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Winnie Heller
Hendrik Verhoeven
Unheilvolle Musik
Verstörende Klänge
Friedliche Musik
(Mädchen) Hi, Raphael.
Verstörende Musik
Fliegensummen
Schwermütige Klaviermusik
(flüsternd) Schlaf weiter, Mama.
Düstere Musik
Lied: "Der Wind hat mir ein Lied erzählt".
Temporeiche Musik
Verstörende Klänge
Hallo?
Dramatische Klänge
Sie schreit auf.
Wie geht es Ihnen? Gut.
Was macht der Job? Auch gut.
Und privat? Auch.
Haben Sie einen Ga ... Garten?
Nee. Die sind für mein Aquarium.
Mein Paradiesfischmännchen, Da Ponte, jagt immer das Weibchen.
Despina.
Ich weiß auch nicht, warum, vielleicht hat er was gegen sie.
Die Pflanzen sind gut als Versteck. Für sie.
Schön, wenn man ein Hobby hat.
Wie geht es Ihrer Schwester?
Ich glaub, ich müsste jetzt los.
Ich weiß, Ihnen ist das unangenehm,
aber Ihr Vorgesetzter bestand darauf,
dass Sie mindestens drei Sitzungen bei einem Psychologen abhalten.
Haben Sie nicht darum gebeten,
zu mir zu kommen, statt zu einem Polizeipsychologen? Ja.
Vielleicht sollten Sie das weniger als Strafe ansehen.
Er macht sich wirklich Sorgen um Sie.
Ein Gewaltverbrecher nahm sie als Geisel.
Für eine Minute. Berufsrisiko.
Ich möchte nur, dass Sie Ihren Aufgaben weiterhin gewachsen sind.
Bin ich. Na schön.
Dann sehen wir uns am nächsten Montag um die gleiche Zeit. Ja?
Gut. Frau Heller...
Haben Sie irgendjemanden, mit dem Sie reden können? Klar.
Also, bis dann.
Na, Jungs? Alles klar?
Habt ihr Hunger?
Oh.
Ist alle. Handy klingelt.
Ich besorg später neues.
Hi, Sabine.
Alles in Ordnung? Ja klar, ich komm. Jetzt gleich?
Spannungsvolle Musik
Ich kam vorhin hier rein, wie immer,
und sie hat mich zum ersten Mal fixiert.
Ich hatte dein Foto und sie verfolgte es mit den Augen.
Zum ersten Mal. Seit zwei Jahren.
Was sagt der Arzt?
Wir können vorsichtig optimistisch sein.
Die optische Fixierung kann der Anfang der Rückbildung sein.
Oft geht es danach ganz schnell. Ich würde gern mit ihm sprechen.
Er weiß schon Bescheid. Ist noch bei einem Notfall. Ich schau mal.
Spannungsvolle Musik
Nein, ob meine Frau zu sprechen ist. Schon wieder?
(seufzend) Ja, sagen Sie ihr, dass ich angerufen habe. Danke.
Na? Ärger zu Hause?
Die Tote ist Susanne Leistner. Ihr Wagen steht auf dem Parkplatz.
Der Winzer hat sie heute Morgen entdeckt.
Sein Hund. Was macht Ihr Hund?
Springt alle Besucher an. Macht mich wahnsinnig.
Todeszeitpunkt ist nach ersten Erkenntnissen
gestern Abend zwischen 18 und 20 Uhr.
Sie wurde erwürgt, wahrscheinlich mit bloßen Händen.
Der Täter hat vermutlich Einweghandschuhe benutzt.
Er überfiel sie da auf dem Weg. Wir wissen nicht, ob sie da tot war.
Sie hat sich nicht gewehrt, sie muss überrascht worden sein.
Er hat nicht mal versucht, sie zu verstecken.
Wissen wir sonst noch was über die Frau?
Sie ist verheiratet und hat eine kleine Tochter, vier Jahre alt.
(lesend) "Flores para los muertos." Rilke auf Spanisch?
Chrysanthemen sind Grabschmuck. Totenblumen.
Weiß der Mann schon Bescheid? Ja.
Entspannte Salsa-Musik
Unheilvolle Musik
Verstörende Klänge
(Mann) Sie weiß noch nichts.
Wie sagt man einem vierjährigen Mädchen, dass die Mutter tot ist?
Wir können Ihnen eine Trauerbegleitung vermitteln.
Und die sagen ihr dann, dass die Mama im Himmel ist, ja?
Glauben Sie an den Himmel? Nein.
Herr Leistner, seit wann haben Sie ihre Frau vermisst?
Sie wollte nach dem Joggen gleich nach Hause kommen.
Sie joggt jeden Dienstag und Donnerstag um die gleiche Zeit.
Waren Sie nicht besorgt? Doch.
Sie haben gar nicht die Polizei angerufen.
Nein. Warum?
Susanne war, äh...
Die brauchte einfach ihren Freiraum.
Da ist sie manchmal einfach später nach Hause gekommen...
Mochte sie irgendeine spezielle Sorte Blumen?
Ich weiß nicht. Rosen mochte sie gerne.
Was machen Sie beruflich?
Ich bin Lektor. Ich arbeite von zu Hause.
Also auch gestern Abend? Ich hab den ganzen Abend gelesen.
Die Polizei wollte mir keine Einzelheiten erzählen.
Ist Susanne verge...
Gab es Spuren von... Von sexueller Gewalt? Nein.
Und freiwillig?
Glauben Sie, dass sie eine Affäre hatte? Nein.
Haben Sie eine? Was? Wie kommen Sie denn darauf?
Ich hab zwei neue Fische gekauft.
Irgendwann muss ich auch noch eine Freundin für Papageno besorgen,
aber du weißt ja, wie er ist.
Vielleicht an seinem Geburtstag?
Wenn du hier rauskommst,
kannst du eigentlich zweimal Geburtstag feiern.
Hallo. Hallo.
Wo ist deine Mutter? Sie hat angerufen.
Irgendwas in der Kanzlei. Schon was gegessen?
Ich kann die Spaghetti Bolognese warm machen.
Papa, ich esse keine toten Tiere. Seit wann?
Du kriegst auch gar nichts mehr mit. Ich bin oben.
Aber du isst tote Tiere, nicht?
"Silvie Verhoeven, Nachrichten nach dem Piep."
Hier ist dein Mann. Wo steckst du? Ruf an, wenn du das abhörst, ja?
Lied: "Der Wind hat mir ein Lied erzählt".
Spannungsvolle Musik
Türklingel ertönt.
Bedrohliche Musik
Spannungsvolle Musik
Morgen. Okay, ich verstehe. Ja.
