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Original subtitles

(Stimmengewirr)

(Hermann) Am Abend des 9. November 1989

hatte ich ein Konzert dirigiert in der Berliner Philharmonie.

Als ich mich am Künstlerausgang von dem Komponisten

und meinem Assistenten verabschiedet hatte,

spürte ich eine eigenartige Vibration,

die sich in der Berliner Nachtluft auszubreiten schien.

Es war, als nähere sich ein ungeheurer Jubel,

den man aber noch nicht hört.

Der sich nur als Erregung des Nervensystems ankündigt.

Erst nach und nach begriff ich,

dass diese Stadt sich gerade veränderte.

(Jubelschreie)

Ich glaube es nicht. Dass ich das noch erleben darf!

- Dass ich das noch erleben darf. - Ist Ja gut, ist Ja gut.

(Jubelschreie)

(spricht undeutlich)

(Hermann) /ch ging zum Hotel,

spürte, wie der Jubel immer näher kam.

Und wusste, von diesem Augenblick an

wird sich unser Leben in Deutschland verändern.

(Fernseher) Privatreisen ins Ausland können ohne Vorliegen

von Voraussetzungen und Anlässen beantragt werden.

Genehmigungen werden kurzfristig erteilt.

Die Abteilungen Pass- und Meldewesen der VP

in der DDR sind angewiesen,

Visa zur ständigen Ausreise unverzüglich zu erteilen,

ohne dass dafür Voraussetzungen für eine Ausreise vorliegen müssen.

(ruhige Streichmusik)

Clarissa?

Bist du das?

Hermann?

Was machst du in Berlin?

Ich will es wissen.

Ausgerechnet heute Abend? Hier?

Ich habe eben Schubert dirigiert.

- Und ich habe Schubert gesungen. - Clarissa...

Bist du das wirklich?

Sag, dass du real bist. Kein Traum.

(ruhige Streichmusik)

(Hermann) /n dieser Nacht, in der die Weltgeschichte den Atem anhielt,

sah ich Clarissa wieder.

In den Studentenjahren waren wir ein Liebespaar gewesen.

Verstrickt in Sehnsüchte und Widersprüche

hatten wir uns aber in den wilden 70ern verloren.

Jahrelang waren wir auf getrennten Wegen

durch die Welt gerannt.

Hatten Karriere als Musiker gemacht,

hatten Familien gegründet, und zerstört.

Hatten Freunde gefunden, und wieder verlassen.

Wir lebten in Hotelzimmern.

Die Flughäfen der Welt waren uns vertrauter als unsere Wohnungen.

Seit 17 Jahren hatten wir uns nicht gesehen.

Vergessen aber hatten wir uns nie.

Die Fernsehbilder vom Mauerfall, unsere Umarmungen im Hotelzimmer,

die Küsse, der Jubel auf dem Kurfürstendamm,

das alles gehörte auf einmal zusammen.

Und verschmolz zu einem Bild unserer wiedergefundenen Liebe.

Das ist alles nur für uns.

(ruhige Streichmusik)

(Jubel im Fernseher)

(Fernseher) Seit dem Bau der Mauer am 13. August 1961

haben wir diesen Tag herbeigesehnt und herbeigehofft.

Wir Deutschen sind jetzt das glücklichste Volk auf der Welt.

Bist du eigentlich wieder verheiratet?

Was macht denn deine Tochter?

Hast du noch andere Kinder?

Ich weiß eigentlich nichts von dir.

Im Grunde lebe ich genauso aus den Koffern wie du.

(singen deutsche Nationalhymne)

Hermann? Ich muss dir unbedingt was erzählen.

Das war vor fünf Jahren, im Sommer '84.

Da kam ich während einer Tournee ans schönste Fleckchen Erde der Welt.

Wo ich mir vorstellen konnte, für immer zu bleiben.

Da stand ein Haus.

Ein kuscheliges Fachwerkhaus. Mit dem sagenhaftesten Blick.

- Aha... - Es gibt so was.

Man steht davor und weiß es.

Ja, und? Hast du das Haus gekauft?

- Natürlich nicht. - Warum nicht? Was war der Haken?

Na du. Du warst der Haken.

Vielleicht ist es noch zu haben.

Lass uns da hinfahren.

(Autos hupen)

(alle reden durcheinander) Wie lange sollen wir noch warten?

Vor Kurzem wurde hier noch geschossen.

(heroische Musik) (Jubel, Hupen)

Glück auf, meine Herren! Glück auf!

(dramatische Orchestermusik mit Gesang)

(gefühlvoller Chorgesang)

(Gesang klingt aus)

(Marschmusik)

(Clarissa) Das Ziel unserer Reise war ein wahres Traumhaus.

Das hoch über dem Rhein stand,

umgeben von Rebstöcken und alten Bäumen.

Ich hatte es Jahre zuvor auf einer Konzertreise entdeckt.

Und mich sofort in das 200 Jahre alte Haus verliebt.

Meine Sehnsüchte nach Liebe und Geborgenheit wurden geweckt.

Ich spürte, dass es auch Hermanns Wunsch war,

endlich irgendwo anzukommen.

Schluss zu machen mit dem Leben aus den Koffern,

das wir uns angewöhnt hatten als vielbeschäftigte Musiker.

Wir standen in der Mitte des Lebens, unsere Liebe brauchte ein Zuhause.

(Windrauschen) (Vogelzwitschern)

(Tauben gurren)

(Clarissa) S Schlafend trägt man mich

In mein Heimatland

Ferne komm ' ich her

Über Gipfel, über Schlünde

Über ein dunkles Meer

In mein Heimatland S

(zarte Streichmusik)

(Hermann) Ich kenne das alles hier.

(Clarissa) Hermann hatte oft erzählt,

wie er aus seinem Hunsrückdorf weggelaufen war, mit 19.

Aus Protest gegen die Enge der Heimat war er aufgebrochen.

Und hatte sich geschworen, die Welt der Musik zu erobern

und nie mehr zurückzukehren.

Am Zauber unseres Wiedersehens muss es gelegen haben,

dass er sich auf diese Reise eingelassen hat

und mir in das Land seiner Kindheit gefolgt ist.

Heute ist Sankt Martin, deswegen die Feuer überall.

Als hätten sie dich erwartet.

Jetzt, wo ich die Luft rieche, fallen mir die Namen von den Orten ein.

Dahinten, das ist Bornich.

Das nächste heißt Weisel.

Und dahinten, am Horizont, das ist Perscheid.

Dellhofen.

Das ist... die Pfalzburg bei Kaub. Und die Burg Grafenstein.

Die Schönburg. Da fällt mir eine Geschichte ein.

Da war ich 15 und bin bei einer Schlittenfahrt...

Da habe ich hier hinten, dieser Zahn, der ist mir weggebrochen.

Da sind wir mit dem Schlitten

geradeaus die Serpentine entlang in den Weinberg geschossen.

Mit der blonden Gertrud. In die war ich verliebt.

Und dem Heinz, der hat sie gekriegt.

(Clarissa) Sagt dir Karoline von Günderrode was?

Eine Dichterin der Romantik.

Ihr soll das Haus einmal gehört haben.

Hat mir der Eigentümer, Wallauer, erzählt.

Wie sich die Günderrode am Fluss erdolcht und dann ertränkt hat.

Aus Liebeskummer.

Das ganze Tal ist voll von solschen Legenden.

Solschen? (Hermann lacht)

(überbetont) Ich könnte dir Geschichten erzählen.

Auf Chritt und auf...

Sch... Auf Schritt und Tritt fallen sie mir wieder ein.

Jahrelang wollte ich nichts als weg von hier.

Weg aus der Enge meines Dorfes.

Weg von der Familie, von den Brüdern, die mich erdrückten.

Weg von den arroganten Lehrern und von meiner Mutter.

Die immer das Beste wollte, aber mich nie erwachsen werden ließ.

Das Haus war im besseren Zustand, als ich es entdeckte.

Der Vorvertrag war schon unterschrieben.

Gilt so was eigentlich noch?

Clarissa, ich möchte aufhören zu fliehen.

(Scheppern)

(geheimnisvolle Klänge)

Spürt du's, Hermann?

Es ist ein Moment, in dem alles möglich ist.

Seit Berlin weiß ich, dass uns alles gelingen wird.

Hunderttausende fangen in diesem Moment ein neues Leben an.

Jahrelang haben sie gewartet.

Plötzlich fällt das Glück vom Himmel, direkt vor ihre Füße.

Warum nicht gestern?

Warum nicht vor fünf Jahren?

Die Stunde...

der späten Liebe.

Zeig mir deinen Zahn.

(Clarissa) Endlich Schluss machen mit der ewigen Sehnsucht.

Du und ich.

Keine Hotelzimmer mehr.

Die Koffer auspacken für immer.

Sollen wir das Haus kaufen?

Hermann...

Hast du Angst?

(Hermann leise) Nein.

Nein.

(Mann) Ich hörte nichts von Ihnen und bin selber hinaufgegangen.

Und habe überlegt, was eine Künstlerin wie Sie

sich dabei gedacht hat.

Dann sah ich, da kann man ein Paradies draus machen.

Für meine alten Tage vielleicht.

