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Zulu
* Abenteuerliche Westernmusik *
(L. Warren) Der Mythos vom Wilden Westen
ist ein Produkt von Sehnsüchten.
(J. Stetler) Viele von uns haben als Kinder
gerne Cowboy und Indianer gespielt.
(Off) Der Wilde Westen:
Erfunden und inszeniert von einem geschäftstüchtigen Abenteurer
und genialen Entertainer:
William Frederick Cody alias "Buffalo Bill".
(J. Johnston) Für mich hat Buffalo Bill
den Wilden Westen erfunden.
(Off) Seine Wild-West-Show begeistert Millionen
in Amerika und in Europa.
Zum ersten Mal kommen hier viele mit Native Americans in Berührung.
(J. Means) Er ist die Schlüsselfigur.
Seine Wild-West-Show prägte das Klischee
der Native Americans als "edle Wilde".
(Off) Vom unbedeutenden Bisonjäger wurde er zum Superstar seiner Zeit.
Wer war der Mann, der den Wilden Westen erfand?
* Musik verstummt. *
* Romantische Westernmusik *
(Off) Hier ist er noch lebendig, der Wilde Westen.
Die Stadt Cody in Wyoming,
benannt nach ihrem berühmten Gründer William Cody,
besser bekannt als Buffalo Bill.
Wie wir uns heute den Wilden Westen vorstellen,
das wurde vor allem von William Cody erfunden.
Seine Show "Buffalo Bill's Wild West" machte ihn zur Legende
und den Mann dahinter zu einem amerikanischen Nationalhelden.
Vieles von dem, was er später auf die Bühne brachte,
war von eigenen Erlebnissen beeinflusst.
(A. Emmerich) Was an Buffalo Bill besonders ist,
ist natürlich, dass er in unfassbar viele historische Ereignisse
und Gegebenheiten der Wild-West-Geschichte verbandelt war.
Er kämpfte gegen Native Americans, war Späher für die US-Armee
und Büffeljäger für die Eisenbahngesellschaft.
Er war ein Mensch, der sich nach Aufmerksamkeit sehnte.
Und die bekam er, indem er seine Lebensgeschichte erzählte.
Er wurde weltberühmt.
* Verträumte Gitarrenmusik *
(Off) Die Great Plains.
Schier endlose, karge Ebenen im Westen Amerikas.
Hier kommt William Cody 1846 zur Welt.
Er wächst in einer typischen Siedlerfamilie auf.
Wie viele andere versuchen sich die Codys
in den neu entstehenden Territorien ein besseres Leben aufzubauen.
Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es im Süden und Osten der USA
schon die Bundesstaaten in ihren heutigen Grenzen.
Der Westen hingegen ist noch weitgehend unerschlossen
und nur sehr spärlich besiedelt.
Als kleiner Junge zog Cody ständig durch das Land,
lernte neue Menschen, neue Gebiete und neue Siedlungen kennen.
Seine Autobiografie fängt die vielen Entbehrungen ein,
die Familien auf ihrem Weg gen Westen meist durchlebten.
(Off) Mit der eigenen Farm will Williams Vater
genug Geld für die Familie verdienen.
Doch die Codys erleben Rückschläge.
Williams älterer Bruder stirbt beim Sturz vom Pferd,
dann stirbt auch sein Vater.
Mit elf Jahren muss William sehen, wie er die Familie durchbringt.
Er war jetzt für seine Mutter, seine Schwestern
und den jüngeren Bruder verantwortlich.
Er nutzte jede Gelegenheit, um an Geld zu kommen.
(Off) Jung-William schlägt sich als Viehtreiber durch
und wird Botenjunge für die großen Wagentracks,
die Vorräte in den Westen schaffen.
Diese Zeit prägt ihn.
Er war ein echter Westerner.
Er wurde dort draußen geboren
und in seiner Jugend erlebte er all die Abenteuer junger Grenzgänger.
* Abenteuerliche Musik *
(Off) 1860 bekommt Cody ein Stellenangebot als Gespannführer.
Doch die Beschreibung klingt alles andere als verlockend:
(Mann, off) "Gesucht: Junge, drahtige Kerle.
Müssen bereit sein, täglich den Tod zu riskieren,
Waisenkinder bevorzugt."
(Off) Seine neuen Arbeitgeber haben eine gewagte Geschäftsidee:
den "Pony Express".
Eine Postverbindung zu Pferd, die St. Joseph im Osten der USA
mit Sacramento in Kalifornien verbindet.
3000 Kilometer quer durch wildes und kaum besiedeltes Land.
* Musik verstummt. *
Sie waren Regen, Schnee, Hitze, Trockenheit, Klapperschlangen
und anderen Naturgefahren ausgesetzt.
Sie versuchten einfach am Leben zu bleiben
und genug Geld für sich und ihre Familien zu verdienen.
(Off) Allerdings:
Über seine Autobiografie hinaus gibt es keinen Beweis,
dass Cody tatsächlich so gefährliche Touren unternommen hat.
Er behauptete, den längsten Ritt
in der Geschichte des Pony Express unternommen
und viele Abenteuer erlebt zu haben.
Aber was Fiktion und was Realität war,
werden wir wohl nie erfahren.
(Off) Der Pony Express hält sich nicht lang.
Die Kosten für Reiter und Pferde sind astronomisch.
Die Firmeneigner machen Schulden in Millionenhöhe -
in nicht mal einem Jahr.
* Zugrattern *
(Off) Technische Neuerungen wie die Eisenbahn und die Telegrafenlinie
lösen den Pony Express schnell ab bei der Eroberung des Westens.
* Hoffnungsvolle Gitarrenmusik *
(Off) Die vielen Arbeiter der neuen Eisenbahngesellschaften
müssen mit Lebensmitteln versorgt werden.
Cody wittert ein gutes Geschäft.
Bei der Kansas Pacific Railway
lässt er sich als Bisonjäger anstellen.
Für den geschickten Jäger eine sichere Anstellung.
Die Vereinigten Staaten treiben den Bau der Eisenbahn nach Westen
mit aller Kraft voran.
(A. Emmerich) Die Eisenbahn als durchgängige Strecke
über den gesamten nordamerikanischen Kontinent
war ein deutliches Mittel der Beanspruchung.
Und aber auch ein deutliches Mittel:
"Wir haben die neueste Technik und wir breiten jetzt aus."
(Off) "Frontier" nennt sich die Siedlungsgrenze
zwischen der Wildnis und der Zivilisation.
An dieser Grenze werden aus europäischen Siedlern Amerikaner.
Sie zäunen das vermeintlich herrenlose Land ein
und machen es urbar.
Dieses idealisierte Bild gehört zu den Gründungsmythen
der noch jungen amerikanischen Nation.
(A. Emmerich) Da gibt es das berühmte Gemälde von John Gast,
"American Progress", wo Columbia über den Kontinent schwebt
und die Zivilisation bringt.
(Off) Columbia - Sinnbild der Vereinigten Staaten.
Mit dem Telegrafendraht in der Hand
schwebt sie in den noch unterentwickelten Westen.
In ihrem Schlagschatten bahnen sich Siedler, Wagentracks
und Postkutschen den Weg.
Der Aufbruch nach Westen als ein Auftrag von ganz oben.
Wenn wir sagen, dass die Vereinigten Staaten "expandierten",
klingt das wie ein natürlicher Prozess.
Er lässt vergessen, dass dieses Land bereits jemandem gehörte.
* Trommelnde, melancholische Musik *
Man glaubte, dass alle Native Americans
nackt durch die Wälder liefen und Tiere jagten.
In der Realität waren sie sehr zivilisiert,
hatten klar strukturierte politische Mechanismen,
komplexe religiöse Überzeugungen.
Sie glaubten an einen Gott
und an die Heiligkeit von Tieren, von Orten, ihrem Land.
(Off) Über 500 verschiedene indigene Stämme
leben Mitte des 19. Jahrhunderts im amerikanischen Westen.
Darunter auch die "Lakota-Sioux",
Nomaden, die von der Büffeljagd leben.
Die Lakota werden später die meisten Schauspieler
in "Buffalo Bill's Wild-West-Show" stellen.
