All language subtitles for Sound of Falling (2025) (1080p BluRay x265 10bit r00t)_track6_[ger]

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Original subtitles

Erika!

Erika!

Du sollst die Schweine in den Stall bringen!

Erika!

Erika, die Schweine!

Erika!

Erika!

Erika! Du sollst endlich die Schweine in den Stall bringen!

Die Luft ist rein.

Rein.

Komm, komm, komm.

Pst.

Komm, komm, komm.

Berta? - Berta?

Berta?

Berta? - Berta?

Berta? - Berta?

Ihr Schlingel!

Ihr könnt was erleben!

Los, beeil dich. Es sind schon alle da.

Für mich? - Hat Mutter dir rausgelegt.

Heute wird doch der Toten gedacht.

Los, zieh dich an.

Was muss man denn tun ?

Schau einfach, wie es die anderen machen.

Heiliger ewiger Gott ...

Heiliger ewiger Gott.

Wir gedenken heute der Menschen,

die du aus unserer Mitte gerufen hast,

und denken auch daran,

dass wir selbst einmal sterben müssen.

Mutter muss wieder würgen.

Ihr Magen macht auch, was er will.

In der Stille hört es jeder.

Aber alle tun so, als hören sie es nicht.

Einmal blinzeln heißt: Ich hab dich lieb.

Und zweimal blinzeln heißt: Ich hab dich ganz doll lieb.

Wir führen Strichliste,

wer am meisten Blinzler von der Mutter kriegt.

Hedda liegt meistens vorn.

Aber nur, weil sie unser Krüppelchen ist.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsre Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen, denn dein ist das ...

La, la, la

Und?

Denkst du, nächstes Jahr stehst du auch auf der Anrichte?

Ich habe keine Angst.

Vorm Tod brauchst du keine haben. - Nein.

Ich habe keine Angst.

Aber in die Kiste gehe ich nicht, das sage ich dir.

Weiß ja keiner, was einem da so ...

passiert, was man mitkriegt, was sie da mit einem anstellen.

Kann ja überhaupt keiner sagen, ...

was man da mitkriegt, was sie da machen mit einem.

Ich habe sie alle sterben sehen.

Ich habe sie alle überlebt.

Deine Mutter auch.

Ja, meine Fanni. - Weiß ich doch. Weiß ich doch.

Ja. - Tschüss.

Der stülpst du einen Kartoffelsack über

und machst es fürs Vaterland.

Pst. Pst.

Pst. Pst.

Sieht aus wie Mutter.

Das ist Mutter.

Wer ist das Mädchen?

Alma.

Gar nicht wahr.

Doch.

Das ist Alma.

Aber ich bin doch Alma.

Sie sieht aus wie du.

Vielleicht ist ja ihr Geist auf dich übergegangen.

Vielleicht bist du gar nicht du, sondern sie.

Ich glaube, sie schläft bloß.

Sie sieht nicht aus, als ob sie tot ist.

Vielleicht dachten sie nur, sie ist tot,

und begruben sie aus Versehen lebendig.

Ja, sie hat die Zuckerrüben gestohlen

und isst sie nun seelenruhig auf in ihrem Sarg.

Pst.

Wie alt war sie, als sie gestorben ist?

Sieben.

Wieso ist sie denn so früh gestorben?

Weiß nicht.

Sie war kränklich.

Und irgendwann ...

ist sie einfach nicht mehr aufgewacht.

Lia?

Mhm.

Was heißt denn, sie ist einfach nicht mehr aufgewacht?

Schlaf, Alma.

Was ist denn, wenn man tot ist?

Na, nüscht.

Das war nur ein Traum.

Mama?

Ja?

Weißt du, was sich komisch finde?

Was denn?

Wenn ich eine Türklinke anschaue,

weiß ich ganz genau, wie sie schmeckt.

Obwohl ich noch nie eine abgeleckt habe.

Ist das nicht komisch?

Mhm.

Das liegt bestimmt daran, dass du

immer alles in deinen Mund gesteckt hast.

Zigaretten vom Boden, Hundekacke ...

Ih! - Gar nicht wahr.

Doch.

Aber wie soll ich als Baby an die Türklinke rangekommen sein?

Jetzt wird geschlafen.

Hast du die Container schon bestellt?

Scheiße.

Da habe ich vergessen, zurückzurufen.

Bestell diesmal zwei kleine und nicht wieder so einen großen, ja?

Und sag ihnen, dass sie sie ganz dicht ans Haus stellen sollen.

