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Der Film geht jetzt los
Du hast 'nen komischen Knochen am Handgelenk.
Der springt immer so raus.
Ich folge dir nicht mehr, seit du aus Australien weg bist.
Wo warst du und was ist seitdem passiert?
Ich bin 18, aus Russland und ich bin depressiv.
Hast du Tipps gegen Pilz-Infektionen?
Ich bin hetero, steh aber irgendwie auf sexy Animes.
Die sind so süß. Ist das komisch?
Kann es sein, dass du Borderline hast?
Findest du Männer unkomplizierter als Frauen?
Hast du mal von Hochsensibilität gehört?
Ich werde genauso dünn wie du.
Mein Vater hat mich missbraucht. Glaub ich.
Du verwirrst mich total.
Wie viel wiegst du jetzt?
Anonymer Follower fragt: Hey.
Wie nennst du dich jetzt eigentlich?
Ich wünschte, wir bräuchten keine Namen.
Ich erinnere mich, als ich fünf war
und mein Vater mir nicht erlaubte, nackt zu schwimmen, wie die Jungs.
"Wegen der Männer, Eva.“
Als wäre ich verantwortlich für ihre Blicke.
Und als ich zehn war, und er seine Entzugsklinik eröffnete,
sollte ich mich immer umziehen, wenn ich in Shorts aus meinem Zimmer kam.
"Weil dieses Haus voller Männer ist, Eva.“
Und seine Witze, dass Frauen mit 25 anfangen zu verrotten,
schwirren mir immer noch im Kopf rum.
Ich bin 24. Und ich bin davon überzeugt, dass ich bald verrotte.
Wie starte ich mein Hirn neu?
Eva
Wie geht's dir heute?
Sie guckt dich an.
Was willst du?
Sie will kuscheln, wie deine Freundin. - Die will nie kuscheln.
Doch! Aber sie weiß, dass du nicht so der Kuscheltyp bist.
Die will auch nie mit dir kuscheln. - Doch, will sie wohl.
Weißt du noch, als du immer ganz weiß angezogen warst? Ich vermiss' die Zeit...
7. August, 9:00 Uhr
Meine Tage sind spät dran.
Aber diesmal bin ich ganz sicher nicht schwanger.
Meine Tage sind nie zu spät.
Es sei denn, ich mute mir mal wieder das furchtbare
und verheißungsvolle Erlebnis eines Umzugs zu.
Ich will einfach nur ein Nest bauen. Aber jeder Ort ist gruselig.
Wie warst du mit 13?
Oh Gott! Du bist für Vetements gelaufen???
Da müssen wir noch mal dran.
Die soll mehr glänzen.
Lehn dich da drüber. Den Kopf da durch.
Lass dich einfach hängen.
Ich krieg mehr Geld für einen Blow Job als für 3 Tage Pariser Fashion Week.
Sorry, ich würd' dich nicht vögeln.
Nun ja, ich geh mich mal waschen...
Mögen Männer, dass du so dünn bist?
Es interessiert mich einen Scheiß was Männer mögen.
17. September
Erst nach sieben Jahren Sex und Selbstbefriedigung
fand ich raus, wie man einen Orgasmus bekommt.
Und scheinbar ist es bei mir nicht so doll wie bei anderen...
Ich esse wesentlich lieber Brot, als zu vögeln.
Nur manchmal würde ich gern mit jemandem verschmelzen.
So Brust an Brust zusammen stehen...
...und eins werden.
Und Sex kommt diesem Gefühl am nächsten.
Habt ihr mal 'ne besoffene Katze gesehen? - Mein Igel war mal besoffen.
Werden die betrunken? - Man kann sie betrunken machen.
Wie denn?
Indem man ihnen Alkohol gibt. - Aber den trinken die nicht.
Jedenfalls hab ich 'ne betrunkene Katze auf YouTube gesehen.
Ein verdammt trauriger Anblick. - Was hat sie gemacht?
Das ist wie bei Menschen. Sie fallen einfach um. - Echt? - Ja.
Vielleicht bist du asexuell?
Deine Katze hat mal Speed genommen.
Das nehmen sie normalerweise auch nicht. - Hat sie's geschnupft? - Ja.
Man kommt heim, die Katze hackt sich 'ne Line und sagt:
"Scheiße, die sind schon zu Hause?“ - Nein, aber kennst du die Geschichte?
Nein... - Diese weiße Katze.
Ich weiß nicht... Ja, es war Speed.
Und dann hätte sie fast dafür gesorgt, dass meinem Ex der Arm amputiert wird.
Ich bin hetero, masturbiere aber zu Pornos mit Lesben. Findest du das normal?
Schön!
Deine Fotos beunruhigen mich. Deine langen Beine sind so komisch.
Du wirkst irgendwie wie ein Alien.
Ich bin nicht mal 1,70 groß. Das ist alles Show.
Ich verbringe mein Leben damit, der Welt zu zeigen,
dass man sein kann was man will.
19. August
Ein Brettspiel über das Leben einer Frau in unserem Jahrhundert:
Es gibt nummerierte Spielfelder. Man würfelt und landet zum Beispiel auf:
"Manipulativer Ex. Zahle 2.000 Euro für die Therapie nach der Trennung.“
Oder: "Sexuelle Belästigung. Gehe fünf Felder zurück.“
"Schwangerschaft. Zweimal aussetzen.“
"Essstörung. Du verlierst drei Lebenspunkte.“
Du gewinnst, wenn du es lebendig ins Ziel schaffst.
Meinst du, das sieht natürlich aus?
Nimmt man mir ab, dass das meine Haare sind?
Ziemlich schwarz, aber na ja... Vielleicht.
