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[schwermütiges spannungsgeladenes Cellospiel]
[Mann 1] Rückzug!
[Mann 2] Los! Los! Los! Macht schon! Los!
-[Soldat 1] Hinter der Brücke in Stellung! -[Soldat 2] Schneller!
-Schnell! -Macht schon!
[brummender Panzermotor]
-Rückzug! -Rückzug!
Ausweichen!
Los! Los! Los!
[weiter schwermütige Musik]
Alle hinter die Brücke!
Stellung beziehen!
-Zweite Welle rechts bezieht Stellung! -Los, los!
[atmet schwer]
[Weller über Funk] Kommandant, unsere Truppen haben sich zurückgezogen.
Leutnant.
Sollen wir uns auch zurückziehen?
Leutnant.
[Quietschen und Summen]
[Hummel, flüsternd] Keilig, kommen sie?
-[Mann spricht Russisch über Funk] -Da sind sie.
[russische Funksprüche]
[dumpfes Grollen]
[leises Klirren]
[Grollen wird lauter]
-T-34. -Ich sehe sie!
[spannungsvolle Musik]
600. Eingestellt.
Entsichert.
Geben Sie den Befehl, Leutnant.
[Stimmengewirr]
[entfernte Rufe auf Russisch]
Philip!
[Ruf auf Russisch]
[dumpfe Detonationen]
[Rufe auf Russisch]
[Weller] Philip!
[Rufe auf Russisch]
-Feuer. -Achtung!
Treffer. Vernichtet.
Geladen!
-Dazwischen Schützen! -MG-Feuer!
[Schreie]
[Rufe auf Russisch]
Rechts daneben! Weiterer Panzer!
-Eingestellt! -Feuer.
Achtung!
-Treffer. -Auch vernichtet!
-Geladen! -[Gerkens] MG-Feuer!
Weiter draufhalten!
[sie stöhnen]
Wir haben die beiden vorderen vernichtet und den Zugang gesperrt.
-Nichts wie weg hier. -Feuer.
Achtung!
-Philip, hast du mich gehört? -Geladen!
Wir können ausweichen.
-Feuer! -Achtung!
-Geladen! -Es werden immer mehr.
Sie sprengen die Brücke um Mitternacht! Das sind fünf Minuten.
[Rufe auf Russisch]
Wir haben noch Zeit. Feuer!
Achtung!
[Rufe auf Russisch]
-Wir müssen weg. Jetzt. -Noch viereinhalb Minuten!
-Viereinhalb! -[Weller] Die Brücke ist 600 Meter lang.
[Keilig] PAK, auf zwölf Uhr.
-Ich muss nachladen. -Feuer!
[Weller] Ich übernehme.
[Rufe auf Russisch]
Achtung!
Geladen!
Wir sind alleine und haben keine Zeit mehr, Philip.
Gib den Befehl.
[Rufe auf Russisch]
Gib den Befehl, Philip!
[Rufe auf Russisch]
[Gerkens] Achtung, ausweichen. Hummel, zurück über die Brücke.
[Hummel] Jawohl, Herr Kommandant!
[Schreie]
Fahr, fahr, fahr!
Fahr, Hummel!
Fahr! Noch vier Minuten.
Vier Minuten!
Hummel, gib Gas.
Wir schaffen es nicht!
Sie folgen uns nicht mehr. Und sie haben aufgehört zu schießen.
-Sie ahnen wohl, dass wir sprengen werden. -Wir schaffen es.
-Iljuschins! -Die können uns nichts anhaben.
[spannungsvolle, anschwellende Musik]
-[Keilig] Herr Kommandant... -Feuer!
[Keilig] Es tropft. Es kommt durch die Luken.
[er schreit]
Ich brenne! Ich brenne!
Fahr, Hummel, fahr!
Fahr!
-Überall ist Feuer! -[er stöhnt]
Fahr, Helmut! Weiter! Fahr!
[Keilig] Fahr, Helmut!
-Gib Gas! -[er stöhnt laut]
Ich glaube, wir schaffen es, Philip. Wir schaffen es!
[spannungsvolle Musik wird sphärisch]
[dumpfer Knall]
[dumpfe Explosionen]
[Weller, hallend] Wir sind allein und haben keine Zeit mehr, Philip.
Gib den Befehl.
Iljuschins!
[Hummel] Ich brenne! Ich brenne!
[Keilig] Fahr! Fahr weiter!
Schneller!
[dumpfe Explosionen verklingen]
[Gerkens] Wann kommen wir an?
[geheimnisvolle Musik]
[Musik wird unheilvoll]
[Gerkens] "Operation Labyrinth."
"Einzelauftrag.
...auf sich allein gestellt...
...von Hardenburg."
Paul?
[schiefe Klänge]
[Weller] Pack mal an.
-Michel, ist es dran? -Ja.
-Eine muss noch ran da. -Ich hab's bald.
Michel.
-Seid ihr langsam fertig? -Ja.
[Schweißgeräusche und metallische Schläge]
-[Hummel] Wo ist die Brille? -[Weller] Kommt. Kommt.
Macht das Gas an.
[Keilig] Komm, heb hoch.
Leutnant.
Willkommen zurück.
-Danke, Christian. -Männer!
Leutnant.
Herr Leutnant.
Chef.
Wie geht's unserem Tiger?
Zerschrammt und ramponiert.
Aber einsatzbereit.
Gut.
Und euch?
Genauso. Ein paar Kratzer, Verbrennungen. Nichts Ernstes.
Neue Befehle?
Leider ja.
Laut Oberst Richter werden wir noch heute aufbrechen müssen.
-[Hummel] Und was ist mit Urlaub? -[Gerkens] Gestrichen.
-[Weller] Heute? -[Gerkens] Heute.
Wohin?
Zurück in den Osten. Über den Psel.
-[Weller] Zum Iwan? -[Gerkens] Dazwischen.
Niemandsland.
Unser Befehl lautet, den Aufenthaltsort
von Oberst von Hardenburg festzustellen und ihn zurückzubringen.
Von Hardenburg? Ich dachte, der ist tot.
Das dachte ich auch.
Aber das denken wahrscheinlich von uns auch viele.