Zurzeit der Expansion nach Westen
gehören sie noch zu den größten und einflussreichsten Völkern
im mittleren Westen Amerikas.
"Sioux" ist der Name, den uns die Franzosen gaben.
Wir selbst nennen uns "Lakota".
Damals beherrschten wir ein gigantisches Territorium.
Teile des östlichen Wyoming, ganz South Dakota,
zwei Drittel von Nebraska, North Dakota und Teile von Montana.
Dieses Gebiet machte wahrscheinlich
25 bis 30 % des gesamten Territori- ums der Vereinigten Staaten aus.
Die Lakota waren also ein bedeutendes indigenes Volk.
* Sanfte, düstere Musik *
(Off) Bis Präsident Abraham Lincoln 1862
den Homestead Act unterzeichnet.
Allen amerikanischen Bürgern und Einwanderern,
die erst US-Bürger werden wollen, wird jetzt erlaubt,
sich auf dem vermeintlich herrenlosen Land niederzulassen.
Die Verheißung der eigenen Scholle lockt mehr und mehr Siedler,
die weiter, immer weiter in den Westen vorstoßen.
Die Leute haben nicht verstanden,
dass das Land in den Great Plains schon jemandem gehörte -
den Native Americans, die davon lebten.
Es war ein unglaublich gewalttätiger und aggressiver Akt von Lincoln.
Im Grunde sagte er:
"Macht euch auf und besiedelt das Land.
Wen kümmern schon die Indianer, die dort leben."
Viele Native Americans
sahen das als einen aggressiven Schritt der Vereinigten Staaten.
Sie gingen militärisch gegen die Siedler vor.
Das war unvermeidlich.
* Schuss *
(Off) Über drei Jahrzehnte lang werden die Vereinigten Staaten
Krieg gegen die Native Americans führen.
Diese "Indianerkriege" sollten am Ende zur Unterwerfung
und zur Ausrottung großer Teile
der indigenen Bevölkerung Nordamerikas führen.
* Spannungsgeladene Musik *
(Off) Auch William Cody dient in diesen Kriegen.
Seit seiner Kindheit lebt er in den Great Plains,
kam schon früh in Kontakt mit Native Americans.
Deshalb setzt man ihn als Spurensucher, als Aufklärer ein.
Die US-Armee brauchte Leute,
die das Gelände und die Menschen da draußen kennen
und mit ihnen kommunizieren können.
Sie mussten mit Menschen verschiedener Ethnien
und Herkunft zurechtkommen.
Die privaten Aufzeichnungen von Buffalo Bill zeigen,
dass es nicht nur gewaltsame Auseinandersetzungen
mit den indigenen Stämmen gab,
sondern auch den Versuch,
ihre Kultur zu verstehen und ihre Sprache zu lernen.
* Bedrohliche Musik *
(Off) Im Dienst der US-Army
wird Cody in Scharmützel und Schlachten verwickelt.
Er tötet auch Native Americans.
Wie es in der Schlacht von Summit Springs
1869 gewesen sein könnte,
bei der ein Häuptling der Cheyenne erschossen wird.
Buffalo Bill behauptete, dass er "Tall Bull" getötet habe,
aber nur weil er sein Pferd wollte.
Er sah den Cheyenne-Krieger über die Prärie galoppieren und dachte sich:
"Mir gefällt das Pferd von diesem Kerl."
Er tötete ihn und nahm sich das Pferd.
Das jedenfalls war seine Story.
Aber auch viele andere prahlten damit,
Tall Bull getötet zu haben.
(Off) Solche "Heldentaten"
trugen ihm allerdings nicht den Spitznamen Buffalo Bill ein.
Es war die Bisonjagd.
Als junger Mann war er sportlich.
Vor allem war er ein sehr guter Reiter.
Er jagte vom Pferd aus, was sehr schwierig ist.
Das meisterten damals nur wenige.
* Schüsse *
(Off) Codys Talent fürs Töten nimmt obszöne Ausmaße an.
In seinen ersten eineinhalb Jahren als Jäger für die Eisenbahn
soll er eigenhändig über 4000 Bisons erschossen haben.
Er war sehr erfolgreich.
Aber die Eisenbahnbauer hatten es satt,
tagein, tagaus Büffelfleisch zu essen.
Zum Frühstück, zum Mittagessen, zum Abendessen -
immer nur Büffel, Büffel, Büffel.
Also dachten sie sich diesen kleinen Reim aus:
Buffalo Bill, trifft immer, schießt nie daneben.
Das war ein Scherz, weil es ständig Büffelfleisch gab.
Und er hat sich diesen Spitznamen zu eigen gemacht.
(Off) Es sollte die Taufe einer Westernlegende sein.
Aus William Frederick Cody wird Buffalo Bill.
Der Prototyp des Westernhelden.
Und ein Image, das Buffalo Bill lebenslang kultivieren wird.
Die Bisonjagd dient nicht nur der Fleischbeschaffung.
Für viele Native Americans ist sie die Grundlage ihrer Existenz.
Hardliner in der US-Regierung
sehen in der Jagd auf den Bison die Lösung ihres "Indianerproblems".
Die US-Armee nutzte eine militärische Standardtaktik:
Die wirtschaftliche Grundlage des Feindes zerstören.
Alle Bisons sollten vernichtet werden.
So töteten Jäger wie Buffalo Bill tagtäglich Tausende von Tieren.
* Windrauschen *
(E. Lapointe) Im Kampf konnten sie uns nicht besiegen.
Also zerstörten sie alle unsere Ressourcen zum Überleben.
Vor allem den Bison.
Er war unser Leben.
Wir respektierten ihn und wir kümmerten uns um ihn.
Wir verwendeten seine Knochen, seine Haut, seine Eingeweide,
alles, was unser vierbeiniger Bruder hergab.
* Triste Musik *
Die Ausrottung des Bisons
veränderte das Ökosystem grundlegend.
Sie veränderte die Lebensweise der Lakota
und hatte verheerende Folgen für deren Kultur und Lebensweise.
Das kann man sich kaum vorstellen.
Den psychologischen, wirtschaftlichen
und kulturellen Horror, den man durchlebt,
wenn sich die eigene Welt in nur zwei Jahrzehnten völlig verändert.
(Off) Schätzungsweise 30 Millionen Bisons
gab es zu Beginn des 19. Jahrhunderts.
1890 waren es nur noch wenige hundert.
Ich finde es absurd,
dass diese Leute dafür gefeiert wurden.
Dass Buffalo Bill dadurch berühmt wurde
und darauf eine Karriere aufbauen konnte.
Aus meiner indigenen Sicht war das eine Sünde.
Es war gegen Gott.
Das nehme ich persönlich.
Und viele andere Native Americans sicher auch.
* Nachdenklich stimmende Gitarrenmusik *
(Off) Im Sommer 1869 kommt ein Mann in den Westen,
der auf der Suche nach Abenteuergeschichten
und unterhaltsamen Charakteren ist.
* Zugrattern *
(Off) Der New Yorker Autor Ned Buntline.
Er galt als der bestbezahlte Schriftsteller Amerikas.
Er kam in den Westen für eine Geschichte,
die er schreiben und verkaufen konnte.
(Off) Als Autor von Groschenromanen
hat sich Buntline einen Namen gemacht.
Die "Dime Novel" ist damals eine äußerst beliebte Unterhaltung.
Simple Geschichten voller Abenteuer und Romantik.
Billig produzierte Taschenbücher für den Massenmarkt,
in großer Menge gedruckt.
Und ständig wird Nachschub an packenden Geschichten benötigt.
Buntline und Cody begegnen sich in Nebraska.
Der gutaussehende und charismatische Cody
beeindruckt den Autor von der Ostküste.
Buntline hat zwar den Ruf eines Säufers und Betrügers,
aber auch sehr viel Geschäftssinn.
Er erkennt rasch:
Mit der Figur des Buffalo Bill lässt sich viel Geld verdienen.
Ich glaube, Buntline war von der Idee begeistert,
einen weißen Armee-Kundschafter zum Romanhelden zu machen.
Cody erzählte Buntline bereitwillig seine ganze Lebensgeschichte.
Und so schrieb Buntline den ersten Buffalo-Bill-Groschenroman.
