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Zulu
"Name ist Schall und Rauch",
heißt es bei Johann Wolfgang von Goethe.
Trotzdem wurden etliche Straßen nach ihm benannt.
In Deutschland gibt es allein 2114 Goethe-Straßen.
Die Plätze nicht mitgerechnet.
So auch in Bonn, der Geburtsstadt Beethovens.
Ludwig van, der Vorname.
Das ist die Adenauerallee,
benannt nach unserem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer.
Darauf folgt die Joachimstraße,
benannt nach dem Geigenvirtuosen Josef.
Dann kommt die Kaiserstraße,
zu Ehren deutscher Kaiser wie Wilhelm oder Friedrich.
Vielleicht auch Roland oder Franz.
Die Schumannstraße ist benannt nach Robert, nicht nach Clara.
[Clara Schumann hat in Bonn'
nur einen Weg auf der anderen Rheinseite abbekommen.
An jener Rabert-Schumannstraße
biegt man dann schließlich rechts in die Goethestraße.
Hier, versteckt hinter Heckensträuchern
wartet eine Haustüre,
die schon die unterschiedlichsten Namen
hat kommen und gehen sehen.
Ich komme.
- Ja? - Zwei Tonne, eine Calzone.
12,50 Euro? Für eine Pizza Tonne?
- Was ist da drauf? Trüffel? - Thunfisch.
Ja, das weiß ich selbst.
Das italienische "il Tonno"
hat seinen Ursprung im lateinischen thunnus.
Ja, der Thunfischbestand nimmt rapide ab.
Aber 12,50 Euro?
Das sind ja 25 Mark!
Ähm...
Denken Sie an die Armutsgrenze, die Flüchtlingskrise,
und Sie verlangen 80 Mark für drei Pizzen?
Gibt's eine Flasche Wein dazu?
- Die haben Sie nicht bestellt. - Ich mein ja auch gratis.
- Bei 80 Mark? - Du hast Pizza bestellt?
- Nein. - Was regst du dich auf?
- Sie haben nicht bestellt? - Natürlich nicht!
Geht ja nicht um Pizza! Es geht ums Prinzip!
Wiedersehen.
15 B ist nebenan.
Das bin ich, Elisabeth Berger-Böttcher.
Ja, ich trage freiwillig einen Doppelnamen.
Ich bin Deutschlehrerin am Gymnasium in Bonn-Bau].
"Ist Bacchus' Gabe..."
Ich leite die Lyrik-AG
und habe ein Programm für Schüler
aus finanzschwachen Familien entwickelt.
Wer weiß, wer Bacchus ist?
Ich war schon für Inklusion, als es das Wort noch nicht gab.
Ich unterstütze mit Fingerspitzengefühl
unsere Nachfolgegeneration dabei,
eigenständige und gemeinschaftsfähige
Charaktere zu entwickeln.
Justin, Jeden! Schluss jetzt! Strafarbeit für beide.
Wo ist jetzt dieser Scheißschlüssel?
Hast du in deinem Jackett geschaut?
- Hast du den da reingesteckt? - Warum sollte ich?
Wie soll er dann in meinem Jackett sein?
Das ist mein Mann. Stephan Berger.
Wir kennen uns seit der Grundschule.
[Er ist Professor'
für Neuere deutsche Literaturwissenschaften.
Er trägt Cordanzüge und Bart aus Überzeugung.
Das ist nicht komplizierter,
als das Reimschema eines Sonetts zu erkennen.
Nicht wahr, Herr Bode? {alle lachen)
Bitte! Bitte, meine Herrschaften.
Er sorgte mit seiner Abhandlung
über Heinrich Bölls Frühwerk in der deutschen Nachkriegszeit
[für Aufsehen..
Ob es auch ein Prüfungsthema wird?
Das werden Sie dann noch sehen, nicht wahr, Herr Bode?
Er gibt in Moskau jährlich ein Blockseminar
über das Spätwerk Thomas Manns.
Als gefragter Vortragsredner
ist er für das Goethe-Institut um die Welt gereist.
Ich bewundere Stephans Scharfsinn.
Seine Fähigkeit, auf der Suche nach Antworten
die richtigen Fragen zu stellen.
Wo ist der denn, verdammte Scheiße?
Und seinen unbändigen Kampfgeist.
Ich geb's auf.
- Gehst du? - Ich muss zum Hähnchen.
Ist doch sowieso für...
...dich.
- Deine Mutter! - Geh halt ran!
Dorothea. - Stephan. Gibt's was Wichtiges?
Die Rosenthals haben sich angemeldet.
