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J .R .R. Tolkien Der kleine Hobbit
Teil 2 Sechs Raus aus der Bratpfanne,
rein ins Feuer Bilbo war den Org entwischt, aber er wusste nicht,
wo er war.
Er hatte Kapuze, Mantel, Verpflegung und Pony verloren, seine Knöpfe waren weg
und seine Freunde auch.
Er marschierte und marschierte, bis die Sonne im Westen unterging, hinter den
Bergen.
Ihre Schatten fielen über Bilbos Weg, und er schaute zurück.
Dann schaute er vorwärts und sah nur noch Bergketten und Hänge, die sich zu
Tälern neigten, und gelegentlich sah er auch fern weite Ebenen durch die Bäume
schimmern.
»Donnerwetter !« rief er aus.
»Mir scheint, ich bin schon auf der anderen Seite der Nebelberge.
Wo in aller Welt mögen Gandalf und die Zwerge jetzt sein, ich kann nur hoffen,
dass sie sich nicht mehr dahinten in den Klauen der Orks befinden.
Er marschierte weiter aus dem kleinen Hochtal hinaus, über den Bergrand hinweg
und den jenseitigen Hang hinab.
Aber während der ganzen Zeit wurde ein sehr unangenehmer Gedanke immer stärker
in ihm.
Er überlegte, ob er nicht als Besitzer des Zauberringes in die furchtbaren
Stollen und Gänge zurückkehren müsse, um seine Freunde zu suchen.
Gerade hatte er sich zu der Ansicht durchgekämpft, dass dies seine
Pflicht sei, er fühlte sich ganz elend bei diesem Gedanken, da hörte er
Bilbo hielt an und lauschte.
Es klang nicht nach Orks, also kroch er vorsichtig weiter.
Er befand sich auf einem steinigen Pfad, der sich in das Tal hinabschlängelte
und der linke Hand von einer Felswand flankiert war.
Auf der anderen Seite fiel der Boden ab, und es gab unterhalb des Pfades kleine
Schluchten, über deren Rand Büsche und niedrige Bäume hingen.
In einer dieser Schluchten hörte er unter dem Gebüsch jemand reden.
Lautlos kroch Bilbo näher, und plötzlich sah er zwischen zwei großen Felsbrocken
einen Kopf mit einer roten Kapuze darüber.
Es war Balin auf Ausguck.
Am liebsten hätte unser Hobbit in die Hände geklatscht und vor Freude
losgeschrien, aber er tat es nicht.
Noch immer trug er den Ring am Finger, denn er fürchtete, auf etwas
oder Unerfreuliches zu stoßen.
Und nun sah er, dass Balin ihn geradewegs anschaute und ihn nicht
»Die werden ganz schön überrascht sein«, dachte er, als er in die Büsche am Rand
der Schlucht kroch.
Unten stritt Gandalf mit den Zwergen.
Sie besprachen alles, was in den Stollen mit ihnen geschehen war, stritten und
überlegten, was nun geschehen müsste.
Die Zwerge brummten, und Gandalf sagte, dass sie keinesfalls ihre Reise
fortsetzen und Mr. Beutlin in den Händen der Kobolde lassen könnten.
Sie müssten herausfinden, ob er noch lebte oder tot war, und sie müssten
unbedingt versuchen, ihn zu retten.
»Schließlich ist er mein Freund .« sagte der Zauberer. »Und gewiss, kein
schlechter Kerl. Ich fühle mich verantwortlich für ihn. Ach, wenn ihr
nicht verloren hättet !« Die Zwerge brummten, warum Gandalf den Hobbit
mitgenommen hätte, warum er nicht bei ihnen geblieben und seinen Freunden
ordentlich gefolgt wäre, und warum der Zauberer nicht jemand mit mehr Verstand
ausgesucht hätte.
»Bisher hat er uns mehr Verdruss als Nutzen gebracht ,« sagte einer.
Wenn wir jetzt noch einmal in diese scheußlichen Stollen hinein müssen, um
zu suchen, dann zum Henker mit ihm.
Das ist meine Meinung .« Gandalf antwortete ärgerlich.
»Ich war es, der ihn mitnahm, und ich bringe keine Leute mit, die nichts
Entweder helft ihr mir, ihn zu suchen, oder ich gehe und lasse euch in der
Klemme sitzen, und ihr könnt zusehen, wie ihr wieder herauskommt .« Wenn wir
wiederfinden, werdet ihr Dankeschön sagen, noch ehe das Unternehmen zu Ende
Warum bloß habt ihr ihn fallen lassen, Dori ?« »Ihr hättet ihn auch fallen
lassen«, sagte Dori, »wenn plötzlich ein Org von hinten aus der Finsternis eure
Knie geschnappt, euch ein Bein gestellt und in den Hintern getreten hätte .«
»Aber warum habt ihr ihn dann nicht wieder aufgepackt ?« »Lieber Himmel, ihr
könnt fragen!
Überall fochten und bissen die Orks im Dunkeln. Jeder fiel über irgendwen und
irgendwas. Beinahe hättet ihr meinen Kopf mit Glambring abgehauen, und Thorin
stach hier und dort und überall mit Orkrist herum.
Dann ließ ihr auf einmal einen Blitzstrahl dazwischen fahren, und wir
Orks brüllend zurückrennen.
Ihr rieft, folgt mir alle nach und verflixt, es hätten euch auch alle
sollen. Wir dachten das jedenfalls .« »Zum Abzählen blieb keine Zeit, wie ihr
ganz gut wisst.
Oder wolltet ihr abzählen, als wir zwischen den Torwachen
raus aus dem unteren Tor und Kopf über, Kopf unter, bis hierher?
Und hier sind wir jetzt, und ohne den Meisterdieb, verwünscht noch einmal .«
»Und hier ist auch der Meisterdieb«, sagte Bilbo und kam in ihre Mitte
heruntergestapft, wobei er den Ring vom Finger gleiten ließ.
Donnerwetter, wie sie da aufsprangen!
Sie schrien vor Überraschung und schließlich auch vor Erleichterung alle
durcheinander.
Gandalf war ebenso erstaunt, aber wahrscheinlich mehr erfreut als die
Er rief Balin und sagte ihm, was er von einem Ausguckmann hielt, der die Leute
ohne Warnung gleich zu ihnen heranspazieren ließ.
Indessen stieg die Achtung der Zwerge vor Bilbo durch diese Geschichte ganz
außerordentlich.
Wenn sie bisher noch immer gezweifelt hatten, dass er wirklich ein Meisterdieb
erster Klasse war, Gandalfs Worten zum Trotz, so zweifelten sie nun nicht
daran. Am meisten war Balin überrascht.
Aber nicht nur Balin, jeder sagte, dass es ein ausnehmend gefickter Streich
gewesen sei.
Bilbo war sehr zufrieden, dass man ihn so lobte.
Innerlich lachte er, sagte aber nichts über den Ring.
Und als sie ihn fragten, wie er es geschafft habe, antwortete er, »Oh, ich
nur vorwärtsgekochen, wisst ihr, sehr vorsichtig natürlich und ganz lautlos .«
»Wirklich gut, denn bisher ist nicht mal eine vorsichtige und leise Maus unter
meiner Nase weggehuscht, ohne dass ich sie bemerkt hätte«, sagte Balin.
»Ich ziehe meine Kapuze vor euch .« Und das tat er dann auch.
»Balin, zu euren Diensten«, sagte er.
»Euer Diener ?« »Mr. Beutlin«, entgegnete Bilbo.
Dann wollten sie alles über seine Abenteuer hören, alles, seit sie ihn
hatten, und er setzte sich nieder und erzählte seine Erlebnisse von hinten bis
vorn, ausgenommen die Geschichte von dem Ring.
Nicht gerade jetzt, dachte er.
Sie waren besonders an dem Rätselkampf interessiert und schauderten bei der
Beschreibung Gollums.
Und dann fiel mir keine andere Frage ein, als er so dicht neben mir saß.
endete Bilbo, und ich sagte, was ist in meiner Tasche?
Und das konnte er dreimal nicht erraten.
Da sagte ich, wie steht's mit eurem Versprechen? Zeigt mir den Weg hinaus.
Aber er kam an und wollte mich töten, und ich rannte weg und fiel hin, und er
verlor mich im Dunkeln.
Dann folgte ich ihm, denn ich hörte ihn mit sich selbst reden.
Er dachte, in Wirklichkeit würde ich den Weg doch kennen, und so ging er den
richtigen Weg entlang.
Und dann setzte er sich in den Eingang, und ich konnte nicht vorbei.
Da sprang ich über ihn hinweg und entkam und rannte zum Tor hinunter.
»Und die Wachen ?« fragten sie. »Waren keine Wachen da ?« »Oh ja, massenweise,
aber ich legte sie herein. Dann blieb ich in der Tür hängen, die nur einen
offen war, und verlor Dutzende von Knöpfen dabei ,« sagte er und blickte
an seinen zerrissenen Kleidern herab.
»Aber ich habe mich richtig durchgequetscht, und hier bin ich nun .«
Die Zwerge betrachteten ihn mit einem ganz neuen Respekt, als er davon sprach,
wie er die Wachen hereingelegt hatte, wie er über Gollum hinweggesprungen war
und sich durchgequetscht hatte, als ob das gar nicht sehr schwer und aufregend
gewesen wäre.
»Was habe ich euch gesagt ?« meinte Gandalf lachend. »An Mr. Beutlin ist
dran, als ihr denkt .« Unter seinen buschigen Augenbrauen jedoch sandte er
Bilbo, einen seltsamen Blick zu, während er dies sagte, und der Hobbit
überlegte, ob Gandalf erraten hatte, was er wohlweislich ausgelassen hatte.
Dann musste Bilbo selbst einige Fragen stellen, denn obgleich den Zwergen
alles von Gandalf erklärt worden war, hatte der Hobbit es doch nicht mit
angehört. Er wollte wissen, auf welche Weise der Zauberer wieder aufgetaucht
wo sie nun alle waren.
Dem Zauberer, um die Wahrheit zu sagen, kam es durchaus nicht ungelegen, seine
Gescheitheit noch einmal zu beweisen, und so berichtete er Bilbo, dass sowohl
ihm als auch Elrond, die Gegenwart übler Orks in diesen Teilen des Gebirges,
durchaus bekannt gewesen sei.
Aber ihr Haupttor befand sich früher an einem ganz anderen Pass, an einem Pass,
über den zu reisen viel leichter war, sodass die Orks oft genug Leute
aufgriffen, die in der Nähe ihrer Türen übernachteten.
Offensichtlich hatte man deshalb diesen Weg aufgegeben, und die Orks mussten den
neuen Eingang gerade auf jener Passhöhe angelegt haben, über die die Zwerge
gekommen waren, kürzlich erst, denn dieser Pass war bisher ganz sicher
»Ich muss einmal sehen, ob ich nicht einen mehr oder weniger netten Riesen
finde, der den Sack dort wieder zumacht«, sagte Gandalf, »oder es gibt
überhaupt keinen Weg mehr über das Gebirge .«
Kaum hatte Gandalf Bilbos Schrei gehört, als er auch schon begriff, was da vor
sich ging.
Mit dem Blitz, der die nach ihm greifenden Orks niederstreckte, hatte er
den Spalt gezwängt, gerade als er zuschnappte.
Er folgte den Treibern und ihren Gefangenen bis zur großen Halle, und
setzte er sich nieder und zauberte so gut, wie er es in der Finsternis
konnte.
»Es war ein heikles Geschäft«, sagte er, »anzünden und nichts wie weg .«
Aber Gandalf hatte sich natürlich ganz besonders mit Feuer - und
beschäftigt. Selbst der Hobbit hatte niemals die zauberhaften Feuerwerke auf
Midsommergesellschaften des alten Tuck vergessen, wie ihr euch erinnert.
Den Rest wissen wir schon, ausgenommen, dass Gandalf über die Hintertür genau
Bescheid wusste, jenen unteren Ausgang, an dem Bilbo seine Knöpfe verlor.
Dieses untere Tor war übrigens jedermann wohl bekannt, der mit diesen Gegenden
des Gebirges vertraut war.
Aber es bedurfte eines Zauberers, damit man in den unterirdischen Gängen den
Kopf nicht verlor und die rechte Richtung fand.
»Dieses Tor bauten Sie vor vielen Jahren«, sagte er, »eines Teils, um
Fluchtweg zu besitzen, falls einmal einer gebraucht wurde, andern Teils
benutzten Sie es als Ausfalltor in die Länder auf der anderen Seite, in die Sie
nachts noch immer einfallen und wo Sie großes Unheil stiften .« »Niemals ist es
unbewacht, und niemandem ist es bisher gelungen, dieses Tor ein für allemal zu
sperren. Jetzt werden Sie es doppelt bewachen ,« bemerkte Gandalf lachend.
Auch die anderen lachten.
Recht betrachtet hatten sie zwar viel verloren, aber sie hatten den großen Org
getötet und viele andere Kerle auch, und schließlich waren sie entkommen.
Man konnte also sagen, dass sie doch das Bestmögliche erreicht hatten.
Aber der Zauberer rief sie zu vernünftigen Überlegungen zurück.
»Jetzt, da wir ein wenig ausgeruht sind, müssen wir sofort aufbrechen«, sagte
er. »Sie werden zu Hunderten hinter uns her sein, wenn erst die Nacht kommt, und
die Schatten werden schon länger.
Sie können unsere Fährten noch nach Stunden riechen.
Wir müssen also etliche Meilen hinter uns bringen, ehe es dämmert.
Wenn das Wetter gut bleibt, haben wir ein wenig Mondlicht, und das kann man
Glück nennen .« Nicht, dass die Orks das Mondlicht scheuen, aber es wird uns
helfen, uns besser zurechtzufinden .« »Oh ja«, antwortete der Zauberer auf
einige weitere Fragen des Hobbits, »drinnen in den Orkgängen verliert man
Sinn für die Zeit.
Heute ist Donnerstag, und es war Montagnacht oder Dienstagmorgen, als wir
gefangen wurden.
Wir sind viele Meilen gelaufen und mitten durch das Herz des Gebirges
und jetzt sind wir auf der anderen Seite .« Ein schönes Stück haben wir dabei
abgeschnitten, aber wir sind nun nicht an jener Stelle, an die unser Passweg
gebracht hätte.
Wir sind zu weit nördlich herausgekommen und haben eine nicht sehr angenehme
Gegend vor der Nase.
Außerdem sind wir hier noch sehr hoch oben.
Los, jetzt müssen wir weiter.
»Ich bin so schrecklich hungrig«, klagte Bilbo, der plötzlich gewahr wurde, dass
er seit der vorvorigen Nacht nichts mehr gegessen hatte.
Denkt bloß, was das für einen Hobbit heißt.
Sein Magen fühlte sich ganz leer und schlaff an, und seine Beine waren
weich, jetzt, da die Aufregung vorüber war.
»Ich kann es nicht ändern«, sagte Gandalf.
»Es sei denn ,« ihr fragte Orks höflich, »ob sie euch das Pony und euren
Verpflegungssack zurückgeben wollen .« »Nein, vielen Dank ,« entgegnete der
Hobbit.
»Gut also, wir müssen uns den Gürtel enger schnallen und weiter trotten, oder
wir werden zu Hackfleisch gemacht, und das dürfte in jedem Fall schlimmer sein,
als selbst keines haben .« Als sie so marschierten, blickte Bilbo nach allen
Seiten, ob nicht etwas Essbares zu finden wäre.
Aber die Brombeeren standen gerade erst in der Blüte.
Nüsse gab es natürlich auch nicht, nicht einmal Weißdornbeeren.
Er knabberte ein bisschen Sauerampfer, trank aus einem kleinen Gebirgsbach, der
den Weg kreuzte, und aß drei wilde Erdbeeren, die er am Ufer fand.
Aber das half nicht viel.
Sie marschierten und marschierten.
Der holprige Pfad verschwand.
Die Büsche und das hohe Gras zwischen den Felsbrocken, die von Kaninchen
abgefressenen Rasenflecke, der Thymian, der Salbei, der Majoran und die gelben
Felsenrosen, alles blieb zurück, und plötzlich standen sie hoch oben an einem
breiten, steilen Hang aus losem Geröll, dem Überbleibsel eines Erdrutsches.
Als sie mit dem Abstieg begannen, rollten Schutt und Kiesel unter ihren
weg. Bald kamen krachend die größeren Gesteinsbrocken hinterher und ritten
andere Stücke mit.
Überall unter ihnen glitt und rollte es.
Felsklötze wurden angestoßen und auf die Reise geschickt, sie krachten mit
wehenden Staubfahnen und tosendem Lärm hinunter.
Es dauerte nicht lange, und der ganze Hang über ihnen und unter ihnen schien
Bewegung geraten zu sein.
Sie rutschten mit, fielen aufeinander, und das alles geschah in einem
furchtbaren Tohuwabohu von scheppernden, rutschenden, krachenden Steinen, Schutt
und Geröll.
Die Bäume unten retteten sie.
Sie schlitterten nämlich bis zum Rand eines Kiefernwaldes, der von den tief
unten gelegenen, dunklen Talwäldern bis zum Steilabfall hinaufreichte.
Einige fanden Halt an den Stämmen und schwangen sich in die unteren Zweige,
andere, wie der kleine Hobbit, fanden hinter einem Baum Schutz gegen den
Steinschlag.
Bald war die Gefahr vorbei.
Der Bergrutsch hatte aufgehört, und es war nur noch ein letztes, schwaches
Aufkrachen zu vernehmen, wenn die schwersten Brocken des aufgestörten
tief unten durch das Farnkraut und über die Kiefernwurzeln rumpelten und
wirbelten.
»Schön, das hat uns ein Stück weitergebracht ,« sagte Gandalf.
und selbst Org, die hinter uns her sind, dürften Mühe haben, hier leise
herunterzukommen .« »Das nehme ich auch an«, brummte Bombur, »aber Sie werden es
nicht schwer finden, uns ein paar Bumser auf den Kopf tanzen zu lassen .« Die
Zwerge und mit ihnen Bilbo fühlten sich keineswegs wohl.
Sie rieben ihre zerschundenen und zerschlagenen Beine und Füße.
Die Sonne war längst hinter den Bergen verschwunden.
Schon wurden die Schatten lang, obgleich man durch die Bäume und über die Wipfel
der tiefer stehenden Kiefern hinweg weit in der Ferne den Abendschein auf den
Ebenen jenseits sehen konnte.
So rasch es ihnen möglich war, humpelten sie die sanften Hänge eines
Kiefernwaldes hinunter, einen schräg laufenden Pfad entlang, der geradewegs
Süden führte.
Zuweilen durchquerten sie ein richtiges Meer von Farnkräutern, deren hohe Wedel
bis über Bilbos Kopf ragten.
Zuweilen wanderten sie völlig lautlos über einen dicken Teppich von
Kiefernadeln.
Und während der ganzen Zeit wurde die Waldesdämmerung immer schwerer und die
Waldesstille immer tiefer.
An diesem Abend wehte kein Lüftchen, sodass nicht einmal das leiseste Seufzen
den Baumkronen zu hören war.
»Müssen wir immer noch weiter ?« fragte Bilbo, als es so dunkel geworden war,
dass er gerade noch Thorins Bart neben sich fliegen sah und so still, dass ihm
das Atmen der Zwerge wie ein lautes Blasen vorkam.
»Meine Zehen sind wund und krumm, meine Beine tun weh, und mein Magen beutelt
sich wie ein leerer Sack .« »Noch ein bisschen weiter«, sagte Gandalf.
Das Bisschen kam ihnen wie ein halbes Weltalter vor.
Aber dann gelangten sie plötzlich an einen offenen Fleck, wo keine Bäume
wuchsen.
Der Mond war aufgegangen und schien auf die Lichtung herab.
Irgendwie kam es allen vor, als ob es kein guter Platz wäre, obgleich nichts
Verdächtiges zu sehen war.
Plötzlich hörten sie unten am Hügel ein Heulen, ein langes, schauerliches
Heulen.
Es wurde von einem anderen Geheul an ihrer rechten Seite beantwortet.
ihnen schon ein gutes Stück näher gerückt, und dann von einem, das von
ganz aus der Nähe kam.
Es waren Wölfe, die den Mond anheulten, Wölfe, die sich versammelten.
Zu Hause in der Nähe von Mr. Beutlins Höhle gab es keine Wölfe.
Aber Bilbo kannte das Heulen.
Er hatte es oft genug in Geschichten beschrieben gefunden.
Einer seiner älteren Vettern, einer von der Tugseite, Der ein großer
Weltreisender war, ahmte es zuweilen nach, um ihn zu erschrecken.
Es aber aus dem finsteren Wald unter dem weißen Mondlicht zu hören, das war zu
viel für Bilbo.
Selbst Zauberringe nützen nicht viel bei Wölfen, besonders nicht bei jenem üblen
Pack, das im Schatten des von Orks besetzten Gebirges lebte, jenseits der
Einödgrenze an den Ufern des Unbekannten.
Wölfe dieser Art wittern ferfer als Orks.
Um euch zu fangen, brauchen sie euch nicht erst zu sehen .« »Was sollen wir
machen? Was sollen wir bloß machen ?« schrie Bilbo.
»Den Orks entwischt, um von den Wölfen geschnappt zu werden ,« rief er, und es
wurde zu einem Sprichwort, obgleich wir heute bei ähnlich unangenehmen
Situationen sagen, »raus aus der Bratpfanne, rein ins Feuer .« »Hinauf,
Bäume, raff !« befahl Gandalf, und sie rannten zu jenen Bäumen am Rand der
Lichtung. die niedrigste Äste besaßen oder so schlank waren, dass man sie
erklettern konnte.
Sie fanden sie schneller als jemals sonst, das könnt ihr euch vorstellen,
sie kletterten so hoch hinauf, wie sie es den Ästen gerade noch zumuten
Ihr würdet laut gelacht haben, aus sicherer Entfernung, wenn ihr die Zwerge
ihren herabbaumelnden Bärten in den Bäumen hättet hocken sehen, wie alte,
übergeschnappte Herren, die sich wie Schulbuben benahmen.
Fili und Kili saßen in der Krone einer hohen Lerche, die wie ein enormer
Weihnachtsbaum aussah.
Dori, Nori, Ori, Oin und Gloin saßen ein wenig bequemer in einer stämmigen
Kiefer mit regelmäßigen, in Zwischenräumen wie Speichen
Bifur, Bofur, Bombur und Thorin saßen in einer anderen Kiefer.
Dvalin und Balin hatten eine hohe Tanne erklettert, die nur wenige Äste besaß,
und nun versuchten sie, einen Sitzplatz im Grün des Wipfels zu finden.
Gandalf, der ein gutes Glück größer war als alle anderen, hatte einen Baum
gefunden, in den keiner hätte klettern können, eine mächtige Kiefer, die genau
am Rand der Lichtung stand.
Er war fast ganz verborgen im Astwerk.
Aber als er nun heraus spähte, hättet ihr sehen können, wie seine Augen im
Mondlicht schimmerten.
