im Saal herrschte gro�e Anspannung.
Der erste neutrale Wissenschaftler schilderte seine Eindr�cke
von der schlimmsten Atomkatastrophe aller Zeiten.
(H. Blix) Wir haben sehr offene und ehrliche Gespr�che
mit Ministern und Experten gef�hrt.
(Nachrichten) Die Delegation �u�erte sich sehr zufrieden
�ber die erhaltenen Informationen.
Der amerikanische Leiter der Nuklearsicherheit sagte,
der Reaktor habe sich automatisch abgeschaltet und bleibe es auch.
(M. Rosen) Die Kettenreaktion stoppte nach dem Unfall
und kam nicht mehr in Gang.
Die aktuell gemessenen Brennstofftemperaturen
liegen den Angaben zufolge
deutlich unter dem Schmelzpunkt und nehmen weiter ab.
(Nachrichten) Das UN-Team schickte voraus,
dass die meisten Angaben von den Sowjets stammen.
(H. Blix) Wir k�nnen Ihnen nur Ein- dr�cke weniger Tage weitergeben.
Die Sowjets versicherten der Welt und Hans Blix, alles sei in Ordnung.
* Verh�ngnisvolles Dr�hnen *
Zugleich gab es inoffiziell die unausgesprochene Bef�rchtung,
dass der Reaktorkern noch immer schmelze.
* Angespannt-sirrendes Pulsieren *
Es gab die ernste Sorge,
dass der extrem hei�e Kernbrennstoff sich durch den Reaktorboden
und das Betonfundament frisst und ins Grundwasser gelangt.
Eine unkontrollierte Kernschmelze
gef�hrdet die Wasserversorgung von 30 Millionen Menschen
und bedroht zugleich die Land- wirtschaft in weiten Teilen Europas
f�r Jahrzehnte.
F�r die sowjetische F�hrung war das ein kritischer Moment.
* Unbehagliches Sirren und Prasseln *
Auf Satellitenfotos konnten wir sehen,
dass Bergleute unter dem Reaktor einen Tunnel gruben.
(I. Khodosow) Unser Chef sagte, es sei ein Unfall passiert
und wir m�ssten dorthin.
Ich wusste nat�rlich nicht, was in Tschernobyl passiert war.
Einen Tunnel graben, das war unser Auftrag.
(Mann) Wo kommt ihr her? (Arbeiter) Aus dem Distrikt Tula.
(Mann 2) Los, los!
* Wuchtiges Dr�hnen *
Die Bergleute sollten einen Tunnel bauen,
etwa 130 Meter lang,
um dort dann einen riesigen W�rmetauscher zu installieren.
Der W�rmetauscher
sollte das Erdreich unter dem Reaktorfundament k�hlen,
und damit verhindern,
dass eine Kernschmelze das Grundwasser erreicht.
Der sehr ehrgeizige Plan erforderte 400 Bergleute rund um die Uhr
f�r mehr als einen Monat.
(I. Khodosow) Wir sollten t�glich 13 oder mehr Meter vorankommen,
damit kein radioaktives Magma ins Grundwasser drang.
Die Stimmung war angespannt.
* Unbehagliche, wummernde Kl�nge *
Von den Bergleuten wurde verlangt,
dass sie unter gef�hrlichsten Bedingungen arbeiten
und sich dabei im Prinzip opfern.
(I. Khodosow) Unsere Chefs sagten, die Strahlenbelastung im Tunnel
und auch �berall sonst sei normal.
Es lag etwas leicht S��liches in der Luft, irgendwie metallisch.
* Hintergr�ndige Rufe *
(I. Khodosow) Unbewusst dr�ngte es uns alle,
mit dem Tunnel so schnell wie m�glich fertig zu werden.
* Dynamisch-fieberhafte Kl�nge *
Sie gruben oft nur mit Handwerkzeugen,
denn sie bef�rchteten, dass bei zu starker Ersch�tterung
der Tunnel einst�rzen und sie lebendig begraben k�nnte.
* Unbehagliche verzerrte Kl�nge *
(Mann) Wie hei�t du?
(Victor) Victor.
- Ist es schwer? - Nicht wirklich, wir versuchen es.
Wir m�ssen fertig werden.
- Die Kamera l�uft, auf geht's!
* Mildes Gel�chter *
* Unheilvolle, bebende Kl�nge *
(A. Khymych) Auch wir Filmemacher hatten von dem Unfall geh�rt ...
und beschlossen, uns freiwillig zu melden
und dorthin zu fahren, um einen Film zu drehen.
Genau genommen war es Propaganda.
