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Original subtitles

John Ronald R. Tolkien Der kleine Hobbit

Eine unvorhergesehene Gesellschaft In einer Höhle in der Erde,

da lebte ein Hobbit.

Nicht in einem schmutzigen, nassen Loch, in das die Enden von irgendwelchen

Würmern herabbaumelten und das nach Schlamm und Moder roch. Auch nicht etwa

einer trockenen Kieshöhle, die so kahl war, dass man sich nicht einmal

niedersetzen oder gemütlich frühstücken konnte.

Es war eine Hobbit -Höhle, und das bedeutet Behaglichkeit.

Diese Höhle hatte eine kreisrunde Tür wie ein Bullauge.

Sie war grün gestrichen, und in der Mitte saß ein glänzend gelber

Die Tür führte zu einer röhrenförmig langen Halle, zu einer Art Tunnel, einem

Tunnel mit getefelten Wänden.

Der Boden war mit Fliesen und Teppichen ausgelegt. Es gab Stühle da von feinster

Politur. und an den Wänden Haken in Massen für Hüte und Mäntel, denn der

hatte Besucher sehr gern.

Der Tunnel wand und wand sich, führte aber nicht tief ins Innere des Berges

hinein, den alle Leute viele Meilen weit rund im Lande schlechthin den Berg

nannten. Zahlreiche kleine runde Türen öffneten sich zu diesem Tunnel, zunächst

auf der einen Seite und dann auch auf der anderen.

Treppen zu steigen brauchte der Hobbit nicht.

Schlafräume, Badezimmer, Keller, Speisekammern, eine Masse von

Kleiderschränke, ganze Räume standen ausschließlich für die Unterbringung

Garderobe zur Verfügung, Küchen, Esszimmer, alles lag an demselben langen

Korridor. Die besten Zimmer lagen übrigens auf der linken Seite, wenn man

hineinkommt, denn ausschließlich diese hatten Fenster, tiefgesetzte, runde

Fenster, die hinaus auf den Garten blickten und über die Wiesen, die sich

gemächlich hinab bis zum Fluß neigten.

Dieser Hobbit war ein sehr wohlhabender Hobbit, und sein Name war Beutlin.

Die Beutlins hatten seit undenklichen Zeiten in der Nachbarschaft des Berges

gelebt, und die Leute hielten sie für außerordentlich achtbar, nicht nur, weil

die meisten der Beutlins reich, sondern weil sie noch nie in ein Abenteuer

verstrickt gewesen waren und nie etwas Unvorhergesehenes getan hatten.

Man konnte im Voraus sagen, was ein Beutlin auf eine Frage antworten würde,

dass man sich die Mühe machen mußte, diese Frage wirklich zu stellen.

Dies hier aber ist eine Geschichte von einem Beutlin, der trotzdem Abenteuer

erlebte und sich selbst über völlig unvorhergesehene Fragen reden hörte.

Vielleicht verlor er bei seinen Nachbarn ein Ansehen, aber er gewann.

Nun, ihr werdet ja sehen, ob er am Ende überhaupt etwas gewann.

Die Mutter unseres Hobbits?

Was ist eigentlich ein Hobbit?

Ich glaube, dass die Hobbits heutzutage einer Beschreibung bedürfen, da sie

selten geworden sind und scheu vor den großen Leuten, wie sie uns zu nennen

pflegen. Sie sind oder waren ungefähr halb so groß wie wir und kleiner als die

bärtigen Zwerge, sie tragen jedoch keine Bärte.

Es ist wenig, sozusagen gar nichts von Zauberei an ihnen, ausgenommen die

alltägliche Gabe, rasch und lautlos zu verschwinden, wenn großes, dummes Volk

wie du und ich angetapst kommt und Radau macht wie Elefanten, was sie übrigens

eine Meile weit hören können.

Sie neigen dazu, ein bisschen fett in der Magengegend zu werden.

Sie kleiden sich in leuchtende Farben, hauptsächlich in grün und gelb.

Schuhe kennen sie überhaupt nicht, denn an ihren Füßen wachsen natürliche,

lederartige Sohlen und dickes, warmes, braunes Haar.

Ganz ähnlich wie das Zeug auf ihrem Kopf, das übrigens kraus ist.

Die Hobbits haben lange, geschickte, braune Finger, gutmütige Gesichter, und

lachen ein tiefes, saftiges Lachen, besonders nach den Mahlzeiten.

Mittagessen halten sie zweimal am Tag, wenn sie es bekommen können.

Nun, das sei vorerst genug, und wir wollen fortfahren.

Bilbo Beutlin hieß unser Hobbit, und seine Mutter war die berühmte Bella

Tuck. Eine der drei ausgezeichneten Töchter des alten Tuck.

Der alte Tuck war das Haupt der Hobbits, die jenseits des Wassers wohnten, des

schmalen Flusses am Fuß des Berges.

Es wurde oft gemunkelt, dass vor langer Zeit einmal ein Tuck eine Fee geheiratet

habe. Das war natürlich Unsinn.

Aber sicherlich war bei ihnen nicht alles Hobbit -mäßig, denn ab und zu ging

Angehöriger der Tucks fort und stürzte sich in Abenteuer.

Sie verschwanden heimlich, und die Familie vertuschte es.

Tatsache ist jedenfalls, daß die Tucks nicht ganz so geachtet waren wie die

Beutlins, obgleich sie unzweifelhaft reicher waren.

Nicht, daß Bella Donatuck jemals in irgendwelche Abenteuer verwickelt

wäre, nachdem sie die Frau von Mr. Bungo Beutlin geworden war.

Bungo! Bilbos Vater baute, teilweise mit ihrem Geld, für sie die kostspieligste

Hobbit -Höhle, die jemals unterhalb oder oberhalb des Berges oder jenseits des

Wassers gebaut worden war.

Und dort lebten sie bis an das Ende ihrer Tage.

Indessen ist es wahrscheinlich, dass Bilbo, ihr einziger Sohn, obgleich er

aussah und sich genauso benahm wie eine zweite Ausgabe seines grundsoliden und

behäbigen Vaters, irgendetwas Wunderliches in seinen Anlagen von der

übernommen hatte.

Es war etwas, das nur auf die Chance wartete, um ans Licht zu kommen.

Die Chance ergab sich erst, als Bilbo Beutlin etwa fünfzig Jahre alt geworden

war, in der wunderschönen Hobbit -Höhle wohnte, die sein Vater erbaut hatte, und

sich augenscheinlich zur Ruhe gesetzt hatte.

Eines Morgens, vor langer Zeit, in der großen Stille, als es noch wenig

Geräusche und mehr Grünen gab, als die Hobbits noch zahlreich und glücklich

waren und Bilbo Beutlin nach dem Frühstück vor seiner Tür eine enorm

Holzpfeife rauchte, die nahezu bis zu seinen wolligen Zehen reichte, die immer

sauber gebürstet waren, da ereignete sich ein merkwürdiger Zufall.

Gandalf kam vorbei.

Gandalf!

Wenn ihr auch nur ein Viertel von dem gehört hättet, was ich über ihn gehört

habe, und ich habe nur sehr wenig gehört von all dem, was es da zu hören gab, so

würdet ihr bestimmt höchst verwunderliche Geschichten erwarten.

Geschichten und Abenteuer sprossen nur so auf an allen Wegen, die er jemals

gezogen war.

Seit sein Freund, der alte Tuck, gestorben war, war er nun schon viele

nicht mehr hier im Land unterhalb des Berges gesehen worden.

Wirklich, die Hobbits hatten fast vergessen, wie er aussah.

Seine Geschäfte hatten ihn über den Berg und über das Wasser geführt, als sie

selbst noch kleine Hobbitjungen und Hobbitmädchen waren.

Alles, was also der keineswegs misstrauische Bilbo an diesem Morgen

alter Mann mit einem Stab, hohem, spitzenblauem Hut, einem langen grauen

mit einer silbernen Schärpe, über die sein langer, weißer Bart hing, Ein

alter Mann mit riesigen schwarzen Schuhen.

»Guten Morgen«, sagte Bilbo, und er meinte es ehrlich.

Die Sonne schien, und das Gras war grün.

Aber Gandalf schaute ihn scharf unter seinem buschigen Augenbrauen hervor an,

die weiter herausragten als die Schattenkrempe seines Hutes.

»Was meint Ihr damit ?« fragte er.

»Wünscht ihr mir einen guten Morgen, oder meint ihr, daß dies ein guter

ist? Gleich viel, ob ich es wünsche oder nicht.

Meint ihr, daß euch der Morgen gut bekommt, oder daß dies ein Morgen ist,

man gut sein muß ?« »Alles auf einmal«, sagte Bilbo, »und ein sehr feiner Morgen

für eine Pfeife Tabak vor der Tür obendrein.

Wenn ihr eine Pfeife bei euch habt, dann setzt euch her und bedient euch.

Nichts drängt zur Eile, wir haben noch den ganzen Tag vor uns .«

Bilbo setzte sich auf die Bank vor der Tür, kreuzte die Beine und blies einen

wundervollen grauen Ring in die Luft, der heil und ohne auseinanderzuwehen

den Berg schwebte.

»Sehr schön«, sagte Gandolf, »aber ich habe heute Morgen keine Zeit, Ringe zu

blasen. Ich suche jemanden für ein Abenteuer, das bestanden sein will, und

ist außerordentlich schwierig, jemanden dafür zu finden .« »Das kann ich mir

denken, in dieser Gegend .« Wir sind ruhige Leute hier und suchen keine

Abenteuer. Ein ärgerlicher, störender, unbehaglicher Zeitvertreib.

So etwas verspätet nur die Mahlzeiten. Ich kann nicht verstehen, was jemand

daran findet ,« sagte unser Mr. Beutlin, schob seine Daumen hinter die

Hosenträger und blies einen noch dickeren Ring in die Luft.

Dann holte er seine Morgenzeitung heraus und begann zu lesen, gab einfach vor,

keine Notiz mehr von dem alten Mann zu nehmen.

Der war offensichtlich nicht von seiner Art.

Hoffentlich ging er jetzt.

Aber er rührte sich nicht.

Er stand da, stützte sich auf seinen Stock und betrachtete den Hobbit, ohne

Wort zu sagen, bis es Bilbo ungemütlich und er sogar ein bisschen ärgerlich

wurde.

»Guten Morgen«, sagte Bilbo schließlich, »wir wollen hier keine Abenteuer.

Vielen Dank.

Ihr könnt es hinter dem Berg oder jenseits des Wassers versuchen .« Damit

er, die Unterhaltung wäre beendet.

»Was ihr nicht alles unter Guten Morgen versteht«, sagte Gandalf, »jetzt meint

ihr, daß ihr mich damit loswerden könntet, daß es gut wäre, wenn ich

.« »Keineswegs, keineswegs, mein bester Herr.

Wie heißt ihr eigentlich ?« »Ja, freilich, mein bester Herr.

Ich weiß sehr gut, wie ihr heißt, Mr.

Bilbo Beutlin, und ihr kennt auch meinen Namen, obgleich ihr nicht ahnt, daß

ausgerechnet ich dazu gehöre .« Ich bin Gandalf, und Gandalf denkt nur, das bin

ich.

Reizend, daß Belladonnas Sohn mich mit einem guten Morgen wegscheuchen will,

ob ich Knöpfe an der Tür verkaufte.

Gandalf, Gandalf, du lieber Himmel, doch nicht der wandernde Zauberer, der dem

alten Tuck ein paar magischer Diamantklammern verehrte, die sich von

schlossen und sich niemals ohne Befehl lösten?

Keiner verstand es wie er, beim Kaffeetrinken solch wunderbare

Drachen zu erzählen, über Kobolde und Riesen, über gerettete Prinzessinnen und

über das unvorhergesehene Glück von Söhnen armer Witwen.

Doch nicht Gandalf, der so ausgezeichnete Feuerwerke abzubrennen

Ja, daran erinnere ich mich. Der alte Tuck arrangierte sie zur

Sommersonnenwende. Großartig, toll!

Sie schossen auf wie mächtige Lilien, wie Löwenmaul und Goldregen aus Feuer.

Den ganzen Abend noch hingen sie in der Dämmerung. Ihr werdet schon gemerkt

haben, dass Mr. Beutlin nicht ganz so prosaisch war, wie er es von sich selbst

annahm.

Überdies war er in Blumen geradezu vernaht.

»Meine Güte«, fuhr er fort, »doch nicht der Gandalf, der es auf dem Gewissen

hat, dass so viele brave Burschen und Mädchen einfach ins Blaue gingen,

verrückte Abenteuer zu erleben, beim Bäumeklettern angefangen bis zur Reise

Schiffen, die hinüber zur anderen Seite segelten ?« »Der Himmel sei mir gnädig,

so ein Leben schien aber, ich meine, ihr habt in dieser Gegend allerhand

angerichtet. Ich bitte um Verzeihung, aber ich hatte keine Ahnung, dass ihr

immer solchen Unfug macht .« »Was soll ich denn sonst machen ?« sagte der

Zauberer. »Und ich bin froh, dass ihr euch noch an einiges erinnert.

Ihr scheint beispielsweise meine Feuerwerke in gutem Andenken behalten zu

und das ist gewiss nicht ohne Hoffnung .« In der Tat, um eures seligen

Großvaters Tuck und der armen Belladonna willen, gebe ich euch gern, um was ihr

mich gebeten habt.

Verzeihung, habe ich dir nur etwas gebeten?

Natürlich habt ihr, zweimal sogar, um meine Verzeihung habt ihr gebeten. Die

gebe ich euch. Und außerdem gehe ich sogar noch weiter und schicke euch in

besagte Abenteuer. Das ist sehr erheiternd für mich und ausgezeichnet

Und nützlich ist es außerdem, das heißt, wenn ihr es wohlbehalten übersteht.

Tut mir leid, ich wünsche keine Abenteuer. Vielen Dank, und heute schon

nicht. Guten Morgen, mein Herr.

Aber bitte, kommt zum Tee, jederzeit, wie es euch passt. Warum nicht morgen?

Auf Wiedersehen .« Damit drehte sich der Hobbit um, verschwand hinter der runden

grünen Tür und schloss sie, so schnell er es, ohne unhöflich zu erscheinen,

wagen konnte, denn Zauberer sind schließlich Zauberer.

»Warum in aller Welt bat ich ihn dort zum Tee ?« sagte er vor sich hin, als er

in die Speisekammer ging.

Zwar hatte er gerade gefrühstückt, aber er dachte, dass ein oder zwei

Kuchenstücke und ein Schluck dazu ihm gut täten nach diesem Schrecken.

Gandalf stand inzwischen noch immer vor der Tür und lachte lange und leise.

Nach einer Weile trat er näher, und mit der Stockspitze kratzte er ein

wunderliches Zeichen auf die schöne grüne Haustür.

Dann zog er davon, gerade als der Hobbit seinen zweiten Kuchen gegessen hatte,

und erleichtert aufatmete, weil er glaubte, dass er nun glücklich alle

vermieden hätte.

Am nächsten Tag hatte er Gandalf fast vergessen.

Ein gutes Gedächtnis war nicht seine Stärke.

Es sei denn, er benutzte sein Notizbuch.

Dann hätte er vielleicht eingetragen, Gandalf T.

Mittwoch. Aber gestern war er dazu viel zu verwirrt gewesen.

Kurz vor der Teezeit hörte Bilbo ein furchtbares Gebimmel an der Haustür.

Da erinnerte er sich.

Er rannte zur Küche, setzte den Teekessel auf, holte eine zweite Tasse

Untertasse und einen oder zwei Extrakuchen und lief zur Tür.

»Ich bin ganz untröstlich, dass ich euch warten ließ«, wollte er sagen, als er

sah, dass keineswegs Gandalf vor ihm stand.

Es war ein Zwerg mit einem blauen Bart, den er hinter den Goldgürtel gesteckt

hatte, mit leuchtenden Augen unter seiner dunkelgrünen Kapuze.

Kaum war die Tür geöffnet, so drängelte er sich auch schon hinein, gerade als ob

er erwartet worden wäre.

Er hing seinen Kapuzenmantel an den nächsten Haken, verbeugte sich und

»Darling, zu euren Diensten !« »Bilbo Beutlin, zu euren Diensten !« antwortete

der Hobbit zu überrascht, um im Augenblick irgendwelche Fragen zu

Als die darauf folgende Pause unangenehm wurde, fügte er hinzu, »Ich wollte

gerade meinen Tee nehmen. Bitte, trinkt eine Tasse mit .« Das war vielleicht ein

bisschen steif, aber er meinte es ehrlich.

Und was würdet ihr tun, wenn ein uneingeladener Zwerg plötzlich

käme und seine Sachen an eure Garderobe hinge, ohne ein Wort der Erklärung?

Sie saßen nicht lange am Tisch, genauer gesagt, sie hatten es kaum bis zum

dritten Kuchen gebracht, als ein neues, noch lauteres Gebimmel Bilbo

aufschreckte.

»Entschuldigt mich«, sagte er und ging zur Tür.

»Habt ihr schließlich doch noch hierher gefunden ?«, wollte er diesmal Gandalf

fragen.

Aber es war nicht Gandalf.

Statt Gandalf stand ein sehr ehrwürdig aussehender Zwerg auf der Schwelle, der

einen weißen Bart und eine purpurrote Kapuze trug.

Auch er trappte herein, kaum daß die Tür geöffnet worden war, gerade als ob er

eingeladen wäre.

»Wie ich sehe, kommen Sie bereits an«, sagte er, als er Dvalins grüne Kapuze am

Haken sah.

Er hängte seine Purpurrute daneben und setzte »Dvalin, zu euren Diensten«

die Hand auf der Brust.

»Schönen Dank«, erwiderte Bilbo, der nach Luft schnappte.

Das war zwar nicht korrekt, aber »Sie kommen bereits an«, das hatte ihn

ernstlich verwirrt.

Er hatte gern Besuch, aber lieber war es ihm, wenn er den Besuch kannte, bevor

er ankam.

Auch zog er es vor, Besucher selbst einzuladen.

Es kam ihm der schreckliche Gedanke, dass die Kuchen ausgehen könnten, und

als Gastgeber kannte er seine Pflichten und erfüllte sie sogar in schmerzlichen

Fällen, dann musste er selbst ohne Kuchen bleiben.

»Kommt herein und trinkt einen Tee mit«, brachte er dennoch heraus, allerdings

erst, nachdem er tief Atem geholt hatte.

»Ein kleines Bier wäre mir lieber, wenn es Euch nichts ausmacht, mein guter

Herr«, sagte Barlin mit dem weißen Bart.

»Für Kuchen wäre ich dankbar.

Kümmelkuchen, ja, das wäre das Richtige, wenn es solchen bei Euch gibt .«

»Massenweise«, hörte sich Bilbo zu seiner eigenen Überraschung antworten.

Er verschwand im Keller, um einen Krug mit Bier zu füllen, und dann in der

Speisekammer, wo er zwei wundervolle runde Kümmelkuchen holte, die er erst

diesen Nachmittag gebacken hatte, als leckere Happen für das Nachabendbrot.

Als er zurückkehrte, unterhielten sich Dvalin und Balin am Tisch wie alte

Freunde.

Tatsächlich waren sie Brüder.

Bilbo setzte das Bier und die Kuchen nicht gerade sacht vor sie hin, da

die Glocke schon wieder Sturm.

Einmal und noch einmal.

Ja, diesmal ist es sicher Gandalf, dachte er, als er den Gang entlang

Aber es war nicht Gandalf.

Es waren zwei weitere Zwerge, beide mit blauen Kapuzen, silbernen Gürteln und

gelben Bärten, und jeder trug einen Sack mit Werkzeugen und einen Spaten.

Sie sprangen herein, kaum dass die Tür einen Spalt geöffnet worden war.

Nun, Bilbo war kaum noch überrascht.

Was kann ich tun für euch, meine Zwerge?

fragte er.

»Kili, zu euren Diensten«, sagte der eine, »und Fili«, fügte der andere

Damit zogen sie ihre blauen Kapuzenmäntel aus und verbeugten sich.

»Gleichfalls, zu euren Diensten und den Diensten eurer ganzen Familie«,

erwiderte Bilbo.

Diesmal erinnerte er sich rechtzeitig an die guten Sitten.

»Ich sehe, Dvalin und Balin sind bereits hier«, sagte Kili. »Das wird hier ein

schönes Gedränge heute Abend geben .« »Gedränge ?« dachte mr beutlin das ist

ein scheußlicher gedanke ich muß mich eine minute hinsetzen mich erst mal

sammeln und einen kleinen schluck nehmen nun er hatte kaum ein schlückchen

getrunken in der ecke während die vier zwerge rund um den tisch saßen und über

erzbergwerke und gold sprachen Über Verdruss mit den Orks und die

der Drachen und über eine Menge anderer Unglücksfälle, die er nicht verstand und

die er auch gar nicht verstehen wollte, denn sie klangen ihm viel zu

abenteuerlich, als Ding -Dong -Da -Ding -Dang seine Glocke schon wieder ging,

als ob ein nichtsnutziger Hobbitjunge versuchte, den Griff abzureißen.

»Da ist wohl einer an der Tür ,« sagte er blindelnd.

»Einer? Wahrscheinlich vier, dem Geräusch nach zu urteilen .« ergegnete

»Übrigens, sahen wir sie hinter uns herkommen !« Der arme kleine Hobbit

sich in der Halle nieder und nahm seinen Kopf in die Hände, wunderte sich, was

geschehen war und was weiter geschehen würde, und ob die Gesellschaft sich auch

noch zum Abendbrot einladen würde.

Dann schellte die Glocke lauter denn je, und er musste zur Tür rennen.

Aber es waren nicht vier, es waren fünf.

Ein anderer war dazu gekommen, während Bilbo sich noch in der Halle wunderte.

Er hatte kaum den Türknopf gedreht, als auch schon alle im Gang standen, sich

verbeugten und »zu euren Diensten« sagten, einer nach dem anderen.

Dori, Nori, Ori, Oin und Gloin waren ihre Namen, und sehr schnell hingen zwei

purpurrote Kapuzenmäntel Ein grauer, ein brauner und ein weißer an den Haken,

und die Kerle steckten ihre breiten Hände in die goldenen und silbernen

und gingen los, um sich mit den anderen zu vereinen.

Nun war es wirklich beinahe ein Gedränge geworden.

Einige riefen nach Bier, andere nach Porter, einer nach Kaffee und alle nach

Kuchen, so daß der Hobbit für eine Weile durchaus beschäftigt war.

Gerade hatte er einen großen Topf Kaffee in den ofenen Kamin gesetzt, Die Kuchen

waren übrigens ausgegangen, und die Zwerge hatten sich auf eine Runde

mit Butter bestrichener Weizenbrötchen verlegt. Da kam ein lautes Pochen.

Kein Gebimmel, sondern ein hartes Pat -Pat von der wunderschönen grünen Tür

unseres Hobbits.

Irgendwer klopfte dort mit einem Stock an.

Bilbo rannte den Gang entlang.

Er war wütend und wirre zugleich.

Dies war der widerwärtigste Mittwoch, den er je erlebt hatte.

Mit einem Ruck riff er die Tür auf, da fielen sie alle herein, einer auf den

anderen. Noch mehr Zwerge, noch einmal vier, und da stand auch Gandalf hinter

ihnen. Er lehnte sich auf seinen Stock und lachte.

Er hatte eine tiefe Delle in die wunderschöne Tür geschlagen und auf

das Geheimzeichen beseitigt, das er einen Morgen zuvor dort angebracht

»Vorsichtig, vorsichtig !« sagte er.

»Das ist doch sonst nicht eure Art, Bilbo, Freunde warten zu lassen und dann

Tür mit einem Ruck aufzuziehen.

Lasst mich vorstellen, Bifur, Bofur, Bombur und besonders Thorin

.« »Zu euren Diensten«, sagten Bifur, Bofur und Bombur, die sich in einer

aufgestellt hatten.

Dann hängten sie zwei gelbe und eine blassgrüne Kapuze auf, und es war auch

himmelblaue mit einer langen silbernen Quaste dabei.

Sie gehörte Thorin, einem überaus berühmten Zwerg.

Es war der große Thorin -Eichenschild selbst, und es behagte ihm keineswegs,

er flach auf Bilbos Fußmatte hinplumpste und Bifur, Bofur und Bombur auf ihn

drauf fielen.

Denn Bombur war ungewöhnlich fett und schwer.

Thorin blieb infolgedessen sehr kühl und sagte nicht zu Diensten.

Aber der arme Mr. Beutlin bat so oft um Entschuldigung, dass Thorin schließlich

so etwas wie »Es macht fast gar nichts« brummte und sogar aufhörte, länger

ärgerlich reinzuschauen.

»Jetzt sind wir alle hier«, sagte Gandalf, schaute die Reihe der dreizehn

Kapuzen entlang, die besten Gesellschaftskapuzen übrigens, die zur

standen, und hängte seinen eigenen Hut an den Haken.

»Eine wirklich lustige Versammlung .« »Ich hoffe, es ist noch etwas zu essen

zu trinken übrig für die Zuspätkommer. Wie?

Tee? Nein, vielen Dank.

Ein bisschen Rotwein, das wäre das Richtige für mich .« »Auch für mich«,

Thorin hinzu.

»Und Himbeermarmelade und Apfelkörtchen«, sagte Bifur.

»Und Rosinenkuchen und Kälje«, sagte Bofur.

»Und schöne Pasteten und Salat«, ergänzte Bombur.

»Und noch ein paar Kuchen und Bier und Kaffee, wenn es euch nichts ausmacht ,«

riefen die anderen Zwerge durch die Tür.

