All language subtitles for Kaffeehaus.DE.transcript prima parte

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Original subtitles

...

Das Arbeiten ist wichtig für dich.

...Zumal du essen mußt wie jeder Mensch ... und trinken.

Wenn ein Gast einer da wäre, selbst zu erwarten, ja dann.

Und wenn kein Gast keiner da ist, hat die Zukunft in deinem Auge zu sein.

Um sechs Uhr früh hat das Leben nur eine Vergangenheit.

Laß das Denken sein, putz mir meine Schuhe.

In Arizona, da hätten Sie mich kennen müssen, Herr,

da hab ich Freunde gehabt und Gold wie kein Zweiter.

Die Weiber haben angestanden bei mir, dem jungen Italiener.

Und jeder Rote, der mich gesehn hat,

ist vor Schreck heimgegangen, in die ewigen Jagdgründe.

Und da, wenn einer gewagt hätte, zu sagen zu mir,

ich solle seine Schuhe putzen,

er hätte den Satz nicht zu Ende gesprochen.

Die Kugeln hätten ihn verstummen lassen.

Ich war ein Herr in Arizona, Herr,

VERGESSEN SIE DAS NICHT!

Du mußt dir deine Füße waschen, Trappolo, sie stinken.

Meine Gäste mögen deinen Kopf, der Komik wegen,

sie lachen gerne über andere.

Jedoch Gerüche, außer den eigenen, sind ihnen verhasst.

Kränken Sie nur... Sie können es sich leisten,

Sie bezahlen ja dafür.

Zu dieser frühen Stunde wird just hier die Welt besprochen?

Die Stunde ist so früh nicht wie es scheinen mag.

Der Kunde nennt die Stunde früh, so ist sie es.

Wann früh, wann spät, kommt auf den Standpunkt an.

Auf meinen. Also: früh.

Verzeihung, Herr,

der Ihre ist der eine, der andere der meine.

Wer so verstritten ist!

Der Gerechtigkeit zu Recht verhelfen ist das meine.

Der Ihren, Freund Ridolfo, nur der Ihren!

Sei es drum.

Sie haben einen Freund...

Ja...?

Ich meine den, der Thema eins ist in den Straßen von Venedig,

Herrn Eugenio.

Ja, der ist einer meiner Freunde.

Dann muß ich ihnen sagen,

was mir geschehen ist mit jenem Herrn.

Sie tun, was Sie nicht lassen können.

Gestern um die vierte Stunde

kommt jener Herr Eugenio des Wegs, den ich geschritten,

und spricht mich an.

Was meinen Sie sind seine Worte?

Die Spannung wächst in meinem Kopf.

Nämlich, er betrachtet mich stumm,

als wäre ich eine Erscheinung übersinnlicher Natur.

Dann sagt er...

Was?

Was?

Ich kanns mir im Entferntesten nicht denken.

Er sagt,

und seine Zähne klappern, als wärs Winter in Venedig,

sein Blick wird starr,

der Atem stoßweis,

sagt: Sie,

- sagt: Sie sind mein Mann! - Nein! - Ja!

Und langsam führt er seine Hand in seine Jackentasche,

und holt hervor zwei Ohrringe.

Diese hier.

Und sagt:

Dieser Schmuck ist meiner Frau zu eigen,

das letzte, was zurückgeblieben ist von unserem Glück.

Und will zehn Zecchinen geliehen darauf.

- Zehn Zecchinen? - Das sind 215 Mark.

Genau.

Ich bin ein guter Mensch! Ich gab ihm, was er brauchte.

Ich weiß Ihr großes Herz zu schätzen.

Eugenio wußte, wen er bat,

mit welcher Diskretion ich seine Fall behandeln würde.

Es findet sich kein zweiter Mensch in dieser Stadt,

der so verschwiegen auf die Welt gekommen.

Das wusste er, das wusste er gewiss!

Ich bin so stolz auf mich, weil mich die Leute mögen.

Das dürfen Sie, Don Marzio, Sie dürfen das.

Mein Freund,

als ich klein gewesen bin hatte ich keinen Freund,

niemand mochte mich,

die kleinen Kinder haben auf der Straße hinter mir hergeschrien:

Marzio, die hässliche Ente,

Wie oft bin ich in meinem Bettchen gelegen

und habe heiße Tränen geweint,

das Köpfchen aufs Kissen geschlagen

und vor Schmerz und Leid gestöhnt.

Da habe ich mir vorgenommen, damals schon,

es muss anders werden,

die Leute müssen freundlich sein zu mir, und höflich

so bin ich ein guter Mensch geworden.

Sie haben es geschafft, Don Marzio, das mag man nicht bezweifeln.

Seit dieser Eugenio verheiratet ist, ist er etwas seltsam geworden.

