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*Sanftes Glockenspiel*
*Glockenspiel endet.*
*Ludwig van Beethoven/ Streichquartett Nr. 9*
*Ernste Streichmusik*
*Dumpfer Hall*
*Wind rauscht.*
*Musik klingt aus.*
*Autos rauschen in der Ferne.*
(Max) Wie geht's? -(Julia) Geht so.
*Feuerzeug zischt.*
(Max) Klingt nicht so gut.
(Julia) Na ja, weißt ja.
(Max) Zu Hause? -Das Leben zu Hause.
(Max, schnaufend) So schlimm?
(Lachend) Nee.
Es ist einfach langweilig.
Wahnsinnig langweilig.
Zum Kotzen. Langweilig.
Verstehe ich.
Mir fehlt auch die Abwechslung.
Weißt du, was ich meine?
Ja, ich glaub schon.
(Max) Mhm.
Was meine ich denn?
(Zögerlich) Na ja, vielleicht willst du mal...
einen anderen Geschmack?
Ja.
Einen anderen Geruch?
(Max) Mhm.
Was Ungewohntes?
Was Neues, mit Ideen?
(Gelassen) Ja, richtig.
Hättest du denn Ideen?
Einige.
*Julia kichert spielerisch.*
Welche denn?
Ähh, ich weiß nicht, ob du das hören willst.
Doch, will ich. Immer.
Ach ja?
Siehst du diesen Tisch da?
Ja? -Den könnte man doch benutzen.
Für was denn?
Für Vieles.
Du willst, dass ich mich da draufbeuge.
*Max schnaubt.*
Vielleicht.
Soso.
(Zögerlich) Ich könnte dir dann die Hose runterziehen.
Theoretisch. -Theoretisch.
*Max schnaubt.*
Und dann? -Würde ich meine Hose runterziehen.
Nein.
Nein?
Noch nicht. Du würdest dich erst mal hinknien.
*Kichert.*
(Langsam) Mhh, und dich von hinten lecken?
Danach lässt du deine Hose runter.
Vielleicht stecke ich dann...
meinen Schwanz in dich rein.
Wenn du das willst. Hm?
Und dann...
fick ich dich einfach ein bisschen durch.
Sowas.
Und wenn ich dann komme...
...ziehst du ihn raus und kommst in meinen Mund.
*Julia lacht.*
Wenn das die Compliance wüsste.
*Ludwig van Beethoven/ Streichquartett Nr. 12*
*Kräftige Streichmusik*
*Schlüssel klimpern.*
*Stimmengewirr*
*Musik klingt aus.*
(Julia) Wie war's heute?
Okay.
(Julia, verwundert) Was ist?
Nichts.
Hast du heute mit Papa telefoniert?
(Stammelt.) Ja. Wieso?
(Tobias) Was denkst du?
(Assistentin) Die sind alle nicht schlecht.
Aber auch nicht herausragend. -Irgendwie nicht, nee.
Hmm.
*Tobias schnauft.*
Mich zieht's zu dem Vogel hier. Ich weiß nicht, warum.
Ja, es ist...
Es hat was. -Auf jeden Fall ungewöhnlich.
Ja, oder? -Ja.
Ob die Leute darauf anspringen,
ist etwas Anderes, ne? -Mhm.
Also?
(Unsicher) Ja, ich denk noch mal darüber nach.
Wir müssten am besten heute entscheiden.
Ich weiß.
Okay, dann...
Mhm, bis gleich.
*Tür geht auf.*
*Tür fällt zu.*
*Schnauft frustriert.*
(Tobias) Und? Wie findet ihr es?
(Mann) Ist gut.
(Frau) Mhm.
Ja. -Ja?
Okay, dann machen wir weiter. Felicitas, sagst du dem Künstler,
dass er den Entwurf fertig machen soll?
Klar. -Gut.
Jetzt muss noch der Umschlagtext überarbeitet...
(Sören) Ganz kurz. Die Entscheidung ist final, oder?
Ja, final. -Okay.
Gut. Also der Umschlagtext muss noch überarbeitet werden.
Ich glaube, Bruno hatte noch Anmerkungen für dich, Sören.
Ja, Tschuldigung. Ganz kurz, ich muss leider sagen,
dass ich mir beim Cover nicht so ganz sicher bin.