Das ist meine Mutter, Dorothea.
Nach Papas Tod dachten wir, ob sie nicht vereinsamt.
Aber nach ihrem Umzug in die Berge blühte sie richtig auf.
Seitdem ist sie busier, engagierter und entspannter,
als wir es uns je erträumt hätten.
Einer von euch hat mich angerufen.
Ja. Sabeth...
Sie kocht irgendwas Indisches.
Der Nachteil daran ist, dass sie viel zu erzählen hat,
und jeden Tag mit mir telefonieren will.
- Sabeth! Deine... - Ja?
Deine Mutter.
Danke. Mama?
- Ähm, du warst doch in Indien. - Ja, aber nicht zum Kochen.
Ingwer hab ich drin. Aber jetzt ist irgendwie...
Irgendwie fehlt noch der letzte Pfiff.
Bei indischem Essen? Pfiff?
Hast du's mit Curry probiert?
Curry ins Curry? Das ist jetzt wirklich genial.
Aber mal was Erfreuliches.
Wir brauchen nur noch 258 Unterschriften,
und dann können wir den Bürgerentscheid beantragen.
Mhm...
Mama, nimmst du Drogen?
Sei nicht so spießig. Ich kiffe nur.
Das ist immer noch illegal!
Aber nicht, wenn man es auf Rezept kriegt.
Solltest du auch mal probieren.
Mhm.
Ich verstehe das nicht.
Ausgerechnet
die ländliche Bevölkerung will keine Flüchtlinge.
Die ganzen Zuschüsse...
Ich muss mich ums Essen kümmern.
Ideologisch hängen die hier noch in den Neunzigern.
Sechzigern. Manche in den Dreißigern.
Mama, das ist wahnsinnig informativ,
aber ich muss den Tisch decken.
- Die kommen jeden Moment. - Warte.
Frag Thomas, wann die kommen.
Seine Assistentin ist so unkoordiniert.
Ja, mach ich! Tschüss, hab dich lieb.
Was machst du da?
Man nennt das Ablenken.
Könntest du das auch, indem du den Tisch deckst?
Die linke Hirnhälfte setzt aus, und Zack!
Fällt einem ein, wo der Scheißschlüssel ist.
- Ach! - Bin ich zu früh?
- Nein. - Goldrichtig.
- Zum Gruße. - Wusste ja nicht, was es gibt.
Was Indisches.
- Zum Glück passt Rosé immer. - Ja.
Was Indisches... Ein Curry?
- Frag mich nicht. - Wo sind die Kinder?
- Bei meinen Eltern. - Oh, wie schade!
Ja, genieß einfach die Ruhe.
Mmh... Wie das duftet!
René König.
Als Waage mit Aszendent Waage
ist er ausgeglichen und sanftmütig.
Nie verlassen ihn die Nerven.
Er braucht ein ruhiges Händchen.
Er spielt Klarinette im Beethoven Orchester Bonn.
Klopf, klopf! Jemand zu Hause?
Hallo!
Sind das Strähnchen? Steht dir!
- Hab ich das nicht erzählt? - Keck!
Du bist der Erste, dem es auffällt.
Nee, mir ist das aufgefallen.
Ich wollt jetzt nur nicht sofort...
Warst du bei Sascha? Woanders gehe ich gar nicht mehr hin.
Ich auch nicht mehr.
René und ich sind die besten Freundinnen.
Das ist 'ne Wimpernwelle
- Was? - Ja!
Nach dem Tod seiner Eltern nahm meine Familie ihn auf.
Wir machen fast alles zusammen.
René ist sehr sensibel'
und er hat immer ein offenes Ohr.
...und er kann es nicht verwinden...
Er weiß alles über mich und ich über ihn.
Er ist wie eine Schwester.
Was machst du denn da?
Elisabeth hat den Schlüssel vom Gartenhaus verschlampt.
- Braucht ihr den? - Nein. Es geht ums Prinzip.
- Und wenn ich ihn finde? - Bin ich ewig dankbar.
- Wie war München? - Gut. München halt.
Die haben mir eine Stelle angeboten.
- In München? - Mhm.
Die Symphoniker. Ihre Klarinette hat Burn-out.
Aber das ziehst du nicht in Erwägung?
Ist ja nur ein Angebot.
München ist viel zu weit weg!
So weit nun auch wieder nicht.
Das hast du bei Kanada auch gesagt.
Also München ist viel näher als Toronto.
- So viel näher auch nicht. - Noch ist nichts entschieden!
München. Das ja großartig!
Da bist du fast bei Dorothea.
- Da wärst du öfter bei ihr. - Stimmt.