Eine Ehe macht den Menschen ordentlich.

Vittoria, dessen Frau, soll treu sein,

soll treu sein wie Gold so treu.

Nichts anderes ist mir zu Ohr gekommen.

Und jetzt ist er ein Spieler. Was soll aus ihr nun werden.

Das ist so offen wie Ihr Herz, Don Marzio.

Ob sie wohl absinkt und ein Straßenmädchen wird?

Ach wie so viele, deren Männer der Leidenschaft des Spiels verfallen sind.

Venedigs Straßen sind voll mit Dirnen, deren Männer spielen.

So schlimm ist das?

Schlimmer noch, Ridolfo, schlimmer noch.

Das Spiel zersetzt die Hoheit dieser Stadt.

Der liebe Gott bewahre uns vor dieser Stund.

Kennt Ihr... die Tänzerin Lisaura?

Ich hab sie tanzen sehen,

Niemals zuvor hat so etwas mein Auge erblickt.

Sie lässt die Hüllen fallen, bis auf ganz wenige

und die Bewegungen...

man glaubt es kaum.

Wenn man bedenkt, dass bis vor kurzem

sie immer noch zu Diensten war für 30 Soldis

30 Soldis... das sind 2 Mark 70.

Jetzt ist sie wohl fixiert auf diesen Graf Leander.

von dem sie einen festen Monatssatz erhält.

Es soll sogar die Rede davon sein, dass legitim jetzt wird,

was unrein ist und voller Schmutz.

Von Heirat war die Rede vor Gott und Staat.

- Auch mir ist so etwas zu Ohr gekommen. - Schrecklich.

Wie soll man Ehrfurcht vor dem Sakrament behalten,

wenn solcherlei geschen mag.

Von wo ist dieser Graf?

Wohl aus Turin, so hörte ich.

Die Männer aus Turin sollen gut wie Stiere sein.

Der Graf Leander...

...der ist besser,

sagte Lisaura, als sie jüngst Kaffee hier trank zur sechsten Stunde.

Solche Gespräche führst du mit der Kundschaft hier in meinem Kaffeehaus?

Was also hat sie dir erzählt, die Hure, die Vierspännige?

Sie sprach, sie habe einen jetzt, der habe einen, der sei so,

wie die es sind, die Berberhengste ihr eigen nennen.

- Und weiter - weiter nichts? - Ha!

Des weiteren sprach sie von einer Ausdauer, die gleichen solle der des Meeres,

das nicht müde werde, an den Strand zu spülen, immerfort!

- Mein Herz zerspringt vor Raserei! - Kaffee!

Und weiter, Freund - was weiter?

- Der Herr des Dinges hat außerdem... - Welches Dinges?

Des Berberdinges!

Ah ja...

Ich erinnere...

Und der Herr Graf...

der gibt ihr außerdem noch Geld.

Denn dieser Herr gewinnt ganz ohne Unterlass.

Mit Hilfe von Pandolfo, welcher ein Betrüger ist.

Und meinen Sie ganz ernsthaft...

Ich spielte ja bereits mit dem Gedanken, die Staatsgewalt zu informieren.

- Die Polizei, Don Marzio? - Die Polizei.

Es schreit zum Himmel, was in diesem Spielhause geschieht.

Wenn man es so bedenkt...

So muss man es bedenken.

So, und nicht anders.

Morgenstund hat Gold im Mund.

So...

Ihr habt verloren?

Ihr habt alles verloren.

Haus und Knopf

und Frau und Kind.

Ihr habt gespielt die ganze Nacht?

Er hat verloren.

alles, alles...

- Wahnsinn. - Kaffee!

Ihr habt verloren

Zecchinen, Glück...

und Li-i-iebe.

Lasst mich bitte...

Lasst mich doch bitte ganz allein.

Ich zähle meine Tränen innerlich

Das Leben sah so geregelt aus

und jetzt

Nacht hat sich über mein Glück gelegt

Der Hafen ward vom Sturme heimgesucht

Wie soll ich je vor einen Spiegel treten?

ohne in lautes Weheklagen zu verfallen

Ich bin durch Wiesen gestreift

habe gelebt wie ein junges Reh in freier Wildbahn.

Jetzt hat mich der Wolf gerissen.

Das Leben nämlich...

Sie sind verzweifelt.

Das Lachen haben Sie verlernt.

Blicken Sie mich an.

Ein alter Mann, der niemals aufhört, jung zu sein.

Wie leicht Ihnen das fallen muss.

Sie haben keine Schulden, haben Geld wie Heu.

Nun nun, ich muss das Spielhaus warten.

Muss Licht bezahlen, Alkohol und Diener.