Ja, aber die Entscheidung steht ja. -Ja, sicher.
Aber eigentlich nicht, oder?
Also wenn wir wollten, könnten wir es noch ändern?
Ich sag's nur, weil ich fürchte,
dass das Cover nicht richtig ziehen wird.
(Tobias) Hmm.
Ich finde es nur
einen prätentiösen Versuch von Surrealismus,
der eigentlich nichts mit dem Buch zu tun hat.
Oder was sagt ihr?
Findet ihr, dass ein Vogel ohne Kopf etwas mit dem Roman zu tun hat?
Feli, was meinst du?
(Stammelt.) Also, na ja. Es geht so.
Ich finde, nicht so wirklich. Aber wenn man assoziiert...
Also, bitte. Ich weiß nicht,
ob die Leser von Hilke Buchsbach so viel assoziieren wollen.
Oder können. *Lachen*
Ja, das kann sein.
Brauchen wir für die nicht etwas Handfesteres
als so ein Pseudo-Magritte?
Sorry, Tobi. Das ist meine Meinung.
Na ja, also so ausgedrückt ist da vielleicht etwas dran
an dem, was Sören sagt.
Also, ein bisschen hart finde ich das schon, weil...
Na ja, in mir löst das Bild etwas aus. Ich finde es gut.
(Sören, lachend) Ja, in dir.
Ich weiß noch, als du das schwarze Cover mit schwarzer Schrift wolltest.
Das war jetzt auch nicht unbedingt der Renner.
Ja, aber das war ja auch etwas anderes.
Ich finde es etwas kopflos. -Das trifft's.
No pun intended.
(Felicitas) Es macht etwas ratlos.
Was soll mir das sagen? Weiß ich nicht. Und schon greife ich
zum nächsten Buch da ich nicht weiß, worum es darin gehen soll.
Genau.
(Tobias) Hmm.
Wollen wir nicht noch mal Alternativen prüfen?
(Zögerlich) Ja, na ja. Also wenn ihr das so seht...
*Atmet tief ein.*
(Lachend) Deshalb frage ich euch ja.
Dann können wir ja noch mal eine Runde drehen?
(Sören) Das ist eine gute Entscheidung.
Mhm. -Gut.
(Singt leise.) ♪ Pseudo-Magritte ♪
♪ Du Arschloch, fick dich ♪
(Frau) Bis morgen. -Tschüss.
♪ Ich reiß dir die Sackhaare raus und stopf sie dir ins Maul ♪
♪ bis du erstickst, du hässlicher Bastard ♪
*Triumphale Streichmusik*
(Julia) Hi.
*Tobias brummt spielerisch.*
*Beide lachen.*
(Tobias) Wo ist Marielle?
Im Garten, glaube ich.
Ich sehe sie nicht.
(Julia) Irgendwo wird sie sein.
Heute war Zicken-Tag. -Hm? Warum?
Weiß nicht. Sie ist irgendwie komisch. Aber sie lässt nichts raus.
(Tobias) Habt ihr gestritten? -Nein.
Die kriegt sich wieder ein.
*Besteck klappert.*
(Tobias) Kein Hunger?
Wie war denn der letzte Schultag?
(Schwach) Geht so.
(Tobias) Freust du dich denn nicht auf die Ferien?
Hat dich dein Kollege heute wieder genervt?
Sören?
Ja. -Hmm.
Der kam mir schon wieder dumm.
(Julia) Schon wieder? -Ja.
*Brummt entschlossen.*
Aber nicht mit mir.
Ich hab einen Entwurf für ein Romancover ausgesucht
und er hat die Nerven, mich vor dem ganzen Team anzuzweifeln.
Er hat das Cover schlechtgemacht. Unglaublich unprofessionell.
Aber ich hab gesagt: "Sören, die Entscheidung ist final.
Dein Input interessiert keinen Menschen."
Und dann war Ruhe.
(Julia) Was der sich erlaubt. -Ja.
(Tobias) Ich überlege, ob ich ein paar unangenehme Schritte
für ihn einleite.
Na ja, sein Vertrag muss ja nicht verlängert werden.
Ist ja kein Muss.
Stimmt doch gar nicht.
Warum? Wenn der Vertrag ausläuft, muss er nicht verlängert werden.