-Welche Einheit wird uns begleiten? -[Gerkens] Keine.
Der Auftrag ist streng geheim.
Er befindet sich vermutlich in einer der Bunkeranlagen östlich von Nowyi Jar.
Scheiße.
-Warum ausgerechnet wir? -[Gerkens] Befehl ist Befehl.
Wenn wir es wissen müssten, dann hätte man es uns gesagt.
Aber ein einziger Tiger-Panzer...
Sie sind wohl überzeugt davon, dass wenn es jemand schaffen kann, dann wir.
Macht den Panzer marschbereit.
[Weller] Dann mal los, Männer.
[Keilig] Na, dann mal los.
[düstere Musik]
[Gerkens] Wolf an Fuchsbau. Begeben uns für 48 Stunden ins Labyrinth.
Wolf meldet sich ab.
[dröhnende Motorengeräusche]
[gemächliche Streichmusik]
Helmut!
Feuer!
Der beste Panzer, der je gebaut wurde,
und der Fahrer kann nicht mal seinen Kopf rausstrecken oder was sehen.
Und ihr Arschlöcher lasst euch schön die Sonne ins Gesicht scheinen.
Die Konstrukteure haben eben gewusst, was für hässliche Kerle ihr Fahrer seid!
[sie lachen]
[Streichmusik wird monumentaler]
[Keilig] Von Hardenburg?
Der ist doch mit der Sechsten in Stalingrad geblieben,
nachdem wir abgezogen wurden.
Ein Wunder, dass er die letzten Kämpfe überlebt hat.
Mir wurde erzählt, er hat sich die eigene Hand abgehackt.
Habe ich auch gehört. Er war verschüttet unter den Trümmern der Traktorenfabrik.
Seine Hand eingeklemmt.
Und nach fünf Tagen...
hat er sie dann mit einem Messer abgetrennt, um zu überleben.
Sage ich doch.
Helmut, ich habe noch immer dein Feuerzeug.
Aber das ist jetzt meins.
Wenn er überlebt hat, muss er ein russischer Spion sein.
Das wird der Grund sein, warum sie ihn zurückhaben wollen.
Angeblich ist er aus den Trümmern hervorgekrochen
und eine junge Frau hat sich seiner erbarmt und ihn bei sich versteckt.
Später hat er es dann als Bauer verkleidet zurück auf unsere Seite geschafft.
Und danach haben sie den Arsch zurück an die Front geschickt, mit nur einer Hand?
Da kriege ich ja fast Mitleid.
Ja, und jetzt schicken sie uns Ärsche hinterher, um ihn zurückzuholen.
Klingt immer mehr nach einem russischen Spion.
Stabsoffiziere, alles einhändige Künstler. [lacht]
Warum ist der überhaupt so wichtig? Nur, weil er ein "von irgendwas" ist?
Laut dem Einsatzbefehl
hat er an einem geheimen Rückzugsplan gearbeitet.
Dieser enthält all unsere Stellungen, Funkfrequenzen und Waffenvorräte.
Fällt all das in die Hände der Russen... stehen die Tore zum Reich weit offen.
Unser Auftrag hat den Decknamen...
Operation Labyrinth.
[düstere Musik]
Sie haben nicht probiert, ihn per Funk zu erreichen?
Er hat nicht mehr geantwortet, seitdem wir die Brücke gesprengt haben.
In Stalingrad...
Das waren seine Befehle, oder?
Er war der befehlshabende Offizier, ja.
[düstere Musik wird traurig]
[Hummel] Pimpf, was machst du denn da?
Keine einhändigen Spielereien in meinem Panzer.
-Ich habe nichts gemacht. -Ich habe es genau gesehen.
[Gerkens] Noch fünf Kilometer zur Frontlinie. Danach heißt es Augen auf.
[spannungsvolle Musik]
-[Hummel] Weller, was machen die? -[Weller] Wohl um die Russen zu verwirren.
Das bedeutet, dass wir planen, uns noch weiter zurückzuziehen.
Ich dachte, Adolf der Österreicher glaubt nicht an Rückzug.
Einer von deinen, Weller.
Keiner von denen, die ich kenne.
[Hummel] Du auf deinem Tiroler Schweinehof.
[mit österreichischem Akzent] Das ist kein Schweinehof, das ist ein Weinberg.
Und es ist die Wachau.
Die schönste Gegend auf dieser Welt.
-Die Wachau. -Keilig, was sagt der Funk?
Nichts außer Rauschen.
Vielleicht besser so. Dann kann der Iwan uns auch nicht abhören.
Hummel, wir verlassen in 50 Metern die Straße.
Halblinks, weg vom offenen Feld.
-Ich will heute Nacht in Deckung. -Jawohl!
[weiter spannungsvolle Musik]
[spannungsvolle Musik schwillt an]
[spannungsvolle Musik verklingt]
Nach dem Schluck löschen wir aber das Feuer.
Und wir beide übernehmen die erste Wache, Michel.
[verneint]
[Flattern]
[Michel] Gibt's hier Partisanen?
[Gerkens] Man weiß nie.
Besser, wenn wir Augen und Ohren offen halten.
Bodhana hat mir mal erzählt...
[Hummel lacht]
...die Wälder hier sind voller Geister.
Wer ist Bodhana?
Ein Bauernmädchen, das er in Tolokonnoye getroffen hat.
Sie hat uns Milch und Eier verkauft.
-Und einen Tripper gleich mit, was, Pimpf? -[Michel] Helmut.
-Ich habe nicht mit ihr geschlafen. -Aber du hättest gerne.
[Hummel lacht]
Hör auf den Onkel Helmut, Pimpf. Der Spaß ist kurz, die Reue ist lang.
Und sie hat gesagt, dass in diesem Wald Geister sind?
Ja, die Seelen der Verstorbenen gehen dort um.
Die Ukrainer glauben das.
Daheim in Schlesien glauben das auch viele.
Schlesien ist ein einziger Schweinehof.
Warum sind wir nicht verbrannt, Herr Leutnant?
Auf der Brücke.
Weil ich meinen verdammten Fuß bis zum Ende aufs Gaspedal gedrückt habe.
