All language subtitles for Oxana.Mein.Leben.fuer.Freiheit.2024.German.1080p.WEB.H264-ZeroTwo

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Original subtitles

Der Iwan-Kupala-Tag

ist ein heiliger Tag.

In der Kupala-Nacht wird nicht geschlafen.

Man bindet Blumenkränze, um die Natur zu feiern.

Tanzt um das Feuer, um böse Geister zu vertreiben.

Schwimmt nackt im Fluss,

um die eigene Seele zu läutern.

In der Kupala-Nacht wird nicht geschlafen.

Lass deine Blumenkrone zu Wasser.

Und wenn der Fluss sie fortträgt, wirst du heiraten.

Ich will Gott heiraten.

Ljoscha, da kommt ein Auto. Pass auf!

Pater Sergiy.

Wir freuen uns, Sie zu sehen.

Ljoscha, guck mal, wer da ist.

Freut uns. Freut uns sehr.

Gehen wir.

Treten Sie doch ein.

Wir haben Sie erwartet. Ich setze kurz Wasser auf.

Ich mache Rosmarintee, so dass wir uns aufwärmen können.

Oxana, wie geht es dir heute?

Gut.

Zeig mir, was du gemacht hast.

Das ist wunderschön.

-Ich hab's gestern fertiggestellt. -Wunderschön.

Ksjuscha.

Ksjuscha!

Bring mir ein Bier.

Hier ist ein Bier, jetzt sei ruhig.

Er soll sich zwischen mir und der Flasche entscheiden.

Oxana, du weißt, als die Fabriken schlossen,

war das für alle sehr schwer.

Gott hat dir großes Talent geschenkt.

Wenn du willst, habe ich weitere Aufträge: Eine Taufe und zwei Hochzeiten.

-Zu wann? -Die Taufe ist am 28. des Monats.

Die Hochzeiten sind im Dezember.

Hier, nimm das schon mal.

Dafür.

Wir hatten 100 gesagt.

Die Familie Melnik

hat für die Taufe mehr ausgegeben, als geplant war.

Sie können den vereinbarten Betrag nicht aufbringen.

Ksjuscha.

Ksjuscha!

Ksjuscha!

Demokratie macht ihnen Angst, die Repression hat sie verstummen lassen.

Sie befürchten, man wird bereits fürs Denken bestraft.

Meine Eltern hatten die Sowjetunion akzeptiert.

Das ist unsere neue Bibel.

-August Bebel. Alle sollten das lesen. -Anna.

-Kennst du Clara Zetkin? -Befreiung der Frauen?

Sie spricht über die Rolle der Frau im Klassenkampf.

Sie schreibt, wenn Frauen gegen soziale Ungerechtigkeit kämpften,

würde das die Welt verändern.

Such dir einen Mann!

Du findest schon einen,

auch wenn du hässlich bist.

Danke, Maria Wassiljewna.

Ich heirate nicht. Wissen Sie, warum?

Ich lehne die Gesellschaft ab. Und warum?

Weil sie unser korruptes Land widerspiegelt.

Das stimmt.

Seit die Fabriken geschlossen sind,

macht mein Vater...

überhaupt nichts mehr.

Er wurde selbst zu einem Nichts.

Und meine Mutter arbeitet für zwei.

Und zum Dank trinkt er und schlägt sie, oder?

Ja.

Erzwinge eine Scheidung.

Ich bin ausgezogen und hab ihr gesagt:

"Lass dich scheiden und ich komm zurück." Hat geklappt.

Als Frau in der Ukraine kannst du entweder heiraten

oder dich prostituieren.

Einige sind erst zwölf. Seht ihr das nicht?

Mich...

wollten sie anwerben,

mit 16 Jahren.

Zuerst

haben sie mir versprochen, ich würde ein Top Model.

Aber in Wahrheit

sind wir durch die Nachtclubs gezogen,

wurden Touristen präsentiert,

englischen, deutschen, französischen Touristen.

Sie waren betrunken.

Sie waren betrunken und widerlich.

Als ich das kapiert habe, bin ich weggelaufen.

Gut gemacht.

Wir brauchen einen Ort, um uns zu treffen.

-Finde ich auch. -Wollen wir das?

Ich möchte frei sein.

Dass wir alle frei sind. Frei, zu schaffen. Selbst zu bestimmen.

Die Frau führt das Volk.

Oxana, du weißt, dass deine Zeit an der Uni heute Abend endet.

-Ich bin noch nicht fertig. -Nicht fertig?

Du hattest Wochen, um deine Ikonen zu malen.

Ich weiß, dass du eine Vernissage hast, aber die Beaux-Arts hat Regeln.

Ich kann nicht alles machen.

Ich habe Christina auf dem Markt gesehen, Ladas Mama.