Das, was du gesagt hast, stimmt nicht.
(Tobias) Was denn?
Was heute passiert ist.
Hm, doch. Oder was meinst du?
Hey, sag. Wie meinst du das?
Svenja hat mich heute geohrfeigt.
(Julia) Was? Warum?
(Marielle) Egal.
Kleines, sowas musst du doch gleich sagen.
Ich wusste, dass etwas nicht stimmt.
(Marielle) Schon okay.
Nein, das geht nicht. Das darf die doch nicht machen.
Ich hab sie vorher Schlampe genannt.
Oh. Na ja, das ist jetzt auch nicht nett.
Ja, okay. Das geht natürlich nicht, Marielle.
(Tobias) Hm?
Seitdem...
sehe ich so Sachen.
(Tobias) Ist dir schwindlig?
Siehst du Sterne? Hm?
Nein.
Ich sehe und höre einfach alles, was ihr macht.
Hm?
Ich sehe und höre alles, was ihr macht,
seitdem sie mich geohrfeigt hat.
*Lacht.*
Das ist ein neues Spiel.
(Marielle) Nein.
Wie meinst du das?
Ich weiß, dass du heute mit Annette essen warst.
Und sie hat ihren Salat fallengelassen.
*Julia schnauft leise.*
Du hast geraucht.
Mit Max.
Dein Cover zeigt einen Vogel ohne Kopf.
Und du hast Sören gar nicht gesagt, dass er ruhig sein soll.
Alle mögen Sören mehr als dich. Jetzt willst du ein neues Bild aussuchen.
(Lachend) Das stimmt doch nicht.
Dann hast du gesagt, er soll sich ficken
und dass du ihm seine Sackhaare... -(Tobias) Stopp!
*Marielle atmet nervös.*
Was fantasierst du denn da zusammen?
Es stimmt. -Nein, das ist Quatsch.
Es stimmt! -Das ist absoluter Quatsch, Marielle.
Stopp!
*Marielle seufzt.*
Und was sind das überhaupt für Ausdrücke in diesem Haus?
Sowas sag ich nicht. Und du schon gar nicht.
Du glaubst, ich habe heute geraucht.
Ja.
Warum?
Ich hab's gesehen und gehört.
(Tobias) So. Ich weiß ja nicht, wie du darauf kommst,
aber wir beenden jetzt dieses wunderbare Spiel.
Ich hab nämlich keine Lust mehr.
*Wasserhahn läuft.*
*Wasser stoppt.*
*Julia seufzt.*
Was liest du? -Die neue Novelle von Crideaux.
Wie ist es? -Etwas pathetisch.
Tobias? -Hm?
Woher weiß Marielle das?
Was?
Was wir tagsüber gemacht haben.
Das weiß sie doch gar nicht.
Ob sie unsere Handys angezapft hat? -Quatsch.
Außerdem hat sie uns doch nur veralbert. Es stimmte doch gar nicht.
Sie wusste bei mir viele Details, die stimmen.
Zufall. -Denkst du?
Ich schalt mein Handy mal aus.
Mach du auch. -Ach was.
Ist eh aus.
Außerdem kennt sie dich.
Ist doch nicht schwer zu erraten, was du so machst.
*Julia schnauft.*
Wie kann sie wissen, dass Annette ihren Teller fallen ließ?
Geraten. -Ach, komm.
Nein, wirklich.
Stimmte gar nichts von dem, was sie über dich gesagt hat?
Nein.
Sie hat es sich ausgedacht.
Oder rauchst du etwa? -Nein.
Siehst du?
Natürlich nicht. -Eben.
*Fernes Hundebellen*
*Marielle atmet unruhig.*
(Marielle, ruhelos) Ich hab eure Handys nicht gehackt!
(Julia) Hey, bist du schon wach?
(Marielle) Ich erlebe einfach alles, was ihr sagt und tut. Immer.
Auch wenn ich schlafe.
Alles, was ich über Papa gesagt habe, ist auch so passiert.
Das ist nicht erfunden!
Außerdem hat Mama geraucht.
Und Papa findet das neue Buch von Crideaux pathetisch.
Mama hat ihr Handy ausgemacht und dann gesagt: "Mach du auch."
"Ach was, ist eh aus. Außerdem kennt sie dich.
Ist nicht so schwer zu erraten, was du gerade machst."