Obwohl er in Flammen stand. Ihr schuldet mir ein neues Paar Botten.
[lacht]
Sie kennen von Hardenburg gut, nicht wahr, Leutnant?
-Wir waren zusammen auf der Kriegsschule. -Sie waren Freunde?
Ja, aber das ist lange her.
Stimmt es, dass er der Pate Ihres Sohnes ist?
[einzelner nachdenklicher Ton]
Genug jetzt. Geht schlafen.
[unheimliche Musik]
Irrlichter.
[Gerkens] Lass dich von Hummel nicht ärgern.
Er hat mich auf dem Kieker.
Er hat seinen Sohn verloren. Der war erst 15.
Bei einem Luftangriff auf den Humboldthain hat er das Flakgeschütz bedient.
Es war ein Volltreffer.
Hummel musste einen leeren Sarg beerdigen.
Vielleicht ist das seine Art, dir zu zeigen, dass du ihm wichtig bist.
[gefühlvolle Streichmusik]
Ruh dich aus.
Ich übernehme die Wache.
[männliche Stimme, hallend] Philip.
[schiefe Klänge]
[Funkrauschen]
[Quietschen]
[Mann über Funk] Agnus Dei...
[Rauschen, abgehackte Männerstimme]
-Agnus Dei... -Was hörst du?
...peccata mundi, miserere nobis.
Agnus Dei, qui tollis
peccata mundi, miserere nobis.
[Hummel] Sag schon. Was hörst du?
Das ist Latein.
-Agnus Dei, qui tollis peccata mundi... -[Keilig] Hört euch das mal an.
...dona nobis pacem.
"Lamm Gottes, erbarme dich unser."
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, miserere nobis.
[Keilig] "Lamm Gottes,
du nimmst hinweg die Sünde."
...qui tollis peccata mundi, miserere nobis.
[Keilig] "Lamm Gottes, gib uns deinen Frieden."
...miserere nobis.
Agnus Dei,
qui tollis peccata mundi...
Das ist doch die Messe.
-Läuft zu Hause auch immer im Radio. -Ja, aber die sind doch orthodox hier.
Warum sollten die eine lateinische Messe hören?
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, miserere nobis.
[Gerkens] Panzersperren. Rechts halten.
...miserere nobis. Agnus Dei...
Der Iwan will uns wohl verunsichern.
Schalt den Hokuspokus ab.
...dona nobis pacem. Agnus Dei...
[Gebete über Funk verstummen]
Wer hat das gebaut?
Wir, beziehungsweise die gefangengenommenen Überreste
von Schukows Armee.
Und wer zu schwach dafür war, liegt da drunter.
[bedrückendes Cellospiel]
[Gerkens] Hummel, da vorn ist eine Lücke in der Sperre.
Die nehmen wir. Links abbiegen.
Panzer halt!
-Was ist los? -Minen!
-Motor aus. -Scheiße.
Was machen wir jetzt?
Michel, Keilig, absitzen.
Wir müssen den Boden absuchen.
Vorsicht. Springt in die eigene Spur.
Gründlich!
[metallisches Geräusch]
[bedrohliche Musik]
Scheiße. Michel!
Komm her.
Die ist zu nah an der Kette. Wir müssen sie ausgraben.
Du hilfst mir. Keilig!
Such das Gelände neben unserer Fahrspur ab, falls wir zurücksetzen müssen!
-[Keilig] Jawohl! -Leutnant.
Neun Uhr, 3000. Staubentwicklung am Horizont.
-Könnte ein Hinterhalt sein. -[Gerkens] Behalt es im Auge.
Hilf mir.
Hier.
Du räumst vorsichtig die Erde unter der Mine weg, sodass wir sie anheben können,
während ich versuche, den Zünder rauszuschrauben. Los.
Vorsicht.
[leise angespannte Musik]
Verdammt, ich kann nichts sehen.
Ja, wir müssen sie anheben.
Vorsichtig.
-Herr Leutnant! -Was?
Unter der Mine hat sich was bewegt. Ich halte es fest.
Es fühlt sich wie eine Handgranate an.
Stimmt.
Die Bastarde haben die Sicherheitsstifte rausgezogen. Das ist eine Doppelfalle.
Wenn du deine Hände bewegst,
bewegen sich die Granaten und lösen die Zündbügel aus.
Dann gehen wir beide zusammen mit der Mine hoch.
Michel, du musst dich jetzt beruhigen. Michel.
Michel.
Hier.
Atme.
[er atmet zittrig]
Gut.
Verstanden.
-Weller, wie ist die Lage? -Fahrzeuge scheinen auszuweichen.
[Gerkens] Rücksetzen vorbereiten!
Was ist los?
Zuerst bringe ich den Panzer und die anderen in Sicherheit, dann dich.
Verstanden?
[bedrohliche Musik]
Verstanden.
[er atmet panisch]
Unbekannte Fahrzeuge auf fünf bis sechs Kilometer.
Entfernen sich weiter.
-[Gerkens] Hummel! -Wo ist Michel?
Du fährst langsam in unserer alten Spur zurück.
-Wo ist Michel? -Priorität hat der Tiger.
Marsch!
[lautes Motorengeräusch]
Gerade.
[leise, nervenaufreibende Musik]
Gerade.
-Verfluchte Scheiße, der Pimpf. -Gerade.
Gerade, habe ich gesagt!
[nervenaufreibende Musik schwillt an]
[Gerkens] Halt!
[Musik endet]
Seil.
-Du machst das sehr gut, Michel! Sehr gut. -Verfluchte Scheiße.
[Gerkens] Ich bringe dich sicher...
zurück nach Hause.
[Michel] Vorsicht.
Und jetzt hör mir ganz genau zu, Michel. Guck mich an.
Du ziehst jetzt ganz langsam, Stück für Stück deine Hand raus.
Sodass das Gewicht der Mine auf den Bügel der Granate drückt.
Los.
[leise spannungsvolle Musik]
Langsam.
Langsam, weiter.
Langsamer.
Sehr gut, Michel. Sehr gut.
[Michel atmet panisch]
Weiter.
Langsam.
[spannungsvolle Musik schwillt an]
Weiter.
Vorsichtig.
Weiter. Gut.
