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Untertitel: Norddeutscher Rundfunk 2024
* Hupen *
Komm. Ja, ja, ich bin ja schon da.
Schneller kann ich nicht.
Das Flugzeug wartet nicht. Na los!
Wohin willst du? - Oslo.
Was hast du in Oslo zu suchen? - Da ist mein Junge.
Holst du ihn nach Hause?
Ja, ich geb ihm geräuchertes Fleisch, damit er wieder auf die Beine kommt.
Er hat aufgehört zu essen.
Es ist ein Elend.
Komm, wir müssen uns beeilen.
* (Radio) ... dass das Misstrauen der Einwohner des Nordens
gegenüber dem Staat noch groß ist wie zu den Zeiten, als sie zu Fuß
in die Hauptstadt marschiert sind, um sich Gehör zu verschaffen. *
* (Archivton) Leute behaupten, das Wasserkraftwerk im Altatal *
sei ein Angriff auf die Rechte des samischen Volkes. *
* Was sagen Sie? *
Schon wieder so ein großer Lastwagen.
Ich hab ja keine Angst, aber man muss trotzdem was machen.
♪ Melancholische, perlende Klänge ♪
Du kannst nicht den ganzen Tag da liegen und lesen.
Ich komm ja schon.
♪ Traditionelle Musik ♪
Wo geht sie hin?
Falsche Richtung. Ich will doch nur ...
Hast du es Reiulf schon gesagt? Was?
Dass er raus ist?
Es war sein eigener Wunsch. Und er tritt einfach so ab?
Der will doch gar nicht für mich arbeiten.
Und Sissel wird deine Nachfolgerin?
Kari. Sissel bleibt Verwaltungsministerin.
Ich hab da einen Fleck, sieht man den?
Ja, wenn man genau hinguckt. So ein Mist.
Ist Kari Gjesteby nicht zu jung?
Der hat praktisch keine Erfahrung.
Ich hatte auch keine, als ich Ministerin wurde.
(Sie stöhnt) Was ist? Die Ohrringe. Was ist damit?
Neue Löcher tun am Anfang weh.
Ich wollte immer welche, aber Mama war dagegen.
Irgendwann muss man anfangen, eigene Entscheidungen zu treffen.
* Klopfen * Herein.
Ihr seid hier drin? Jemand hat gesagt ...
Nein, nein, komm rein. Kennt ihr euch?
Klar, der neue Staatssekretär? Ja, Wiktor Martinsen.
Freut mich, Martin. Ich bin Gro.
Ja, also ... Wiktor. Martinsen wär der ... Nachname.
Wir werden uns gut verstehen, Martin.
Hey!
Meine Schwester in der Hauptstadt.
Ja, so viele Leute hier in Oslo.
Ja. Und es werden jeden Tag mehr.
Mein armer Junge, ich hab dir was zu essen mitgebracht.
Danke, Mama, aber du weißt, ich ess nichts.
Wenigstens ein bisschen, wenn keiner hinsieht.
Nein, Mama, geht nicht.
Ich bin im Hungerstreik.
Gibst du mir was ab? Ich hab Hunger.
Du wirst sehen, wir schaffen es.
Wir haben sogar einen Ministerpräsidenten dazu gebracht
zurückzutreten.
Und ihr glaubt, Gro ist besser?
Besser? Die ist eine von uns!
Habt ihr schon mal versucht, mit ihr zu reden? Mit Gro?
Die rennt immer so, da kommst du gar nicht ran.
Immerhin hat sie es geschafft,
das Kraftwerk auf der Hardangervidda zu verhindern.
Hi, schön, dass ihr da seid.
Herzlich willkommen. Oder wie ihr sagt: Buorre beaivi.
War das richtig? - So ungefähr. Takk.
Ich find's fantastisch, dass ihr gekommen seid,
und ... äh ... wichtig!
Hattet ihr eine gute Reise? Ja, hatten wir.
Ich war auch in der Finnmark, im Sommer bei der Demonstration.
Wahnsinnig schöne Landschaft. Nur zu viele Mücken.
Da! Wo?
Das ist sie.
Gro, Gro!
Was machst du? Ich red mit ihr.
Die hat keine Zeit für dich.
(Rufe) Lasst den Fluss leben! Die Samen haben Rechte!
Tut mir leid, ich werd beim König erwartet.