Dann kann ich mit Lenka Schutt rausschütten.

Mhm.

Wer war denn das?

Dieses Mädchen.

Von ein paar Häuser weiter.

Die Tochter von dem, ähm ...

Ähm, dings, hier ...

Wo die Mutter gestorben ist.

Warm.

Nelly, weg da, der ist schwer.

So, warte, so.

Hab dich.

Buh!

Okay. Weiter geht's.

Jetzt musst du mal dein rechtes Auge zuhalten.

So? - Genau.

Und mit dem linken schaust du hier auf das Kreuz.

Mhm. - Genau.

Und jetzt ganz langsam drauf zubewegen.

Ja.

Und wenn jetzt der Punkt auf deinen Blinden Fleck trifft,

dann kannst du den nicht mehr sehen.

Hat funktioniert? - Ja, der war weg. Das gibt's nicht.

Einfach weg? - Na ja.

Das nennt man buchstäblich Blinder Fleck.

Hat der Optiker gesagt. - Willst du auch probieren?

Das ist echt ein Phänomen. - So, wie? Links zu?

Also, das musst du zuhalten, das Auge.

Und dann ... Warte mal. - So rum.

Zeig doch mal die Brille, die du dir ausgesucht hast.

Bei mir geht da gar nichts weg.

Ja, weil du es falsch machst. Ich erkläre es dir nachher noch mal.

Nu, schick.

Das ist schon ein Ding, wa, wenn du dir überlegst,

dass die Welt in Wirklichkeit nämlich auf dem Kopf steht.

Ja, das hat der Optiker gesagt.

Das Hirn muss das immer erst alles spiegeln,

bevor das richtig bei uns in der Birne ankommt, ja.

Aber ob das immer so bei allen funktioniert?

Na, ich sage mal so: Bis auf bei dir, ne?

Na komm. - Ey.

Gib her.

Was soll denn das? - Na mach mal.

Jetzt zieh mal nicht so eine Fleppe. Es gibt Schlimmeres.

Hast du Onkel Uwe gedankt, dass er dich in die Stadt fuhr?

Braucht sie nicht. Habe ich gern gemacht.

Setz dich hin jetzt.

Was ist denn jetzt?

Hast du die Brille? Zeig mal.

Na, sieht doch schick aus.

Oh. Hast du Zuckerkuchen gemacht? - Ja.

Gib mir ein Stück, bitte. - Oh nee, komm rein.

Angelika. Hm?

Du, Uwe? - Hm?

Das kann ich nicht leiden. - Die Hydraulik läuft nicht.

Schon wieder? - Ja.

Kommst du nachher mit gucken?

Na klar. - Du krümelst alles voll.

Den Zug bis zur Hüfte halten!

Rainer, nu los!

Die Pause ist vorn!

Zwei Wochen noch.

Kriege ich hin.

Bis dahin musst du es hinkriegen.

Die anderen schlafen ja auch nicht.

Mit ein bisschen mehr Spannung geht das.

Dann guck mal, wo du die herkriegst.

Jeden Tag die Abläufe.

Du hast ja jetzt Zeit, kannst jeden Tag einmal rein.

Angelika, top.

Aber du verbrauchst immer noch zu viel Kraft.

Schöne lange Züge, ne? Und durchziehen.

Auf die ganze Strecke schaffst du das nicht, das Tempo.

Macht euch das bewusst, ne? Die Abläufe.

Jeden Abend vorm ins Bett gehen.

Die Abläufe durchgehen.

Ich tat oft, als merke ich nicht,

wie sie mich angucken.

Als wäre ich ganz versunken in meinen Gedanken.

Dabei war eigentlich ich es,

die sie heimlich dabei beobachtet hat,

wie sie mich anschauen.

Mama, guck mal.

Jetzt kann ich es sogar mit einem Arm. Guck!

Mann, Mama, du hast gar nicht geguckt.

Doch, Süße, es war toll.

Gar nicht wahr, du hast nicht hingeguckt.

Woher willst du das wissen? Du warst unter Wasser.

Komm, zeig es mir noch mal.

Toll!

Guck mal.

Und eins und zwei und drei und vier.

Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm,

und vor, zurück, zur Seite ran.

Und eins und zwei und drei und vier,

ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm,

und vor, zurück, zur Seite ran.

Und eins und zwei und drei und vier ...

Mama!

Nelly?

Nelly!

Nelly!

Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm,

und vor, zurück, zur Seite, ran.