Aber dann ging's los, Auflagen der Denkmalschutzbehörde.

Grauenhaft, sage ich Ihnen.

Dann kamen baustatische Gutachten, Bodenbohrungen.

Gutachten über das Wasserrecht, das Wegerecht, den Bauzustand,

ein ganzes Album voll.

Die Architektin, eine Professorin für Baugeschichte,

hat sich geweigert, nur eine ungefähre Summe zu nennen.

Wissen Sie, was das bedeutet?

Das Haus muss Stück für Stück abgebrochen und nummeriert werden,

um es hinterher wieder zusammenzusetzen.

- Zum Wohlsein. - (Hermann) Zum Wohl.

Hm?

Dann all diese Gerüchte.

- Gerüchte? - Dass es spukt in dem Haus.

Dass ein Fluch dieser Dichterin darauf liegt,

die nachweislich nie darin gewohnt hat.

Humbug, ich habe es recherchiert.

Sie war bei den Brentanos im Rheingau, 30 Kilometer von hier.

Dort ist sie auch gestorben, nämlich in Winkel.

Vergessen Sie die Dichterin.

Blödes Geschwätz der Leute.

Die ganze Romantik ist ein Missverständnis.

(Kirchenglocken)

(Clarissa) Am nächsten Tag war Sonntag, der 12. November 1989.

Der Tag wird in unserem Lebenskalender vermerkt bleiben.

Wir trafen uns mit Wallauer an der Ruine.

Von Feuchtigkeit durchdrungene Wände,

Schutt und Moder, Reste einer untergegangenen Zeit.

Mehr war da nicht mehr.

Er hat uns für verrückt gehalten, dass wir das Haus,

in dem nur Tauben und Ratten lebten, kaufen und wiederaufbauen wollten.

Ein unübersehbares Ausmaß an Arbeit und Kosten hatte er vorausgesagt.

Aber wir schlugen alle Warnungen in den Wind.

(Wallauer) Sehen Sie die Schäden am Fundament?

Damit es nicht heißt, Sie haben nichts gewusst davon.

Pitt, du kennst dich aus.

Wollen wir's machen wie früher beim Kuhhandel? Per Handschlag.

Wir sind uns handelseinig. Es bleibt beim alten Preis.

Pitt, du bist der Zeuge.

Guck her!

Ja, ich habe alles gesehen.

(Kamera klickt)

Fertig, das war's.

(Hermann) Wenn man vom Haus aus den Hang hinaufging,

befand man sich in einer weiten Landschaft von Hügeln und Feldern.

Der Hunsrück.

Es schien, dass sich ein Kreis geschlossen hatte.

Ohne es zu wollen, war ich in die alte Heimat zurückgekehrt.

Die Wunden von damals waren längst geheilt.

Ich musste mich fragen, ob es darauf nach den vielen Jahren noch ankam.

Ich war ein Fremder geworden. Niemand mehr erwartete mich hier.

Wir machen hier etwas...

von dem wir nicht wissen,

wie das in unsere Lebensplanung passen soll.

Stimmt.

Ich habe bis Weihnachten noch 14 Konzerte.

Na ja...

Ich habe ab Mittwoch kaum noch freie Tage.

Schabbach.

So nah?

Fahr du nach Leipzig.

Ich mache das allein.

(Hermann) /ch hätte Clarissa gerne mitgenommen.

Aber sie musste aufbrechen, zu einem Liederabend nach Leipzig.

Kaum hatten wir uns gefunden, stand unser erster Abschied bevor.

(Klaviermusik)

(Clarissa) Aus der Heimat hinter den Blitzen rot

Da kommen die Wolken her

Aber Vater und Mutter sind lange tot

Es kennt mich dort keiner mehr

Wie bald Ach, wie bald kommt die stille Zeit

Da ruhe ich auch

Und über mir rauscht die schöne Waldeinsamkeit

Die schöne Waldeinsamkeit

Und keiner kennt mich mehr hier

Und keiner kennt mich mehr hier

(Hupen)

(Musik klingt aus)

Hier, das sind die Dinger, die die kriegen.

- Ja. - Hey!

(mit Dialekt) Hermann! Willst du auch mit demonstrieren?

Ja, Tag, Rudi. Na?

Mensch, ja. Sag mal...

Was machen die Holländer in Schabbach?

Das sind unsere nächsten Nachbarn.

Mit den Raketen und Atomköpfen, die noch in den Wäldern liegen.

Da haben die Holländer noch mehr Schiss,

obwohl wir direkt draufsitzen.

Willst du nicht mit reinkommen? Ich habe dich ewig nicht gesehen.

(Hermann) Rudi Molz. Er war der Gastwirt von Schabbach.

Und, wie ich finde, die Seele des Dorfes.

Er wusste über alles Bescheid.

Über das, was passiert war. Und das, was erst passieren sollte.

(alle reden durcheinander)

In wenigen Minuten hatte sich meine Heimkehr vollzogen.

Nichts Romantisches oder Dramatisches war damit verbunden.

Da konnte einer die ganze Welt umrundet haben,

für die Schabbacher war man nur "a Weilche fortgewes".

(alle reden durcheinander)

Da hat in der Zeitung gestanden,

dass du auf der Metropolitan Oper in New York dirigiert hast.

Ja, ja. Das stimmt.

Unser Pfarrer ist mindestens so berühmt wie du, Hermann.

Wenigstens aufm Hunsrück.

Da kennt ihn jeder Hund. Gell, Lenchen? Mensch.

Also jeder.

Er ist praktisch der oberste Chef der Friedensbewegung.

Runter bis nach Mainz und rauf bis hinter Koblenz.

Ja, stimmt. Das hatte ich ganz vergessen.

Die Amerikaner, die Pershings, die sind alle noch hier.

Ja, Ja. Die sind hier seit über 40 Jahren.

Und es wird kräftig weiter aufgerüstet.

Die Mauer fällt und das Ende des Kalten Kriegs steht bevor,

da wird hier der größte Atombunker für einen Gegenschlag gebaut.

Vom Hermann Simon haben Sie bestimmt schon gehört, Herr Pfarrer.

Das ist er. Und ausgerechnet heute.

Wie lange haben wir uns nicht gesehen?

Ja. Na ja, also... Simon.

Angenehm, Dahl.

Ich bin froh, dass ich das erfahre. Bin dabei, hier ein Haus zu bauen.

Das wissen wir doch alles, Hermann. Das baufällige Haus vom Wallauer.

Das Günderrodehaus hast du gekauft. Zusammen mit der Sängerin.

Ja, Hermann, wie heißt deine neue Frau?

Lenchen, sei doch nicht so neugierig.

(düstere Klänge)

(eine Kuh muht)

(ein Hahn kräht)

(Hermann) Mein Elternhaus.

Alle Wege dorthin führen zuerst an der Schmiede vorbei.

Hier hatten die Simons als Dorfschmiede gewirkt.

Mein Großvater, der Urgroßvater

und eine lange Reihe von Vorfahren, die immer hier gelebt

und dann doch so einen Weggeher wie mich hervorgebracht haben.

20 Jahre lang hatte ich diesen Ort nicht mehr betreten.

Das Wohnhaus.

Offenbar war es unbewohnt.

Der Stall.

Die Scheune.

Merkwürdig, dass die Tür offen stand.

Hinter dem Haus erstreckte sich das Gebäude eines Pferdestalls.

Mit edlen Reitpferden.

Wie es sie früher im Hunsrück nie gegeben hatte.

(schneidende Musik)

(Flugzeuglärm)

Ernst?

Ernst.

(Hermann) Mein Bruder Ernst war Flieger aus Leidenschaft.

Schon als 15-Jähriger war er bei den Segelfliegern gewesen.

Ein paar Jahre später Jagdflieger bei der deutschen Luftwaffe.

Seit ich mich erinnern kann, hat Ernst ein Flugzeug besessen.

Das Haus am Goldbach, das er, wie Rudi Molz mir berichtete,

vor einigen Jahren gekauft hatte, kannte ich noch nicht.

Ernst galt im Dorf als Sonderling.

Hermann! Ich habe gehört, du willst dich hier niederlassen.

Hast dir ein Haus gekauft.

- Woher weißt du das? - Die Buschtrommeln.

So ist das im Hunsrück. Wie In Afrika.

Aha.

- Komm, ich helfe dir. - Danke.

- Tag, Bruderherz. - Tag.

- Als rein. - Ja.

Sieht so aus, als sollte ich mich in Jugendgefilde zurückbegeben.

- Stimmt, das mit dem Haus. - Wer ist die ominöse Sängerin?

Clarissa. Du wirst sie kennenlernen.

Hermann, warum machst du das? Ich habe dich immer bewundert.

Du hast als Einziger von uns den Absprung geschafft.

Den Krempel hinschmeißen, dein Leben in die Hand nehmen.

Dich noch mal auf die Welt bringen.

Anders, als Vater und Mutter und Verwandtschaft

und die Traditionen es vorgesehen haben.

Das ist doch lange her.

Ich habe mich weit genug entfernt,

dass ich mich wieder in eure Nähe traue.

Ich brauche einen Ruhepunkt. Zufall hat mich hergeführt.

Ob du's glaubst oder nicht, ich bin froh darüber.