»Setzt ein paar Eier auf, ihr seid wirklich ein großartiger Kerl ,« rief

hinter ihm her, als der Hobbit zu seinen Vorratskammern ging, »und bringt kaltes

Hühnchen mit und Essiggurken .« »Es scheint, er kennt sich besser in meiner

Speisekammer aus als ich selbst .« dachte Mr. Beutlin, der sich völlig

überrumpelt fühlte und sich wunderte, in welch ein elendes Abenteuer er

geradewegs in seinem eigenen Haus hineingeraten war.

Mit der Zeit hatte er sämtliche Flaschen und Schüsseln, Messer und Gabeln,

Gläser und Platten und Löffel hoch auf riesige Tabletts gehäuft.

Ihm war sehr heiß, er sah rot aus und er war richtig ärgerlich.

»Zum Teufel mit diesen Zwergen !« rief er laut.

»Warum helfen Sie nicht ein bisschen ?« Jetzt traue einer seinen Augen.

Da standen Balin und Dvalin in der Küchentür und Kili und Fili dahinter,

bevor er noch »Alle Wetter« sagen konnte, hatten sie die Tablett schon

fortgetragen, ein paar kleine Tische ins Empfangszimmer gestellt, und alles war

ordentlich serviert.

Gandalf saß oben an, die dreizehn Zwerge saßen ihm zur Seite.

Bilbo aber hockte auf einem Stuhl am Kamin und knabberte an einem Keks. Der

Appetit war ihm ziemlich vergangen.

Er versuchte, ein Gesicht aufzusetzen, als ob dies alles vollkommen in Ordnung

sei und in keiner Weise ein Abenteuer für ihn.

Die Zwerge aßen und aßen und sprachen und sprachen, und die Zeit ging dahin.

Schließlich schoben sie ihre Stühle zurück, und Bilbo machte eine Bewegung,

wolle er die Teller und Gläser einsammeln.

»Ich denke, ihr bleibt noch zum Abendbrot«, sagte er in seinem

ungezwungensten Ton.

Erwiderte Thorin, »sogar noch länger.

Es wird spät werden, bis wir alle unsere Geschäfte erledigt haben. Aber zuerst

brauchen wir ein bisschen Musik.

Räumt ab !« Daraufhin sprangen zwölf Zwerge auf, ausgenommen Thorin, der eine

viel zu hochgestellte Persönlichkeit war.

Er blieb zu einem Schwarz mit Gandalf zurück.

Die Zwerge stapelten das Geschirr zu hohen Turmbauten aufeinander.

Sie warteten nicht lang auf Teebretter, sondern balancierten Türme von Tellern,

jeder mit einem Krug oder Schüsseln obendrauf, mit einer Hand, während der

Hobbit quiekend vor Furcht hinter ihnen herlief.

»Bitte seid vorsichtig! Bitte bemüht euch nicht! Ich mach das gern allein !«

Aber die Zwerge begannen zu singen.

»Schmeißt mit Tellern, so viel euch passt!

Biegt die Messer und Gabeln krumm! Tut, was Bilbo Beutlin hasst! Verbrennt die

Korken, haut Flaschen um !« Piekt ins Tischtuch und tretet ins Fett, gießt die

Milch auf den Küchenflur, Knochen im Bett sind besonders nett, gießt den Wein

die Kuckucksuhr.

Jetzt die Gläser in den Müll hinein, stampft drauf, stampft und mit Gesang,

die Füsseln nicht kurz und klein, kegelt sie munter den Gang entlang.

Alles, was Bilbo Beutlin hat, hört ihn bloß, vorsichtig angefasst.

Natürlich machten sie nichts so Grässliches, sondern spülten das ganze

und stellten es sauber weg.

Schnell wie der Blitz, während der Hobbit sich in der Mitte der Küche um

selbst drehte und versuchte, sie dabei zu beaufsichtigen.

Dann kehrten sie zurück und fanden Thorin mit den Füßen auf dem Kamingitter

Pfeife rauchen.

Dabei blies er die riesigen Ringe in die Luft und befahl ihnen, zu fliegen,

wohin er wollte.

Manche stiegen den Kamin hinauf oder hinter die Uhr auf dem Kaminsims, andere

krochen unter den Tisch, oder zogen unter der Decke immer im Kreis herum.

Wohin die Ringe auch schwebten, so waren sie doch nie schnell genug, um Gandalf

zu entkommen.

Pop! Schon sandte er einen kleineren Rauchring aus einer kurzen Tonpfeife

geradewegs durch jeden von Thorins Ringen.

Dann schien sich Gandalfs Rauchring über den Spaß zu freuen.

Er kam zurück und schwebte eine Weile über des Zauberers Haupt.

Er hatte schon eine ganze Wolke von solchen Ringen über sich, und das ließ

in der Tat sehr zauberisch aussehen.

Bilbo stand stumm dabei und sah zu.

Er liebte Rauchringe, aber er errötete bei dem Gedanken, wie stolz er gestern

Morgen auf jene Rauchringe gewesen war, die er mit dem Wind hinaus und über den

Berg gesandt hatte.

»Jetzt ein bisschen Musik ,« sagte Thorin.

»Packt eure Instrumente aus !«

Kili und Fili liefen zu ihren Rucksäcken und brachten kleine Fideln.

Dori, Nori und Ori holten Flöten aus den unergründlichen Taschen ihrer

Kapuzenmäntel.

Bombur holte eine Trommel aus der Halle.

Bifur und Bofur gingen ebenfalls hinaus und kamen mit Klarinetten zurück, die

sie bei den Spazierstöcken abgestellt hatten.

Dvalin und Balin sagten, »Entschuldigung, unsere Instrumente

Tür .« »Dann bringt auch meines mit«, rief Thorin ihnen zu.

Sie kamen zurück mit Bratschen, die größer als sie selbst waren, und mit

in grünes Tuch eingeschlagener Harfe.

Es war eine wunderbare, goldene Harfe, und als Thorin sie schlug, begann die

Musik so plötzlich und süß, dass Bilbo alles andere vergaß.

Er wurde in dunkle Lande hinweggeführt, unter seltsame Monde, weit fort über das

Wasser, sehr weit von seiner Hobbit -Höhle unter dem Berg entfernt.

Das Dunkel drang durch die kleinen Fenster, die in die Flanke des Berges

eingelassen waren, in den Raum.

Das Feuer flackerte.

Es war April, und noch immer spielten sie, während der Schatten von Gandalfs

unruhig über die Wände geisterte.

Die Dunkelheit füllte den ganzen Raum und das Feuer verlosch.

Die Schatten ertranken und immer noch spielten sie.

Plötzlich begann erst einer, dann ein anderer, während sie weiterspielten,

tiefen, kehligen Gesang von Zwergen in den verborgenen Landschaften ihrer alten

Heimat.

Und dies sind gleichsam Bruchstücke ihres Liedes, wenn es ohne Musik und

überhaupt ihrem Gesänge gleichen kann.

Weit über die kalten Nebelberge, zu den tiefen Verliesen und uralten Höhlen,

müssen wir fort, ehe der Tag anbricht.

das bleiche, verzauberte Gold suchen.

Die Zwerge der grauen Zeiten wußten mächtigen Zauber, während die Hämmer wie

klingende Glocken erklangen, im Unterirdischen, wo die dunklen

schlafen, in den großen Höhlen unter den kahlen Hügeln.

Für vergessene Könige und Elbenfürsten schufen sie gleißende, güldene Schätze,

Schmiedeten, schafften, fingen das Licht ein in den Edelsteinen dunkler

Schwertgriffe.

Auf silberne Halsketten reihten sie glitzernde Sterne auf, in Kronen fingen

Drachenfeuer ein, in geflochtenen Drähten verstrickten sie das Licht von

und Sonne.

Weit über die kalten Nebelberge müssen wir fort, ehe der Tag anbricht, zu den

tiefen Verliesen und uralten Höhlen, und unser lang vergessenes Gold suchen.

Die Kiefern rauschten auf der Höhe, und die Winde stöhnten in der Nacht.

Das Feuer war rot und barst wie ein Glutball, die Bäume brannten hell wie

Fackeln.

Dann tosten die Glocken unten im Tal, und die Menschen schauten mit fahlen

Gesichtern herauf.

Der Zorn des Drachen entbrannte noch heller als Feuer, brach die Türme nieder

und die zerbrechlichen Häuser.

und der Berg rauchte unter dem Mond, und die Zwerge hörten den Schritt des

Schicksals.

Sie flohen aus ihrer Halle, um sterbend zu fallen, unter Drachentatzen unter dem

Mond.

Weit über die grimmigen Nebelberge, zu den tiefen Verließen und düsteren

müssen wir fort, ehe der Tag anbricht, und unsere Hafen, unser Gold heimholen.

Während sie so sangen, verspürte der Hobbit in sich die Liebe zu den

Schätzen, die mit so viel Mühe und Geschick geschaffen worden waren, und

durch einen Zauber entstand in ihm ein wütender, gieriger Wunsch, der auch die

Herzen der Zwerge erfüllte.

Gleichzeitig erwachte etwas von der Tuckseite in ihm.

Er sehnte sich danach, hinauszuziehen und die großen Gebirge zu sehen und die

Kiefern und Wasserfälle rauschen zu hören.

die Höhlen auszukundschaften und ein Schwert zu tragen statt eines

Spazierstocks.

Er schaute aus dem Fenster.

Die Sterne standen an einem schwarzen Himmel hoch über den Bäumen.

Er dachte an die Juwelen der Zwerge, die in dunklen Gewölben schimmerten.

Plötzlich sprang am Horizont jenseits des Wassers eine große Flamme auf,

vielleicht hatte jemand ein Feuer entzündet, und er musste an plündernde

denken, die sich auf seinem ruhigen Berg niederließen und alles in Flammen

erstickten.

Da schauderte es ihn, und sehr schnell war er wieder Mr. Beutlin von Beutelsend

unter dem Berg.

Zitternd stand er auf.

Gern wollte er die Lampe holen, aber noch lieber wäre er unter diesem Vorwand

nur hinausgegangen, dann hätte er sich hinter den Bierfässern im Keller

versteckt und wäre erst hervorgekommen, wenn alle Zwerge auf und davon waren.

Plötzlich merkte er, dass die Musik und der Gesang aufgehört hatten und dass sie

ihn alle anschauten mit Augen, die im Dunkeln schimmerten.

»Wohin wollt ihr ?« fragte Thorin in einem Ton, der anzuzeigen schien, dass

unseres Hobbits Absichten erraten hatte.

»Wie wäre es mit ein bisschen Licht ?« sagte Bilbo entschuldigend.

»Wir lieben die Dunkelheit«, antworteten die Zwerge.

»Dunkelheit für die dunklen Geschäfte .« Bis zur Dämmerung sind es noch viele

Stunden .« »Natürlich«, sagte Bilbo und setzte sich rasch wieder hin.

Er verfehlte aber den Stuhl und setzte sich auf das Kamingitter, wobei er mit

einem Krach den Schürhaken und die Schaufel umwarf.

»Ruhe«, sagte Gandalf, »hört jetzt Thorins Rede .« Und Thorin

begann.

»Gandalf, Zwerge und Mr.

Beutlin !« »Wir haben uns im Hause unseres Freundes und Mitverschwörers

zusammengefunden, dieses ausgezeichneten und wagemutigen Hobbits.

Mögen die Haare an seinen Zehen niemals ausfallen.

Alles Lob seinem Wein und seinem Bier !« Er machte eine Atempause, um dem Hobbit

Gelegenheit, zu einer höflichen Bemerkung zu geben.

Aber seine Höflichkeit war gänzlich verloren, denn der arme Bilbo Beutlin

nur protestierend seinen Mund auf und zu.

Man hatte ihn wagemutig genannt, und noch schlimmer, Mitverschwörer.

Aber Bilbo bekam nicht einmal ein Krächzen heraus, so verstört war er.

Also fuhr Thorin fort.

»Wir sind zusammengekommen, um unsere Pläne, unsere Wege, unsere Mittel,

Politik und unsere Listen zu besprechen.

Wir wollen bald, noch ehe der Tag anbricht, unsere lange Reise beginnen.

Eine Reise...« von der einige von uns, oder vielleicht sogar alle, ausgenommen

natürlich unser Freund und Ratgeber, der erfindungsreiche Zauberer Gandalf, nie

mehr zurückkehren werden.

Es ist ein feierlicher Augenblick.

Unsere Absicht, das darf ich annehmen, ist allen wohl bekannt.

Für den hoch ehrenwerten Mr. Beutlin, aber auch für den einen oder anderen von

den jüngeren Zwergen, ich denke hier beispielsweise an Kili und Fili,

unsere augenblickliche Lage einige kürzere Erläuterungen.

Dies war Thorins Stil. Er war eine berühmte Zwergenpersönlichkeit.

Hätte man es erlaubt, so wäre er in diesem Stil vermutlich fortgefahren, bis

die Puste verloren hätte.

Ohne irgendwem irgendetwas zu erzählen, das er nicht längst schon wußte.

Aber er wurde mitleidlos unterbrochen.

Der arme Bilbo konnte es nicht länger ertragen.

Bei dem Wort »nie mehr zurückkehren« spürte er einen Schrei in sich

und sehr bald brach er aus wie das Pfeifen einer Lokomotive, die aus einem

Tunnel herauskommt.

Alle Zwerge sprangen auf und stießen dabei den Tisch um.

Gandalf entzündete ein blaues Licht am Ende seines Zauberstabes, und in seinem

Gefunkel konnte man den armen Hobbit auf dem Kaminvorleger knien sehen, wabbelig

wie Sülze, die zu schmelzen beginnt.

Dann fiel er platt auf den Boden und rief in einem fort, »Vom Blitz

Vom Blitz erschlagen !« Und das war alles, was sie für eine lange Weile aus

herausbringen konnten.

Sie nahmen ihn auf und brachten ihn hinüber ins Wohnzimmer, legten ihn auf

Sofa, stellten ihm etwas zu trinken hin und kehrten zurück zu ihren dunklen

Geschäften.

»Ein erregbarer kleiner Bursche«, sagte Gandalf, als sie sich wieder

niedergesetzt hatten.

Er bekommt komische, verrückte Anwandlungen, aber er ist einer der

der Besten, wütend wie ein Drache in der Klemme.

Wenn ihr jemals einen Drachen in der Klemme gesehen habt, so werdet ihr

feststellen, dass dies eine höchst poetische Übertreibung in Bezug auf

Hobbit war.

Das hätte selbst auf des alten Tuck Urgroßonkel Stierbrüller nicht gepasst,

für einen Hobbit, so groß war, dass er ein Pferd besteigen konnte.

Der griff die Reihen der Kobolde am Berg Gram in der Schlacht auf den grünen

Feldern an und schlug ihrem König Golfimbul mit einer hölzernen Keule

Kopf ab.

Der Kopf aber segelte hunderte Meter weit durch die Luft und fiel in ein

Kaninchenloch. Und auf diese Weise wurde im gleichen Augenblick sowohl die

Schlacht gewonnen als auch das Golfspiel erfunden.

Wie dem auch immer sei, Stierbrüller, zahmerer Abkömmling, kam in seinem

Wohnzimmer wieder zu sich.

Nach einer gewissen Weile und einem kleinen Trunk kroch er aufgeregt zur Tür

Empfangszimmers. Da hörte er Glowin Folgendes sagen.

»Ach !« Oder ein mehr oder weniger ähnliches Räuspern.

»Glaubt ihr, dass er es schaffen wird?

Vergandert ist es leicht zu behaupten, dieser Hobbit sei wütend .« Aber ein

Schrei wie dieser, wer weiß, in welchem Augenblick der Erregung, würde genügen,

den Drachen und seine ganze Sippschaft aufzuwecken und uns alle ums Leben zu

bringen. Ich meine, es klang viel mehr nach Furcht als nach Erregung.

Tatsache, wenn ich das Zeichen an der Tür gewesen wäre, so hätte ich bestimmt

geglaubt, dass ich in ein falsches Haus gekommen sei.

Sobald ich einen Blick auf diesen kleinen Burschen geworfen habe, der auf

Fußmatte herumhopste, da hatte ich meine Zweifel.

Er sieht mehr nach einem Krämer als nach einem Meisterdieb aus .« Da drehte Mr.

Beutlin den Türknopf und trat ein.

Die Tuckseite hatte gewonnen.

Er spürte, daß er ohne Bett und Frühstück losziehen konnte. Ja, Sie

sehen, daß er wütend und kampfhungrig war.

Und was den kleinen Burschen anging, der auf seiner Fußmatte herumhopste, so

machte ihn das wirklich wütend.

Noch lange später bedauerte der Beutlin, was er jetzt tat, und er sagte zu sich,

Bilbo, du warst ein Narr, du bist mit offenen Augen in dein Unglück

Verzeiht, sagte er nämlich, wenn ich einiges mit angehört habe.

Ich verstehe zwar nicht, worüber ihr euch unterhalten habt, verstehe auch

eure Bemerkungen über Meisterdiebe, aber ich nehme an, dass ich richtig vermute,

und das nannte er Würde bewahren, dass ihr mich für untauglich haltet.

Ich werde es euch zeigen.

Ich habe keine Zeichen an meiner Tür, sie wurde erst vor einer Woche

und ich bin ganz sicher, dass ihr in das falsche Haus gekommen seid.

Sobald ich eure merkwürdigen Gesichter auf der Türschwelle sah, hatte ich meine

Zweifel, aber betrachtet es nun mehr als das richtige Haus.

Erzählt mir, was ihr getan haben wollt, und ich werde es versuchen, selbst wenn

ich bis zum Ende der Welt marschieren und mit den Lindwürmern in der letzten

Wüste kämpfen müsste.

Ich hatte einen Ur -Ur -Urgroßonkel, Stierbrüller -Tuck, »Ja, ja, gewiß, aber

das ist lange her«, sagte Gloin. »Ich sprach von euch, und ich versichere

dass ein Zeichen an der Tür war, das übliche im Geschäftsleben.

Meisterdieb sucht gute Arbeit mit viel Aufregung und gegen angemessenen Lohn.

So ist dieses Zeichen ja gewöhnlich zu verstehen.

Ihr könnt auch bewährter Schatzjäger anstelle von Meisterdieb sagen, wenn

das besser gefällt.

Mancher tut es auch, aber für uns ist es ein und dasselbe .« Gandalf erzählte

uns, daß es hier in dieser Gegend einen solchen Mann gebe, der gerade einen

derartigen Posten suche, und daß er eine Zusammenkunft hier für diesen Mittwoch

zur T -Zeit arrangiert habe.

»Natürlich war das Zeichen da«, sagte Gandalf, »ich hatte es selbst

aus gutem Grund. Ihr batet mich, den vierzehnten Mann für eure Expedition zu

finden, und ich wählte Mr. Beutlin .« »Es soll mir bloß einer sagen, ich hätte

den falschen Mann oder das falsche Haus ausgesucht, und ihr könnt euch mit 13

abfinden, könnt eurem Missgeschick in die Arme laufen oder zurückgehen und

wieder Kohlen kratzen .« Er runzelte die Stirn so fürchterlich, daß Gloin sich

rasch in seinen Stuhl drückte, und als Bilbo den Mund öffnen wollte, um eine

Frage zu stellen, drehte er sich um, starrte auch ihn an, und seine buschigen

Augenbrauen streckten sich so weit vor, dass Bilbo den Mund zuschnappen ließ.

»In Ordnung«, sagte Gandalf, »keine Auseinandersetzungen mehr.

Ich habe Mr. Beutlin ausgewählt, und das sollte euch genügen.

Wenn ich sage, er ist ein Meisterdieb, dann ist er ein Meisterdieb, oder wird

einer sein, wenn die Zeit dazu kommt.

Es steckt eine Menge mehr in ihm, als ihr meint, und eine Menge mehr, als er

selbst es ahmt.

Wahrscheinlich werdet ihr mir alle noch einmal dankbar dafür sein .« Nun, Bilbo,

mein Junge, holt die Lampe und lasst ein bisschen Licht darauf fallen .« Im

Schein der Lampe mit dem roten Schirm breitete er auf dem Tisch ein Stück

Pergament aus, das wie eine Karte aussah.

»Dies hat euer Großvater angefertigt, Thorin«, entgegnete er auf die

Fragen der Zwerge.

»Es ist ein Plan des Berges .« »Mir scheint, das wird uns nicht viel helfen

sagte Thorin enttäuscht nach einem kurzen Blick auf das Pergament.

»Ich erinnere mich gut genug an den Berg und die Länder in seiner Umgebung, und

ich weiß, wo der Nachtwald ist und die verwitterte Heide, wo die großen Drachen

hausen .« »Da ist oben auf dem Berg rot ein Drache eingezeichnet ,« meinte

Balin, »aber es dürfte nicht schwerfallen, ihn auch ohne diesen Plan

wenn wir jemals dort oben ankommen .«

»Da ist jedoch ein Punkt, den ihr nicht bemerkt habt«, sagte Gandalf, »und das

ist der geheime Eingang.

Seht ihr diese Rune auf der Westseite und die Hand, die von den anderen Runen

her darauf hin zeigt?

Das bedeutet einen verborgenen Zugang zu den unteren Gewölben .« »Kann sein,

dass dieser Zugang irgendwann einmal geheim war«, entgegnete Thorin, »aber

können wir wissen, ob er noch immer geheim ist ?« »Der alte Smaug hat dort

genug gelebt, um alles herauszufinden, was es über diese Gewölbe herauszufinden

gibt .« »Möglich.

Aber er kann seit Jahr und Tag mit diesem Zugang nichts anfangen .« »Warum

»Weil der Eingang zu klein ist. Fünf Fuß hoch die Tür und drei passen

nebeneinander ,« sagen die Runen.

Aber Smaug konnte in ein solches Loch nicht hineinkriechen, selbst nicht, als

noch ein Jungdrache war, gewiß aber nicht, nachdem er so viele Zwerge und

Menschen aus Dahl gefressen hat.

»Mir scheint es aber doch ein sehr großes, mächtiges Loch zu sein ,«

Bilbo, der keine Erfahrung mit Drachen hatte und sich nur auf Hobbit -Höhlen

verstand. Er war schon wieder aufgeregt und sehr interessiert, sodass er völlig

vergaß, den Mund zu halten.

Landkarten mochte er sehr gern.

In seiner Halle hing eine große Karte von der Umgebung, in die mit roter Tinte

all seine Lieblingswege eingezeichnet waren.

»Wie sollte, sehen wir einmal vom Drachen ab, eine solch große Tür draußen

unbemerkt geblieben sein ?« fragte er.

Er war nur ein kleiner Hobbit, vergesst das nicht.

»Da gibt es Möglichkeiten genug ,« sagte Gandalf.

»Aber auf welche Weise gerade dieser Zugang verborgen gehalten wurde ?« »Das

werden wir, ohne an Ort und Stelle nachzuschauen, nicht herausfinden.

Der Karte nach zu urteilen, gibt es dort eine verschlossene Tür, die so

angefertigt wurde, dass sie genau wie der Berg selbst aussieht.

So macht man das doch bei den Zwergen, nicht wahr ?« »Genau so«, antwortete

Thorin.

»Auch vergaß ich zu erwähnen«, fuhr Gandalf fort, »dass mit der Karte ein

Schlüssel zu uns kam, ein alter und merkwürdiger Schlüssel. Hier ist er .«

er und händigte Thorin einen silbernen Schlüssel mit einem langen Stiel und

einem komplizierten Bart aus.

»Verwart ihn sicher .« »Das werde ich ,« erwiderte Thorin und befestigte ihn an

einer fein gearbeiteten Kette, die unter dem Rock um seinen Hals hing.

»Jetzt sieht alles schon hoffnungsvoller aus.

Bisher hatte ich keine klare Vorstellung, was zu tun ist.

Wir wollten so schnell und vorsichtig wie möglich nach Osten bis zum langen

ziehen. Danach würden die Schwierigkeiten beginnen.

Schon eine ganze Zeit vorher, wenn ich über die Wege recht unterrichtet bin,

unterbrach ihn Gandalf.

»Wir könnten von dort aufwärts dem eiligen Wasser folgen ,« fuhr Thorin

der von Gandalfs Bemerkung keine Notiz nahm, »bis zu den Ruinen von Dahl, der

alten Stadt im Tal am Fuße des Berges.

Aber keiner von uns denkt gern an das Haupttor .« Der Fluss kommt unmittelbar

aus ihm heraus und schießt durch die großen Klippen südlich des Berges.

Aber aus diesem Haupttor kommt auch der Drache heraus, viel zu oft, wenn er

nicht seine Gewohnheiten geändert hat .« »Das würde zu keinem guten Ende

führen«, sagte der Zauberer, »jedenfalls nicht ohne einen mächtigen Krieger oder

einen richtigen Helden.

Ich versuchte, einen zu finden, aber die Krieger bekämpfen sich eifrig

untereinander. Und in unserer Gegend sind Helden selten geworden, oder es

sie überhaupt nicht mehr.

Die Schwerter sind bei uns gewöhnlich voller Scharten, die Äxte braucht man

Bäumefällen, die Schilde als Säuglingswiegen und Topfdeckel, und die

sind angenehm weit weg, und deshalb nur noch Fabeltiere.

Darum habe ich mich auf die Meisterdieberei verlegt, besonders, weil

das Seitentor erinnerte.

Und hier ist unser kleiner Bilbo Beutlin.

»Der Meisterdieb, der auserwählte und berufene Meisterdieb.

Jetzt weiter, lasst uns Pläne machen .« »Gut also«, sagte Thorin, »ich

vermute, dass der Meisterdieb uns einige seiner Ideen und Vorschläge

unterbreiten will .« Er wandte sich mit spöttischer Höflichkeit an Bilbo

Beutlin.

»Zunächst wüsste ich gern ein bisschen mehr über die ganze Angelegenheit«,

Bilbo und war sehr verwirrt und innerlich ein bisschen unsicher.