Was wird Seine Majestät dazu sagen,
dass Norwegen von einer Frau regiert wird?
Ich bin mir gar nicht so sicher,
ob Seine Majestät überhaupt was dazu sagen wird.
Und was erhofft sich das Volk von Ihnen?
Ich kann Ihnen nur sagen, was ich mir persönlich erhoffe:
Nämlich das Land gut zu führen.
Das hat mit Mann oder Frau nichts zu tun.
Ihre Wähler und Wählerinnen haben Erwartungen.
Wir möchten Ihnen zum Amtsantritt gratulieren.
Oh, das ist aber nett.
Vielen Dank.
Wir sind in die Hauptstadt gekommen,
um unsere samischen Brüder zu unterstützen.
Und wir hoffen,
dass Sie als neue Regierungschefin unsere Sorgen verstehen.
Ja, die versteh ich vollkommen.
Und wir haben uns gefragt,
ob Sie vielleicht Zeit hätten, mit uns zu reden?
Ja, ich glaub, das lässt sich einrichten.
Ruft mein Büro an und vereinbart einen Termin.
Ja? Ja.
Und wir wünschen Ihnen viel Glück! Tausend Dank.
Gro, wir müssen los.
Ich kann die nicht abwimmeln.
Sie werden dich auffordern, das Kraftwerk zu kippen. Ja.
Das Wichtigste ist doch,
dass sie das Gefühl haben, sie werden gehört.
Wir sollen wir das zeitlich schaffen?
Das Gewerkschaftstreffen können wir verschieben.
Aber nicht das Interview mit Arne Olav und dir.
Was hat mein Familienleben ... ... mit dem Wahlkampf zu tun?
Das ist 'ne Chance -
wenn Arne Olav sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnt.
Denk dir halt was aus.
Komisch, ich hab nichts gegessen, aber ich hab gar keinen Hunger.
Man wird ja nicht jeden Tag Ministerpräsidentin. Nein.
Also nach der Begrüßung bist du dran und stellst dein Kabinett vor.
Ja.
Meine Damen und Herren, es ist mir eine Ehre,
Ihnen unsere neue Ministerpräsidentin vorzustellen.
Sie ist erst die fünfte Frau in der modernen Geschichte,
die es an die Hebel der Macht geschafft hat.
Nach Sirimavo Bandaranaike, Indira Gandhi ...
... Golda Meir und Margaret Thatcher.
Auf eventuelle Parallelen werde ich nicht eingehen.
So bleibt mir nur, das Wort jetzt an unsere neue Regierungschefin,
Ministerpräsidentin Gro Brundtland, weiterzugeben.
Sie wird Ihnen ihr Kabinett vorstellen
und hat sicher auch etwas zu seiner Zusammensetzung zu sagen.
Ja. Danke.
Um es gleich klarzustellen:
Wir haben uns darauf verständigt, dass es am besten ist,
Kontinuität zu wahren, soweit dies möglich ist.
Unnötige Änderungen an der Zusammensetzung des Kabinetts
zu vermeiden.
Einige Nachjustierungen waren unvermeidbar.
Die haben uns zu Umbesetzungen zwischen den Ressorts veranlasst.
Diese betreffen folgende Ressorts:
Haben Sie dazu Fragen?
Geir. - Ja.
Angenommen, der Parteitag bittet Sie,
auch noch die Führung der Partei zu übernehmen.
Wie würden Sie darauf reagieren?
Da kann ich nur meine persönliche Meinung äußern.
Es gibt dazu auch andere Ansichten, die ich respektiere.
Und doch bleibe ich bei meiner persönlichen Auffassung:
Es ist meist das Naheliegendste, wenn das Amt des Ministerpräsidenten
und die Führung der Partei in denselben Händen liegen.
Ja, Britt!
Und wer macht bei euch den Abwasch? Wie bitte?
Wer macht bei euch zu Haus den Abwasch?
Ich normalerweise.
Aber Gro hilft mir, wenn sie rechtzeitig zu Hause ist.
Arne Olav will immer Spülmittel sparen, deshalb.
Sie sind Anhänger der konservativen Partei?
Das führt bestimmt zu heißen Debatten.
Wir sind ja schon ein paar Jahre verheiratet.
Da lernt man,
Meinungsverschiedenheiten auszuhalten.
