All language subtitles for J.R.R. TOLKIEN - Der kleine Hobbit (2_3) - Hörbuch

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Original subtitles

J .R .R. Tolkien Der kleine Hobbit

Teil 2 Sechs Raus aus der Bratpfanne,

rein ins Feuer Bilbo war den Org entwischt, aber er wusste nicht,

wo er war.

Er hatte Kapuze, Mantel, Verpflegung und Pony verloren, seine Knöpfe waren weg

und seine Freunde auch.

Er marschierte und marschierte, bis die Sonne im Westen unterging, hinter den

Bergen.

Ihre Schatten fielen über Bilbos Weg, und er schaute zurück.

Dann schaute er vorwärts und sah nur noch Bergketten und Hänge, die sich zu

Tälern neigten, und gelegentlich sah er auch fern weite Ebenen durch die Bäume

schimmern.

»Donnerwetter !« rief er aus.

»Mir scheint, ich bin schon auf der anderen Seite der Nebelberge.

Wo in aller Welt mögen Gandalf und die Zwerge jetzt sein, ich kann nur hoffen,

dass sie sich nicht mehr dahinten in den Klauen der Orks befinden.

Er marschierte weiter aus dem kleinen Hochtal hinaus, über den Bergrand hinweg

und den jenseitigen Hang hinab.

Aber während der ganzen Zeit wurde ein sehr unangenehmer Gedanke immer stärker

in ihm.

Er überlegte, ob er nicht als Besitzer des Zauberringes in die furchtbaren

Stollen und Gänge zurückkehren müsse, um seine Freunde zu suchen.

Gerade hatte er sich zu der Ansicht durchgekämpft, dass dies seine

Pflicht sei, er fühlte sich ganz elend bei diesem Gedanken, da hörte er

Bilbo hielt an und lauschte.

Es klang nicht nach Orks, also kroch er vorsichtig weiter.

Er befand sich auf einem steinigen Pfad, der sich in das Tal hinabschlängelte

und der linke Hand von einer Felswand flankiert war.

Auf der anderen Seite fiel der Boden ab, und es gab unterhalb des Pfades kleine

Schluchten, über deren Rand Büsche und niedrige Bäume hingen.

In einer dieser Schluchten hörte er unter dem Gebüsch jemand reden.

Lautlos kroch Bilbo näher, und plötzlich sah er zwischen zwei großen Felsbrocken

einen Kopf mit einer roten Kapuze darüber.

Es war Balin auf Ausguck.

Am liebsten hätte unser Hobbit in die Hände geklatscht und vor Freude

losgeschrien, aber er tat es nicht.

Noch immer trug er den Ring am Finger, denn er fürchtete, auf etwas

oder Unerfreuliches zu stoßen.

Und nun sah er, dass Balin ihn geradewegs anschaute und ihn nicht

»Die werden ganz schön überrascht sein«, dachte er, als er in die Büsche am Rand

der Schlucht kroch.

Unten stritt Gandalf mit den Zwergen.

Sie besprachen alles, was in den Stollen mit ihnen geschehen war, stritten und

überlegten, was nun geschehen müsste.

Die Zwerge brummten, und Gandalf sagte, dass sie keinesfalls ihre Reise

fortsetzen und Mr. Beutlin in den Händen der Kobolde lassen könnten.

Sie müssten herausfinden, ob er noch lebte oder tot war, und sie müssten

unbedingt versuchen, ihn zu retten.

»Schließlich ist er mein Freund .« sagte der Zauberer. »Und gewiss, kein

schlechter Kerl. Ich fühle mich verantwortlich für ihn. Ach, wenn ihr

nicht verloren hättet !« Die Zwerge brummten, warum Gandalf den Hobbit

mitgenommen hätte, warum er nicht bei ihnen geblieben und seinen Freunden

ordentlich gefolgt wäre, und warum der Zauberer nicht jemand mit mehr Verstand

ausgesucht hätte.

»Bisher hat er uns mehr Verdruss als Nutzen gebracht ,« sagte einer.

Wenn wir jetzt noch einmal in diese scheußlichen Stollen hinein müssen, um

zu suchen, dann zum Henker mit ihm.

Das ist meine Meinung .« Gandalf antwortete ärgerlich.

»Ich war es, der ihn mitnahm, und ich bringe keine Leute mit, die nichts

Entweder helft ihr mir, ihn zu suchen, oder ich gehe und lasse euch in der

Klemme sitzen, und ihr könnt zusehen, wie ihr wieder herauskommt .« Wenn wir

wiederfinden, werdet ihr Dankeschön sagen, noch ehe das Unternehmen zu Ende

Warum bloß habt ihr ihn fallen lassen, Dori ?« »Ihr hättet ihn auch fallen

lassen«, sagte Dori, »wenn plötzlich ein Org von hinten aus der Finsternis eure

Knie geschnappt, euch ein Bein gestellt und in den Hintern getreten hätte .«

»Aber warum habt ihr ihn dann nicht wieder aufgepackt ?« »Lieber Himmel, ihr

könnt fragen!

Überall fochten und bissen die Orks im Dunkeln. Jeder fiel über irgendwen und

irgendwas. Beinahe hättet ihr meinen Kopf mit Glambring abgehauen, und Thorin

stach hier und dort und überall mit Orkrist herum.

Dann ließ ihr auf einmal einen Blitzstrahl dazwischen fahren, und wir

Orks brüllend zurückrennen.

Ihr rieft, folgt mir alle nach und verflixt, es hätten euch auch alle

sollen. Wir dachten das jedenfalls .« »Zum Abzählen blieb keine Zeit, wie ihr

ganz gut wisst.

Oder wolltet ihr abzählen, als wir zwischen den Torwachen

raus aus dem unteren Tor und Kopf über, Kopf unter, bis hierher?

Und hier sind wir jetzt, und ohne den Meisterdieb, verwünscht noch einmal .«

»Und hier ist auch der Meisterdieb«, sagte Bilbo und kam in ihre Mitte

heruntergestapft, wobei er den Ring vom Finger gleiten ließ.

Donnerwetter, wie sie da aufsprangen!

Sie schrien vor Überraschung und schließlich auch vor Erleichterung alle

durcheinander.

Gandalf war ebenso erstaunt, aber wahrscheinlich mehr erfreut als die

Er rief Balin und sagte ihm, was er von einem Ausguckmann hielt, der die Leute

ohne Warnung gleich zu ihnen heranspazieren ließ.

Indessen stieg die Achtung der Zwerge vor Bilbo durch diese Geschichte ganz

außerordentlich.

Wenn sie bisher noch immer gezweifelt hatten, dass er wirklich ein Meisterdieb

erster Klasse war, Gandalfs Worten zum Trotz, so zweifelten sie nun nicht

daran. Am meisten war Balin überrascht.

Aber nicht nur Balin, jeder sagte, dass es ein ausnehmend gefickter Streich

gewesen sei.

Bilbo war sehr zufrieden, dass man ihn so lobte.

Innerlich lachte er, sagte aber nichts über den Ring.

Und als sie ihn fragten, wie er es geschafft habe, antwortete er, »Oh, ich

nur vorwärtsgekochen, wisst ihr, sehr vorsichtig natürlich und ganz lautlos .«

»Wirklich gut, denn bisher ist nicht mal eine vorsichtige und leise Maus unter

meiner Nase weggehuscht, ohne dass ich sie bemerkt hätte«, sagte Balin.

»Ich ziehe meine Kapuze vor euch .« Und das tat er dann auch.

»Balin, zu euren Diensten«, sagte er.

»Euer Diener ?« »Mr. Beutlin«, entgegnete Bilbo.

Dann wollten sie alles über seine Abenteuer hören, alles, seit sie ihn

hatten, und er setzte sich nieder und erzählte seine Erlebnisse von hinten bis

vorn, ausgenommen die Geschichte von dem Ring.

Nicht gerade jetzt, dachte er.

Sie waren besonders an dem Rätselkampf interessiert und schauderten bei der

Beschreibung Gollums.

Und dann fiel mir keine andere Frage ein, als er so dicht neben mir saß.

endete Bilbo, und ich sagte, was ist in meiner Tasche?

Und das konnte er dreimal nicht erraten.

Da sagte ich, wie steht's mit eurem Versprechen? Zeigt mir den Weg hinaus.

Aber er kam an und wollte mich töten, und ich rannte weg und fiel hin, und er

verlor mich im Dunkeln.

Dann folgte ich ihm, denn ich hörte ihn mit sich selbst reden.

Er dachte, in Wirklichkeit würde ich den Weg doch kennen, und so ging er den

richtigen Weg entlang.

Und dann setzte er sich in den Eingang, und ich konnte nicht vorbei.

Da sprang ich über ihn hinweg und entkam und rannte zum Tor hinunter.

»Und die Wachen ?« fragten sie. »Waren keine Wachen da ?« »Oh ja, massenweise,

aber ich legte sie herein. Dann blieb ich in der Tür hängen, die nur einen

offen war, und verlor Dutzende von Knöpfen dabei ,« sagte er und blickte

an seinen zerrissenen Kleidern herab.

»Aber ich habe mich richtig durchgequetscht, und hier bin ich nun .«

Die Zwerge betrachteten ihn mit einem ganz neuen Respekt, als er davon sprach,

wie er die Wachen hereingelegt hatte, wie er über Gollum hinweggesprungen war

und sich durchgequetscht hatte, als ob das gar nicht sehr schwer und aufregend

gewesen wäre.

»Was habe ich euch gesagt ?« meinte Gandalf lachend. »An Mr. Beutlin ist

dran, als ihr denkt .« Unter seinen buschigen Augenbrauen jedoch sandte er

Bilbo, einen seltsamen Blick zu, während er dies sagte, und der Hobbit

überlegte, ob Gandalf erraten hatte, was er wohlweislich ausgelassen hatte.

Dann musste Bilbo selbst einige Fragen stellen, denn obgleich den Zwergen

alles von Gandalf erklärt worden war, hatte der Hobbit es doch nicht mit

angehört. Er wollte wissen, auf welche Weise der Zauberer wieder aufgetaucht

wo sie nun alle waren.

Dem Zauberer, um die Wahrheit zu sagen, kam es durchaus nicht ungelegen, seine

Gescheitheit noch einmal zu beweisen, und so berichtete er Bilbo, dass sowohl

ihm als auch Elrond, die Gegenwart übler Orks in diesen Teilen des Gebirges,

durchaus bekannt gewesen sei.

Aber ihr Haupttor befand sich früher an einem ganz anderen Pass, an einem Pass,

über den zu reisen viel leichter war, sodass die Orks oft genug Leute

aufgriffen, die in der Nähe ihrer Türen übernachteten.

Offensichtlich hatte man deshalb diesen Weg aufgegeben, und die Orks mussten den

neuen Eingang gerade auf jener Passhöhe angelegt haben, über die die Zwerge

gekommen waren, kürzlich erst, denn dieser Pass war bisher ganz sicher

»Ich muss einmal sehen, ob ich nicht einen mehr oder weniger netten Riesen

finde, der den Sack dort wieder zumacht«, sagte Gandalf, »oder es gibt

überhaupt keinen Weg mehr über das Gebirge .«

Kaum hatte Gandalf Bilbos Schrei gehört, als er auch schon begriff, was da vor

sich ging.

Mit dem Blitz, der die nach ihm greifenden Orks niederstreckte, hatte er

den Spalt gezwängt, gerade als er zuschnappte.

Er folgte den Treibern und ihren Gefangenen bis zur großen Halle, und

setzte er sich nieder und zauberte so gut, wie er es in der Finsternis

konnte.

»Es war ein heikles Geschäft«, sagte er, »anzünden und nichts wie weg .«

Aber Gandalf hatte sich natürlich ganz besonders mit Feuer - und

beschäftigt. Selbst der Hobbit hatte niemals die zauberhaften Feuerwerke auf

Midsommergesellschaften des alten Tuck vergessen, wie ihr euch erinnert.

Den Rest wissen wir schon, ausgenommen, dass Gandalf über die Hintertür genau

Bescheid wusste, jenen unteren Ausgang, an dem Bilbo seine Knöpfe verlor.

Dieses untere Tor war übrigens jedermann wohl bekannt, der mit diesen Gegenden

des Gebirges vertraut war.

Aber es bedurfte eines Zauberers, damit man in den unterirdischen Gängen den

Kopf nicht verlor und die rechte Richtung fand.

»Dieses Tor bauten Sie vor vielen Jahren«, sagte er, »eines Teils, um

Fluchtweg zu besitzen, falls einmal einer gebraucht wurde, andern Teils

benutzten Sie es als Ausfalltor in die Länder auf der anderen Seite, in die Sie

nachts noch immer einfallen und wo Sie großes Unheil stiften .« »Niemals ist es

unbewacht, und niemandem ist es bisher gelungen, dieses Tor ein für allemal zu

sperren. Jetzt werden Sie es doppelt bewachen ,« bemerkte Gandalf lachend.

Auch die anderen lachten.

Recht betrachtet hatten sie zwar viel verloren, aber sie hatten den großen Org

getötet und viele andere Kerle auch, und schließlich waren sie entkommen.

Man konnte also sagen, dass sie doch das Bestmögliche erreicht hatten.

Aber der Zauberer rief sie zu vernünftigen Überlegungen zurück.

»Jetzt, da wir ein wenig ausgeruht sind, müssen wir sofort aufbrechen«, sagte

er. »Sie werden zu Hunderten hinter uns her sein, wenn erst die Nacht kommt, und

die Schatten werden schon länger.

Sie können unsere Fährten noch nach Stunden riechen.

Wir müssen also etliche Meilen hinter uns bringen, ehe es dämmert.

Wenn das Wetter gut bleibt, haben wir ein wenig Mondlicht, und das kann man

Glück nennen .« Nicht, dass die Orks das Mondlicht scheuen, aber es wird uns

helfen, uns besser zurechtzufinden .« »Oh ja«, antwortete der Zauberer auf

einige weitere Fragen des Hobbits, »drinnen in den Orkgängen verliert man

Sinn für die Zeit.

Heute ist Donnerstag, und es war Montagnacht oder Dienstagmorgen, als wir

gefangen wurden.

Wir sind viele Meilen gelaufen und mitten durch das Herz des Gebirges

und jetzt sind wir auf der anderen Seite .« Ein schönes Stück haben wir dabei

abgeschnitten, aber wir sind nun nicht an jener Stelle, an die unser Passweg

gebracht hätte.

Wir sind zu weit nördlich herausgekommen und haben eine nicht sehr angenehme

Gegend vor der Nase.

Außerdem sind wir hier noch sehr hoch oben.

Los, jetzt müssen wir weiter.

»Ich bin so schrecklich hungrig«, klagte Bilbo, der plötzlich gewahr wurde, dass

er seit der vorvorigen Nacht nichts mehr gegessen hatte.

Denkt bloß, was das für einen Hobbit heißt.

Sein Magen fühlte sich ganz leer und schlaff an, und seine Beine waren

weich, jetzt, da die Aufregung vorüber war.

»Ich kann es nicht ändern«, sagte Gandalf.

»Es sei denn ,« ihr fragte Orks höflich, »ob sie euch das Pony und euren

Verpflegungssack zurückgeben wollen .« »Nein, vielen Dank ,« entgegnete der

Hobbit.

»Gut also, wir müssen uns den Gürtel enger schnallen und weiter trotten, oder

wir werden zu Hackfleisch gemacht, und das dürfte in jedem Fall schlimmer sein,

als selbst keines haben .« Als sie so marschierten, blickte Bilbo nach allen

Seiten, ob nicht etwas Essbares zu finden wäre.

Aber die Brombeeren standen gerade erst in der Blüte.

Nüsse gab es natürlich auch nicht, nicht einmal Weißdornbeeren.

Er knabberte ein bisschen Sauerampfer, trank aus einem kleinen Gebirgsbach, der

den Weg kreuzte, und aß drei wilde Erdbeeren, die er am Ufer fand.

Aber das half nicht viel.

Sie marschierten und marschierten.

Der holprige Pfad verschwand.

Die Büsche und das hohe Gras zwischen den Felsbrocken, die von Kaninchen

abgefressenen Rasenflecke, der Thymian, der Salbei, der Majoran und die gelben

Felsenrosen, alles blieb zurück, und plötzlich standen sie hoch oben an einem

breiten, steilen Hang aus losem Geröll, dem Überbleibsel eines Erdrutsches.

Als sie mit dem Abstieg begannen, rollten Schutt und Kiesel unter ihren

weg. Bald kamen krachend die größeren Gesteinsbrocken hinterher und ritten

andere Stücke mit.

Überall unter ihnen glitt und rollte es.

Felsklötze wurden angestoßen und auf die Reise geschickt, sie krachten mit

wehenden Staubfahnen und tosendem Lärm hinunter.

Es dauerte nicht lange, und der ganze Hang über ihnen und unter ihnen schien

Bewegung geraten zu sein.

Sie rutschten mit, fielen aufeinander, und das alles geschah in einem

furchtbaren Tohuwabohu von scheppernden, rutschenden, krachenden Steinen, Schutt

und Geröll.

Die Bäume unten retteten sie.

Sie schlitterten nämlich bis zum Rand eines Kiefernwaldes, der von den tief

unten gelegenen, dunklen Talwäldern bis zum Steilabfall hinaufreichte.

Einige fanden Halt an den Stämmen und schwangen sich in die unteren Zweige,

andere, wie der kleine Hobbit, fanden hinter einem Baum Schutz gegen den

Steinschlag.

Bald war die Gefahr vorbei.

Der Bergrutsch hatte aufgehört, und es war nur noch ein letztes, schwaches

Aufkrachen zu vernehmen, wenn die schwersten Brocken des aufgestörten

tief unten durch das Farnkraut und über die Kiefernwurzeln rumpelten und

wirbelten.

»Schön, das hat uns ein Stück weitergebracht ,« sagte Gandalf.

und selbst Org, die hinter uns her sind, dürften Mühe haben, hier leise

herunterzukommen .« »Das nehme ich auch an«, brummte Bombur, »aber Sie werden es

nicht schwer finden, uns ein paar Bumser auf den Kopf tanzen zu lassen .« Die

Zwerge und mit ihnen Bilbo fühlten sich keineswegs wohl.

Sie rieben ihre zerschundenen und zerschlagenen Beine und Füße.

Die Sonne war längst hinter den Bergen verschwunden.

Schon wurden die Schatten lang, obgleich man durch die Bäume und über die Wipfel

der tiefer stehenden Kiefern hinweg weit in der Ferne den Abendschein auf den

Ebenen jenseits sehen konnte.

So rasch es ihnen möglich war, humpelten sie die sanften Hänge eines

Kiefernwaldes hinunter, einen schräg laufenden Pfad entlang, der geradewegs

Süden führte.

Zuweilen durchquerten sie ein richtiges Meer von Farnkräutern, deren hohe Wedel

bis über Bilbos Kopf ragten.

Zuweilen wanderten sie völlig lautlos über einen dicken Teppich von

Kiefernadeln.

Und während der ganzen Zeit wurde die Waldesdämmerung immer schwerer und die

Waldesstille immer tiefer.

An diesem Abend wehte kein Lüftchen, sodass nicht einmal das leiseste Seufzen

den Baumkronen zu hören war.

»Müssen wir immer noch weiter ?« fragte Bilbo, als es so dunkel geworden war,

dass er gerade noch Thorins Bart neben sich fliegen sah und so still, dass ihm

das Atmen der Zwerge wie ein lautes Blasen vorkam.

»Meine Zehen sind wund und krumm, meine Beine tun weh, und mein Magen beutelt

sich wie ein leerer Sack .« »Noch ein bisschen weiter«, sagte Gandalf.

Das Bisschen kam ihnen wie ein halbes Weltalter vor.

Aber dann gelangten sie plötzlich an einen offenen Fleck, wo keine Bäume

wuchsen.

Der Mond war aufgegangen und schien auf die Lichtung herab.

Irgendwie kam es allen vor, als ob es kein guter Platz wäre, obgleich nichts

Verdächtiges zu sehen war.

Plötzlich hörten sie unten am Hügel ein Heulen, ein langes, schauerliches

Heulen.

Es wurde von einem anderen Geheul an ihrer rechten Seite beantwortet.

ihnen schon ein gutes Stück näher gerückt, und dann von einem, das von

ganz aus der Nähe kam.

Es waren Wölfe, die den Mond anheulten, Wölfe, die sich versammelten.

Zu Hause in der Nähe von Mr. Beutlins Höhle gab es keine Wölfe.

Aber Bilbo kannte das Heulen.

Er hatte es oft genug in Geschichten beschrieben gefunden.

Einer seiner älteren Vettern, einer von der Tugseite, Der ein großer

Weltreisender war, ahmte es zuweilen nach, um ihn zu erschrecken.

Es aber aus dem finsteren Wald unter dem weißen Mondlicht zu hören, das war zu

viel für Bilbo.

Selbst Zauberringe nützen nicht viel bei Wölfen, besonders nicht bei jenem üblen

Pack, das im Schatten des von Orks besetzten Gebirges lebte, jenseits der

Einödgrenze an den Ufern des Unbekannten.

Wölfe dieser Art wittern ferfer als Orks.

Um euch zu fangen, brauchen sie euch nicht erst zu sehen .« »Was sollen wir

machen? Was sollen wir bloß machen ?« schrie Bilbo.

»Den Orks entwischt, um von den Wölfen geschnappt zu werden ,« rief er, und es

wurde zu einem Sprichwort, obgleich wir heute bei ähnlich unangenehmen

Situationen sagen, »raus aus der Bratpfanne, rein ins Feuer .« »Hinauf,

Bäume, raff !« befahl Gandalf, und sie rannten zu jenen Bäumen am Rand der

Lichtung. die niedrigste Äste besaßen oder so schlank waren, dass man sie

erklettern konnte.

Sie fanden sie schneller als jemals sonst, das könnt ihr euch vorstellen,

sie kletterten so hoch hinauf, wie sie es den Ästen gerade noch zumuten

Ihr würdet laut gelacht haben, aus sicherer Entfernung, wenn ihr die Zwerge

ihren herabbaumelnden Bärten in den Bäumen hättet hocken sehen, wie alte,

übergeschnappte Herren, die sich wie Schulbuben benahmen.

Fili und Kili saßen in der Krone einer hohen Lerche, die wie ein enormer

Weihnachtsbaum aussah.

Dori, Nori, Ori, Oin und Gloin saßen ein wenig bequemer in einer stämmigen

Kiefer mit regelmäßigen, in Zwischenräumen wie Speichen

Bifur, Bofur, Bombur und Thorin saßen in einer anderen Kiefer.

Dvalin und Balin hatten eine hohe Tanne erklettert, die nur wenige Äste besaß,

und nun versuchten sie, einen Sitzplatz im Grün des Wipfels zu finden.

Gandalf, der ein gutes Glück größer war als alle anderen, hatte einen Baum

gefunden, in den keiner hätte klettern können, eine mächtige Kiefer, die genau

am Rand der Lichtung stand.

Er war fast ganz verborgen im Astwerk.