Und eins und zwei und drei und vier,

ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm,

und vor, zurück, zur Seite, ran.

Ich liebe, wenn die Haut so modrig nach Fluss riecht.

Und Kellergeruch, ich weiß.

Ich liebe Kellergeruch.

Ich bin süchtig nach Kellergeruch.

Und Nagellack. - Ja.

Aber nicht so doll wie Kellergeruch.

Zuerst Kellergeruch. - Papa kommt.

Dann Fluss-auf-der-Haut-Geruch. Und dann Nagellack.

Papa!

Leck mich am Arsch, ist das schön hier.

Haben wir es schön hier, Kinder?

Ja!

Ich kann jetzt mit einem Arm unter Wasser Handstand machen.

Ja, richtig cool.

Und ich habe schwarzen Sand gefunden.

Schlamm, Sand. Hast du Hunger?

Wir haben hier oben Brot und Käse und Wurst.

Und Wein.

Ich habe einen Grashüpfer gesehen.

Ja, stimmt, einen großen, grünen Grashüpfer.

Was machst denn du? Der macht immer so einen Unsinn.

Zu dumm, dass man nie weiß, wenn man am glücklichsten ist.

Acht, neun, zehn.

Eins, zwei, drei.

Die zählt dreifach. - Mindestens.

Sieben, acht, neun.

Zehn.

Elf. - Elf.

Gewonnen.

Warm.

Tut's weh?

Quatsch.

Los, wer als Erstes bei der Eiche ist.

We're walking in a curved line

Into something new

The birds are watching

Every step I take

Beneath the stars

Beneath the moon there is a hole

It's covered up in darkness ...

Mach mal einen Knoten.

But then there is something

Moving against me

It's not in line with what I know

Changing the heart

Changing the spirit

Changing my path ...

Uwe! Uwe! ...

Jetzt zeige ich euch, wie das geht.

Uwe, oh!

Das gilt nicht!

Das ist nicht mein Fahrrad! Komm, ich mache noch mal!

Uwe! Uwe! ...

Kein Wunder, dass das nicht geht.

Jetzt muss es sitzen, hm?

Ja, kommt!

Jawoll! Ich habe ihn.

Jawoll.

Hopp.

Rein in den Bottich! - Hier, fang auf.

Volker! Volker! ...

Du schaffst das nicht!

Jetzt ist die Irm dran!

Irm. - Irm! Irm! ...

Das schaffst du.

Irm!

Na komm schon!

Oh.

Ich habe kein Glück bei so was.

Das hat doch mit Glück nichts zu tun.

Oh.

Komm. Kann wer anders? - Nee.

Los. - Mach einfach.

Probier es noch mal. Auf Start.

Komm, ich mache jetzt.

Ich bin dran!

Los, Geli!

Angelika! Angelika! ...

Angelika! Angelika!

Jetzt? - Mh-hm.

Jetzt?

Jetzt?

Jetzt?

Du hast ja einen Steifen.

Ih!

Nicht wahr.

Steh auf. - Zeig mal.

Nee, lieber nicht. - Steh mal auf.

So eklig. - Los, mach dich nackig.

Aufstehen!

Hose runter. Zieh sie ihm runter.

Was willst du sehen, so klein wie der ist?

Los, Rainer, steh auf.

Aufstehen.

Hose runter! - Aufstehen! ...

Ausziehen!

Macht's gut.

Einfach hier.

Fährst du mich noch nach Glöwisch?

Glöwisch.

Was willst du in Glöwisch?

Disse?

Vielleicht.

Wo warst denn du vorhin so lange?

Mit den anderen Schnaps trinken.

Fährst du mich jetzt nach Glöwisch?

Tut mir leid.

Ich habe schon was anderes vor.

Und wie kommt du jetzt nach Glöwisch?

Los, ab nach Hause mit euch!

War doch gut heute, hat alles geklappt.

Alle hatten ihren Spaß.

Essen hat auch gereicht.

Ich habe lange nicht so viel gelacht.

Ein bisschen Nudelsalat ist noch übrig für uns.

Die Kinder waren auch lustig.

Die Anna habe ich noch nie so lachen sehen.

Die mäkelt ja sonst immer rum.

Gut, dass ich noch Kuchen gebacken hatte.

Hätte sonst wohl nicht gereicht.

Ich erinnere mich, dass Mutti nie wusste,

wann sie lachen soll.

Wenn mal was lustig war, hat sie jedenfalls nicht gelacht.

Dafür aber, wenn es nichts zu lachen gab.

