All language subtitles for Die Wannseekonferenz (Geschonneck_ Matti 2022)_BDRip.720p.x264.AAC_DE

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Original subtitles

"...haben die sogenannten Staatslenker

der Feindmächte geredet.

Sie konnten sich das Schweigen leisten,

denn während Sie schwiegen, haben Ihre Kanonen gesprochen."

"Und haben Ihre Soldaten Siege erfochten,

deren gigantische Ausmaße

die Geschichte bisher noch nicht kannte.

Es ist für uns Berliner eine stolze Freude,

Ihnen, mein Führer, dafür im Namen des ganzen deutschen Volkes

unsere glühende Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen.

Ich glaube, im Namen dieses ganzen Volkes zu sprechen, wenn ich sage,

mein Führer, wir sind, während Sie schwiegen, bei Ihnen gewesen,

in schweren und in glücklichen Stunden.

Und wir werden bei Ihnen bleiben,

über alle Verheernisse hinweg bis zur stolzen Stunde unseres Sieges."

Berlin, im Kriegswinter 1942.

Die Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung Europas

hat lange begonnen.

Am 20. Januar treffen sich Spitzenvertreter aus SS,

NSDAP und Ministerialbürokratie

zu einer Konferenz in einer Villa am Großen Wannsee.

Eingeladen zu der Besprechung mit Frühstück hat Reinhard Heydrich,

Chef des Reichssicherheitshauptamtes.

Auf der Tagesordnung, so wörtlich:

die Endlösung der Judenfrage.

Heil Hitler. Guten Morgen.

Obergruppenführer Heydrich schon gelandet? Noch nicht.

Geben Sie Bescheid. Jawohl.

Wer ist schon da? Dr. Freisler, Staatssekretär Neumann.

Herr Luther vom Auswärtigen Amt. Im Salon.

Die können es nicht erwarten.

Wo finde ich Obersturmbannführer Eichmann?

Im Besprechungsraum, Gruppenführer.

Tun Sie mir den Gefallen und gehen vor.

Unterhalten Sie die Herren mit etwas Konversation.

Erzählen Sie ein paar Geschichten aus dem Osten.

Die könnten die Herren Staatssekretäre

unappetitlich finden.

Das schaffen Sie schon.

Kamerad Eichmann. Guten Morgen, Gruppenführer.

Sieht doch ganz manierlich aus. Wir sind so gut wie fertig.

Heydrich dort am Kopfende?

Sie rechts, Gruppenführer Hofmann zu seiner Linken.

Das wird Hofmann gefallen.

Und hier? Daneben? Ostministerium.

Gauleiter Meyer, Doktor Leibbrandt

und Generalgouvernement Doktor Bühler.

Setzen wir Meyer ruhig ein bisschen weiter weg.

Ich dachte, als Gauleiter...

Dann kommt er sich nur wichtig vor. Weiter?

Dr. Schöngarth und Dr. Lange.

Gut.

Und gegenüber die Herren Tintenritter. Jawohl.

Und Sie, was ist mit Ihnen? Ich setze mich zu Fräulein Werlemann.

So können wir Protokollfragen direkt klären.

Am Katzentisch, verstehe. Schön, dass Sie bei uns sind.

Finde ich auch, Gruppenführer.

Ist mal was anderes.

Wenn Sie mich fragen, können wir gerne

alle Besprechungen hier abhalten.

Ihnen gefällt es wohl nicht im Büro von Herrn Eichmann?

Das habe ich nicht gesagt.

Tun Sie mal was fürs Betriebsklima, Eichmann.

Ausflug in den Tiergarten.

Ich werde die Möglichkeiten gerne prüfen.

Ihre Reise nach Theresienstadt lief gut? Sehr gut.

Gestern zurückgekommen. Vorgefunden wie erwartet?

Es ist eng, aber nicht so, wie man uns glauben machen will.

Was habe ich Ihnen gesagt?

Die neuen Stockbetten sind überaus funktional.

Müssen die Herrschaften eben zusammenrücken.

Erst der Absturz von Mölders, jetzt Feldmarschall Reichenau.

Ich brachte den schwarzen Frack eben in die Reinigung,

schon müssen wir zum nächsten Staatsbegräbnis.

Furchtbarer Verlust, und das ausgerechnet jetzt. - Ja.

Ich hörte, es war ein Schlaganfall.

In der Tiefe der ukrainischen Wälder.

Was hat er denn im Wald gemacht?

Waldlauf. Bei minus 40 Grad, wie jeden Morgen, um die Quartiere.

Sie machen Witze.

Ein Reichenau lässt sich von ein paar Minusgraden nicht abhalten.

Harter Hund. - Minus 40 Grad, mein Gott.

Wenn ich da an unsere Männer vor Moskau denke...

Der Russe hat es ja auch nicht wärmer.

Spätestens Ostern wird Moskau fallen.

Nicht wahr, Dr. Schöngarth?

Selbstverständlich.

Entschuldigen Sie mich.

Wir hatten auch gehörig Nachtfrost heute. - Ja.

Ja. Musste Ihr Chauffeur auch kratzen?

Das ist ja mal eine Überraschung.

Dr. Schöngarth.

Ich dachte, Sie wären in Lettland. - Ja. Bin ich auch.

Ich komme in Vertretung von Dr. Stahlecker.

Sie machen Karriere. - Hm, na ja.

Ich bin kein großer Freund von Besprechungen. - Hm.

Gewöhnen Sie sich dran. Wo sind Sie untergebracht?

Hier. Da oben rechts ist mein Zimmer.

Hätten Sie doch was gesagt.

Hier liegt ja der Hund begraben.

Ach. Ich bin erst nachts angekommen, also...

Viel zu tun bei Ihnen?

Mhm.

Kaum bist du mit den eigenen Juden fertig, kommen schon die nächsten.

Gestern wieder 900 Figuren, Tschechen.

Wo stecken Sie die alle hin? Riga? Getto?

Na, so weit kommt es noch. Kleiner Waldspaziergang, und das war es.

Herr Kritzinger. - Herr Doktor Klopfer.

Ich dachte, ich komme überhaupt nicht mehr an.

Geben Sie Acht, was Sie sagen. Die Gestapo hat uns fest im Blick.

Soweit ich weiß, liegt nichts gegen Sie vor, Dr. Klopfer. Oh.

Da bin ich aber beruhigt.

Ministerialdirektor Kritzinger. Gruppenführer.

Ich wusste gar nicht, dass Ihr Amt hier draußen

eine Außenstelle unterhält.

Ehemalige Fabrikantenvilla. Arisiert?

In diesem Falle nicht. Meine Herren.

Obergruppenführer Heydrich ist soeben gelandet.

Wir beginnen Punkt 12. Geben Sie der Küche Bescheid.

Jawohl, Obersturmbannführer. Wir rechnen mit 90 Minuten.

Sobald die Türen zu sind, bereiten Sie den Imbiss vor.

Gauleiter. Gruppenführer.

Dr. Bühler.

Dr. Leibbrandt. Gruppenführer.

Wohin haben Sie uns entführt, Müller? Sieht richtig feudal aus.

Es ist das Gästehaus des Reichssicherheitshauptamtes.

Ah. Das Ostministerium sollte auch ein Gästehaus am Wannsee haben.

Sehe ich auch so.

Sind Sie in Krakau so vornehm untergebracht, Dr. Bühler?

Das Generalgouvernement hat andere Sorgen.

Zwei Millionen polnische Juden. - Wem sagen Sie das?

Man verspricht seit Monaten Hilfe. Es passiert nichts.

Darum sind wir hier.

Generalgouverneur Frank erwartet Ergebnisse.

Meine Herren.

Gruppenführer Müller.

Dr. Stuckart. Darf man schon zum Nachwuchs gratulieren?

Wie immer bestens informiert. Was verschafft uns die Ehre des Ortes?

Haben Sie die Maler in der Prinz-Albrecht-Straße?

Wir wollten für ein wenig Abwechslung sorgen.

Sie wollen uns beeindrucken. Aber machen Sie sich keine Hoffnungen.

Das Haus verfügt über eine Zentralheizung.

Um Gottes willen. - Könnten Sie mich kurz orientieren?

Gauleiter Meyer. Müssten Sie eigentlich kennen. Ostministerium.

Er hat sich noch nicht vorgestellt. - Das kommt noch.

Hält sich für wichtig. Für das Eigentliche hat er Leibbrandt.

- Der spricht sieben Sprachen. - Hm.

Der daneben? - Dr. Bühler.

Mit dem darf ich mich ständig in Krakau rumschlagen.

Generalgouvernement, Zivilverwaltung.

Und die anderen Anzüge? - Bedenkenträger vom Dienst.

Staatssekretäre und so was. Görings Vierjahresplanbehörde.

Justizministerium, Reichskanzlei, Parteikanzlei.

Luther, der ist ganz in Ordnung, Außenministerium.

Ich muss mir die hoffentlich nicht alle merken.

Aber den müssen Sie sich merken. Stuckart.

Der wird mal Innenminister. - Na, das kann ja heiter werden.

Das ist wie beim Kameradschaftsabend.

Am Ende geht es immer darum, wer den Hut aufhat. Nur ohne Bier.

Schade eigentlich. - Mhm.

Ich dachte, Sie kommen mit dem Fahrrad.

Ich hatte darüber nachgedacht.

Ach, Sie wohnen hier am See?

Zwei Kilometer. Wunderschönes Haus. Wunderbare Familie.

Der junge Mann, wer ist das?

Sturmbannführer, wenn ich richtig sehe. In dieser Runde?

Versteht er sich mit Schöngarth gut, gehört er zur groben Garnitur.

Heydrichs kämpfende Verwaltung.

Ich will gar nicht wissen, was unsere Männer im Osten erleben.

Heil Hitler. - Heil Hitler.

Gruppenführer Hofmann. Es ist mir eine Freude.

Ganz meinerseits, Gauleiter. Was macht der Osten?

Zu viele Juden, aber wir arbeiten dran. - Dazu sind wir heute hier.

Wenn man der Einladung glauben darf, soll Herr Heydrich

einen Gesamtplan zur Lösung der Judenfrage erarbeiten.

Wissen Sie da mehr? Scheint ihm ernst zu sein.

Sonst hätte er uns kaum hier raus gebeten.

Reichsmarschall Göring hat ihn mit der Aufgabe betraut.

Sein Dienstweg zum Reichsmarschall ist erstaunlich kurz.

Der Obergruppenführer ist ein ehrgeiziger Mann.

Das können Sie laut sagen.

Sagenhafter Aufstieg. Dabei ist er nicht mal Akademiker.

Er hat Erfolg. Und das zählt. Der Erfolg sei ihm gegönnt.

Ich habe es nur nicht gern,

wenn jemand in meinem Zuständigkeitsbereich wildert.

Darf ich vorstellen? Sturmbannführer Lange.

Sie sind hier in Vertretung für? - Brigade von Stahlecker.

Sie sind bekannt. Herzlich willkommen.

Heil Hitler. Willkommen in Berlin.

Müller, Eichmann. Wie geht es Ihnen?

Gut, danke. Hatten Sie einen guten Flug? Ja.

Die Herren bereits eingetroffen?

Wir sind komplett. Gut.

Hervorragende Idee, die Herren zum zweiten Frühstück einzuladen.

So erscheinen sie pünktlich.

Stimmungsbild? Dr. Stuckart äußert sich kämpferisch.

Dr. Bühler beschwert sich über die Juden.

Dann ist ja alles wie gehabt.

Sehen Sie zu, dass man Sie

in der Küche gut versorgt, Hauptsturmführer.

Haben Sie die Zahlen, um die ich Sie bat? Liegen bereit.

Wobei ich mir anzumerken erlaube,

die Genauigkeit schwankt bei einigen Posten.

Es genügt der Eindruck von Genauigkeit.

Gauleiter. Obergruppenführer.

Guten Morgen, die Herren. Verzeihen Sie die Verspätung.

Der Start in Prag hat sich ein wenig verzögert.

Wir haben uns viel vorgenommen. Ich bin in einer Minute bei Ihnen.

Herr Luther. Dr. Lange.

Sie entschuldigen mich?

Schließen Sie bitte die Tür.

Ich höre, das Auswärtige Amt entwickelt eigene Vorstellungen.

Zur Behandlung der Judenfrage? Korrekt.

Ich hoffe, diese Vorstellungen decken sich mit dem Besprochenen.

Ich würde ungerne von vorne beginnen.

Alles wie besprochen, Obergruppenführer.

Im Großen und Ganzen läuft alles darauf hinaus,

dass wir vollständigen Zugriff haben müssen

auf sämtliche Juden aller Nationalitäten,

sofern sie sich in unserem Einflussgebiet befinden.

Die Zeit der internationalen Rücksichtnahme ist vorbei.

In der Tat.

Amerika hat sich gegen uns entschieden, ebenso England.

Die Juden haben ihren Wert als Geiseln verloren.

Man hätte sie uns abnehmen sollen, so lange das noch möglich war.

Das deckt sich mit unseren Vorstellungen.

Am besten gefällt mir der letzte Abschnitt:

"Durchführung dieser Maßnahmen

im guten Einvernehmen mit dem Geheimen Staatspolizeiamt."

Wenn ich es sagen darf, die Zusammenarbeit mit Herrn Eichmann

gestaltet sich überaus konstruktiv.