Wenn alle so ungenaue Zahler wären wie Sie...

Sei sind gekommen, zu beleidigen die zarte Seele

Wie ferne lieg mir das - doch muss ich leisten meine Zahlungen,

Verpflichtungen und Sonstiges,

Und auch der Graf hat mich beauftragt,

jetzt ein ernstes Wort zu reden mit dem Schuldner.

Ich möchte Sie um Aufschub bitten - hiermit, jetzt

und voller Freundlichkeit.

Wiewohl es mir doch schwerfällt, so wäre ich doch bereit,

den Aufschub zu gewähren,

jedoch der Graf, der Harte, besteht auf einer Zahlung,

deren Pünktlichkeit in nichts zu wünschen übriglässt.

- Kaffee! - Gedankt! - Nun, wie denken Sie zu diesem Thema?

Darf ich ein Wort wohl führen - oder nicht?

Die Angelegenheiten, die Ihre eigenen, die sollten Sie beschäftigen

und zur Genüge wohl.

Nun Freund, der Antwort, der höflichen harre ich nun eine ganze Weile schon.

Sie sehen sprachlos mich, und leer im Kopf.

Darf ich nach dem Gesundheitszustand Ihrer Frau Gemahlin fragen?

Lassen Sie meine Frau aus Ihrem Mund heraus.

Sie ist befleckt genug durch mich, als dass sie Ihren Schmutz

auch noch verkraften könnte.

Wer in Venedig Schulden macht bar Hand, dem droht Gefängnis, nicht zu knapp.

Darf ich nach dem Gesundheitszustand Ihrer Frau Gemahlin fragen?

Ich hab sie nicht gesehen, zwei Tage nicht und mehr.

Dies holde Wesen...

Kann ich als Bettler vor die zarte Seele treten?

Sie wird verzweifeln, wenn sie das ganze Ausmaß ihres Leids erfährt.

Worum geht es in dem Gespräch,

dessen Ernst ich wie den kalten Wind aus Osten spüre?

Mischt Euch nicht ein in die Probleme meiner anderen Gäste, Don Marzio.

Seid höflich und diskret, und trinkt noch einen Kaffee für fünf Soldis.

Das sind 45 Pfennig. Nein, danke.

Ich log zuvor, als ich erzählte, ich fühle mich jung und frisch.

In Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall.

Ich fühle mich alt und verbraucht,

und mit Wehmut gedenke ich der Jugend,

die voll war der Hoffnung auf einen Erben,

der Haus und Hof mir übernimmt.

Jedoch das Weib, das mein ich nannte, war faulig bis zum Rand,

und fähig nicht, ein Kind heranzuziehen in ihrem Bauch.

Sie, Herr Eugenio nun,

Sie sehen so aus, wie mir im Traum mein Sohn erschienen ist,

und immer denke ich daran, ob Sie nicht in dem Geschäft,

das mein und produktiv, die Leitung übernehmen möchten

für einen Anteil von 10 Prozent.

Natürlich müsste Ihre liebe Frau im Spielhaus helfen.

Meine Frau? Niemals.

Lediglich die Stimmung aufzuheitern soll ihre Aufgabe sein.

Man muss was zeigen, dass man was zu essen kriegt,

und Wünsche - Wünsche muss man züchten, dass man was zu trinken kriegt.

Sie Ungeheuer! Sie Schakal!

Sie wollen eine Hure aus ihr machen!

Wollen sie preisgeben den schwülen Blicken Ihrer Kundschaft!

Venedigs Zellen sind die trübsten auf der Welt.

Mir träumt - das ist nicht Wahrheit, was mir widerfährt.

Ich bin ein Realist, mein Herr. Verschwommenes ist nicht mein Gebiet,

und wird es niemals sein.

Ich glaub, Sie quälen meinen jungen Freund, Pandolfo.

Seit wann ist dieser junge Mann Ihr Freund, Don Marzio?

- Kaffee! - Danke, nein.

Ihrer Gattin, Freund, geschieht kein Leids,

und Blicke vergewaltigen so wenig wie sie töten.

Sie ist so zart...

Und dennoch wohnt Vernunft in ihrem Kopf.

Ihr Herz, das ist so rein...

Und dennoch nennt sie einen Mann ihr eigen,

der Eugenio heißt und spielt.

Die ganze Stadt wird reden über mich.

Viel Feind, viel Ehr.

Solche Ehre ist mir widerlich!

Was geschehen ist, das ist geschehen.

Ich bin so jung und so gebrochen.

So Sie auf mich hören, meinen Vorschlag achten

wird Glück es sein, das Ihnen nächstens widerfährt.

Mit vieviel habe ich zu rechnen jeden Mond?

Ich würde sagen: 8 Zecchinen Sie, und 15 Ihre Frau.

