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Untertitel: Norddeutscher Rundfunk 2024
♪ Titelmusik ♪
♪ Kraftvolle Instrumentalmusik ♪
♪ Kraftvolle Instrumentalmusik klingt aus ♪
Heiß!
Hmm?
Diese Hitze!
Ja.
Ich mag das ja im Grunde, aber was zu viel ist, ist zu viel.
Ja.
Ja.
Bist du nervös?
Nein. Nein? Ich bin optimistisch. Warum?
Na ja, ich dachte, so wie der Parteitag gelaufen ist ...
Ja, die Jungsozialisten wollten, dass Reiulf Vorsitzender bleibt.
Jetzt meinen sie, ich hätte ihn weggemobbt.
Aber das ist nicht wahr. Nein.
Dafür ist er verantwortlich.
Und das müssen auch die Jungsozialisten einsehen.
Ja. Wenn du es ihnen sagst ...
Ja. Das werd ich, verlass dich drauf.
Aber vielleicht hat ihnen jemand die Geschichte anders erzählt.
Klar, dass Reiulf sich mit ihnen über mich austauscht.
Darüber muss ich auch mit ihnen reden. Ich weiß nicht.
Damit man sich besser verstehen lernt. Na ja ...
Sei froh, dass dein Vize dabei ist! Ja. Die lieben dich!
Ja. Mich lieben sie. Ja! Das ist der halbe Sieg!
In der Serie "Das verrückte Hotel" heißt es:
"Don't mention the war", Fettnäpfchen auslassen.
Der NATO-Doppelbeschluss ist tabu, okay, Gro?
Klar, kein Wort, aber sie könnten Fragen stellen.
Ja, die stellen sie sicher - und hoffentlich fällt dir nicht nur ein:
"Das mit der NATO ist kompliziert!"
Sie ist kompliziert! Ist sie!
Wir haben Ideen für die Debatte mit Willoch!
Der ist für die NATO. Ich weiß.
Für die Jungsozialisten brauchst du andere Antworten.
Deshalb will ich mit ihnen reden. Nein! Denk doch mal nach!
Dann musst du ihnen erklären,
warum wir über 60.000 ermordete Vietnamesen schweigen.
Dann sind wir am Arsch! Davon distanzieren wir uns!
Sobald das Wort "aber" fällt, hast du sie gegen dich!
Wenn sie die NATO anschneiden, musst du ausweichen.
Wohnungsbau, Umweltschutz ...
Sogar die affigen Shorts von Jagland wären eine Idee.
Dein Ernst? Ja. Die sind zu eng. Und zu kurz.
Versuch auch, das Thema Reiulf zu vermeiden.
Ja, die stehen auf Reiulf. Ja. Das ist ihr Halbgott.
Fast ihr Ganz-Gott. Ja. Guck mal, krass!
Hey, Thorbjörn! Willkommen! Danke.
Wir freuen uns schon auf euch!
Ja, wir uns auch! Die können's kaum erwarten.
Hast du die Rigmor ausgemustert? Einar! Das ist frauenverachtend!
Rigmor ist das andere Boot. Sie wird gerade repariert.
Wir haben nur noch die Reiulf. Kleiner, aber es klappt schon.
Verstehe. Los geht's!
♪ Harmonische Instrumentalmusik ♪
Man riecht schon das Meer.
Wunderbar!
Hi, hi!
♪ Harmonische Instrumentalmusik ♪
Ui! Alles okay? * Lachen * Ja! Noch mal gut gegangen. Geschafft!
Hallo.
Wir sind da. Schon alle da? Hey, hey, hey! Hey.
Visum?
Was? Visum?
Haben Sie ein gültiges Visum für die Einreise in die DDRU?
DDRU? Die Demokratische Republik Utoya.
Ich bin ratlos, Einar, kannst du mir mal helfen?
'tschuldigung, es gab ein Problem
mit dem Antrag in der Staatskanzlei.
Wir bitten um Verständnis und ein temporäres Einreisevisum.
Kurzfristig, wenn möglich.
Die Ministerpräsidentin und ihr Attache
beantragen ein temporäres Visum.
Du kennst die Regeln? Ja, kenn ich.
Bitte. Dein Visum. Danke. Lies vor!
"Einreisevisum für die DDRU.
Der Inhaber darf am Gemeinschaftsleben teilnehmen.
Die Genehmigung kann widerrufen werden
bei Verstoß gegen die Interessen des Volkes." Verstanden?
Ja, hab ich. Ja!
Dann angenehmen Aufenthalt! Danke. Vielen Dank. Lustig! Ja, nicht?
Und da ist Jens! Hey, Gro!
Willkommen! Danke. Danke.
Gut, dich zu sehen. Ja. Das ist nett.
Geht's dir gut? Ja! Ja?
Ich begleite dich. - Musst du nicht! - Doch! - Das kann ich machen!
Gut angekommen? - Ist euch das recht?
Ja, danke. Wir wären fast nicht durch die Passkontrolle gekommen.
♪ Harmonische Instrumentalmusik ♪
* Gelächter *
Da hältst du deine Rede, aber erst trinken wir einen Kaffee.
Ich brauch erst mal ein Glas Wasser. Gut.
News: Erfolgreiches Alkoholverbot auf Utoya!
Ein anonymer Kritiker spricht von Revisionismus.
Erfolgreiches Alkoholverbot auf der Insel!
"NATO-Truppen - Scheißhaus"? Ja? Kleines Wortspiel? Sehr subtil!
Na ja, mein Vater beschäftigt sich ernsthaft und intensiv damit.
Ich möchte eine differenziertere Sicht.
Und? Kein Erfolg?
Manche wollen,
dass die Jungsozialisten geschlossen aus der Partei austreten.