Wenn was Schlimmes passiert ist zum Beispiel.

Wenn jemand gestorben ist, hat sie plötzlich grinsen müssen.

Sie wollte das nicht, ihr Körper hat das ganz von alleine gemacht.

Und umso mehr sie versucht hat, nicht zu grinsen,

umso stärker wurde es,

bis sie einen richtigen Lachkrampf bekommen hat.

Sie hat die Hand vor den Mund gehalten, damit es niemand sieht,

und ist dabei rot geworden.

Es ist schon komisch, dass man rot wird, wenn man sich schämt.

Und dann noch so am Kopf, sodass es jeder sieht.

Wir haben Mutti zum Geburtstag mal einen Streich gespielt.

Vati hatte die Idee.

Ich glaube, er wollte Mutti immer zum Lachen bringen.

Geklappt hat's nie.

Hoch soll sie leben

Dreimal hoch

Hoch soll sie leben

Dreimal hoch

Hoch, hoch, hoch!

Alles Gute, Mutti! - Alt soll sie werden

Alt soll sie werden

Dreimal alt

Hallo.

Das freut mich, dass ihr euch kennengelernt habt.

Lenka kennt hier ja noch gar keinen.

Gibt ja auch niemanden hier.

Hm.

Wie geht's denn deinem Papa so?

Gut. Muss ja.

Hm ...

Kann ich mal bei euch übernachten?

Also ...

Ja.

Also ... Ja, wenn ihr das gerne möchtet.

Heute?

Da müssen wir erst mal deinen Papa fragen.

Du hast ja ein schickes Handy.

Lila.

Hat meiner Mutter gehört.

Habe ich von ihr geerbt.

Ja, ich bin es.

Die Mutti von meiner neuen Freundin wollte dich mal was fragen.

Hallo?

Ja, hier ... Ja, ja, hier ist die Christa aus der Nummer 10. Ja.

Mhm, die Berlinerin.

Ähm ... Ja. Ihre Tochter ist gerade bei uns ...

Gute Nacht.

Gute Nacht. - Schlaft gut.

Schlaf gut.

Wenn irgendwas ist, komm ruhig rüber und weck uns. Egal was.

Könntest du vielleicht noch ein Einschlaflied singen?

Hat deine Mama dir abends immer vorgesungen?

Aber ich muss dich vorwarnen:

Ich bin nicht so eine gute Sängerin.

Das macht nichts.

Guten Abend, gute Nacht

Mit Rosen bedacht

Mit Näglein besteckt

Hupf unter die Deck

Morgen früh, wenn Gott will

Wirst du wieder geweckt

Morgen früh, wenn Gott will

Wirst du wieder geweckt

Guten Abend, gute Nacht

Mit Röslein bedacht

Mit Näglein besteckt

Hupf unter die Deck ...

Alma, lass es sein.

Alma! Alma! - Alma!

Alma! - Alma, nicht!

Alma! - Alma!

Alma!

Arbeitsunfall.

Arbeitsunfall.

Arbeitsunfall.

Wenn man ein Wort zu oft hintereinander sagt,

dann löst es sich auf, als ob es keine Bedeutung mehr hat.

Einen Arbeitsunfall hat der Fritz gehabt.

Arbeitsunfall.

Nehmen sie ihm das andere Bein jetzt auch noch ab?

Das sind die Phantomschmerzen.

Der Doktor hat gesagt, dass das kommen kann.

Jetzt hat es aufgehört.

Nein.

Der ist nur still, weil er einen Stock zwischen den Kiemen hat.

Wenn du genau hinhörst, ...

hörst du das Wimmern noch.

Hörst du?

Schon komisch, dass einem was wehtun kann,

was gar nicht mehr da ist.

Warm.

Was ist los?

Nichts.

Schlaf weiter.

Warst du wieder beim Onkel Fritz?

Mutti weiß Sachen,

an die sie sich nicht erinnern dürfte.

Weil sie selbst nicht dabei war, als sie passiert sind.

Sie erinnert sich zum Beispiel daran,

wie ihre Schwester Erika sich

die Krücken von Onkel Fritz gestohlen hat,

um zu sehen, ob man nicht doch auch nur mit einem Bein laufen kann.

Aber fragt man sie, wo sie selbst war,

als alle diese Sachen passiert sind,

dann weiß sie es nicht mehr.

Vielleicht weil man ja immer nur die anderen von außen sieht.

Und nie sich selbst.

Spinner.