Na, wer das wohl ist?
- Hallo? - Ich bin's, mach auf!
Zuerst eine klitzekleine Frage.
- Komm jetzt... - Wann wurde die BRD gegründet?
Ähm...
1945?
Also, Thomas, bitte!
Wirf das nicht mit dem Ende des Faschismus in einen Topf.
- Gut, machst du auf? - Klar.
Aber wer hat "Kabale und Liebe" geschrieben?
Kleiner Tipp, Goethe war es nicht.
Also...
Thomas?
Thomas!
Das ist mein Bruder. Thomas Böttcher.
Er war kein guter Schüler, hat aber Karriere gemacht.
[Er ist Makler'
für Luxusimmobilien im Raum Köln-Bonn.
Er kennt nicht nur die größten Investoren,
sondern ist selbst aufgestiegen in den Rang seiner Kunden.
Das ist ein Blick!
Kein Wunder, denn Thomas kann selbst Eskimos Eis verkaufen.
Doch das Leben auf der Überholspur ist bald vorbei.
Seine Freundin Anna erwartet ein Kind.
Halt mal.
- Oh, so was Edles. - Ein Kundengeschenk.
- Der ist zu schade. - Quatsch.
- Wo steht dein Jeep? - Das ist kein Jeep.
- Sondern? - Ein SUV.
Von Autos hast du keine Ahnung.
Mehr als du von Literatur.
- Und Geschichte. - Ja.
- Philosophie. - Ja!
Biologie, Kunst, Physik...
- Thomas! - Was machst denn du da?
Suche den Schlüssel vom Gartenhaus.
Gibt's Finderlohn?
- Mhm. Seine ewige Dankbarkeit. - Wie großzügig.
Warte mal, irgendwas ist anders.
- Es ist so leise. - Die Kinder sind nicht da.
Gott sei Dank.
- Und die Dicke? - Thomas!
- In der Küche. - Wo sonst.
Diese Bildungsbürgertapete.
- Sag mal, Stephan? - Mhm?
Wie viele von den Büchern hier hast du gelesen?
Alle.
Alle?
Mehrfach.
Den trinken wir nicht heute.
- Hey! - Hey.
- Wo hast du Anna gelassen? - Die kommt nach.
- Die hat noch ein Casting. - Und?
- Und was? - Ihr wart beim Ultraschall.
Ach so, ja. Das.
Ist was passiert?
Wie soll ich sagen...
Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht.
Die gute Nachricht ist...
Es ist ein Junge.
- Und was ist die schlechte? - Er ist tot.
- Oh nein. - Was?
War ein Witz.
Mann! So was macht man nicht!
Alles gut. Was soll sein?
Ja, guck mal! Ganz der Papa.
Zeig, zeig, zeig!
Mein Neffe!
- Oh, nö... - Also ich erkenne gar nichts.
Oder ist das so ein Test,
wo man was hineininterpretieren muss?
- Stephan, mach die Augen auf. - Er ist reifer als der Vater.
Dorothea sagt, deine Assistentin ist unkoordiniert.
Dank Mama nimmt sie sich bald ein Sabbatical.
- Oh, er lässt koordinieren? - Bist du neidisch?
Wer koordiniert ist, braucht keine.
- Wann besuchst du sie? - Weiß ich nicht.
Vielleicht Will René ja mit?
- Er zieht nach München. - Ach!
Ist noch gar nichts entschieden.
Also, Mama fragt echt ständig!
Dann sag ihr doch,
das Wochenende vom 32. auf den 33. November sieht gut aus.
Thomas, sie Will euch sehen, bevor es so weit ist.
Mach mir kein schlechtes Gewissen.
- Sie hat viele Sperrtermine! - Die Berge tun ihr gut.
Vielleicht überspielt sie auch nur, wie einsam sie ist?
Wo ist die einsam?
Zwischen Volksbegehren, Charity und den Rosenthals
ist kein Platz mehr in ihrem Kalender.
- Warten wir auf Anna? - Nee.
Seit sie raucht, isst sie sowieso kaum noch was.
Wie bitte, sie raucht?
Ja... Was soll ich sagen?
Pränataler Stress.
Sie hat mit der Schwangerschaft angefangen.
Das schädigt das Wachstum.
Er kann froh sein, wenn er mit 18 an den Lichtschalter kommt.
Kleine Menschen haben beruflich viel weniger Erfolg als große.
Ach!
Und was ist mit Gerhard Schröder, Putin...
Oder Tom Cruise?
Er wird kein Schauspieler. Und kein Politiker.