Ich hab gedacht, das ist vom Tisch.
Reiulf konnte immer wieder die Wogen glätten.
Aber irgendjemand braucht sich nur aufregen
und schon kippt die Stimmung.
Kenne ich.
* Klappern *
Hey! Ann Helen! - Hey!
Gibt 's für Gro was zu trinken? - Ja.
Danke. Gern.
Kennt ihr euch? - Nein. Nein. Gro. Ann Helen.
Hey, Förde. Einar. Sehr nett.
Ann Helen ist Mitglied im Vorstand. Wie Jens. Ja.
Ich muss mich um das Konzert kümmern, aber das dauert nicht lang.
Super! - Würdest du nach deiner Rede noch ein paar Fragen beantworten?
Ja, das wär schön, aber Gro hat ein sehr dichtes Programm.
Da muss man sehen, was möglich ist. Ja.
Verstehe. - Kann es losgehen, Ann Helen?
Ja. Sturle hält eine seiner Kampftiraden.
Vielleicht schafft ihr noch die letzten drei Stunden.
* Applaus *
Unsere Mutterpartei unterscheidet sich nicht mehr
vom konservativen Lager.
Sie verwirft ihre sozialistischen Werte,
um neue Wählerschichten zu erschließen.
Sie strich das Ziel einer sozialistischen Gesellschaft
aus ihrem Grundsatzprogramm.
Manche Jungsozialisten finden das sogar gut!
Es freut mich, dass sich der Landeskongress
zu den sozialistischen Idealen bekannt hat.
Die stehen in unserer Satzung und standen nie infrage.
Auch wenn prominente Vorstandsmitglieder
die Entscheidung verwässern wollten.
Sie sind damit gescheitert, und das ist gut so!
Aber unser geliebter Reiulf Steen hat uns immer wieder gesagt:.
"Glaubt nicht, dass der Kampf schon gewonnen ist.
Denn das ist er nie!"
* Jubel und Applaus *
Nicht so dramatisch! Er liebt große Worte. Ich hab die alle schon gehört!
Welches sozialistischen Ideale meint er?
Eine Formulierung in unserem Parteiprogramm über ... Wie war das?
Die Arbeiterklasse steht ...
... in einem unlösbaren Interessenkonflikt
mit dem Kapitalismus.
Ja. Und einige finden das etwas zu eng gesehen.
Du hast nicht eng gesagt, sondern "archaisch".
Hab ich? Was heißt denn archaisch? Überholt.
Ich war da anderer Meinung.
Wir beziehen uns doch nach wie vor auf Marx' Analyse des Kapitalismus.
Solange sollten wir nicht anfangen, Begriffe auszumerzen,
wie zum Beispiel eben "Sozialismus". Ja.
Jetzt erinnere ich mich. Ja, ich hab archaisch gesagt.
Damit meinte ich nur den Sozialismus,
wie er im Ostblock verstanden wird, aber das ging dann unter.
Schade!
Von autoritären Diktaturen distanzieren wir uns auch,
aber ihr wart auch gegen alles, was Marx über das Privateigentum sagt.
Das ist konservative Politik in Reinkultur.
Ohne das wären wir uns einig geworden.
Darüber weiter zu diskutieren führt zu nichts.
Ihr habt die Abstimmung gewonnen und das war's.
Ich werde das nicht neu aufrollen. - Ich auch nicht.
So! Kommt ihr zurecht?
Ich schon. Gro beschwert sich, es wär zu heiß, aber es wird gehen.
Das Glas Wasser hat mich gerettet.
Ja. Leute, nehmt euch zusammen. Das ist unsere Ministerpräsidentin.
Genossen, danke, dass ihr gekommen seid.
Okay ... Wohnungspolitik, Umweltschutz und Apartheid. Ja.
Wir spendieren ihnen Bier und verschwinden.
Hier gibt's kein Bier, Utoya ist alkoholfrei!
Deshalb verschwinden wir ja! Kein Wort über die NATO! Ja.
* Jubel und Applaus *
Ja, danke. Danke, Thorbjörn.
Ich freu mich, dass ihr mich eingeladen habt
und auf den Austausch mit euch.
Ein paar von euch kenne ich aus meiner Zeit als Umweltministerin.
Die Jungsozialisten waren damals für mich sehr hilfreich,
um wichtige Projekte voranzubringen.
Ohne euch wäre der Umweltschutz in Norwegen
niemals so gut vorangekommen.
Danke dafür!
* Applaus *
Durch staatliche Förderung privater Bauvorhaben
sollten auch jungen Menschen Wohneigentum erwerben können.
Aber die Konservativen wollen die Wohnungspolitik
dem freien Markt überlassen.
Das bringt keine gerechte Verteilung von Wohnraum
in einer Zeit, in der es für junge Menschen immer schwieriger wird.
* Applaus *
Was ist, Thorbjörn?
Nein, schon in Ordnung. Weiter!
Irgendwelche Unklarheiten? Eine Zwischenfrage?
Ja, nicht nur eine Frage.
Die Genossen wollen eine ganze Liste von Fragen mit dir diskutieren.
Ist das okay?
Ja, schießt los mit euren Fragen.
Wenn ich sie beantworten kann, gerne. Ja? Ja!
Echo! - Ja, hi. Ich bin im Bezirksverband Trondelag. Schön!
Wir wollen wissen, wie du zum Apartheidregime in Südafrika stehst.
Ja, super! Sehr gute Frage!
Wir sollten nicht länger zögern, das Apartheidregime zu verurteilen.
Ich denke, dass Norwegen
sich zu einem Wirtschaftsboykott entschließen wird.
Das bleibt in Kraft, bis es die Macht verloren hat. * Jubel *
Vilde, bitte.