Es ist wie im Krieg: Wenn geschossen wird, filmst du.
Es fliegen zwar keine Kugeln, aber man wei� genau,
dass man sich dort nicht zu lange aufhalten sollte.
Die Sowjets feierten den Heldenmut und die Tapferkeit der Bergleute,
ohne wissenschaftlich einzuordnen,
in welcher Gefahr diese Menschen waren.
(I. Khodosow) Wir haben die Vorgabe erf�llt
und unsere Mission war beendet.
Der Tunnelbau war ein voller Erfolg.
Der W�rmetauscher war eingebaut und einsatzbereit, ...
ging aber nicht in Betrieb.
Die Temperatur im Geb�ude sank allm�hlich.
Die Sorge vor der Verunreinigung des Grundwassers verfl�chtigte sich.
Die Arbeit, das Opfer der Bergleute, war reine Zeitverschwendung.
* Sanfte beklommene Musik *
(I. Khodosow) Ich pers�nlich verstand �berhaupt nicht,
was Strahlung ist und warum sie gef�hrlich ist.
Nur zwei Jahre sp�ter starb einer unserer Tunnelbauer.
Ein paar Jahre sp�ter starb ein zweiter.
Da wurde uns langsam klar, ...
... dass wir uns zu Recht beeilt hatten.
70 % der Jungs sind mittlerweile tot.
* Bebendes Dr�hnen *
Die Angst vor einer Kernschmelze schwand zwar allm�hlich,
aber das Reaktorgeb�ude selbst war noch offen.
(M. S. Gorbatschow) Es ist noch immer ein Gesundheitsrisiko.
(K. Kalmbach) Nachdem die Feuer- l�scharbeiten abgeschlossen waren,
war es im n�chsten Schritt erforderlich,
das ganze Gel�nde so weit wie m�glich zu dekontaminieren,
weil es gab ja auch noch drei weitere Reaktoren, die so schnell wie m�glich
wieder ans Netz angeschlossen werden sollten.
Es herrschte die Vorstellung,
das kommunistische System sei unfehlbar, stark und unbesiegbar.
Man hatte sogar den Slogan:
"Der sowjetische Mensch ist st�rker als das Atom."
V�llig absurd.
Michail Gorbatschow entschied, die �berreste von Block 4
bis Ende des Jahres dauerhaft zu begraben -
unter dem sogenannten Sarkophag.
(M. S. Gorbatschow) Die Arbeit wird viel Zeit und M�he kosten.
Aber alle Menschen auf der Erde werden davon profitieren.
(K. Kalmbach) Die gro�e Heraus- forderung beim Bau des Sarkophags
bestand nun wieder darin,
dass man mit einer noch nie dage- wesenen Aufgabe konfrontiert war
und zudem in einer Umgebung arbeiten musste,
die immer noch extrem hohe Raten an Radioaktivit�t aufwies.
Die h�chste Belastung gab es rund um den Reaktor,
in der sogenannten Sperrzone.
(Arbeiter) Jetzt gilt es, m�glichst wenig Strahlung abzubekommen
und viel Arbeit zu schaffen.
Das n�chste Ziel war also, diese beispiellose Strahlung einzud�mmen.
Dazu wurden rund um den Reaktor die oberen Erdschichten abgetragen.
Sie nutzten Baumaschinen mit abgeschirmten Kabinen.
Im Umkreis von 30 Kilometern wurde der Boden umgegraben
und zur Mondlandschaft.
Die Wirksamkeit konnten wir nicht beurteilen.
Aber es war der richtige Ansatz.
Aber das war erst der Anfang ...
Auf mehr als 5000 Quadratkilometern
waren die Erde, die Bl�tter an den B�umen, die Geb�ude,
einfach alles mit radioaktivem Staub verseucht.
(Mann) Es erstickt alle und alles.
Der Staat wird uns nicht h�ngen lassen.
Die Sowjet-Beh�rden taten etwas Beispielloses.
Sie brachten hunderttausend Menschen raus aus der Region
und errichteten eine Sperrzone.
* Spannungsvoll sprudelnde Kl�nge *
Einige D�rfer waren so kontaminiert,
dass man sie dem Erdboden gleichmachte.
Es wurden Tausende von Arbeitern aus der ganzen Sowjetunion geholt.
Man sagte ihnen:
"Ihr bekommt ein paar hundert Rubel, mehr ist nicht drin.
Also an die Arbeit. Dient der Sache der Sowjetunion."
* Dramatische Kl�nge *
(Frau) Die Sowjets ver�ffentlichen weitere Bilder der Aufr�umarbeiten.
