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1622- KÜSTE VON CARTAGENA DE INDIAS
Ich verfluche dich, Jacob!
Ich verfluche dich!
Euch alle!
Alle, die mit dir auf diesem Schiff sind!
Ich verfluche eure Mütter!
Wenn ihr mein Fleisch esst, werdet ihr bis in alle Ewigkeit nichts anderes essen!
Auf diesem Schiff wird kein Leben mehr sein!
Der Tod wird euch verfolgen!
Für immer und ewig!
Die Verliererin kümmert sich ums Essen!
Von mir aus!
Ist das nicht dein Handy?
Ignorier's. Geht den ganzen Tag so.
- Wer stresst denn so? - Ist doch egal, Charlie!
Ist nur Michael.
Ist doch Jahre her.
Ja! Vier Jahre.
Und was will er von dir?
Wir trennten uns, und er rief mich danach an jedem Tag an.
Er hatte immer 'nen Vorwand.
Wie "Ich hätte noch eins seiner T-Shirts" oder so was.
Sollte er nicht drüber hinweg sein?
Wie lange wart ihr zusammen?
Es waren anderthalb Jahre.
Mhm, das letzte Jahr, als ich meinen Doktor machte,
und die ersten sechs Monate der realen Welt.
Aber die letzten sechs Monate waren schuld.
Woran?
An der Trennung.
Das ist eine ganz schön dissoziative Äußerung von dir.
Als hättest du nichts damit zu tun.
Tu das nicht, hör auf damit.
Analysier mich nicht.
Na ja, Menschen sagen so was, um sich von Dingen zu distanzieren,
wegen denen sie sich schuldig fühlen.
- Ich fühl mich nicht schuldig. - Du hast Schluss gemacht, oder?
Die Beziehung hatte einfach keine Zukunft mehr.
Wir waren nicht füreinander bestimmt.
Das hat er aber anders gesehen.
Er hat mich Ellie genannt.
Das ist natürlich unverzeihlich.
Ich hasse den Namen.
Das klingt wie'n Cartoon-Elefant.
Ich fand ihn echt nett.
Ja, das war er auch. Natürlich war er nett. Er war zu nett.
Das hier ist 'ne Kleinstadt an der Küste vom Nirgendwo, Elena.
Hier gibt's nicht viele nette Typen.
Weiter östlich gibt's nur Bauernhöfe.
Und im Westen nur das Meer.
Ich finde schon einen.
Aber trotzdem bist du hier und wohnst mit mir zusammen.
Und ich habe mich so daran gewöhnt.
Okay, und wenn er noch mal anruft, wirst du drangehen?
Können wir das Thema wechseln?
Anderthalb Jahre? Und du ignorierst ihn einfach?
Und wenn er Ärger hat oder so?
Nein, Michael hat keinen Ärger.
Wenn er eine Sache gut konnte, war es "Ärger vermeiden".
Hast du ihn geliebt?
- Kann ich dich was fragen? - Ja.
Studierst du Psychologie, um deine Nase in anderer Leute Angelegenheiten zu stecken?
Zu hundert Prozent!
Zumindest bist du ehrlich.
Und? hast du ihn geliebt?
Wir wohnten ein Jahr zusammen.
Danach hab ich nicht gefragt.
Manchmal klappt es eben nicht wie geplant.
Er wollte sich fest binden und ich noch nicht.
Einen Tag nach meinem Abschluss wollte ich tauchen gehen.
Schiffswracks auf Barbados.
Aber er hatte vor, zu heiraten und Kinder zu kriegen.
Hat er dir einen Antrag gemacht?
- Ja. - Mit 'nem Ring und allem?
In 'nem Restaurant. Und zwar vor allen Leuten.
Es war der peinlichste Moment meines ganzen Lebens.
Das wusste ich nicht!
Na ja, jetzt weißt du's, also Themawechsel!
- Und wo ist mein Glas? - Du bist heute dran!
- Oh, nicht schon wieder! - Ich geh ran!
Ich warne dich!
- Hallo? Hier bei Ellie. - Charlie, was tust du da?
Hallo, Michael!
- Bloß nicht! Sag ihm, ich bin nicht da! - Ja, sie ist hier!
Michael, hi! Hi! Wie geht's dir?
Ja. Ich weiß.
Sorry, ich hatte Vorlesungen und mein Handy war stumm geschaltet.
Ja. Nein, ich gebe jetzt Unterricht.
Genau.
Wirklich?
Ja!
Ja, sehr gerne. Bist du ganz sicher?
Ja, ich komme.
'ne halbe Stunde?
Okay, bis dann. Bye!
Wow, das ging jetzt aber schnell!
Dafür kill ich dich am Wochenende auf der Matte.
Hallo.
Was für'n Mistwetter! Danke, dass du kommen könntest.
- Steig doch ein! - Bist du sicher?
Gut, dann komme ich rein.
- Wie geht es... - Schön, dich zu... Sorry.
Schön, dich wiederzusehen.
Ja. Wie geht's dir?
Ganz gut.
Und dir?
Ja, auch gut.
Arbeitest du noch bei diesem "British Waterways Ding"?
Oh! Nein, nein, nein. Ich habe jetzt woanders angefangen.
- Ich bin bei der britischen Küstenwache. - Passt gar nicht zu dir.
