All language subtitles for Landgericht.Geschichte.einer.Familie.Teil.1.German.2017.AC3.DVDRip.x264-OMGtv

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Original subtitles

* getragene Musik *

* leises Geschirrklappern *

Richard Kornitzer

Claire Kornitzer

* spannungserzeugende Musik *

Komm, Großer, aufstehen. Korn m.

Es geht los.

Komm.

Mausi, aufstehen. Komm.

Komm, wir m üssen los. Aufstehen.

Heiße Schokolade.

Dan ke.

(Georg) Gibt's noch Leberwurst? So, hinsetzen.

So.

(Georg) Das Brot ist hart. - (Selma) Krieg ich 'nen Kakao?

(Selma) Bitte.

Willst du ein Marmeladenbrot?

Mhm,ja.

Ihr kommt bald nach, oder?

So schnell wir können.

Und wann ist das?

Wir wanen auf unser Visum.

Aber wir beeilen uns, versprochen.

Ja, aber wann?

Das wissen wir auch noch nicht.

Sielassen nurjüdische Kinder nach England. Keine Erwachsenen.

(schmunzelnd) Was wird das? Wird das ein Marmeladensee'?

Kleine Marmeladenschnute.

* Sie lacht. *

Lass mich mal kosten.

(genussvoll) Mm h.

Georg, beeil dich bitte.

* Toilettenspülung *

Komm. So, kommt.

Bist du drin? Ja.

So, jetzt Iauf. Die Jacke mach ich draußen zu.

Habt ihr alles? Georg, dein Rucksack.

Komm mal her, ich helf dir.

So, Iauf. So, los.

* düstere Musik *

Selma. Selma, warte.

Selma, wo willst du denn hin? Selma!

Wo willst du denn hin? Wir haben Dada vergessen.

Wir haben Dada vergessen.

Selma, die muss noch was erledigen, hier in Berlin.

Da habt ihr noch geschlafen. Sie kommt dann sofort nach.

Das sollte ich dir sagen, das hab ich vergessen. 'tschuldige.

Jetzt müssen wir uns aber beeilen. Sonst verpassen wir den Zug.

Los jetzt.

Kornitzer. Ah ja. Da rüber.

Dan ke.

Kommt, beeilt euch.

Los jetzt.

Schnell, kom mt jetzt.

Da vorn ist es.

* Stimmengewirr *

Guten Morgen. Sie sind?

Kornitzer. Selma und Georg Kornitzer.

Guten Morgen. Guten Morgen.

'Tschuldigung. Das macht nichts.

Guten Morgen. Sie sind ein bisschen spät.

So.

Deine Nummer ist die 126.

Kannst du dir das merken? - Mhm.

Ja?

Und für dich die 127.

So. Herzlichen Dank.

Vielen Dank.

Auf den Koffer kommt auch die Nummer.

In England kannst du endlich wieder zur Schule.

Du bist mein Großer.

(Mädchen) Ich möchte nicht gehen.

* Weinen, tröstendeWone *

Nein!

Liebe Eltern.

Sie dürfen nicht mit auf den Bahnsteig.

Die Polizei erlaubt das nicht. Wir bringen Ihre Kinder an den Zug.

Bitte verabschieden Sie sich.

Danach kommen alle Kinder zu mir und wir gehen rüber an den Zug.

Bitte nehmen Siejetzt Abschied.

Ja.

Keine Angst, mein Großer. Komm her.

(Selma) Ich will nicht weg. Ich will hierbleiben.

Ich lieb dich über alles.

Es wird alles gut.

Wir kommen bald nach. Du bist mein Großer, hörst du?

Ja, Papa. Okay, gib mir einen Kuss.

Komm mal her, Junge. Ich heb dich kurz hoch.

Passt gut auf euch auf.

Ich hab zwar deinem Bruder gesagt, er soll auf dich aufpassen.

Aber pass du auf ihn auf.

Ja.

So.

(Frau) Alle Kinderjetzt in diese Richtung, hinter mir her.

Langsam.

* Zugbrem sen quietschen. *

(Kind) Ich will nicht.

* Stimmengewirr *

*Weinen *

* unheilvolle Musik *

(Frau) Los, alle Kinder in die Züge!

Guck mal, Selma. Mama und Papa. - (Frau) Hier, hier!

(Georg) Mama! Papa!

Ihr beiden, kommt jetzt. Da in den Zug.

(Frau) Kommt.

(Frau) Schneller!

* Kinder reden durcheinander. *

*Signal *

(Mädchen, aufgelöst) Nein!

*Weinen *

(Kinderstim men) Papa! Mama! Richard!

(Kind) Papa!

Georg! Georg!

Georg! Papa!

Habt ihr einen Platz? Ja! Selma auch? Sitzt ihr gut?

(Mann) Ich hol dich raus. Sei vorsichtig.

Kümmer dich um Selma! Pass auf Selma auf!

Pass auf Selma auf.

(Georg) Papa! Wir kommen nach!

Richard!

*Zughorn hallt in der Ferne. *

*Kinderjuchzen. *

(Mädchen) Hab dich!