Aber als er nun heraus spähte, hättet ihr sehen können, wie seine Augen im

Mondlicht schimmerten.

Und Bilbo?

Er konnte überhaupt auf keinen Baum hinauf und hüpfte von Stamm zu Stamm wie

Kaninchen, das sein Loch verloren hat und hinter dem ein Hund her ist.

Ihr habt schon wieder einen Meisterdieb verloren, sagte Nori zu Dori und schaute

hinab.

Auf meinem Rücken kann ich nicht immer Meisterdiebe spazieren tragen, erwiderte

Dori. »Stollen hinunter und Bäume hinauf! Für wen haltet ihr mich

Bin ich Gepäckträger ?« »Er wird gefressen, wenn wir nichts unternehmen

Thorin, denn das Heulen kam jetzt von allen Seiten näher und näher.

»Dori !« rief er, denn Dori sah zuunterst in dem besten Kletterbaum.

»Rasch! Gebt Mr. Beutli in die Hand !« In Wirklichkeit war Dori trotz seiner

Brummerei ein prächtiger Bursche.

Doch der arme Bilbo konnte seine Hand nicht erreichen, selbst als Dori bis zum

untersten Ast geklettert war und seinen Arm, soweit es nur irgend ging,

hinunterstreckte.

Dori kletterte also ganz vom Baum herunter und ließ Bilbo sich auf seine

Schultern stellen.

Gerade in diesem Augenblick jagten die Wölfe heulend auf die Lichtung.

Hunderte von Augen starrten unsere Gesellschaft mit einem Mal an.

Aber Dori ließ Bilbo nicht im Stich.

Er wartete, bis der Hobbit von seinen Schultern in die Zweige geklettert war,

und dann sprang er hinterher, gerade zur rechten Zeit.

Ein Wolf schnappte nach seinem Mantel, als er sich aufschwang, und beinahe

er ihn erwischt.

Es verging keine Minute, da lungerte auch schon das ganze Pack, jaulend um

Baum, sprang am Stamm hoch, die Augen glühten und die Zungen hingen heraus.

Aber selbst die wilden Warge, so wurden die üblen Wölfe von dieser Seite der

Einödgrenze genannt, können nicht auf Bäume klettern.

Eine Zeit lang war man in Sicherheit.

Glücklicherweise war es warm und nicht windig. Es ist nicht sehr angenehm, wenn

man längere Zeit in einem Baum sitzen muss.

Aber in Kälte und Wind erst, mit Wölfen, die unten rundherum auf einen warten,

sind Bäume eine ganz besonders unangenehme Sitzgelegenheit.

Diese Lichtung war augenscheinlich ein Versammlungsplatz der Wölfe.

Immer noch kamen neue an.

Sie ließen Wachen am Fuß des Baumes zurück, in dem Dori und Bilbo saßen.

Dann schnüffelten sie umher, bis sie alle anderen Baumverstecke ausgemacht

hatten.

Diese bewachten sie ebenfalls, während der Rest, hunderte und hunderte Wölfe

schienen es zu sein, abzog und sich zu einem großen Kreis in der Lichtung

niederkauerte.

Genau in der Mitte des Kreises lag ein mächtiger Grauwolf.

Er sprach zu ihnen in der furchtbaren Sprache der Varge.

Gandalf verstand sie.

Bilbo verstand nichts, aber es schauderte ihn, denn es klang, als ob es

nichts als tückische Grausamkeiten handelte, was es in Wirklichkeit ja auch

Dann und wann antworteten im Kreis alle Varge ihrem grauen Anführer und ihr

schreckliches Geschrei.

ließ den Hobbit fast aus seiner Kiefer fallen.

Obgleich Bilbo kein Wort verstand, möchte ich euch doch berichten, was

hörte.

Varge und Orks halfen oft einander bei ihren üblen Vorhaben.

Zwar wagen sich Orks gewöhnlich nicht weit aus ihren Bergen heraus, außer wenn

sie vertrieben werden und sich einen neuen Unterschlupf suchen müssen, oder

sie in den Krieg ziehen.

Glücklicherweise war das seit langer Zeit nicht mehr geschehen.

Aber in jenen Tagen unternahmen sie allerlei Streifzüge, um Nahrungsmittel

rauben oder Sklaven, die für sie arbeiten mussten.

Dann nahmen sie oft die Waage als Kumpane und teilten den Raub mit ihnen.

Manchmal ritten sie auf Waagen wie Menschen auf Pferden.

Nun schien es, dass gerade für diese Nacht ein großer Orgstreifzug geplant

Die Waage waren gekommen, um die Orgs zu treffen, aber die Orgs hatten sich

verspätet. Der Grund war zweifellos der Tod des großen Orks und die Aufregung,

die von den Zwergen, Bilbo und den Zauberer verursacht worden war.

Wahrscheinlich jagten sie noch immer hinter ihnen her.

Trotz der Gefahren dieses abgelegenen Landes waren kühne Menschen kürzlich von

Süden her zurückgekehrt. Sie fällten Bäume, um sich feste Plätze in den

lichteren Talwäldern und entlang den Flussufern zu bauen.

Sie waren zahlreich und tapfer und vorzüglich ausgerüstet, und selbst die

wagten es nicht, sie am helllichten Tag anzugreifen, besonders wenn mehrere

Menschen beisammen waren.

Aber nun hatten die Waage verabredet, mit Hilfe der Org bei Nacht einige der

Gebirge am nächsten liegenden Ansiedlungen zu überfallen.

Wäre ihr Plan gelungen, dann hätte niemand den nächsten Tag gesehen, alle

getötet worden, bis auf die wenigen, die die Orks als Gefangene in ihre Höhlen

geschleppt hätten.

Das war eine schreckliche Geschichte, was Gandalf da hörte, nicht nur wegen

tapferen Waldmenschen und ihrer Frauen und Kinder, sondern auch wegen der

Gefahr, in die er und seine Freunde geraten waren.

Die Varge waren ärgerlich und verblüfft, dass sie sie ausgerechnet auf ihrem

Versammlungsplatz vorfanden.

Sie mussten sie für Freunde der Waldmenschen halten, die zum Spionieren

waren und Nachricht über die Absichten der Waage hinunter in die Täler bringen

wollten.

Das aber hätte Wölfe und Orks in eine furchtbare Schlacht verwickelt, anstatt

ihnen Gefangene einzubringen und Menschen, die, plötzlich aus dem Schlaf

geweckt, mühelos verschlungen werden konnten.

Die Waage hatten also keineswegs die Absicht abzuziehen und die Gesellschaft

oben in den Bäumen entkommen zu lassen, jedenfalls nicht vor dem nächsten

Morgen.

Vorher aber, sagten sie, würden die Orgsoldaten aus den Bergen eintreffen.

Und Org können auf Bäume klettern, oder sie fällen sie ganz einfach.

Nun könnt ihr verstehen, warum Gandalf, während er ihrem Heulen und Kläffen

zuhörte, sich zu fürchten begann.

Wenn er auch ein Zauberer war, so spürte er doch, dass er mit seinen Freunden

auf einem ausnehmend schlechten Platz saß und, recht betrachtet, noch lange

nicht entkommen war.

Aber er gab die Hoffnung nicht auf, obgleich er von seinem luftigen Sitz

der noch dazu von Wölfen umringt war, nicht viel unternehmen konnte.

Gandalf sammelte große Kiefernzapfen von den Zweigen seines Baumes.

Dann brannte er einen mit heller, blauer Flamme an und warf ihn zischend in den

Kreis der Wölfe hinunter.

Der Kiefernzapfen traf einen auf den Rücken, und sofort fing sein zottiges

Feuer.

Entsetzlich kläffend sprang der Waag hin und her.

Dann folgte ein neuer Wurf und wieder einer, einer in blauen Flammen, einer in

roten und einer in grünen.

Die Kiefernzapfen zersprangen auf der Erde mitten im Kreis und zerstoben in

bunten Funken und Rauch.

Ein besonders großer traf den Anführer der Wölfe auf die Nase.

Er sprang zehn Fuß hoch in die Luft. Dann raste er im Kreis herum, raste und

biss. und in Angst und Entsetzen schnappte er sogar nach den anderen

Die Zwerge und Bilbo schrien und jubelten.

Die Raserei der Wölfe war grausig anzusehen, ihr Aufruhr erfüllte den

Wald.

Wölfe fürchten seit jeher das Feuer, und dies war das Schrecklichste und

Unheimlichste, das ihnen je begegnet war.

Wenn ein Funke in ihr Fell schoss, setzte er sich fest und brannte sich

Und wenn sie sich nicht schnell auf der Erde wälzten, standen sie bald in

Flammen.

Überall auf der Lichtung wälzten sich Wölfe, die die Funken auf ihren Rücken

löschen versuchten, während diejenigen, die bereits brannten, heulend

umherrasten und andere in Brand setzten, bis ihre eigenen Freunde sie wegjagten.

Schreiend und jammernd flohen sie die Hänge hinunter, um Wasser zu suchen.

»Was ist das bloß für ein Aufruhr heut Nacht im Wald ?« fragte der Fürst der

Adler.

Schwarz saß er im Mondlicht auf der Spitze eines einsamen Gipfels in den

des östlichen Gebirgsrandes.

»Ich höre die Stimme der Wölfe. Sind die Orks wieder einmal auf Unheil aus in

den Wäldern ?« Er erhob sich in die Luft, und sogleich erhoben sich von den

Felsen auf beiden Seiten zwei Wachen und folgten ihm.

Sie kreisten hinauf in den Himmel und schauten hinab auf den Ring der Wölfe,

winziger Fleck tief unten.

Aber Adler haben scharfe Augen und können winzige Dinge auf große

erkennen.

Der Fürst der Adler aus den Nebelbergen hatte Augen, mit denen er ohne zu

zwinkern in die Sonne blicken und mit denen er ein Kaninchen, das sich eine

Meile tief unten auf der Erde bewegte, selbst im Mondlicht ausmachen konnte.

Obgleich er die Gesellschaft in den Bäumen nicht bemerkte, konnte er doch

Hin - und Herrennen der Wölfe und die winzigen Feuerblitze erkennen.

Schwach drang das Heulen und Klagen aus der großen Tiefe bis zu ihm hinauf.

Auch konnte er den Schimmer des Mondes auf den Speeren und Helmen der Orks

sehen, als lange Züge dieses verschlagenen Volkes aus ihrem

hinabkrochen und sich in den Wald ergossen.

Adler sind keine freundlichen Vögel.

Manche sind feige und grausam.

Aber die alte Rasse der nördlichen Gebirge, die mächtigsten aller Vögel,

stolz und stark und edelherzig.

Diese Vögel mochten die Orks nicht und fürchteten sie auch nicht.

Wenn sie überhaupt Notiz von ihnen nahmen, selten nur, denn solche

fraßen sie nicht, dann schwangen sie sich über sie und trieben sie kreischend

ihre Höhlen zurück.

Oft genug vereitelten sie so die üblen Taten der Orks.

Die Orks ihrerseits hassten die Adler und fürchteten sie.

Aber sie konnten weder ihre luftigen Horste erreichen, noch sie auf andere

aus den Bergen vertreiben.

In dieser Nacht war der Fürst der Adler sehr neugierig, was dort unten vor sich

ging. Er befahl zahlreiche andere Adler zu sich.

Sie flogen sogleich von den Bergen fort, flogen langsam kreisend immer tiefer

zum Ring der Wölfe und ihrem Treffplatz mit den Orks hinab.

Das war eine glückliche Wendung, denn schrecklich genug ging es dort unten zu.

Die Wölfe, die Feuer gefangen hatten und in den Wald gerannt waren, hatten ihn

an mehreren Stellen in Brand gesetzt.

Es war Hochsommer, und auf der Ostseite des Gebirges hatte es lange Zeit nicht

mehr geregnet.

Vergilbte Farnkräuter, Dürrezweige, der dicke Nadelteppich und abgestorbene

Bäume standen bald in Flammen.

Rund um die Lichtung der Warge loderte das Feuer.

Doch die Wolfswachen verließen die Bäume nicht.

Verrückt und rasend geworden sprangen sie heulend um die Stämme, verwünschten

die Zwerge in ihrer schrecklichen Sprache.

Die Zungen hingen ihnen aus dem Maul, und ihre Augen leuchteten rot und feurig

wie die Flammen.

Dann kamen plötzlich laut schreiend die Orks angerannt.

Sie dachten, es sei eine Schlacht mit den Waldmenschen im Gange.

Aber als sie erfuhren, was in Wirklichkeit vorging, setzten sie sich

auf den Boden oder schwangen ihre Speere und schlugen mit den Schäften gegen die

Schilde.

Orks fürchten das Feuer nicht, und bald hatten sie einen Plan gemacht, der ihnen

sehr spaßig vorkam.

Einige versammelten alle Wölfe auf einen Haufen.

Andere stapelten Farn und Strauchwerk um die Baumstämme. Wieder andere liefen

umher und stampften und traten und schlugen, bis nahezu alle Flammen

waren.

Aber bei den Bäumen, in denen die Zwerge saßen, machten sie das Feuer nicht aus,

ja, sie näherten es mit Laub, dürren Ästen und Farnkraut.

Bald hatten sie einen Ring von Feuer und Rauch um die Zwerge gelegt.

Nach außen ließen sie den Ring nicht weiterfressen.

Aber allmählich schloss er sich so eng, dass die züngelnden Flammen die

Scheiterhaufen unter den Bäumen erreichten.

Rauch biss Bilbo in die Augen, er konnte die Hitze der Flammen spüren, und durch

den Rauch sah er die Orks immer rundherum im Kreis wie Menschen um ein

Mittsommerfreudenfeuer tanzen.

Außerhalb des Ringes der mit ihren Speeren und Äxten tanzenden Krieger

die Wölfe in respektvoller Entfernung, lauerten und warteten.

Bilbo konnte hören, wie die Orks ein schreckliches Lied anstimmten.

Fünfzehn Vögel in fünf hohen Föhren, singt und lasst euch vom Feuer nicht

stören. Doch diesen Vögeln fehlen die Schwingen.

Sagt, was soll man mit ihnen beginnen?

Sind sie am Ende zu mager geraten?

Holt schnell das Fett, um sie lecker zu braten.

Dann hielten sie inne und riefen, »Fliegt weg, kleine Vögel, fliegt weg,

ihr könnt. Kommt herunter, kleine Vögel, oder ihr werdet in euren Nestern

gebraten. Singt, singt, kleine Vögel, warum singt ihr denn nicht ?« »Trollt

euch, Kinderchen«, rief Gandalf als Antwort.

»Es ist verboten, Vogelnester auszunehmen.

Kleine Jungen werden bestraft, wenn sie mit Feuer spielen .« Er sagte das, um

sie wütend zu machen und ihnen zu zeigen, dass er sich nicht einschüchtern

obgleich er natürlich Angst hatte, und das, obwohl er ein Zauberer war.

Aber sie fährten sich nicht darum, fuhren fort zu singen, und bald hatten

Flammen Gandalfs Baum erfasst, und die anderen Bäume brauchten auch nicht mehr

zu warten.

Die Borke fasste Feuer, in den unteren Ästen begann es zu krachen.

Da kletterte Gandalf in die Spitze seiner Kiefe.

Im Wipfel angekommen, ließ er plötzlich seinen Zauberstab furchtbare Blitze

speien.

Gandalf war fertig zum Sprung hinab von der Höhe, mitten in die Speere der Orks

hinein. Das wäre sein Ende gewesen.

Gewiss, er hätte viele von ihnen niedergestreckt, wenn er sich wie ein

Donnerschlag auf sie heruntergestürzt hätte, aber er sprang nicht.

Denn in diesem Augenblick glitt der Fürst der Adler herab, griff ihn mit

Klauen, und weg war er.

Die Orks schrien vor Wut und Überraschung auf.

Laut kreiste der Fürst der Adler.

Gandalf hatte ihn bewogen, die großen Vögel, die ihn begleiteten, erneut

zurückfliegen zu lassen.

Sie kamen wie riesige schwarze Schatten herab.

Die Wölfe jaulten und knirschten mit den Zähnen, die Orks schrien und stampften

vor Wut und schleuderten ihre schweren Speere vergeblich in die Luft.

Über ihnen rauschten die Adler.

Das dunkle Sausen ihrer schlagenden Schwingen warf sie zu Boden oder trieb

davon.

Mit ihren Klauen verrissen sie den Orks das Gesicht.

Andere Vögel flogen in die Baumwipfel und ergriffen die Zwerge, die so hoch

hinaufgekrabbelt waren, wie sie es nur wagen konnten.

Aber der arme kleine Bilbo wurde wieder einmal beinahe vergessen.

Er schaffte es gerade noch, Doris Bein zu schnappen, als Dori als letzter von

allen weggetragen wurde.

Und so stiegen sie aus dem Tumult und den Flammen auf.

Bilbo baumelte in der Luft, und seine Arme drohten zu zerreißen.

Tief unter ihnen irrten Wölfe und Orks überall in den Wäldern umher.

Einige wenige Adler kreisten noch immer über dem Schlachtfeld.

Die Flammen in den Bäumen sprangen plötzlich hoch über die äußersten

Wipfelzweige hinaus.

Prasselnd gingen sie in Feuer auf.

Bilbo war wirklich zur rechten Zeit entkommen.

Bald wurde der Brandschein unter ihnen schwächer.

Er starb zu einem roten Glühen auf schwarzem Grund.

Die Adler flogen mit Gandalf, den Zwergen und dem Hobbit hoch in den

hinauf, stiegen während der ganzen Zeit in mächtig weiten Kreisen.

Diesen Flug vergaß Bilbo nie.

Er baumelte Andoris Fersen und jammerte, »Meine Arme, meine Arme !« Aber Dori

stöhnte. »Meine Beine, meine Beine !« Das Schönste war, dass die Höhenluft

schwindelig machte.

Gewöhnlich wurde es ihm schon merkwürdig zumute, wenn er über den Rand einer

kleinen Klippe schaute, und Leitern hatte er niemals gemocht, geschweige

Bäume, da er bisher noch nicht in die Verlegenheit gekommen war, vor Wölfen

fliehen zu müssen.

So könnt ihr euch vorstellen, wie ihm alles davon schwamm, wenn er zwischen

seinen baumelnden Zehen hindurch nach unten blickte, die dunklen Länder tief

unter sich und hier und da eine Felswand oder einen Strom in den Ebenen im

Mondlicht aufleuchten sah.

Die bleichen Spitzen des Gebirges kamen näher, mondhelle Felszacken, die aus

schwarzen Schatten herausstachen.

Ob Sommer oder nicht, es kam Bilbo eisig kalt vor.

Er schloss die Augen und überlegte, ob er sich noch länger festhalten konnte.

Dann stellte er sich vor, was geschehen würde, wenn er es nicht mehr täte.

Er fühlte sich sterbenskrank.

Der Flug endete gerade zur rechten Zeit, kurz bevor seine Arme nachgaben.

Er ließ Doris Fersen los und fiel auf die raue Plattform eines Adlerhorstes.

Da lag er nun, ohne ein Wort zu sagen, und in seinen Gedanken mischten sich

Staunen und Furcht.

Staunen, dass er aus dem Feuer errettet worden war, und Furcht, dass er von

diesem engen Fleck in die tiefen Schatten ringsum hinabstürzen könnte.

Sein Kopf brummte nach all den entsetzlichen Abenteuern der letzten

in denen es nahezu nichts zu essen gegeben hatte.

Und er hörte sich selbst laut sagen, »Jetzt weiß ich, wie es einem Stück

zumute ist, wenn es plötzlich mit einer Gabel aus der Pfanne gepickt und zurück

in die Speisekammer gelegt wird .« »Nein, das wisst ihr nicht«, hörte er

antworten. »Der Speck weiß, dass er früher oder später zurück in die Pfanne

wandert. Wir hoffentlich nicht.

Außerdem sind Adler keine Gabeln .« »Oh nein, kein bisschen wie Gabeln«, sagte

Bilbo, setzte sich auf und betrachtete ängstlich den Adler, der dicht neben ihm

kauerte.

Er wunderte sich, was für einen Unsinn er noch geredet hatte und ob es der

vielleicht krumm genommen habe.

Einem solchen Vogel sollte man nicht raubeinig kommen, wenn man nur so groß

ein Hobbit ist und noch dazu nachts in einem Adlerhorst sitzt.

Der Adler wetzte nur seinen Schnabel an einem Stein, strich seine Federn glatt

und nahm keine Notiz.

Bald kam ein anderer Vogel herangeflogen.

»Der Fürst der Adler bittet euch, die Gefangenen zur großen Felsplatte zu

bringen ,« schrie er und strich wieder ab.

Der schweigsame Vogel nahm Dori sogleich in seine Klauen, flog fort mit ihm in

die Nacht und ließ Bilbo allein.

Der Hobbit hatte kaum noch Kraft, darüber nachzudenken, was der Bote mit

Gefangenen gemeint hatte.

Und als er sich gerade vorstellte, wie er einem Kaninchen gleich zum Nachtmahl

zerrissen wurde, kam die Reihe auch an ihn.

Der Adler kehrte zurück, griff mit seinen Klauen von hinten Bilbos Jacke,

schwang sich in die Luft.

Diesmal flog er nur einen kurzen Weg.

Bilbo, zitternd vor Angst, wurde auf einer breiten Felsplatte an einer

Gebirgswand niedergelegt.

Hierherauf führte kein Weg, es sei denn, man konnte fliegen.

Und einen Weg hinab gab es auch nicht, es sei denn, man sprang über einen

Abgrund.

Bilbo fand all die anderen mit dem Rücken zur Bergwand sitzen.

Der Fürst der Adler war ebenfalls da und sprach mit Gandalf.

Es schien, als ob Bilbo nach allem doch nicht verspeist werden sollte.

Der Zauberer und der Adlerfürst kannten einander.

Offenbar standen sie auf freundschaftlichem Fuß.

Tatsächlich hatte Gandalf, der oft im Gebirge gewesen war, den Adlern einst

einen Dienst erwiesen und ihren Fürsten von einer Pfeilwunde geheilt.

Wie ihr also seht, bedeutete Gefangene nichts anderes als Gefangene, die aus

Händen der Orks errettet worden waren, und nicht Gefangene der Adler.

Als Bilbo der Rede Gandalfs lauschte, erfuhr er, dass sie nun endlich wirklich

und wahrhaftig aus den schrecklichen Bergen entkommen würden.

Der Zauberer besprach mit dem großen Adler den Plan, wie man die Zwerge, ihn

selbst und Bilbo weit forttragen und unten auf ihrem Weg durch die Ebenen

absetzen konnte.

Der Fürst der Adler wollte sie keinesfalls dorthin bringen, wo Menschen

»Mit ihren großen Ellbogen schießen sie auf uns«, sagte er, »denn sie glauben,

wir wären hinter ihren Schafen her, und wenn es ein andermal wäre, hätten sie

sogar recht.

Nein !« »Wir sind froh, dass wir den Orks ihr Spiel verdorben haben und euch

unseren Dank abstatten konnten.