Das sind zu viele Haare.
Ja, es sind ziemlich viele. Aber manche Leute haben so viele Haare.
Vielleicht kann ich da was drüber tragen.
Aber dann vögel ich mit 'ner Mütze auf dem Kopf, oder was ?
Ach, wenn ich meine Haare offen trage,
dann sieht das auch aus wie 'ne Perücke.
Haare sehen halt manchmal aus wie 'ne Perücke.
Alles gut, ja. Ich bin jetzt unterwegs.
Ich treffe ihn in diesem Hotel am Kurfürstendamm.
So ein sehr schickes, er scheint also Geld zu haben.
Ich schick dir gleich den Namen des Hotels.
Aber er hat mir einen Haufen Infos gegeben. Er benutzt, glaub ich, seinen echten Namen.
Insofern...
Stoß mi fest.
Hä?
Komm. Stoß mi fest.
Stoß mi fest!
Stoß mi fest!
Ja, i will, dass du mi stoßt!
Komm, sag schon.
I will, dass du mi stoßt!
Sag es!
I will, dass du mi stoßt!
Stoß mi ganz fest!
Stoß mi ganz...
Los, sag's schon.
Das ist Unterricht.
Stoß mi ganz fest.
Schieb ihn eini.
Was bedeutet das?
"Steck ihn rein.“
Schieb ihn fest eini.
Komm schon, sag es!
Schieb ihn fest eini.
Ja, sehr gut!
Einen Sex-Tipp bitte:
Ich liebe meinen Freund, aber ich fühl' mich komisch,
wenn ich ihm einen blase.
Wie soll ich mich stark fühlen mit so einem Riesenschwanz im Mund?
Mehr Selfies bitte.
Ich hab' Angst, dass es dich gar nicht gibt.
Eva Collé, 1992
Wohnsitz Berlin. Non-binär, Sternzeichen Jungfrau, bisexuell.
Eigendiagnose: Autismus Offizielle Diagnose: Borderline
Sexarbeiterin, Autorin. Hier der Link zu meinen Texten.
Musikerin. Ihr könnt mich auf Soundcloud finden unter: JSMN12051 und fuck-me.
Anarchistin. Feministin. Drogenabhängig, aber clean.
Nestbau-Tendenzen
Instagram und Twitter: @1000deadcops
E-Mail: evacollee@gmail.com
Sexjob-E-Mail: 303frida@gmail.com
sorry.mamma gefällt das
no_past_and_no_future gefällt das
gnderfuck gefällt das
land_of_sunshine gefällt das ...
Du bist gerade eingezogen, oder?
Ja, ja. Heute Morgen.
Schön. Ist das dein Zimmer?
Ja, das ist mein Zimmer. - Es ist echt groß.
Ja, es ist riesig. Ich liebe es.
Super.
Hast du noch viele Sachen raufzubringen?
Nee, ich zieh immer mit ganz wenig Zeugs um.
Ich ziehe ständig um...
Deshalb hab ich meine Sachen auf das absolute Minimum reduziert.
Wie lange wohnst du schon hier?
Fast zwei Jahre.
Das ist schon 'ne Weile. - Ja.
Und woher kommst du? Wo hast du vorher gewohnt?
Ich war schon hier in Berlin. Aber ich bin aus Italien.
Wo kommst du her? - Aus Bielefeld.
Oh, da war ich schon. Ich hatte da einen Kunden.
Aber ich war nur ein paar Tage da. Ich hab kaum was gesehen.
Eigentlich nur den Bahnhof.
Es ist keine besonders spektakuläre Stadt. Ist ziemlich langweilig.
Ja, meine Heimatstadt auch.
Hässlich und langweilig.
Und alle Gebäude sind in "M“-Form.
Wie "Mussolini“.
Mussolini ist in der Nähe geboren.
Das ist übel.
Aber angeblich war die Region, aus der ich komme,
eine Hochburg der Kommunisten.
Meine Heimatstadt aber eher nicht.
Tja...
Du kommst also aus Italien? - Ja.
Ich bin im Süden geboren, aber im Norden aufgewachsen.
Ich bin vier, ich heiße Eva.
Ich lebe mit meinen Eltern und Großeltern in Corso Napoleone, '93.
Mein Vater schläft auf der Couch, arbeitet Nachtschichten, kaut an den Nägeln.
Ich fange auch an, Nägel zu kauen. Sie schmecken bestimmt gut.
Ich will, dass er mich dabei sieht,
um ihm zu zeigen, dass ich so bin wie er. Nicht wie meine Mutter.
Wenn meine Eltern nicht gerade high vom Heroin sind, streiten sie sich drum.
Sie kochen die Spritzen aus, um sie zu desinfizieren, aber das nützt nichts.
Meine Mutter kriegt davon Hepatitis.
Ich spiel gern mit Fischen und stecke die Hände ins Aquarium.
Ich hole sie raus und nehme ihnen Blut mit den Spritzen ab,
aber ich packe sie zu fest und sie sterben.
Eines Nachts steckt Mama mich ins Auto,
und als ich wieder aufwache, sind wir sehr weit weg von zu Hause.
Am ersten Tag nimmt eine 22-jährige Nonne all meine Sachen
und schließt sie in einem Zimmer ein.
Es ist ein großes Zimmer voller Spielzeug.
Sie sagt: "Das kriegen die Armen.“
Wer bist du, Mädchen?
Hoch oder runter?
Wie ist es besser?
Nein, so sieht es aus, als hätte ich einen Penis.
Mama, ich sehe von hier, dass es schief ist. Halt das Handy so.
Wenn es da gerade sein soll... - Hier!