* sanfte Klavierm usik *

* Regenprasseln *

* unbeschwene Klaviermusik *

Hallo! Kann ich helfen?

Guten Morgen. Guten Morgen.

Wohin? Bitte stellen Sie's hierhin.

Bisschen nass geworden.

(Frau) Ja? - Das wollteich Ihnen zeigen.

Morgen, Richard. Guten Morgen, Herr Roth.

Wir haben über Ihren Prozess gelesen.

Ja. Ihre Frau sagt, Sie machen jetzt richtig Karriere.

Na, ich tu, was ich kann.

Ich muss dann auch weiter. Herr Roth.

Frau Roth, Ihnen einen angenehmen Tag.

Schönen Tag, Richard.

* Musik verstummt. *

Herr Dr. Kornitzer, warten Sie.

Ja? Hat man Ihnen nicht Bescheid gegeben?

Beamte nichtarischer Abstamm ung sind vorerst beurlaubt,

bis das neue Gesetz in Kraft tritt.

Welches Gesetz? Dass Juden in den Ruhestand

Mein Prozess beginnt gleich. Ich muss.

Ihr Prozess? Ja.

Waren Sie zu dieser Zeit an Ihrem Arbeitson?

Herr Dr. Kornitzer.

Es gibt eine andere Disposition. Hat man Ihnen das nicht mitgeteilt?

Das kannst du doch nicht wollen.

Wir sprechen Recht, Hans. Du störst dieVerhandlung, Richard.

Hier liegt ein Missverständnis vor. Schaffen Sie den Mann aus dem Saal!

Richard.

Richard.

Wa ne!

Sollte ich auf so eine Chance verzichten?

Aus Solidarität zu dir? Ist das dein Begriff von Freundschaft?

Ich soll dir dieAbsolution erteilen?

Ist das dein Begriff von Freundschaft, ja?

Hier sind Juden unerwünscht.

Herr Dr. Kornitzer. Ist meine Frau da?

Im Schneideraum.

Möchten Sie einen Kaffee?

Ob ich stören darf?

(unsicher) Ich denke, Sie dürfen, Herr Doktor.

Der Anfang funktioniert nicht. Der ist einfach viel zu brav.

Vielleicht nehmen wir zu viel vorweg.

Ich hab's, ich hab 'neldee. Geh noch mal zurück.

StOPP! Stopp, genau.

Da, wo er den Tod vorbereitet. Und ab hier bleiben wir ganz diffus,

nur in so Details, ja? Ja.

Richard.

Setz dich doch.

Äh, ich wollt dich abholen. Aber ich hab doch morgen Abgabe.

Hm?

Wir reden heuteAbend.

Richard? Ja?

Ist irgendwas mit dem Prozess?

Mit dem Prozess ist alles in Ordnung,

nur, er findet ohne mich statt.

* melancholische Musik *

(flüsternd) Ist das eine Hexe?

(Georg) Nein, diesieht nur so aus.

* Schritte hallen auf der Treppe. *

(Selma) Ich will bei dir bleiben.

Selma bleibt hier.

* Tür wird geschlossen. *

Mach die Augen zu, Selma.

Denk an Mama und Papa.

Dann sind sie da.

Siehst du sie?

Ja.

(Brief) "Liebe Selma, lieber Georg,

wir freuen uns so, dass sich ein Ehepaar gefunden hat,

dass sich eurer annimmt."

"Seid bitte nett zu ihnen, damit sie euch gernhaben können."

"Wir sind sehr stolz auf euch, weil ihr so tapfer seid."

"Informationen betreffs Auswanderung.

Luxem burg: Die Grenze für Ein- und Durchwanderer ist gesperrt"

Richard!

Tag.

"Niederlande: Flüchtlinge werden als unerwünschte Personen betrachtet.

Personen, die aus Deutschland in die USA einreisen wollen,

müssen politischeVerfolgung nachweisen."

"Arbeitsangebote: Stellenanzeigen für Juden im Ausland.

Lateinamerika, Paraguay.

Gesucht wird ein perfekter, selbstständiger Bonbonkocher."

Selbstständiger Bonbonkocher

Hier warjemand.

Irgendwas ist doch anders. Was?

Hier riecht's so komisch.

Ich riech nichts.

Lies ruhig weiter.

"Pazifische Inseln, Fidschi-Inseln.

Gesucht: jüdischer Pasteten bäcker, alleinstehender Uhrmacher.

Nicht jünger als 25, nicht älter als 30."

Du kannst dich als Pasteten bäcker ausgeben.

Wir probieren Rezepte aus, das lernst du schnell.

Denkst du, ich geh ohne dich weg?

Und ohne die Kinder?

Richard, hier war jemand.

Viel Glück.

Schalom. - Schalom.

Richard. Kommen Sie.

Sparen Sie an Kohlen, Herr Roth?

Ach.

Es soll ja bald noch kälter werden.

Da ist es vielleicht besser, man spart ein bisschen

und trinkt heißen Tee? Gern.

Haben Sie Nachricht von den Kindern?

Sie sind bei der Pflegefamilie untergekommen.

Solange, bis wir sie holen.