"Wie kann sie wissen, dass Annette ihren Teller fallen ließ?"
"Geraten." "Ach komm."
"Nein, wirklich."
"Stimmte gar nichts von dem, was sie über dich gesagt hat?"
"Nein." Bla bla bla.
Das habt ihr geredet.
*Franz Schubert/ Streichquartett Nr. 2*
*Andächtige Streichmusik*
*Musik klingt aus.*
*Klicken*
*Baby weint in der Ferne.*
Zu mir sehen, bitte.
(Julia) Sie ist vollkommen gesund.
Keine Gehirnerschütterung, Blutwerte gut.
Keine Anzeichen für irgendwas.
Sie empfehlen einen Kinderpsychologen.
(Tobias, leise) Quatsch.
Ihr geht's gut.
Sie veralbert uns nur. -Wie denn?
Na, sie hört uns ab. Irgendwie. -Auf der Arbeit auch?
*Tobias seufzt.*
(Streng) Marielle, das sind private Gespräche!
(Marielle) Was kann ich dafür?
*Tobias seufzt.*
Gut, dann gibt es halt kein Tablet mehr
bis du uns sagst, wie du das machst.
(Marielle) Ich weiß es doch auch nicht!
Ich kann's einfach.
Gib mir das Tablet.
Hol's dir doch selber.
*Tobias schnauft.*
Wenn du uns bis morgen nicht sagst, wie du das machst, dann...
dann durchsuchen wir das hier.
Macht ihr doch eh schon.
(Streng) Natürlich nicht.
Aber mal sehen, was wir darauf finden.
*Julia seufzt.*
*Schritte entfernen sich.*
*Stimmengewirr*
(Frau) Wir sind dann doch nicht gefahren.
Martin wurde krank und dann... -Das hast du gar nicht erzählt.
Nichts Schlimmes.
Ich erzähl's dir ein andermal.
(Julia, leise) Alles klar.
Wo bleibt er denn?
(Max) Entschuldigt. Es war...
Na ja, egal.
(Max) Lorenz kommt einfach nie zum Ende.
Gut, dann lasst uns anfangen.
*Tür fällt zu.*
Hallo.
*Dumpfe Pop-Musik.*
Hallo?
Entschuldige, ich wollte dich nicht erschrecken.
Ist alles in Ordnung? -Ich fühl mich nicht so gut.
Bist du krank?
Ist dir schlecht?
(Leise) Nee.
(Liebevoll) Och ja.
Du bist einfach ein bisschen traurig, oder?
Es geht vorbei.
Träumst du manchmal von mir?
Mhm. Manchmal hab ich schon von dir geträumt, ja.
Was denn?
Einmal hab ich geträumt, dass du bei mir wohnst
und schon arbeiten gehst.
Träumst du auch, was ich den ganzen Tag so mache?
Wie meinst du das?
Na ja. Träumst du, wie ich in die Schule gehe?
Oder mich mit Freunden treffe?
Nee.
Eher so verrückte Sachen, die eigentlich gar nicht stimmen können.
Warum bist du mit Opa eigentlich nicht mehr verheiratet?
Weil er 'n Arsch war.
Wenn man in einer Beziehung ist
und der Andere liebt einen nicht und belügt einen nur,
dann ist das die Hölle.
Da muss man Schluss machen, bevor man nur noch unglücklich ist.
*Unverständliche Gespräche.*
(Frau) Bräser meint, dass Franke nicht recht hat.
(Sören) Franke ist der mit dem Stock?
Nee, das ist Bräser. -Ach so.
*Lachen*
Jedenfalls wäre die Nennung im Roman rechtlich kein Problem.
(Sören) Ist ja super. -Ja.
(Frau) Wegen des Covers
können wir ja auf die anderen Vorschläge zurückgreifen,
oder wir holen noch mal einen anderen Künstler.
Es müsste halt sehr schnell gehen.
(Sören) Bis Dienstag müssen wir uns entschieden haben, oder?
*Tobias schnauft.*
Tobi? -(Tobias) Wir sind schon fertig.
Bitte?
Wir bleiben bei dem Vogel ohne Kopf.
(Ungläubig) Aber ich dachte, wir wären uns einig?
Ja...
Ich hab mich entschieden, bei dem Cover zu bleiben.