Vielleicht liegt es daran, dass ich auch im Transportgewerbe tätig war.

Ich ahne, welche Arbeit die derzeitigen Aktionen bereiten.

Das freut mich zu hören.

Unser Vorgehen in der Judenfrage ist vielen Ihrer Amtskollegen

zu forsch für die zarten Empfindungen des Auslands.

Ich habe nichts gegen Nägel mit Köpfen.

Wenn Sie uns noch einen Augenblick geben würden? Natürlich.

Protokollantin? Fräulein Werlemann, Büro Eichmann.

Zuverlässig? Zu 100 Prozent.

Ordonnanzen? Handverlesene Leute.

Dr. Lange, treten Sie näher. Kein Grund, sich zu verstecken.

Ich höre nur Gutes aus dem Baltikum.

Der Kommandeur der Einsatzgruppe A, Brigadeführer Stahlecker,

sowie der Höhere SS- und Polizeiführer Ostland,

Obergruppenführer Jeckeln, bevollmächtigen mich,

Estland judenfrei.

Litauen und Lettland, bis auf Reste von Arbeitsjuden,

ebenfalls judenfrei.

Na, was sage ich? Gute Neuigkeiten.

Wenn Sie erlauben?

Aha.

Was ist das? Wir haben uns erlaubt, eine Skizze anzufertigen.

Mit den bis jetzt erreichten Quoten.

Die Einsatzgruppe A liegt derzeit bei 220.000.

Das summiert sich mit den anderen auf eine halbe Million.

Es wird. Da haben Sie sich ja richtig Mühe gegeben.

Na. Die Zeichnungen hat ein Kamerad gemacht.

Wir haben einen, der so was kann.

Weißruthenien erst 42.000? Leider.

Wie Sie sehen, der Raum ist riesig, es fehlt an Fahrzeugen und Benzin.

Der Boden ist gefroren. Wir können keine Gruben ausheben.

Schießen weiterhin möglich, aber die Entsorgung stockt.

Wie behelfen Sie sich? Stapeln. Bis es wieder taut.

Solche Engpässe werden wir zeitnah abstellen können.

Die zugesagten Gaslaster

machen sich auch bald zu Ihnen auf den Weg.

Hm. Hat man die Probleme beim Beladen inzwischen gelöst?

Probleme?

Also das hat mir ein Kamerad aus Kulmhof erzählt.

Weil die Juden nicht freiwillig in die Laster steigen.

Da herrscht wohl immer Unruhe im Laderaum.

Ja, etwas Fingerspitzengefühl ist sicher vonnöten.

Und danach müssen Sie auch wieder raus.

Der Kamerad sagt, es sei eine größere Schweinerei als Schießen.

Wir sehen dennoch einen Effizienzvorteil.

Wenn man den Raum mit zehn Einheiten pro Quadratmeter belegt.

Die Sonderfahrzeuge sind nur eine Zwischenlösung.

Sie erfahren später mehr über den aktuellen Umfang der Planungen.

Ich bin gespannt.

Eichmann.

Der eingegangene Transport aus Theresienstadt?

Gestern Abend noch erledigt. Ich hätte fast meinen Flug verpasst.

Ich danke Ihnen, Sturmbannführer. Befehl ist Befehl.

Wir wissen, dass Sie und Ihre Kameraden für Volk und Vaterland

eine notwendige Pflicht tun, zu der nur wenige in der Lage sind.

Die Zukunft wird die Heldenhaftigkeit

Ihrer Männer würdigen.

Wenn Sie erlauben, richte ich das meinen Männern aus. Tun Sie das.

Einige Herren, die Sie gleich draußen kennenlernen werden,

sind nicht aus demselben Holz wie wir.

Wir erbten aus der früheren Regierung einige Restposten.

Herr Müller und die Seinen

sprechen gern von Weihnachtsmännern.

Dr. Schöngarth warnte mich vor.

Ich übe mich in Zurückhaltung. Nicht nötig.

Die Herren sollen ruhig wissen, woran sie sich beteiligen.

Das schließt die Reihen. Ich verstehe.

Eine Frage der Dosierung. So ist es.

Eine Frage der Dosierung.

Hier, bitte. Ganz vorne.

Müsste mein Platz nicht eigentlich hier sein?

Hier, Gauleiter. - Wären Sie so freundlich?

Bitte.

Da sind wir also wieder und reden über die Juden.

Sieht ganz so aus.

Ein furchtbar unerfreuliches Thema.

Gut, danke.

Dr. Stuckart.

Unterstaatssekretär Luther.

Die Privataudienz beim Obergruppenführer war erfolgreich?

Kein Grund, neidisch zu sein.

Wie ich hörte, waren Sie auch schon in Prag geladen.

Um die Interessen des Innenministeriums zu vertreten.

Nicht die des Reichssicherheitshauptamtes.

Wasser? Gerne.

Herr Gauleiter, meine Herren Staatssekretäre, Kameraden der SS.

Ich freue mich, dass Sie der Einladung

an den Wannsee folgen konnten.

Wir entführen Sie mal aus den staubigen Amtstuben,

in der Hoffnung, dass wir hier ungestört bleiben

von den Telefonen und dem Hin und Her der Referenten.

Nebenbei, sollten Ihre Ämter und Dienststellen die Annehmlichkeiten

unseres Gästehauses genießen wollen, die Nacht hier kostet...

Eichmann, helfen Sie mir? Fünf Reichsmark pro Nacht und Person.

Na, das ist doch ein Angebot. Darum also sind wir hier.

Das Reichssicherheitshauptamt erschließt sich neue Geldquellen.

Kleinvieh macht auch Mist, Herr Gauleiter. Scherz beiseite.

Zum Grund unserer Zusammenkunft bitte ich Sie,

Ihre Aufmerksamkeit auf das meiner Einladung

beigelegte Schreiben von Reichsmarschall Göring zu richten.

Darin erteilt der Reichsmarschall mir den Auftrag, ich zitiere,

"alle erforderlichen Vorbereitungen

in organisatorischer, sachlicher, materieller Hinsicht

zu treffen für eine Gesamtlösung der Judenfrage in Europa".

Weiter trägt er mir auf,

alle von diesen Planungen betroffenen Zentralinstanzen

an der Herstellung dieses Gesamtentwurfs zu beteiligen.

Das, meine Herren, wären dann Sie.

Und darum also sind wir heute hier.

Bitte ein Exemplar zum Protokoll. Verstanden.

Ist eine Frage erlaubt? Jetzt schon, Dr. Freisler?

Ja. Es handelt sich um eine Kleinigkeit.

Ihre Beauftragung stammt laut Datum vom Juli vergangenen Jahres.

Darf man erfahren, warum sie jetzt zur Anwendung kommt?

Ich darf mich seit ein paar Monaten aufteilen

zwischen Berlin und Prag.

Meine Aufgaben als stellvertretender Reichsprotektor

nahmen mich in Anspruch.

Der tschechische Widerstand erweist sich als renitent.

Aber das war zu erwarten. Stur sind sie, die Slawen.

Anschließend scheiterte der Versuch eines Treffens im Dezember

wegen militärischer Entwicklungen:

der japanische Angriff auf Pearl Harbour,

die Kriegserklärung des Führers an die Amerikaner,

zuletzt die russische Gegenoffensive im Osten.

Offenbar hat sich der Russe entschlossen,

einen Rest Gegenwehr zu zeigen.

Das wird ihm nicht helfen.

Schließlich bin ich beauftragt, einen Gesamtentwurf vorzulegen

im Hinblick auf die, ich zitiere erneut den Reichsmarschall,

"Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage".

Die Gesamtlösung der Judenfrage ist nämlich genau das:

die Endlösung der Judenfrage.

Entsprechend umfangreich und kompliziert

stellten sich unsere Vorbereitungen dar.

Auch daher entstand ein gewisser zeitlicher Vorlauf.

Danke für die Information. Verstehe vollauf.

Habe ich das richtig verstanden?

Wir sprechen nicht mehr allein über die Reichsjuden?

Die neuen Planungen betreffen tatsächlich ganz Europa?

So ist es.

Die Judenfrage kann nur als gelöst betrachtet werden

nach der vollständigen biologischen Ausmerzung

des gesamten Judentums bis zum Ural.

Das ist die Zielvorgabe.

Die Aufgabe, die das Schicksal uns gestellt hat.

Ganz Europa, das sind...

Ganz Europa. Das sind ja völlig neue Perspektiven.

Das Ziel gibt es schon länger.

Neu ist lediglich, dass wir es jetzt angehen.

Das kommt nicht unerwartet.

Ich traf den Führer in seiner Wohnung in der Alten Reichskanzlei.

Er sagte klipp und klar, er wolle jetzt reinen Tisch machen.

Wie er im Reichstag prophezeite:

Sollte es dem Judentum gelingen,

die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen,

wird das Ergebnis nicht die Bolschewisierung dieser Welt sein,

sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa.

Den Vollzug eben der Prophezeiung erleben wir nun.

Die Juden wollten den Krieg, sie bekommen ihn.

Es erfüllt sich damit an dem Judentum ein Schicksal,

das zwar hart, aber verdient ist.

Mitleid oder Bedauern sind also gänzlich unangebracht.

Auf eine Vorstellungsrunde können wir wohl verzichten,

die meisten hier sind sich hinlänglich bekannt.

Bis auf den Herrn Sturmbannführer.

Dr. Stuckart? Verzeihung.

Ich wollte nur darauf hinweisen, dass der Herr Sturmbannführer

zumindest mir bisher nicht bekannt ist.

Dr. Lange, wären Sie so freundlich?

Sturmbannführer Dr. Rudolf Lange,

Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD

im Generalbezirk Lettland.

Ich vertrete Herrn Dr. Stahlecker, der Sie alle herzlich grüßen lässt.

Damit wäre also auch das erledigt.

Lettland? Ist das nicht unser Beritt? - Korrekt.

Unser Einsatzgebiet liegt im Reichskommissariat Ostland.

Und trotzdem sind wir uns noch nie begegnet?

Es hat sich noch nicht ergeben. - Dann wird es aber Zeit.

Wir wüssten gerne, wer im Zuständigkeitsbereich ist.

Ich werde es einrichten.

Es interessiert die Herren,

dank der gemeinsamen Anstrengungen unseres Ostministeriums

und der Kameraden von den Einsatzgruppen

gilt Estland ab sofort als judenfrei.

Dr. Lange hat mich bereits in Kenntnis gesetzt.

Den Status quo in Sachen Einsatzgruppen erhalten Sie

wie gewohnt in Form des aktuellen Berichts.

Sie können später gerne einen Blick hineinwerfen.

Wenn ich mir hierzu eine Frage gestatten darf?

Eine kurze Frage, Herr Ministerialdirektor?

Sie betrifft direkt Dr. Langes Zuständigkeitsbereich. Bitte.

Wie Sie ja in Ihrer Einladung schreiben,

finden in den vergangenen Monaten bereits

vermehrt Judentransporte statt,

aus dem Reich sowie dem Protektorat,

ausgehend von Ihrem Referat IV B4

und Ihrem Judenreferenten Obersturmbannführer Eichmann.

Das ist korrekt.

Bei diesen Transporten scheint es

zu gewissen Unregelmäßigkeiten gekommen zu sein.

Der Reichskanzlei liegt ein Vorgang

aus dem November vor, aus dem Bereich Riga.

Könnten Sie zum Punkt kommen, Herr Kritzinger? Nun.

Bei den Bemühungen, im Getto Riga für, wie soll ich sagen,

eine gewisse Entlastung zu sorgen,

ist ein Transport mit Berliner Juden, der zeitgleich eintraf,

ebenfalls in die Sonderbehandlungen einbezogen worden.

Bekannt. Und weiter?

Dieser Vorfall ist im Innenministerium

ebenfalls diskutiert worden.

Mit einer gewissen Verständnislosigkeit.

Ich bitte Sie. Das Judentum hat uns doch diesen Krieg aufgezwungen.

Wenn wir mit Härte zurückschlagen, muss man doch

die weltgeschichtliche Notwendigkeit dieser Härte einsehen

und darf sich nicht ängstlich fragen,

ob gerade dieser oder jener bestimmte Jude

persönlich daran Schuld hat.

Sehen Sie, meine Herren...

Sie und ich, wir sitzen hier schön im Warmen.

Vor Ort, im Osten, geht es oft ungeordneter zu.

Nicht immer ist es möglich, zu jeder Einzelentscheidung

eine aktuelle Befehlslage aus Berlin einzuholen.

Das ist mir bewusst. Ich war Soldat im Weltkrieg.

Dann wissen Sie auch, dass unsere Einheiten in frontnahen Gebieten

zu gewissen Improvisationen gezwungen sind.

Wir reden hier über 1000 Menschen. Aus Berlin.

Was hätten wir denn machen sollen?

Wir können sie nicht in den Schnee stellen

und warten, bis sie erfrieren.

Ich habe Vertrauen in das Urteilsvermögen unserer Männer.

Am Ende lösen Sie die Dinge im Sinne des Führers.

Machen wir uns doch nichts vor.

Was im November noch verboten war, ist im Dezember erlaubt.

Der Tod eines ukrainischen oder lettischen Juden

mag hier keine hohen Wellen schlagen.