Ingjald sagt, dass wir das Thema möglichst vermeiden sollen. Gut.
Für Gro ist es also in Ordnung,
wenn Sie bei den Wahlen für Kare Willoch stimmen?
Gro weiß, wen ich wähle.
Aber wir haben durchaus noch andere Themen zu besprechen.
Gro, wie schaffen Sie es,
die drei Aufgaben unter einen Hut zu bringen:
Ministerpräsidentin, Mutter und Ehefrau?
Das ist natürlich eine Herausforderung.
Aber, wie Arne Olav so schön sagt:
Wir machen das schon ein paar Jahre lang.
Bisher haben wir noch immer einen Weg gefunden.
Sie müssen sich das als eine Art GmbH vorstellen,
die Harlem-Brundtland-GmbH.
Ich bin natürlich nur der Geschäftsführer.
Sie sind eine Familie mit beschränkter Haftung?
Das war nur ein Witz.
Ich hätte auch sagen können, dass wir als Team funktionieren.
Bestenfalls kann ich alles machen, wie ich es mir vorstelle.
Da muss Gro ihr Kontrollbedürfnis manchmal ein bisschen zurückstellen.
Ja, leider.
Und die Kinder ziehen am gleichen Strang. Ja.
Was gibt es heute, Ivar? - Fischstäbchen!
Die GmbH steht total auf Fischstäbchen.
Auf Fisch in allen Variationen:
Fisch-Kroketten, Fisch-Koteletten, Fisch-Kastagnetten.
Vielleicht ist das mit der GmbH nicht so gut angekommen.
Nein.
Ich glaub nicht,
dass diese Frauenzeitschriften an Politik interessiert sind.
Aber danke, dass du mitmachst.
Ingjald sagt, das ist wichtig für den Wahlkampf.
Dann hätte ich mal nicht so sympathisch wirken sollen. Was?
"Wählt bloß nicht Gro! Sie ist ein Haustyrann!"
"Nie krieg ich ein Stück Schokolade!"
"Sie bohrt in der Nase und isst die Popel!"
Ist doch gar nicht wahr! Und sie trägt Sandalen mit Socken.
Sei nicht so ein Ekel!
* (Fernseher) ... campieren die Samen vor dem Parlament in Oslo. *
* Sie wollen den Stopp der Pläne fürs Wasserkraftwerk am Altatal. *
Sie geben nicht auf.
* Nachdem die Regierung Nordli diese Forderungen ablehnte,
begannen die Aktivisten einen Hungerstreik. *
* Die Polizei ging gegen die Proteste vor,
mit großer Härte, wie Augenzeugen berichten. *
Schwieriges Thema.
* Es sind auch Samen aus anderen Ländern angereist. *
* Die internationale Presse berichtete. *
Hallo, guten Morgen.
Hey, willkommen! Danke.
Sind die für mich? Ja, natürlich.
Komm rein, Gro. Wir wären so weit.
Guten Morgen!
"Odvar Nordli: Mein Weg, Erinnerungen und Ansichten".
(sprechen samisch)
Ja, hallo, guten Morgen.
Sie haben einen Termin bei der Ministerpräsidentin?
Ja, haben wir.
Und wer genau, wenn ich fragen darf? Alle zusammen.
Ach so, ähm ...
* Klopfen * Ja?
Na, wie fühlt sich das an? Gut!
Meinst du, man kriegt den Rauchgeruch aus den Vorhängen?
Nein, der sitzt zu fest drin. Wahrscheinlich.
Ähm ... die samischen Frauen sind da.
Ja, gut, lass sie rein.
Ähm ... im Konferenzraum, würd ich sagen.
Wieso?
Bures.
Guten Tag, guten Tag.
Guten Tag.
Ist Harriet da?
Ähm ...
Hey, hey. Ja.
Ja, guten Tag. Bures.
Dir auch guten Tag, meine Kleine. Bures.
Dann schlag ich vor, wir setzen uns erst mal.
Wie ihr sicher wisst, kümmert sich die Regierung eingehend
um die Sorgen und Probleme, die es in der Finnmark gibt.
Besonders natürlich um die Rechte der Samen.
Bereits im Februar ist auf Regierungsebene
ein Treffen mit den Vertretern eurer Volksgruppe geplant.
Es gibt ja schon seit 1964 den Samenrat,
der die Regierung berät.