Warst du in Glöwisch?

Mhm.

Wie bist du denn zurückgekommen?

Mit Autostopp.

Und wer hat dich gefahren?

Dein Vater.

Der war auch in der Disse?

Nee.

Aber?

Er ist halt gerade vorbeigefahren, als ich los bin.

Rainer.

Du bist mein Cousin.

Aber dass mein Vater dein Onkel ist, stört dich nicht?

Was?

Weiß doch jeder, dass du dich von dem knallen lässt.

Bei uns heißt es, es zählt nur, wie man handelt.

Ein Mensch ist, was er tut.

Ich glaube das nicht.

Ich glaube eher, man ist das, wo man eigentlich ist, ...

während man irgendetwas tut.

Wenn ich mit einer Freundin zusammen war,

dann hat es nicht lange gedauert,

und alle haben gesagt, ich würde genauso sprechen wie sie.

Auch wenn ich manche Sachen gar nicht mochte,

musste ich sie trotzdem irgendwie übernehmen.

Das hohe Lachen, die Art der Betonung.

Ich habe mir das nicht vorgenommen.

Mein Körper hat das irgendwie von selbst gemacht.

Vati fand dann manchmal abends, dass es jetzt reicht

und dass ich bitte wieder so sein soll wie ich.

Aber ich zu sein

hat mein Körper irgendwie nicht von allein hingekriegt.

Mir ist richtig schwindelig geworden,

weil ich versucht habe, mich zu erinnern,

wie ich selbst spreche.

Ich habe meinen Namen so lange hintereinander gesagt,

bis er mir ganz fremd vorkam.

Und ich habe mir vorgestellt,

mich durch die Augen von Vati zu sehen,

und mich selbst gespielt.

Die, die er wohl im Kopf hat, wenn er meint,

dass ich wieder ich sein soll.

Wie lange kann man glücklich spielen,

ohne dass es jemand merkt?

Arbeitsunfall.

So geht das schon seit Tagen.

Plötzlich konnte Mutter nicht mehr laufen.

Der Doktor wusste auch nichts.

Er meinte, sie sei vollkommen gesund und solle sich nicht so anstellen.

Mutter gab ihr Bestes, aber genützt hat es nichts.

Die Beine haben ihr nicht mehr gehorcht.

Der Arzt hat ihr Bettruhe verordnet.

Abends beteten wir zum lieben Herrgott,

dass die Mutter bald wieder laufen kann.

Alma! - Alma!

Alma! - Alma, wo bist du?

Komm raus, du hast gewonnen!

Alma? - Alma?

Alma?

Alma, bist du hier irgendwo? - Na hier! Ich bin doch hier!

Alma, das ist nicht lustig. Komm jetzt raus.

Alma!

Hier oben bin ich. Lia, guck hoch!

Sie hat sich wohl in Luft aufgelöst.

Hier bin ich. Hier!

Seht ihr sie? - Nee.

Wir gehen, die Alma ist weg. - Hier bin ich, Lia!

Ich bin doch hier!

Hilfe!

Alma! - Hilfe!

Hilfe!

Lia! Gerti!

Hier bin ich! Hier!

Hier oben!

Ich bin doch hier!

Lia!

Alma?

Alma?

Woran merkt man eigentlich, ob man noch lebt oder schon tot ist?

Ich habe so hohes Fieber gekriegt,

dass sie schon den Doktor rufen wollten.

Doch der hätte ja eh wieder nichts gewusst.

Die Trudi hat mir die Hand auf die Stirn gelegt,

so wie sie es zur Beruhigung immer bei den Kühen tut,

wenn sie kalben.

Die ganze Nacht war sie an meiner Seite.

Die Mutter hat sich zuerst gewehrt,

als alle meinten, die Trudi solle auch mal ihr die Hand auflegen.

Aber schließlich hat sie es doch zugelassen.

Ich glaube, sie konnte nur deswegen bald wieder laufen.

Die Sache mit dem Fritz war natürlich komplizierter.

Die Trudi konnte ja nicht einfach sein Bein wieder herzaubern.

Die Hedda war sich eh sicher,

dass die Hunde es längst gefressen hatten.

Aber den Phantomschmerz hat sie lindern können.

Sie hat dann ihre Hand in die Mitte vom Fritz gelegt.

Da wurde er dann ruhiger und hat viel leiser gewimmert und gestöhnt.

Pst.

Lia! Lia! Lia!

Bei der dicken Berta hatten die Männer es leicht.