Aber jeder einzelne dieser 1000 Reichsjuden

hat in Berlin Angehörige, Bekannte, Freunde.

Das führt zu Irritationen und Nachfragen.

Und nicht immer ist es der Reichskanzlei

dann auch noch möglich, korrekt Auskunft zu geben.

Das geht uns im Justizministerium ähnlich.

Zudem kommt es aufgrund von Gerüchten zu Suiziden

aufseiten deutscher Juden.

Und das führt in der Bevölkerung

in erheblichem Maß zu Beunruhigung.

Also mich beunruhigen jüdische Suizide nicht.

Es wurden gar in Einzelfällen

Nicht-Juden deportiert,

oder aber Juden, die auf deutscher Seite im Weltkrieg kämpften,

zum Teil hochdekoriert.

Bisweilen scheint die Gestapo

ihre eigenen Richtlinien nicht einzuhalten.

Das sind bedauerliche Anlaufpannen.

Genau dafür sind wir heute hier zusammengekommen,

damit all Ihre Sorgen gehört werden.

Reichsmarschall Göring, für den ich heute hier spreche,

bemängelte unlängst, dass jüdische Facharbeiter

aus rüstungswichtigen Betrieben abtransportiert wurden.

Das kann gerade jetzt, in der kritischen Phase des Krieges,

keinesfalls unser Interesse sein.

Ich verstehe, der Reichsmarschall bemängelt in einer Funktion,

was er in einer anderen begrüßt.

Da wir schon über aktuelle Transporte sprechen...

Können wir das hinten anstellen?

Generalgouverneur Frank wurde vor Monaten vom Führer versprochen,

dass das Generalgouvernement bald von Juden befreit wird.

Wir warten. Die Gettos platzen aus allen Nähten.

Zeigen Sie mir einen, dem es besser geht.

Auch bei uns besteht die Gefahr,

dass die Juden nicht ernährt werden können.

Wäre es nicht die humanste Lösung,

die Juden, sofern sie nicht arbeitsfähig sind,

durch ein schnellwirkendes Mittel zu erledigen?

Das wäre angenehmer, als sie verhungern zu lassen.

Ökonomisch absolut richtig. Es ist Krieg.

Wieso sollten wir wertvolle Ressourcen an Juden verschwenden?

Es ist nicht so, dass wir nicht in der Lage wären,

das Problem selbst zu lösen.

Auch wir unternahmen über Herrn Wetzel, den Judenreferenten,

bereits Vorstöße zu Herrn Brack von den Euthanasie-Aktionen.

Es gibt einige, wenn auch nicht ganz ungefährliche Verfahren.

Darum wäre es mir lieber, wenn Sie das unsere Sorge sein ließen.

Wir arbeiten bereits mit Herrn Brack zusammen.

Seine Leute stellen uns Kenntnisse und Geräte zur Verfügung.

Im Getto Litzmannstadt sorgt das bereits für spürbare Entlastung.

Wir hoffen, über diese Maßnahmen heute mehr zu erfahren.

Das hat man uns jedenfalls zugesagt.

Meine Herren, ich stelle fest, wir leben in turbulenten Zeiten.

Wir haben in den letzten Monaten

gewaltige Entwicklungen in großer Zahl angestoßen.

Bisweilen überholt der Erfolg der Maßnahmen

unsere eigenen Planungen.

Nicht zuletzt aufgrund zu vieler Überschneidungen

in Fragen der Zuständigkeit.

Willkommen in Berlin, wo sich jeder für alles zuständig hält.

Die deutsche Gründlichkeit. Wir sollten es als Tugend betrachten.

Schön, aber damit uns unsere Tugendhaftigkeit

am Ende nicht in die Quere kommt,

brauchen wir für das, was vor uns liegt,

schnellere Entscheidungen, kürzere Wege.

Wir müssen unsere Linienführung gewissermaßen parallelisieren.

Ich stelle daher fest, auch im Hinblick

auf das eben verlesene Schreiben von Reichsmarschall Göring:

Die Federführung in Sachen Endlösung der Judenfrage

liegt ab sofort ohne Rücksicht auf geografische Grenzen

zentral beim Reichsführer SS, Heinrich Himmler,

und mit dessen Vollmacht beim Chef des Reichssicherheitshauptamtes,

also meiner bescheidenen Wenigkeit.

Verzeihung, kann ich dem Innenminister also ausrichten,

dass sich das Reichssicherheitshauptamt

die Judengesetze nun selber schreibt?

Einfacher wäre es. Keine Sorge, Dr. Stuckart.

Sie werden an den Entscheidungen angemessen beteiligt.

Angemessen beteiligt oder vor vollendete Tatsachen gestellt?

Wollen Sie sich nicht erst die Pläne des Obergruppenführers

anhören, bevor Sie sich ausgeschlossen fühlen?

Mit Verlaub, was ich fühle, tut nichts zur Sache.

Ich frage aus Verantwortung

für die Kompetenzbereiche meines Ministeriums.

Und ich wundere mich, dass ich der Einzige bin.

Was ist mit Ihnen, Herr Luther?

Oder den Herren vom Ostministerium? Was ist mit uns?

Sie beschweren sich seit Monaten, dass Ihnen Berlin

in Ihre Judenfrage reinredet, und jetzt schweigen Sie?

Gerade reden vor allem Sie in unsere Judenfrage rein.

Dr. Bühler? Sehen Sie das in Krakau genauso?

Wenn Endlösung der Judenfrage bedeutet,

dass man uns unsere Juden endlich abnimmt,

bin ich bereit, der Führung des Obergruppenführers zu folgen.

Und genau das wird passieren.

Wir werden Ihre Judenprobleme für Sie lösen.

Sie alle werden mir am Ende des Tages zustimmen,

dass ausschließlich das Reichssicherheitshauptamt

in der Lage ist, die Judenfrage organisatorisch

und vor allem praktisch durchzuführen.

Wir haben die nötigen Mittel, die Methoden,

die Organisation, die Erfahrungen

und vor allem die Menschen mit der nötigen Entschlossenheit.

Sollten Sie am Ende des heutigen Tages anderer Meinung sein,

gebe ich die Aufgabe gerne weiter.

Es ist nicht so, dass wir nicht schon genug Arbeit hätten.

Wenn Sie also erlauben, dass ich fortfahre?

Selbstverständlich.

Erlauben Sie mir einen kurzen Rückblick.

Seit '33 führen wir den Kampf gegen das Judentum

und drängen die Juden unbarmherzig

aus den Lebensbereichen des deutschen Volkes zurück.

Die jüdische Rasse wurde

als dem deutschen Volkskörper fremde Rasse erkannt,

unter anderem dank den Maßnahmen und Methoden

des Rasse- und Siedlungshauptamtes.

Dank umfassender Judengesetze

ist den Juden jeder schädliche Einfluss

auf unsere Volksgemeinschaft unmöglich geworden.

Siehe die Judengesetzgebung, unter anderem von Dr. Stuckart,

dem Verfasser der Nürnberger Gesetze.

Mitverfasser. Zu viel der Ehre.

Schließlich haben wir, mit dem Ziel,

den deutschen Lebensraum auf legale Weise von Juden zu säubern,

eine große Zahl an Juden zur Auswanderung gebracht.

Obersturmbannführer?

Stand heute sind es rund 537.000.

Das nicht zuletzt dank der organisatorischen Anstrengungen

von Obersturmbannführer Eichmann persönlich.

Auch meine Abteilung ist nur ein Teil des Gestapoamtes.

Unter Gruppenführer Müller. Geschenkt.

Grundsätzlich war die beschleunigte Auswanderung

der Juden keine schlechte Idee.

Sollen sie ihren schädlichen Einfluss woanders ausüben.

Aber inzwischen ist die Auswanderung keine Option mehr.

Im Ausland will sie keiner. Wir haben es versucht.

Und wir dürfen dem Feind in Kriegszeiten keine Kräfte zuführen.

Was wurde aus der Idee, die Sippschaft

nach Madagaskar zu verschiffen?

Da hätte die Welt Ruhe.

Ist vom Tisch, da England die Hoheit auf See hat.

Wir kommen da nicht hin.

Gleiches gilt für die sibirischen Sümpfe.

Jedenfalls, so lange uns der Russe im Weg steht.

Aus all diesen Gründen hat der Reichsführer SS

und Chef der deutschen Polizei Heinrich Himmler

die weitere Auswanderung von Juden im Oktober verboten.

Hier nun richten wir unseren Blick auf das,

was ich die Möglichkeiten des Ostens nennen möchte.

Dort haben wir inzwischen,

nicht zuletzt dank der Arbeit unserer Einsatzgruppen,

rund eine halbe Million Juden sonderbehandelt

und dabei genau die Erfahrungen gesammelt,

die uns im Hinblick auf die kommende Endlösung der Judenfrage

von wichtiger Bedeutung sind.

Und so ist inzwischen anstelle der Auswanderung

als weitere Lösungsmöglichkeit die, nennen wir es,

Evakuierung der Juden nach dem Osten getreten,

um sie dort mit den Methoden des Ostens der Endlösung zuzuführen.

Verzeihung, Obergruppenführer? Dr. Lange?

Wir bekommen noch mehr Juden geschickt? Nein.

Sie befassen sich weiter mit den Ost-Juden,

die mit Vorrücken der Front anfallen.

Die vom Reich geplanten großen Maßnahmen laufen

über die Höheren SS- und Polizeiführer.

Und wie groß sind die großen Maßnahmen?

Groß genug, dass am Ende sogar die Einsatzgruppen

an die Endlösungsräume abgeben können.

Ja, wenn wir von der Evakuierung in die Endlösungsräume sprechen,

ist damit also gemeint,

die Sonderbehandlung aller europäischen Juden?

Sie sollen es ruhig hören, aber auch gleich wieder vergessen:

Genauso ist es.

Verzeihung, wenn die Frage gestattet ist,

aber wo befinden sich die Endlösungsräume?

Nicht bei uns, davon war nie die Rede.

Bei uns. Im Generalgouvernement.

Jedenfalls gehe ich davon aus.

Im Lubliner Raum sind Baumaßnahmen im Gange,

unter Brigadeführer Globocnik.

Wir werden einen Teil der anfallenden Juden

im Generalgouvernement wegarbeiten.

Im Bereich Belzec sowie Sobibor sowie in Ostoberschlesien

sind Kapazitätserweiterungen angedacht,

in der Nähe eines Dorfes namens Auschwitz.

Hierzu später mehr. Verzeihung, Dr. Bühler.

Sagten Sie nicht, Ihr Generalgouverneur

wolle die Juden unbedingt loswerden?

Jetzt bekommt er noch mehr?

Warum interessieren Sie unsere Juden so?

Sie nehmen diese Neuigkeiten äußerst gefasst auf.

Der Obergruppenführer hat es erklärt.

Juden, die als Endlösung zu uns kommen, müssen wir nicht versorgen.

Die kommen nicht, um zu bleiben. So ist es.

Es besteht kein Grund zur Beunruhigung.

Sie werden von unseren Maßnahmen praktisch nichts merken.

Mit Verlaub, Sie sprechen von sämtlichen Juden Europas.

Ein gutes Stichwort. Obersturmbannführer?

Diese Karte zeigt den gegenwärtigen

politisch-militärischen Zustand Europas.

Hier im Osten der derzeitige Frontverlauf.

In Dunkelrot das Reichsgebiet am Vorabend des Krieges.

In Hellrot die dem Reich eingegliederten Gebiete:

das ehemalige Westpolen, ehemalige Tschechei, ehemals Österreich.

Weiter im Osten, weiß, die unter deutscher Zivilverwaltung

stehenden Ostgebiete:

Ostland, Ukraine, Generalgouvernement.

Rot, senkrecht schraffiert,

die von uns militärisch besetzten Gebiete:

Norwegen, Dänemark, Niederlande, Belgien, Luxemburg,

Nordfrankreich, Kroatien, Griechenland, Nordafrika.

Schließlich, waagrecht schraffiert,

die mit uns verbündeten oder von uns beeinflussten Länder:

Italien, Vichy-Frankreich, Ungarn,

Rumänien, Bulgarien, Albanien, Serbien, Slowakei.

Europa ist praktisch in unserer Hand.

Und wir haben erst angefangen.

Diese schwarzen Punkte stehen für?

Juden, die Dichte der Punkte

scheint die Judenkonzentration anzuzeigen.

So ist es, je weiter wir nach Osten blicken,

desto kompakter tritt uns der jüdische Gegner entgegen.

Vor allem in ehemals Polen

und einstigen Gebieten der Sowjetunion.

Sie haben sich auch seit Jahrhunderten da breitgemacht.

Im Rücken der Front, im Nebel des Krieges,

haben wir die Konzentration bereits reduzieren können.

Aber es bleibt genug zu tun.

Die Aufgabenstellung erscheint mir sehr ambitioniert.

Ich betrachte mich durchaus als Kenner der Materie,

aber ich vermag kaum zu überblicken,

über wie viele Juden wir hier insgesamt reden.

Wir reden über elf Millionen.

Anhand dieser Auflistung können Sie ermessen,

wie sich das Judentum auf die einzelnen Länder verteilt.

Im Altreich haben wir noch rund 130.000 deutsche Juden.

Zahlenmäßig überschaubar, politisch kompliziert.