Wie geht's Lada? Kommt sie heute Abend?

-Nein, sie bereitet ihre Hochzeit vor. -Das ist gut.

Ihre Mutter hat das nicht erwähnt. Das freut mich.

-Was ist mit Anna? -Anna...

Anna ist in der Schweiz bei ihrer Schwester.

Weder Anna noch Lada kommen? Seht ihr euch nicht mehr?

Wann sehe ich dich wieder?

Es sind jetzt fünf Jahre.

Ich weiß, mein Schatz, ich weiß.

Aber weißt du, es ist gerade nicht einfach.

Alles ist so teuer.

Du weißt, wie gern ich heute Abend

zu deiner Vernissage kommen würde.

Ist schon alles fertig?

Ja.

Es wird wunderschön werden.

Ich bin so stolz auf dich.

Und Ljoscha?

-Ksjuscha? - Ja, Mama?

Er ist bei einem Militärmanöver an der polnischen Grenze.

Er kommt gut mit seinem neuen Leutnant aus.

Ksjuscha,

ich muss dir etwas sagen.

Sag schon.

Ja, Mama, hörst du mich?

Ich habe mich scheiden lassen.

Ich habe mich scheiden lassen.

Mama, ich bin so stolz auf dich.

Gut gemacht.

Ich wäre so gerne heute Abend bei dir in Paris.

Und ich wäre gern zu Hause bei dir.

-Ich muss jetzt los. -Ja, natürlich .

-Küsschen. -Ich hab dich so lieb.

Ich hätte gern deine Haare.

Du hast die Haare meiner Mutter.

Deine Haare sind so schön.

Nur alte Frauen tragen die Haare kurz, klar?

Mama, mir gefällt das so.

Und Dimitri?

Wann machst du uns ein Kleines...

Ksjuscha.

-Du weißt doch. -Was?

Ich gehöre niemandem.

"Ich gehöre niemandem."

"Ich weiß nicht, ich gehöre niemandem. Ich bin unabhängig, erwachsen..."

Was?

Der ist an meinem Finger festgewachsen

Willst du ihn abbeißen?

Meine Finger sind so dick, ich kann ihn nicht abziehen.

Meine kleine Schwalbe.

Ksjuscha.

Ksjuscha, hör auf.

Ksjuscha!

Ich mag diese Späße nicht.

Ich hab mir die Haare geschnitten, mit sieben,

als die UdSSR unterging.

Ich erinnere mich an meine Kindheit in Murmansk.

Für mich war das...

frischer Tomatensaft,

Mandarinen

und Haselnusseis.

Und Schnee. Viel Schnee, Schnee...

Meine Kindheit, das war Gesellschaftstanz,

Konzerte, Kostüme.

Ich fühle mich wie eine alte Seele in einem jungen Körper.

-Wieso? Du bist erst 17. -Ja.

Mit acht ging ich zur Nikosch-Schule für Ikonenmalerei,

wo sonst nur erwachsene Männer hindürfen.

Aber Pater Krapisch hat eine Ausnahme gemacht.

Meine Mutter ging in die Kirche und hat gebetet.

Mit zehn glaubte ich an Gott und wollte ins Kloster gehen.

-Du in einem Kloster? -Im Kloster?

Ja, sie hat mich angebettelt:

"Wenn du ins Kloster gehst, sterbe ich."

Da kamen mir Zweifel.

Warum will eine Kirchgängerin ihre Tochter nicht Gott überlassen?

"Frauen, ordnet euch den Männern unter wie dem Herrn,

denn der Ehemann ist das Familienoberhaupt."

-Die Bibel. Die Bibel, hört ihr? -Ein Scheißgeschäft.

"Meine kleinen Täubchen.

Wozu lebt ihr in dieser Welt?

Als Fremde habt ihr anderen gedient."

"Als Dienerinnen seht ihr euer Haar ergrauen.

Als Dienerinnen, Schwestern, werdet ihr sterben."

Taras Schewtschenko, mein Vorbild.

Ich werde euch jetzt mal was zeigen.

-Na los. -Zeig.

Lada, was ist das denn?

-Tut das weh? -Ja.

Hör mal.

"1833 durchlebt Nikolai Gogol

eine schwere moralische Krise.

Er glaubt, Gott habe alle Menschen auf die Erde gesandt, um einen Auftrag zu erfüllen.

Doch welchen hat er?

Das weiß er nicht."

Was ist dein Auftrag?

Du nervst.

Wir sind hier nicht in der Schule.

Im Ernst, sag es mir.

Hör auf!

Stop! Halt!

Sag es mir.

Was ist dein Auftrag?

-Wir haben alle einen. -Mein Auftrag?

Meine Klamotten schnappen und abhauen.

Gleich haben wir keine Füllung mehr für die Wareniki.

