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Zulu
.
(Spannungsvolle Musik)
(Musik wird flotter.)
(Musik endet.)
(Scheibenwischerklappern)
Fuck.
Schlaf weiter, Hugo.
(Regenprasseln)
(Seufzen)
(Leises Brabbeln)
(Klappern)
(Leise Hintergrundmusik)
(Hupen)
(Hupen)
(Das Hupen hält an.)
Idiot.
(Leise Gesprächsfetzen)
Zum nächsten Kiosk.
Ja, Mann.
(Lachen)
Fette Karre fahren, aber keine Kohle für einen Regenschirm.
Wart ab, die kommt her.
(Bedrohliche Musik)
(Martinshorn)
(Angespannte Musik)
Wir tun alles, was wir können.
Kreilberg Ecke Hanaustraße.
Ja. Ja, die Feuerwehr weiß Bescheid.
Ihr Keller ist nicht der einzige, der unter Wasser steht.
Mein Auto ist weg.
Mein Auto ist weg!
Es geht der Reihe nach. - Die haben mein Auto gestohlen.
(schreit:) Mit meinen Kindern drin!
Wir kümmern uns drum, ja?
(Schluchzen)
Sind Sie klar? Nüchtern? Keine Drogen?
(gebrochen:) Mit meinen Kindern.
Ich schicke alle Kollegen los, die ich kriegen kann.
Aber dafür brauch ich erst mal alle Informationen,
die ich von Ihnen kriegen kann.
Wie ist Ihr Name? - Einen Moment bitte.
Ist Ihr Wagen zufällig ein dunkelgrauer SUV?
Ja. Haben Sie mein Auto?
Haben Sie meinen Wagen gefunden, haben Sie meine Kinder?
(Düstere Musik)
An der Neckarbrücke?
(Ernste Musik)
(Leise Gesprächsfetzen)
(Stimmengewirr, ernste Musik)
(Musik wird unheilvoller.)
(Düstere Musik)
(Beklemmende Klänge)
Die Kleine war angeschnallt und hatte den Unfall unverletzt überstanden.
Also ertrunken.
(kaum hörbar:) Ja.
Leider können wir uns unsere Toten nicht aussuchen.
Die Spurenlage ist katastrophal, nehme ich an?
Es ist noch schlimmer.
Gehen wir davon aus, dass der Junge ...
Hugo Aurelian Hübner.
Dass er während des Crashs im Auto war?
Beide Gurte waren vorne offen, die Vordertüren auch.
Vielleicht ebenfalls ertrunken, die Strömung ist nicht ohne hier.
Wir suchen den ganzen Fluss ab und die ganze Umgebung.
Zeugenaussagen?
Die Kollegen werten schon die Blitzer im Umkreis aus.
Um die Funkzellen kümmern wir uns, wenn wir wissen, wen wir suchen.
(Seufzen)
Ich meine, welches Arschloch klaut ein Auto mit zwei Kindern,
verliert die Kontrolle über das Ding
und senkt es in den Neckar?
Wir würden uns auch lieber mehr Zeit nehmen für alles,
aber wir haben keine Zeit.
(zittrig:) Was ist mit Hugo?
Wir wissen nicht, was mit Ihrem Sohn ist.
Aber wir haben die Hoffnung, ihn lebend zu finden.
Dafür brauchen wir Sie.
Wenn Sie sich aber nicht in der Lage fühlen ...
Machen Sie, fragen Sie.
Finden Sie ihn.
Bitte.
Wollen Sie uns erzählen, wie alles passiert ist?
Mh ...
Ich war bei meiner Schwester.
Hugo und Penelope sind dort eingedöst.
Meine Schwester und ich haben ...
haben sie schlafend ins Auto gepackt,
das machen wir immer, das war immer gut.
Aber Sie sind nicht gleich nach Hause gefahren.
Doch, schon. Aber ich ...
Ich wollte unterwegs noch Zigaretten kaufen,
aber bei dem Kiosk war kein Parkplatz.
Dann hab ich woanders geparkt, so 100, 200 Meter weg.
Und weil's so geschüttet hat, ich weiß ...
Ich hab den Schlüssel im Auto vergessen,
ich hab das Handy im Auto vergessen, ich hab auch ...
Ja, ich hatte schon zwei Aperol oder drei.
Ich ...
bin dann zurück zum Auto.
Aber das Auto war nicht mehr da.
Dann bin ich durch die Gegend gerannt und hab gesucht und ...
da war's nicht mehr.
Da war's nicht mehr.
Und dann bin ich ...
Dann sind Sie auf der Wache gelandet.
(leise:) Ja.
Wissen Sie noch ...
an welchem Kiosk Sie waren und wo genau das Auto gestanden hat?
Halten Sie mich für bescheuert?
Nein. Nur für etwas durcheinander.
Wissen Sie, wo?
Kiosk - Auto. - Mhm.
Gut.
Was war das?
Gelegenheitsdiebstahl oder eine günstige Gelegenheit,
sich 'ne 340-PS-Karre für eine Spritztour auszuleihen?
Und dabei zu übersehen, dass zwei Kinder im Auto sind?
Wenn sie schlafen, ruhig sind?
Ja, das Mädchen hinten vielleicht.
Aber doch nicht den Jungen auf dem Beifahrersitz.
Sag mal, du weißt, wer das ist, oder?
Nicht wirklich, irgendwie kommt sie mir bekannt vor.
Sie war wahrscheinlich
eine der meistfotografierten Frauen der Republik
vor, ich weiß nicht, zehn Jahren?
Pony. Langes O. - Und für was bekannt?
Dafür, dass sie bekannt war. - Aha.
Ein sogenanntes It-Girl,
inzwischen vielleicht eher Ex-It-Girl.
Sie war verschwunden die letzten Jahre.
Also keine Schauspielerin, kein Model,
aber sie hat was, was andere nicht haben.
Und wenn's ein gutes Management ist. - Also hat die Familie Geld.
Das dachte ich auch schon.
Vielleicht wollten die gar nicht das Auto klauen, sondern die Kinder.
Frau Müller, Sie leiten ab morgen die Soko.
Was wissen wir über den Unfallhergang? - Keine Bremsspuren.
Kein Hinweis auf eine Kollision.
Die KTU schätzt, der Wagen war innerorts mit 90 unterwegs.
Wie auf der Flucht.
Wie unter Druck.
Wie Lady Di und Dodi.
Hm.
Wie geht es Pony Hübner?
Sie bekommt grade von der Polizeiärztin ein Beruhigungsmittel
und wird durchgecheckt.
Weiß ihr Mann, was passiert ist?
Zwei Kollegen sind bei ihm.
Wir hatten die Hoffnung, der Junge könnte nach Hause gelaufen sein.
Ist er nicht?
Vielleicht ...
kommt er noch.
(Monotone, ernste Musik)
(Unbehagliche Klänge)
(Türglocke)
Wie kann es sein, dass man Hugo in 'ner Kleinstadt wie Stuttgart
nicht findet? - Wir haben 100 Leute im Einsatz.
Taucher und Sonarboote im Wasser.
Drohnen und Hubschrauber in der Luft.
Was wohl nicht reicht!
Erklärst du mir noch, warum du meine Kinder allein im Auto lässt?
Oder warum du die mitnimmst zu deiner komischen Schwester
und ihrem bescheuerten ... - Echse war gar nicht da.
Die Nanny konnte nicht, du warst weg und ich ...
Nee, bring die Kinder ins Bett, setz deinen Arsch aufs Sofa,
und zieh dir wie jede normale Mutter "Desperate Housewives" rein.
Herr Hübner, so geht das nicht. - Und, wie geht's, ha?
Es dauert oft eine Weile, bis tote Körper an die Oberfläche gelangen.
Trotzdem, wir gehen davon aus und halten es für möglich,
dass Hugo noch lebt.