Morgen.
Die Tote ist Anja Burkhardt.
Arbeitet in einer Eisdiele 20 Minuten von hier.
Wollte gestern Abend zu Fuß nach Hause gehen.
Er hat sie oben an der Straße abgefangen und hierher gebracht.
Vorgehensweise und Beuteschema sind gleich.
Er bringt sie um und wirft sie weg.
Wenn es Überwachungskameras auf dieser Strecke gibt,
bräuchten wir die Bänder.
Sieht aus wie Mohn, oder?
Vielleicht hat er sie beobachtet.
Hier wartet man doch nicht, dass jemand zufällig vorbeikommt.
Handyklingeln (Mann) Das Handy des Opfers.
Wollen Sie rangehen?
Gernot Leistner.
Was wollen Sie von mir? Ich hab Ihnen alles gesagt.
Ich muss mich um meine Tochter kümmern.
Ich muss Sie noch mal bitten, mitzukommen.
Sie können jemanden anrufen, der sich um sie kümmert.
Finden Sie das gut, vor dem Kind?
Das geht Sie nichts an. Und jetzt verpissen Sie sich.
Kommen Sie.
Ich muss mich jetzt um meine Tochter kümmern!
Es gibt keinen Grund, so rumzubrüllen.
Schon gut, lassen Sie ihn.
Du, äh, Nike?
Äh, die Oma Conny kommt jetzt gleich, ja?
Ja.
Darf ich telefonieren? Ja. Kein Problem.
Sie schlagen gern mal zu. Vor zwei Jahren zeigte Ihre Frau Sie an.
Das war ein Unfall. Wir hatten uns gestritten.
Da kann das schon mal passieren.
Das kommt doch in jeder Beziehung mal vor.
Besonders, wenn man so eifersüchtig ist wie Sie.
Hat das die blöde Burkhardt erzählt?
Die blöde Burkhardt erzählt gar nichts mehr.
Die wurde ermordet, auf die gleiche Art wie Ihre Frau.
Das war übrigens nicht Ihr erster Anruf bei ihr.
Sie haben sie regelmäßig angerufen, manchmal mehrmals pro Tag.
Susanne und Anja waren befreundet, kannten sich aus dem Sportstudio.
Ich hab Anja angerufen, wenn ich nicht wusste, wo meine Frau ist.
Manchmal waren sie dann shoppen oder so was.
Sie wird heute wohl kaum mit Ihrer Frau beim Shoppen gewesen sein.
Ich rief an, weil ich jemanden zum Reden brauchte.
Ich kann nicht mehr schlafen.
Ich kann nicht arbeiten, kann mich kaum auf Nike konzentrieren.
Sie fragt immer, wann Mama nach Hause kommt.
(hysterisch) Wann sie nach Hause kommt!
Er schluchzt.
Er hat kein Alibi, kannte beide Opfer und hat ein Motiv.
Glauben Sie das, weil er Ihnen eine reingehauen hat?
Der rastet doch sofort aus. Total emotional.
Unser Täter hat seine Opfer genau beobachtet
und sich den perfekten Zeitpunkt ausgesucht.
Da ist gar nichts emotional.
(Frau) Wenn ich ein schlechtes Bauchgefühl hab,
dann stelle ich sofort klar, dass ich mich wehren kann.
Stopp! Bis hierher und nicht weiter.
Hände nach vorne, Blickkontakt halten.
Klare Körpersprache. Es ist ganz wichtig...
Eure beste Strategie ist, sofort entschlossen zu handeln.
Wenn der Angreifer von hinten kommt,
rechnet er nicht mit Gegenwehr, er fühlt sich sicher.
Ihr müsst handeln und klarmachen, dass ihr keine Opfer seid, okay?
Ich zeige euch noch was.
Ich geh über die Straße und jemand packt mich von hinten,
dann zieh ich die Schultern hoch,
das Kinn nach unten, den starken Arm nach außen,
trete zurück mit gestrecktem Arm
und schlage mit dem Ellbogen ins Gesicht.
Am Genick packen, Kniestöße in den Unterleib, zu Boden schmeißen. Bam!
Zurücktreten, und Sicherheitsabstand, ja?
Ihr könnt auch weglaufen ...
... wenn das der Fall ist.
Also ... es geht nicht darum, den Angreifer k. o. zu schlagen.
Ihr wollt euch beschützen, ihr wollt den Angriff stoppen.
Die meisten Frauen denken, wenn sie angegriffen werden,
dass sie nicht wehtun dürfen, das ist genau der Fehler.
Ihr müsst angreifen. Ihr wollt keine Opfer sein.
Ihr dürft wehtun, ihr müsst wehtun. Okay?
Unsere Chefin ist im Urlaub, ich bin die Vertretung.
Was kann ich für Sie tun?
Wie lange machen Sie schon diese Kurse?
Ein paar Jahre.
Leider kommen die meisten, wenn sie schon Opfer eines Überfalls waren.
Waren Sie schon mal Opfer eines Überfalls? Nein.
Aber wenn ich's würde, wüsste ich, was ich zu tun habe.
Es geht um zwei Mordfälle. Susanne Leistner und Anja Burkhardt.
Die waren beide hier Mitglieder. Wir haben über 200 Mitglieder.
Ich weiß jetzt nicht, wer das sein könnte.
Der Täter beobachtete die Frauen. Handysummen
Er kannte ihren Tagesablauf genau.
Ist Ihnen irgendjemand Fremdes aufgefallen?
Sie meinen einen Mann? Ja.
Das Studio ist nur für Frauen, das wäre mir aufgefallen.
Ich bin natürlich nicht immer da.
Haben Chrysanthemen oder Mohnblumen irgendwas mit dem Studio zu tun?
Nee. Wieso?
Wieso ist das Studio nur für Frauen?
Weil Frauen keine Angst haben vor Frauen.
Ich hab dir Julius und Dino D mitgebracht.
Die beiden verstehen sich nicht mehr mit Da Ponte und Despina.
Die brauchen ein bisschen Aufmerksamkeit,
und da ich den ganzen Tag unterwegs bin...
Wenn du hier rauskommst, kauf ich dir dein eigenes Aquarium.
Mit allem Drum und Dran. Mit Felsen, Schatztruhe...
Das mochtest du doch immer.
Aufreibende Klänge
Lied: "Der Wind hat mir ein Lied erzählt".
Guten Abend. - Abend, Frau Lorenz.
(Frau) Na komm, Coco.
Nee, nee, nee. - Die will immer zu Ihnen.
Nehmen Sie mal.
Danke. Komm, Coco. Komm. - Tschüss.