Aber immer noch bestimmte ihn die Tuckseite dazu, sich weiter mit der

Angelegenheit zu befassen.

»Ich meine, über das Gold und den Drachen und wie er das bekommen hat und

gehört .« »Donnerwetter«, sagte Thorin, »habt ihr euch nicht die Karte

angesehen? Und habt ihr nicht unser Lied gehört?

Und haben wir nicht seit Stunden darüber diskutiert ?« »Trotzdem würde ich es

gern klar und deutlich hören«, sagte er eigensinnig und setzte seine

Geschäftsmine auf.

sonst nur für Leute bestimmt, die Geld von ihm leihen wollten.

Er tat sein Bestes, um klug und berufstüchtig zu erscheinen und um

Empfehlung gerecht zu werden.

Außerdem müßte ich Bescheid wissen über das Risiko, über die Nebenausgaben, die

benötigte Zeit, die Belohnung und so weiter, womit er meinte, was bekomme ich

selbst dafür und kehre ich überhaupt lebendig zurück.

»Oh, sehr gut«, erwiderte Thorin.

Sehr lange ist es her, dass in den Tagen meines Großvaters unsere Familie aus

dem fernen Norden vertrieben wurde.

Sie kam mit all ihren Reichtümern und ihren Werkzeugen zu diesem Berg hier auf

der Karte.

Dann gruben meine Vorfahren und trieben Stollen vor und machten hohe Gewölbe und

große Werkstätten, und ich glaube, dass sie auch eine ganze Menge Gold und viel

Edelsteine dabei fanden.

Jedenfalls wurden sie ungewöhnlich reich und berühmt.

Und mein Großvater wurde König unter dem Berge.

Ja, er wurde mit großer Hochachtung von den Menschen behandelt, die im Süden

lebten und sich allmählich das eilige Wasser hinauf bis dorthin ausbreiteten,

das Tal vom Berge überschattet war.

Sie bauten dort in jenen Tagen die fröhliche Stadt Dahl.

Könige riefen unsere Schmiede an ihre Höfe, und selbst für die weniger

Geschickten war die Belohnung überreich.

Väter baten uns, ihre Söhne als Lehrlinge einzustellen.

und bezahlten uns ordentlich, besonders mit Lebensmitteln.

Wir brauchten uns daher nicht mehr damit abzumühen, das Gemüse selbst anzubauen.

Alles zusammengenommen, es waren gute Tage für uns, und selbst der Ärmste

Geld genug auszugeben und zu verleihen, hatte Muße, wunderbare Arbeiten rein zum

Spaß herzustellen, gar nicht zu reden von den hübschen Zauberspielzeugen, die

bis auf den heutigen Tag nirgendwo anders auf der Welt mehr zu finden sind.

So wurden die Gewölbe meines Großvaters mit Rüstungen und Edelsteinen gefüllt,

mit Schnitzereien und Bechern, und die Spielzeugläden von Dahl waren ein

Anblick, den man nicht mehr vergaß.

Zweifellos lockte gerade das den Drachen an.

Drachen stehlen Gold und Edelsteine, wie ihr wißt, bestehlen Menschen und Elben

und Zwerge, wo auch immer sie etwas finden können.

Und sie hüten ihren Raub, solange sie leben, und das ist praktisch ewig, wenn

sie nicht umgebracht werden.

Dabei erfreuen sie sich nicht einmal an einem Messingring.

Es ist schon so, sie können kaum ein gutes Werkstück von einem schlechten

unterscheiden, obwohl sie gewöhnlich eine sehr gute Nase für seinen

Verkaufspreis haben.

Aber sie können nicht selbst machen, nicht einmal eine lose Schuppe an ihrem

Schuppenpanzer befestigen.

Nun, in jenen Tagen gab es eine Menge Drachen im Norden.

Wahrscheinlich wurde das Gold dabei knapp.

Die Zwerge flohen nach Süden oder wurden getötet.

Und die allgemeine Verwüstung und Verheerung, die die Drachen anrichteten,

wandte alles vom Schlechten zum Schlechteren.

Unter ihnen gab es einen besonders gierigen, starken und verschlagenen

Smaug genannt.

Eines Tages flog er auf und kam nach Süden.

Das erste, was wir von ihm hörten, war ein Lärm wie von einem wilden Sturm, der

aus dem Norden heranwirbelte.

Die Bergkiefern krachten und zerbrachen im Sturm.

Einige Zwerge, die das Glück hatten, draußen zu sein, und ich war einer von

Glücklichen, ein prächtiger, draufgängerischer Bursche in jenen

auf Wanderschaft, und das rettete mir an diesem Tage das Leben.

Gut also, aus angemessener Entfernung sahen wir, wie der Drache sich auf

Berg in einer riesigen Flamme niederließ.

Dann kam er den Hang herab, und als er die Wälder erreichte, da gingen sie in

Flammen auf.

In dieser Stunde läuteten alle Glocken in Dahl.

Die Krieger rüsteten sich, die Zwerge stürzten aus dem großen Tor, aber dort

wartete der Drache auf sie.

Auf diesem Weg entkam keiner.

Der Fluss zerkochte in weißem Dampf, ein dichter Nebel senkte sich auf Dahl

herab, und da fiel auch schon der Drache über die Krieger her und vernichtete

die meisten.

Es war das übliche unglückselige Geschick, nur zu üblich in jenen Tagen.

Dann ging Smaug zurück und kroch durch das Haupttor und stöberte in allen

und Gängen, in Stollen und Gässchen, in Kellern, Wohnungen und Durchgängen

umher.

Danach war im Berginnern kein Zwerg mehr am Leben, und er nahm all ihre

Reichtümer in Besitz.

Wahrscheinlich, denn das ist Drachengewohnheit, hat Smaug alles tief

auf einen großen Haufen gestapelt und schläft darauf wie auf einem Bett.

Später koch er oft aus dem großen Tor heraus, kam bei Nacht nach Dahl und

schleppte Leute weg, besonders Jungfrauen, um sie aufzufressen, bis

zerstört und alles Volk tot oder geflohen war.

Was jetzt dort vorgeht, weiß ich nicht, aber ich vermute, dass heutzutage

niemand näher am Berge wohnt als am äußersten Ende des langen Sees.

Die wenigen von uns, die draußen waren, verbargen sich und weinten und

verfluchten Smog.

Plötzlich stießen eines Tages mein Vater und mein Großvater mit versenkten

Bärten zu uns.

Sie sahen sehr grimmig aus, sagten aber sehr wenig.

Wenn ich sie fragte, wie sie herausgekommen wären, bedeuteten sie

meine Zunge hüten, und sie sagten, dass ich eines Tages zur rechten Zeit alles

wissen würde.

Danach zogen wir fort.

Wir mußten unser Leben fristen, so gut wir konnten, da und dort in den Ländern.

Oft genug sanken wir bis zum Hufschmied hinab, oder wir mußten sogar in die

Kohlenbergwerke gehen.

Aber niemals haben wir unseren gestohlenen Schatz vergessen.

Und gerade jetzt, da ich mir erlauben darf zu sagen, daß wir eine ganz schöne

Menge beiseitegelegt haben und daß es uns durchaus nicht schlecht geht ,«

strich über die goldene Kette, die um seinen Hals hing, »hoffen wir noch

ihn zurückzuerhalten und unsere Flüche über Smaug zu bringen .« Falls es uns

gestattet ist.

Ich habe mich oft über die Flucht meines Vaters und meines Großvaters gewundert.

Jetzt sehe ich, dass sie eine Nebentür benutzten, die nur ihnen allein bekannt

war.

Augenscheinlich zeichneten sie auch eine Karte.

Doch jetzt möchte ich wissen, wie Gandalf sich ihrer bemächtigte und warum

nicht auf mich, den rechtmäßigen Erben, gekommen ist.

Ich habe mich nicht ihrer bemächtigt, sagte Gandalf.

»Sie wurde mir gegeben.

Euer Großvater wurde getötet, wie ihr euch erinnert, von einem Org in den

Bergwerken von Moria .« »Verflucht sei der Org !« warf Turin ein.

»Und euer Vater ging am 21.

April, am letzten Donnerstag vor hundert Jahren, fort, und ihr habt ihn seitdem

nicht mehr gesehen .« »Wahr, wahr«, sagte Turin.

»Gut. Euer Vater gab mir für euch dies .« Und wenn ich meine eigene Zeit und

meine eigene Weise dazu wählte, so könnt Ihr mir kaum am Zeug flicken.

Bedenkt die Schwierigkeiten, die ich hatte, um Euch zu finden.

Euer Vater konnte sich nicht einmal an seinen eigenen Namen erinnern, als er

das Pergament übergab, und Euren Namen konnte er mir auch nicht sagen.

Richtig betrachtet denke ich, dass man mich loben und dass man mir danken

müsste.

Hier ist die Karte.

Damit händigte er sie Thorin aus.

»Ich verstehe das nicht«, sagte Thorin, und Bilbo hätte am liebsten dasselbe

gesagt, denn die Erklärung schien nichts zu erklären.

»Euer Großvater«, fuhr der Zauberer verärgert fort, »gab die Karte aus

Sicherheitsgründen seinem Sohn, bevor er in die Bergwerke von Moria ging .«

Nachdem euer Großvater getötet worden war, ging euer Vater fort, denn er

sein Glück mit der Karte versuchen.

Er hatte eine Menge von höchst unerfreulichen Abenteuern, aber niemals

den Berg heran.

Wie er schließlich in das Verlies des Geisterbeschwörers gekommen ist, wo ich

ihn gefangen fand, das weiß ich nicht.

»Was habt ihr denn dort getan ?« fragte Thorin mit einem Schauder, und alle

Zwerge bekamen eine Gänsehaut.

Das braucht ihr nicht zu wissen.

Ich mußte etwas auskundschaften, wie gewöhnlich, und es war ein

gefährliches Geschäft.

Selbst ich, Gandalf, bin gerade noch mit heiler Haut davongekommen.

Ich wollte euren Vater retten, aber es war zu spät. Er war ohne Verstand,

irre und hatte fast alles vergessen, ausgenommen die Karte und den Schlüssel.

»Wir haben es vor langer Zeit den Orks von Moria heimgezahlt«, sagte Thorin.

»Jetzt wäre es an der Zeit, dem Geisterbeschwörer eine Lehre zu erteilen

»Redet kein dummes Zeug. Das ist ein Geschäft, das die Kräfte aller Zwerge

überschreitet, selbst wenn sie einer aus allen vier Enden der Welt zusammenrufen

würde. Das Einzige, was euer Vater wünschte, war, dass ihr die Karte lesen

den Schlüssel benutzen sollt .« »Drache und Berg sind mehr als große Aufgaben

für euch .« »Hört, hört !« warf Bilbo ein, und zufällig sagte er es laut.

»Hört was ?« fragten sie alle und wandten sich Bilbo plötzlich zu.

Er wurde darüber so verwirrt, dass er sagte, »Hört, was ich euch zu sagen habe

.« »Gern, und was wäre das ?« fragten sie.

»Also, passt auf, ich würde sagen, dass ihr nach Osten gehen und euch einmal

dort umschauen solltet .« Schließlich gibt es da eine Nebentür, und Drachen

sollen manchmal schlafen, vermute ich.

Wenn ihr lange genug dort auf der Türschwelle sitzt, so möchte ich

dass euch etwas einfällt.

Und nun gut, meint ihr nicht auch, dass wir für eine Nacht lange genug

gesprochen haben?

Wenn ihr versteht, was ich damit meine, was haltet ihr von einem Bett und von

einem frühen Aufbruch?

Ich werde euch ein gutes Frühstück geben, bevor ihr auszieht .« »Bevor wir

ausziehen, das meint ihr doch sicher ,« sagte Thorin.

»Seid Ihr nicht der Meister Dieb?

Und ist das Sitzen auf der Türschwelle dort nicht Euer Geschäft, vom

gar nicht zu sprechen?

Aber was Bett und Frühstück betrifft, so stimme ich zu.

Ich habe sechs Eier mit Schinken gern, wenn ich eine Reise beginne, aber fein

gebraten, keine gerührten Eier, und laßt sie bloß nicht auslaufen .« Nachdem

auch alle anderen ihr Frühstück ohne das geringste Bitteschön bestellt hatten,

was Bilbo sehr verärgerte, standen sie auf.

Der Hobbit mußte Platz für alle schaffen und erfüllte seine Gastzimmer und

machte Betten auf Stühlen und Sofas, bis er jeden verstaut hatte.

Dann legte er sich in sein eigenes kleines Bett und war sehr müde und nicht

gerade glücklich.

Eines stand jedoch für ihn fest.

Mit dem Aufstehen und mit der Zubereitung des lumpigen Frühstücks

nicht allzu sehr beeilen.

Die Tuckseite brauchte sich auf, und er war jetzt gar nicht mehr sicher, daß er

am nächsten Morgen auf Reisen gehen würde.

Wie er so in seinem Bett lag, konnte er Thorin nebenan, im zweitbesten

Schlafzimmer, noch immer vor sich hinsummen hören.

Weit über die kalten Nebelberge, zu den tiefen Verliesen und uralten Höhlen,

müssen wir fort, ehe der Tag anbricht, unser lang vergessenes Gold suchen.

Dies in den Ohren, schlief Bilbo ein, und es bescherte ihm recht unangenehme

Träume.

Es war lang nach Tagesanbruch, als er aufwachte.

Zwei Gebratenes Hammelfleisch Bilbo sprang auf,

zog seinen Morgenrock an und ging in das Speisezimmer.

Dort sah er niemanden, fand jedoch alle Zeichen eines ausgedehnten, aber eiligen

Frühstücks. In dem Zimmer war ein Durcheinander zum Fürchten, und Haufen

ungespültem Geschirr standen in der Küche, fast alle Töpfe und Pfannen, die

besaß, schienen gebraucht zu sein, der Aufwasch war traurige Tatsache.

Bilbo mußte einsehen, daß die Gesellschaft der Nacht zuvor keineswegs

Albtraum entsprungen war, wie er fast gehofft hatte.

Nach allem war er sogar erleichtert bei dem Gedanken, daß die ungebetenen Gäste

ohne ihn fortgegangen waren und ihn nicht einmal geweckt hatten.

»Aber ohne ein Dankeschön«, dachte Bilbo.

Er fühlte sich ein bisschen enttäuscht, und dieses Gefühl überraschte ihn.

»Sei kein Narr, Bilbo Beutlin«, sagte er zu sich selbst, »in deinem Alter an

Drachen und all den ausländischen Unsinn zu denken .« So band er sich eine

Schürze um, machte Feuer, ließ Wasser kochen und wusch auf.

Dann verzehrte er ein hübsches kleines Frühstück in der Küche, bevor er das

Speisezimmer auskehrte.

Die Sonne schien, die Haustür stand offen und ließ eine warme Frühlingsbrise

herein. Bilbo begann laut zu pfeifen und die vergangene Nacht zu vergessen.

Gerade hatte er sich im Speisezimmer am offenen Fenster zu einem kleinen zweiten

Frühstück niedergesetzt, als Gandalf hereinkam.

»Mein lieber Junge«, sagte er, »wann gedenkt Ihr eigentlich zu kommen?

Wie war das mit dem frühen Aufbruch ?« »Und hier sitzt ihr nun beim Frühstück

oder wie ihr es nennt um halb elf.

Sie haben euch doch eine Nachricht hinterlassen, weil sie nicht warten

.« »Eine Nachricht ?« fragte der arme Mr. Beutlin ganz verwirrt.

»Du lieber Himmel«, antwortete Gandalf, »ich kenne euch nicht wieder.

Habt ihr denn den Kaminsims noch nicht abgestaubt ?« »Was hat das damit zu tun?

Ich habe genug mit dem Abwasch für Vierzehn zu schaffen gehabt .« »Hättet

den Kaminsims abgestoppt, so hättet ihr dies hier unter der Uhr gefunden«, sagte

Gandalf und übergab Bilbo einen Brief, der natürlich auf Bilbos eigenem

Briefpapier geschrieben war.

Da war Folgendes zu lesen.

»Torin und Company grüßen den Meisterdieb Bilbo. Für eure

unseren aufrichtigen Dank und für euer Angebot beruflicher Hilfeleistung unsere

freundliche Annahme .« Bedingungen.

Auszahlung bei Ablieferung. Der Betrag darf den 14.

Teil des Gesamtgewinns, wenn es überhaupt welchen geben sollte,

ihn aber keinesfalls überschreiten.

Alle Reisekosten in jedem Falle garantiert.

Begräbniskosten werden von uns oder unseren Vertretern getragen, falls sich

Notwendigkeit ergeben sollte und die Angelegenheit nicht auf andere Weise

geregelt werden kann.

Da wir es nicht für notwendig erachten, Eure hochgeschätzte Ruhe zu stören, sind

wir vorausgegangen, um unsere Vorbereitungen zu treffen, und werden

geachtete Persönlichkeit beim Gasthaus zum grünen Drachen zu Wassernach .11

erwarten. Hoffend, dass Ihr pünktlich sein werdet, haben wir die Ehre zu

verbleiben, Eure sehr verbundenen Thorin und Co.

Das lässt Euch gerade noch zehn Minuten.

Ihr müsst laufen, bemerkte Gandalf.

Aber, sagte Bilbo, keine Zeit dafür, sagte der Zauberer. Aber ich, fing

Bilbo noch einmal an, auch dafür keine Zeit, ihr müsst losgehen.

Bis zum Ende seiner Tage konnte Bilbo sich nicht erinnern, wie er

war, ohne Hut, ohne Spazierstock und ohne Geld, ohne irgendetwas, das er

gewöhnlich mit sich nahm, wenn er ausging.

Sein zweites Frühstück ließ er halb beendet und das Geschirr ungespült.

Die Schlüssel drückte er Gandalf in die Hand, und dann rannte er, so schnell wie

seine bepelzten Füße ihn den Weg hinunter trugen, an der großen Mühle

über das Wasser, und dann eine ganze Meile weiter oder mehr.

Er schnaufte mächtig, als er Wassernacht genau auf den Glockenschlag elf

erreichte, und dabei entdeckte er, dass er ohne Taschentuch unterwegs war.

sagte Balin, der an der Wirtshaustür nach ihm Ausschau gehalten hatte.

Gerade in diesem Augenblick kamen die anderen um die Wegkehre vom Dorf her.

Sie saßen auf Ponys, und jedes Pony war bepackt mit allen möglichen

Gepäckstücken, Paketen, Bündeln und Ausrüstungsgegenständen.

Es war auch ein sehr kleines Pony dabei, augenscheinlich für Bilbo.

»Auf, ihr zwei, und los geht's !« sagte Thorin.

»Es tut mir frecklich leid ,« entgegnete Bilbo.

Aber ich bin ohne Hut gekommen, habe mein Taschentuch vergessen und kein Geld

eingesteckt. Um genau zu sein, ich habe euren Brief erst nach zehn Uhr

fünfundvierzig bekommen .« »Ihr braucht nicht genau zu sein«, sagte Dvalin, »und

sorgt euch nicht deshalb. Ihr werdet auch ohne Taschentücher und ohne manches

andere zurechtkommen, bevor das Ende der Reise erreicht ist.

Und was den Hut angeht, so habe ich einen überzähligen Kapuzenmantel in

Gepäck .« So nahm die Reise ihren Anfang.

Sie trotteten mit ihren beladenen Ponys an einem schönen Morgen kurz vor dem 1.

Mai vom Wirtshaus los.

Bilbo trug eine dunkelgrüne Kapuze, sie war ein bisschen verschossen, und einen

dunkelgrünen Mantel, den Dvalin ihm geliehen hatte.

Beides war ein bisschen weit für ihn, und er sah ziemlich komisch darin aus.

Was hätte sein Vater Bungo gesagt?

Ich wage es nicht auszudenken.

Bilbos einzige Beruhigung war, dass er nicht mit einem Zwerg verwechselt werden

konnte, denn er trug keinen Bart.

Sie waren noch nicht sehr lange geritten, als Gandalf auf einem

weißen Pferd erschien.

Er hatte eine Masse Taschentücher mitgebracht und Bilbos Pfeife und Tabak

So ritt die Gesellschaft in bester Stimmung weiter.

Man erzählte einander Geschichten und sang Lieder.

Den ganzen Tag über wurde geritten, ausgenommen natürlich, wenn man der

Mahlzeiten wegen anhielt.

Diese jedoch gab es durchaus nicht so oft, wie Bilbo es gern gesehen hätte,

immerhin kam es ihm so vor, als ob Abenteuer schließlich doch nicht so

wären, wie er angenommen hatte.

So ging es eine ganze Weile.

Ein ausgedehnter Landstrich musste durchquert werden, der von einem

Volk bewohnt wurde, von Menschen, Hobbits, Elben und was weiß ich von wem

noch. Die Wege waren gut, es gab auch ein paar Gasthäuser.

und hin und wieder traf man einen Zwerg, einen Kesselflicker oder einen Bauern,

die ihren Geschäften nachgingen.

Aber nach einer gewissen Zeit gelangten sie in eine Gegend, wo die Leute

sonderbar sprachen und Lieder sangen, die Bilbo nie zuvor gehört hatte.

Die Gasthäuser wurden rar und waren gar nicht gut, und die Wege wurden immer

schlechter. Höher und höher erhoben sich die Berge. Auf einigen standen Burgen,

denen man ansah, dass sie zu bösen Zwecken erbaut worden waren.

Auch das Wetter, das bisher so schön gewesen war, wie es der Mai sonst nur in

fröhlichen Geschichten ist, schlug um, und es wurde geradezu scheußlich.

»Dabei haben wir morgen den ersten Juni«, brummte Bilbo, während er hinter

anderen in einer sehr schmutzigen Spur einherpatschte.

Teezeit war vorüber.

Es gott in Strömen, und es hatte den ganzen Tag über schon so gegossen.

Von der Kapuze tropfte es ihm in die Augen. Der Mantel hatte sich voll Wasser

gesogen. Das Pony war müde und stolperte über die Steine, und die anderen waren

viel zu brummig, um zu sprechen.

»Ich bin sicher, dass der Regen bis in die Kleider gegangen ist und in die

Verpflegungspaschen«, dachte Bilbo.

»Verflixte Meisterdieberei und alles, was damit zu tun hat.

Ich wünschte, ich wäre zu Hause in meiner hübschen Höhle beim Kaminfeuer,

gerade der Kessel anfängt zu summen .« Es war nicht das letzte Mal, dass er

das wünschte.

Die Zwerge trotteten weiter, keiner drehte sich um.

Keiner nahm vom Hobbit Notiz.

Hinter den grauen Wolken musste die Sonne untergegangen sein, denn es wurde

dunkel. Wind kam auf, und die Weiden am Flussufer beugten sich und seufzten.

Ich weiß nicht, was für ein Fluss es war.

Er floss sehr rasch und war erdig rot.

Die Regengüsse der letzten Tage hatten ihn stark anschwellen lassen.

Er kam herab aus Hügeln und Bergen, die vor ihnen lagen.

Es war beinahe Nacht.

Der Wind riß die grauen Wolken auf, und zwischen den fliegenden Wolkenfetzen

erschien der Mond über den Bergen.

Sie hielten an, und Thorin brummte etwas von Abendessen und »Wo sollen wir einen

trockenen Fleck zum Schlafen finden ?« Bisher hatten sie nicht bemerkt, dass

Gandalf verschwunden war.

Er war den ganzen Weg bei ihnen gewesen.

Kein Wort hatte er darüber verlauten lassen, ob er am Abenteuer teilzunehmen

gedachte oder ob er ihnen nur für eine Weile Gesellschaft leisten wollte.

Er hatte am meisten gegessen, am meisten erzählt und am meisten gelacht.

Und nun war er einfach nicht mehr da.

Ausgerechnet, wenn ein Zauberer am nützlichsten sein könnte, maulten Dori

Nori, die des Hobbits Ansichten über regelmäßige, zahlreiche und ausführliche

Mahlzeiten teilten.

Endlich beschlossen sie, dass sie ihr Lager hier an Ort und Stelle errichten

wollten. Sie zogen zu einer Baumgruppe, unter der es zwar ein bisschen trockener

war, Aber der Wind schüttelte den Regen von den Blättern, und das Drip -Drip war

höchst störend.

Auch schien das Unglück ins Feuer gefahren zu sein.

Zwerge können überall und aus allem Feuer machen, mit Wind oder ohne Wind,

in dieser Nacht gelang es ihnen nicht.

Selbst Oin und Gloin nicht, die darin besonders gut waren.

Dann bekam eines der Ponys vor einem Nichts einen Schreck und ging durch.

Es sprang in den Fluß, bevor sie es fangen konnten.

Und bevor sie es wieder herausholen konnten, waren Fili und Kili beinahe

ertrunken, und das ganze Gepäck, das das Pony getragen hatte, wurde vom Strom

weggerissen.

Ausgerechnet ihre Verpflegung war dahin. Es blieb ihnen sehr wenig für das

Abendessen und noch weniger für das Frühstück übrig.

Da saßen sie klamm und nass und laut brummend, während Oin und Gloin es noch

einmal mit dem Feuer versuchten und sich dabei in die Haare gerieten.

Bilbo dachte gerade traurig darüber nach, dass Abenteuer durchaus nicht nur

Spazierritze auf dem Pony im Mai -Sonnenschein waren, als Balin, der

Ausguck übernahm, herüberrief, »Da oben ist ein Licht !« Sie lagerten nicht weit

von einem Berg, der teilweise dicht bewaldet war.

Zwischen den dunklen Stämmen konnte man ein Licht scheinen sehen, ein rötliches,

sehr angenehm aussehendes Licht.

Vielleicht ein Feuer oder eine flackernde Fackel.

Nachdem sie eine Weile hingeschaut hatten, begannen sie zu streiten.