Ich wünsche Ihnen so sehr, dass es recht bald klappt, Richard.

Sogar Amerika hat die Grenzen dicht gemacht.

Ich fahre morgen nach Hamburg zum kubanischen Konsulat.

Von Ihrer werten Frau Mama?

Ein wunderschönes Erbstück.

Ich möchte Claire etwas schen ken, worüber sie sich freut.

Ich dachte an ein Armband, Sterlingsilber.

Sie könnten die Steine benutzen.

Es ist mir eine Ehre,

aus einem schönen Stück ein noch schöneres zu machen.

Ihre Claire hat ja auch Stil.

Auch wenn sie nicht jüdisch ist.

* spannende Musik *

* aufgebrachtes Stirn mengewirr *

(Mann) Das ist alles nicht zu fassen!

Ach. Zu spät.

Mein Kontingent ist erschöpft.

Ich muss Sie bitten, zu gehen.

Ich verstehe, ich hättefrüher kommen sollen.

Aber ich bin nun mal Richter und ich

Auch wenn ich beruflich tief gesunken bin,

ich habe immer noch an Recht und Gerechtigkeit geglaubt.

Sie sind Richter? Ja.

Richter für ...'.7

Ich habe im Zivilrecht gearbeitet.

Auch Patente? Ja.

Meinen Sie, man kann Patente von Deutschland nach Kuba übertragen?

Ja, ja.

Ja, sicherlich. Warum nicht? Ja.

Vielleicht lässt sich was machen.

Wegen der Patente. Verstehe.

Die Adressevon einem Anwalt in Havanna.

Sie dürfen ihn grüßen.

Alles Gute.

Vielen Dank. Ich danke Ihnen.

Bitte. Alles Gute.

Jetzt können wir endlich unsere Kinder aus England holen.

Wir reden von einem Visum, mein Herr. Ein Visum für eine Person.

Ja, das geht nicht.

Für meine Frau und meine Kinder, ich

Ich werde meine Frau nicht zurücklassen.

Meine Frau hat wegen mir ihre Firma verloren.

Sie hat Werbung für Kinofilme gemacht, und zwar sehr erfolgreich.

Ich hätte verstanden, wenn sie sich hätte scheiden lassen.

Ein Visum, eine Person. Bitte!

* jazzige Klaviermusik *

* Musik spielt gedämpft weiter. *

* Musik verstummt. *

"Lieber Richard, ich halte es hier nicht aus."

"Ich geh in unsere Bar."

"Magst du nachkommen?"

* Gesprächsfetzen, Gelächter *

* Jazzmusik *

Claire?

Mensch, ich hab euch hier schon ewig nicht mehr gesehen.

Hast du uns vermisst?

Ja, ich hab euch vermisst.

Dann kannst du dich ja auch zu uns bekennen.

"Ich, Hans Buch, bin befreundet mit einem Juden."

Das wirst du jetzt nicht glauben.

Ich hatte das sogar vor, aber Ja?

Aber? Die Zeit, das

Hans?

Geh lieber wieder zu deinen neuen Freunden.

Glaub mir, ist besser so.

* Gelächter, Musik *

Richard!

Claire, komm hier weg. Wir gehen.

Du hast kein Visum bekommen?

Doch. Aber nur eins.

Aber das ist doch toll, Richard.

Claire, ich habe nur ein Visum bekommen.

Dann kannst du über England fahren und die Kinder sehen.

Claire, ich fahr nicht ohne dich.

Richard.

Du wirst überleben.

Und du?

Ich komm dann nach.

Ich komm dann nach.

* Barlärm bricht abrupt ab. *

Ich wollte es dir eigentlich erst auf dem Schiff geben.

Du musst jetzt gehen, Richard.

Würdest du vielleicht doch mit zum Bahnhof kommen?

Nein.

Sag den Kindern, dass ich ganz fest an sie denke. Ja?

Nicht vergessen.

Wir sehen uns in Havanna, ganz bestimmt.

Ja. Ganz bestimmt.

*traurige Musik *

* Kinder juchzen und lachen. *

* Orgelmusik und Gesang *

Mnd what was in those ships all three

On Christmas Day, on Christmas Day? I'

Guck mal, da sind Geschenke von Mama und Papa.

Pmshipsallthree

On Christmas Day in the morning? I'

"Liebste Selma, liebster Georg, ich wünschte mir,

ich hätte einen Zauberstab."

"Dann würdeich zu ihm sagen:

'Simsalabim, bring uns bitte zu unseren Kindern.

Aber bitte ganz schnell."'

"Auch ein fliegender Teppich wäre schön."

"Der könnte sich in die Lüfte erheben und zu euch fliegen."

"Ich versuche alles, damit wir bald wieder zusammen sind."

"Es drückt euch ganz fest - eure Mama."

*ruhigeMusik*

(mit Nachdruck) Virginia.

Was hat die gesagt?

Dass uns Mama abholen wird.

Aber nur, wenn wir brav sind.

(flüsternd) "Es war einmal ein kleines Mädchen.

Es hatte ein Lied gelernt, indem auch von Rosen die Rede war.

Wir werden das Christkind dann sehen ..."