Oh, na ja, ich geh nicht auf Schiffe oder so was.
Ist bloß ein Bürojob.
Aber gelegentlich geht es auch um solche Dinge.
Wahnsinn. Findest du nicht?
Ein Hubschrauberpilot hat es vor ein paar Tagen entdeckt.
Es trieb unbemannt auf dem Meer.
An Deck war niemand zu sehen, also rief er bei uns an
und wir haben es an Land gezogen.
Und was ist es?
Genau das wollte ich dich fragen.
Du bist die Expertin für alte Schiffe.
Maritime Strategien und Technologien des 17. Jahrhunderts.
Das war meine Dissertation.
Ja, du hast über nichts anderes geredet, Ellie.
Eigentlich ging es um Piratenschiffe, richtig?
Ja.
Dann leg los!
Da steht eins.
Ich mein, es muss doch aus dieser Zeit stammen, oder?
Du glaubst doch nicht wirklich, dass das ein Piratenschiff
aus dem 17. Jahrhundert ist?
Und wenn doch?
Also, wenn so ein Schiff seit mehr als 500 Jahren auf dem offenen Meer herumtreibt,
wäre es jetzt ein Wrack, auf dem Grund des Ozeans.
Das, das Holz hätte sich mittlerweile zersetzt.
Ich meine, ja, es sieht alt aus.
Aber so alt kann es nicht sein.
Glaubst du, es ist ein moderner Nachbau?
Ich denke schon.
Das haben wir sofort überprüft.
Es gibt ein Schiffsregister. Dort muss jedes Schiff eingetragen sein.
Und dieses Ding ist nicht registriert.
Nirgendwo.
Als würde es nicht existieren.
Holzboote überstehen keine Jahrhunderte auf offener See, Michael.
Nicht ohne eine Crew, die es instand hält.
Es ist wirklich niemand an Bord?
Wir haben niemanden gesehen.
- Warst du auch an Bord? - Ich? Nein! Nein, nein, nein.
Mein Job findet ausschließlich am Schreibtisch statt.
Aber wir brauchen jemanden, der es sich ansieht.
Und aus diesem Grund wollte ich mit dir reden.
Und ich soll es jetzt untersuchen?
Nein. Ein paar Jungs von der Küstenwache werden herkommen.
Aber das Ding ist: bei einer so großen Sache
brauchen wir eine Expertin, der alles absegnet, was wir tun.
- Verstehe. - Ja, uns läuft die Zeit davon.
Oh, da ist es.
Wenn du das kurz unterschreiben könntest, damit wir wissen,
dass du einverstanden bist, dass wir das Schiff untersuchen.
Und wenn es nicht so ist?
Wieso sollte das sein?
Falls das wirklich ein Boot aus dem 17. Jahrhundert ist
und es tatsächlich 500 Jahre auf dem offenen Meer überstanden hat,
dann ist das ein Fund von unschätzbarem historischen Wert.
Okay? Und es könnten auch noch andere Schätze an Bord sein.
Du kennst doch diese Filme,
in denen Archäologen Dinosaurierknochen ausgraben, oder?
Sie graben ja nicht, sie haben diese winzig kleinen Pinsel
und pinseln ganz vorsichtig jedes Sandkorn weg,
damit sie die wertvollen Fossilien nicht beschädigen.
- Ja. - Ja, okay.
Gut, und so muss dieses Schiff behandelt werden!
Und nicht wie irgendwelche Typen der Küstenwache,
die über das Deck latschen und mit den Stiefeln alles zerstören.
Und? Was soll ich jetzt dagegen tun?
Okay, hör zu.
Ich bin noch nicht wirklich überzeugt von dem Ganzen hier,
aber morgen früh hätte ich Zeit.
Okay, ich schlage vor, dass du mir eine halbe Stunde
mit deinen Jungs gibst, bevor sie an Bord gehen.
Sieh es als eine kleine Einweisung.
Ich sage ihnen, wo sie laufen dürfen,
wonach sie suchen sollen und vor allem, wie sie nichts zerstören.
Oh ja. Wird ihnen gefallen.
Tja, das ist meine Bedingung, bevor ich das unterschreibe.
Ich wusste, du machst es mir nicht leicht.
Diese Schiffe sind mein Leben, Michael.
Und du weißt das.
Elena, das sind Marcus und Tony.
- Freut mich. - Hallo!
Hallo.
Okay, ich weiß, dass Sie viel zu tun haben,
deshalb versuche ich mich, so kurz wie möglich zu halten.
Soweit ich sagen kann, stammt das Schiff aus dem 17. Jahrhundert.
Und dieses Modell hier kommt unserer Entdeckung am nächsten.
Wie Sie sehen können, gibt es drei Masten.
Den Fockmast, den Großmast...
Erfahren wir auch was, das wir nicht wissen?
Ja, ich nehme an, dass sich die Dinge an Deck nicht verändert haben.
Okay. Unter Deck gibt es drei Ebenen.
In der untersten Ebene befindet sich der Frachtraum.
Aha, da muss der Piratenschatz liegen!
Nicht wirklich.
Das Frachtgut dort unten bestand meistens aus Proviant,
Munition für die Waffen, selten gab es was Kostbares.
Der Grund war, falls das Schiff mit Wasser volllief,
wollte man nicht ständig zwischen den Eben umher rennen,
um seinen unrechtmäßigen Besitz zu retten.