Wir sprachen darüber. Die größten Posten:

Generalgouvernement mit 2,3 Millionen,

UdSSR, der dickste Brocken, rund fünf Millionen.

Auf dem Balkan, lassen Sie mich kurz addieren, rund 1,6 Millionen,

in Gesamtfrankreich auch noch fast eine Million.

Die Zahlen sind doch höher als gedacht.

Sie führen hier auch unbesetzte Länder auf.

England, Schweiz... Selbstverständlich.

Diese Zahlen bilden bereits die bevorstehende

Gesamtneuordnung Europas ab.

Perspektivisch sozusagen. Sehr gut.

Unser Blick darf nicht nur bis zum Horizont reichen,

sondern auch dahinter.

Und woher stammen diese Zahlen?

Aus unseren Archiven.

Und von Judenvertretern in Wien und Berlin.

Das Auswärtige Amt hat auch beigesteuert.

Sind die Zahlen zuverlässig? Es sollte ungefähr hinhauen.

Das sind ja gewaltige Zahlen.

Wenn ich das kurz relativieren dürfte? Gern. Bitte kurz.

Wir müssen diese Zahlen in einem größeren Zusammenhang betrachten.

Die Endlösung der Judenfrage ist ja nur ein Baustein

in der geplanten Neuordnung Europas.

Langfristig sprechen wir von der Entfernung

aller niederrassigen Volksgruppen aus unserem Einflussbereich.

Der in den Ostgebieten angetroffene Völkerbrei

muss vollständig weichen, um so Platz zu schaffen

für die Germanisierung der gewonnenen Lebensbereiche

im Osten durch deutsche Besiedelung.

Am Ende sprechen wir von einem Europa, dem wir den Stempel

unserer germanischen Kulturgesittung aufdrücken

und in dem nichtgermanische Völker

höchstens als Arbeitssklaven geduldet werden.

Lesen und Schreiben auf Volksschulniveau, Rechnen bis 100.

Für mehr brauchen wir die nicht.

Diese Neuordnung und Aufrassung Europas

erfordert die Umvolkung im dreistelligen Millionenbereich.

Dagegen erscheint mir die Umsetzung einer Endlösung

für elf Millionen Juden geradezu überschaubar.

Wie gedenkt man, dieser ganzen Judenmassen Herr zu werden?

Wie soll das genau ablaufen?

Das frage ich mich auch.

Die Transporte haben ja eben erst angefangen,

schon stockt und blockiert es allerorten.

Wie soll das erst werden, wenn sich elf Millionen in Bewegung setzen?

Sie setzen sich nicht in Bewegung.

Sie werden in Bewegung gesetzt. Durch uns.

Ich will es nicht kleinreden.

Wir haben hier eine in der Weltgeschichte

einzig dastehende Organisationsaufgabe vor uns.

Das Ganze wird wie folgt ablaufen:

Wir planen, Europa von Westen nach Osten systematisch zu durchkämmen.

Evakuierte Juden werden zunächst in Durchgangsgettos gebracht,

um von dort aus Zug um Zug

weiter nach dem Osten transportiert zu werden.

Habe ich das richtig verstanden, von West nach Ost? So ist es.

Ich darf hoffentlich davon ausgehen,

dass man das Generalgouvernement vorwegnimmt.

Wenn wir schon die Endlösungsräume stellen,

sollten ja wohl unsere Juden zuerst dort weggearbeitet werden.

Nun, wir werden sehen. Mit Verlaub.

Es ist ja wohl kaum zu verlangen, dass wir zusehen, wie Züge voller,

sagen wir, französischer Juden in unser Gebiet rollen.

Während unser Land unter Massen von Juden erstickt. - Sie sind lustig.

Glauben Sie, bei uns ist es anders?

Vorwegnehmen werden wir natürlich das deutsche Reichsgebiet.

Schon aus Gründen der Wohnungsnot infolge der Bombardierungen.

Das Protektorat Böhmen und Mähren hat Vorrang.

Nicht weil es sozusagen mein Vorgarten ist.

Zu viele Tschechen glauben, dass man uns wieder loswird.

Dem tschechischen Widerstand

muss das jüdisch gesteuerte Rückgrat gebrochen werden.

Das ist militärische Notwendigkeit.

Das verstehe ich alles, dennoch:

Eine Planung ohne Abnahme unserer Juden mit Beginn der Endlösung,

für das Protokoll, wird bei Generalgouverneur Frank

auf keine Gegenliebe stoßen, das war anders besprochen.

Man hat uns die Entlastung unserer Gettos zugesagt,

zum Auftakt der Endlösung.

Nun, wir werden sehen.

Sollte sich in der Frage der Reihenfolge

keine Einigung herstellen lassen,

werde ich so frei sein,

eine Entscheidung des Führers zu erbitten.

Die Restvermögen dieser elf Millionen Juden,

das dürfte eine größere Summe sein.

Davon ist auszugehen.

Bisher fließt arisiertes Vermögen

den Bevollmächtigten für den Vierjahresplan zu.

Darf ich Reichsmarschall Göring mitteilen,

dass dies auch weiterhin gilt?

Moment, auf die anfallenden Vermögenswerte der Ostjuden

hat ja wohl das Ostministerium Zugriff.

Das will ich meinen. Unsere Juden, unser Geld.

Mit dem Geld wird das Transportaufkommen finanziert.

Leider müssen sogar wir der Reichsbahn

für jeden Juden einen Betrag zahlen.

Also bevor wir das Fell des Bären verteilen,

sollten wir ihn erst mal erlegen.

Woher nehmen wir nötige Transportkapazitäten?

Gute Frage.

Unsere Rüstungsaufgaben beanspruchen bereits

in hohem Maße Straßen und Schienen.

Und jetzt kommen elf Millionen Juden aufs Gleis?

Und vergessen Sie nicht die Wehrmacht.

Die kämpfende Truppe muss ja auch bewegt werden, samt Material.

Da gibt es schon jetzt gewisse Nachschubprobleme,

auch ohne Judentransporte.

Sollten die Transporte die Kriegsanstrengungen behindern,

wird sich die Partei dafür aussprechen,

die Judenfrage nach dem Krieg zu beantworten.

Der Kampf gegen Juden ist Teil der Kriegsanstrengungen.

Es ist kein Luxus, den wir uns

neben militärischen Anstrengungen leisten.

Krieg und Rassenkampf sind eins.

Wo wir den Juden bekämpfen, kämpfen wir für das Reich.

Schön und gut, aber übernehmen dürfen wir uns auch nicht.

Ganz genau. Erst der Sieg und dann die Juden.

Meine Herren, so sehr ich Ihre Bedenken respektiere,

gerade jetzt dürfen wir doch nicht die Visionen des Führers

runterstutzen wie eine Zimmerpflanze.

Noch vor zehn Jahren lebten die Juden überall unter uns,

nahezu unsichtbar, als wären sie Teil unserer Volksgemeinschaft.

Und sehen Sie sich an, wo wir heute stehen.

Wie weit wir gekommen sind.

Wie sich der Raum unserer Möglichkeiten ständig vergrößert.

Jetzt aus falscher Furcht kleiner zu denken...

wäre ein fataler Fehler.

Wir müssen weiter den Mut haben zum großen Wurf,

zur großen Vision, gerade jetzt.

Wir befinden uns in einer kritischen Phase des Krieges.

Russland im Osten, Amerika im Westen, auf See der Engländer.

Der Krieg ist kein Hindernis. Er ist eine Chance.

Gerade im Krieg eröffnen sich uns doch Räume,

die uns im Frieden verwehrt sind.

Bei allen persönlichen Tragödien stellt doch der Krieg

auch die Möglichkeit dar, Tatsachen zu schaffen.

Radikal in eine Gesellschaft einzugreifen.

Mit großem Entwurf zu gestalten.

Wenn der Bauer sein Feld bestellen will,

muss er doch auch erst den Spaten in die Erde treiben.

Vielleicht lassen sich Transport- und Personalfragen

am besten beantworten, wenn uns Herr Eichmann

ins Bild setzt über konkrete Abläufe.

Als Judenreferent im Amt IV B4 obliegen meiner Federführung

die Erfassung und der Transport der zu deportierenden Juden.

Die Judentransporte werden portionsweise erfolgen,

abhängig von der militärischen Entwicklung.

Nachdem der Jude polizeilich registriert, gemeldet

und abgeteilt ist, wird er in Haft genommen.

Er gibt den Wohnungsschlüssel ab, unterschreibt

die Vermögenserklärung zugunsten des Reiches

und begibt sich mit einem Handkoffer

und maximal 50 Reichsmark zur Sammelstelle.

In der Regel an ein abgelegenes Anschlussgleis.

Wo er einwaggoniert wird. Warum der Vermögensverzicht?

Juden verlieren mit der Staatsbürgerschaft

auch ihr Vermögen beim Grenzübertritt.

Der Übertritt ist ja nicht freiwillig.

Bürokratisches Vorgehen hat eine beruhigende Wirkung.

Im Sinne eines geordneten Ablaufs,

wenn Juden mit dem Gefühl von Ordnung die Züge besteigen.

Ich verstehe.

Der Transport erfolgt nach Abstimmung

mit dem Verkehrsministerium,

dem Transportkommando der Ordnungspolizei

und der Fahrplankonferenz der Reichsbahn.

Hierbei geben wir aus Gründen der Effizienz und Überwachung

durch das Begleitpersonal dem Transport in Güterwagen Vorzug.

Allerdings ist am Anfang, bis zur Reichsgrenze,

der Personenzug als Abschubmittel einkalkuliert.

Aus optischen Gründen.

Ich gehe davon aus, dass wir als Zielgebiet

über Zahlen informiert werden?

Wir wollen wissen, wie viele kommen. Selbstverständlich.

Die Transporte erfolgen nach vorheriger Koordinierung

mit der jeweiligen Aufnahmekapazität

der Zielräume des Ostens.

Seien es Gettos, Arbeitslager, Durchgangslager

oder im Endeffekt direkte Aktionen.

Wie hoch ist unser Personalaufwand? Eine Personalfrage gibt es nicht.

Für die volle Unternehmung

kommen wir mit einer Handvoll Männer aus.

Ist das so? - Ja, das ist so.

Ein Zug mit zehn Waggons kann problemlos

von einem Dutzend Männer bewacht werden.

Was ist nun mit den Transportengpässen,

auf die wir eben hingewiesen haben?

Wir erwarten keine Engpässe.

Wir nutzen Güterwagen, mit denen zuvor

russische Zivilarbeiter ins Reich gebracht wurden.

Die würden sonst leer zurückrollen.

Es findet also ein Austausch statt.

Russe gegen Jude, Jude gegen Russe.

Wir optimieren also bereits vorhandene Abläufe?

Das ist korrekt. Wir verhindern so Leerfahrten.

- Schön. - Donnerwetter.

Wenn ich damals als Spediteur einen gehabt hätte wie den Eichmann,

hätte ich hier auch so eine Villa.

Damit wären also auch diese Fragen beantwortet. Im Protokoll?

Jawohl, Obergruppenführer.

Ich erlaube mir den Hinweis.

Wenn wir durch diese Transporte im Reich

jüdische Rüstungsfacharbeiter verlieren

und im Tausch dafür ungelernte Fremdarbeiter erhalten,

wäre das kein Gewinn.

Das wird nicht passieren.

Wer uns nützt, soll bleiben, wenigstens vorerst.

Überhaupt wird das Kriterium der Nützlichkeit und Arbeitsfähigkeit

ab sofort eine sehr viel größere Rolle spielen.

Liegt diese nämlich nicht vor, ist unsere Geduld erschöpft.

So wurde es in Irrenhäusern und Behindertenanstalten gehandhabt.

Unnötige Fresser können wir uns nicht leisten. - Moment, bitte.

Eben hieß es, die Juden würden

im Rahmen der Endlösung entsprechend sonderbehandelt.

Jetzt heißt es, sie sollen für uns arbeiten?

Da müssen wir uns schon entscheiden, nicht wahr?

Allein aus Planungsgründen.

Wer arbeiten soll, muss auch ernährt und untergebracht werden.

Unsere Planungen beinhalten beides.

Arbeitsfähige Juden werden unter entsprechender Leitung

und in geeigneter Weise im Osten zum Arbeitseinsatz kommen.

In großen Arbeitskolonnen werden sie,

zum Beispiel straßenbauend, in diese Gebiete geführt.

Dort werden Sie für uns arbeiten,

Steine brechen, Sümpfe trockenlegen und dergleichen.

Ich empfehle, dies getrennt nach Geschlechtern zu organisieren,

um das jüdische Problem nicht noch zu vergrößern.

Genau so ist es geplant.

Schön, her damit. Arbeit gibt es genug. - Allerdings.

Die Germanisierung unserer hinzugewonnenen Gebiete im Osten

erfordert Straßen, Fabriken, landwirtschaftliche Betriebe,

Wohnungen für deutsche Siedler.

Auch der Reichsführer SS plant gewaltige Baumaßnahmen

zur Sicherung dieser Gebiete.

Wir werden uns also einigen müssen.

Aber die Juden und diese schwere, körperliche Arbeit?

Aus Erfahrung weiß ich, dass wir hier nicht zu viel erwarten dürfen.

Ein Großteil der Juden arbeitet ja im Handel

oder in den privaten Berufen,

und nicht gerade im Straßenbau.

