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Lydia Dascha
* Sirenen, Stimmengewirr *
(Frau) Vor langer Zeit gab es eine Mutter und ihren Sohn.
(Mann) Bleiben Sie wach.
Als er heranwuchs... - (Mann) Bleiben Sie wach!
...verliebte er sich in ein Mädchen. Er stellte sie seiner Mutter vor.
Lea!
Lea!
(Frau) Das Mädchen begrüßte die Mutter freundlich
und bat sie um Wasser.
Lea.
(Frau) Aber die Mutter fürchtete sich vor ihr,
da sie einen Mond auf ihrer Stirn trug.
Dann war das Mädchen plötzlich verschwunden.
* Eintönige Musik *
(Radio) Acht Tote, acht Vermisste und 19 Verwundete.
Das ist die Bilanz des Angriffs auf Mykolajiw.
Die russischen Invasoren... * Handy *
...mit Marschflugkörpern... - Machen Sie bitte lauter?
Es wurden mehrere Wohnhäuser getroffen,
von denen eins vollständig zerstört wurde.
* Handy klingelt weiter, sie dreht lauter. *
Mama, warst du nach dem 24. überhaupt schon zu Hause?
Nein.
Bitte, pass auf dich auf. Mhm.
Wir haben Inha in Berlin untergebracht.
Ich nehme an, das ist sie, oder? Ja.
Inha ist hier nicht die Böse. Sei bitte nett zu ihr.
Schaffst du das? Okay.
Vielen Dank. * Handy *
(Dima) Wird aber auch Zeit. Warum gehst du nie ran?
Ich war ziemlich beschäftigt, Dmytro.
Inha hatte wichtige Dokumente dabei. Was hast du ihr über mich erzählt?
Absolut nichts, was dir mehr Schaden zufügen könnte als du dir selbst.
Wovon redest du?
Also dann, bis bald.
Lydia, nein, warte! * Sie legt auf. *
Es kam mehr zufällig raus. Ich hatte seine Geliebte im Auto.
Er hat meine Unterschrift gefälscht. Ich hab die Dokumente.
Auf den Konten sind Unmengen Geld aus Russland.
Wer hat das überwiesen? Und wofür? Lydia...
Er wusste, meine Schwester war in dem Bus, der beschossen wurde.
Ich sehe den Zusammenhang nicht, aber er muss verurteilt werden.
Die Gerichte arbeiten nicht. Nadja...
Wegen des Krieges bricht alles zusammen.
Hilf mir bitte, du kennst dich doch aus.
Sammle Beweise.
Er wird dafür bezahlen, wenn es so weit ist. Okay?
Bis dann.
* Melancholische Klänge *
* Handy *
Hallo? Lydia, hallo.
Hier ist Oksana Kovalenko.
Wer? Vom Stadttheater, in Luhansk.
Weißt du, ich...
Kannst du nicht die Kamera einschalten?
Oksana... Du hast dich überhaupt nicht verändert.
Du auch nicht.
Ich hab gesehen, dass du einen Fahrdienst anbietest.
Und... Es ist mir etwas unangenehm,
aber könntest du mir vielleicht helfen?
Genauer genommen, meinen Schwiegereltern.
Mhm.
Sie sind in Winnyzja. Das Krankenhaus hat sie entlassen,
und das war 'n absolutes Desaster.
Und wo wollen sie hin? Raus. Sie sind Franzosen.
* Sie atmet schwer, schwermütiger Gesang. *
* Gespräch auf Englisch *
* Sie wechseln auf Französisch. *
* auf Französisch *
* Sorglose Musik *
* Wechsel auf Französisch *
* auf Englisch: *
* Lea echauffiert sich auf Französisch. *
* auf Englisch: *
* Sie wechseln auf Französisch. *
* Seichte Musik *
* Lautes Klappern *
* Angespannte Klänge *
Lea...