Hermann, pass bloß auf.

Du hast den Zaun dahinten gesehen, Richtung Dorf.

Da ist bei mir der Laden dicht.

Wenn ich mein Flugzeug nicht hätte,

wäre ich verstaubt wie eine Brennnessel am Wegrand.

Aber du bist doch hiergeblieben.

Ach, komm. Kriegst einen Kaffee.

(Hermann) Es wäre ein Familienskandal gewesen,

wenn ich nach meinem Bruder Ernst nicht auch meinen anderen Bruder,

den wohlhabenden Fabrikbesitzer Anton, besucht hätte.

Anton war der bekannte Hunsrück- Tycoon.

Gründer der "Optischen Werke Simon".

Patriarch einer weitverzweigten Familie,

zu der ich keine Verbindung mehr hatte.

(mit Dialekt) Das ist das Gisela.

- Kennst du noch, oder nicht? - Ja.

- Hermann. - Der Dieter.

- Pass auf, der ist Rechtsanwalt. - Tag.

Marlies und der Lothar.

Der ist harmlos, der ist Möbelfabrikant.

Und das Helga und der Hans.

Die haben es zum Lehrer gebracht.

Aber zwei nette Kinder haben sie.

Das Christinchen und die Susanne.

Dann haben wir noch die Katharina und die Hanna.

(Dieter) Für Denkmalschutz gibt's Zuschüsse.

Für die Regierung bist du ein kulturelles Aushängeschild.

Lass dich nicht auf die Baustoffmafia ein.

Frag mich, bevor du eine Baufirma ansprichst.

Bei meinem Haus habe ich Erfahrungen gemacht.

- Es gibt gewaltige Preisunterschiede. - Lothar ist Schnäppchenjäger.

Wenn du was aufm Möbelsektor suchst, meine Firma kennt hier jeder.

Also... jederzeit 30 Prozent.

Und ich sage dir, wie du's absetzen kannst.

Für historische Gebäude gibt's auch EG-Mittel.

Da hilft dir die Günderrode-Story. Das ist doch Weltkulturerbe.

Musst du ausschlachten, ob sie stimmt oder nicht.

- Gell? - Ei ja.

So, jetzt musst du aber die Mara begrüßen.

Hermann, unser Musikstar.

- Mara, der Star auf dem Pferderücken. - Hallo.

- Freut mich. - Meine Lieblingsschwiegertochter.

- Ich bin Mara. - Hermann.

- (Mara) Prost. - Hermann.

Wenn du am Elternhaus warst, ist dir aufgefallen,

dass das keine Allerweltsgäule sind.

Das sind hochtrainierte Turnierpferde.

Keins davon wird unter einer halben Million gehandelt.

Du musst unbedingt mal in das Haus von Mara und Hartmut.

Das ist der Neubau nebendran.

Was da an Pokalen und Preisen in der Vitrine steht,

siehst du sobald nicht wieder.

Mara hat Dutzende Turniere gewonnen.

Schwiegervater... Immer muss er mit mir angeben.

(Hermann) Dein Betrieb ist beeindruckend.

400 Mitarbeiter, alle Achtung.

Das hier ist die Objektivendmontage. Feinfühlige Fingerarbeit.

Du siehst, dazu kommt noch unser Zweigwerk in Ingelheim.

Unsere Niederlassung in Marseille und Vertretungen in sieben Ländern.

Aufs My genau.

Hermann, komm mal her.

Nimm das mal in die Hand.

Und jetzt das hier.

- Halb so groß, doppelte Leistung. - Mhm.

Hach, asphärische Linsen.

Asphärisch, also ohne Kugellinse?

- Das weißt du noch? - Mhm.

Respekt.

Weißt du, was mein Problem ist? Die zweite Generation.

Wenn du verstehst, was ich meine. Tag.

(Hermann) Mit jedem Wort und jeder Geste wurde gesagt:

"Du bist zwar fortgegangen, aber bleibst einer von uns.

Da kannst du tun oder denken, was du willst."

Ich sehnte mich nach Clarissas Gegenwart.

(Menge) Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!

Wir sind das Volk!

(Clarissa) Mein Leipziger Konzert war ein Jahr zuvor vereinbart worden.

Nur wenigen Künstlern aus dem Westen hatte man Auftritte ermöglicht.

Ich freute mich besonders auf den Abend.

Als ich nach langer Fahrt durch die aufbrechende DDR in Leipzig ankam,

war eine der berühmten Montagsdemos dort bereits im Gange.

Mein Konzert war abgesagt worden.

Ich musste mich damit abfinden.

Die Menschen konnten in diesen Tagen nicht still in Konzertsälen sitzen.

Sie waren in Bewegung und forderten ihre Freiheit.

Sie wollten das Leben in die Hand nehmen

und ihre Zukunft selbst gestalten.

Es gab keinen anderen Ausweg, Frau Lichtblau.

Es sind wenig Karten im Vorverkauf weggegangen.

Verstehen Sie mich nicht falsch, Frau Lichtblau.

Ich begrüße die neuen Entwicklungen und stehe dahinter,

aber das Desinteresse an kulturellen Ereignissen ist eine Schande.

Frau Wurz, kommen Sie mal bitte?

- Karten zurückgeben? - Nein, ich wollte auf Toilette.

Wir sind keine öffentliche Toilette.

(Clarissa) /ch fühlte mich fremd. Ich gehörte nicht dazu.

Ich musste an Hermann und unser Traumhaus denken.

Ich fragte mich, ob es je der Ort der Ruhe sein würde,

nach dem wir beide uns so sehnten.

So, jetzt latscht die Meute wie immer um den Ring.

Hauptbahnhof, Runde Ecke,

Neues Rathaus, dann sind sie wieder bei uns.

Sie... Sie sind wohl nicht von hier? Sie sind von der Presse?

Das ist die Lichtblau, die Sängerin aus dem Westen.

Das musst du doch wissen.

(Stimmengewirr, Pfiffe)

Bitte lachen Sie nicht, bitte.

Sie glauben ja nicht, was hier los war.

Na weil...

Unser Herr Masur hat mit seinem Aufruf dafür gesorgt,

dass alles gewaltfrei bleibt in Leipzig.

Worüber wurde nicht berichtet?

Über die wirkliche Wahrheit.

Gunnar, komm. Die Dame will alleine sein.

Komm du doch mit her.

So wahr ich hier hocke, bin ich am 9. Oktober

rein zum Chef und sagte: "Herr Gewandhauskapellmeister,

überlegen Sie sich, wo Sie hier Ersatz herkriegen."

Es ist Montagsdemo, die Armee in Alarmbereitschaft.

Wenn die uns niederkartätschen, können die sich zwei Techniker malen.

So was wie uns findet der kein zweites Mal.

Ich habe Bautischler gelernt, Fliesenleger, Rüster.

Alles, komplett. Und der Udo?

- Hier steht er. Maurer. - Zimmermann.

Zimmermannmeister. Allrounder, wie er im Buche steht.

Da ist er ins Grübeln gekommen, der Herr Masuvur.

Am Nachmittag hat er sich getroffen mit seinen Leuten, mhm.

Mit Bernd-Lutz Lange, Kabarettist. Kennen Sie?

Einem Kirchenmann, der Pfarrer.

- Führer. - Pfarrer Führer.

Und drei von der Partei. So, nun komm.

Die haben den Aufruf verfasst zur Gewaltlosigkeit.

Bloß von mir war dann keine Rede mehr.

(Clarissa) Ein Gedanke schoss mir durch den Sinn.

Waren die beiden nicht die Fachleute, die wir für unser Haus brauchten?

Ich könnte ihnen ein attraktives Angebot machen,

was die Bauarbeiten voranbringen würde.

Könnt ihr euch vorstellen, für mich zu arbeiten? 10 Mark die Stunde.

West?

- Für jeden von uns? - Für jeden.

Es geht um ein Fachwerkhaus, das muss komplett abgetragen werden.

Das Fundament muss erneuert werden und wieder so aufgebaut werden,

wie es vorher war.

Steht unter Denkmalschutz.

Die Baupläne sind da.

Morgen?

Ja, ich bin mit dem Auto da, könnte euch mitnehmen.

Was? Der BMW, der vor der Pforte steht?

- Ich kann euch morgen abholen. - Nee, also...

- Ich muss erst meine Frau fragen. - Udo, Alter.

Ich bitte dich, 10 Mark West die Stunde.

Da brauchst du nicht erst die Mutti fragen, so ein Quark.

Guten Tag, Sie sind bestimmt Frau Lichtblau.

(Clarissa) Es war verabredet, dass ich Gunnar und Udo abhole.

- Jana Trötzsch, die Frau vom Udo. - Tag.

- Schön. - Das sind unsere Jungs.

- Der Jacque. - Hallo.

- Und Thorsten. - Wollt ihr ein Bonbon?

Nee, lieber reinsetzen.

(Clarissa) /ch hatte keine Ahnung, wie die Techniker lebten.

Und welche Folgen mein Angebot für ihre Familien hatte.

Es war ihre erste Reise in den Westen, gleich für längere Zeit.

Udo hat nicht erzählt, dass er Vater ist.

Hätte ich gewusst, dass ich ihn seinen Kindern entführe...