Entspannte Musik
Düstere Klänge
Der soll doch nichts vom Tisch kriegen.
Wollen wir drei am Samstag was zusammen machen? Was denn?
Was du möchtest. In den Zoo.
Oder wir bauen endlich mal das Vogelhäuschen zusammen.
Papa, ich bin 12. Als ich 12 war, war ich oft im Zoo.
Ja, aber als du 12 warst, gab's auch noch Hexenverbrennungen.
Geht nicht. Ich gehe mit Meinhardt die Fälle vom letzten Jahr durch.
Das muss am Wochenende sein? Solange ich Angestellte bin, ja.
Hoffentlich bin ich bald Partner. Dann hast du noch weniger Zeit.
Handysummen Nina, nicht beim Essen.
Aber das ist Dominik, da muss ich ran.
Dann geh nach oben, aber nicht am Tisch.
Wer ist Dominik? (Nina) Hi, Dominik.
Dominik Rieß-Semper? Ihr Freund?
Nina ist 12. Ich hatte meinen ersten mit 11.
Ja, aber ... wie ist der so?
Das ist ein nettes kleines Pummelchen.
Du kennst die Eltern übrigens.
Das sind die, die zu Kindergeburtstagen immer diese
grauenvollen, politisch korrekten Ingwer-Haferkekse mitbringen.
Den würde ich gern kennen lernen. Wozu?
Ja, ich will sehen, mit wem meine Tochter so Umgang hat.
Ich sag dir Bescheid, wenn sie die Pille will.
Dein Handy war heute den ganzen Tag ausgeschaltet. War irgendwas?
Nö. Es war nur viel zu tun. Mhm. Was denn?
Von 8 bis 10 hatte ich Mandanten, von 10 bis 12 einen Ortstermin.
Um zwölf hatte ich eine Mittagspause bis 12:30 Uhr.
Ich hatte zwei Cappuccino und einen Feldsalat mit Putenbruststreifen.
Von eins bis drei hatte ich einen Termin im Gericht.
Dann hatte ich wieder Mandanten. Ja, schon gut.
Dann Einkaufen, Nina vom Reiten abholen,
dann hatte ich ein unangenehmes Abendessen mit meinem Mann ...
... inklusive einem Verhör bis 18:25 Uhr.
Um 18:26 Uhr bin ich genervt nach oben.
Spannungsvolle Musik
Tür wird geöffnet.
Ach, Morgen. Morgen.
Die KT fand ein blondes Haar auf der zweiten Leiche,
das nicht vom Opfer stammt. Sondern?
Von einer Asiatin. Aha.
Eine Echthaarperücke aus Indien. Gefärbt und teuer.
Europäerinnen mögen das.
Die Haare weisen eine hohe Ähnlichkeit in der Struktur auf.
Vielleicht hat der Täter sich ja als Frau verkleidet,
damit die Opfer keinen Verdacht schöpfen.
Frauen haben keine Angst vor Frauen.
Heißt dass, der Täter ist ein Mann?
Es kann doch trotzdem eine Frau sein.
Die mit bloßen Händen erwürgt? Wenn man weiß, wie.
Ich könnte Sie in 20 Sekunden erwürgen. Das glaube ich Ihnen.
Aber Frauen sind keine Serientäter. Stimmt nicht.
Das liest heute Morgen ganz Wiesbaden.
Hab ich nicht ausdrücklich gesagt,
dass Presseinformation von mir autorisiert wird?
Der weiß sogar über die scheiß Blumen Bescheid. Von wem?
Einem Beamten am Tatort, der Geld braucht. Nix Neues.
Nee, neu nicht. Aber scheiße ist das!
Oder vom Täter.
Leise Stimmen
Türklingel Katze miaut.
Was machst denn du hier? Willst du da rein?
Tür wird aufgeschlossen.
Hallo. Hallo.
Ich hätte noch ein paar Fragen, haben Sie vielleicht Zeit?
Ist nicht meine Katze. (überrascht) Ach so.
Okay.
Danke. Nee, nee, nee.
Mögen Sie keine Katzen? Ich darf keine Katze haben.
Wieso nicht? Sind Sie allergisch?
Ich hatte mal eine Katze, der hat man die Kehle durchgeschnitten.
Ich hatte auch mal eine Katze, die hat meine Fische gefressen.
Warum haben Sie gestern gelogen? Wieso?
Sie haben gesagt, Sie wurden nie Opfer eines Überfalls.
Vor 12 Jahren stellten Sie mehrere Strafanzeigen gegen
einen Raphael Martin. Was ist da passiert?
Ach, ist eine lange Geschichte.
Ich bin ja noch jung.
Sie zieht einen Stuhl.
Ich hab aber keine Lust.
Ich hatte mal einen Stalker. Raphael Martin.
Ist aber lange her.
Sie haben drei Schlösser an der Tür, aber keinen Namen,
Ihre Fenster sind vergittert,
Sie nehmen was zur Beruhigung und Sie suchen eine neue Wohnung.
Lange her? Haben Sie sonst noch Fragen?
Ich wollte gerade ins Studio gehen. Ja, das Studio...
Eine Ihrer Kolleginnen hat mir erzählt,
Sie hätten sich neulich aufgeregt,
weil plötzlich Chrysanthemen auf dem Tresen standen.
Als ich Sie gestern darauf ansprach, wussten Sie von nichts.
Von wem waren die Blumen? Von meiner Oma.
Ich lasse Ihnen meine Karte da.
Da steht auch drauf, wie Sie mich privat erreichen können.
Danke. Tschüss. Tschüss.
(Psychologin) Schlafen Sie gut?
Ich würde besser schlafen, wüsste ich,
wer die Frauen umgebracht hat.
Sie haben die Unterlagen bekommen? Ja, habe ich.
Können Sie ein Täterprofil erstellen?
Das ist momentan nicht meine Aufgabe.
Die Blumen am Tatort sind doch Botschaften.
Fast wie Liebeserklärungen.
Frau Heller, ich bin hier, um Ihnen zu helfen.
Ja. Helfen Sie mir. Wen suchen wir?
Ich weiß, dass Sie Erfahrungen mit Täterprofilen haben.
Hat mir Hinrichs erzählt.
Also gut, aber das ist jetzt nur ein erster Eindruck, okay?
Hm.... Sie haben es ...
... mit jemandem höherer Bildung zu tun,
der über gute Ortskenntnisse verfügt.
Er hat seine Opfer beobachtet,
das heißt, er geht gezielt und nach einem genauen Plan vor.
Er hat kein sexuelles Interesse an den Frauen.
Ich denke, er ist gesellschaftlich gut integriert.