Und Bilbo?
Er konnte überhaupt auf keinen Baum hinauf und hüpfte von Stamm zu Stamm wie
Kaninchen, das sein Loch verloren hat und hinter dem ein Hund her ist.
Ihr habt schon wieder einen Meisterdieb verloren, sagte Nori zu Dori und schaute
hinab.
Auf meinem Rücken kann ich nicht immer Meisterdiebe spazieren tragen, erwiderte
Dori. »Stollen hinunter und Bäume hinauf! Für wen haltet ihr mich
Bin ich Gepäckträger ?« »Er wird gefressen, wenn wir nichts unternehmen
Thorin, denn das Heulen kam jetzt von allen Seiten näher und näher.
»Dori !« rief er, denn Dori sah zuunterst in dem besten Kletterbaum.
»Rasch! Gebt Mr. Beutli in die Hand !« In Wirklichkeit war Dori trotz seiner
Brummerei ein prächtiger Bursche.
Doch der arme Bilbo konnte seine Hand nicht erreichen, selbst als Dori bis zum
untersten Ast geklettert war und seinen Arm, soweit es nur irgend ging,
hinunterstreckte.
Dori kletterte also ganz vom Baum herunter und ließ Bilbo sich auf seine
Schultern stellen.
Gerade in diesem Augenblick jagten die Wölfe heulend auf die Lichtung.
Hunderte von Augen starrten unsere Gesellschaft mit einem Mal an.
Aber Dori ließ Bilbo nicht im Stich.
Er wartete, bis der Hobbit von seinen Schultern in die Zweige geklettert war,
und dann sprang er hinterher, gerade zur rechten Zeit.
Ein Wolf schnappte nach seinem Mantel, als er sich aufschwang, und beinahe
er ihn erwischt.
Es verging keine Minute, da lungerte auch schon das ganze Pack, jaulend um
Baum, sprang am Stamm hoch, die Augen glühten und die Zungen hingen heraus.
Aber selbst die wilden Warge, so wurden die üblen Wölfe von dieser Seite der
Einödgrenze genannt, können nicht auf Bäume klettern.
Eine Zeit lang war man in Sicherheit.
Glücklicherweise war es warm und nicht windig. Es ist nicht sehr angenehm, wenn
man längere Zeit in einem Baum sitzen muss.
Aber in Kälte und Wind erst, mit Wölfen, die unten rundherum auf einen warten,
sind Bäume eine ganz besonders unangenehme Sitzgelegenheit.
Diese Lichtung war augenscheinlich ein Versammlungsplatz der Wölfe.
Immer noch kamen neue an.
Sie ließen Wachen am Fuß des Baumes zurück, in dem Dori und Bilbo saßen.
Dann schnüffelten sie umher, bis sie alle anderen Baumverstecke ausgemacht
hatten.
Diese bewachten sie ebenfalls, während der Rest, hunderte und hunderte Wölfe
schienen es zu sein, abzog und sich zu einem großen Kreis in der Lichtung
niederkauerte.
Genau in der Mitte des Kreises lag ein mächtiger Grauwolf.
Er sprach zu ihnen in der furchtbaren Sprache der Varge.
Gandalf verstand sie.
Bilbo verstand nichts, aber es schauderte ihn, denn es klang, als ob es
nichts als tückische Grausamkeiten handelte, was es in Wirklichkeit ja auch
Dann und wann antworteten im Kreis alle Varge ihrem grauen Anführer und ihr
schreckliches Geschrei.
ließ den Hobbit fast aus seiner Kiefer fallen.
Obgleich Bilbo kein Wort verstand, möchte ich euch doch berichten, was
hörte.
Varge und Orks halfen oft einander bei ihren üblen Vorhaben.
Zwar wagen sich Orks gewöhnlich nicht weit aus ihren Bergen heraus, außer wenn
sie vertrieben werden und sich einen neuen Unterschlupf suchen müssen, oder
sie in den Krieg ziehen.
Glücklicherweise war das seit langer Zeit nicht mehr geschehen.
Aber in jenen Tagen unternahmen sie allerlei Streifzüge, um Nahrungsmittel
rauben oder Sklaven, die für sie arbeiten mussten.
Dann nahmen sie oft die Waage als Kumpane und teilten den Raub mit ihnen.
Manchmal ritten sie auf Waagen wie Menschen auf Pferden.
Nun schien es, dass gerade für diese Nacht ein großer Orgstreifzug geplant
Die Waage waren gekommen, um die Orgs zu treffen, aber die Orgs hatten sich
verspätet. Der Grund war zweifellos der Tod des großen Orks und die Aufregung,
die von den Zwergen, Bilbo und den Zauberer verursacht worden war.
Wahrscheinlich jagten sie noch immer hinter ihnen her.
Trotz der Gefahren dieses abgelegenen Landes waren kühne Menschen kürzlich von
Süden her zurückgekehrt. Sie fällten Bäume, um sich feste Plätze in den
lichteren Talwäldern und entlang den Flussufern zu bauen.
Sie waren zahlreich und tapfer und vorzüglich ausgerüstet, und selbst die
wagten es nicht, sie am helllichten Tag anzugreifen, besonders wenn mehrere
Menschen beisammen waren.
Aber nun hatten die Waage verabredet, mit Hilfe der Org bei Nacht einige der
Gebirge am nächsten liegenden Ansiedlungen zu überfallen.
Wäre ihr Plan gelungen, dann hätte niemand den nächsten Tag gesehen, alle
getötet worden, bis auf die wenigen, die die Orks als Gefangene in ihre Höhlen
geschleppt hätten.
Das war eine schreckliche Geschichte, was Gandalf da hörte, nicht nur wegen
tapferen Waldmenschen und ihrer Frauen und Kinder, sondern auch wegen der
Gefahr, in die er und seine Freunde geraten waren.
Die Varge waren ärgerlich und verblüfft, dass sie sie ausgerechnet auf ihrem
Versammlungsplatz vorfanden.
Sie mussten sie für Freunde der Waldmenschen halten, die zum Spionieren
waren und Nachricht über die Absichten der Waage hinunter in die Täler bringen
wollten.
Das aber hätte Wölfe und Orks in eine furchtbare Schlacht verwickelt, anstatt
ihnen Gefangene einzubringen und Menschen, die, plötzlich aus dem Schlaf
geweckt, mühelos verschlungen werden konnten.
Die Waage hatten also keineswegs die Absicht abzuziehen und die Gesellschaft
oben in den Bäumen entkommen zu lassen, jedenfalls nicht vor dem nächsten
Morgen.
Vorher aber, sagten sie, würden die Orgsoldaten aus den Bergen eintreffen.
Und Org können auf Bäume klettern, oder sie fällen sie ganz einfach.
Nun könnt ihr verstehen, warum Gandalf, während er ihrem Heulen und Kläffen
zuhörte, sich zu fürchten begann.
Wenn er auch ein Zauberer war, so spürte er doch, dass er mit seinen Freunden
auf einem ausnehmend schlechten Platz saß und, recht betrachtet, noch lange
nicht entkommen war.
Aber er gab die Hoffnung nicht auf, obgleich er von seinem luftigen Sitz
der noch dazu von Wölfen umringt war, nicht viel unternehmen konnte.
Gandalf sammelte große Kiefernzapfen von den Zweigen seines Baumes.
Dann brannte er einen mit heller, blauer Flamme an und warf ihn zischend in den
Kreis der Wölfe hinunter.
Der Kiefernzapfen traf einen auf den Rücken, und sofort fing sein zottiges
Feuer.
Entsetzlich kläffend sprang der Waag hin und her.
Dann folgte ein neuer Wurf und wieder einer, einer in blauen Flammen, einer in
roten und einer in grünen.
Die Kiefernzapfen zersprangen auf der Erde mitten im Kreis und zerstoben in
bunten Funken und Rauch.
Ein besonders großer traf den Anführer der Wölfe auf die Nase.
Er sprang zehn Fuß hoch in die Luft. Dann raste er im Kreis herum, raste und
biss. und in Angst und Entsetzen schnappte er sogar nach den anderen
Die Zwerge und Bilbo schrien und jubelten.
Die Raserei der Wölfe war grausig anzusehen, ihr Aufruhr erfüllte den
Wald.
Wölfe fürchten seit jeher das Feuer, und dies war das Schrecklichste und
Unheimlichste, das ihnen je begegnet war.
Wenn ein Funke in ihr Fell schoss, setzte er sich fest und brannte sich
Und wenn sie sich nicht schnell auf der Erde wälzten, standen sie bald in
Flammen.
Überall auf der Lichtung wälzten sich Wölfe, die die Funken auf ihren Rücken
löschen versuchten, während diejenigen, die bereits brannten, heulend
umherrasten und andere in Brand setzten, bis ihre eigenen Freunde sie wegjagten.
Schreiend und jammernd flohen sie die Hänge hinunter, um Wasser zu suchen.
»Was ist das bloß für ein Aufruhr heut Nacht im Wald ?« fragte der Fürst der
Adler.
Schwarz saß er im Mondlicht auf der Spitze eines einsamen Gipfels in den
des östlichen Gebirgsrandes.
»Ich höre die Stimme der Wölfe. Sind die Orks wieder einmal auf Unheil aus in
den Wäldern ?« Er erhob sich in die Luft, und sogleich erhoben sich von den
Felsen auf beiden Seiten zwei Wachen und folgten ihm.
Sie kreisten hinauf in den Himmel und schauten hinab auf den Ring der Wölfe,
winziger Fleck tief unten.
Aber Adler haben scharfe Augen und können winzige Dinge auf große
erkennen.
Der Fürst der Adler aus den Nebelbergen hatte Augen, mit denen er ohne zu
zwinkern in die Sonne blicken und mit denen er ein Kaninchen, das sich eine
Meile tief unten auf der Erde bewegte, selbst im Mondlicht ausmachen konnte.
Obgleich er die Gesellschaft in den Bäumen nicht bemerkte, konnte er doch
Hin - und Herrennen der Wölfe und die winzigen Feuerblitze erkennen.
Schwach drang das Heulen und Klagen aus der großen Tiefe bis zu ihm hinauf.
Auch konnte er den Schimmer des Mondes auf den Speeren und Helmen der Orks
sehen, als lange Züge dieses verschlagenen Volkes aus ihrem
hinabkrochen und sich in den Wald ergossen.
Adler sind keine freundlichen Vögel.
Manche sind feige und grausam.
Aber die alte Rasse der nördlichen Gebirge, die mächtigsten aller Vögel,
stolz und stark und edelherzig.
Diese Vögel mochten die Orks nicht und fürchteten sie auch nicht.
Wenn sie überhaupt Notiz von ihnen nahmen, selten nur, denn solche
fraßen sie nicht, dann schwangen sie sich über sie und trieben sie kreischend
ihre Höhlen zurück.
Oft genug vereitelten sie so die üblen Taten der Orks.
Die Orks ihrerseits hassten die Adler und fürchteten sie.
Aber sie konnten weder ihre luftigen Horste erreichen, noch sie auf andere
aus den Bergen vertreiben.
In dieser Nacht war der Fürst der Adler sehr neugierig, was dort unten vor sich
ging. Er befahl zahlreiche andere Adler zu sich.
Sie flogen sogleich von den Bergen fort, flogen langsam kreisend immer tiefer
zum Ring der Wölfe und ihrem Treffplatz mit den Orks hinab.
Das war eine glückliche Wendung, denn schrecklich genug ging es dort unten zu.
Die Wölfe, die Feuer gefangen hatten und in den Wald gerannt waren, hatten ihn
an mehreren Stellen in Brand gesetzt.
Es war Hochsommer, und auf der Ostseite des Gebirges hatte es lange Zeit nicht
mehr geregnet.
Vergilbte Farnkräuter, Dürrezweige, der dicke Nadelteppich und abgestorbene
Bäume standen bald in Flammen.
Rund um die Lichtung der Warge loderte das Feuer.
Doch die Wolfswachen verließen die Bäume nicht.
Verrückt und rasend geworden sprangen sie heulend um die Stämme, verwünschten
die Zwerge in ihrer schrecklichen Sprache.
Die Zungen hingen ihnen aus dem Maul, und ihre Augen leuchteten rot und feurig
wie die Flammen.
Dann kamen plötzlich laut schreiend die Orks angerannt.
Sie dachten, es sei eine Schlacht mit den Waldmenschen im Gange.
Aber als sie erfuhren, was in Wirklichkeit vorging, setzten sie sich
auf den Boden oder schwangen ihre Speere und schlugen mit den Schäften gegen die
Schilde.
Orks fürchten das Feuer nicht, und bald hatten sie einen Plan gemacht, der ihnen
sehr spaßig vorkam.
Einige versammelten alle Wölfe auf einen Haufen.
Andere stapelten Farn und Strauchwerk um die Baumstämme. Wieder andere liefen
umher und stampften und traten und schlugen, bis nahezu alle Flammen
waren.
Aber bei den Bäumen, in denen die Zwerge saßen, machten sie das Feuer nicht aus,
ja, sie näherten es mit Laub, dürren Ästen und Farnkraut.
Bald hatten sie einen Ring von Feuer und Rauch um die Zwerge gelegt.
Nach außen ließen sie den Ring nicht weiterfressen.
Aber allmählich schloss er sich so eng, dass die züngelnden Flammen die
Scheiterhaufen unter den Bäumen erreichten.
Rauch biss Bilbo in die Augen, er konnte die Hitze der Flammen spüren, und durch
den Rauch sah er die Orks immer rundherum im Kreis wie Menschen um ein
Mittsommerfreudenfeuer tanzen.
Außerhalb des Ringes der mit ihren Speeren und Äxten tanzenden Krieger
die Wölfe in respektvoller Entfernung, lauerten und warteten.
Bilbo konnte hören, wie die Orks ein schreckliches Lied anstimmten.
Fünfzehn Vögel in fünf hohen Föhren, singt und lasst euch vom Feuer nicht
stören. Doch diesen Vögeln fehlen die Schwingen.
Sagt, was soll man mit ihnen beginnen?
Sind sie am Ende zu mager geraten?
Holt schnell das Fett, um sie lecker zu braten.
Dann hielten sie inne und riefen, »Fliegt weg, kleine Vögel, fliegt weg,
ihr könnt. Kommt herunter, kleine Vögel, oder ihr werdet in euren Nestern
gebraten. Singt, singt, kleine Vögel, warum singt ihr denn nicht ?« »Trollt
euch, Kinderchen«, rief Gandalf als Antwort.
»Es ist verboten, Vogelnester auszunehmen.
Kleine Jungen werden bestraft, wenn sie mit Feuer spielen .« Er sagte das, um
sie wütend zu machen und ihnen zu zeigen, dass er sich nicht einschüchtern
obgleich er natürlich Angst hatte, und das, obwohl er ein Zauberer war.
Aber sie fährten sich nicht darum, fuhren fort zu singen, und bald hatten
Flammen Gandalfs Baum erfasst, und die anderen Bäume brauchten auch nicht mehr
zu warten.
Die Borke fasste Feuer, in den unteren Ästen begann es zu krachen.
Da kletterte Gandalf in die Spitze seiner Kiefe.
Im Wipfel angekommen, ließ er plötzlich seinen Zauberstab furchtbare Blitze
speien.
Gandalf war fertig zum Sprung hinab von der Höhe, mitten in die Speere der Orks
hinein. Das wäre sein Ende gewesen.
Gewiss, er hätte viele von ihnen niedergestreckt, wenn er sich wie ein
Donnerschlag auf sie heruntergestürzt hätte, aber er sprang nicht.
Denn in diesem Augenblick glitt der Fürst der Adler herab, griff ihn mit
Klauen, und weg war er.
Die Orks schrien vor Wut und Überraschung auf.
Laut kreiste der Fürst der Adler.
Gandalf hatte ihn bewogen, die großen Vögel, die ihn begleiteten, erneut
zurückfliegen zu lassen.
Sie kamen wie riesige schwarze Schatten herab.
Die Wölfe jaulten und knirschten mit den Zähnen, die Orks schrien und stampften
vor Wut und schleuderten ihre schweren Speere vergeblich in die Luft.
Über ihnen rauschten die Adler.
Das dunkle Sausen ihrer schlagenden Schwingen warf sie zu Boden oder trieb
davon.
Mit ihren Klauen verrissen sie den Orks das Gesicht.
Andere Vögel flogen in die Baumwipfel und ergriffen die Zwerge, die so hoch
hinaufgekrabbelt waren, wie sie es nur wagen konnten.
Aber der arme kleine Bilbo wurde wieder einmal beinahe vergessen.
Er schaffte es gerade noch, Doris Bein zu schnappen, als Dori als letzter von
allen weggetragen wurde.
Und so stiegen sie aus dem Tumult und den Flammen auf.
Bilbo baumelte in der Luft, und seine Arme drohten zu zerreißen.
Tief unter ihnen irrten Wölfe und Orks überall in den Wäldern umher.
Einige wenige Adler kreisten noch immer über dem Schlachtfeld.
Die Flammen in den Bäumen sprangen plötzlich hoch über die äußersten
Wipfelzweige hinaus.
Prasselnd gingen sie in Feuer auf.
Bilbo war wirklich zur rechten Zeit entkommen.
Bald wurde der Brandschein unter ihnen schwächer.
Er starb zu einem roten Glühen auf schwarzem Grund.
Die Adler flogen mit Gandalf, den Zwergen und dem Hobbit hoch in den
hinauf, stiegen während der ganzen Zeit in mächtig weiten Kreisen.
Diesen Flug vergaß Bilbo nie.
Er baumelte Andoris Fersen und jammerte, »Meine Arme, meine Arme !« Aber Dori
stöhnte. »Meine Beine, meine Beine !« Das Schönste war, dass die Höhenluft
schwindelig machte.
Gewöhnlich wurde es ihm schon merkwürdig zumute, wenn er über den Rand einer
kleinen Klippe schaute, und Leitern hatte er niemals gemocht, geschweige
Bäume, da er bisher noch nicht in die Verlegenheit gekommen war, vor Wölfen
fliehen zu müssen.
So könnt ihr euch vorstellen, wie ihm alles davon schwamm, wenn er zwischen
seinen baumelnden Zehen hindurch nach unten blickte, die dunklen Länder tief
unter sich und hier und da eine Felswand oder einen Strom in den Ebenen im
Mondlicht aufleuchten sah.
Die bleichen Spitzen des Gebirges kamen näher, mondhelle Felszacken, die aus
schwarzen Schatten herausstachen.
Ob Sommer oder nicht, es kam Bilbo eisig kalt vor.
Er schloss die Augen und überlegte, ob er sich noch länger festhalten konnte.
Dann stellte er sich vor, was geschehen würde, wenn er es nicht mehr täte.
Er fühlte sich sterbenskrank.
Der Flug endete gerade zur rechten Zeit, kurz bevor seine Arme nachgaben.
Er ließ Doris Fersen los und fiel auf die raue Plattform eines Adlerhorstes.
Da lag er nun, ohne ein Wort zu sagen, und in seinen Gedanken mischten sich
Staunen und Furcht.
Staunen, dass er aus dem Feuer errettet worden war, und Furcht, dass er von
diesem engen Fleck in die tiefen Schatten ringsum hinabstürzen könnte.
Sein Kopf brummte nach all den entsetzlichen Abenteuern der letzten
in denen es nahezu nichts zu essen gegeben hatte.
Und er hörte sich selbst laut sagen, »Jetzt weiß ich, wie es einem Stück
zumute ist, wenn es plötzlich mit einer Gabel aus der Pfanne gepickt und zurück
in die Speisekammer gelegt wird .« »Nein, das wisst ihr nicht«, hörte er
antworten. »Der Speck weiß, dass er früher oder später zurück in die Pfanne
wandert. Wir hoffentlich nicht.
Außerdem sind Adler keine Gabeln .« »Oh nein, kein bisschen wie Gabeln«, sagte
Bilbo, setzte sich auf und betrachtete ängstlich den Adler, der dicht neben ihm
kauerte.
Er wunderte sich, was für einen Unsinn er noch geredet hatte und ob es der
vielleicht krumm genommen habe.
Einem solchen Vogel sollte man nicht raubeinig kommen, wenn man nur so groß
ein Hobbit ist und noch dazu nachts in einem Adlerhorst sitzt.
Der Adler wetzte nur seinen Schnabel an einem Stein, strich seine Federn glatt
und nahm keine Notiz.
Bald kam ein anderer Vogel herangeflogen.
»Der Fürst der Adler bittet euch, die Gefangenen zur großen Felsplatte zu
bringen ,« schrie er und strich wieder ab.
Der schweigsame Vogel nahm Dori sogleich in seine Klauen, flog fort mit ihm in
die Nacht und ließ Bilbo allein.
Der Hobbit hatte kaum noch Kraft, darüber nachzudenken, was der Bote mit
Gefangenen gemeint hatte.
Und als er sich gerade vorstellte, wie er einem Kaninchen gleich zum Nachtmahl
zerrissen wurde, kam die Reihe auch an ihn.
Der Adler kehrte zurück, griff mit seinen Klauen von hinten Bilbos Jacke,
schwang sich in die Luft.
Diesmal flog er nur einen kurzen Weg.
Bilbo, zitternd vor Angst, wurde auf einer breiten Felsplatte an einer
Gebirgswand niedergelegt.
Hierherauf führte kein Weg, es sei denn, man konnte fliegen.
Und einen Weg hinab gab es auch nicht, es sei denn, man sprang über einen
Abgrund.
Bilbo fand all die anderen mit dem Rücken zur Bergwand sitzen.
Der Fürst der Adler war ebenfalls da und sprach mit Gandalf.
Es schien, als ob Bilbo nach allem doch nicht verspeist werden sollte.
Der Zauberer und der Adlerfürst kannten einander.
Offenbar standen sie auf freundschaftlichem Fuß.
Tatsächlich hatte Gandalf, der oft im Gebirge gewesen war, den Adlern einst
einen Dienst erwiesen und ihren Fürsten von einer Pfeilwunde geheilt.
Wie ihr also seht, bedeutete Gefangene nichts anderes als Gefangene, die aus
Händen der Orks errettet worden waren, und nicht Gefangene der Adler.
Als Bilbo der Rede Gandalfs lauschte, erfuhr er, dass sie nun endlich wirklich
und wahrhaftig aus den schrecklichen Bergen entkommen würden.
Der Zauberer besprach mit dem großen Adler den Plan, wie man die Zwerge, ihn
selbst und Bilbo weit forttragen und unten auf ihrem Weg durch die Ebenen
absetzen konnte.
Der Fürst der Adler wollte sie keinesfalls dorthin bringen, wo Menschen
»Mit ihren großen Ellbogen schießen sie auf uns«, sagte er, »denn sie glauben,
wir wären hinter ihren Schafen her, und wenn es ein andermal wäre, hätten sie
sogar recht.
Nein !« »Wir sind froh, dass wir den Orks ihr Spiel verdorben haben und euch
unseren Dank abstatten konnten.