Ach, das geht schon.

Wo sich die Zeiten ändern, wollen wir auch dabei sein.

Der Udo bleibt aber lange weg.

(Gunnar) Wo ist denn das Ding? (Poltern)

Als hätten sie 40 Jahre nicht aufgeräumt!

Furchtbar, Menschenskinder! Petra!

Petra, wo bleibst du denn?

Ich brauche dich mal hier.

Petra!

Suchst du irgendwas Bestimmtes?

Sag mal, willst du mich reizen?

Natürlich suche ich was Bestimmtes.

- Das ist mal wieder typisch Gunnar. - Du, wir müssen hier mal aufräumen.

Hier muss Grund rein.

Chaos anrichten und sich dann vom Acker machen.

Vier Monate bastelst du am Haus rum, mit deiner Vertäfelung.

Seit Juli steht im Flur die Kreissäge,

stapeln sich die Latten, türmt sich im Schlafzimmer Werkzeug.

Ich kriege meinen Kleiderschrank nicht auf, habe immer das gleiche an.

Fehlt nur noch, dass die Kinder sich an der Kreissäge verletzen.

Entschuldige mal, für wen habe ich die Arbeit gemacht?

Mit der Wandvertäfelung. Für dich!

Allein die Materialbeschaffung.

80 Prozent der Arbeit sind geleistet, 80 Prozent.

Profimäßig verlegt. Und du machst Affentheater.

Weil ein paar Wochen ins Land gegangen sind. Das enttäuscht mich.

Du enttäuschst mich, wie du mich heute wieder

vor vollendete Tatsachen stellst.

- Das hat mich enttäuscht. - Was hätte es gefruchtet?

Wenn ich es gestern gesagt hätte? Nichts!

Du hättest denselben Zinnober veranstaltet. Ist doch so, oder?

So konnte ich in Ruhe schlafen.

Begreif doch, ich kann dich nicht mitnehmen in den Westen.

Einer muss auf die Kinder aufpassen.

- In unserer Familie bist du die Frau. - Ich will doch nicht rüber.

Nur, dass du's rechtzeitig sagst. Du hast es gestern gewusst.

Nee, so redet man nicht mit einer erwachsenen Frau.

Petra...

Hier, dein Koffer.

- Kann ja nicht wahr sein. Wo war der? - Auf dem Kleiderschrank.

Auf dem Kleiderschrank?

Und du lässt mich suchen? Und wunderst dich, wenn ich abhaue.

(Clarissa) Der Tag verging im Flug.

Ich lernte, unsere westdeutsche Welt

mit den Augen von Udo und Gunnar Zu sehen.

Als wir an den Rhein kamen, wollten beide ihr Begrüßungsgeld abholen.

100 D-Mark, die jeder DDR-Bürger erhielt,

der in diesen Tagen zum ersten Mal in den goldenen Westen kam.

(Mann) Aha. So sehen Ihre Personalausweise aus.

Habe ich ja noch nie gesehen.

Muss man sich ja mal genauer anschauen.

- Bitte. - Sie müssen verzeihen.

Ich kannte die nur aus dem Fernsehen.

Tun Sie uns einen Gefallen?

Sie sind die Ersten, die hier das Begrüßungsgeld bekommen.

Dürfen wir davon ein Foto machen?

- Ja. - Wir sind die Ersten?

Das riecht wie Deutschland.

- So. freundlich, ja? - Wir hätten die Oma mitnehmen sollen.

Und noch eine.

Freundlich.

(Clarissa) Wisst ihr, was ich an der DDR besser finde?

- (Udo) Nee. - Die Nationalhymne.

♪ Auferstanden aus Ruinen

Und der Zukunft zugewandt

Lass es dir zum Guten dienen —

Deutschland, einig Vaterland.

Mit Verlaub, Frau Lichtblau,

Ihre Nationalhymne gefällt mir auch sehr gut.

♪ Deutschland, Deutschland über alles

Über alles in der Welt 7

- Guck mal. Guck mal. - Was denn?

- Dort. - Die Tankstelle?

- (Gunnar) Das Blau. - (Udo) Ja, Wahnsinn.

(heitere Streichmusik)

Das ist Schabbach.

- Wahnsinn. - Ist doch wie bei uns.

(Clarissa) Guten Abend.

Ich habe eine Überraschung für dich.

Das ist Clarissa Lichtblau.

Ich bin dein Schwager, Anton.

Ich habe eine Überraschung dabei. Zwei junge Männer, aus der DDR.

Udo? Gunnar? Kommt rein.

Sie sind gute Handwerker.

Aus dem Gewandhaus Leipzig, die kennen sich aus.

- Simon. - Udo.

Stell dir vor, sie sind bereit, unser Haus zu machen.

- Abend. - Guten Abend.

- Ihr seid aus der DDR? - Ja.

Kommt runter.

Hanni, die essen noch mit.

In der DDR hat das Bauhandwerk noch Tradition.

Ich muss euch erst mal erläutern, was es zu essen gibt.

Das ist Original Hunsrücker Bauernwurst.

Vom Alfred, seit drei Generationen der beste Metzger in der Gegend.

Da lernt ihr den Hunsrück vom Gaumen her kennen.

Blutwurst und Stampes.

Manchmal essen wir auch Leipziger Allerlei.

Vielleicht besser als bei euch.

(mit Dialekt) Stampes, das ist Kartoffelpüree.

Alle haben Dialekt, nur wir haben keinen.

Nimm mal deinen Hut ab.

Ich fühle mich wie eine Ausbeuterin, ich habe 10 Mark die Stunde geboten.

Ich bin so aufgeregt, Hermann.

Hast du gedacht, dass es so schnell und billig geht?

Da kann die Clarissa kennenlernen, was es bei uns so zu essen gibt.

Hermann, zeig ihr doch morgen mal das Dorf.

Und den Soonwald, der ist grad im Herbst so schön.

Na, ihr zwei.

Schmeckt's?

Und Sie sind Fabrikbesitzer?

Wie viele Arbeiter haben Sie da?

Joa, 430.

Alle im Stammwerk.

Wird da auch mal gestreikt?

(Gelächter)

(Lothar) Sie wollen das Haus in Schuss bringen?

Kennen Sie sich aus mit historischer Bausubstanz?

- Wir haben da schon anderes gedreht. - Freilich.

Ei, Lothar. Mit so was wissen sie Bescheid in der DDR.

- Ist das wahr? - Da leben Handwerkstraditionen noch.

- Das Neumodische kennen sie nicht. - Na Gott sei Dank.

Früher wurde viel schöner gebaut als heute.

Unser Fortschritt macht uns nur alle krank. Nicht, Schatz?

Bei uns sagt man immer:

Wir bauen auf, reißen nieder. So haben wir Arbeit, immer wieder.

Ich glaube, hier wird nur aufgebaut.

- Guten Abend, Hermann. - Hallo, 'n Abend.

- Trötzsch, Udo. - 'n Abend.

Wenn es euch gefällt, könnt ihr bleiben.

Ja, kommt mit.

Na ja, je später der Abend...

- Das sind nette Kerle, die zwei. - Ja.

So.

Gleich ist es schön warm.

Also dann.

Gute Nacht.

Die Betten sind doch herrlich.

Hier kannst du schlafen wie in Abrahams Schoß.

Da kann die Bombe neben dir einhauen, du merkst nichts.

Gunnar, hast du mal an einem Tag so viel erlebt wie heute?

Nö.

Was heute anfängt...

Mhm.

10 Mark West.

Die Stunde.

Udo.

Die kriegst du bei uns getauscht eins zu zehn, mindestens.

Wenn nicht sogar eins zu zwölf.

Das sind ja jetzt wieder umgerechnet 120 Mark.

Die Stunde.

Wir haben bis gestern für 7 Mark den Buckel krummgemacht.

Alter, wir verdienen hier an einem Tag

so viel wie sonst den ganzen Monat.

Und die sind alle so freundlich.

Als ob die sich freuen, dass wir da sind.

Alle sind so freundlich.

Ja, das stimmt.

So, wie's heute war...

könnte es immer sein.

(er schnarcht)

Sie schlafen schon.

Sieht aus, als gäbe es ein Unwetter.

(eine Kuh muht)

Ich gehe mal nach dem Vieh gucken. Das ist so unruhig.

Ich lege mich in dein Bett, dann ist es schön warm, wenn du kommst.

Ja, Lenchen, mach das.

Ich komme dann gleich nach.

Unser Haus braucht Richtung Schabbach einen Wall

oder eine Hecke oder einen Graben.

Aber mit Brücke.

Zugbrücke.

Nein, es braucht einen Flügel, große Fenster und einen Kamin.

Und ein schalldichtes Kellerzimmer für dich zum Singen Üben.

Wahnsinn.

Pneumatik-Bohrer, Quadro-Bohrer.

- Winkelschleifer. - Black & Decker.

- Doppelfräser, ich bin blöd. - 28, guck dir das mal an.

- Die Preise nicht angucken. - Irgendwann haben wir das.

- Guck dir das an. - Was ist das?

- Ein Staubsauger. - Nee.

- Das ist ein Winkelschleifer. - Das...

- Das ist ein Winkelschleifer. - Was für ein Gerät.