Er hat vielleicht sogar Familie. Sie glauben, es ist ein Mann?
Handy klingelt. Die Brutalität deutet darauf hin...
Kann ich kurz rangehen? Stört es Sie?
Ja. Sie ist gestorben, Winnie!
Elli ist tot. Sie hatte einen Herzstillstand.
Sabine schluchzt. Was?
"Ich weiß auch nicht, wie das... Total überraschend.
Winnie?"
Durchdringende Klänge
Sie glauben, es war ein Mann? Warum denn dann die Perücke?
Hm? Äh...
Um die Opfer in Sicherheit zu wiegen.
Oder ... als eine Art Fetisch, das zum Ritual des Tötens gehört.
Ist alles in Ordnung, Frau Heller? Tut mir leid, ich muss jetzt los.
Was ist denn?
Frau Heller?
Keiner hat damit gerechnet, Winnie.
Heute Morgen noch hat der Doktor gesagt, sie macht gute Fortschritte.
Dann hat einfach ihr Herz ausgesetzt.
20 Minuten haben wir versucht, sie zu reanimieren, aber ...
... sie kam nicht mehr zurück.
Ich hab deine Eltern nicht erreicht, um Ihnen Bescheid zu sagen.
Es tut... Winnie, es tut mir so leid.
(schluchzend) Es tut mir so leid.
Es tut mir so leid...
Guten Tag, Frau Lorenz. - (leise) Hallo.
Die Katze miaut.
Disharmonische, verzerrte Klänge
Die Katze miaut.
Übertriebene Kusslaute
Verstörende Musik
Kinderstimmen
Unbehagliche Klänge
Verstörende Klänge
Elektrisches Zischen
Unheimliche Musik
Er atmet schwer, die Katze schnurrt.
Ruhige Musik
Musik spielt weiter.
Sie schluchzt.
Lied: "Worship" von Anne Brun
Unterhaltung und Gelächter
Eine Frau lacht ausgelassen.
Sie lacht.
Hupen
Lied spielt weiter.
Türklingel ertönt.
Türklingel ertönt mehrmals.
Hallo.
Sie waren gestern nicht bei der Arbeit.
Ich dachte, vielleicht haben Sie Hunger.
Von Ihrem Lieblings-Imbiss.
Die fettigsten Pommes von ganz Wiesbaden.
Und, äh ... Wein.
Also, ich wusste nicht, ob Sie lieber roten oder weißen...
Danke.
Äh ...
... mein Beileid.
Als Grovius gestorben ist...
Ihr Vorgänger. 15 Jahre lang waren wir Partner.
Da hab ich auch gedacht, ich schmeiß alles hin.
Besonders, als Sie mir vor die Nase gesetzt wurden.
Manchmal ist es besser, wenn man einfach weitermacht.
Laute Musik, Poltern
Bedrohliche Klänge
Schweres Atmen
Dramatische Musik
Die Katze miaut.
(Frau) Wollen wir heute was Essengehen?
Ich muss noch mal los, zu einem Klienten.
Hat Ärger mit der Software.
Schade.
Vielleicht morgen.
Nicht traurig sein. - (enttäuscht) Bis später.
Türklingel Guten Abend.
Hallo. Er war in meiner Wohnung.
Kommen Sie doch rein.
Ich hab Raphael Martin an der Uni kennengelernt.
Das ist jetzt 12 Jahre her.
Wir waren zusammen im selben Literaturkurs.
Er hat Gedichte geschrieben, das hat mir gefallen.
Irgendwann hat er mich gefragt, ob wir einen Ausflug machen.
Dann sind wir zusammen zur alten Winzerbrücke gefahren.
Er erzählte mir von seinen Problemen.
Sein Vater war Alkoholiker, seine Mutter ist früh gestorben.
Ich hab ihm zugehört, und dann bin ich gegangen.
Das war alles? Ja.
Am nächsten Tag ging alles los.
Liebesbriefe, Gedichte, Geschenke. Anrufe die ganze Nacht.
Ich musste den Kurs verlassen, weil er mich nur anstarrte.
Er hat mir die Reifen zerstochen,
hat meinen Freunden Lügen über mich erzählt.
Er hat sogar eine Todesanzeige aufgegeben. Mit meinem Namen.
Und Foto...
Sie atmet schwer.
Einmal kam ich nach Hause
und meine Katze lag mit aufgeschnittenem Hals vor der Tür.
"Liebespfand" hat er das genannt.
Ich hab ihn angezeigt. Es ist nutzlos.
Hat er Sie misshandelt? Stalking ist Misshandlung.
Er misshandelt mich seit zwölf Jahren.
Ich geh nicht mehr aus dem Haus, vor Angst,
dass er mir irgendwo auf der Straße auflauert.
Ich kann nicht alleine sein.
Ich hab keine Freunde mehr, keiner hält mich aus.
Seit 10 Jahren hatte ich keinen Mann mehr,
weil ich es nicht ertrage, angefasst zu werden.
Ich hab kein Leben mehr. Er hat's mir einfach weggenommen.
Ich warte jeden Tag darauf, dass es aufhört, aber es hört nicht auf.
Er ist immer wieder da. Was hat die Polizei unternommen?
Die sagten, er würde sich schon beruhigen.
Ich bin zum Anwalt gegangen, hab Verfügungen erwirkt.
Ich zog von Mainz weg, nach Hamburg. Von da aus nach Dortmund.
Er hat mich überall gefunden.
Seit knapp einem Jahr bin ich hier.
Seit zwei Wochen ist er überall, wo ich auch bin.
Nach ihm müssen Sie suchen.
Sie können gerne hierbleiben. Das Sofa ist bequem.
Okay, danke.
Wissen Sie, was das Schlimmste ist?
Dass ich mich seit zwölf Jahren frage,
was ich an diesem Nachmittag falsch gemacht habe.
Ich hab ihm einfach nur zugehört.
Und jetzt habe ich kein Leben mehr.
Atmosphärische Musik
"Die optische Fixierung kann der Anfang der Rückbildung sein.
Ich hab erlebt, dass es danach ganz schnell ging.
Sie hatte einen Herzstillstand!
Keiner hat damit gerechnet, Winnie.
Sie ist gestorben, Winnie!
Dann hat einfach ihr Herz ausgesetzt... Elli ist tot!
Sie kam nicht mehr zurück...
Winnie..."
Winnie. Er ist da. Er steht unten vorm Haus.
Spannungsvolle Musik
Bleiben Sie hier. Schließen Sie sich bitte ein.
Motor heult auf, Reifen quietschen.
Spannungsvolle Musik
Danke.
Ist kein 4-Sterne-Hotel, aber für heute Nacht sind Sie hier sicher.