Nun, wir werden Sie nicht schonen, da können Sie sicher sein.

Und zweifellos wird ein Großteil

durch natürliche Verminderung ausfallen.

Das ist durchaus so eingeplant. Und der Rest? Wer nicht ausfällt?

Dieser anfallende Restbestand

wird am Ende entsprechend behandelt werden müssen,

da es sich zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt.

Entsprechend behandelt... Das heißt?

Fragen Sie den nächstbesten Juden. Er kennt die Antwort.

Ich wollte sichergehen, dass wir über dasselbe sprechen.

Ich sehe keine Alternativen.

Die Widerstandsfähigen müssen wir sonderbehandeln.

Wir riskieren sonst einen neuen jüdischen Aufbau.

Die Erfahrung der Geschichte sollte uns Warnung sein.

Die Römer haben die Juden in alle Welt vertrieben.

Und hielten das Problem für erledigt. Von wegen.

Wir dürfen das jetzt ausbaden.

Wer den Volkskörper gesund erhalten will, darf sich nicht scheuen,

alle Zerstörungskeime restlos zu beseitigen.

Der Jude ist und bleibt der ewige Parasit, der sich ausbreitet,

so wie sich günstiger Nährboden dazu bietet.

Wie ein fauler Schimmel,

der sich auf die Kulturen gesunder Völker legt.

Es ist aber ein elementares Gebot

völkischer, nationaler und sozialer Hygiene,

den Krankheitserreger bis auf den letzten Herd auszurotten.

Wir planen, gründlich und lückenlos vorzugehen.

Bisher sprachen Sie nur von den arbeitsfähigen Juden.

Wie ist die Verfahrensweise bei nicht arbeitsfähigen?

Gute Frage.

In den Gettos dürfte dies gut die Hälfte ausmachen.

Wenn nicht sogar noch mehr.

Wer uns nicht nützt, wird sukzessive weggearbeitet.

Hierfür entstehen derzeit die notwendigen Kapazitäten.

Dann ist das Ziel der Reise am Ende für alle Juden dasselbe?

Arbeitsfähig oder nicht?

Genauso ist es.

Sicher werden sich im Rahmen der Lösung dieses Problems

noch eine ganze Menge an persönlichen Tragödien abspielen.

Aber das ist unvermeidlich.

Jetzt ist die Situation reif,

die Judenfrage einer endgültigen Lösung zuzuführen.

Spätere Generationen werden nicht mehr die Tatkraft

und auch nicht mehr die Wachheit des Instinkts besitzen.

Was wir uns heute als Last aufbürden,

wird für unsere Nachkommen ein Vorteil und ein Glück sein.

Da sehe ich jetzt schon Probleme auf uns zukommen.

Bei was genau?

Bei der Sonderbehandlung der nicht arbeitsfähigen Juden.

Da sprechen wir gerade von den Alten, nicht wahr?

Und gerade unter den Alten finden sich genau jene Juden wieder,

die auf deutscher Seite am Weltkrieg teilnahmen.

Seite an Seite mit denen von uns, die dabei waren.

Ich habe nicht mit Juden gekämpft. - Damals wurde nicht unterschieden.

Womöglich haben Sie es gar nicht bemerkt.

Im Hinblick auf diese Problematik haben wir einen einfachen,

aber sehr wirkungsvollen Weg gefunden.

Eichmann?

Reichsjuden im Alter von über 65 Jahren

sowie schwer kriegsgeschädigte Juden

oder solche mit Kriegsauszeichnungen

werden nicht evakuiert, sondern einem Altersgetto überstellt.

Mit dieser zweckmäßigen Lösung werden mit einem Schlag

die vielen Interventionen ausgeschaltet.

Darf ich erfahren, wo nun wieder dieses Altersgetto liegen wird?

Keine Sorge. Sie müssen nicht alles alleine machen.

Vorgesehen ist Theresienstadt. In meinem Zuständigkeitsbereich.

Ich bin mir nicht zu fein, selbst Hand anzulegen.

Es liegt mir fern, das auch nur anzudeuten.

Eichmann hat gestern noch Theresienstadt besichtigt.

Der Umbau läuft bereits.

In Zeitkürze werden wir dort

mehrere 10.000 Juden unterbringen können.

Da es sich um einen ehemaligen Festungsbau handelt,

ist mit einfachsten Mitteln

ein Höchstmaß an Sicherheit erreichbar.

Zudem besteht das Gelände aus festen, gut gebauten Gebäuden.

Es ist durchaus vorstellbar,

den Ort zu einer Art Vorzeigegetto zu gestalten.

So könnte von dieser Lösung ganz nebenbei

eine große Beruhigung der Bevölkerung ausgehen.

Großartig.

Wir liefern der jüdischen Gräuelpropaganda im Ausland

direkt handfeste Gegenbeweise.

"Einladung nach Theresienstadt.

Kommen Sie, und sehen Sie: So geht der Deutsche mit seinen Juden um."

Aber wird das nicht sehr teuer?

Zehntausende Menschen unterzubringen?

Den Bewohnern wird ihre Beherbergung in Rechnung gestellt.

So wie bereits die Juden, die wir zur Auswanderung brachten,

die Transportkosten selber trugen.

Wir zahlen nichts für die Juden.

Aber dann haben wir ja doch wieder Juden übrig.

Und das zehntausendfach.

Alte Juden, Gruppenführer. Vermehrung unwahrscheinlich.

Das Problem löst sich sozusagen biologisch von alleine.

Auch die Bewohner des Gettos werden

zu gegebener Zeit in die Endlösung überführt.

Dann will ich nichts gesagt haben.

Nach der Entjudung machen meine Männer

aus Theresienstadt eine gute deutsche Siedlung.

Damit wäre das auch geklärt.

Meine Herren, ich schlage eine kurze Unterbrechung vor.

Über die Grundzüge unseres Vorhabens sind Sie nun im Bilde.

Es warten noch zwei Themenkomplexe auf uns,

eher ressortmäßiger Natur.

Im Salon können Sie sich verproviantieren.

Fortsetzung in, sagen wir, zehn Minuten?

Da steht uns wirklich einiges bevor.

Das gesamte europäische Judentum. Wer hätte das erwartet?

Angemessen den Visionen des Führers.

Das können Sie Ihren Enkeln erzählen.

Wer kann schon von sich behaupten,

Weltgeschichte hautnah miterlebt zu haben?

Ich will sagen, mitgestaltet.

Sehe ich richtig? Lachsschnittchen?

Die Versorgungslage im Reichssicherheitshauptamt

scheint noch gut zu sein.

Das ist aber freundlich. Danke schön.

Nicht, dass wir ein schlechtes Klima haben.

Haben wir gar nicht. Im Gegenteil.

Denken Sie nur an unseren letzten Musikabend.

Wie könnte ich das vergessen?

Also ich finde, wir haben oft sehr viel Spaß.

Es wird jedenfalls mehr gelacht als in anderen Referaten.

Das freut mich zu hören.

Es kommt tatsächlich Bewegung in die Sache.

Heydrich hat das Ruder fest ergriffen.

Ja, und er lässt es so aussehen,

als wäre das Durcheinander der letzten Monate

Teil eines groß angelegten Plans, der sich jetzt entfaltet.

Sie glauben das nicht?

Ich würde sagen, ein Drittel Plan, zwei Drittel Chaos.

Und das Chaos wird jetzt kurzerhand zum Teil des Plans erklärt.

Der Druck im Kessel steigt.

Alle wollen ihre Juden loswerden, keiner will sie haben.

Ja, man möchte dieser Tage auch kein Jude sein.

Gauleiter. - Doktor Freisler.

Sie sagten vorhin, Sie seien in der Privatwohnung des Führers gewesen?

Im Dezember, beim Treffen der Reichs- und Gauleiter.

Interessant. - Was genau?

Ja, nun, stellen Sie sich vor, es klingt unglaublich,

aber ich bin dem Führer noch nie persönlich begegnet.

Na so was. - Ach.

Glauben Sie, Sie könnten an geeigneter Stelle

ein gutes Wort für mich einlegen?

Für ein persönliches Treffen mit dem Führer,

in welchem Rahmen auch immer?

Natürlich. Mache ich doch gerne.

Darf ich Ihnen etwas bringen lassen?

Nein, vielen Dank.

Die bittersten Pillen haben sie geschluckt.

Zeitpunkt und Ausmaß der Evakuierungen.

Und das alles unter unserer Führung.

Wir sind noch nicht am Ende.

Unterschätzen Sie Doktor Stuckart nicht.

Wir haben sein Lieblingsthema noch gar nicht angeschnitten.

Ich gebe zu, Sie haben mich überrascht.

Dann hat sich mein Besuch in Berlin ja schon gelohnt.

Man kündigt Ihnen neue Juden gleich millionenfach an,

und Sie verziehen keine Miene.

Es gab Absprachen.

Sie akzeptieren seine Federführung.

Dafür gibt er Ihnen die Zusage,

mit der Endlösung vor Ihrer Tür anzufangen.

Ich hoffe für Sie, dass sich Heydrich daran hält.

Was meinen Sie denn damit?

Es ist eine Ehre, der Ort der Endlösung zu sein.

Ich weiß, die Judenfrage ist das Lieblingskind des Führers.

Und jeder will es mal halten.

Ich kenne Frank.

Der frisst Sie auf, wenn Sie ohne Zusagen zurück nach Krakau kommen.

Generalgouverneur Frank hat kein Problem,

10.000 Juden aufzunehmen, wenn wir im selben Atemzug 20.000 loswerden.

Sehr tiefe Atemzüge. Es wurden große Maßnahmen angesagt.

Ich hörte davon.

Ich bin nicht befugt, darüber zu reden.

Friedlich.

Sehr.

Heinz Rühmann lebt hier irgendwo.

Ebenso Minister Speer.

Da runter liegt die Villa von Max Liebermann.

Der Maler. - Ich weiß.

Jüdischer Impressionist.

Sie sind ein Mann von Bildung.

Und das überrascht Sie.

Angesichts meiner Aufgaben im Osten.

Das hören Sie wohl häufiger.

Gelegentlich.

Hätten Sie sich träumen lassen,

dass Sie von heute auf morgen Ihren Schreibtisch in Berlin

mit so einem Einsatz in Lettland tauschen müssen?

So erlebt man aus eigener Anschauung,

was an den Schreibtischen beschlossen wird.

Was ist daran verkehrt?

Diese Vorgänge da im Osten.

Man hört von Entgleisungen.

Brutalitäten.

Erschießungsgräben.

Ich sehe es wie ein Handwerk.

Man lernt es, und irgendwann kann man es.

Die einen besser, die anderen schlechter.

Wie halten Ihre Männer das aus?

Jeden Tag diese Aktionen?

Ganze Dörfer?

Wir betonen die Notwendigkeit des Auftrags.

Und den Rest erledigen Gewöhnung und eine Extraration Schnaps.

Schnaps verwischt die Eindrücke des Tages.

Nur, wenn sie schon während der Arbeit saufen,

muss man einschreiten.

Zu viele Fehlschüsse,

und dann arbeiten sich die Halbtoten

über Nacht wieder aus den Gruben.

Und man muss sie am nächsten Morgen wieder erschießen.

Ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten.

Sie lagen doch selber im Schützengraben.

Wir haben auf Soldaten geschossen. Nicht auf Frauen und Kinder.

Ich habe einen Mann, der schießt bevorzugt auf Kinder.

Weil die ohne ihre Eltern sowieso nicht überleben können.

Er findet, er tut den Kindern einen Gefallen.

Hat seine Logik, finden Sie nicht?

Die Besprechung wird fortgesetzt.

Meine Herren, ich hoffe, Sie fühlen sich gestärkt.

Wir kommen jetzt zur zentralen Frage der Endlösung,

nämlich der Festlegung der für die Evakuierung

in Betracht kommenden Personen.

Wer kommt in den Genuss unserer Transporte und wer nicht?

Klärungsbedarf gibt es diesbezüglich

bei den Auslandsjuden und den Judenmischlingen und Mischehen.

Da muss ich widersprechen.

Deren Behandlung ist hinlänglich geregelt

durch unsere bestehenden Judengesetze.

Dazu gibt es verschiedene Auffassungen.

Sie sprechen von Auffassungen, ich spreche von Gesetzen.

Beginnen wir doch erst einmal mit den Auslandsjuden.

Unterstaatssekretär Luther, setzen Sie uns bitte kurz ins Bild?

Auslandsjuden.

Aktuell befinden sich in etwa 40.000 Juden

mit ausländischem Pass auf deutschem Reichsgebiet.

Du liebe Zeit. Wer um alles in der Welt sind diese Leute?

Ja, die sind hier nicht willkommen.

Es handelt sich hauptsächlich

um ungarische, tschechische, auch slowakische Juden?

Das ist richtig.

Die meisten haben wir uns bei der Vereinigung mit Österreich geholt.

Dürfen wir das bitte ändern?

Wenn es sich um Staatsangehörige feindlicher Mächte handelt, ja.

Bei Juden von befreundeten oder beeinflussten Staaten

halten wir es jedoch für eine Frage der Höflichkeit,

die Regierungen wenigstens zu fragen,

ob wir ihre jüdischen Staatsbürger

in unsere Vorhaben miteinbeziehen dürfen.

Wer würde zu so einem Angebot schon "Nein" sagen?