Hallo! Ich habe eine Frage, die uns sehr beschäftigt.
Viele finden, dass die Führung der Partei
den Kontakt zu uns verloren hat und uns nicht mehr ernst nimmt.
Es kam nicht gut an, dass man uns sagt:
"Kein Bier! Gute Stimmung geht auch ohne Alkohol."
Was hältst du als Ärztin und Ministerpräsidentin davon?
Man fühlt sich da als Kleinkind behandelt.
* Jubel * Es ist nicht unsere Aufgabe, euch irgend...
Die Ministerpräsidentin hält das für hirnverbrannt.
Danke, Einar Förde.
Als Ärztin sage ich dazu: Ein Glas Bier schadet euch sicher nicht.
In vernünftigen Maßen natürlich. Ja!
Ann Helen! - Meine Frage liegt vielen auf dem Herzen. Ja?
Es geht um die NATO!
Wie siehst du unsere zukünftige Beziehung zur NATO?
Was wird aus der Stationierung von Atomwaffen
oder dem amerikanischen Truppen-Vorratslager?
Wird es eine atomwaffenfreie Zone in Skandinavien geben?
Da ist noch viel zu tun. Zunächst einmal möchte ich dir Recht geben!
Ich versteh euch, wenn ihr sagt, dass da vieles im Unklaren ist.
Das mit der NATO ist kompliziert. Dazu muss man sich ...
Wir verstehen die Probleme,
aber nicht, wie die Parteiführung sie angehen will.
Aber die Auseinandersetzung mit dem Thema NATO
zieht sich schon über Jahre hin.
Der Doppelbeschluss wurde unter Nordli ...
Ja, aber du bist ambivalent.
Sollen wir als NATO-Mitglied mit der Sowjetunion
über die kernwaffenfreie Zone verhandeln?
Ja, leider müssen wir jetzt mit dieser Situation umgehen!
Verdammt, holt uns aus der NATO raus! * Jubel *
* Applaus *
Dann darf ich die Frage anders stellen:
Hat die Parteiführung eine Strategie,
um die nukleare Aufrüstung zu verhindern?
Und auf eine nachhaltige Entspannungspolitik zu setzen?
Ja, auch das ist sehr komplex.
Ich möchte hier rückblickend auf unsere zentrale Rolle
beim Doppelbeschluss eingehen.
Da gab es wichtige Beiträge, die ...
Die einzig richtige Beitrag wäre, aus der NATO auszutreten.
Warum kriechen wir Reagan in den Arsch,
der die Welt bombardiert?
Zum Kotzen! Ich hau ab!
Ich auch!
Mann, hör doch mal zu!
Ich hab die Schnauze voll!
Ja.
* Leises Getuschel im Hintergrund *
Ist euch klar, was passiert, wenn wir das machen? Scheiße!
Was passiert, wenn wir aus der NATO austreten?
Wie soll dann unsere Sicherheitspolitik aussehen?
Ja, also ... Soll ich darauf antworten? Ja! Du, oder wer immer.
Ich kann nicht für andere reden.
Aber in Meetings finden manche, dass wir nicht generell
gegen bilaterale Allianzen oder Sicherheitsbündnisse sind.
Nur nicht unter US-Führung.
Wir wollen eine unabhängige europäische Alternative! * Jubel *
* Anhaltender Applaus *
Die NATO ist nur ein Machtinstrument der USA und des Westens,
um sich die Verfügungsgewalt über die Naturressourcen zu sichern.
Die blutigen Konsequenzen sind jeden Tag in den Medien:
In Vietnam! Der Putsch in Chile! Guatemala! - Indonesien! Libyen!
Ja, ja, ja! - Haiti! - Ganz ruhig! - Panama, Nicaragua!
Aber solange nur Schwarze und Kommunisten sterben - egal!
Solidarisieren wir uns mit denen, die unter der Militärmacht
des US-Imperialismus leiden, wie im Vietnam?
Wie können wir uns mit dieser Militärmacht verbünden
und die Vorteile davon genießen?
Nein! Richtig!
Wir müssen mit allen solidarisch sein,
die unter Unrecht und Gewalt leiden, auch militärischer Gewalt.
Es ist gut, dass ihr dafür kämpft!
Ich hätte dazu noch mehr zu sagen und will das Thema vertiefen,
aber da sind noch ein paar Wortmeldungen.
Wer ist als nächster dran oder als nächste?
Silje!
Ja, also, ich finde, Ann Helen hat total recht.
* Zischen *
Heute geht's nicht. Er meinte: dann morgen.
Eine sehr spannende Debatte! Finde ich auch.
Vor allem zur NATO. Da können wir viel von dir lernen!
Wir auch viel von euch! Ja.
Nur wie wollen wir so schnell ein europäisches Verteidigungsbündnis
auf die Beine stellen?
Aber ich geb zu, die Idee ist interessant!
Hey, Jens! Ich glaube, du hast was vergessen.
* Seufzer *
Heute schon? Ich hab gedacht, morgen!
Heute. Sorry, da musst du jetzt ran. Worum geht's?
Gestern beim Karaoke-Wettbewerb
war der erste Preis ein romantischer Spaziergang mit Jens.
Sophie hat gewonnen, mit einem Song aus ...
"Les Miserables". - Genau.
Toll! Worauf wartest du, Mann? Nicht so schüchtern! Ja. Okay.
Hey.
Hey, Sophie! - Hey!
Ich freu mich auf unseren Spaziergang,
aber wir diskutieren gerade mit der Ministerpräsidentin.
Könnten wir ihn auf morgen verschieben?
Jens! Das kannst du doch nicht machen.
Wir haben noch so viel Zeit! Hmm ...