Aber wir wollen unsere Haut nicht für Zwerge zu Markte tragen .« »Sehr

bemerkte Gandalf, »bringt uns wohin und soweit ihr wollt. Wir sind euch schon

genug zu Dank verpflichtet, aber inzwischen sterben wir vor Hunger .«

schon beinahe tot«, sagte Bilbo mit weicher, leiser Stimme, die niemand

»Dem kann vielleicht abgeholfen werden«, erwiderte der Fürst der Adler.

Später hättet ihr ein leuchtendes Feuer auf der Felsplatte sehen können und

rundherum die Gestalten der Zwerge, die da kochten und brutzelten, und ein

feiner Bratengeruch breitete sich aus.

Die Adler hatten trockenes Holz heraufgebracht, Kaninchen, Hasen und ein

Schaf. Die Zwerge dagegen hatten alle anderen Vorbereitungen übernommen.

Bilbo aber fühlte sich viel zu weich in den Knien, um zu helfen.

Übrigens war es auch nicht das Richtige für ihn, Kaninchen das Fell über die

Ohren zu ziehen oder Fleisch zu zerlegen, denn er war es gewohnt, dass

Fleisch bei ihm alles fertig ins Haus lieferte.

Uin und Gloin hatten die Zunderbüchse verloren, Zwerge benutzen selbst heute

noch keine Streichhölzer.

Nachdem Gandalf das Feuer in Gang gesetzt hatte, legte er sich ebenfalls

So endeten die Abenteuer in den Nebelbergen.

Bald war Bilbos Magen wieder voll.

Er fühlte sich wohl und spürte, dass er zufrieden einschlafen würde, obgleich er

in Wirklichkeit Brot und Butter, die ihn an den Stöcken gerösteten,

Fleischstücken vorgezogen hätte.

Er rollte sich ein und schlief auf den harten Felsen, besser als jemals in

seinem Federbett daheim.

Aber während der ganzen Nacht träumte er von seinem Haus.

wanderte im Schlaf durch die verschiedenen Zimmer und suchte etwas,

finden konnte. Ja, er konnte sich nicht einmal entsinnen, wie es aussah.

7.

Ein sonderbares Quartier Am nächsten Morgen wachte Bilbo mit der frühen Sonne

auf. Sie leuchtete ihm mitten ins Gesicht.

Er sprang auf die Beine, um auf die Uhr zu sehen und den Teekessel aufzusetzen.

und fand, dass er keineswegs zu Hause war.

So setzte er sich also wieder und sehnte sich vergeblich nach Waschlappen und

Bürste.

Keins von beiden war zu haben, und zum Frühstück gab es weder Tee noch

Brotscheiben noch gebratenen Speck. Es gab nichts als kaltes Hammelfleisch und

Kaninchen, und danach musste er sich für einen neuen Flug fertig machen.

Diesmal durfte er auf den Rücken des Adlers klettern und zwischen den

Halt suchen.

Der Flugwind rauschte über ihn hinweg und erschloss die Augen.

Die Zwerge schrien gerade »Auf Wiedersehen« und versprachen, den

Adler zu belohnen, wenn sie es jemals könnten, als fünfzehn große Vögel sich

der Felsplatte erhoben.

Die Sonne stand noch ganz niedrig im Osten.

Der Morgen war kühl und Nebel lagen in den Tälern und Fluchten und wehten da

dort um die Gipfel und Kuppen der Berge.

Bilbo öffnete vorsichtig ein Auge, und da sah er, dass die Vögel kaum sehr hoch

flogen, die Welt weit fort war und die Berge hinter ihnen in der Ferne

zurückblieben.

Er schloss die Augen wieder und klammerte sich fester.

»Kneif mich nicht«, sagte der Adler, »du brauchst dich nicht wie ein Kaninchen

zu fürchten, auch wenn du aussiehst, als wärst du eins. Wir haben einen schönen

Morgen und angenehmen Wind. Was ist besser als Fliegen ?«

Bilbo hätte am liebsten gesagt, ein warmes Bad und danach ein spätes

im Garten, aber er dachte, es sei besser, überhaupt nichts zu sagen, und

löste er seinen Klammergriff ein bisschen.

Nach einer guten Weile mussten die Adler wohl den Punkt erspäht haben, auf den

sie zusteuerten, denn obgleich sie in gewaltiger Höhe flogen, schwenkten sie

und glitten in großen Spiralen tiefer.

So flogen sie lange Zeit, und schließlich öffnete der Hobbit abermals

Augen.

Die Erde lag schon viel näher, und unter ihnen gab es Bäume, die nach Eichen und

Ulmen aussahen, und weites Grasland, das ein Fluss durcheilte.

Aber mitten auf dem Lauf des Flusses, der sich links und rechts vorbeivinden

musste, erhob sich ein mächtiger Fels, ja, geradezu ein Felsenberg, wie ein

letzter Außenposten des fernen Gebirges, den ein Riese unter den Riesen Meilen

hinaus in die Ebene geschleudert haben musste.

Rasch schwangen sich die Adler nacheinander auf die Kuppe dieses

setzten dort ihre Passagiere ab.

»Fahrt wohl«, riefen sie, »wo auch immer ihr hinfahrt, bis ihr am Ende eurer

Reise wieder wohlbehalten in euren Horsten landet .« Unter Adlern ist dies

übliche höfliche Abschiedswort.

»Möge der Wind unter euren Schwingen euch dorthin tragen, wo die Sonne zieht

der Mond wandert ,« antwortete Gandalf, der die korrekte Antwort kannte.

So nahmen sie Abschied.

Und obwohl der Fürst der Adler in späteren Tagen König aller Vögel wurde,

obgleich er eine goldene Krone trug und seine Häuptlinge goldene Halsketten, aus

dem Gold geschmiedet, das ihnen die Zwerge gaben, sah Bilbo sie niemals

ausgenommen hoch in der Luft und weit weg in der Schlacht der fünf Heere.

Aber da dies erst ans Ende dieser Geschichte gehört, wollen wir jetzt

mehr darüber sagen.

Auf der Kuppe des Felsenberges gab es eine ebene Fläche.

Ein gut erhaltener Pfad führte mit zahlreichen Stufen hinunter zum Fluss,

eine Furz aus mächtigen, flachen Steinen bis hinüber zum jenseitigen Grasland

durchquerte.

Am Fuß der Stufen lag gleich bei der steinernen Furt eine kleine Höhle, eine

sehr ordentliche Höhle mit feinem Kiesgrund.

Hier versammelte sich die Gesellschaft und beredete, was nunmehr getan werden

musste.

»Es hat mir sehr am Herzen gelegen, euch alle, wenn möglich, heil und sicher

über das Gebirge zu bringen ,« sagte der Zauberer, »und nun habe ich es mit

Geschick und Glück auch wirklich geschafft .« In der Tat sind wir jetzt

weiter nach Osten gekommen, als ich jemals euch begleiten wollte, denn

schließlich ist dieses Abenteuer nicht meine eigene Sache.

Ehe es zu Ende geht, werde ich mich noch einmal bei euch blicken lassen, aber in

der Zwischenzeit habe ich mich noch um einige andere dringende, unaufschiebbare

Gefefte zu kümmern.

Die Zwerge seufzten und schauten ganz verzweifelt rein, und Bilbo weinte

Sie hatten sich schon an den Gedanken gewöhnt, dass Gandalf den ganzen Weg bei

ihnen bleiben und ihnen aus allen Schwierigkeiten helfen würde.

»Ich will jetzt nicht gleich in diesem Augenblick verschwinden ,« sagte er.

»Ich kann einen oder zwei Tage zugeben.

Wahrscheinlich kann ich euch auch aus eurer jetzigen heiklen Lage helfen, und

ich brauche selbst ein bisschen Hilfe.

Wir haben nichts zu essen, kein Gepäck, keine Ponys zum Reiten, und ihr wisst

nicht einmal, wo ihr seid.

Nun, das kann ich euch immerhin sagen.

Ihr seid noch immer ein paar Meilen nördlich von dem Pfad, dem wir weiter

gefolgt wären, wenn wir den Bergpass nicht in wilder Eile verlassen hätten.

Sehr wenige Leute leben hier in dieser Gegend, wenn sich nichts geändert hat,

seit ich das letzte Mal hier vorbeigekommen bin, und das ist einige

Aber es gibt jemand hier, den ich kenne, und der nicht weit weg von diesem

Felsen wohnt.

Dieser Jemand schlug auch die Stufen in den großen Fels, in den Karok, so nennt

er ihn, glaube ich.

Er kommt nicht oft hierher, jedenfalls nicht am Tage, und es wäre auch nicht

gut, hier auf ihn zu warten.

Genau genommen würde es sogar sehr gefährlich sein.

Wir müssen ihn aufsuchen, und wenn alles gut geht bei unserer Begegnung, dann

werde ich weiterziehen und euch wie die Adler ein »Fahrt wohl«, wohin auch immer

ihr Fahrt, zurufen.

Sie baten ihn, sie nicht zu verlassen. Sie boten ihm Drachengold und Silber und

Juwelen an, aber er wollte seine Absicht nicht ändern.

Wir werden sehen, sagte er, und ich denke, ich habe schon jetzt etwas von

Drachengold verdient, vorausgesetzt, ihr könnt es überhaupt bekommen.

Da hörten sie auf, in ihn zu dringen.

Sie zogen ihre Kleider aus und badeten im Fluss, der an der Furt nicht sehr

war, aber klar und steinig.

Als die Sonne, die jetzt stark und warm herabschien, sie getrocknet hatte, waren

sie erfrischt, aber immer noch wund und verschlagen und ein bisschen hungrig.

Bald überquerten sie die Furt, wobei sie den Hobbit trugen, und dann begann der

Marsch durch das lange, grüne Gras, und entlang den Baumzeilen der breitarmigen

Eichen und der hohen Ulmen.

Und warum wird er der Karok genannt?

wollte Bilbo wissen, als er neben Gandalf hertrottete.

Er nannte ihn den Karok, weil Karok eben sein Wort dafür ist.

Solche Felsen nennt er eben Karoks, und dieser eine ist schlechterdings der

Karok, weil er der einzige in der Nähe seiner Wohnung ist und er ihn gut kennt.

Wer nennt ihn so?

Wer kennt ihn gut?

Der jemand, von dem ich sprach. Eine wirklich große Persönlichkeit.

Ihr müsst sehr höflich sein, wenn ich euch ihn vorstelle.

Ich werde euch übrigens nur ganz allmählich vorstellen, immer nur

Und ihr müsst vorsichtig sein, ihn nicht verärgern oder wer weiß, was sonst

geschieht. Er kann schrecklich sein, wenn er böse wird, aber er ist

wenn er gute Laune hat.

Trotzdem warne ich euch.

Es ist schnell geschehen, dass er böse wird .« Die Zwerge kamen alle heran, als

sie den Zauberer so zu Bilbo sprechen hörten.

»Ist das die Persönlichkeit, zu der ihr uns jetzt hinführt ?« fragten sie.

»Konntet ihr nicht jemand finden, der ein bisschen sanftmütiger ist?

Könntet ihr das alles nicht ein bisschen deutlicher erklären ?« Und sofort.

»Ja, gewiss.

Nein, das konnte ich nicht .« »Und ich habe schon sehr sorgfältig erklärt ,«

antwortete der Zauberer etwas ärgerlich.

»Wenn ihr mehr wissen müsst, sein Name ist Beorn.

Er ist sehr stark, und außerdem ist er ein Pelzwechsler .« »Was, ein Kirschner

und Fellhändler? Ein Mann, der Kaninchen, Angoras und Seidenhasen

nicht gar ihre Felle unter der Hand in Fee verwandelt ?« »Guter Gott im Himmel!

Nein, nein, nein !« sagte Gandalf.

»Seid kein Narr, Mr. Beutlin, wenn ihr es verhindern könnt. Und im Namen aller

guten Geister erwähnt nie das Wort Kirschner oder Pelzhändler, solange ihr

hundert Meilen im Umkreis seines Hauses seid. Noch Bettvorleger, Pelzumhang,

Pelzkragen, Muff oder andere solch unglückseligen Wörter.

Er ist ein Pelzwechsler. Er wechselt seinen Pelz.

Manchmal ist er ein mächtiger schwarzer Bär.

Manchmal ist er ein großer, starker, schwarzhaariger Mensch mit gewaltigen

und langem Bart.

Ich kann euch nicht viel mehr erzählen, und es sollte auch genug sein.

Einige behaupten, er sei ein Bär, der von den großen alten Bären des Gebirges

abstammt, die dort oben lebten, ehe die Riesen kamen.

Andere wiederum meinen, er sei ein Mann, der von jenen ersten Menschen abstammt,

die noch lebten, ehe Smaug oder die anderen Drachen in diesen Teil der Welt

kamen und ehe die Orks aus dem Norden in die Berge eindrangen.

Ich kann es nicht sagen, obgleich ich glaube, dass das Letzte wahr ist.

Ihm selbst stellt man besser keine Fragen.

Jedenfalls, er steht unter keinem anderen Zauber als unter seinem eigenen.

Er lebt in einem Eichenwald und bewohnt ein mächtiges Holzhaus, und als Mensch

hält er Rinder und Pferde, die beinahe ebenso wunderbar sind wie er selbst.

Sie arbeiten für ihn und sprechen zu ihm.

Er ernährt sich nicht von ihnen, jagt und isst auch keine wild lebenden Tiere.

Er besitzt Bienenstöcke über Bienenstöcke mit großen, grimmigen

meist lebt er von Sahne und Honig.

Als Bär streift er weit umher.

Einmal sah ich ihn nachts ganz allein auf der Kuppe des Karocks sitzen.

Er schaute dem Mond zu, der in den Nebelbergen unterging.

Und da hörte ich ihn in der Sprache der Bären brummen, »Der Tag wird kommen, da

werden sie verderben, und ich werde zurückkehren .« Deshalb also glaube ich,

dass er einmal aus dem Gebirge kam.

Bilbo und die Zwerge hatten nun genug, worüber sie nachdenken konnten, und sie

fragten nicht weiter.

Sie hatten noch immer einen langen Weg vor sich.

Hügel auf und Hügel ab stolperten sie.

Es wurde sehr heiß.

Manchmal rasteten sie unter den Bäumen, und dann fühlte Bilbo sich so hungrig,

dass er Eicheln gegessen hätte, wenn sie reif genug gewesen und schon auf den

Boden gefallen wären.

Es war Nachmittag, als sie bemerkten, dass große blühende Flächen rund um sie

auftauchten, und dass es immer dieselben Pflanzen waren, die beieinander

wuchsen, als ob jemand sie angepflanzt hätte.

Insbesondere gab es Klee, im Wind wehende Flächen von rotem Fuchsklee und

Purpurklee und weite Strecken von kurzem, weißem und süß nach Honig

Steinklee. Ein Brummen und Schwirren und Dröhnen erfüllte die Luft.

Überall summten Bienen umher. Und was für Bienen!

Nie hatte Bilbo ähnliche gesehen.

»Wenn einer mich stechen sollte, dann schwelle ich an, bis ich noch einmal so

dick bin«, dachte er.

Sie waren größer als Hornissen, und die Drohnen ein Gutteil dicker als euer

Daumen, und die gelben Streifen auf ihren tiefschwarzen Körpern schimmerten

glühendes Gold.

»Wir kommen näher«, sagte Gandalf, »wir haben den Rand seiner Bienenweiden

erreicht .«

Nach einer Weile gelangten sie zu einem Gürtel von hohen und sehr alten Eichen

und hinter ihnen zu einer stattlichen Dornhecke, durch die man weder

hindurchschauen noch hindurchkriechen konnte.

»Am besten ihr wartet hier«, sagte der Zauberer zu den Zwergen, »und wenn ich

rufe oder pfeife, so kommt hinterher. Ihr werdet sehen, welchen Weg ich gehe,

aber immer nur in Paaren. Denkt daran, etwa mit fünf Minuten Abstand .« »Bombo

ist der dickste und kann für zwei zählen. Er kommt am besten allein und

Los, Mr. Beutlin, irgendwo da hinten ist ein Gatter .« Und damit ging er die

Hecke entlang und nahm den erschrockenen Hobbit mit.

Sie kamen bald zu einem hohen, breiten Holzgatter, hinter dem sie Gärten und

eine Gruppe niedriger Holzhäuser sehen konnten.

Einige waren strohgedeckt und aus roh behauenen Baumstämmen errichtet.

Scheunen, Ställe, Schuppen und ein langes, niedriges Holzhaus.

Innen, an der Südseite der großen Hecke, standen unglaublich viele Bienenkörbe

in Reihen, deren oberer Teil glockenförmig aus Stroh gefertigt war.

Die ganze Luft war vom Lärm der fort - und zufliegenden und der ein - und

auskriechenden Bienen erfüllt.

Der Zauberer und der Hobbit drückten das schwere, knarrende Gatter auf und

gingen einen breiten Pfad hinunter zum Haus.

Einige glatte, glänzende, wohlgepflegte Pferde trabten über den Rasen heran und

betrachteten sie aufmerksam mit klugen Gesichtern.

Dann galoppierten sie zu den Gebäuden davon.

»Sie berichten ihm von der Ankunft Fremder«, sagte Gandalf.

Bald erreichten sie einen Innenhof, der an drei Seiten von dem Holzhaus und

seinen beiden langen Flügeln umschlossen war.

Mitten im Hof lag ein großer Eichenstamm, Daneben zahlreiche gekappte

Dicht dabei stand ein gewaltig großer Mann mit dichtem schwarzem Bart und

schwarzem Haar. Die bloßen Arme und Beine waren mit dicken Muskeln bepackt.

Er trug einen wollenden Überwurf hinab bis zu den Knien und lehnte sich auf

große Axt.

Die Pferde standen bei ihm und hatten ihre Nasen auf seine Schultern gelegt.

»Ach, da sind sie !« sagte er zu den Pferden. »Gefährlich sehen sie nicht

Mit den Beinen könnt ihr mich allein lassen .« Er lachte ein gewaltig

Lachen, legte seine Axt nieder und kam heran.

»Wer seid ihr und was wünscht ihr ?« fragte er Barsch, als er vor ihnen stand

und Gandalf wie einen Turm überragte.

Was Bilbo anging, so hätte dieser bequem zwischen seinen Beinen

hindurchspazieren können und würde ohne den Kopf einzuziehen, nicht einmal den

Saum des braunen Überwurfs berührt haben.

»Ich bin Gandalf«, sagte der Zauberer.

»Namen nie gehört«, knurrte der Mann.

»Und wer ist dieser kleine Bursche ?« fragte er, bückte sich herab und warf

unter seinen buschigen, schwarzen Augenbrauen hervor einen Blick auf

»Das ist Mr.

Beutlin, ein Hobbit aus guter Familie und von untadeligem Ruf«, antwortete

Gandalf.

Bilbo verbeugte sich.

Er hatte keinen Hut, den er abnehmen konnte, und die vielen fehlenden Knöpfe

waren ihm sehr peinlich.

»Ich bin ein Zauberer«, fuhr Gandalf fort.

»Falls ihr noch nichts von mir gehört habt, so habe ich doch von euch gehört.

Aber vielleicht habt ihr von meinem guten Vetter Radagast gehört, der dicht

Südrand des Nachtwaldes wohnt .« »Ja, habe ich. Von Zauberer kein schlechter

Bursche. Wie gewöhnlich sehe ich ihn dann und wann .« sagte Bion.

»Gut, jetzt weiß ich, wer ihr seid oder wer ihr vorgebt zu sein.

Was wünscht ihr ?« »Um euch die Wahrheit zu gestehen, wir haben unser Gepäck

verloren und beinahe sogar den Weg, und wir brauchen dringend Hilfe oder

wenigstens Rat.

Ich kann wohl sagen, dass es uns bei den Orks im Gebirge ziemlich schlecht

ergangen ist .« »Orks ?« fragte der große Mann schon weniger schroff.

»Oho, so ist das.

Ihr hattet Ärger mit den Orks ?« »Warum seid ihr ihnen denn in die Quere

gelaufen ?« »Es lag keineswegs in unserer Absicht.

Sie überraschten uns bei Nacht auf einem Pass, den wir überqueren mussten.

Wir kamen aus dem Land, drüben im Westen, aber das ist eine lange

»Wann kommt er rein und erzählt sie mir, falls es nicht den ganzen Tag dauern

soll ?« sagte der Mann und führte sie durch ein dunkles Tor, durch das man aus

dem Hof ins Haus gelangte.

Sie gelangten in eine weite Halle, in deren Mitte sich ein offener Herd

Obgleich es Sommer war, brannte hier ein Holzfeuer, und der Rauch stieg auf zum

rußgeschwärzten Gebälk, wo er sich seinen Weg durch eine Öffnung im Dach

ins Freie suchte.

Sie gingen durch die düstere Halle, die nur durch das Feuer und das Rauchloch

erhellt war, und kamen durch eine kleine Tür in einer Art Vorbau, der auf

Pfosten aus einzelnen Baumstämmen ruhte.

Der Vorbau lag nach Süden.

Drinnen war es warm, noch erfüllten die schräg einfallenden Strahlen der

untergehenden Sonne den Raum und vergoldeten draußen mit ihrem Glanz den

Dieser Garten war voll von Blumen, die bis zu den Stufen heraufdrängten.

Hier setzten sie sich auf Holzbänke nieder, während Gandalf seinen Bericht

begann.

Bilbo ließ die Beine baumeln und betrachtete inzwischen die Blumen, wobei

rätselte, was für Namen sie wohl haben mochten, denn er hatte kaum die Hälfte

von ihnen jemals zuvor gesehen.

»Ich kam über das Gebirge mit einem oder zwei meiner Freunde«, sagte der

Zauberer. »Oder zwei?

Ich kann bloß einen sehen, zudem nur einen sehr kleinen«, entgegnete Bion.

»Schön, um die Wahrheit zu sagen, ich wollte euch nicht mit einer ganzen Schar

von uns behelligen, ehe ich nicht herausgefunden hatte, ob ihr beschäftigt

.« »Ich werde einmal rufen, wenn es erlaubt ist .« »Los, ruft nur !«

Also piff Gandalf einen langen, schrillen Pfiff, und sogleich kamen

Dori um die Hausecke über den Gartenweg und stellten sich mit vielen

Verbeugungen vor ihnen auf.

»Mit einem oder drei Freunden meintet ihr also ,« bemerkte Bion.

»Aber das sind keine Hobbits, das sind Zwerge .« »Thorin Eichenschild, zu euren

Diensten !« »Dori, zu eure Diensten«, sagten die beiden Zwerge und verbeugten

sich aufs Neue.

»Ich brauche eure Dienste nicht, schönen Dank«, sagte Bion, »aber ich nehme an,

ihr braucht meine.

Ich bin nicht sehr erbaut von Zwergen, aber wenn es wahr ist, dass ihr Thorin

seid, Sohn des Tränen, Sohn des Thor, so nehme ich an, »Und dass euer Freund ein

vernünftiger Kerl ist und ihr Feinde der Org seid und in meinem Land nicht auf

Unfug aus seid.