Und die Wertgegenstände,
die Kostbarkeiten, also das ganze Gold und so?
Dazu komme ich gleich.
Auf dem Mitteldeck befanden sich die Schlafräume und Krankenstation.
Und hier hinten war die Brig.
Was in etwa so was wie eine Zelle für Gefangene und Geiseln war,
um Lösegeld zu kriegen und so.
Hast du das gehört? Vielleicht ist da unten jemand, der gerettet werden möchte?
Ja.
Oben, gleich unter Deck, war die Mannschaftsmesse,
die Kombüse und hier hinten dann...
Sie meinen "das Achterdeck"?
Ja, ganz recht. Das Achterdeck.
Dort ist die Kapitänskajüte.
Und ich nehme an, dass sich dort Gegenstände befinden könnten,
die historisch interessant sind.
- Okay, vielen Dank! - Nein, Moment noch.
Den wichtigsten Aspekt hab ich vergessen!
Der wäre?
Die Erhaltung.
Raucht einer von Ihnen?
Nur bei der Arbeit.
Okay. Das Rauchen auf dem Schiff ist absolut verboten!
Auch nicht in der Nähe davon.
Hier ist alles, was Sie brauchen.
- Die kommen über Ihre Schuhe. - Nein, zieh ich nicht an!
Und wieso nicht?
Waren Sie schon mal auf 'nem Schiff, das monatelang auf offener See trieb?
Nein.
Ist rutschig da drauf!
Und deswegen tragen wir die hier!
Rutschfest!
Ich leg mich sicher nicht auf den Arsch,
nur damit das alte Holz keine Fußabdrücke bekommt.
- Und die Overalls? - Nee.
Verstößt gegen die Vorschriften, oder?
Wir haben die Rettungswesten, die Signalpfeifen
und die reflektierenden Aufnäher.
Die können wir nicht verdecken.
Da muss ich ihm Recht geben.
Die Arbeitskleidung muss immer getragen werden
und die Schutzausrüstung muss zugänglich sein.
Also gut. Ich denke, wir sind hier fertig, oder?
Danke sehr!
Und selbstverständlich werden wir Sie unverzüglich wissen lassen
wenn wir irgendwas finden, das historisch interessant ist.
Vergesst nicht, die Berichte zu schreiben!
Du musst verstehen, dass die Jungs auf mehr Booten waren,
als du dir vorstellen kannst.
Sie reagieren empfindlich, wenn ihnen jemand ihren Job erklärt.
- Aber ich mache hier meinen Job! - Das weiß ich doch.
Hör zu, wie wär's, wenn ich es wiedergutmache?
Inwiefern?
Ist doch ewig her lass uns ein bisschen reden.
Wir könnten was trinken gehen oder so was.
Ich weiß, wie du's wiedergutmachen kannst.
Ich möchte auf dieses Schiff.
Was?
Wenn diese zwei Idioten da fertig sind,
wird alles auf dem Boot zerstört sein.
Aber wenn ich schnell genug anfange, kann ich vielleicht noch was retten.
Ich glaube nicht, dass das möglich ist.
Komm schon, Michael! Du hast mich doch als Expertin angegeben!
Da werde ich doch wohl das Schiff begutachten dürfen.
Die Versicherung haftet nur für Angestellte unserer Firma.
Dein Ernst?
Weißt du, wie diese Organisationen ticken?
Es brauchte sechs Wochen, drei Anträge und ein ärztliches Attest,
um eine Handgelenkauflage zu bekommen!
- Und wofür? - Karpaltunnelsyndrom.
Kannst du sie nicht fragen?
Ich bin morgen um elf wieder im Büro.
Mal sehen, was ich tun kann. Mehr kann ich nicht versprechen.
Danke, Michael!
Und ich ruf dich später an? Wenn es okay für dich ist.
Natürlich.
Okay!
Bis dann!
Tut mir leid. Schon gut.
Bye.
Oh, das stinkt ja fürchterlich!
Du gewöhnst dich dran!
Na los! Runter mit dir!
Wieso die Eile?
Du hast die Expertin gehört.
Da unten könnten Schätze sein!
Antiquitäten. Und all so'n Zeug.
Es gelten die Bergungsregeln, oder nicht?
Die Küstenwache hat das Schiff hergebracht.
Richtig?
Sie würden alles beanspruchen, was wir finden.
Es sei denn, sie erfahren nichts davon.
Hör zu, es ist Freitagnachmittag.
Wenn wir etwas finden sollten, packen wir es in den Van,
parken ihn ganz in der Nähe und dann ist er eben verschwunden.
Keiner wird's erfahren.
Los jetzt. Runter mit dir.
Was ist das für'n Gestank?
Faules Holz?
Oder was anderes.
Wir hätten ne größere Crew mitnehmen sollen.
Das können wir gerne am Montag machen.
Nachdem wir die Kapitänskajüte durchsucht haben.
Was ist das?
Hast du der Dame vorhin nicht zugehört?
Ähm, nein, nicht wirklich.
Okay, wir müssen ganz nach hinten.
Also, los. Geh weiter und pass auf, wo du hintrittst.
Marcus!
Marcus?
Komm schon, Mann, lass, lass den Scheiß! Ich weiß genau, dass du mich hören kannst!
Marcus? Bist du auf dem Deck?