So ein Heuler.
"Wir diskutieren gerade mit der Ministerpräsidentin!"
Übrigens, ich wollte mich für deine Fragen bedanken!
Ich hoffe, sie waren nicht respektlos. Nein.
Das war auch nicht gewollt, aber wir dachten schon nicht mehr,
dass uns die Partei mal ernst nimmt.
Als wären wir nur naive Teenager. Blödes Gefühl!
Das ginge mir auch so, aber ich hab euch nie für naiv gehalten.
Das habt ihr gemerkt, hoffe ich.
Kommt am Montag in die Vorstandssitzung!
Da können wir die Gedanken weiter vertiefen.
Das wäre gut für euch zu sehen, wie es da so zugeht.
Gerne! Das wär richtig stark!
Mit den Genossen der Parteiführung und der Fraktion. Sie kommen!
Sie sind da! - Oh! Sekunde! Sekunde, Augenblick!
Wer ist da? Wer kommt? Ich glaub, äh ... Reiulf! Reiulf!
Fang auf!
* Jubel und Applaus *
Hmm ...
Verstehe!
Entschuldigt, bin gleich wieder da! Hey!
Danke. Was ist das? Ein Geschenk? Zur Begrüßung!
Zur Begrüßung? Sehr nett! Danke.
Hallo!
Wusstest du, dass der kommt?
Er hält eine Rede, aber da sind wir schon weg.
Ist das, äh ...
Ines.
War die schon mal da? Die lieben sie.
Ich hätt Arne Olav mitbringen sollen.
Nein, aber Reiulf hat ihr bestimmt von Utoya erzählt. Und was?
Sie war Vize-Ministerin unter Allende
und hat ein CIA-finanziertes Attentat überlebt.
Sie stand auf der Liste von Pinochets Geheimdienst.
Und da ist sie geflohen. Ja. Ich weiß.
Dann hol ich mal meine Sachen.
Hallo! Hey. Willkommen! Vielen Dank. Hey! Hey!
Freut mich. Ja, mich auch.
Wir ziehen das durch!
Thorbjörn!
Ja? Es wird Zeit. Wir müssen zurück nach Oslo.
Hallo? Entschuldigung! Du bist Steen? Ja.
Hallo. Cato, freut mich. Reiulf. * Lachen * Komm, ich trag dich!
* Ächzen * Was? Nein! Warte! Was ist los? Cato, was soll das?
Cato, das kannst du nicht machen!
Cato! - Cato!
Cato!
Warte! - Jagland, nicht!
Ist das eine Entführung? Für mich zahlt keiner Lösegeld.
Lasst mich raus! * Lautes Klopfen * Hallo!
Hey, hey! Hey! Ich genieße politische Immunität!
Ja, ja. Hey! Lasst mich raus!
Wichtige Mitteilung:
Eine demokratiefeindliche Terroreinheit
hat sich über die Gesetze der DDRU hinweggesetzt.
Und den Ex-Parteivorsitzenden Reiulf Steen entführt.
Die Kidnapper verweigern seine Freilassung,
trotz des engen Zeitplans, den wir haben.
Selbst der Hinweis, dass das nicht lustig ist,
konnte sie nicht überzeugen.
Stattdessen verlangen sie ein Lösegeld, das ...
... das der Alva-Myrdal-Fonds für Frieden und Abrüstung bekommt.
Wenn ihr Reiulfs Rede hören wollt, müsst ihr das Lösegeld auftreiben.
Das ist kein Lösegeld, eher ... - Revolutionäre Nothilfe! - Genau.
Danke! * Klimpern * Vielen Dank!
Ihr auch? - Nee, ich hab schon.
'n bisschen was.
Verdammt, ich hab nur einen 500-Kronen-Schein.
So. Danke. Hey. Ich hoffe, das reicht.
Gucken wir mal ... Ähm ... ja, ja. Warte.
Ich hab nur ...
Ähm ... ja ... ja.
Hier! Kannst du wechseln? Tausend Dank!
Cato!
Na also! Geht doch! Darf ich jetzt raus?
Ja.
Heeeey! * Applaus *
Ouuuuch! * Verlegenes Lachen *
Wir hatten noch mehr Entführungen geplant. Wir verschwinden!
Aber dank der Ministerpräsidentin haben wir unser Ziel erreicht.
* Jubel und Applaus *
* Glucksen *
♪ Mundharmonika-Melodie ♪
* Lachen *
* Surren *
* Klackernder Motor *
Scheißding!
Ist, äh ...
Ist was nicht in Ordnung?
Ja. Irgendwas stimmt nicht mit dem Vergaser. Das kann dauern.
Wie lange? - Stunde, mindestens. Sauhund!
Ich versteh das nicht! Mit der Reiulf gab's nie Probleme.
Kein einziges Mal!
Ich kann beim Festland fragen, ob sie das andere Boot schicken,
aber das dauert 'ne Weile.
In Mensvika haben wir ein Dingi,
falls die Ministerpräsidentin das Geschaukel aushält.
Ich nehm gerne das Dingi!
Nein. Ein richtiges Boot kostet mich nur einen Anruf. Okay? Ja. Ja.
Natürlich könnt ihr auch gerne hier übernachten.
Nein, es wär gut, wenn wir heute Abend in Oslo sind. Ja.
Ja.
* Surren des Motors *
Verfluchter Scheißmist, so ein verdammter! Sauhund!
Spring an!
* Surren des Motors *
Jetzt sitzen wir da! Hast du eine Idee?
Warum gehen wir nicht wieder rauf?
Die waren zum Schluss ja ganz begeistert von dir.
Es wäre auch nicht schlecht,
wenn sie dich morgen beim Frühstück sehen.