Die konnte ja von Natur aus keine Kinder kriegen.

Aber die Trudi hatte nicht so viel Glück.

Sie musste erst noch für die Männer ungefährlich gemacht werden.

Denn darauf kam es an als Magd: flink und fleißig sein

und nicht mit Braten in der Röhre ausfallen.

Wie genau sie es gemacht haben, dass die Trudi auch

für immer so wurde wie die dicke Berta, weiß ich nicht.

Aber gleich zu Anfang, als die Trudi grad erst zu uns kam,

musste sie gleich wieder für ein paar Tage weg.

Da muss es passiert sein.

Als sie wiederkam,

standen die Knechte plötzlich nachts Schlange bei ihr.

Ob sie ihr einen Kartoffelsack übergezogen haben, weiß ich nicht.

Schöner als vorher war sie nun jedenfalls nicht, fand Gerti.

Sie sah aus, als wäre sie aus Versehen auf die Erde geplumpst

und wüsste nicht wohin mit sich.

Die Trudi hat mal über den Fritz gesagt,

der würde ganz umsonst leben.

Ich glaube, bei der Trudi war das auch so.

Vielleicht hat sie sich deshalb um ihn gekümmert:

damit es nicht so einsam ist beim Umsonst-Leben.

Und?

Weiß nicht.

Lass mich mal.

Und? Ist die Fliege noch drin?

Ich höre was.

Den Letzten holt die Leich'

und zieht ihn an den Beinen ins Totenreich!

Den Letzten holt die Leich'

und zieht ihn an den Beinen ins Totenreich!

Den Letzten holt die Leich'

und zieht ihn an den Beinen ins Totenreich!

Den ganzen Sommer wartete Alma darauf,

tot umzukippen oder nicht mehr aufzuwachen.

Aber der liebe Gott muss sie vergessen haben.

Der hat sich mich geholt.

Wäre Alma zuletzt durch die Luke gekommen,

würde ich wohl noch leben.

Am Ende des Sommers war Alma zumindest immer noch nicht tot.

Dafür aber die Urgroßmutter.

Und dann plötzlich auch ich.

Na, na. Wer wird denn da heulen?

War doch nicht in echt.

Alma dachte, dass Urgroßmutter die Einzige ist,

die einfach nicht stirbt.

Als ob sterben nicht zu ihr passen würde,

weil sie ja solche Angst davor hatte.

Und dann war es plötzlich doch so weit.

Einfach umgekippt ist sie, nachts im Garten

auf dem Weg zum Klohäuschen.

Sie hatte wohl ein eiliges Geschäft zu erledigen.

Hedda hat sich totgelacht und meinte,

sie hätte Schiss bekommen, als es mit ihr zu Ende ging.

Den Schlafrock hatte sie schon auf dem Weg hochgezogen,

damit es schneller geht, wenn sie da ist.

Aber angekommen ist sie nicht mehr.

Vater hat später erzählt, dass es das einzige Mal war,

dass er den blanken Po seiner Großmutter gesehen hat.

Und einfach so war es bei ihr auch

wie bei den anderen Leuten, die gestorben sind.

Das Fenster wird geöffnet, um die Seele rauszulassen.

Die Uhren werden angehalten.

Steine gegen den bösen Blick.

Damit keine Fliege reinkrabbelt.

Damit der liebe Gott ihr glaubt, dass sie gläubig war.

Zweimal am Tag erscheint die Totenfrau,

um die Leiche zu waschen.

Aber weil unsere Totenfrau selbst zwei Wochen zuvor

im Kindsbett den Löffel abgegeben hat,

musste die Trudi übernehmen.

Essiglappen und Brennnesseln

werden auf das Gesicht der Toten gelegt.

Ich weiß noch, dass sie am Ende der Totenwache

beide Hände voller Quaddeln hatte.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit ...

Ein Stoßgebet ...

dafür, dass sie ihre Mutter nie wieder treffen muss.

Immer wenn ich versuche, mir ihr Gesicht vorzustellen, ...

verschwimmt es vor meinen Augen.

Als hätte ich es mir nicht merken können,

obwohl ich es so oft gesehen habe.

Dafür weiß ich noch ganz genau, wie ihre Hände aussahen.

Und dann der Ausdruck, als sie tot war.

Vielleicht weil sie im Leben so nie geguckt hatte.

Sie sah irgendwie erstaunt aus.

Die Trudi meinte, sie sähe so aus,

als hätte sie gemerkt, dass sie jetzt stirbt.