Was glauben Sie? Wie kam er in Ihre Wohnung?
Ich weiß nicht.
Als ich neulich schwimmen war,
lag eine Chrysantheme vor meinem Schrank.
Vielleicht hat er meinen Schlüssel genommen und nachgemacht.
Diese ermordeten Frauen... Ich weiß, was er mir damit sagen will.
Dass es mich jederzeit auch treffen kann.
Dass er entscheidet, ob ich leben darf.
Wenn wir ihn haben, ist der Spuk vorbei.
Es ist erst vorbei, wenn einer von uns beiden tot ist.
Wenn noch irgendetwas ist, rufen Sie mich an. Gute Nacht.
Danke.
Tür wird verriegelt.
Ach ... Heller.
Tja...
Das mit ihrer Schwester...
Mein Beileid.
Also wenn Sie lieber nicht... Ich kann Sie von dem Fall abziehen.
Das ist nicht nötig, vielen Dank. Hm.
Warum ist Frau Lorenz in der Ausnüchterungszelle? Zum Schutz.
Der Täter war in ihrer Wohnung. Haben Sie einen Beweis?
Die Techniker suchen gerade nach Spuren. Hm.
Warum weiß ich davon nichts? Gibt's einen Bericht? Klar.
So eine Zelle ist nicht für Zeugen gedacht, hm?
Gut, dann geben Sie mir Personenschutz für Lorenz.
Mit welcher Begründung? Sie ist in Lebensgefahr.
Er überfuhr mich fast, weil sie bei mir Schutz suchte.
Das Kennzeichen haben Sie aber nicht erkannt.
Sie passt in sein Beuteschema! Wie viele Frauen.
Meine Frau passt in sein Beuteschema! Die hätte längst Polizeischutz!
Die geht aber nicht allein abends im Weinberg joggen!
Ach! Die Opfer sind schuld? Heller!
Sie stehen emotional unter Druck. Was hat das...
Wenn Sie sich nicht unter Kontrolle haben, lassen Sie sich beurlauben.
Ist mir scheißegal. Aber behalten Sie einen klaren Kopf.
Denken Sie dran, wer auf Ihrer Seite ist. Verstanden?
Und den ... schreiben Sie neu, sind ja lauter Fehler drin.
Hallo. (Frau) Hallo.
Unheilvolle Musik
Männer unterhalten sich leise.
(Mann) Und 2010...
Sie reden leise weiter.
(Frau) Frau Heller? Ja.
Schauen Sie mal. Dramatische Musik
(Mann) Herr Jansen?
(lauter) Herr Jansen? Morgen.
Äh, was ist Ihre Meinung dazu?
Sie sind der Spezialist.
Also von meiner Seite aus gibt's da kein Problem.
(Frau) Eine Kamera. Der hat sie beobachtet.
Wahrscheinlich in der ganzen Wohnung. Dreckschwein.
Wenn ihre Besprechung fertig ist, dann sagen Sie ihr,
dass ich angerufen habe, ja? Ich bin ihr Mann. Danke.
Wir konnten die Anrufe auf Lorenz' Handy nicht zurückverfolgen.
Er benutzte ein Prepaidhandy. Was Neues zu Raphael Martin?
Wir haben seinen Vater gefunden.
Er lebt in einem Pflegeheim bei Mainz.
Raphael Martin stürzte beim Wandern in Marokko in eine Felsspalte
und konnte erst eine Woche später geborgen werden.
Hier ist der Bericht und der Totenschein.
Kein Zweifel, Raphael Martin ist tot.
Äh, wenn er in Marokko verunglückt ist,
wer hat seine Leiche identifiziert?
Ein Studienfreund, der mit ihm dort war. Robert Jansen.
Den sollten wir mal herbestellen. Ja, ist schon passiert.
Was ich nur nicht verstehe:
Nehmen wir mal an, Raphael Martin wäre noch am Leben
und würde Hannah Lorenz belästigen,
warum sollte er anfangen zu morden? Das hat er vorher nicht gemacht.
Hat er ja vielleicht doch.
Hannah Lorenz war vorher in Hamburg, Mainz und Dortmund.
Vielleicht gibt es da Frauenmorde,
die in sein Schema passen. Ja, gute Idee.
Ich fahr mal zu diesem Vater im Pflegeheim.
Heller...
Schön, dass Sie wieder da sind. Der Wein hat gutgetan. Danke.
Haben Sie ja Lust, mal zu uns zu kommen?
Zum Essen. Nee. Besser nicht.
Da wird der Herr Martin sich freuen, der hat sonst nie Besuch.
Er hatte einen Schlaganfall vor drei Jahren. Hat sich gut erholt.
Nur der Graue Star, der macht ihm zu schaffen.
Herr Martin, da ist Besuch für Sie.
Danke. Herr Martin?
Ich bin Winnie Heller von der Kriminalpolizei Wiesbaden.
Ich möchte mit Ihnen über Ihren Sohn Raphael sprechen.
Durst. Ich hab Durst.
Ist das Ihr Sohn? Mhm.
Ja.
Haben Sie vielleicht noch ein Bild, auf dem er älter ist? Nein.
Wie war er denn so als Kind?
Er war ein guter Junge. Aufgeweckt.
Schwierig manchmal, aber ein gutes Herz.
Und Fantasie hatte er. Er hat Gedichte geschrieben.
Da.
Nach dem Tod seiner Mutter hab ich den Bezug verloren.
Zu ihm?
Ich hab zu viel getrunken,
wurde mit ihm nicht mehr fertig.
Ich war so durcheinander und traurig.
Wie ist seine Mutter gestorben? Suizid.
Sie nahm sich das Leben mit diesen Pillen,
die ihr der Arzt verschrieben hat.
Sie hatte immer diese Phasen.
40 Tabletten nahm sie.
Die Ärzte haben gesagt, es hat mindestens eine Stunde gedauert.
Und dass sie sich gequält haben muss.
Dabei denkt man doch, man schläft einfach nur ein.
Wie hat Raphael denn darauf reagiert?
(Raphael) "Schlaf weiter, Mama." - Er hat sie gefunden.
Er hat lange bei ihr gesessen und sich nicht gerührt.
Er hat sich sogar mit ihr eingeschlossen.
Die Feuerwehr brach die Tür auf und holte ihn mit Gewalt raus.
Chrysanthemen, die mochte sie besonders gern.
"Gelbe Chrysanthemen mit wachen gelben Augen
verfolgen deine Schritte, Geliebte,
und feiern jubelnd dich bis spät ins Jahr.
Der blinde, scharlachrote Mohn schreit blutend
über den sturmzerrissenen Feldern meiner Seele nach dir.