* heitere Musik *

(Selma) Papa!

Papa!

Wo warst du die ganze Zeit?

* Richard lacht. *

Na, ihr zwei?

(Selma) Jetzt fahren wir heim, oder?

Guck mal, was ich dir mitgebracht habe. Hm?

Du hast Dada mitgebracht! Mann, bist du kräftig geworden.

(Selma) Ich pack jetzt meine Sachen. Wirfahren jetzt heim.

Lasst euch mal anschauen.

Mann, ihr wachst ja wie Unkraut.

Was ist denn das für einetolle Haarspange, hm?

(Selma, singend) Wir fahren jetzt - (Georg) Du hast es versprochen.

Ich habe für euch kein Visum bekommen, Georg.

Was ist ein Visum?

Es wollen jetzt ganz viele Menschen weg aus Deutschland.

Du weißt warum.

Aber dazu braucht man einen Stempel in seinem Pass,

den muss man an der Grenze vorzeigen.

Hat man diesen Stempel nicht,

dann lassen sie einen nicht raus.

Darum musste Mama in Berlin bleiben.

(Selma, singend) Wir fahren jetzt heim, wirfahren jetzt heim

Dann bleibst du einfach hier, bis Mama kommt.

Sielassen nurjüdische Kinder nach England, keine Erwachsenen.

Ich darf nicht hierbleiben,

sonst spem man mich ein.

Dann kommen wir einfach mit ins Gefängnis.

Georg.

Aber wir müssen zu dieser Frau Mutter sagen.

Ich werde mit ihr reden.

Ich werde ihr sagen, dass ihr eine Mutter habt.

Und dass sie bald kommt, um euch abzuholen.

Ja? Hm?

Und was ist, wenn Mama kein Visum bekommt?

Du kennst doch Mama.

Die schafft das, ganz bestimmt.

(singend) Wir fahren jetzt heim, wir fahren

*traurige Musik *

"Liebe Claire, das Schiff ging wie besprochen

von Hamburg über England."

"Und ja, das Museum war geöffnet bei meinem Besuch."

"Ich habe unvergessliche Bilder gesehen,

aber es war auch traurig, wie du dir vorstellen kannst."

* bewegende Musik *

* Besteck klim. *

Mal angenommen Sie würden sich scheiden lassen,

nur zu Ihrem Schutz,

dann könnten Sie, wenn Sie allewieder zusammen sind

noch mal eine Hochzeit feiern mit Richard.

Ihr Huhn ist köstlich, Herr Roth.

Ich würde Ihnen eine Kette fertigen, zu Ihrer Hochzeit, Frau Claire.

Ein Fest, wo wir alle wieder zusammen sind.

Das ist ein guter Gedanke.

Aber dazu brauche ich doch keine Hochzeit.

Nun,

vielleicht doch.

* leises Stimmengewirr *

Dreimal ein Visum?

Gewissermaßen drei?

Ja.

Dreimal Visas.

Das ist viel, drei Visas.

* beklemmende Musik *

Bitte, ich muss weg aus Deutschland.

Ja, was glauben Sie, warum die anderen da draußen sitzen?

Ja, was glauben Sie?

Darf ich wiederkom men?

*gemächliche Musik aus dem Plattenspieler *

* lautes Tü rklopfen *

Frau Claire Kornitzer?

Ja.

Verheiratet mit Richard Israel Kornitzer?

Ja? Wir haben ein paar Fragen.

Ihr Mann hat von seiner verstorbenen Mutter, Adina Kornitzer,

ein Grundstück geerbt. Ist das richtig?

Ja.

Ja.

Für die Begleichung der Reichsfluchtsteuer

hat das Finanzamt dieses Grundstück in Zahlung genommen,

bevor er nach Kuba auswandene. Richtig?

Nachdem er u nsere Wertpapiere

für die Judenverm ögensabgabe abgeben musste.

Ja, das ist richtig.

Es handelt sich um das Grundstück in Berlin-Zehlendorf?

Am Wannsee? Ja?

Haben Sie das Grundstück nach der Inzahlungnahme noch mal betreten?

Ich habe ein paar persönliche Dinge abgeholt.

Nach der Inzahlungnahme?

Zwei Tage später. Es mussteja sehr schnell gehen.

Sie haben das Grundstück also unbefugt betreten?

Das ist doch lächerlich.

Wir machen hier unsere Arbeit, und Sie empfinden das als lächerlich?

Mein Mann hat Deutschland mit 10 Reichsmark verlassen dürfen.

Aber bitte, dann machen Sielhre Arbeit.

An die Arbeit, meine Herren.

* Gläser klirren. *

"Lieber Richard, mach dir bitte keine Sorgen.

Es geht mir gut. Und noch eineschöne Nachricht ..."

Welche "schöne Nachricht" wollten Sie Ihrem Richard denn übermitteln?

Dass ich ihn liebe.

Und was haben Sie davon?

Was hat man davon, zu lieben?

Was hat man davon, sich anständig zu verhalten?

Die ist beschlagnahmt. Die bleibt hier.

* sch m erzerfü I Iter Sch rei *

Durchsuchung beendet.