Aber wir wollen unsere Haut nicht für Zwerge zu Markte tragen .« »Sehr
bemerkte Gandalf, »bringt uns wohin und soweit ihr wollt. Wir sind euch schon
genug zu Dank verpflichtet, aber inzwischen sterben wir vor Hunger .«
schon beinahe tot«, sagte Bilbo mit weicher, leiser Stimme, die niemand
»Dem kann vielleicht abgeholfen werden«, erwiderte der Fürst der Adler.
Später hättet ihr ein leuchtendes Feuer auf der Felsplatte sehen können und
rundherum die Gestalten der Zwerge, die da kochten und brutzelten, und ein
feiner Bratengeruch breitete sich aus.
Die Adler hatten trockenes Holz heraufgebracht, Kaninchen, Hasen und ein
Schaf. Die Zwerge dagegen hatten alle anderen Vorbereitungen übernommen.
Bilbo aber fühlte sich viel zu weich in den Knien, um zu helfen.
Übrigens war es auch nicht das Richtige für ihn, Kaninchen das Fell über die
Ohren zu ziehen oder Fleisch zu zerlegen, denn er war es gewohnt, dass
Fleisch bei ihm alles fertig ins Haus lieferte.
Uin und Gloin hatten die Zunderbüchse verloren, Zwerge benutzen selbst heute
noch keine Streichhölzer.
Nachdem Gandalf das Feuer in Gang gesetzt hatte, legte er sich ebenfalls
So endeten die Abenteuer in den Nebelbergen.
Bald war Bilbos Magen wieder voll.
Er fühlte sich wohl und spürte, dass er zufrieden einschlafen würde, obgleich er
in Wirklichkeit Brot und Butter, die ihn an den Stöcken gerösteten,
Fleischstücken vorgezogen hätte.
Er rollte sich ein und schlief auf den harten Felsen, besser als jemals in
seinem Federbett daheim.
Aber während der ganzen Nacht träumte er von seinem Haus.
wanderte im Schlaf durch die verschiedenen Zimmer und suchte etwas,
finden konnte. Ja, er konnte sich nicht einmal entsinnen, wie es aussah.
7.
Ein sonderbares Quartier Am nächsten Morgen wachte Bilbo mit der frühen Sonne
auf. Sie leuchtete ihm mitten ins Gesicht.
Er sprang auf die Beine, um auf die Uhr zu sehen und den Teekessel aufzusetzen.
und fand, dass er keineswegs zu Hause war.
So setzte er sich also wieder und sehnte sich vergeblich nach Waschlappen und
Bürste.
Keins von beiden war zu haben, und zum Frühstück gab es weder Tee noch
Brotscheiben noch gebratenen Speck. Es gab nichts als kaltes Hammelfleisch und
Kaninchen, und danach musste er sich für einen neuen Flug fertig machen.
Diesmal durfte er auf den Rücken des Adlers klettern und zwischen den
Halt suchen.
Der Flugwind rauschte über ihn hinweg und erschloss die Augen.
Die Zwerge schrien gerade »Auf Wiedersehen« und versprachen, den
Adler zu belohnen, wenn sie es jemals könnten, als fünfzehn große Vögel sich
der Felsplatte erhoben.
Die Sonne stand noch ganz niedrig im Osten.
Der Morgen war kühl und Nebel lagen in den Tälern und Fluchten und wehten da
dort um die Gipfel und Kuppen der Berge.
Bilbo öffnete vorsichtig ein Auge, und da sah er, dass die Vögel kaum sehr hoch
flogen, die Welt weit fort war und die Berge hinter ihnen in der Ferne
zurückblieben.
Er schloss die Augen wieder und klammerte sich fester.
»Kneif mich nicht«, sagte der Adler, »du brauchst dich nicht wie ein Kaninchen
zu fürchten, auch wenn du aussiehst, als wärst du eins. Wir haben einen schönen
Morgen und angenehmen Wind. Was ist besser als Fliegen ?«
Bilbo hätte am liebsten gesagt, ein warmes Bad und danach ein spätes
im Garten, aber er dachte, es sei besser, überhaupt nichts zu sagen, und
löste er seinen Klammergriff ein bisschen.
Nach einer guten Weile mussten die Adler wohl den Punkt erspäht haben, auf den
sie zusteuerten, denn obgleich sie in gewaltiger Höhe flogen, schwenkten sie
und glitten in großen Spiralen tiefer.
So flogen sie lange Zeit, und schließlich öffnete der Hobbit abermals
Augen.
Die Erde lag schon viel näher, und unter ihnen gab es Bäume, die nach Eichen und
Ulmen aussahen, und weites Grasland, das ein Fluss durcheilte.
Aber mitten auf dem Lauf des Flusses, der sich links und rechts vorbeivinden
musste, erhob sich ein mächtiger Fels, ja, geradezu ein Felsenberg, wie ein
letzter Außenposten des fernen Gebirges, den ein Riese unter den Riesen Meilen
hinaus in die Ebene geschleudert haben musste.
Rasch schwangen sich die Adler nacheinander auf die Kuppe dieses
setzten dort ihre Passagiere ab.
»Fahrt wohl«, riefen sie, »wo auch immer ihr hinfahrt, bis ihr am Ende eurer
Reise wieder wohlbehalten in euren Horsten landet .« Unter Adlern ist dies
übliche höfliche Abschiedswort.
»Möge der Wind unter euren Schwingen euch dorthin tragen, wo die Sonne zieht
der Mond wandert ,« antwortete Gandalf, der die korrekte Antwort kannte.
So nahmen sie Abschied.
Und obwohl der Fürst der Adler in späteren Tagen König aller Vögel wurde,
obgleich er eine goldene Krone trug und seine Häuptlinge goldene Halsketten, aus
dem Gold geschmiedet, das ihnen die Zwerge gaben, sah Bilbo sie niemals
ausgenommen hoch in der Luft und weit weg in der Schlacht der fünf Heere.
Aber da dies erst ans Ende dieser Geschichte gehört, wollen wir jetzt
mehr darüber sagen.
Auf der Kuppe des Felsenberges gab es eine ebene Fläche.
Ein gut erhaltener Pfad führte mit zahlreichen Stufen hinunter zum Fluss,
eine Furz aus mächtigen, flachen Steinen bis hinüber zum jenseitigen Grasland
durchquerte.
Am Fuß der Stufen lag gleich bei der steinernen Furt eine kleine Höhle, eine
sehr ordentliche Höhle mit feinem Kiesgrund.
Hier versammelte sich die Gesellschaft und beredete, was nunmehr getan werden
musste.
»Es hat mir sehr am Herzen gelegen, euch alle, wenn möglich, heil und sicher
über das Gebirge zu bringen ,« sagte der Zauberer, »und nun habe ich es mit
Geschick und Glück auch wirklich geschafft .« In der Tat sind wir jetzt
weiter nach Osten gekommen, als ich jemals euch begleiten wollte, denn
schließlich ist dieses Abenteuer nicht meine eigene Sache.
Ehe es zu Ende geht, werde ich mich noch einmal bei euch blicken lassen, aber in
der Zwischenzeit habe ich mich noch um einige andere dringende, unaufschiebbare
Gefefte zu kümmern.
Die Zwerge seufzten und schauten ganz verzweifelt rein, und Bilbo weinte
Sie hatten sich schon an den Gedanken gewöhnt, dass Gandalf den ganzen Weg bei
ihnen bleiben und ihnen aus allen Schwierigkeiten helfen würde.
»Ich will jetzt nicht gleich in diesem Augenblick verschwinden ,« sagte er.
»Ich kann einen oder zwei Tage zugeben.
Wahrscheinlich kann ich euch auch aus eurer jetzigen heiklen Lage helfen, und
ich brauche selbst ein bisschen Hilfe.
Wir haben nichts zu essen, kein Gepäck, keine Ponys zum Reiten, und ihr wisst
nicht einmal, wo ihr seid.
Nun, das kann ich euch immerhin sagen.
Ihr seid noch immer ein paar Meilen nördlich von dem Pfad, dem wir weiter
gefolgt wären, wenn wir den Bergpass nicht in wilder Eile verlassen hätten.
Sehr wenige Leute leben hier in dieser Gegend, wenn sich nichts geändert hat,
seit ich das letzte Mal hier vorbeigekommen bin, und das ist einige
Aber es gibt jemand hier, den ich kenne, und der nicht weit weg von diesem
Felsen wohnt.
Dieser Jemand schlug auch die Stufen in den großen Fels, in den Karok, so nennt
er ihn, glaube ich.
Er kommt nicht oft hierher, jedenfalls nicht am Tage, und es wäre auch nicht
gut, hier auf ihn zu warten.
Genau genommen würde es sogar sehr gefährlich sein.
Wir müssen ihn aufsuchen, und wenn alles gut geht bei unserer Begegnung, dann
werde ich weiterziehen und euch wie die Adler ein »Fahrt wohl«, wohin auch immer
ihr Fahrt, zurufen.
Sie baten ihn, sie nicht zu verlassen. Sie boten ihm Drachengold und Silber und
Juwelen an, aber er wollte seine Absicht nicht ändern.
Wir werden sehen, sagte er, und ich denke, ich habe schon jetzt etwas von
Drachengold verdient, vorausgesetzt, ihr könnt es überhaupt bekommen.
Da hörten sie auf, in ihn zu dringen.
Sie zogen ihre Kleider aus und badeten im Fluss, der an der Furt nicht sehr
war, aber klar und steinig.
Als die Sonne, die jetzt stark und warm herabschien, sie getrocknet hatte, waren
sie erfrischt, aber immer noch wund und verschlagen und ein bisschen hungrig.
Bald überquerten sie die Furt, wobei sie den Hobbit trugen, und dann begann der
Marsch durch das lange, grüne Gras, und entlang den Baumzeilen der breitarmigen
Eichen und der hohen Ulmen.
Und warum wird er der Karok genannt?
wollte Bilbo wissen, als er neben Gandalf hertrottete.
Er nannte ihn den Karok, weil Karok eben sein Wort dafür ist.
Solche Felsen nennt er eben Karoks, und dieser eine ist schlechterdings der
Karok, weil er der einzige in der Nähe seiner Wohnung ist und er ihn gut kennt.
Wer nennt ihn so?
Wer kennt ihn gut?
Der jemand, von dem ich sprach. Eine wirklich große Persönlichkeit.
Ihr müsst sehr höflich sein, wenn ich euch ihn vorstelle.
Ich werde euch übrigens nur ganz allmählich vorstellen, immer nur
Und ihr müsst vorsichtig sein, ihn nicht verärgern oder wer weiß, was sonst
geschieht. Er kann schrecklich sein, wenn er böse wird, aber er ist
wenn er gute Laune hat.
Trotzdem warne ich euch.
Es ist schnell geschehen, dass er böse wird .« Die Zwerge kamen alle heran, als
sie den Zauberer so zu Bilbo sprechen hörten.
»Ist das die Persönlichkeit, zu der ihr uns jetzt hinführt ?« fragten sie.
»Konntet ihr nicht jemand finden, der ein bisschen sanftmütiger ist?
Könntet ihr das alles nicht ein bisschen deutlicher erklären ?« Und sofort.
»Ja, gewiss.
Nein, das konnte ich nicht .« »Und ich habe schon sehr sorgfältig erklärt ,«
antwortete der Zauberer etwas ärgerlich.
»Wenn ihr mehr wissen müsst, sein Name ist Beorn.
Er ist sehr stark, und außerdem ist er ein Pelzwechsler .« »Was, ein Kirschner
und Fellhändler? Ein Mann, der Kaninchen, Angoras und Seidenhasen
nicht gar ihre Felle unter der Hand in Fee verwandelt ?« »Guter Gott im Himmel!
Nein, nein, nein !« sagte Gandalf.
»Seid kein Narr, Mr. Beutlin, wenn ihr es verhindern könnt. Und im Namen aller
guten Geister erwähnt nie das Wort Kirschner oder Pelzhändler, solange ihr
hundert Meilen im Umkreis seines Hauses seid. Noch Bettvorleger, Pelzumhang,
Pelzkragen, Muff oder andere solch unglückseligen Wörter.
Er ist ein Pelzwechsler. Er wechselt seinen Pelz.
Manchmal ist er ein mächtiger schwarzer Bär.
Manchmal ist er ein großer, starker, schwarzhaariger Mensch mit gewaltigen
und langem Bart.
Ich kann euch nicht viel mehr erzählen, und es sollte auch genug sein.
Einige behaupten, er sei ein Bär, der von den großen alten Bären des Gebirges
abstammt, die dort oben lebten, ehe die Riesen kamen.
Andere wiederum meinen, er sei ein Mann, der von jenen ersten Menschen abstammt,
die noch lebten, ehe Smaug oder die anderen Drachen in diesen Teil der Welt
kamen und ehe die Orks aus dem Norden in die Berge eindrangen.
Ich kann es nicht sagen, obgleich ich glaube, dass das Letzte wahr ist.
Ihm selbst stellt man besser keine Fragen.
Jedenfalls, er steht unter keinem anderen Zauber als unter seinem eigenen.
Er lebt in einem Eichenwald und bewohnt ein mächtiges Holzhaus, und als Mensch
hält er Rinder und Pferde, die beinahe ebenso wunderbar sind wie er selbst.
Sie arbeiten für ihn und sprechen zu ihm.
Er ernährt sich nicht von ihnen, jagt und isst auch keine wild lebenden Tiere.
Er besitzt Bienenstöcke über Bienenstöcke mit großen, grimmigen
meist lebt er von Sahne und Honig.
Als Bär streift er weit umher.
Einmal sah ich ihn nachts ganz allein auf der Kuppe des Karocks sitzen.
Er schaute dem Mond zu, der in den Nebelbergen unterging.
Und da hörte ich ihn in der Sprache der Bären brummen, »Der Tag wird kommen, da
werden sie verderben, und ich werde zurückkehren .« Deshalb also glaube ich,
dass er einmal aus dem Gebirge kam.
Bilbo und die Zwerge hatten nun genug, worüber sie nachdenken konnten, und sie
fragten nicht weiter.
Sie hatten noch immer einen langen Weg vor sich.
Hügel auf und Hügel ab stolperten sie.
Es wurde sehr heiß.
Manchmal rasteten sie unter den Bäumen, und dann fühlte Bilbo sich so hungrig,
dass er Eicheln gegessen hätte, wenn sie reif genug gewesen und schon auf den
Boden gefallen wären.
Es war Nachmittag, als sie bemerkten, dass große blühende Flächen rund um sie
auftauchten, und dass es immer dieselben Pflanzen waren, die beieinander
wuchsen, als ob jemand sie angepflanzt hätte.
Insbesondere gab es Klee, im Wind wehende Flächen von rotem Fuchsklee und
Purpurklee und weite Strecken von kurzem, weißem und süß nach Honig
Steinklee. Ein Brummen und Schwirren und Dröhnen erfüllte die Luft.
Überall summten Bienen umher. Und was für Bienen!
Nie hatte Bilbo ähnliche gesehen.
»Wenn einer mich stechen sollte, dann schwelle ich an, bis ich noch einmal so
dick bin«, dachte er.
Sie waren größer als Hornissen, und die Drohnen ein Gutteil dicker als euer
Daumen, und die gelben Streifen auf ihren tiefschwarzen Körpern schimmerten
glühendes Gold.
»Wir kommen näher«, sagte Gandalf, »wir haben den Rand seiner Bienenweiden
erreicht .«
Nach einer Weile gelangten sie zu einem Gürtel von hohen und sehr alten Eichen
und hinter ihnen zu einer stattlichen Dornhecke, durch die man weder
hindurchschauen noch hindurchkriechen konnte.
»Am besten ihr wartet hier«, sagte der Zauberer zu den Zwergen, »und wenn ich
rufe oder pfeife, so kommt hinterher. Ihr werdet sehen, welchen Weg ich gehe,
aber immer nur in Paaren. Denkt daran, etwa mit fünf Minuten Abstand .« »Bombo
ist der dickste und kann für zwei zählen. Er kommt am besten allein und
Los, Mr. Beutlin, irgendwo da hinten ist ein Gatter .« Und damit ging er die
Hecke entlang und nahm den erschrockenen Hobbit mit.
Sie kamen bald zu einem hohen, breiten Holzgatter, hinter dem sie Gärten und
eine Gruppe niedriger Holzhäuser sehen konnten.
Einige waren strohgedeckt und aus roh behauenen Baumstämmen errichtet.
Scheunen, Ställe, Schuppen und ein langes, niedriges Holzhaus.
Innen, an der Südseite der großen Hecke, standen unglaublich viele Bienenkörbe
in Reihen, deren oberer Teil glockenförmig aus Stroh gefertigt war.
Die ganze Luft war vom Lärm der fort - und zufliegenden und der ein - und
auskriechenden Bienen erfüllt.
Der Zauberer und der Hobbit drückten das schwere, knarrende Gatter auf und
gingen einen breiten Pfad hinunter zum Haus.
Einige glatte, glänzende, wohlgepflegte Pferde trabten über den Rasen heran und
betrachteten sie aufmerksam mit klugen Gesichtern.
Dann galoppierten sie zu den Gebäuden davon.
»Sie berichten ihm von der Ankunft Fremder«, sagte Gandalf.
Bald erreichten sie einen Innenhof, der an drei Seiten von dem Holzhaus und
seinen beiden langen Flügeln umschlossen war.
Mitten im Hof lag ein großer Eichenstamm, Daneben zahlreiche gekappte
Dicht dabei stand ein gewaltig großer Mann mit dichtem schwarzem Bart und
schwarzem Haar. Die bloßen Arme und Beine waren mit dicken Muskeln bepackt.
Er trug einen wollenden Überwurf hinab bis zu den Knien und lehnte sich auf
große Axt.
Die Pferde standen bei ihm und hatten ihre Nasen auf seine Schultern gelegt.
»Ach, da sind sie !« sagte er zu den Pferden. »Gefährlich sehen sie nicht
Mit den Beinen könnt ihr mich allein lassen .« Er lachte ein gewaltig
Lachen, legte seine Axt nieder und kam heran.
»Wer seid ihr und was wünscht ihr ?« fragte er Barsch, als er vor ihnen stand
und Gandalf wie einen Turm überragte.
Was Bilbo anging, so hätte dieser bequem zwischen seinen Beinen
hindurchspazieren können und würde ohne den Kopf einzuziehen, nicht einmal den
Saum des braunen Überwurfs berührt haben.
»Ich bin Gandalf«, sagte der Zauberer.
»Namen nie gehört«, knurrte der Mann.
»Und wer ist dieser kleine Bursche ?« fragte er, bückte sich herab und warf
unter seinen buschigen, schwarzen Augenbrauen hervor einen Blick auf
»Das ist Mr.
Beutlin, ein Hobbit aus guter Familie und von untadeligem Ruf«, antwortete
Gandalf.
Bilbo verbeugte sich.
Er hatte keinen Hut, den er abnehmen konnte, und die vielen fehlenden Knöpfe
waren ihm sehr peinlich.
»Ich bin ein Zauberer«, fuhr Gandalf fort.
»Falls ihr noch nichts von mir gehört habt, so habe ich doch von euch gehört.
Aber vielleicht habt ihr von meinem guten Vetter Radagast gehört, der dicht
Südrand des Nachtwaldes wohnt .« »Ja, habe ich. Von Zauberer kein schlechter
Bursche. Wie gewöhnlich sehe ich ihn dann und wann .« sagte Bion.
»Gut, jetzt weiß ich, wer ihr seid oder wer ihr vorgebt zu sein.
Was wünscht ihr ?« »Um euch die Wahrheit zu gestehen, wir haben unser Gepäck
verloren und beinahe sogar den Weg, und wir brauchen dringend Hilfe oder
wenigstens Rat.
Ich kann wohl sagen, dass es uns bei den Orks im Gebirge ziemlich schlecht
ergangen ist .« »Orks ?« fragte der große Mann schon weniger schroff.
»Oho, so ist das.
Ihr hattet Ärger mit den Orks ?« »Warum seid ihr ihnen denn in die Quere
gelaufen ?« »Es lag keineswegs in unserer Absicht.
Sie überraschten uns bei Nacht auf einem Pass, den wir überqueren mussten.
Wir kamen aus dem Land, drüben im Westen, aber das ist eine lange
»Wann kommt er rein und erzählt sie mir, falls es nicht den ganzen Tag dauern
soll ?« sagte der Mann und führte sie durch ein dunkles Tor, durch das man aus
dem Hof ins Haus gelangte.
Sie gelangten in eine weite Halle, in deren Mitte sich ein offener Herd
Obgleich es Sommer war, brannte hier ein Holzfeuer, und der Rauch stieg auf zum
rußgeschwärzten Gebälk, wo er sich seinen Weg durch eine Öffnung im Dach
ins Freie suchte.
Sie gingen durch die düstere Halle, die nur durch das Feuer und das Rauchloch
erhellt war, und kamen durch eine kleine Tür in einer Art Vorbau, der auf
Pfosten aus einzelnen Baumstämmen ruhte.
Der Vorbau lag nach Süden.
Drinnen war es warm, noch erfüllten die schräg einfallenden Strahlen der
untergehenden Sonne den Raum und vergoldeten draußen mit ihrem Glanz den
Dieser Garten war voll von Blumen, die bis zu den Stufen heraufdrängten.
Hier setzten sie sich auf Holzbänke nieder, während Gandalf seinen Bericht
begann.
Bilbo ließ die Beine baumeln und betrachtete inzwischen die Blumen, wobei
rätselte, was für Namen sie wohl haben mochten, denn er hatte kaum die Hälfte
von ihnen jemals zuvor gesehen.
»Ich kam über das Gebirge mit einem oder zwei meiner Freunde«, sagte der
Zauberer. »Oder zwei?
Ich kann bloß einen sehen, zudem nur einen sehr kleinen«, entgegnete Bion.
»Schön, um die Wahrheit zu sagen, ich wollte euch nicht mit einer ganzen Schar
von uns behelligen, ehe ich nicht herausgefunden hatte, ob ihr beschäftigt
.« »Ich werde einmal rufen, wenn es erlaubt ist .« »Los, ruft nur !«
Also piff Gandalf einen langen, schrillen Pfiff, und sogleich kamen
Dori um die Hausecke über den Gartenweg und stellten sich mit vielen
Verbeugungen vor ihnen auf.
»Mit einem oder drei Freunden meintet ihr also ,« bemerkte Bion.
»Aber das sind keine Hobbits, das sind Zwerge .« »Thorin Eichenschild, zu euren
Diensten !« »Dori, zu eure Diensten«, sagten die beiden Zwerge und verbeugten
sich aufs Neue.
»Ich brauche eure Dienste nicht, schönen Dank«, sagte Bion, »aber ich nehme an,
ihr braucht meine.
Ich bin nicht sehr erbaut von Zwergen, aber wenn es wahr ist, dass ihr Thorin
seid, Sohn des Tränen, Sohn des Thor, so nehme ich an, »Und dass euer Freund ein
vernünftiger Kerl ist und ihr Feinde der Org seid und in meinem Land nicht auf
Unfug aus seid.