Vorsichtig.
Aufstehen.
Komm.
[feierliche Musik]
Komm.
Alle Mann absitzen!
Hinter den Panzer!
[feierliche Musik schwillt an]
Die gehört dir.
[laute Explosionen]
-[Weller] Du hast Nerven aus Stahl. -Aufsitzen.
Starkes Stück.
Von mir kriegst du keine Umarmung, Pimpf.
Aber meinetwegen darfst du das Bild von deiner Freundin
jetzt in meinen Panzer hängen.
[Gerkens] Hummel, scharf links!
[melancholische Musik]
[kreischende Klänge und Explosion]
Halt!
[spannungsvolle Musik]
Panzer auf zwölf Uhr. Rückwärts, marsch, marsch!
Scharf links. Anziehen!
Ich nebel!
Gerade!
Hummel, wir brauchen mehr Abstand.
Raus aus dem Wald. Gib Gas!
Und anhalten!
Das war ein schweres Kaliber. Ich schätze, ein SU-100.
Panzerschreck. Ein Treffer mit seinem Kaliber, und das war's mit uns.
[leises Kettenrasseln]
Herr Leutnant.
[Gerkens] Es kommen noch mehr.
Mindestens drei weitere Panzer. Wir weichen aus.
Wir können sie uns einzeln vornehmen.
Es sind zu viele und wir dürfen die Mission nicht gefährden.
Aber wir sind zwischen Fluss und Feind gefangen.
Wir haben gar keine andere Chance als anzugreifen.
Die haben uns in der Zange.
[Gerkens] Der Fluss.
Wir haben eine Chance.
Erst rückwärts, dann nach Osten auf drei Uhr.
[dramatische Streichmusik]
[Kettengerassel nähert sich]
[Gerkens] Anhalten!
Motor aus.
[Weller] Philip, was hast du vor?
Alle Mann absitzen!
Was zum Teufel?
Los!
-Fertig machen zum Tauchen. -[Hummel] Hä?
-Was? -Dieser Tiger wurde zum Tauchen gebaut.
-Wir haben es nur in der Ausbildung geübt. -Los!
Noch nie im Gefecht.
Dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt dafür.
Wir haben schwere Treffer erhalten. Kann sein, wir sinken wie ein Stein.
Du hast ihn repariert. Und ich vertraue dir. Los.
Los. Hopp, hopp, hopp!
[leise düstere Musik]
Perfekt.
[düstere Musik wird erwartungsvoller]
[Gerkens] Los, alle Mann einsteigen.
Hummel, Motor an.
Panzer marsch. Verschwinden wir hier.
Haben Wasserkontakt.
[spannungsvolle Musik]
Hummel, anhalten.
[Blubbern]
Es fühlt sich sehr laut an.
-Können wir den Motor nicht abstellen? -Nein.
Nein.
Springt der Motor nicht wieder an, ersäufst du hier.
Aber sie können unsere Abgase sehen. Motor aus.
Was? Wenn er nicht wieder anspringt, sind wir geliefert.
Aus.
[Motorbrummen verstummt]
[Blubbern verklingt]
[unheimliche Musik]
Wie ist es bei euch?
Alles erst mal dicht.
Hier auch.
[Michel] Melde kein Wasser.
[Michel] Wie lange können wir unter Wasser bleiben?
[weiter unheimliche Musik]
[dumpfes Grollen]
Motorgeräusche.
Sie kommen näher.
Verbrennen im Panzer ist die eine Sache.
Aber ersaufen...
Weller hatte recht. Wir hätten uns im Kampf stellen müssen.
-Wir sitzen in der Falle. -Sei ruhig.
[dumpfes Knattern]
[Kettengerassel]
[Knattern wird lauter]
[unheimliche Musik wird spannungsvoller]
[Knattern wird leiser]
[Knattern verstummt]
[atmet erleichtert aus]
[Gerkens] Wir bleiben zur Sicherheit noch getaucht.
[schwermütige Streichmusik]
Wie lange willst denn du noch abwarten?
So lange, bis ich sicher bin,
dass wir nicht direkt in eine Falle tappen, sobald wir auftauchen.
Keilig, was sagt deine Uhr?
Kurz vor zwölf. Ist aber stehen geblieben seit der Brücke.
Bodhana hat mir erzählt, in den Seen gibt es einen Wassermann...
der einen beim Baden in die Tiefe zieht.
Richtige Frohnatur, dein Spatzl.
Ruhe im Puff.
Sofort.
[sie husten]
[schwermütiges Cellospiel]
[Husten]
[schwermütige Musik überlagert Szenen]
[schiefe Klänge]
[Offizier] Philip.
[Rumpeln]
[Wassertropfen]
Herr Leutnant.
Scheiße, wir lecken!
Wir müssen auftauchen, ob sie da sind oder nicht!
In Ordnung. Wir durchqueren den Fluss und tauchen auf der anderen Seite wieder auf.
-Wir durchqueren den Fluss? -Sie können noch in der Nähe sein.
Das ist sicherer. Und wir sparen den Sprit auf der Suche nach einer Brücke.
Helmut!
Motor starten!
[Motor heult auf]
[Motor geht aus]
Scheiße.
Mach noch mal. Mach noch mal.
Komm. Komm, Hummel.
[Motor heult auf und geht aus]
[Motor heult auf und stottert]
Komm, Helmut, mach! Mach, mach noch mal!
[Motor heult auf]
-[Motor springt an] -Ha! Ha!
Ja!
Helmut! Vorwärts marsch!
[spannungsvolle, dramatische Musik]
Wenn wir hier stecken bleiben, kriegen wir unter Wasser nicht mal mehr die Luken auf.
-Ich kann nicht schwimmen. -Ich auch nicht.
Brauchen wir auch nicht. Wir sterben in einem eisernen Sarg.
[weiter spannungsvolle Musik]
[er lacht hysterisch]
Anhalten, Motor aus.
[Motor verstummt]
[sie atmen hektisch]
[er atmet tief durch]
Nichts zu sehen. Alle Mann absitzen.
[er ächzt]
[er stöhnt]
[sie husten und atmen schwer]
[Gerkens] Machen wir den Kleinen wieder landtauglich.