So als Sympathiebekundung.
Da oben hat jetzt Reiulf seinen großen Auftritt.
Welches Thema? Weißt du das?
Ich weiß nur, er hat mit Ines ein Projekt für Flüchtlinge aus Chile.
Flüchtlinge. Oder so was. Gute Sache, sicher.
Da sehen die USA auch nicht gut aus,
was die Entrüstung über die NATO weiter aufheizen wird.
Und er wird sich als Widersacher der NATO inszenieren. Das kommt an.
Dabei wissen sie, dass Reiulf sich im Kabinett
beim Thema NATO immer zurückgehalten hat.
Kämpfer für das Gute und Wahre? Fehlanzeige!
Meist war er gar nicht da, sondern besoffen. Oah!
Reiulf glänzt durch Abwesenheit. Auch im Parlament! Notorisch!
Und hier spielt er den Retter der Menschheit! Ja ...
Also, ich geh da jetzt rauf.
Und du? Willst du weiter ins Wasser starren oder kommst du mit?
* Surren des Motors im Hintergrund *
Komm!
Bild dir bloß nichts ein. Ich muss nur pinkeln!
In der Schule da ist 'ne Toilette drin. Ja!
* Angeregte Gespräche im Hintergrund *
Hey.
Okay.
♪ Ruhige Gitarren-Akkorde ♪
Einheit und Zuversicht, bis die kapitalistische Tyrannei fällt.
♪ Ruhige Gitarren-Akkorde ♪
Aber wir hoffen, dass wir mal zusammen nach Chile können.
(geflüstert) Einar! (lauter) Einar!
Komm jetzt! Ja, aber wir müssen auf das Boot warten. Ja, aber ...
Setz dich. Bist du Allende persönlich begegnet?
Ja, ja. Ja, ja, ähm ... In Chile, ein paar Mal.
Okay. Zuletzt haben wir uns vor dem Putsch getroffen, in Valpara ...
Vina del Mar.
Allende war kein Pessimist, nicht von Natur aus,
aber er hat schon gewusst, dass es bald aus ist.
Das war ihm klar.
Ich werde nie vergessen, wie genau er erkannt hat, was ihm bevorsteht.
Und genau so ist es dann auch gekommen.
Die bürgerlichen Konservativen sagen,
der Sozialismus versagt in der Praxis.
Und als Beweis dafür wird immer der Fall Chile angeführt.
Weil die Rechte weltweit auf dem Vormarsch ist,
dachte ich, es wär sinnvoll, näher hinzusehen:
Woran genau scheiterten Salvador Allende
und sein sozialistisches Projekt?
Seid ihr dabei?
(alle) Ja!
* Räuspern *
Als er Staatspräsident wurde,
sah's erst gut aus für Allende und die linke Bewegung.
Aber er hatte mächtige Gegner, noch von vor der Machtübernahme.
Vor allem US-Konzerne und einheimische Familiendynastien,
die die chilenische Wirtschaft kontrolliert hatten.
Die mächtigste der Familien war der Edwards-Clan,
mit Augustin Edwards an der Spitze, der "Medienbaron".
Der hatte von der Familie ein Presseimperium geerbt,
sodass ihm der größte Teil der chilenischen Zeitungen gehörte.
Darunter auch das Rechtsblatt El Mercurio.
Aber Allende hatte Erfolge,
trotz Widerstandes gegen ihn persönlich und seine Regierung.
Ines hat dieser Regierung übrigens angehört.
Sie war Vize-Justizministerin.
Zum Beispiel gab es einen halben Liter Milch
für jedes Schulkind täglich.
Bildung und Gesundheitsversorgung waren kostenlos.
Wir müssen uns klarmachen,
was für ein enormer Fortschritt das damals war, in den 60ern.
Nach drei Jahren machte Allende sein Versprechen wahr,
den Armen zu einem besseren Leben zu verhelfen.
Teilhabe am Lebensstandard wie nie zuvor.
Die Arbeitslosigkeit ging zurück, Mieten und Lebenskosten.
20.000 Quadratkilometer Großgrundbesitz
wurden an Bauern und Kollektive umverteilt.
* Jubel * Infant mortality.
Die Kindersterblichkeit ging zurück. Ja, genau, stimmt.
Ja, und das Wichtigste ist vielleicht, dass sie ...
... der Unterschicht, Arbeitern, Bauern, Armen, das Gefühl gaben,
wichtig zu sein.
Ein paar von uns Älteren wissen vielleicht noch,
was Armut bedeutet.
Mit einem Hut herumzulaufen und nicht zu wissen,
wo das Abendessen herkommen soll.
Also, eine Zeit lang sah es nicht schlecht aus für Salvador Allende
und die Linke in Chile, aber:
Kurz nachdem er die Wahlen gewonnen hatte, September 1970,
noch vor seiner Wahl zum Präsidenten durch den Kongress:
Da passiert das Ungeheuerliche!
Augustin Edwards, der Medienbaron und Eigentümer von El Mercurio,
fliegt nach Washington und trifft sich dort mit wichtigen Leuten.
Mit der CIA,
aber vor allem mit dem Nationalen Sicherheitsberater Henry Kissinger.
Kissinger geht sofort zum Präsidenten Nixon und sagt:
"Du ...
... musst ...
... was tun, für Chile.
Du musst Chile retten!
Du musst dafür sorgen, dass dieser Allende verschwindet!"
Nixon lässt den Nationalen Sicherheitsrat kommen
und sagt den Leuten von der CIA:
"Schafft mir diesen Allende vom Hals!
Wie ihr das macht, ist mir egal."
So! Jetzt starten Kissinger und die CIA eine subversive Aktion.