Ernährst du dich sonst nur von Büchern? Da musst du ja Hunger haben.

Isst du nichts an der Universität? Du hast solchen Hunger.

Mama, mir geht's gut.

Wie läuft es an der Universität?

Du erzählst mir nie was.

Die junge Frau wurde vergewaltigt

und anschließend am Tatort angezündet.

Ich weiß nicht, wie ich hier weiterleben soll.

Das arme Mädchen.

Ich weiß nicht mehr...

In was für einer Welt leben wir?

Sie war nicht einmal 18 Jahre alt.

Was soll ich sagen? Das ist ein Albtraum.

Ich weiß wirklich nicht, wie ich hier weiterleben soll.

Ich hab geweint...

Mama.

Beten allein reicht nicht.

-Ljoscha! Schatz! -Was ist los?

Alles brennt! Dein Vater wollte das nicht. Es ist der Wodka.

Immer der Alkohol. Oxana, bleib hier!

Oxana, komm wieder her!

Oxana, komm raus, schnell!

Oxana!

Oxana, deine Ikonen.

Mama, Mama.

Das ist nicht so schlimm.

Lass alles verbrennen.

Meine kleine Mutter.

Es wird alles wieder gut.

Ox?

Was machst du?

Ox.

Revolution.

Was?

Ein betrunkener Arzt hat zwei Frauen durch falsche Transfusionen getötet.

Und?

Das ist nicht einfach ein Behandlungsfehler.

Wir müssen was unternehmen.

Blutflecken... wie bei Leichensäcken.

Ich versteh dich nicht.

Du bist jung, 20 Jahre alt. Du bist schön, schlau, talentiert.

Du verdienst Geld mit Ikonen.

-Reicht dir das nicht? -Kunst ist Revolution.

Ich komm nicht mehr mit.

Jeden Tag kämpfst du für etwas anderes.

Gestern waren es Waisen.

Vorgestern Geschlechtergleichstellung.

Vor drei Tagen den Zugang zu Bildung.

Früher hast du mal an Gott geglaubt, oder?

-Aber der war dann auch nur ein Arschloch. -Hör mal zu.

Der Typ ist ein Mörder, ja?

Er gehört ins Gefängnis. Aber wir können die Welt nicht ändern.

-Ganz zu schweigen von Revolution. -Ich werde die Welt verändern.

Das glaube ich dir.

-Revolution? -Revolution.

-Lada. -Nimm die andere Seite.

-Fertig? -Ja.

Schau, so viele Menschen.

Es funktioniert.

Also gut...

Oxana.

Wir sind in allen Zeitungen!

-Unseretwegen wurde er verhaftet. -Ja!

-Die blutigen Laken waren eine gute Idee. -Hab ich doch gesagt.

Wir müssen weitermachen, weiterkämpfen, nicht nur in Chmelnyzkyj.

Wir gehen nach Kyjiw, das hier reicht nicht,

wir bekämpfen Prostitution, soziale Ungerechtigkeit...

-Wir brauchen einen neuen Namen. -Ja.

-"Neue Ethik" klingt zu sowjetisch. -Stimmt.

Gestern Abend habe ich online das Wort "femina" gesehen.

-Schön. -Femina. Was heißt das?

Die Frau.

-Hübsch. -"Free Femina".

-Eine freie Frau. -Es sollte griffiger sein.

"Free Fem... Free Fem"!

Denkt an Geschlechtergleichstellung.

-Was ist "weiblich" auf Englisch? -"Female".

-Und "männlich"? -"Male".

Zusammen?

"Femamale".

-"Femen". -Ja.

Femen! Femen...

Auf uns.

Unsere Mission: Rebellion!

-Unser Gott: -Die Frau!

-Wir: -Femen!

Ein Kranz, so hübsch wie meine Tochter.

-Schatz, du bist mein Sonnenschein. -Danke.

Meine kleine Jeanne d'Arc.

Immer wenn du nach Kyjiw gehst, hab ich Angst.

Mama, keine Sorge, alles wird gut.

Sicher?

-Für dich. -Danke.

Du musst los.

-Ich gehe jetzt. -Ja. Ruf mich an.

Nackt und barfuß...

mit einer Blumenkrone.

Leute!

Ich habe Wareniki mitgebracht.

Ich liebe dich auch.

Alles Gute.

Schneiden wir die Torte an.

Das ist Inna. Sie macht bei uns mit.

-Herzlichen Glückwunsch. -Danke.

Ich habe Wochen gebraucht, um sie zu überzeugen.

Ich hab dich bei den Treffen gesehen.

Eine Blondine.

Mit blauen Augen.

Der Archetyp.

-Kommt zum Tisch. -Gehen wir.

-Her mit der Torte. -Alles Gute zum Geburtstag.

Weißt du, sie hat was. Was Besonderes.