Übrigens, worauf wärt ihr überhaupt aus ?« »Sie sind unterwegs, um das Land

ihrer Väter zu besuchen, drüben, ostwärts des Nachtwaldes ,« warf Gandalf

»und es ist reines Missgeschick, dass wir überhaupt in euer Land geraten sind

»Wir überquerten den Hochpass, der uns zu dem Weg südlich von eurem Land

haben würde, und wenn uns nicht diese üblen Orks angegriffen hätten, wie ich

euch gerade erzählen wollte .« »Ballott, fahr fort !« sagte Bion, der wirklich

nicht sehr höflich war.

Es war ein schrecklicher Sturm. Die Steinriesen waren draußen und warfen

Felsbrocken, und oben auf dem Scheitel des Passes suchten wir Schutz in einer

Höhle. Der Hobbit und ich und einige unserer Gefährten.

Nennt ihr zwei einige?

Gut, nein, in der Tat, mehr als zwei waren dabei.

Wo sind sie?

Getötet? Gefressen? Heimgezogen?

Nein, keineswegs. Sie sind offenbar noch nicht alle auf mein Pfeifen gekommen.

Vermutlich Schüchternheit. Ihr seht, wir sind sehr besorgt, es könnte euch zu

viel werden, uns alle gastfrei aufzunehmen.

Los, pfeift!

»Ich muss wohl eine Gesellschaft freihalten, scheint mir, und auf einen

zwei mehr kommt es dabei nicht an«, knurrte Bion.

Gandalf pfiff, aber Nuri und Uri waren schon da, ehe er aufhörte, denn Gandalf,

wie ihr euch erinnert, hatte ihnen befohlen, zu paaren, alle fünf Minuten

erscheinen.

»Hallo«, sagte Bion, »ihr kamt ganz schön rasch. Wo hattet ihr euch

Kommt her, meine Stehaufmännchen !« »Nori, zu euren Diensten !« »Nori, zu !«

fingen sie an, aber Beon unterbrach sie.

»Schönen Dank! Wenn ich eure Hilfe brauche, frage ich schon danach.

Setzt euch und fahrt mit der Geschichte fort, sonst ist es das Abendbrotzeit,

ehe sie zu Ende ist .« »Komm, waren wir eingeschlafen ?« fuhr Gandalf fort. »Da

öffnete sich eine Spalte im Höhlengrund.

Orks kamen heraus, griffen den Hobbit und die Zwerge und unsere ganze Pony

-Truppe .« »Die ganze Pony -Truppe?

Was wart ihr denn?

Ein Wanderzirkus? Oder habt ihr Güter in Massen transportiert? Oder nennt ihr

sechs gewöhnlich schon eine Truppe ?« »Oh nein, es waren in der Tat mehr als

sechs Ponys, denn auch wir waren mehr als sechs, und nun, da sind noch zwei

weitere .« Gerade in diesem Augenblick erschienen Balin und Dvalin und

verbeugten sich so tief, dass ihre Bärte den Steinboden fegten.

Zuerst starrte der große Mann sie recht finster an, aber sie taten wirklich ihr

Bestes, furchtbar nett und höflich zu sein.

Unaufhörlich nickten sie, bückten, verbeugten sich und schwenkten ihre

vor den Knien, in typischer Zwergenmanier, bis er aufhörte, sie

anzublicken und in ein gewaltiges Gelächter ausbrach.

Sie sahen zu komisch aus.

»Truppe, ja, das stimmt !« sagte er. »Eine komische Truppe! Kommt herein, ihr

lustigen Kerle! Und wie heißt ihr? Ich brauche eure Dienste nicht, ich brauche

jetzt nur eure Namen. Und dann setzt euch und hört Mr. Wackelei auf !« »Balin

und Dvalin«, sagten sie und wagten es nicht, sich beleidigt zu fühlen.

Plump saßen sie auf dem Boden und schauten ziemlich überrascht dabei aus.

»Nun also weiter«, sagte Bion zum Zauberer.

»Wo war ich? Oh ja, ich wurde nicht gegriffen. Ich erschlug einen oder zwei

mit einem Blitz .« »Gut«, knurrte Bion, »in einem solchen Fall ist es

ausgezeichnet, ein Zauberer zu sein .« Und schlüpfte durch den Spalt, bevor er

sich schloss.

Ich folgte ihnen hinunter bis zur Haupthalle, die von Orks nur so

große Ork war da mit dreißig oder vierzig bewaffneten Wachen, und ich

Selbst wenn sie nicht mit Eisen aneinandergekettet wären, was könnte ein

Leute gegen so viele Orks ausrichten?

Ein Dutzend?

Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich acht ein Dutzend nennen höre.

Oder habt ihr noch ein paar Stehaufmännchen mehr, die bis jetzt

Kiste gehopst sind?

Ja, gewiss, hier scheint gerade noch ein Pärchen angekommen zu sein, Fili und

Kili, glaube ich.

sagte Gandalf, als diese beiden jetzt auftauchten, lächelten und sich

verbeugten.

»Genug«, sagte Beorn, »setzt euch und seid still.

Weiter, Gandalf !« So fuhr Gandalf mit seiner Geschichte fort, bis er zum Kampf

in der Finsternis kam, zur Entdeckung des unteren Ausgangs und ihrem

als sie merkten, dass Mr. Beutlin verloren gegangen war.

»Wir zählten uns und fanden, dass kein Hobbit mehr bei uns war. Wir waren nur

noch vierzehn .« »Vierzehn! Das ist das erste Mal, dass ich höre, zehn weniger

eins sei vierzehn.

Ihr meint neun, oder ihr habt mir noch nicht alle Namen genannt ?« »Gut,

natürlich. Ihr habt ja Uin und Kloin noch nicht gesehen. Und wirklich, da

sie ja. Ich hoffe, ihr verzeiht ihnen, dass sie euch behelligen .« »Lasst sie

nur alle kommen. Los, ran!

Kommt her, ihr beiden, und setzt euch.

Aber schaut her, Gandalf, selbst jetzt haben wir nur euch selbst, zehn Zwerge

und den Hobbit, der verloren ging .« »Das macht elf, bloß ein

Abhandengekommener, und nicht vierzehn. Es sei denn, dass Zauberer anders zählen

als andere Leute. Aber jetzt bitte, fahrt fort !« Beorn versuchte, so gut es

ging, sich nichts anmerken zu lassen, aber in Wirklichkeit war er schon sehr

gespannt. In alten Tagen hatte er gerade den Teil des Gebirges, den Gandalf

beschrieb, sehr gut gekannt.

Er nickte und brummte, als er vom Wiederauftauchen des Hobbits hörte, von

Herunterkrabbeln am Geröllhang, und dem Wolfsring in den Wäldern.

Als Gandalf zu der Baumkletterei kam, mit all den Wölfen unten zu ihren Füßen,

stand er auf und murmelte, »Ich wünschte bloß, ich wäre dabei gewesen. Ich hätte

ihnen mehr als Feuerwerk gegeben .« »Gewiss«, sagte Gandalf und war sehr

dass seine Geschichte Eindruck machte. »Ich tat, was ich konnte.

Da hingen wir, unter uns wurden die Wölfe verrückt. Da und dort ging der

Flammen auf .« Und gerade jetzt kamen die Orks aus den Bergen und entdeckten

uns. Sie brüllten vor Entzücken und sangen Spottlieder auf uns.

Fünfzehn Vögel in fünf hohen Föhren.

»Meine Güte«, brummte Bion, »glaub bloß nicht, dass Orks nicht zählen können.

Sie können es. Zwölf sind nicht fünfzehn, und das wissen sie auch .«

auch. Da waren auch Bifur und Bofur dabei.

Ich habe bisher nicht gewagt, sie euch vorzustellen, aber da sind sie schon .«

Bifur und Bofur kamen heran.

»Und ich ?« keuchte Bombur, der hinter ihnen herknaufte.

Er war fett und ärgerlich dazu, dass man ihn als letzten zurückgelassen hatte.

Deshalb hatte er sich geweigert, fünf Minuten länger zu warten, und war den

anderen beiden unmittelbar gefolgt.

»Gott, jetzt sind wirklich fünfzehn von euch da, und weil Orks zählen können,

vermute ich, dass dies alles war, was da in den Bäumen hingen .« Vielleicht

können wir jetzt die Geschichte ohne weitere Unterbrechung zu Ende hören .«

Beutlin sah ein, wie klug Gandalf gewesen war.

Die Unterbrechungen hatten Béon in Wirklichkeit nur noch gespannter gemacht

die Geschichte, und die Geschichte hatte ihn davon abgehalten, gleich die Zwerge

wie verdächtige Bettler zum Teufel zu jagen.

Wenn er es irgendeinrichten konnte, lud Béon nie Besuch in sein Haus.

Er hatte nur sehr wenige Freunde, und diese lebten ein gutes Stück weiter weg.

Auch lud er nie mehr als zwei gleichzeitig ein.

Jetzt aber hatte er fünfzehn Fremde in seiner Vorhalle sitzen.

Mit der Zeit hatte Gandalf seinen Bericht beendet, von der Rettung durch

Adler erzählt und wie sie alle zum Kerog gebracht worden waren.

Die Sonne war inzwischen hinter den Gipfeln der Nebelberge versunken und die

Schatten in Beons Garten waren lang geworden.

»Eine ausgezeichnete Geschichte«, sagte er.

»Die beste, die ich seit langer Zeit gehört habe.

Wenn alle Bettler eine solche Gute zu erzählen hätten, würden sie mich

ungänglicher finden.

Ihr mögt sie vielleicht nur erfunden haben.

Ein Abendbrot habt ihr in jedem Fall verdient. So, jetzt wollen wir ja etwas

essen heranschaffen .« »Ja, bitte«, sagten alle miteinander, »und vielen

Im Innern der Halle war es jetzt fast ganz dunkel geworden.

Beorn klatschte in die Hände, und herein trabten vier wunderschöne weiße Ponys

und mehrere große, langgliedrige, graue Hunde.

Beorn sagte etwas zu ihnen in einer seltsamen Sprache.

Es war, als ob Tierlaute zu Sätzen gefügt wären.

Sie liefen wieder hinaus und kamen bald mit Fackeln im Maul zurück, die sie am

Feuer entzündeten, und in niedrigen Klammern an die Säulen der Halle

die um den mittleren Kamin standen.

Die Hunde konnten auf ihren Hinterbeinen laufen und Gegenstände mit ihren

Vorderpfoten herantragen.

Rasch holten sie Tafeln und Gestelle von den Seitenwänden und stellten sie nahe

beim Feuer auf.

Da hörte man ein Bäh, Bäh, Bäh, und hereinkamen einige schneeweiße Schafe,

von einem kohlschwarzen Widder geführt wurden.

Eines trug eine weiße Tischdecke, in deren Rand Tierfiguren gestickt waren,

andere trugen Teebretter auf ihren breiten Rücken mit Töpfen, flachen

Mettern und hölzernen Löffeln, die ihnen die Hunde abnahmen und schnell auf die

Tischgestelle legten.

Diese waren sehr niedrig, niedrig genug, dass selbst Bilbo bequem daran sitzen

konnte.

Ein Pony schob zwei niedrige Bänke mit breiten, binsengeflochtenen Sitzflächen

und kurzen, dicken Füßen für Gandalf und Thorin heran und dann ans

gegenüberliegende Tischende Bjorns mächtigen schwarzen Stuhl, der von

Art war.

Bjorn saß sehr bequem darin und streckte seine großen Beine weit unter den

Tisch.

Das waren alle Stühle, die er in seiner Halle hatte.

Worauf aber sollten die anderen sitzen?

Sie wurden nicht vergessen.

Die Ponys rollten runde, trommelförmige Baumklötze herein, die fein und sauber

geglättet und selbst für Bilbo niedrig genug waren.

So saßen sie bald alle wohlversorgt an Béons Tafel, und die Halle hatte seit

vielen Jahren nicht mehr eine solche Versammlung gesehen.

Da stand nun eine Mahlzeit vor ihnen, wie sie sie seit ihrem Besuch im Haus an

der Einödgrenze und ihrem Abschied von Elrond nicht mehr erlebt hatten.

Das Licht der Fackeln und des Feuers flackerte rund um sie her, und auf der

Tafel standen zwei hohe rote Bienenwachskerzen.

Während der ganzen Mahlzeit erzählte Björn in seiner tiefen, rollenden Stimme

Geschichten über die wilden Gegenden auf dieser Seite des Gebirges und besonders

über den dunklen und gefährlichen Wald, der einen Tagesritt weit sich vor ihnen

von Nord nach Süd erstreckte und den Weg nach Osten versperrte, der schreckliche

Nachtwald.

Die Zwerge lauschten und schüttelten ihre Bärte, denn sie wußten, dass sie

bald in diesen Wald hineinwagen mußten, und dass nach der Überquerung des

Gebirges dies die schlimmste aller Gefahren war, die sie zu bestehen

sie in den Herrschaftsbereich des Drachen gelangten.

Als das Essen vorüber war, fingen sie an, ihre eigenen Geschichten zu

aber Beorn schien schläfrig zu werden und ihnen wenig Aufmerksamkeit zu

schenken.

Sie sprachen meist von Gold und Silber und Juwelen, von Gegenständen des

Schmiedehandwerks, doch Beorn nahm daran keinen Anteil.

In seiner Halle gab es nichts aus Gold und Silber, und außer den Messern war

kaum etwas aus Metall gefertigt.

Vor ihren hölzernen Methumpen saßen sie lang noch am Tisch.

Von draußen kam die Nacht.

Die Feuer in der Mitte der Halle wurden mit frischen Holzklötzen neu aufgebaut,

Die Fackeln wurden gelöscht, und noch immer saßen sie im Licht der tanzenden

Flammen. Die Säulen der Halle standen hoch aufgerichtet hinter ihnen, ihr

Teil in Dunkelheit gehüllt wie die Bäume des Waldes.

Ob es nun Zauberei war oder nicht, Bilbo schien es, als ob er ein Geräusch

hörte, wie Wind in den Zweigen, der am Gebell gerüttelte, und wie das Schreien

der Eulen.

Bald sank ihm der Kopf vor Schläfrigkeit vornüber, und die Stimmen versanken in

weiter Ferne.

Da wachte er mit einem Ruck auf.

Die große Tür krachte und wurde ins Schloss geworfen.

Björn war gegangen.

Die Zwerge saßen mit gekreuzten Beinen um das Feuer, und gerade jetzt fingen

an zu singen.

Die Verse erzählten vom Wind, der über die dürre Heide hinwegbrauste,

Rauchschwaden über dem Drachenlager im einsamen Berg zerfetzte, dann unter dem

Mond, der sein altes, vergilbtes Segel setzte, die Welt verließ und in der

sternsiefen Nacht die riesigen Seen der Finsternis aufwühlte.

Bilbo fing wieder an einzunicken.

Plötzlich stand Gandalf auf.

»Es ist Zeit für uns schlafen zu gehen«, sagte er, »für uns, aber nicht für

Beorn, nehme ich an. In seiner Halle sind wir heil und sicher aufgehoben .«

ich warne euch alle, vergesst nicht, was Beon uns sagte, ehe er ging.

Ihr dürft nicht hinausgehen, ehe die Sonne kommt, bei Leib und Leben nicht.

Bilbo stellte fest, dass seitwärts auf einem Aufsatz zwischen Pfeilern und

Außenwand Lager bereitet wurden.

Für ihn gab es eine kleine Strommatratze und wollende Decken.

Sehr froh krabbelte er hinein, auch wenn es Sommerzeit war.

Das Feuer war niedergebrannt, und er schlief ein.

Doch in der Nacht wachte er auf.

Das Feuer war zu glimmernder Asche zerfallen. Die Zwerge und Gandalf

nach ihrem Atmen zu urteilen.

Der hochstehende Mond, der durch das Rauchloch im Dach blickte, hatte einen

weißen Fleck auf den Boden gezeichnet.

Von draußen aber waren ein Brummen zu hören und ein Geräusch, als ob ein

Tier vor der Tür scharrte.

Bilbo überlegte, was das bedeuten mochte.

Ob es Björn in seiner Verzauberung wäre und ob er als Bär hereinkommen und sie

töten würde.

Er tauchte unter seine Decken, verbarg seinen Kopf und fiel schließlich wieder

in Schlaf, obgleich er sich doch so sehr fürchtete.

Es war heller Morgen, als er aufwachte.

Einer von den Zwergen war in dem dunklen Winkel, in dem er lag, über ihn

gestolpert und mit einem Plumps von dem Aufsatz auf den Hallenboden

heruntergerollt. Es war Bufur, und er murrte, als Bilbo seine Augen öffnete.

»Auf den Pfahlpilz«, sagte er, »oder es bleibt nichts mehr zu frühstücken übrig

für dich .« »Auf«, sprang Bilbo.

»Frühstück«, rief er, »wo ist das Frühstück ?« »Zum größten Teil in

Bauch«, antworteten die anderen Zwerge, die in der Halle umhergingen.

Aber was wir übrig gelassen haben, steht draußen in der Vorhalle.

Wir haben uns nach Björn umgesehen die ganze Zeit, nachdem die Sonne aufging,

aber keine Spur von ihm gefunden, abgesehen von dem Frühstück, das wir

vorfanden.

»Wo ist Gandalf ?« fragte Bilbo und sah zu, dass er möglichst rasch etwas zu

essen fand.

»Oh, fort und irgendwo draußen«, sagten sie ihm.

Aber auch vom Zauberer keine Spur an diesem Tag.

Kurz vor Sonnenuntergang betrat er die Halle, wo der Hobbit und die Zwerge

gerade ihre Abendmahlzeit einnahmen, die ihnen, wie schon den ganzen Tag, Bjorns

wunderbare Tiere auftrugen.

Von Bjorn hatten sie seit der letzten Nacht weder etwas gesehen noch gehört,

sie waren schon sehr verwundert.

»Wo ist unser Gastgeber, und wo seid ihr selbst den ganzen Tag geblieben ?«

riefen sie alle zugleich.

»Eine Frage immer hübsch nach der anderen, und das erst nach dem Abendbrot

Seit dem Frühstück habe ich keinen Bissen mehr gegessen .« Schließlich

Gandalf Teller und Krug von sich, er hatte zwei ganze Brotleibe verspeist,

mächtig bestrichen mit Butter, dazu Honig und dicke Sahne, und dann hatte er

noch ein Viertel Met getrunken.

Er holte seine Pfeife hervor.

»Ich will die zweite Frage zuerst beantworten ,« sagte er.

»Donnerwetter ist dies ein herrlicher Platz für Rauchringe .« Und in der Tat.

Für lange Zeit konnten sie nichts anderes aus ihm herausbringen.

Er war viel zu beschäftigt, Rauchringe aufsteigen zu lassen, die rund um die

Hallenpfeiler schwebten und die unterschiedlichsten Formen und Farben

Zum Schluss mussten sie sich gegenseitig durch das Loch im Gebälk hinausjagen.

Von draußen wird es sehr seltsam ausgesehen haben, wie ein Rauchring nach

anderen in die Luft stieg, grüne, blaue, rote, silbergraue, gelbe, weiße,

große und dünne, kleine, die durch große hindurchzogen und sich zu achtern

vereinigten, oder wie ein Schwarm Vögel davonstoben.

»Ich habe Bärenfährten aufgespürt«, sagte Gandalf endlich.

»Es muss wohl eine richtige Bärenversammlung heut Nacht hier draußen

stattgefunden haben.

Ich merkte bald, dass die Fährten nicht allein von Bion herrühren konnten.

Sie waren viel zu zahlreich und verschieden groß .« Ich würde sagen, es

kleine Bären, große Bären, gewöhnliche Bären und riesenhafte Bären, die da vom

Beginn der Nacht bis fast zum Morgengrauen getanzt haben.

Sie kamen aus nahezu allen Richtungen, ausgenommen vom Westufer des Flusses,

Gebirge. In diese Richtung führte bloß eine einzige Fährte, und diese kam

sondern führte nur von hier dorthin.

Ich folgte ihr bis zum Kerok.

Dort verschwand sie im Fluss.

Aber für mich war das Wasser zu tief und die Strömung zu stark, um hinüber zu

wechseln.

Es ist leicht, wie ihr euch erinnert, von hier aus durch die Furt den Kerog zu

erreichen, aber auf der anderen Seite ragt er wie eine Klippe aus einem Strom

voller Wirbel.

Meilenweit musste ich suchen, ehe ich eine Stelle fand, an der der Fluss breit

und seicht genug war, damit ich wartend und schwimmend hinüberkam.

Und dann musste ich die Meilen zurückgehen und die Fährte wieder

Inzwischen war es zu spät geworden, ihr lange weiterzufolgen.

Sie führte geradewegs auf die Kiefernwälder an der Ostseite der

wo wir unsere hübsche kleine Zusammenkunft mit den Riesenwölfen

hatten. Und damit hoffe ich, auch eure erste Frage beantwortet zu haben ,«

endete Gandalf, und er saß eine Weile schweigsam da.

Bilbo glaubte, er hätte erraten, was Gandalf meinte.

»Was sollen wir machen ?« rief er, »wenn er alle Wölfe und Orks herbeiholt. Wir

werden gefangen und umgebracht werden.

Aber ihr sagtet doch, Beorn sei keineswegs ihr Freund .« »So sagte ich.

Seid nicht albern. Besser wär's, ihr würdet ins Bett gehen, denn euer

fängt an zu schneichen .« Bilbo fühlte sich zermeimt, und da ihm nichts anderes

einfiel, ging er zu Bett.

Und während die Zwerge noch sangen, schlief er ein und zerbrach sich dabei

immer seinen kleinen Kopf Beons wegen, bis er von Hunderten von schwarzen Bären

träumte, die draußen im Hof immerzu rund und rund ihre langsamen, schwerfälligen

Tänze tanzten.

Dann wachte er auf, als jeder andere schlief, und er hörte das gleiche

Schnaufen, Scharren und Brummen wie vordem.

Am nächsten Morgen wurden sie durch Björn selbst geweckt.

»So, ihr seid also noch hier ,« rief er. Er hob den Hobbit auf und lachte.

»Von Riesenweifen oder Orks oder bösen Bärengefäßen, wie ich sehe .« Und er

klopfte Mr. Beutlin höchst respektlos auf die Weste.

»Das kleine Kaninchen ist wieder prall und fett, von Milch und Honig .« Er

lachte. »Kommt und holt euch noch mehr .« So gingen sie alle mit ihm zum

Frühstück. Björn war ganz verändert.

Er schien allerbester Laune und brachte sie mit seinen Geschichten zum Lachen.

Sie brauchten sich auch nicht lange zu wundern, wo er so lange geblieben und

warum er so freundlich zu ihnen geworden war, denn er erzählte es ihnen selbst.

Er war über den Fluss gegangen und geradewegs auf das Gebirge zu, woraus

schließen könnt, wie rasch er auf den Füßen war, jedenfalls als Bär.