Ahh!
Mit wem schreibst du da?
Äh, Michael.
Er wollte mich eigentlich anrufen, aber...
Du hast deine Meinung aber schnell geändert.
Was ist gestern passiert?
Gar nichts.
Okay! Bin ja nicht neugierig.
Doch, das bist du. Aber es geht nicht um Michael. Okay? Es geht...
Michael!
Hi!
Gibt's was Neues?
Yes! Wahnsinn! Ähm, okay, äh...
Wie wär's denn jetzt?
Ja, hab alles dabei.
Gut, wir sehen uns. Okay, bye!
Gehst du noch mal weg?
Ähä.
Mit Michael?
Ähä.
Wenn du meine Meinung hören willst...
Nein, will ich nicht.
Vorsichtig! Nicht, dass die Scharniere rausbrechen.
Wonach suchen wir?
Ich will sehen, ob da unten noch ein Boden ist.
Was haben die beiden berichtet?
Bis jetzt noch gar nichts.
Sind nicht die Schnellsten mit dem Papierkram.
Na ja, sieht robust aus.
Und du bist sicher, dass das hier in Ordnung ist?
Was meinst du?
Wir brechen keine Gesundheits- oder Sicherheitsregeln?
Oh, nein, nein, nein, alles gut. Ich, ähm, ich hab alles geregelt.
Unglaublich! Alles ist intakt und sauberer, als man denkt.
Es stinkt aber ganz schön.
Bei der Jahrhunderte alten Luft ist das doch kein Wunder.
Es riecht nach Tod!
Nicht übergeben, Michael! Das Schiff ist ein historisches Artefakt.
Wir müssen es so hinterlassen, wie wir es vorgefunden haben.
Niemals ist das Schiff so lange herrenlos.
Für mich sieht's aber so aus.
Holzboote bleiben nicht so stabil, wenn sie nicht instand gehalten werden.
Kennst du Schiffsbohrwürmern?
Noch nie was von gehört.
Eine Art Salzwasser-Muschel.
Sie heftet sich an das Holz des Schiffs
und es wird zu Schweizer Käse.
Oh!
Haben wir uns bewegt?
Muss wohl die Flut sein.
Ja, definitiv.
Wahrscheinlich hebt sie das Boot um ein paar Meter an.
Vorsicht! Der Boden hier ist nass.
Ist das nicht Salzwasser?
Wenn das Ding Wasser schluckt, sollten wir besser gehen.
Boote werden nass, Michael.
Kein Grund zur Sorge.
Oh, Scheiße.
Was denn?
Oh mein Gott! Ist alles okay?
Ja. Das ist nicht mein Blut.
Okay. Das war's. Wir sollten das Schiff sofort verlassen.
- Warte. Was war das? - Ist mir egal!
Und wenn es dieser Tony ist und, äh, wie heißt er noch...?
Was?
Na, du hast nicht von ihnen gehört und hier wurde jemand verletzt.
Was, wenn sie irgendwo gefangen sind?
Oh, du meine Güte!
Du leitest diese Expedition!
Willst du ernsthaft riskieren, dass jemand verblutet,
nur weil du Angst hattest zu suchen?
Ich hab keine Angst!
Aber das sollte kein Rettungseinsatz sein. Uns fehlt das nötige Equipment.
Genau so kenne ich den "alten" Michael!
Was soll das denn heißen?
Warte! Ellie?
Ellie!
Bitte nicht!
Ach du Scheiße!
Nein!
- Was tust du? - Ich ruf die Polizei an!
Aber sie werden uns sehen!
Komm runter.
Hör auf, sonst fängst du an zu hyperventilieren.
Was ist hier nur los?
Das ist die Brig.
Wo sie die Geiseln festhalten?
Ja.
Wir sind tot! Wir sind sowas von tot!
Klappe, ich muss nachdenken!
Sie, äh, haben mein Handy.
Hast du deins mit?
Nein, es liegt zu Hause.
Was zum Teufel ist das? Und wer sind diese Leute?
- Ich hab doch gesagt, es gibt 'ne Crew. - Und was für 'ne Crew soll das sein?
Eine verzweifelte.
Wir sind sowas von tot!
Siehst du, Garrick, es ist eine Frau!
Aye!
Das hier?
Was zum Henker ist das?
Ihr sprecht ja meine Sprache.
Aye! Die sprechen wir.
Haben's von dem Ding hier gelernt.
Die redende Kiste ist von 'nem Boot, das wir gekapert haben.
Vor mehr als vierzig Jahren.
Ich hör ihr gerne zu. Hin und wieder macht sie sogar Musik.
Das ist auch eine redende Kiste.
Das hier?
Ja. Ähm, heut sind sie kleiner.
Es kann auch Musik machen.
Mach, dass es spielt.
Ich kann's nicht entsperren.
Entsperren? Was meinst du?
Es ist gesperrt. Ich, ich kann es ohne Code nicht benutzen.
Einen Code? So wie bei einem Tresor?
Äh, so in etwa.
- Wo ist das Zahlenschloss? - Sie hält uns zum Narren, Jacob.
Ist das so?
Willst du uns für dumm verkaufen, Weib? Eh?
Wie lange lebt ihr schon so?
Auf diesem Schiff?
Schon immer!
Du sagtest, vor vierzig Jahren habt ihr ein Boot gekapert.