* auf Englisch: *
* Handy *
Lyd, hallo. Sind Simons Eltern bei dir?
Ich kann sie nicht erreichen. Ja, wir sind noch unterwegs.
Was ist passiert? Ich wurde gerade angerufen.
Simon hat eine Reportage über eine Familie von Freiwilligen gemacht.
* Luftalarm *
* Die Verbindung bricht ab. * Oksana!
* Bedrückende Klänge *
* Sirenen *
* Sirenen, Stimmengewirr *
* Bedrohliche Bässe *
(Frau) Helft ihm! Helft ihm!
Er darf nicht sterben! Lea!
Lea!
* Düstere Klänge legen sich über den Lärm. *
* Dumpfe, verzweifelte Schreie *
(Oksana) Er ist mein Mann, er ist Reporter. Haben Sie ihn gesehen?
* Tragische Musik *
* auf Französisch: *
* Klagender Gesang, Sirenen, Stimmengewirr *
Simon?
Wir tun alles, was in unserer Macht steht.
Zu gefährlich.
* Christian ächzt. * Christian?
Papa? Papa! - Bleiben Sie da sitzen.
* Dramatische Musik *
Christian!
Ich kann Sie nicht verstehen.
* Sie sprechen englisch. *
* Erschöpfte Klänge *
* Handy *
Lea.
* Signalton *
Christian?
* Schweres Atmen *
* Er spricht englisch. *
* auf Französisch: *
Maman?
* Besetztton *
* Rührende Klänge *
(Frau) Erst als der Sohn sie ver- lassen hatte, erkannte die Mutter,
dass ihre Furcht vor dem Mädchen unbegründet war.
Da landete eine blinde Taube vor dem Fenster der einsamen Mutter.
Trotz ihrer Furcht gab sie dem Tier Wasser.
Und plötzlich verwandelte sich die Taube in die Braut ihres Sohnes
und die Mutter hatte sie sehr lieb.
(Nadja) Natalia hätte auf die Busse des Roten Kreuzes warten können?
Ja.
Aber sie ist früher gefahren. Weißt du auch, warum?
Sie musste fliehen, weil sie gegen die Separatisten war.
Aber alle in diesem Bus waren gegen die Separatisten.
Das scheint kein Zufall zu sein.
Lydoschka, das war einzig und allein ihre Entscheidung.
Mhm...
Jedenfalls danke.
Ich ruf dich an, sowie ich was Neues weiß.
* Besetztton *
Wie geht's ihnen?
Christians Zustand ist ziemlich kritisch.
Und Simon denkt nur ans Arbeiten. Hm.
Was ist mit Lea? Sie schmollt vor sich hin,
aber nicht mehr ganz so schlimm.
Bald fängt sie noch an, zu lächeln.
Danke, Lydia.
Sag mal, Oksana...
Wieso bist du und meine Schwester
nicht im selben Bus aus Luhansk weggefahren?
Ich erinnere mich nicht so genau. Versuch es.
Es bedeutet mir viel. Lydia...
Ich hab sie nicht retten können.
Früher loszufahren, war Stas' Idee.
* Wabernde Klänge *
Stas?
Dmitrij, meine Theaterleute haben sich alle versammelt.
So, wie du's wolltest. - Okay.
Ich bleib erst mal hier und warte... - In Ordnung, Stas!
Der Theaterintendant? Ja.
Er hat eine dringende Mitarbeiter- versammlung für alle einberufen.
Wir waren im Krankenhaus, meine Tochter hatte Masern.
Deswegen habe ich die Versammlung und den Bus verpasst.
Die Masern haben mir das Leben gerettet.
Lydia...
Du musst darüber hinwegkommen.
Du kennst dich damit aus, du bist Psychologin.
Ja, natürlich.
Natürlich.
* Eintönige Musik *
Oksana?
Hast du zufällig noch die Nummer von Stas?
* "Inshe Misto" von Dakh Daughters *
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2024
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