Ich denke, ich spreche für alle:
Wir sind uns ja einig, dass uns der Entwurf
nicht umgehauen hat.
Ich denke, es ist der richtige. -Und wenn du dich irrst?
Bitte verzeih mir, ich glaube, das tust du.
Und ich glaube, du solltest ab und zu mal einfach deine Klappe halten.
*Sören schnaubt ungläubig.*
Okay.
Entschuldigung.
So.
(Verwundert) Wirklich?
(Julia) Scheinbar.
*Julia seufzt.*
Und weißt du, warum?
Weil Marielle sie vorher Schlampe genannt hat.
Sorry.
Diese kleinen Biester!
Es tut mir echt leid, dass Svenja Marielle geschlagen hat.
Die tickt manchmal aus!
Ich rede mit ihr. -Danke.
Wäre vielleicht besser, wenn die sich wieder vertragen.
Ja. Ich hab echt keinen Bock, dass Svenja die ganzen Ferien
nichts zu tun hat und mir auf den Sack geht.
Manchmal die Kinder eine Zeit lang in den Keller sperren, oder? Das wär's.
Kann ich dich mal was fragen?
Klar.
Ähm...
Ach.
Egal, vergiss es. Ist nicht so wichtig.
Jetzt sag doch. -Alles gut.
Rück raus damit.
Egal, wirklich.
Was hast du denn wieder für süße Geheimnisse?
Nichts!
Was ist denn mit Dings, wie heißt der noch...
(Streng) Nein. Nein.
Jetzt sag's halt einfach.
(Genervt) Nichts. Nein. Es ist wirklich egal.
Spielen wir noch 'ne Runde?
(Julia) Ich wollte dich fragen, ob dir irgendwas an ihr aufgefallen ist.
Hat sie was Komisches gesagt?
(Oma, über Telefon) Sie hat ein bisschen traurig gewirkt
als ich gekommen bin. Aber ich glaube, das war nur Kopfweh oder so.
Hmm.
Und sie hat mich gefragt, ob ich manchmal von ihr träume.
Und dann?
Wie, "und dann"?
Ja, sonst nichts?
(Verwirrt) Nein.
*Oma seufzt.*
Was ist denn?
Glaubst du, dass wir sie zu oft alleine lassen?
(Beruhigend) Och Julia, ich bin doch da.
Ja, ich weiß.
Mach ich etwas falsch, oder was ist? -Nein.
Mama, so war das nicht gemeint.
(Seufzend) Gut.
(Julia) Was hab ich mit Oma geredet?
Du hast sie ausgefragt, wie es mir geht.
Dann wurde sie sauer auf dich und hat gefragt, ob sie etwas falsch macht.
Svenjas Mama will ihre Kinder in den Keller sperren.
Wie machst du das?
*Marielle seufzt.*
Es ist, als würde ich es selbst erleben
oder mich daran erinnern.
Ich weiß es einfach.
Wir müssen dich noch mal genauer untersuchen lassen.
(Nachdrücklich) Nein, mir geht's gut.
Aber du kannst doch nicht so tun, als wäre nichts.
Kannst du aufhören, mich zu beobachten?
(Leise) Nein.
Das muss doch irgendwie gehen. -Nein.
Marielle, du musst mitspielen. Wir müssen das Ganze wieder abstellen.
Damit du in Ruhe Papa betrügen kannst.
*Julia schnauft leise.*
Nein.
(Zögerlich) Nein. Das will ich nicht
und das hab ich auch nicht.
*Julia räuspert sich.*
Bitte glaub mir, ich liebe Papa
und ich habe mit Max...
nur geflirtet, mehr nicht. Das machen Erwachsene manchmal.
Ich würde nie untreu sein.
Am besten, ich sterbe.
Dann kannst du wieder machen, was du willst.
Bitte sag sowas nicht.
Das tut mir leid, ich mach das gut. -Wie denn?
Ich mach das nicht mehr.
Sag es Papa. -Hm?
Sag Papa, was du gemacht hast!
Mama, du musst ehrlich sein!
Es ist nichts passiert. -Du betrügst ihn!
Nein. -Doch!
(Sachlich) Ich habe zum Spaß geflirtet.
Das bedeutet nichts.
Dann kannst du's ihm ja sagen.