Einige sagten Nein und andere sagten Ja.

Einige sagten, wer wollte, könnte ja gehen und nachschauen, und das wäre am

besser als wenig Abendbrot und noch weniger Frühstück und nasse Kleider die

ganze Nacht.

Wieder andere sagten, diese Landstriche sind nicht genug erforscht.

Sie liegen zu nahe am Gebirge.

Reisende kommen selten so weit, die alten Karten taugen nicht, die

sind flimm geworden, und die Straße ist unbewacht. Man hat auch noch gar nichts

von dem König hier herum gehört, und je weniger genau einer hinschaut, wenn er

hier durchzieht, desto weniger Verdruss wird er haben.

Einige sagten, schließlich sind wir vierzehn.

Andere fragten, wohin ist Gandalf verschwunden?

Diese Bemerkung wurde von allen wiederholt.

Dann begann der Regen herabzurauschen, schlimmer denn je, und Oin und Gloin

gerieten sich abermals in die Wolle.

Das gab den Ausschlag.

»Wie es auch sei, wir haben einen Meisterdieb bei uns«, sagten sie, und so

machten sie sich auf und führten ihre Ponys mit aller gebührenden Vorsicht auf

den Lichtschein zu.

Sie kamen an den Fuß des Berges und waren bald im Wald.

Sie gingen den Berg hinauf.

aber es war kein ordentlicher Pfad zu sehen, der vielleicht zu einem Haus oder

zu einem Bauernhof hätte führen können.

Sie taten, was sie konnten, und machten doch allerhand Krach, Geraschel und

Geknarre, als sie zwischen den Bäumen in pechschwarzer Nacht dahin zogen, und

ein Gutteil Murren und Fluchen kam auch dazu.

Plötzlich schimmerte das rote Licht ganz hell und gar nicht weit vor ihnen durch

die Bäume.

»Jetzt ist unser Meisterdieb an der Reihe ,« sprachen sie und schauten Bilbo

»Geht los und kundschaftet dieses Licht aus.

Seht zu, warum es leuchtet und ob dort alles sicher und ohne Gefahr ist ,«

Thorin zu dem Hobbit.

»Geht jetzt und kommt rasch zurück, falls alles in Ordnung ist.

Wenn nicht, dann kommt zurück, falls ihr könnt.

Falls es aber nicht geht, dann heult zweimal lang wie eine Schleiereule und

einmal kurz wie eine Baumeule.

Und dann wollen wir tun, was wir können.

Bilbo musste losgehen, bevor er erklären konnte, dass er überhaupt wie keine

einzige Eulensorte zu heulen verstand.

Ebenso gut hätte man verlangen können, er solle wie eine Fledermaus fliegen.

Aber wie dem auch sei, Hobbits können sich lautlos in den Wäldern vorwärts

bewegen. Sie sind stolz darauf.

Mehr als einmal hatte Bilbo schon verächtlich über das geschnauft, was er

Zwergenspektakel nannte, wenn die Kerle so daher tapsten.

Obgleich weder ihr noch ich in einer solch stürmischen Nacht irgendetwas

vernommen hättet, nicht einmal, wenn die ganze Gesellschaft in zwei Schritt

Entfernung vorübergerumpelt wäre.

Bilbo pirschte sich also an den roten Lichtschein heran, und nicht einmal

Wiesel zuckte ein Schnurrbarthaar.

Bilbo ging geradewegs auf das Feuer zu, denn ein Feuer war es, ohne irgendwen

aufzustören. Und dies sah unser Hobbit.

Drei mächtig große Kerle saßen rund um ein gewaltiges Feuer aus Buchenstämmen.

Sie brieten Hammelfleisch an langen, hölzernen Bratspießen und leckten das

von ihren Fingern.

Ein außerordentlich wohltuender Duft stach ihm in die Nase.

Auch stand ein Fass mit einem guten Tropfen neben ihnen, und die Kerle

aus Krügen.

Es waren augenscheinlich Trolle.

Selbst Bilbo, trotz seines bisher wohlgeordneten Lebens, konnte das sehen.

An den groben Gesichtern, an ihrer Größe, an der Länge ihrer Beine, nicht

erwähnen ihre Sprache, die keineswegs gepflegt war.

Keineswegs.

»Hammelfleisch gestern, Hammelfleisch heute, und verdammt, wenn ich morgen

noch Hammelfleisch rieche ,« sagte einer von den Treuen.

»Seit langem haben wir nicht einen winzigen Fetzen Menschenfleisch gegessen

sagte der Zweite.

»Was zur Hölle hat Bill sich dabei gedacht, als er uns in diese Gegend

Und noch schlimmer, das Gesoff wird auch schon alle !« Dabei stieß er Bill, der

gerade einen tiefen Zug aus dem Krug tat, am Ellbogen.

Bill verschluckte sich.

»Halt dein Maul !« sagte er, sobald er die Sprache wiederfand. »Ihr könnt doch

nicht erwarten, dass die Leute hierbleiben und von dir und Bert

wollen !« »Mittlerweile habt ihr zusammen eineinhalb Dörfer gefressen,

aus dem Gebirge herunterkamen. Wie viel wollt ihr denn noch fressen? Es wäre

längst an der Zeit gewesen, für einen solch netten fetten Hammelbrocken wie

einer wahr Dankeschön zu sagen .« Dabei riß er einen ordentlichen Fetzen von der

Hammelkeule, die er gerade röstete, und wischte sich den Mund am Ärmel ab.

Ja, es ist schlimm.

Trolle benehmen sich nun einmal so, selbst diejenigen, die nur einen Kopf

Nachdem Bilbo das erlauscht hatte, hätte er eigentlich sofort etwas unternehmen

müssen.

Entweder hätte er geräuschlos zurückgehen und seine Freunde warnen

hier drei ausgewachsene Trolle in unangenehmer Laune saßen, Burschen, die

gern einmal gebratene Zwerge oder zur Abwechslung wenigstens Ponys versuchen

würden.

Oder er hätte rasch eine vernünftige Dieberei ausführen müssen.

Ein wirklich erstklassiger und berühmter Meisterdieb hätte an seiner Stelle wohl

etwas aus den Trolltaschen herausgebitzt, das lohnt sich fast

Hammelfleisch von den Bratspießen gestohlen, das Bier entwendet und sich

unbemerkt zurückgezogen.

Andere, mehr praktisch denkende, aber weniger berufsstolze Leute, würden jedem

der Kerle vielleicht einen Dolch zwischen die Rippen gesetzt haben, ehe

überhaupt etwas merkten, und dann hätte man die Nacht angenehm verbringen

können.

Bilbo wußte es.

Er hatte eine Menge Dinge gelesen, die er niemals gesehen oder selbst getan

hatte.

Jetzt aber war er sehr beunruhigt und ebenso entrüstet.

Er wünschte sich hundert Meilen fort.

Und doch, irgendwie brachte er es nicht übers Herz, strax mit leeren Händen zu

Thorin und seinen Gesellen zurückzugehen.

So stand er im Schatten und zögerte.

Da ihm von den verschiedenen Liebesgeschäften, von denen er gehört

Ausnehmen von Trolltaschen das am wenigsten Schwierige schien, kroch er

hinter dem Baum, vor dem Bill saß.

Bert und Tom gingen ans Fach, und Bill trat einen neuen kräftigen Zug.

Dann nahm Bilbo all seinen Mut zusammen und steckte seine kleine Hand in Bills

riesige Tasche.

Es war eine Geldbörse darin, für Bilbo so groß wie ein Sack.

Ha! dachte er, als er die Börse vorsichtig herausholte.

Und seine neue Arbeit gefiel ihm dabei schon bedeutend besser.

Das ist ein schöner Anfang.

Und das war er auch.

Trollbörsen sind nämlich ein Unglück, und diese war keine Ausnahme.

»Hier bin ich! Wer seid ihr ?« quiekte sie, als sie aus der Tasche

wurde, und Bill drehte sich sofort um und griff Bilbo beim Nacken.

»Teufel, Bert, sieh dir an, was ich gegriffen habe !« rief Bill.

»Was ist das denn ?« fragten die anderen und kamen heran.

»Wenn ich selbst wüsste! Hilfe, bist du ?« »Bilbo Beutlin, ein Meister,

ein Hobbit !« sagte der arme Bilbo, klapperte mit den Zähnen und überlegte,

er einen Eulenruf ausstoßen konnte, bevor sie ihn erdrosselten.

»Ein Meister -Hobbit ?« fragten sie, ein bisschen erschrocken.

Trolle sind schwer von Begriff und sehr misstrauisch, allem Neuen gegenüber.

»Was zum Teufel hat aber ein Meister -Hobbit mit meiner Tasche zu tun ?«

Bill. »Kann man den wohl kochen ?« meinte Tom.

»Du kannst es ja versuchen ,« entgegnete Bert und nahm einen kleinen Bratspieß

auf.

»Er wird kaum einen Mund voll geben .« beschwichtigte Bill, der sich bereits

ausgezeichnetes Abendessen einverleibt hatte.

»Jedenfalls nicht, wenn Haus und Gräten weg sind .« »Wie läuft noch mehr von dem

Zeug hier herum, und wir können ja Haktisch machen«, sagte Bert.

»Hey du, kriegen da noch mehr von deiner Sorte in den Wäldern herum, du

schmutziges kleines Kaninchen ?« fragte er und schaute auf die braunen Pelzfüße

des Hobbits.

Er griff ihn bei den Zehen und schüttelte ihn.

»Ja, massenweise«, schrie Bilbo, bevor er sich daran erinnerte, dass man seine

Freunde nicht preisgeben darf.

»Nein, kein einziger, nicht ein einziger«, sagte er sofort hinterher.

»Was meinst du eigentlich ?« drohte Bert und hob ihn diesmal an den Haaren hoch.

»Genau, was ich sage«, entgegnete Bilbo keuchend. »Und bitte, kocht mich nicht,

meine werten Herren.

Ich bin selbst ein guter Koch und koche bestimmt besser, als wenn ihr mich kocht

.« »Hoffentlich versteht ihr, wie ich das meine.

Ich will wunderbar für euch kochen. Ihr sollt ein ganz großartiges Frühstück

haben, wenn ihr mich bloß nicht jetzt zum Abendessen verspeist .« »Arme Kröte

sagte Bill.

Ich berichtete schon, dass er bereits so viel Abendbrot gegessen hatte, wie sein

Magen es gerade noch vertrug.

Außerdem hatte er sich eine Riesenmenge Bier einverleibt.

»Arme Kröte!

Lasst sie hopsen !« »Nicht eher, als was er sagt, was er mit »Massenweise« und

»nicht ein Einziger« meint ,« erwiderte Bert.

»Ich lege keinen Wert darauf, dass mir jemand im Schlaf die Kehle

durchschneidet. Halt deine Zähne ins Feuer, bis er spricht .« »Das will ich

nicht ,« sagte Bill. »Ich habe ihn gegriffen .« »Du bist ein dicker Esel,

,« entgegnete Bert. »Das habe ich heute Abend schon einmal gesagt .« »Und du

bist ein Limmel .« »Und was das ist mir von dir nicht gefallen, Bill Huggins !«

schrie Bert und schlug Bill mit der Faust ins Auge.

Dann gab es eine prächtige Keilerei.

Bilbo hatte gerade noch so viel Verstand, dass er, als sie ihn auf die

fallen ließen, aus dem Bereich ihrer Füße kroch.

Und dann verbissen sich die beiden wie Hunde ineinander und warfen einander

möglichen durchaus zutreffenden Schimpfnamen an den Kopf.

Bald hatten sie sich gegenseitig im Schwitzkasten und rollten beinahe ins

Sie traten und schlugen um sich, während Tom mit einem Ast auf sie losprügelte,

um sie wieder zu Verstand zu bringen.

Aber das machte sie natürlich nur noch verrückter.

Jetzt wäre es für Bilbo an der Zeit gewesen, endgültig zu verschwinden.

Aber sein armer kleiner Fuß war in Berths Pranke sehr gequetscht worden.

Auch hatte er keine Luft mehr, und in seinem Kopf drehte sich alles um und um.

Japsens blieb Bilbo außerhalb des vom Feuer beleuchteten Kreises liegen.

Mitten während des Kampfes erschien Balin.

Die Zwerge hatten aus der Entfernung den Lärm gehört, und nachdem sie eine Weile

auf Bilbo oder auf einen Eulenruf gewartet hatten, kroch einer nach dem

so leise er es vermochte, auf das Licht zu.

»Kaum sah Tom !« den heranschleichenden Balin in den Lichtkreis treten, als er

ein schreckliches Geheul von sich gab.

Trolle verabscheuen ganz einfach den Anblick von Zwergen, Ungekochten.

Bert und Bill hörten sofort auf zu kämpfen und schrien, »Ein Sack zum Rasch

Bevor Balin, der sich wunderte, wo Bilbo bei all diesem Durcheinander steckte,

begriff, was geschah, hatte er schon einen Sack überm Kopf und lag auf dem

Boden.

»Da wird gleich noch mehr kommen !« rief Tom.

»Oha, ich muß mich mächtig täuschen!

Massenweise und nicht ein einziger, das ist es !« sagte er. »Keine Meister,

Obitz, aber eine ganze Masse von diesen Zwergen hier!

So also ist das zu verstehen !« »Ich weiß, du hast recht !« entgegnete Bert.

besten, wir gehen aus dem Licht !« Und das taten sie auch.

Mit Säcken in den Händen, die sie sonst dazu brauchten, Hammel und anderen Raub

wegzuschleppen, warteten sie im Schatten.

Jedes Mal, wenn ein Zwerg herankam und überrascht das Feuer anschaute, die

umgeschütteten Krüge und das angenagte Hammelfleisch, hopp, da hatte er einen

häßlichen, übelriechenden Sack über dem Kopf und lag auf der Erde.

Bald lag Dvalin neben Balin und Fili neben Kili, und Dori, Nori und Ori lagen

auf einem Haufen, und Oin und Gloin, Bifur, Bofur und Bombur stapelten sich

verhängnisvoll nahe beim Feuer.

»Das wird Ihnen eine Lehre sein«, sagte Tom, denn Bifur und Bombur hatten eine

Menge Mühe gemacht.

Sie hatten gefochten wie die Irren, wie Zwerge es tun, wenn sie in die Enge

getrieben werden.

Thorin kam zuletzt, aber er ließ sich nicht ahnungslos überrumpeln.

Er hatte schon ein Unglück vorausgeahnt und brauchte nicht erst die Beine seiner

Freunde aus den Säckenragen zu sehen, da begriff er schon, daß nicht alles zum

Besten stand.

Er blieb im Schatten und fragte, »Was ist hier los?

Wer hat meine Leute niedergeschlagen ?« »Das sind die Trolle«, erwiderte Bilbo

hinter einem Baum.

Die Kerle hatten ihn ganz vergessen.

»Mit Säcken, lauern sie in den Sträuchern«, fügte er hinzu.

»Oh, Tatsache«, sagte Thorin, und schon sprang er vorwärts zum Feuer, bevor sie

ihn erwischen konnten.

Er griff einen dicken, an seinem Ende helllodernden Ast, Und Bert bekam dieses

Ende ins Auge, ehe er wegspringen konnte.

Das setzte ihn für eine Weile außer Gefecht.

Auch Bilbo tat sein Bestes.

Er bekam Toms Bein zu fassen, so gut das ging, denn es war so dick wie ein

junger Baumstamm.

Aber er wurde auf ein Gebüsch hinaufgewirbelt, und Tom trat Thorin

Gesicht.

Dafür bekam Tom den Ast in die Zähne und verlor einen von den vorderen.

Er heulte ganz schön auf, das kann ich euch erzählen, aber gerade in diesem

Augenblick kam Bill von hinten heran und warf einen Sack genau auf Thorins Kopf

und herunter bis zu seinen Zehen.

Damit war der Kampf zu Ende.

Sie saßen nun ganz hübsch in der Falle, sauber in Säcke gebunden, mit drei

wütenden Trollen, die daneben hockten, zwei davon mit Brandblasen und Beulen,

und stritten, ob sie die Gesellschaft nun langsam rösten sollten, oder klein

hacken und kochen, oder ob sie sich nur der Reihe nach draufsetzen und sie zur

Sülze zerquetschen sollten.

Und Bilbo hing oben im Gesträuch, Kleider und Haut verrissen und wagte

nicht zu bewegen, aus Furcht, daß sie ihn hören könnten.

Gerade in diesem Augenblick kam Gandalf zurück.

Aber niemand sah ihn.

Die Trolle hatten inzwischen beschlossen, die Zwerge sofort zu rösten

später zu essen.

Übrigens war dies Bärts Gedanke.

Nach vielem Gerede hatten sie ihm zugestimmt.

»Zu blöd, sie bräuchten jetzt zu rösten. Das würde die ganze Nacht dauern«,

sagte eine Stimme.

Bärt nahm an, es wäre Bill.

»Wollen bloß nicht wieder mit der Streiterei an, Bill ?« sagte er, »oder

tatsächlich die ganze Nacht dauern .« »Wer streitet ?« fragte Bill, denn er

dachte, Bert hätte gesprochen.

»Du, wer denn sonst ?« antwortete Bert.

»Du bist ein Lügner !« sagte Bill, und schon begann der Streit von Neuem.

Am Ende beschlossen sie, die Zwerge fein zu hacken und sie zu kochen.

Sie holten also einen großen schwarzen Topf herbei und zogen ihre Messer

»Zu blöd, die Burschen zu kochen. Wir haben kein Wasser da, und es ist ein

schöner Weg bis hinunter zur Quelle«, sagte eine Stimme.

Bert und Bill dachten, es wäre Tom.

»Halt's Maul«, schrien sie, »oder wir schaffen es nie, und du kannst das

selbst holen, wenn du noch ein Wort sagst .« »Halt's Ungefahr, ist dein

rief Tom, der annahm, er hätte Bills Stimme gehört. »Ich möchte bloß wissen,

warum du dauernd nageln musst .« »Du bist ein Dämlack .« sagte Bill.

»Ein Demlack bist du selbst !« schrie Tom wütend zurück.

Und so begann die Streiterei schon wieder und wurde hitziger denn je, bis

schließlich übereinkamen, sich auf einen Sack nach dem anderen zu setzen, die

Zwerge zu zerquetschen und sie morgen zu kochen.

»Auf welchen Sack wollen wir uns zuerst setzen ?« fragte die Stimme.

»Am besten setzen wir uns auf den letzten zuerst ,« antwortete Bert.

dessen Auge von Thorin ganz schön befähigt worden war.

Er dachte, Tom hätte gesprochen.

»Rät nicht mit dir selbst«, rief Tom, »aber wenn du gerne auf dem Letzten

willst, setz dich doch drauf.

Welcher ist es denn ?« »Der mit den gelben Strümpfen«, sagte Bert.

»Unsinn, der mit den grauen Strümpfen«, widersprach eine Stimme, die Bills

Stimme ähnelte.

»Ich bin aber sicher, dass sie gelb waren .« behauptete Bert.

»Klar, sie waren gelb ,« sagte Bill.

»War hast du dann aber gesagt, dass sie grau waren ?« fragte Bert.

»Ich? Niemals. Tom hat es gesagt .« »Das habe ich nie gesagt ,« rief Tom wütend.

»Du warst es .« »Zwei zu eins, und jetzt halt dein Maul ,« sagte Bert.

»Mit wem sprichst du eigentlich ?« fragte Bill.

»Mach endlich Schluss !« riefen Tom und Bert gleichzeitig.

»Die Nacht geht vorbei, und die Dämmerung kommt früh. Fangen wir endlich

»Die Dämmerung holt euch alle, und zu Stein sollt ihr werden !« sagte eine

Stimme, die klang, als ob es Bills Stimme wäre, aber das war sie

Denn gerade in diesem Augenblick wurde es hell über dem Hügel, und ein

Zittern lief durch die Zweige.

Bill machte seinen Mund nicht mehr auf, denn er hatte sich in einen Stein

verwandelt, als er sich bückte.

Und Bert und Tom wurden zu Felsen, als sie sich nach ihnen umschauten.

Und so stehen sie noch bis auf den heutigen Tag.

Ganz einsam, wenn sich nicht gerade ein Vogel auf sie setzt.

Denn Trolle, wie ihr wahrscheinlich wisst, müssen vor der Dämmerung unter

Erde sein, oder sie werden wieder zu Gebirgsgestein, aus dem sie gemacht

und rühren sich nie mehr.

Und so geschah es mit Bert, Tom und Bill.

»Ausgezeichnet«, sagte Gandalf, als er hinter dem Gesträuch hervortrat, und

Bilbo half, aus dem Dornbusch herabzuklettern.

Da begriff Bilbo.

Es war des Zauberers Stimme gewesen, die die Trolle so lange nörgeln und

streiten ließ, bis das Licht kam und ein Ende mit ihnen machte.

Das nächste war, die Säcke aufzubinden und die Zwerge herauszulassen.

Sie waren nahezu erstickt und sehr übel gelaunt.

Nun... Es war ja auch wirklich keine Freude, da zu liegen und den Plänen der

Trolle zuzuhören, die sie rösten, zerquetschen und zerhacken wollten.

Bilbo mußte zweimal berichten, wie es ihm ergangen war, bis die Zwerge

zufrieden waren.

»Eine blödsinnige Gelegenheit, sich in der Meister - und der Taschentieberei zu

üben ,« bemerkte Bombur. »Was wir brauchten, war ein Feuer und etwas zu

»Und gerade das hättet ihr von diesen Burschen ohne einen Kampf nun einmal

erhalten .« sagte Gandalf.

»Jedenfalls vergeudet jetzt nicht eure Zeit.

Könnt ihr euch nicht vorstellen, daß die Trolle hier in der Nähe eine Höhle oder

ein Loch haben müssen, wo sie sich vor der Sonne verstecken? Wir müssen uns

umschauen .« Sie suchten die Umgebung ab, und bald fanden sie die Spuren der

Steinschuhe ihrer Trolle, die fort in den Wald führten.

Sie folgten ihnen bergauf, bis sie, durch Gebüsch verborgen, ein starkes

entdeckten, das zu einer Höhle führte.

Aber sie konnten es nicht öffnen, selbst als sie sich alle dagegen stemmten.

Gandalf versuchte inzwischen einige Zauberformeln.

»Könnte uns das vielleicht helfen ?« fragte Bilbo, nachdem sie müde und

ärgerlich geworden waren.

»Ich fand es auf dem Platz, wo die Trolle sich herumgeschlagen haben .« Er

einen großen Schlüssel in der Hand, den Bill ohne Zweifel für sehr klein und

geheim gehalten hatte.

Er mußte ihm aus der Tasche gefallen sein, bevor er zu Stein wurde.

»Warum in aller Welt habt ihr das nicht vorher gesagt ?« riefen sie.

Gandalf ergriff den Schlüssel und steckte ihn in das Schlüsselloch.

Das Felstor drehte sich mit kräftigem Schwung nach innen, und sie stolperten

hinein.

Da lagen Knochen auf dem Boden, und ein scheußlicher Geruch stand in der Luft.

Aber es gab hier eine ganze Menge an essbarem, achtlos auf Brettern und dem

Erdboden aufgestapelt.

Darunter befand sich ein unordentlicher Haufen von geraubtem Zeug, angefangen

mit Messingknöpfen bis zu Töpfen voller Goldstücke, die in einer Ecke standen.

Eine Menge Kleider baumelte an den Wänden, aber sie waren zu klein für

und ich fürchte, sie hatten einmal ihren Opfern gehört.

Zwischen ihnen hingen Schwerter verschiedener Form, Art und Größe.

Besonders zwei nahmen ihre Blicke wegen der wunderbaren Schwertscheiden und der

mit Juwelen besetzten Griffe gefangen.

Gandalf und Thorin ergriffen jeder eines, und Bilbo nahm ein Messer, das in

einer Lederscheide stak.

Für einen Troll wäre es höchstens ein winziges Taschenmesser gewesen, aber für

einen Hobbit war es geradezu ein Kurzschwert.

»Das sieht nach guten Klingen aus«, sagte der Zauberer.

der sie halb herauszog und aufmerksam betrachtete.

»Sie sind von keinem Troll gemacht, auch nicht von einem Menschenschmied dieser

Gegend und unserer Tage.

Aber wenn wir die Runen darauf lesen können, werden wir mehr darüber wissen

»Schwinden wir möglichst schnell aus diesem grässlichen Gestank !« sagte

So trugen sie also die Töpfe mit den Goldmünzen hinaus und die Lebensmittel,

noch unberührt waren und essbar aussahen, auch ein noch fast volles

Sie sehnten sich schon nach einem Frühstück, und da sie sehr hungrig

verschmähten sie keineswegs, was sie aus der Speisekammer der Trolle

herausgeholt hatten.

Ihre eigenen Vorräte waren sehr knapp, aber jetzt hatten sie Brot und Käse und

Bier genug und Speck zum Rösten in der glühenden Asche.

Danach schliefen sie, denn schließlich hatten sie eine bewegte Nacht hinter

sich, und so unternahmen sie bis zum Nachmittag nichts weiter.

Dann aber sattelten sie ihre Ponys, trugen die Töpfe mit Gold weg und gruben

insgeheim nicht weit von dem Pfad am Fluß ein.

Sie sprachen viele und mächtige Zauberformeln über ihnen aus, damit sie,

sie das Glück haben sollten, jemals zurückzukehren, den Schatz wiederfinden

konnten.

Als dies getan war, stiegen sie auf und trotteten auf dem Pfad weiter nach

Osten.

»Wo seid ihr gewesen, wenn ich fragen darf ?« sagte Thorin zu Gandalf im

»Nach vorn schauen«, antwortete der.

»Und was brachte euch gerade zur rechten Zeit zurück ?« »Nach hinten schauen«,

sagte er.