Hier, die ganze Reihe, alles verschiedene Deckel.

Wahnsinn! Hier.

Guck mal, einer mit in Plastik eingelassenem Stacheldraht.

Wozu soll das gut sein?

Für einen, der mal im Knast gesessen hat?

Und sich beim Scheißen daran erinnern will.

Guck mal hier.

Eine Hebel-Fugen-Loch-Blechschere.

- Können wir gebrauchen. - Udo?

- Ja? - Guck dir das mal an.

- Guck mal. - Joa.

- Guck mal, ein Meißel für 29,95 Mark. - Ja, und?

Findest du nicht, dass das viel ist?

- Für ein Stück Stahl. - Aber auf die Länge.

Doppelstütz. Ist schon okay.

Was war bei uns ein Meißel?

- 3,50. - 3,50.

Lass ihn 7,80 Mark gekostet haben. Aber Alter, doch keine 29,95.

- West! - Ja, und?

- Dafür muss der alleine arbeiten. - Oder hier, die Fugenkelle.

Als ich Stift war, gab's die nicht.

Der Meister sagt eines Tages, er hat im Laden Fugenkellen gesehen.

Da haben wir einen losgeschickt, Fugenkellen kaufen.

Die hatten aber bloß zwei pro Kunde, weil die Dinger knapp waren.

Und die Qualität, wir wollten alle Werkzeuge aus dem Westen haben.

Diese Fugenkelle, eine Zwölfer. Oder hier, der Zimmermannshammer.

Wo es nicht diesen macht, wenn man Beton wegkloppt.

Guck den Meißel an. Das ist Weltniveau.

Clarissa.

Dein Bruder war perplex. Erstens, weil ich den Wagen wollte.

Zweitens, weil ich einen 3,5-Tonner fahren kann.

Und drittens, weil ich aus dem Gästezimmer ausgezogen bin.

- Geht's? - Menschenskinder!

- Morgen. - Morgen, Chef.

Ich habe hier die genehmigten Baupläne.

Jana und ich haben den ganzen Sommer nachgedacht,

ob wir auch rübermachen in den Westen, mit den Jungs.

Die Fernsehbilder, da kommt man auf Gedanken.

- Wollen Sie Ihre Familie holen? - Die bleiben in der Heimat.

Jetzt erst recht.

Ein wunderschönes Fleckchen Erde ist das hier.

Der Blick, der Wein, die Ruhe.

Ich habe viel von der Welt gesehen, warum ich hierher zurückkomme?

Warum nicht Toskana oder Bretagne?

Eine Insel in Griechenland? Warum hier?

Ist doch klar. Hier brauchen Sie keinem erklären, wer Sie sind.

Die Leute denken, Sie waren nie weg, sondern nur unterwegs.

(gefühlvolle Musik)

Schön.

Das muss doch raus.

Der alte Keller.

Was haben die hier reingebolzt? Das ist schon paar Jahrhunderte drin.

Und das Taubenviehzeug, ich werde blöde.

Die Fachwerkfüllungen sind aus Stroh und Birkenfelder Lehm.

- So hat man das früher gemacht. - Da nehmen wir Gipskartonplatten.

Wir werden das schon machen.

Ich weiß auch nicht,

aber Silikonfugen gehen hier in der Luft kaputt.

Da geht's in fünf Jahren von vorn los.

Seit Generationen ausprobiert, da sollte keiner schlauer sein wollen.

Birken... Was für ein Lehm?

Birkenfelder Lehm.

Die Lehmgrube gibt's nicht mehr, da ist jetzt eine Papierfabrik.

Gunnar!

Gunnar?

Gunnar!

Gunnar!

Ach, hier bist du. Hast du Kopfhörer auf?

Du, die Füllungen sind aus Birkenfelder Lehm.

Sagt der Rudi.

- Kennst du dich da aus? - Hm?

- Nee, du bist der Meister. - Pass mal auf, Kleiner.

(gefühlvolle Musik)

Hallo.

Das sind Schieferbruchstücke.

Daraus haben sie im Mittelalter Burgen gebaut.

Hält normalerweise 1000 Jahre.

Normalerweise.

Alle paar Hundert Jahre gibt's in der Eifel einen Erdstoß.

Das spürt man bis nach Bingerbrück. Kannst du mir glauben.

(Musik schwillt an)

Sehr schön.

- Herr Simon? - Ja?

Wir brauchen noch einen für die historischen Methoden hier.

Quatsch, das mit dem Lehm, das packen wir selber. Na, Rudi?

Du, aber ich kenne da einen. Tobi, in Dresden.

- Wie heißt der? Tobi? - Ja, der arbeitet in der Kirche.

Rudi, nimm das mal nicht persönlich.

Nichts gegen dich, aber das ist eine Fachkraft.

- Sie wollen noch Leute ranholen? - Ja.

Wegen den ganzen Problemen hier: Birkenfelder Lehm, Schieferabdeckung.

Das ganze Bruchsteinfundament.

Das ist doch alles marode.

Soll er auch noch kommen?

Ruf einfach an.

- Prost! - Prost!

Na, Rudi!

(Stimmengewirr)

(Clarissa) /n Berlin, wo ich internationale Volkslieder sang,

herrschte inzwischen permanente Feststimmung.

Aus aller Welt kamen die Menschen, um mit den Berlinern

den Fall der Mauer und die Wiedervereinigung zu feiern.

Ich sang, begleitet von Musikern aus Ost und West.

Berlin war ein Ort der Begegnungen geworden.

(heitere Musik)

(singt "Azerbaijan Love Song")

- Udo? - Was denn?

Wenn du mit der Decke durchkommst, sitzt du mir aufm Kopf.

Dein Kopf ist doch nicht schade.

- Udo! - Was denn?

Wenn du einen Schatz findest, machen wir halbe-halbe?

Klar, wenn du einen findest, machen wir 60/40, oder was?

(singt "Azerbaijan Love Song")

"Bitte sofort kommen.

Arnold wegen Eindringens in eine Bank verhaftet.

Soll ein Hacker sein. Bin völlig ratlos. Deine Mutter."

Was ist ein Hacker?

(Clarissa) Mein 17-jähriger Sohn lebte bei meiner Mutter in Hamburg.

Ich machte mich sofort auf dem Weg zu ihm.

Arnold verhaftet? Was konnte passiert sein?

Ich kann vor dem Gericht schwören,

dass unser Jungchen das Haus nicht verlassen hat.

Auch nachts nicht, das weiß ich, weil ich einen leichten Schlaf habe.

Mutter, er hat eben am Computer gesessen.

Die Beschuldigten haben den Code der Deutschen Bank geknackt,

jeweils den Betrag von einer Million auf ihre Konten überwiesen.

(Mann) Es fehlt an der Betrugsabsicht.

Sie haben das Geld zurücküberwiesen. Das ist strafbefreiender Rücktritt.

Irrelevant, durch die Überweisung war die Straftat vollendet,

das war nicht nur Versuch.

Mein Mandant hat mit einem Brief der Bank gegenüber klargestellt:

Sie wollten auf Sicherheitsmängel aufmerksam machen.

Was meinen Sie dazu?

Wir wollten nur zeigen, dass man rein kann.

Und...

Wie macht man so was?

Wir haben den Namen einer Frau genommen.

Was heißt hier einer Frau?

Das war der Name der persönlichen Sekretärin des Direktors.

- Das wussten wir nicht. - Das wussten sie nicht.

Wir haben das durchprobiert. Der 10. Vorname war's dann.

Ich weiß nicht, Herr Staatsanwalt, ob Sie hier nicht übertreiben.

Wer sich mit dem bloßen Eindringen begnüsgt...

Haben sie ja nicht.

Aber das Geld ist doch wieder da.

Aber es war weg!

Haben Sie mit der Bekämpfung von Computerkriminalität

genügend Erfahrung, Herr Amtsgerichtsrat?

Diese Jugendliebe am Rhein, das ist doch ein Hirngespinst.

Was machst du für kindische Sachen?

Dein Leben gehört der Kunst, Clarissa.

Hast du denn das vergessen?

Kannst du mir nicht einmal Luft zum Atmen lassen?

Unsinn!

Dein Erfolg hat mir recht gegeben.

Und er wird mir weiter recht geben.

Immer hast du mich getrieben.

Warum habe ich dir das Jungchen abgenommen all die Jahre?

- Um dir den Rücken freizuhalten. - Ich kann's nicht mehr hören.

Dann gehen wir jetzt nach Hause.

Vergiss nicht, was der Rechtsanwalt sagte.

Das ist nicht ausgestanden. Er ist zwar frei, aber...

Bis zum Prozess musst du für deinen Sohn geradestehen.

Dabei kann ich dir nicht helfen.

(Hermann) "Liebe Clarissa, ich beginne allmählich zu verstehen,

warum wir uns in den letzten Jahren niemals begegnet sind.

Diese Art von Musikerleben lässt zu wenig Raum für Begegnungen.

Und für unsere Träume von Liebe und Zweisamkeit.

Die Erkenntnis, dass Heimat etwas wahrhaft Absurdes ist

in meinem Leben, macht mich traurig.

Ich schreibe dir dieses zwischen Konzerten auf dem Bahnsteig.