Du, ich lass mich von dir nicht erpressen.
Dann sag ich's ihm halt.
*Ludwig van Beethoven/ Streichquartett Nr. 4*
*Dramatische Streichmusik*
*Musik endet.*
(Erfreut) Du bist ja schon zu Hause.
(Julia) Ich hab früher Schluss gemacht.
(Tobias) Hallo.
*Kussgeräusch.*
(Tobias) Und? Gibt's was Neues mit Marielle?
Nee.
(Tobias) Sie ist oben?
Mhm.
*Schritte auf der Treppe*
Hallo, Kleines.
Hallo.
Wie geht's dir?
Willst du mir jetzt sagen, wie du das machst?
(Leise) Hab ich.
(Tobias) Hm...
Weißt du, ich wollte dir etwas von heute erzählen.
Es war was. Also, boah.
Echt.
Mein Kollege... -Ich weiß.
Nein, wirklich.
Heute hab ich ihm mal so richtig gesagt: "Bis hier und nicht weiter."
Einfach so. -Das war witzig.
Fandest du das gut?
Also, hättest du es gut gefunden, wenn du es gesehen hättest?
Vielleicht.
Einfach mal gesagt, er soll die Klappe halten.
Zack.
*Schnauft zufrieden.*
*Fernseher läuft im Hintergrund.*
Sag mal, sind wir vielleicht zu streng mit dem Tablet? Hm?
(Julia) Entweder wir ziehen das jetzt durch,
oder wir lassen es. -Ja.
Sei mal konsequent.
Bin ich ja.
(Lachend) Meistens.
Und wie geht's mit Sören?
Gut. Wieso?
Nur so.
Besser, als du denkst.
(Unruhig) Gut.
Du riechst so gut.
Hast du ein neues Parfüm?
*Julia gluckst.*
Willst du wirklich so tun, als wäre alles wie immer?
Hm?
(Flüstert.) Marielle hat telepathische Fähigkeiten entwickelt.
(Lachend) Quatsch.
(Ernst) Sie kann alles sehen, Tobias.
Alles.
Das stimmt doch nicht. -Doch.
Also rauchst du.
Nein.
(Stammelnd) Aber das...
Also hat sie das erfunden?
Also...
Julia.
*Tobias seufzt.*
*Franz Schubert/ Streichquartett Nr. 15*
*Ehrfurchtsvolle Streichmusik*
*Musik endet.*
*Tobias und Marielle lachen.*
Annette:
*Lachen*
"Ich wollte dir noch erzählen, warum ich nicht
in den Urlaub gefahren bin." Mama: "Stimmt."
Annette: "Ich hab Martin verlassen."
(Tobias) Mhm.
Sie weint jetzt. -Ah, echt?
Ja.
Mama legt ihr eine Hand auf die Schulter.
Annette:
*Lachen.*
"Entschuldige, aber ich bin sehr erleichtert."
Mama: "Verstehe."
Annette:
"Das klingt jetzt kaltherzig, aber ich bin so froh...
*Lachen verstummt.*
dass ich den Krüppel los bin."
Oh.
*Zischt verlegen.*
(Leise) Na ja. Da...
*Räuspert sich.*
*Schnieft.*
Na ja, ähm...
Martin sitzt im Rollstuhl.
Sowas sollte...
sollte man aber nicht sagen. Eigentlich.
*Räuspern*
Tja.
Und weiter?
Krieg ich dann mein Tablet?
Okay, ich gebe es dir.
Aber nur, wenn du Mama nichts sagst. Hm?
Okay.
Das war ja auch eher ihre Idee.
Ich fand das viel zu streng.
(Marielle, amüsiert) Mhm.
Na los, weiter.
*Türklingel*
Hallo. -Hallo.
Hallo, Marielle. -Hallo.
Ist Svenja da? -Ja. Soll ich sie holen?
Ja, bitte.
Danke.
Hi.
(Tobias) Hi. -(Marielle) Hallo.
(Tobias) Svenja, wir sind gekommen,
damit du dich bei Marielle entschuldigen kannst.
(Svenja, zögerlich) Ähh...
(Tobias) Ja?
Aber sie hat doch angefangen.
Hat sie dich geschlagen? Hm? -Nein.
Siehst du?
Man schlägt nicht. Du musst dich entschuldigen.