»Sehr richtig«, meinte Thorin, »aber könntet ihr nicht ein bisschen genauer

berichten ?« »Ich ging los, um unseren Weg auszukundschaften. Der wird bald

gefährlich und schwierig werden .« Auch sorgte ich mich um unsere wirklich nicht

sehr großen Vorräte.

Immerhin, ich war noch nicht weit gekommen, als ich ein paar von meinen

aus Rivendell traf.

»Wo ist das, Rivendell ?« fragte Bilbo.

»Unterbrecht mich nicht«, erwiderte Gandalf.

»Ihr seid in wenigen Tagen dort, wenn wir Glück haben, und dann seht ihr

.« Wie ich also sagte, traf ich zwei von Elronds Leuten.

Sie hatten es sehr eilig, aus Furcht vor den Trollen.

Die beiden haben mir erzählt, dass drei Trolle aus dem Gebirge gekommen wären

und sich dicht beim Wege in den Wäldern niedergelassen hätten.

Die Trolle hätten jedermann aus der Gegend vertrieben und würden Fremden

auflauern. Da hatte ich plötzlich das Gefühl, dass ich zurückkehren müsste.

Als ich zurückblickte, sah ich in der Ferne ein Feuer und ging darauf zu.

So, jetzt wisst ihr es.

»Bitte, seid vorsichtiger beim nächsten Mal, oder wir kommen niemals an unser

Ziel .« »Vielen Dank«, sagte Thorin.

Sie sangen nicht und erzählten auch keine

Geschichten an diesem Tag, obgleich das Wetter sich besserte.

Sie taten es auch am nächsten Tag nicht und auch nicht am Tag danach.

denn sie ahnten, dass ringsum Gefahren drohten.

Sie übernachteten unter den Sternen, und für ihre Pferde war der Tisch besser

gedeckt als für sie selbst.

Gras gab es genug, aber es gab nicht viel in ihren Vorratssäcken, selbst

mit dem, was sie bei den Trollen herausgeholt hatten.

An einem Morgen durchquerten sie den Fluss an einer breiten, seichten Stelle,

der das Wasser zwischen den Steinen brauste und rauschte.

Das andere Ufer war steil und glitschig.

Sie führten ihre Ponys hinauf, und von der Uferhöhe aus sahen sie, daß das

Gebirge dicht an sie herangekommen war.

Fast hien es, als brächte sie eines einzigen Tages leichte Reise zum Fuß des

ersten Berges.

Dunkel und düster sah er aus, obgleich Sonnenstreifen auf seinen braunen Hängen

lagen und hinter seinen Schultern die Spitzen der Schneehäupter glänzten.

»Ist das der Berg ?« fragte Bilbo mit feierlicher Stimme.

und betrachtete ihn mit großen, runden Augen.

Nie hatte er etwas so Gewaltiges gesehen.

»Keineswegs«, antwortete Balin, »dies ist nur der Anfang der Nebelberge, und

müssen hindurch oder hinüber oder drunter durch, ganz gleich wie, ehe wir

Einödland jenseits kommen.

Und es ist noch ein schöner Weg auf der anderen Seite zum einsamen Berg im

Osten, wo Smaug auf unserem Schatz liegt .« »Oh !« sagte Bilbo,

und in diesem Augenblick fühlte er sich müder als jemals in seinem Leben.

Er dachte abermals an seinen bequemen Stuhl vor dem Kaminfeuer, an sein

geliebtes Wohnzimmer in der Hobbit -Höhle und an den singenden Teekessel.

Und dies nicht zum letzten Male.

Nun führte Gandalf.

»Wir dürfen den Pfad nicht verlieren, oder es ist um uns geschehen ,« sagte

Außerdem brauchen wir Lebensmittel und Ruhe und sichere Raft.

Auch müssen wir die Nebelberge auf dem richtigen Pfad überqueren, sonst geht

ganz in die Irre, müsst zurückkehren und von vorn anfangen, wenn ihr überhaupt

jemals zurückkehrt .« Sie fragten ihn, was er vorhabe, und er antwortete,

»Ihr seid nun an die Grenze zur Wildnis gelangt, wie einige von euch vielleicht

wissen .« Irgendwo verborgen vor uns liegt das schöne Tal von Rivendell, wo

Elrond in seinem Anwesen lebt.

Ich schickte Botschaft durch meine Freunde, und wir werden erwartet .« Das

hübsch und angenehm, aber sie waren noch nicht dort, und wie es aussah, war es

gar nicht so einfach, dieses Anwesen westlich des Gebirges zu finden.

Scheinbar gab es keine Bäume, keine Täler und keine Hügel, die die

vor ihnen belebten.

nur einen riesig breiten, flachen Hang, der langsam vor ihnen bis zum Fuß des

nächsten Berges anstieg, ein weites, heidefarbenes Land mit verwitterten

grasigen und moosgrünen Flecken und Streifen, die wahrscheinlich Wasser

anzeigten.

Die Nachmittagssonne stand niedrig, aber in all der großen Einsamkeit fand sich

kein Zeichen, daß hier jemand hauste.

Sie wurden allmählich ängstlich, denn sie erkannten, daß das Haus irgendwo

zwischen ihnen und den Bergen gänzlich verborgen liegen mußte.

Unerwartet stießen sie auf enge Täler mit steil abfallenden Seiten, die sich

plötzlich zu ihren Füßen öffneten, und sie sahen überrascht auf Bäume hinab und

fließendes Wasser im Grund.

Da gab es Einschnitte, über die sie fast hinwegspringen konnten, aber sie waren

sehr tief, und unten rauschten Wasserfälle.

Da gab es düstere Schluchten, die man nicht überspringen, ja, in die man nicht

einmal hinabklettern konnte.

Da gab es Moore, einige schauten wie freundliche Flecke mit hohen leuchtenden

Blumen aus, aber wenn ein Pony mit seiner Last hineingeraten wäre, würde es

wieder herausgekommen sein.

Der Landstrich zwischen der Furt und den Bergen war also in der Tat viel

breiter, als einer vermutet hätte.

Bilbo wunderte sich sehr.

Der einzige Pfad war mit weißen Steinen gekennzeichnet.

Einige waren klein, andere halb bedeckt mit Moos oder Heidekraut.

Immerhin war es sehr mühselig, der Spur zu folgen, selbst wenn Gandalf führte,

der seinen Weg einigermaßen kannte.

Sie glaubten kaum ein Stück vorangekommen zu sein, als die Dämmerung

Sie folgten dem Zauberer, dessen Haupt und Bart sich unruhig bald da, bald

dorthin drehte, denn er suchte den Pfad.

Teezeit war lange vorüber, und es schien, als ob auch die Abendessenszeit

vorübergehen würde.

Nachtfalter flatterten umher.

Das Licht wurde sehr schwach, denn der Mond war noch nicht aufgegangen.

Bilbosponny stolperte über Wurzeln und Steine.

Da gelangten sie so plötzlich an den Rand eines steilen Abfalles, daß

Pferd beinahe den Hang hinunterrutschte.

»Hier ist es endlich !« rief er.

Tief unter ihnen sahen sie ein Tal.

Sie hörten das Rauschen rasch fließenden Wassers auf felsigem Grund, sie spürten

den Duft von Bäumen, und von der anderen Seite blinkte ein Licht herüber.

Niemals vergaß Bilbo den Weg, den sie in der Dämmerung hinabrutschten und

schlitterten, den steilen Zickzackpfad in das verborgene Tal von Rivendell.

Je tiefer sie hinabkamen, desto wärmer wurde die Luft, und der Duft der Kiefern

machte Bilbo so schläfrig, daß er gelegentlich einnickte und beinahe vom

fiel oder mit der Nase plötzlich auf der Mähne lag.

Ihre Lebensgeister erwachten jedoch, als sie tiefer hinabstiegen.

Den Kiefern folgten Buchen und Eichen, und sie fühlten sich hier unten im

Zwielicht sicher und geborgen.

Schon war das letzte Grün in den Wiesen verblasst, als sie eine offene Lichtung

am Ufer des Flusses erreichten.

»Hm, es riecht nach Elben«, dachte Bilbo und blickte auf zu den Sternen.

Sie leuchteten hell und bläulich.

In diesem Augenblick setzte in den Bäumen ein Singen ein, das wie ein

klang.

»Ich weiß ein paar Reiter, die ritten gern weiter, doch lasst heut die Pferde

und beschlagt erst die Pferde.

Wohin geht's, ihr Reiter? Wir sagen's nicht weiter .« Ein Hobbit auf Reisen

ein Nachtlager preisen. Auf Balin folgt Walin, der Weg ist zu lang hin.

Sing mit uns, seid heiter und reitet nicht weiter.

Im Haus raucht das reisig, da backen sie fleißig.

Doch die wehenden Barte kitzeln die Pferde.

Seid endlich gescheiter und reitet nicht weiter.

So lachten und sangen sie in den Bäumen.

Es war ein ganz schöner Unsinn, das kann man wohl behaupten, nicht wahr?

Aber sie würden nur noch mehr gelacht haben, wenn man es ihnen gesagt hätte.

Es waren eben Elben.

Bald konnte Bilbo sie auch erspähen, während die Dämmerung immer tiefer

herabfiel.

Er mochte Elben gut leiden, obgleich er selten welche traf.

Aber er fürchtete sich auch ein bisschen vor ihnen.

Zwerge dagegen verstehen sich nicht recht mit ihnen.

Selbst umgängliche Zwerge wie Thorin und seine Freunde halten Elben für ein

bisschen verrückt.

was genau bedacht ebenfalls ein bisschen verrückt ist, oder sie ärgern sich

sogar über sie, denn es gibt Elben genug, die sie foppen und sogar

meistens wegen ihrer Bärte.

»Prächtig«, sagte eine Stimme, »schaut nur her, Bilbo der Hobbit auf einem

das ist köstlich !« »Höchst erstaunlich und wunderbar !« Dann begannen sie mit

einem neuen Lied, das genauso lächerlich war wie das erste, das ich

aufgeschrieben habe.

Schließlich kam ein großer junger Bursche aus den Bäumen herab und

sich vor Gandalf und Thorin.

»Willkommen in unserem Tal«, sagte er.

»Schönen Dank«, antwortete Thorin ein bisschen frosch, aber Gandalf sprang

von seinem Pferd, stand zwischen den Elben und sprach lustig mit ihnen.

»Ihr seid ein bisschen vom Weg abgekommen«, sagte der Elb.

Das heißt, wenn ihr den einzigen Pfad gehen wollt, der über den Fluss und zum

Haus hinführt.

Wir wollen euch den richtigen Weg weisen, aber am besten ihr geht zu Fuß,

ihr über die Brücke gekommen seid.

Wollt ihr nicht ein bisschen bleiben und mit uns singen, oder wollt ihr wirklich

gleich weiterziehen?

Drüben wird das Abendessen vorbereitet ,« sagte er.

»Ich kann die Holzfeuer bis hierher riechen .« Müde, wie er war, wäre Bilbo

eine Weile geblieben.

Elbengesang, noch dazu im Juni, unterm klaren Sternenhimmel, sollte niemand

versäumen, der Musik liebt.

Auch hätte Bilbo gern ein paar Worte mit diesen Leuten gesprochen, die

anscheinend seinen Namen und vieles von ihm wußten, obgleich er sie niemals

vorher gesehen hatte.

Er dachte, ihre Meinung über sein Abenteuer könnte nützlich sein.

Elben wissen sehr viel und erfahren alle Neuigkeiten.

Sie hören schnell, was bei den Leuten im Land vorgeht.

So schnell, wie Wasser im Gebirgsfluß dahinschießt, vielleicht sogar noch ein

bißchen schneller.

Aber die Zwerge hielten mehr vom Abendessen.

Sie wollten keinesfalls bleiben, zogen also weiter und führten ihre Ponys, bis

sie auf einen ordentlichen Pfad gebracht worden waren und endlich an das Ufer

des Flußes gelangten.

Er floß schnell und laut rauschend dahin wie Gebirgsfluß an einem Sommerabend,

wenn die Sonne weit oben den ganzen Tag auf dem Knie gestanden hat.

Es gab nur eine ganz schmale Steinbrücke ohne Geländer, so schmal, daß gerade

ein Pony hinübertrotten konnte.

Langsam und vorsichtig betraten sie den Steg, einer nach dem anderen, und jeder

führte sein Pony am Halfter.

Die Elben hatten schimmernde Laternen ans Ufer gebracht und sangen ein

Lied, als die Gesellschaft hinüberzog.

»Lasst euren Bart nicht ins Wasser hängen, Vater !« riefen sie Thorin zu,

fast auf allen Vieren ging.

Er ist lang genug und braucht nicht begossen zu werden .« »Passt auf, dass

nicht alle Kuchen aufisst«, riefen sie. »Er ist jetzt schon zu fett, um durch

Schlüssellöcher zu kriechen .« »Still, still jetzt, Freunde, und gute Nacht«,

sagte Gandalf, der als letzter ging.

»Tähler haben Ohren, und einige von euch Elben haben eine viel zu lustige Zunge.

Gute Nacht !«

Und so kamen sie schließlich zum Haus an der Einödgrenze und fanden seine Türen

weit offen.

Nun, es ist merkwürdig, aber...

von einem Ereignis, das gut abläuft und von Tagen, die man angenehm verbringt,

ist rasch berichtet, und da gibt's auch nicht viel drüber zu hören.

Indessen lässt sich über unbequeme und aufregende, ja sogar schreckliche

Ereignisse eine gute Geschichte erzählen, jedenfalls ist eine Menge

sagen.

Die Zwerge blieben eine lange Zeit, vierzehn Tage, in dem guten Haus, und es

fiel ihnen schwer, es zu verlassen.

Bilbo wäre am liebsten für alle Zeiten hier geblieben, selbst dann, wenn ein

Wunsch ihn ohne Zwischenfälle hätte unmittelbar zurück in seine Hobbit

bringen können.

Aber es gibt doch noch etwas über den Aufenthalt zu berichten.

Der Herr des Hauses war ein Elbenfreund, einer von jenen Leuten, deren Vorväter

schon in den merkwürdigen Erzählungen vor dem eigentlichen Beginn der

Weltgesichte vorkamen, vor den Kriegen der Elben mit den Orks und vor den

Menschen im Norden.

In den Tagen unserer Erzählung gab es noch immer Leute, die sowohl Elben als

auch Helden aus den Ländern des Nordens als Ahnen hatten, und Elrond, der Herr

des Hauses, war ihr Oberhaupt.

Er besaß ein so edles und schönes Gesicht wie ein Elbenfürst, war so stark

ein Krieger, so weise wie ein Zauberer, so ehrwürdig wie ein Zwergenkönig und so

freundlich wie der Sommer.

Er kommt in vielen Geschichten vor.

Aber sein Anteil an der Erzählung von Bilbos großem Abenteuer ist nur gering,

obgleich wichtig, wie ihr sehen werdet, wenn wir jemals bis zum Ende kommen.

Sein Haus war schlechthin vollkommen, ob ihr an das Essen denkt oder an den

Schlaf, an die Arbeit oder an das Geschichten erzählen, an das Singen oder

nur an das einfache Dasitzen und Nachdenken, oder ob ihr an eine

Mischung von dem denkt, Unfriede kam nicht in dieses Tal.

Ich wünschte, ich hätte Zeit, um euch nur einige von diesen Geschichten oder

eine oder andere von den Liedern zu erzählen, die die Zwerge in diesem Haus

hörten.

Alle, und nicht zuletzt die Ponys, wurden in den wenigen Tagen dort wieder

frisch und unternehmungslustig.

Die Kleider wurden geflickt, die Verwundungen heilten, Stimmung und

waren zuversichtlicher denn je.

Die Taschen wurden mit Lebensmitteln und Vorräten gefüllt, die leicht zu tragen,

aber kräftig und stärkend waren, damit die Reisenden gut die Gebirgspässe

überqueren konnten.

Ihre Pläne wurden aufs Beste beraten.

So kam der Vorabend zur Sonnenwende heran, und mit dem frühen Licht des

Mittsommermorgens wollten sie weiterziehen.

Elrond, der sich auf alle Arten von Runen verstand, betrachtete an diesem

die Schwerter, die sie aus der Trollhöhle mitgebracht hatten, und

Sie sind nicht von den Trollen gemacht, es sind alte Elbenschwerter, die in

Gondolin für die Orgkriege geschmiedet wurden.

Sie müssen aus einem Drachenschatz oder aus dem Raub von Orgs stammen, denn

Drachen und Orgs zerstörten diese Stadt vor vielen, vielen Jahren.

Auf diesem Thorin ist aus den Runen der Name Orgrist zu lesen, der Orgspalter

in der alten Sprache von Gondolin.

Es war eine berühmte Klinge.

Dies hier, Gandalf, ist Glambring, der Feindhammer, den der König von Gondolin

vor Zeiten trug.

Haltet sie gut .« »Woher, meint ihr, haben die Trolle sie ?« fragte

Thorin und blickte mit neuer Anteilnahme auf sein Schwert.

»Ich kann es nicht sagen«, entgegnete Elrond, »aber man könnte vermuten, daß

Trolle andere Plünderer geplündert haben, oder auf die Reste alten Raubes

irgendeiner Gebirgshöhle gestoßen sind.

Ich hörte, daß man seit dem Krieg der Zwerge mit den Orks noch immer

Schätze in den verlassenen Gewölben der Bergwerke von Moria finden kann.

Thorin dachte über die Worte nach.

»Ich will die Zwerge in Ehren halten ,« sagte er, »möge es bald aufs neue Orks

zerspalten .« Ein Wunsch, der in den Bergen leicht genug erfüllt werden kann,

Erwiderte Elrond.

»Aber nun zeigt mir die Karte .« Er nahm sie und schaute sie lange an.

Dann schüttelte er den Kopf.

Denn obgleich er Zwerge und ihre Liebe zum Gold nicht allzu sehr schätzte,

hasste er doch die Drachen mit ihrer grausamen Verschlagenheit, und es

ihn, wenn er an die Ruinen der Stadt Dahl und ihre fröhlichen Glocken dachte

an die verbrannten Ufer des klaren, eiligen Wassers.

Die Silbersichel des Mondes leuchtete hell.

Er hielt die Karte hoch, und das weiße Licht schien hindurch.

»Was ist das ?« sagte er.

»Es sind Mondbuchstaben darauf, dicht neben den gewöhnlichen Runen, die da

sagen, fünf Fuß hoch die Tür, und drei können nebeneinander gehen .«

»Was ist das, Mondbuchstaben ?« fragte der Hobbit aufgeregt.

Er mochte Karten gern, wie ich euch schon gesagt habe, und er hatte auch

gern und Briefe und verzwickte Handschriften, obgleich er selbst ein

und spinnenhaft schrieb.

»Mondbuchstaben sind Runen«, sagte Elrond, »aber ihr könnt sie nicht sehen,

ihr einfach draufschaut.

Sie können nur gelesen werden, wenn der Mond hinter ihnen steht.

Bei den Verzwickten jedoch muß der Mond von der gleichen Form...« Und es muß die

gleiche Zeit sein, wie an dem Tag, an dem sie geschrieben wurden.

Die Zwerge erfanden die Mondbuchstaben und schrieben sie mit silbernen Federn,

wie Eure Freunde es Euch erzählen könnten.

Diese hier müssen vor langer Zeit, an einem Mittsommervorabend, bei

Mond geschrieben worden sein.

Und was sagen Sie?

fragten Gandalf und Thorin zugleich, ein bisschen verärgert, weil ausgerechnet

Elrond sie zuerst gefunden hatte, obgleich es in Wirklichkeit vorher gar

möglich war, und obwohl es, wer weiß, wann erst wieder eine neue Gelegenheit

dazu geben würde.

»Steht bei dem grauen Stein, wenn die Drossel schlägt ,« las Elrond, »und der

letzte Sonnenstrahl am Durinstag auf das Schlüsselloch fällt .« »Durin!

Durin !« sagte Thorin. »Er war der Vater der Väter des ältesten Zwergenstammes,

der Langbärte, und mein Vorfahr.

Ich bin sein Erbe .« »Aber was ist der Durinstag ?« fragte

Elrond. »Der erste Tag vom neuen Zwergenjahr«, erklärte Thorin, »ist, wie

jedermann weiß, der erste Tag des letzten Herbstwohnens am Beginn des

Noch immer nennen wir ihn den Durinstag, wenn der letzte Herbstvollmond und die

Sonne zugleich am Himmel stehen.

Aber dies wird uns nicht viel helfen, fürchte ich, denn es überschreitet

heutzutage unsere Fähigkeit herauszufinden, wann eine solche

wiederkommen wird .« »Das bleibt abzuwarten«, sagte Gandalf.

»Steht da noch mehr geschrieben ?« »Nichts, was bei diesem Mond zu sehen

sagte Elrond und ergab die Karte an Thorin zurück.

Dann gingen sie zum Fluß hinunter, denn sie wollten die Elben am

Mittsommervorabend tanzen und singen hören.

Der nächste Morgen war ein Mittsommermorgen, so klar und frisch,

ihn nur wünschen konnte.

Blauer Himmel und keine einzige Wolke, und die Sonne tanzte auf dem Wasser.

Unter vielen guten Wünschen und manchem Aufwiedersehen ritten sie davon.

Ihre Herzen waren bereit für neue Abenteuer, und sie kannten den Weg, dem

über die Nebelberge in das dahinterliegende Land folgen mußten.

Vier Über den Berg und unter den Berg Es gab viele

Wege, die hinauf in das Gebirge führten, und viele Pässe überquerten es.

Aber die meisten Pfade führten in die Irre, oder an unwegsame Stellen, und die

meisten Pässe waren voll böser und schrecklicher Gefahren.

Die Zwerge und der Hobbit, denen Gandalfs Kenntnisse und Elronds weiser

halfen, schlugen den richtigen Weg zum richtigen Pass ein.

Viele lange Tage, nachdem sie aus dem Tal hinausgestiegen waren und das Haus

der Einödgrenze Meilen hinter sich gelassen hatten, führte der Weg noch

aufwärts und nahm kein Ende.

Es war ein beschwerlicher und ein gefährlicher Weg, Ein krummer,

Pfad, einsam und lang dazu.

Jetzt konnten sie zurück über jene Länder schauen, die sie hinter sich

hatten.

Weit ausgebreitet lagen sie unter ihnen.

Weit in der Ferne, da wo alles in blattem Blau verschwamm, dort, so wußte

lag seine Heimat, ein Land voll Sicherheit und Bequemlichkeit, und dort

sich seine kleine Hobbit -Höhle.

Ihn froh.

Es war kalt geworden hier oben, und der Wind pfiff schrill um die Felsen.

Auch rollten zuweilen mächtige Blöcke, die sich in der Mittagssonne aus dem

Schnee gelöst hatten, die Berghänge herab.

Sie sausten zwischen der Gesellschaft durch, was ein Glück war, oder über ihre

Köpfe hinweg, was sehr aufregend war.

Die Nächte waren klamm und eisig.

Die Gesellschaft wagte nicht zu singen oder laut zu sprechen.

denn das Echo warf jedes Geräusch doppelt stark zurück.

Sie hatten den Eindruck, daß die Stille nur vom Tosen des Wassers, dem Klagen

des Windes und dem Krachen der Steine unterbrochen werden durfte.

»Dort unten geht der Sommer weiter«, dachte Bilbo, »und die Heuernte und auch

die Picknicks im Freien gehen weiter.

Sie werden ernten und sogar in die Brombeeren gehen, ehe wir den Abstieg

anderen Seite beginnen können .«

Und auch die anderen hatten ähnliche trübe Gedanken, obgleich sie aufgeräumt

der Überquerung des Gebirges und von einem raschen Ritt durch die Länder auf

anderen Seite gesprochen hatten.

Aber das war an einem hoffnungsvollen Mittsommermorgen gewesen, als sie von

Elrond Abschied nahmen.

In ihren Gedanken waren sie schon an der Geheimtür am einsamen Berg angekommen.

»Vielleicht langen wir schon beim nächsten Herbstmond an«, hatten sie

»und wer weiß, am Ende ist es dann gerade der Durinstag .«

Nur Gandalf hatte den Kopf geschüttelt und nichts darauf erwidert, denn die

Zwerge waren seit vielen Jahren diesen Weg nicht mehr gegangen.

Gandalf aber kannte ihn, und er wußte, wie das Böse und die Gefahr im Einödland

bedrohlich gewachsen waren, seitdem die Drachen die Menschen dort vertrieben und

die Orks nach der Schlacht um die Bergwerke von Moria sich im Geheimen

ausgebreitet hatten.

Selbst die guten Pläne weiser Zauberer wie Gandalf und rechter Freunde wie

Elrond werden zuweilen zunichte gemacht, wenn man jenseits der Grenze des

Einödlandes auf gefährliche Abenteuer auszieht.

Gandalf war ein Zauberer, der klug genug war, das zu wissen.

Er wußte, daß etwas Unerwartetes geschehen konnte, und er wagte kaum zu

daß sie ohne Schrecken und Abenteuer über dieses riesengroße Gebirge gelangen

würden, ein Niemandsland mit einsamen Gipfeln und Tälern, in denen keine

regierten.

Und in der Tat, es gelang ihnen nicht.

Alles war gut, bis sie eines Tages in ein Gewitter gerieten, in mehr als ein

Gewitter, in eine Schlacht von Gewittern.

Ihr wißt, wie entsetzlich ein großes Gewitter im flachen Land oder in einem

Flußtal sein kann, besonders, wenn zwei Gewitter mit mächtigem Getöse

aufeinander krachen.

Noch schlimmer aber sind Donner und Blitz nachts in den Bergen, wenn Stürme

Ost und West heran tosen und die Schlacht in den Lüften beginnt.