Vielleicht ja Trommler?
Blech-Trommler.
Oskar Matzerath?
“Die Blechtrommel"? Günther Grass? Hallo?
Welches Klischee erfüllst du eigentlich nicht?
Ein Junge also.
Ja!
Habt ihr schon einen Namen?
- Natürlich. - Ach!
- Ratet! - Och, nö...
- Och, doch! - Warten wir auf Anna.
Nee, nee...
- Ratet. - Aber nicht Paul, wie Papa?
- Das wäre ja langweilig. - Ein klassischer Name.
Die sind ja wieder im Trend.
Friedrich?
Karl?
Falsch. Wir gehen nicht nach der Mode.
Versetzen wir uns in ihn hinein.
- Was er mag... - Mercedes?
- Das ist weiblich. - Geht's nach der Mutter?
Marlboro? {alle lachen)
Das ist leider gut. Aber falsch.
Wird das noch was?
Da muss was nicht in Ordnung sein.
Scheißkorken.
- Max? - Nee. Nee, das ist zu häufig.
- Luca? - Es wird ein Junge!
Geht für Jungen und Mädchen. Ist sehr beliebt.
Ja, es wird ein Junge.
Also männlicher?
Ivan? Wolfgang? Manfred?
- Manfred? - Ja, Leonard? Matthias?
- Nein. Nein. - Wie Kästner?
- Erich? - Eben nicht! Emil.
Wenige wissen, dass er Emil Erich...
Weder wie Kästner noch wie die Detektive.
Heinrich? Henry?
Nein. Nein, nein.
Donald?
Das wär's.
Warum nicht?
Gib uns wenigstens einen Tipp!
- Fängt mit A an. - A!
- A... A... - Ähm...
- Alexander? - Axel?
- Alois? - Amadeus?
- Aurel? - Ansgar?
- Nein. - Albert?
Kalt.
- Alfred? - Was sind das für Namen?
- Anton? - Nein.
Alexander?
Hatten wir schon.
- Adrian? - Kalt.
- Arved? - Nee, bekannter.
- Andreas! - Origineller.
- André? - Nee. Anders.
Ja...
Warum nicht?
In den skandinavischen Ländern...
Nicht Anders. Anders!
Ach so.
Ich muss zu meinem Hühnchen.
Apropos, bringst du den anderen Korkenzieher mit?
Wehe, ihr wartet nicht auf mich.
- Das ist gar nicht so leicht. - Mhm.
- Arne? - Arnulf?
- Nein. - Ihr sollt auf mich warten!
- Ja! - Alfons?
Asterix?
Ähm, nee.
Aber es gibt schon einen historischen Bezug.
Arthur.
Abraham?
- Alexander? - Nein, immer noch nicht!
Historischer Bezug, aber nicht Alex... ah!
Äh...
Was?
Der... Na!
- Attila? - Nein.
- Anatol? - Nein.
- Welche historische Figur? - Ja, na der Anatol.
Gibt's da nicht diesen berühmten Anatol aus...
Apollo?
Genau, Apollo 13. Houston, we have a Problem.
Ja, dann weiß ich nicht... Augustus?
Nein.
- Artemis. - Du meinst Aramis.
- Wieso? - Artemis ist die Jagdgöttin.
- Und Aramis? - Ein Musketier.
- Wir nehmen Aramis. - Nein.
Dann sag's halt.
Adolf.
Sehr witzig. Komm, sag's schon.
- Adolf. - Sei nicht albern, raus damit.
Wieso bin ich albern?
Ha, ha, ha.
Wir haben sehr gelacht.
Ihr nennt euren Sohn nicht Adolf.
Wieso denn nicht?
Adolf.
Wie... Adolf?
Genau.
Echt jetzt?
- Ja, aber...
Ja, was ist denn... Ihr...
Das ist doch nicht sein Ernst.
Richtig. Nicht mein Ernst. Sondern mein Adolf.
Ihr wollt euren Sohn Adolf nennen?
Wie Adolf Hitler?
- Bist du bescheuert? - Äh, sag mal...
Wir sind noch lange nicht bescheuert.
Tut mir leid, das ist aber bescheuert!
Ist das nicht verboten? Mit Sicherheit!
- Das kann ich mir vorstellen. - Wo ist mein Handy?
Wie ist noch mal euer WLAN?
Ha!
"Der Vorname Adolf ist in Deutschland prinzipiell...
nicht verboten."
“Wie bei allen anderen Vornamen auch
obliegt den Standesämtern die individuelle Überprüfung
der jeweiligen elterlichen Beweggründe."