Immer nur nach dir.
Weiß, der Ton bedingungsloser Liebe kann nicht sanfter sein.
Seidenschimmernd ist es etwas wie Vermählung zweier alter Freunde,
an dem Ort, an dem alles begann, an dem alles endet..."
Der Verfasser kann natürlich Ihr Täter sein,
oder er orientiert sich zumindest an dem Gedicht.
Aber der das geschrieben hat, ist tot?
Seit zehn Jahren, offiziell.
Hannah Lorenz ist überzeugt, dass er noch lebt.
Bei Stalkern muss man unterscheiden zwischen denen,
die eine Beziehung zum Opfer hatten
und denen, die sich diese Beziehung nur einbilden.
Hannah Lorenz hat erzählt ...
... sie hätten sich nur unterhalten.
Frau Heller...
Frau Heller. Winnie.
Ich weiß von Ihrer Schwester.
Und ich möchte Ihnen nur anbieten, wenn Sie... Nein.
Das ist ... sehr nett von Ihnen, vielen Dank.
Ist es denn wahrscheinlich, dass so ein Stalker zum Mörder wird?
Im Allgemeinen brauchen Stalker Distanz zu ihren Opfern.
Viele leiden unter Minderwertigkeitskomplexen,
die sie von einer direkten Konfrontation abhalten.
Für manche ist es der erste Schritt hin zur körperlichen Gewalt.
Wenn er sie töten würde, hätte sein Leben doch keinen Sinn mehr.
Deswegen sucht er sich Stellvertreter.
Er kann einfach nicht loslassen.
Vielleicht hat er als Junge einen schmerzlichen Verlust erlitten.
Ja.
Vielleicht ist er auch einfach nur ein perverses Arschloch.
Ah, Heller!
In Hamburg gab's keinen Frauenmord, aber in Dortmund.
Claudia Grothe, ist erdrosselt worden.
Wurden da auch Blumen am Tatort gefunden?
In der Akte steht nichts. Frau Heller?
Sie wollten mich sprechen? Jansen.
Ah.
Bitte. Bedrohliche Klänge
Raphael und ich waren Studienfreunde in Mainz.
Es war meine Idee, nach Marokko zu fahren.
Ich hab ihn auch zu der Bergtour überredet.
Glauben Sie mir, es vergeht kein Tag, an dem ich das nicht bereue.
Und Sie haben seine Leiche identifiziert?
Raphael wurde erst nach fünf Tagen geborgen.
Sein Vater wurde informiert, aber der war in einer Entzugsklinik.
Alkoholiker, so viel ich weiß.
Darf ich fragen ... warum Sie sich für Raphael interessieren?
Kennen Sie Hannah Lorenz?
Nein. Das war eine Freundin von Raphael.
Vielleicht bevor wir uns kannten. Er erwähnte sie nie?
Nein.
Unheimliche Klänge
Drei Wochen vor dem Unfall stellte sie Strafanzeige gegen ihn.
Wegen Belästigung, zum wiederholten Male.
Das hat er Ihnen nicht erzählt? Ah doch, da war jemand.
Ihren Namen weiß ich nicht, aber Raphael sagte,
eine Frau, mit der er mal zusammen war, wolle ihn fertigmachen.
Fertigmachen?
Ja, Raphael hat die kurze Beziehung beendet,
und da ist sie total durchgedreht.
Hat ihm nachgestellt, überall rumerzählt, er würde sie belästigen.
Warum ist er nicht zur Polizei gegangen?
Er hat sich bei der Uni beschwert. Das ist bestimmt vermerkt.
Sie ist labil und braucht die Aufmerksamkeit.
Wenn du sie triffst, dann glaub ihr kein Wort.
Das hat Raphael zu mir gesagt.
Schönen Tag, Frau Heller.
(Hannah) Winnie. Ich halt's da drin nicht mehr aus.
Ich will nach Hause. Kriege ich Polizeischutz?
Ich kann Sie fahren. Und dann? Ziehen Sie bei mir ein?
Solange er mich nicht umbringt, ist es doch allen egal. Mir nicht.
Warum sperren Sie ihn nicht ein? Ich hab Ihnen alles erzählt.
Außer, dass er sich bei der Uni über sie beschwerte.
Angeblich haben Sie ihn belästigt. Sie seufzt verzweifelt.
Das sagte er, um mich vor meinen Freunden bloßzustellen.
Damit mir keiner glaubt. Auf wessen Seite sind Sie?
Ich bin auf Ihrer Seite.
Wer hat Ihnen das erzählt? Ein Freund von Raphael.
Raphael hat keine Freunde.
Tschüss.
Spannungsvolle Musik
Verhoeven, ich hab hier gerade Bilder verglichen.
Raphael Martin ist nicht tot. Ich glaub, Jansen ist Raphael Martin.
Das kann ein Fehler in der Entwicklung sein.
Zwischen den Fotos liegen wie viel ... 15 Jahre?
Vielleicht ließ er den Leberfleck entfernen. Er ist es.
Das ist nur eine Theorie.
Und ihn verbindet nichts mit den Morden.
Handy piept.
Was Wichtiges?
Meine Frau kommt heute Abend später nach Hause.
Fragen Sie Ihre Frau doch einfach, ob sie eine Affäre hat.
Nur ein Vorschlag.
Klaviermusik läuft.
Mögen Sie Chopin nicht?
Mein Mann ist bei einem Geschäftstermin. Er kommt gleich.
Ihr Mann ist in der IT-Branche. Da kennt er sich doch mit Technik aus.
Ja, sicher. Wo haben Sie und Ihr Mann sich kennengelernt?
In Hamburg. Da haben wir auch geheiratet.
Und wo war Ihr Mann vorher? In Mainz. Da hat er studiert.
Bei seinem Job muss er viel umziehen, oder? Ja.
Er muss dahin, wo die Aufträge sind.
Von Hamburg nach Dortmund, und dann hierher.
Aber warum wollen Sie das alles wissen?
Kennen Sie seine Eltern? Die sind früh gestorben.
Robert spricht nicht gern darüber.
Als er mir den Antrag machte, sagt er,
von jetzt an zählt nichts mehr, was war.
Romantisch, oder? Tür wird geöffnet.
(überrascht) Frau Heller.
Haben Sie noch Fragen?
Ach, es geht noch mal um die Identifizierung von Raphael Martin.
Sehen Sie sich bitte mal die Bilder an.
Bleiben Sie dabei, dass Sie Raphael Martin erkannt haben?
Ich verstehe die Frage nicht. Sicher ist das Raphael.
Okay.