Nein.

Nicht das Arm band, bitte.

Wenigstens eine menschliche Regung, gnädige Frau.

*Wohnungstürfällt ins Schloss. *

*traurige Musik *

"Lieber Richard, es geht mir gut."

"Die Kinder haben geschrieben."

"Sievermissen uns."

"Aber Selma hat sich sehr über Dada gefreut."

"Georg ist wie ein Erwachsener."

"Er sch reibt, wir sollen uns keine Sorgen machen."

"Müssen wir dann nicht erst recht stark sein?"

"Kom m bitte gut in der neuen Umgebung an."

"In Liebe, CIaire."

*triste Musik *

*wehmütige Straßenmusik *

Buen dl'a. Buenos dias.

* Er spricht schnelles Spanisch. *

Er sagt, Sie müssen im Voraus bezahlen.

Ah, verstehe. - Ein Dollar pro Nacht.

Vielen Dank.

Kommen Sie.

Ich zeig Ihnen das Zimmer. - Gracias.

Auch aus Hamburg?

Nein. Aus Berlin.

Erste Tür links, dann kommt ein kleiner Gang, gegenüber ist die Elf.

Danke schön. Wir sehen uns jetzt öfter.

Ich wohn daneben.

Ach. Ja.

*Straßenlärm dringt ins Zimmer. *

* Der Ventilator macht Lärm. *

* Vogel zwitschern *

* Kubanischer Gesang dringt ins Haus. *

Meine Großmutter war ein Jahr in Berlin.

Sie hat immer gesagt:

"Rodolfo, du musst lernen Deutsch."

Goethe, Schiller

Ihr Konsul war so freundlich und hat mir ein Visum,

aber nur ein Visum gegeben.

Meine Frau ist immer noch in Berlin.

Und unsere Kinder sind in England.

Mit dem jüdischen Kindenranspon.

Meine Frau will unsere Kinder abholen

und dann kommen siezusammen.

Entschuldigung, verzeihen Sie.

Es ist heiß. Ich brauch etwas Luft.

Ich brauch frische Luft.

Sefior.

* Kubanischer Gesang schwillt an. *

* Gesang geht in hämisches Gelächter über. *

* Gelächter verebbt. *

Sefior!

Sefi o r'.7

Vengag

Ich werde nachdenken über Sie, hm?

(leise) Danke.

* Straßenlärm *

* Tü rklopfen, Tür wird geöffnet. *

Darf ich reinkommen?

Ja, bitte.

Probieren Sie mal.

Eine Mamey.

Aha.

Muss man Iöffeln. Mhm.

Waren Sie schon mal in der Karibik?

Ich vorher auch nicht.

Wenn meine Frau kommt

Wir wollen weiter nach Amerika.

Mein Bruder hat in Atlanta einen Laden aufgemacht.

Er sieht genauso aus wie der in Hamburg.

Und schmeckt Ihnen die Mamey?

Das Ich weiß nicht so recht.

Hm. Man isst sich ein.

Hier gibt es übrigens einejüdischeGemeinde,

wenn Sie mitkommen wollen.

Oder sind Sie aus politischen Gründen hier?

Ich bin ein Judevon Hitlers Gnaden.

Wenn mal Not am Mann ist, ich bin im nächsten Zimmer.

Richard.

Richard. Johannes.

Vielen Dank. Gern geschehen.

*Türfällt ins Schloss. *

Ich bin ein hoffnungsloser Fall, ich vergesse alles.

Keine Ordnung im Kalender. Immer nur Chaos.

Cubano!

Aber Deutschland, ein Land der Perfektion.

Sie

Sie können das übernehmen für mich.

Ich habe keineArbeitserlaubnis, sollten Siewissen.

Arbeitserlaubnis?

Für Kalender?

* Er lacht. *

Sie beraten mich in Fragen der Perfektion,

das Kubaner nicht können.

Gut, ich nehme an.

Muy bien.

"Kom m, sobald du kannst. Stopp."

"Bedingung gut. Stopp."

"Wieder mit Justitia Iiien. Stopp."

* rhythmische Jazzmusik *

'tschuldigung!

Frau Kornitzer, was machen Sie hier?

Gehen Sie weiter, Elisabeth. Ich bitte Sie.

Bitte, früher haben Sie mir den Kaffee gebracht

und jetzt bringeich Ihnen den Wein. Was soll's?

Entschuldigung. Unsere Aushilfskraft ist manchmal tollpatschig.

Was sind Sie denn für 'ne Kreatur? - Räumen SiedieSauerei weg.

Verschwi nde!

Ich brauch die Arbeit!

Für dich gibt's hier keineArbeit mehr!

(Passanten, tuschelnd) Was ist denn da los?

* Lokaltür fällt ins Schloss. *

*ruhigeMusik*

Das Geld reicht nicht mehr.

Wie soll ich da ein Visum bezahlen und die Überfahn?

Bitte, Frau Claire.

Essen Sie.

Wenn ich Sie nicht hätte...

Herr Roth.

Und die großen Kartoffeln.

Dann müssten Sie immer kleine essen.