Wo soll er denn sein?
Wir halten es für möglich, dass Ihr Sohn entführt wurde.
Gab es das schon mal, Drohungen gegen Sie oder Ihre Familie?
Erpressungsversuche, so was.
Ich wurde verfolgt.
Ah ja?
Und wann?
Seit ein paar Wochen immer wieder.
Und ich sag dir seit ein paar Wochen immer wieder, du spinnst.
Sie waren letzte Nacht unterwegs?
Ja, ich war auf 'ner Veranstaltung, ich hab gearbeitet.
Ich kam nach Mitternacht nach Hause,
hab gesehen, ich bin auf 400 Quadratmetern allein,
und war im Bett, bis mich Ihre Kollegen weckten.
Ohne sich zu wundern, dass Ihre Familie
nach Mitternacht nicht hier war? - Nein.
Waren Sie mal bei denen? - Bei wem?
Pat, Echse. - Warum?
Weil ich denen alles zutrau. - Stephan!
Die Kinder waren immer gerne dort.
(Monotone, ernste Musik)
Was machen wir jetzt, Pony?
Die Hoffnung behalten.
Für Hugo.
Sonst bleibt uns ja nichts.
Bleibt nichts.
Wärst du einfach nur zu Hause geblieben.
(Pat:) Stephan hat "Pony" aus ihr gemacht, als er sie fame gemacht hat.
Pony klingt geiler.
Stimmt ja auch, hat er mal was richtig gemacht.
Mögen Sie ihn nicht, Ihren Schwager?
Sagen wir so, ich hab immer einen Typen wie ihn gesucht,
Bonnie nicht, aber sie hat ihn gefunden.
Aber Ihre Schwester mögen Sie?
Wir sind best friends.
So viele Freundinnen hat sie ja nicht.
Zu viel "Wer ist die Schönste und Tollste im ganzen Land?".
Ich hab schon vor 40 Jahren auf sie aufgepasst,
als Mama im Zwinger GIs gejagt hat,
die so blöd waren, ihr Schnaps zu spendieren.
Mein Freund Echse hat immer viel Quatsch
mit Hugo und Penelope gemacht.
Die beiden haben ihren Vater ja nicht so oft gesehen.
Wobei ...
Stephan war mal 'ne coole Sau.
Dann hat er Geld verdient, dann noch mehr.
Dann hat er gemerkt,
dass er die Hälfte seiner Kohle dem Staat gibt,
die damit angeblich Leute wie uns pampert.
Hallo, Hübner hier, ist der Udo da?
(Pat:) Er hat den Steuerberater gewechselt
und ist geworden, was er ist.
Nein, ich möcht nicht mit irgendjemand sprechen.
Der soll zurückrufen, auf dem Handy.
Ich kann mich verlassen, ja?
(Pat:) Ich hätt ihr von ganzem Herzen einen anderen Mann gewünscht.
Arsch. - (Pat:) Vielleicht keinen wie Echse, den wünscht man auch keinem.
Aber es muss doch was dazwischen geben.
(Leises Stimmengewirr)
Ist das Ihr Kiosk? - Ja.
Ah. Wir sind von der Polizei. Waren Sie gestern Abend auch hier?
Ja, wir beide. Und ein paar Jungs.
Und diese Frau?
(Lockere Hintergrundmusik)
Auch. Aber nicht gephotoshoppt.
Gegen zwei, oder?
Ist die ein Model, oder was? - Ist nicht bekannt?
Nicht bekannt.
Hätte sie vielleicht sein sollen, wie sie sich benommen hat.
Ah ja, wie hat sie sich benommen?
Na, sie sagt: "'Ne Packung Kippen."
Ich sag: "Welche Marke, bitte?"
Sie sagt: "Ich kauf hier ganz oft Kippen und du weißt das nicht?"
"Kennst du mich nicht?" - Ich sage: "Nein."
"Ich kenne Sie nicht."
Dann hat Akhil ihr das Rückgeld nur in Münzen gegeben.
Einer der Jungs hat "Schachtel" im Zusammenhang mit ihr verwendet.
Da hat sie 'n Affen gemacht. - Bevor sie in der Nacht verschwand.
Sie haben nicht zufällig einen der Jungs hier
kurz danach in einem hochmotorisierten Fahrzeug gesehen,
das nicht sein eigenes Fahrzeug war?
Die Jungs sind hier so ähnlich motorisiert wie wir.
Wir stehen hier nicht so auf Statussymbole.
(Angespannte Musik)
Morgen. - Morgen.
Morgen.
(Musik verklingt, Telefon klingelt.)
Morgen.
Sagt mal, habt ihr das rausgegeben?
Nee, das, äh ...
Ich habe grade mit Stephan Hübner gesprochen.
Das ist seine Pressemitteilung,
die er auch auf seinen Kanälen verbreitet.
Der Mann hat mehr Kanäle als Venedig.
Er hielt es für angebracht, uns mit seinen Mitteln zu unterstützen.
Wären es meine Kinder und meine Kanäle,
ich hätt's genauso gemacht.
Irgendwas zwischen Verleger, Social-Media-Manager und Arschloch.
(Telefon klingelt.)
Sagt er über sich selbst.
Die verlinken zu einem drei Jahre alten Interview.
Und was sagt er noch?
Er hat vor zehn Jahren 80 Prozent seines Umsatzes
mit Heftchen gemacht,
mit denen er sich vor 20 Jahren den Arsch abgewischt hätte.
90 Prozent davon sind inzwischen eingestellt.
Womit macht er jetzt seinen Umsatz? - Mit Insta und TikTok.
"Als YouTuber muss man fast schon zu viel können
und bei Facebook sind nur noch alte Leute wie ich."
Also mit Influencer.
Ja, er beschäftigt 50 Manager, die für Klicks und Reichweite sorgen.
Mhm, sagt er auch was über seine Frau?
Ja, hier.
"Ich respektiere Ponys Entscheidung,
sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen
und sich ausschließlich um die Kinder zu kümmern."
(Vogelzwitschern)
Das soll mein Mann entscheiden.
Wenn ich aus Erfahrung sprechen darf, es ist besser, wenn die ...
Mütter ...
(leise:) Okay.
Wir ... melden uns bei Ihnen.
Was man tief im Herzen trägt,
das kann man durch den Tod nicht verlieren.
Bis bald, Frau Hübner.
(Beklemmende Musik)
(Krachen)
(Beklemmende Musik)
(Stimmengewirr)
(Entferntes Telefonklingeln)
(Die Musik wird angespannter.)
(Stimmengewirr)
(Bewegte, eindringliche Musik)
(Leises Stimmengewirr)
Wenn es etwas Berichtenswertes zu berichten gibt,
werden wir eine Pressemitteilung rausgeben.
Und werden, ja, auch Sie zu einer Pressekonferenz einladen.
(Bewegte Musik)
"Pony, wir sind so bei dir."
"Unsere Herzen schlagen nur noch für Hugo und dich."
Mama, kümmer dich um Papa, ja?
Bleibt, wo ihr seid, ich melde mich, wenn ich Hilfe brauche.
"Kümmer dich um Bonnie." - Sie heißt Pony.
"Bonnie."
"Stephan, vielleicht ist sie gar nicht das,
was du aus ihr gemacht hast."
Natürlich kümmer ich mich.
(Bewegte Musik, Helikopterknattern)
(Vogelkeckern)
(Die Musik wird abwartender.)
(Klappern)
Ts.
(Angespannte Musik)
(Die Musik wird beklemmender.)
(Eindringliche Trommelschläge)
(Musik verklingt.)
Das sind doch gute Nachrichten. - Das heißt, dass er lebt.
Nicht zwingend.
Wieso sagen Sie das jetzt?