Ich würd gern Ihren Unterarm sehen.
Bitte? Ich würd gern Ihren Unterarm sehen.
Wollen Sie nicht? Nein, nicht so gerne.
Wo waren Sie am Abend des 18. und 20.?
(stammelnd) Wieso?
Beunruhigende Musik
Tastentöne, düstere Musik
Ich war an den Abenden geschäftlich unterwegs.
Am 18. in Dortmund, am 20. in Köln, über Nacht.
War bewölkter Himmel. Sie können gerne bei den Hotels nachfragen.
Warum fragen Sie? Stehe ich unter Verdacht?
Nein. Schreiben Sie noch Gedichte?
Habe ich nie. Raphael hat Gedichte geschrieben.
Ja, aber Sie sind ja Raphael.
Wann hatten Sie denn die Idee, Robert Jansen zu werden?
Als er in Marokko verunglückte? Haben Sie nachgeholfen?
Kleiner Schubs? Gibt ja keine Zeugen, ganz praktisch.
Was ist denn hier los? Gar nichts. Wir gehen jetzt.
Ach... Sie sollten mal Ihren Vater besuchen.
Der denkt, Sie wären tot.
Mein Vater starb an Krebs, als ich elf Jahre alt war. Wiedersehen.
Tür fällt ins Schloss. Sind Sie total übergeschnappt?
Was sollte das? Ich wollte ihn aus der Reserve locken.
Hat doch prima funktioniert. Ja, ganz toll.
Der ruft jetzt gerade seinen Anwalt an,
und dann kriegen wir weder einen DNA-Test noch einen Fingerabdruck!
Weil wir keine Beweise haben,
dass Jansen der Täter ist.
Hannah und der Vater erkennen ihn. Die haben ihn lange nicht gesehen!
Er ist ein Pflegefall, auf sie ist kein Verlass.
Jansen hat ein Alibi. Dass er in einem Hotel eingecheckt hat?
Mit einem Leihwagen ist er in einer Stunde wieder hier.
Turmuhr schlägt.
Freiton
Hannah Lorenz geht immer noch nicht an ihr Handy.
Was machen wir hier? Essen!
Ich habe keinen Hunger. Sonst klappen Sie mir zusammen.
Ich bin kein Kind mehr! Dann benehmen Sie sich nicht wie eins!
Sie essen was, dann fahren wir zurück, und Sie geben den Fall ab!
Sie hätten nicht zum Dienst kommen sollen. Der Fall frisst Sie ja auf!
Ich...
Als ich das letzte Mal bei ihr im Krankenhaus war ...
... hat sie gelächelt.
Ich hab ihr Fische mitgebracht.
Sie hasst Fische.
Ich wollte sie provozieren ...
... und sie hat ... sie hat gelächelt.
Zwei Jahre hab ich auf sie auf sie gewartet...
Beunruhigende Musik
Fuck!
Dramatische Musik
(hysterisch) Was machst du?
Nein! Du Arschloch!
Nein!
Explosion, Glasklirren
Getragene Musik
Musik verklingt.
Runter da.
Runter. Gehst du runter!
Du sollst runter! Runter! Weg da!
Sie schnarcht.
Er seufzt genervt.
Türklingel
Beunruhigende Klänge
Türsummer
Hundegebell
Türklingel ertönt.
Was ist denn los? Haben Sie einen Schlüssel für die Wohnung?
Düstere Klänge Scheiße.
Rufen Sie einen Notarzt an. Versuchter Suizid mit Medikamenten.
Äh, geben Sie das bitte durch. Ja.
Hannah? Hannah!
Aufwachen! Hallo!
Aufwachen.
Spannungsvolle Musik
Hannah!
Nicht einschlafen! Hannah.
Schön aufwachen! Komm her.
Okay. Mund aufmachen.
Mund aufmachen. Mach den Mund auf!
Ja, schmeckt Scheiße, ich weiß.
Trinken. Trinken.
Alles austrinken! Würgelaut
Raus. Schön raus. Hannah hustet.
Komm, schön raus. Hannah hustet.
Okay. Okay, okay, okay.
Langsam, langsam, langsam. Aufstehen. Komm her.
Laufen. Nicht einschlafen. Laufen.
Schön laufen. Komm. Wachbleiben. Schön wach bleiben! Komm.
Bleib wach, nicht einschlafen. Laufen.
Weiter. Komm! Hanna würgt.
So, schön... Ey, ey, ey! Nicht einschlafen!
Nicht einschlafen! Komm, bleib hier.
Schön hierbleiben. Hannah stöhnt.
Die sind gleich da. Ja, gut.
Ach Gott, die Arme. Schön weiterlaufen.
Weiterlaufen!
Kannst du mir sagen, was du da treibst?
Ich baue ein Vogelhaus, sieht man doch.
Um Mitternacht? Na und?
Der Sommer ist da und Nina hat sich immer ein Vogelhaus gewünscht.
Jetzt kriegt sie eben ihr verdammtes Scheiß-Vogelhaus.
Was wird das?
Ich helfe dir, sieht man doch.
Warum?
Weil ich vor 12 Jahren versprochen habe,
dass ich in guten wie in schlechten Zeiten zu dir halte.
Wobei mir das hier jetzt eher nach schlechten aussieht.
Also, wo hättest du denn das Zweiglein gerne hin?
Die kommen aufs Dach. Du musst den Kleber nehmen.
Dir ist schon klar, dass du deine irrationalen Verlustängste
auf Dauer anders loswerden musst?
Hast du 'ne Affäre?
Die Heller hat gesagt, ich soll dich einfach fragen.
Dann sag der Heller, ich hab keine.
Sollte 'ne Überraschung sein, aber ich hab nächste Woche frei.
Ich dachte, wir drei können mal wieder was zusammen unternehmen.
Nee, das kommt auf die andere Seite.
Nee, kommt's nicht. Guck doch hier rechts, links.
Steht doch da. Rechts, links, also da rüber. Ne?
Düstere Musik
Unbehagliche Klänge
Was soll das werden?
Was wollen Sie von mir? (laut) Was Sie von mir wollen!
Das dürfen Sie nicht. Das ist Schikane.
Fühlen Sie sich schikaniert?
Das dürfen Sie nicht.
Bedrohliche Musik
Lautes metallisches Scheppern
Entferntes Hundegebell
Robert Jansen hat gegen Sie Anzeige erstattet.
Er fühlt sich von Ihnen schikaniert und belästigt. Ach ja?
Das ist gut. Halten Sie die Klappe!
Waren Sie gestern Nacht vor seinem Haus? Ja.
Und warum? Reifenpanne.
Quatsch!