Die Blitze zersplitterten auf den Gipfeln, und die Felsen erzitterten.

Ein riesiges Getöse zerreißt die Luft und dringt grollend und dröhnend in jede

Höhle und in jedes Loch.

Die Finsternis ist erfüllt von überwältigendem Lärm und plötzlichen

Lichtflammen.

Niemals hatte Bilbo so etwas gesehen.

Niemals hatte er sich so etwas vorgestellt.

Sie waren hoch an einer engen Stelle mit einem schrecklichen Steilabfall, tief

hinab in ein düsteres Tal.

Dort hatten sie unter einem überhängenden Felsen für die Nacht

Bilbo lag unter seiner Decke.

und zitterte von Kopf bis Fuß.

Wenn er während eines Blitzes drunter hervorlugte, sah er jenseits des Tales

Steinriesen, die herausgekommen waren und sich zum Spaß Felsblöcke

zuschleuderten.

Die Riesen fingen die Felsen auf und warfen sie in die Finsternis, wo sie

unten Bäume zerschmetterten oder krachend in tausend Stücke zersprangen.

Dann rauschten die Winde, dann peitschten Regen und Hagel in jedwede

so daß der überhängende Fels keineswegs ein Schutz genannt werden konnte.

Bald waren sie gänzlich durchnässt.

Ihre Ponys standen mit hängenden Köpfen, die Schweife zwischen die Beine

geklemmt und einige wierten aus Furcht.

Sie konnten gut hören, wie die Riesen drüben im Gebirge in schallendes

und Gebrüll ausbrachen.

»Wir sind hier nicht gut untergebracht«, sagte Thorin.

Wenn wir nicht weggeblasen oder ersäuft oder vom Blitz erschlagen werden, so

greift uns gewiß einer von diesen Riesen auf und tritt uns wie einen Fußball in

den Himmel .« »Richtig, aber wenn ihr einen besseren Platz wisst, so führt uns

doch hin«,

sagte Gandalf, der mürrisch war und auch seinerseits keineswegs erbaut über die

Riesen dort drüben.

Das Ende der Streiterei war, dass sie Kili und Fili ausschickten, einen

Schutz zu suchen.

Die beiden hatten sehr scharfe Augen, und da sie, um etwa fünfzig Jahre jünger

als die anderen, die jüngsten unter den Zwergen waren, wurden sie für gewöhnlich

mit solchen Aufgaben betraut, nachdem jeder eingesehen hatte, dass es auch

den geringsten Zweck hatte, Bilbo loszuschicken.

»Es geht nichts über das Suchen, wenn man etwas finden will ,« so oder ähnlich

äußerte sich Thorin den jungen Zwergen gegenüber.

»Zwar findet man bestimmt etwas ,« Aber gewöhnlich ist es durchaus nicht das,

was man gesucht hat.

Und das war auch hier der Fall.

Bald kamen Kili und Fili zurückgekrochen.

Sie klammerten sich vor dem Sturm am Felsen fest.

»Wir haben eine trockene Höhle gefunden ,« sagten sie, »nicht weit hinter der

nächsten Felsnase.

Auch die Ponys passen hinein .« »Habt ihr die Höhle durch und durch erforscht

fragte der Zauberer.

Er wußte, daß Gebirgshöhlen selten unbewohnt waren.

»Ja, ja«, antworteten sie, obgleich jeder wußte, daß ihnen dazu gar keine

geblieben sein konnte.

»Die Höhle ist nicht allzu groß und geht auch nicht allzu tief in den Berg .«

Das ist natürlich die gefährliche Seite an Höhlen.

Man weiß nicht, wie weit sie reichen, wo ihre Gänge hinführen und was darinnen

auf einen wartet.

Aber jetzt schien Kilis und Filis Bericht zu genügen.

Sie standen auf und bereiteten ihren Umzug vor.

Der Sturm heulte noch immer, der Donner grollte, und sie hatten Mühe, sich und

die Ponys überhaupt voranzubringen.

Indessen war es wirklich nicht weit zu gehen, und bald kamen sie an einen

mächtigen Fels, der in den Pfad hereinragte.

Als sie ihn umgangen hatten, fanden sie einen niedrigen Torbogen in der

Bergseite.

Es blieb gerade Platz genug, daß die Ponys, nachdem man sie abgepackt und

abgesattelt hatte, sich durchquetschen konnten.

Als sie den Eingangsbogen passiert hatten, war es drinnen angenehm. Sie

draußen Wind und Regen toben, anstatt beides auf der eigenen Haut zu spüren.

Sie fühlten sich sicher vor den Riesen und den Felsblöcken.

Aber der Zauberer wollte nichts aufs Spiel setzen.

Er zündete seinen Zauberstab an, wie er es damals im Bilbo -Speisezimmer getan

hatte, wenn ihr euch erinnert, wie lange war das nun schon her, und untersuchte

die ganze Höhle von einem Ende zum anderen.

Sie schien brauchbar zu sein, nicht zu groß und nicht zu unheimlich. Sie hatte

einen trockenen Boden und einige gemütliche Niesen.

An einem Ende war Raum für die Ponys, und dort standen sie, sehr erfreut über

den Wechsel, dampften und schnauften in ihre Futterbeutel.

Uin und Gloin wollten am Eingang ein Feuer anzünden, um die Kleider zu

aber davon wollte Gandalf nichts wissen.

So breiteten sie ihre nassen Sachen auf dem Boden aus und holten Trockene aus

den Bündeln hervor, dann legten sie ihre Decken aus, machten es sich bequem,

holten ihre Pfeifen hervor und bliesen Rauchringe in die Luft.

Gandalf verwandelte sie in verschiedenfarbige, die er unter der

tanzen ließ, um die Gesellschaft zu erheitern.

Sie erzählten und erzählten, vergaßen den Sturm und redeten darüber, was jeder

mit seinem Anteil am Schatz unternehmen würde, wenn sie ihn ertätten, und das

schien in diesem Augenblick gar nicht so unmöglich.

Dann fiel einer nach dem anderen in Schlaf.

Und dies war das letzte Mal, dass sie ihre Ponys besaßen, das Gepäck, die

Vorräte, die Werkzeuge und all den anderen Kram, den sie mitgenommen

In dieser Nacht zeigte es sich, wie gut es war, dass sie Bilbo dabei hatten,

denn aus irgendeinem Grund konnte er erst nach langer Zeit einschlafen.

Und als er endlich einschlief, hatte er scheußliche Träume.

Er träumte, dass ein Spalt in der hinteren Felsmauer der Höhle immer

größer wurde und dass er immer weiter und weiter sich öffnete.

Und die Angst packte ihn.

Aber er konnte weder rufen noch etwas anderes tun.

Er lag nur und sah.

Dann träumte er, daß der Boden der Höhle zu sinken und zu rutschen anfing.

Tief zu fallen, immer tiefer, Gott weiß wohin.

Darüber wachte er mit einem entsetzlichen Ruck auf und fand einen

Traumes wahr.

Ein Spalt hatte sich an der Höhlenrückwand geöffnet und bildete

einen breiten Durchgang.

Bilbo konnte gerade noch den letzten Ponyschweif darin verschwinden sehen.

Natürlich sieht er einen schrecklich lauten Schrei aus, so laut ein Hobbit

schreien kann, und das ist, mit seiner Größe verglichen, immerhin ganz

erstaunlich.

Heraus sprangen Orks, gewaltige, koboldartige Wesen, große, übel

Orks, Massen von Orks, noch eher einer Rocks und Blocks sagen konnte.

Sechs kamen auf jeden Zwerg und zwei sogar auf Bilbo, und alle wurden

und durch den Spalt weggeschleppt, ehe sie Zunder und Flint sagen konnten.

Nur Gandalf nicht.

So viel hatte Bilbos Schrei wenigstens erreicht.

Gandalf war im Bruchteil einer Sekunde hellwach geworden, und als die Orks ihn

greifen wollten, erhellte ein entsetzlicher Strahl die Höhle wie ein

Pulvergestank verbreitete sich, und mehrere Orks blieben tot auf der

Schnappend schloß sich der Spalt.

Bilbo und die Zwerge waren auf der falschen Seite.

Wo aber blieb Gandalf?

Das wußten weder sie noch die Orks, und die warteten nicht darauf, bis sie es

herausgefunden hatten.

Sie schnappten Bilbo und die Zwerge und hasteten weiter.

Das geschah in völliger Dunkelheit, in einer Finsternis, durch die nur Orks,

im Herzen der Gebirgehausen hindurchsehen können.

Kreuzungen und Gabelungen liefen nach allen Richtungen, aber die Orks kannten

ihren Weg ebenso gut, wie ihr euren Weg zum nächsten Postamt kennt.

Immer tiefer führte der Weg hinab, und es war scheußlich dumpf und stickig.

Wüste Burschen waren diese Orks, und sie kniffen Bilbo und die Zwerge

unbarmherzig. Sie grunzten und lachten mit ihren schrecklichen, versteinerten

Stimmen. Und der Hobbit war noch viel unglücklicher als damals, als der Troll

ihn bei den Zehen hochgehoben hatte.

Er wünschte sich immer zu fort in seine hübsche, saubere Hobbit -Höhle, und das

nicht zum letzten Male.

Jetzt schimmerte ein rotes Licht auf.

Die Orks begannen zu singen, besser zu krächzen, und klopften mit ihren Füßen

den Takt, wobei sie ihre Gefangenen kräftig schüttelten.

»Klapp, schnapp, ins Finstre hinab !« Gripp, grapp, schneit ihm die Ohren ab.

Ab in den Orgturm, schrei nur, du Wurm.

Klatsch, ratsch, peitscht sie und patsch.

Knüppel und Leder, wimmerst du, watsch.

Eisen und Zangen im Orgturm, quietscht noch ein Wurm.

Zisch, zasch, schneller und rasch.

Gejammer, gewinsel, weh wird einer lasch.

Drunten grabt ihr den Nägelwund.

Murrt noch ein Hund?

Das klang entsetzlich.

Die Wände warfen das Echo von Klapp, Schnapp, Klatsch, Patsch und das

scheuftliche Gelächter ihres »Schrei nur, du Wurm« vielfältig zurück.

Die Bedeutung dieses »Gesanges« war allzu klar, denn jetzt holten die Orks

Peitschen heraus und knallten sie mit Sausen und Pfeifen auf die Rücken der

Unglücklichen.

Das brachte sie zum Laufen, so schnell sie nur konnten.

und mehr als einer von den Zwergen blökte und jammerte steinerweichend, als

endlich in ein weites Gewölbe hineinstolperten.

Das Gewölbe war in der Mitte durch ein großes, rotes Feuer erleuchtet und rings

an der Wand durch Fackeln.

Es wimmelte von Org.

Sie lachten und stampften und klatschten in die Hände, als die Zwerge

hereingerannt kamen, als letzter der arme Bilbo, der da durch den

Peitschenschlägen am nächsten war.

während die Treiber hinter ihnen herbrüllten und mit den Peitschen

Die Ponys hatte man vorher in einer Ecke zusammengetrieben, und da lagen auch

alle Gepäckstücke, aufgebrochen umher, von Orks durchstöbert, von Orks

angerochen, von Orks befingert, und die Orks hatten sich schon kräftig um sie

gestritten.

Es war wirklich das letzte Mal, daß sie diese ausgezeichneten kleinen Ponys

sahen, und den kräftigen weißen Kerl, den Elrond den Zauberer geliehen hatte,

sein Pferd für die Gebirgspfade nicht tauglich war.

Orks fressen nämlich Pferde und Ponys und Esel und noch anderes, viel

Schlimmeres. Trotzdem sind sie allzeit hungrig.

Jetzt aber konnten die Gefangenen nur an sich selbst denken.

Die Orks ketteten ihnen die Hände auf den Rücken, schlossen sie zusammen zu

einer langen Reihe und stießen sie in die letzte Ecke des Gewölbes.

Der kleine Bilbo schleppte sich am Ende der erbärmlichen Reihe hin.

Dort im Schatten saß, auf einem flachen Stein, ein riesenhafter Org mit einem

gewaltigen Kopf.

Bewaffnete Kerle standen rund um ihn und trugen Äcksel und gebogene Schwerter,

wie man sie bei diesen Wesen zu tragen pflegt.

Nun sind Orgs grausam, verschlagen und schlecht.

Sie stellen keine schönen Gegenstände her, aber sie sind keineswegs

Sie können Stollen graben, können minieren wie die geschicktesten Zwerge,

sie sich Mühe geben, aber für gewöhnlich sind sie unordentlich und schmutzig.

Hämmer und Äxte, Schwerter, Dolche und Picken, Zangen und Materwerkzeuge, das

machen sie gut, oder zwingen andere dazu, sie nach ihren Plänen

Gefangene und Sklaven, die arbeiten müssen, bis sie aus Mangel an Luft und

sterben.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sie einige von jenen Maschinen erfunden

haben, die seither die Welt verheeren, besonders jene ausgeklügelten

Vorrichtungen, die Massen von Lebewesen auf einen Schlag vernichten, denn Räder,

Maschinen und Explosionen erfreuten sie schon immer.

Mit eigenen Händen arbeiteten sie nur, wenn es nicht anders ging.

Aber in jenen Wüstengegenden waren sie damals noch nicht so weit

fortgeschritten, wie man das wohl nennt.

Zwerge hassten sie nicht aus besonderen Gründen, nicht mehr, als sie alle und

jeden hassten, und besonders die Ordentlichen und Tüchtigen.

Da und dort waren verschlagene Zwerge, Bündnisse mit ihnen eingegangen.

Gegen Thorins Volk jedoch hegten sie wegen des Krieges, von dem ihr schon

habt, einen besonderen Groll.

Sonst ist es den Orks gleich, wen sie fangen, solange es gerissen geschieht

geheim bleibt, und solange die Gefangenen nicht fähig sind, sich zu

»Wer sind diese elenden Steichen ?« fragte der große Ork.

»Zwerge! Und dieser Wurm dazu !« sagte einer von den Treibern, riß an der

so daß Bilbo nach vorn auf die Knie fiel. »Wir fanden sie schlafend in der

großen Eingangshalle .« »Was hattet ihr vor ?« fragte der große Org, wobei er

sich an Thorin wandte.

»Tot sicher nichts Gutes.

Spioniert ihr meine Leute aus, ich wäre nicht überrascht .« »Diebe Mörder und

Elbenfreunde, was denn sonst?

Los, was habt ihr zu sagen ?« »Zwerg Thorin, zu euren Diensten«,

antwortete er, doch es war nicht mehr als eine nichtssagende

»Von all dem, was ihr vermutet und euch vorstellt, entspricht nichts den

Tatsachen. Wir suchten nur in einer brauchbaren und unbewohnten Höhle Schutz

dem Sturm.

Nichts lag uns ferner als Orks zu belästigen .« Und da entsprach wirklich

Tatsachen.

»Hm«, sagte der große Org, »Gerede.

Darf ich fragen, was Ihr überhaupt im Gebirge zu schaffen habt und wo Ihr

herkommt und wohin Ihr wollt?

Ich möchte alles über Euch wissen.

Zwar es wird Euch nichts helfen, Thorin Eichenschild,

»Ich weiß schon viel zu viel über euer Volk.

Aber sagt die Wahrheit, oder ich werde etwas ganz besonders Unangenehmes mit

euch anstellen .« »Wir machen eine Reise, um unsere Verwandten zu besuchen,

unsere Neffen und Nichten und Cousinen ersten, zweiten und sogar dritten

und all die anderen Nachkommen unseres Großvaters, die auf der Ostseite dieses

wirklich gastfreundlichen Gebirges wohnen ,« sagte Thorin.

der im Augenblick nicht wußte, was er antworten sollte, zumal die Wahrheit

offensichtlich nichts genutzt hätte.

»Er ist ein Lügner, oh, ein unwahrscheinlicher Lügner ,« sagte einer

Treiber. »Mehrere von unseren Leuten wurden in der Höhle durch einen Blitz

erschlagen, als wir diese Kreaturen einluden, herunterzukommen. Nun sind sie

wie ein Stein.

Das hat er noch nicht erklärt .«

Er zeigte das Schwert, das Thorin getragen hatte und das aus dem

stammte.

Kaum hatte der große Org das Schwert erblickt, als er ein schauerliches

ausstieß.

Alle seine Soldaten knirschten mit den Zähnen, schlugen an ihre Schilde und

stampften mit den Füßen.

Sie erkannten das Schwert sofort wieder.

Zu jener Zeit, als die Elben von Gondolin die Orks in den Bergen jagten

ihren Befestigungen schlugen, hatte es hunderte von Orks getötet.

Die Elben hatten es Orkrist genannt, Orkspalter, aber die Orks nannten es

einfach Beißer.

Sie hassten es, und den, der es trug, hassten sie noch mehr.

»Mörder und Elbenknechte«, brüllte der große Ork, »zerfretter sie !«

»Zerschlagt sie!

Zerbeißt sie!

Werft sie ins finstere Schlangenloch und lasst sie nie wieder das Tageslicht

sehen !« Er war in einer solchen Wut, daß er vom Sitz aufsprang und mit

Maul auf Thorin zustürzte.

Gerade in diesem Augenblick verloschen in der Höhle die Lichter, und das große

Feuer ging mit einem Puff in eine Säule von blau glühendem Rauch auf, die hoch

bis unters Gewölbe reichte und weiße, beißende Funken auf die Orks

Geschrei und Gejammer brachen aus, Kreischen, Zähne klappern und

Geheul und Gestöhn, Geklage, Toben und Brüllen, nicht zu beschreiben.

Mehrere hundert wilde Katzen und Wölfe würden, lebendig geröstet, dieses

Spektakel nicht übertroffen haben.

Die Funken brannten den Orks in die Haut, und der Rauch, der vom Gewölbe

herabfiel, machte die Luft so dick, dass selbst ihre Augen nicht hindurchsehen

konnten.

Da fielen sie übereinander her und rollten zusammen über den Boden, beißend

tretend und fechtend, als ob sie verrückt geworden wären.

Plötzlich flammte in seinem eigenen Licht ein Schwert auf.

Bilbo sah, wie es von Kopf bis Fuß durch den großen Ork fuhr.

Tod! fiel er nieder, und die Orgsoldaten flohen schreiend vor diesem Schwert in

die Finsternis.

Das Schwert kehrte zurück in seine Scheide.

»Folgt mir, rasch !« sagte eine zornige, leise Stimme.

Und ehe Bilbo verstand, was geschehen war, rannte er los, so schnell er nur

konnte, am Ende der Kette, hinunter in noch dunklere Gänge, und hinter ihnen

wurden die Schreie aus der Orghalle immer leiser und leiser.

Ein fahles Licht führte sie.

»Schneller, schneller«, forderte die Stimme, »die Fackeln sind rasch wieder

angezündet .« »Nur eine halbe Minute«, sagte Dori, ein prächtiger Bursche, der

dicht vor Bilbo am Kettenende rannte.

Er ließ den Hobbit auf seine Schultern krabbeln, so gut es mit gebundenen

ging, und dann fingen sie wieder an zu rennen unter dem Klink -Klink der Ketten

und mit viel Gestolper, denn sie hatten ja keine Hand frei, um sich zu stützen.

Es dauerte eine Weile, dann erst hielten sie an.

Sie mussten tief im Herzen des Gebirges sein.

Da zündete Gandalf seinen Stab an.

Natürlich, es war Gandalf.

Aber jetzt hatten sie anderes zu tun, als ihn zu fragen, wie er hierher

war.

Er nahm sein Schwert heraus, und wieder erglühte es im Dunkeln.

Jedes Mal, wenn Orks in der Nähe waren, brannte es vor Wut.

Nun aber...

war es eine leuchtend blaue Flamme aus Freude darüber, dass es den großen

Fürsten der Höhle getötet hatte.

Es machte ihm gar nichts aus, die Orksketten durchzuschneiden und die

Gefangenen, so schnell es ging, in Freiheit zu setzen.

Der Name dieses Schwertes war Glamdring, der Feindhammer, wenn ihr euch

erinnert. Die Orks nannten es bloß Schläger und hassten es beinahe noch

Beißer. Auch Orkrist war gerettet worden.

Gandalf hatte es einer der entsetzten Wachen aus der Hand gerissen.

Gandalf dachte auch an alles.

Obgleich er nicht allmächtig war, konnte er doch für Freunde, die in der Klemme

saßen, eine Menge erreichen.

»Sind wir alle da ?« fragte er und gab Thorin das Schwert mit einer Verbeugung

zurück.

»Lasst sehen.

Eins, das ist Thorin .« Zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht,

neunzehn, elf.

Wo sind Kili und Fili? Aha, hier sind sie.

Zwölf, dreizehn. Und da ist auch Mr.

Beutlin. Vierzehn. Gut, sehr gut.

Es hätte schlimmer sein können. Aber es hätte auch ein guter Teil besser sein

können.

Keine Ponys?

Nichts zu essen.

Keiner weiß, wo wir sind und horden von wütenden Orks hinter uns.

Los, es geht weiter.

Und es ging weiter.

Gandalf hatte ganz recht.

Sie hörten Geschrei und schreckliches Gelärm weit hinten in den Durchgängen,

sie passiert hatten.

Das ließ sie rascher laufen denn je.

Und da der arme Bilbo wahrscheinlich kaum halb so schnell hätte rennen

Zwerge sind riesig schnell, wenn es sein muss, das kann ich euch erzählen,

nahmen sie ihn abwechselnd Huckepack.

Indessen laufen Orks noch schneller als Zwerge, und vor allem diese Orks kannten

den Weg besser, sie hatten die Wege schließlich selbst gebaut, und

wütend waren sie außerdem.

So konnten die Zwerge laufen, wie sie wollten, sie hörten das Schreien und

Heulen immer näher herankommen.

Bald konnten sie sogar das Patschen der Orkfüße hören, vieler, vieler Füße, die

anscheinend schon die letzte Kehre erreicht hatten.

Roter Fackelschein tanzte hinter ihnen im Tunnel.

Sterbensmüde waren unsere Zwerge.

»Warum habe ich nur meine Hobbit -Höhle verlassen ?« sagte der arme Mr. Beutlin

und bummste auf Bomburs Rücken auf und nieder.

»Warum habe ich nur einen verrückten Hobbit auf die Schatzjägerei mitgenommen

sagte der arme Bombur, der so fett war, und er taumelte weiter, während ihm der

Schweiß vor Hitze und Entsetzen die Nase heruntertropfte.

In diesem Augenblick blieb Gandalf zurück und Thorin mit ihm.

Sie stellten sich hinter eine scharfe Biegung.

»Kehrt !« rief Gandalf. »Zieht euer Schwert, Thorin !« Etwas anderes blieb

auch nicht übrig.

Die Orks allerdings waren nicht darauf vorbereitet.

Sie rasten mit vollem Geschrei um die Tiere und fanden Orkspalter und

Feindhammer kalt und leuchtend gleich vor ihren erstaunten Augenschimmern.

Die an der Spitze ließen ihre Fackeln fallen und schrien auf, ehe sie

niedergestreckt wurden.

Die hinter ihnen schrien noch mehr, sprangen zurück und stießen mit denen

zusammen, die ihnen nachgerannt kamen.

»Beißer und Schläger !« brüllten sie, und bald herrschte ein schlimmes

Durcheinander. Die meisten hafteten den Weg zurück, den sie gekommen waren.

Es dauerte eine ganz schöne Zeit, bevor es einer wagte, seine Nase um diese

Kehre zu stecken.

Unterdessen waren die Zwerge natürlich weitergelaufen, ein langes, langes Stück

in die dunklen Gänge des Orgreiches hinein.

Als die Orgs das merkten, löschten sie ihre Fackeln und schlichen ihnen auf

leisen Sohlen nach.

Sie suchten ihre schnellsten Renner mit den schärfsten Augen und Uhren aus.

Sie rannten los, flink wie Wiesel im Dunkeln, und machten kaum mehr Geräusch

eine Fledermaus.

So hörten weder Bilbo noch die Zwerge noch Gandalf sie kommen.

Und sehen konnten sie die Verfolger auch nicht.

Aber die Flüchtenden wurden von den Orks, die lautlos hinter ihnen

gesehen. Denn Gandalf ließ seinen Zauberstab ein schwaches Licht

den Zwergen bei ihrem Lauf zu helfen.

Ganz plötzlich wurde Dori, der jetzt am Ende lief und Bilbo trug, von hinten aus

dem Dunkel ergriffen.

Er schrie und fiel auf die Nase, und der Hobbit rollte von Doris Schultern in

die Finsternis, schlug mit dem Kopf auf harten Fels auf und erinnerte sich an

nichts mehr.

Fünf Rätsel in der Finsternis Als Bilbo seine Augen öffnete, fragte er

sich, ob er sie wirklich offen hatte, denn es war genauso dunkel, als hätte er

sie noch geschlossen gehalten.

Niemand war bei ihm.

Stellt euch seine Angst vor.

Er konnte nichts hören, nichts sehen, und er konnte nichts fühlen außer den

Steinen auf dem Boden.

Er erhob sich langsam und kroch auf allen Vieren umher.

bis er die Wand des Stollens berührte.

Aber dort konnte er nichts finden, gar nichts, keine Spur von Orks, keine Spur

von Zwergen.

Sein Kopf schwamm vor Benommenheit, und er hatte keine Ahnung, in welcher

Richtung sie gelaufen waren, als er seinen Sturz tat.

Auf gut Glück kroch er ein ordentliches Stück weiter, bis seine Hand plötzlich

auf dem Boden des Stollens etwas liegen fand, etwas, das sich wie ein dünner

Ring aus einem kalten Metall anfühlte, und das war ein Wendepunkt in seinem

Leben. Aber er wußte es nicht.

Er steckte den Ring in seine Tasche, ohne sich Gedanken zu machen.