Das sind 494 Mark 50.

Sie mehr als ich, und fast das Doppelte?

Wie soll als Mann ich vor ihr stehen.

Allerdings. Das ist nicht recht.

Niemals wird solcherart Entwürdigung die Ehe, die ich mein

und glücklich nenne, belasten und in ihren Grundfesten erschüttern.

Wollen Sie was sehen?

Was denn, Trappolo?

Ein Bild...

Das hat ein Maler gemacht, in Amerika...

- Und Du warst wirklich dort? - Ich lüge nicht.

Ich bin zu alt dazu.

Hier ist das Bild.

Es zeigt mich.

Du siehst hübsch aus, Alter, sehr hübsch, doch...

Sehen Sie genau hin, Herr... sehe ich nicht aus wie Sie?

Ja, das ist wahr, ganz so, als wenn ich in den Spiegel sehe.

Sie sehen es auch. Ich kann die Tränen nicht verhindern.

Doch was soll es bedeuten, dass du mir das Bild zeigst,

weinst und ganz von Sinnen bist?

Ich grub nach Gold in Arizona, und ich hab Gold gefunden.

Sehr schön. Was aber, was hat selbiges mit mir zu tun?

Wieviel, Herr, schulden sie dem Grafen?

30 dem Graf und 9 Pandolfo, diesem Tier.

Das sind 838 Mark 50.

Ich werde Ihnen das Geld geben!

Das kann ich niemals nehmen, nimmermehr!

Von einem Knechte? Ich als Herr?

Weil Sie so schön sind, so wie ich es einst gewesen.

Ich hab Sie lieb, ganz innen, hier im Herzen.

Dann gib es mir, mein Freund.

Ich werde Arbeit finden, gut bezahlte,

und werde es dir zurückerstatten, wie für einen Herrn es sich gehört.

S' ist ja mehr! 70 Zecchinen! 39 schuld ich nur!

39 zahlen Sie ab, vom Reste leben Sie.

Der Übergang vom reichen Mann zum arbeitsamen Mann ist schwer.

Nie wieder wird ein Tisch mich sehen, an dem dem Spiel gehuldigt wird.

Der Anstand sitzt in meinem Herzen tief verankert und voll Feuer.

Ich wusste...

über kurz oder lang würdest du meinen Weg kreuzen.

Das war nicht schwer zu erraten, lieber Freund.

Wie kommt es, dass man nicht mehr eingelassen wird bei Ihnen?

Ach, Freund...

Ich liebe.

Ja...

Ich selbst habe nicht mehr daran geglaubt...

dem Wunder der Liebe begegnen zu dürfen.

Wenn man so dem Beruf nachgeht,

er ist nicht schlechter als jeder andere,

da überfällt einen doch manchal ein klein wenig

die Trauer der Einsamkeit.

Und denkt und denkt und wartet.

Ja!

Es ward mir Glück zuteil.

Ich fand das langersehnte, das Glück,

an der Seite eines Mannes, zu dem ich aufblicken darf.

Glauben Sie mir, Freund Don Marzio?

Das stelle ich anheim.

Seien Sie nicht bitter, lieber Freund.

Ich hab das nicht verdient um Sie.

Ich hab Sie immer gern gemocht.

So?

Ja!

Ich erinnere mich gerne Ihrer,

denke gern an Stunden, die gemeinsam waren,

mag Sie immer noch, jedoch...

Jedoch...

Der Graf sei besser, ward meinem Ohr erzählt.

Ich liebe ihn, Don Marzio.

Ich liebe ihn.

Er sei den Hengsten jener Berber vergleichbar, sagt man,

von denen gar soviel gesprochen wird.

Das ist es nicht, Don Marzio.

Zumindest nicht allein.

Dann ist es wohl auch wegen des Meeres,

das immer an das Ufer schäumt ohn' Unterlass...

Die Sprach versteh ich nicht, mein Freund,

es mangelt ihr an Deutlichkeit.

Ich will nicht weiter sprechen, bin ich doch zu betroffen,

bis ins Innerste...

Jawohl.

Was Sie da umklammern mit Ihren Händen, Herr,

das ist kein Baum, das ist verlobt mit mir.

Stellen Sie sich hin dort zum Duell!

Ich habe keine Waffe!

Nehmen Sie diesen Gurt und binden Sie ihn um die Hüften.

Ich bin bereit.

Eins...

Zwei...

Wollen Sie sich mit jemand schießen, dem noch nie ein Revolver die Hand geedelt?

Ihre Aufgabe ist es nicht, meine Angelegenheiten zu bereinigen.

Ihre Aufgabe ist es, die Schulden, die Sie bei mir haben, zu begleichen.