Das ist ja fast so, als ob ich meinen Nachbarn frage,

ob ich seinen Mist auch noch wegschaufeln darf.

Die Slowakei und Kroatien stimmen zu.

Mit Rumänien und Bulgarien sind wir auf gutem Weg.

Diese Länder lassen uns Zugriff auf ihre Bürger?

Keinerlei Einwände. Kann alles weg. Nur Ungarn sträubt sich noch.

Und die Slowakei erhebt Anspruch

auf das Vermögen der betroffenen Juden.

Warum überrascht mich das nicht?

Geld stinkt nicht.

Vielleicht tun wir ihnen den Gefallen. Vierjahresplanbehörde?

Nun, wenn es der zügigen Abschiebung dient,

wollen wir nicht kleinlich sein.

Um allzu große Summen dürfte es sich eh nicht handeln.

Danke für Ihr Entgegenkommen. Sie haben es gehört.

Bis auf die Ungarn können wir alle Auslandsjuden ausmerzen.

Wie steht es um Frankreich?

Hier hat Herr Eichmann offenbar neue Erkenntnisse.

Die Wehrmacht hat die Notwendigkeit

unseres Durchgreifens inzwischen akzeptiert.

Die geflohenen Juden sind bereits interniert.

Transporte stehen unmittelbar bevor.

Mit den französischen Juden sollten wir noch warten.

Arbeitet Herr Eichmann jetzt auch im Auswärtigen Amt?

Interministerielle Zusammenarbeit.

Bleiben wir bitte beim Thema. Belgien? Holland?

Im gesamten West- und Südosteuropa können wir völlig frei verfahren.

Gut. Leiten wir das Nötige ein. Ist vermerkt.

Schwierigkeiten sehe ich noch im Norden.

Dänemark, Norwegen, Finnland. - Warum ausgerechnet dort?

Aus unerklärlichen Gründen ist die dortige Bevölkerung schwer

von der Gefährlichkeit der Judenrasse zu überzeugen.

Was schlagen Sie vor? Vorläufig ignorieren. Die Zahlen sind gering.

Vertagen ist eigentlich nicht unsere Art.

Aber solange wir mit den Juden anderer Länder ausgelastet sind.

Bitte. Meinetwegen. Was machen wir mit Ungarn?

Es ist an der Zeit, der dortigen Regierung

einen von uns geeichten Berater in Judenfragen aufzuoktroyieren.

Vielleicht jemand aus Ihrem Stab, Obersturmbannführer?

Könnten Sie jemanden entbehren?

Wenn ich vielleicht aushelfen darf?

Das Rasse- und Siedlungshauptamt kann einen Mitarbeiter

als Gehilfen beim Polizei-Attache abstellen.

Schön. Warum nicht? Machen wir das so.

Verzeihung, wird unsere Außenpolitik ab sofort

von Herrn Hofmanns Mitarbeitern gestaltet?

Machen Sie sich nicht ins Hemd.

Wir reden nicht von einem neuen Botschafter.

Ein Berater ohne Erfahrung in diplomatischen Fragen.

Dafür hat er Erfahrung in Judenfragen.

Das ist doch auch was.

Mich irritiert erneut die Freigiebigkeit,

mit der manche Ämter ihre Kompetenzen preisgeben.

Mir bricht kein Zacken aus der Krone.

Hauptsache, die Sache wird erledigt.

Schön, wenn es einfach geht. Ich sehe es anders.

Ich rufe zum Gärtnern keinen Dachdecker.

In meinem Amt gibt es einige Leute,

die sich versiert auf internationalem Parkett bewegen.

Nach meiner Wahrnehmung ist nicht jeder gleichermaßen geeignet.

Wenn Sie auf Zuständigkeiten verweisen,

bleiben Sie bitte auch bei Ihren und überlassen Sie

dem Unterstaatssekretär Luther die seinen.

Wir machen es wie besprochen. Auslandsjuden damit abgehakt?

Wir sehen die Möglichkeit,

ohne viel Aufwand dem Führer ein judenfreies Serbien darzubieten.

Interessant. Sprechen Sie weiter. Später in kleiner Runde?

Besser jetzt in kleiner Runde. Müller? Eichmann?

Über wie viele reden wir?

Etwa 6000 bis 8000. Ausschließlich Frauen und Kinder.

Warum keine männlichen Juden?

Wurden schon als Geiseln erschossen.

Jeweils 100 für einen toten Deutschen.

Ich erinnere mich. Sehr wirkungsvolle Maßnahme.

Danke, Obergruppenführer.

Serbische Regierung? Müssen wir nicht bedienen.

Wem geben wir das Kommando?

Vielleicht Schäfer.

Der den Sender Gleiwitz mit in die Luft gejagt hat.

Ah. Guter Mann.

Wir können ihm die Gaswagen geben, die für Riga gedacht waren.

Das wird Lange nicht gefallen.

Lange soll improvisieren. Wir machen es so.

Verstanden. Ich leite alles in die Wege.

Meine Herren, uns bleibt noch ein letzter Tagesordnungspunkt,

nämlich die Behandlung der bereits erwähnten

Judenmischlinge und Mischehen.

Und an dieser Stelle, Doktor Stuckart,

ist Ihre Meinung nicht nur gefragt,

sondern regelrecht erforderlich.

Die Behandlung dieser Fragen

ist durch die geltenden Gesetze geregelt.

Es sind ja auch Ihre Gesetze.

Und selbstredend sollen sie uns auch weiterhin

als Grundlage der Diskussion dienen.

Es handelt sich um ein rechtsgültiges Gesetz,

nicht um eine Diskussionsgrundlage.

Auch Gesetze kommen in die Jahre und brauchen Neubewertungen.

So wie man eine Wohnung in einer neuen Farbe tapeziert?

Wir müssen anerkennen, dass heute Volk und Rasse

die Kategorien unseres Handelns sein müssen.

Unser Volk braucht ein valides Recht.

Und dem fühle ich mich verpflichtet.

Recht ist, was dem Volke nützt, Doktor Stuckart.

Welchen Wert haben Rechte und Normen,

widersprechen sie dem Volksempfinden?

Genauso ist es.

Machen wir die Dinge nicht komplizierter, als sie sind.

Machen wir sie auch nicht einfacher, als sie sind.

Wo genau sehen Sie Handlungsbedarf?

Die Halbjuden sind bekanntlich weitgehend

von Evakuierungen und Sonderbehandlungen ausgenommen.

Das soll geändert werden?

Es gab hierzu Gespräche,

zwischen uns, der Partei, einzelnen Ministerien.

Ich bat die Parteikanzlei,

diese Gespräche für uns zusammenzufassen.

Doktor Klopfer?

Nun, die Linie der Partei ist eindeutig.

Juden, also Halbjuden, Vierteljuden,

parteiseits sind all diese Mischlinge in letzter Instanz Juden

und können als solche als Teil des Volks nicht toleriert werden.

Die Unterscheidung zwischen guten Juden, schlechten Juden,

ganzen Juden, halben Juden, das ist nicht länger zielführend.

Stimme zu. Damit spreche ich für alle SS-Hauptämter.

Im Sinne völkischer Hygiene und rassischer Flurbereinigung.

Was genau schwebt Ihnen also vor?

Zu dem Thema wurde ein Papier erstellt,

das ich gerne zur Verlesung bringen möchte. Bitte.

Mischlinge ersten Grades sind im Hinblick

auf die Endlösung der Judenfrage mit den Juden gleichgestellt.

Abgelehnt. Jetzt hören Sie doch erst mal zu.

Schon der Punkt verletzt geltendes Recht.

Mischlinge ersten Grades sind Deutschblütigen gleichgestellt.

Diese Regelung soll geändert werden.

Ja, das geht nicht einfach so.

Wir können nicht beschließen, dass sie den gelben Stern tragen.

Oder dass sie keinen Wald betreten oder einen Vogel halten dürfen.

Und schon gar nicht, dass sie als Nächstes evakuiert werden.

Es ist ein Arbeitspapier. - Der Entwurf sieht Ausnahmen vor.

Richtig.

Ausgenommen sind Mischlinge ersten Grades,

verheiratet mit Deutschblütigen.

Davon gehe ich aus. Insofern sie Kinder, Vierteljuden, haben.

Wie großzügig.

An einer anderen Stelle kommt Ihnen unser Vorschlag dafür entgegen.

Mischline zweiten Grades, Vierteljuden,

werden nämlich allesamt den Deutschblütigen zugeschlagen.

Moment, Moment. Wieso das denn?

Also, es sei denn,

sie stammen aus einer Bastardehe zweier Mischlingseltern,

haben ein ungünstiges, jüdisches Erscheinungsbild

oder aber sie beweisen durch ihr Verhalten,

dass sie den Juden zuzuschlagen sind.

Ich kann langsam nicht mehr folgen. Ich halte das für praktikabel.

Dürfte ich die Gruppe um ein Meinungsbild bitten?

Außenpolitisch ist es völlig egal,

ob die Mischlinge bleiben oder gehen.

Der Reichsmarschall hätte sicher nichts einzuwenden,

solange wir keine weiteren Rüstungsfacharbeiter verlieren.

Darauf wird geachtet.

In meinen Augen ist auch der Vierteljude ein Jude.

Wir könnten den Judenbegriff juristisch durchaus erweitern.

Aber ich frage mich, warum wir uns Gedanken machen über Judengesetze,

wenn es doch bald gar keine Juden mehr geben wird.

Interessante Haltung für das Justizministerium.

Bei uns im Osten können wir derlei Unterscheidungen gar nicht machen.

Wir können nicht feststellen, ob wer Jude ist.

Geschweige denn Halb- oder Vierteljude.

Wir sind hier aber nicht im Osten. Hier gelten immer noch Gesetze.

Dennoch müssen auch Sie anerkennen,

dass Ihr Innenministerium zusehends isoliert ist.

Was hoffen Sie, durch die Änderungen zu erreichen?

Vereinfachungen. Wie immer. Klare, schnelle Entscheidungen.

Sie erreichen das genaue Gegenteil.

Alleine die Einzelfallprüfungen alle wieder aufzumachen.

Wir reden über Zehntausende Einzelfälle.

Wie viele Halbjuden im Reich? Grob geschätzt, etwa 70.000.

Noch die Vierteljuden dazu,

und unsere Beamten sind Jahre beschäftigt.

Haben wir nichts Besseres zu tun?

Hätten Sie mal nicht so halbgare Gesetze verfasst.

Ich habe sie nicht alleine verfasst. Und das stimmt nicht.

Ein Halbjude, der jüdisch agiert,

dem mosaischen Glauben anhängt oder einen jüdischen Partner hat,

wird laut Gesetz wie ein Volljude behandelt.

Er kann also evakuiert werden.

Wie viele der Geltungsjuden im Reich?

Etwa 8000.

Acht Eisenbahnzüge. Bleiben immer noch über 60.000.

Der Großteil der Halbjuden fühlt sich dem Deutschtum zugehörig.

Lehnt das Judentum innerlich ab. Reine Schutzbehauptung.

Tausende dieser Mischlinge haben sich in unserer Wehrmacht bewährt.

Wie viele? Etwa 10.000.

Bleiben über 50.000, die ich gerne loswürde.

Denken Sie an die SS-Kameraden, bei deren Rasseprüfung rauskam,

dass sie Judenblut in sich haben.

Tragische Fälle, in der Tat. Die aber zahlenmäßig gering sind.

Das deutsche Blut in den Mischlingen ist es,

das sich hier durchsetzt.

Und diese Menschen sollen wir jetzt der Endlösung zuführen?

Für diese Sonderfälle können wir Ausnahmen finden.

Schön, dann denken wir mal weiter.

Nach Ihrem Vorschlag wäre also ein Halbjude

mit deutscher Frau und Kindern nicht zu evakuieren.

Himmel. - Ich bin schon lange raus.

Halbjude mit deutscher Ehefrau und Kindern.

Das ist korrekt. Wird nicht evakuiert.

Schön. Aber nun hat dieser Halbjude einen Bruder.

Der ist naturgemäß ebenfalls Halbjude.

Er hat weder geheiratet, noch hat er Kinder.

Er wird nach Ihrem Vorschlag evakuiert.

Korrekt. Und wie erklären Sie das der Familie?

Der vollarischen Frau? Der vollarischen Verwandtschaft?

Man kann alles dramatisieren. Tue ich nicht.

Ich denke das nur zu Ende.

Man kann nicht Vierteljuden wie Deutsche behandeln,

aber zeitgleich ihre halbjüdische Familie in den Osten evakuieren.

Was sagen Sie dem vierteljüdischen Soldaten auf Heimaturlaub,

warum seine Verwandten auf dem Bahnsteig gegenüber

in einem Viehwaggon gen Osten fahren?

Das sind doch alles Einzelfälle.

Ich neige dazu, Doktor Stuckart recht zu geben.

Eine Beunruhigung der Bevölkerung

ist auch aus Sicht des Führers unbedingt zu vermeiden.

Ich erinnere nur an die Euthanasie-Aktion

der Zentraldienststelle T4.

Das hat Wellen geschlagen.

Ich finde, Stuckart verkompliziert die Dinge.

Sie sind kompliziert.

Deswegen hat der Führer in dieser Fragestellung

auch keine andere Weisung erteilt.

Aber vielleicht halten Sie

sich in dem Punkt für klüger als der Führer.