Weil uns die Erfahrung sagt,
dass es bei einem so prominenten, prominent gemachten Fall
oft Trittbrettfahrer gibt.
Es kann aber auch nicht so sein. - Natürlich.
Was sagt denn die Erfahrung? Wann kommen die ersten Forderungen?
Im Grunde jetzt.
Also wir könnten die Briefe auch schon im Briefzentrum abfangen,
wenn wir das dürfen.
Natürlich.
Sie wollen meine ganze Post öffnen?
Im Einzelfall würden wir um Erlaubnis bitten.
Natürlich, ich hab ja nichts zu verbergen.
Das klang grade so. - Da haben Sie sich grade verhört.
"Drei Millionen und Sie krigen Ihr Kint wieder."
Kriegen ohne E, Kind mit T.
Millionen ist richtig geschrieben.
Abgefangen? - Ja, im Briefzentrum.
Vier Stück, die morgen zugestellt worden wären.
Von mutmaßlich vier verschiedenen Entführern.
Dazu 500 Hinweise aus der Bevölkerung.
Jeder Dritte fragt, wie hoch denn die Belohnung ist,
wenn sein Hinweis Hugo rettet.
Und welchen Brief halten Ihre Spezialisten für echt?
Oder sind alle fake?
Vielleicht den von heute Morgen.
(Leises Stimmengewirr)
(Türglocke)
Ich koche grade.
Vom Lastwagen gefallen?
Bonnie bringt oft was mit, wenn sie kommt.
Wir brauchen das nicht.
Echse will den Kram verkaufen, ich nicht.
Geschenk ist Geschenk.
Wo ist er eigentlich, Ihr Freund? Wie heißt er noch mal?
Eckhard Bayer.
Den Namen kennt keiner. "Echse" kennen alle.
(Brutzeln)
Er ist mit seinen Kumpels unterwegs.
Noch was trinken, oder ...
Sie sehen Leute wie uns und denken, Sie wissen, wie wir sind, ne?
Das Saufen hat er sich abgewöhnt, so wie ich mir das Rauchen.
Stephan ist schuld.
Woran? - Bonnie hat nie geraucht.
Nie übermäßig getrunken.
Bonnie hätte nie nachts zwei Kinder allein im Auto gelassen.
Nicht mal einen alten Hund.
Aber Pony, die ... die macht das.
Der Arsch hat ihre Todesanzeige veröffentlicht.
Wie meinen Sie das jetzt?
In einem seiner Heftchen gab's mal 'ne Rubrik,
so ...
so Kästchen.
Mit einer schwarzen Umrandung, "Was macht eigentlich ...?"
Dolph Lundgren?
Oder Linda de Mol.
Stehst du da, bist du tot.
(Entferntes Hupen)
Und Pony Hübner stand da.
Steht da die Frau vom Chef, wenn der Chef das nicht abnickt?
So wie er die meisten seiner Heftchen eingestellt hat,
hat er Pony eingestellt.
(Entferntes Stimmengewirr)
Bonnie war nicht das erste Mal spät hier mit den Kids.
Und Stephan ist nicht nur einmal spät hier aufgeschlagen,
hat Tamtam gemacht, Kinder eingepackt:
"Hugo muss zur Schule!"
"Kannst du mit deinem Arsch nicht mal zu Hause bleiben?"
Babamm.
Okay, wir nehmen das zur Kenntnis, Frau Wagner.
Nehmen Sie bitte auch zur Kenntnis,
dass er das auch in der Nacht, in der Hugo weggekommen ist,
versucht hat.
Moment, Stephan Hübner war hier?
Sturm geklingelt gegen halb zwei. - Und dann?
Hab ich auf die Gegensprechanlage gedrückt: "Bonnie ist weg."
"Verpiss dich." - Was hat er gesagt?
Was soll er noch sagen? - Er hat nichts gesagt.
Sie haben nicht mal seine Stimme gehört?
Wer soll das sonst gewesen sein?
(Unbehagliche Musik)
(Quietschen)
Du hast dich nicht im Griff.
(Verstörende Musik)
Weißt du was?
Ich find's abartig, sich so im Griff zu haben wie du.
Vielleicht tu ich nur so.
Und ich werd wahnsinnig, alles macht mich wahnsinnig.
Du machst mich wahnsinnig.
Nicht mal jetzt kannst du bei mir sein.
Weißt du nicht mehr, wie das geht, ha?
(Sie schluchzt.)
Wo bist denn du hin?
Wo bist denn du hin?
(Verstörende Musik)
(Wiederholtes Klingeln)
Pat!
Du schläfst doch noch nicht.
Wenn du schläfst, schwing deinen Arsch aus dem Bett, blöde Kuh.
Pat!
(Unbehagliche Musik)
(Musik wird eindringlicher.)
(Elektronische Musik mischt sich dazu.)
(Elektronische Tanzmusik mit sphärischem Gesang)
Pony.
Du musst nach Hause.
Pony.
(Elektronische Tanzmusik mit sphärischem Gesang)
(Johlen)
(Kraftvolle Musik)
Das ist doch die Pony. - Das ist sie nicht.
(Kraftvolle Hiphopmusik)
Hey, Pony.
(Musik verhallt.)
(Entferntes Bellen)
(Ächzen)
(Sie lacht.)
Hallooooo, junger Mann.
Eine Freundin Ihrer Frau hat die Wache informiert.
Und die Wache mich. - Ich wollt sie grad einsammeln.
Ach ja? - Ich hab sie gesehen.
Und wo? - Im Netz.
Fotos auf 100 Seiten, 10.000 Kommentare.
So fame warst du schon lange nicht mehr.
Sie kümmern sich um sie, ja?
Natürlich.
(Bellen)
(Unbehagliche Musik)
(Zirpen)
(Angespannte Musik)
(Düstere, unbehagliche Musik)
(Angespannte Musik)
(Stimmengewirr)
(Telefon klingelt.)
Ja, ich recherchier noch. (Telefon klingelt.)
Frau Müller?
Frau Müller!
Danke. Ja?
Gut, ich komme.
Ist Ihre Frau schon wach? - Nee.
Aber so wie gestern Abend sind wir früher oft nach Hause gekommen.
Nicht ganz so zugerichtet, aber ...
Ich wusste vor ihr gar nicht, wie man lebt.
Hat sie mir gezeigt.
Das ist doch nicht wahr.
Das stimmt nicht.
Ein Albtraum.
Stephan denkt wahrscheinlich, dass ich das gestern Abend gemacht hab,
um wieder in die Öffentlichkeit zu kommen.
Ja, aber so denkt doch niemand.
Er denkt das, weil er mich gut kennt.
Aber ich hab einfach rausgemusst.
Verstehen Sie das?
Wenn Sie sich sehen wollen, Herr Lannert ...
was machen Sie da?
Wenn ich mich ... - Ja. Was?
Dann schau ich in den Spiegel.
Was, wenn Sie da reingucken und da sind Sie nicht?
Bisher war ich noch immer da. - Ja, ja, ja.
Aber was, wenn nicht? Was würden Sie da denken?
Puh.
Was würde ich da denken?
Mich gibt es nicht mehr.
Ich wäre ein Geist oder so was.
Ja.
Wenn ich mich sehen will, dann guck ich nicht in den Spiegel.
Dann guck ich in die Magazine.
Wissen Sie, was ich mein? - Ja.
Wenn ich da reingucke und ich seh mich nicht,
dann denk ich ...
Sie gibt's nicht mehr.
Oder ich bin ein Geist.
Oder so was.
Dann geh ich auf Insta und seh mich auch nicht,
also da bin ich, aber ...
Wenn du nur 10.000 Follower hast, bist du unsichtbar.
Auch ein Geist.
Ihre Schwägerin behauptet, Sie waren in der Nacht,
als der Wagen verschwunden ist,
noch bei ihr, um die Kinder einzusammeln?