Sie haben völlig die Distanz verloren.
Ich hab Ihren Urlaubsantrag genehmigt. Was?
Schlafen Sie sich mal aus, lassen Sie sich volllaufen,
reißen Sie sich einen Kerl auf,
irgendwas, aber halten Sie sich von diesem Jansen fern!
Hannah Lorenz hat recht.
Das Gesetz schützt nur die Täter, nicht die Opfer.
Frau Heller und Herr Martin sind da, um mit dir zu reden.
(fassungslos) Raphael.
Ich dachte, du wärst tot.
Wo bist du denn gewesen?
Frau Heller, Sie verlassen jetzt sofort mein Haus.
Ich bin nicht Raphael Martin.
Ich bin Robert Jansen. Verstanden?
Sind Sie jetzt sauer?
Wie damals, als Hannah wegzog, aus Mainz und dann aus Hamburg?
Mussten die anderen Frauen dafür büßen?
Damit Hannah merkt, was ihr blüht, wenn sie wieder abhaut.
Ich rufe jetzt meinen Anwalt an.
Frau Jansen... Es ist besser, wenn Sie jetzt gehen.
Kommen Sie.
Spannungsvolle Musik
Er würgt und hustet.
Türklopfen Robert?
Robert, was ist los? Sprich mit mir!
Alles in Ordnung, Schatz.
Schwermütige Klaviermusik
Musik verklingt.
Waren Sie die ganze Zeit hier? Draußen sitzt ein Kollege.
Ist das Raphael Martin?
Können Sie ihm was nachweisen? Noch nicht. Aber bald.
Und dann? Dann kommt er ins Gefängnis.
Ohne Telefon, ohne Internet...
Ohne Möglichkeit, Briefe zu schreiben?
Es wird nie aufhören.
Dramatische Musik
Tür fällt ins Schloss.
Musik spitzt sich zu.
Ines.
Ich muss noch mal kurz los. - Hat das mit der Polizei zu tun?
Wieso die vorhin da waren?
Mach dir keine Sorgen.
Kann später werden.
Lied: "Der Wind hat mir ein Lied erzählt".
So.
Soll ich Ihnen noch etwas bringen, Herr Martin? - Nein.
Bedrohliche Klänge
Gedämpfte Schreie
Dramatische Musik, Würgelaute
Ich schicke Ihnen gleiche eine Probe zur DNA-Bestimmung.
Könnte das vorerst unter uns bleiben? Danke.
Ich dachte, Sie sind beurlaubt. Ja, ich mache meinen Urlaub hier.
Gehört der Jansen? Wo haben Sie den her? Mitgenommen.
Das ist ein illegales Beweismittel. Das können Sie nicht verwenden.
Das will ich nicht. Ich will's nur wissen.
Passen Sie mal auf: Wir kriegen dieses Arschloch.
So, dass er hinter Gitter kommt, und nicht so, das er rauskommt,
weil Sie sich nicht an Vorschriften hielten. Wie?
Durch altmodische Polizeiarbeit.
Das Opfer in Dortmund, Claudia Grothe,
war Lehrerin an einem Gymnasium.
4 Wochen vor ihrem Tod richtete die Schule ein internes Netzwerk ein.
Und jetzt raten Sie mal, wer sie dabei beraten hat.
Jansen. Das verbindet ihn mit dem Opfer.
Das reicht nicht. Doch, für den Durchsuchungsbeschluss!
Es klopft. Ja?
Hallo.
(Ines) Das ist die Frau, von der Sie gesprochen haben, oder?
Ja.
Wann hat er die Fotos gemacht? Als sie sich kennengelernt haben.
Telefonklingeln
Verhoeven? Ja.
Danke.
Er legt auf. Das war das Pflegeheim.
Ludwig Martin ist tot. Angeblich im Schlaf erstickt.
Er beseitigt alle, die ihn identifizieren können.
Handyklingeln
Hallo?
Raphael?
Hier ist Hannah.
"Ich will dich sehen."
In einer Stunde. Ohne Polizei.
"Nur du und ich."
Wo?
Du weißt, wo.
Lied: "Der Wind hat mir ein Lied erzählt".
Ich bin's schon wieder. Hallo.
Wenn Sie wollen, können Sie sich einen Kaffee holen. Ja.
Hannah?
Elektrisches Zischen
Winnie stöhnt und keucht.
Sie atmet schwer.
Ja. Hannah Lorenz ist aus der Klinik verschwunden.
Sie.. Sie ist bewaffnet.
Schicken Sie jemanden zu Jansen. Ich fahr zur alten Winzerbrücke.
Nur so 'ne Ahnung.
Geben Sie mir Ihre Waffe. Geben Sie mir Ihre Waffe!
Entschuldigung.
Beunruhigende Musik
Hannah.
Unheimliche Musik Raphael.
Wie schön.
Du hast dir wehgetan.
Du musst auf dich aufpassen. - Du passt doch auf mich auf.
Du hast Angst vor der bedingungslosen Liebe,
aber das ist etwas ganz Wunderbares.
Wie soll ich dich denn lieben?
Du hast mir doch mein ganzes Leben kaputtgemacht.
Ich hasse dich, Raphael.
Warum ich? Warum hast du mich rausgesucht? Hm?
Weil du keine Hollywood-Schaukel wolltest.
Die Waffe klickt.
Dramatische Musik
Schwermütige Klaviermusik
Musik setzt sich fort.
Spannungsvolle Musik
Raphael. Gehen Sie von ihr weg.
Gehen Sie weg von ihr!
Stehen bleiben. Musik spitzt sich zu.
Hannah. Legen Sie die Waffe weg.
Jetzt haben wir ihn.
Es ist vorbei!
Hannah, nehmen Sie die Waffe runter!
Du brauchst doch keine Angst zu haben, ich bin doch da.
Verzerrte Klänge
Schuss
(Dr. Jacobi) Ja, das habe ich schon gesagt. Mhm.
Für den Angriff auf Sie muss sich Hannah Lorenz verantworten.
Und Sie müssen morgen zur Anhörung, schaffen Sie das? Ja.
Müssen Sie wieder zum Nachsitzen bei Jacobi? Nö.
Wir fanden in Jansens Haus die Perücke.
Und auf seinem Laptop waren Filme, die er von den Opfern gemacht hat.
Hanna Lorenz wird auf Notwehr plädieren.
Ob sie damit durchkommt, hängt von Ihrer Aussage ab.
Ich könnte was essen. Das lässt sich machen.
Ach, und ich soll Sie von meiner Frau grüßen.
Sie hat keine Affäre.
Untertitel: TITELBILD, Berlin In Auftrag des ZDF, 2014
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