Die verbrannte Wolfslichtung bewies ihm, dass dieser Teil ihrer Geschichte wahr

sein musste.

Aber er hatte mehr als das gefunden.

Er hatte einen Riesenwolf, einen Warg, gefangen und einen Org dazu, die durch

die Wälder streiften.

Von diesen erfuhr er allerlei Neuigkeiten.

Die Orgpatrouillen jagten noch immer mit den Wargen hinter den Zwergen her, und

sie waren schrecklich zornig über den Tod des großen Orgs und weil dem

Wolfhauptmann die Nase verbrannt worden und so mancher aus seiner Garde durch

das Feuer des Zauberers umgekommen war.

So viel erzählten sie Björn, als er sie zum Reden zwang.

Aber er vermutete, dass da noch mancher böse Streich vorbereitet wurde und dass

ein Überfall der ganzen Orgarmee und der verbündeten Wölfe zu fürchten war, ein

Überfall in die Länder im Schatten des Gebirges, um die Zwerge zu erwischen

Rache an Menschen und allen Wesen zu nehmen, die sie beherbergt haben

Eure Geschichte war eine gute Geschichte.

sagte Bion.

»Aber jetzt, da ich sicher bin, dass sie wahr ist, gefällt sie mir noch einmal

so gut.

Ihr müsst schon entschuldigen, dass ich mich nicht auf euer Wort verlassen habe.

Wenn ihr selbst am Rand des Nachtwaldes lebtet, würdet ihr keinem trauen, es sei

denn, ihr kennt ihn wie euren Bruder oder noch besser als diesen.

Wie die Sache steht, so kann ich euch nur sagen, dass ich, so schnell ich

konnte, zurück eilte, um mich zu vergewissern, dass ihr sicher seid und

jede Hilfe, die in meiner Macht steht, zu peilen wird.

»Nach all dem werde ich freundlicher über Zwerge denken.

Den großen Org erschlagen, wer das bedenkt !« Er lachte zornig in sich

»Was habt ihr mit dem Org und dem Waag gemacht ?« fragte Bilbo plötzlich.

»Kommt und seht !« sagte Björn, und sie folgten ihm um das Haus.

Ein Orgkopf stak auf dem Gatter, und ein Waagfell war draußen an einem Baumstamm

genagelt.

Beorn war ein schrecklicher Feind.

Aber jetzt war er ihr Freund, und Gandalf hielt es für klug, ihm ihre

Geschichte zu erzählen und den Grund für ihre Reise, sodass sie alle nur

mögliche Hilfe von ihm bekommen konnten.

Und dies versprach er für sie zu tun.

Er wollte jedem ein Pony geben und Gandalf ein Pferd für den Marsch bis zum

Wald.

Dazu sollten sie Nahrungsmittel haben, die bei sorgfältigem Gebrauch für Wochen

reichen und die so verpackt sein sollten, dass sie so leicht wie irgend

zu tragen waren.

Nüsse, Mehl, verschlossene Krüge mit getrocknetem Obst, rote, irdenen Töpfe

Honig, Zwieback, der sich lange halten würde und von dem schon eine Handvoll

notfalls für einen langen Marsch genügte.

Seine Herstellung war eines seiner Geheimnisse.

Aber es war Honig darin, wie in den meisten seiner Nahrungsmittel.

Sie schmeckten gut, obgleich sie durstig machten.

Wasser, so sagte er, brauchten sie auf dieser Seite des Waldes nicht

mitzuschleppen, denn es gebe Bäche und Quellen genug am Weg.

Aber ihr Abfahrt durch den Nachtwald ist dunkel, gefährlich und schwierig, fügte

er hinzu.

Wasser ist dort nicht leicht zu finden und Nahrungsmittel schon gar nicht.

Die Zeit für Nüsse ist noch nicht gekommen, obgleich sie kommen und sogar

vorübergehen kann, ehe ihr die andere Seite erreicht.

Und Nüsse sind von allem, was dort wächst, das einzige zum Essen.

Die Welt ist des Fenster und sonderbar und unberechenbar.

Ich will euch mit Häuten versorgen, in denen ihr Wasser mitnehmen könnt.

Auch will ich euch Bogen und Pfeile geben.

Aber ich zweifle sehr, ob irgendetwas im Nachtwald wirklich genießbar ist.

Einen Fluss gibt es dort, der schwarz und rasch fließend euren Pfad kreuzt.

Bringt ja nicht aus ihm und badet nicht darin.

Denn ich habe gehört, dass er verzaubert ist und Schlafmüdigkeit und Vergessen

bringt.

Und in dem trüben Schatten dieses Waldes werdet ihr nichts Genießbares oder

Ungenießbares schießen können, ohne den Pfad zu verlieren.

Den Pfad aber dürft ihr niemals verlassen, aus keinem noch so wichtigen

Das ist alles, was ich euch raten kann.

Jenseits des Waldrandes kann ich euch so gut wie gar nicht helfen.

Ihr müsst euch auf euer Glück, euren Mut und die Lebensmittel verlassen, die ich

euch mitgebe.

Mein Pferd und meine Ponys müsst ihr am Rand des Waldes, darum muss ich euch

bitten, zurückschicken.

Ich wünsche euch guten Weg, und mein Haus steht euch offen, wenn ihr je

Weg zurückkommt.

Sie dankten ihm mit vielen Verbeugungen und dem Schwenken ihrer Kapuzen und

manchem »zu euren Diensten, o Herr der großen hölzernen Hallen«, aber ihr Herz

sank ihnen bei diesen ernsten Worten in die Hose, und sie spürten, dass das

Abenteuer viel gefährlicher war, als sie angenommen hatten, denn selbst wenn sie

alle Gefahren des Weges bestanden, so wartete doch noch der Drache am Ende auf

sie.

Den ganzen Morgen waren sie geschäftig bei ihren Vorbereitungen.

Am frühen Nachmittag aßen sie zum letzten Mal mit Beorn, und nach der

bestiegen sie die Streitrosse, die er ihnen die.

Sie riefen ihm manchen Abschiedsgruß zu und ritten eilig zum Gatter hinaus.

Als sie die hohen Hecken im Osten von Beorns eingefriedetem Land hinter sich

ließen, wandten sie sich nach Norden und später nach Nordwest.

Auf seinen Rad hin strebten sie nicht mehr dem Hauptweg quer durch den Wald

der südlich seines Landes begann und der alte Nachtwaldweg genannt wurde.

Wären sie dieser Straße gefolgt, so hätte ein kleiner Wasserlauf aus dem

sie bis zum gewaltigen Fluss geführt, viele Meilen südlich vom Kerog.

An diesem Punkt lag eine tiefe Furz, die sie hätten kreuzen können, wenn sie

ihre Ponys noch gehabt hätten.

Auf der anderen Seite führte ein schmaler Steig zum Saum des Nachtwaldes

Beginn des alten Nachtwaldweges.

Aber Beorn hatte sie gewarnt, dass sich gerade auf diesem Steig oft Orks

herumtrieben, während der Waldweg selbst, wie er gehört hatte, zugewachsen

und am östlichen Ende gar nicht mehr benutzt wurde und in unwegsame Sümpfe

führte.

Außerdem lag der Ostausgang so weit südlich des einsamen Berges, dass sie

dort einen langen und schwierigen Marsch nach Norden hätten antreten müssen.

schloss sich der Saum des Nachtwaldes dichter an die Ufer des gewaltigen

an, und obgleich hier auch das Gebirge näher herankam, hatte Beorn ihnen

geraten, diesen Weg zu gehen.

Denn an einer Stelle, die nur wenige Tage dritte nördlich des Kerrocks lag,

sich der Eingang eines kaum bekannten Pfades quer durch den Nachtwald, der

geradewegs auf den einsamen Berg zulief.

hatte Bion gesagt, »werden noch hundert Meilen nördlich vom Kerog den gewaltigen

Fluss nicht überqueren und um mein Haus, nachts ist es wohl geschützt, einen

großen Bogen machen. Aber dennoch, ich würde rasch reiten, denn wenn sie ihren

Überfall bald ausführen, so kreuzen sie den Fluss im Süden und streifen den

ganzen Waldrand ab, um euch den Weg abzuschneiden, und vage rennen rascher

Ponys. Kurz, es ist sicherer, wenn ihr euch nach Norden wendet .« selbst wenn

scheint, als rittet ihr zurück und gerietet wieder in die Nähe ihres

Denn das werden sie am wenigsten erwarten, und sie werden länger reiten

wenn sie euch fangen wollen.

Reitet nur los, so schnell ihr könnt .« Deshalb also ritten sie jetzt

schweigsam, galoppierten, wo der Grund grasig und eben war.

Das Gebirge lag finster zu ihrer Linken, und die Linie des Flusses mit seinen

Bäumen rückte immer dichter heran.

Die Sonne hatte sich gerade dem Westen zugewandt, als sie aufbrachen, und am

Abend lag sie golden auf dem Land.

Es war schwer, gerade jetzt an eine Verfolgung durch Orks zu denken, und als

manche Meile sie von Beons Haus trennte, fingen sie wieder an zu reden und zu

singen und vergaßen den finsteren Waldweg, der vor ihnen lag.

Aber am Abend, als die Dämmerung kam und die Gipfel des Gebirges im

Sonnenuntergang glühten, machten sie Rast und stellten eine Wache auf, und

meisten schliefen mit schweren Träumen ein, in denen das Geheul jagender Wölfe

wiederklang und das Geschrei der Orks.

Doch der nächste Morgen zog strahlend und klar herauf.

Es lag herbstlich weißer Nebel auf der Erde, und die Luft war kalt.

Als die Sonne sich rot im Osten erhob, zergingen die Nebelbänke, und als die

Schatten noch lang waren, zogen die Zwerge weiter.

So ritten sie noch zwei weitere Tage, und während der ganzen Zeit sahen sie

nichts anderes als Gras und Blumen und Vögel und einzelne Bäume und

kleine Rudel Hirsche, die ästen oder am Nachmittag im Schatten ruten.

Manchmal sah Bilbo Geweihe aus dem hohen Gras ragen, und zuerst dachte er, es

wären abgestorbene Baumäste.

Am dritten Abend hatten sie es sehr eilig, vorwärts zu kommen, denn Björn

gesagt, sie würden den Eingang des Nachtwaldes früh am vierten Tag

Sie ritten also nach Einbruch der Dämmerung immer noch weiter im

tief in die Nacht.

Als das Licht verschwinden begann, war es Bilbo, als ob er dann und wann zu

seiner rechten oder zu seiner linken die dunklen Umrisse eines großen Bären in

gleicher Richtung trotten sah.

Aber als er es wagte, Gandalf darauf aufmerksam zu machen, antwortete der

Zauberer nur, »Stell, schaut nicht hin !« Am nächsten Tag brachen sie noch vor

der Dämmerung auf, obwohl ihre Nachtruhe nur kurz gewesen war.

Sobald es hell wurde, sahen sie den Wald auf sich zukommen, als ob er sie

erwarte, eine schwarze und finstere Wand.

Das Land stieg allmählich an, und es war dem Hobbit, als ob ein großes Schweigen

sie fest umschlösse.

Wenige Vögel sangen noch, Es gab kein Rotwild, selbst Kaninchen waren nicht

zu entdecken.

Nachmittags endlich erreichten sie den Rand des Nachtwaldes und rasteten unter

dem gewaltig überhängenden Laubwerk der äußeren Bäume.

Ihre mächtigen Stämme waren knorrig, ihre Zweige ineinander verschlungen,

Blätter dunkel und lang.

Efeu wuchs an ihnen empor und hing bis zur Erde herab.

»Ja, hier ist der Nachtwald«, sagte Gandalf.

»Der größte aller Wälder in der nördlichen Welt.

Ich hoffe, euch gefällt sein Anblick.

Jetzt müsst ihr diese vorzüglichen Ponys heimsenden, die ihr euch geliehen habt

.« Am liebsten hätten die Zwerge zu murren begonnen, aber der Zauberer

sie seien nicht ganz gescheit.

»Wäon ist nicht so weit weg, wie ihr glaubt, und es wäre jedenfalls besser,

würdet euer Versprechen halten, denn er ist ein schrecklicher Gegner .« Die

Augen von Mr. Beutlin sind färber als eure, falls ihr nicht ebenfalls, Nacht

Nacht, nach Einbruch der Dunkelheit, einen großen Bären neben uns wandern

in der Ferne im Mondlicht unser Lager beobachten seid.

Nicht nur, um für euch zu wachen und euch zu führen, sondern auch, um Acht

die Ponys zu haben.

Bären mag euer Freund sein, aber er liebt seine Tiere wie Kinder.

Ihr könnt nicht ermessen, was es heißt, dass er Zwerge so weit und so schnell

auf ihnen reiten ließ, noch was geschehen würde, falls ihr versuchen

die Ponys mit in den Wald zu nehmen .« »Und was geschieht mit dem Pferd ?«

fragte Turin. »Ihr habt nichts davon gesagt, dass es ebenfalls zurückgesandt

wird ?« »Nein, ich schicke es auch nicht zurück .« »Und wie ist es mit eurem

Versprechen ?« »Das ist meine Sache. Ich schicke es nicht. Ich reite es nämlich

zurück .« Da wussten sie, dass Gandalf sie am Saum des Nachtwaldes verlassen

würde, und sie waren verzweifelt.

Aber was sie auch sagen mochten, nichts konnte seinen Entschluss ändern.

»Nun, wir hatten uns damit auseinandergesetzt, als wir auf dem

sagte er, »unnütz darüber zu streiten.

Ich habe, wie ich euch sagte, dringende Geschäfte im Süden, und ich habe mich

schon genug verspätet, als ich mich abrackerte mit euch .« Ehe alles vorbei

werden wir uns möglicherweise wieder begegnen.

Hinwiederum natürlich vielleicht auch nicht.

Das hängt von eurem Glück und eurem Mut und Spürsinn ab.

Und ich gebe euch Mr. Beutlin mit auf den Weg.

Schon vorher habe ich euch gesagt, dass mehr in ihm steckt, als ihr glaubt.

Ihr werdet nicht allzu lang brauchen, das herauszufinden.

Seid ein bisschen vergnügter, Bilbo, schaut nicht so sauer drein.

Und ihr, Thorin und Kumpanei, seid auch zuversichtlicher und nicht so betrübt.

Friedlich ist dies eure Expedition.

Denkt an den Schatz am Ende und vergesst den Wald und den Drachen wenigstens bis

morgen früh .«

Am

nächsten Morgen sagte er noch immer dasselbe.

So blieb also nichts anderes übrig, als die Wasserschläuche an einer klaren

Quelle zu füllen, die sie dicht neben dem Waldeingang fanden, und die Ponys

abzupacken.

Sie verteilten das Gepäck, so gerecht sie es konnten, obgleich Bilbo dachte,

dass seine Last schrecklich schwer sei.

Der Gedanke gefiel ihm gar nicht, dass er mit all diesem Kram auf dem Rücken

Meilen um Meilen dahintrotten sollte.

»Macht euch nichts draus«, sagte Thorin, »es wird nur allzu bald leichter

werden. Nicht lang, und ich fürchte, dass jeder von uns sich sein Gepäck

schwerer wünscht. Dann nehme ich...« wenn das Essen knapper wird .« Endlich

nahmen sie Abschied von den Ponys und drehten ihnen die Köpfe heimwärts.

Sie trabten fröhlich davon und schienen glücklich zu sein, dem finsteren

Nachtwald ihre Schweife zu zeigen.

Als sie davonzogen, hätte Bilbo schwören können, dass etwas wie ein Bär den

Schatten der Bäume verließ und rasch hinter ihnen hertrabte.

Jetzt sagte auch Gandalf, liebewohl,

Bilbo saß auf der Erde und kam sich sehr unglücklich vor.

Er wünschte sich neben den Zauberer aufs hohe Pferd.

Nach dem Frühstück, einem sehr ärmlichen, war Bilbo in den Wald

schien ihm, als ob er schon am Morgen finster wie die Nacht und sehr

geheimnisvoll wäre.

»Man fühlt sich bewacht und beobachtet«, sagte sich Bilbo.

»Auf Wiedersehen«, sagte Gandalf zu Thorin, »und auf Wiedersehen euch allen

»Straks durch den Wald geht jetzt euer Weg.

Verlasst ihn nie.

Weicht ihr ab, dann möchte ich wetten, ihr findet ihn niemals wieder und werdet

aus dem Nachtwald nicht herauskommen. Und dann, vermute ich, sehe weder ich

sonst irgendwer euch jemals wieder .« »Müssen wir wirklich hindurch ?« stöhnte

der Hobbit.

»Ja, ihr müsst«, erwiderte der Zauberer, »falls ihr auf die andere Seite kommen

wollt. Entweder hindurch oder aufgeben .« »Und ich erlaube euch nicht, jetzt

zurückzukehren, Mr. Beutlin.

Ich schäme mich, dass ihr solche Gedanken habt.

Ihr müsst an meiner Stelle Obacht auf all diese Zwerge geben ,« fügte er

hinzu.

»Nein, nein ,« sagte Bilbo, »das meine ich ja gar nicht. Ich meinte, ob es da

nicht einen Weg drum herum gibt ?« »Den gibt es, wenn es euch nichts ausmacht,

zweihundert Meilen etwa nach Norden zu wandern oder das Doppelte nach Süden .«

Aber selbst dann würdet ihr keinen sicheren Weg finden.

Es gibt keine sicheren Wege in diesem Teil der Welt.

Erinnert euch, ihr habt die Einödgrenze überschritten und müsst euch hier

überall auf allerlei Späße gefasst machen.

Ehe ihr den Nachtwald im Norden umgehen könntet, würdet ihr mitten in die Hänge

der grauen Berge geraten, und die sind einfach vollgestopft mit Orks,

Hobkobolden und ungeheuern übelster Art.

Und ehe ihr den Wald im Süden umgehen könntet, würdet ihr in das Land des

Geisterbeschwörers kommen.

Und gerade euch, Bilbo, brauche ich keine Geschichten über diesen schwarzen

Hexenmeister zu erzählen.

Ich rate euch gut, geht niemals in Gegenden, die sein finsterer Turm

Haltet euch an euren Waldweg, bleibt tapfer, hofft auf das Beste, und mit

riesengroßen Scheibe Glück könnt ihr eines Tages wieder herauskommen.

und die langen Sümpfe unter euch liegen sehen, und hinter ihnen, weit im Osten,

den einsamen Berg, wo der gute alte Smaug haust.

Und ich hoffe, dass ihr euch nicht erwartet .« »Ein großer Trost,

knurrte Thorin.

»Lebt wohl.

Wenn ihr nicht mit uns gehen wollt, dann zieht besser jetzt ab, ohne weitere

Reden .« »Gut. Lebt wohl. Und buchstäblich.

Lebt wirklich wohl .« sagte Gandalf.

Er wandte sein Pferd und ritt hinab nach Westen.

Aber er konnte der Versuchung nicht widerstehen, das letzte Wort zu

Ehe er außer Rufweite war, drehte er sich noch einmal um, legte die Hände an

Mund und rief ihnen etwas zu.

Ganz schwach hörten sie seine Stimme aus der Ferne.

»Lebt wohl!

Seid vernünftig!

Passt gut auf euch auf !« »Und verlasst niemals den Pfad !« Dann galoppierte er

davon und war bald außer Sicht.

»Lebt nur wohl und verschwindet«, brummten die Zwerge, die wütend waren,

Gandalf zu verlieren, das hatte sie in Schrecken versetzt.

Und jetzt begann der gefährlichste Teil ihrer Unternehmung.

Ein jeder schulterte das schwere Gepäck und die Wasserschläuche, wandte sich aus

dem Licht, das auf den Ländern draußen lag, und tauchte in den Wald ein.

8.

Fliegen und Spinnen Sie zogen in einfacher Reihe dahin.

Der Eingang des Weges sah wie ein Torbogen zu einem dunklen Stollen aus.

Zwei große Bäume, die sich aneinander zuneigten, bildeten das Eingangsgewölbe.

Die Bäume waren schon viel zu alt, von Efeu erdrosselt und Flechten behangen,

mehr als nur wenige schwarz verfärbte Blätter zu tragen.

Der Pfad selbst war schmal und wand sich bald links, bald rechts um die Stämme.

Nicht lange, und das Licht des Eingangs war nur noch ein kleiner, leuchtender

Ausschnitt weit hinter ihnen.

Die Stille war so tief, dass ihre Füße dumpf auf dem Boden wiederhalten,

alle Bäume sich überzulehnen und zu lauschen schienen.

Als ihre Augen sich an die Finsternis gewöhnt hatten, konnten sie ein

nach jeder Seite in eine Art düsteres, grünes Glimmen schauen.

Gelegentlich fiel ein Lichtstrahl, der das Glück hatte, durch das Blätterdach

hoch oben zu dringen, ohne vom Gewirr des Astwerks und dem verfilzten Verhau

unteren Zweige aufgefangen zu werden, wie ein schmaler, schimmernder Dolch vor

ihnen auf den Boden.

Aber das geschah selten, und bald hörte auch das auf.

Im Wald gab es schwarze Eichhörnchen.

Als Bilbos scharfe, forschende Augen sich eingewöhnt hatten, konnte er hin

wieder einen Blick auf sie werfen, wenn sie über den Pfad fegten oder hinter den

Stämmen davontrippelten.

Es gab auch andere, sonderbare Geräusche, Grunzen, Schnaufen, Rascheln

Unterholz und in den Blättern, die sich an einigen Stellen zu unglaublich hohen

Haufen aufgetürmt hatten.

Aber von wem die Geräusche herrührten, Das konnte er nicht entdecken.

Das Scheußlichste, was ihnen begegnete, waren die Spinngewebe.

Dunkle, dichte Spinngewebe mit außerordentlich dicken Fäden, oft

Bäumen, oft auch wirr in den unteren Zweigen auf allen Seiten der Stämme.

Aber kein Netz war quer über dem Pfad gespannt.

Hielt nun ein Zauber ihn frei, oder gab es sonst einen besonderen Grund, sie

konnten es nicht erraten?

Es dauerte nicht allzu lange, da begannen sie, diesen Wald aus ebenso

Herzen zu hassen wie die Stollengänge der Orks, nur schien ihnen der Nachtwald

noch unendlicher zu sein.

Immer weiter mussten sie ziehen, und schon lange wünschten sie sich heiß und

innig ein bisschen Sonne und ein Stückchen blauen Himmel und sehnten sich

einem Windhauch auf ihrem Gesicht.

Unter dem Dach des Waldes aber rührte sich die Luft nicht.

Hier gab es nur ewig währende Stille, Finsternis, und Moder.

Selbst die Zwerge spürten das, obgleich sie doch gewohnt waren, in der Erde zu

graben und lange Zeit ohne Licht und Sonne zu leben.

Aber der Hobbit, der Höhlen nur dazu benutzte, um eine Wohnung hineinzubauen,

der jedoch nie einen einzigen Sonnentag darin verbrachte, merkte, wie es ihm

allmählich den Hals zuschnürte.