Nee.
Behauptet sie denn, mich gesehen oder mit mir gesprochen zu haben?
Nein.
Das war Ihr Geschäftstermin in der Unfallnacht, richtig?
Wenn ich das richtig verstanden habe,
hat Ihr Mann Sie damals sichtbar gemacht. - Ja.
So sichtbar, dass ich mich selbst zum ersten Mal gesehen hab.
Aber seit ein paar Jahren ...
Vielleicht mag er jetzt andere.
Vielleicht die jungen Damen aus der Firma,
die studiert haben, lesen und ins Theater gehen.
So einen zynischen Humor haben wie er.
Reden Sie darüber mit ihm?
Wir reden nicht mehr so oft.
Manchmal schreien wir noch miteinander.
Oder schweigen.
Was wäre mit den Kindern im Falle einer Scheidung passiert?
Wie, Scheidung?
Kam keiner von Ihnen auf die Idee, sich zu trennen?
Nicht, dass ich wüsste.
Ja, nicht, dass ich wüsste.
Aber es ist auch egal, es ist ...
nicht wichtig.
Hugo ist wichtig.
Unsere Geschäftstermine sehen eben anders aus als die von Polizisten.
Ja. - Es war eine Comedynachwuchs-Preisverleihung.
Woher haben Sie das, aus dem Netz? - Mhm.
Was sind das nur für Menschen,
die in solchen Situationen solche Sachen posten?
Ihre Mitarbeiter vermutlich?
Wir haben das Foto auf dem Account Ihrer Agentur entdeckt.
Es soll auch nicht bei einem Bier geblieben sein.
Zwei Ihrer Gäste, mit denen wir gesprochen haben,
meinten, Sie hätten ganz schön Schlagseite gehabt.
Es gab Freibier, ich hab's bezahlt, da wollt ich was abhaben.
Waren Sie danach doch noch bei Ihrer Schwägerin
und haben Sturm geklingelt?
Ja, aber das ist nicht relevant.
Das würd ich gerne selbst beurteilen.
Außerdem war ich mit dem Auto und jeder Menge Freibier unterwegs,
wegen des Führerscheins hab ich's erst mal für mich behalten.
Sie ... Sie haben Ihre Tochter verloren
und Angst um Ihren Führerschein?
Wie stellen Sie sich das denn vor?
Wie soll ich es mir vorstellen?
Du kommst nach Hause und denkst, alle da, und dann keiner da.
Weil du einen im Tee hast,
hast du vielleicht deine Gefühle nicht richtig im Griff.
Du machst vielleicht Sachen,
die du kontrolliert, vernünftig nicht machen würdest.
Noch mal losfahren. Nach dem Rechten sehen.
Nachdem Sie Ihre Frau mehrfach nicht erreicht haben.
Und dann fahren Sie an diesem Kiosk vorbei,
der auf dem Weg liegt, und sehen Ihre Frau,
beobachten, wie sie gerade geht.
Und die Kinder allein im Auto lässt, ja?
Die Kinder allein im Auto lässt.
Das Auto offen lässt, sodass jeder damit wegfahren könnte.
Mit dem Auto.
Den Kindern. - Jedes blöde Arschloch.
Mhm. Selbst Sie.
(Unbehagliche Musik)
Und dann setzt du dich ins Auto und denkst ...
ich bring die Kinder hier weg, nehm sie der Alten weg.
Bring sie einfach nach Hause. Aber du bist besoffen.
Bist nervös und gibst Gas.
Viel Gas, mehr Gas.
Und steuerst die Kiste in den Neckar.
Kommst grade noch raus.
Und rennst weg, einfach weg.
Weil dir dein eigener Arsch einfach der nächste ist.
(Unbehagliche Musik)
Mhm.
War es so?
Nee.
Ich wollte mich nur in Ihre abstruse Gedankenwelt reindenken,
auch wenn das wenig überzeugend war. - Ich fand das nicht ...
nicht überzeugend. - Ah ja?
Dann war ich besser, als ich dachte, kommt häufig vor.
(Handy klingelt.)
Ja?
Oh.
Ja, dann kommen Sie doch vorbei.
(Angespannte Musik)
(Vogelkeckern)
(Autotür wird zugeschlagen.)
Im Briefzentrum abgefangen, ich darf ihn öffnen?
Machen Sie ihn auf.
(Angespannte Musik)
Geht das nicht schneller? - Nein.
"Sehr geehrte Familie Hübner, Hugo geht es gut."
"Für zwei Millionen bekommen sie ihn lebend zurück."
"Damit Sie mir glauben: Ihr Sohn trägt ein rotes Sweatshirt
von BlueKid, eine Bluejeans von KidCat,
grüne Unterwäsche von BoyBoy."
Das hat er an.
Er liebt diese Katzenhose so.
Das heißt, der Brief ist echt.
Scheint so. - Wieso scheint so?
Ich würd mir gern was aufschreiben.
Kann ich das haben? - Jaja.
Wieso scheint so?
(Angespannte Musik)
Man kann auch die Kleidung einer Leiche beschreiben.
Was?
Nein, sag das nicht.
Und weißt du, warum?
Weil er lebt. Hugo lebt.
Penelope ist tot.
(Angespannte Musik)
Wenn wir jetzt aufgeben, geben wir Hugo auf.
Geben wir uns auf.
Du musst dran glauben.
Bitte.
(Angespannte Musik)
(Rattern)
(Angespannte Musik)
Ah, ich hab Sie gesucht. - Und ich Sie.
Das ist der vorläufig finale KTU-Bericht.
Das mit den 11,80 Euro finde ich übrigens hochinteressant. - Okay.
Danke.
Ich kann nicht backen.
Aber Ihre Leute können es. Im Labor untersuchen.
Wenn Sie mir sagen, auf was und warum, können sie das bestimmt.
(Zirpen)
(Vogelzwitschern)
Sie kommen jetzt extra hierher, um mich zu fragen,
ob ich mich von meiner Frau trennen wollte?
Ja. - Nein.
(Türsummer)
Warum nicht? Wegen des Geldes? - Wie, Geld?
Es gibt Wörter wie Zugewinnausgleichsverfahren,
die manche Ehen länger zusammenhalten,
als es der Ehe guttut. - Es gibt auch Eheverträge.
Haben Sie? - Schickt Ihnen mein Notar.
Scheidung wär für mich quasi gratis.
Wissen Sie auch, warum ich mich nicht trennen will?
Weiß ich nicht. - Weil ich meine Frau liebe.
Hallo. - Hi.
Einen Kaffee bitte, schwarz. - Selbstverständlich.
(Lockere Hintergrundmusik)
Die Zigaretten, die Pony Hübner neulich gekauft hat,
wie teuer waren die?
Megateuer. 8,20?
Und Sie sagten, das Wechselgeld hat sie nur in Münzen bekommen?
Wie hat sie bezahlt?
Mit einem 20er.
Das Wechselgeld waren ausschließlich Münzen?
Deswegen hat sie ja diese Show abgezogen.
Gut.
Pony Hübner hat mit einem 20-Euro-Schein bezahlt
und 11,80 Euro Wechselgeld bekommen, in Münzen.
Klingt logisch, wenn die Zigaretten 8,20 Euro gekostet haben.
11,80 Euro lagen im Handschuhfach,
als wir den Wagen aus dem Neckar gefischt haben.
In Münzen.
Stör ich? - Nein.
Wenn das Wechselgeld im Wagen war,
war auch Pony Hübner noch mal im Auto.
Und zwar nach dem Kiosk.
Dann hat sie ihr Auto gefunden und ist damit weitergefahren.
Das heißt, wir müssen in Erwägung ziehen,
dass Pony Hübner den Wagen nicht nur in den Neckar gelenkt,
sondern auch die Entführung erfunden hat.