Müsste jetzt gerade sein.
Mach mal ein Foto zur Probe.
Moment.
Scharf stellen.
Willst du's sehen? - Scharf stellen.
Eins sollte dabei sein...
Hoffentlich.
Wo, wo, wo...
ist die Schärfe?
Aber...
Wo, wo, wo ist die Schärfe?
Nicht gut?
Ich hab mich nicht bewegt. Also...
Zeig mal.
Diesmal hab ich mich nicht bewegt. - Gut gemacht.
Wie kannst du dich nicht bewegt haben, und das sieht so aus?
Wie ist das möglich? - Ich hab mich nicht vom Fleck gerührt.
Gott! - Also...
Jesus Christus.
Sei nicht sauer. Ich versuch's noch mal auf meine Art. Gib her.
Nein, schon gut. Wir haben's gleich.
Vor ein paar Tagen
brachte sich eine 31-jährige Frau in meinem Geburtsort um,
nachdem sie bei einem Blowjob gefilmt
und das Video ohne ihre Zustimmung online gestellt wurde.
Es ging viral, ohne dass jemand etwas dagegen getan hat.
Sie wurde belästigt, musste die Stadt verlassen und brachte sich schließlich um.
Vor ein paar Monaten wurde eine 14-Jährige vergewaltigt und dabei gefilmt.
Das Video ging viral, und sie war diejenige, die vom ganzen Land bloßgestellt wurde.
Nicht ihre Vergewaltiger.
Und dann werde ich gefragt: "Warum gehst du nicht zurück nach Italien?“
Ach ja, ihr habt euer eigenes Ordnungssystem im Kühlschrank.
Pack das auch rein. Auch wenn du nicht weißt, wohin.
Wer hat gesagt, dass du Kaffee kaufen sollst?
Der ist ständig alle, und er war billig, also hab ich welchen gekauft.
Und das was ich brauche, hast du nicht gekauft.
Haarspray und Hunde-Windeln gab es nicht.
Dann gehst du noch mal!
Kommt das in den Kühlschrank?
Du solltest Pasta kaufen. Das hast du auch nicht gemacht.
Doch, ich hab sie schon in den Kühlschrank gepackt.
Wir haben sie gekauft. Da sind sie. Im Kühlschrank!
Nein, da! Unten.
Die packen wir hierhin!
Aber die gehören in den Kühlschrank.
Guten Morgen und willkommen, live aus dem Studio.
Wir beginnen mit einem Notfall: Wir brauchen Ihre Hilfe, um Sara zu finden.
Sara ist 27 Jahre alt und lebt in Rovereto,
gemeinsam mit ihrer Mutter Maria und dem Hund Zelda.
Ihre persönlichen Daten: Sara ist 27, 1,70 m groß, und sie hat braunes Haar.
Maria, Sie sagten mir, dass Sie Ihrer Tochter eine Nachricht übermitteln möchten.
Ja, ich wollte dir sagen, dass du heimkommen sollst.
Zelda und ich leiden sehr.
Der Hund weint.
Komm nach Hause, Sara. Ich bitte dich. Wo du auch bist: Bitte ruf mich an.
Melde dich.
Egal, wo du bist. Bitte komm wieder nach Hause.
Ich bitte dich: Komm nach Hause.
Achtung, der Bordstein!
Hör auf. Bitte! Schluss jetzt!
Hör auf, Francesca! Hilfe!
Wie im Karussell!
Vor meinem Zimmer ist ein Balkon.
Der Balkon ist so breit wie das Zimmer. Und vor der Küche ist auch ein Balkon.
Und du schläfst auf der Couch oder bei mir im Bett.
Oder wir suchen 'ne größere Wohnung.
Oder?
Ich will alleine wohnen. Such dir selbst ein Zimmer.
Ich bin total glücklich allein.
Klar. Vielleicht kann ich in der Nähe wohnen. Jeder für sich.
Aber wenigstens können wir uns ohne große Anreise treffen.
Im selben Haus wär's doch schön. Der Nachbar will vielleicht vermieten.
Die Wohnung ist kleiner, aber... - Ich brauche bloß zwei Zimmer.
Eine Küche und zwei Zimmer. - Ja.
Du brauchst eine Bürgschaft.
Um eine Wohnung zu mieten, oder?
Ansonsten bräuchte ich dort einen Job.
Das ist nicht unbedingt nötig,
wenn du ein bisschen Geld hast und keine Jugendliche bist.
Der Vermieter gibt die Wohnung bestimmt lieber einer Mutter als ein paar Kids.
Aber ich bin eine ziemlich bekloppte Mutter mit Kind...
Außerdem sind da überall superheiße Väter.
Super? - Superheiß.
Junge Väter, weil man da Kindergeld bekommt.
Sehr schön. Eine junge Stadt.
Viele ganz junge Väter. Superheiß.
Wenn du in den Park gehst,
fängst du an zu sabbern.
Ist doch gut, wenn man Kinder kriegt, solange man jung ist.
Meine Mutter sagte es niemandem, als sie schwanger wurde.
Sie ging zum Arzt, bekam einen Termin und wartete auf die Abtreibung.
Aber der Hausarzt rief zu Hause an und Oma und Papa bekamen alles mit.
Sie liefen zum Krankenhaus und drängten sie, mich zu behalten.
Jahre später bekam sie beim Entzug eine Gehirnwäsche.
Sie wurde wieder süchtig, diesmal nach Gott.
Also behielt sie das zweite Baby auch.
Kommen wir zurück zu Sara.
Sara, 27, brünett und schlank, verschwand kürzlich aus Rovereto,
wo sie mit ihrer Mutter Maria und ihrem Hund Zelda lebte.