(Off) Die "Dime Novels" strotzen vor maßlos überzogenen Abenteuern.
Buffalo Bill kämpft gegen Banditen, rettet bedrängte Frauen.
Diese Geschichten sind erfunden, nur ihr Titelheld ist echt.
Er hat dieses Wechselspiel zwischen sich selbst und der Figur
aus den Groschenromanen geschaffen.
Fast so, als wäre John Wayne ein echter Cowboy
oder als hätte Mel Gibson
tatsächlich die schottische Unabhängigkeit errungen.
Das war einfach fesselnd.
(Off) Es sollte insgesamt 590 Ausgaben geben.
Sie werden in viele Sprachen übersetzt
und tragen ein bestimmtes Bild des Wilden Westens hinaus in alle Welt.
Zum Großteil glaubten die Leute die Geschichten, die sie lasen,
auch wenn viele davon frei erfunden waren.
Einfach, weil sie keine anderen Informationsquellen hatten.
Das Wenige, was sie über den amerikanischen Westen wussten,
hatten sie aus diesen Romanen.
* Leise Westernmusik und Pferdegetrappel *
Der Groschenroman trug mehr als alles andere dazu bei,
Buffalo Bill weltberühmt zu machen.
* Beschwingte Gitarrenmusik *
(Off) Das "Buffalo Bill Center of the West" in Cody.
Ein Pilgerort für Westernfans aus der ganzen Welt.
Über 300 Exponate in der Ausstellung
erzählen von William Cody und seiner Verwandlung zu Buffalo Bill.
In den Archiven liegen über 10.000 weitere Exponate,
die für die Öffentlichkeit unzugänglich sind.
Kurator Sam Hanna ist in der Sammlung des Museums
auf einen besonderen Schatz gestoßen.
(S. Hanna) In diesem Ordner sind einige unserer Groschenromane.
Die Groschenromane waren weltweit beliebt.
Dadurch wurde Cody erst regional,
dann national und schließlich international bekannt.
Wir haben italienische, deutsche, französische und, ich glaube,
niederländische Romane in unserer Sammlung.
Das hier ist eine Sammlung
von Buffalo-Bill-Groschenromanen aus Italien.
Sie wurde uns von jemandem geschenkt, für den sie alles bedeutete.
Als er als Kind von Italien in die Vereinigten Staaten auswanderte,
nahm er die Sammlung als eines seiner wertvollsten Besitztümer mit.
(Off) Chicago 1872.
Der Held der Groschenromane ist bereits eine Berühmtheit,
als Ned Buntline auf eine neue Idee zum Geldverdienen kommt.
Buffalo Bills gewagte Abenteuer
sollen auch auf die Theaterbühne kommen.
Die Städte im Osten Amerikas
erfahren seit der Mitte des 19. Jahrhunderts
einen extremen Wandel.
Die Industrialisierung bringt technischen Fortschritt und Arbeit.
Menschen aus den ländlichen Regionen und Einwanderer aus der ganzen Welt
lassen die Bevölkerung schnell anwachsen.
Als Cody in Chicago eintrifft, hat die Stadt fast 500.000 Einwohner.
Menschen, die abends unterhalten werden wollen.
Für sie sind Buffalo Bills Eskapaden im Wilden Westen
eine willkommene Flucht aus dem tristen Arbeitsalltag.
Buntline sieht Cody deshalb in der Hauptrolle
eines selbst geschriebenen Stücks:
"Scouts of the Prairie".
* Schwermütige E-Gitarrenmusik *
(Off) Der Ruhm lockt, doch Cody zweifelt.
Schauspieler ist er nicht.
Anderseits:
Schon etliche Male hat er reiche Touristen auf Jagdausflügen
mit seinen Geschichten amüsiert.
Buntline schreibt improvisierte Dialoge in den Text.
Cody kann sein Talent zum Erzählen voll ausspielen.
Buffalo Bill brauchte zwar eine Weile, um sich anzupassen,
wurde aber am Ende ein ganz passabler Schauspieler.
Vor allem liebte er es, Geschichten zu erzählen.
Er war ein wirklich genialer Geschichtenerzähler.
Er machte aus dieser Fähigkeit eine Kunstform,
die er beherrschte wie kein anderer.
Er musste immer im Mittelpunkt stehen.
Er brauchte das Rampenlicht.
Und nachdem er das erste Mal im Rampenlicht gestanden hatte,
ging es nicht mehr ohne.
* Verkehrsgeräusche *
(S. Hanna) Das ist eines der älteren Plakate in unserer Sammlung.
Ein Werbeplakat für die "Buffalo Bill Combination".
Es stammt aus dem Jahr 1878, als er etwa 30 Jahre alt war.
Bills gutes Aussehen wurde in den damaligen Zeitungen häufig erwähnt
und trug sicherlich zur Popularität seiner Show bei.
* Lässige Gitarrenmusik *
(Off) Zögerte er anfangs noch,
so ist er bald ein gefeierter Star der Bühne.
Nach der ersten Saison trennt er sich von Buntline
und gründet eine eigene Truppe: die Buffalo Bill Combination.
Sie tritt mit dem Stück "Scouts of the Plains" auf.
Darin werden natürlich all die Abenteuer aneinandergereiht,
die Buffalo Bill und seine Kumpane in den Plains erleben.
Die Handlung ist schnell zusammengefasst:
Buffalo Bill zieht los, rettet eine weiße Frau
und knallt dabei viele Menschen ab.
Das ist die Handlung der meisten,
wenn nicht sogar aller Theaterstücke,
die Anfang der 1870er-Jahre für Buffalo Bill geschrieben wurden.
(Off) Die Buffalo Bill Combination erntet vernichtende Kritiken.
"Ein Groschenroman auf der Bühne", so heißt es.
Kassenschlager werden seine Stücke dennoch.
Cody liefert, was das großstädtische Publikum sehen will:
vermeintlich authentische Geschichten aus dem Wilden Westen.
Im Sommer verließ er das Theater
und ging als Armee-Scout in den Westen,
um im Herbst mit einem neuen Stück auf die Bühne zurückzukehren.
Das angeblich von seinen Abenteuern handelte.
Das tat es nicht.
Es war frei erfunden, aber er war der Star des Stückes.
Für das Publikum schuf das eine Verbindung
zwischen den Inszenierungen
und dem echten Leben da draußen im Westen.
(Off) Das Jahr 1876 bringt für Cody die Chance
auf ein weiteres spektakuläres Abenteuer für seine Bühnenshow.
Es ist die Schlacht am "Little Bighorn".
Fünf Kompanien der US-Armee, unter der Führung von General Custer,
werden von den Lakota, Araphao und Cheyenne vernichtend geschlagen.
Der Held der Great Plains bietet ohne zu zögern seine Hilfe an.
Die Armee heuerte ihn als Kundschafter an,
um in der Prärie Native Americans festzusetzen,
die in der Schlacht am Little Bighorn gekämpft hatten.
(Off) Nach wenigen Tagesritten
macht Buffalo Bill die Krieger der Cheyenne ausfindig.
Er war auf der Suche nach einem Abenteuer.
Am Morgen des Ausritts zog er sein Bühnenkostüm an.
Er wusste sehr wohl,
dass er diesen Kampf für seine Show ausschlachten könnte.
Tatsächlich traf er auf eine Gruppe Native Americans
und es kam zum Kampf.
Dabei tötete Buffalo Bill einen seiner Gegner und nahm seinen Skalp.
* Schuss *
Dieser Native American hieß "Yellow Hair".
Buffalo Bill zog ihm den Skalp ab,
hielt ihn in die Höhe und rief den Truppen zu:
"Das ist der erste Skalp für Custer."
* Angespannte Musik *
(Off) Diese Ereignisse werden zu einem Bühnenstück verarbeitet.
Der neue Publikumshit trägt den Titel:
"Buffalo Bill's First Scalp for Custer".
Den Skalp von Yellow Hair nutzt Cody dabei als Bühnenrequisit.
Aus heutiger Sicht ist so etwas einfach nur grausam und barbarisch.
Jemand anderem den Skalp abzuziehen.
Das war sehr opportunistisch von Buffalo Bill,
diese Situation für seine Show auszuschlachten.