Der wird neben anderen Gruppen an den Beratungen teilnehmen.
Ich kann mich noch nicht zu konkreten Maßnahmen äußern.
Die müssen wir im Kabinett erst diskutieren.
Ich habe leider heute noch ziemlich viele Termine.
Aber ich hoffe, ein bisschen Zeit ist noch da.
Wir sind hergeflogen, um die Regierung zu bitten,
die Pläne für das Wasserkraftwerk am Altatal aufzugeben.
Darüber hat das norwegische Parlament entschieden,
und es gibt ein Gesetz dazu, sogar drei Gesetze.
Aber diese Entscheidung beruht auf falschen Informationen,
und auf Gutachten voller Fehler und Irrtümer.
Ich glaube nicht, dass die Informationen falsch waren.
Vielleicht kann die Ministerin darüber besser Auskunft geben.
Sie hat sich mit dem Thema intensiver befasst als ich.
Die Informationen beruhen auf der Expertise von Spezialisten,
die sich sehr gründlich mit dem Thema befasst haben.
Die Entwicklung des Altatals wird viele Arbeitsplätze schaffen.
Wir erwarten, dass die Region davon
sehr nachhaltige und positive ökonomische Impulse bezieht.
Durch Rückmeldungen von Verbänden ...
Bei allem Respekt ...
Das haben wir schon tausendmal gehört.
Wir sind hier, um zu erfahren:
Hat die neue Ministerpräsidentin vor,
sich um unsere Sorgen und Einwände zu kümmern oder nicht?
Eine Ministerpräsidentin kann sich nicht einfach
über Beschlüsse des Parlaments hinwegsetzen.
Ich glaub, das könnten Sie doch.
Wenn Sie verstehen,
dass wir mit diesem Wasserkraftwerk alles verlieren.
Unsere ganze Existenz, alles, wovon wir leben:
Die Fischbestände, die Rentiere, die Weiden.
Eine ganze Stadt, Maze, soll überflutet werden.
Wenn das passiert, guckt nur noch der Kirchturm aus dem Stausee.
Entschuldigung, das ist nicht richtig.
Es wurde beschlossen, dass der Ort nicht überflutet wird.
Haben wir das nicht kommuniziert?
Die Menschen haben Angst um ihre Zukunft!
Und nicht nur um ihre private wirtschaftliche Zukunft,
sondern auch um unsere Traditionen und unsere Kultur.
Um alles, was unser Leben ausmacht.
(flüstert) Raus mit der Presse.
Können wir uns bitte zurückziehen, Leute?
Die Ministerpräsidentin würde gerne mit den Damen allein reden.
Wenn ich bitten darf.
Die Sache ist leider die:
Ein Ministerpräsident kann nicht einfach machen ...
Unsere Brüder und die Söhne der Mütter, die hier sitzen,
sind da draußen und hungern.
Ja, ich weiß.
Verstehen Sie dann auch,
dass wir bereit sind, für die Sache zu sterben?
Wollen Sie das zulassen?
Das Wichtigste ist doch, die Dinge realistisch zu sehen.
Tatsache ist, dass das Projekt genehmigt ist.
Und ich kann nur wiederholen,
dass ich als Ministerpräsidentin an bestehende Gesetze gebunden bin.
Dann frage ich Sie nicht als Ministerpräsidentin,
sondern ich frage Sie als Frau, ich frage Sie als Mutter:
Wenn das da draußen Ihre Kinder wären, Ihre Zukunft:
Was würden Sie tun?
Wir haben wirklich keine Zeit mehr, ich hab einen Termin.
Ja, die sind schon da.
Die Ministerpräsidentin muss schon gehen?
Es tut mir leid, aber ich hab ein Wahnsinnsprogramm.
Aber wir sind doch noch gar nicht fertig.
Nein, aber ich weiß Bescheid.
Ich weiß, was euch bedrückt. Und ich verstehe euch wirklich.
Aber Sie kommen doch wieder?
Ja, später. Ja, nach ... Wann?
Nicht vor eins, oder?
Um eins sind Sie wieder da?
Also eher so, sagen wir, um 13.30 Uhr.
Aber ich hab einen Wahnsinnstag vor mir.
Harriet wird sich um euch kümmern und alle Fragen beantworten.
Ja ...
Was für Fragen habt ihr denn noch? Ich meine, an mich?