Übrigens, worauf wärt ihr überhaupt aus ?« »Sie sind unterwegs, um das Land
ihrer Väter zu besuchen, drüben, ostwärts des Nachtwaldes ,« warf Gandalf
»und es ist reines Missgeschick, dass wir überhaupt in euer Land geraten sind
»Wir überquerten den Hochpass, der uns zu dem Weg südlich von eurem Land
haben würde, und wenn uns nicht diese üblen Orks angegriffen hätten, wie ich
euch gerade erzählen wollte .« »Ballott, fahr fort !« sagte Bion, der wirklich
nicht sehr höflich war.
Es war ein schrecklicher Sturm. Die Steinriesen waren draußen und warfen
Felsbrocken, und oben auf dem Scheitel des Passes suchten wir Schutz in einer
Höhle. Der Hobbit und ich und einige unserer Gefährten.
Nennt ihr zwei einige?
Gut, nein, in der Tat, mehr als zwei waren dabei.
Wo sind sie?
Getötet? Gefressen? Heimgezogen?
Nein, keineswegs. Sie sind offenbar noch nicht alle auf mein Pfeifen gekommen.
Vermutlich Schüchternheit. Ihr seht, wir sind sehr besorgt, es könnte euch zu
viel werden, uns alle gastfrei aufzunehmen.
Los, pfeift!
»Ich muss wohl eine Gesellschaft freihalten, scheint mir, und auf einen
zwei mehr kommt es dabei nicht an«, knurrte Bion.
Gandalf pfiff, aber Nuri und Uri waren schon da, ehe er aufhörte, denn Gandalf,
wie ihr euch erinnert, hatte ihnen befohlen, zu paaren, alle fünf Minuten
erscheinen.
»Hallo«, sagte Bion, »ihr kamt ganz schön rasch. Wo hattet ihr euch
Kommt her, meine Stehaufmännchen !« »Nori, zu euren Diensten !« »Nori, zu !«
fingen sie an, aber Beon unterbrach sie.
»Schönen Dank! Wenn ich eure Hilfe brauche, frage ich schon danach.
Setzt euch und fahrt mit der Geschichte fort, sonst ist es das Abendbrotzeit,
ehe sie zu Ende ist .« »Komm, waren wir eingeschlafen ?« fuhr Gandalf fort. »Da
öffnete sich eine Spalte im Höhlengrund.
Orks kamen heraus, griffen den Hobbit und die Zwerge und unsere ganze Pony
-Truppe .« »Die ganze Pony -Truppe?
Was wart ihr denn?
Ein Wanderzirkus? Oder habt ihr Güter in Massen transportiert? Oder nennt ihr
sechs gewöhnlich schon eine Truppe ?« »Oh nein, es waren in der Tat mehr als
sechs Ponys, denn auch wir waren mehr als sechs, und nun, da sind noch zwei
weitere .« Gerade in diesem Augenblick erschienen Balin und Dvalin und
verbeugten sich so tief, dass ihre Bärte den Steinboden fegten.
Zuerst starrte der große Mann sie recht finster an, aber sie taten wirklich ihr
Bestes, furchtbar nett und höflich zu sein.
Unaufhörlich nickten sie, bückten, verbeugten sich und schwenkten ihre
vor den Knien, in typischer Zwergenmanier, bis er aufhörte, sie
anzublicken und in ein gewaltiges Gelächter ausbrach.
Sie sahen zu komisch aus.
»Truppe, ja, das stimmt !« sagte er. »Eine komische Truppe! Kommt herein, ihr
lustigen Kerle! Und wie heißt ihr? Ich brauche eure Dienste nicht, ich brauche
jetzt nur eure Namen. Und dann setzt euch und hört Mr. Wackelei auf !« »Balin
und Dvalin«, sagten sie und wagten es nicht, sich beleidigt zu fühlen.
Plump saßen sie auf dem Boden und schauten ziemlich überrascht dabei aus.
»Nun also weiter«, sagte Bion zum Zauberer.
»Wo war ich? Oh ja, ich wurde nicht gegriffen. Ich erschlug einen oder zwei
mit einem Blitz .« »Gut«, knurrte Bion, »in einem solchen Fall ist es
ausgezeichnet, ein Zauberer zu sein .« Und schlüpfte durch den Spalt, bevor er
sich schloss.
Ich folgte ihnen hinunter bis zur Haupthalle, die von Orks nur so
große Ork war da mit dreißig oder vierzig bewaffneten Wachen, und ich
Selbst wenn sie nicht mit Eisen aneinandergekettet wären, was könnte ein
Leute gegen so viele Orks ausrichten?
Ein Dutzend?
Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich acht ein Dutzend nennen höre.
Oder habt ihr noch ein paar Stehaufmännchen mehr, die bis jetzt
Kiste gehopst sind?
Ja, gewiss, hier scheint gerade noch ein Pärchen angekommen zu sein, Fili und
Kili, glaube ich.
sagte Gandalf, als diese beiden jetzt auftauchten, lächelten und sich
verbeugten.
»Genug«, sagte Beorn, »setzt euch und seid still.
Weiter, Gandalf !« So fuhr Gandalf mit seiner Geschichte fort, bis er zum Kampf
in der Finsternis kam, zur Entdeckung des unteren Ausgangs und ihrem
als sie merkten, dass Mr. Beutlin verloren gegangen war.
»Wir zählten uns und fanden, dass kein Hobbit mehr bei uns war. Wir waren nur
noch vierzehn .« »Vierzehn! Das ist das erste Mal, dass ich höre, zehn weniger
eins sei vierzehn.
Ihr meint neun, oder ihr habt mir noch nicht alle Namen genannt ?« »Gut,
natürlich. Ihr habt ja Uin und Kloin noch nicht gesehen. Und wirklich, da
sie ja. Ich hoffe, ihr verzeiht ihnen, dass sie euch behelligen .« »Lasst sie
nur alle kommen. Los, ran!
Kommt her, ihr beiden, und setzt euch.
Aber schaut her, Gandalf, selbst jetzt haben wir nur euch selbst, zehn Zwerge
und den Hobbit, der verloren ging .« »Das macht elf, bloß ein
Abhandengekommener, und nicht vierzehn. Es sei denn, dass Zauberer anders zählen
als andere Leute. Aber jetzt bitte, fahrt fort !« Beorn versuchte, so gut es
ging, sich nichts anmerken zu lassen, aber in Wirklichkeit war er schon sehr
gespannt. In alten Tagen hatte er gerade den Teil des Gebirges, den Gandalf
beschrieb, sehr gut gekannt.
Er nickte und brummte, als er vom Wiederauftauchen des Hobbits hörte, von
Herunterkrabbeln am Geröllhang, und dem Wolfsring in den Wäldern.
Als Gandalf zu der Baumkletterei kam, mit all den Wölfen unten zu ihren Füßen,
stand er auf und murmelte, »Ich wünschte bloß, ich wäre dabei gewesen. Ich hätte
ihnen mehr als Feuerwerk gegeben .« »Gewiss«, sagte Gandalf und war sehr
dass seine Geschichte Eindruck machte. »Ich tat, was ich konnte.
Da hingen wir, unter uns wurden die Wölfe verrückt. Da und dort ging der
Flammen auf .« Und gerade jetzt kamen die Orks aus den Bergen und entdeckten
uns. Sie brüllten vor Entzücken und sangen Spottlieder auf uns.
Fünfzehn Vögel in fünf hohen Föhren.
»Meine Güte«, brummte Bion, »glaub bloß nicht, dass Orks nicht zählen können.
Sie können es. Zwölf sind nicht fünfzehn, und das wissen sie auch .«
auch. Da waren auch Bifur und Bofur dabei.
Ich habe bisher nicht gewagt, sie euch vorzustellen, aber da sind sie schon .«
Bifur und Bofur kamen heran.
»Und ich ?« keuchte Bombur, der hinter ihnen herknaufte.
Er war fett und ärgerlich dazu, dass man ihn als letzten zurückgelassen hatte.
Deshalb hatte er sich geweigert, fünf Minuten länger zu warten, und war den
anderen beiden unmittelbar gefolgt.
»Gott, jetzt sind wirklich fünfzehn von euch da, und weil Orks zählen können,
vermute ich, dass dies alles war, was da in den Bäumen hingen .« Vielleicht
können wir jetzt die Geschichte ohne weitere Unterbrechung zu Ende hören .«
Beutlin sah ein, wie klug Gandalf gewesen war.
Die Unterbrechungen hatten Béon in Wirklichkeit nur noch gespannter gemacht
die Geschichte, und die Geschichte hatte ihn davon abgehalten, gleich die Zwerge
wie verdächtige Bettler zum Teufel zu jagen.
Wenn er es irgendeinrichten konnte, lud Béon nie Besuch in sein Haus.
Er hatte nur sehr wenige Freunde, und diese lebten ein gutes Stück weiter weg.
Auch lud er nie mehr als zwei gleichzeitig ein.
Jetzt aber hatte er fünfzehn Fremde in seiner Vorhalle sitzen.
Mit der Zeit hatte Gandalf seinen Bericht beendet, von der Rettung durch
Adler erzählt und wie sie alle zum Kerog gebracht worden waren.
Die Sonne war inzwischen hinter den Gipfeln der Nebelberge versunken und die
Schatten in Beons Garten waren lang geworden.
»Eine ausgezeichnete Geschichte«, sagte er.
»Die beste, die ich seit langer Zeit gehört habe.
Wenn alle Bettler eine solche Gute zu erzählen hätten, würden sie mich
ungänglicher finden.
Ihr mögt sie vielleicht nur erfunden haben.
Ein Abendbrot habt ihr in jedem Fall verdient. So, jetzt wollen wir ja etwas
essen heranschaffen .« »Ja, bitte«, sagten alle miteinander, »und vielen
Im Innern der Halle war es jetzt fast ganz dunkel geworden.
Beorn klatschte in die Hände, und herein trabten vier wunderschöne weiße Ponys
und mehrere große, langgliedrige, graue Hunde.
Beorn sagte etwas zu ihnen in einer seltsamen Sprache.
Es war, als ob Tierlaute zu Sätzen gefügt wären.
Sie liefen wieder hinaus und kamen bald mit Fackeln im Maul zurück, die sie am
Feuer entzündeten, und in niedrigen Klammern an die Säulen der Halle
die um den mittleren Kamin standen.
Die Hunde konnten auf ihren Hinterbeinen laufen und Gegenstände mit ihren
Vorderpfoten herantragen.
Rasch holten sie Tafeln und Gestelle von den Seitenwänden und stellten sie nahe
beim Feuer auf.
Da hörte man ein Bäh, Bäh, Bäh, und hereinkamen einige schneeweiße Schafe,
von einem kohlschwarzen Widder geführt wurden.
Eines trug eine weiße Tischdecke, in deren Rand Tierfiguren gestickt waren,
andere trugen Teebretter auf ihren breiten Rücken mit Töpfen, flachen
Mettern und hölzernen Löffeln, die ihnen die Hunde abnahmen und schnell auf die
Tischgestelle legten.
Diese waren sehr niedrig, niedrig genug, dass selbst Bilbo bequem daran sitzen
konnte.
Ein Pony schob zwei niedrige Bänke mit breiten, binsengeflochtenen Sitzflächen
und kurzen, dicken Füßen für Gandalf und Thorin heran und dann ans
gegenüberliegende Tischende Bjorns mächtigen schwarzen Stuhl, der von
Art war.
Bjorn saß sehr bequem darin und streckte seine großen Beine weit unter den
Tisch.
Das waren alle Stühle, die er in seiner Halle hatte.
Worauf aber sollten die anderen sitzen?
Sie wurden nicht vergessen.
Die Ponys rollten runde, trommelförmige Baumklötze herein, die fein und sauber
geglättet und selbst für Bilbo niedrig genug waren.
So saßen sie bald alle wohlversorgt an Béons Tafel, und die Halle hatte seit
vielen Jahren nicht mehr eine solche Versammlung gesehen.
Da stand nun eine Mahlzeit vor ihnen, wie sie sie seit ihrem Besuch im Haus an
der Einödgrenze und ihrem Abschied von Elrond nicht mehr erlebt hatten.
Das Licht der Fackeln und des Feuers flackerte rund um sie her, und auf der
Tafel standen zwei hohe rote Bienenwachskerzen.
Während der ganzen Mahlzeit erzählte Björn in seiner tiefen, rollenden Stimme
Geschichten über die wilden Gegenden auf dieser Seite des Gebirges und besonders
über den dunklen und gefährlichen Wald, der einen Tagesritt weit sich vor ihnen
von Nord nach Süd erstreckte und den Weg nach Osten versperrte, der schreckliche
Nachtwald.
Die Zwerge lauschten und schüttelten ihre Bärte, denn sie wußten, dass sie
bald in diesen Wald hineinwagen mußten, und dass nach der Überquerung des
Gebirges dies die schlimmste aller Gefahren war, die sie zu bestehen
sie in den Herrschaftsbereich des Drachen gelangten.
Als das Essen vorüber war, fingen sie an, ihre eigenen Geschichten zu
aber Beorn schien schläfrig zu werden und ihnen wenig Aufmerksamkeit zu
schenken.
Sie sprachen meist von Gold und Silber und Juwelen, von Gegenständen des
Schmiedehandwerks, doch Beorn nahm daran keinen Anteil.
In seiner Halle gab es nichts aus Gold und Silber, und außer den Messern war
kaum etwas aus Metall gefertigt.
Vor ihren hölzernen Methumpen saßen sie lang noch am Tisch.
Von draußen kam die Nacht.
Die Feuer in der Mitte der Halle wurden mit frischen Holzklötzen neu aufgebaut,
Die Fackeln wurden gelöscht, und noch immer saßen sie im Licht der tanzenden
Flammen. Die Säulen der Halle standen hoch aufgerichtet hinter ihnen, ihr
Teil in Dunkelheit gehüllt wie die Bäume des Waldes.
Ob es nun Zauberei war oder nicht, Bilbo schien es, als ob er ein Geräusch
hörte, wie Wind in den Zweigen, der am Gebell gerüttelte, und wie das Schreien
der Eulen.
Bald sank ihm der Kopf vor Schläfrigkeit vornüber, und die Stimmen versanken in
weiter Ferne.
Da wachte er mit einem Ruck auf.
Die große Tür krachte und wurde ins Schloss geworfen.
Björn war gegangen.
Die Zwerge saßen mit gekreuzten Beinen um das Feuer, und gerade jetzt fingen
an zu singen.
Die Verse erzählten vom Wind, der über die dürre Heide hinwegbrauste,
Rauchschwaden über dem Drachenlager im einsamen Berg zerfetzte, dann unter dem
Mond, der sein altes, vergilbtes Segel setzte, die Welt verließ und in der
sternsiefen Nacht die riesigen Seen der Finsternis aufwühlte.
Bilbo fing wieder an einzunicken.
Plötzlich stand Gandalf auf.
»Es ist Zeit für uns schlafen zu gehen«, sagte er, »für uns, aber nicht für
Beorn, nehme ich an. In seiner Halle sind wir heil und sicher aufgehoben .«
ich warne euch alle, vergesst nicht, was Beon uns sagte, ehe er ging.
Ihr dürft nicht hinausgehen, ehe die Sonne kommt, bei Leib und Leben nicht.
Bilbo stellte fest, dass seitwärts auf einem Aufsatz zwischen Pfeilern und
Außenwand Lager bereitet wurden.
Für ihn gab es eine kleine Strommatratze und wollende Decken.
Sehr froh krabbelte er hinein, auch wenn es Sommerzeit war.
Das Feuer war niedergebrannt, und er schlief ein.
Doch in der Nacht wachte er auf.
Das Feuer war zu glimmernder Asche zerfallen. Die Zwerge und Gandalf
nach ihrem Atmen zu urteilen.
Der hochstehende Mond, der durch das Rauchloch im Dach blickte, hatte einen
weißen Fleck auf den Boden gezeichnet.
Von draußen aber waren ein Brummen zu hören und ein Geräusch, als ob ein
Tier vor der Tür scharrte.
Bilbo überlegte, was das bedeuten mochte.
Ob es Björn in seiner Verzauberung wäre und ob er als Bär hereinkommen und sie
töten würde.
Er tauchte unter seine Decken, verbarg seinen Kopf und fiel schließlich wieder
in Schlaf, obgleich er sich doch so sehr fürchtete.
Es war heller Morgen, als er aufwachte.
Einer von den Zwergen war in dem dunklen Winkel, in dem er lag, über ihn
gestolpert und mit einem Plumps von dem Aufsatz auf den Hallenboden
heruntergerollt. Es war Bufur, und er murrte, als Bilbo seine Augen öffnete.
»Auf den Pfahlpilz«, sagte er, »oder es bleibt nichts mehr zu frühstücken übrig
für dich .« »Auf«, sprang Bilbo.
»Frühstück«, rief er, »wo ist das Frühstück ?« »Zum größten Teil in
Bauch«, antworteten die anderen Zwerge, die in der Halle umhergingen.
Aber was wir übrig gelassen haben, steht draußen in der Vorhalle.
Wir haben uns nach Björn umgesehen die ganze Zeit, nachdem die Sonne aufging,
aber keine Spur von ihm gefunden, abgesehen von dem Frühstück, das wir
vorfanden.
»Wo ist Gandalf ?« fragte Bilbo und sah zu, dass er möglichst rasch etwas zu
essen fand.
»Oh, fort und irgendwo draußen«, sagten sie ihm.
Aber auch vom Zauberer keine Spur an diesem Tag.
Kurz vor Sonnenuntergang betrat er die Halle, wo der Hobbit und die Zwerge
gerade ihre Abendmahlzeit einnahmen, die ihnen, wie schon den ganzen Tag, Bjorns
wunderbare Tiere auftrugen.
Von Bjorn hatten sie seit der letzten Nacht weder etwas gesehen noch gehört,
sie waren schon sehr verwundert.
»Wo ist unser Gastgeber, und wo seid ihr selbst den ganzen Tag geblieben ?«
riefen sie alle zugleich.
»Eine Frage immer hübsch nach der anderen, und das erst nach dem Abendbrot
Seit dem Frühstück habe ich keinen Bissen mehr gegessen .« Schließlich
Gandalf Teller und Krug von sich, er hatte zwei ganze Brotleibe verspeist,
mächtig bestrichen mit Butter, dazu Honig und dicke Sahne, und dann hatte er
noch ein Viertel Met getrunken.
Er holte seine Pfeife hervor.
»Ich will die zweite Frage zuerst beantworten ,« sagte er.
»Donnerwetter ist dies ein herrlicher Platz für Rauchringe .« Und in der Tat.
Für lange Zeit konnten sie nichts anderes aus ihm herausbringen.
Er war viel zu beschäftigt, Rauchringe aufsteigen zu lassen, die rund um die
Hallenpfeiler schwebten und die unterschiedlichsten Formen und Farben
Zum Schluss mussten sie sich gegenseitig durch das Loch im Gebälk hinausjagen.
Von draußen wird es sehr seltsam ausgesehen haben, wie ein Rauchring nach
anderen in die Luft stieg, grüne, blaue, rote, silbergraue, gelbe, weiße,
große und dünne, kleine, die durch große hindurchzogen und sich zu achtern
vereinigten, oder wie ein Schwarm Vögel davonstoben.
»Ich habe Bärenfährten aufgespürt«, sagte Gandalf endlich.
»Es muss wohl eine richtige Bärenversammlung heut Nacht hier draußen
stattgefunden haben.
Ich merkte bald, dass die Fährten nicht allein von Bion herrühren konnten.
Sie waren viel zu zahlreich und verschieden groß .« Ich würde sagen, es
kleine Bären, große Bären, gewöhnliche Bären und riesenhafte Bären, die da vom
Beginn der Nacht bis fast zum Morgengrauen getanzt haben.
Sie kamen aus nahezu allen Richtungen, ausgenommen vom Westufer des Flusses,
Gebirge. In diese Richtung führte bloß eine einzige Fährte, und diese kam
sondern führte nur von hier dorthin.
Ich folgte ihr bis zum Kerok.
Dort verschwand sie im Fluss.
Aber für mich war das Wasser zu tief und die Strömung zu stark, um hinüber zu
wechseln.
Es ist leicht, wie ihr euch erinnert, von hier aus durch die Furt den Kerog zu
erreichen, aber auf der anderen Seite ragt er wie eine Klippe aus einem Strom
voller Wirbel.
Meilenweit musste ich suchen, ehe ich eine Stelle fand, an der der Fluss breit
und seicht genug war, damit ich wartend und schwimmend hinüberkam.
Und dann musste ich die Meilen zurückgehen und die Fährte wieder
Inzwischen war es zu spät geworden, ihr lange weiterzufolgen.
Sie führte geradewegs auf die Kiefernwälder an der Ostseite der
wo wir unsere hübsche kleine Zusammenkunft mit den Riesenwölfen
hatten. Und damit hoffe ich, auch eure erste Frage beantwortet zu haben ,«
endete Gandalf, und er saß eine Weile schweigsam da.
Bilbo glaubte, er hätte erraten, was Gandalf meinte.
»Was sollen wir machen ?« rief er, »wenn er alle Wölfe und Orks herbeiholt. Wir
werden gefangen und umgebracht werden.
Aber ihr sagtet doch, Beorn sei keineswegs ihr Freund .« »So sagte ich.
Seid nicht albern. Besser wär's, ihr würdet ins Bett gehen, denn euer
fängt an zu schneichen .« Bilbo fühlte sich zermeimt, und da ihm nichts anderes
einfiel, ging er zu Bett.
Und während die Zwerge noch sangen, schlief er ein und zerbrach sich dabei
immer seinen kleinen Kopf Beons wegen, bis er von Hunderten von schwarzen Bären
träumte, die draußen im Hof immerzu rund und rund ihre langsamen, schwerfälligen
Tänze tanzten.
Dann wachte er auf, als jeder andere schlief, und er hörte das gleiche
Schnaufen, Scharren und Brummen wie vordem.
Am nächsten Morgen wurden sie durch Björn selbst geweckt.
»So, ihr seid also noch hier ,« rief er. Er hob den Hobbit auf und lachte.
»Von Riesenweifen oder Orks oder bösen Bärengefäßen, wie ich sehe .« Und er
klopfte Mr. Beutlin höchst respektlos auf die Weste.
»Das kleine Kaninchen ist wieder prall und fett, von Milch und Honig .« Er
lachte. »Kommt und holt euch noch mehr .« So gingen sie alle mit ihm zum
Frühstück. Björn war ganz verändert.
Er schien allerbester Laune und brachte sie mit seinen Geschichten zum Lachen.
Sie brauchten sich auch nicht lange zu wundern, wo er so lange geblieben und
warum er so freundlich zu ihnen geworden war, denn er erzählte es ihnen selbst.
Er war über den Fluss gegangen und geradewegs auf das Gebirge zu, woraus
schließen könnt, wie rasch er auf den Füßen war, jedenfalls als Bär.