Mehr oder weniger.
Aber dann, ich meine, dann wart ihr damals ja noch Kinder.
Kinder haben auf diesem Schiff nichts verloren.
Hat's nie gegeben und wird's auch nie geben.
Ruhe, Garrick!
Wir kümmern uns drum, oder etwa nicht? Mhm.
Wie ist dein werter Name?
Elena.
Ein hübscher Name für eine hübsche Frau.
Genau das, was wir gesucht haben.
Gesucht haben? Wofür?
Glaubst du, wir sind zufällig hier in eurer kleinen Stadt?
Weißt du, Elena, eine Sache fehlt auf diesem Schiff.
Das Weibervolk. Um unsere nächste Generation zu gebären.
Da sitzt eine Frau.
Diese Hure ist nur für eine Sache gut.
Und Kinder gebären ist es nicht.
Sie hat nie ein Kind zur Welt gebracht.
Wird sie auch nie! Sie ist verflucht, so wie wir alle!
Du sollst die Klappe halten, Garrick!
Genau das ist unser Problem.
Was uns fehlt ist frisches Blut.
Eine Frau, die gesund und stark ist, und gut gebären kann.
Du wirst deinen Zweck erfüllen.
Ist die Flut da, Garrick?
Aye!
Setzt die Segel, wir haben, was wir wollten.
Segel setzen? Äh, wohin fahren wir?
Wohin auch immer der Wind uns treiben wird. Wir haben kein Ziel.
Und jetzt wirst du und dein Freund mir beim Abendessen Gesellschaft leisten.
Ich hab euer Abendessen gesehen.
Ah, diese Männer, das sind Tiere.
Sind alle nicht die Klügsten.
Aber Garrick und ich wir sind zivilisierte Leute.
Du wirst schon sehen.
Siehst du? Wir sind zivilisierte Leute.
Was ist das?
Du weißt, was es ist.
Zivilisierte Leute essen keine Menschen.
Ist das so?
Verrate mir eins.
Warst du schon mal monatelang auf offener See?
Ohne Nahrung und Wasser. So lange, dass du kaum stehen konntest?
Wenn Fliegen ständig vor deinen Augen tanzen, und dein Schädel bebt.
Und dein Magen schreit, als würde er brennen.
Nein.
Dann warte erst mal ab.
Dann werden wir sehen, was zivilisierte Leute alles essen.
Ist das dein Mann, Elena?
Nein.
Hast du einen Mann, Elena?
Nein.
Jetzt hast du einen.
Viele Männer. So viele, wie du verkraften kannst.
Wir hatten schon lange kein frisches Wild auf diesem Boot.
Trinken wir auf einen Neuanfang und mit Gottes Segen auf ein neues Leben!
Aber eine Frage bleibt. Wer wird die Tat vollbringen?
Du wirst es sein, Jacob.
Mag sein. Oder auch nicht.
Ich bin in der Stimmung für etwas Spaß.
Ist hier ein Mann auf diesem Schiff, der es in einem fairen Kampf mit mir aufnimmt?
Das ist euer Preis.
Die liebenswürdige Elena.
Ist keiner hier Manns genug, um gegen mich zu kämpfen?
Traut euch ruhig.
Sie wird euer Preis sein.
Hat keiner von euch den Mut, um sie zu kämpfen?
Na also. Endlich haben wir Spaß. Fangen wir an.
Ich sagte ein fairer Kampf.
Das heißt: keine Klingen.
Dann ist die Sache klar. Garrick, bring sie in meine Kajüte.
Warte!
Ich werde kämpfen.
Wie war das?
Michael, nicht!
Du würdest gegen jeden kämpfen?
Also kämpfe ich.
Sieh an, sieh an. Der Mann kann ja doch Rückgrat zeigen.
Michael, tu das nicht! Er wird dich umbringen!
Garrick!
Wird das ein fairer Kampf.
Aye, wird es. Keine Klingen.
Wenn ich gewinne, fahrt ihr wieder zurück
und lasst Elena von Bord.
Aye! Ich gebe dir mein Wort!
Was ist denn los, Michael?
Jetzt schlag mich!
Michael, hör auf, du musst mir nichts beweisen!
Jetzt mach schon, Michael. Zeig mir, was du drauf hast!
Ich geh dir zur Hand.
Das war ein guter Treffer.
Jetzt bin ich dran!
Du kannst also was einstecken, ja?
Guter Mann!
- Michael, hör auf! - Läuft doch ganz gut!
Er spielt mit dir!
Nimm das!
Du hast im Leben noch nie gekämpft, oder?
Sieh dir deine Hände an! So weich, wie die einer Frau!
Die haben noch nie gearbeitet!
Es gibt nur eine Sache für die solche Männer an Bord des Schiffes gut sind.
Garrick!
- Michael! - Halt ihn fest!
Nein! Nein! Nein!
Hör auf damit, Jacob!
Ich werde kämpfen.
Du wirst was?
Ich werde kämpfen.
Du?
Du kämpfst doch gegen jeden auf dem Schiff?
Ich sagte, gegen jeden Mann.
Ich versteh ja, wenn du Angst hast.
Wovor sollte ich denn Angst haben?
Zu verlieren gegen eine Frau vor deinen Männern.
Ich hab noch nie verloren.
Es macht keinen Spaß gegen eine Frau!