Er spricht von der Endlösung.

Alles Jüdische hat aus dem Volkskörper ausgemerzt zu werden.

Ihre Vorschläge erschaffen unerträgliche Zustände.

Im Extremfall sogar Chaos. Und aus Chaos erwächst Widerstand.

Als Feind wollen wir die Mischlinge sicher nicht haben.

Er ist durch seine hochwertige germanische Erbmasse

gefährlicher als der Jude.

Hochwertige Halbjuden?

Haben Sie einen konstruktiven Vorschlag?

Sehr gute Frage.

Mein Vorschlag lautet, nichts zu tun.

Wir sollten gar nichts tun.

Das ist jetzt aber nicht Ihr Ernst?

Halbjuden dürfen nur Deutsche ehelichen.

Der jüdische Anteil verliert sich also

mit jeder Generation von alleine.

Schon die Kinder sind nur Vierteljuden.

Da sind wir ja in 100 Jahren nicht fertig.

Halbjude, Vierteljude.

Wenn mir seine Nase nicht passt, ist mir das Jude genug.

Ein ziemlich grobes Raster, finden Sie nicht?

So kommt keiner in die Versuchung, mich als Judenfreund zu sehen.

Mir ist bewusst, dass Sie im Osten Großes leisten.

Bitte glauben Sie nicht,

dass ich hier an meinem Schreibtisch weniger leiste,

nur weil ich nicht bis zu den Knien im Judenblut wate.

Ohne unsere Gesetze stünde unser Reich nicht da,

wo es heute steht.

Niemand wirft Ihnen fehlendes Engagement vor, Doktor Stuckart.

Wie gesagt, wir suchen nach Wegen der größtmöglichen Vereinfachung.

In diesem Falle schlage ich Sterilisationen vor.

Sterilisation?

Wie darf ich das verstehen?

Zwangssterilisationen.

Für sämtliche Mischlinge, ohne Ausnahme.

Weniger aufwendig als Deportationen

und unter dem Standpunkt der Rassenhygiene absolut hinreichend.

Interessanter Vorschlag, Doktor Stuckart.

Alle biologisch gefährlichen Elemente

würden von der Fortpflanzung ausgeschlossen.

Die Gefahr der rassischen Zersetzung wäre gebannt.

Ist das technisch überhaupt durchführbar,

in dieser Größenordnung?

Das müsste man prüfen.

Vor die Wahl gestellt,

ob er evakuiert oder sterilisiert werden soll,

würde sich der Mischling sicher lieber

der Sterilisation unterziehen.

Als Blutgruppe wären die Mischlinge am Ende.

Als Arbeitskraft blieben sie uns erhalten.

Das ist eine maßgeschneiderte Lösung.

Zwangsscheidungen wären ebenfalls denkbar.

Sie wollten die Dinge vereinfachen. Bitte sehr.

Also, ich, ähm...

Hier stehen noch ein paar Vorschläge zum Thema Mischehen.

Also, Ehen zwischen Deutschblütigen und Volljuden.

Wir unterbrechen.

Doktor Stuckart?

Meine Herren,

im Salon finden Sie frischen Kaffee, Süßspeisen und Cognac.

Wir fahren in wenigen Minuten fort.

Das Arbeitspapier zu den Mischlingen bitte zum Protokoll.

Sie haben gute Argumente. Und Sie verstehen, sie vorzutragen.

Und dennoch gehen Sie das Thema unvermindert an.

Manchmal...

Erlauben Sie mir die Ehrlichkeit.

Manchmal frage ich mich, ob Sie sich...

wegen dieser guten Argumente gegen unsere Vorschläge wehren, oder...

weil es eben Ihre Gesetze sind, die hier zur Debatte stehen.

Ich wünschte, Sie würden uns Juristen

nicht alleine als Bremsklotz Ihrer Lokomotive begreifen.

Mein Hauptamt ist voller Juristen.

Das ist ein anderer Schlag.

Wie Herr Doktor Schöngarth. Oder Doktor Lange.

Ich schätze Einsatzfreude und Tatbereitschaft.

Juristen,

die für Kompliziertheiten und Zweifel sorgen,

kann ich weniger gebrauchen.

Denken ist schön.

Aber Handeln ist besser.

Ein Handeln ohne Denken erreicht nichts.

Man schüttet das Kind mit dem Bade aus.

Zwangssterilisationen.

Meinen Sie das ernst?

Oder schlagen Sie das nur vor, weil Sie wissen,

dass wir Monate brauchen werden, um das zu prüfen?

Genau wie Sie sehe ich mich dem Führerwillen verpflichtet.

Ich argumentiere nicht gegen Ihre Pläne einer Endlösung.

Ich argumentiere lediglich

für die Notwendigkeit einer geordneten Entrechtung.

Ich habe den größten Respekt vor dem, was Sie

aus dem Reichssicherheitshauptamt gemacht haben.

Eine weltanschaulich gefestigte, kämpfende Verwaltung,

bereit zum radikalen Durchgreifen.

Aber vergessen Sie nicht, dass nicht ganz Deutschland so ist.

Die Menschen brauchen Regeln und Normen. Klarheit und Orientierung.

Das Wissen, dass alles seine Ordnung hat.

Vielen Dank.

Wir werden das prüfen. Ich danke Ihnen.

Abgesehen davon haben Sie natürlich recht.

Ich habe zehn Pfund Judengesetze verfasst.

Wenn Sie mir die wegnehmen,

kann ich genauso gut ohne Hose ins Büro gehen.

Das müssen wir natürlich unbedingt verhindern.

Hat Ihre Frau sich eingelebt?

Bei meinem letzten Besuch hatte ich den Eindruck,

dass sie sich in Prag nicht wohlfühlt.

Längst verflogen.

Neulich meinte sie:

"Ich bin eine Prinzessin und wohne in einem Schloss."

Das freut mich zu hören.

Und bei Ihnen? Was macht der Nachwuchs?

Ein paar Wochen sind es noch.

Besuchen Sie uns.

Sobald wir es einrichten können.

Planen Sie, nach dem Krieg Ihren Wohnsitz hierher zu verlegen?

Das Haus steht Ihnen.

Möglicherweise.

Das würde uns zu Nachbarn machen.

Unsere Kinder könnten gemeinsam im Wannsee schwimmen.

Ein schöner Gedanke.

Es gab eine Absprache zwischen dem Reichsführer-SS

und Generalgouverneur Frank.

Und es ist mein gutes Recht,

auf die Einhaltung dieser Absprache zu bestehen.

Sie haben Heydrich gehört. Mehr kann ich nicht für Sie tun.

Wir wollen nicht verantwortlich sein für ein riesiges Elendsgebiet

mit Millionen dahinvegetierenden Juden.

Damit kann ich Frank nicht kommen.

Ich hole mir einen Kaffee. Darf ich Ihnen auch einen bringen?

Ich dachte, hier wird gearbeitet.

Meine Herren, wir fahren fort.

Bleiben Sie hier. Wir sind fast am Ende.

Wir können zum informellen Teil übergehen.

Meine Unterlagen, bitte. Wenn Sie möchten.

Stuckart und ich hatten ein gutes Gespräch.

Holen Sie Kritzinger.

Gibt es Fragen zum jetzigen Zeitpunkt?

Ich sehe mich gezwungen,

noch einmal nach dem genauen Ablauf der Endlösung zu fragen.

Und ich muss erneut auf die unbedingte Notwendigkeit hinweisen,

mit den geplanten Entlastungsmaßnahmen

bei uns im Generalgouvernement zu beginnen.

Warum ausgerechnet bei Ihnen?

Es ist nicht akzeptabel, dass wir die größten Endlösungsräume stellen

und zum Müllhaufen des Reichs gemacht werden,

auf dem alle ihre Juden und Zigeuner und Asozialen abladen,

und wir gleichzeitig auf unseren eigenen Juden sitzen bleiben.

Seuchen, Schleichhandel, Kriminalität.

Schön, Bühler, damit wir uns nicht erneut ereifern, geschenkt.

Polenjuden zuerst.

Verzeihung? Sie haben mein Wort.

Wir fangen im Generalgouvernement an.

Mit schönen Grüßen an Generalgouverneur Frank.

Und darf ich davon ausgehen,

dass diese Verabredung so im Protokoll festgehalten wird?

Obersturmbannführer? Es wird vermerkt.

Darf ich dagegen davon ausgehen, dass Ihr Generalgouverneur

nicht mehr in unsere Aktionen hineinregiert?

Federführung in Sachen Endlösung bei uns?

Keine weiteren Fragen. - Gott sei Dank.

Aber ich hätte noch eine Frage.

Ich störe ungern die allgemeine Fröhlichkeit,

aber seit Beginn der Besprechung

stellt sich mir eine wiederkehrende Frage grundlegender Natur.

Bitte. Fragen Sie. Danke.

Wir haben jetzt viel über die Endlösung erfahren,

aber so gut wie nichts über konkrete Lösungsmöglichkeiten.

Das Reichssicherheitshauptamt weiß, was es tut.

Nun, mir stellt sich die Frage,

ob wir hier über bloße Absichtserklärungen sprechen,

oder über realistische Ziele.

Ich kann versichern, wir bauen keine Luftschlösser.

Wenn Sie erlauben, ich habe einige Berechnungen angestellt,

anhand der mir vorliegenden Einsatzgruppen-Berichte.

Nehmen wir mal die Sonderbehandlung ukrainischer Juden,

Ende September, durchgeführt von der Einsatzgruppe C

unter Leitung von Obergruppenführer Jeckeln.

Einer unserer Besten.

Ich rede von den Maßnahmen gegen die Juden von Kiew.

Die Juden verhielten sich

dank beruhigender Vorabmaßnahmen weitgehend kooperativ.

Und für die weitere Entsorgung

konnte eine natürliche Schlucht genutzt werden.

Das Ausheben von Gräben entfiel demnach.

Ich weiß. Die Schlucht von Babyn Jar.

Teile der sechsten Armee waren dabei, unter von Reichenau.

Gott hab ihn selig. - Darauf möchte ich hinaus.

Man könnte in diesem Fall

von geradezu idealen Bedingungen sprechen.

Und dennoch erforderte die Sonderbehandlung von 33.771 Juden

einen Zeitraum von rund 36 Stunden.

1000 in der Stunde. Was gibt es daran auszusetzen?

Genau genommen sind es 938.

Wenn Sie dies nun

mit der von Obersturmbannführer Eichmann erwähnten Zahl

von elf Millionen hochrechnen möchten,

dann macht das rund 11.270 Stunden.

Oder 488 Tage.

Worauf wollen Sie hinaus?

Im Rahmen der Endlösung müssten unsere Männer das,

was in Babyn Jar getan wurde, 488 Tage lang tun.

Tag und Nacht wohlgemerkt, ohne Unterbrechung.

488 Tage Juden erschießen.

Alte, Frauen und Kinder.

938 in der Stunde. - Ich bitte Sie.

In dieser Form ist Ihre Berechnung doch arg hypothetisch.

Die Arbeit verteilt sich auf viele Schultern, an vielen Orten.

Allerdings sprechen wir in der Tat von elf Millionen Schuss Munition.

Und das in Kriegszeiten.

Aber nur, wenn jeder Schuss sitzt.

Dass wir mit Erschießen allein nicht hinkommen, das stimmt.

Aus dem Grund entstehen derzeit Institutionen,

deren einziger Zweck darin besteht,

diese Zahlenproblematik zu unseren Gunsten zu entschärfen.

Vielleicht liegt es daran,

dass ich etwas älter bin als die meisten in der Runde,

oder Pfarrerssohn,

aber für mich stellt sich hier auch eine Frage moralischer Natur.

Mit Verlaub, das muss ich mir nicht anhören.

"Die armen Juden. Die lieben Frauen und Kinder."

Wir tun unsere Pflicht.

Und dafür lassen wir uns nicht mit Dreck bewerfen.

Sie missverstehen mich. - Ich verstehe Sie durchaus.

Lange sind Sie auch angegangen mit Ihrer Humanitätsduselei.

Ich muss die Kameraden entschieden in Schutz nehmen.

Die Juden kriegen ein Strafgericht, das barbarisch wirkt,

das sie aber vollauf verdient haben.

Ich bin überrascht, dass Sie diese Diskussion noch führen.

Es besteht eine Notwehrsituation.

Wenn wir uns der Juden nicht erwehren, vernichten sie uns.

Bitte, meine Herren. Meine Sorge gilt doch nicht den Juden.

Auch mir ist bewusst,

dass die Geschichte der jüdischen Rasse zu Ende geschrieben ist.

Meine Sorge gilt alleine unseren Männern.

Und der seelischen Belastung, die die Endlösung für sie darstellt.

Sie meinen, für Wehrmacht, SS und Ordnungspolizei?

Wir sprechen doch hier von jungen,

noch nicht vollständig gefestigten Menschen.

Wir waren doch auch einmal diese Menschen.

Uns solche Erlebnisse wie bei den Sonderaktionen in Kiew,

über 33.000 zu Bergen aufgetürmt,

ja, so etwas führt doch unweigerlich zu Rohheit.

Sadismus. Zu seelischen Erkrankungen und Alkoholismus.

Für meine Männer kann ich sagen, dass wir unser Handwerk verstehen.