Die verbrannte Wolfslichtung bewies ihm, dass dieser Teil ihrer Geschichte wahr
sein musste.
Aber er hatte mehr als das gefunden.
Er hatte einen Riesenwolf, einen Warg, gefangen und einen Org dazu, die durch
die Wälder streiften.
Von diesen erfuhr er allerlei Neuigkeiten.
Die Orgpatrouillen jagten noch immer mit den Wargen hinter den Zwergen her, und
sie waren schrecklich zornig über den Tod des großen Orgs und weil dem
Wolfhauptmann die Nase verbrannt worden und so mancher aus seiner Garde durch
das Feuer des Zauberers umgekommen war.
So viel erzählten sie Björn, als er sie zum Reden zwang.
Aber er vermutete, dass da noch mancher böse Streich vorbereitet wurde und dass
ein Überfall der ganzen Orgarmee und der verbündeten Wölfe zu fürchten war, ein
Überfall in die Länder im Schatten des Gebirges, um die Zwerge zu erwischen
Rache an Menschen und allen Wesen zu nehmen, die sie beherbergt haben
Eure Geschichte war eine gute Geschichte.
sagte Bion.
»Aber jetzt, da ich sicher bin, dass sie wahr ist, gefällt sie mir noch einmal
so gut.
Ihr müsst schon entschuldigen, dass ich mich nicht auf euer Wort verlassen habe.
Wenn ihr selbst am Rand des Nachtwaldes lebtet, würdet ihr keinem trauen, es sei
denn, ihr kennt ihn wie euren Bruder oder noch besser als diesen.
Wie die Sache steht, so kann ich euch nur sagen, dass ich, so schnell ich
konnte, zurück eilte, um mich zu vergewissern, dass ihr sicher seid und
jede Hilfe, die in meiner Macht steht, zu peilen wird.
»Nach all dem werde ich freundlicher über Zwerge denken.
Den großen Org erschlagen, wer das bedenkt !« Er lachte zornig in sich
»Was habt ihr mit dem Org und dem Waag gemacht ?« fragte Bilbo plötzlich.
»Kommt und seht !« sagte Björn, und sie folgten ihm um das Haus.
Ein Orgkopf stak auf dem Gatter, und ein Waagfell war draußen an einem Baumstamm
genagelt.
Beorn war ein schrecklicher Feind.
Aber jetzt war er ihr Freund, und Gandalf hielt es für klug, ihm ihre
Geschichte zu erzählen und den Grund für ihre Reise, sodass sie alle nur
mögliche Hilfe von ihm bekommen konnten.
Und dies versprach er für sie zu tun.
Er wollte jedem ein Pony geben und Gandalf ein Pferd für den Marsch bis zum
Wald.
Dazu sollten sie Nahrungsmittel haben, die bei sorgfältigem Gebrauch für Wochen
reichen und die so verpackt sein sollten, dass sie so leicht wie irgend
zu tragen waren.
Nüsse, Mehl, verschlossene Krüge mit getrocknetem Obst, rote, irdenen Töpfe
Honig, Zwieback, der sich lange halten würde und von dem schon eine Handvoll
notfalls für einen langen Marsch genügte.
Seine Herstellung war eines seiner Geheimnisse.
Aber es war Honig darin, wie in den meisten seiner Nahrungsmittel.
Sie schmeckten gut, obgleich sie durstig machten.
Wasser, so sagte er, brauchten sie auf dieser Seite des Waldes nicht
mitzuschleppen, denn es gebe Bäche und Quellen genug am Weg.
Aber ihr Abfahrt durch den Nachtwald ist dunkel, gefährlich und schwierig, fügte
er hinzu.
Wasser ist dort nicht leicht zu finden und Nahrungsmittel schon gar nicht.
Die Zeit für Nüsse ist noch nicht gekommen, obgleich sie kommen und sogar
vorübergehen kann, ehe ihr die andere Seite erreicht.
Und Nüsse sind von allem, was dort wächst, das einzige zum Essen.
Die Welt ist des Fenster und sonderbar und unberechenbar.
Ich will euch mit Häuten versorgen, in denen ihr Wasser mitnehmen könnt.
Auch will ich euch Bogen und Pfeile geben.
Aber ich zweifle sehr, ob irgendetwas im Nachtwald wirklich genießbar ist.
Einen Fluss gibt es dort, der schwarz und rasch fließend euren Pfad kreuzt.
Bringt ja nicht aus ihm und badet nicht darin.
Denn ich habe gehört, dass er verzaubert ist und Schlafmüdigkeit und Vergessen
bringt.
Und in dem trüben Schatten dieses Waldes werdet ihr nichts Genießbares oder
Ungenießbares schießen können, ohne den Pfad zu verlieren.
Den Pfad aber dürft ihr niemals verlassen, aus keinem noch so wichtigen
Das ist alles, was ich euch raten kann.
Jenseits des Waldrandes kann ich euch so gut wie gar nicht helfen.
Ihr müsst euch auf euer Glück, euren Mut und die Lebensmittel verlassen, die ich
euch mitgebe.
Mein Pferd und meine Ponys müsst ihr am Rand des Waldes, darum muss ich euch
bitten, zurückschicken.
Ich wünsche euch guten Weg, und mein Haus steht euch offen, wenn ihr je
Weg zurückkommt.
Sie dankten ihm mit vielen Verbeugungen und dem Schwenken ihrer Kapuzen und
manchem »zu euren Diensten, o Herr der großen hölzernen Hallen«, aber ihr Herz
sank ihnen bei diesen ernsten Worten in die Hose, und sie spürten, dass das
Abenteuer viel gefährlicher war, als sie angenommen hatten, denn selbst wenn sie
alle Gefahren des Weges bestanden, so wartete doch noch der Drache am Ende auf
sie.
Den ganzen Morgen waren sie geschäftig bei ihren Vorbereitungen.
Am frühen Nachmittag aßen sie zum letzten Mal mit Beorn, und nach der
bestiegen sie die Streitrosse, die er ihnen die.
Sie riefen ihm manchen Abschiedsgruß zu und ritten eilig zum Gatter hinaus.
Als sie die hohen Hecken im Osten von Beorns eingefriedetem Land hinter sich
ließen, wandten sie sich nach Norden und später nach Nordwest.
Auf seinen Rad hin strebten sie nicht mehr dem Hauptweg quer durch den Wald
der südlich seines Landes begann und der alte Nachtwaldweg genannt wurde.
Wären sie dieser Straße gefolgt, so hätte ein kleiner Wasserlauf aus dem
sie bis zum gewaltigen Fluss geführt, viele Meilen südlich vom Kerog.
An diesem Punkt lag eine tiefe Furz, die sie hätten kreuzen können, wenn sie
ihre Ponys noch gehabt hätten.
Auf der anderen Seite führte ein schmaler Steig zum Saum des Nachtwaldes
Beginn des alten Nachtwaldweges.
Aber Beorn hatte sie gewarnt, dass sich gerade auf diesem Steig oft Orks
herumtrieben, während der Waldweg selbst, wie er gehört hatte, zugewachsen
und am östlichen Ende gar nicht mehr benutzt wurde und in unwegsame Sümpfe
führte.
Außerdem lag der Ostausgang so weit südlich des einsamen Berges, dass sie
dort einen langen und schwierigen Marsch nach Norden hätten antreten müssen.
schloss sich der Saum des Nachtwaldes dichter an die Ufer des gewaltigen
an, und obgleich hier auch das Gebirge näher herankam, hatte Beorn ihnen
geraten, diesen Weg zu gehen.
Denn an einer Stelle, die nur wenige Tage dritte nördlich des Kerrocks lag,
sich der Eingang eines kaum bekannten Pfades quer durch den Nachtwald, der
geradewegs auf den einsamen Berg zulief.
hatte Bion gesagt, »werden noch hundert Meilen nördlich vom Kerog den gewaltigen
Fluss nicht überqueren und um mein Haus, nachts ist es wohl geschützt, einen
großen Bogen machen. Aber dennoch, ich würde rasch reiten, denn wenn sie ihren
Überfall bald ausführen, so kreuzen sie den Fluss im Süden und streifen den
ganzen Waldrand ab, um euch den Weg abzuschneiden, und vage rennen rascher
Ponys. Kurz, es ist sicherer, wenn ihr euch nach Norden wendet .« selbst wenn
scheint, als rittet ihr zurück und gerietet wieder in die Nähe ihres
Denn das werden sie am wenigsten erwarten, und sie werden länger reiten
wenn sie euch fangen wollen.
Reitet nur los, so schnell ihr könnt .« Deshalb also ritten sie jetzt
schweigsam, galoppierten, wo der Grund grasig und eben war.
Das Gebirge lag finster zu ihrer Linken, und die Linie des Flusses mit seinen
Bäumen rückte immer dichter heran.
Die Sonne hatte sich gerade dem Westen zugewandt, als sie aufbrachen, und am
Abend lag sie golden auf dem Land.
Es war schwer, gerade jetzt an eine Verfolgung durch Orks zu denken, und als
manche Meile sie von Beons Haus trennte, fingen sie wieder an zu reden und zu
singen und vergaßen den finsteren Waldweg, der vor ihnen lag.
Aber am Abend, als die Dämmerung kam und die Gipfel des Gebirges im
Sonnenuntergang glühten, machten sie Rast und stellten eine Wache auf, und
meisten schliefen mit schweren Träumen ein, in denen das Geheul jagender Wölfe
wiederklang und das Geschrei der Orks.
Doch der nächste Morgen zog strahlend und klar herauf.
Es lag herbstlich weißer Nebel auf der Erde, und die Luft war kalt.
Als die Sonne sich rot im Osten erhob, zergingen die Nebelbänke, und als die
Schatten noch lang waren, zogen die Zwerge weiter.
So ritten sie noch zwei weitere Tage, und während der ganzen Zeit sahen sie
nichts anderes als Gras und Blumen und Vögel und einzelne Bäume und
kleine Rudel Hirsche, die ästen oder am Nachmittag im Schatten ruten.
Manchmal sah Bilbo Geweihe aus dem hohen Gras ragen, und zuerst dachte er, es
wären abgestorbene Baumäste.
Am dritten Abend hatten sie es sehr eilig, vorwärts zu kommen, denn Björn
gesagt, sie würden den Eingang des Nachtwaldes früh am vierten Tag
Sie ritten also nach Einbruch der Dämmerung immer noch weiter im
tief in die Nacht.
Als das Licht verschwinden begann, war es Bilbo, als ob er dann und wann zu
seiner rechten oder zu seiner linken die dunklen Umrisse eines großen Bären in
gleicher Richtung trotten sah.
Aber als er es wagte, Gandalf darauf aufmerksam zu machen, antwortete der
Zauberer nur, »Stell, schaut nicht hin !« Am nächsten Tag brachen sie noch vor
der Dämmerung auf, obwohl ihre Nachtruhe nur kurz gewesen war.
Sobald es hell wurde, sahen sie den Wald auf sich zukommen, als ob er sie
erwarte, eine schwarze und finstere Wand.
Das Land stieg allmählich an, und es war dem Hobbit, als ob ein großes Schweigen
sie fest umschlösse.
Wenige Vögel sangen noch, Es gab kein Rotwild, selbst Kaninchen waren nicht
zu entdecken.
Nachmittags endlich erreichten sie den Rand des Nachtwaldes und rasteten unter
dem gewaltig überhängenden Laubwerk der äußeren Bäume.
Ihre mächtigen Stämme waren knorrig, ihre Zweige ineinander verschlungen,
Blätter dunkel und lang.
Efeu wuchs an ihnen empor und hing bis zur Erde herab.
»Ja, hier ist der Nachtwald«, sagte Gandalf.
»Der größte aller Wälder in der nördlichen Welt.
Ich hoffe, euch gefällt sein Anblick.
Jetzt müsst ihr diese vorzüglichen Ponys heimsenden, die ihr euch geliehen habt
.« Am liebsten hätten die Zwerge zu murren begonnen, aber der Zauberer
sie seien nicht ganz gescheit.
»Wäon ist nicht so weit weg, wie ihr glaubt, und es wäre jedenfalls besser,
würdet euer Versprechen halten, denn er ist ein schrecklicher Gegner .« Die
Augen von Mr. Beutlin sind färber als eure, falls ihr nicht ebenfalls, Nacht
Nacht, nach Einbruch der Dunkelheit, einen großen Bären neben uns wandern
in der Ferne im Mondlicht unser Lager beobachten seid.
Nicht nur, um für euch zu wachen und euch zu führen, sondern auch, um Acht
die Ponys zu haben.
Bären mag euer Freund sein, aber er liebt seine Tiere wie Kinder.
Ihr könnt nicht ermessen, was es heißt, dass er Zwerge so weit und so schnell
auf ihnen reiten ließ, noch was geschehen würde, falls ihr versuchen
die Ponys mit in den Wald zu nehmen .« »Und was geschieht mit dem Pferd ?«
fragte Turin. »Ihr habt nichts davon gesagt, dass es ebenfalls zurückgesandt
wird ?« »Nein, ich schicke es auch nicht zurück .« »Und wie ist es mit eurem
Versprechen ?« »Das ist meine Sache. Ich schicke es nicht. Ich reite es nämlich
zurück .« Da wussten sie, dass Gandalf sie am Saum des Nachtwaldes verlassen
würde, und sie waren verzweifelt.
Aber was sie auch sagen mochten, nichts konnte seinen Entschluss ändern.
»Nun, wir hatten uns damit auseinandergesetzt, als wir auf dem
sagte er, »unnütz darüber zu streiten.
Ich habe, wie ich euch sagte, dringende Geschäfte im Süden, und ich habe mich
schon genug verspätet, als ich mich abrackerte mit euch .« Ehe alles vorbei
werden wir uns möglicherweise wieder begegnen.
Hinwiederum natürlich vielleicht auch nicht.
Das hängt von eurem Glück und eurem Mut und Spürsinn ab.
Und ich gebe euch Mr. Beutlin mit auf den Weg.
Schon vorher habe ich euch gesagt, dass mehr in ihm steckt, als ihr glaubt.
Ihr werdet nicht allzu lang brauchen, das herauszufinden.
Seid ein bisschen vergnügter, Bilbo, schaut nicht so sauer drein.
Und ihr, Thorin und Kumpanei, seid auch zuversichtlicher und nicht so betrübt.
Friedlich ist dies eure Expedition.
Denkt an den Schatz am Ende und vergesst den Wald und den Drachen wenigstens bis
morgen früh .«
Am
nächsten Morgen sagte er noch immer dasselbe.
So blieb also nichts anderes übrig, als die Wasserschläuche an einer klaren
Quelle zu füllen, die sie dicht neben dem Waldeingang fanden, und die Ponys
abzupacken.
Sie verteilten das Gepäck, so gerecht sie es konnten, obgleich Bilbo dachte,
dass seine Last schrecklich schwer sei.
Der Gedanke gefiel ihm gar nicht, dass er mit all diesem Kram auf dem Rücken
Meilen um Meilen dahintrotten sollte.
»Macht euch nichts draus«, sagte Thorin, »es wird nur allzu bald leichter
werden. Nicht lang, und ich fürchte, dass jeder von uns sich sein Gepäck
schwerer wünscht. Dann nehme ich...« wenn das Essen knapper wird .« Endlich
nahmen sie Abschied von den Ponys und drehten ihnen die Köpfe heimwärts.
Sie trabten fröhlich davon und schienen glücklich zu sein, dem finsteren
Nachtwald ihre Schweife zu zeigen.
Als sie davonzogen, hätte Bilbo schwören können, dass etwas wie ein Bär den
Schatten der Bäume verließ und rasch hinter ihnen hertrabte.
Jetzt sagte auch Gandalf, liebewohl,
Bilbo saß auf der Erde und kam sich sehr unglücklich vor.
Er wünschte sich neben den Zauberer aufs hohe Pferd.
Nach dem Frühstück, einem sehr ärmlichen, war Bilbo in den Wald
schien ihm, als ob er schon am Morgen finster wie die Nacht und sehr
geheimnisvoll wäre.
»Man fühlt sich bewacht und beobachtet«, sagte sich Bilbo.
»Auf Wiedersehen«, sagte Gandalf zu Thorin, »und auf Wiedersehen euch allen
»Straks durch den Wald geht jetzt euer Weg.
Verlasst ihn nie.
Weicht ihr ab, dann möchte ich wetten, ihr findet ihn niemals wieder und werdet
aus dem Nachtwald nicht herauskommen. Und dann, vermute ich, sehe weder ich
sonst irgendwer euch jemals wieder .« »Müssen wir wirklich hindurch ?« stöhnte
der Hobbit.
»Ja, ihr müsst«, erwiderte der Zauberer, »falls ihr auf die andere Seite kommen
wollt. Entweder hindurch oder aufgeben .« »Und ich erlaube euch nicht, jetzt
zurückzukehren, Mr. Beutlin.
Ich schäme mich, dass ihr solche Gedanken habt.
Ihr müsst an meiner Stelle Obacht auf all diese Zwerge geben ,« fügte er
hinzu.
»Nein, nein ,« sagte Bilbo, »das meine ich ja gar nicht. Ich meinte, ob es da
nicht einen Weg drum herum gibt ?« »Den gibt es, wenn es euch nichts ausmacht,
zweihundert Meilen etwa nach Norden zu wandern oder das Doppelte nach Süden .«
Aber selbst dann würdet ihr keinen sicheren Weg finden.
Es gibt keine sicheren Wege in diesem Teil der Welt.
Erinnert euch, ihr habt die Einödgrenze überschritten und müsst euch hier
überall auf allerlei Späße gefasst machen.
Ehe ihr den Nachtwald im Norden umgehen könntet, würdet ihr mitten in die Hänge
der grauen Berge geraten, und die sind einfach vollgestopft mit Orks,
Hobkobolden und ungeheuern übelster Art.
Und ehe ihr den Wald im Süden umgehen könntet, würdet ihr in das Land des
Geisterbeschwörers kommen.
Und gerade euch, Bilbo, brauche ich keine Geschichten über diesen schwarzen
Hexenmeister zu erzählen.
Ich rate euch gut, geht niemals in Gegenden, die sein finsterer Turm
Haltet euch an euren Waldweg, bleibt tapfer, hofft auf das Beste, und mit
riesengroßen Scheibe Glück könnt ihr eines Tages wieder herauskommen.
und die langen Sümpfe unter euch liegen sehen, und hinter ihnen, weit im Osten,
den einsamen Berg, wo der gute alte Smaug haust.
Und ich hoffe, dass ihr euch nicht erwartet .« »Ein großer Trost,
knurrte Thorin.
»Lebt wohl.
Wenn ihr nicht mit uns gehen wollt, dann zieht besser jetzt ab, ohne weitere
Reden .« »Gut. Lebt wohl. Und buchstäblich.
Lebt wirklich wohl .« sagte Gandalf.
Er wandte sein Pferd und ritt hinab nach Westen.
Aber er konnte der Versuchung nicht widerstehen, das letzte Wort zu
Ehe er außer Rufweite war, drehte er sich noch einmal um, legte die Hände an
Mund und rief ihnen etwas zu.
Ganz schwach hörten sie seine Stimme aus der Ferne.
»Lebt wohl!
Seid vernünftig!
Passt gut auf euch auf !« »Und verlasst niemals den Pfad !« Dann galoppierte er
davon und war bald außer Sicht.
»Lebt nur wohl und verschwindet«, brummten die Zwerge, die wütend waren,
Gandalf zu verlieren, das hatte sie in Schrecken versetzt.
Und jetzt begann der gefährlichste Teil ihrer Unternehmung.
Ein jeder schulterte das schwere Gepäck und die Wasserschläuche, wandte sich aus
dem Licht, das auf den Ländern draußen lag, und tauchte in den Wald ein.
8.
Fliegen und Spinnen Sie zogen in einfacher Reihe dahin.
Der Eingang des Weges sah wie ein Torbogen zu einem dunklen Stollen aus.
Zwei große Bäume, die sich aneinander zuneigten, bildeten das Eingangsgewölbe.
Die Bäume waren schon viel zu alt, von Efeu erdrosselt und Flechten behangen,
mehr als nur wenige schwarz verfärbte Blätter zu tragen.
Der Pfad selbst war schmal und wand sich bald links, bald rechts um die Stämme.
Nicht lange, und das Licht des Eingangs war nur noch ein kleiner, leuchtender
Ausschnitt weit hinter ihnen.
Die Stille war so tief, dass ihre Füße dumpf auf dem Boden wiederhalten,
alle Bäume sich überzulehnen und zu lauschen schienen.
Als ihre Augen sich an die Finsternis gewöhnt hatten, konnten sie ein
nach jeder Seite in eine Art düsteres, grünes Glimmen schauen.
Gelegentlich fiel ein Lichtstrahl, der das Glück hatte, durch das Blätterdach
hoch oben zu dringen, ohne vom Gewirr des Astwerks und dem verfilzten Verhau
unteren Zweige aufgefangen zu werden, wie ein schmaler, schimmernder Dolch vor
ihnen auf den Boden.
Aber das geschah selten, und bald hörte auch das auf.
Im Wald gab es schwarze Eichhörnchen.
Als Bilbos scharfe, forschende Augen sich eingewöhnt hatten, konnte er hin
wieder einen Blick auf sie werfen, wenn sie über den Pfad fegten oder hinter den
Stämmen davontrippelten.
Es gab auch andere, sonderbare Geräusche, Grunzen, Schnaufen, Rascheln
Unterholz und in den Blättern, die sich an einigen Stellen zu unglaublich hohen
Haufen aufgetürmt hatten.
Aber von wem die Geräusche herrührten, Das konnte er nicht entdecken.
Das Scheußlichste, was ihnen begegnete, waren die Spinngewebe.
Dunkle, dichte Spinngewebe mit außerordentlich dicken Fäden, oft
Bäumen, oft auch wirr in den unteren Zweigen auf allen Seiten der Stämme.
Aber kein Netz war quer über dem Pfad gespannt.
Hielt nun ein Zauber ihn frei, oder gab es sonst einen besonderen Grund, sie
konnten es nicht erraten?
Es dauerte nicht allzu lange, da begannen sie, diesen Wald aus ebenso
Herzen zu hassen wie die Stollengänge der Orks, nur schien ihnen der Nachtwald
noch unendlicher zu sein.
Immer weiter mussten sie ziehen, und schon lange wünschten sie sich heiß und
innig ein bisschen Sonne und ein Stückchen blauen Himmel und sehnten sich
einem Windhauch auf ihrem Gesicht.
Unter dem Dach des Waldes aber rührte sich die Luft nicht.
Hier gab es nur ewig währende Stille, Finsternis, und Moder.
Selbst die Zwerge spürten das, obgleich sie doch gewohnt waren, in der Erde zu
graben und lange Zeit ohne Licht und Sonne zu leben.
Aber der Hobbit, der Höhlen nur dazu benutzte, um eine Wohnung hineinzubauen,
der jedoch nie einen einzigen Sonnentag darin verbrachte, merkte, wie es ihm
allmählich den Hals zuschnürte.