Ich verspreche dir, dass du Spaß haben wirst.
Willst du es tun, Garrick?
Ich sage, du musst es tun, Jacob!
Binde sie los.
Wie lauten deine Bedingungen?
Fairer Kampf. Ohne Klingen.
Wenn ich gewinne, dreht ihr um, Michael und ich sind frei.
Die Kleine hier hat Mumm.
Mehr als ihr Kerl da!
Na gut, dann los. Zeig mal, was du kannst.
Du zuerst.
Ich will dir eine Chance geben!
Das war gar nicht so übel!
Und wann ist der Kampf zu Ende?
Wenn einer von uns tot ist!
Du musst schon härter zuschlagen!
Garrick, schaff sie mir vom Leib!
Weg!
Keine Messer!
Halt die Klappe, Garrick!
Töte sie nicht! Wir brauchen sie lebendig!
Aye, du hast recht!
Noch ein Widerwort, Garrick, und du bist ein toter Mann!
Schaff die beiden hier weg!
Ah!
Alles okay?
Nein.
- Das war sehr mutig von dir. - Bitte nicht.
Im Ernst. Du hättest sterben können.
Sie werden mich trotzdem umbringen!
Oder Schlimmeres.
Ich schätze es sehr, was du für mich tun wolltest.
Nicht wie der "alte" Michael, den du kennst?
Ich meinte es nicht so.
Und du warst genauso wie früher.
Du hast es ihm gezeigt.
Das klingt jetzt vielleicht kleinlich, angesichts unserer Situation, aber...
Könntest du mich nicht so nennen?
Wie denn?
Ellie.
Aber wieso nicht?
Ich hasse es.
Ich hab immer Ellie gesagt.
Ich weiß.
- Hm, du hast nichts gesagt. - Ich weiß, es ist nur...
Anfangs hat es mich nicht gestört, aber später war's irgendwie zu spät
und ich wollte deine Gefühle nicht verletzen.
Das gilt jetzt nicht mehr,...?
Wir sind kein Paar mehr, also...
Es ist schon ironisch, dass wir die letzten Stunden zusammen verbringen.
Wieso denn unsere "letzten Stunden"?
Wir müssen nur die Nacht überstehen.
Und morgen früh werden deine Kollegen merken,
dass das Schiff weg ist und Alarm schlagen.
Sie wissen doch, dass wir an Bord sind.
Niemand weiß es.
Was?
Niemand weiß, wo wir sind.
Aber du brauchtest eine Genehmigung.
Wen hast du gefragt?
Ich hab niemanden gefragt.
Es ging einfach nicht, Ellie, äh, Elena.
Die Küstenwache macht keine Ausnahmen.
Schon gar nicht für jemanden wie mich.
Und du wolltest es so sehr...
Was, was soll das heißen?
Ich wollte dir deinen Wunsch erfüllen.
Und... ich wollte gern etwas Zeit mit dir verbringen.
Oh. Oh, Michael!
Was ist mit deiner Freundin?
Die am Handy war?
- Charlie. - Hast du ihr gesagt, wo wir sind?
Nein.
- Wieso nicht? - Sie hat mich genervt.
Sie redete ständig davon, dass wir wieder zusammenkommen sollten.
Und...
Also weiß niemand, wo wir sind.
Und niemand wird mich vor Montag früh vermissen.
Und bis dahin könnten wir wirklich überall sein.
Jacob!
Lass mich in Ruhe, Weib!
Du bist nichts weiter als ein Tier.
Ich werd heute Nacht was Besseres im Bett haben!
- Ich reiß sie in Stücke! - Du wirst gar nichts tun!
Und wie geht's sonst so?
Beschissen!
Ich meinte nicht jetzt, sondern generell.
Ja, das weiß ich.
Im Ernst jetzt?
Es ist okay. Mir geht's gut.
Nur okay?
Okay ist gut genug für mich.
Ja, Risiken waren nie dein Ding.
Und trotzdem sitz ich hier.
Auf dem Boden. Angekettet, auf einem Kannibalen-Piratenschiff!
Wenn ich bloß mein Handy hätte!
Da sind alle Nummern der Such- und Rettungsteams drauf.
Er hat's zertrümmert.
Jacob.
Aber es gibt ein Funkgerät in Jacobs Kajüte.
Ich glaub zwar nicht, dass sie wissen, wie man's benutzt, aber es funktioniert.
Weißt du denn, wie man es benutzt?
Nein. Du?
Ja! So ungefähr. Ich mein, theoretisch.
Es, es gibt ein Standardverfahren für Notrufe.
Wenn wir es kriegen, wäre es einen Versuch wert.
Wenn wir Glück haben, finden wir auf dem Gerät tatsächlich einen Knopf für Notrufe.
Man drückt einfach drauf und wartet ab.
Nein, so sah es nicht aus.
Es ist 40 Jahre alt.
Richtig. Also, in dem Fall suchst du einfach den Frequenzregler.
Dann stellst du ihn auf Kanal 16 und rufst Mayday, Mayday, Mayday!
- Und was dann? - Hoffst du, dass jemand antwortet.
Alle Boote, Flugzeuge oder Hubschrauber in der Nähe verwenden diesen Kanal.
Er dient ausschließlich für Notrufe.
Miststück!
Ich vernichte dich!
Heilige Scheiße!