Das müssen wir in Erwägung ziehen,
aber auch, dass es wenigstens zwei Erpresserbriefe gibt,
die wir für authentisch halten.
Aber sind sie authentisch?
Warum sollte sie das getan haben? - Erweiterter Selbstmord.
Frust, Depression, kaputte Ehe.
Junge Frau, deren Todesanzeige am 35. Geburtstag veröffentlicht wurde.
Von ihrem Mann.
Cover, von denen sie verschwunden ist,
schöne neue Welt der Influencer,
in die sie nicht mitgenommen wird.
Ein Mensch wie ein Geist, unsichtbar.
Wir haben 'ne Art Presseschau zusammengestellt.
Pony Hübner ließ in den letzten Jahren wenig unversucht,
um wieder sichtbar zu werden.
Zungenküsse mit Frauen,
inszenierte Schlägereien mit anderen Ex-It-Girls,
sogar einen Nippelblitzer hat sie nicht ausgelassen.
Nippelblitzer, echt?
Damit hat sie's in die Top Ten
der meistgesuchten Begriffe in Deutschland geschafft.
"Pony Hübner, Nippelblitzer".
Rang neun, vier Plätze hinter "Dschungelcamp".
Wir beobachten auch ihre Social-Media-Accounts.
Die Leute, die Kommentare der Leute.
Was postet sie? - Sie selbst nichts.
Dabei hat sich die Anzahl ihrer Follower:innen und Abonnent:innen
seit dem Unfall mehr als verzehnfacht.
Vielleicht wollte sich Stephan Hübner scheiden lassen.
Er behauptet, wollte er nicht.
Zu teuer? - Ehevertrag.
Kein Zugewinnausgleich, kein Versorgungsausgleich.
Kein Eintrag im Grundbuch für Pony. Nur ein paar Jahre Unterhalt.
Dann muss es etwas anderes sein.
Oder ...
Oder was?
Er lügt.
(Türglocke)
(Geschirrklappern, Seufzen)
Wir essen grade, aber kommen Sie rein, wenn's sein muss.
Gibt's was Neues von Hugo?
Leider nein.
Nach was riecht es hier eigentlich? - Nach Asphalt.
Der Duft der Straße.
Kannst machen, was du willst, du kriegst es aus den Haaren nicht raus.
Ja, und aus den Poren und allem anderen auch nicht.
Eckhard Bayer, Straßenbau.
Thorsten Lannert, Kriminalpolizei. - Hallo.
Frau Wagner, wollte sich Stephan Hübner
von Ihrer Schwester scheiden lassen?
Ich ... - Auf was läuft denn das hinaus?
Hat sie erwähnt,
sie würde im Falle einer Scheidung die Kinder mitnehmen?
Und wenn, wie wäre das für Ihren Schwager?
Stephan liebt die Kinder mehr als der Papst den lieben Gott.
Oder wie die reichen Jungs sagen,
die lieber im Büro schlafen als daheim,
er hat Quality Time mit ihnen verbracht.
Die Scheiße weggemacht hat immer Pony.
(Geschirrklappern)
So.
Essen wird kalt.
Wir sind schon raus, vielen Dank.
Guten Appetit.
Wenn sie bei einer Scheidung wenig bis kein Geld zu erwarten hat,
was bleibt ihr dann als letzter Trumpf?
Sie drohte, ihm die Kinder wegzunehmen.
Falls dem so wäre, würde er sich das bieten lassen? Nee.
Er würde dagegenhalten, mit seinem Geld, seinen Kanälen,
Kontakten und Anwälten.
So einfach ist es nicht, einer Mutter das Sorgerecht zu entziehen.
Die Kollegen haben zwei Briefe abgefangen,
adressiert an Hübners Büroadresse.
Die wir auch nicht öffnen dürfen. - Den Absender durften wir lesen.
Zum einen stand da: Kanzlei Frank Schweppenhäuser,
spezialisiert auf Familienrecht.
Das ist der Scheidungsanwalt für alle mit Geld.
Und zum anderen?
Zum anderen gab's da einen Brief von ihm hier.
(Angespannte Musik)
Detektei Rudow.
(Entferntes Bellen)
Und was wollen Sie damit beweisen?
Wie der Detektiv das rausgefunden hat, wissen wir nicht.
In seinem Bericht steht,
Pony Hübner leidet unter schweren Depressionen
und es besteht Suizidgefahr.
(Musik, Stimmengewirr aus dem Video)
Das ist ein Notfallmedikament, das nach einer Woche abhängig macht,
kein modernes Antidepressivum.
Mit den modernen, die nicht abhängig machen, geht's gerade.
Da war ich nur ein einziges Mal.
Da gehst du halt hin,
wenn du nicht mehr weißt, wo du sonst hin sollst.
Ihre Frau lag ganz richtig,
als sie von der Verfolgung berichtet hat.
Ihr Detektiv hat sie verfolgt.
Ja, dann war das wohl so, ja.
Ich bin verrückt, hast du gesagt.
Verrückt, irre, durchgedreht, hast du gesagt,
Koksparanoia, hast du gesagt, schneeblind.
Es tut mir wahnsinnig leid.
Ja. Das hier ist von Ihrem Anwalt Schweppenhäuser.
Was wird da wohl drinstehen, Herr Hübner?
Dass die Aussichten, das alleinige Sorgerecht zu erhalten,
ganz gut sind? - Wussten Sie davon, Frau Hübner?
Woher soll sie denn davon wissen?
(Ächzen)
Am Morgen vor Penelopes Tod hat die Detektei
eine Kopie dieser Unterlagen hierher geschickt,
an Sie adressiert,
aber laut Kurierdienst angenommen von Ihrer Frau.
Zwölf Stunden vor dem Unglück erfährt Ihre Frau also,
dass Sie ihr die Kinder wegnehmen wollen.
Das wollte ich nicht.
Ich wollte nur vorsorgen für den Fall,
dass Pony sich scheiden lassen
und mir die Kinder wegnehmen will.
Außerdem, was reimen Sie sich hier eigentlich zusammen?
Was soll das denn?
Es gibt doch den Brief des Erpressers.
Ja?
Wer außer dem Entführer könnte noch beschreiben,
welche Kleidung und Unterwäsche Ihr Sohn Hugo trug?
Meine Frau zieht die Kinder an.
Das Backrezept.
Apfelkuchen.
Hab's gleich gewusst, als Sie's mitgenommen haben.
Gleiche Papier, gleiche Tinte wie die Erpresserbriefe.
Ihre Spurensicherung kriegt so was raus, oder? - Ja.
Ja.
Ich hab die Briefe geschrieben.
Gefaket, ja.
Um uns zu trösten.
(Abwartende Musik)
Um dich zu trösten.
Gab doch keine Hoffnung mehr, mit den Briefen gibt's die wieder.
Sonst hätten wir das doch gar nicht ausgehalten.
Wir müssen Sie mit aufs Präsidium nehmen, Frau Hübner.
Meine Frau hat doch grade gesagt, warum sie die Briefe geschrieben hat.
Und Hugo lebt, vollkommen egal, von wem die Briefe sind.
Wenn es einen Entführer gibt, dann kann keiner von Ihnen beiden
diesen Wagen in den Neckar gelenkt haben.
Aber es gibt keinen Entführer.
Worauf warten wir noch?
Auf Ihren Anwalt. - Ich nicht.
Sie verzichten auf einen Rechtsbeistand? - Ja.
Dann können wir das so protokollieren?
Sonst hätt ich's nicht gesagt. - Gut.
Frau Hübner, Sie haben eine Entführung erfunden.
Wir fragen uns, warum.
Ihr Mann wollte Ihnen die Kinder wegnehmen.
Und Sie wussten, dass er gewinnt.
Es gibt da so ein Modell ...
wie etwas aus dem Ruder läuft.