Meine Beweggründe halten jeder Prüfung stand.
Das ist doch Völlig egal!
Selbst, wenn man es darf... Man kann nicht! Gerade jetzt!
- Wie? Gerade jetzt? - Hallo?
Es brennen Asylunterkünfte.
Der Fremdenhass wird wieder salonfähig.
Und dann die Scheiß-AfD! Und du zündelst da mit?
Ja, eben nicht!
- Soll ich's dir erklären? - Was denn?
Ich hab's! Abraham!
Wie der Sohn von den Rosenthals!
Stimmt's?
Oh, ganz im Gegenteil.
- Ähm... - Das ist nicht das Problem.
- Du hast gekleckert. - Was? Nein. Ja. Auch.
- Völlig egal jetzt! - Was dann?
Du hast es gesagt.
Ja, er hat es gesagt. Leider.
Ich hatte dich gebeten zu warten.
- Elisabeth. Nicht das Problem! - Du hast gut reden!
- Dein Bruder... - Nee.
Elisabeth... - Es interessiert mich nicht!
- Du willst es nicht wissen? - Nö.
- Ich sag's dir. - Ich höre nicht zu.
Bla, bla... Blumenwiese, Blumenwiese...
Hör auf.
Blumenwiese, Blumenwiese...
- Es reicht! - Blumenwiese!
Adolf! Hörst du? Adolf!
Er nennt seinen Sohn Adolf!
- Was? - Dein Bru...
Dein Bruder wird seinen Sohn
auf den klangvollen Namen Adolf Böttcher taufen.
- Äh, nein. - Nein?
- Nicht? - Was denn nun?
- Du verarschst uns doch? - Ich lass ihn nicht taufen.
Er soll später selber entscheiden.
Das erste Mal nach '45, dass Gott und Hitler
in einem Atemzug genannt werden.
Zumindest in meinen Kreisen.
Eine Taufe gehört dazu.
Hör auf mit der Taufe! Er nennt seinen Sohn Adolf!
- Stephan! - Was bist du so aggressiv?
Der nennt seinen Sohn wie Hitler, und ich bin aggressiv?
Das kannst du ihm nicht antun!
- Als ob das ein Verbrechen ist. - Gegen die Menschlichkeit!
Wenn wir wenigstens einen Adolf in der Familie gehabt hätten.
Dann hieße er wie sein Uropa. Aber einfach so?
Der ist für sein Leben gezeichnet!
In der Schule? Die Lehrer, wie sollen die ihn ansprechen?
Mit seinem Namen?
Überleg doch mal!
Der wird doch den ganzen Tag gehänselt.
Nee, wirklich nicht!
Nee... Ich nenne ihn anders.
Ach ja. Und wie, bitte sehr?
Keine Ahnung. Ich gebe ihm einen Spitznamen.
Was denn für ein Spitzname?
Ich dachte da so an... Knirps.
- Knirps? - Ja, genau.
“Knirps, komm, das Essen ist fertig."
Der ist doch kein Regenschirm!
Ich habe meinen verloren, das hat mich geärgert.
Gut, nun muss man deinem Knirps erklären,
dass es noch einen Knirps gab, der Polen überfallen hat.
Und damit muss man ihn dann an das Thema heranführen.
Du wirst meinen Sohn nennen, wie er heißt.
Nämlich Adolf.
Wie den größten Massenmörder aller Zeiten.
Es hat auch andere gegeben.
Aber dein Adolf kommt nach dem Adolf,
der dem Namen
seinen ganz eigenen Touch gegeben hat!
Deshalb macht ihn der Name zu einem politischen Menschen!
Er setzt sich mit der Vergangenheit auseinander.
- Der wird Nazis hassen. - Oder ihr neuer Führer.
Das ist nicht witzig!
Ein bisschen schon.
Guck mal, hebt der nicht sogar den rechten Arm?
Lass das Kind in Ruhe! Es kann nichts dafür.
Vielleicht wenigstens mit PH?
- Adolph mit PH? - Ja!
Damit er sich absetzt von dem Adolf mit F.
Elisabeth! PH!
Das macht doch keinen Unterschied!
PH!
Katastrophe!
Philosophe!
PH!
Adolf F und Adolph PH,
das sind Homonyme mit derselben Bedeutung!
Endlösung!
Warum nicht mit Accent aigu? Adolphé!
Übertreib doch nicht so, Stephan.
Genau! Übertreib doch nicht so, Stephan.
PH!
Danke für die Argumentationshilfe.
- Wann wollen wir essen? - Hm?
Mmh!
Willst du noch ein paar Kerne?