Die Nächte waren am schlimmsten.
Es wurde pechfinster.
Nichts. was ihr so pechfinster nennt, sondern es war wirklich finster wie
so schwarz, dass man in der Tat rein gar nichts sah.
Bilbo hielt die Hand vor seine Nase, aber er konnte sie nicht sehen.
Nun, vielleicht ist es doch nicht richtig zu sagen, dass sie rein nichts
Sie sahen Augen.
Dicht aneinander gedrückt schliefen sie und wachten reihum.
Als die Reihe an Bilbo kam, konnte er rund um sich ein Schimmern in der
sehen und zuweilen gelbe, rote oder grüne Augenpaare, die ihn aus kurzer
Entfernung anstarrten und dann langsam verblachten und verschwanden und
allmählich wieder von einer anderen Stelle her zu glühen begannen.
Manchmal schimmerten sie auch von den Zweigen dicht über ihm herab, und das
das Entsetzlichste.
Aber die Augen, die er am meisten verabscheute, waren bleiche, knollige,
schreckliche Augen.
Insektenaugen, dachte er, keine Säugetieraugen.
Allerdings, sie sind viel zu groß dafür.
Obwohl es noch nicht sehr kalt war, versuchten sie, nachts Wachfeuer zu
unterhalten, aber das gaben sie bald wieder auf.
Es lockte hunderte und aberhunderte Augen an, Obgleich die Wesen, welcher
sie auch immer sein mochten, sehr vorsichtig waren und niemals ihren
dem kleinen Flackerlicht des Feuers sehen ließen.
Schlimmer aber, es zog tausende von dunkelgrauen und schwarzen Nachtfaltern
von denen einige fast so groß wie eure Hand waren, und die schwirrten und
flatterten ihnen um die Ohren.
Das hielten sie nicht aus, und die riesenhaften Fledermäuse, die so schwarz
waren wie ein Zylinderhut, gaben ihnen den Rest.
Sie verzichteten auf Wachfeuer und saßen in der Nacht und dösten in der
gewaltigen, unheimlichen Dunkelheit vor sich hin.
All dies nahm kein Ende, und dem Hobbit schien es, als seien Jahre und Jahre
vergangen.
Außerdem war er stets hungrig, denn sie gingen außergewöhnlich vorsichtig mit
ihren Vorräten um.
Wie die Tage soeinander folgten und der Wald doch immer derselbe blieb, fingen
sie an, ängstlich zu werden.
Die Lebensmittel würden nicht ewig reichen.
Längst waren sie knapp geworden.
Sie versuchten, Eichhörnchen zu schießen und vergeudeten viele Pfeile, bevor sie
eines zur Strecke brachten.
Aber als sie es brieten, schmeckte es scheußlich, und sie tosten nie wieder
Eichhörnchen.
Durstig waren sie auch, denn sie besaßen nicht viel Wasser, und während der
ganzen Zeit hatten sie weder eine Quelle noch einen Bach gesehen.
So stand es mit ihnen, als sie eines Tages ihren Pfad von einem fließenden
Gewässer versperrt fanden.
Es floss schnell und mächtig dahin, obgleich es an ihrem Pfad gar nicht so
war. Es war schwarz oder sah in der Dämmerung jedenfalls schwarz aus.
Gut nur, dass Béon sie gewarnt hatte, sonst hätten sie von diesem Fluss
getrunken, gleichgültig, wie auch immer seine Farbe war, und ihre leer
gewordenen Wasserschläuche hätten sie ebenfalls am Ufer gefüllt.
Jetzt aber waren sie einzig darauf bedacht, den Fluss zu kreuzen, ohne
Tropfen von diesem Wasser auf die Haut zu bekommen.
Es hatte hier einmal eine Holzbrücke gegeben, aber sie war verfault und
verfallen, und nur die zerbrochenen Uferpfosten waren übrig geblieben.
Bilbo, der am Ufer kniete und hinüberstarrte, rieh, »Dort ist ein Boot
anderen Ufer!
Warum in aller Welt kann es nicht auf unserer Seite liegen ?« »Wie weit ist es
weg ?« fragte Thorin, denn mittlerweile hatten sie gemerkt, dass Bilbo von allen
die schärfsten Augen besaß.
»Nicht allzu weit. Ich möchte annehmen, nicht mehr als zwölf Ellen .« »Zwölf
Ellen! Ich dachte, es wären mindestens dreißig, aber meine Augen sind nicht
so gut wie noch vor hundert Jahren.
Trotzdem, zwölf Ellen sind ebenso gut und so schlecht wie eine ganze Meile.
Wir können keine zwölf Ellen springen, und wir dürfen es auch nicht wagen, zu
warten oder zu schwimmen .«
»Kann einer von euch ein Pau werfen ?« »Wozu soll das gut sein?
Das Boot ist gewiss festgebunden, selbst wenn wir einen Haken hineinwerfen
können, was ich noch bezweifle .« »Ich glaube aber nicht, dass es angebunden
ist«, sagte Bilbo, »obgleich ich bei diesem Licht natürlich nicht sicher sein
kann. Mir scheint, es ist bloß ein Stück aufs Ufer gezogen worden, und das ist
dort, wo der Pfad ins Wasser führt, nicht sehr hoch .« »Dori ist der
aber Fili der Jüngste, und außerdem sieht er am besten .« entschied Thorin.
»Kommt her, Fili, und schaut, ob ihr das Boot sehen könnt, von dem Mr. Beutlin
spricht .« Fili meinte, er sehe es, und nachdem er eine lange Weile
hinübergestarrt hatte, um die Richtung festzustellen, brachten ihn die anderen
eine Leine.
Sie hatten mehrere Leinen mitgenommen, und am Ende der Lenken befestigten sie
einen der großen Eisenhaken, die sie sonst dazu benutzten, um das Gepäck an
Schultergurte zu hängen.
Fili nahm den Haken in die Hand, wog ihn eine Weile und schleuderte ihn dann
über den Fluss.
»Patsch«, er fiel ins Wasser.
»Nicht weit genug«, sagte Bilbo, der nach drüben starrte.
»Ein paar Ellen mehr, und ihr hättet das Boot getroffen.
Versucht es noch einmal.
Der Zauber, glaube ich, ist nicht so stark, dass ein bisschen nasses Tau euch
gefährlich werden kann .« Als er es zurückgezogen hatte, nahm Fili zwar den
Haken wieder auf, aber misstrauisch blieb er doch.
Diesmal warf er mit größerer Kraft.
»Ruhig, ruhig«, sagte Bilbo, »ihr habt den Haken mitten in den Wald drüben
geworfen. Zieht ihn vorsichtig zurück .« Fili holte langsam die Leine ein, und
nach einer Weile sagte Bilbo, »sorgfältig jetzt.
Sie liegt auf dem Boot.
Haltet bloß den Daumen, dass der Haken fasst .« Er fasste.
Die Leine wurde straff, und Fili zog vergeblich.
Kili kam ihm zu Hilfe, und dann Oin und Gloin.
Sie zerrten und ruckten, und plötzlich fielen sie alle auf den Rücken.
Bilbo, der noch immer Ausschau hielt, ergriff die Leine und lenkte mit einem
Stock das kleine Boot, das über den Fluss geschossen kam.
»Hilfe !« schrie er, und Balin kam gerade recht, um das Boot zu ergreifen,
es von der Strömung erfasst wurde.
»Es war also doch angebunden .« sagte Balin und betrachtete die abgeriffene
Fangleine, die noch herabhing. »Das war ein guter Ruck, meine Lieben, und ein
Glück, dass unsere Leine stärker war .« »Wer setzt zuerst über ?« fragte Bilbo.
»Ich«, antwortete Thorin.
»Und ihr geht mit, und Fili und Oin und Gloin und Dori.
Als Nächste Ori und Nori, Bifur und Bofur.
Als Letzte Dwarlin und Bombur .« »Ich bin immer der Letzte. Das passt mir gar
nicht .« brummte Bombur.
»Lasst diesmal einen anderen an den Schluss .« »Wenn ihr nicht so fett
ihr es aber seid, müsst ihr bei der leichtesten und letzten Bootslast sein.
Fangt nicht an, gegen Befehle zu murren, oder es wird euch noch etwas Übles
zustoßen .« »Ruder gibt es nicht.
Wie wollt ihr das Boot ans andere Ufer zurückbringen ?« fragte der Hobbit.
»Gebt mir ein anderes Stück Leine und einen anderen Haken .« sagte Fili, und
alles bereit war, warf er ihn in die Finsternis nach vorn und so hoch, wie er
nur konnte.
Da Haken und Leine nicht herunterfielen, mussten sie wohl in den Zweigen
festhängen. »Steigt ein«, sagte Fili, »und einer holt das Boot an der Leine
hinüber, die drüben in den Zweigen sitzt. Ein anderer muss den Haken
wir zuerst benutzten, und wenn wir sicher auf der anderen Seite sind, haken
das Boot damit an, und ihr könnt es zurückziehen .«
Auf diese Weise gelangten sie bald alle sicher ans andere Ufer des verzauberten
Flusses.
Dvalin war gerade mit der Taurolle am Arm aus dem Boot geklettert, und Bombur,
der noch immer murrte, machte sich bereit, ihm zu folgen, als etwas Böses
ereignete.
Vor ihnen auf dem Pfad war das Geräusch flüchtender Hufe zu hören, und aus dem
Dämmer tauchten plötzlich die Umrisse eines fliehenden Hirsches auf.
Er raste mitten in die Zwerge und warf sie wie ein Kegelspiel um, dann setzte
zu einem Sprung an.
Hoch mit einem mächtigen Satz sprang er und über das Wasser hinweg.
Aber das andere Ufer rettete ihn nicht.
Thorin war der Einzige, der sich auf den Füßen gehalten und noch seinen Verstand
beisammen hatte.
Sogleich nach der Landung hatte er für den Fall, dass ein verborgener Hüter des
Bootes erschiene, den Bogen gespannt und einen Pfeil aufgelegt.
Und jetzt sandte er einen schnellen und sicheren Schuss hinter dem springenden
Tier her.
Als der Hirsch das jenseitige Ufer erreichte, stolperte er.
Die Schatten verschlangen ihn, aber sie hörten den Hufschlag stocken, und es
wurde still.
Noch ehe sie zu Ehren dieses Schusses in lautes Lob ausbrechen konnten,
vernichtete ein freckliches Klagegeschrei mit einem Schlage alle
Hirschbraten.
»Bombo ist hineingefallen! Bombo ertrinkt !« schrie Bilbo.
Es war nur zu wahr.
Bombur hatte kaum einen Fuß an Land, als der Hirsch auf ihn zugerasst kam und
über ihn hinwegsetzte.
Bombur war gestolpert, hatte dabei das Boot vom Ufer weggestoßen und war selbst
ins Wasser geplumpst.
Seine Hände rutschten an den glitschigen Uferwurzeln ab, während das Boot
langsam abzog und verschwand.
Sie konnten gerade noch Bomburs Kapuze über dem Wasser sehen, als sie zum Ufer
rannten.
Schnell warfen sie ihm eine Hakenleine zu.
Seine Hand ergriff sie, und sie zogen ihn an Land.
Er war von Kopf bis Fuß durchnässt.
Natürlich, aber das war nicht das Schlimmste.
Als sie ihn aufs Ufer legten, war er schon fest eingeschlafen.
Seine Hand umklammerte so zäh die Leine, dass sie den Griff nicht zu lösen
vermochten, und er blieb in tiefstem Schlaf, trotz allem, was sie mit ihm
anstellten.
Noch immer standen sie um ihn herum, verwünschten ihr Missgeschick und
Ungeschicktheit und klagten über den Verlust des Bootes, der es ihnen
machte, nach dem Hirsch zu suchen.
Da hörten sie fernes Hörnerblasen im Wald und Laute, die wie das Kläffen von
Hunden klangen.
Sie wurden ganz still, und als sie sich niedersetzten, schien es ihnen, als
ginge nördlich des Pfades eine große Jagd durch den Wald.
Freilich sehen konnten sie nicht das Geringste.
So saßen sie für eine lange Weile und wagten es nicht, sich zu bewegen.
Mit einem Lächeln auf seinem wohlgenährten Gesicht schlief Bombur
wäre er nun glücklich all die Sorgen los, mit denen sie sich herumschlagen
mussten.
Aber auf dem Pfad vor ihnen erschienen plötzlich einige weiße Tiere, eine
und zwei Hirschkälbchen.
Sie waren ebenso schneeweiß, wie der Hirsch schwarz gewesen war.
Vor den tiefen Schatten leuchteten sie hell auf.
Noch ehe Thorin den Mund aufmachen konnte, waren drei von den Zwergen
aufgesprungen und hatten mehrere Pfeile verschossen.
Keiner schien getroffen zu haben.
Die Tiere wandten sich um und verschwanden ebenso leise zwischen den
sie aufgetaucht waren.
Vergeblich schossen die Zwerge hinter ihnen her.
»Halt! Halt !« schrie Thorin.
Aber es war zu spät.
Die aufgeregten Zwerge hatten ihre letzten Pfeile vergeudet, und die Bogen,
Bion ihnen mitgegeben hatte, waren jetzt nutzlos.
Eine trübsinnige Gesellschaft waren sie in dieser Nacht, und ihre Stimmung wurde
in den folgenden Tagen nur noch schlechter.
Sie hatten den verzauberten Fluss überquert, aber hier sah der Weg genauso
verloren aus wie auf der anderen Seite, und der Wald schien unverändert.
Wären sie jedoch vertrauter mit diesem Wald gewesen und hätten die Bedeutung
Jagd und der weißen Tiere, die vor ihnen auf dem Weg aufgetaucht waren, richtig
eingeschätzt, so hätten sie gewusst, dass sie jetzt auf den Ostrand zugingen.
Bald würden sie, wenn sie Mut und Hoffnung behielten, zu dünnstämmigeren
und sonnenbeschienenen Stellen kommen.
Aber sie wussten es nicht, und überdies schleppten sie sich mit dem schweren
Bombur ab, so gut es ging, und zu viert der Reihe nach, während die anderen das
Gepäck aufteilten.
Wenn dies in den letzten Tagen nicht so leicht geworden wäre, hätten sie es nie
geschafft. Doch ein schlummernder, lächelnder Bombur war ein schlechter
für ein Gepäck voll guter Lebensmittel.
auch wenn es noch so schwer sein mochte.
In wenigen Tagen kam dann auch die Zeit, wo es praktisch nichts mehr zu essen
und zu trinken gab.
Im Wald sahen sie ebenfalls nichts Genießbares, nur Pilze und sonderbare
mit fahlen Blättern und von unerfreulichem Geruch.
Etwa vier Tagesmärsche nach dem verzauberten Fluss kamen sie an eine
meist von Buchen bestanden war.
Anfangs waren sie geneigt, erleichtert den Wechsel zu begrüßen, denn hier gab
kein Unterholz und die Schatten waren nicht so tief.
Es herrschte ein grünliches Licht an beiden Seiten des Pfades, aber das Licht
zeigte ihnen nur endlose Reihen von geraden, grauen Stämmen wie Säulen einer
riesigen Halle im Zielicht.
Man spürte einen Lufthauch und das Sausen des Windes, aber es klang
Rasselnd segelten ein paar Blätter herab und erinnerten sie daran, dass es
draußen Herbst werden wollte.
Ihre Füße stöberten durch die Blätter zahlloser anderer Herbstzeiten, Blätter,
die von den tiefen, roten Teppichen des Waldes über den Rand des Pfades trieben.
Bombur schlief immer noch, und sie waren völlig ausgepumpt.
Zuweilen hörten sie ein beunruhigendes Gelächter, zuweilen auch Singen in der
Ferne.
Das Lachen war kein Ork -Gelächter, sondern rührte von hellen Stimmen her,
das Singen war sehr schön, doch es klang unheimlich und fremdartig, und es war
ihnen nicht wohl dabei.
Sie beeilten sich, so rasch es ihre schwachen Kräfte erlaubten, diese Gegend
hinter sich zu lassen.
Zwei Tage später merkten sie, dass der Pfad sich zu neigen begann.
Nicht lange, und sie fanden sich in einem Tal, das fast ganz von einem
Schlag Eichen ausgefüllt war.
»Ist dieser verfluchte Wald immer noch nicht zu Ende ?« fragte Thorin.
»Da muss einmal jemand auf einem Baum klettern und sich umsehen. Am besten, er
nimmt den höchsten Baum, der gleich hier am Weg steht .« Natürlich war mit
diesem Jemand Bilbo gemeint.
Sie wählten ihn, denn wenn der Speer überhaupt Erfolg haben sollte, so musste
den Kopf über die höchsten Kronen erheben können und leicht genug sein,
die obersten und dünnsten Äste ihn trugen.
Der arme Mr. Beutlin hatte sich nie groß im Baumklettern geübt, aber sie hoben
ihn in die unteren Äste einer riesenhaften Eiche, die unmittelbar
wuchs, und dann musste er sich emporarbeiten, so gut er es konnte.
Er bahnte sich seinen Weg durch das verfilzte Astgewehr hindurch und bekam
manchen Zweig ins Auge.
Grün und schwarz schmierten ihn die alte Rinde der größeren Äste ein.
Mehr als einmal rutschte er aus und hielt sich gerade noch im letzten
fest. Aber schließlich, nach einer schrecklichen Anstrengung an einer
schwierigen Stelle, wo es auch nicht einen einzigen passenden Ast zu geben
schien, gelangte er bis nahe an den Wipfel heran.
Während der ganzen Zeit kam es ihm vor, als ob Spinnen in dem Baum hausten, und
er machte sich Sorgen, auf welche Weise er wohl wieder hinunterklettern sollte,
wenn er nicht gerade hinunterfallen wollte.
Schließlich steckte er seinen Kopf durch das Blätterdach, und da sah er die
Spinnen.
Aber es waren nur kleine, von gewöhnlicher Größe, und sie jagten
Schmetterlingen her.
Bilbos Augen wurden vom Licht nahezu geblendet.
Er hörte die Zwerge von tief unten heraufrufen, aber antworten konnte er
Festhalten und blinzeln, das war alles, was er zunächst tun konnte.
Die Sonne schien außerordentlich hell, und es dauerte lange, bis er sich daran
gewöhnt hatte.
Aber danach sah er um sich einen Ozean aus düsterem Grün.
den da und dort eine Brise kräuselte.
Und überall segelten hunderte von Schmetterlingen.
Ich nehme an, es war eine Art Purpur -Schillerfalter, ein Schmetterling, der
Wipfel der Eichenwälder liebt.
Aber diese waren keineswegs purpurn, sondern tief samt schwarz, ohne
Zeichnung.
Bilbo betrachtete lange die Nachtschillerfalter und genoss den Wind
Haaren und im Gesicht.
Aber schließlich erinnerte ihn das Geschrei der Zwerge, die vor Ungeduld
aufstampften, an seine eigentliche Aufgabe.
Es stand nicht gut.
So sehr er sich anstrengte, er konnte kein Ende absehen.
Bäume und Blätter in jeder Richtung.
Sein Herz, das beim Anblick der Sonne und beim Gruß des Windes fröhlich
war, sank ihm in die Hose.
Da gab es nichts, mit dem er die da unten hätte aufmuntern können.
In Wirklichkeit aber, wie ich schon sagte, waren sie nicht mehr weit vom
des Waldes entfernt.
Und wenn Bilbo so viel Orientierungssinn gehabt hätte, zu erkennen, dass ein
Ausguckbaum, obgleich selbst sehr hoch, doch nur im Grund eines breiten Tales
stand, so hätte er gewusst, dass von seinem Wipfel aus ringsum die Bäume wie
den Rändern einer großen Schlüssel sich auftürmten und dass man von hier aus
nicht ermessen konnte, wie groß der Wald wirklich war.
Aber diesen Sinn hatte Bilbo nicht.
und er kletterte voll Verzweiflung hinab.
Er erreichte den Boden verkratzt, erhitzt und elend und konnte im
unten zunächst nichts unterfeiden.
Sein Bericht machte die anderen genauso trübselig und elend, wie er selbst war.
»Der Wald geht nach allen Richtungen hin, endlos weiter. Was sollen wir bloß
tun? Und wozu ist es nütze, einen Hobbit auszuschicken ?« schrien sie, als ob es
seine Schuld wäre.
Sie kümmerten sich keinen Pfifferling um die Schmetterlinge und wurden nur noch
zorniger, als er von der wunderschönen Brise dort oben erzählte, die sie nicht
spüren konnten, weil sie viel zu schwerfällig waren, um hinaufzuklettern.
An diesem Abend aßen sie ihre letzten Krümel, und das erste, was sie am
Morgen spürten, war nagender Hunger, und das nächste, dass es regnete, und dass
hier und dort ein Tropfen schwer auf den Waldboden schlug.
Dieshin wiederum erinnerte sie daran, dass sie vor Durst geradezu ausgebrannt
waren und nichts daran ändern konnten.
Man kann einen schrecklichen Durst nicht dadurch löschen, dass man unter
Rieseneichen steht und auf den Glückszufall eines Regentropfens wartet,
einem auf die Zunge fällt.
Das einzige bisschen Trost kam ganz unerwartet von Bombur.
Er erwachte plötzlich, setzte sich auf und kratzte sich den Kopf.
Er konnte nicht herausfinden, wo er war, noch warum er solchen Hunger hatte.
Er hatte alles vergessen, was seit jenem Maimorgen vor langer Zeit geschehen
war, als sie ihre Reise begonnen hatten.
Das Letzte, an das er sich erinnerte, war die Gesellschaft im Haus des
Sie hatten große Schwierigkeiten, ihm die ganze Reisegeschichte mit all den
unglaublichen Abenteuern begreiflich zu machen.
Als er hörte, dass es nichts zu essen gab, setzte er sich hin und weinte, denn
er fühlte sich schwach und wackelig in den Knien.
»Warum bin ich überhaupt erwacht ?« rief er. »Ich hatte solch wunderschöne
Träume. Mir träumte, ich ginge in einem Wald, der ganz ähnlich aussah wie
dieser, spazieren.
Nur war er durch Fackeln an den Bäumen erleuchtet.
Von Lampen, die von den Ästen herabhingen, und von Feuern, die auf dem
brannten. Ein großes Fest wurde da gefeiert und nahm überhaupt kein Ende.
Ein Waldlandkönig saß dort mit einer Blattkrone, es wurde fröhlich gesungen,
ich könnte die Herrlichkeiten weder zählen noch beschreiben, die es da zu
und zu trinken gab.
»Ihr braucht es gar nicht erst zu versuchen«, sagte Thorin, »wirklich,
nichts anderes erzählen könnt, dann seid besser still .« Wir hatten sowieso
schon genug Scherereien mit euch.
Wärt ihr jetzt nicht aufgewacht, so hätten wir euch mit euren idiotischen
Träumen im Wald liegen gelassen.
Es macht kein Vergnügen, euch nach Wochen spärlichster Ernährung spazieren
tragen.
Es blieb nichts anderes übrig.