* Verträumte Gitarrenmusik *
(Off) 1882 veranstaltet Buffalo Bill ein Rodeo
in seinem Wohnort North Platte, Nebraska.
Auf eine 10-jährige Bühnenkarriere kann Cody da schon zurückblicken.
Aus dem einstigen Bisonjäger ist ein wohlhabender Entertainer geworden.
Doch als Cody die Reiter und das Lassowerfen beobachtet,
wird ihm eines schmerzlich bewusst:
Weit hat er sich von seinen Wurzeln entfernt,
die Bühne engt ihn ein.
Das war der Punkt, an dem er überlegte:
"Wenn ich eine riesige Arena hätte mit einer Postkutsche,
Bisons und Lakota-Darstellern auf Pferden,
könnte ich eine Wahnsinnsshow auf die Beine stellen."
Schon in den späten 1870er-Jahren hatte er damit angefangen,
echte Native Americans zu sich auf die Bühne zu holen.
Das Publikum liebte das.
Es kam in Scharen, um sie zu sehen.
Aber Cody wusste, um die Fähigkeiten der Native Americans
am besten bewundern zu können,
muss man sie zu Pferd erleben, unter freiem Himmel.
Ihm wurde klar: "Wir müssen nach draußen gehen."
(Off) Cody stellt sich eine bunte Truppe
mit ganz unterschiedlichen Menschen zusammen,
Krieger der Lakota, mexikanische Cowboys,
Rodeoreiter, Kunstschützen.
"Buffalo Bill's Wild West"
sollte das Showbusiness für immer verändern.
Das war viel mehr als nur ein Theaterstück,
das entsprang der Realität.
Mit authentischen Schauspielern,
die nicht nur auswendig gelernte Sätze aufsagten,
sondern Fähigkeiten aus ihrem realen Leben im Westen darboten.
(Off) Cody hat alle Hände voll damit zu tun,
diese Truppe zu organisieren.
Die Männer mögen authentisch sein,
doch Profis für eine Showkarriere sind sie nicht.
Es mangelt an Disziplin und Ordnung.
Damals war der Konsum von rauen Mengen an Alkohol
im amerikanischen Westen weit verbreitet.
Es war sogar üblich, am Arbeitsplatz zu trinken.
* Stimmengewirr *
* Pferdewiehern *
* Entfernter Schuss *
(Off) Einer der ersten Showeinlagen, die Buffalo Bill entwickelt,
ist der "Angriff auf die Postkutsche".
Er kauft die "Deadwood Stagecoach",
eine berühmt-berüchtigte Kutsche zum Goldtransport.
Einige Menschen schon sollen darin
bei Überfällen ihr Leben gelassen haben.
* Bedrückende Mundharmonika-Musik*
Wenn eine Berühmtheit im Publikum war,
holte er sie häufig herunter und setzte sie in die Postkutsche,
die in der Arena herumfuhr.
Am Anfang glaubten sie noch, es sei eine nette, friedliche Fahrt,
bis die Lakota-Krieger hinter den Kulissen auftauchten
und anfingen, die Kutsche zu beschießen.
Gerade wenn man dachte, alles sei verloren,
kam Buffalo Bill als Retter angeritten.
* Pferdewiehern und Stimmengewirr *
Alles schien so einfach, was konnte da schon schiefgehen?
Die Antwort lautet: Alles konnte schief gehen.
Und das tat es auch.
* Schlachtrufe *
Die Maultiere, die die Kutsche zogen,
merkten nicht, dass es sich nur um eine Vorstellung handelte.
Sie galoppierten einfach los und der Kutscher konnte sie nicht anhalten.
Also fuhren sie immer weiter in der Arena herum,
verfolgt von den Native-American-Darstellern,
die sich sagten:
"Irgendjemand sollte mal die Kutsche anhalten."
Der Bürgermeister hing aus dem Fenster und rief:
"Halt, stopp! Lieber Gott, haltet die Postkutsche an!"
Was für ein Schlamassel. Und das war erst der Anfang.
Im ersten Jahr gab es ständig solche Pannen.
* Angespannte Musik *
Trotzdem erregte die Show großes Aufsehen.
Sie wirkte authentisch,
voller echter Kerle aus dem Wilden Westen.
Allerdings solcher, von denen man seine Kinder lieber fernhielt.
Am Ende der Saison machte die Show Verluste
und sie bekam schlechte Kritiken.
(Off) Die Zukunft der Show ist ungewiss.
Auch im Privaten kriselt es.
Schon mit 20 hat er Louisa Frederici geheiratet,
von Anbeginn eine schwierige Ehe.
Das Paar bekommt vier Kinder.
Drei Töchter und einen Sohn.
Das ist Buffalo Bills Versuch, ein häusliches Leben zu führen.
Seine Frau Louisa fühlte sich oft vernachlässigt,
denn jeder Beruf, den Buffalo Bill ergriff,
bedeutete in der Regel,
dass er für lange Zeit von zu Hause weg war.
Sei es, um Bisons für die Eisenbahner zu jagen
oder vor einem Millionenpublikum aufzutreten.
Ja, es war hart für sein Privatleben.
* Bedrückende Musik *
(Off) Ein Schlag trifft ihn hart:
Sein Sohn erkrankt an Scharlach.
Cody bricht seine Tournee ab und reist nach Hause.
In den Briefen an seine Schwester Julia
drückt er seine Trauer raus.
Sie sind wirklich sehr bewegend und traurig.
(Mann, off) "Julia.
Gott hat uns unseren einzigen Jungen genommen.
Ich war hunderte von Meilen entfernt, als Lulu mir telegrafierte
und ich kam erst ein paar Stunden vor Kittys Tod nach Hause.
Er konnte nicht sprechen,
aber er legte seine kleinen Arme um meinen Hals,
so als wollte er sagen:
"Papa ist gekommen."
Kit Carson war sein einziger Sohn.
Sein Tod hat ihn tief getroffen.
* Beschwingte Musik *
(Off) Ein Jahr nach der eher erfolglosen
Gründung der Wild-West-Show
trifft Buffalo Bill auf einen alten Bekannten aus New York:
den Schauspieler Nate Salsbury.
Er wird Buffalo Bills Karriere
für immer in eine neue Richtung lenken.
Salsbury hat bereits eine Reihe von erfolgreichen Shows entwickelt.
Er bietet Cody seine Hilfe an.
Nate Salsbury hatte wirklich verstanden, was es braucht,
um eine Wild-West-Show auf die Beine zu stellen und zu managen.
(Off) Was dem Duo vorschwebt, ist eine Show,
wie sie die Welt noch nicht gesehen hat.
Eine spektakuläre Inszenierung der amerikanischen Frontierzeit.
Doch schnell entdeckt Salsbury
die problematischen Charakterzüge seines Geschäftspartners.
Als er Cody sturzbetrunken in seinem Zelt vorfindet,
droht er auszusteigen.
Er trank viel und feierte gerne mit seinen Freunden,
wahrscheinlich bis zum Exzess.
So war er aufgewachsen und daran hatte er sich gewöhnt.
(Off) Dennoch ist Salsbury davon überzeugt,
mit "Buffalo Bill's Wild West" eine wahre Goldgrube gefunden zu haben.
Cody verspricht nüchtern zu bleiben und Salsbury hilft ihm,
die Show neu aufzustellen.
Sein Plan:
weg vom Rüpel-Image und ein breiteres Publikum ansprechen.
"Unsere wichtigste Zielgruppe sind die Frauen und Mütter.
Wenn sie zur Show kommen, bringen sie ihre Kinder mit.
Sie werden ihre Männer mitbringen.
Und wir werden viel Geld verdienen."
(Off) Indigene Frauen,
die als Darstellerinnen samt Familie mitreisen,
sind von Anfang an ein Teil der Show.
Cody und Salsbury
wollen vor allem die weiße Mittelstandsfamilie ansprechen.
Daher beginnen sie damit, auch weiße Frauen anzuwerben.
* Lässige Westernmusik *
Diejenige, die wirklich zum Star wurde
und gewissermaßen den Goldstandard westlicher Weiblichkeit
in dieser Zeit darstellte,
war Annie Oakley.