Kurz vor Eintreffen meines Zuges nach Basel.

Ich wollte meine Tochter Lulu besuchen, die hier in Köln studiert.

Aber die Zeit reichte auch dazu nicht aus.

Wenn ich an unser Traumhaus denke, frage ich mich,

was sich alles ändern muss,

damit wir darin unser Glück finden."

Wenn ich ihn nicht genommen hätte, hättest du ihn gern gehabt, Udo?

Na ja, du hast ein schönes Auto.

Den habe ich am 15. Juni 1966 in Simmern geholt.

Zum 14. Hochzeitstag von meinem Lenchen.

- Pass mal auf, was der alles kann. - Wir sind im zweiten.

(Udo) Soll ich aussteigen und schieben?

(Rudi lachend) Der packt das.

- Dein Auto, Gunnar. - Was?

Rudi, ich danke dir. Du kriegst das Geld immer pünktlich zum Ersten.

Der ist noch warm.

Dann ist er auch hier, dein Tobi.

Wer denn sonst?

Tobi?

Tobi?

Tobi?

Du wieder. Grüß dich, Alter.

So ein Fundament habe ich lange nicht gesehen.

Wenn da unten ein Dampfer hubt, kracht alles zusammen.

Ja, das mit dem Fundament habe ich schon gesehen.

Wir müssen alles abreißen und wiederaufbauen.

Halleluja, bei dem Durcheinander. Bei dem Tohuwabohu.

Du bist Tobi. Die Balken haben ein Nummernsystem.

Das ist einfach genial.

- Wer ist denn das? - Gunnar.

Wir haben eine Weile getüftelt. Aber haben wir's rausgekriegt?

Komm, ich zeige es dir mal.

Guck mal hier, die schrägen Zeichen siehst du doch.

Das sind die Ruten.

Da weißt du, wo die Wand ist, in dem Fall die vierte.

- (Gunnar) Ganz genau. - Aha.

Und die römischen...

Das sind die Abbundzeichen. Hier haben wir zehn und hier neun.

Da siehst du, wo der Balken ist.

- Im Gefüge. - Na so was.

Ich weiß nicht, wieso wir das erklären, du bist der Fachmann.

(Udo) Er redet viel, aber hat ein gutes Herz.

- Wer bezahlt das alles? - Das sind so Leute.

- Eine Sängerin und... - Dirigent.

10 Mark die Stunde, West. Auf die Kralle.

Mit eurer Methode dauert das zwei Jahre.

- Was ist daran schlecht? - Das ist gutes, altes Handwerk.

Was weiß ich, was in zwei Jahren ist.

Mensch, da hat sich die Welt zehnmal um sich selber gedreht.

So sieht die Realität heute aus.

(Udo) Kann ich dir helfen?

Gibt's eine Autowerkstatt, die Lkw repariert?

Ah ja, der Wigald, aber der macht Traktoren und Busse.

Na, da fahren wir mal hin.

Na also dann.

Das ist der Tobi.

Dafür ist der bekannt.

- Wofür? - Dass der macht, was gar nicht geht.

- Und dann? - Wirst schon sehen.

So! Jetzt seid ihr fällig.

Ja, mach sie tot. Alle!

Ihr Mistviecher!

(sie singen leise)

Was ist das nur, diese große Freiheit,

die wir in den Jahren gesucht haben?

Ist doch alles ein Irrtum.

Keine Liebe, kein Zuhause.

Nichts Festes für unsere Kinder.

Nichts, woran man sich festhalten kann.

Das muss jetzt anders werden.

Ich finde, Arnold soll öfter bei uns sein,

wenn das Haus fertig ist.

- Und Lulu auch. - Mhm.

Ich war immer auf der Flucht.

Warum habe ich so früh geheiratet?

Armes Schnüsschen. Ich habe mich nie binden können.

Nur die Wohnung in München habe ich noch.

Ich zahle meine Miete und bin fast nie da.

Morgen kündige ich die.

Ach, Amsterdam.

- Du musst los. - Ja.

Wann sehen wir uns wieder?

Weihnachten?

(gefühlvolle Orchestermusik)

Es ist immer wieder ein Vergnügen,

in Amsterdam mit diesem Orchester zu musizieren.

- Guten Abend. - Guten Abend.

- Bekomme ich ein Autogramm? - Selbstverständlich.

(spricht holländisch)

- Ich bin extra aus Simmern angereist. - Ah ja?

Danke schön.

Kenne ich Sie nicht?

Lassen Sie meine Tochter in Ruhe.

- Darüber will ich mit Ihnen reden. - Aber...

Das ist nicht der richtige Ort.

- Ich bin extra hierhergereist. - Ja.

Ist gut, Frau Lichtblau.

Mein Assistent kümmert sich um Sie. Wissen Sie, wo Sie unterkommen?

Lassen Sie Clarissa aus diesem Hausbauunternehmen raus.

Das müssen Sie mir hier und heute versprechen.

Schauen Sie mich an. Ich werde im kommenden Jahr 76 Jahre.

Aber nicht hier. Dr. Loewe, mein Mitarbeiter.

Er kennt sich aus in Amsterdam.

Er wird Ihnen behilflich sein. Essen, Unterkunft.

Er wird Ihnen einen Zug für die Rückfahrt raussuchen.

Es wird Ihnen an nichts fehlen.

(Mutter) Ich weiß nicht, was Sie vom Leben mitbekommen haben.

Sie sind wohl aus gutem Hause, haben nie Not gelitten.

Und jetzt sehen Sie mich an, als sei ich plemplem.

Ich will Ihnen mal was sagen.

Nach dem Krieg wären meine Tochter und ich in Bayern

in den jämmerlichsten Verhältnissen untergegangen.

Als Flüchtlinge, mit nichts außer den Klamotten am Leib.

Und, hören Sie gut zu, mit unserer Disziplin.

Die hat uns gerettet. Die hat uns zusammengeschweißt.

Clarissa und mich, und den Jungen.

Wir... Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft.

Wissen Sie, was das ist?

Da sorgt jeder für den anderen.

Das lasse ich mir nicht kaputt machen.

Ich lasse mich nicht aussetzen wie einen Hund.

Ich bin kein altes paar Schuhe, das man in den Müll schmeißt.

Ich liebe meine Tochter ebenso oder mehr als Ihr feiner Maestro.

Was meinen Sie, warum ich mich in meinem Alter

in den Zug gesetzt habe und hergefahren bin?

Ich glaube, ich verstehe Sie gut.

Sie denken, ich bin ein eifersüchtiges Monster.

- Das sehe ich Ihnen an. - Nein.

Ich würde Ihnen gerne helfen.

Ich...

Ich will nicht allein bleiben.

(Clarissa) "Mein Liebster, heute schreibe ich dir aus Paris.

Ich sehe noch immer vor mir,

wie du in der Flughafenhalle davon eilst,

ohne sagen zu können, wann wir uns wiedersehen.

Mich hat dann der Probenbetrieb des Opernhauses verschluckt.

In fünf Tagen ist Premiere.

Ich muss dir nicht erklären,

wie in dieser Zeit die Welt um einen herum versinkt.

Ich liebe die Rolle der Dido.

Und singe sie mit Hingabe und Todesmut.

Die Partie trifft mich im Innersten und lässt mich manchmal vergessen,

dass sie uns viele Trennungen bescheren wird.

Ich weiß aber vor allem eins.

Und das wird mir in der Entfernung noch einmal klar,

dass ich dich,

dich, Hermann,

nur dich liebe."

(Klappern, Knarren)

(Knarren)

Donnerwetter!

Das steht.

Na so was.

(Tobi) Ein bisschen langsamer.

Und so was kommt aus der DDR.

Ich weiß das.

Der wohnt doch bei mir.

Aus Dresden.

Wisst ihr überhaupt, wo das liegt? Oder musst du uns Ältere fragen?

Das sind Deutsche, wie wir.

Ja, super.

Ruhig.

Gunnar, du bist zu schnell. Langsamer.

Guten Tag.

Tagchen.

- Guten Tag. Ich suche den Tobi. - Tag.

Tobi?

Manchmal spukt's in dem Haus, heißt es.

- Guten Tag. - Tag.

(Knarren)

Super! Super!

Also dein Tobi... ist eine Bereicherung.

- Sage ich ja. - Wir hätten zwei Jahre gebraucht.

- Zwei Jahre nicht. - Ruhig.

(Poltern)

Haut doch ab, ihr Hunde!

Katzen, Vögel.

- Ist das nicht furchtbar? - Wirklich.

(Clarissa) "Liebster Hermann, ich kann es nicht fassen,

dass seit unserem Wiedersehen erst sechs Wochen vergangen sind.

Mein Blick auf die Welt hat sich völlig verändert.

Vor Kurzem hätte mich nichts mehr gefreut

als der Erfolg auf der Bühne,

verbunden mit vielen Angeboten und Reisen.

Jetzt bekomme ich einen Schreck, wenn meine Agentin sich meldet.

Erfolg oder Liebe?

Kann man nicht beides haben?

Meine Mutter ist von Amsterdam nach Paris gekommen,

macht mir hier die Hölle heiß.

Ich weiß nicht, wie ich sie besänftigen könnte.