Da hast du dich selbst übertroffen, Elisabeth.
- Und das sind Kundengeschenke? - Bin eben beliebt.
Deine Studenten schenken dir so was nie.
Sei nicht traurig.
Du bekommst was Wertvolleres.
Ihre Aufmerksamkeit.
Sag mal, Stephan, hab ich dich da richtig verstanden?
Du denkst, der Name ist schuld, dass Adolf so geworden ist?
- Geht das jetzt wieder los? - Ich...
- Kannst du das wiederholen? - Geht das jetzt wieder los?
Nee, nicht du.
Du denkst, der Name ist schuld, dass Adolf so geworden ist.
Können wir einfach in Ruhe essen?
Lass deinen Bruder ausreden.
Ich bin gespannt.
Hitler ist nicht so geworden, weil er so hieß.
Wenn er Peter Müller geheißen hätte,
wäre er auch so geworden.
Man hätte nicht "Heil Hitler", sondern "Heil Meier!" gerufen.
Ja, aber Mama Hitler und Papa Hitler
haben ihren Sohn Adolf genannt,
und nicht Klaus, Peter oder Knut.
Und was ist mit den anderen berühmten Adolfs?
- Als da wären? - Adolf...
- Adolf... - Grimme?
Grimme. Adolf Grimme.
Seine Eltern haben ihn auch Adolf genannt
und keiner lehnt den Grimme-Preis ab.
Er hat auch niemanden massakriert.
- Deshalb nehmen wir den Namen! - Wegen Adolf Grimme?
Weil wir positive Beispiele brauchen!
Mein Adolf hat eine Mission! Der ist wie Gandhi!
Sein Name ruft friedlich und ohne Gewalt in die Welt:
"Hitler, du hast Deutschland alles genommen,
nur nicht den Namen!"
Hast du gerade Gandhi mit Hitler vergleichen?
Warum nicht?
Mein Adolf tritt gegen deinen in stillen Protest!
Was? Mein Adolf?
Du redest von nichts anderem!
Hitler hier, Hitler da! Du bist besessen von Hitler.
Also das ist...
Das ist der größte Quatsch, den ich je gehört habe.
Nein, das ist gelebte Courage.
Ich schrecke vor Hitler nicht zurück.
Du machst deinen Adolf erst zu einer Ikone des Bösen!
- Du sprichst Hitler heilig. - Thomas, du übertreibst.
Ich spreche Hitler heilig?
Nicht nur du, ganz Deutschland.
Hitler beherrscht uns!
Auf jedem zweiten Spiegel-Cover: Hitler.
Überall Hitler. Und warum?
Ein Popstar, den Leute wie du am Leben erhalten.
- Leute, wie ich? - Ja.
Nicht rechte Populisten, nicht die alten Nazis,
nicht ausländerfeindliche Idioten.
Linke, die behaupten, gegen Hitler zu sein,
sich aber jeden Abend auf Phoenix
an seinen Verbrechen aufgeilen!
- Muss ich mir das anhören? - Ich gucke Arte.
Ich behaupte nicht nur, gegen Nazis zu sein.
Selbstverständlich!
Stephan, selbstverständlich,
aber das heißt doch im Klartext,
dass du nichts machst.
- Ich spende für Flüchtlinge. - Deine alten Anzüge.
Damit sie scheiße aussehen.
Respekt, Stephan. Vive la Resistance!
Aber du setzt ein Zeichen,
indem du deinen Sohn nennst wie den Obernazi?
Indem ich meinen Sohn Adolf nenne,
gehe ich den ersten Schritt,
um den Mythos Hitler zu zerstören.
Thomas, ich habe da mal 'ne Frage.
- Bitte. - Hast du Drogen genommen?
Die Nase gepudert?
Ich möchte deine Aussage nur einordnen.
- Stephan, das ist unsachlich. - Ich Will ihn nur verstehen!
Ich räum jetzt ab,
bereite den nächsten Gang vor
und wenn ich zurückkomme,
dann sprechen wir über was anderes.
Was gibt's denn?
Curryhuhn.
Armer Knirps.
Es geht mich ja nichts an
und es klingt auch so,
als hättest du dir das wohl überlegt.
Aber willst du's dir nicht noch mal überlegen?
Adolf ohne Hitler wird es nie mehr geben.
Der Name muss also ausradiert werden?
So ist es.
Dann müsst ihr demnächst im Schwimmbad barfuß rumlaufen.
Hä?
Was tragt ihr denn im Schwimmbad?
Was soll das denn jetzt?
- Dings... Badelatschen. - Hm, Adiletten!