Der Sprit reicht noch 20 Kilometer.
Ja.
Scheiße.
Was?
Der Iwan schuldet mir eine neue Packung.
[sie lachen]
-[Hummel] Das war knapp. -[Gerkens] Los.
Wir haben eine Mission zu erfüllen.
[Weller] Männer.
[beklemmende Musik]
[schiefe Klänge]
[Gerkens] Nehmt eure Panzerschokolade.
Das wird eine lange Nacht.
Und ich möchte, dass ihr hellwach bleibt.
[Keilig] Nee, ich will lieber einen klaren Kopf behalten.
[sphärische, düstere Klänge]
Anhalten.
Motor aus.
Was ist los?
[entfernte deutsche Kommandos]
Das sind unsere Leute.
Motor an, weiter marsch.
[spannungsvolle Musik]
[Menschen schreien durcheinander]
[Gerkens] Motor aus. Absitzen.
[Kinder schreien]
[Hundegebell]
Stopp! Hey, du! Stehen bleiben!
[Kuh muht]
[Soldat 1] Heil Hitler.
[spöttisch] Panzerjungs.
[Mann] Treibt das Vieh in die Kirche.
Los, bisschen schneller!
Beeilung, wenn ich bitten darf.
Beeilung, meine Herren.
Die Pferde auch!
Leutnant Gerkens, schwere Panzerabteilung 503.
Erbitte Versorgung mit Treibstoff.
Obersturmbannführer Krebs.
Was ist los? Habt ihr euch verfahren?
Sonderauftrag.
Ihr Panzerjungs. Immer was Besonderes, hm?
Mir hat man gesagt, wir hätten keine Truppen mehr hier.
Das hier ist unser Sonderauftrag.
Die Dörfer aufzuräumen, die die Partisanen unterstützt haben.
[Soldat] Vorwärts! Bewegung! Vorwärts!
Ihr... schickt sie ins Arbeitslager?
Die Zeit der Arbeitslager ist längst vorbei.
Wir verriegeln die Tür.
Und wenn wir dann Feuer legen, werden sie von ihren Tieren totgetrampelt.
Das spart Munition.
Ist unser kleiner Beitrag zur großen Sache.
Das Reich hat einen so großen Appetit auf Tod entwickelt...
...so viel Munition kann man gar nicht herstellen.
Wie ich sehe, sind wir hier gleich fertig.
[Schreie]
[Krebs] Alle Mann aufsitzen!
[gedämpfte Schreie, wiehernde Pferde]
[Schreie]
[schwermütige Streichmusik]
[Schreie verstummen]
Ihr erinnert euch doch an die Flammen, nicht wahr?
[beklemmende, kreischende Musik]
So, meine Arbeit ist hier beendet.
Ach ja, euer Benzin.
Abmarsch!
Lasst uns sofort von hier verschwinden. Wir schlafen heute Nacht im Tiger.
Abmarsch!
[tragisches Cellospiel]
[Weller] Philip?
Zum Teufel damit.
Michel, gib mir was Richtiges.
Mhm.
Mehr.
Nektar der Götter.
Ich dachte, du hast als Winzer gearbeitet?
Selbst ich als einfacher Lateinlehrer weiß, dass das hier die letzte Plörre ist.
Baron von Claussen '37.
Grüner Veltliner Smaragd.
Bester Jahrgang, den ich je gemacht habe.
Fein fruchtig mit sorgfältig ausbalancierter Säure und...
zarten Marillennoten.
"Nektar der Götter", so haben wir ihn genannt.
Reichsmarschall Göring fand ihn so gut, dass er den halben Jahrgang kaufte.
Und jetzt ist alles, was geblieben ist...
eine Erinnerung.
Und mir bleibt nichts anderes übrig, als diese Pisse zu trinken.
Pisse oder nicht,
es tut, was es soll.
-Herr Leutnant? -[verneint]
Wie lernt ein österreichischer Bauer wie du,
Wein zu machen, der gut genug ist für den Reichsmarschall?
In der Wachau...
liegt uns Weinmachen im Blut.
Ich habe es von meinem Vater gelernt, und er von seinem Vater.
Wenn du den Wein gemacht hast, wer ist dann dieser Baron von Claussen?
Ich war sein Winzer.
Na, dann ist es doch dein Wein.
Sein Land, seine Trauben.
Seine Sonne, sein Wind, sein Regen?
Für einen alten Lateinlehrer klingst du schon wieder ganz schön rot, Keilig.
Weißt du, wenn uns die alten Römer eines hinterlassen haben,
wenn sie einen großen Beitrag zum menschlichen Wissen geleistet haben,
dann den: Krieg.
Den haben sie ewig geführt.
Nicht, um irgendeinen Feind zu unterwerfen, sondern ihr eigenes Volk.
Immer weiterkämpfen, immer weiter Krieg führen. Bloß nicht zur Ruhe kommen.
Damit der Lateinlehrer und der Winzer, der Lokführer und der Bauernjunge
schön mitmachen.
Kann ja nicht anders: "Ja, Herr, nein, Herr." Befehle muss man befolgen.
Vergessen, wer man war und was man mal geliebt hat.
Wir befolgen Befehle, um die zu schützen, die wir lieben.
Befehle sind das Einzige, was wir haben.
Ohne sie zerbricht alles. Die Armee, die Gesellschaft, alles.
In meinem Panzer ist kein Platz für Politik.
Und du liegst falsch.
Die alten Römer hatten keine Lokführer.
[sie lachen]
Sogar ich weiß das.
Und du weißt nicht mal so viel.
Hey. Schnauze.
Auf die Lokführer.
Die Retter der Gesellschaft.
Weller. Feuer.
Ich weiß nicht, wovon du redest.
Ich wünschte, ich könnte vergessen.
Vergessen, wer wir einmal waren.
Es wird nie mehr so sein wie früher.
Wie kann es auch, nach...
nach all dem hier.
Wer wir mal waren?
Wir sind immer noch dieselben.
Wir haben Befehle befolgt und das getan, was man von uns verlangt hat.
Das ist alles.
Wenn das alles hier vorbei ist, dann...
besuchst du mich in Österreich, und ich zeige dir meinen Weinberg.