Sie provozieren eine Wirtschaftskrise
und bestechen reaktionäre Militärs, damit sie einen Putsch anzetteln.
Es kommt zum Putsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten
und seine Regierung - aber es gibt ein Problem:
General Rene Schneider, Oberbefehlshaber der Streitkräfte,
weigert sich.
Er hält sich an seinen Verfassungsauftrag,
die Regierung zu schützen.
Er wird entführt und erschossen, als er sich zur Wehr setzt.
Man wollte die Linke beschuldigen
und so einen Volksaufstand lostreten.
Aber das Volk solidarisiert sich mit Allende und gegen die USA.
Das brachte die Entscheidung.
Zwei Tage später
war er der erste demokratisch gewählte sozialistische Präsident!
Auch die Macht des Militärs vermag nicht immer alles.
Sie ist keine effektive Form der Macht.
Allende bemüht sich um Arbeit und gute Lebensumstände für sein Volk.
Die CIA und die US-Großkonzerne in Chile mobilisieren riesige Summen,
um das gesamte Wirtschaftsleben des Landes lahmzulegen.
Politiker werden bestochen,
Gewerkschaftsbosse werden bestochen.
Kredite des Internationalen Währungsfonds
werden auf Druck der USA verweigert.
Es werden Importverbote verhängt, Exportverbote,
was ökonomisch katastrophale Folgen hat.
Nixon hatte verlangt,
die chinesische Wirtschaft soll schreien vor Schmerz.
Und er bekam seinen Willen:
El Mercurio und andere rechte Zeitungen
verbreiten die Falschmeldung über den angeblichen Plan Z.
Ein Putsch sei geplant, mit Ermordung konservativer Politiker,
Journalisten, Polizisten und Offiziere, samt Familien.
Aber das war eine zynische Lüge.
Ein Vorwand, um mit der CIA zusammen
nun selbst einen blutigen Putsch durchzuziehen.
In einem friedlichen Land, das nur einen Präsidenten gewählt hatte,
der laut der US-Regierung und der chilenischen Eliten zu links war.
Scheiße!
Das Haupt und Hirn des Militärstreichs
war ein Brigadegeneral: Augusto Pinochet.
Und so, am 11. September '73, begann die chilenische Diktatur.
Eine Schreckensherrschaft, wie sie die Welt nicht mehr erlebt hatte
seit den Tagen von Adolf Hitler in Deutschland.
Augusto Pinochet und seine Junta
wollten nicht nur den Sozialismus von der Macht verdrängen.
Sie wollten die sozialistischen Träume verdrängen,
die "marxistische Indoktrinierung".
In der Folge wurden die politischen Parteien der Linken verboten.
Ines' Name stand auf einer Liste von mutmaßlichen Marxisten
und deren Sympathisanten, denen die Vernichtung bevorstand.
In der ersten Woche nach dem Staatsstreich
hatten sie in Konzentrationslagern 100.000 Genossen zusammengetrieben.
Oder ... aus dem Land gejagt oder ...
... ermordet.
Aus welchem Grund?
Einfach nur, weil sie als Sozialisten galten,
als Marxisten oder Sozialdemokraten.
Ines hatte Freunde und Verwandte, die in dieser Zeit verschwanden.
Die Junta hatte eine Geheimpolizei aufgebaut,
die von den USA ausgebildet wurde.
Die hatte die Aufgabe,
eine zunehmend eingeschüchterte Bevölkerung zu tyrannisieren.
Das heißt, Geständnisse zu erpressen, das heißt zu foltern.
Genossen, ihr könnt mir glauben, die verstanden ihr Handwerk.
In der Regel geht es damit los,
dass du im Keller verschwindest, wochenlang, wenn es sein muss.
Ohne Licht, bis du den Zeitsinn verloren hast. * Flüstern * Ja.
Na ja ...
Gut, wir müssen das nicht weiter vertiefen, aber als Frau ...
Ja.
Ja, als Frau ist das alles noch viel schlimmer.
Am Ende schmeißen sie deine Leiche in den Pazifik.
Nachdem sie dir den Bauch aufgeschnitten haben,
damit du untergehst - das war's dann!
Und Kissinger, der Friedensnobelpreisträger?
Am Tag nach dem Putsch gab es Berichte von 10.000 Leichen.
Dafür bedankte er sich noch bei Pinochet:
"Sie haben dem Westen einen großen Dienst erwiesen."
Der demokratische Sozialismus in Chile hatte eine Chance verdient
und nicht bekommen!
Die Tausenden, die getötet, gefoltert und verjagt wurden,
hatten nur versucht, Gleichberechtigung zu schaffen.
Heute wurden dort so viele Sozialleistungen gestrichen.
Da ist die Ungleichheit im Land so groß wie die Schlangen
vor den Suppenküchen für die Arbeitslosen.
Wenn du zu den wenigen Glücklichen mit Job gehörst,
dann für Banker oder Großagrarier.
Oder Minenbesitzer, die von der Privatisierung profitieren.
Bei den Volksvergewaltigern, wie Ines sie nennt.
Chile ist heute ein perfektes Beispiel
für den modernen Wirtschaftsliberalismus.
Und die Politik nach dem Motto: "Du hast die Wahl!"
Erstaunlich, dass so viele Leute die Armut gewählt haben!
Ich glaube, ich hab genug geredet.
Nur noch eine Frage. Kissinger soll zu Nixon gesagt haben:
Der Sturz von Allende
wäre einer der größten Erfolge seiner Präsidentschaft.
Kann mir einer von euch sagen, wie er darauf kam?
Silje.
Die fürchteten, dass die Sowjetunion in Südamerika Einfluss gewinnt.
Ja, das wäre naheliegend.
Aber Allendes Partei galt immer im linken Lager als eher gemäßigt.