Sie macht mir fast ein bisschen Angst.

Wo ist die Torte?

Beiß ab, beiß ab...

Alles Gute zum Geburtstag!

Also...

Freuen Sie sich darauf, heute Abend Ihre Werke auszustellen?

In Paris?

Das ist doch eine Bestätigung.

Etwas, wovon sämtliche Künstler träumen.

Und eine Femen, die Ikonen malt, das ist schon außergewöhnlich.

Erzählen Sie mir, wie Ihre Stimmung ist,

heute.

Danke.

Also, Sie sind vor...

fünf Jahren, im September 2013, nach Paris gekommen.

Und...

ich habe mich gefragt,

was man durchlebt,

wenn man zehn Jahre lang für Frauenrechte,

gegen Prostitution, Korruption und Diktatur gekämpft hat...

Also, ich meine:

Was bleibt einer Kriegerin, wenn man ihr den Krieg nimmt?

Femen ist eine Idee.

Ich habe gehört, es gibt Spannungen zwischen Ihnen und Inna Schewtschenko,

dass Sie nicht mehr bei der Femen-Bewegung mitmachen.

Was ist passiert?

Kennen Sie Luther Blissett?

Ja.

Der Aktivist ist anonym.

Kein Ego.

Kein Ruhm.

Alle können Femen sein.

Alle können Femen sein.

Und die Kunst in all dem?

Kunst ist Revolution.

Was soll ich also schreiben? Künstlerin? Femen?

Das kann ich nicht sagen.

Ich bin es.

Oder es ist Femen.

Oder ich bin es mit Femen.

Für mich ist das alles eine Geschichte.

Ich bin

politische Geflüchtete,

Künstlerin, Aktivistin,

Sextremistin.

Ich habe Femen mein Leben gewidmet.

Weil... ich Künstlerin bin.

Ich werde immer Femen sein.

Das erscheint morgen in der Druckausgabe mit meiner Kritik der Ausstellung.

Möchten Sie, dass ich den Satz in meinen Artikel schreibe?

"Ich werde immer Femen sein"?

Niemals.

Niemals.

Ich werde niemals heiraten.

Ich werde niemals heiraten.

Niemals.

Wie heißt du?

Ich heiße Oxana Schatschko.

Alle lächeln.

Macht euch bereit.

-Sind sie das? -Nein, noch nicht.

-Sie sind da. Wer ist die Erste? -Kommt, gehen wir.

Da ist er. Beeilt euch.

Herr Abgeordneter?

Herr Abgeordneter, was halten Sie von Prostitution?

Sie widerspricht unseren Prinzipien.

Ach ja? Meinen Sie das ernst?

Wie bekämpfen Sie Sextourismus?

-Inwiefern? -Die Ukraine ist zu Thailand geworden.

Seit Juschtschenko Visa abgeschafft hat, kommen die Europäer her.

Sie kommen in Bussen,

um kleine ahnungslose Mädchen zu ficken.

Die sogenannten "Sex-Safaris".

Moment.

Ich versichere Ihnen,

für uns ist das eine nationale Plage.

Gesetzentwürfe werden diskutiert.

-Ich werde alles tun... -Alles?

Alles in meiner Macht Stehende,

um unsere Jugend vor dieser Katastrophe zu schützen.

Denkt dran, dem Abgeordneten Schufritsch

gehört die Hälfte der Bordelle in der Stadt.

Was?

Er verpflichtet sich, die nationale Plage zu bekämpfen.

-Die Ukraine ist kein Bordell! -Die Ukraine ist kein Bordell...

Beruhigen Sie sich!

Willst du was zu trinken?

Heute ist etwas geschehen.

Etwas Wichtiges.

Ja, danke, wir wurden verprügelt.

-Das meine ich nicht. -Es war aber brutal.

Die Fotografen.

Als sie meine Brüste gesehen haben, kamen sie angerannt.

-Das stimmt. -Das müssen wir wieder tun.

Du, ich, alle Mädchen.

Überleg mal, was wir damit erreichen könnten.

Das kann... Das wird ein Riesending.

Nein, das kann ich nicht.

Es ist ganz leicht.

-Tut das weh? -Nackte Brüste bringen Aufmerksamkeit.

-Das kannst du nicht verlangen. -Wir schreiben uns Parolen auf die Brüste.

-Nein. -Lada.

Das ist zu intim.

-Willst du die Welt verändern? -Aber nicht so.

Das ist Verführung. Nicht das, was wir wollen.

Das Sexualobjekt

wird zu einem Objekt,

das protestiert.

Niemand verführt irgendjemanden.

Niemand lächelt.

Das haben die Männer noch nie gesehen. Das ändert alles.

Unsere Brüste,

unsere Waffen.

Unsere Brüste, unsere Waffen?

Wir ziehen uns nicht aus.