Die Nächte waren am schlimmsten.

Es wurde pechfinster.

Nichts. was ihr so pechfinster nennt, sondern es war wirklich finster wie

so schwarz, dass man in der Tat rein gar nichts sah.

Bilbo hielt die Hand vor seine Nase, aber er konnte sie nicht sehen.

Nun, vielleicht ist es doch nicht richtig zu sagen, dass sie rein nichts

Sie sahen Augen.

Dicht aneinander gedrückt schliefen sie und wachten reihum.

Als die Reihe an Bilbo kam, konnte er rund um sich ein Schimmern in der

sehen und zuweilen gelbe, rote oder grüne Augenpaare, die ihn aus kurzer

Entfernung anstarrten und dann langsam verblachten und verschwanden und

allmählich wieder von einer anderen Stelle her zu glühen begannen.

Manchmal schimmerten sie auch von den Zweigen dicht über ihm herab, und das

das Entsetzlichste.

Aber die Augen, die er am meisten verabscheute, waren bleiche, knollige,

schreckliche Augen.

Insektenaugen, dachte er, keine Säugetieraugen.

Allerdings, sie sind viel zu groß dafür.

Obwohl es noch nicht sehr kalt war, versuchten sie, nachts Wachfeuer zu

unterhalten, aber das gaben sie bald wieder auf.

Es lockte hunderte und aberhunderte Augen an, Obgleich die Wesen, welcher

sie auch immer sein mochten, sehr vorsichtig waren und niemals ihren

dem kleinen Flackerlicht des Feuers sehen ließen.

Schlimmer aber, es zog tausende von dunkelgrauen und schwarzen Nachtfaltern

von denen einige fast so groß wie eure Hand waren, und die schwirrten und

flatterten ihnen um die Ohren.

Das hielten sie nicht aus, und die riesenhaften Fledermäuse, die so schwarz

waren wie ein Zylinderhut, gaben ihnen den Rest.

Sie verzichteten auf Wachfeuer und saßen in der Nacht und dösten in der

gewaltigen, unheimlichen Dunkelheit vor sich hin.

All dies nahm kein Ende, und dem Hobbit schien es, als seien Jahre und Jahre

vergangen.

Außerdem war er stets hungrig, denn sie gingen außergewöhnlich vorsichtig mit

ihren Vorräten um.

Wie die Tage soeinander folgten und der Wald doch immer derselbe blieb, fingen

sie an, ängstlich zu werden.

Die Lebensmittel würden nicht ewig reichen.

Längst waren sie knapp geworden.

Sie versuchten, Eichhörnchen zu schießen und vergeudeten viele Pfeile, bevor sie

eines zur Strecke brachten.

Aber als sie es brieten, schmeckte es scheußlich, und sie tosten nie wieder

Eichhörnchen.

Durstig waren sie auch, denn sie besaßen nicht viel Wasser, und während der

ganzen Zeit hatten sie weder eine Quelle noch einen Bach gesehen.

So stand es mit ihnen, als sie eines Tages ihren Pfad von einem fließenden

Gewässer versperrt fanden.

Es floss schnell und mächtig dahin, obgleich es an ihrem Pfad gar nicht so

war. Es war schwarz oder sah in der Dämmerung jedenfalls schwarz aus.

Gut nur, dass Béon sie gewarnt hatte, sonst hätten sie von diesem Fluss

getrunken, gleichgültig, wie auch immer seine Farbe war, und ihre leer

gewordenen Wasserschläuche hätten sie ebenfalls am Ufer gefüllt.

Jetzt aber waren sie einzig darauf bedacht, den Fluss zu kreuzen, ohne

Tropfen von diesem Wasser auf die Haut zu bekommen.

Es hatte hier einmal eine Holzbrücke gegeben, aber sie war verfault und

verfallen, und nur die zerbrochenen Uferpfosten waren übrig geblieben.

Bilbo, der am Ufer kniete und hinüberstarrte, rieh, »Dort ist ein Boot

anderen Ufer!

Warum in aller Welt kann es nicht auf unserer Seite liegen ?« »Wie weit ist es

weg ?« fragte Thorin, denn mittlerweile hatten sie gemerkt, dass Bilbo von allen

die schärfsten Augen besaß.

»Nicht allzu weit. Ich möchte annehmen, nicht mehr als zwölf Ellen .« »Zwölf

Ellen! Ich dachte, es wären mindestens dreißig, aber meine Augen sind nicht

so gut wie noch vor hundert Jahren.

Trotzdem, zwölf Ellen sind ebenso gut und so schlecht wie eine ganze Meile.

Wir können keine zwölf Ellen springen, und wir dürfen es auch nicht wagen, zu

warten oder zu schwimmen .«

»Kann einer von euch ein Pau werfen ?« »Wozu soll das gut sein?

Das Boot ist gewiss festgebunden, selbst wenn wir einen Haken hineinwerfen

können, was ich noch bezweifle .« »Ich glaube aber nicht, dass es angebunden

ist«, sagte Bilbo, »obgleich ich bei diesem Licht natürlich nicht sicher sein

kann. Mir scheint, es ist bloß ein Stück aufs Ufer gezogen worden, und das ist

dort, wo der Pfad ins Wasser führt, nicht sehr hoch .« »Dori ist der

aber Fili der Jüngste, und außerdem sieht er am besten .« entschied Thorin.

»Kommt her, Fili, und schaut, ob ihr das Boot sehen könnt, von dem Mr. Beutlin

spricht .« Fili meinte, er sehe es, und nachdem er eine lange Weile

hinübergestarrt hatte, um die Richtung festzustellen, brachten ihn die anderen

eine Leine.

Sie hatten mehrere Leinen mitgenommen, und am Ende der Lenken befestigten sie

einen der großen Eisenhaken, die sie sonst dazu benutzten, um das Gepäck an

Schultergurte zu hängen.

Fili nahm den Haken in die Hand, wog ihn eine Weile und schleuderte ihn dann

über den Fluss.

»Patsch«, er fiel ins Wasser.

»Nicht weit genug«, sagte Bilbo, der nach drüben starrte.

»Ein paar Ellen mehr, und ihr hättet das Boot getroffen.

Versucht es noch einmal.

Der Zauber, glaube ich, ist nicht so stark, dass ein bisschen nasses Tau euch

gefährlich werden kann .« Als er es zurückgezogen hatte, nahm Fili zwar den

Haken wieder auf, aber misstrauisch blieb er doch.

Diesmal warf er mit größerer Kraft.

»Ruhig, ruhig«, sagte Bilbo, »ihr habt den Haken mitten in den Wald drüben

geworfen. Zieht ihn vorsichtig zurück .« Fili holte langsam die Leine ein, und

nach einer Weile sagte Bilbo, »sorgfältig jetzt.

Sie liegt auf dem Boot.

Haltet bloß den Daumen, dass der Haken fasst .« Er fasste.

Die Leine wurde straff, und Fili zog vergeblich.

Kili kam ihm zu Hilfe, und dann Oin und Gloin.

Sie zerrten und ruckten, und plötzlich fielen sie alle auf den Rücken.

Bilbo, der noch immer Ausschau hielt, ergriff die Leine und lenkte mit einem

Stock das kleine Boot, das über den Fluss geschossen kam.

»Hilfe !« schrie er, und Balin kam gerade recht, um das Boot zu ergreifen,

es von der Strömung erfasst wurde.

»Es war also doch angebunden .« sagte Balin und betrachtete die abgeriffene

Fangleine, die noch herabhing. »Das war ein guter Ruck, meine Lieben, und ein

Glück, dass unsere Leine stärker war .« »Wer setzt zuerst über ?« fragte Bilbo.

»Ich«, antwortete Thorin.

»Und ihr geht mit, und Fili und Oin und Gloin und Dori.

Als Nächste Ori und Nori, Bifur und Bofur.

Als Letzte Dwarlin und Bombur .« »Ich bin immer der Letzte. Das passt mir gar

nicht .« brummte Bombur.

»Lasst diesmal einen anderen an den Schluss .« »Wenn ihr nicht so fett

ihr es aber seid, müsst ihr bei der leichtesten und letzten Bootslast sein.

Fangt nicht an, gegen Befehle zu murren, oder es wird euch noch etwas Übles

zustoßen .« »Ruder gibt es nicht.

Wie wollt ihr das Boot ans andere Ufer zurückbringen ?« fragte der Hobbit.

»Gebt mir ein anderes Stück Leine und einen anderen Haken .« sagte Fili, und

alles bereit war, warf er ihn in die Finsternis nach vorn und so hoch, wie er

nur konnte.

Da Haken und Leine nicht herunterfielen, mussten sie wohl in den Zweigen

festhängen. »Steigt ein«, sagte Fili, »und einer holt das Boot an der Leine

hinüber, die drüben in den Zweigen sitzt. Ein anderer muss den Haken

wir zuerst benutzten, und wenn wir sicher auf der anderen Seite sind, haken

das Boot damit an, und ihr könnt es zurückziehen .«

Auf diese Weise gelangten sie bald alle sicher ans andere Ufer des verzauberten

Flusses.

Dvalin war gerade mit der Taurolle am Arm aus dem Boot geklettert, und Bombur,

der noch immer murrte, machte sich bereit, ihm zu folgen, als etwas Böses

ereignete.

Vor ihnen auf dem Pfad war das Geräusch flüchtender Hufe zu hören, und aus dem

Dämmer tauchten plötzlich die Umrisse eines fliehenden Hirsches auf.

Er raste mitten in die Zwerge und warf sie wie ein Kegelspiel um, dann setzte

zu einem Sprung an.

Hoch mit einem mächtigen Satz sprang er und über das Wasser hinweg.

Aber das andere Ufer rettete ihn nicht.

Thorin war der Einzige, der sich auf den Füßen gehalten und noch seinen Verstand

beisammen hatte.

Sogleich nach der Landung hatte er für den Fall, dass ein verborgener Hüter des

Bootes erschiene, den Bogen gespannt und einen Pfeil aufgelegt.

Und jetzt sandte er einen schnellen und sicheren Schuss hinter dem springenden

Tier her.

Als der Hirsch das jenseitige Ufer erreichte, stolperte er.

Die Schatten verschlangen ihn, aber sie hörten den Hufschlag stocken, und es

wurde still.

Noch ehe sie zu Ehren dieses Schusses in lautes Lob ausbrechen konnten,

vernichtete ein freckliches Klagegeschrei mit einem Schlage alle

Hirschbraten.

»Bombo ist hineingefallen! Bombo ertrinkt !« schrie Bilbo.

Es war nur zu wahr.

Bombur hatte kaum einen Fuß an Land, als der Hirsch auf ihn zugerasst kam und

über ihn hinwegsetzte.

Bombur war gestolpert, hatte dabei das Boot vom Ufer weggestoßen und war selbst

ins Wasser geplumpst.

Seine Hände rutschten an den glitschigen Uferwurzeln ab, während das Boot

langsam abzog und verschwand.

Sie konnten gerade noch Bomburs Kapuze über dem Wasser sehen, als sie zum Ufer

rannten.

Schnell warfen sie ihm eine Hakenleine zu.

Seine Hand ergriff sie, und sie zogen ihn an Land.

Er war von Kopf bis Fuß durchnässt.

Natürlich, aber das war nicht das Schlimmste.

Als sie ihn aufs Ufer legten, war er schon fest eingeschlafen.

Seine Hand umklammerte so zäh die Leine, dass sie den Griff nicht zu lösen

vermochten, und er blieb in tiefstem Schlaf, trotz allem, was sie mit ihm

anstellten.

Noch immer standen sie um ihn herum, verwünschten ihr Missgeschick und

Ungeschicktheit und klagten über den Verlust des Bootes, der es ihnen

machte, nach dem Hirsch zu suchen.

Da hörten sie fernes Hörnerblasen im Wald und Laute, die wie das Kläffen von

Hunden klangen.

Sie wurden ganz still, und als sie sich niedersetzten, schien es ihnen, als

ginge nördlich des Pfades eine große Jagd durch den Wald.

Freilich sehen konnten sie nicht das Geringste.

So saßen sie für eine lange Weile und wagten es nicht, sich zu bewegen.

Mit einem Lächeln auf seinem wohlgenährten Gesicht schlief Bombur

wäre er nun glücklich all die Sorgen los, mit denen sie sich herumschlagen

mussten.

Aber auf dem Pfad vor ihnen erschienen plötzlich einige weiße Tiere, eine

und zwei Hirschkälbchen.

Sie waren ebenso schneeweiß, wie der Hirsch schwarz gewesen war.

Vor den tiefen Schatten leuchteten sie hell auf.

Noch ehe Thorin den Mund aufmachen konnte, waren drei von den Zwergen

aufgesprungen und hatten mehrere Pfeile verschossen.

Keiner schien getroffen zu haben.

Die Tiere wandten sich um und verschwanden ebenso leise zwischen den

sie aufgetaucht waren.

Vergeblich schossen die Zwerge hinter ihnen her.

»Halt! Halt !« schrie Thorin.

Aber es war zu spät.

Die aufgeregten Zwerge hatten ihre letzten Pfeile vergeudet, und die Bogen,

Bion ihnen mitgegeben hatte, waren jetzt nutzlos.

Eine trübsinnige Gesellschaft waren sie in dieser Nacht, und ihre Stimmung wurde

in den folgenden Tagen nur noch schlechter.

Sie hatten den verzauberten Fluss überquert, aber hier sah der Weg genauso

verloren aus wie auf der anderen Seite, und der Wald schien unverändert.

Wären sie jedoch vertrauter mit diesem Wald gewesen und hätten die Bedeutung

Jagd und der weißen Tiere, die vor ihnen auf dem Weg aufgetaucht waren, richtig

eingeschätzt, so hätten sie gewusst, dass sie jetzt auf den Ostrand zugingen.

Bald würden sie, wenn sie Mut und Hoffnung behielten, zu dünnstämmigeren

und sonnenbeschienenen Stellen kommen.

Aber sie wussten es nicht, und überdies schleppten sie sich mit dem schweren

Bombur ab, so gut es ging, und zu viert der Reihe nach, während die anderen das

Gepäck aufteilten.

Wenn dies in den letzten Tagen nicht so leicht geworden wäre, hätten sie es nie

geschafft. Doch ein schlummernder, lächelnder Bombur war ein schlechter

für ein Gepäck voll guter Lebensmittel.

auch wenn es noch so schwer sein mochte.

In wenigen Tagen kam dann auch die Zeit, wo es praktisch nichts mehr zu essen

und zu trinken gab.

Im Wald sahen sie ebenfalls nichts Genießbares, nur Pilze und sonderbare

mit fahlen Blättern und von unerfreulichem Geruch.

Etwa vier Tagesmärsche nach dem verzauberten Fluss kamen sie an eine

meist von Buchen bestanden war.

Anfangs waren sie geneigt, erleichtert den Wechsel zu begrüßen, denn hier gab

kein Unterholz und die Schatten waren nicht so tief.

Es herrschte ein grünliches Licht an beiden Seiten des Pfades, aber das Licht

zeigte ihnen nur endlose Reihen von geraden, grauen Stämmen wie Säulen einer

riesigen Halle im Zielicht.

Man spürte einen Lufthauch und das Sausen des Windes, aber es klang

Rasselnd segelten ein paar Blätter herab und erinnerten sie daran, dass es

draußen Herbst werden wollte.

Ihre Füße stöberten durch die Blätter zahlloser anderer Herbstzeiten, Blätter,

die von den tiefen, roten Teppichen des Waldes über den Rand des Pfades trieben.

Bombur schlief immer noch, und sie waren völlig ausgepumpt.

Zuweilen hörten sie ein beunruhigendes Gelächter, zuweilen auch Singen in der

Ferne.

Das Lachen war kein Ork -Gelächter, sondern rührte von hellen Stimmen her,

das Singen war sehr schön, doch es klang unheimlich und fremdartig, und es war

ihnen nicht wohl dabei.

Sie beeilten sich, so rasch es ihre schwachen Kräfte erlaubten, diese Gegend

hinter sich zu lassen.

Zwei Tage später merkten sie, dass der Pfad sich zu neigen begann.

Nicht lange, und sie fanden sich in einem Tal, das fast ganz von einem

Schlag Eichen ausgefüllt war.

»Ist dieser verfluchte Wald immer noch nicht zu Ende ?« fragte Thorin.

»Da muss einmal jemand auf einem Baum klettern und sich umsehen. Am besten, er

nimmt den höchsten Baum, der gleich hier am Weg steht .« Natürlich war mit

diesem Jemand Bilbo gemeint.

Sie wählten ihn, denn wenn der Speer überhaupt Erfolg haben sollte, so musste

den Kopf über die höchsten Kronen erheben können und leicht genug sein,

die obersten und dünnsten Äste ihn trugen.

Der arme Mr. Beutlin hatte sich nie groß im Baumklettern geübt, aber sie hoben

ihn in die unteren Äste einer riesenhaften Eiche, die unmittelbar

wuchs, und dann musste er sich emporarbeiten, so gut er es konnte.

Er bahnte sich seinen Weg durch das verfilzte Astgewehr hindurch und bekam

manchen Zweig ins Auge.

Grün und schwarz schmierten ihn die alte Rinde der größeren Äste ein.

Mehr als einmal rutschte er aus und hielt sich gerade noch im letzten

fest. Aber schließlich, nach einer schrecklichen Anstrengung an einer

schwierigen Stelle, wo es auch nicht einen einzigen passenden Ast zu geben

schien, gelangte er bis nahe an den Wipfel heran.

Während der ganzen Zeit kam es ihm vor, als ob Spinnen in dem Baum hausten, und

er machte sich Sorgen, auf welche Weise er wohl wieder hinunterklettern sollte,

wenn er nicht gerade hinunterfallen wollte.

Schließlich steckte er seinen Kopf durch das Blätterdach, und da sah er die

Spinnen.

Aber es waren nur kleine, von gewöhnlicher Größe, und sie jagten

Schmetterlingen her.

Bilbos Augen wurden vom Licht nahezu geblendet.

Er hörte die Zwerge von tief unten heraufrufen, aber antworten konnte er

Festhalten und blinzeln, das war alles, was er zunächst tun konnte.

Die Sonne schien außerordentlich hell, und es dauerte lange, bis er sich daran

gewöhnt hatte.

Aber danach sah er um sich einen Ozean aus düsterem Grün.

den da und dort eine Brise kräuselte.

Und überall segelten hunderte von Schmetterlingen.

Ich nehme an, es war eine Art Purpur -Schillerfalter, ein Schmetterling, der

Wipfel der Eichenwälder liebt.

Aber diese waren keineswegs purpurn, sondern tief samt schwarz, ohne

Zeichnung.

Bilbo betrachtete lange die Nachtschillerfalter und genoss den Wind

Haaren und im Gesicht.

Aber schließlich erinnerte ihn das Geschrei der Zwerge, die vor Ungeduld

aufstampften, an seine eigentliche Aufgabe.

Es stand nicht gut.

So sehr er sich anstrengte, er konnte kein Ende absehen.

Bäume und Blätter in jeder Richtung.

Sein Herz, das beim Anblick der Sonne und beim Gruß des Windes fröhlich

war, sank ihm in die Hose.

Da gab es nichts, mit dem er die da unten hätte aufmuntern können.

In Wirklichkeit aber, wie ich schon sagte, waren sie nicht mehr weit vom

des Waldes entfernt.

Und wenn Bilbo so viel Orientierungssinn gehabt hätte, zu erkennen, dass ein

Ausguckbaum, obgleich selbst sehr hoch, doch nur im Grund eines breiten Tales

stand, so hätte er gewusst, dass von seinem Wipfel aus ringsum die Bäume wie

den Rändern einer großen Schlüssel sich auftürmten und dass man von hier aus

nicht ermessen konnte, wie groß der Wald wirklich war.

Aber diesen Sinn hatte Bilbo nicht.

und er kletterte voll Verzweiflung hinab.

Er erreichte den Boden verkratzt, erhitzt und elend und konnte im

unten zunächst nichts unterfeiden.

Sein Bericht machte die anderen genauso trübselig und elend, wie er selbst war.

»Der Wald geht nach allen Richtungen hin, endlos weiter. Was sollen wir bloß

tun? Und wozu ist es nütze, einen Hobbit auszuschicken ?« schrien sie, als ob es

seine Schuld wäre.

Sie kümmerten sich keinen Pfifferling um die Schmetterlinge und wurden nur noch

zorniger, als er von der wunderschönen Brise dort oben erzählte, die sie nicht

spüren konnten, weil sie viel zu schwerfällig waren, um hinaufzuklettern.

An diesem Abend aßen sie ihre letzten Krümel, und das erste, was sie am

Morgen spürten, war nagender Hunger, und das nächste, dass es regnete, und dass

hier und dort ein Tropfen schwer auf den Waldboden schlug.

Dieshin wiederum erinnerte sie daran, dass sie vor Durst geradezu ausgebrannt

waren und nichts daran ändern konnten.

Man kann einen schrecklichen Durst nicht dadurch löschen, dass man unter

Rieseneichen steht und auf den Glückszufall eines Regentropfens wartet,

einem auf die Zunge fällt.

Das einzige bisschen Trost kam ganz unerwartet von Bombur.

Er erwachte plötzlich, setzte sich auf und kratzte sich den Kopf.

Er konnte nicht herausfinden, wo er war, noch warum er solchen Hunger hatte.

Er hatte alles vergessen, was seit jenem Maimorgen vor langer Zeit geschehen

war, als sie ihre Reise begonnen hatten.

Das Letzte, an das er sich erinnerte, war die Gesellschaft im Haus des

Sie hatten große Schwierigkeiten, ihm die ganze Reisegeschichte mit all den

unglaublichen Abenteuern begreiflich zu machen.

Als er hörte, dass es nichts zu essen gab, setzte er sich hin und weinte, denn

er fühlte sich schwach und wackelig in den Knien.

»Warum bin ich überhaupt erwacht ?« rief er. »Ich hatte solch wunderschöne

Träume. Mir träumte, ich ginge in einem Wald, der ganz ähnlich aussah wie

dieser, spazieren.

Nur war er durch Fackeln an den Bäumen erleuchtet.

Von Lampen, die von den Ästen herabhingen, und von Feuern, die auf dem

brannten. Ein großes Fest wurde da gefeiert und nahm überhaupt kein Ende.

Ein Waldlandkönig saß dort mit einer Blattkrone, es wurde fröhlich gesungen,

ich könnte die Herrlichkeiten weder zählen noch beschreiben, die es da zu

und zu trinken gab.

»Ihr braucht es gar nicht erst zu versuchen«, sagte Thorin, »wirklich,

nichts anderes erzählen könnt, dann seid besser still .« Wir hatten sowieso

schon genug Scherereien mit euch.

Wärt ihr jetzt nicht aufgewacht, so hätten wir euch mit euren idiotischen

Träumen im Wald liegen gelassen.

Es macht kein Vergnügen, euch nach Wochen spärlichster Ernährung spazieren

tragen.

Es blieb nichts anderes übrig.