Zum Beispiel eine Ehe.
Wie ein Schlag kommt und ein Gegenschlag.
Und am Ende, nach vielen weiteren Schlägen und Gegenschlägen
nimmt man den eigenen Untergang in Kauf.
Wenn nur auch der andere mit untergeht.
Wie beim "Rosenkrieg".
Wo sie am Schluss beide draufgehen.
Kennen Sie diesen Film? - Ja, kenn ich.
Genau so.
Ich häng mit meinem Mann am Kronleuchter und dann ...
überleg ich mir, wie ich ihn noch treffen kann.
Und da bleibt nur, ihm die Kinder zu nehmen,
bevor er sie mir nimmt?
Genau so mein ich das.
Vielleicht kommt es gar nicht ...
weil man's plant oder überlegt, vielleicht ...
kommt einfach ganz viel zusammen über die Zeit,
in der Situation, auch im Kopf.
Vielleicht kannst du dann nicht immer ein Ist-Gleich hinter machen,
das und das gibt das und dann machst du das.
Vielleicht ist es nur ...
ein Moment, ein ...
Flash.
Wo alles ganz klar erscheint in deinem Kopf
oder unklar,
wo du gar nicht so genau weißt ...
was du tust und warum.
Warum's gerade richtig ist, wo du glaubst, das ist die Lösung,
für was, für was es in allen anderen Augenblicken keine Lösung gibt.
Dann fährst du da vorbei, wo's steil runter geht
und hattest 20-mal vorher so 'n Flash.
Und beim 21. Mal, weil du bist, wie du bist, machst du's wirklich.
Du ziehst das Lenkrad rüber und es ist passiert.
Und was passiert ist, kannst du nicht ungeschehen machen.
(Leise, angespannte Musik)
Das klingt einleuchtend.
Sehr sogar.
Dann bist du unter Wasser.
Und plötzlich wehrt sich doch was tief in dir dagegen, zu ersaufen.
Und vor allem, deine Kinder ertrinken zu lassen.
Dann öffnest du den Gurt von deinem Sohn,
kriegst sogar die Beifahrertür auf, du kriegst ihn raus.
Dann steigst du aus, du musst hinten die Kleine rauskriegen.
(verzweifelt:) Dann reißt dich die Strömung weg.
Du haust dir den Kopf an, du kriegst eh keine Luft mehr.
Du wirst ohnmächtig und wenn du wieder zu dir kommst,
da, wo du angespült wirst, weißt du nicht, wo du bist.
Du läufst zur nächsten Polizei.
(Leise, angespannte Musik)
Und weil es so geschüttet hat, wundert sich auch keiner,
dass Sie nass bis auf die Knochen sind.
(Schniefen)
Das klingt einleuchtend.
Sehr sogar.
(Leise, angespannte Musik)
Aber so war's nicht.
Auch, wenn Sie sich das wünschen würden.
Sie mögen mich nicht, oder?
Frau Hübner, Sie sind den Wagen gefahren,
nachdem Sie beim Kiosk waren.
Wir haben das Wechselgeld von den Zigaretten
in Ihrem Handschuhfach gefunden.
Ich werf doch da ständig irgendwas rein.
Wissen Sie nicht, dass kein Kind in den Himmel kommt,
was von seiner Mama da hingeschickt wird?
Kann ich jetzt heim?
Nein.
Wir dürfen Sie bis zum Ablauf des kommenden Tages hierbehalten,
diese Zeit nehmen wir uns.
Ja, das versteh ich.
Sie können immer noch einen Anwalt anrufen.
Warum denn?
(Poltern, Krachen im Videospiel)
(Schüsse, unbehagliche Musik)
(Schüsse im Spiel)
(hallend:) Mami, Mami.
(Die Geräusche verstummen.)
(Wiederholtes Dröhnen)
Wo gehen wir hin?
Zur Arrestzelle.
Sie kriegen was zu essen und frische Handtücher.
Rauchen können Sie da aber nicht. - Okay.
Ist das die Zelle mit den Gummiwänden?
Die haben wir hier nicht.
Herr Lannert, Herr Bootz?
(Angespannte Musik)
Setzen Sie sich bitte, ja?
Der ist nicht von mir, ich hab nur zwei geschrieben.
Ich darf ihn öffnen? - Machen Sie schon.
(Rascheln, angespannte Musik)
Frau Hübner. - Darf ich?
(Angespannte Musik)
"Wir fordern 1,5 Millionen Euro, ausschließlich in 100-Euro-Scheinen,
keine Polizei, jede Einmischung wird Folgen haben."
"Wir melden uns telefonisch, seien Sie bereit."
(Seufzen)
In den nächsten Stunden treibt kein Mensch so eine Summe auf.
Das ist mein Problem, also kein Problem.
Er will keine Polizei, aber ich will Polizei bei der Übergabe.
Nur wenn Hugo 100-mal wichtiger ist als das Geld
und dieses Arschloch zu kriegen.
Das ist auch unsere Priorität.
Wir sollten heute Nacht bleiben. - Natürlich.
(leise:) Ja, jetzt. Heute Abend.
Wie lang bin ich bei euch Kunde?
Gut.
(Zirpen)
(Entferntes Bellen)
Hat das Hugo gemalt? - Ja.
Er kann wirklich Autofahren.
Hat Echse ihm beigebracht mit Ponys Auto.
Wenn wir hier nicht aufhören zu streiten,
haut er mit Penelope ab.
Haben Sie an dem Abend auch gestritten?
Ja.
Falls Hugo mit dem Auto gefahren ist,
wie passt die Entführung dazu?
Gar nicht.
(Tür wird gesperrt.)
Pat, wie lang soll ich noch hierbleiben?
(Seufzen)
Ich weiß es nicht, Hugo.
(Beklemmende Klänge)
Ich ...
Ich kann's dir nicht sagen.
Ich hab dich lieb. - Ich dich auch.
(Geschirrklappern)
Ich weiß jetzt, wie's mit dem Lösegeld läuft.
Ich kriege kalte Füße, Echse. - Der Plan ist total durchdacht.
Wie viele deiner total durchdachten Pläne haben funktioniert?
Wir bringen Hugo heim, jetzt.
Der Junge ist traumatisiert.
Sagt die Traumaexpertin Pat Wagner.
Hugo geht's hier besser als die letzten Monate bei Mama und Papa.
Wir machen Hugo zu Geld, wenn wir's haben, schicken wir ihn heim.
Hugo weiß, wer wir sind und wo er ist.
Er muss es ja keinem erzählen. - Echse!
Warum soll der Junge quatschen, hm? Hey, warum?
Wir haben es verdient.
Wir sind nicht schlechter als die beiden. - Offenbar doch.
Sonst wären die hier und wir dort.
Nee, er ist ein Arsch und wir nicht.
Ärsche haben Asche.
Jetzt sind wir die Aschenärsche.
(Angespannte Musik)
Und wie sieht dein total durchdachter Plan aus,
wenn du das Geld hast?
Ich hab da 'n Kumpel.
Auf der Arbeit.
Der bringt uns wohin, wo uns keiner findet.
Der sich da auskennt, wie so ein Skyline-Paradies.
Griechenland.
Ich bin raus.
Und abgesehen davon war ich noch nie drin.
Wie soll der Junge quatschen, wenn er nicht mehr quatschen kann?
(Ernste Musik)
Wenn du ihm was antust ...
Ich bin raus.
Raus. Raus.
Okay, wie ist denn dein Plan, ha? Erzähl mal!
Wir bringen Hugo einfach heim. - Und dann?
Den Rest erklären wir halt.
Okay, dann erklären wir halt.
Wer soll denn uns das glauben?
Wer glaubt uns das, wer glaubt uns?
Wer glaubt, dass wir Hugo nicht entführt haben?
Ha?