Sie stand dem real existierenden Sozialismus
in der Sowjetunion immer kritisch gegenüber.
Das wussten Kissinger und Nixon.
Allende suchte immer einen guten Draht zu Amerika.
Hat jemand noch eine Idee?
Überlegt mal!
Wie können die USA als militärisch und wirtschaftlich stärkste Macht
so viel Angst vor friedfertigen demokratischen Sozialisten haben?
In einem so armen Land wie Chile?
Sie hatten Angst, dass es funktioniert.
Sie hatten Angst, dass es funktioniert.
Sie hatten Angst, dass Allendes Modell Schule machen könnte.
Denn das stand zu befürchten.
Sie fürchteten einen Domino-Effekt.
Kissinger sagte: "Das müssen wir unbedingt verhindern!"
Das Volk sei selber schuld.
Er sprach von der Unverantwortlichkeit des Wählers.
Bedenkt das, wenn jemand über das Scheitern des Sozialismus spricht.
Und was die Chilenen geschafft haben, in unter drei Jahren,
gegen den Widerstand des mächtigsten Imperiums auf der Welt.
Und denkt daran, was sie erreicht hätten,
wenn man sie hätte machen lassen, wenn man sie nicht ermordet hätte.
Aber noch mal zurück zum Putsch:
Am 11. September 1983
bombardiert die chilenische Luftwaffe den Präsidentenpalast.
Allende wendet sich ein letztes Mal an sein Volk und sagt Folgendes:
♪ Angespannte Instrumentalmusik ♪
"Ich kann euch versichern, dass die Saat aufgehen wird, die wir
guten Gewissens in die Herzen von Abertausenden Chilenen gesät haben.
Ich glaube an Chile und sein Schicksal.
Es werden andere Chilenen kommen.
Und früher oder später, ich glaube, eher früher,
werden sich die großen Straßen neu auftun.
Die, auf denen der würdige Mensch
dem Aufbau einer besseren Gesellschaft entgegengeht."
Danke für eure Zeit!
* Applaus *
* Jubel *
Komm, setz dich.
Was vergessen? Olvidado algo? Podrias haber agregado mas.
Wenn jemand Fragen hat, dann bitte, sehr gern.
Ali! - Vielen Dank! Sehr intensiv und wichtig. Ines, dir auch!
Warum hast du nicht genauso entschlossen gegen die NATO
Stellung bezogen, als du noch Parteivorsitzender warst?
Ja.
Ähm ...
Egal, wie ich zur NATO stehe - ein Parteivorsitzender sollte nicht
seine eigenen Positionen durchsetzen.
Das gilt auch in Bezug auf deine Frage.
Aber wenn du die Wahl gehabt hättest?
Gott sei Dank hatte ich nicht die Wahl.
Aber es gibt einen wichtigen Unterschied
zwischen meiner Generation und eurer.
... zur Generation, die nach dem Krieg geboren wurde.
Vergesst nicht, wie stark unsere Debatten zur Sicherheitspolitik
von der Kriegserfahrung geprägt sind und andere Debatten auch.
Ähm ... Versteht mich nicht falsch.
Ich will euch nur die Gefühle klarmachen,
die dazu führen, dass viele von uns Älteren ...
Einar Gerhardsen, Trygve Bratteli oder Odvar Nordli,
in Bezug auf die NATO, sagen wir ... zerrissen sind.
Es wäre gut, wenn ihr das in unseren zukünftigen Debatten
bedenken würdet.
Wir können so viel diskutieren, wie wir wollen.
Das hilft alles nichts!
Weil keiner uns zuhört von denen. Niemand!
Mit nur einer einzigen Ausnahme und die bist du,
aber dich haben sie abserviert.
* Räuspern *
Lass uns verschwinden. Wie sieht denn das aus?
Ja, das war ...
Ähm ...
Das war ...
Gerechterweise muss man sagen, es war meine Entscheidung.
Ich war das.
Und ich geb zu, ich war nicht ganz unschuldig daran,
wie das gelaufen ist.
Gro und ich waren nicht immer einer Meinung,
aber das gerade über die Generationen gilt auch für sie.
Wie alt warst du, Gro ... als du das Land verlassen musstest?
Fünf?
Äh, ja.
Vielleicht wisst ihr das nicht.
Während der deutschen Besatzung musste Gro nach Schweden fliehen,
zusammen mit ihrem kleinen Bruder.
Mit fünf Jahren!
Wenn ihr jüngere Geschwister habt,
könnt ihr euch vielleicht vorstellen, was das heißt.
Vielleicht sagt das ja ein bisschen was aus über ihre Positionen.
* Applaus *
Und zum Glück arbeitet Einar Förde mit ihr zusammen.
Mit den beiden sind wir gut bedient.
Das weiß Einar, der von sich sagt:
"Mit dem Alter wird mir klar, dass ich immer recht hab." * Lachen *
Ja, Trond?
♪ Ruhige Akustikgitarre ♪
Essen ist fertig. Das ist ja sehr schön, was er da singt!
Ja, finde ich auch. Wir können noch ein bisschen bleiben.
Zimmer wären da. Ihr müsst es nur sagen.
Das Konzert nehmen wir noch mit, ja?
Gut. Macht, was ihr wollt. Kein Stress! Wir sind auf Utoya.
Also gut, das Konzert. Klar, Gro. Freu mich schon.
Du ziehst dein Top aus, ich tanz mit dir huckepack
über die Wiese und wir sind wieder 20.
♪ Ruhiger Gesang zu Gitarren-Begleitung ♪
♪ Das Publikum beginnt leise mitzusingen ♪
Guck mal!
Eine Bierflasche.
Das ist ein Straftatbestand!