Und jetzt?
Die Vereidigung im Kabinett, dann der Empfang beim König,
danach die erste Kabinettssitzung mit Kaffee und Kuchen.
♪ Angespannte Klänge ♪
Was ist? Nichts.
Was macht ihr?
Sie hat doch gesagt, sie kommt wieder.
Wir sind vom Sender.
Darf ich euch ein paar Fragen stellen?
Ja, natürlich.
Moment mal. Nein, nein, das Treffen ist vorbei.
Die Ministerpräsidentin hat nach dem Treffen
den Konferenzraum fluchtartig verlassen.
Haben Sie die Antworten bekommen, die Sie sich erhofft haben?
Das kann man leider nicht sagen.
Haben Sie sich mehr erhofft von der Ministerpräsidentin
als vom ehemaligen Regierungschef?
Und Gro Harlem Brundtland war ja auch mal Umweltministerin.
Also haben wir gehofft, dass sie vielleicht
mehr Verständnis für unsere Kultur und unsere Ängste hat.
Ich danke Ihnen. Wir sind noch nicht fertig.
Wir bleiben hier,
bis sie wiederkommt und sich anhört, was wir zu sagen haben.
Und ich bin ganz sicher,
dass ich für alle Frauen spreche, die hier versammelt sind.
Ihr wollt also Antworten?
Wir wollen ernst genommen werden. Wir bleiben.
Gro, wir haben ein Problem.
Keine Angst, kein großes, aber in deinem Büro ...
Was ist da?
Die samischen Frauen wollen nicht gehen.
Wieso nicht?
Wiktor sagt, du hättest versprochen, dass du wiederkommst.
Wiktor?
Martin.
Mist!
Ich hab nur gesagt, dass ich in mein Büro zurückkomme.
Und das werd ich auch. In mein Büro.
Das Treffen ist vorbei. Vorbei, verstehst du?
Mach ihnen das bitte klar.
Das habe ich schon versucht.
Was wollen sie noch?
Sie wollen, dass du dich dafür einsetzt,
das Wasserkraftwerk zu verhindern.
Das kann ich nicht einfach so.
Hab ich ihnen auch erklärt.
Selbst wenn es richtig wäre, es zu verhindern: Gesetz ist eben Gesetz.
Also, man könnte daran denken,
das mit der Vertrauensfrage zu verknüpfen.
Vertrauensfrage?
Ich würde mit Rücktritt drohen, um ein Projekt zu kippen,
das meine eigenen Partei durchgesetzt hat? Ja.
Nach einer Woche im Amt? Nicht, dass ich es vorschlage.
Was soll das bringen?
Das Wasserkraftwerk wird trotzdem gebaut.
Das wäre ein symbolischer Akt ohne Sinn und Zweck.
Aber es hätte ein gewaltiges Medienecho.
Es ist wahrscheinlich das, was die hören wollen.
Und es wäre ein bisschen mehr als: "Ist eben so, tut uns leid."
Wenn ich jedes Mal zurücktrete, wenn jemand unzufrieden ist,
dann können wir gleich einpacken.
Warum holen wir nicht die Polizei?
Um sie vor der Presse abführen zu lassen?
Nein, das geht überhaupt nicht.
Wir müssen mit ihnen reden.
Wir haben doch diesen Koordinator für samische Angelegenheiten im ...
... Kommunalministerium.
Regnor? Ja, der kann auch Samisch.
Der kann ihnen alles viel besser erklären.
Sehr gute Idee.
Der soll ihnen sagen, dass es mir schrecklich leid tut.
Dass ich ihre Bedenken gut verstehe, aber leider nichts tun kann.
Okay.
Außerdem ist Freitag.
Die halten das nicht noch zwei Tage durch.
* (Radio) Dabei begann alles so harmonisch. *
* Eine strahlende Ministerpräsidentin
und Harriet Andreassen, Ministerin für Kommunalverwaltung und Arbeit
begrüßen die 14 samischen Frauen und ein fünfjähriges Mädchen,
das sie mitgebracht haben. *
* Die neue Regierungschefin eröffnet das Treffen mit dem Hinweis
auf das Engagement der Exekutive für die Rechte der Samen ... *
(Sprechen samisch)
Also ... ähm ...
Wir ...
Wir sind hier in Vertretung der Ministerpräsidentin.