Ja. Meinetwegen, auch.
Und woher kommt das ”Adi" in ”Adilette"?
Adolf Dassler, Gründer von Adidas.
Millionen Deutsche tragen Adolf an den Füßen.
Und nicht nur das!
Auf jedem Trikot unserer Nationalmannschaft
steht Adidas!
- Ist ein Argument. - Ein Scheißargument!
Da hat man keine Assoziationen zu Hitler!
Bei Adolf denkt man an nichts anderes!
Es geht darum, was die Leute denken?
Nein! Aber bei einem Namen wie Adolf schon!
Das heißt der Name Pumuckl wäre in Ordnung?
Pumuckl hat nicht halb Europa ausgelöscht!
- Mein Adolf auch nicht! - Stephan, Thomas! Contenance!
Adolf ist der Inbegriff für Verbrechen!
Du darfst deinen Sohn nicht Adolf nennen!
Der Name ist also verboten, obwohl er nicht verboten ist?
- Das... kann man so sagen. - Aha.
Gilt das auch für andere Namen?
Machen wir mal 'ne Liste.
Genau. Wir machen 'ne Liste.
Was Schindler konnte,
kann Böttcher schon lange.
Na, ich höre.
Fangt schon mal an.
Oder ist Adolf der einzige verbotene Name?
Können wir das Thema wechseln?
Nein. Wir machen Böttchers Liste.
Wir suchen einen neuen Namen. Hast du 'ne Idee?
Josef? Wie Opa? Klassisch, nicht zu verbraucht.
Mit F oder PH?
Josef geht nicht. Oder, Stephan?
Ich bin ja nicht so bewandert,
aber gab's da nicht einen Diktator?
- Stalin. - Ah! Ja, ja, richtig!
Josef Stalin.
Josef ist zwar auch der Name vom Vater Jesu,
aber der Josef gab dem Namen den ganz persönlichen Touch.
So geht doch deine Logik, oder?
Ja, das wäre das Prinzip.
Im Prinzip.
Also, tschüss Josef...
Tschüss... Erich!
- Und tschüss, Ben. - Ben?
Ich hab ja nicht studiert, aber in Italien,
da gab's doch auch mal so einen, oder?
Benito Mussolini.
Ha! Ja, ja, richtig.
Und wieder. Unzählige Tote.
Benito, Ben, Benedikt...
Unseren Papst hat's nicht gestört.
Ach so! Hitlers Gang.
- Tschüss, Heinrich... - Hermann.
Tschüss, Hermann.
Und noch mal tschüss, Joseph.
Was ist mit deinem Patenonkel, Fritz?
- Fritz Haarmann? - War das der Serienmörder?
- Mhm. - Ja, wie viele Opfer?
Um die 20? Um die 20.
- Immerhin ein Achtungserfolg. - Lächerlich!
Nee, sag mal, Stephan.
Ab wie vielen Toten ist ein Name für immer verbrannt?
Das ist mir zu blöd.
Dann machen wir doch weiter mit Serienmördern, oder?
Vorschläge?
Dann fang ich an mit dem Bekanntesten.
Jack the Ripper.
Jack geht nicht. Was ist die deutsche Form von Jack?
Hans.
Danke. Hans.
- Das ist ein schöner Name. - Weiter?
- Marc Dutroux? - René, mach doch nicht mit!
Sehr gut, René. Tschüss, Marc.
Ach so, ah. Was ist denn mit Terroristen?
- Andreas Baader. - René!
Andreas ist leider raus.
Da bleibt für Neugeborene nicht viel übrig.
Thomas. Ich glaub, wir haben's kapiert.
Rudolf?
Hess.
- Es ist deine Sache. - Eben nicht, Elisabeth!
Als Teil der Gesellschaft hat er eine Pflicht!
Er ist der Vater!
Aber du erzählst es den Rosenthals.
Ich kann's kaum erwarten. Die werden es verstehen.
Ich tue uns einen Gefallen.
Ja, das ist großzügig,
dass du uns vom Faschismus befreien willst.
Aber wenn du deinen Sohn Adolf nennst,
ist die Idee dahinter egal.
Er heißt Adolf. Wie Hitler.
Und alle anderen sagen: “Die Eltern sind Nazis."
Punkt
Ende der Diskussion.
Okay.
Meinetwegen.
Siehst du, er ist gar nicht so stur!
Mein Hühnchen!
Gleich erklären wir René, warum er nicht nach München darf.
- Hast du eine Ecke im Auge? - Noch nicht.
- Wartet auf mich! - Ja!
Wir warten!
Ich bin gespannt, was Elisabeth gezaubert hat.