Zwei der vier Reaktoren in Tschernobyl
sollen noch dieses Jahr wieder in Betrieb gehen.
Im Sommer 1986 glich das Gebiet rund ums Kraftwerk einem Schlachtfeld.
40.000 Menschen waren in Zelten rund um Tschernobyl untergebracht.
Der offizielle Ausdruck der Sowjets
f�r die Arbeiten zur Beseitigung der Unfallfolgen war "Liquidation".
Die mit der Liquidation beauftragten Menschen
wurden "Liquidatoren" genannt.
Es waren Milit�rs.
Aber auch Arbeiter und Ingenieure wurden mobilisiert,
weil die Aufgaben so vielf�ltig waren.
(Mann) Der Gegner ist bekannt.
Die Arbeiten sind geplant.
Bei den Aufr�umarbeiten wurde viel herumexperimentiert:
Geb�ude wurden mit Wasser abgespritzt.
Man verspr�hte sogar verd�nnten Rote-Bete-Brei, um Staub zu binden.
Alle Tiere wurden zusammengetrieben und eingeschl�fert.
Die Aufgabe war gewaltig.
Letztendlich k�nnen Radionuklide nicht zerst�rt,
sondern nur wegger�umt werden.
Und am Anfang fehlten Dosimeter.
So wusste niemand, welcher Menge an Strahlung er ausgesetzt war.
* Unheilvolles Sirren *
(Mann) In den ersten Tagen sch�tzt man sich und setzt die Maske auf.
Sp�ter vergisst man es und setzt nicht mal mehr die Maske auf.
(S. Beljakow) Meine Entscheidung stand bereits
wenige Tage nach dem Unfall fest.
Ich ging zur Rekrutierungsstelle und sagte: "Ich will dorthin."
Ich wollte meinem Land helfen.
F�r Menschen im Westen
ist die Hingabe der Menschen in der Sowjetunion schwer zu verstehen.
Ihre Bereitschaft,
die eigene Gesundheit, ja sogar das eigene Leben zu opfern.
* Verh�ngnisvoll brodelnde und sirrende Kl�nge *
(M�nner) Nat�rlich ist es gef�hrlich, sonst w�ren wir nicht hier.
- Wir packen an. - Der Auftrag ist uns eine Ehre.
(S. Beljakow) Im Reaktorgeb�ude des Kraftwerks sah es aus,
als h�tten die Leute einfach alles stehen und liegen gelassen.
Ich wei� noch, dass ich herumirrte
und in einen kurzen gelben Gang geriet.
Und pl�tzlich wurde mir klar,
dass die gelbe Farbe auf Boden und Fensterb�nken
hunderte, wenn nicht tausende von gelben Schmetterlingen waren.
Ich wei� nicht, wie sie dort hingekommen sind,
aber sie waren alle tot.
Ich schaute durchs Fenster und sah einen Mann,
der in wenigen hundert Metern Entfernung von Block 4 arbeitete -
ein Schwei�er.
Er hockte da und arbeitete so methodisch und ruhig.
* Knistern *
(S. Beljakow) Dabei war er einer extrem hohen Strahlung ausgesetzt.
Ich bin mir fast sicher, dass er etwas pfiff.
Das ging mir jahrelang nicht aus dem Kopf.
Wie ein Mensch seine Angst �berwinden kann ...
(A. Kymych) Wer waren die Liquidatoren?
Das waren Menschen, die wussten,
was es f�r sie bedeutete, ... aber dennoch blieben.
* Geheimnisvoll-beklommene Kl�nge *
(O. Mokhnyk) Meine Eltern wurden zur Liquidation
der Tschernobyl-Katastrophe einberufen.
Nachdem wir die Stadt neben dem Kraftwerk verlassen hatten,
mussten sie zur�ck.
Und weil wir Kinder kein Zuhause hatten,
wurden wir ohne Eltern f�r ein halbes Jahr in ein Lager gesteckt.
Ich war acht Jahre alt.
Unser Haar war stark verstrahlt, also wurde es geschnitten.
Sehr, sehr kurz.
Ich erinnere mich,
dass uns die Kinder danach "Tschernobyl-Igel" riefen.
Sie sagten, wir sollen dahin zur�ckgehen, wo wir hingeh�ren,
nach Tschernobyl.
Ich wollte einfach getr�stet werden, besch�tzt werden,
bei meiner Familie sein.
Hier sind Briefe, die wir an meine Mutter geschrieben haben:
"Meine liebste Mama!
Ich weine hier jeden Tag, weil wir verpr�gelt werden.