Wenn Sie ihr etwas mitteilen wollen, dann ...
... dann sind wir gerne bereit, es ihr zu sagen.
Kann ich sonst noch was für euch tun?
Was zu trinken, Tee, was zu essen?
Ante Gaup? Ich hab nur eine Frage.
Was sagen Sie, dass Ihre Mutter und Schwester
sich bei der Ministerpräsidentin verbarrikadiert haben?
Verbarrikadiert?
Ja, sie weigern sich zu gehen.
Was machen die da, zum Teufel?
Sie zieht meine Mutter da rein.
Das ist Hausfriedensbruch, das ist strafbar!
Wo gehst du hin? Geht's dir nicht gut?
Ist alles okay?
Mischka, warte auf mich.
Test, Test, hört ihr mich?
* Wir lassen nicht locker, wir haben sie bald so weit! *
Meine Damen, es ist nicht einfach, euch zu helfen,
wenn man nicht versteht, was ihr sagt.
Sie sagen, dass ...
(Sprechen samisch)
Meine Damen, lassen Sie uns wie Erwachsene miteinander reden.
(Rufe) Lasst den Fluss leben! Die Samen haben recht!
Lasst den Fluss leben! Die Samen haben recht!
Jetzt sind sie schon im Gebäude. Ist das ein Problem?
Die Polizei ist verständigt.
Wie sieht es aus da drin?
Da bewegt sich nichts. - Haben die nicht irgendwann genug?
Wann ist Gro wieder da?
Die Kabinettssitzung ist um halb vier.
Können sie die nicht woanders abhalten?
Gro muss wissen, dass die hier drin sind,
bevor sie wiederkommt.
Die tun ihr schon nichts. Natürlich, aber man weiß nie.
(Sprechen samisch)
Schreibt auf die Zettel: Wir geben nicht auf!
Warum? Macht es einfach.
Jetzt faltet die Zettel zusammen.
Nicht hier rein - heute nicht!
Der Konferenzraum ist heute nicht ...
Die Kabinettssitzung findet im Büro statt.
Es wäre natürlich einfacher, wenn Sie ...
Danke.
Vielen Dank.
Sind sie noch da? Ja, wir müssen ins Büro ausweichen.
Was machen die da?
Sie haben Zettel aus dem Fenster geworfen. Hä?
Um sich mit den Demonstranten zu verständigen.
Zettel? Ja.
Hast du ihnen gesagt, dass ich keine Zeit hab?
Ich muss zu dem ... Freitagskaffee.
So habe ich es nicht genannt.
Ingjald, was ist?
Sie ist also doch gekommen.
Ja, sie hat eine Kabinettssitzung und ...
Können Sie ihr bitte sagen,
dass wir auf sie warten, bis sie fertig ist. Ja.
Bures.
Hey, gehen wir in ihr Büro, weil ...
... der Konferenzraum ist äh ...
Wir machen das in ihrem Büro heute.
Ja, bitte hier, okay.
Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um euch allen zu sagen,
wie sehr ich mich darauf freue, mit dieser neuen Regierung ...
Was sagst du da?
Was ist denn mit dir los?
Ich bin sehr zuversichtlich,
dass unsere Regierung im Geist der Kollegialität und ...
Entschuldige, was soll das sein - eine verschlüsselte Botschaft?
Nein. Nein?
Ich dachte, wir sitzen hier gemütlich beim Kaffee.
Aber du redest so ...
Das ist kein Spaß hier.
Das ist die erste Sitzung des neuen Kabinetts, also bitte.
Das schließt nicht aus, dass es gemütlich ist -
als Einstimmung in unsere künftige Zusammenarbeit.
Ich finde trotzdem, wir sollten mit ihnen reden.
Das haben wir versucht. Natürlich.
Es ist ja nicht ganz unberechtigt - die Überflutung durch den Stausee ...
Das wollen wir nicht vertiefen, Sissel.
Wir sind uns alle im Klaren darüber,
was das bedeutet und wie komplex die Situation ...
* Hintergrund-Gesang der Nationalhymne Norwegens *
Alles unter Kontrolle?
Die Polizei ist unterwegs.
Aber bis alles unter Kontrolle ist und die Leute nach Hause gehen,
das kann dauern.
Und was ist mit denen da drin?
Da gibt's nichts Neues.