* Ladenglocke *

Gute Nacht, Herr Roth.

Gute Nacht, Frau Claire.

Ich schließe später ab.

* melancholische Klaviermusik *

* Es klopft an der Tür. *

Sieh mal, dort.

Zehn Mark?

Das ist Jugendstil.

Judenstil?

(Kinderstimme) Peng, peng, peng!

Peng, peng, peng!

Was macht ihr hier?

Ihr habt hier nichts zu suchen. Raus! Alle beide, raus!

Was soll das kosten? Das ist unverkäuflich.

Ersticken soll sie an ihrem Geiz.

*Siesummt vor sich hin. *

Mary.

* unheilvolle Klänge *

* Uhnicken *

Selma, komm.

Du bist alt und hässlich!

* hysterisches Kreischen *

* getragene Musik *

(Georg, flüsternd) Komm, Selma, raus.

(Georg) Korn m, schnell!

Ich kann nicht mehr.

(Georg) Wir müssen aber weiter.

Komm. - Wo gehen wir denn hin?

Nach London.

Da suchen wir uns ein Schiff und dann fahren wir nach Kuba.

Georg, ist London weit?

(Georg) Nur ein bisschen.

(Selma) Ist der Hafen groß?

Sogar sehr groß.

Wiefinden wir dann unser Schiff?

Ich lass mir was einfallen.

* getragene Musik *

(Georg) Korn m, Selma!

Richard, hier entlang!

Oh

* Stimmengewirr *

Wa ne, warte!

* Schiffshorn *

Was ist denn los?

Es ist aus Hamburg, aber es bekommt keine Landeerlaubnis.

(Johannes) Aus Hamburg? - (Mann) Ja.

Warum kriegt der keine Landeerlaubnis? Das ist doch absurd.

Ist es sicher? Was soll denn das heißen?

Ich weiß es auch nicht. Was heißt denn das?

Es wird sich aufklären.

Wir wissen noch nichts Genaues.

* Schiffshorn *

Sie lassen die Leute nicht von Bord.

Ich hab siegesehen. Sie stand an der Reling.

Wir sind mit dem Boot herangefahren.

Die Leute haben heruntergesch rien.

Und Ruth stand da, wir haben uns angesehen

und sie hat mir gewunken.

Diejüdischen Hilfsorganisationen schalten sich ein.

Siehst du, Johannes.

Alles wird gut.

Du wirst deine Frau morgen im Arm halten.

Ja, ich werdemir die Ohren zuhalten, weil dieWändedünn sind.

Du bist ein Glückspilz, Johannes.

Deine Frau ist hier.

* Sie verabschieden sich auf Spanisch. *

Sind Sie beleidigt?

Warum hat Kuba die Einwanderungsgesetze geändert?

Sie waren am Hafen?

Ach

Die Gesetze waren ungenau.

Und warum ausgerechnet jetzt?

Ach, jeder weiß, der Präsident der Einreisebehörde ist ein Gauner.

Er hat mit illegalen Visa gehandelt.

Deshalb werden sie für ungültig erklän?

Ihre Familieist nicht auf dem Schiff, Richard.

Es geht nicht nur um meine Familie.

Wenn eure Hilfsorganisation genug Geld zusammenholt,

dann könnt ihr siefreikaufen.

Aber die Summen sind natürlich sehr hoch.

Und wenn sie das Geld nicht zusam men bekom men?

Sie werden sie doch nicht wegschicken?

Hoffen wir das Beste, Richard.

Salud!

* Eine Frau singt auf Spanisch zu Gitarrenmusik. *

* spanischer Gesang *

"Liebe Claire, am 2. Juni 1939

musste die 'St. Louis' die Bucht von Havanna verlassen."

"Die Dominikanische Republik wies die Flüchtlinge ab."

"Amerika verweigerte die Aufnahme."

"Auch Kanada gewähneihnen kein Asyl."

"Das Schiff mit 900 Juden an Bord musste nach Europa umkehren."

"Nach Europa."

"CIaire, es bricht mir das Herz."

"Aber vielleicht sollten du und die Kinder

die Überfahn nach Kuba nicht wagen, es ist zu gefährlich."

* beklemmende Musik *

(von Ribbentrop, Radio) "... für die Weltöffentlichkeit,

insbesondere aber für die Regierungen der neutralen Länder

von allergrößter Bedeutung sind."

"Ich habe zu diesen Dokumenten

im Namen der Reichsregierung Folgendes auszuführen:

"Am 3. September haben die Machthaber in England und Frankreich

dem Deutschen Reich den Krieg erklärt."

"Sie hatten hierzu keinerlei vernünftigen Grund."

"Nun ist wahr geworden, was wir alle befürchtet haben:

Deutschland führt Krieg."

"CIaire, wenn ich wüsste, wie es dir geht."

"Ob du etwas weißt von unseren Kindern,

ob du etwas gehört hast von unseren Kindern."

"Ich hoffejeden Tag auf eine Nachricht."

"Ich ..."

Herr Roth?

* Sie stöhnt. *

* dramatische Musik *

Ah!