Michael, der Schlüssel!
- Was? - An deinen Füßen! Komm schon!
Warte.
Schnell, befrei mich!
Okay, gut. Lass uns das Funkgerät suchen.
Warte kurz!
Wenn jemand nach uns sieht und, und wir weg sind,
werden sie das ganze Schiff durchkämmen.
Ja, und? Willst du hier sitzen und warten?
Was ist mit ihr?
Ich hab 'ne Idee!
Bring mir was zu saufen!
Und du!
Runter in die Brig! Sieh nach dem Weib!
Okay. Und du meinst, das klappt?
Wenn sie nicht so genau hinsehen.
Dumme Frage, aber wie sollen sie denken, dass ich noch da bin?
Na weil du hier sein wirst.
Du lässt mich hier?
Michael, ich kenn mich auf diesen Schiffen aus, okay? Ich hab sie studiert.
Ich weiß, wo die Kajüte ist. Sie ist zwei Decks höher, neben der Messe.
Und wenn er drin ist?
Kann ich mir noch überlegen, wenn ich da bin.
Warte.
Was?
Nur für den Fall, na ja...
Du weißt schon.
Es tut mir so leid. Ich hab Mist gebaut.
Es ist genauso meine Schuld.
Ich meine, ich hätte dich mit der Sache nie unter Druck setzen sollen.
Das meinte ich nicht. Ich meinte das mit uns.
Manchmal funktionieren Dinge einfach nicht.
Ja. Weil Menschen es vermasseln.
Niemand hat was vermasselt. Wir gingen als Freunde auseinander, oder?
Freunde, die sich vier Jahre nicht sehen?
Tut mir leid. Ich dachte, es wär besser, weiterzumachen.
Und hast du?
Weitergemacht?
Wenn wir hier runter sind, ruf ich dich an.
Versprochen!
Oh!
Töte mich.
Bitte... Töte mich.
Ah!
Was lange währt, wird endlich gut.
Und Garrick wartet schon seit einer Ewigkeit.
Wie lange? Vierzig Jahre?
Sehr viel länger als das.
Wie? Wie ist das möglich?
Verflucht! Jeder Einzelne von uns!
Jacob ist schuld.
Wir sind für immer gefangen auf diesem verdammten Schiff.
- Und was willst du von mir? - Dasselbe, was Jacob will.
Wieso kämpfst du dann nicht gegen ihn?
Er ist ein starker Mann, aber meine Stärke liegt woanders.
Hier oben! Er hätte das Schiff längst zum Kentern gebracht. Wir wären ertrunken.
Wenn ich nicht gewesen wäre.
Aber wieso, wieso kämpft ihr um mich?
Wieso geht ihr nicht einfach an Land und, und nehmt euch irgendeine Frau?
Ich sagte, dass wir verflucht sind!
Wir können nicht an Land. Nicht jetzt. Niemals!
Dann seid ihr seit 40 Jahren auf dem Schiff?
Seit vierhundert Jahren!
Vierhundert Jahre auf einem verfluchten Schiff?
Das Schiff ist nicht verflucht. Sondern die Menschen darauf.
Alle von uns. Möglicherweise auch du.
Aber wieso braucht ihr mich?
Für ein neues Leben.
Wenn mein Samen zwischen deinen Schenkeln treibt, wirst du den Fluch brechen.
Ach ja!
Es gibt einen Grund dafür, dass ich es tun muss: ich hab das Fleisch nie gegessen.
Nein!
Was lange währt, wird endlich gut.
Ich möchte mich bei dir entschuldigen.
Ich sagte ja, die Männer auf diesem Schiff sind wie Tiere.
Jahrelang auf dem Boot eingesperrt zu sein,
hat sie um den Verstand gebracht.
Wie viele Jahre waren es?
Ich glaube, das gehört mir, Elena.
Hier, nimm einen Schluck,
Wie viele Jahre seid ihr auf diesem Schiff?
Kann ich nicht genau sagen.
Jahrhunderte vielleicht?
Aye, könnte sein.
Du gewöhnst dich daran. Mit der Zeit.
Woran denn?
An das Leben auf dem Schiff.
Nicht alles an Bord ist schlecht.
Wunderschön.
Zieh es an.
Ich möchte dich gern darin sehen.
Was willst du?
Hey, wir sind beide hier drin. Angekettet. Wir kommen hier nicht weg.
Ah, fuck!
Genau so hat eine Frau auszusehen.
Schön, dass es dir gefällt.
Darf ich?
Und genau so hat sie sich zu verhalten.
Und kannst du trinken, wie ein Mann trinken sollte?
Und ob ich das kann.
Erzähl mir mehr!
Über was?
Über das, äh, Leben auf See.
Wieso bist du die ganzen Jahre hier auf diesem Schiff?
Du meinst all die letzten Jahrhunderte?
Ja.
Was ist das?
Das Logbuch.
Warte!
Verzeihung.
Das Fett von deinen Fingern kann das Papier beschädigen.
Ist das ein Datum?
Cartagena de Indias. Warte!
1622.
Das war der Angriff auf Cartagena, Lawrence Van der Graaf.
Aye. Dieser Bastard hat uns angeheuert. Und ein Dutzend anderer Schiffe.
Um die Stadt zu blockieren und Lösegeld zu fordern.