Aber für mich sah es aus,

als sähe sie etwas, womit sie im Leben nicht gerechnet hatte.

Hedda denkt, vielleicht wird sie ja in Afrika wiedergeboren.

Vater meint, wenn dann wohl als Fliege.

Zumindest hat er nie wieder eine totgeklatscht.

Warm.

Darüber, wie ihre Schwester Erika gestorben ist,

hat die Mutti nie gesprochen.

Gewusst habe ich es trotzdem.

Der Onkel von Mutti hat es mir mal erzählt.

Einmal habe ich ihn kennengelernt.

Da hat er uns auf dem Hof besucht.

Der Onkel Fritz mit seinem Holzbein.

Ich sollte gegenklopfen. "Bringt Glück", hat er gesagt.

Die Erika ist in den Fluss gegangen,

so wie viele Frauen, als der Krieg zu Ende war.

Sie hatten gehört, was den Frauen in den anderen Dörfern passiert war.

Die Angst vor dem, was kommen könnte,

war größer als die Angst vor dem Tod.

Den kleinen Fingerschwur hat die Mutti der Erika gegeben.

Doch als sie schon im Wasser war,

sind die Aale um sie rumgeschwommen und haben sie gezwickt.

Sie war nicht die Einzige, die aus dem Fluss wieder rausgekrabbelt kam.

Geschämt hat sie sich trotzdem,

dass sie es nicht geschafft hat, Schluss zu machen.

Manchmal glaube ich, dass die Mutti

in Wirklichkeit bei der Erika unter Wasser ist.

Lia!

Ich erinnere mich noch, dass Nelly unbedingt mitwollte.

Und ich es nicht erlaubt habe,

weil ich keine Lust hatte, dass sie dabei ist.

Ich weiß noch, dass ich dachte,

dass ich ganz umsonst gelebt habe,

weil ich nicht wie Kaya das Erdbeereis genommen habe.

Sondern Vanille.

Ich glaube, in dem Sommer fing es an,

dass ich dachte, wenn ich jemand anderes wäre,

ich eigentlich immer glücklicher sein müsste.

Ich war sogar neidisch auf das Unglück anderer.

Sogar darauf, dass Kayas Mutter gestorben war.

Ich habe mir gewünscht, dass mir so was auch passiert,

damit ich wie sie werde.

Heute denke ich, hätte ich in dem Moment bloß nicht gedacht,

dass mein Leben vorbei ist.

Nur weil ich Vanille genommen habe und nicht Erdbeer.

Woran ist deine Mutter eigentlich gestorben?

An Lungenkrebs.

Warum rauchst du dann?

Jeder stirbt an irgendwas.

Du auch.

Warst du dabei?

Als deine Mutter gestorben ist?

Komm, lass schwimmen gehen.

Na komm.

Vielleicht ertrinken wir ja.

We're walking in a curved line

Into something new

The birds are watching

Every step I take

Beneath the stars

Beneath the moon there is a hole

It's covered up in darkness and fear

But then there is something

Moving against me

It's not in line with what I know

Changing the heart

Changing the spirit

Changing my path

Changing my soul

My sight is clear

The colors are expanding

I don't drown

In the mirror on the wall

There is no time, there is no face

There is no me

I'm following a shadow

While I'm reaching for the sun

But then you tell me

I shouldn't worry

Kaya?

Wenn ich mein Bein heben will, dann kann ich es tun.

Und wenn ich meinen Arm heben will, dann kann ich ihn heben.

Doch wenn ich meinem Herzen befehle, dass es stehen bleiben soll,

dann tut es das nicht.

Es schlägt einfach weiter.

Vielleicht beschließe ich es auch nicht doll genug, ...

falls es doch plötzlich gehorcht.

Würde es jetzt aufhören zu schlagen, ...

wenn ich es wirklich, wirklich wollen würde?

Jetzt.

Jetzt.

Jetzt.

Jetzt.

Wenn man in Wirklichkeit alles auf dem Kopf sieht,

vielleicht ist ja dann alles in Wahrheit andersrum.

Eigentlich kann man dann ja einfach beschließen,

dass das, was schlecht ist,

in echt gut ist.

Nach der Sonnenwende

fängt Lia auf meinem Hof als Magd an.

Gut.

Dann ist das beschlossene Sache.

Du kümmerst dich um die Frauensache.

Wusste ich es doch.

Du bist ein Schisser.

Kommt ihr? - Angelika, komm her!

Rainer!

Bleibt stehen, bleibt stehen.