Sie erinnern sich vielleicht an den Appell der Mutter an Sara.
Nun gibt es endlich Neuigkeiten im Fall Sara.
Uns rief jemand an, der sie in Mailand gesehen haben will.
Wir überprüfen das zurzeit.
Hinter mir sehen Sie ein Foto der vermissten Sara.
Falls Sie die Frau gesehen haben,
nutzen Sie bitte die eingeblendete Telefonnummer oder E-Mail-Adresse.
Es ist wichtig, dass wir weitersuchen.
Jeder Tag ohne einen Anruf von Sara ist ein Tag der Verzweiflung für Maria.
Was hätte ich gemacht, wenn ich keine Kinder gehabt hätte?
Was denn?
Ich hätte gearbeitet und studiert.
Ich hätte mit Sicherheit noch andere Dinge gemacht.
Höchstwahrscheinlich hätte ich Italien verlassen.
Ich wäre nicht hier geblieben. An meine Eltern gefesselt.
Ich wäre längst weggegangen.
Und vielleicht wäre ich nie zurückgekommen.
Oder vielleicht wäre ich mal zurückgekommen, aber nur für...
So wie ich.
Ja... So wie du.
Kein Wunder, dass du so abgefuckt bist bei den Junkie-Eltern.
Findest du das nicht komisch, dein ganzes Leben online zu stellen?
Nein.
Weißt du was? Ich glaube, wir bewegen uns in diese Richtung, Sean.
Wir bewegen uns in die Richtung
der Apokalypse,
in der alle Mädchen, die noch auf der Erde leben, Sexarbeiterinnen sind.
Jedes zweite Mädchen, das ich kenne, ist Sexarbeiterin und die Apokalypse kommt.
Ja, und auch eine ganze Menge Jungs, oder?
Ich weiß nicht, ob die Apokalypse kommt. Ich glaub, wir sind mitten drin.
Ja, genau das meine ich.
Ich hab das Gefühl, wir sind die Gesellschaft
aus "Empire of the Senseless“.
Ist das ein bisschen verrutscht? "Lass“ müsste vielleicht...
weiter auf diese Seite.
Ja, ich glaube...
Ich finde, "working“ ist gut, aber "lass“ ist verrutscht.
Welche Diagnose hast du?
Meine Freundin erinnert mich an dich und wir fragen uns,
was der Grund für ihren Zustand ist.
19. September
Mein Vater ist Klassenkämpfer und verließ sein Zuhause, als er 13 war.
Als ich 13 wurde,
gab er mir ein Buch über Autonome und eins über die Homo-Szene in die Hand,
und sagte: "Das ist alles, was du brauchst.“
Ich hasste arbeiten. Vor allem hasste ich es, arbeiten zu müssen,
um das zu bekommen, was meine bourgeoisen Freunde umsonst bekamen.
Mir war klar, was es bedeutete, der Arbeiterklasse anzugehören.
Aber ich wollte mich nicht mit der Arbeit identifizieren, so wie mein Vater.
Ich wollte mich nicht mit meinem Leid identifizieren.
Ich wollte nicht in einer dauerhaften Identität verschwinden.
Ich wollte keine Karriere. Ich wollte nicht arbeiten.
Das ist die Küche.
Oh, sehr schön. Ich liebe diesen Fußboden. - Ja, ich auch.
Das Bad.
Schön.
Sind die Bilder von dir? - Nein, die sind von einem meiner Lieblingsfotografen.
Das wäre dein Zimmer. - Cool! - Ja?
Tolles Licht. - Ja, es ist schön hell.
Echt toll. - Ich zeig dir noch den Balkon. Den kannst du auch benutzen, wenn du willst.
Super!
Oh, toll! Das ist echt schön. Super.
Ja, und...
Die Sonne scheint...
ab jetzt und sie bleibt bis um vier.
Das ist schön.
Ist das schön!
Ja. - Bist du viel zu Hause?
Bisher ja. Aber jetzt...
Da ich nur acht Tage pro Monat arbeite...
Ist doch super.
Ja, ich hab viel Zeit. Dann erwische ich mich dabei,
dass ich denke: "Ich bleib den ganzen Tag auf dem Balkon.“
Aber nach einer Weile werde ich irgendwie traurig.
Verstehe. Jedes Mal, wenn ich draußen sitzen und chillen will,
dann denke ich: "Das kann ich doch nicht machen.“
Ich weiß auch nicht, was das ist.
Wenn ich viel Stress habe, ist es schön, hier zu sitzen.
Aber wenn ich Zeit habe, bin ich so: "Oh, die Wände...“
Hallo? - Hallo! Eva.
Hi, hallo. Sean.
Ja, wir versuchen, alles sauber zu halten, aber mit drei Jungs
läuft das manchmal aus dem Ruder. - Ist aber groß.
Hier ist alles, was man braucht: Waschmaschine und Dusche...
Das ist Carlos, mein Freund aus Argentinien.
Hi, Carlos.
Er ist zu Besuch, um Berlin zu erkunden.
Ist das dein Zimmer? - Ja, genau.
Ein bisschen chaotisch, aber es ist mein Zimmer.
Ein Hurrikan ist hier durchgefegt. - Ja, ja.
Ich nenne ihn Hurrikan.
Ja, und das wäre dann dein Zimmer. - Cool.
Jetzt liegt da noch das ganze Zeug rum.
Ich weiß nicht, was du behalten kannst, und ob du überhaupt was behalten willst.
Das Bett ist großartig.
Was arbeitest du? - Ich hab Leute bemalt. Auf Festivals.