Und wir trinken eine Flasche zusammen.
Das machen wir.
[tragische, düstere Musik]
[Gerkens] Halt!
[Michel] Was ist?
[Weller] Das ist mir nicht geheuer. Lasst uns lieber etwas Abstand halten.
[Gerkens] Der Bunker liegt direkt dahinter,
und wir können uns keinen Umweg mehr leisten.
Klar zum Gefecht.
[Weller] Entfernung?
[Gerkens] 1000.
Helmut, fahr links an der Mühle vorbei, aber langsam.
-Eingestellt. -Marsch.
[treibende, rhythmische Musik]
[Gerkens] Das war wohl mal ein Übungsziel.
Wir kommen gleich in Reichweite.
Keilig, ans MG.
Feuererlaubnis.
Verfluchte Sonne. Haltet die Augen offen!
[spannungsvolle Musik schwillt an]
[Explosion]
[Gerkens] Halt! Kanonenabschuss auf ein Uhr!
Hummel, sofort rückwärts! Marsch, marsch!
Weller, Feuer erwidern!
[Hummel] Das war knapp.
-Hummel, in Bewegung bleiben. -Jawohl!
Keilig, MG, Feuer!
Raus aus der Schusslinie! Stellung! Links!
[Keilig] Gib Gas, Hummel!
[Gerkens] Halt!
Weller, neben dem Mühlenflügel.
Bei der eingestürzten Stelle. 900.
Erkannt!
-Eingestellt. -Entsichert!
Feuer!
Nichts zu sehen. Kein Treffer erkannt.
[Motor startet]
-Scheiße. -[Weller] Was?
[Gerkens] Ein SU-100.
[Weller] Ist das der gleiche SU?
-Was zum... -Das kann doch nicht sein, zum Teufel.
-[Gerkens] Er muss uns gefolgt sein. -[Hummel] Unmöglich!
Hummel, ausweichen. Keilig, weiter draufhalten.
Marsch!
-Feuer! -Achtung!
[Gerkens] Die ist abgeprallt. Die Panzerung ist viel zu stark.
[Michel] Geladen!
Hummel, mehr Abstand. Wir müssen sie von der Seite kriegen.
[er schreit]
[Hummel] Scheiße, das war der Auspuff!
-Scheiße. -[Gerkens] Vollgas, weiter zurück.
Nebel.
[treibende, rhythmische Musik]
[Gerkens] Wo bist du?
[hoher Piepton]
Direkter Durchschuss!
-[Gerkens] Alles in Ordnung? -Ja, ja!
-Er dreht sich ein! -[Hummel] Scheiße!
Philip, die sind zu stark!
[Gerkens] Die sind stark, aber nur eine Kanone auf Ketten.
Wir sind schneller, denn die müssen zum Schießen den gesamten Panzer drehen.
Hummel, langsam vorwärts marsch.
Links eindrehen. Ich will ihm Breitseite bieten.
-Was ist mit unserer Flanke? -Vertrau mir.
Fahr!
Kanone auf drei Uhr.
Dann haben sie uns direkt vorm Rohr!
Nerven behalten!
Herr Leutnant!
Nerven behalten!
Der Russe hat uns gleich!
[Gerkens] Weller, jetzt MG-Feuer. Lenk sie ab.
Halt!
Komm schon, Philip!
-Eingestellt! -[Gerkens] Warte.
Ich habe ihn drauf!
[Gerkens] Warte.
MG stopp!
-Feuer. -Achtung!
[Gerkens] Treffer. Vernichtet.
[er schreit]
Das ist das Problem mit diesen Panzern,
sie können nicht das sehen, was direkt vor ihnen ist.
[Weller] Wir hätten sie im Wald angreifen sollen!
Der verfluchte Panzer hätte uns fast vernichtet!
[Gurgeln]
[Michel] Keilig?
Keilig, geht es dir gut?
Keilig? Keilig.
-Keilig... -Keilig, du Bastard!
-Herr Leutnant! -Wo hat's dich erwischt, Keilig?
Splitter.
Die Lunge.
Scheiße.
Bring mich an die Sonne.
[Gerkens] Leg ihn hier aufs Deck.
[Keilig wimmert]
Nimm seine Beine.
Vorsichtig.
[Keilig wimmert]
Alles gut, Keilig. Alles gut.
Du und Hardenburg...
Das ist persönlich, oder?
Versuch nicht zu sprechen.
[er würgt gurgelnd]
[Gerkens] Sch. Sch. Sch.
Schreib...
Schreib Luise und den Mädchen.
Das mache ich. Ich verspreche es.
[Keilig würgt gurgelnd]
Ich wollte wieder unterrichten.
Ich hatte '39...
eine Abiturklasse.
Einer der schönsten Sommer.
Danach...
war nur noch Krieg.
[tragisches Cellospiel]
Ich...
[Weller] Keilig.
[er schreit]
[weiter tragische Musik]
Kümmern wir uns um den Tiger.
Den kann man flicken, aber...
[unheilvolle Musik]
[Feuer knistert]
H... Herr Leutnant?
Was?
[er stöhnt]
[Feuer knistert]
[Hummel] Scheiße.
Körper verbrennen nicht so schnell.
Es reicht.
Wir fahren zurück zum Lager und sagen, wir haben von Hardenburg nicht gefunden.
Irgendetwas stimmt hier nicht.
Es sind nur noch 20 Kilometer.
Unser Auspuff ist hinüber.
Den können wir reparieren, zur Not mit Teilen vom SU.
Der Tank reicht aber nur noch 30 Kilometer.
Das langt nicht für den Rückweg.
Im Bunker wird es ein Versorgungslager geben.
Ich hoffe, dein von Hardenburg ist die ganze Sache wert.
Aber wenn er ein Spion ist, jage ich ihm persönlich eine Kugel in den Kopf.
An die Arbeit.
Los.
[Glut knistert]
[schiefe Klänge]
[Krebs] Ihr erinnert euch doch an die Flammen, nicht wahr?
Herr Leutnant.
[düstere Klänge]
Keil...
Michel, hör den Funk ab.
[legt Gang ein]
[statisches Rauschen]
[Mann über Funk] Agnus...