(Off) Die damals 25-jährige Phoebe Ann Moss
begegnet Buffalo Bill bei einem Aufritt in New Orleans.
Unter dem Pseudonym Annie Oakley
hat sie sich bereits einen Namen als Kunstschützin gemacht
und ist mit anderen Shows durch Amerika gereist.
Sie betrat die Arena in einem schönen Kleid.
Ein Kleid, wie es die Frauen aus der Mittelschicht im Publikum trugen.
Frohen Fußes hüpfte sie in die Arena,
winkte dem Publikum zu und lächelte.
Diese zierliche, kleine Frau mit einem riesigen Gewehr,
die dann begann, auf Zielscheiben zu schießen.
* Wiederholte Schüsse *
* Musik verstummt. *
Sie vollführte wirklich beeindruckende Scharfschützentricks.
Sie schoss durch einen Spiegel,
sie schoss rückwärts, sie schoss aus einem Handstand.
(Off) Immer an ihrer Seite: ihr Mann und Manager Frank Butler,
ebenfalls ein Kunstschütze.
Zusammen mit ihm tritt sie auf in Buffalo Bills Arena.
Er hielt Karten hoch,
auf denen ein kleines Herz abgebildet war,
und sie schoss darauf in schneller Folge.
* Treibende Musik *
Dann nahmen sie die Karten und warfen sie ins Publikum.
Die Leute schnappten danach
und auf jeder Karte war ein Herz mit Einschussloch in der Mitte.
(Off) Cody gelingt es, Annie Oakley für die Show zu gewinnen.
Sie wird fast 17 Jahre lang bei "Buffalo Bills Wild West" bleiben
und eine der Hauptattraktionen sein.
* Wiederholte Schüsse *
(Off) Das Gesicht und das Aushängeschild
bleibt aber Buffalo Bill.
Er greift auf sein erprobtes Erfolgsrezept zurück:
dem Vermischen von historischen Ereignissen,
Abenteuergeschichten und der eigenen Biografie.
Besonders beliebt ist eine inszenierte Bisonjagd
und der Überfall auf die Reiter des Pony Express.
Vieles von dem, was er erzählte, war wahr.
Er erzählte Geschichten über den Pony Express,
die absolut wahr waren.
Es waren nur nicht seine Erlebnisse, sondern die anderer Leute.
Ist er also ein Lügner?
Sicher, er ist ein Künstler. Jeder Autor lügt.
Denn was ist Fiktion sonst als eine ganze Reihe von Lügen?
Aber eine Reihe von Lügen wie diese, das ist Kunst.
Und Cody war ein Künstler.
* Lässige Westernmusik *
Buffalo Bill war eine lebende Legende.
Er verband die Erzählweise und die Abenteuer der Groschenromane
mit seiner Lebenserfahrung.
Es war diese Mischung aus Historie und theatralischer Inszenierung,
die ihn als Entertainer so erfolgreich machte.
(Off) Großen Anteil an der Vermarktung Codys
hat Major John Burke, genannt "Arizona John".
Er ist weder Major noch stammt er aus Arizona.
Ein Lebemann mit einer Vorliebe für gute Zigarren,
der weiß, wie man Werbung macht.
John Burke war ein Marketinggenie, das alles,
was sich Buffalo Bill und Nate Salsbury ausdachten,
vermarkten konnte.
Sei es mithilfe von Wildwestplakaten oder in Zeitungsartikeln.
Die drei waren das perfekte Team,
das vielen anderen Wild-West-Shows einfach fehlte.
(Off) Die aufwendig produzierten Poster
werden zu einem Markenzeichen der Wild-West-Show.
In nur einer Saison lässt John Burke
bis zu einer halben Millionen Exemplare drucken.
Buffalo Bill verkörperte die Authentizität,
Nate Salsbury war derjenige, der die Logistik verstand
und eine hochwertige Show auf die Beine stellen konnte.
Und John Burke war ein hervorragender Vermarkter,
der diese Show ans Publikum brachte.
(Off) Das neue Konzept der Show geht auf.
"Buffalo Bill's Wild West"
wird ein Kassenerfolg an der amerikanischen Ostküste.
Cody und seine Kompagnons verdienen ein Vermögen.
* Stimmengewirr und fremdsprachige Rufe *
(Off) Von Beginn an spielen Native Americans
eine wesentliche Rolle in "Buffalo Bill's Wild West".
Sie untermauern den Anspruch der Show auf Authentizität
und tragen maßgeblich zum Publikumserfolg bei.
Ihre Rolle ist dabei meist die gleiche.
* Trommelschläge und fremdsprachiger Gesang *
Sie mussten einen guten Kampf liefern,
es wert sein, besiegt zu werden.
Für die Amerikaner durfte der Sieg nicht zu leicht wirken.
Andererseits mussten die Native Americans verlieren,
denn es war ihre Bestimmung,
vor diesem großen amerikanischen Imperium zu weichen,
das sich über den Kontinent ausbreitete.
Und Buffalo Bill nutzte dieses Motiv in seiner Show schamlos aus.
(Off) Cody bewirbt die Native Americans zwar als
"Ehemalige Feinde und neue Freunde",
doch die Wild-West-Show festigt das Klischee
der blutrünstigen wilden Krieger,
die in dramatischen Szenen der Show stets als Aggressoren auftreten.
Das Skalpieren
und die barbarischen Kriegsschreie der Native Americans gehörten dazu.
(Off) Codys Show erzählt von der glorreichen Expansion
der amerikanischen Nation
und rechtfertigt die Zurückdrängung der Native Americans.
* Spannungsvolle Kampfmusik *
(Off) Die Schattenseiten dieser Ausbreitung nach Westen
sucht man in seiner Show vergeblich.
Die Zuschauer glaubten, den echten Westen erlebt zu haben,
hatten aber nur einen winzigen Teil seiner brutalen Geschichte gesehen.
Keiner hatte eine Ahnung von den Schrecken des "Sand-Creek-Massakers"
an den Indigenen, von den Gräueltaten dort.
Die wurden in "Buffalo Bill's Wild West" nie erwähnt.
Ein klassisches Beispiel dafür,
dass die Sieger die Geschichte schreiben.
* Angespannte Musik *
(Off) In den 1890er-Jahren leben große Teile der Native Americans
bereits in Reservaten.
Die Ausrottung des Bisons hat die Lebensgrundlage der Lakota zerstört.
Häufig sind sie abhängig von Lebensmittelrationen
der US-Regierung.
Ihnen wird verboten, ihre Religion und Sprache zu leben.
Ihre Kultur wird systematisch unterdrückt.
In den Reservaten gibt es nur wenig Möglichkeiten,
Geld zu verdienen.
Als Darsteller in "Buffalo Bill's Wild West" mitzuwirken,
wird für einige Familien der Lakota zur willkommenen Alternative.
Das bot die Chance, das Reservat zu verlassen,
was man ohne die Erlaubnis der Behörden nicht durfte.
Man konnte reisen, Geld verdienen und so für die Familie sorgen.
Es ist wichtig zu erwähnen,
dass sie freiwillig an der Show teilnahmen.
Sie bekamen die gleiche Gage wie alle anderen Darsteller.
Außerhalb der Auftritte konnten sie immer noch sie selbst sein.
Sie konnten sich verhalten, wie sie wollten,
reden, wie sie wollten, beten, wie sie wollten.
Man kann es den Native Americans nicht verübeln,
dass sie diese Chance ergriffen.
Genau genommen kann man es Buffalo Bill nicht einmal vorwerfen,
sie rekrutiert und ausgenutzt zu haben,
denn er gab nie vor,
aus altruistischen Gründen zu handeln.
Er sagte:
"Ich plane ein profitables Unternehmen
und ich bezahle dafür, dass ihr mitmacht."
(Off) Für Buffalo Bill spricht,
dass sich seine Haltung gegenüber den alten Kriegsgegnern ändert.
Er spricht sich öffentlich für ihre Belange aus
und äußert Verständnis für ihren Widerstandkampf.
(Mann, off) "Jeder Aufruhr der Indianer, den ich erlebt habe,
war das Ergebnis gebrochener Versprechen
und gebrochener Verträge seitens der Regierung."