Echt? Auf welchem Festival? - Melt zum Beispiel. Und Lollapalooza.
Und noch zwei andere. - Cool.
Ja, das war schön. Man malt halt Leute an. Ist nicht so schwer.
Und alle haben gute Laune.
Ja. Und du? Studierst du hier? - Ich arbeite als Sexarbeiterin,
und ich schreibe Gedichte und mach Musik. - Ach, echt?
Ich arbeite auch als Escort. - Wirklich?
Das ist ja cool, wie lange machst du das schon?
Tja, ich...
Vier Jahre. - Ja?
Ich auch. Das ist ja cool.
Warst du in Melbourne, als du in Australien warst?
Hast du da auch Sexarbeit gemacht?
Ich hab mir 'ne Auszeit genommen, und ich dachte,
ich arbeite mal 'ne Weile auf dem Bau.
Ich hab mir das für Deutschland aufgehoben.
Es ist gut da unten, weil es entkriminalisiert ist.
Echt? Das wusste ich nicht. Ich hab's nicht ausprobiert.
Ja... - Du weißt 'ne ganze Menge darüber, was?
Na ja, ich hab das 'ne Weile gemacht.
Ist ja cool. Und Melbourne ist echt schön.
Aber du meinst das ernst, oder? Ich dachte erst, du machst Witze.
Ich dachte, das ist ein Scherz.
Nein. War es bei dir ein Scherz?
Ja. - Das war ein Scherz? Och nö!
Du bist also wirklich Sexarbeiterin?
Warum sollte man darüber spaßen?
Verkauf deinen ganzen Besitz an mich, einschließlich deiner Seele,
dann zieh zu mir und werde Hausfrau in Dallas.
Ich bin 16 und lebe auf dem Land,
an einer dunklen Landstraße, wo nach 19 Uhr keine Busse mehr fahren.
Wenn ich ausgehen will, muss mich also jemand mitnehmen.
Ich habe keine Freundinnen,
und Jungs denken, wenn sie dich fahren, gehst du mit ihnen ins Bett.
Ich weiß nicht, wie man Nein sagt, aber sie würden auch nicht drauf hören.
Also lass ich mich von jedem ficken.
Eines Tages erzähle ich einem 40-jährigen Freund der Familie mit zwei Kindern davon.
Er bietet an, mich aufs nächste Konzert zu fahren.
Ich stimme zu.
Das Konzert ist schön. Wir hängen rum und rauchen Gras,
und auf dem Rückweg kriegen wir Hunger.
Alle Restaurants haben zu.
Er bietet an, was bei ihm zu Hause zu kochen.
Ich schlage Pasta aglio e oglio vor.
Bei ihm kiffen wir noch ein bisschen,
dann frage ich, wo die Töpfe sind. Er tut erstaunt.
Er fragt: "Also du willst wirklich kochen?“
Ich: "Ja, klar. Warum sind wir sonst hier?“
Nach dem Essen steckt er mir plötzlich seinen Schwanz ins Arschloch.
Ich schätze, es ist meine Schuld. Ich hätte es ahnen sollen.
Moment, ich hatte hier ein Kondom drangeklebt...
Ernsthaft? - Ja.
Die ganze Flüssigkeit hat das Tagebuch durchnässt.
Nicht das benutzte Kondom, nur die Folie. Aber das Gleitmittel kam raus...
Nein, das hier war's nicht...
Es waren mehrere Versuche. Das erste Mal war auf einem Feld,
aber es klappte nicht so richtig. Er kam nicht rein.
Aber das zählt trotzdem als erstes Mal,
denn die Absicht war da, auch wenn er nicht reinkam.
Damals dachten wir noch,
man legt sich einfach aufeinander und versucht ihn reinzustecken.
"Warum geht er nicht rein?“ Tja...
Mein Zuhause fühlte sich nie nach Zuhause an.
Wir zogen bloß hin, weil meine Eltern Plätze in einer kirchlichen Entzugsklinik bekamen.
Es ist ein Dreckloch am Arsch der Welt
und das Zentrum sieht aus wie eine Zombie-Stadt aus 'nem Videospiel,
wo man nur drauf wartet, dass was passiert und auf irgendwelchen Quatsch klickt.
Aber es passiert überhaupt nichts.
Die meisten meiner Freunde sind weggezogen
und diejenigen, die geblieben sind, sind stark depressiv und süchtig nach Koks.
Aber zumindest ist es gutes Koks.
Wenn ich dort bin, trinken wir uns in der Kneipe zu
und reden über all die Antidepressiva, die wir probiert haben und die uns nicht halfen.
Am Ende ziehen wir entweder Doxepin oder tränken Zigaretten in Klonopin,
um wieder runterzukommen von dem Koks,
denn es gibt nichts zu tun nach 2 Uhr nachts.
Als erstes mache ich eine Liste mit allen Sachen, die ich loswerden will:
1.
Meine Vergangenheit
Versuch's mal etwas harmonischer.
Nimm die ganze Hand. Sei sanft.
Wenn du jemanden massierst, bringst du ihn um.
Das stimmt nicht. Ich kann jetzt besser massieren.
Ich hab dazugelernt. Was ist das hier?
Carlo, an was denkst du?
Worüber lachst du? - Über den Namen einer Band.
Was?
Woran denkst du? - An den Namen einer Band.
Was?
Machst du dein Leben absichtlich schlecht, um interessanter zu wirken?
Warum nennst du dich Eva Collé? - Weil ich meinen alten Namen nicht mochte.
Ich find's nicht gut, dass jemand anders den Namen aussucht,
den man sein Leben lang behält. Die Eltern suchen ihn aus.