Wir ziehen unsere Uniformen an.

Wenn wir unsere Brüste entblößen,

müssen sie uns zuhören.

Sie müssen uns ansehen.

-Frierst du? -Ist schon gut.

Meine Brüste sind nur hart wie Stein, weil ich meine Tage habe.

Wie ist das bei euch mit...

-Mit nackten Brüsten? -Ja, zu Hause.

Für mich ist das normal.

Mein Körper gehört mir.

Und niemand hat mir zu sagen, was ich damit mache.

Meine Eltern sagen nichts.

Ich bin frei, das ist alles.

Du hast es gut. Deine Mutter unterstützt dich.

Sie hat 30 Paar Socken für das "Ministerium der dreckigen Socken" gestrickt.

Stimmt.

Nach dem Protest gegen Timoschenko

hat mich mein Vater zwei Wochen lang eingesperrt.

Ich war gerade bei meinen Eltern, es war mein Geburtstag.

Die Mädchen haben sich Sorgen gemacht.

Wir dachten, sie wurde verhaftet. Schlimm.

Ich habe so laut geschrien, dass sie mich rauslassen mussten.

Wie eine Löwin im Käfig.

Danach hatte ich keine Wahl mehr.

Ich habe alle Brücken abgebrochen.

Und du?

Ich weiß nicht.

Ich zeige meine Titten nicht mal, aber meine Mutter weint trotzdem.

Ich soll zu meinem Vater nach Cherson.

Ich war schon immer anders...

Sie wollten das perfekte kleine Mädchen, aber dann wurde ich geboren.

Eine Mogli.

Direkt aus dem Dschungelbuch.

Darum geben manche Mädchen auf.

Es ist zu hart: Verhaftungen, ihre Familien...

Ich verurteile sie nicht.

Inna, was malen wir auf die Brüste?

Wir müssen international agieren,

Aktionen in mehreren Ländern organisieren, die Presse dort kontaktieren.

Das Patriarchat endet nicht an der Grenze zu Polen, Belarus oder Russland.

Anders gesagt, Leute,

wir müssen ins Ausland gehen.

-Lies. -Europameisterschaft. Warum?

Die Länder, die die EM organisieren, verstehst du?

Die Politiker finanzieren Stadien,

aber Prostitution ist ihnen egal.

Wir protestieren in Russland und Belarus gegen Putin, Lukaschenko.

Ich fahre gerne hin.

Also... Soll ich alles organisieren?

-Du? -Ja, weil...

Ich kann Englisch.

Das ist wichtig für die Presse.

Unter einer Bedingung.

Du protestierst auch oben ohne.

Um Femen zu sein, muss man mutig sein.

Mutig.

Und ein bisschen...

verrückt.

Verstehe.

Schön.

-Danke. -Ich entscheide, was wir malen.

Im neuseeländischen Radiosender The Rock's Network

fand ein Wettbewerb statt: "Gewinn eine Frau".

Und der Gewinner Greg...

Greg, Wichser! Kleiner Schwanz!

Greg hat ein Ticket in die Ukraine gewonnen.

Zwölf Nächte im Hotel und eine Frau seiner Wahl

aus der Kartei der Agentur.

Femen hat eine Kampagne gegen den Wettbewerb organisiert.

Und seine Reise wurde storniert.

Und wissen Sie, wie Greg reagiert hat?

Wie hat Greg reagiert?

Er hat sich einen runtergeholt!

Bleibt da, geht nicht weg!

Greg, Wichser! Kleiner Schwanz!

Haben wir Salz? Lada, schau mal da.

Nichts...

Dann eben ohne Salz.

Ich kenn eine Geschichte, die mir mein Opa erzählt hat.

Über einen armen Mann, der in einem Kriegsgebiet lebt.

Er hat kein Salz für die Suppe. Er kann nicht rausgehen.

Ständig fallen Bomben.

Selbst wenn er das Geld hätte,

würde er nicht rausgehen.

Also setzt er sich

und denkt über sein Leben nach,

darüber, dass er keine Zukunft hat.

Er fängt an zu weinen.

Er weint und seine Tränen...

salzen die Suppe.

Ich hätte keine Angst. Ich würde rausgehen und Salz kaufen.

Warum weinen? So ein nutzloser Typ...

Leute.

Jemand will einen Dokumentarfilm über uns drehen.

Echt?

Neue Gruppen in Frankreich, Belgien, der Schweiz.

-Sie schreiben uns. -Ich hab's euch doch gesagt.

Glückwunsch, Girls.

Wir müssen hinfahren.

Was denn? Lasst uns fahren.

-Erst müssen wir nachdenken. -Worüber?

Frankreich, die Schweiz, Belgien rufen,

und du willst nachdenken?

Nein.

Macht, was ihr wollt.