...qui tollis peccata mundi, miserere nobis.
Agnus Dei
qui tollis peccata mundi...
Herr Leutnant.
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi,
miserere nobis.
Agnus Dei,
qui tollis peccata mundi...
Schalt es ab.
Abschalten.
[Funkgerät verstummt]
[Weller] Wie lange noch?
Wie lange willst du noch weiterfahren?
Bis wir ihn gefunden und zurück nach Hause gebracht haben.
Nach Hause.
Das ist kein Zuhause.
Das sind nur die eigenen verdammten Linien.
So lange, bis wir auf dem Rückzug zu den nächsten kommen.
Und dann zu den nächsten und dann zu den nächsten.
Warum ist dieser von Hardenburg so wichtig?
Haben sie Angst, dass er überläuft?
Vielleicht hatte Keilig recht
und er hat es bereits getan, und wir...
laufen in eine Falle.
Oder ist er etwa dir wichtig?
Hm?
[Weller lacht leise]
Keilig hatte recht.
Er hat gemeint, es ist persönlich zwischen dir und von Hardenburg.
Warum ziehst du uns da mit rein, hm?
-Warum? -Es sind Befehle.
Wenn die Russen ihn vor uns finden,
haben sie alle unsere Stellungen, Funkfrequenzen, Taktiken...
Dann stehen alle Türen zum Reich weit offen. Philip, ich weiß!
Aber wir stehen auch offen!
Der Feind weiß, dass wir hier sind!
Philip!
Verstehst du das nicht?
Bitte wach auf!
Ich glaube, du bist unnötige Risiken eingegangen.
Und du bist kompromittiert.
Ich stimme dafür, dich deines Kommandos zu entheben.
In Ordnung.
Entscheidet euch.
Jetzt.
Michel?
Ich bin beim Leutnant.
Helmut?
Du bist der Fahrer.
Das ist dein Panzer.
Du bist bei uns seit Barbarossa.
[er stammelt]
Ich meine... Keilig ist tot.
Eben.
Und...
Und auf der Brücke und beim Tauchen
sind Sie auch Risiken eingegangen.
Es tut mir leid.
Weller...
Ich bin beim Kommandanten.
[bedrückende Musik]
Wir sprechen da nie wieder drüber.
[bedrückende Musik läuft weiter]
[entferntes Donnern]
Laut der Karte gibt es hier irgendwo einen alten Pfad,
der in das Waldgebiet führt, wo der Bunker steht.
Erscheint halb links, Hummel.
[Regenprasseln]
[leise elegische Streichmusik]
[elegische Streichmusik schwillt an]
[pompöse Streichmusik]
[Offizier] Philip.
[Musik wird ruhiger]
Panzer anhalten.
[Hummel verschnauft]
Was?
[Gerkens] Fußspuren. Alle Mann absitzen.
Michel!
[Gerkens] Handwaffen.
Stiefelabdrücke.
Deutsches Fabrikat.
Fertigladen.
[Waffen klicken]
[melancholische Musik]
Michel, halt!
Sprengfalle.
Auch deutsches Fabrikat.
Der Bunker muss hier ganz in der Nähe sein.
Waffen entsichern.
[Waffen klicken]
[düstere Musik]
[Fallschirm raschelt]
[bedrohliche Klänge]
-Was zum Teufel? -[Gerkens] Fallschirmjäger.
Wahrscheinlich haben sie uns geschickt, weil die es nicht geschafft haben.
Los jetzt.
[bedrohliche Klänge]
[düstere Musik]
[düstere Musik schwillt an]
[Metalltür quietscht]
[entfernte Musik und Stimmengewirr]
[Gelächter und Gespräche]
[♪ Marlene Dietrich: "Ich bin die fesche Lola"]
♪ Lola, Lola ♪
♪ Jeder weiß, wer ich bin ♪
♪ Sieht man nur nach mir hin Schon verwirrt sich der Sinn ♪
Kommen Sie. Kommen Sie.
Herr Leutnant.
Wir suchen einen Oberst von Hardenburg.
Selbstverständlich.
Er ist im Kommandobunker und er erwartet Sie bereits.
Ich führe Sie zu ihm.
Aber wenn Sie noch ein bisschen bleiben möchten...
Ich bin mir sicher,
dass wir Sie hier gut unterhalten können.
Maria,
bring den Herren Wein und was zu essen.
Sie sehen aus, als hätten Sie eine lange Reise hinter sich.
Auf das Leben.
Und jetzt bringen Sie mich zu Oberst von Hardenburg.
Gerne, Herr Leutnant.
Na dann...
folgen Sie mir.
Aber nur Sie.
[Musik und Gespräche setzen wieder ein]
Kommen Sie.
♪ Lola, Lola Jeder weiß, wer ich bin ♪
♪ Sieht man nur nach mir hin... ♪
[Musik hallt wider]
Keine Angst.
[Schritte hallen]
Herr Leutnant.
Neuer Befehl per Funkspruch:
Den Abzug der letzten Kräfte an der Dnjepr-Brücke decken,
bevor sie um Mitternacht gesprengt wird.
[Soldat pfeift "In der Höhle des Bergkönigs" von Edvard Grieg]
[Gerkens] Ziemliches Labyrinth.
[atmet langsam aus]
Nur Mut.
[hallende Schritte]
[atmet zufrieden aus]
[Metalltür wird quietschend geöffnet]
[leises Tropfen]
[bedrückende Musik]
[Feuer prasselt]
Paul.
Dann sind die Geschichten also wahr.
Deutschland hat in Stalingrad eine Menge verloren.
Was ist dagegen eine lausige Hand?
Komm mit rüber ans Feuer.
Dein Obergefreiter hat gesagt,
du würdest jemanden erwarten.
Nein, ich habe nicht jemanden erwartet,
sondern dich.
Dann weißt du sicherlich, dass ich hier bin, um dich zurückzubringen.
Natürlich.
Du musstest diese Reise machen.
Ich war dein bester Freund.
Weißt du noch, der Sommer an der Kriegsschule in Hannover?
Diesen warmen Augustabend, als ich dir Marion vorstellte?
Am nächsten Tag gingen wir schwimmen.