(Off) Mit vielen Native Americans verbindet ihn eine Freundschaft.
Wie mit "Chief Iron Tail",
der eine Hauptrolle in der Show spielt.
Auch wenn die beiden sich hauptsächlich
über Zeichensprache verständigen müssen.
Ein großer Wurf gelingt Cody als er den Widerstandskämpfer
und geistigen Anführer der Lakota "Sitting Bull" gewinnen kann.
Sitting Bull war berühmt.
Er hatte sein Volk spirituell
auf die Schlacht am Little Bighorn vorbereitet.
Obwohl er selbst nicht am Kampf teilnahm,
beschimpfte man ihn als den Mörder Custers.
Mit Sitting Bull brachte er
einen der bekanntesten Native Americans auf die Bühne.
(Off) Sitting Bull garantiert ausverkaufte Arenen.
Aber warum ließ sich der geistige Führer der Lakota
auf ein solches Engagement ein?
Ernie Lapointe ist ein Nachfahre Sitting Bulls.
Der Autor widmet sich seit Jahrzehnten
seinem berühmten Urgroßvater.
(E. Lapointe) Er war ein Visionär,
der sich um das Land und sein Volk kümmerte.
Aber die Amerikaner sahen ihn in einem anderen Licht.
Für sie war er ein Wilder.
Ich glaube, seine Motivation war es, den Amerikanern zu zeigen,
dass er kein Wilder war und nicht der blutrünstige Mörder,
als den sie ihn darstellten.
(Off) Im Gegensatz zu anderen Lakota
nimmt Sitting Bull nicht an den Showeinlagen teil.
Er tritt gesondert als großer Stammeshäuptling auf
und reitet stumm durch die Arena.
(E. Lapointe) Cody brachte ein Schild über dem Eingang an, auf dem stand:
"Komm und sieh Sitting Bull, den Mörder von Custer."
Das Publikum buhte ihn aus, spuckte ihn an und beschimpfte ihn.
Er verstand nicht, warum sie das taten,
bis ihm einer der Übersetzer sagte, was auf dem Schild stand.
Da war ihm klar: Cody war kein richtiger Freund.
Er benutzte ihn nur, um Geld für sich zu machen.
* Stimmengewirr *
(Off) Sitting Bulls Familie begleitet ihn auf dieser Tour.
Abseits der Arena lässt er sich mit ihr ablichten.
Er macht Pressetermine.
Dem Mörder Custers als Vater und Familienmenschen zu begegnen,
verändert sein öffentliches Ansehen von Grund auf.
(E. Lapointe) So wurde er bei den Amerikanern immer beliebter.
Er zeigte der Welt, dass die Lakota keine Wilden waren.
In dieser Hinsicht war er also tatsächlich erfolgreich.
* Melancholische Gitarrenmusik *
(Off) Doch nach einer Saison
gehen Buffalo Bill und Sitting Bull getrennte Wege.
* Musik verstummt. *
* Verkehrsgeräusche *
(Off) Im Frühjahr 1887 erhält Nate Salsbury ein Telegramm:
"Buffalo Bill's Wild West" ist eingeladen,
bei der amerikanischen Ausstellung in London teilzunehmen.
Cody nennt es ein ehrgeiziges, aber gefährliches Unterfangen.
Mehrere hundert Schausteller,
samt einer Menagerie von halbwilden Tieren,
über den Ozean zu transportieren, wird zur Herausforderung.
Über 500 Menschen und mehrere hundert Pferde
waren an der Show beteiligt.
Zeitweise reiste sogar eine Bisonherde mit.
Und es mussten auch noch die Tribünen
für circa 20.000 Zuschauer transportiert werden.
* Spannungsvolle Musik *
(Off) Am 31. März 1887
legt die "State of Nebraska" im Hafen von New York ab.
Auch wenn einige der Beteiligten
auf der Reise unter schwerer Seekrankheit leiden,
erreicht das Schiff gut zwei Wochen später
die Küste Großbritanniens ohne Zwischenfälle.
* Schiffshorn ertönt. *
(Off) Ziel der American Exhibition in London ist es,
die neuesten Produkte und industriellen Erfindungen
aus den Vereinigten Staaten zu präsentieren.
Zur Hauptattraktion aber wird "Buffalo Bill's Wild West"-Show,
die ihre Arena direkt vor den Toren der Ausstellung aufbaut
und an der deshalb jeder Besucher vorbeikommt.
Die meisten Europäer haben noch nie echte Bisons gesehen.
Native Americans kennen viele nur aus Völkerschauen,
sie aber in Aktion und zu Pferde zu sehen
ist eine Sensation.
In London verzeichnet die Show über zwei Millionen zahlende Besucher.
Es mag einem heute seltsam erscheinen,
aber die amerikanische Kultur galt im späten 19. Jahrhundert
als zweitklassig.
Nach England zu kommen, eine Show zu inszenieren
und damit sofort die Aufmerksamkeit der englischen Elite
und des Adels auf sich zu ziehen
und eine respektable Unterhaltung zu liefern,
war ein nahezu perfekter Coup.
* Lässige Westernmusik *
(Off) Codys persönlicher Höhepunkt während dieser Tournee:
eine Privataudienz bei Queen Victoria.
Gerne erzählt Cody,
wie sich die Queen vor der amerikanischen Flagge verbeugte.
Das ist nicht passiert.
Als Königin Victoria die Flagge präsentiert wurde,
nickte sie ihr zu, so wie den Flaggen anderer Nationen auch.
Sie sagte: "Danke. Ich erkenne euch an.
Ich sehe eure Flagge. Ich sehe euer Land.
Ich erkenne an, dass ihr ein Land seid."
Sie hat sich nicht vor der amerikanischen Flagge verbeugt.
Aber als Cody die Story in der Heimat erzählte,
war das amerikanische Publikum begeistert.
Die Engländer haben den Besuch anders in Erinnerung.
Jeder erinnert sich auf seine Weise und trotzdem sind alle glücklich.
Das nennt man Erfolg.
(Off) Dennoch: Die Würdigung der Queen
stellt einen Triumph der Vereinigten Staaten
auf internationalem Parkett dar.
Amerika ist nicht länger eine ehemalige Kolonie,
sondern eine internationale Macht
und sieht sich jetzt auf Augenhöhe mit den europäischen Nationen.
Doch Codys ständige Abwesenheit
hat die Gräben zu seiner Frau Louisa weiter vertieft.
Ihre Ehe steht vor dem Aus.
Cody reicht vor Gericht die Scheidung ein.
Ein gefundenes Fressen für die Boulevardpresse.
Sensationsgeschichten über sein Liebesleben
und seine gescheiterte Ehe beherrschten die Schlagzeilen.
So wurden tiefe und dunkle Geheimnisse
seines Privatlebens enthüllt.
(Off) Louisa wirft ihm Affären mit anderen Frauen vor
und dass er ein Alkoholiker sei.
Cody behauptet, Louisa habe ihn um Geld betrogen
und sogar versucht, ihn zu vergiften.
(Frau, off) "Das einzige Gift, das er schluckte, war Schnaps."
Das war eine große Belastung für ihn und seine Familie.
(Off) Es wird fünf Jahre dauern,
bis William und Louisa ihre Streitigkeiten aus der Welt schaffen.
Bis zum Tod bleiben sie ein Paar.
Der Erfolg in London führt dazu, dass "Buffalo Bill's Wild West"
über zehn Jahre hinweg mehrfach durch ganz Europa tourt.
Codys Ruhm als Held der Groschenromane
ebnet der Show den Weg.
In Deutschland zum Beispiel war Buffalo Bill bereits ein Star,
bevor er überhaupt europäischen Boden betrat.
(A. Emmerich) Buffalo Bill hat es verstanden,
seine Vergangenheit als Figur von Groschenromanen zu nutzen,
um da noch mal eine Ebene drüber zu legen und zu sagen:
"Jetzt gibt es mich in real."
Es ist jedem klar,
wenn man in München auf der Theresienwiese auftritt,
dass man nicht in Arizona sitzt oder wo immer der Wilde Westen sein mag.