Ich gehe.

Jetzt...

oder nie.

Monsieur, hier wird angestanden.

Was? Ich stehe nicht an.

Ich stehe nicht an. Was denn?

Hier wird man doch verrückt!

Total irre! Ich hasse es, anzustehen!

Warum bleibt ihr hier?

Mir scheißegal!

Lasst mich in Ruhe!

Wir werden hier krepieren!

Was macht ihr?

Ich bin's leid! Ich will nicht hierbleiben und verrückt werden!

Wo ist das Problem? Soll ich mich aufregen?

Sie waren sechs Monate nicht auf dem Amt.

Sie bekommen Ihre Aufenthaltspapiere nie, wenn Sie nicht erscheinen.

Sie haben Glück. Sie haben eine Sozialwohnung?

Ihre Akte ist unvollständig, Sie haben keine Wahl.

Durch die Einreise über die Botschaft haben Sie ein Touristenvisum.

Sie wurden nicht ordnungsgemäß registriert.

Haben Sie eine Kopie Ihres Asylantrags

und zwei Fotos mitgebracht?

Gut.

Also... Seit wann sind Sie in Frankreich?

-2013. -Gut.

-Warum sind Sie geflüchtet? -Wir waren gefährdet.

Was heißt das?

Im Dezember 2011

haben wir in Belarus gegen Lukaschenko protestiert.

Repression, Erschießungen, Folter...

Auf Französisch bitte.

-2018... -Ja?

...ist er immer noch da. Ein Diktator.

Schau dir das nicht an.

Inna.

Der KGB.

Die sind verrückt.

Du klatschst auf offener Straße und du wirst verhaftet.

Sobald sie Schlagstöcke rausholen,

hauen wir ab.

Setz deine Mütze auf.

Man erkennt dich sonst.

-So? -Steck das Haar drunter.

Sascha, du steigst in Minsk zuerst aus, ja?

Okay.

-Wirst du verhaftet, machen wir weiter. -Ja.

Schaffst du das?

Ja, ja, das geht schon.

Mir ist einfach nur kalt.

Lief es gut mit Tadeusz?

Er hat auf uns gewartet, wie geplant.

Euch ist ganz sicher niemand gefolgt?

Niemand.

Also...

Willkommen in Belarus.

Los.

Was ist mit dem Taxi?

Ich hab es für sechs Uhr bestellt. Warten wir.

So ist es gut.

Fertig.

Und die Journalisten?

Etwa ein Dutzend, denke ich.

Ich hab Kollegen informiert,

die Vertrauenswürdigen.

Meinst du, sie kommen alle?

Ganz bestimmt. So etwas hat vor euch noch niemand gemacht.

O Gott.

Mein Gott.

Alexander Grigrojewitsch, sind Sie das?

-Noch was. -Ihr wisst nicht, worauf ihr euch einlasst.

Das schlägt ein wie eine Bombe.

Eine Bombe auf den KGB.

Lang lebe Belarus.

Lang lebe Belarus.

Lang lebe Belarus!

-Das reicht. -Wir glauben, wir können, wir siegen!

Leiser.

Leiser!

Wir glauben, wir können, wir siegen.

Wir gingen los.

Wir haben vor der KGB-Zentrale protestiert.

Die Aktion verlief gut.

Die Polizei war sehr schnell da, aber wir konnten fliehen.

Geh einfach und schau dich nicht um.

Bekomme ich was ab?

Iss. Zug in zehn Minuten.

Hier lang! Holt sie euch! Stehenbleiben!

Totalitärer Staat!

Totalitärer Staat!

Schlampen.

Gleich habt ihr nichts mehr zu lachen.

Jede kommt an die Reihe.

Verdammte Nutte!

Wir werden euch zu Tode ficken.

Verstehst du, Schlampe?

Senk den Blick.

Senk den Blick!

Los, piss auf ihr Gesicht.

Dreckige Nutte.

Jungs, welche verbrennen wir als Erste?

Vielleicht diese hier? Oder die?

Nimm die Dicke.

Die wird so gut brennen, dass wir uns dran wärmen können.

Kommt, Jungs, hauen wir ab.

Wir lassen sie erfrieren.

Okay.

Schmutzige ukrainische Nutten.

Wir haben weitergemacht.

Sie ließen uns nicht mehr in Ruhe.

Der KGB war überall, ständig.

Im Oktober 2013 haben sie Waffen in unserem Hauptquartier versteckt.

Sie warfen uns Anschlagspläne gegen Putin vor.

Ach, tatsächlich? Gegen Putin?

Ich hab mehrfach gegen ihn protestiert. Ich war in Russland im Gefängnis.

Das hier ist ein Asylgesuch, kein Roman.

Sie müssen solche Dinge nicht erfinden.

-Ich verstehe nicht. -Das hilft Ihnen nicht.