Wie möchtest du genannt werden? Gefällt dir der Name Carlo?
Ja!
Papi, heute hab ich mit Mayo Tagebücher angeguckt.
Und ich hab eins gefunden, in dem ich ihr mit 14 erklärt habe,
dass ich den wissenschaftlichen Sozialismus von Marx liebe,
und dass mein Bruder Carlo nach Karl Marx benannt wurde.
Das stimmt.
Ich mag Carlo.
Ich wollte den Namen sogar mit K schreiben, aber...
Das wäre zu heftig. - Ja, das wäre zu heftig.
Wolltest du stattdessen nicht Francesca genannt werden? - Nein.
Nein, den Namen mag ich nicht.
Ich will nicht nach dem Vater benannt werden, bei all den Namen, die es gibt...
Ja, das hab ich auch nie verstanden.
Ich erzähle die Geschichte noch mal, weil ich sehr an diesem Moment hänge.
Mein Vater schlug mich nur dreimal in meinem Leben. Beim letzten Mal war ich 17.
Da ging ich von zu Hause weg.
Er warf mir vor, zu viel zu verlangen. Aber eigentlich verlangte ich gar nichts.
Ich war nie zu Hause, er gab mir kein Geld,
und wir hatten keinerlei Beziehung zueinander.
Er war frustriert wegen seines mies bezahlten Jobs und ließ es an mir aus.
Am Ende sagte er: "Du wirst so enden wie deine Mutter. Als Junkie.“
Und ich sagte: "Ich werde Prostituierte.
Das System fickt uns sowieso. So hab ich wenigstens was davon.“
Dann gab er mir 'ne Ohrfeige und ich stieg aufs Fensterbrett und sagte: "Ich springe!“
Aber meine Stiefmutter zog mich weg und zerrte mich am Hals durch das ganze Haus.
Jetzt ist alles gut.
Sind deine Eltern schuld, dass du bist, was du bist?
Er hält nicht mehr an.
Papa, gibst du mir bitte eine Zigarette?
Da ist ein Motorrad auf der Straße!
Halt mal. Zieh das...
Wir haben den Umzug seit Freitag hinter uns. Aber es ist noch nicht alles fertig.
Schickst du deinen Lebenslauf zum Beispiel nach Mailand?
Ja, überallhin. Mailand, London, Paris, Rom... Überallhin.
Und was genau bin ich?
♪ ...das heißt, die zertrümmerten Einzelteile,
♪ die unsere Feinde hinterlassen haben.
♪ Die Kliniken sind leer.
♪ Wir, die Patienten, sind noch drin.
♪ Es ist ganz anders als in den Filmen.
♪ Die Jalousien sind heruntergelassen und wir unterhalten uns leise mit unseren Seelen...
♪ Das heißt, mit den zertrümmerten Einzelteilen,
♪ die unsere Feinde hinterlassen haben.
"Ja, ich hab auch schlechte Laune
Überall ist Polizei
Aber das wissen wir Wir haben sie ja erfunden
Wir haben die schwarzen Sterne gesehen
Irgendwas hat Schnüre dazwischen gespannt und nun zittern sie wie Saiten
Ja, extrem schlechte Laune
Pasolini nannte den Gesang einen göttlichen Wind,
der nicht heilt, sondern alles noch kränker macht
Dies ist der fünfte Tag unseres Fiebers Polizisten machen alles irreal
Lieder werden außerhalb unseres Zellsystems gesungen,
aus dem Zentrum einer geheimen Welt
Flüstere die Lieder Schreie sie
Danach bringst du alle Hetero-Männer um Du weißt, dass sie es wollen“
Sehr gut.
Das ist die erste von sechs Strophen. - Sehr gut.
Schön.
Ich mag es sehr gern.
22. Mai, 10 Uhr morgens
Ich würde gerne Informationen aus meinem Hirn löschen,
um Platz für wichtigere Dinge zu schaffen.
Zum Beispiel würde ich gerne die Bibel und alles Katholische löschen.
Darüber weiß ich alles.
Ich zitiere Jesus permanent.
Wir machen es mit Selbstauslöser.
Was heißt Selfie auf Italienisch?
Selfie.
Das gefällt mir.
Das kriegen wir besser hin.
Das kriegen wir besser hin? - Nein.
Wie posiert Maya immer? So mit den Händen, oder?
So wie Maya.
Du bist die postmoderne Jeanne D'Arc.
Beim ersten Mal, als du mit mir zusammen gebadet hast, als es so sexy war...
Da hatte ich auch 'nen BH an. - Einen BH?
Das weißt du nicht mehr. - Ach ja, stimmt.
Das war am Anfang. Da war ich noch schüchtern.
"Brüste gibt's noch nicht. Dafür ist es noch zu früh.“
"Du hast meine Brüste noch nicht verdient.“
Nein, aber ich dachte,
du machst dich bestimmt über meine eingewachsene Brustwarze lustig.
Die hab ich wirklich. Das ist krankhaft, man kann es googeln.
Süß, ich will das auch. - Ist doch nicht so schlimm.
Nicht so schlimm? Das ist voll süß! - Es ist überhaupt nicht schlimm.
Das sieht so komisch aus. Die eine Brustwarze ist normal, und die andere...
Ist doch cool.
Das ist 'ne Missbildung.
"I used to be a pimp without emotion...“ - Das kann ich nicht singen.
Ist doch egal. "And now you got me sinkin' and simpin'...“
"Do you think about me?“
Eva, ich erinnere mich an dein Projekt, mit dem du Mädchen helfen wolltest,
ihren Körper zu akzeptieren.
Kannst du sowas auch für Vulvas machen? Ich finde meine so schrecklich.