30 Zecchinen, nicht wahr?

Das sind 645 Mark.

- Was halten Sie davon? - Ich habe 24 Stunden Zeit.

- Wo Sie wohl sind, wenn diese Zeit vorbei... - Zieh!

Warum schießen Sie nicht?

Sie waren schneller

Sie sind nicht wert, einen Tod in Ehre zu sterben, Graf

- Das... - Hände hoch!

Bedienen Sie sich.

Wer war der Mann?

Das war ein Kunde, Liebster.

Früher, als ich noch leben musste von der Gnade anderer Männer.

Geh auf die Knie!

Umarme meine Beine.

Was eine Hure ist, bleibt immer eine Hure.

Du bist so groß und so stark

und blickst herab auf mich.

Ich sollte dich züchtigen.

Nie werde ich die Schatten deiner Vergangenheit vergessen können.

Nicht rein ist, was ich in den Armen halte des Nachts,

ein Hauch von Fäulnis weht um dich,

und abgestandenes Fleisch liegt in den Armen mir

und graue, abgegriffene Haut.

Ach ja...

Was sprichst du, Liebster?

Du wirst vergessen können.

Niemals!

Das kann ein Mann, dessen Gefühle normal sind, niemals verwinden, nie!

Ich liebe dich...

Du musst vergessen, musst.

Hat je ein Mann für seine Liebe so schwer kämpfen müssen in sich selbst?

Du wirst die Größe haben, wirst vergessen können.

Ich will versuchen, was sich machen lässt.

Die Menschen in Venedig sind dümmer als an anderen Orten dieser Welt.

Mein Name ist Don Marzio,

wenn Sie verstehen, was ich meine.

Stecken Sie den Revolver in den Halfter, wo er hingehört.

- Sie sind von hier? - Ich stamme aus Neapel.

Ich suche einen, der sich auskennt in der Gegend hier.

Keinen Besseren denn mich hätten Sie finden können

zu dem Zwecke, den Sie genannt.

Ist Ihnen ein Herr bekannt, der trägt den schönen Namen Flaminio Ardenti.

Just eben dieser Herr hat sich nicht vorgestellt bei mir.

Doch sonst ist alles in der Gegend mir bekannt.

Wer's mit wem im Stillen treibt, im Lauten,

wer sich bezahlen lässt, wer Schulden hat.

Grad vorhin traf ich eine Dame hier,

die ließ vor Kurzem noch für Liebesdienste sich bezahlen.

Der Name ist Lisaura -

dass Sie, falls Sie ihr begegnen, informiert sind.

Was geht mich an die Käuflichkeit Venedigs?

Ich bin gekommen von weit her,

um diesen Herrn Ardenti zu finden hier,

den ich brauche, um glücklich zu sein,

ohne den mein Leben stillsteht,

der mir entflohn.

Ich muss ihn finden, den ich liebe wie nichts auf dieser Welt.

Er soll mich sanft umfassen,

und einen zarten Kuss auf meine Lippen drücken

Ach ja... zur Sache.

Ja nun - da ist noch der Herr Eugenio,

dem ich erst gestern 10 Zecchinen auf das Ohrgeschmeide seiner Frau geliehn.

215 Mark? Doch was gehts mich an.

Weiß ich. Dann ist da noch der Graf Leander

der eben jenem Herrn Eugenio Nacht für Nacht in diesem Spielhaus da zur Linken

Haus und Knöpfe abgewinnt,

und der mit eben jener käuflichen Lisaura, von der ich grad zuvor gesprochen,

befreundet ist, und der sie ehelichen will vor Gott und allen Menschen.

Nun gut - des weiteren?

Dann gibt es noch den Besitzer von dem Kaffeehause hier,

der Name ist Ridolfo.

Weiter nicht bemerkenswert der Mensch,

hat keine Schulden oder wenig nur.

Und fort?

Ja, der hat einen Diener, der jetzt schläft, mit Namen Trappolo.

Ist nicht der Rede wert, wie jeder Diener.

Der ist es nicht.

Und weiter?

Der Besitzer vom Spielhaus dort zur Linken,

ein Herr Pandolfo, von dem zu sagen wäre,

dass nicht mehr lange er das Licht der Freiheit atmen dürfte.

Er ist korrupt, wenn sie verstehen, was ich meine.

Und keiner neu hier in der Gegend,

zugewandert, angereist, kein einziger?

Bis auf den Graf Leander keiner. Nein.

Bis auf den Graf Leander...

Interessant!

Als ich ihn nahm,

da war er unerfahren, jung und blond.

Ein blonder Italiener,

das ist so selten wie das Glück!

Und jetzt? Jetzt hat das Spielhaus ihn in den Klauen, den garstigen!

Und lässt ihn nicht mehr frei!