Aber er hat es geschafft, mit der Inszenierung,
auch mit großen Bühnenbildern, 'ne gewisse Atmosphäre zu schaffen,
die so beflügelnd war,
dass man voller Begeisterung, Enthusiasmus aus der Show ist.
Und das Gesehene im Grunde genommen mit in die Alltagswelt nahm.
So wurde vielenorts die Begeisterung für den Wilden Westen weitergetragen.
Bis hin zu Kostümen für den Karneval, Spielzeug,
bis hin zu Hobbyisten-Clubs,
die in ihrem Privatleben selbst den Wilden Westen nachspielten.
In Europa gibt es eine große Faszination für Native Americans,
vor allem in Deutschland.
Das liegt daran, dass Buffalo Bill mit seiner Show nach Europa kam
und diese Kultur mitbrachte,
von der er aber nur einen winzigen Ausschnitt zeigte.
Mehr sahen die Europäer nicht.
Wenn man so will, war Buffalo Bills Show
die Initialzündung für das allgemeine Verständnis
von Native Americans.
(Off) Die Besucher sind eingeladen, nach der Show in die Camps zu kommen,
in denen Native Americans mit ihren Familien leben.
Hier können sich Amerikaner und Deutsche hautnah begegnen.
Die Deutschen wollten die Native Americans
eher aus ethnografischer Sicht betrachten.
Sie waren mehr an ihrer Kultur interessiert,
statt sie nur in der Rolle der Gegner
des amerikanischen Fortschritts zu sehen.
Sie konnten die Schlafplätze besichtigen,
sehen, wo gegessen und Zeit miteinander verbracht wurde.
Vor allem in Deutschland war dieser Teil der Show sehr beliebt.
Er baute ein Interesse auf,
das über das hinausging, was in der Arena gezeigt wurde.
* Treibende Musik *
(Off) Täglich gibt es zwei Vorstellungen
mit jeweils bis zu 20.000 Zuschauern.
Hinter den Kulissen ist dafür
ein gewaltiger logistischer Apparat nötig.
"Buffalo Bill's Wild West"
hat fast die Größe einer kleinen Stadt erreicht.
500 Mitarbeiter
wollen mit drei warmen Mahlzeiten am Tag versorgt werden.
Ein Tross an Köchen reist deshalb mit.
Unter anderem gab es ein zum Friseursalon umfunktioniertes Zelt.
All dies musste auf- und abgebaut
und quer durch Europa transportiert werden.
Der Transport war revolutionär.
Die Idee war, alles auf Eisenbahnwaggons zu verladen.
Es gab zwei Züge mit je 50 Waggons.
Sie benutzten Tieflader,
sodass sie die Postkutsche und alle Requisiten der Show
über Rampen direkt auf die Eisenbahn schieben konnten.
Die Show reiste jetzt viel schneller.
Sie blieben nur eine Nacht.
Sie kamen morgens an, luden alles aus
und veranstalteten eine Parade durch die Stadt,
um die Leute zu begeistern und auf die Show am Abend einzustimmen.
Nachts wurde alles wieder zusammengepackt
und auf die Eisenbahn verladen.
Die Darsteller schliefen im Zug,
während sie zum nächsten Veranstaltungsort reisten.
* Beschwingte Tanzmusik *
Sie pflasterten die Städte mit Werbung zu.
Die Show war in vielerlei Hinsicht
ein Vorreiter in Sachen Massenwerbung.
Es wurden großformatige Plakate gedruckt,
die sie an Häusern und auf Werbetafeln anbrachten.
Man konnte keine Straße entlanggehen,
ohne Werbung für die bevorstehende Ankunft der Wild-West-Show zu sehen.
(S. Hanna) Damals war Buffalo Bill
eine der berühmtesten Persönlichkeiten der Welt.
Um seine Show anzukündigen,
war nur ein Bild seines Gesichts nötig,
so bekannt war er überall.
Um 1905 herum, als dieses Foto ihn bewarb,
reichte als Ankündigung der Satz: "Ich komme."
Das zeigt, wie effektiv die Show vermarktet wurde.
Ein so einfaches Bild mit so wenig Informationen
kann eine so große Botschaft vermitteln.
(Off) Um die Jahrhundertwende sind Fotografien bereits weit verbreitet.
Erste Filme entstehen.
Buffalo Bill versteht es früh,
diese neuen Medien für sich zu nutzen.
Ein Teil der Medienstrategie bestand darin,
immer einen Fotografen dabei zu haben.
Deshalb gibt es eine wahre Fundgrube
an Fotos von Buffalo Bill und seinen Darstellern
in allen möglichen Situationen
und vor allen möglichen Wahrzeichen verschiedenster Städte.
Sein Bild war überall.
Anfang des 20. Jahrhunderts
war er das Synonym für den amerikanischen Westen
und die Vereinigten Staaten an sich.
Er war der berühmteste Amerikaner der Welt.
(Off) 1906 kehrt "Buffalo Bill's Wild West"
von der letzten Europatournee zurück in die USA.
Cody ist inzwischen 60 Jahre alt
und auch in seiner Heimat zu einem Volkshelden geworden.
Der Mythos des Wilden Westens
ist längst mehr als ein abenteuerliches Märchen.
Er ist eine Art Nationalepos geworden.
Die Amerikaner sahen sich als Nation,
die stets gen Westen zieht, um sich dort neu zu erfinden.
Dort wurde der wahre Amerikaner geboren.
Das ist ein wichtiges Element in der Entstehungsgeschichte der USA.
Der Wilde Westen steht für den Sieg über die Natur
und die indianischen Feinde und spielt in das Narrativ
von der heroischen Bildung der Nation hinein.
* Jubelrufe *
* Amerikanische Nationalhymne *
(Off) Cody begründet mit "Buffalo Bill's Wild West"
eine Tradition, die bis heute bei fast jeder
öffentlichen Veranstaltung in den USA fortgesetzt wird:
das Abspielen des "Star-Spangled Banner".
Das Lied, das er im ganzen Land populär machte,
wird 1931 zur offiziellen Nationalhymne Amerikas.
Abseits der Showarena verwirklicht William Cody
seine wohl ambitionierteste Geschäftsidee:
die Gründung einer eigenen Stadt.
Im Norden Wyomings entsteht eine Siedlung,
die seinen Namen trägt: Cody.
Er sieht das Potenzial der Region.
Die Nähe zum Yellowstone Nationalpark lockt schon damals Touristen.
Es gibt reichlich Land, das er an Farmer weiterverkaufen kann.
Dafür rührt er als Prominenter selbst die Werbetrommel.
In Anzeigen wurde um Siedler geworben.
Auch meine Familie kam so hierher.
Ich schaue mir oft die Fotos von Cody aus den 1890er-Jahren an
und frage mich, warum zum Teufel meine Familie
Iowa und Indiana verlassen hat,
um mitten im Nirgendwo eine Farm zu gründen.
Einzig, weil Buffalo Bill es ihnen verkauft hat.
(Off) Im Zentrum seiner Stadt baut Cody ein Hotel,
dass er nach seiner jüngsten Tochter benennt:
das Irma Hotel.
* Gelassene Westernmusik *
(M. Darby) Er ist der Gründer dieser Stadt,
der Vater dieser ganzen Region.
Er war ein Visionär.
Er kümmerte sich um die Bewässerung und brachte Strom hierher.
Er hat dieses Hotel gebaut.
Überall hat er seine Spuren hinterlassen.
Das ist eine der beiden Suiten,
die Buffalo Bill für sich und seine Gäste eingerichtet hat.
Und nebenan hatte er sogar sein eigenes Sekretariat.
Er baute dieses Hotel als Herzstück von Cody.
Viel mehr stand damals hier noch nicht.
Auf alten Fotos sieht man dieses Hotel
und kaum etwas drumherum.
Man sieht nur die Prärie, den Salbei und Kakteen.
Nach seiner Fertigstellung
nannte er es das prächtigste Hotel aller Zeiten.
(Off) Ein besonderer Hingucker ist die Bar aus massivem Kirschholz.
Ein persönliches Geschenk an William Cody von Queen Victoria.
(M. Darby) Sie ließ die Bar von ihren Tischlern in Frankreich bauen.