Ist das ein "gefährlicher Ort“?
Es ist ein verrückter Ort!
Gefährlicher Ort! - Gefährlich, ja.
Und ich werd 'nen Schnaps trinken, um richtig crazy zu werden.
Die Toiletten sind übrigens cool.
Wieso denn? - Die sind groß.
Und ich wusste nicht, welche für Frauen und welche für Männer sind.
Ich dachte, die wären unisex, denn da war ein Bild von einem...
Ist das leer?
Ja, aber ich glaube...
Wir bringen's wieder zurück. Wir sind ja brav.
Dann pack ich es in meine Tasche.
Wir sind brav!
Jedenfalls werdet ihr bei den Toiletten sehen,
dass nicht klar ist, welche für Männer sind...
Eva will bestimmt was malen.
Ich glaube,
Eva wohnt hier schon seit sechs Jahren
und hat uns nichts davon gesagt.
Sie weiß nämlich, wo's langgeht.
Sie geht einfach drauflos. Egal, wohin.
Eva, darf ich auch was schreiben?
Was schreibst du denn?
Mach das nicht.
"Eva war hier.“
Okay. - Typisch, das schreiben alle. "Marlise war hier. Eva war hier.“
Ich hab mich nie wie das gefühlt,
was Menschen meinen, wenn sie "Mädchen“ sagen.
Ich lehnte alles Feminine ab,
aber mir gefiel mein Körper, denn er war geschmeidig und aerodynamisch.
Eigenschaften, die mir gut gefielen.
Er harmonierte mit der Umgebung
und stach nicht so raus wie der männliche Körper.
Ich wollte, dass Luft und Wasser über mich hinweggleiten, als sei ich aus Glas.
Aber weibliche Kleidung machte es mir sehr schwer, aerodynamisch und schnell zu sein.
Als ich dann zum ersten Mal meine Tage kriegte, war ich sehr verzweifelt.
Es war furchtbar. Ich heulte tagelang.
Es fühlte sich so falsch an.
Nur vier Menschen haben meine Brüste gesehen.
Eva, Lyne, meine Mutter
und dieser Typ, den ich auf 'nem Konzert getroffen habe und ich war so dicht.
Welcher? - Da war ich auf Ketamin.
Dein Leben ist so merkwürdig und cool wie ein Independent-Film.
Jedes Jahr im September merke ich,
ich bin wieder in die Falle getappt, etwas sein zu wollen,
und ich spüre den Drang, dieses Etwas abzuschütteln.
Es ist sinnlos, sich eine Identität aufzubauen,
die auf diversen früheren Erlebnissen beruht,
die zwar meine Wahrnehmung beeinflussen aber Vergangenheit sind.
Es ist unnötig, sie ständig wieder auszugraben.
Ich bin bereit, neu Gestalt anzunehmen.
Ich fühle mich wie ein wandelndes Nest, das sich ständig erneuert.
Ein paar Zweige, zusammengehalten von Dreck und Spucke.
Ich bin echt sauer, dass du dein Geld nicht mit Konzerten verdienst.
Aber ich hab keine Ahnung von Musiktheorie.
Das ist egal! Die berühmtesten Leute haben keine theoretische Ausbildung.
Vielleicht werde ich nach meinem Tod berühmt.
Nein, Baby. Du musst mit der Musik Geld verdienen. - Irgendwann vielleicht.
Ich buche Shows für dich...
Für mein Sexjob-Profil.
Ich singe einfach für sie, anstatt sie zu ficken.
Aber du lässt sie trotzdem bezahlen. - Ein Song für 180-200 Dollar.
Als ich neulich auf Acid war... Hab ich ja erzählt:
Als ich drauf war,
wurde das Netz plötzlich zum Regenbogen.
Der dehnte sich bis in die kleinste Ecke aus. Das war so schön!
Was wurde zum Regenbogen?
Als ich auf Acid war und in meinem Bett lag,
wurde das Netz über dem Bett zum Regenbogen.
Alle Linien sind verschwommen. - Wie viel Acid hast du genommen?
Nur eine Pappe. Ich hab erst eine halbe genommen, gegen 6 Uhr morgens.
Und die andere Hälfte um 10, also war ich den ganzen Tag drauf.
Die Nacht vorher hab ich nicht geschlafen, weil ich bei Joyce und Fine war
und eine ganze Flasche Wodka getrunken habe.
Wahnsinn. "Kann mich jemand halten? Ich glaub, ich muss sterben.“
Fuck. - Das war krass.
Fuck.
Ich hab gerade die Nadel fallen lassen, abgeleckt und wieder draufgesteckt.
Story unseres Lebens.
Hast du mal in der Hängematte gelegen, als du auf Ketamin warst?
Das ist so schön.
Ich wickel sie dann um mich wie einen Kokon.
Und wenn ich wieder rauskomme, ist alles neu.
Sorry Eva, aber dein Lifestyle ist ziemlich traurig.
Ich wünsche dir, dass du irgendwann ein normales Leben führen kannst, Baby.
Warum suchst du dir keinen richtigen Job?
Bist du jetzt lesbisch oder was?
Dein Blog wird jeden Tag düsterer, er war echt mal inspierierend.
Hast du PMS?
Du hattest 'ne Menge Sexpartner dieses Jahr.
Heroin? Im Ernst?
Suchst du bloß Liebe?
Du bist der Abschaum der Menschheit.
Warst du mal in Therapie?
Komm mal klar.
Du sprichst nur von dir selbst.
Ich glaub ich liebe dich.
Merkst du nicht, wie fertig du bist?
Du bist heiß.