Die Gürtel mussten fester um die leeren Mägen geschnallt werden, die leeren

Säcke und das Gepäck wurden geschultert, und dann stolperten sie weiter den Pfad

entlang.

Sie hatten wenig Hoffnung, das Ende zu erreichen, ehe sie sich hinlegen und den

Hungertod sterben mussten.

So gingen sie noch den ganzen Tag, langsam und mühsam, während Bombur

seine Beine würden ihn nicht mehr tragen, und er wünschte bloß, sich

und schlafen zu können.

»Nein, das kommt nicht in Frage«, sagten sie, »lasst eure Beine auch ihr

Päckchen schleppen, wir haben euch lange genug getragen .« Wie dem auch sei,

Plötzlich weigerte er sich, auch nur einen Schritt weiter zu gehen, und warf

sich auf den Boden.

»Geht weiter, wenn ihr Lust habt«, sagte er, »ich für meinen Teil ziehe es vor,

hier zu liegen, zu schlafen und vom Essen zu träumen, wenn ich es nicht

haben kann.

Ich hoffe bloß, dass ich nie wieder aufwache .« Gerade in diesem Augenblick

Balin, der ein bisschen voraus war, »Was war denn das?

Mir kam es vor, als schimmerte da ein Licht aus dem Wald .«

Sie strengten ihre Augen an, und es schien ihnen, als ob sie ein gutes Stück

entfernt etwas Rotes in der Dunkelheit schimmern sehen.

Und dann blinkten immer mehr Lichter daneben auf.

Selbst Bombur erhob sich, und sie rannten darauf zu, ohne sich darum zu

ob dort am Ende Trolle oder Orks auf sie warteten.

Die Lichter waren gerade vor ihnen links vom Weg, und als sie auf deren Höhe

gekommen waren, sahen sie deutlich Fackeln und Feuer unter den Bäumen

Jedoch ein gutes Stück weg von ihrem Pfad.

»Das sieht ja aus, als ob meine Träume Wahrheit würden ,« sagte Bombur, der

schnaufend herankam.

Er wollte geradewegs in den Wald hinein und auf die Lichter zugehen, aber die

anderen erinnerten sich nur allzu gut an die Warnung Gandalfs und Beons.

»Ein Fest würde nichts Gutes bedeuten, wenn wir lebendig nicht wieder

zurückkommen könnten ,« sagte Thorin.

»Aber ohne Fest werden wir auch nicht am Leben bleiben ,« antwortete Bombur, und

Bilbo stimmte ihm herzlich bei.

So splitten sie eine lange Weile vorwärts und rückwärts, bis sie

übereinkamen, ein paar Späher loszuschicken, die sich an die Lichter

und mehr darüber herausfinden sollten.

Aber sie kamen nicht überein, wer geschickt werden sollte.

Keiner war gerade scharf darauf, verloren zu gehen und seine Freunde nie

wiederzufinden.

Am Ende hatte trotz aller Warnungen der Hunger das letzte Wort, denn Bombur fuhr

fort, all die guten Sachen zu beschreiben, die dort seinem Traum

Waldfest verspeist wurden.

So verließen alle den Pfad und stürzten sich gemeinsam in den Wald.

Nachdem sie ein ganzes Stück gekrochen und geschlichen waren, fielten sie um

Baumstämme herum und gewahrten eine Listung, wo einige gefällte Bäume lagen

der Grund geebnet war.

Viel Volk gab es dort, das nach Elben ausschaute.

Alles war grün und braun gekleidet, und man saß im Kreis auf zurechtgesägten

Klötzen.

Ein Feuer brannte in der Mitte, Fackeln waren rings an den Bäumen befestigt.

Aber der schönste Anblick war doch, dass alles aß und trank und lustig lachte.

Der Duft des gerösteten Fleisches war so wunderbar, dass keiner die Meinung der

anderen abwartete.

Alle standen gleichzeitig auf und stolperten auf den Kreis zu, mit dem

Gedanken, etwas Essbares zu erbetteln.

Doch kaum hatte der Erste die Lichtung betreten, als mit einem Schlag, wie

Zauberei, die Lichter verlöschten.

Jemand trat hastig das Feuer aus, und es schoss wie Raketen in glühenden Funken

auf und verzischte.

Vollständige Dunkelheit umgab sie.

Keiner konnte den anderen finden.

Jedenfalls dauerte es geraume Zeit.

Wie irre tappten sie in der Finsternis umher, fielen über Stämme, stießen mit

Getöse gegen Bäume, schrien und machten ein Spektakel, das auf Meilen alles im

Wald wach geworden sein musste.

Am Ende hatten sie es aber geschafft.

Sie fanden wieder zu einem Haufen zusammen und zählten sich mühsam, indem

einander abtasteten.

Inzwischen hatten sie natürlich ganz und gar vergessen, in welcher Richtung ihr

Pfad lag.

und so waren sie hoffnungslos verloren, zumindest bis zum Morgen.

Es blieb nichts anderes übrig, sie mußten sich, wo sie gerade waren, für

Nacht einrichten.

Sie wagten es nicht einmal, auf dem Boden nach Krümeln zu suchen, aus

einander wieder zu verlieren.

Aber sie hatten sich noch nicht lange hingelegt, Bilbo wurde gerade erst

schläfrig, als Dori, der die erste Wache hatte, aufgeregt flüsterte,

»Die Lichter kommen wieder heraus, da, mehr als vorhin .« Da sprangen sie alle

zugleich auf die Füße.

Ja, ganz sicher, nicht weit weg waren Massen funkelnder Lichter zu sehen. Sie

hörten ganz klar Stimmen und Lachen.

Langsam krochen sie einer hinter dem anderen darauf zu, jeder hielt sich am

Rockschutz des Vordermannes fest.

Als sie näher kamen, sprach Thorin, »Diesmal kein Driffluchtstürzen .«

darf aus dem Versteck, ehe ich es sage.

Ich werde Mr. Beutel ihn allein vorschicken, damit er mit Ihnen reden

Vor ihm werden Sie sich nicht fürchten .« »Aber ich mich vielleicht vor Ihnen

dachte Bilbo.

»Jedenfalls hoffe ich, dass Sie ihm nichts antun .« Als sie an den Rand des

Lichtkreises kamen, stiefen sie hinterrücks den armen Bilbo nach vorn.

Noch ehe er Zeit fand, seinen Ring anzuziehen, stolperte er mitten in den

der Feuer und Fackeln.

Das war schlecht.

Die Lichter verloschen wie beim ersten Mal und völlige Finsternis stürzte

Wenn sie vor dem unter Schwierigkeit einander wiederfinden konnten, so war es

diesmal viel schlimmer.

Und den Hobbit konnten sie überhaupt nicht finden.

Jedes Mal, wenn sie abzählten, kamen sie bloß auf 13.

Sie schrien und riefen, »Bilbo Beutlin! Hobbit! Zum Henker mit ihm !« »Hey,

Hobbit, verflucht, wo steckt ihr bloß ?« Aber es kam keine Antwort.

Sie wollten gerade alle Hoffnung aufgeben, als Dori aus purem Glück über

stolperte.

In der Dunkelheit schlug er längelang hin über etwas, das er für einen

hielt.

Aber dann fand er, dass es der Hobbit war, zusammengerollt wie ein Kater und

tiefem Schlaf.

Es war nicht einfach, ihn wach zu bekommen.

Und als er wach war, war er gar nicht entzückt davon.

»Ich hatte solch einen hübschen Traum«, brummte er, »und darin kam die

allerprächtigste Mahlzeit vor .« »Guter Himmel, es geht ihm wie Bombur«, sagten

sie, »erzählt uns nichts von Träumen, Traumessen, Taugen, nichts, und für uns

fällt sowieso nichts ab dabei .« »Sie sind das Beste, was ich an diesem

grausligen Platz bekommen kann«, murmelte Bilbo, als er sich neben den

niederlegte. und seinen Schlaf und seinen Traum wiederzufinden suchte.

Aber es waren nicht die letzten Lichter im Wald.

Später, als es schon sehr tief in der Nacht, vielleicht schon gegen Morgen

mochte, kam Kili, der die Wache hatte, weckte alle und flüsterte, »Eine

Lichterglut ist dort vorn, gar nicht weit weg, hunderte von Wackeln und viele

Feuer, als ob sie durch Zauberei angezündet worden wären.

Hört bloß das Singen und die Hafen .«

Nachdem sie eine Weile gelegen und gelauscht hatten, merkten sie, dass sie

einfach nicht widerstehen konnten.

Sie mussten näher herangehen und versuchen, Hilfe zu erlangen.

Sie standen auf.

Und diesmal war das Ergebnis vernichtend. Das Fest, das sie

größer und prächtiger als die vorhergehenden.

Zu Häupten einer langen Reihe von Festgästen saß ein Waldlandkönig mit

Blattkrone im goldenen Haar.

genau wie Bombur die Gestalt aus meinem Traum beschrieben hatte.

Das Elbenvolk reichte Humpen von Hand zu Hand und über die Feuer hinweg.

Einige spielten Harfe und viele sangen.

In ihr schimmerndes Haar waren Blumen gewunden.

Grüne und weiße Edelsteine blitzten hell an ihren Kragen und Gürteln.

Gesichter und Lieder strahlten Frohsinn aus.

Laut und klar klangen ihre Lieder in die Nacht.

Da trat Thorin in ihre Mitte.

Plötzlich wurde es totenstill, alle Lichter verlöschten.

Die Feuer gingen in schwarze Rauchschwaden auf.

Asche und Ruß wehten den Zwergen in die Augen, und aufs Neue schallte der Wald

von ihrem Klagen und Geschrei wieder.

Bilbo rannte immerzu im Kreis herum, vielmehr dachte er das, und rief

unaufhörlich, »Dori, Nori, Ori, Oin, Gloin, Fili, Kili, Bombor, Bifur, Bofur,

Dvalin, Balin, Torin, Eichenschild !« Während andere, die er weder sehen noch

fühlen konnte, genau das Gleiche ringsum ihn taten, mit einem gelegentlichen

»Bilbo« dazwischen.

Aber das Geschrei der anderen trieb immer weiter davon, wurde schwächer, und

nach einer Weile Sophines Bilbo wurden gellende Hilfeschreier daraus.

Das geschah jedoch schon aus großer Entfernung.

Der Lärm erstarb schließlich ganz.

Bilbo blieb allein in der regungslosen Dunkelheit zurück.

Es war einer der schlimmsten Augenblicke für Bilbo.

Aber nach einer Weile sagte er sich, dass es unsinnig sei, irgendwas zu

unternehmen, ehe der Tag kam und mit ihm ein bisschen Helligkeit und dass es

ganz falsch wäre, jetzt umherzutappen, sich müde zu machen und das obendrein

ohne Hoffnung auf ein gutes Frühstück.

So setzte er sich mit dem Rücken an einen Baum und nicht zum letzten Mal

wanderten seine Gedanken zu der weit entfernten Hobbit -Höhle mit ihren

wunderbaren Speisekammern zurück.

Er war tief in Gedanken an Speck und Eier, geröstetes Brot und Butter

als er etwas seine Haut berühren fühlte.

Es war wie ein starker, klebrig -zähler Strick, der sich quer über die linke

Hand zog.

Und als er sich bewegen wollte, fand er, dass seine Beine schon von demselben

Zeug eingeschnürt waren.

So war er noch nicht ganz aufgesprungen und lag schon auf der Nase.

In diesem Augenblick kam die Riesenspinne, die, während er vor sich

ihn geschäftig eingewoben hatte, von hinten heran und warf sich auf ihn.

Bilbo konnte nur ihre Augen sehen, aber er fühlte ihre haarigen Beine, die sich

damit abrackerten, die entsetzlichen Fäden um ihn herumzuwickeln.

Welch ein Glück, dass er noch rechtzeitig zu Verstand gekommen war.

Bald hätte er sich überhaupt nicht mehr rühren können.

Er musste, wie die Dinge standen, verzweifelt kämpfen, bevor er freikam.

Er schlug das Tier zuerst einmal mit den Fäusten ab, denn es versuchte, ihn zu

vergiften, damit er stillhielt, wie es die kleinen Spinnen mit Fliegen machen.

Aber dann erinnerte Bilbo sich an sein Schwert, und er riss es aus der Feide.

Die Spinne sprang zurück, und er fand Zeit, seine Beine zu befreien.

Danach war die Reihe an ihm anzugreifen.

Die Spinne war augenscheinlich nicht mit Wesen vertraut, die solch einen Stachel

an der Seite trugen, sonst würde sie rascher zurückgesprungen sein.

Bilbo kam ihr zuvor, ehe sie ausweichen konnte, und ertraf sie mit seinem

Schwert mitten zwischen die Augen.

Da wurde sie irre und sprang und tanzte und warf ihre Beine in schrecklichen

Zuckungen, bis Bilbo sie mit einem zweiten Streich tötete.

Doch dann stürzte Bilbo selbst von über und erinnerte sich für eine lange Weile

an nichts mehr.

Als er wieder zu sich kam, herrschte um ihm das gewöhnliche düstergraue Licht

des Waldtages.

Die Spinne lag tot neben ihm, und seine Schwertklinge war schwarz gefleckt.

Aber irgendwie hatte der Tod der Riesenspinne, die er in der Finsternis

allein, ohne die Hilfe des Zauberers oder der Zwerge besiegt hatte, aus Mr.

Beutlin einen anderen Hobbit gemacht.

Er spürte, dass er ein anderer geworden war, wilder und kühner, trotz eines

leeren Magens.

Sein Schwert wischte er am Gras ab und steckte es zurück in die Scheide.

»Ich will dir einen Namen geben«, sagte Bilbo zu seinem Schwert.

»Du sollst Stachel heißen .« Dann machte er einen Erkundungsstreifzug.

Der Wald war stumm und grimmig.

Bilbo musste zuallererst einmal seine Freunde suchen, die wahrscheinlich nicht

weit waren, falls sie nicht von den Elben oder von schlimmeren Wesen

worden waren.

Bilbo spürte, dass es gefährlich war, zu rufen, und überlegte eine lange Zeit,

in welcher Richtung wohl der Pfad lag und in welcher Richtung er zuerst nach

Zwergen fahnden sollte.

»Oh, warum erinnern wir uns nicht an Beons und Gandalfs Rat ?« klagte er,

stecken wir in der Klemme.

Ich wünschte bloß, wir wären zusammen, denn es ist furchtbar, ganz allein zu

sein .« Am Ende legte er sich, so gut es ging, die Richtung zurecht, aus der in

der Nacht die Hilferufe gekommen waren, und mit gutem Glück, er hatte schon von

Geburt her eine ordentliche Portion davon, riet er mehr oder weniger

wie ihr gleich sehen werdet.

Nachdem er sich also entschieden hatte, schlich er mit äußerster Vorsicht los.

Hobbits verstehen sich besonders in Wäldern auf lautloses Pirschen, wie ich

schon gesagt habe.

Außerdem hatte Bilbo, ehe er aufbrach, den Ring an den Finger gesteckt, und

deshalb konnten die Spinnen ihn weder sehen noch kommen hören.

In aller Heimlichkeit hatte er schon ein Stück Wegs hinter sich gebracht, als er

voraus einen dichten schwarzen Fleck ausmachte, pechschwarz, selbst in diesem

Wald noch wie ein Streif Mitternacht, den der Tag nicht aufhellen konnte.

Als er näher herankam, sah er, dass die Schwärze von Spinnweben herrührte, eine

dicht hinter und über der anderen.

Und plötzlich sah er auch die riesigen, schrecklichen Spinnen dort in den

Zweigen über ihm hocken und ring hin und ring her.

Er zitterte vor Angst, dass sie ihn entdecken könnten.

Hinter einem Baum stehend beobachtete er eine Zeit lang eine Gruppe von Spinnen

und in der lautlosen Stille des Waldes entdeckte er, dass diese widerwärtigen

Geschöpfe miteinander sprachen.

Ihre Stimmen klangen wie ein Knirschen und Zischen, aber Bilbo konnte vieles,

was sie sagten, aufschnappen.

Sie sprachen über die Zwerge.

»Das war ein scharfer Kampf, aber er war die Sache wert«, sagte

eine. »Sie haben ohne Frage ein ekelhaft dickes Fell .« Aber ich wette, es ist

innen ein guter Saft drin.

Na, die schmecken gut, wenn sie ein bisschen abgehangen sind, bemerkte eine

andere.

Lasst sie nicht zu lange hängen, fügte eine dritte hinzu.

Sie sind nicht so nett, wie sie sein sollten. Ich glaube, sie haben in

Zeit nicht gut genug zu fressen bekommen.

Tötet sie!

»Sag ich euch«, zischte eine vierte, »tötet sie gleich und hängt sie danach

eine Weile auf .« »Die sind jetzt garantiert tot«, fing die erste wieder

»Das sind sie nicht. Ich sah den einen eben auch strampeln. Sie kommen gerade

sich, würde ich sagen, nach einem wunderbaren Schlaf.

Ich werde es euch zeigen .«

Damit rannte die fette Spinne ein Tau entlang, bis sie zu einem Dutzend

gelangte.

Sie hingen in einer Reihe von einem hohen Ast herab.

Bilbo war entsetzt, als er sie so zum ersten Mal in Dämmerschatten baumeln

Aus manchen Bündeln ragte ein Zwergenfuß heraus, oder hier und da kam eine

Nasenspitze, ein Entchenbarz oder der Zipfel einer Kapuze zum Vorschein.

Die Spinne rannte zum dicksten Paket.

»Ich wette, es ist der arme alte Bombur«, dachte Bilbo und zwickte fest

herausragende Nase.

Ein unterdrückter Schrei drang aus dem Bündel, ein Fuß zuckte und trat der

Spinne hart in den Bauch.

Es war also noch Leben in Bombur.

Der Tritt klang, als ob einer einen schlaffen Fußball getreten hätte, und

wütende Spinne fiel vom Zweig herab, konnte sich jedoch gerade noch

mit ihrem eigenen Faden fangen.

Die anderen lachten.

»Du hast vollkommen recht«, riefen sie, »das Fleisch lebt noch und kalt aus .«

»Dem werde ich gleich ein Ende machen«, zischte die Spinne und kletterte auf

den Ast zurück.

Bilbo erkannte, dass jetzt der Augenblick gekommen war, da er etwas

musste. Er konnte nicht zu den Bestien hinaufgelangen und zum Schießen hatte er

auch nichts bei sich.

Aber als er sich umschaute, sah er zahlreiche Steine in einer Mulde liegen,

nach einem ausgetrockneten kleinen Wasserlauf aussah.

Bilbo war ein ausgezeichneter Kieselsteinschütze und es dauerte nicht

hatte er einen hübschen, glatten, eirunden Kiesel gefunden, der angenehm

Hand lag.

Als Junge war er ganz eingefuchst auf das Steinewerfen, sodass Kaninchen und

Eichhörnchen, ja Vögel sogar, schnell wie ein Blitz ihm aus dem Weg wischten,

wenn er sich bloß bückte.

Und selbst als Erwachsener hatte er einen guten Teil seiner Zeit mit

Scheibenwerfen, Wurfbolzen, Herzensschießen, Kegelschieben und

Spielen zugebracht, bei denen es ums Zielen und ums Werfen geht.

Wirklich, er konnte allerhand mehr als Rauchringe blasen, Rätsel raten, und

kochen, allerhand das aufzuzählen, ich bisher einfach noch nicht die Zeit

gefunden habe.

Und auch jetzt bleibt keine Zeit dazu.

Während er Steine auflas, hatte die Spinne Bombur erreicht, dem das letzte

Stündlein geschlagen hatte.

Im selben Augenblick aber warf Bilbo.

Der Stein klug der Spinne platt auf den Kopf, und sie fiel bewusstlos vom Baum,

patschte auf die Erde, und all ihre Beine waren ineinander verwickelt.

Der nächste Stein pfiff durch ein dickes Netz, zerriss die Fäden und traf die

Spinne, die in der Mitte saß.

Ein Schlag, und sie war tot.

Aber dann gab es Aufruhr in der Spinnenkolonie, das kann ich euch

die Zwerge wurden darüber fast vergessen.

Den Hobbit konnten die Spinnen zwar nicht sehen, aber sie erfassten sehr gut

Richtung, aus der die Steine kamen.

Blitzschnell rannten und schwangen sie sich auf Bilbo zu, wobei sie ihre Fäden

nach allen Seiten auswarfen, bis die Luft von fliegenden Schlingen erfüllt

schien.

Bilbo jedoch entschlüpfte zu einem anderen Platz.

Es kam ihm der Gedanke, dass er die wütenden Spinnen weiter weg von den

locken sollte, soweit er konnte.

Er musste sie neugierig, rasend und verrückt machen.

Als etwa fünfzig an der Stelle angekommen waren, wo er eben noch

hatte, warf er ein paar weitere Steine nach ihnen, und auch auf andere, die im

Hintergrund geblieben waren.

Dann tanzte er um die Bäume und fing an, ein Lied zu singen, das sie aufbringen

und ihm alle auf den Hals laden sollte.

Und auch die Zwerge sollten seine Stimme hören.

Und so sang Bilbo, »Alte fette Spinne, spinn dich ein im Baum!

Alte fette Spinne, sieh mich nicht im Traum!

Attakopp, Attakopp, hast du keinen Faden, fällst du aus dem Baum !« »Alte

Tratsche, schiel nicht um den Ast!

Alte faule Tratsche, hättest du mich gefasst !« »Attakopp, Attakopp, willst

mich erwischen? Fällst ja schon vom Ast !« Das war vielleicht nicht besonders

schön, aber schließlich müsst ihr bedenken, dass er ganz allein dichtete

noch dazu in einem sehr unangenehmen Augenblick.

Indessen, er erreichte, was er wollte.

Er sang und stampfte und warf noch ein paar weitere Steine.

Da waren praktisch fast alle Spinnen hinter ihm her.

Einige ließen sich gleich auf den Boden fallen, andere rasten die Äste entlang,

schwangen sich von Baum zu Baum oder warfen neue Fangleinen in die dunklen

Zwischenräume.

Viel schneller, als Bilbo erwartet hatte, kamen sie auf seinen Radau heran.

Sie waren schrecklich wütend.

Ganz abgesehen von den Steinen, hat keine Spinne es gern, wenn sie Attakopp

genannt wird.

Und faule Tratsche ist natürlich eine Beleidigung, die sich niemand gefallen

lässt.

Bilbo hastete zu einem anderen Platz.

Aber mehrere Spinnen waren zu allen erdenklichen Stellen der Lichtung

in der sie hausten, und spannten eifrig kreuz und quer Sperren zwischen die

Baumstämme.

Sehr bald würde der Hobbit in ein undurchdringliches Netz geraten. Das war

jedenfalls die Absicht.

Bilbo stand in der Mitte der umherjagenden und spinnenden

Er nahm seinen ganzen Mut zusammen und sang ein neues Lied.

»Die ganze lahme Lümmelei wirft Netze aus, mich zu fangen.