Hinaus zu der kleinen Waldinsel
mitten im See.
Es war ein magischer Sommer.
Es war der schönste Sommer aller Zeiten.
Danach war nur noch Krieg.
Wir müssen.
[Paul lacht]
Ich nehme an, du bist im Bauch deines Tigers angereist.
-Ja. -Ist eng da drin.
Seltsam, dass sie dich in dem Ding geschickt haben, um uns alle abzuholen,
findest du nicht auch?
Ich bin sicher, sie werden ihre Gründe haben.
Und wenn ich mich weigere?
[spannungsvolle Klänge]
Ich will vermeiden, dass es so weit kommt.
Aber wenn es doch so weit kommen sollte,
dann hätten sie genau den Richtigen geschickt, nicht wahr?
Befehle sind schließlich Befehle.
[er lacht auf]
Komm, Philip. Iss mit mir.
Ein letztes Abendmahl, sozusagen.
Dafür haben wir keine Zeit.
-Wir müssen gehen. -Keine Zeit für einen alten Freund?
Ich bin der Patenonkel deines Sohnes. Du verdankst mir dein Glück.
Setz dich.
Wenn man fünf Tage lang unter einem Haufen Schutt begraben liegt
und langsam, aber sicher verdurstet,
hat man eine Menge Zeit nachzudenken.
Man sieht viele Dinge
in den Schatten.
Ich habe von deiner Rettung gehört.
Bemerkenswert.
Was haben wir in Stalingrad gemacht, Philip?
Ich habe keine Zeit für deine Spiele.
[hallend] Was haben wir in Stalingrad getan?
[schiefe Klänge]
[Maschinengewehrfeuer, Detonationen]
Paul, das sind Befehle. Die kommen direkt von der Division.
[Soldat] Herr Major, die anderen Kommandanten werden nervös.
Einige sagen, der Feind habe sie im Visier.
Sie wollen wissen, was zu tun ist.
Die Meldungen deuten auf Frauen und Kinder hin, die da drinnen Schutz suchen.
Wir wissen aber auch, dass es voller russischer Kräfte ist.
Die kontrollieren das Traktorenwerk und damit diesen Teil der Stadt.
Unser Vorstoß wird scheitern, wenn wir jetzt nicht handeln.
-Könnt ihr was hören, Männer? -Nein.
Paul...
das sind Befehle, das ist nicht unsere Entscheidung.
Ist das so?
Die anderen Kommandanten warten.
Paul!
[Gerkens pfeift]
[Gerkens] Kommt, Jungs, aufsitzen. Klar zum Gefecht.
Geben Sie weiter:
Alle anderen Panzer, Feuer frei.
Alle Panzer, Feuer frei.
[Musik schwillt an]
Feuer!
[Frauen und Kinder schreien]
[Todesschreie erklingen weiter]
[melancholische Musik setzt ein]
[Todesschreie erklingen weiter]
Das war nicht unsere Entscheidung.
Wir hatten keine Wahl. Wir hatten Befehle.
Ja, das mag ja sein.
Aber wir hatten die Verantwortung.
[Uhr tickt]
[leises Knistern von Maden]
Es ist Mitternacht.
Du musst zurück über den Dnjepr.
Ich bin wegen dir hier. Wir alle sind hier wegen dir.
Siehst du das nicht?
Ich bin hier wegen Operation Labyrinth.
Operation Labyrinth?
-Das bist du. -[Weller] Philip!
Und ich soll dich herausführen.
Ich bin hier wegen...
-Oberst Richter hat mich geschickt. -Wer soll denn das sein?
Oberst Richter? Gab's den jemals wirklich?
Ja, die Hinweise,
sie waren die ganze Zeit da.
-[Mann über Funk] Agnus Dei, qui tollis... -Keilig, was sagt deine Uhr?
Kurz vor zwölf. Ist aber stehen geblieben seit der Brücke.
[Mann über Funk] ...miserere nobis.
-Körper verbrennen nicht so schnell. -Irgendetwas stimmt hier nicht.
Ihr erinnert euch doch an die Flammen, nicht wahr?
Warum sind wir nicht verbrannt, auf der Brücke?
[Weller] Bitte wach auf!
Aber Krebs...
-Er... -Vielleicht war er nur ein Teil von dir.
So wie wir alle.
[Weller] Philip!
Es ist Mitternacht.
Du musst zurück über den Dnjepr.
[Weller] Philip! Gib den Befehl!
Warum hast du den Befehl zum Ausweichen verzögert?
Das ist so untypisch für dich,
deine Mannschaft und dich in Gefahr zu bringen.
Ja.
Herr Leutnant.
[Paul] Ja, da war es die ganze Zeit.
Das Telegramm, das dich darüber informiert hat,
dass Marion und dein Sohn Fritz in Hamburg ums Leben gekommen sind.
Als am 24. Juli der Luftangriff begann,
suchten sie in der St.-Nikolai-Kirche Schutz.
Doch als die Bomben fielen,
sind sie im Feuersturm verbrannt.
Feuer!
[Gerkens] Feuer!
Ich habe in diesem Krieg gekämpft, um sie zu schützen.
[bedrückende Musik]
Wir ernten, was wir säen.
Du hast mich hierhin geführt. Wo ist hier?
[Musik wird packender]
[kreischende Flammen]
Was passiert hier?
Paul, was passiert hier?
[schreiend] Was passiert hier?
Wir sind am Ende deines Weges angelangt.
Meiner war damals schon zu Ende.
Diese Traktorenfabrik habe ich niemals verlassen.
Komm,
alter Freund.
Es ist Zeit.
[kreischende Flammen]
[Musik wird dramatischer]
Ich muss zu meinen Männern, Paul.
Ohne... Ohne mich überleben die nicht.
-Fahr! Los, los, los! -Mach schon!
Fahr!
Helmut, fahr!
Helmut!
Los, los!
[Gerkens] Wo bin ich, Paul?
Wo bin ich?
[sphärische Klänge]
[Explosionen donnern]
[er schreit]
[Ketten rattern]
[intensive wehmütige Musik]
[Musik wird ruhiger]
[Platschen]
[ruhige Musik]
[Musik verstummt]
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