Die Jahre lassen sich eben doch nicht abschütteln.

Arnold ist ein wunderbarer Junge.

Das habe ich in den nächtelangen Gesprächen gesehen,

als er auf rührende Weise versuchte, mir den Computer zu erklären.

Ich habe ihn ins Herz geschlossen.

Und könnte mir gut vorstellen, ihn in meiner Nähe zu haben."

Herr Günderrode! Herr Günderrode!

(Clarissa) "/ch habe ihm versprochen, Heiligabend in Hamburg zu sein.

Das ist mein einziger freier Abend, den ich nun nicht mit dir verbringen kann.

Wirst du mir das verzeihen?"

Herr Günderrode! Es schwebt.

Es schwebt. Es schwebt.

- Es schwebt. - Ja...

- Was schwebt? - Ihr Haus.

Soll ich Ihnen sagen. Und Sie mitbringen.

- Mein Haus schwebt? Sicher? - Ja.

Tobi hat mir seinen Trabbi geliehen.

Tillmann Becker, obwohl ich nicht Bäcker, sondern Elektriker bin.

Deshalb schreibe ich mich mit "e".

Ich habe ein Telegramm bekommen, dass ich für Ihr Haus gebraucht werde.

Ich wurde am 12. September 1964 in Pirna bei Leipzig geboren.

Nach dem Besuch der zehnklassigen, allgemeinbildenden Oberschule,

die ich mit dem Prädikat "gut" abschloss,

machte ich eine zweijährige Lehre zum Elektriker

beim Rationalisierungsmittelbau, die ich mit "sehr gut" abschloss.

Danach habe ich als Facharbeiter im Ausbildungsbetrieb gearbeitet.

Und leistete 1985/86 meinen Grundwehrdienst bei der Fahne.

1987 Qualifizierungslehrgang für Schweißmaschinenelektrik.

- 1988... - Ich glaube es Ihnen ja.

- Vorsicht. Vorsicht. - Was habe ich Ihnen gesagt?

Es schwebt, habe ich Ihnen gesagt.

Gucken Sie.

Man soll's nicht glauben, aber das Haus schwebt.

Ich habe unterm Fachwerk nachgeguckt.

Du kriegst überall die Finger dazwischen.

- Guck dir mal meine Hand an. - Na?

(Gunnar) Pazifismus versetzt jede Hütte.

Und bringt Licht auf den kleinsten Berg.

Wenn's der Richtige macht.

- Tillmann. - Tillmann?

- Ja. - Gunnar. Willst du eine Wurst?

- Komm, Hermann. - Ja.

Alles mit Wagenhebern angehoben. Schau, dahinten.

Dahinten, der, ums Haus rum, überall.

Ich war drei Tage mit Tobi unterwegs, bis wir die Heber zusammenhatten.

- Tag. - Hallo.

Vom Ford, vom Scherer Rudi, von der Raiffeisenzentrale.

(alle reden durcheinander)

Tag. Udo.

- Herr Simon. - Tobi. Habt ihr richtig gut gemacht.

Abbauen, Aufbauen war noch nie mein Stil.

Gunnar und Udo fangen an, die alten Fundamente abzutragen,

betonieren neue, dann senken wir das Haus ab,

dann steht es für 200 Jahre wieder.

- Aha, aha. - (Udo) Und was ist damit?

Wie ist das mit Ihrem Bruder? Der soll uns weiterhelfen können.

Wenn Sie meinen Bruder Ernst meinen, der sammelt so was.

Haustüren, Fensterrahmen, Balken, Verzierungen, Vertäfelung, Beschläge,

was Zeit verschlingt, wenn man's besorgen muss.

Dann haben wir noch ein Problem. Wenn's schneit, dann schneit's.

(ruhige Orchestermusik)

(Die Musik schwillt an)

- (Udo) Tillmann? - Hm?

- Willst du mal eine rauchen? - Du weißt, dass ich nicht rauche.

Hat es deine Mutti verboten?

- Es schmeckt mir nicht. - Komm mal her.

- Udo will dich mal was fragen. - Ja?

Zeigst du uns, was in deinem Köfferchen ist?

- Was für ein Köfferchen? - Tu nicht so.

Dein Puppenköfferchen.

Tillmann, wie als bist du?

- 25. - 25? Das kann wohl nicht wahr sein.

In deinem Alter war ich zweifacher Vater. Udo?

Wenn du schwul bist, Tillmann, das kannst du ruhig sagen.

- Keine Vorurteile. - Bin ich nicht.

Brauchst du das Köfferchen für deinen Spannungsprüfer?

- Wir haben Verständnis. - Ich bin nicht schwul.

Wenn du nicht schwul bist, kannst du uns sagen, was im Köfferchen ist.

Mit wem haben wir's zu tun?

Was? Seid ihr mit meiner Arbeit nicht zufrieden?

Nö, du bist ein guter Elektriker.

Stimmt, letzte Woche die Schlitze, Hut auf.

- Der Tscheche könnte es nicht besser. - Hol es.

- Ist nicht auf der Baustelle. - Ach, nee?

Und was ist das hier?

- Hepp! - Gib den her!

Habe ich. Udo!

- Udo! - Gib den her!

(sie lachen)

Heul doch!

- Ui, ui, ul. - Ich fahre heim.

- Hey. - Gleich morgen schon.

- Ich wollte nicht lange bleiben. - Hau doch ab. Wohin? Nach Zeitz?

- Heimweh. - Hau ab, du Pfeife.

Ich denke, der hat eine Klarinette drin.

Ist bestimmt ein Künstler.

(sanfte Klarinettenmusik)

(Hermann) "Clarissa, Liebste,

dein Brief hat mich mitten im Trubel der Bauarbeiten erreicht.

Seit Tobi die Sache in die Hand genommen hat,

ist kein Halten mehr.

Alle Ängste, die aus deinen Zeilen sprechen,

werden durch die Tatsachen widerlegt.

Es bleibt mir nichts anderes übrig, als zuzuschauen,

wie das wächst, was wir beide gepflanzt haben.

Weiß du, dass wir beide eine Rolle

in der Hunsrücker Friedensbewegung spielen?

Unser Nest liegt nämlich innerhalb der militärischen Sicherheitszone

eines Atomraketenstützpunktes der Amerikaner.

Es gilt den Leuten als Demonstration gegen den Rüstungswahnsinn,

dass wir hier an diesem Ort bauen und leben wollen.

So werden wir auf die respektabelste Weise eingemeindet.

Ich will versuchen, die kommende Zeit ohne deine Nähe auszukommen,

obwohl es mir immer schwerer fällt.

Wie konnte ich nur so viele Jahre ohne dich einschlafen?

Hermann."

(Stimmengewirr)

(alle) Hermann!

Hallo, 'n Abend. 'n Abend.

Herzlich willkommen bei uns, das ist ein Akt der Heimatliebe.

- Das ist selbstverständlich. - Schön.

- Hallo, grüße Sie. - Hallo.

- 'n Abend, Rudi. - 'n Abend.

- Lenchen, guck mal. - 'n Abend, Hermann.

(im Kanon) ♪ Herr, gib uns deinen Frieden

Gib uns deinen Frieden

Frieden, gib uns deinen Frieden

Herr, gib uns deinen Frieden

Gib uns deinen Frieden —&

Jetzt sind wir über ganz Rheinland-Pfalz verbunden.

Vielleicht noch weiter, bis nach Mutlangen.

(sie singen weiter "Herr, gib uns deinen Frieden")

(Lied klingt aus)

(Clarissa) S Thy hand, Belinda

Darkness shades me

On thy bosom let me rest

More I would

But Death invades me

Death is now a welcome guest 3

(sanfte Streichmusik)

♪ When I am laid When I am laid in earth

May my wrongs create

No trouble

No trouble in thy breast

When I am laid

When I am laid in earth

May my wrongs create

No trouble

No trouble in thy breast

Remember me

Remember me

But I forget my fate

Remember me

But I forget my fate S

(sanfte Streichmusik)

Los, komm. Wir gehen rein. Schnell.

Los, komm. Wir gehen rein.

Hey, du kommst jetzt mit.

- Aber... - Nein, rein jetzt!

(Musik klingt aus)

Ich glaube, wir kriegen Besuch.

Hallo.

So.

- Tag. - Habt ihr den Schnee mitgebracht?

Nein, wir kommen aus Brüssel. Dr. Loewe.

Tag. Ein fantastisches Konzert mit 3000 Menschen.

Lieber Gott, 3000.

(Tobi) Oben ist alles dicht, alles fertig.

Nur am Kamin zieht's richtig drüber.

- Na? Gerade noch geschafft. - Na?

- Ich musste sehen, wie's vorangeht. - Gut, dass Sie da sind.

- Das Geld ist alle. - Deswegen bin ich hier.

Erst mal das Verrechnungsgeld fürs Material.

Und dann hier...

Tillmann, bitte. Tobi, mit einer Extragratifikation.

- Auch von Clarissa. - Simon!

Damit ihr nicht auf eure Löhne wartet.

Bitte schauen Sie sich um. Das ganze Erdgeschoss ist neu.

Und hier, wo Sie drauf stehen, ist die neue Decke vom Keller.