Die Gürtel mussten fester um die leeren Mägen geschnallt werden, die leeren
Säcke und das Gepäck wurden geschultert, und dann stolperten sie weiter den Pfad
entlang.
Sie hatten wenig Hoffnung, das Ende zu erreichen, ehe sie sich hinlegen und den
Hungertod sterben mussten.
So gingen sie noch den ganzen Tag, langsam und mühsam, während Bombur
seine Beine würden ihn nicht mehr tragen, und er wünschte bloß, sich
und schlafen zu können.
»Nein, das kommt nicht in Frage«, sagten sie, »lasst eure Beine auch ihr
Päckchen schleppen, wir haben euch lange genug getragen .« Wie dem auch sei,
Plötzlich weigerte er sich, auch nur einen Schritt weiter zu gehen, und warf
sich auf den Boden.
»Geht weiter, wenn ihr Lust habt«, sagte er, »ich für meinen Teil ziehe es vor,
hier zu liegen, zu schlafen und vom Essen zu träumen, wenn ich es nicht
haben kann.
Ich hoffe bloß, dass ich nie wieder aufwache .« Gerade in diesem Augenblick
Balin, der ein bisschen voraus war, »Was war denn das?
Mir kam es vor, als schimmerte da ein Licht aus dem Wald .«
Sie strengten ihre Augen an, und es schien ihnen, als ob sie ein gutes Stück
entfernt etwas Rotes in der Dunkelheit schimmern sehen.
Und dann blinkten immer mehr Lichter daneben auf.
Selbst Bombur erhob sich, und sie rannten darauf zu, ohne sich darum zu
ob dort am Ende Trolle oder Orks auf sie warteten.
Die Lichter waren gerade vor ihnen links vom Weg, und als sie auf deren Höhe
gekommen waren, sahen sie deutlich Fackeln und Feuer unter den Bäumen
Jedoch ein gutes Stück weg von ihrem Pfad.
»Das sieht ja aus, als ob meine Träume Wahrheit würden ,« sagte Bombur, der
schnaufend herankam.
Er wollte geradewegs in den Wald hinein und auf die Lichter zugehen, aber die
anderen erinnerten sich nur allzu gut an die Warnung Gandalfs und Beons.
»Ein Fest würde nichts Gutes bedeuten, wenn wir lebendig nicht wieder
zurückkommen könnten ,« sagte Thorin.
»Aber ohne Fest werden wir auch nicht am Leben bleiben ,« antwortete Bombur, und
Bilbo stimmte ihm herzlich bei.
So splitten sie eine lange Weile vorwärts und rückwärts, bis sie
übereinkamen, ein paar Späher loszuschicken, die sich an die Lichter
und mehr darüber herausfinden sollten.
Aber sie kamen nicht überein, wer geschickt werden sollte.
Keiner war gerade scharf darauf, verloren zu gehen und seine Freunde nie
wiederzufinden.
Am Ende hatte trotz aller Warnungen der Hunger das letzte Wort, denn Bombur fuhr
fort, all die guten Sachen zu beschreiben, die dort seinem Traum
Waldfest verspeist wurden.
So verließen alle den Pfad und stürzten sich gemeinsam in den Wald.
Nachdem sie ein ganzes Stück gekrochen und geschlichen waren, fielten sie um
Baumstämme herum und gewahrten eine Listung, wo einige gefällte Bäume lagen
der Grund geebnet war.
Viel Volk gab es dort, das nach Elben ausschaute.
Alles war grün und braun gekleidet, und man saß im Kreis auf zurechtgesägten
Klötzen.
Ein Feuer brannte in der Mitte, Fackeln waren rings an den Bäumen befestigt.
Aber der schönste Anblick war doch, dass alles aß und trank und lustig lachte.
Der Duft des gerösteten Fleisches war so wunderbar, dass keiner die Meinung der
anderen abwartete.
Alle standen gleichzeitig auf und stolperten auf den Kreis zu, mit dem
Gedanken, etwas Essbares zu erbetteln.
Doch kaum hatte der Erste die Lichtung betreten, als mit einem Schlag, wie
Zauberei, die Lichter verlöschten.
Jemand trat hastig das Feuer aus, und es schoss wie Raketen in glühenden Funken
auf und verzischte.
Vollständige Dunkelheit umgab sie.
Keiner konnte den anderen finden.
Jedenfalls dauerte es geraume Zeit.
Wie irre tappten sie in der Finsternis umher, fielen über Stämme, stießen mit
Getöse gegen Bäume, schrien und machten ein Spektakel, das auf Meilen alles im
Wald wach geworden sein musste.
Am Ende hatten sie es aber geschafft.
Sie fanden wieder zu einem Haufen zusammen und zählten sich mühsam, indem
einander abtasteten.
Inzwischen hatten sie natürlich ganz und gar vergessen, in welcher Richtung ihr
Pfad lag.
und so waren sie hoffnungslos verloren, zumindest bis zum Morgen.
Es blieb nichts anderes übrig, sie mußten sich, wo sie gerade waren, für
Nacht einrichten.
Sie wagten es nicht einmal, auf dem Boden nach Krümeln zu suchen, aus
einander wieder zu verlieren.
Aber sie hatten sich noch nicht lange hingelegt, Bilbo wurde gerade erst
schläfrig, als Dori, der die erste Wache hatte, aufgeregt flüsterte,
»Die Lichter kommen wieder heraus, da, mehr als vorhin .« Da sprangen sie alle
zugleich auf die Füße.
Ja, ganz sicher, nicht weit weg waren Massen funkelnder Lichter zu sehen. Sie
hörten ganz klar Stimmen und Lachen.
Langsam krochen sie einer hinter dem anderen darauf zu, jeder hielt sich am
Rockschutz des Vordermannes fest.
Als sie näher kamen, sprach Thorin, »Diesmal kein Driffluchtstürzen .«
darf aus dem Versteck, ehe ich es sage.
Ich werde Mr. Beutel ihn allein vorschicken, damit er mit Ihnen reden
Vor ihm werden Sie sich nicht fürchten .« »Aber ich mich vielleicht vor Ihnen
dachte Bilbo.
»Jedenfalls hoffe ich, dass Sie ihm nichts antun .« Als sie an den Rand des
Lichtkreises kamen, stiefen sie hinterrücks den armen Bilbo nach vorn.
Noch ehe er Zeit fand, seinen Ring anzuziehen, stolperte er mitten in den
der Feuer und Fackeln.
Das war schlecht.
Die Lichter verloschen wie beim ersten Mal und völlige Finsternis stürzte
Wenn sie vor dem unter Schwierigkeit einander wiederfinden konnten, so war es
diesmal viel schlimmer.
Und den Hobbit konnten sie überhaupt nicht finden.
Jedes Mal, wenn sie abzählten, kamen sie bloß auf 13.
Sie schrien und riefen, »Bilbo Beutlin! Hobbit! Zum Henker mit ihm !« »Hey,
Hobbit, verflucht, wo steckt ihr bloß ?« Aber es kam keine Antwort.
Sie wollten gerade alle Hoffnung aufgeben, als Dori aus purem Glück über
stolperte.
In der Dunkelheit schlug er längelang hin über etwas, das er für einen
hielt.
Aber dann fand er, dass es der Hobbit war, zusammengerollt wie ein Kater und
tiefem Schlaf.
Es war nicht einfach, ihn wach zu bekommen.
Und als er wach war, war er gar nicht entzückt davon.
»Ich hatte solch einen hübschen Traum«, brummte er, »und darin kam die
allerprächtigste Mahlzeit vor .« »Guter Himmel, es geht ihm wie Bombur«, sagten
sie, »erzählt uns nichts von Träumen, Traumessen, Taugen, nichts, und für uns
fällt sowieso nichts ab dabei .« »Sie sind das Beste, was ich an diesem
grausligen Platz bekommen kann«, murmelte Bilbo, als er sich neben den
niederlegte. und seinen Schlaf und seinen Traum wiederzufinden suchte.
Aber es waren nicht die letzten Lichter im Wald.
Später, als es schon sehr tief in der Nacht, vielleicht schon gegen Morgen
mochte, kam Kili, der die Wache hatte, weckte alle und flüsterte, »Eine
Lichterglut ist dort vorn, gar nicht weit weg, hunderte von Wackeln und viele
Feuer, als ob sie durch Zauberei angezündet worden wären.
Hört bloß das Singen und die Hafen .«
Nachdem sie eine Weile gelegen und gelauscht hatten, merkten sie, dass sie
einfach nicht widerstehen konnten.
Sie mussten näher herangehen und versuchen, Hilfe zu erlangen.
Sie standen auf.
Und diesmal war das Ergebnis vernichtend. Das Fest, das sie
größer und prächtiger als die vorhergehenden.
Zu Häupten einer langen Reihe von Festgästen saß ein Waldlandkönig mit
Blattkrone im goldenen Haar.
genau wie Bombur die Gestalt aus meinem Traum beschrieben hatte.
Das Elbenvolk reichte Humpen von Hand zu Hand und über die Feuer hinweg.
Einige spielten Harfe und viele sangen.
In ihr schimmerndes Haar waren Blumen gewunden.
Grüne und weiße Edelsteine blitzten hell an ihren Kragen und Gürteln.
Gesichter und Lieder strahlten Frohsinn aus.
Laut und klar klangen ihre Lieder in die Nacht.
Da trat Thorin in ihre Mitte.
Plötzlich wurde es totenstill, alle Lichter verlöschten.
Die Feuer gingen in schwarze Rauchschwaden auf.
Asche und Ruß wehten den Zwergen in die Augen, und aufs Neue schallte der Wald
von ihrem Klagen und Geschrei wieder.
Bilbo rannte immerzu im Kreis herum, vielmehr dachte er das, und rief
unaufhörlich, »Dori, Nori, Ori, Oin, Gloin, Fili, Kili, Bombor, Bifur, Bofur,
Dvalin, Balin, Torin, Eichenschild !« Während andere, die er weder sehen noch
fühlen konnte, genau das Gleiche ringsum ihn taten, mit einem gelegentlichen
»Bilbo« dazwischen.
Aber das Geschrei der anderen trieb immer weiter davon, wurde schwächer, und
nach einer Weile Sophines Bilbo wurden gellende Hilfeschreier daraus.
Das geschah jedoch schon aus großer Entfernung.
Der Lärm erstarb schließlich ganz.
Bilbo blieb allein in der regungslosen Dunkelheit zurück.
Es war einer der schlimmsten Augenblicke für Bilbo.
Aber nach einer Weile sagte er sich, dass es unsinnig sei, irgendwas zu
unternehmen, ehe der Tag kam und mit ihm ein bisschen Helligkeit und dass es
ganz falsch wäre, jetzt umherzutappen, sich müde zu machen und das obendrein
ohne Hoffnung auf ein gutes Frühstück.
So setzte er sich mit dem Rücken an einen Baum und nicht zum letzten Mal
wanderten seine Gedanken zu der weit entfernten Hobbit -Höhle mit ihren
wunderbaren Speisekammern zurück.
Er war tief in Gedanken an Speck und Eier, geröstetes Brot und Butter
als er etwas seine Haut berühren fühlte.
Es war wie ein starker, klebrig -zähler Strick, der sich quer über die linke
Hand zog.
Und als er sich bewegen wollte, fand er, dass seine Beine schon von demselben
Zeug eingeschnürt waren.
So war er noch nicht ganz aufgesprungen und lag schon auf der Nase.
In diesem Augenblick kam die Riesenspinne, die, während er vor sich
ihn geschäftig eingewoben hatte, von hinten heran und warf sich auf ihn.
Bilbo konnte nur ihre Augen sehen, aber er fühlte ihre haarigen Beine, die sich
damit abrackerten, die entsetzlichen Fäden um ihn herumzuwickeln.
Welch ein Glück, dass er noch rechtzeitig zu Verstand gekommen war.
Bald hätte er sich überhaupt nicht mehr rühren können.
Er musste, wie die Dinge standen, verzweifelt kämpfen, bevor er freikam.
Er schlug das Tier zuerst einmal mit den Fäusten ab, denn es versuchte, ihn zu
vergiften, damit er stillhielt, wie es die kleinen Spinnen mit Fliegen machen.
Aber dann erinnerte Bilbo sich an sein Schwert, und er riss es aus der Feide.
Die Spinne sprang zurück, und er fand Zeit, seine Beine zu befreien.
Danach war die Reihe an ihm anzugreifen.
Die Spinne war augenscheinlich nicht mit Wesen vertraut, die solch einen Stachel
an der Seite trugen, sonst würde sie rascher zurückgesprungen sein.
Bilbo kam ihr zuvor, ehe sie ausweichen konnte, und ertraf sie mit seinem
Schwert mitten zwischen die Augen.
Da wurde sie irre und sprang und tanzte und warf ihre Beine in schrecklichen
Zuckungen, bis Bilbo sie mit einem zweiten Streich tötete.
Doch dann stürzte Bilbo selbst von über und erinnerte sich für eine lange Weile
an nichts mehr.
Als er wieder zu sich kam, herrschte um ihm das gewöhnliche düstergraue Licht
des Waldtages.
Die Spinne lag tot neben ihm, und seine Schwertklinge war schwarz gefleckt.
Aber irgendwie hatte der Tod der Riesenspinne, die er in der Finsternis
allein, ohne die Hilfe des Zauberers oder der Zwerge besiegt hatte, aus Mr.
Beutlin einen anderen Hobbit gemacht.
Er spürte, dass er ein anderer geworden war, wilder und kühner, trotz eines
leeren Magens.
Sein Schwert wischte er am Gras ab und steckte es zurück in die Scheide.
»Ich will dir einen Namen geben«, sagte Bilbo zu seinem Schwert.
»Du sollst Stachel heißen .« Dann machte er einen Erkundungsstreifzug.
Der Wald war stumm und grimmig.
Bilbo musste zuallererst einmal seine Freunde suchen, die wahrscheinlich nicht
weit waren, falls sie nicht von den Elben oder von schlimmeren Wesen
worden waren.
Bilbo spürte, dass es gefährlich war, zu rufen, und überlegte eine lange Zeit,
in welcher Richtung wohl der Pfad lag und in welcher Richtung er zuerst nach
Zwergen fahnden sollte.
»Oh, warum erinnern wir uns nicht an Beons und Gandalfs Rat ?« klagte er,
stecken wir in der Klemme.
Ich wünschte bloß, wir wären zusammen, denn es ist furchtbar, ganz allein zu
sein .« Am Ende legte er sich, so gut es ging, die Richtung zurecht, aus der in
der Nacht die Hilferufe gekommen waren, und mit gutem Glück, er hatte schon von
Geburt her eine ordentliche Portion davon, riet er mehr oder weniger
wie ihr gleich sehen werdet.
Nachdem er sich also entschieden hatte, schlich er mit äußerster Vorsicht los.
Hobbits verstehen sich besonders in Wäldern auf lautloses Pirschen, wie ich
schon gesagt habe.
Außerdem hatte Bilbo, ehe er aufbrach, den Ring an den Finger gesteckt, und
deshalb konnten die Spinnen ihn weder sehen noch kommen hören.
In aller Heimlichkeit hatte er schon ein Stück Wegs hinter sich gebracht, als er
voraus einen dichten schwarzen Fleck ausmachte, pechschwarz, selbst in diesem
Wald noch wie ein Streif Mitternacht, den der Tag nicht aufhellen konnte.
Als er näher herankam, sah er, dass die Schwärze von Spinnweben herrührte, eine
dicht hinter und über der anderen.
Und plötzlich sah er auch die riesigen, schrecklichen Spinnen dort in den
Zweigen über ihm hocken und ring hin und ring her.
Er zitterte vor Angst, dass sie ihn entdecken könnten.
Hinter einem Baum stehend beobachtete er eine Zeit lang eine Gruppe von Spinnen
und in der lautlosen Stille des Waldes entdeckte er, dass diese widerwärtigen
Geschöpfe miteinander sprachen.
Ihre Stimmen klangen wie ein Knirschen und Zischen, aber Bilbo konnte vieles,
was sie sagten, aufschnappen.
Sie sprachen über die Zwerge.
»Das war ein scharfer Kampf, aber er war die Sache wert«, sagte
eine. »Sie haben ohne Frage ein ekelhaft dickes Fell .« Aber ich wette, es ist
innen ein guter Saft drin.
Na, die schmecken gut, wenn sie ein bisschen abgehangen sind, bemerkte eine
andere.
Lasst sie nicht zu lange hängen, fügte eine dritte hinzu.
Sie sind nicht so nett, wie sie sein sollten. Ich glaube, sie haben in
Zeit nicht gut genug zu fressen bekommen.
Tötet sie!
»Sag ich euch«, zischte eine vierte, »tötet sie gleich und hängt sie danach
eine Weile auf .« »Die sind jetzt garantiert tot«, fing die erste wieder
»Das sind sie nicht. Ich sah den einen eben auch strampeln. Sie kommen gerade
sich, würde ich sagen, nach einem wunderbaren Schlaf.
Ich werde es euch zeigen .«
Damit rannte die fette Spinne ein Tau entlang, bis sie zu einem Dutzend
gelangte.
Sie hingen in einer Reihe von einem hohen Ast herab.
Bilbo war entsetzt, als er sie so zum ersten Mal in Dämmerschatten baumeln
Aus manchen Bündeln ragte ein Zwergenfuß heraus, oder hier und da kam eine
Nasenspitze, ein Entchenbarz oder der Zipfel einer Kapuze zum Vorschein.
Die Spinne rannte zum dicksten Paket.
»Ich wette, es ist der arme alte Bombur«, dachte Bilbo und zwickte fest
herausragende Nase.
Ein unterdrückter Schrei drang aus dem Bündel, ein Fuß zuckte und trat der
Spinne hart in den Bauch.
Es war also noch Leben in Bombur.
Der Tritt klang, als ob einer einen schlaffen Fußball getreten hätte, und
wütende Spinne fiel vom Zweig herab, konnte sich jedoch gerade noch
mit ihrem eigenen Faden fangen.
Die anderen lachten.
»Du hast vollkommen recht«, riefen sie, »das Fleisch lebt noch und kalt aus .«
»Dem werde ich gleich ein Ende machen«, zischte die Spinne und kletterte auf
den Ast zurück.
Bilbo erkannte, dass jetzt der Augenblick gekommen war, da er etwas
musste. Er konnte nicht zu den Bestien hinaufgelangen und zum Schießen hatte er
auch nichts bei sich.
Aber als er sich umschaute, sah er zahlreiche Steine in einer Mulde liegen,
nach einem ausgetrockneten kleinen Wasserlauf aussah.
Bilbo war ein ausgezeichneter Kieselsteinschütze und es dauerte nicht
hatte er einen hübschen, glatten, eirunden Kiesel gefunden, der angenehm
Hand lag.
Als Junge war er ganz eingefuchst auf das Steinewerfen, sodass Kaninchen und
Eichhörnchen, ja Vögel sogar, schnell wie ein Blitz ihm aus dem Weg wischten,
wenn er sich bloß bückte.
Und selbst als Erwachsener hatte er einen guten Teil seiner Zeit mit
Scheibenwerfen, Wurfbolzen, Herzensschießen, Kegelschieben und
Spielen zugebracht, bei denen es ums Zielen und ums Werfen geht.
Wirklich, er konnte allerhand mehr als Rauchringe blasen, Rätsel raten, und
kochen, allerhand das aufzuzählen, ich bisher einfach noch nicht die Zeit
gefunden habe.
Und auch jetzt bleibt keine Zeit dazu.
Während er Steine auflas, hatte die Spinne Bombur erreicht, dem das letzte
Stündlein geschlagen hatte.
Im selben Augenblick aber warf Bilbo.
Der Stein klug der Spinne platt auf den Kopf, und sie fiel bewusstlos vom Baum,
patschte auf die Erde, und all ihre Beine waren ineinander verwickelt.
Der nächste Stein pfiff durch ein dickes Netz, zerriss die Fäden und traf die
Spinne, die in der Mitte saß.
Ein Schlag, und sie war tot.
Aber dann gab es Aufruhr in der Spinnenkolonie, das kann ich euch
die Zwerge wurden darüber fast vergessen.
Den Hobbit konnten die Spinnen zwar nicht sehen, aber sie erfassten sehr gut
Richtung, aus der die Steine kamen.
Blitzschnell rannten und schwangen sie sich auf Bilbo zu, wobei sie ihre Fäden
nach allen Seiten auswarfen, bis die Luft von fliegenden Schlingen erfüllt
schien.
Bilbo jedoch entschlüpfte zu einem anderen Platz.
Es kam ihm der Gedanke, dass er die wütenden Spinnen weiter weg von den
locken sollte, soweit er konnte.
Er musste sie neugierig, rasend und verrückt machen.
Als etwa fünfzig an der Stelle angekommen waren, wo er eben noch
hatte, warf er ein paar weitere Steine nach ihnen, und auch auf andere, die im
Hintergrund geblieben waren.
Dann tanzte er um die Bäume und fing an, ein Lied zu singen, das sie aufbringen
und ihm alle auf den Hals laden sollte.
Und auch die Zwerge sollten seine Stimme hören.
Und so sang Bilbo, »Alte fette Spinne, spinn dich ein im Baum!
Alte fette Spinne, sieh mich nicht im Traum!
Attakopp, Attakopp, hast du keinen Faden, fällst du aus dem Baum !« »Alte
Tratsche, schiel nicht um den Ast!
Alte faule Tratsche, hättest du mich gefasst !« »Attakopp, Attakopp, willst
mich erwischen? Fällst ja schon vom Ast !« Das war vielleicht nicht besonders
schön, aber schließlich müsst ihr bedenken, dass er ganz allein dichtete
noch dazu in einem sehr unangenehmen Augenblick.
Indessen, er erreichte, was er wollte.
Er sang und stampfte und warf noch ein paar weitere Steine.
Da waren praktisch fast alle Spinnen hinter ihm her.
Einige ließen sich gleich auf den Boden fallen, andere rasten die Äste entlang,
schwangen sich von Baum zu Baum oder warfen neue Fangleinen in die dunklen
Zwischenräume.
Viel schneller, als Bilbo erwartet hatte, kamen sie auf seinen Radau heran.
Sie waren schrecklich wütend.
Ganz abgesehen von den Steinen, hat keine Spinne es gern, wenn sie Attakopp
genannt wird.
Und faule Tratsche ist natürlich eine Beleidigung, die sich niemand gefallen
lässt.
Bilbo hastete zu einem anderen Platz.
Aber mehrere Spinnen waren zu allen erdenklichen Stellen der Lichtung
in der sie hausten, und spannten eifrig kreuz und quer Sperren zwischen die
Baumstämme.
Sehr bald würde der Hobbit in ein undurchdringliches Netz geraten. Das war
jedenfalls die Absicht.
Bilbo stand in der Mitte der umherjagenden und spinnenden
Er nahm seinen ganzen Mut zusammen und sang ein neues Lied.
»Die ganze lahme Lümmelei wirft Netze aus, mich zu fangen.