Ist das kleine Mädchen noch da?
Haben sie was zu essen?
Ich glaub nicht.
So, das ist für euch!
Und die Ministerpräsidentin?
Die Ministerpräsidentin fährt gleich nach Hause ins Wochenende.
Nach Hause?
Ja, richtig. -
Und wir auch, also die Angestellten.
So nach und nach ...
Und wenn Sie, ...
... noch bis in die Nacht hier sitzenbleiben, ...
... dann wird womöglich jemand die Polizei holen.
Die Polizei?
(Sprechen samisch)
Dürfen wir die Toilette benutzen? Ja.
♪ Wuchtige, bassige Musik ♪
* Gerufene Parolen *
Wie lange bleiben sie noch da drin?
Deine Mutter und deine Schwester, im Büro der Ministerpräsidentin.
Wir machen Sie darauf aufmerksam,
dass Sie das Gebäude unbefugt betreten haben.
Es handelt sich um einen Straftatbestand.
Sie werden aufgefordert, das Haus zu verlassen.
Sonst müssen wir Sie festnehmen.
Können Sie das bitte übersetzen?
Hier sind Samen, die eure Sprache nicht können.
Wenn ihr dem nicht Folge leistet, werden wir das Gebäude räumen.
Hej, alles okay?
Gebt uns 'ne Sekunde.
Hej, ihr seht doch, es geht ihm nicht gut!
Passt auf! Das könnt ihr doch nicht machen.
Ante!
Er braucht Hilfe!
Hej! Scheiß Polizisten!
Seid ihr taub?
Ein Arzt, verdammt!
* (Funk) Eine Ambulanz bitte zum Einsatzort. *
♪ Melancholische Klänge ♪
Ja, schönes Wochenende.
(Spricht samisch und übersetzt den Radiobericht)
♪ Samischer Gesang ♪
* Klopfen *
* Wir haben die Kontrolle über die Lobby zurück. *
Und der Konferenzraum?
Das diskutieren wir mit der Polizei.
Können wir die Polizei nicht raushalten?
* Wir müssen das anders lösen. * * Seh ich auch so. *
* Aber sie wollen mit dir reden, mit niemandem sonst. *
* Am besten wir warten, bis die Presse weg ist,
bevor wir die Polizei auf sie loslassen. *
Gut, ich fahr dann nach Hause, aber ...
Ja.
Ja, mach das.
Wir kriegen das schon hin.
Gut.
Wiktor, du machst nur deinen Job.
Hältst du die Stellung? Ja.
* Leises Atmen *
* Leise Polizeisirene *
Wir holen die jetzt raus - grünes Licht vom Justizministerium.
Okay.
Aber die Presse ist immer noch da. Wir haben uns was überlegt.
Aber bitte mit Verständnis und Respekt, ja?
So weit das möglich ist, ja.
♪ Gedrückte, dunkle Musik ♪
Polizei!
Wenn ich bitten darf, meine Damen! Machen Sie es nicht noch schlimmer.
Lasst mich los, ich kann alleine gehen. Vorwärts!
Na los!
Weiter, weiter, weiter!
Was wollt ihr von uns? In den Keller!
Kommt schon.
Gleich da!
Die verstehen nicht, was ihr sagt. Komm, komm, komm! Und wohin?
Egal, setzt euch da vorne rein.
Geht's etwas schneller?
Rauf da!
Passt auf eure Füße auf!
♪ Gedrückte, dunkle Klänge ♪
♪ Traditioneller samischer Gesang ♪
♪ Dunkle, gedrückte Klänge ♪
* Gebell *
* Gebell *
♪ Dunkle, gedrückte Klänge ♪
♪ Dunkle, gedrückte Klänge ♪
* Samisches Stimmgewirr *
Guten Morgen.
Guten Morgen. Guten Morgen.
Lange Nacht!
Ja, ... das schon.
Ich sorg dafür,
dass du nächste Woche etwas Schlaf nachholen kannst.
Hier, die Notizen für die Radiodebatte.
Danke. Ja ...
Stammt das Zitat hier von Kare Willoch oder von Benkow?
Von Willoch.
Was ist?
Wir müssen in einer halben Stunde beim Sender sein, der Wagen wartet.
Augenblick noch, warte.
Gro?
Gro!
Es kann losgehen.
Copyright Untertitel: NDR 2024
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