Sie wurden gefoltert, haben Aktionen gegen Putin gemacht,

Sie wurden vom KGB verfolgt,

waren in allen europäischen Gefängnissen.

Also ehrlich...

Scheiß auf Ihre Hilfe.

-Hat euer Präsident Putin gewählt? -Ja.

Wolltest du ihn sehen?

Film!

Die Wahl ist gefälscht! Putin Tyrann!

Was zum Teufel?

Putin Tyrann!

Gefälschte Wahlen!

Komm da runter!

Bringt sie hier raus!

Die Wahl ist gefälscht!

Wir bringen sie weg.

-Putin Tyrann! -Ruhe!

Die Wahl ist gefälscht.

Mach den Mund auf! Aufmachen, hab ich gesagt!

Umdrehen.

-Hör auf, dich zu bewegen! -Nicht bewegen.

Putin Tyrann!

Putin Tyrann!

Putin Tyrann!

Putin Tyrann!

Zieh dich an, schnell.

Das war's mit Russland für dich.

Du sollst Anschläge gegen Putin und Patriarch Kyrill geplant haben.

Auf Terrorismus stehen mindestens 20 Jahre.

Diese zwei Wochen sind nichts im Vergleich zu dem, was dir blüht.

Ich habe noch keinen Befehl. Daher kann ich dich freilassen.

Zieh dich an.

Du hast uns wirklich gefehlt.

Wir haben oft an dich gedacht.

Ist Inna nicht hier?

Nein.

Sie...

Sie hat wohl Angst bekommen und ist nach Frankreich geflohen.

Mit wem?

Das wissen wir nicht.

Es wird immer schwieriger.

Und wir werden verfolgt.

Ich habe Angst.

-Oxana! -Endlich.

Trink, trink.

Anna!

Sei ruhig!

Verdammt!

Halt verdammt noch mal das Maul!

Lada!

Hau ab! Hau ab!

Hau ab!

Eine von ihnen, eine Kameradin,

Inna Schewtschenko, ist seit über einem Jahr in Paris.

Sie hat den Status "politisch Verfolgte".

Sie rufen sie an, aber sie antwortet nicht.

Ja, genau, der KGB. So haben wir das verstanden.

Seit sie weg ist,

ist alles scheiße.

Na ja...

Sie organisieren Aktionen oben ohne.

Ja.

Sie schreiben sich Sprüche auf den Körper.

Nun, um...

um für Frauenrechte und Demokratie zu kämpfen, denke ich.

Bitte.

Na ja, ich meine, Monsieur...

Sie sind zumindest übel zugerichtet.

-Nein... -Bitte.

Wenn wir sie nicht reinlassen...

Sicher ist das außergewöhnlich,

aber bevor wir mit dem Chef der Vertretung reden...

Willkommen in Paris.

Ich will nur schlafen.

Das ist also das Lavoir.

Meinst du, wir sehen Inna heute Abend?

Keine Ahnung.

-Was machen die da? -Ist das Inna?

Femen Frankreich wurde hier in Paris gegründet,

im September 2012.

Wir treffen heute die Gründerin: Inna.

Erzählen Sie uns, wie Sie nach Paris kamen.

Ich bin aus meinem Land, der Ukraine, geflohen.

Mein Leben war dort bedroht.

Warum haben Sie in Paris um Asyl gebeten?

Seit 2011 ist Femen überall in Europa aktiv.

Und wir waren auch schon in Frankreich.

Ich hatte Kontakte und eine Journalistin hat mir geholfen.

Würden Sie sagen, dass Sie die Anführerin von Femen sind?

Wie in allen Armeen

gibt es einen Soldaten

und einen General.

Wer am meisten Erfahrung hat, bringt den neuen Aktivistinnen etwas bei.

Heute hier in Paris sind wir...

126.

Ich will eine internationale Bewegung. Mehr Sichtbarkeit, mehr Kampfgeist.

Einen klareren, politischeren Diskurs.

Wir werden die ganze Welt besetzen.

Freiheit, Nacktheit.

Freiheit, Nacktheit!

Los, Leute.

Freiheit, Nacktheit!

Verdammter Zirkus.

Bewegung.

Oxana.

Willkommen bei mir zu Hause.

Ich bin Apolonia.

Danke.

Es ist jedenfalls cool, dass du da bist.

Jetzt bist du in Sicherheit.

Hier werden alle aufgenommen: Künstler, Flüchtlinge, Aktivisten.

Viele Leute wie du.

Möchtest du ein Glas Wein?

Die habe ich in der Ukraine gezeichnet.

Sie erinnert mich an dich.

Artemisia wurden bei der Folter auch beide Arme gebrochen.

Aber sie hat sich gerächt.

Sie war eine große Künstlerin.

Verstehst du?