Alles Beton, und dort, wo Sie stehen, das ist der Abfluss für die Küche.

Alles schon fertig. Hier den Balken haben wir erhalten.

So alt, wie er war. Am Kamin haben wir ihn aufgesetzt.

- Die Schlitze hat Tillmann gemacht. - Genau.

Die sind für die Kabel.

Elektroinstallation. Ist ein Genie, unser Kleiner.

- Bitte schön. - Ey!

Das ist Ja wie Weihnachten und Ostern zusammen.

- Danke. - Danke, Herr Simon.

Ach, da seid ihr ja.

Das ist die Jana, die Frau vom Udo.

Das sind die Söhne. Thorsten und der... sag's selbst.

- Jaques. - Jaques.

Das ist meine, Petra.

Die Jennifer und die Nadine.

Können Sie sich das merken, Herr...

Dr. Loewe.

Guten Tag. Ja, ja, das ist die Petra.

Und... Nein.

Also das ist die Petra und...

Bis gleich. Udo!

Bisher konnte ich mir nur Petra merken.

(die Kinder lachen)

Sie kommen aus München? Ich würde gerne mal die Alpen sehen.

Kommen Sie mit, wir sind auf dem Weg nach München,

weil wir da ein Weihnachtskonzert geben.

Maestro und ich haben überlegt,

dass Sie über Weihnachten nach München kommen.

Wie stellen Sie sich das vor? Wir müssen alle irgendwo schlafen.

Na ja, meine Mutter hat eine riesige Wohnung in Bogenhausen.

Da ist Platz für alle. Und die Alpen sind so schön.

Die muss man gesehen haben.

Warum nicht? Weihnachten steht vor der Tür, das Haus auf der Grundmauer.

Klar, da müssen wir die Gelegenheit beim Schopfe packen.

Hey, wir fahren nach München.

- Fahren wir mit dem BMW? - Vielleicht, weiß nicht.

- Thorsten, wir fahren mit dem BMW. - Das müssen wir dem Papa sagen.

- Hast du den Schaden entdeckt? - Hier gibt's Marder.

- Wusstest du das? - Nee.

Denen scheint VW-Kabel gut zu schmecken.

Ich habe es provisorisch geflickt, hält bis München.

Danke, Tillmann.

Steigt mal ein.

Passt auf, wir machen das so. Mutti und ich fahren im VW mit.

Also im Käfer. Und ihr beide dürft im BMW mitfahren.

- Ja! - Ja!

Na komm. Warst du schon pullern?

- Nee. - Nicht, dass wir anhalten müssen.

- Musst du? - Ich muss nicht.

- Gut, das ist gut. - So.

Nadine, VW-Zündkabel mit Isolierband.

Das ist für den Marder wie Weihnachtsessen. Ja.

Das schmeckt dem wie dir Pommes mit Broiler. Pass auf.

- Darf ich helfen? - Bitte schön.

Lernen wir da auch Ihre Freundin kennen?

Gruß an deine Frau. Wollt ihr nicht mitkommen?

Es gibt Zugverbindungen nach München.

Nee, danke. Weihnachten und Familie, das ist nicht so mein Ding.

Ich habe der Moni versprochen, dass wir Weihnachten feiern.

- Danke. - (Hermann) Na gut.

Wenn eine Frau mitkommt, das hebt die Moral.

- (Udo) Macht's gut. - Frohe Weihnachten!

Feiert nicht so wild.

- Lasst uns Arbeit übrig. - Na klar.

(weihnachtliche Musik)

Auf eine glückliche, neue Zeit.

Für uns war das auch ein erfreuliches Jahr.

Es war das umsatzstärkste seit Bestehen der Agentur.

Dank unseres Maestros,

Hermann Simon, der für uns 83 Konzerte gegeben hat.

84, liebe Mama, du hast unser Weihnachtskonzert vergessen.

Und zwölf Platten aufnahm.

- Auf Ihr Wohl. - Vielen Dank, Frau Loewe.

Aber das muss im nächsten Jahr weniger werden.

Sie schauen auf meine Finger. Ich bin ein Arbeiter.

Aber ich habe keine Tatzen. Stimmt's, Petra?

Petra, was war's an mir, was dir zuerst gefallen hat?

Hm? Na sag's, na sag's.

Es waren meine Hände. "Richtige Gynäkologen-Hände hast du."

Das hast du gesagt.

(fröhliche Klaviermusik)

Na, wer kommt denn da?

Hui.

Wissen Sie, wo ich Klavier gelernt habe?

An der besten Leipziger Musikschule.

Da war mein Vati Hausmeister und wenn der Unterricht ausgefallen ist,

durfte ich ran und habe geübt, bis ich es draufhatte.

"Dampf, Druck und Drill", hat Vati immer gesagt.

Schon wieder.

(Gunnar) Zu Preisen hat es nie gereicht,

aber wenn Sie einen Barpianisten brauchen, für Sie jederzeit.

Gratis, kostenlos, aber nicht umsonst.

- Darf ich mal Ihr Telefon benutzen? - Selbstverständlich, Bibliothek.

(Besetztzeichen)

(Clarissa) Da. 1989, Smiley.

(sie liest "Frohe Weihnachten" auf verschiedenen Sprachen)

Merry Christmas... Mensch, die Sprachen kannst du alle?

Esst ihr noch was?

Oder nicht?

Dann räume ich jetzt ab.

(weihnachtliche Musik)

Hast du immer noch Heimweh?

Wenn ich dich habe, spüre ich ganz was anderes.

Aber deine Mutter in Zeitz, die ist jetzt traurig ohne dich.

Kann schon sein.

Aber ohne dich bei meiner Mutter...

da wäre ich vielleicht traurig.

- Das wollen wir ja auch nicht. - Nein.

(gefühlvolle Bläsermusik)

Genießt die Aussicht!

Genießt die Aussichten!

- Das ist Wahnsinn. - Ist das herrlich.

So einen Ausblick hatte ich noch nie, da haben Sie Glück.

Wir Deutschen sind das glücklichste Volk auf der Welt.

Ich bin der glücklichste Deutsche.

Wenn ich hier so stehe, dann glaube ich es wirklich.

Ich sage euch, die Einheit kommt schneller, als wir denken.

In fünf Jahren haben wir ein vereintes Deutschland.

Wenn ich an letztes Weihnachten denke, was ein Glück.

Was macht denn der Gunnar?

♪ Von den Alpen bis zur Nordsee

Von der Oder bis zum Rhein

Deutschland du, mein Vaterland

Du mein Heimatland ♪

(alle) Deutschland, wir kommen!

Genossen, Bundesbürger. Ich muss euch was sagen.

Im Angesicht dieser Berge verrate ich euch mein Geheimnis.

- Wisst ihr, warum ich den Erich kann? - Nee.

Meine Großeltern wohnten in Suhl. Ich wollte Jodeln lernen.

(er jodelt)

So weit habe ich es geschafft, immer vor und zurück.

Wenn du's nicht mehr zurückschaffst, ist es der Honecker.

- Noch mal. - Jawohl.

(er jodelt)

- Mama, mir ist kalt. - Noch ein bisschen, dann wird's warm.

- Danke, Herr Loewe. - (Hermann) Jaques.

(Gunnar) Petra, Petra.

Reinhold.

Petra. Petra, bleib hier!

(Stimmengewirr)

(Bläsermusik klingt aus)

- Sie kriegen oft Nasenbluten. - Ja, Ja, Ich weiß.

Nicht sehr männlich, hm?

Am besten, Sie lehnen sich nach hinten.

Ruhig auf meine Schulter.

- So? - So ist es gut, ja.

Das habe ich im ZV-Unterricht gelernt.

ZV? Was ist das?

Zivilverteidigung.

(sanfte Musik)

So.

- Wieder nicht dabei. - Kann ja nicht wahr sein.

Herr Simon? Herr Simon, ich fahre jetzt da hoch.

Wir stehen hier eine Weile. Was treiben die da oben?

Weiß ich nicht. Beruhigen Sie sich. Die kommt schon.

- Ich fahre hoch. - Viel zu teuer.

- Das bringt nichts. - Dann fahre ich.

- Wir wissen nicht, was passiert ist. - Ich stehe hier nicht rum.

Na? Glücklich?

- (Udo) Willst du alleine fahren? - Ich bin alleine!

Du spinnst wohl.

Jetzt haben wir ein Transportproblem.

(beide) Papa! Halt an!

Halt an! Ich will zu meinem Papa!

(die Mädchen weinen)

Ob das richtig ist, was ich hier tue?

(Loewe) Habt keine Angst.

Ich bin für euch da.

(dramatische Musik)

Clarissa.

Und das Theater? Deine Vorstellung?

(gefühlvolle Musik)

Du hast Fieber.

Na?

- Müde? - Nein.

(Jana) Jacque.

Jacque, los, komm.

Ich lasse dich jetzt nie mehr allein.

(gefühlvolle Musik)

(Jubel, Feuerwerk)

Ich weiß, was ihr wollt.

- Einen guten Rutsch! - Frohes neues Jahr!

1990 wird euch helfen.

(dramatische Musik)

(Chorgesang setzt ein)

Untertitel: Vanessa Klein 2023

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