* Sie stöhnt. *

* Musik verebbt. *

* Schritte hallen im Treppenhaus. *

*ruhigeMusik*

*traurige Musik *

"Lieber Richard, in Berlin hält mich nichts mehr."

"Ich versuche, mich nach Süddeutschland durchzuschlagen."

"Ich habe kaum noch Hoffnung, dass dich meine Post erreicht."

"Zu den Kindern habe ich seit Längerem keinen Kontakt."

"Wir können nur hoffen und beten, dass es ihnen gut geht."

*ruhigeMusik*

* Das Baby weint. *

* schnelle Musik *

* Wiehern *

Kein Wasser, Selma. - Oh Mann.

Alles gut, alles gut.

Gibt gleich was zu essen.

* Baby weint lauter. *

Was hast du denn da? - Das lag zwischen den Trümmern.

Mensch, Selma, wir werden so schon nicht satt.

Für das Baby. Für dich: Geh klauen.

Was ist da schon wieder los?

Sch.

*Husten *

Georg?

Georg!

* düstere Musik *

Georg ist krank! Wir brauchen einen Arzt!

Er glüht wie Feuer!

Vielleicht wieder einer mit Gelbsucht.

Lasst ihn uns lieber isolieren. - Er muss hier raus.

* dramatische Musik *

Du hältst dich besser von ihm fern.

Georg, kannst du mich hören?

Werd wieder gesund. Georg.

Bitte.

Wie geht's ihm?

Esther, verschwinde.

Hau ab.

*Windspielmusik *

*ruhigeMusik*

"Die Schneeflocken wurden größer und größer.

Ein Schlitten hielt, und die Person, dieihn fuhr, erhob sich.

Es war die Schneekönigin.

'Komm, kriech mit in meinen Bärenpelz hinein.'

'Frierst du noch'.7', fragte sie, und küsste Kai auf die Stirn.

Hu, das war noch kälter als Eis.

Das ging ihm gleich bis ans Herz, das ja schon ein Eisklumpen war."

* Georg stöhnt bibbernd. *

Muss Georg sterben?

Nein!

Natürlich nicht.

*ruhigeMusik*

* schweres Atmen *

* ruhige Klaviermusik *

Georg, bitte.

* ruhige Klaviermusik *

Georg, bitte. Ein kleines Stückchen.

Gut, gut.

Ja.

* hoffnungsvolle Musik *

* Er fragt etwas auf Spanisch. *

* Frau antwortet auf Spanisch. *

Sie sagt, es macht keinen Sinn, immer wieder herzukommen.

Aus Europa kommt keine Post mehr an.

Es ist sinnlos.

(Johannes) Da sitzen sie, die Sozialdemokraten.

Und kämpfen für die Befreiung der Welt.

Manchmal beneide ich sie.

Sie sind so aktiv und optimistisch.

Am liebsten würde ich sagen:

"Lasst mich mitmachen bei eu rer Zeitsch rift."

Mach doch, Johannes.

Ich bin nieauf die Idee gekommen, mich zu wehren.

Ich hab immer nur mein Schicksal gesehen.

Mein ganz persönliches, kleines, privates Unglück.

Große Politik, das war nie meins.

Ich hab mich immer nurfür Rechtsstaatlichkeit interessiert.

Vielleicht war das der Fehler.

Wir haben zu lang gewartet, bis es zu spät war.

Und jetzt warten wir wieder.

"Seit Wochen befinde ich mich in einer seelischen Krise."

"Mein Grundzustand ist es, mich schuldig zu fühlen."

"Zugleich denke ich:

Welches Recht habe ich, mich gehen zu lassen?"

"Angesichts der Tatsache,

Claire im Barbarischen zurückgelassen zu haben."

"Wenn die Hoffnung nicht wäre,

dass ihr einen Unterschlupf gefunden habt

und die Kinder in England aufgehoben sind, was wäre dann?"

"Was wäre dann?"

* getragene Musik *

* Sie unterhalten sich auf Spanisch. *

* Sie seufzt. *

*Sielachen. *

* leise Gitarrenmusik *

* romantische Gitarrenm usik *

* Musik verhallt. *

Du riechst so gut, Tante Claire.

Wie schmeckt der Saft, Boris?

Magst du probieren? Später.

Komm mal, Tante Claire.

Komm.

Manha?

Der Russ

Boris?

Der ist draußen.

* bedrohliche Klänge*

Kommst du her! Manha!

Ihr habt meinen Mann umgebracht!

(Boris) Wir haben den Krieg nicht gemacht!

Du, verschwind! Verschwind!

Verschwindet alle!

* Sie weint laut. *

* Schlürfen *

TanteCIaire, machst du Musik an?

Mhm.

* Klaviermusik *

Wollen wir tanzen?

Na komm.

Komm mal her. Mhm.

So?

Mhm.

* Sie lacht. *

"Lieber Richard, ich kann nicht aufhören, euch zu schreiben."

"Obwohl ich weiß, dass euch meine Nachrichten nicht mehr erreichen."

"Ich glaube, es würde euch hier gefallen."

"Der Krieg ist weit weg,

wir spüren seine Auswirkungen trotzdem jeden Tag."