Das ganze Geld, das er geerbt von seinen Vätern,

er hats verspielt, hat Haus und Hof verspielt!

Hat alles aufgegeben,

und vergessen mich, sein treues Weib...

Sie haben recht, das zu bezweifeln liegt mir fern.

Eugenio war ein guter Mensch,

doch der Verstand scheint ihm getrübt in jüngster Zeit.

Sie sprechen aus, was ich empfinde.

Er ist ein guter Mensch,

doch angefressen von der Lust.

Der Lust?

Was sagen Sie?

Ich rede so dahin...

Er hat mir dies gegeben,

zu leihen ihm dafür Zecchinen derer 10.

Geben Sie her!

Für Elf Zecchinen sollen es die Ihren wieder sein.

Elf Zecchinen?

Das sind 236 Mark fünfzig.

Soviel hab ich nicht.

Vielleicht der Herr Gemahl, der just zur Zeit mit einer Dame schäkert,

die gerade angekommen in Venedig.

Mit einer Dame?

Was suchst Du hier?

Für's Ohr die Ringe such ich, die meine Mutter mir vermacht, die Selige.

- Die habe ich versetzt. - Und trägst so hoch den Kopf?

Was meiner Frau gehört, das ist auch mir zu eigen

und wiewohl umgekehrt.

Doch Ehrfurcht muss doch eine sein in deinem Kopf

vor der verblichnen Mutter deiner angetrauten Gattin.

Wo Angst vor Schande ist, hat Ehrfurcht ihren Platz verloren.

Und Angst vor Schande hast du nicht, wenn schäkernd eine Dame du spazierenführst,

dieweil dein Weib im dunklen Hause sitzt und weint.

Wenn du das glaubst, dann liebst du mich nicht mehr.

Ja...

Meine Liebe ist erloschen, ohne Frag.

Dann geh!

Lebwohl.

Ich habe Dich geedelt,

wie so viele Male schon.

Ich bin gerührt ob so viel Edelmut.

Ich mache einen Menschen jetzt aus Dir.

Ich höre, Liebster, hör dir zu!

Jede Berührung bringt Dich dem Menschsein näher, macht Dich größer, als Du bist.

- Das war von Nöten, wie du siehst. - Das war gewiss von Nöten.

Wie ich sagte, ja!

Es fällt mir schwer zu unterscheiden, was Du ernst meinst und was nicht.

Ich meine alles ernst, was Dich betrifft, mein Held,

und wollt, ich könnte ähnliches von Dir berichten.

Ich edle Dich und mache Dich zu meiner Frau.

Gewiss.

Doch schien es mir zuvor, als ob des Helden Held schon müde,

so wie nach vielen Ehejahren das eintritt bei manchem

der der einen müde, die er immer hat.

Das ist es nicht! Ich liebe Dich mit allererster Glut,

trotz aller Deiner Fehler, die zu vergessen ich gewiss bestrebt.

Was war es dann, das Dich nicht voll entfalten ließ?

Die Nächte sinds, die ich mit Spiel mir um die Ohren schlage.

Gewiss. Doch warum tust Du das?

Weil den Familienbesitz ich nicht zu schmälern wünsche,

so es nicht unbedingt von Nöten.

Das ist zu loben, Liebster, ohne Frag.

Du wirst in allem mir den wacheren Verstand uneingeschränkt zubilligen,

sobald Du über etwas nachgedacht.

Es möge sein, wie Du es sagst.

So lass mich immer machen, wie ich es für richtig halte,

stelle keine Fragen und sei stumm.

Dies eine noch.

Ist nicht der Tag heut, der der eine ist, an dem Du mir versprochen,

Du wärst bereit, an ihm den Schmuck zu schenken mir,

den ich jüngst ausgesucht bei Ricci.

Das ist nicht auszuschließen, möcht mir scheinen.

Eben. Drum lass uns heute einen Spaziergang machen durch die Straßen,

dort kaufen wir den Schmuck und freuen uns der Masken,

die unterwegs an diesem Tag.

Von welchen Masken sprichst Du, liebes Kind?

Es herrscht der Karneval in unseren Straßen, Graf Leander.

Es ist Zeit zum Fröhlichsein.

Ich liebe nicht den Karneval,

ist oft von einem Graf ein Schurke nicht zu unterscheiden.

Wie recht Du hast.

Wie herrlich ist es, solch ein kluger, starker Mann zu sein.

Natürlich ist es wunderbar.

Ich blicke auf zu Dir.

Das ist Dir angemessen.

Finde dich herrlich, wundervoll.

- Das ist nicht schwer. - Wann treten wir zum Traualtar?

O Gott, der gleiche Satz zum wiederholten Mal.