So ist es gut.

Ja, so ist es gut, so ist es gut. Dichter.

Angelika, du gehst da rechts.

Komm, jetzt schön zusammen. Los. - Rainer, du gehst dahin.

Jetzt bin ich gespannt, die Wundermaschine.

Wundermaschine.

Das glaube ich doch nicht.

Irmchen, komm her.

Wie macht das Vögelchen?

Piep!

Und gucken, jetzt kann man das Foto sehen.

Einfach ein bisschen wackeln, ja? - Schütteln.

Jetzt bin ich gespannt. - Ich auch.

Ist doch gar nüscht zu sehen.

Das Gras ...

Hätten wir das jemandem erzählt, der hätte uns einen Vogel gezeigt.

Aber ich sehe ja total dick dadrauf aus.

Hast du das gesehen? Das glaube ich nicht.

Guck mal, alle da.

Aber sag mal ... Ja, sag mal, Angelika sieht aus wie ein Geist.

Angelika? - Angelika?

Die ist schon wieder weg. - Ja.

Aber so dick bin ich gar nicht.

Nee, bist du nicht. Natürlich bist du es.

Die Kamera ...

Wir haben sie wochenlang gesucht,

aber sie war einfach weg.

Irgendwann hieß es, sie ist über den Fluss geschwommen

und hat rübergemacht.

Zu Hause wurde nicht ein Wort über sie gesprochen.

Ich habe sie nie mehr gesehen.

Manchmal glaube ich, dass sie nur in meinem Kopf war

und es sie in echt gar nicht gab.

Angelika.

Angelika.

Angelika.

Ich weiß noch, dass ich mein nasses T-Shirt ausgezogen habe,

weil es so doll an meinem Körper geklebt hat.

Ich habe erst später gemerkt, dass ich die Einzige war,

die nur in Unterhose und oben ohne rumrannte.

Ich erinnere mich an den Geruch von nassem Gras.

Und an diesen Blick.

Von dem Freund von meinen Eltern.

Ich weiß gar nicht mehr, wie er hieß.

Ich weiß, dass er gemerkt hat, dass ich seinen Blick gesehen habe.

Ich spüre noch, wie ich rot geworden bin

und am liebsten meine Arme vor mir verschränkt hätte.

Aber das wäre zu auffällig gewesen.

Und beim So-Tun, als ob ich den Blick nicht gemerkt habe, war es,

als ob ich jetzt mit ihm ein Geheimnis teile,

das ich gar nicht teilen möchte.

Lia!

Es hatte viel geregnet in dem Sommer.

Uns fiel eine ganze Ernte aus.

Der Bauer des Nachbarhofs

ersetzte uns die Hälfte des verlorenen Korns.

Dafür verlangte er die Lia als Magd.

Nach der Sonnenwende verließ sie uns und ging zu ihm.

Davor musste sie natürlich noch zu Elli,

wie die Trudi damals.

Sie konnte erst drei Wochen später beim Bauern anfangen,

weil sie fast verblutet wäre.

Später fragten sie mich,

was der Lia auf dem Acker passiert sei.

Ich habe gesagt: "Arbeitsunfall."

50,

49,

48,

47,

46,

45,

44,

43,

42 ...

Wenn ich versuche, mich an diesen einen Sommer zu erinnern,

dann frage ich mich immer, was Nelly wohl zuletzt gesehen hat.

Und ob mir irgendetwas hätte auffallen müssen.

Ich glaube, Nelly hat mit den anderen Kindern Krieg gespielt.

Sie saßen am Feuer und haben so getan,

als würden sie Ratten und Froschschenkel essen.

Aber ich erinnere mich nur noch an dieses Mädchen.

Das ich am Fluss kennengelernt habe.

Ich glaube, sie hieß Kaya.

Wir haben den ganzen Sommer diesen einen Song gehört.

Den Lieblingssong von ihrer Mutter.

With what I know

Changing the heart

Changing the spirit

Changing my path

Changing my soul

My sight is clear

The colors are expanding

Wollt ihr Eis?

Oh nein.

Ja?

So, Erdbeer oder Vanille?

Erdbeer.

Bitte schön.

Und du? Vanille wie immer? - Ich nehme Erdbeer.

Erdbeer? - Danke.

Ich will auch ein Erdbeereis.

Oh Mann, es tut mir leid, Süße, es gibt leider nur noch Vanille.

Wir können tauschen.

Du bist!

D-Facto Motion GmbH Anne Panier

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