"Ebenso sorge ich mich jeden Tag um unsere Kinder."

"Wo sind sie? Geht es ihnen gut?"

"Manchmal macheich mir Vorwürfe, sie einfach weggeschickt zu haben."

"Ich wünschte, du wärst hier,

würdest mit deiner ruhigen Stimme sagen:

'Claire, wir hatte keineWahl. Wir haben alles richtig gemacht."'

"Dann könnte ich es vielleicht glauben."

*Ieise Musik*

* spanische Musik im Hintergrund *

No. Quesl'.

* Sie spricht mit den Kindern auf Spanisch. *

* Die Kinder antwonen im Chor. *

* Sie antwortet weinerlich auf Spanisch. *

Es lebe Stalingrad!

Es lebe die Landung der Alliienen in der Normandie!

Macht sie fenig, die deutschen Helden!

Schrei nicht so, Johannes.

Ich trinke darauf, dass Hitler krepien

und mit ihm alle Nazis!

Und ich hoffe, Karibik ist nicht mehr lange.

Darauf trinken wir, Richard.

Stoßen wir an auf unsere Rückkehr nach Deutschland.

Ich hab die kubanische Staatsbürgerschaft beantragt.

Was ist mit deiner Frau?

Ich hab die Staatsbürgerschaft beantragt,

weil ich keine andere mehr hab.

Das war nicht meine Frage. Was ist mit deiner Frau?

Verdammt noch mal. Und mit deinen Kindern?

Wir wollten eine demokratische Gesellschaft aufbauen.

Ja, machen wir, Johannes. Du doch auch!

Ich kehre zurück nach Deutschland! Mach das!

Du doch auch, Richard?

Ja.

Wo willst du denn hin?

Rede mit mir! Mach ich.

* bewegende Musik *

* Gemurmel *

(Selma) Sie liefen aus dem Haus in dieweite Welt.

Es war sehr kalt

und der Wind wehte durch ihre dünnen Mäntel.

Der große Bruder zerne seine kleine Schwester hinter sich her.

"Sch nel Ier", sagte er.

Und endlich erreichten sie ihr Ziel.

Die beiden Kinder standen am Meer und ließen die Flaschenpost ins Wasser.

"Sieh mal", sagte der Junge zu seiner Schwester.

"Sie geht nicht unter, sie schwimmt."

Die Sonne schien hell vom Himmel herab.

Das Meer war glatt und weich.

Hoch oben flog eine weiße Möwe.

"Wo willst du denn hin, kleine Flaschenpost?"

"Nach Kuba."

"Nach Kuba? Aber das ist ein sehr weiter Weg."

"Ich weiß", lachte die kleine Flaschenpost.

"Aber ich habe eine sehr wichtige Botschaft zu überbringen."

"Viel Glück", rief die Möwe und flog weiter.

Plötzlich höne man ein tiefes Donnergrummeln.

(Kind) Erzähl weiter, Selma, bitte.

Bleib da, erzähl weiter.

(Selma) Ich geh aber nicht mit der.

Selma! Selma.

Die haben was zu essen, du kannst in dieSchule, reiten lernen.

Ich will aber nicht reiten lernen!

Zu zweit haben wir keine Chance, aber vielleicht jeder für sich.

Tu's mir zuliebe, bitte. Selma!

* Selmas Schritte entfernen sich. *

* melancholische Musik *

* Selma schluchzt. *

* Vogel zwitschern *

* leise Klavierm usik *

* Klavierm usik spielt weiter. *

*Baby gluckst. *

Wächst ja wie Unkraut.

*Baby gluckst. *

(Churchill, Radio) "This is your vic1ory!"

"Thevic1ory of the cause of freedom ."

*Jubel aus dem Radio *

"In all our Iong history

we have never Seen a greater day than this."

*Jubel aus dem Radio *

* düstere Klänge *

* Gemurmel *

(Mann) Aber leider vergeblich. Sie haben nichts gefunden.

(Frau) Das ist wirklich schade.

(Mann) Ich komme immer wieder hierher.

Dreimal, viermal. Ich geb einfach nicht auf.

Ihr Mann steht auf den Suchlisten der internationalen Hilfsorganisationen.

Und Ihre Kinder auch.

Sie haben schon alles Mögliche in dieWege geleitet, Frau Kornitzer.

Wir sind für Immigranten eigentlich auch gar nicht zuständig.

Sie haben getan, was möglich ist.

Wenn ich selbst nach England fahre, dann könnte ich die Kinder suchen.

Eine Reiseerlaubnis? Nach England?

Aber mein Mann

Der muss doch zu finden sein.

Der ist irgendwo auf Kuba.

* bewegende Musik *

* Musik verklingt allmählich. *

*Ieise Musik*

"Lieber Richard,

endlich habe ich dich wiedergefunden."

"Ich hatte die Hoffnung nie aufgegeben,

dass wir uns wiedersehen.

"Ich warte auf dich in Bettnang, einem kleinen Dorf im Schwäbischen."

"Don wohne ich auf dem Hof der Familie Pfem pfle."

"Bis bald, deine dich liebende CIaire."

* nachdenklich stimmende Musik *

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