Du bist echt heiß.
Gut, dass du so denkst. So soll es sein.
Was?
Dass du nur Augen für mich hast und nur an mich denkst.
Klar.
Beruht das auf Gegenseitigkeit?
Nein, das gilt nur für dich. - Ach, nur für mich?
Natürlich.
Wieso lachst du? - Du bist putzig.
Darf ich das?
Shampoonier mir die Haare.
Das geht noch besser. Das ist ein schlechtes Shampoonieren!
Nein, nein. Lass dich drauf ein.
Ah, sanfter.
Weiter vorne.
So ein schöner, großer Oberschenkel.
Woran denkst du?
Wie heiß du bist.
Eva, ich habe versucht mich nicht zu rasieren, aber ich hasse meine Haare.
Aber ich habe ein schlechtes Gewissen
weil ich schon die Schönheitsideale für Frauen hinterfrage.
Du musst gar nichts machen. Diese Märtyrerrolle ist dumm und selbstgerecht.
Du magst deine Haare nicht? Schneid sie ab. Gib dem Ganzen keine Bedeutung.
"Du hast vielleicht als Kind gemerkt, dass deine Nasenspitze größer ist als andere.
Deshalb ist das ein Problem für dich.
Das Bedürfnis, wie andere zu sein, anerkannt zu werden und hübsch zu sein,
ist der Grund dafür, dass man seine Nase nicht mag.“ Furchtbar...
"Ich mag deine Nase...“ - Ist das auf Facebook?
Ja, dieser Typ hat mir geschrieben. Ich kenne den überhaupt nicht.
Das war in meinen Nachrichtenanfragen. - Schickt der das an jeden?
Keine Ahnung. - Soll das motivierend sein?
Ja, ich soll meine Nase toll finden. Das tue ich auch. Meine Nase ist super.
"Ich mag deine Nase, vor allem weil deine Flügelknorpel stark ausgeprägt sind.“
Das Wort kenne ich nicht.
"Glaub mir, deine Nase ist seeeeehr cool.“ Mit fünf "e“.
"Schönheit liegt im Auge des Betrachters.“
Der hat schon mal 'ne Nase gefickt. - Ja, der steckt seinen Schwanz da rein.
9. August, 16 Uhr
Ein Dokumentarfilm über ein Mädchen, oder so etwas in der Art,
die mal Optimistin war,
sich aber jeglicher sozialer Interaktion entzieht,
nachdem sie wiederholt vom Kapitalismus und dem Patriarchat vergewaltigt wurde,
bis sie beschließt, sich im eigenen Grab zu begraben.
Demnächst im Kino.
Hey, Eva.
Vor drei Wochen kam ich von einer sechsmonatigen Reise zurück, das war toll.
Ich wohne mit meinen drei besten Freundinnen zusammen.
Keine von uns studiert, deshalb hängen wir viel in der Wohnung ab und gehen in Clubs.
Manchmal mache ich Sexarbeit
und jetzt such ich was, das ich länger als ein Jahr machen will.
Ich bin es gewöhnt, dass Leute mir ein komisches Gefühl geben,
aber du hast mir irgendwie mehr Selbstvertrauen gegeben.
An der linken Hand hab ich nur zwei Finger,
was ich früher gehasst habe, aber jetzt finde ich's gut.
Das wollte ich dir bloß sagen. Ich hoffe, dir geht's gut.
Liebe Eva, ich komme aus Süditalien,
aus einer von diesen engstirnigen Kleinstädten, genau wie du.
Vor 2zweiJahren bin ich in die Stadt geflohen, wo ich tagsüber in einem Startup
Gesundheitspillen in Tagesdosen packe.
Nachts mache ich Schichtarbeit in einer Brauerei bei mir um die Ecke.
Ich hasse arbeiten. Aber nur so komme ich mir produktiv vor.
Manchmal male ich auch Porträts. Dich würde ich irgendwann auch gerne malen,
obwohl ich glaube, dass ich deine Freiheit gar nicht wirklich einfangen könnte.
Ich liebe dich.
Ich lebe in Rotterdam und habe ein zweijähriges Kind, das ich liebe.
Aber ich will nicht einfach nur Mutter sein.
Ich will etwas machen, was mich stolz auf mich sein lässt.
Das Problem ist: Ich weiß immer noch nicht, was ich gut kann.
Mein Freund und ich überlegen jetzt, ob wir unsere Wohnung über Airbnb vermieten
und mit ein paar Freunden auf dem Land einen Bauernhof gründen.
Oder wir ziehen in den Süden, wo immer Sommer ist
und ich weniger depressiv bin.
Aber da gibt es noch weniger Jobs.
Wünsch mir Glück.
Ich muss dir das jetzt sagen:
Obwohl ich dich nicht kenne, hast du mir geholfen mich zu finden.
Ich bin 26, aus Melbourne.
Vor einer Woche habe ich zum ersten Mal ein Mädchen geküsst.
Das war schöner als jeder Kuss mit einem Mann.
Jetzt hab ich Schiss und bin gleichzeitig erleichtert.
Und es beruhigt mich, dich zu lesen.
Diesen Sommer hast du mir Lust gemacht nach Berlin zu ziehen
und ich hoffe, dass ich das eines Tages machen werde.
18. September
Die Löschung meiner Social-Media-Accounts und meinen Tod hatte ich penibel geplant.
Meinen Abschiedsbrief hatte ich in Gedanken auch schon formuliert.
Dann bin ich mit meinen Tagen aufgewacht.
Und jetzt will ich einfach nur an den Strand.
Oder die Revolution anzetteln.
Kommt drauf an, was meine Freunde so vorhaben.
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