Jetzt schlaf 'ne Nacht drüber.
Okay?
(Ernste Musik)
Okay.
(Düstere, angespannte Musik)
(Beklemmende Töne mischen sich bei.)
Bei 1,5 Millionen stellt man sich irgendwie mehr vor.
Wir können das Geld markieren, Schein für Schein.
Oder einen Sender anbringen.
Ich hab noch mehr davon, aber nur noch ein Kind.
(Unbehagliche Musik)
(Musik steigert sich.)
(Bewegte Musik)
(Zirpen)
(Ernste, bewegte Musik)
(Die Musik wird unbehaglicher.)
Verzeihung, ich wollte nicht indiskret sein.
Sind Sie nicht.
(Handy klingelt.)
Pat.
(Das Handy klingelt weiter.)
Jetzt brauch ich dich auch nicht mehr.
In dieser Nacht ...
weil's so geschüttet hat,
hab ich eine junge Mitarbeiterin nach Hause gefahren.
Also zur Tatzeit ...
saß sie bei mir im Auto.
Falls Sie immer noch denken, ich ... Sie wär mein Alibi.
(Verächtlicher Laut)
Das sagen Sie jetzt?
Ich wollt nicht, dass Pony denkt, ich hätte was mit ihr.
(Zirpen)
Ich hab ihn gesehen.
In der Nacht. Mit dieser jungen Frau im Auto.
Was hat das mit Ihnen gemacht?
Gar nichts.
Das ist das Traurige, gar nichts mehr.
Haben Sie die Briefe wirklich geschrieben, um ihn zu trösten?
Warum wollen Sie jemand trösten, der Sie so behandelt?
Pony war süchtig.
Sie war immer noch ab und zu mein Covergirl,
sie hatte meine beste Social-Media-Managerin.
Das war ihr zu wenig.
Die Fotos, die Follower.
Und dann hat sie angefangen,
immer öfter Hugo vor die Kamera zu stellen
und sich dahinter, Family-Influencerin,
eine Million Follower mindestens, schöne Mama, schönes Kind.
Aber das hat nicht geklappt mit der Million.
Hätte aber klappen können.
Hugo sollte einen ganz normalen Kindergarten besuchen.
Aber er wurde nach einem Monat rausgeworfen,
weil zwei Boulevardheinis
den Morgenkreis durchs Fenster fotografiert haben.
Und als Pony mit Penelope schwanger war,
hab ich dann endgültig alles gestoppt.
Das Projekt It-Girl.
Freier Fall ins Nichts.
Sie hatte die Kinder, die Familie.
Weil Sie es so entschieden haben.
Ich bin's gewohnt, Entscheidungen zu fällen,
die nicht alle verstehen, aber für alle gut sind.
Er hat mich rausgenommen.
Erst aus den Magazinen,
dann hat er mir mein Management genommen.
Und dann hat er meine ganzen Accounts gelöscht,
die über seine Agentur liefen.
Ja, er hat mich ...
gemacht.
Er ist mein Victor Frankenstein.
Dann hat er mich kleingemacht.
Unsichtbar.
Und das war eine dieser guten Entscheidungen, ja?
Haben Sie das denn Ihrer Frau auch so erklärt?
Man muss doch nicht immer alles aussprechen.
(Pony:) Plötzlich ist alles weg.
Ich sitz nur noch zu Hause neben der Nanny auf dem Sofa.
(Schniefen)
Ich hab gesagt, geh ich halt zu 'ner anderen Agentur.
Ich bin doch ...
Pony.
Oder nicht?
Die haben Sie aber nicht gemacht.
Die guten Agenturen wollten mich nicht.
Stephan hat so viel Einfluss, er kennt die alle.
(Leises Seufzen)
Vielleicht war's ihm ...
auch irgendwann zu viel.
Seine Frau, die ganze Zeit im Mittelpunkt.
(Stephan:) Na ja ...
unter Umständen kann es sein,
dass sie dachte, das hat nur mit ihr zu tun.
Oder dass ich sie nicht mehr liebe oder so.
Woraus würden Sie das schließen?
Zum Beispiel daraus, dass sie nicht mehr mit mir schläft.
Ich wollte meine Familie schützen, die Kinder.
Pony.
Ich wollt nicht mehr mit ihm schlafen.
Ich will nicht mit einem Mann schlafen, der mich so behandelt.
Was hat das noch mit Liebe zu tun?
Hat ihn ja dann auch getroffen.
Sex hatte sie in den letzten Jahren genug.
Affären? - Natürlich.
Oder wahrscheinlich.
Sicher sind Sie da nicht?
Das kann man sich doch denken.
(Pony:) Ich hatte Affären. Zweimal.
Schön war's nicht.
(Stephan:) It-Girl.
Das klingt nach dumm wie Stroh, aber ...
sie ist das Gegenteil.
Und ...
sie hat auch was, was sonst keine hat.
Was, weiß ich nicht.
Aber ...
sie hat's.
Ich hatte eine Scheißfrisur,
Scheißklamotten, Scheißhaut.
Dann hatte ich einen Typen an der Kasse,
der kauft drei Paar Socken und sagt:
"Willst du Miss Stuttgart werden?"
Ich dachte, haha, warum willst du ausgerechnet mich ficken?
War aber nicht so.
Sondern? - Er hat mich reingebracht.
Ob ich das wollte, weiß ich gar nicht.
Aber ich wusste damals überhaupt nicht,
was ich sonst hätte wollen können.
Und das war Ihr Mann?
Nee, der hat mich erst angequatscht,
als ich da oben auf der Bühne stand mit meiner Miss-Schleife und dachte,
zieh dich warm an, Marilyn Monroe. - Was hat er gesagt?
"Heute Abend sind hier 24 junge Frauen angetreten,
sieben davon waren hübscher als du, du hast trotzdem gewonnen."
"Vollkommen zu Recht."
Eigentlich war er gar nicht mein Typ.
Zu spießig, zu schlaksig.
Und sein 300-Euro-T-Shirt,
ich dachte, um die Kohle kriegst du auch was, was dir steht.
Sie war ...
Ich weiß nicht.
(Entferntes Bellen)
Sie war einfach ...
meine Frau.
(Zirpen)
Dann war ich raus, dann war es anders,
dann hab ich's anders versucht. - Und wie?
Kinderklamotten, von mir entworfen.
Damit mal was von mir da ist.
Außer ich selbst.
Meine ganze Kohle hab ich da reingesteckt.
Ihre Sachen waren schön, aber ich wollte es nicht unterstützen.
Warum nicht?
Das ist komplex.
Ich bin zwar nur Polizist, aber versteh sogar komplexe Sachverhalte.
Dieser Influencer-Kram ist eben anders als die Heftchen.
Gut, da hast du auch mal Scheißschlagzeilen,
aber das kriegst du in den Griff.
Das Netz kontrollierst du nicht.
Mehr Follower, mehr Likes, mehr Hater.
Pony war für die Hater nicht gemacht.
1.000 Likes, ein Hater, zehn schlaflose Nächte.
Das hat uns alle fertiggemacht.
Ich musste sie da rausnehmen.
Ponys Fame ist mit den Heftchen dann gestorben.
Sie war nicht die neue Welt.
Also wieder schützen.
Mann schützt Familie, Mann schützt Frau.
Ist das nicht auch ein bisschen alte Welt?
Scheiß der Hund drauf, es ging nicht anders.
Das haben Sie ihr auch so gesagt?
(seufzt:) Na ja.
Sie wird's gemerkt haben.
Sie hatte also genau so zu leben,
wie es Ihren Vorstellungen entsprach.
Ich hab's wirklich versucht.
Nur hier zu Hause, hier mit den Kindern,
aber mir ging's da nicht so gut,
dann ging das los mit den Depressionen und dem Koks und so.