Ja.
- Wie soll er denn jetzt heißen? - Hä? Adolf.
Jetzt hör auf. Wir haben sehr gelacht. Also?
Adolf.
Aber du hast doch gesagt, dass du das nicht tust.
Nein. Du hast gesagt: "Ende der Diskussion!"
Und ich: "Meinetwegen". Aus Rücksicht auf Lisa.
Dein Ausraster beweist doch, wie nötig das ist.
Und Stephan, das ist nicht nur so eine Idee.
Das ist der Beginn einer Revolution.
Ich kotze gleich.
Stephan!
René, welchen Menschen hasst du am meisten?
- Niemanden. -Irgendjemanden.
- Das würde ich so nicht sagen. - Gut, den du nicht magst.
Franz Schwertfeger, unsere zweite Geige.
Franz ist ein Arschloch-Name!
Wenn du den hörst, dann denkst du nicht an...
Franz von Assisi oder Franz Beckenbauer.
- Und nicht an Franz Schubert. - Nee, nee.
- TS... - Hey.
Franz Schwertfeger radiert Heilige, Komponisten aus.
Weil er ein Arschloch ist.
Dann schafft es ja wohl mein Sohn,
Hitler von seinem Thron zu stoßen.
- Was ist jetzt schon wieder? - Er ist wieder da.
- Oh, nee. - Franz Schwertfeger, sei Dank.
Versteh ich nicht.
Dann musst du mal hierbleiben!
Entschuldige, dass ich für euch koche!
- Sabeth! - Och, lass mich in Ruhe!
Das ist ein Rollenspiel.
Die können keinen Sex haben. Und die ficken jetzt.
Sabeth, es tut mir leid. Dein Bruder macht mich fertig!
Schönes Fräulein, darf ich's wagen,
meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?
Keine Goethe-Zitate in meiner Küche.
Scheißding.
Na, was geht?
- Ich bin drauf reingefallen. - Worauf?
Adolf.
Ich meine das ernst!
Ich hab's gesehen.
Du hast was gesehen?
Hitler, Adolf. "Mein Kampf, kritische Edition".
Du hast es nicht ganz zurückgeschoben.
Fuck!
Fuck!
Aber, wie er sich aufregt!
Der Name muss für immer ausradiert werden.
Aber kein Wort zu den beiden.
- Aber lügen werde ich nicht. - Ja.
Lass mich aus dem Spiel.
Wie soll er denn nun heißen?
Paul, wie Papa.
Paul. Da wird sich Dorothea freuen.
- Sabeth... - Lass mich in Ruhe.
Da hatten wir einen Moment unter uns, und er fragt mich:
“Mama, warum hat Papa Haare auf dem Busen?"
{alle lachen)
Ach, wie schön...
Das war es nicht wert, sich zu streiten.
Das finde ich auch. Gibst du mir noch was?
Was ist denn wert, sich zu streiten?
- Oh, bitte, Stephan. - Ich frage doch nur.
Was ist dir wichtig genug, um darüber zu streiten?
Vielleicht müssen wir uns ja nicht streiten.
Stimmt, da hast du recht.
Das müssen wir wirklich nicht.
Aber was bringt dich in Rage? Faschismus ja nicht.
- Darum ging es ja gar nicht. - Aha. Worum dann?
Na, um euch.
Der Name war doch nur ein Aufhänger.
Wer von euch bringt den anderen zuerst auf die Palme?
Das Thema ist doch dabei egal.
Die Frage ist, womit spielen wir heute?
Abtreibung? Burke-Verbot? Gentechnik?
Jeder nimmt eine Position ein. Und die einzige Aufgabe dabei:
sein Gegenüber so richtig zu ärgern.
Ich würde meinen Sohn nie Adolf nennen.
Sage ich ja! Ist doch so.
Ihr spielt Talkshow. Mit Talkshowthemen.
Hauptsache, ihr zeigt,
wie wichtig man sich nimmt.
Äh, was?
Ich lass mich da nicht reinziehen.
Na endlich.
Ist was?
Nein, iss nur in Ruhe weiter. Ich gehe schon.
So lecker.
- Hallo! - Sorry, dass ich zu spät bin.
Kein Problem. Kein Problem.
Das Essen ist noch warm.
Leg ab. Die Jungs sind mächtig in Form.
Oh! Mensch, der ist aber groß geworden.
- Und bewegt er sich viel? - Ja. Nicht zu knapp.
Schönes Kleid. Zieht man so was beim Casting an?
- Vorsicht, der Haken. - Es passt ja nicht mehr viel.
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