In Paris wurde sie auf Dampfschiffe verladen
und nach New York verschifft.
Dann auf Pferdewagen verladen und quer durchs Land transportiert.
Highways gab es noch nicht.
Die Reise dauerte mehrere Tage.
Schließlich wurde die Bar hier im Irma wieder zusammengesetzt.
(Off) Was der Stadt noch fehlt, ist Zugang zu Wasser,
damit die Farmer das Land für die Viehzucht
und Landwirtschaft nutzen können.
Cody kauft Wasserrechte
und setzt sich für ein Staudamm-Projekt ein,
das die Region mit Wasser und Energie versorgen soll.
Bei seiner Fertigstellung ist der "Shoshone Dam",
heute der "Buffalo Bill Dam", die höchste Staumauer der Welt.
Er wollte als Mann aus dem Westen
und gleichzeitig als Kapitalist gesehen werden.
Das war es, was er sein wollte:
ein erfolgreicher, wohlhabender Mann.
* Sanfte, melancholische Gitarrenmusik *
Wenn er in seinem Wohnsitz in Wyoming war,
trug er oft einen Anzug.
Er wollte immer seine langen Haare abschneiden,
aber sagte, er könne das nicht,
die Zuschauer würden dann nicht mehr zu seiner Show kommen.
Es gehörte einfach zu seinem Image.
Stattdessen steckte er seine Haare oft unter den Hut,
damit sie ihm nicht auf die Schultern fielen.
Das Problem war, seine Investments waren schlecht
und er verlor viel Geld.
(Off) Cody investiert sein Vermögen unter anderem in Ölfelder, Patente
und plant sogar ein Cody-Militärinstitut.
Er investierte in eine Kaffee-Alternative,
die angeblich gesünder sein sollte.
Und er investierte viel Geld in eine Goldmine in Arizona,
die sich als Betrug herausstellte.
Aber das entdeckte er erst,
nachdem er bereits Tausende und Abertausende Dollar
hineingepumpt hatte.
Trotzdem ging er damit nicht an die Öffentlichkeit.
Weil es ihn, den alten Westernhelden,
wie einen Trottel aussehen ließ.
Ich glaube, er war immer auf der Suche nach dem Durchbruch,
der ihm genug Geld einbringen würde,
um aus dem Showgeschäft auszusteigen.
Im Grunde hat der arme Kerl bis zu seinem Tod gearbeitet,
um diesen Traum zu verwirklichen.
(Off) Die Frontier ist inzwischen Geschichte.
Amerika ist schon lange besiedelt,
die einst wilde Landschaft ist gezähmt.
Der Wilde Westen rückt immer mehr in die Vergangenheit.
Das spürt auch Cody,
dessen Zuschauerzahlen merklich nachlassen.
Die Wild-West-Show hatte ihren eigenen Zweck
und ihre eigene Anziehungskraft überholt.
Der amerikanische Westen war kein exotischer, ferner, rauer Ort mehr
und die Native Americans waren keine furchterregenden Feinde mehr.
Die Indianerkriege waren lange vorüber.
Buffalo Bill galt zunehmend als Relikt der Vergangenheit.
(Off) Cody schaut in dieser Zeit auf 30 Jahre Wild-West-Show zurück.
Ein Schaustellerleben zwischen Zelten und Zugwaggons.
Ich glaube, das Alter hat ihn eingeholt.
Es war schwierig, diesen Lebensstil beizubehalten,
mit einer Show auf Tournee zu gehen
und jeden Abend in der Arena zu reiten.
Aus seinen Briefen geht hervor, dass er frustriert war,
weil er aus dem Showgeschäft aussteigen wollte,
es sich aber nicht leisten konnte.
Er musste alles tun, um über die Runden zu kommen.
* Bedrohliche Musik *
(Off) In dieser Zeit betritt ein neuer Konkurrent die Showbühne,
der Cody und sein Entertainment herausfordert:
der Westernfilm.
(A. Emmerich) Bewegte Bilder zu sehen,
ist für uns heute total normal.
Wir müssen nur aufs Handy gucken und schon läuft was ab.
Aber zu Beginn des 20. Jahrhunderts, oder auch Ende des 19. Jahrhunderts,
ist das das neue Medium,
was große Begeisterungsstöße mit sich brachte.
(Off) Cody macht das Kino für den Absturz seiner Show verantwortlich.
Den Filmemachern wirft er Ideendiebstahl vor.
Womit er nicht unrecht hat.
(A. Emmerich) Überfall auf die Post- kutsche oder auf eine Siedlerfamilie,
kriegerische Auseinandersetzung mit Indianern -
all das hat er quasi schon für seine Shows, ja, erschaffen
und Hollywood musste sich im Grunde genommen
nur dessen bedienen, was vorher schon erfolgreich war
beziehungsweise was beim Publikum gut ankam.
(Off) Cody versucht selbst im Filmgeschäft Fuß zu fassen.
Er gründet seine eigene Produktionsfirma,
mit der er einen Film über sein Leben dreht.
Er widmete sein ganzes Leben der Inszenierung visueller Spektakel
und dachte, der Film sei eine Chance für ihn.
Damals war er schon ein alter Mann.
Es war eine Herausforderung für ihn,
die Tricks des Filmemachens zu lernen.
* Sanfte, dramatische Musik *
(Off) Er versucht es mit dem Monumentalfilm "The Indian Wars",
für den er selbst noch einmal in den Sattel steigt
und echte Native Americans engagiert.
Der Film wird kein finanzieller Erfolg.
Das Hauptproblem war der Versuch, in einem zweistündigen Film
die Geschichte dieser Kriege zu erzählen.
Das muss man sich mal vorstellen:
Man sitzt im Kino,
sieht sich einen Stummfilm in Schwarzweiß an,
der Inhalt wird erzählt von einem Mann aus dem Off.
Für volle zwei Stunden.
Das hat das Publikum nicht wirklich überzeugt.
(Off) Sein Ausflug in die Filmindustrie
verschlechtert Codys finanzielle Situation noch weiter.
Das Ende war fast herzzerreißend.
1913 war die Wild-West-Show völlig bankrott
und wurde in Denver, Colorado, zwangsversteigert.
* Triste Musik *
Das war das Ende von "Buffalo Bill's Wild West".
Stattdessen trat Cody im "Sells Floto Circus" auf,
ritt durch die Manege und winkte dem Publikum zu.
Mit den Anfangsjahren konnte man das nicht mehr vergleichen.
(Off) Buffalo Bill,
der einen der größten Mythen der Moderne geschaffen hatte,
war selbst zu einem Statisten,
zu einem Abziehbild des Wilden Westens geworden.
Im Januar 1917 stirbt William Frederick Cody
bei einem Besuch seiner Schwester in Denver.
Buffalo Bill wird 70 Jahre alt.
Der Westernheld wird im Colorado State Capitol aufgebahrt.
Die Trauerprozession geht durch die Straßen der Stadt.
Zehntausende nehmen teil,
um dem großen Amerikaner die letzte Ehre zu erweisen.
Er war ein komplizierter Mensch,
der eine sehr selektive Geschichte des Wilden Westens erzählte.
Doch sein Einfluss auf die Geschichte der amerikanischen Nation
ist nicht zu unterschätzen.
Für heutige Native Americans
ist das Erbe von Buffalo Bill und seiner Wild-West-Show
ein unentrinnbarer Teil ihres Lebens.
Mit den daraus entsprungenen Stereotypen
müssen wir uns noch immer auseinandersetzen.
Buffalo Bills bedeutendstes Vermächtnis
finde ich durchaus gefährlich für unsere Gesellschaft.
Er hat in unserem Bewusstsein die Vorstellung verankert,
dass sich unsere Vergangenheit
so einfach inszenieren lässt wie ein Theaterstück.
(Off) Nach einem unsteten Leben
findet William Cody auf dem Lookout Mountain in Golden
seine letzte Ruhe.
Mit Blick auf die Rocky Mountains, wie er es sich immer gewünscht hat.
Sein Tod markiert auch einen Zeitenwandel.
Im gleichen Jahr
treten die Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg ein.
* Treibende, dramatische Musik *
Untertitel: OMNIMAGO GmbH im Auftrag des ZDF 2024
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