(Svenja) Sie soll sich als Erste entschuldigen.
(Tobias) Nein.
Du musst dich als Erstes entschuldigen.
Du hast zuerst zugehauen.
Und danach kann sich Marielle für ihren kleinen Spruch entschuldigen.
Weißt du, du kannst so froh sein, dass du Marielle als Freundin hast.
Na, komm.
Na, nun mach schon.
(Schwach) Es tut mir leid.
Schau sie doch bitte an, wenn du das sagst.
Es tut mir leid.
Mir auch.
(Tobias) Gut. Siehst du?
Ist doch gut, dass wir vorbeigekommen sind.
Findest du nicht?
Ich muss wieder rein. -Mhm. Tschüss.
(Marielle) Tschau.
*Tür fällt zu.*
*Tippt.*
Ich hab mit Lorenz geredet.
Er will ein Videoteam dabeihaben. -Okay.
Kriegen wir das überhaupt noch ins Budget?
Schwierig. Du kannst ja Angebote einholen.
Dann sehen wir weiter. -Okay.
Ja?
Hast du Lust, eine zu rauchen?
Hm?
Eine rauchen.
Ich rauche nicht.
(Verwundert) Okay. Hast du aufgehört?
Nein. Ich habe noch nie wirklich geraucht.
Rauchen ist ungesund.
(Max, lachend) Okay.
Verstehe. -Sonst noch was?
Nein, eigentlich nicht.
Dann bis später. -Bis später.
Hab ich was falsch gemacht? -Nein.
Warum willst du dann nicht mehr mit mir rauchen?
(Zögerlich) Weil ich nicht rauche.
*Schnaubt.*
Weißt du, eigentlich sollte ich dich jetzt vor allen Kollegen packen
und auf den Tisch werfen.
(Stammelnd) Das wäre nicht nett!
Deinen Slip zur Seite schieben und...
(Stammelnd) Jetzt gehst du bitte?
Nein. Nicht bevor ich meine Zunge in deine Muschi...
(Laut) La la la la la!
Du sollst jetzt sofort gehen!
Was stimmt denn nicht mit dir? -Es geht mir nicht gut.
Ja. Das sehe ich.
Wir sind Kollegen. Sonst nichts.
*Julia tippt laut.*
(Leise) Ja.
*Tür knallt.*
*Lacht.*
*Seufzt.*
*Lacht hysterisch.*
Oh, Gott...
(Tobias) Danke.
*Tobias brummt zufrieden.*
(Julia) Es tut mir leid, dass ich gestern so patzig war.
(Verständnisvoll) Schon okay.
(Julia) Hab ich dir erzählt,
dass ich neulich angeflirtet wurde?
(Distanziert) Wirklich? Nee.
Von 'nem Kollegen.
Hmm.
Von wem denn?
*Atmet tief durch.*
Max.
(Tobias) Hmm.
Echt, der?
Wie das denn?
Na ja, in der Pause hat er so Andeutungen gemacht,
dass ihm die Abwechslung fehlt in seiner Ehe.
(Tobias, passiv) Mhm. Und dann?
Vielleicht hab ich ein bisschen zurück-geflirtet.
Ach ja?
Zum Spaß.
*Gluckst leise.*
Ein bisschen Flirten ist okay.
(Verständnisvoll) Ja ja, klar.
Aber wenn's dich stört, dann mach ich's nicht mehr.
(Tobias, ablehnend) Mm-mm. Schon okay.
*Schnieft.*
Wenn man sich liebt, dann vertraut man sich.
Und ich liebe dich sehr.
Und vertraue dir.
Ja.
Und ich...
ich liebe dich auch sehr.
*Schnauft.*
*Seufzt.*
*Tür schließt.*
(Auf Französisch) Findest du mich langweilig?
(Julia, auf Französisch) Was?
Findest du mich langweilig?
Nein.
Ich hab manchmal das Gefühl, dass du mich langweilig findest...
Nein. Wie kommst du da drauf?
(Tobias) Dabei gibt's so viele Dinge,
die ich noch nie mit dir gemacht habe.
Wie?
Was für Dinge?
Ich könnte dich mal auf dem Esstisch bumsen, wenn du möchtest?
Was auf dem Esstisch?
B-U-M-S-E-N.