Sicherlich, im Augenblick schien dieses Etwas zu nichts Nütze zu sein.

Er ging auch nicht viel weiter, setzte sich auf den kalten Boden und gab sich

völlig seinem grenzenlosen Elend hin.

Wie schön!

Könnte ich jetzt zu Hause Eier und Schinken in meiner Küche backen, dachte

Bilbo, denn sein Magen sagte ihm, dass es höchste Zeit für eine Mahlzeit wäre.

Aber das machte ihn nur noch elender.

Er konnte sich weder ausdenken, was er jetzt hätte unternehmen sollen, noch

konnte er sich zusammenreimen, was geschehen war oder warum sie ihn allein

zurückgelassen hatten, oder warum, wenn er nun einmal allein zurückgelassen

worden war, die Orks ihn nicht erwischt hatten.

Er konnte sich nicht einmal erklären, warum sein Kopf so weh tat.

Die Wahrheit war, dass er lange Zeit ohne einen Mucks in einer dunklen Nische

gelegen hatte, aus dem Auge, aus dem Sinn.

Nach einiger Zeit fühlte er nach seiner Tabakpfeife.

Sie war nicht zerbrochen, und das war immerhin etwas.

Er fühlte nach dem Tabakbeutel, da war auch noch etwas darin.

Und das war immerhin noch etwas mehr.

Dann suchte er nach Streichhölzern und konnte nicht ein einziges finden, und

zerstörte seine Hoffnungen völlig.

Aber es war eigentlich ganz gut, wie er schließlich feststellte, als er

allmählich wieder zu Verstand kam.

Weiß der Himmel, was ihm noch in den dunklen Löchern an diesem schrecklichen

passiert wäre, wenn er Streichhölzer angezündet und geraucht hätte!

Indessen fühlte er sich noch immer sehr bedrückt.

Aber während er alle Taschen untersuchte und überall nach Streichhölzern

forschte, stieß er mit der Hand an den Griff des kleinen Schwertes, das er bei

den Trollen gefunden und das er gänzlich vergessen hatte.

Auch die Orks schienen es glücklicherweise nicht bemerkt zu haben,

es in der Hosentasche.

Nun zog er den Dolch heraus.

Er glänzte bleich und düster vor seinen Augen.

»Es ist also ebenfalls eine Elbenklinge«, dachte er, »und die Orks

allzu nah, aber auch nicht weit genug weg .« Immerhin fühlte er sich nun ein

wenig sicherer.

Es war nahezu großartig, eine Klinge zu tragen, die in Gondolin für die

vielbesungenen Orkskriege geschmiedet worden war.

Auch hatte Bilbo festgestellt, dass solche Waffen großen Eindruck auf Orks

machten, wenn sie unerwartet darauf stießen.

»Zurückgehen«, dachte er, »keinesfalls.

Einen Seitenweg gehen?

Unmöglich.

Vorwärts gehen?

Das einzig Richtige.

Auf also!

Vorwärts !« Er erhob sich, trottete weiter und hielt sein kleines Schwert

sich hin.

Mit einer Hand fühlte er die Wände ab, und sein Herz pochte und zitterte.

Nun war Bilbo sicherlich genau in dem, was man eine Klemme nennt.

Aber ihr müsst euch daran erinnern, dass eine solche Klemme für ihn nicht so eng

war, wie sie es etwa für mich oder für euch gewesen wäre.

Hobbits sind nicht wie gewöhnliche Leute.

Und schließlich, wenn auch ihre Höhlen niedliche, angenehme und gut gelüftete

Wohnungen sind, gänzlich verschieden von den Stollengängen der Orks, so sind die

Hobbits doch viel mehr an das Tunnelgraben gewöhnt als wir.

und sie verlieren nicht so leicht die Richtung unter der Erde, jedenfalls

wenn ihre Köpfe sich von einem kräftigen Aufbumsen wieder erholt haben.

Auch können sie sich völlig lautlos bewegen, leicht verbergen und wunderbar

Stürzen und Verletzungen erholen, und sie haben einen Schatz an Weisheit und

gescheiten Sprichwörtern, von denen Menschen meist niemals etwas gehört oder

wir seit langem vergessen haben.

Wie dem auch sei, Ich wäre nicht gern an Mr. Beutelins Stelle gewesen.

Der Stollen schien kein Ende zu nehmen.

Alles, was Bilbo wußte, war, daß es hübsch langsam und in derselben Richtung

abwärts ging, obwohl der Stollen sich wand und mehrere Biegungen hatte.

Von Zeit zu Zeit führten Seitengänger ab, was er im Schein seines Schwertes

bemerkte oder an der Stollenwand ertasten konnte.

Er ließ sich jedoch nicht beirren und eilte schnell an ihnen vorüber, weil er

fürchtete, dass Orks oder andere dunkle Gestalten aus ihnen hervorstürzen

könnten.

Immer weiter ging er, und immer tiefer und noch immer hörte er kein Geräusch,

außer dem gelegentlichen Flügelschwirren einer Fledermaus, die seine Uhren

streifte. Das erschreckte ihn anfangs, dann geschah das so häufig, dass er sich

darüber nicht mehr aufregte.

Ich weiß nicht, wie lange er noch weiter so dahin trottete.

Er hasste es, weiter zu gehen.

Aber er wagte nicht anzuhalten.

Weiter, weiter, bis er müder als müde geworden war.

Es schien wie der Weg ins Morgen oder ins Übermorgen und in noch fernere Tage.

Plötzlich, ohne eine Warnung, patschte er ins Wasser.

Uff!

Es war eisig kalt.

Das lief ihn schnell zur Besinnung kommen.

Er wußte nicht, ob es nur eine Pfütze auf seinem Weg war oder das Ufer eines

unterirdischen Flusses, der seinen Weg kreuzte, oder der Rand eines tiefen

unterirdischen Sees.

Das Schwert schimmerte kaum noch.

Er hielt an, und wenn er angestrengt lauschte, konnte er hören, dass Tropfen,

drip, drip, drip, von einer unsichtbaren Decke in das Wasser vor ihm fielen.

Aber ein anderes Geräusch war nicht zu hören.

Wahrscheinlich ist es eine Pfütze oder ein See, und kein unterirdischer Fluß,

dachte er.

Indessen wagte er nicht hinaus, in die Finsternis zu warten.

Er konnte nicht schwimmen, und außerdem dachte er an widerwärtige, schleimige

Tiere mit großen, hervorstehenden, blinden Augen, die sich im Wasser

schlängelten.

Es leben seltsame Wesen in den Teichen und Seen im Herzen der Gebirge, Fische,

deren Väter hereinschwammen, keiner weiß, vor wie vielen Jahren, und die

wieder hinausschwammen.

Ihre Augen wurden größer und größer und immer größer, weil sie versuchten, in

der völligen Schwärze etwas zu erkennen.

Auch gibt es da noch andere Wesen, die schleimiger als Fische sind.

Selbst in den Stollen und Gewölben, die die Orks gebaut haben, leben Wesen, die

ihnen unbekannt sind und die einstmals von außen hereingekrochen waren, um in

der Finsternis zu ruhen.

Außerdem gehen einige von diesen Gewölben in Zeiten zurück, die weit vor

Orks liegen.

Die Orks haben diese Urgewölbe nur ausgebaut und mit Verbindungsgängen

und die ursprünglichen Eigentümer hausen noch immer in abseitigen Nischen,

schleichen und schnüffeln umher.

Tief unten an dem dunklen Wasser lebte der alte Gollum.

Ich weiß nicht, woher er kam, nicht, wer oder was er war.

Er war Gollum, und er war so dunkel wie die Finsternis, ausgenommen seine beiden

dicken, runden, bleichen Augen.

Er besaß ein Boot, und damit ruderte er nahezu lautlos auf dem See, denn ein See

war es, breit und tief und tödlich kalt.

Gollum paddelte mit seinen langen Füßen, die über die Bordwand baumelten.

Aber das Wasser kräuselte sich nicht einmal, kein bisschen.

Er spähte mit seinen bleichen Augen nach blinden Fischen aus, die er mit seinen

langen Fingern schneller als ein Gedanke ergriff.

Fleisch mochte er auch, ja, er hielt Orkfleisch für einen Leckerbissen, wenn

es bekommen konnte.

Aber er war so vorsichtig, dass ihn die Orks nie dabei erwischten.

Er erdrosselte sie von hinten, wenn jemals einer allein hier herunter an das

Ufer des Wassers kam.

Sie taten es sehr selten, denn sie spürten, daß etwas Unerfreuliches hier

tief an den Wurzeln des Gebirges auf sie lauerte.

Sie waren bis zum See gekommen, als sie vor langer Zeit ihre Stollen gruben, und

sie hatten festgestellt, daß sie hier nicht weiterkamen.

So hörten also ihre Wege in diese Richtung auf, und wenn der große Org sie

aussandte, so gab es überhaupt keinen Grund, diesen Weg zu nehmen.

Zuweilen hatte er aber Lust auf einen Fisch aus diesem See, und dann kamen

manchmal weder Fische noch Orks zurück.

Tatsächlich lebte Gollum auf einer glitschigen Felsinsel in der Mitte des

Mit seinen bleichen Teleskopaugen beobachtete er Bilbo aus guter

Bilbo konnte ihn nicht sehen, aber Gollum wunderte sich außerordentlich

Bilbo, denn er konnte erkennen, dass es sich keinesfalls um einen Org handelte.

Gollum stieg in sein Boot und stieß von der Insel ab, während Bilbo völlig

verwirrt am Ufer saß, am Ende seines Weges und seines Witzes.

Plötzlich kam Gollum heran, wisperte und zischte.

»Was für ein Gespritz, mein Schatz!

Ich schätze, dass...« »Es ist ein mächtiges Festessen, zumindest ein

Hab's, Gollum !« Und als er »Gollum« sagte, machte er ein schreckliches,

schlingendes Geräusch.

Das hatte ihm auch seinen Namen eingebracht.

Sich selbst nannte er stets »Mein Schatz«.

Der Hobbit fiel vor Schreck beinahe auf den Rücken, als sich das Zischen in

seine Ohren bohrte, und plötzlich sah er die bleichen Augen auf sich gerichtet.

»Wer seid ihr ?« fragte er und streckte den Dolch vor.

»Was ist das bloß, mein Schatz ?« wisperte Gollum, der immer nur zu sich

sprach, da er niemals jemanden hatte, zu dem er hätte sprechen können.

Er hätte gern herausgefunden, was da vor ihm saß, denn er war im Augenblick

nicht richtig hungrig, nur neugierig.

Andernfalls... hätte er gleich zugegriffen und dann erst gewispert.

»Ich bin Mr. Bilbo Beutlin.

Ich habe die Zwerge verloren, und ich habe den Zauberer verloren, und ich weiß

nicht, wo ich bin, und ich möchte es auch gar nicht erst wissen, wenn ich nur

von hier wegkommen kann .« »Was hat das Ding bloß in seinen Händen ?« fragte

Gollum und blickte auf das Schwert, das ihm nicht sehr gefiel.

»Ein Schwert, eine Klinge, die aus Gondolin stammt .«

sagte Gollum und wurde ungewöhnlich höflich.

»Vielleicht setzt er sich dazu und schwatzt ein bisschen, mein Schatz.

Vielleicht mag das der Rätsel.

Was weiß man ?« Er bemühte sich, sehr freundlich zu erscheinen, jedenfalls

im Augenblick, und bis er mehr über das Schwert und den Hobbit herausbekommen

hatte, ob er wirklich ganz allein war, ob er gut schmeckte und ob er selbst

wirklichen Hunger hatte.

Rätsel waren das einzige, über das er nachzudenken verstand.

Rätsel zu stellen und sie zuweilen auch zu lösen, war das einzige Spiel, das er

jemals mit anderen seltsamen Höhlenbewohnern gespielt hatte, vor

Zeit, bevor er all seine Freunde verloren hatte und vertrieben worden

er einsam tief, tief in die Finsternis unter das Gebirge kriechen mußte.

Sehr gut.

sagte Bilbo, der sogleich zustimmte, um mehr über dieses Wesen herauszufinden,

ob es allein, ob es wütend oder hungrig und ob es ein Freund der Orks war.

»Ihr fragt zuerst«, sagte er, denn er hatte noch keine Zeit gefunden, sich ein

Rätsel auszudenken.

So zischte Gollum.

»Was hat Wurzeln, die keiner sieht?

Ragt höher als Bäume und Witzelsäume .« »Wirkt nie und treibt nicht und reicht

doch in Schlicht .« »Leicht«, sagte Bilbo, »Berg vermutlich .«

»Leicht zu raten.

Das Ding, der muss einen Wettkampf mit uns machen, mein Schatz.

Wenn mein Schatz fragt und es antwortet nicht, dann fressen wir es, mein Schatz.

Wenn es uns fragt und wir antworten nicht, dann tun wir, was das Ding will

»Wir zeigen Ihnen den Weg hinaus, gewiss .« »In Ordnung«, sagte Bilbo, der nicht

zu widersprechen wagte und sich den Kopf zermaterte, denn er mußte auf Rätsel

kommen, die ihn vor dem Gefressenwerden bewahrten.

»Zweiunddreißig Schimmel auf einem roten Hang.

Erst malmen Sie, dann stampfen Sie und warten wieder lang .« Das war alles,

was er sich ausdenken konnte.

Der Gedanke ans Fressen beschäftigte ihn sehr.

Außerdem war es ein ziemlich altes Rätsel, das auch Gollum kannte, genauso

ihr es kennt.

»Alter Mist«, zischte Gollum, »Zähne, ha, zweiunddreißig Zähne, mein Schatz.

Aber wir haben nur sechs .« Dann fragte er sein zweites Rätsel.

»Schreit ohne Stimme, fliegt ohne Schwinge, beißt ohne Zahn .«

»Murmelt und pfeift.

Kein Mund hat's getan .« »Einen halben Augenblick«, rief Bilbo, dem noch immer

der peinliche Gedanke plagte, gefressen zu werden.

Glücklicherweise hatte er einmal etwas Ähnliches gehört.

Nachdem er sich gesammelt hatte, fiel ihm die Antwort ein.

»Wind, Wind natürlich«, sagte er und war so zufrieden, dass er auf der Stelle

ein neues Rätsel ersann.

»Das wird diesem häßlichen kleinen Untergrundwesen ganz schön zu schaffen

machen«, dachte er.

Das Auge im blauen Gesicht sah ein Auge im grünen Gesicht.

»Sieht genau aus wie mein Auge«, sagte das erste Auge.

»Doch so tief unten blinzle ich nicht. Ich stehe droben im blauen Gesicht«,

sagte Gollum.

Er war nun schon eine so lange Zeit unter der Erde, daß er die Welt oben

vergessen hatte.

Aber gerade als Bilbo anfing zu hoffen, daß der Kerl nicht würde antworten

können, kamen diesem Erinnerungen an längst vergangene Zeiten, als er noch

seiner Großmutter in einem Loch in der Böschung eines Flusses gehaust hatte.

»Mein Schatz«, sagte er.

»Sonder auf Gänseblümchen!

Jawohl, das bedeutet es !« Aber diese ganz gewöhnlichen oberirdischen

Alltagsrätsel langweilten Gollum.

Auch erinnerten sie ihn an Tage, da er noch nicht so einsam und schleimig und

häßlich war, und das verdarb ihm die Laune. Noch schlimmer, sie machten ihn

hungrig. Deshalb versuchte er es diesmal mit einem schwierigeren und

ungemütlicheren Rätsel.

Man kann es nicht sehen, kann es nicht aufstehen, kann es nicht fressen und

es auch nicht hören.

Liegt hinter den Sternen und unterm Gestein, rieselt in alle Höhlen hinein,

kommt zuerst und folgt auch zudeckt, wischt alles Leben, bis keiner mehr

schwitzt.

Unglücklicherweise für Gollum hatte Bilbo dieses Rätsel vorher schon einmal

gehört, und so war die Antwort ihm geläufig.

»Das Dunkel«, sagte er, und mußte sich nicht einmal den Kopf kratzen oder die

Stirn runzeln.

»Der Schrein ohne Deckel, Schlüssel Scharnier, birgt einen goldenen Schatz,

glaub es mir«, sagte er, um Zeit zu gewinnen, damit er sich eine wirklich

Nuss ausdenken konnte.

Er glaubte, dies sei ein furchtbar leichtes Rätsel, obgleich er nichts in

üblichen Worten gefragt hatte.

Aber für Gollum war es unerwartet schwer.

Er zischte vor sich hin, und doch konnte er nicht antworten.

Er wisperte nur und gurgelte.

Nach einer Weile wurde Bilbo ungeduldig.

»Nun, was ist es ?« fragte er.

»Und die Antwort ist nicht etwa ein überkochender Kessel, wie ihr vielleicht

denkt, »Jedenfalls muss ich das aus dem Geräusch schließen, das ihr da eben von

euch gebt .« »Gebt uns eine Chance!

Gebt uns bloß eine Chance, mein Schatz !« »Nun ?«

fragte Bilbo, nachdem er lange genug gewartet hatte.

»Wie steht es mit eurer Antwort ?« Aber plötzlich erinnerte sich Gollum an

Nestdiebereien vor langer Zeit und wie er am Flussufer saß und seine Großmutter

ihn das Aussaugen lehrte.

»Eiersimpf !« zischte er.

»Eiersimpf !« Gleich fragte er weiter.

»Atemlos lebt es, kalt wie der Tod schwebt es, fühlt keinen Durst und doch

trinkt es, trägt ein Kettenhemd und nie trinkt es .« Auch Gollum

glaubte seinerseits, dass dies ein furchtbar leichtes Rätsel wäre, da er

immerzu an die Antwort dachte.

Aber er konnte sich in diesem Augenblick an nichts Besseres erinnern, das

Eierrätsel hatte ihn zu sehr aufgeregt.

Trotzdem war es eine schwer zu knackende Nuss für den armen Bilbo, der nie, wenn

er es eben vermeiden konnte, etwas mit Wasser zu schaffen haben wollte.

Ich kann mir vorstellen, dass ihr die Antwort wisst oder dass ihr sie leicht

erraten könnt, denn ihr sitzt jetzt gemütlich zu Hause und schwebt nicht in

schrecklichen Gefahr, gefressen zu werden, was immerhin das Denken stört.

Bilbo saß und räusperte sich ein oder zweimal, aber die Antwort fiel ihm nicht

ein.

Nach einer Weile begann Gollum vergnügt, sich selbst zuzuzüssen.

»Ist es hübsch, mein Schatz?

Ist es saftig?

Knirscht es nicht köstlich ?« Und dann begann er, Bilbo aus der Finsternis

anzustarren.

»Einen halben Augenblick«, sagte der Hobbit zitternd.

»Ich gab euch eben auch eine sehr lange Chance .« »Rasch, rasch !« sagte Gollum

und fing an, aus seinem Boot ans Ufer zu klettern, um sich an Bilbo

heranzumachen.

Aber als er seinen großen Fuß mit den Schwimmhäuten ins Wasser setzte, sprang

vor Angst ein Fisch heraus und fiel Bilbo auf die Zehen.

»Uff !« sagte Bilbo. »Das ist ja kalt und klamm !« Und da hatte er die Lösung

des Rätsels.

»Ein Fisch! Ein Fisch !« Rief er, »Es ist ein Fisch !« Gollum war schrecklich

enttäuscht, aber Bilbo Beutlin platzte mit einem anderen Rätsel heraus, so

schnell er nur konnte, und Gollum musste in sein Boot zurücksteigen, um besser

nachdenken zu können.

Kein Bein lag auf ein Bein, zwei Bein saß auf drei Bein, vier Bein ging auch

nicht leer aus.

Es war wirklich nicht die rechte Zeit für ein solches Rätsel, aber Bilbo war

Eile. Falls er es zu einer anderen Zeit gestellt hätte, dann, ja dann, hätte

Gollum vielleicht einige Schwierigkeiten gehabt, es zu raten. Aber da sie gerade

von Fisch gesprochen hatten, war kein Bein wirklich nicht schwer, und folglich

war auch der Rest leicht.

»Fisch auf einem kleinen Tisch, ein Mensch vor dem Tisch, auf einem Stuhl,

die Katze hat die Gräben .« So lautet natürlich die Antwort, und Gollum ließ

damit nicht lange auf sich warten.

Aber jetzt ist es Zeit, dachte er, etwas furchtbar Schweres zu fragen.

Und dies war sein Rätsel.

Etwas, das alles und jeden verschlingt, Baum, der rauscht, Vogel, der sinkt,

frisst Eisen, zermalmt den härtesten Stein, zerbeißt jedes Schwert, zerbricht

jeden Schrein, schlägt Könige nieder, schleift ihren Palast, trägt mächtigen

Fels fort als leichte Last.

Der arme Bilbo saß im Dunkeln und dachte an all die schrecklichen Riesen und

Ungeheuer, von denen er jemals in alten Sagen gehört hatte.

Aber nicht einer von ihnen hatte all diese furchtbaren Taten vollbracht.

Er hatte das Gefühl, daß die Antwort ganz anders lauten und daß er sie

eigentlich wissen müßte, aber er konnte nicht darauf kommen.

Bilbo begann sich zu fürchten, und das ist schlecht fürs Nachdenken.

Schon kroch Gollum wieder aus seinem Boot, platschte ins Wasser und schob

aufs Ufer.

Bilbo konnte die Augen auf sich zukommen sehen.

Seine Zunge fien ihm am Gaumen zu kleben.

Er wollte schreien, »Gebt mir mehr Zeit! Gebt mir mehr Zeit !« Aber alles, was

mit einem plötzlichen Quieken dabei herauskam, war »Zeit! Zeit !« Durch

Glücksfall war Bilbo gerettet, denn Zeit war des Rätsels Lösung.

Gollum war wieder einmal enttäuscht, und jetzt wurde er böse, und das Spiel

wurde ihm langweilig.

Es hatte ihn richtig hungrig gemacht, und diesmal ging er nicht zurück in das

Boot. Er setzte sich im Dunkeln neben Bilbo nieder.

Das war für den Hobbit schrecklich ungemütlich und brachte ihn schier um

Verstand.

»Es muß noch eine Frage sein, mein Schatz, gewiß, gewiß, gewiß!

Noch eine Frage, gewiß, gewiß !« sagte Gollum.

Aber Bilbo gelang es nicht, sich eine Frage auszudenken, denn das schmutzige,

nasse, kalte Wesen hockte neben ihm, betatschelte und beknuffte ihn.

Er kratzte sich, er kniff sich, und noch immer fiel ihm nichts ein.

»Was soll's sein? Was soll's sein ?« sagte Gollum.

Bilbo kniff sich und schlug sich vor den Kopf.

Er langte nach seinem kleinen Schwert, dann griff er sogar mit der anderen Hand

in die Tasche.

Und dort fand er den Ring, den er im Gang aufgehoben und ganz vergessen

»Was habe ich da in meiner Tasche ?« fragte er laut.

Er sprach eigentlich zu sich selbst, aber Gollum dachte, es sei ein Rätsel

war schrecklich aufgeregt.

»Das ist nicht fair !« zischte er. »Das ist nicht fair! Nicht wahr, mein Schatz,

zu fragen, was das da in seiner garstigen kleinen Tasche hat ?«

Als Bilbo merkte, dass Gollum diese Frage für ein Rätsel hielt, und weil er

Augenblick nichts Besseres wußte, blieb er dabei.

»Was habe ich da in meiner Tasche ?« sagte er noch lauter.

»Pssst !« zischte Gollum.

»Es muß uns dreimal raten lassen, mein Schatz, dreimal !« »Gut, schieß los !«

erwiderte Bilbo.

»Seine Hände !« sagte Gollum.

»Falsch !« rief Bilbo, der glücklicherweise gerade seine Hand

hatte. »Ratet weiter !« »Pssst !« sagte Gollum und war aufgeregter denn je.

Er dachte an alles, was er in seinen eigenen Taschen hatte.

Fischgräten, Orgzähne, nasse Muscheln, ein Stückchen Fledermausflügel, einen

scharfen Stein, mit dem er seine Krallen wetzte, und anderes ekliges Zeug.

Er überlegte angestrengt, was andere Leute wohl in ihren Taschen haben

»Ein Messer«, sagte er schließlich.

»Falsch«, antwortete Bilbo, da sein Messer vor einiger Zeit verloren hatte.

»Letztes Mal«.

Jetzt war Gollum viel aufgeregter als bei der Eierfrage.

Er zischte und gurgelte und schaukelte vorwärts und rückwärts, patschte mit den

Füßen auf den Boden, wand und krümmte sich.

Aber er wagte nicht, die letzte Chance aufs Spiel zu setzen.

»Los«, sagte Bilbo, »ich warte .« Es sollte kühn und munter klingen, aber er

gar nicht sicher, wie dieses Spiel enden würde, ob Gollum richtig riet oder

nicht.

»Die Zeit ist vorbei«, sagte Bilbo.

»Schnur oder gar nichts«,

schrie Gollum, der nun nicht fair blieb, denn er versuchte es mit zwei Lösungen

zugleich.

»Beides falsch«, rief Bilbo sehr erleichtert.

Und er sprang sogleich auf die Füße, lehnte den Rücken an die nächste Wand

zog sein kleines Schwert heraus.

Er wußte natürlich, daß das Rätselspiel heilig und auch sehr alt war, und daß

selbst verschlagene Wesen sich hüteten, beim Spiel zu betrügen.

Aber er spürte, daß er diesem schleimigen Kerl nicht trauen konnte,

er auch im Notfall sein Versprechen halten?

Bestimmt wäre ihm jede Entschuldigung recht, wenn er sich drum herumdrücken

könnte.

Und schließlich war die letzte Frage kein echtes Rätsel im Sinne der alten

Regeln.

Aber wie dem auch sei, Gollum griff ihn nicht sofort an.