Hallooo! Nein. Nein, lass sie doch! Komm her! Komm her!
Was zum Teufel soll das?
Hmm?
Zeig mal!
Du auch?
Ich verschwinde mal kurz in Richtung Toiletten.
Du verpasst den Superhit! Eben! Da sind sie endlich frei.
Genial! Kein Wunder, dass du's so weit gebracht hast und ich nicht!
Sehr richtig!
Hier. Das war nur Spaß,
aber trink nicht gerade da, wo dich jeder sieht. Okay. Okay?
♪ Ruhiger Gesang zu Gitarren-Begleitung ♪
♪ Musik im Hintergrund ♪
♪ Gro singt leise mit ♪
* Fliegensurren *
* Lachen *
* Rascheln und Knacksen *
* Schritte *
♪ Harmonische Gitarrenmusik ♪
♪ Harmonische Gitarrenmusik ♪
♪ Frauengesang auf Norwegisch ♪
Nein, nein, das geht anders.
Ja, zieh fest, das ist gut. Sehr gut!
♪ Fröhliche Instrumentalmusik mit Mundharmonika-Melodie ♪
Was? Was ist so komisch? - Ja, das frag ich mich auch.
Sturle! - Nichts ist komisch.
Jens, pssst! Ann Helen, was ist zwischen Jens und Sophie
auf ihrem romantischen Spaziergang passiert?
Okay. Sie sagt, er hat nur über Karl Marx und die NATO gequasselt.
Nein! Sehr romantisch!
Worüber hätte ich sonst reden sollen? Sie ist nicht mal 16.
Als Jungsozialistin hat's sie sicher interessiert. - Ja, ja. - Jens!
Okay. Was war so interessant an der NATO?
Dass Spanien Mitglied werden soll! - Toll! - Spanien, klar!
Und was sagt sie dazu?
Eigene Ansichten hat sie kaum. - Nein?
Es braucht neue Reinigungsstandards für die NATO-Latrine!
Das ist xenophob! - Hast du was gegen saubere Toiletten?
Deshalb putzt du nie die Klos! - Doch!
Du weißt gar nicht, wie's geht!
Why are you smiling? No se ya. Hmm.
Hi!
Hi!
Geht's gut?
Ja.
* Räuspern * Ja. Habt ihr euch schon kennengelernt, Ines und du? Ja.
Ja, wir wohnen jetzt zusammen, aber das weißt du vielleicht schon.
Ja, in Nesodden.
Sie hat's mir gesagt. Schön, da! Ja.
Ja, sehr schön!
* Klirren *
* Lachen * Schnell, schnell! Was machen die da?
Ich nehme an, Krebse fangen. Weiß nicht. Ah ja?
Nicht schlecht! * Lachen *
Ja, ja.
Tradition!
Tradition?
Wir können ja ... zugucken.
* Klirren *
Siehst du, da unten? Ja, ja.
Krebse fangen, ist das überhaupt erlaubt? Natürlich nicht.
Aber die Jungsozialisten machen, was sie wollen. Nur zu wahr!
Und Gott sei Dank! Gott sei Dank!
* Leises Lachen *
Das haben wir früher auch gemacht, Robert und ich. Robert?
Ja, mein Bruder.
Wir waren oft hier, weißt du?
Er war Vorsitzender der Jungsozialisten in Hurum.
Großer Gewerkschafter.
Aber er ist dann leider sehr früh gestorben.
Woran?
Seine Lunge war hinüber, Industrieabgase.
Genau wie bei meinem Vater.
Du hast mir nie was von deinem Bruder erzählt.
Von deinem Vater übrigens auch nicht.
Ich erinnere mich kaum an sie.
Nur an das Skirennen.
Skifahren war seine Leidenschaft. Da war er wie du.
Keilhosen-Adel? * Lachen *
Die Arbeiter der Fabrik hatten in jedem Winter ihr Skirennen.
Mein Vater war ein guter Läufer.
Ich stand am Zieleinlauf und hab gejubelt, wenn er kam.
Aber plötzlich lag er am Boden ...
... und kam nicht mehr hoch.
Ich lief total entsetzt zu ihm.
Und hörte ihn sagen:
"Was soll jetzt bloß aus euch werden, mein Junge?"
Das waren seine letzten Worte.
Und ich hab nicht verstanden, was er meint.
Ja ... aber toll, dass wir wieder miteinander reden.
Das gab's schon lang nicht mehr.
Ja.
Es wär zu schön, wenn du recht hättest.
Was meinst du?
Na ja ... Wir haben nicht miteinander geredet.
Das hier hat nie stattgefunden.
Bist du sicher?
Nein.
Ja.
Du hast recht.
Ich kann mich auch nicht erinnern,
dass wir uns in Utoya begegnet sind.
Als du ankamst, war ich längst weg. Wir haben uns nicht getroffen.
* Schweres Ausatmen *
* Schweres Ein- und Ausatmen *
Also keine Versöhnung!
Nein.
Nein.
* Schweres Ein- und Ausatmen *
Nie wieder Freunde!
* Lachen *
Leute! - Hoooo!
Ja! * Jubelruf *
Guckt her!
♪ Gesang auf Norwegisch ♪
Der Kult-Song.
Was?
Von Utoya.
Kennst du nicht? Nein.
Echt nicht? Nein.
Musst du lernen.
"Wir sind die jungen Sozialisten von Utoya,
genau wie die meisten anderen Genossen, die wir kennen.
Das Wichtigste ist, dass ihr niemals vergesst,
dass ihr die Sozialisten von Utoya seid." Ah, ja.
♪ Gesang auf Norwegisch ♪
* Jubel-Schreie *
Copyright Untertitel: NDR 2024
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