Einen besseren Braten findet ihr nicht, doch müsst ihr mich erst erlangen.
Reißt doch die blöden Augen auf, ihr fetten und faulen Gesellen, doch wer
fixen Kerl fangen will, muss es geschickter anstellen .«
Und damit wandte er sich um und fand, dass der letzte Durchlass zwischen zwei
hohen Stämmen von einem Netz verschlossen war, aber glücklicherweise
einem richtigen Netz, sondern bloß von einigen mächtigen, strengen, doppelten
Spinnengarns, das übereilt vorwärts und rückwärts von Stamm zu Stamm geschlungen
war.
Da riss er sein Schwert heraus.
Er schlug die Stricke in zwei und rannte singend davon.
Die Spinnen sahen das Schwert.
Obgleich ich vermute, dass sie nicht wussten, was es war.
Und dann kam die ganze Gesellschaft auf dem Boden und in den Ästen hinter dem
Hobbit hergerast.
Haarige, zuckende Beine, Beisscheren und schnappende Spinnenmäuler, Augen, die
vor schäumender Wut brannten.
Sie folgten ihm in den Wald, so tief Bilbo es eben wagte.
Dann stahl er sich stiller als eine Maus zurück.
Sein bisschen Zeit war kostbar, das wusste er.
Wenn den Spinnen die Jagd verleidet war, würden sie zu ihren Bäumen, in denen
die Zwerge hingen, zurückkehren.
In dieser kurzen Spanne musste er sie retten.
Der schlimmste Teil der Aufgabe war, auf den langen Ast zu kommen, von dem die
Bündel herunterbaumelten.
Ich glaube nicht, dass er es geschafft hätte, wenn nicht eine Spinne
glücklicherweise im Baum ein Seil hätte hängen lassen.
Obwohl es an Bilbros Hand klebte und ins Fleisch riss, kletterte er mit seiner
Hilfe hinauf, um einer alten, verschlagenen, feisten Wachspinne in die
laufen, die bei den Gefangenen zurückgeblieben war.
Sie war eifrig dabei, sie zu zwicken, um festzustellen, wer wohl der Saftigste
wäre.
Sie hatte schon vor, das Festmahl zu beginnen, während die anderen noch
umherjagten.
Aber Mr. Beutlin hatte es eilig, und ehe die Spinne begriff, was geschah, fühlte
sie Bilbos Stachel und rollte tot vom Ast.
Bilbos nächste Aufgabe war es, einen der Zwerge zu befreien.
Aber wie sollte er das anstellen?
Wenn er den Aufhänger durchschnitt, würde der arme Kerl, patsch, auf die
bumsen, und die Erde war ein gutes Stück tiefer.
Er schob sich also den Ast entlang, was die bejammernswerten Zwerge wie reifes
Obst tanzen und baumeln ließ, und erreichte das erste Bündel.
Fili oder Kili, dachte er beim Anblick der blauen Kapuze, die oben ein wenig
herausschaute. »Sieht mehr nach Fili aus«, dachte er dann, als er eine lange
Nase aus der Verschnürung ragen sah.
Indem er sich tief vorbeugte, glückte es Bilbo, die meisten der starken,
klebrigen Stricke, mit denen das Opfer eingespult war, zu zerschneiden.
Und dann kam in der Tat mit Treten und Gestrampel Fili zum Vorschein.
Ich fürchte, Bilbo musste bei seinem Anblick lachen.
Denn Fili, der mit seinen steifen Armen und Beinen ruderte, tanzte mit den
Spinnenseilen unter den Achselhöhlen genau wie eines jener lustigen
umher, die man an einer Strippe hopsen lässt.
Jedenfalls wurde Fili auf den Ast gezogen, und dann tat er sein Bestes, um
zu helfen, obgleich er sich sehr elend fühlte und krank vom Spinnengift war.
Eine halbe Nacht und den ganzen nächsten Tag hatte er fest verschnürt hängen
müssen und nur die Nase zum Atmen frei gehabt.
Es dauerte sehr lange, bis er das widerliche Klebzeug von Augen und Brauen
war, und was seinen Bart anging, so musste er den größten Teil abschneiden.
Unterdessen fingen sie an, zuerst einen, dann einen weiteren Zwerg hochzuziehen
und freizusäbeln.
Keinem ging es besser als Phili, und manchem ging es schlechter.
Einige waren kaum in der Lage gewesen, richtig zu atmen.
Wie man sieht, sind lange Nasen manchmal doch sehr nützlich.
Und andere wieder waren stärker vergiftet worden.
Auf diese Weise retteten sie Kili, Bifur, Bofur, Dori und Nuri.
Der arme alte Bombur war so erschöpft, er war als fettester Brocken immerzu
gekniffen und geknufft worden, dass er vom Ast herunterrollte und mit einem
Plumpf auf die Erde fiel.
Glücklicherweise auf dürres Laub.
Da lag er also.
Aber es hingen noch immer fünf Zwerge am Ende des Astes, als die ersten Spinnen
zurückkamen und noch viel wütender waren als vor dem.
Bilbo lief gleich zum Astansatz und schlug alle zurück, die heraufgekabelt
kamen. Als er Fili rettete, hatte er seinen Ring abgenommen und vergessen,
wieder anzustecken.
Da zischten und sprudelten sie auch schon los.
»Jetzt sehen wir dich, du widerliches kleines Geschöpf. Wir fressen dich und
lassen bloß noch Haut und Knochen im Baum hängen.
Auf, er hat einen Stachel.
Na warte, wir fassen ihn doch.
Dann wird er einen Tag oder zwei mit dem Kopf nach unten hängen .« Während dies
geschah, beschäftigten sich die Zwerge mit dem Rest der Gefangenen und
zerschnitten die Stricke mit ihren Messern.
Bald waren alle frei, obgleich es durchaus nicht klar war, was jetzt
würde. Die Spinnen hatten sie zwar ohne große Mühe in der vergangenen Nacht
überwältigt, aber die Zwerge waren nicht darauf gefasst gewesen, und es war
finster.
Diesmal jedoch sah es nach einem entsetzlichen Kampf aus.
Plötzlich bemerkte Bilbo, dass einige Spinnen sich um den armen Bombur dort
unten gescharrt hatten, ihn wieder fesselten und dabei waren, ihn
wegzuschleppen.
Bilbo stieß einen Schrei aus und schlug auf die Spinnen vor ihm ein.
Sie machten Platz, und er stolperte und stürzte den Baum hinunter, mitten in den
Haufen unten auf der Erde hinein.
Sein kleines Schwert war für sie ein ganz neuartiger Stachel, wie er hin und
zuckte. Er glänzte vor Entzücken, wenn er zustach.
Ein halbes Dutzend brachte er so zur Strecke, ehe der Rest sich zurückzog und
den armen Bombur, dem Hobbit, überließ.
»Runter !« »Kommt herunter !« rief er den Zwergen auf dem Ast zu.
»Bleibt nicht da oben! Ihr werdet eingesponnen !« Denn er sah ringsum an
Nachbarbäumen Spinnen emporkriechen und die Äste über den Zwergen entlanglaufen.
Da kamen die Zwerge auch schon herab, kletternd, springend, plumpfend, elf auf
einen Haufen, und die meisten waren noch ganz schwindelig und konnten ihre Beine
kaum gebrauchen.
Da waren sie also, zwölf an der Zahl, wenn man Bombur einrechnete, der auf der
einen Seite von seinem Vetter Bifur, an der anderen von seinem Bruder Bofur
gestützt wurde.
Und Bilbo tanzte um sie herum und zwang seinen Stachel.
Hunderte von wütenden Spinnen glotzten sie von allen Seiten an.
Es sah ziemlich hoffnungslos aus.
Dann begann die Flacht.
Einige Zwerge hatten Messer, andere Knüppel, und alle konnten sich Steine
verschaffen.
Bilbo aber hatte seinen Elbendolch.
Immer aufs Neue schlugen sie die Spinnen ab und viele Angreifer wurden getötet.
Aber lang konnte es so nicht weitergehen.
Bilbo war fast gänzlich ausgepumpt.
Fest auf den Beinen standen sowieso nur vier von den Zwergen und bald würden sie
alle wie müde Fliegen überwältigt werden.
Schon webten die Spinnen ihre Fangnetze rund um sie von Baum zu Baum.
Am Ende fiel Bilbo kein anderer Plan ein, als die Zwerge in das Geheimnis des
Ringes einzuweihen.
Es gefiel ihm gar nicht, aber etwas anderes blieb ihm nicht übrig.
»Ich verschwinde jetzt«, sagte er, »ich ziehe die Spinnen hinter mir her, wenn
ich kann, und ihr müsst zusammenbleiben und euch in der entgegengesetzten
Richtung davon machen.
Hier links, das ist etwa die Seite, wo wir zuletzt die Elbenfeuer sahen .«
Es war gar nicht einfach, ihnen all das in ihre schwindlichen Köpfe
einzutrichtern, während das Geschrei in den Ohren dröhnte, die Knüppelschläge
prasselten und die Steine surrten.
Aber schließlich merkte Bilbo, dass er nicht länger zögern durfte.
Die Spinnen zogen ihren Kreis immer enger.
Rasch steckte er den Ring an, und zum größten Erstaunen der Zwerge verschwand
er.
Bald hörte man von rechts unter den Bäumen das Lied von den lahmen Lümmeln,
das andere vom Atterkopp.
Das brachte die Spinnen ganz durcheinander.
Sie stellten den Angriff ein, und einige rannten der Stimme nach.
Atterkopp machte sie so böse, dass sie ihren Verstand verloren.
Dann führte Balin, der Bilbusplan besser als die anderen begriffen hatte, einen
Angriff.
Die Zwerge drängten sich zu einem Haufen zusammen, und mit einem wahren
Hagelschauer von Steinen trieben sie die Spinnen nach links und brachen durch
den Ring.
Hinter ihnen hörte plötzlich das Schreien und Singen auf.
Mit der verzweifelten Hoffnung, dass sich Bilbo bloß nicht einfangen ließ,
rannten sie weiter, aber keinesfalls schnell genug.
Sie waren krank und todmüde, und ihr Laufen war nur noch ein Gehinke und
Gehumpel, obgleich die Spinnen dicht hinter ihnen her waren.
Dann und wann mussten sie sich stellen und die Viecher abschlagen, die sie
eingeholt hatten, und schon waren einige Spinnen in den Bäumen über ihnen und
warfen ihre langen Klammerseile herab.
Es sah sehr ungemütlich für sie aus, als plötzlich Bilbo auftauchte und sich von
der Seite her unerwartet in die überraschten Spinnen stürzte.
»Lauf zu!
Lauf zu !« rief er. »Überlass mir die Säbelei !« Und dann fing er an. Er stach
vorwärts und rückwärts.
Durchschnitt die Fäden der Spinnen, hackte nach ihren Beinen und stach nach
ihren fetten Bäuchen, wenn sie ihm zu nahe kamen.
Die Spinnen schwollen vor Wut, geiferten und schäumten und zischten entsetzliche
Flüche über ihn, aber sie hatten tödliche Angst vor dem zurückgekehrten
und wagten nicht, in seine Nähe zu kommen.
Sie mochten fluchen, so viel sie wollten.
Ihre Beute zog langsam, aber stetig davon.
Es war schrecklich mühevoll und dauerte, so schien es, viele Stunden.
Aber am Ende, gerade als Bilbo spürte, dass er seine Hand auch nicht zu einem
einzigen Streich mehr heben konnte, gaben die Spinnen auf, folgten ihnen
mehr, sondern zogen sich enttäuscht in ihren düsteren Winkel zurück.
Da merkten die Zwerge, dass sie an den Rand eines jener Ringe gelangt waren, in
denen Elbenfeuer gebrannt hatten.
Ob es jedoch eines der Feuer war, das sie in der vergangenen Nacht gesehen
hatten, das konnten sie nicht sagen.
Aber es schien, als ob ein freundlicher Zauber an solchen Plätzen wohnte, den
die Spinnen nicht mochten.
Jedenfalls war das Licht hier frischer Grün, das Laubdach weniger dicht und
bedrohlich, und sie hatten endlich die Möglichkeit, zu rasten und Atem zu
schöpfen.
Da lagen sie nun, schnauften und atmeten schwer.
Aber bald ging die Fragerei los.
Sie wollten die Geschichte mit dem Unsichtbarwerden ganz genau erklärt
und der gefundene Ring beschäftigte sie so sehr, dass sie für eine Weile ihre
eigenen Sorgen vergaßen.
Besonders Barlin bestand darauf, die Gollum -Geschichte ausführlich neben
sämtlichen Rätseln immer und immer noch einmal zu hören, und vor allem das, was
den Ring betraf.
Aber die Zeit verging, das Licht wurde schwächer, Und dann wurden ganz andere
Fragen gestellt.
Wo waren sie nur?
Wo war der Pfad?
Wo gab es etwas zu essen?
Und was sollten sie als nächstes unternehmen?
Das fragten sie immer aufs Neue, und es schien, als ob sie von dem kleinen Bilbo
die Antwort erfahren wollten.
Daraus ist zu ersehen, dass sie ihre Meinung über Mr. Beutlin geändert
und er in ihrer Achtung sehr gestiegen war, und anders hatte es Gandalf ja auch
nicht vorausgesagt.
In der Tat, sie vermuteten, dass er sich bereits einen wundervollen Plan
ausgedacht hatte, ihnen zu helfen, und jammerten nicht mehr so viel.
Sie wussten sehr wohl, dass sie bald ihren letzten Puster getan hätten, wenn
Bilbo nicht gewesen wäre, und sie dankten ihm mehr als einmal dafür.
Einige standen sogar auf und verbeugten sich vor ihm bis auf die Erde, obwohl
sie bei dieser Anstrengung von überfielen und eine ganze Weile
mehr auf die Beine kommen konnten.
Dass sie die Wahrheit über sein Verschwinden erfuhren, minderte ihre
Wertschätzung Bilbos in keiner Weise.
Sie sahen, dass er sowohl Verstand als auch Glück hatte und obendrein einen
Zauberring, was allen zusammen sehr nützlich war.
Sie lobten ihn in der Tat so sehr, dass Bilbo schon glaubte, irgendwie müsse
doch wirklich etwas von einem kühnen Abenteurer an ihm sein.
Er würde sich jedoch noch unvergleichlich kühner vorgekommen sein,
etwas zu essen gegeben hätte.
Aber es gab nichts, rein gar nichts, und keiner war überhaupt noch in der Lage,
herumzustöbern oder gar nach dem verlorenen Pfad zu fahnden.
Der verlorene Pfad.
Kein anderer Gedanke wollte mehr in Bilbos müden Kopf kommen.
Er saß und starrte die endlosen Baumreihen vor sich an, und nach einer
wurden sie alle wieder still.
Alle, ausgenommen Balin.
Lange nachdem die anderen aufgehört hatten zu reden und nachdem ihnen die
zugefallen waren, murmelte er noch immer und lachte in sich hinein.
»Gollum, jetzt geht mir ein Licht auf. Er ist an mir vorbeigeschlichen.
Nun ist es mir klar.
Lautlos dahergekrochen, nicht wahr, Mr. Beutlin?
Knöpfe überall auf der Torschwelle.
Guter alter Bilbo!
Bilbo! Bo !« Boah, boah!
Damit schlief er ein, und für eine lange Weile herrschte völliges Schweigen.
Ganz plötzlich öffnete Dvalin ein Auge und blickte sie der Reihe nach an.
Wo ist Thorin?
fragte er.
Sie erschraken furchtbar.
Natürlich, da lagen nur dreizehn, zwölf Zwerge und ein Hobbit.
Wo aber war Thorin?
Sie zerbrachen sich den Kopf, welch böses Verhängnis ihnen widerfahren sein
mochte.
War es Zauberei, oder war er in die Fänge finsterer Ungeheuer geraten?
Schauer liefen ihnen über den Rücken, wie sie so verloren im Wald hockten.
Und als der Abend in schwarze Nacht überging, fiel einer nach dem anderen in
schweren Schlaf voll schauriger Träume.
Darin müssen wir sie jetzt liegen lassen.
Im Übrigen waren sie viel zu krank und zu müde, um Wachen aufzustellen oder
wenigstens der Reihe nach die Augen aufzuhalten.
Turin aber war viel eher als die anderen gefangen worden.
Ihr erinnert euch, wie Bilbo...
einem Baumstamm gleich in tiefen Schlaf gefallen war, als er in den Lichtkreis
der Elben eindrang, als Nezavatorin gefolgt, und als die Lichter verloschen,
stürzte er um wie ein verzauberter Stein.
Aller Lärm der Zwerge, die sich in der Nacht verirrt hatten, alles Geschrei,
sie von den Spinnen gefangen und gefesselt wurden, ja selbst das Getöse
Schlacht am folgenden Tag, war ungehört über ihn hinweggegangen.
Dann waren die Waldelben gekommen, hatten ihn gebunden und fortgetragen.
Die Feiernden waren natürlich Waldelben gewesen, und Waldelben sind alles andere
als ein hinterhältiges Volk.
Wenn sie einen Fehler haben, so ist es ihr ausgesprochenes Misstrauen gegen
Fremde, und obgleich ihr Zauber sehr stark war, blieben sie doch selbst in
Tagen äußerst vorsichtig.
Sie unterschieden sich sehr von den Hochelben des Westens.
Sie waren gefährlicher als diese und auch nicht so weise. Die meisten von
und auch ihre in den Bergen zerstreut liegenden Verwandten stammten von jenen
uralten Stämmen ab, die niemals nach Faerie in den Westen gezogen waren.
Dort lebten die Lichtelben, die Unterirdischen oder Gnomen und die
langer, langer Zeit.
Sie waren schöner, weiser und geschickter geworden.
hatten ihren besonderen Zauber erfunden und ihre Kunstfertigkeit vervollkommnet,
sodass sie schöne und wunderbare Dinge herstellen konnten, ehe sie in die weite
Welt zurückkehrten.
In der weiten Welt hielten sich die Waldelben im Zwielicht auf, das vor dem
Aufgang von Sonne und Mond herrschte.
Danach wanderten sie in den Wäldern umher, die unter dem Sonnenaufgang
heranwuchsen.
Waldsäume von denen sie auf Jagd ziehen oder im Mond und Sternenlicht weit in
das offene Land hinausrennen und reiten konnten, mochten sie besonders gern.
Als die Menschen kamen, zogen sie sich immer mehr in die Dämmerung zurück.
Aber es waren und blieben Elben, und Elben sind gute Wesen.
In einer großen Höhle, einige Meilen vor dem Ostrand des Nachtwaldes, lebte zur
Zeit unserer Geschichte ihr größter König.
Vor ihren hohen Steintoren, floss ein Strom hinaus in die Sümpfe, die sich am
Fuß der Waldhöhlen ausbreiteten.
Diese Höhle, von der unzählige kleinere nach allen Seiten abzweigten, wand sich
mit all ihren Durchlässen und Hallen tief unter der Erde dahin.
Aber sie war heller und gesünder als jede Orkbehausung und weder so tief noch
gefährlich. Die Untertanen des Königs lebten und jagten ja meistens in den
offenen Wäldern.
Draußen besaßen sie Hütten.
auf der Erde und in den Zweigen.
Ihre Lieblingsbäume waren Buchen.
Die Königshöhle indessen diente als Palast, feste Schatzkammer und in
Kriegszeiten dem Volk als Festung.
Hier war auch das Verlies für die Gefangenen.
Deshalb schleppten sie Thorin dorthin, nicht sehr rücksichtsvoll, denn Zwerge
mochten sie nicht leiden und überdies hielten sie Thorin für einen Feind.
In alten Tagen hatten sie sogar Krieg mit einigen Zwergengeschlechtern
die sie bezichtigten, ihren Schatz gestohlen zu haben.
Anstandshalber muss aber gesagt werden, dass die Zwerge die Sache anders
darstellten. Sie behaupteten nämlich, sie hätten nur genommen, was ihnen
zustehe.
Der Elbenkönig habe mit ihnen ausgehandelt, sie sollten sein Rohgold
Silber schmieden und bearbeiten, und hinterher habe er die Bezahlung
Und in der Tat, wenn der Elbenkönig eine Schwäche hatte, so waren es Schätze,
besonders aber Silber und geschnittene weiße Edelsteine.
Obgleich sein Hort reich war, war er doch auf immer mehr bedacht, denn noch
sein Schatz nicht so groß wie der Schatz anderer Elbenfürsten aus vergangenen
Zeiten.
Seine Leute schürften weder Metalle und Edelgestein, noch bearbeiteten sie es.
Sie gaben sich nicht mit Handelsgeschäften ab, und bestellten
Boden. All das war jedem Zwerg wohl bekannt, obgleich Thorins Familie nichts
dem alten Streit zu tun hatte, von dem ich eben sprach.
Infolgedessen war Thorin rechtschaffend wütend, als sie ihren Bann von ihm
nahmen und er zur Besinnung kam.
Und er nahm sich vor, dass man kein einziges Wort über Gold und Juwelen von
hören sollte.
Streng blickte der König Thorin an, als man ihn vor ihn brachte und stellte
viele Fragen.
Aber Thorin antwortete bloß, dass er vor Hunger bald umkäme.
»Warum habt ihr dreimal mein Volk mitten beim Fest angegriffen ?« fragte der
König.
»Wir haben euer Volk nicht angegriffen ,« antwortete Thorin.
»Wir kamen als Bettler, weil wir elenden Hunger hatten .« »Wo sind eure Freunde
jetzt, und was machen sie ?« »Ich weiß es nicht. Aber ich denke, sie sterben
Hunger im Wald .«
»Was hattet ihr im Wald zu schaffen ?« »Essen und Trinken suchen, denn wir
hatten Hunger .« »Aber was führte euch in den Wald hinein ?« fragte der König
wütend.
Da schloss Thorin den Mund und wollte kein Wort mehr sagen.
»Wie ihr wollt«, sagte der König, »führt ihn fort und setzt ihn hinter Schloss
und Riegel, bis er bereit ist, die Wahrheit zu sprechen, und selbst, wenn
hundert Jahre dazu braucht .«
Dann fesselten ihn die Elben und sperrten ihn in einen der untersten
mit starken Bohlentüren verschlossen waren.
Sie gaben ihm viel zu essen und viel zu trinken, allerdings war es nichts sehr
Feines. Wie dem auch sei, Waldelben sind keine Orks.
Wenn sie Gefangene gemacht haben, benehmen sie sich selbst ihren
Feinden gegenüber noch ziemlich gesittet.
Die Riesenspinnen waren die einzigen Lebewesen, denen sie keinen Pardon
So lag der arme Thorin im Verlies des Königs, und nachdem er dankbar Brot,
Fleisch und Wasser zugesprochen hatte, begann er darüber nachzudenken, was aus
seinen unglücklichen Freunden geworden sein mochte.
Es sollte nicht lange dauern, bis er dahinter kam, aber das gehört zum
Kapitel und ist der Anfang eines anderen Abenteuers, in dem der Hobbit abermals
seine Nützlichkeit bewies.
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