Einen besseren Braten findet ihr nicht, doch müsst ihr mich erst erlangen.

Reißt doch die blöden Augen auf, ihr fetten und faulen Gesellen, doch wer

fixen Kerl fangen will, muss es geschickter anstellen .«

Und damit wandte er sich um und fand, dass der letzte Durchlass zwischen zwei

hohen Stämmen von einem Netz verschlossen war, aber glücklicherweise

einem richtigen Netz, sondern bloß von einigen mächtigen, strengen, doppelten

Spinnengarns, das übereilt vorwärts und rückwärts von Stamm zu Stamm geschlungen

war.

Da riss er sein Schwert heraus.

Er schlug die Stricke in zwei und rannte singend davon.

Die Spinnen sahen das Schwert.

Obgleich ich vermute, dass sie nicht wussten, was es war.

Und dann kam die ganze Gesellschaft auf dem Boden und in den Ästen hinter dem

Hobbit hergerast.

Haarige, zuckende Beine, Beisscheren und schnappende Spinnenmäuler, Augen, die

vor schäumender Wut brannten.

Sie folgten ihm in den Wald, so tief Bilbo es eben wagte.

Dann stahl er sich stiller als eine Maus zurück.

Sein bisschen Zeit war kostbar, das wusste er.

Wenn den Spinnen die Jagd verleidet war, würden sie zu ihren Bäumen, in denen

die Zwerge hingen, zurückkehren.

In dieser kurzen Spanne musste er sie retten.

Der schlimmste Teil der Aufgabe war, auf den langen Ast zu kommen, von dem die

Bündel herunterbaumelten.

Ich glaube nicht, dass er es geschafft hätte, wenn nicht eine Spinne

glücklicherweise im Baum ein Seil hätte hängen lassen.

Obwohl es an Bilbros Hand klebte und ins Fleisch riss, kletterte er mit seiner

Hilfe hinauf, um einer alten, verschlagenen, feisten Wachspinne in die

laufen, die bei den Gefangenen zurückgeblieben war.

Sie war eifrig dabei, sie zu zwicken, um festzustellen, wer wohl der Saftigste

wäre.

Sie hatte schon vor, das Festmahl zu beginnen, während die anderen noch

umherjagten.

Aber Mr. Beutlin hatte es eilig, und ehe die Spinne begriff, was geschah, fühlte

sie Bilbos Stachel und rollte tot vom Ast.

Bilbos nächste Aufgabe war es, einen der Zwerge zu befreien.

Aber wie sollte er das anstellen?

Wenn er den Aufhänger durchschnitt, würde der arme Kerl, patsch, auf die

bumsen, und die Erde war ein gutes Stück tiefer.

Er schob sich also den Ast entlang, was die bejammernswerten Zwerge wie reifes

Obst tanzen und baumeln ließ, und erreichte das erste Bündel.

Fili oder Kili, dachte er beim Anblick der blauen Kapuze, die oben ein wenig

herausschaute. »Sieht mehr nach Fili aus«, dachte er dann, als er eine lange

Nase aus der Verschnürung ragen sah.

Indem er sich tief vorbeugte, glückte es Bilbo, die meisten der starken,

klebrigen Stricke, mit denen das Opfer eingespult war, zu zerschneiden.

Und dann kam in der Tat mit Treten und Gestrampel Fili zum Vorschein.

Ich fürchte, Bilbo musste bei seinem Anblick lachen.

Denn Fili, der mit seinen steifen Armen und Beinen ruderte, tanzte mit den

Spinnenseilen unter den Achselhöhlen genau wie eines jener lustigen

umher, die man an einer Strippe hopsen lässt.

Jedenfalls wurde Fili auf den Ast gezogen, und dann tat er sein Bestes, um

zu helfen, obgleich er sich sehr elend fühlte und krank vom Spinnengift war.

Eine halbe Nacht und den ganzen nächsten Tag hatte er fest verschnürt hängen

müssen und nur die Nase zum Atmen frei gehabt.

Es dauerte sehr lange, bis er das widerliche Klebzeug von Augen und Brauen

war, und was seinen Bart anging, so musste er den größten Teil abschneiden.

Unterdessen fingen sie an, zuerst einen, dann einen weiteren Zwerg hochzuziehen

und freizusäbeln.

Keinem ging es besser als Phili, und manchem ging es schlechter.

Einige waren kaum in der Lage gewesen, richtig zu atmen.

Wie man sieht, sind lange Nasen manchmal doch sehr nützlich.

Und andere wieder waren stärker vergiftet worden.

Auf diese Weise retteten sie Kili, Bifur, Bofur, Dori und Nuri.

Der arme alte Bombur war so erschöpft, er war als fettester Brocken immerzu

gekniffen und geknufft worden, dass er vom Ast herunterrollte und mit einem

Plumpf auf die Erde fiel.

Glücklicherweise auf dürres Laub.

Da lag er also.

Aber es hingen noch immer fünf Zwerge am Ende des Astes, als die ersten Spinnen

zurückkamen und noch viel wütender waren als vor dem.

Bilbo lief gleich zum Astansatz und schlug alle zurück, die heraufgekabelt

kamen. Als er Fili rettete, hatte er seinen Ring abgenommen und vergessen,

wieder anzustecken.

Da zischten und sprudelten sie auch schon los.

»Jetzt sehen wir dich, du widerliches kleines Geschöpf. Wir fressen dich und

lassen bloß noch Haut und Knochen im Baum hängen.

Auf, er hat einen Stachel.

Na warte, wir fassen ihn doch.

Dann wird er einen Tag oder zwei mit dem Kopf nach unten hängen .« Während dies

geschah, beschäftigten sich die Zwerge mit dem Rest der Gefangenen und

zerschnitten die Stricke mit ihren Messern.

Bald waren alle frei, obgleich es durchaus nicht klar war, was jetzt

würde. Die Spinnen hatten sie zwar ohne große Mühe in der vergangenen Nacht

überwältigt, aber die Zwerge waren nicht darauf gefasst gewesen, und es war

finster.

Diesmal jedoch sah es nach einem entsetzlichen Kampf aus.

Plötzlich bemerkte Bilbo, dass einige Spinnen sich um den armen Bombur dort

unten gescharrt hatten, ihn wieder fesselten und dabei waren, ihn

wegzuschleppen.

Bilbo stieß einen Schrei aus und schlug auf die Spinnen vor ihm ein.

Sie machten Platz, und er stolperte und stürzte den Baum hinunter, mitten in den

Haufen unten auf der Erde hinein.

Sein kleines Schwert war für sie ein ganz neuartiger Stachel, wie er hin und

zuckte. Er glänzte vor Entzücken, wenn er zustach.

Ein halbes Dutzend brachte er so zur Strecke, ehe der Rest sich zurückzog und

den armen Bombur, dem Hobbit, überließ.

»Runter !« »Kommt herunter !« rief er den Zwergen auf dem Ast zu.

»Bleibt nicht da oben! Ihr werdet eingesponnen !« Denn er sah ringsum an

Nachbarbäumen Spinnen emporkriechen und die Äste über den Zwergen entlanglaufen.

Da kamen die Zwerge auch schon herab, kletternd, springend, plumpfend, elf auf

einen Haufen, und die meisten waren noch ganz schwindelig und konnten ihre Beine

kaum gebrauchen.

Da waren sie also, zwölf an der Zahl, wenn man Bombur einrechnete, der auf der

einen Seite von seinem Vetter Bifur, an der anderen von seinem Bruder Bofur

gestützt wurde.

Und Bilbo tanzte um sie herum und zwang seinen Stachel.

Hunderte von wütenden Spinnen glotzten sie von allen Seiten an.

Es sah ziemlich hoffnungslos aus.

Dann begann die Flacht.

Einige Zwerge hatten Messer, andere Knüppel, und alle konnten sich Steine

verschaffen.

Bilbo aber hatte seinen Elbendolch.

Immer aufs Neue schlugen sie die Spinnen ab und viele Angreifer wurden getötet.

Aber lang konnte es so nicht weitergehen.

Bilbo war fast gänzlich ausgepumpt.

Fest auf den Beinen standen sowieso nur vier von den Zwergen und bald würden sie

alle wie müde Fliegen überwältigt werden.

Schon webten die Spinnen ihre Fangnetze rund um sie von Baum zu Baum.

Am Ende fiel Bilbo kein anderer Plan ein, als die Zwerge in das Geheimnis des

Ringes einzuweihen.

Es gefiel ihm gar nicht, aber etwas anderes blieb ihm nicht übrig.

»Ich verschwinde jetzt«, sagte er, »ich ziehe die Spinnen hinter mir her, wenn

ich kann, und ihr müsst zusammenbleiben und euch in der entgegengesetzten

Richtung davon machen.

Hier links, das ist etwa die Seite, wo wir zuletzt die Elbenfeuer sahen .«

Es war gar nicht einfach, ihnen all das in ihre schwindlichen Köpfe

einzutrichtern, während das Geschrei in den Ohren dröhnte, die Knüppelschläge

prasselten und die Steine surrten.

Aber schließlich merkte Bilbo, dass er nicht länger zögern durfte.

Die Spinnen zogen ihren Kreis immer enger.

Rasch steckte er den Ring an, und zum größten Erstaunen der Zwerge verschwand

er.

Bald hörte man von rechts unter den Bäumen das Lied von den lahmen Lümmeln,

das andere vom Atterkopp.

Das brachte die Spinnen ganz durcheinander.

Sie stellten den Angriff ein, und einige rannten der Stimme nach.

Atterkopp machte sie so böse, dass sie ihren Verstand verloren.

Dann führte Balin, der Bilbusplan besser als die anderen begriffen hatte, einen

Angriff.

Die Zwerge drängten sich zu einem Haufen zusammen, und mit einem wahren

Hagelschauer von Steinen trieben sie die Spinnen nach links und brachen durch

den Ring.

Hinter ihnen hörte plötzlich das Schreien und Singen auf.

Mit der verzweifelten Hoffnung, dass sich Bilbo bloß nicht einfangen ließ,

rannten sie weiter, aber keinesfalls schnell genug.

Sie waren krank und todmüde, und ihr Laufen war nur noch ein Gehinke und

Gehumpel, obgleich die Spinnen dicht hinter ihnen her waren.

Dann und wann mussten sie sich stellen und die Viecher abschlagen, die sie

eingeholt hatten, und schon waren einige Spinnen in den Bäumen über ihnen und

warfen ihre langen Klammerseile herab.

Es sah sehr ungemütlich für sie aus, als plötzlich Bilbo auftauchte und sich von

der Seite her unerwartet in die überraschten Spinnen stürzte.

»Lauf zu!

Lauf zu !« rief er. »Überlass mir die Säbelei !« Und dann fing er an. Er stach

vorwärts und rückwärts.

Durchschnitt die Fäden der Spinnen, hackte nach ihren Beinen und stach nach

ihren fetten Bäuchen, wenn sie ihm zu nahe kamen.

Die Spinnen schwollen vor Wut, geiferten und schäumten und zischten entsetzliche

Flüche über ihn, aber sie hatten tödliche Angst vor dem zurückgekehrten

und wagten nicht, in seine Nähe zu kommen.

Sie mochten fluchen, so viel sie wollten.

Ihre Beute zog langsam, aber stetig davon.

Es war schrecklich mühevoll und dauerte, so schien es, viele Stunden.

Aber am Ende, gerade als Bilbo spürte, dass er seine Hand auch nicht zu einem

einzigen Streich mehr heben konnte, gaben die Spinnen auf, folgten ihnen

mehr, sondern zogen sich enttäuscht in ihren düsteren Winkel zurück.

Da merkten die Zwerge, dass sie an den Rand eines jener Ringe gelangt waren, in

denen Elbenfeuer gebrannt hatten.

Ob es jedoch eines der Feuer war, das sie in der vergangenen Nacht gesehen

hatten, das konnten sie nicht sagen.

Aber es schien, als ob ein freundlicher Zauber an solchen Plätzen wohnte, den

die Spinnen nicht mochten.

Jedenfalls war das Licht hier frischer Grün, das Laubdach weniger dicht und

bedrohlich, und sie hatten endlich die Möglichkeit, zu rasten und Atem zu

schöpfen.

Da lagen sie nun, schnauften und atmeten schwer.

Aber bald ging die Fragerei los.

Sie wollten die Geschichte mit dem Unsichtbarwerden ganz genau erklärt

und der gefundene Ring beschäftigte sie so sehr, dass sie für eine Weile ihre

eigenen Sorgen vergaßen.

Besonders Barlin bestand darauf, die Gollum -Geschichte ausführlich neben

sämtlichen Rätseln immer und immer noch einmal zu hören, und vor allem das, was

den Ring betraf.

Aber die Zeit verging, das Licht wurde schwächer, Und dann wurden ganz andere

Fragen gestellt.

Wo waren sie nur?

Wo war der Pfad?

Wo gab es etwas zu essen?

Und was sollten sie als nächstes unternehmen?

Das fragten sie immer aufs Neue, und es schien, als ob sie von dem kleinen Bilbo

die Antwort erfahren wollten.

Daraus ist zu ersehen, dass sie ihre Meinung über Mr. Beutlin geändert

und er in ihrer Achtung sehr gestiegen war, und anders hatte es Gandalf ja auch

nicht vorausgesagt.

In der Tat, sie vermuteten, dass er sich bereits einen wundervollen Plan

ausgedacht hatte, ihnen zu helfen, und jammerten nicht mehr so viel.

Sie wussten sehr wohl, dass sie bald ihren letzten Puster getan hätten, wenn

Bilbo nicht gewesen wäre, und sie dankten ihm mehr als einmal dafür.

Einige standen sogar auf und verbeugten sich vor ihm bis auf die Erde, obwohl

sie bei dieser Anstrengung von überfielen und eine ganze Weile

mehr auf die Beine kommen konnten.

Dass sie die Wahrheit über sein Verschwinden erfuhren, minderte ihre

Wertschätzung Bilbos in keiner Weise.

Sie sahen, dass er sowohl Verstand als auch Glück hatte und obendrein einen

Zauberring, was allen zusammen sehr nützlich war.

Sie lobten ihn in der Tat so sehr, dass Bilbo schon glaubte, irgendwie müsse

doch wirklich etwas von einem kühnen Abenteurer an ihm sein.

Er würde sich jedoch noch unvergleichlich kühner vorgekommen sein,

etwas zu essen gegeben hätte.

Aber es gab nichts, rein gar nichts, und keiner war überhaupt noch in der Lage,

herumzustöbern oder gar nach dem verlorenen Pfad zu fahnden.

Der verlorene Pfad.

Kein anderer Gedanke wollte mehr in Bilbos müden Kopf kommen.

Er saß und starrte die endlosen Baumreihen vor sich an, und nach einer

wurden sie alle wieder still.

Alle, ausgenommen Balin.

Lange nachdem die anderen aufgehört hatten zu reden und nachdem ihnen die

zugefallen waren, murmelte er noch immer und lachte in sich hinein.

»Gollum, jetzt geht mir ein Licht auf. Er ist an mir vorbeigeschlichen.

Nun ist es mir klar.

Lautlos dahergekrochen, nicht wahr, Mr. Beutlin?

Knöpfe überall auf der Torschwelle.

Guter alter Bilbo!

Bilbo! Bo !« Boah, boah!

Damit schlief er ein, und für eine lange Weile herrschte völliges Schweigen.

Ganz plötzlich öffnete Dvalin ein Auge und blickte sie der Reihe nach an.

Wo ist Thorin?

fragte er.

Sie erschraken furchtbar.

Natürlich, da lagen nur dreizehn, zwölf Zwerge und ein Hobbit.

Wo aber war Thorin?

Sie zerbrachen sich den Kopf, welch böses Verhängnis ihnen widerfahren sein

mochte.

War es Zauberei, oder war er in die Fänge finsterer Ungeheuer geraten?

Schauer liefen ihnen über den Rücken, wie sie so verloren im Wald hockten.

Und als der Abend in schwarze Nacht überging, fiel einer nach dem anderen in

schweren Schlaf voll schauriger Träume.

Darin müssen wir sie jetzt liegen lassen.

Im Übrigen waren sie viel zu krank und zu müde, um Wachen aufzustellen oder

wenigstens der Reihe nach die Augen aufzuhalten.

Turin aber war viel eher als die anderen gefangen worden.

Ihr erinnert euch, wie Bilbo...

einem Baumstamm gleich in tiefen Schlaf gefallen war, als er in den Lichtkreis

der Elben eindrang, als Nezavatorin gefolgt, und als die Lichter verloschen,

stürzte er um wie ein verzauberter Stein.

Aller Lärm der Zwerge, die sich in der Nacht verirrt hatten, alles Geschrei,

sie von den Spinnen gefangen und gefesselt wurden, ja selbst das Getöse

Schlacht am folgenden Tag, war ungehört über ihn hinweggegangen.

Dann waren die Waldelben gekommen, hatten ihn gebunden und fortgetragen.

Die Feiernden waren natürlich Waldelben gewesen, und Waldelben sind alles andere

als ein hinterhältiges Volk.

Wenn sie einen Fehler haben, so ist es ihr ausgesprochenes Misstrauen gegen

Fremde, und obgleich ihr Zauber sehr stark war, blieben sie doch selbst in

Tagen äußerst vorsichtig.

Sie unterschieden sich sehr von den Hochelben des Westens.

Sie waren gefährlicher als diese und auch nicht so weise. Die meisten von

und auch ihre in den Bergen zerstreut liegenden Verwandten stammten von jenen

uralten Stämmen ab, die niemals nach Faerie in den Westen gezogen waren.

Dort lebten die Lichtelben, die Unterirdischen oder Gnomen und die

langer, langer Zeit.

Sie waren schöner, weiser und geschickter geworden.

hatten ihren besonderen Zauber erfunden und ihre Kunstfertigkeit vervollkommnet,

sodass sie schöne und wunderbare Dinge herstellen konnten, ehe sie in die weite

Welt zurückkehrten.

In der weiten Welt hielten sich die Waldelben im Zwielicht auf, das vor dem

Aufgang von Sonne und Mond herrschte.

Danach wanderten sie in den Wäldern umher, die unter dem Sonnenaufgang

heranwuchsen.

Waldsäume von denen sie auf Jagd ziehen oder im Mond und Sternenlicht weit in

das offene Land hinausrennen und reiten konnten, mochten sie besonders gern.

Als die Menschen kamen, zogen sie sich immer mehr in die Dämmerung zurück.

Aber es waren und blieben Elben, und Elben sind gute Wesen.

In einer großen Höhle, einige Meilen vor dem Ostrand des Nachtwaldes, lebte zur

Zeit unserer Geschichte ihr größter König.

Vor ihren hohen Steintoren, floss ein Strom hinaus in die Sümpfe, die sich am

Fuß der Waldhöhlen ausbreiteten.

Diese Höhle, von der unzählige kleinere nach allen Seiten abzweigten, wand sich

mit all ihren Durchlässen und Hallen tief unter der Erde dahin.

Aber sie war heller und gesünder als jede Orkbehausung und weder so tief noch

gefährlich. Die Untertanen des Königs lebten und jagten ja meistens in den

offenen Wäldern.

Draußen besaßen sie Hütten.

auf der Erde und in den Zweigen.

Ihre Lieblingsbäume waren Buchen.

Die Königshöhle indessen diente als Palast, feste Schatzkammer und in

Kriegszeiten dem Volk als Festung.

Hier war auch das Verlies für die Gefangenen.

Deshalb schleppten sie Thorin dorthin, nicht sehr rücksichtsvoll, denn Zwerge

mochten sie nicht leiden und überdies hielten sie Thorin für einen Feind.

In alten Tagen hatten sie sogar Krieg mit einigen Zwergengeschlechtern

die sie bezichtigten, ihren Schatz gestohlen zu haben.

Anstandshalber muss aber gesagt werden, dass die Zwerge die Sache anders

darstellten. Sie behaupteten nämlich, sie hätten nur genommen, was ihnen

zustehe.

Der Elbenkönig habe mit ihnen ausgehandelt, sie sollten sein Rohgold

Silber schmieden und bearbeiten, und hinterher habe er die Bezahlung

Und in der Tat, wenn der Elbenkönig eine Schwäche hatte, so waren es Schätze,

besonders aber Silber und geschnittene weiße Edelsteine.

Obgleich sein Hort reich war, war er doch auf immer mehr bedacht, denn noch

sein Schatz nicht so groß wie der Schatz anderer Elbenfürsten aus vergangenen

Zeiten.

Seine Leute schürften weder Metalle und Edelgestein, noch bearbeiteten sie es.

Sie gaben sich nicht mit Handelsgeschäften ab, und bestellten

Boden. All das war jedem Zwerg wohl bekannt, obgleich Thorins Familie nichts

dem alten Streit zu tun hatte, von dem ich eben sprach.

Infolgedessen war Thorin rechtschaffend wütend, als sie ihren Bann von ihm

nahmen und er zur Besinnung kam.

Und er nahm sich vor, dass man kein einziges Wort über Gold und Juwelen von

hören sollte.

Streng blickte der König Thorin an, als man ihn vor ihn brachte und stellte

viele Fragen.

Aber Thorin antwortete bloß, dass er vor Hunger bald umkäme.

»Warum habt ihr dreimal mein Volk mitten beim Fest angegriffen ?« fragte der

König.

»Wir haben euer Volk nicht angegriffen ,« antwortete Thorin.

»Wir kamen als Bettler, weil wir elenden Hunger hatten .« »Wo sind eure Freunde

jetzt, und was machen sie ?« »Ich weiß es nicht. Aber ich denke, sie sterben

Hunger im Wald .«

»Was hattet ihr im Wald zu schaffen ?« »Essen und Trinken suchen, denn wir

hatten Hunger .« »Aber was führte euch in den Wald hinein ?« fragte der König

wütend.

Da schloss Thorin den Mund und wollte kein Wort mehr sagen.

»Wie ihr wollt«, sagte der König, »führt ihn fort und setzt ihn hinter Schloss

und Riegel, bis er bereit ist, die Wahrheit zu sprechen, und selbst, wenn

hundert Jahre dazu braucht .«

Dann fesselten ihn die Elben und sperrten ihn in einen der untersten

mit starken Bohlentüren verschlossen waren.

Sie gaben ihm viel zu essen und viel zu trinken, allerdings war es nichts sehr

Feines. Wie dem auch sei, Waldelben sind keine Orks.

Wenn sie Gefangene gemacht haben, benehmen sie sich selbst ihren

Feinden gegenüber noch ziemlich gesittet.

Die Riesenspinnen waren die einzigen Lebewesen, denen sie keinen Pardon

So lag der arme Thorin im Verlies des Königs, und nachdem er dankbar Brot,

Fleisch und Wasser zugesprochen hatte, begann er darüber nachzudenken, was aus

seinen unglücklichen Freunden geworden sein mochte.

Es sollte nicht lange dauern, bis er dahinter kam, aber das gehört zum

Kapitel und ist der Anfang eines anderen Abenteuers, in dem der Hobbit abermals

seine Nützlichkeit bewies.

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