Wir erschießen mit aufgesetztem Bajonett, von hinten im Knien.

Es kommt kaum zu Fehlschüssen.

Sie dürfen sich durchaus geordnete Abläufe vorstellen.

Das mag ja alles sein.

Aber wir wollen doch diese Männer

als gesunde deutsche Männer zurückbekommen.

Ehemänner deutscher Frauen. Väter deutscher Kinder.

In unseren Lazaretten tauchen in der Tat

zunehmend nervliche Erkrankungen auf,

ausgelöst durch die schweren Erlebnisse im Osten.

Das ist nicht zu leugnen.

Mir wurde berichtet, dass einige Männer,

die teilgenommen haben, mit den Nerven mehr runter waren als die,

die dort erschossen wurden.

Rohheit. Sadismus.

Nur weil sich einer im Dienst dem Juden gegenüber

hart und unbarmherzig zeigen muss,

ist er immer noch ein anständiger Deutscher.

Kann ich bestätigen.

Es herrscht gewiss ein rauer Ton.

Aber bei uns wird weder geklaut, noch geflucht oder...

Oder geprügelt oder sich unredlich verhalten.

Niemand zweifelt an Ihrer Anständigkeit, meine Herren.

Dennoch bin ich Ministerialdirektor Kritzinger

dankbar für seine Frage, der wir uns nicht verschließen wollen.

So mancher, der eben noch sehr eifrig

über die Notwendigkeit der Endlösung doziert hat,

wird beim konkreten Anblick der Endlösung doch ganz still.

Der Reichsführer-SS persönlich hat, wenn ich das einwerfen darf,

einer Erschießung beigewohnt und sofort den Befehl erteilt,

eine humanere Methode zu suchen.

Humaner? Für unsere Männer?

Selbstverständlich.

Ich hatte Ihnen eingangs versprochen,

dass Sie am Ende unserer Sitzung erkennen werden,

dass wir in der Lage sind, sämtliche Fragen zu beantworten.

Obersturmbannführer?

Im rückwärtigen Frontgebiet oder dort,

wo ein Transport auf der Schiene zu aufwendig wäre,

werden wir in Zukunft ohne Erschießungen nicht auskommen.

Für die Endlösung aber ist die Methode zu ineffizient

und hat am Ende negativen Einfluss

auf die Funktionstüchtigkeit unserer Männer.

Die Funktionstüchtigkeit meiner...

Doktor Schöngarth, bitte.

Die anderen, effizienteren und für das Seelenleben der Beteiligten

weniger belastenden Methoden basieren auf Erkenntnissen

der Euthanasie-Aktion der Zentraldienststelle T4.

Die Aktion Gnadentod? - Proteste haben die abgebrochen.

Und der Kirchen.

Bei den Judentransporten halten sie sich höflich zurück.

Bei den Verrückten schreien sie.

Dennoch. 70.000 wurden geschafft. Immerhin.

Nach Einstellung wurden die Herren für uns tätig.

Verzeihung.

Wenn wir von den Brack'schen Methoden sprechen,

dann sprechen wir von Gas?

Das ist korrekt.

Welches andere Mittel ist so effizient?

Meine Herren,

die Weltkriegsteilnehmer unter uns erlebten, was das heißt.

Gas. Giftgas. Wenn du im Schützengraben liegst.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, meine Herren,

aber ich finde diesen Gedanken erschreckend.

Das ist über 20 Jahre her. Da hat sich einiges getan.

Ich inspizierte in den letzten Monaten das Lager Kulmhof

sowie das Lager Belzec unter Hauptsturmführer Wirth.

Beide Einrichtungen nutzen Kohlenmonoxid.

In Kulmhof werden Laster mit gasdichten Aufbauten verwendet.

Belzec verfügt über Räume, in die Gas aus Flaschen

oder aber stationären Panzermotoren eingeleitet wird.

Ferner gibt es neuere Erkenntnisse von Obersturmbannführer Höß.

Bitte, wem?

Er befehligt ein Lager für Russen in Ostoberschlesien.

Der Obergruppenführer erwähnte es bereits. Auschwitz.

Höß' Männer haben dort sehr aussichtsreiche Ergebnisse erzielt

beim Verwenden eines Mittels der Schädlingsbekämpfung.

Handelsname "Zyklon B".

Schädlingsbekämpfung? Interessant.

Schiffsladeräume. Silos.

Großraumdesinfektion. Na, das passt doch.

Es wird auch für verunreinigte Uniformen benutzt.

Der verwendete Wirkstoff ist Blausäure,

an ein Granulat gebunden.

Beim Kontakt mit Luft entsteht ein schnellwirkendes Gas.

Eine eher zufällige Entdeckung.

Es kam durch fehlerhafte Verwendung zu Unfällen.

So sind die Kameraden darauf gekommen.

Wir erklären also die fehlerhafte Verwendung

zu sachgemäßer Verwendung?

Genau so.

Wir erhalten das Granulat in Form von handlichen Kanistern.

Fertig portioniert.

Der Hersteller kann es auch ohne beigesetzten Warnstoff liefern.

Wenn man das Gas bemerkt, ist es also bereits zu spät.

Laut Höß verlief die letztjährige Probevergasung

an russischen Kriegsgefangenen, rund 900, sehr zufriedenstellend.

Und worauf läuft das hinaus? Kohlenmonoxid oder Blausäure?

Höß ist sehr überzeugt von seiner Methode.

Im Moment ist es eher ein Gedankenspiel,

aber es wäre möglich,

das Lager Auschwitz umzustellen von Russen auf Juden.

Ich plane, dem Reichsführer-SS vorzuschlagen,

auf allen Schienen weiterzufahren.

Konkurrenz belebt das Geschäft.

Wie müssen wir uns diese Vorgänge im Detail vorstellen?

Die Juden erreichen unsere Einrichtungen,

wie geschildert, per Zug,

werden dann nach Arbeitsfähigkeit selektiert

und geben ihre Besitztümer ab.

Unter Vorspiegelung einer Desinfektion

werden sie sodann in luftdichte Vergasungsräume verbracht.

Der jeweilige Wirkstoff wird von außen eingebracht.

Der Vorgang selber, korrekt durchgeführt,

ist nach zehn bis fünfzehn Minuten erledigt.

Anschließend erfolgt die Belüftung der Räume

sowie Abtransport und Entsorgung.

Mittelfristig planen wir die Verbrennung in Hochleistungsöfen.

In Auschwitz entstehen bereits Modelle der Firma "Topf & Söhne",

wobei wir die Kapazitäten

natürlich erheblich erweitern müssen.

Vom Zug gleich ins Gas. Es ist also keine Unterbringung erforderlich?

- Das ist sehr effizient. - Einen Moment, bitte.

Ist dadurch keine Beunruhigung

der benachbarten Bevölkerung zu befürchten?

Das fehlt mir gerade noch.

Wir achten auf geografische Abgeschiedenheit.

Unsere Anlagen benötigen nur Gleisanschluss

und besiedlungsfreie Zonen in der Nähe, um den Geruch zu verringern.

Wie viele der Anlagen gibt es derzeit?

Kulmhof entlastet das Lager Litzmannstadt.

Belzec ist kurz vor Inbetriebnahme.

Im Lager Sobibor beginnen in Zeitkürze Baumaßnahmen.

Weitere Überlegungen gibt es für Treblinka.

Und Auschwitz steht als Möglichkeit im Raum.

Haben wir für so viele Einrichtungen die nötigen Männer?

Der Betrieb ist nicht personalintensiv,

da wir Juden und auswärtige Hilfskräfte einbinden.

Unsere eigenen Männer kümmern sich lediglich

um das Sichern geordneter Abläufe sowie das Freisetzen der Gase.

Aber der Anblick dieser vielen Toten? Der Transport zu den Öfen?

Wird erfolgen durch Arbeitsjuden,

die wiederum schlussendlich ebenfalls sonderbehandelt werden.

Elegant.

Und die Kapazität ist der Größe unserer Aufgabe gewachsen?

Noch sind wir in der Planungsphase.

Abläufe müssen gefunden und optimiert werden.

Aber technisch spricht nichts dagegen,

gasdichte Räume für bis zu 1000 Personen herzustellen.

Lager Auschwitz böte sogar Platz für mehrere Räume dieser Art,

sodass wir jederzeit in der Lage wären,

einen voll beladenen Zug in einem Schwung abzuarbeiten.

Dieser Vorgang kann selbstverständlich

mehrmals am Tag wiederholt werden.

Herr Ministerialdirektor, Sie wirken...

skeptisch?

Das alles mag vielleicht

unsere Probleme mathematischer Natur lösen.

Aber was genau ist daran besser als Erschießen?

Ich habe Exekutionen im Ostland

und dem Einsatz der Speziallaster in Kulmhof beigewohnt,

und ich schäme mich nicht zu sagen,

dass mir beides auf den Magen schlug.

Die stationären Anlagen

erlauben arbeitsteilige, strukturierte Abläufe.

Es kommt zu praktisch keinem Kontakt

zwischen Betroffenen und Ausführenden.

Jede Nähe und mitleiderregenden Reize fallen weg.

Ich und alle beteiligten Spezialisten sind überzeugt,

dass wir einen angenehm technischen,

effizienten und vollkommen anonymen Vorgang erreichen,

der von unseren Männern

auf eine distanzierte Art durchgeführt werden kann.

Sehr beeindruckend.

Das Ganze scheint mir gut durchdacht.

In der Tat.

Davon sind wir überzeugt. Sehen Sie das auch so?

Nun...

Wenn uns das wirklich die Blutbäder der Erschießungen erspart

und unsere Männer dadurch geschont werden,

dann ist mir das eine große Erleichterung.

Zu wissen, dass wir alles getan haben, was menschenmöglich ist.

Auch wenn mir lieber wäre,

die Juden würden sich einfach in Luft auflösen.

Wer würde nicht lieber in Frieden leben?

Aber das Schicksal hat nun mal unsere Generation ausgewählt,

diese Aufgabe zu lösen.

Und wir können uns nicht verweigern,

nur weil sie uns zuwider ist.

Wir sind gleichsam Ärzte am deutschen Volkskörper.

Und kein Arzt sägt seinem Patienten gerne ein Bein ab.

Aber was, wenn es die einzige Möglichkeit ist,

das Leben des Patienten zu retten?

Meine Herren, damit sind wir durch.

Wenn es keine weiteren Fragen zu diesem Thema gibt,

würde ich vorschlagen, dass Vertreter der Zentralinstanzen

die Gespräche auf Referentenebene fortsetzen.

Mein Referat wird sich diesbezüglich

mit den Dienststellen ins Benehmen setzen.

Erhalten wir ein Protokoll?

Ebenfalls über uns.

Dann danke ich für Ihr Kommen

und wollte noch einmal darum gebeten haben,

uns bei der Durchführung der Endlösung auch weiterhin

Ihre geschätzte Unterstützung zukommen zu lassen.

Das war es.

Obergruppenführer.

Meine Mitschrift, Obersturmbannführer.

Die werden wir nur grob zusammenfassen.

Schicken Sie mir Ihre Notizen?

Ich lege sie auf Ihren Schreibtisch.

Tun Sie das. Ich rufe Ihnen einen Wagen.

Vielen Dank.

Gute Arbeit, Eichmann. Danke, Gruppenführer.

Interessanter Tag.

Manche Dinge überlässt man wohl besser den Jüngeren.

Wir werden sehen, was von den großen Plänen übrig bleibt.

Das Arbeitspapier zu den Mischlingen,

das nehmen Sie mir doch nicht übel?

Wir sind Beamte. Wir sind unseren Ämtern verpflichtet.

So ist es.

Ich habe so viele Jahre mit Judengesetzen verbracht,

nimmt man sie mir weg, verliere ich keinen Schlaf.

Sie geben doch wohl nicht auf. Nicht ohne Gegenwehr.

Ich verabschiede mich. Ich habe um vier noch eine weitere Besprechung.

Umstrukturierung im Postministerium.

Na, Sie haben ja eine Kondition. - Wir müssen alle Opfer bringen.

War doch gar nicht so schlimm.

Mein Bedarf an Besprechungen ist erst mal gedeckt.

Sie haben sich gut geschlagen. - Na ja.

Ich kenne da ein paar sehr gediegene Berliner Etablissements,

wo man sich aufs Angenehmste erholen kann.

Klingt interessant.

Für Sie auch einen? Da sage ich nicht Nein.

Danke Ihnen.

Für Sie auch einen Cognac?

Ich habe noch Termine. Aber lassen Sie sich nicht abhalten.

Ich hoffe, Sie sind zufrieden mit den Ergebnissen.

Zustimmung für den Plan von allen Beteiligten.

Niemand zweifelt an unserer Führung.

Gelungene Veranstaltung.

Protokoll wie immer? Zuerst an mich.

30 Durchschläge? Versand als geheime Reichssache.

Kleiden Sie alles in dienstliche Worte.

Wir wollen niemanden erschrecken.

Aber es darf ruhig jeder der Herren nachlesen,

woran er mitgewirkt hat.

Nicht dass es heißt, dass keiner was wusste.

Verstehe. Schön. Marschziel für heute erreicht.

Hat sich doch gelohnt, nach Berlin zu kommen.

Ich wünsche einen erfreulichen Nachmittag.

Ihnen auch. Und einen guten Rückflug.

Danke.

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