Ja, so war es. Er versprach uns Gold für unser Handeln.
Das einzige, das wir bekamen, waren Geiseln.
Da war diese eine Frau.
Eine seltsame Person.
Sie sagten, sie hätte Hexenkräfte.
Wir dachten, sie würde uns Glück auf der nächsten Fahrt bringen.
Und war es so?
Nein, sie hat uns kein Glück gebracht.
Sondern nur Pech.
Zwölf stürmische Tage und Nächte. Wellen so hoch wie der Großmast.
Der Kompass drehte sich wild im Kreis.
Wir wussten weder wo wir waren noch wo wir hinfuhren.
Und dann, in nur einer einzigen Nacht
war das Essen schlecht, es war verrottet.
Dann überlegte ich. Möglicherweise hatte diese Hexe uns verflucht.
Je länger es dauerte,
je hungriger wir wurden, desto sicherer war ich mir.
Dann habt ihr sie umgebracht?
Und ihr habt sie gegessen?
Aye.
Und dann hat das Unheil seinen Lauf genommen.
Garrick sagte, dass ihr niemals an Land gehen könnt.
Wir schaffen es nicht mal an die Küste.
Wir haben es immer wieder versucht.
Jedes Stück Land, das wir fanden, Wind und Gezeiten haben uns fortgetrieben.
Ich weiß nicht, warum es diesmal anders war.
Sie brachten euch rein.
Wer?
Die Küstenwache.
Alles, was wir konnten, war segeln.
Und jagen.
Jagen, was denn?
Kleine Boote, große Boote.
Alles, was wir überfallen konnten. Wegen der Menschen.
Wegen des Essens.
Nachdem wir es das erste Mal aßen das Fleisch,
verlangten wir nach nichts anderem.
Diese Frau hat uns auf jede erdenkliche Weise verflucht.
Sie sagte, wir würden nie wieder Leben an Bord sehen.
Aber das ändern wir. Du und ich, Elena.
Wir schaffen neues Leben.
Scheiße.
Hi!
Meine Güte, Michael! Was machst du hier?
Na ich dachte mir, du bräuchtest Hilfe.
Unten warst du sicherer!
Alles gut. Niemand hat mich gesehen.
Michael, du trägst eine Warnweste!
Oh, Scheiße.
Egal jetzt. Komm her und hilf mir mit dem Ding hier.
Sei bitte leise!
Hast du, äh, ihn ausgeknockt?
Ja, hiermit.
Mayday! Mayday! Mayday!
Mayday! Mayday! Mayday!
Versuch's noch mal!
Mayday! Mayday! Mayday!
Einen Versuch war's wert.
Hier ist das Kreuzfahrtschiff Fleur de Lis.
Wir hören euren Notruf laut und deutlich.
Over.
Hallo? Hören sie mich? Bitte kommen!
Hallo? Ja, wir hören Sie. Gott sei Dank!
Wie lauten Ihre Koordinaten?
Over.
Wir wissen es nicht. Scheiße! Over! Äh, sorry.
Was war Ihre letzte bekannte Position? Over.
Wir sind gestern Abend gegen acht Uhr von der englischen Küste aufgebrochen.
Die nächste Stadt ist Saltfleet.
Wir fahren mit fünfzehn Knoten, und, ähm, Richtung unbekannt. Ähm...
Hören Sie, wir sind auf einem verdammten Piratenschiff!
Was war das? Bitte wiederholen. Over!
Ein Piratenschiff! Sie können uns nicht übersehen.
Bitte rufen Sie unverzüglich die britische Küstenwache an. Das Büro in Saltfleet.
Sie wissen dort Bescheid.
Sagen Sie ihnen, sie sollen den Helikopter schicken. Sofort!
Hallo? Hallo?
Sie sind außer Reichweite.
Haben sie alles verstanden?
Keine Ahnung. Ich schlage vor, wir gehen an Deck und halten Ausschau.
Oh, fuck!
Michael!
Nein!
Ahh!
Weißt du, Elena...
So langsam denke ich, dass du mehr Ärger machst, als du Nutzen bringst.
Wenn du darüber reden willst.
Sag mir einfach Bescheid.
Du hattest recht, Charlie.
Was?
Dass Menschen nicht über Dinge reden wollen,
weil sie sich sonst schuldig fühlen.
Ich war schwanger.
Als ich mich von Michael trennte.
Ich erfuhr es, als wir aus Barbados kamen.
Wusste er es?
Hab's ihm nie gesagt.
Er hätte dann nur wieder gefragt, ob ich ihn heiraten will.
Er wollte es so sehr.
Aber ich war nicht bereit.
Hast du, äh... Ich meine... Hast du es...
Nein, hab ich nicht.
Ich musste gar nichts tun. Ich habe es verloren
nach sieben Wochen.
Also musste ich keine Entscheidung treffen.
Du hast es niemandem erzählt?
Ich dachte, wenn, wenn ich ihn nie wiedersehen muss und,
und nicht darüber reden muss...
Dass es dann verschwindet, weißt du?
Du solltest etwas essen.
Du hast noch nichts gegessen, seit du hier bist.
Die Orangen sind lecker.
Ich hab irgendwie keinen Appetit. Okay?
Das Schiff ist nicht verflucht. Sondern die Menschen darauf.
Möglicherweise auch du.
Wieso siehst du mich so an?
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