Er konnte das Schwert in Bilbos Hand sehen.

Er saß still, zitterte und flüsterte.

Endlich konnte Bilbo nicht länger warten.

»Nun«, sagte er, »wie ist das mit eurem Versprechen?

Ich möchte jetzt gehen. Ihr müsst mir den Weg zeigen .«

Haben wir das gesagt, mein Schatz?

Diesem hässlichen kleinen Beutel in den Weg hinaus zeigen?

Gewiss, gewiss.

Aber was hat er in seinen Taschen?

Keine Schnur, Schatz, aber nichts auch nicht.

Oh nein!

Das braucht euch jetzt nicht mehr zu kümmern, sagte Bilbo. Ein Versprechen

ein Versprechen.

Verprieslich ist der Kleine, Schatz.

»Es ist ungeduldig«, zischte Gollum.

»Aber er muss warten, ja, das muss er.

Wir können nicht so schnell die Gänge hinauf. Wir müssen uns erst etwas holen,

ja, erst etwas, das uns helfen kann .« »Gut, aber schnell«, sagte Bilbo,

erleichtert bei dem Gedanken, dass Gollum fortgehen wollte.

Er nahm an, dass er nur eine Entschuldigung vorbrachte und gar nicht

zurückkehren würde.

Wovon hatte Gollum doch gesprochen?

Was konnte er dort draußen auf dem dunklen See so Nützliches haben?

Aber er irrte sich.

Gollum beabsichtigte durchaus, zurückzukehren.

Er war jetzt wütend und hungrig, und er war ein elendes, verschlagenes Wesen,

und seinen Plan hatte er längst.

Nicht weit weg lag seine Insel, von der Bilbo nichts wußte.

Dort hatte er wertlosen Kram versteckt.

Darunter aber etwas ganz Wunderbares, eine Kostbarkeit.

Es war ein Ring, ein goldener Ring, ein kostbarer Ring.

»Mein Geburtstagsgeschenk«, wisperte er sich selbst zu, wie so oft schon in den

endlosen finsteren Tagen.

»Das brauchen wir jetzt, ja, das brauchen wir jetzt .« Er wollte den Ring

denn der Ring war ein Kleinod von besonderer Macht.

Wer ihn an den Finger steckte, wurde unsichtbar.

Nur im vollen Sonnenlicht konnte er gesehen werden, und dann auch nur durch

Schatten, der obendrein unsicher und schwach war.

»Mein Geburtstagsgeschenk! Ach, was für ein schöner Geburtstag, mein Schatz

!« So hatte er es sich selbst immer wieder erzählt.

Wer weiß, wie Gollum zu diesem Geschenk gekommen war, damals...

vor vielen, vielen Jahren, als solche Ringe noch häufiger waren in der Welt.

Vielleicht hätte selbst der Meister, der über diese Ringe verfügte, es nicht

sagen können.

Anfangs trug Gollum den Ring, bis es ihn ermüdete.

Und dann bewahrte er ihn an seinem Körper in einer Tasche auf, bis diese

wundrieb.

Und jetzt verbarg er ihn gewöhnlich in einem Loch auf seiner Felseninsel, Und

immerzu kam er und schaute ihn an.

Doch manchmal, wenn er es nicht länger ertragen mochte, von ihm getrennt zu

sein, oder wenn er sehr hungrig war und Fisch ihn anekelte, steckte er den Ring

an.

Dann kroch er die dunklen Gänge entlang und spähte nach Orks aus, die sich

verlaufen hatten.

Mit dem Ring wagte er sich sogar dorthin, wo Fackeln brannten, obwohl von

Schein seine Augen blinzelten und schmerzten.

Denn sicher wollte er sein.

Oh, gewiß, ganz sicher.

Keiner würde ihn sehen, keiner würde ihn bemerken, bevor er nicht seine Finger

an der Kehle spürte.

Nur wenige Stunden zuvor hatte er ihn noch getragen und einen kleinen

Orksprössling gefangen, wie er gequiekt hatte.

Gollum hatte noch ein paar Knochen zum Knabbern zurückgelegt, aber jetzt wollte

Gollum etwas Zarteres.

»Ganz sicher, gewiß«, wisperte er sich selbst zu.

»Das hier wird uns nicht sehen, nicht wahr, mein Schatz?

Nein, es wird uns nicht sehen, und ein häßliches kleines Schwert wird ihm

nützen, ganz gewiss nicht .« Dieser heimtückische Gedanke ging ihm durch den

Kopf, als er plötzlich von Bilbos Seite glitt, zurück in das Boot patschte und

fort in das Dunkel fuhr.

Bilbo dachte, er hätte das letzte Mal etwas von ihm gehört.

Er wartete jedoch noch eine Weile, denn er hatte keine Ahnung, wie er allein

hier hinausfinden sollte.

Plötzlich hörte er einen schrillen Schrei.

Der jagte Bilbo einen Schauder den Rücken hinunter.

Im Dunkel fluchte und klagte Gollum.

Dem Geräusch nach zu urteilen, konnte er nicht weit weg sein.

Er befand sich ja auf seiner Insel.

scharrte hier und scharrte dort, fingerte und suchte vergeblich.

»Wo ist er? Wo ist er ?« hörte der Hobbit ihn schreien.

»Verschwunden ist er, mein Schatz, verschwunden, verschwunden.

Dein Handblitz, mein Schatz ist verschwunden .« »Was ist los ?« rief

»Was habt ihr verloren ?« »Niemand soll uns fragen«, schrie Gollum.

Nicht seine Sache, mein Gollum.

Er ist verschwunden.

Gollum, Gollum, Gollum.

Nun gut, rief Bilbo.

Aber ich will nicht für immer hier unter der Erde verschwinden.

Und ich habe das Spiel gewonnen. Und ihr habt versprochen, mir zu helfen.

Kommt also her.

Führt mich hinaus und dann sucht meinetwegen weiter.

So kläglich Gollum auch jammerte, konnte Bilbo doch nicht viel Mitleid in seinem

Herzen spüren.

und er hatte ein Gefühl, als wenn etwas, das Gollum sich so sehr wünschte,

schwerlich etwas Gutes sein konnte.

»Kommt schon !« schrie der Hobbit.

»Nein, nicht jetzt, Schatz !« antwortete Gollum. »Wir müssen ihn suchen. Er ist

verschwunden. Gollum !« »Aber ihr habt mein letztes Rätsel nicht erraten, und

ihr habt es mir versprochen !« sagte Bilbo.

»Nicht erraten !« schrie Gollum.

Und dann kam plötzlich ein scharfes Zischen aus der Finsternis.

»Was hat das da in seiner Tasche?

Das muss es uns sagen.

Das muss es uns zuerst einmal sagen .« Bilbo sah keinen besonderen Grund,

warum er es nicht hätte sagen sollen.

Gollums Verstand war schneller als seiner auf die Lösung gekommen.

Natürlich, denn er hatte viele Jahre lang... diesen einen einzigen Gegenstand

bewacht und behütet, denn er hatte immer gefürchtet, dass der Ring gestohlen

werden könnte.

Aber Bilbo war über die Verzögerung verärgert.

Schließlich hatte er das Spiel gewonnen, ziemlich fair und zu einem sehr

gefährlichen Preis.

»Antworten werden geraten und nicht gegeben«, sagte er.

»Aber es war keine anständige Frage«, sagte Gollum. »Kein richtiges Rätsel,

Schatz, nein .« »Oh ja .« »Und wenn es jetzt um eine gewöhnliche Frage geht ,«

erwiderte Bilbo, »so habe ich zuerst gefragt. Also, was habt ihr verloren?

Antwortet ihr zuerst !« »Was hat es in der Tasche ?« Das

zischende Geräusch klang näher und schärfer, und als Bilbo hinschaute, sah

seinem Schrecken, dass zwei kleine helle Punkte ihn anstarrten.

Verdacht war in Gollum aufgestiegen.

Und deshalb brannte das Licht in seinen Augen mit fahler Flamme.

»Was habt ihr verloren ?« drang Bilbo in ihn.

Aber jetzt war das Licht in Gollums Augen zu grünem Feuer geworden und kam

rasch näher.

Gollum saß wieder in seinem Boot.

Wild paddelte er an das dunkle Ufer zurück.

Und in ihm kochte eine solche Wut, aus Verlust und Verdacht genährt, dass

das Schwert kein Schrecken mehr für ihn war.

Bilbo konnte nicht wissen, was dieses sonderbare Wesen so erzürnt hatte, aber

sah, dass Gollum ihn, koste es, was es wolle, ermorden wollte.

Gerade noch zur rechten Zeit drehte er sich um und rannte blindlings die

Gänge hinauf, die er gekommen war.

Er hielt sich dicht an der Wand und tastete sich mit der linken Hand weiter.

»Was hat er da in seinen Taschen ?« hörte er es laut hinter sich zischen,

dann hörte er das Patschen, als Gollum aus seinem Boot sprang.

»Was habe ich denn bloß ?« sagte Bilbo zu sich selbst, als er so daherkeuchte

und weiter stolperte.

Er steckte seine linke Hand in die Tasche.

Der Ring fühlte sich sehr kalt an, als er auf seinen tastenden Zeigefinger

glitt.

Das Zischen war dicht hinter ihm.

Bilbo drehte sich um und sah Gollums Augen wie kleine grüne Lampen den Gang

heraufkommen.

Entsetzt versuchte Bilbo, schneller zu laufen, aber plötzlich stießen seine

Zehen gegen eine Unebenheit des Bodens, und patsch, fiel er längelang hin und

begrub sein kleines Schwert unter sich.

Im nächsten Augenblick hatte Gollum ihn eingeholt.

Doch bevor Bilbo etwas tun konnte, Atem holen, sich aufrichten oder sein Schwert

schwingen, war Gollum vorbeigelaufen, ohne ihn zu bemerken, wobei er mächtig

fluchte und wisperte.

Was sollte das bedeuten?

Gollum konnte doch im Finstern sehen.

Bilbo bemerkte selbst von hinten den bleichen Lichtschimmer von Gollums

Mühsam erhob er sich und zog sein Schwert, das jetzt wieder schwächer

Dann folgte er vorsichtig, denn nichts anderes konnte man jetzt tun.

Es wäre unsinnig gewesen, zu Gollums See hinabzusteigen.

Wenn er Gollum folgte, so würde ihm dieser vielleicht, ohne es zu

einen Weg zum Entwischen zeigen.

»Verflucht sei sein!

Verflucht sei sein !« zischte Gollum.

»Verflucht sei dieser Beutel! Er ist fort!

Was hat er in seinen Taschen ?« »Wir wissen's, wir wissen's, mein Schatz. Er

hat's gewiss, er muss es haben, mein Geburtstagsgeschenk .« Bilbo

spitzte die Ohren.

Ihm dämmerte das Rätsel Lösung.

Er beeilte sich ein bisschen und kam so nah an Gollum heran, wie er es gerade

noch wagen konnte.

Gollum lief sehr rasch weiter und schaute nicht zurück, aber er drehte

Kopf nach allen Seiten.

wie Bilbo an dem schwachen Schimmer an den Wänden erkennen konnte.

»Mein Geburtstagsgeschenk!

Verflucht! Wie konnten wir es bloß verlieren, mein Schatz?

Ja, so ist es.

Als wir diesen Weg zuletzt entlang kamen, als wir dem hässlichen jungen

den Hals umdrehten, so war es.

Verflucht! Es fiel herunter, nach all den Jahren. Es ist weg !«

Auf einmal setzte Gollum sich hin und fing an zu weinen.

Ein pfeifendes, gurgelndes Geräusch, das schrecklich anzuhören war.

Bilbo blieb stehen und drückte sich ganz dicht an die Stollenwand.

Nach einer Weile hörte Gollum auf zu weinen und begann zu sprechen.

Er schien mit sich selbst zu streiten.

Es ist Unsinn, zurückzugehen und zu suchen.

Wir erinnern uns nicht mehr an alle Stellen, an denen wir gewesen sind. Und

hat keinen Zweck.

Der Beutlin hat ihn in der Tasche.

Der hässliche Schnüffler hat ihn gefunden.

Das wissen wir jetzt.

Wir denken es, mein Schatz.

Aber wir denken es bloß.

Wir können es nicht wissen, wenn wir nicht dieses hässliche Geschöpf finden

ausgewitschen.

Aber ich weiß nicht, was mit dem Geschenk los ist, nicht wahr?

Es hat es nur in der Tasche.

Es weiß es nicht und es kann damit nicht weit kommen.

Es verirrt sich, das hässliche, neugierige Ding.

Es weist den Weg nicht hinaus und das hat es doch selbst gesagt.

Was hat es gesagt? Ja, aber es ist zückig.

Es sagt nicht, was es meint.

Es wollte nicht sagen, was es in seiner Tasche hat.

Es weiß es.

Es weist einen Weg herein. Es muss auch einen Weg hinaus werden. Ja.

Es ist auf dem Weg zur Hintertür.

Zur Hintertür. Das ist es.

Dann werden es die Orks erwischen.

Den Weg kann es nicht hinaus, Schatz.

Gollum.

Orks. Aber wenn es unser Geschenk hat, unser kostbares Geschenk, dann werden

Orks es bekommen.

Gollum. Sie werden es finden.

Sie werden auch herausfinden, was mit ihm los ist.

Wir werden nie wieder sicher sein, nie wieder.

Einer der Orks wird ihn anstecken und dann wird ihn niemand sehen.

Er wird da sein, aber man wird ihn nicht sehen.

Nicht einmal unsere klugen Augen werden ihn bemerken.

Und heimlich und tückisch wird er ankommen und uns fangen.

Dann Schluss mit den Reden, Schatz.

»Wir müssen uns beeilen.

Wenn Boyd ihn den Weg genommen hat, müssen wir schnell sein und nachschauen.

Los! Er kann nicht weit sein.

Mach schnell !« Mit einem Sprung kam Gollum auf die Beine und rannte

schlotternd, mit großer Geschwindigkeit, los.

Bilbo rannte hinter ihm her, noch immer vorsichtig, obgleich er jetzt am meisten

fürchtete, über eine andere Unebenheit zu stolpern und mit einem Krach

hinzufallen.

In seinem Kopf wirbelten Hoffnung und Staunen wild durcheinander.

Anscheinend war der Ring, den er besaß, ein Zauberring.

Er machte unsichtbar.

Natürlich hatte er in sehr alten Geschichten von solchen Ringen schon

aber es war schwer zu glauben, dass er wirklich einen gefunden hatte, durch

Zufall.

Immerhin, dies war geschehen.

Gollum, mit seinen leuchtenden Augen, war vorbeigelaufen.

Nur eine Armbreite an ihm vorbei.

Weiter ging's.

Gollum pittete und pattete voran, ziffend und fluchend, und Bilbo folgte

leise, wie es nur ein Hobbit kann.

Bald kamen sie an Stellen, an denen Bilbo auf seinem Wege herab festgestellt

hatte, dass sich zu beiden Seiten Gänge öffneten.

Gollum begann sie sogleich abzuzählen.

Einer links, ja. Einer rechts, ja.

Zwei rechts, ja. Ja.

Zwei links, ja.

Ja.

Und so immer weiter.

Als die Zahlen wuchsen, wurde er langsamer und fing an, unsicher und

zu werden, denn er ließ seinen See immer weiter und weiter hinter sich zurück.

Er bekam es mit der Angst zu tun.

Orks konnten in der Nähe sein, und er hatte seinen Zauberring verloren.

Endlich blieb er bei einer niedrigen Öffnung stehen.

»Ich meine, weg links, ja«,

wisperte er, »hier ist es. Hier ist der Weg zur Hintertür, gewiss.

Hier ist der Durchgang .« Er schaute hinein und fuhr zurück.

»Aber wir dürfen nicht weitergehen, Schatz, wir dürfen nicht .« »Da unten

Orks! Mann, meine Orks!

Wie riechen sie!

Was sollen wir tun?

Verdammt, unsere Flucht!

Wir müssen hier warten, Schatz, ein bisschen warten und aufpassen .«

So kamen sie an einen toten Punkt.

Gollum hatte zwar Bilbo zum Weg hinausgeführt, aber Bilbo konnte nicht

Da saß Gollum wie ein dicker Haufen mitten in der Öffnung und seine Augen

glommen kalt, während er zwischen den Knien von einer Seite zur anderen

schaukelte.

Bilbo kroch leiser als eine Maus weg von der Wand, aber Gollum richtete sich

plötzlich auf, schnüffelte und seine Augen wurden grün.

Er zischte leise, aber gefährlich.

Er konnte den Hobbit nicht sehen, aber jetzt war er auf der Hut, und er hatte

andere Sinne.

die die Finsternis geschärft hatte.

Hören und riechen.

Er spreizte seine flachen Hände auf dem Boden.

Er fing sich zu ducken.

Sein Kopf streckte sich vor und seine Nase berührte fast den Felsboden.

Obgleich Gollum im Schimmer seiner Augen nur ein schwarzer Schatten war, konnte

Bilbo doch sehen oder fühlen, dass er gespannt war wie eine Bogensehne,

gesammelt zum Sprung.

Bilbo hörte fast auf zu atmen und machte sich steif.

Er war verzweifelt.

Fort musste er, weg aus der grässlichen Finsternis, solange ihm noch ein

bisschen Kraft blieb.

Er musste kämpfen.

Er musste das widerliche Wesen erdolchen, seine Augen auslöschen. Er

töten, sonst wurde er selbst von ihm getötet.

Aber ein fairer Kampf war es nicht.

Bilbo war unsichtbar.

Und Gollum hatte kein Schwert.

Genau genommen hatte Gollum noch gar keinen ernsthaften Mordversuch gemacht.

Aber Bilbo fühlte sich elend, allein und verloren.

Ein plötzliches Verstehen, ein Mitleid, mit Entsetzen gemischt, stieg in seinem

Herzen auf.

Ein Widerschein von endlos gleichförmigen Tagen, ohne Licht und

Änderung, harter Stein, kalter Fiss, Griechen und Flüstern.

Alle diese Gedanken flogen in Sekundenschnelle an Bilbo vorüber.

Er zitterte.

Und dann, ganz plötzlich im nächsten Augenblick, gleichsam von neuer Kraft

gepackt, sprang er vorwärts.

Es war kein großer Sprung für einen Mann, aber es war ein Sprung im Dunkeln.

Genau über Gollums Kopf hinweg sprang er sieben Fuß vor und drei in die Höhe.

In der Tat ein gefährlicher Sprung, denn er hätte sich um ein Haar den Schädel

an der niedrigen Stollendecke eingerannt.

Gollum warf sich zurück und schnappte zu, als der Hobbit über ihn hinwegflog,

aber zu spät.

Seine Hände grapschten in dünne Luft, und Bilbo, der genau auf seine stämmigen

Füße fiel, rannte davon den neuen Gang hinab.

Er wandte sich nicht einmal um, um zu sehen, was Gollum tat.

Er hörte anfangs das Fischen und Fluchen dicht hinter seinen Fersen.

Dann hörte es auf.

Und plötzlich erreichte ihn ein Schrei, der das Blut gerinnen machte.

Ein Schrei voller Hass und Verzweiflung.

Gollum war besiegt.

Er wagte nicht weiterzugehen.

Er hatte verloren.

Seinen Raub und das Einzige, das er jemals geliebt hatte, seinen Schatz.

Der Frey ließ Bilbos Herz zum Verspringen schlagen, doch er setzte

fort.

Da erreichte ihn die Stimme, schwach wie ein Echo, aber voll schrecklicher

Drohung.

»Dieb! Dieb!

Dieb!

Beutlin! Wir hassen den Dieb! Wir hassen ihn! Wir hassen ihn für alle Ewigkeit

!«

Dann herrschte Schweigen.

Aber auch das Schweigen schien Bilbo voll schrecklicher Drohung.

Ob die Orks schon so nahe sind, dass er sie gerochen hat, dachte er.

Dann haben sie auch sein Schreien und Fluchen gehört.

Vorsicht jetzt, Bilbo Beutlin, oder dieser Weg wird zu Schlimmerem führen.

Der Durchgang war niedrig und schlecht gebaut.

Aber für einen Hobbit war es nicht allzu schwierig, abgesehen davon, dass er

trotz aller Vorsicht mit seinen Armenziehen mehrfach an scheußliche,

Steine stieß.

Ein bisschen niedrig für Orks, wenigstens für die Großen, dachte Bilbo,

wusste, dass selbst die Großen, die Orks des Gebirges, mit größter

Geschwindigkeit, tief gebückt, die Hände fast auf dem Boden daherrennen können.

Bald führte der Gang, der anfangs leicht abgefallen war, wieder aufwärts, und

nach einer Weile stieg er sogar steil an.

Das hemmte Bilbos Eile, aber schließlich hatte auch dieser Anstieg ein Ende.

Der Gang wand sich um eine Ecke und stieg ab, und dort unten sah Bilbo an

Außenwand einer Biegung endlich einen Lichtschimmer.

Es war kein roter, wie von einem Feuer oder von einer Laterne, sondern fahles

Tageslicht.

Da begann Bilbo zu rennen.

So schnell, wie seine Beine ihn trugen, lief er um die letzte Biegung und

gelangte plötzlich in einen offenen Raum, in dem das Licht nach all den

schrecklichen Stunden in der Finsternis ihm mit seiner Helligkeit blendete.

In Wirklichkeit war es allerdings nur ein schmaler Sonnenstreif, der durch den

Torweg fiel, denn das große, steinerne Tor stand offen.

Bilbo zwinkerte, und da sah er plötzlich die Orks.

Orks in voller Bewaffnung, die mit gezogenen Schwertern im Torweg saßen und

Eingang und Ausgang mit weit aufgerissenen Augen bewachten.

Die Aufregung war unverkennbar. Die Wachen waren in Alarmbereitschaft.

Sie sahen ihn schneller, als er sie sah.

Entweder war es ein Zufall oder ein letzter Trick des Ringes.

Ehe er seinen neuen Herrn anerkannte, er stak nicht mehr an Bilbos Finger.

Mit Freudengeheul stürzten sich die Orks auf ihn.

Wie das Echo von Gollums Jammer ließen Angst und Verlassenheit Bilbos Herz

erbeben.

Er vergaß, sein Schwert zu ziehen, fuhr nur mit beiden Händen in die Taschen,

und da lag der Ring noch in der linken Tasche, und er glitt auf Bilbos Finger.

Die Orks hielten erschrocken an.

Sie konnten keine Spur von Bilbo sehen.

Er war verschwunden.

Sie schrien ein paar Mal, ebenso laut wie vorhin, aber es klang nicht mehr so

freudig.

»Wo ist er ?« schrien sie.

»Auf den Gang hinauf !« riefen mehrere.

»Diesen Weg !« brüllten die einen.

»Nein, den Weg !« brüllten andere.

»Polstert das Tor auf !« bellte der Hauptmann.

Pfiffe gelten, Waffen schlugen aneinander, Schwerter rasselten.

Orks fluchten und schimpften, rannten hierhin und dorthin, einer fiel über den

anderen, und dabei wurden sie furchtbar wütend.

Es war eine schreckliche Schreierei und Verwirrung.

Bilbo war als Angst und Bange, aber da er begriff, was geschehen war, kroch er

rasch hinter ein dickes Fass, das Trinkwasser für die Orkwache enthielt.

Nun war er aus dem Weg und wurde weder angerempelt noch erwischt noch zu Tode

getrampelt.

»Ich muß an das Tor heran«, sagte er immer wieder zu sich, aber es dauerte

ganze Weile, bis er den verzweifelten Versuch wagte und sich auf ein

haarsträubendes, blinde Kuhspiel einließ.

Der Platz wimmelte von Orks.

Der arme kleine Hobbit wich einmal da, einmal dort aus.

Er wurde von einem Ork über den Haufen geworfen, der aber nicht ergründen

konnte, womit er da bloß zusammengerasselt war.

Bilbo kroch auf allen Vieren weg, schlüpfte gerade noch zur rechten Zeit

zwischen den Beinen des Hauptmanns durch, erhob sich und rannte zum Tor.

Es stand zwar noch immer einen Spalt offen, aber ein Org hatte es in dem

Durcheinander fast zugeschlagen.

Bilbo versuchte, sich durch den Spalt zu quetschen.

Er quetschte sich und quetschte sich und kam keinen Zoll voran.

Es war entsetzlich, zwischen Torkante und Torpfosten waren seine Knöpfe

geblieben. Er konnte nach draußen ins Freie sehen, da führten ein paar Stufen

hinab in ein enges Tal zwischen hohen Bergen.

Die Sonne kam hinter einer Wolke hervor und schien leuchtend auf den Torplatz,

aber Bilbo hing fest.

Plötzlich schrie drinnen einer der Orks, »Da ist ein Schatten an der Tür !« »Da

steht jemand draußen !« Bilbos Herz rutschte in die Hose.

Er wandte sich mit letzter Kraft wie ein Aal.

Abgeplatzte Knöpfe sprangen in alle Richtungen.

Endlich war er draußen, mit zerrissenem Mantel und zerrissener Jacke, und schon

hüpfte er wie eine Ziege die Stufen hinab, während die verdutzten Orks seine

hübschen Messingknöpfe von der Torschwelle auflasen.

Natürlich kamen sie bald hinter ihm drein.

brüllten und grölten und jagten zwischen den Bäumen umher.

Aber sie mögen die Sonne nicht, sie macht ihre Knie weich und ihre Köpfe

schwindelig.

Bilbo sprang hinein und hinaus aus dem Schatten der Bäume, er rannte schnell

lautlos und hielt sich aus der Sonne.

Sie konnten ihn nicht erwischen, zumal er ja den Ring trug.

Da kehrten sie murrend und schimpfend zurück, um das Tor zu bewachen.

Bilbo war entkommen.

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