Ich brauch das Zeug nicht, mir ...
Mir geht's nur besser damit.
Hatten Sie denn Affären?
Zwei, drei One-Night-Stands, schön war's nicht.
Aber sie dachte, ich hätte mit jeder was, die ich kenne.
Ich hab Nachrichten verschickt.
Von meinem Handy.
In seinem Namen.
An fast alle meine Mitarbeiterinnen und Klientinnen,
also ihre Konkurrentinnen auf allen Ebenen, wenn man so will.
Zum Beispiel: "Du langweilst mich schrecklich, dein Stephan."
Das war noch die netteste Nachricht von allen.
Ich hab ein paar Tage gebraucht, um das rauszubekommen,
aber als sie mir dann gesagt hat,
dass sie mich sitzen lässt und die Kinder mitnimmt,
hab ich sie denken lassen, ich hätte ständig was am Laufen.
Dann hab ich ihm gesagt, dass ich ihn verlasse
und die Kinder mitnehm.
Und hab's ...
doch immer nur bis zu Pat geschafft.
Und dann haben Sie den Detektiv engagiert.
(Zirpen)
Wenn ich fragen darf ...
Warum sehen hier alle Räume anders aus?
Als ...
Als wär hinter jeder Tür eine andere Stadt.
Hat Stephan gemacht.
Sind die Städte unserer Hochzeitsreise.
Ich hab das ja ein bisschen kitschig gefunden,
aber schön fand ich's auch.
Wie geht's dir?
Nicht gut. Und dir?
Nicht gut.
Es tut mir so leid.
Was?
Alles.
Vieles.
Tanzt du mit mir?
(Nachdenkliche Musik)
♪ Flies with ugly eyes sitting on my nose.
♪ Flowers on the wall keep growing high.
♪ Realising no time no time left at all.
♪ A falling leaf am I.
♪ A falling leaf am I.
(Musik verhallt.)
(Leises Hupen von draußen)
Und?
(Klappern)
Ich bin raus.
Okay.
Okay.
Hast du frei heute?
Ich hab Rücken, ich lass mich krankschreiben.
Wann kommst du zurück? - Zwei, drei Stunden.
Wie lang ich halt warten muss.
(Leise, angespannte Musik)
(Handy klingelt.)
(Telefon klingelt.)
(Handy klingelt.)
Kann ich? - Ja.
Stephan Hübner.
"Haben Sie das Geld?" - "Wie gewünscht, ja."
"Packen Sie das Geld in einen dunklen Rucksack."
"Mit Geld und Handy sind Sie um acht am Pariser Platz."
"Sie kommen mit dem Auto. Weitere Anweisungen dort."
Okay, das können wir machen, aber zeitlich wird das ...
Scheiße.
(Angespannte Musik)
Text-to-Voice-Generator.
Bis wir wissen, von wo der Generator angerufen hat,
ist das Ding über die Bühne.
Wir müssen Einsatzkräfte zum Pariser Platz schicken.
Das Telefon wird weiter überwacht.
Sie koordinieren das, keine Uniformierten am Pariser Platz.
Sie fahren vor, wir bleiben hinter Ihnen.
Nein, Sie fahren vor, jetzt, und ich komm nach.
Das ist der Deal, kein Risiko.
Am Pariser Platz sind Parkplätze selten,
aber es gibt einen Behindertenparkplatz.
Da stehen die dicken Karren sonst auch. - Ich hab den Rucksack.
(Angespannte Musik)
(Musik verklingt.)
(Motor startet.)
(Unbehagliche Klänge)
(Navi:) "Die Route wird gestartet."
"Nach zehn Metern rechts abbiegen."
(Piepsen)
(Düstere, unbehagliche Musik)
(Krähenkrächzen)
Wie ist die Lage?
Er ist noch nicht angekommen.
Unsere Leute sind alle auf Position.
(Angespannte Musik)
(Musik wird eindringlicher.)
(Unbehagliche Musik)
(Angespannte Musik)
(Musik verklingt.)
(leise:) Geh ran, du Arschloch.
Hugo.
Hat Onkel Echse dir gesagt, wo er hin ist, was er macht?
Das macht der nicht.
Was ist denn, Tante Pat?
Ach ich ...
Hugo, Schatz.
Du musst mir jetzt noch mal ganz genau zuhören.
Ganz viele Leute suchen dich.
Auch die Polizei.
Aber denen darfst du nie sagen, was deine Mama gemacht hat.
Versprich mir das.
(Beklemmende Klänge)
Und du darfst ihnen auch nie sagen, dass du hier warst.
Schaffst du das?
(Unbehagliche Musik)
(Handy vibriert.)
Ja? - "Ist Ihr Mann rechtzeitig los?"
Ja.
"Fünf Minuten nach Ihnen. Was ist?"
Nicht, alles gut. Danke.
(Angespannte Musik)
Ich befürchte ... - "Ich auch."
Der kommt nicht mehr.
(Türglocke)
(Entferntes Krähenkrächzen)
(Dumpfe, unruhige Klänge)
Hugo.
Ist Papa da?
(Ernste Musik, Keuchen)
(leise:) Nein.
(Angespannte, unruhige Musik)
(Schluchzen)
(Schluchzen)
(Handy vibriert.)
(Schluchzen)
(Unbehagliche Musik)
Was ist passiert?
"Sie warten eine Stunde ganz ruhig, kein Kontakt."
"Dann lass ich Hugo frei, sobald ich in Sicherheit bin."
"Ich hab Sie im Blick."
Das ist doch Bullshit.
Wie lange noch?
Jetzt.
Er war nicht zu erkennen.
Er saß die ganze Zeit hinten und war komplett vermummt.
Ist der Hugo jetzt frei?
Kannten Sie seine Stimme? - Nee, er hat ja nix gesagt.
Aber ... - Aber was?
Der Mann hat gerochen. - Wonach?
Verbrannt.
Ähm, Teer.
Teer? Er hat nach Teer gerochen?
Asphalt? - Genau.
Asphalt.
(Krachen, Klirren)
Auf den Boden. - Polizei, ganz ruhig!
Raum eins gesichert.
Gesichert! - Wo ist Ihr Freund?
Scheiße, er wollte zum Arzt.
Sicher!
Wo ist der Junge?
Wir haben ihn nicht entführt. - Sondern?
Er ist zu uns gekommen, nach dem Unfall, zu mir.
Er ist aus dem Auto rausgekommen,
aus dem Neckar raus und zu mir.
Warum? - Weil ...
Weil das hier war halt näher als nach Hause.
Um ... - Um was?
Um sich zu verstecken.
Verstecken? Vor wem denn?
Vor wem?
Hugo weiß doch, was sie gemacht hat.
(Schluchzen)
Ich hab Bonnie schützen müssen, dafür sind große Schwestern doch da!
Wo ist der Junge jetzt?
Ich hab ihn heimgebracht.
Ich hab nicht mehr gewusst, was ich machen soll.
Ich hab nicht mehr gewusst, was Echse machen soll.
(Abgehacktes Schluchzen)
(Durchsagengong)
"Heute auf Gleis sechs,
Einfahrt des TGV nach Paris über Karlsruhe, Straßburg,
Abfahrt 09.34 Uhr."
"Erste Klasse in Abschnitt A und B,
Achtung bei der Einfahrt des Zuges."
(Entfernter Pfiff)
Polizei, stehen bleiben!
(Bewegte Musik)
(Weiterhin bewegte Musik)
(Musik verklingt.)
Manchmal wär mir lieber, ich wär tot, aber das geht ja nicht.
Nein, das geht nicht.
Das geht gar nicht.
Weiß er, was passiert ist?
Das weiß ich selber noch nicht wirklich.
Ihre Eltern?
Sie kümmern sich, bleiben so lang wie nötig.
Vermutlich lange.
SWR 2025
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