Ich brauche eine Sicherheit, mein Freund.

Das Leben, das grausame, verlangt solch Denken von uns armen Mädchen.

Ridolfo, hört, Ridolfo!

Was schreit Ihr hier herum wie wildgeworden? Ist etwas geschehen?

Sie hofft ich nun zuallerletzt vors Aug erneut zu kriegen!

Gut, gut.

Das war das zweite mal an diesem Tag, dass Sie die Ehre mir verdrießen.

Das Geld des Morgens hätt er liegenlassen können,

das Ohr der Stimme jetzt verschließen,

solch Haltung nennt man klug, sie garantiert ein langes Leben.

Das Geld wohl hätt ich liegenlassen können,

damit Sie auf die Knie gegangen wären

...um es zurückzustecken in die eigne Tasche. - Hände hoch!

In diesem Hause nicht, keine Revolution in diesem Hause hier.

Nun gut, es lohnt sich nicht.

Das zu beurteilen ist nicht meine Sache.

Die Feigheit ist ein Lebenselixier.

Das stelle ich anheim.

Habt Ihr Vittoria gesehen, meine Frau? So helft mir suchen, Herr.

Ich bin bereit, Zecchinen zu bezahlen derer zehn,

wenn Sie sie bringen, unversehrt und bald.

Was? Zehn Zecchinen habt ihr noch?

Das sind 215 Mark.

Ich will mein Bestes tun, und horchen, was sich hören lässt.

Das will ich meinen. Geld ist Geld, von wem es kommen mag.

Lasst ihn.

Er ist verfolgt genug vom Unglück, das ihn frisst mit Haut und Haar.

Wir sind zwei Männer, Sie und ich.

Und soll sie was bedeuten, diese Rede?

O ja!

was ist es, das den Mann vom Weibe abhebt, ihn zum Herrscher macht?

Der Rede Sinn kann ich nicht sehn.

Was einen Mann zum Manne macht,

ist, dass er sich frei entschließen kann, zu tun oder zu lassen etwas,

das steht fest.

Mag sein, dass Sie den Kern getroffen haben,

Und wurde nicht vom Weib erfunden, jenes Spiel, das wir so lieben,

zu beklagen, zu bejammern immerfort?

Nun gut, was weiter?

Ist es dem Manne nicht gegeben,

dass er sich frei entscheiden kann, was gut für ihn, was schlecht?

Ich höre. Reden Sie!

Wenn es dem Manne Freude macht, im Spiel sein Haus, sein Geld,

sein Glück, sein Alles auf eine Karte zu setzen,

mehr zu gewinnen oder alles zu verlieren, dann ist er erst ein Mann.

Alles zu gewinnen, auch!

Eben, Freund Eugenio,

Werden Sie ein Mann.

Ich sage Ihnen, das Gefühl ist schön.

Ich konnte sie nicht finden, Ihre Frau, Eugenio, so gründlich ich auch suchte.

Sie haben immer noch des Spieles nicht genug, des grausamen?

Die Angelegenheiten, die die Ihren, sollten bestimmend für Ihr Leben sein,

nicht anderer Leute Angelegenheiten, die Ihr Verstand nicht fasst.

Wenn 100 Zecchinen ich gewinne

dann lege ich sie sicher an zu 4 %

Das macht im Jahr nur 4 Zecchinen, das ist wenig, allerdings.

Mit etwas Glück jedoch kann ich viel mehr gewinnen - 500 oder 1000.

Wenn ich am Tag 50 Zecchinen nur zurückgewinne,

so sind das 1500 monatlich und 18.000 jedes Jahr.

Und außerdem bin ich ein Mann.

Sie stehen immer noch herum und zieren hier die Landschaft, Freund Don Marzio?

Weil ich doch Ihrer harre, liebste Freundin. - So.

Weil doch Ihr Körper meinen Geist bestimmt.

Das wird sich ändern, wenn mehr Zeit dazwischenliegt.

Niemals wird sich mein Fühlen, Sie betreffend, ändern.

Es muss, mein Freund, da ich doch diese Stadt verlasse.

Dass grau Venedig wird, wie nie zuvor?

Venedig in grau...

Sie sind Poet und wissen nichts davon.

Sehen Sie!

Ist Schmuck, ist Gold und Edelstein.

Ist Ohrgeschmeide, schmückt schöner Frauen Ohr.

Wie steht es mir?

Es edelt Euch, wie selten ein Gebinde etwas edelte.

Ich liebe Euch, Don Marzio, dass ihr so an mich denkt.

Ja...

schön sind sie wohl an eurem Ohr,

doch was seid Ihr bereit zu zahlen für den Schmuck?

Zu zahlen? Ich?

Ich bin ein armer Mann, von fürstlichem Geblüte zwar, doch arm!