Künstlerin.

Ich verstehe.

Du musst Französisch sprechen, Ox.

Ich heiße Oxana

und ich bin Künstlerin.

Ich heiße Oxana.

Ich bin...

Künst... lerin.

Freiheit! Nacktheit!

Warum seid ihr nicht gekommen?

Ja,

Inna hat was falsch gemacht.

Ja, sie war nicht erreichbar.

Aber wir müssen weiterkämpfen, trotz allem.

Femen Frankreich ist nicht Femen International.

Femen International ist nicht mehr Teil von Femen.

Was?

Es gibt uns nicht mehr.

-Macht ihr Witze? -Nein.

Unsere Statuten gelten nicht mehr.

Innas neue Organisation hat alle anderen geschluckt.

Geben wir einfach auf?

-Ox. -Femen in Paris ist eine Mode.

Freunde,

allen Protestbewegungen geht am Ende die Luft aus.

Wir hätten Inna nicht allein herkommen lassen sollen.

Das konnten wir nicht wissen.

Das ist nicht fair.

Wir waren Femen.

Die Ukraine können wir vergessen.

Und hier gibt es nichts mehr zu tun.

Ich fahre zu meiner Schwester in die Schweiz.

Warum hast du dich nicht an der Beaux-Arts beworben?

Du hättest deine Ikonen zeigen können. Ich hab von dir erzählt.

Lada hat recht. Das Leben geht weiter.

-Du hast viel zu malen. -Weiß nicht.

Bewirb dich nächstes Jahr. Du wirst genommen.

In Ordnung.

Eines Tages stellst du im MoMA aus, wart's ab.

Amerika...

Du wirst zwischen Picassos "Demoiselles", Frida Kahlo und Warhols "Marilyn" hängen.

Apolonia Sokol.

Du wirst die reinste Künstlerin von allen sein.

Oxana.

Das Lavoir wird schließen.

Es ist kein Geld mehr da. Nichts mehr.

Die Gerichtsvollzieher kommen.

Wir müssen weg.

Inna und die Femen müssen auch umziehen.

Du gehst weg?

Ich habe einen Sponsor gefunden.

Er gibt mir Geld und ich male.

Ich verspreche dir:

Ich gucke jeden Tag im MoMA nach einem guten Platz für dein Bild.

-Ich werde bei dir sein. -Du und ich.

Das ganze Leben und nach dem Tod.

Ich hab eine Wohnung für dich.

Ein Freund arbeitet im Rathaus.

Es ist eine...

kleine Sozialwohnung nahe dem Ring.

Aber so oder so...

Das ist das Ziel.

Sie zieht mich runter.

Dann brich mit ihr.

Warum bleibt sie noch?

Sie gehört nicht mehr zur Bewegung.

Sie kann nirgendwohin.

Du bist zu nett. Mir ist das total egal.

Sie muss umziehen. Es ist zu klein hier.

Hier ist kein Platz, sie kann nicht bleiben.

Ox.

Komm her.

Verdammtes Gefängnis, verdammte Einsamkeit.

Ox, du kannst mich nicht so stehenlassen.

-Ich hab dich drei Wochen gesucht. -Ich hasse es hier.

Warum sagst du das?

-Ich habe dich ständig angerufen. -In der Ukraine bin ich nur arm.

Hier bin ich arm und schäme mich.

Du bist hier in Sicherheit.

Ox, was machst du da?

Hörst du mich?

Ox.

Was machst du da?

Antworte mir bitte, Oxana.

Sprich mit mir, bitte. Sprich mit mir!

Komm. Trockne dich ab.

Alles ist gut. Beruhige dich.

Beruhige dich.

Nicht so.

Komm, wir zwei gehen weg aus Paris.

Wir gehen aufs Land.

Nur du und ich.

Kommen zur Ruhe...

und kriegen Kinder.

Ich höre auf.

Meine Fotos bringen nichts. Die Leute sterben weiter dort.

Ich gehe nicht in den Sudan.

Ich bleibe bei dir.

In deiner Nähe.

Und wer berichtet dann von diesem Krieg?

Niemand?

Ohne Kampf gibt es kein Leben mehr.

Hallo.

-Alles klar? -Ja.

Los, kommt. Es sind viele Leute da.

Es ist echt gut besucht für deine erste eigene Ausstellung.

Der Teil da ist noch leer.

Hast du was mitgebracht?

Ich habe potenzielle Käufer gefunden.

Catherine ist hier. Keine Ahnung, ob du sie kennst.

Und jemand von "Le Monde".

Wenn sie was Nettes schreibt, könnte das wirklich gut sein.

Das ist wirklich toll.

Das ist echt gut.

Kannst du morgen noch mehr mitbringen?

Untertitel: A. Hetherington, J. Eltringham Eurotape 2025

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