Bitte hol uns so schnell wie m�glich von hier weg, bitte.
Wir k�nnen nicht ohne dich hier sein."
Sorry ...
* Angespannte, flirrende Kl�nge *
Die Aufr�umarbeiten in der Sperrzone liefen weiter.
Aber der Sarkophag, die Betonh�lle um den Reaktor,
musste noch gebaut werden.
Gorbatschow gab den Fachleuten keine vier Monate f�r das gef�hrlichste
und aufw�ndigste Bauprojekt aller Zeiten.
* Dramatisch anschwellende Kl�nge *
* Verzerrte wabernde Kl�nge *
(Sprecher) Das Sowjetfernsehen zeigte den Bau einer Schutzmauer
um das zerst�rte AKW in Tschernobyl.
F�r die erste H�lle um den zerst�rten Reaktor
nutzten die Sowjets die damals verf�gbaren Mittel.
Mit ferngesteuerten Kr�nen und Betonpumpen ging die Arbeit schnell.
(Interviewer) Hat die Anspannung mittlerweile nachgelassen?
(Steinberg) Nein, das ist ein Irrtum. Die Anspannung ist immer noch da.
* Schicksalhafte Kl�nge *
(N. Steinberg) Ich habe 13 Jahre f�r das AKW Tschernobyl gearbeitet.
Meine Aufgabe war der Bau des Sarkophags
und das Anfahren von Block 1.
Wir brauchten den Strom.
Ohne Strom keine Produktion.
Der sogenannte Sarkophag werde 50 Jahre halten, sagte man.
Aber in Wirklichkeit gibt es daf�r keine Garantie.
Denn er steht ja teilweise auf einem zerst�rten Bauwerk.
Anfangs war es wirklich Wahnsinn.
(K. Kalmbach) Die Schwierigkeit beim Bau des Sarkophags war,
dass die sogenannten Liquidatoren
einer extrem hohen Strahlenbelastung ausgesetzt waren
und insofern sich immer nur sehr, sehr kurze Zeit
in der N�he des Reaktors aufhalten konnten.
Das hie�, dass sie ihre Arbeit in enormem Zeitdruck
und auch unter einer besonders k�rperlichen Anstrengung
durchf�hren mussten, weil sie quasi rennen mussten.
(N. Steinberg) Meine Leute waren bereits
hohen Strahlenbelastungen ausgesetzt.
Um die Situation zu verbessern, mussten wir das Dach r�umen.
* Angespannte, donnernde Kl�nge *
Das Dach von Block 3 war bedeckt mit Tr�mmern,
die bei der Explosion von Block 4 dort gelandet waren.
Wie ein radioaktiver Hindernisparcours.
Dort oben lagen Bruchst�cke von Reaktorgraphit und Brennelementen.
Innerhalb von Minuten oder sogar Sekunden
erhielt man dort oben eine t�dliche Dosis.
F�r den Bau des Sarkophags musste das Problem gel�st werden.
Man entschied sich f�r Roboter.
* Schicksalhafte Kl�nge *
(Liquidator) Warum lenkst du nach rechts?
Da. (Liquidator 2) Es bewegt sich.
Sie hatten zwei Typen Roboter.
Der eine wurde zu immensen Kosten aus Westdeutschland importiert
und war speziell f�r radioaktives Gefahrgut konzipiert.
Der andere war sowjetischer Bauart
und sollte eigentlich der Mondforschung dienen.
(Liquidator) Gut, gut, gut.
Die Roboter sollten die Tr�mmer einfach �ber den Dachrand
in die �berreste von Block 4 schieben.
(Liquidator) Alles klar, es ist in Ordnung.
Alles sollte im Sarkophag verschwinden.
(Liquidatoren) Funktioniert er nicht? - Vielleicht klemmt was?
- Erst hat er sich bewegt, dann blieb er stehen.
Rechts, nicht links.
Die Strahlung war so stark, dass die Elektronik nicht funktionierte.
(Liquidatoren) Wir m�ssen die Bremsen l�sen.
- Sie sind gel�st. - Jetzt steht er.
(S. Beljakow) Sie lie�en sich nicht mehr steuern.
Damit waren sie nutzlos.
(Liquidator) Der Roboter kann noch nicht herausgezogen werden,
aber wir arbeiten daran.
Mit der Winde klappt es nicht.
Und wie geht es weiter?
Den Verantwortlichen blieb keine andere Wahl.
Sie mussten Menschen schicken -
in h�chste Lebensgefahr.
* Dramatische Kl�nge *
Untertitel: OMNIMAGO im Auftrag des ZDF 2026
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