So steckt sie in den Hintern Euch, und schmücket den damit.

Mein Ohr wird nimmer etwas spüren, was nicht geschenkt.

Für 10 Zecchinen nur, das ist doch wie geschenkt.

Was macht Ihr mit dem Schmucke dort in eurer Hand?

Das ist genau der Schmuck, den gestern erst der Herr Eugenio mir gab

als Sicherheit für 10 Zecchinen, die ich ihm lieh.

Zehn Zecchinen, das sind 215 Mark.

Und gerade diese Summe soll ich dem Herrn jetzt geben,

im Auftrag von dem jungen Herrn Eugenio.

Wie?

Was? Hat er geerbt, der Glückliche?

Genaues kann ich nicht benennen, Genaues weiß ich nämlich nicht.

Nun gut, dann gib das Geld mir.

Hier.

Und jetzt den Schmuck in meine Hand.

Und wäre es nicht besser,

wenn ich den Schmuck dem jungen Herrn eigenhändig zurückerstatten würde?

Nein, das will ich besorgen, wie's mir aufgetragen.

Nun gut, er sitzt im Spielhaus dort und spielt.

Niemals. Der spielt nicht mehr.

Und wenn Ihr euer Ohr hinüberrichtet?

Er hat mir...

in die alte Hand versprochen, brav zu sein, der Junge.

Was man verspricht im Leben.

Die alten Hände, sehen Sie nur mein Herr,

die Arbeit hat sich eingegraben in die Linien.

Ich sehe es, Alter, sehe es ganz genau.

-- Und jetzt die Sieben.

Ich hab gedacht, es wär ein guter Junge,

-- Die Sieben wünscht der Herr.

wär ein Herr im Herzen.

Das mag er sein, doch hört.

Ich will nicht hören, will nicht hören,

was geschieht in jenem Spielhaus dort zur Linken.

Es ist nicht gut, dass Aug und Ohr verschließt ein Mensch!

Ich grub nach Gold in Arizona, -- Ich will die Sieben, wie ich sagte!

Ihr wisst es oder wisst es nicht! -- Die Sieben, keine andere Zahl.

Ich weiß es, Alter, weiß es ganz genau.

Und ich hab Gold gefunden, -- Nun gut,

-- gebt ihm die Sieben!

mit meinen Händen, meinen alten -- gebt sie ihm.

in die der Junge mir versprach,

fortan das Spiel zu meiden,

was ihm Haus -- Und was, was ist gekommen?

und Knopf genommen!

-- Die Zehn.

Warum versprach er gerade Euch, dass er das Spiel wollt meiden?

-- Ich setze noch einmal die Sieben, und wenn die Welt zerspringt.

-- Die Sieben?

Weil ich...

-- Ich sagte Sieben, oder sprech ich schwer?

...ein alter Mann, des Gelds ihm lieh 70 Zecchinen.

70 Zecchinen...

-- Gebt ihm die Sieben.

das sind 357 Dollar 66 Cent, -- Bitte sehr.

151 Pfund 7 Shillinge 6 Pence, -- Für Herrn Eugenio die Sieben.

1505 Mark.

Weil er ein Köpfchen hat, so goldig, so lieblich und so jung,

und ähnlich ist dem jungen Trappolo,

der einst ein Schiff bestieg und in die Neue Welt gefahren.

Wieviel des Goldes hat er denn gefunden?

Im Wert von 1200 Zecchinen und ein bisschen mehr.

Wieviel davon hat er erspart?

Fast alles, alles fast.

Die Überfahrt fällt weg, ein bisschen Leben, ein bisschen Garderobe,

und das Verschenken an den jungen Herrn.

Ich kenn mich an der Börse aus Venedigs,

bin enger Freund den meisten, die was zu sagen haben dort.

Bin gern gesehner Gast in ihren Häusern,

um Rat werd ich gefragt, um Rat gebeten gar.

Und ich, was soll mit dieser Nachricht ich zu schaffen haben?

Ich werde spekulieren für Euch,

werd einen Reichen aus Euch machen, der Einfluss hat und einen Stand.

Ihr müsst Vertrauen haben zu Don Marzio, mehr nicht.

Das bringt Euch Glück und Zuversicht.

Sie sind der Herr des Hauses hier?

Bin's wohl und will es lange bleiben.

Geht nicht sehr gut, Kaffee um diese Jahreszeit?

Der Tag ist schlecht, das Wetter lässt zu wünschen übrig.

Doch ist Euch diese Gegend hier bekannt!

Das will ich meinen! Kehrt doch die ganze Gegend bei mir ein!

Ein Mädchen gibt es hier,

war bis vor kurzem noch zu haben für 30 Soldis,

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