Erst zieh ich dir die Hose runter
und dann leck ich dich von hinten.
(Lachend) Was?
Mit dem Mund. Lecken. Von hinten.
(Deutsch) Spinnst du?
Auf Französisch. -Lass den Scheiß!
(Tobias, Deutsch) Das sagt man nicht.
Hast du sie gefragt, oder hat sie das einfach so erzählt?
Sag's mir.
Ich hab sie gefragt.
*Schnauft ungläubig.*
Das ist krank. -Ach ja?
Du spionierst mir hinterher! -Offensichtlich zu Recht.
Ich hab dir davon erzählt! -Du hast von einem "Flirt" erzählt.
Das war kein Flirt. Das war quasi schon...
(Julia) Hätte ich's richtig gemacht, hätte es sich zumindest auch gelohnt.
(Tobias, schockiert) Hm?
Was guckst du so?
Würdest du nicht auch gerne ab und zu
mit jemand Anderem schlafen? -Nein. Nein. Würde ich nicht.
Sei mal ehrlich.
Ich bin mir nicht sicher, ob wir gerade jetzt darüber reden sollten.
Doch, gerade jetzt. Ich glaube,
genau jetzt ist die richtige Gelegenheit.
Würdest du es gerne?
Also. Ich...
würde gern mal mit Max schlafen.
Was ist so schlimm daran?
(Tobias, ungläubig) Wir sind verheiratet?
Ja, du bist mein Mann.
Aber ich würde auch gerne mal mit Max schlafen.
Das ist etwas ganz Natürliches.
Von mir aus kannst du auch jederzeit mit jemand anderem schlafen,
wenn du das willst.
Was ist daran so schlimm?
*Tobias schluckt unruhig.*
*Schnaubt ungläubig.*
Das sind die Werte, die du unserer Tochter vermitteln willst?
(Zögerlich) Ich finde, man soll immer zu sich stehen
und man soll so sein, wie man ist.
Willst du ihr beibringen, dass Monogamie das einzig Wahre ist?
So reaktionär bist du nicht.
Ja, klar.
Zu sich stehen.
Was sonst.
Und es gibt so viele Formen der Partnerschaft.
*Schnaubt bitter.*
Gut. Siehst du?
*Beide lachen.*
Ich bin froh, dass du so ein verständnisvoller,
liebender Ehemann bist.
Und du vertraust mir, hast du gesagt.
Ja, natürlich. Ich vertraue dir.
Und du musst nicht eifersüchtig sein. Niemals. Das weißt du.
(Zynisch) Ja. Niemals.
(Zart) Ich bin glücklich mit dir.
Mit unserer Familie.
(Trocken) Ja. Das bin ich auch.
*Julia lacht.*
Glücklicher geht's nicht.
*Franz Schubert/ Streichquartett Nr. 15*
*Bedrohliche Streichmusik*
*Musik wird gemächlich.*
*Musik endet.*
Lass die Tür auf, Marielle!
(Dringlich) Mach die Tür auf.
Mach jetzt auf, Marielle.
Du kannst Papa nicht einfach alles erzählen,
was ich mache. Das geht nicht.
Marielle!
*Unverständliche Gespräche*
Wieso sitzt du eigentlich immer hier drin?
Gefällt mir besser als mein Büro.
(Eilig) Rauchst du noch?
Klar.
Rauchst du noch? -Ja.
Und ich würde jetzt gerne rauchen. Sehr gerne rauchen.
"Welche"-Dingsbums. Da bin ich raus bei der Passage.
Das ergibt dann gar keinen Sinn mehr.
Nicht, dass der Teil davor ausgesprochen kohärent gewesen wäre.
*Felicitas räuspert sich nervös.*
Was ist?
Entschuldigung.
Ehrliches Feedback, ne?
Das ist der Grundstein unserer Arbeit hier.
(Felicitas, schwach) Mhm.
Na ja, mach dir keine Sorgen. Das kriegst du schon noch hin.
*Telefon klingelt.*
(Flüsternd) Du kannst gehen.
Ja, hallo?
Jetzt gleich?
*Unverständliche Gespräche*
*Klopft.*
(Frau) Tobias! Komm rein.
Lass ruhig offen, es dauert nicht lang.
Es geht um das Cover des Buchsbach-Romans.
Ja?
Ich hätte ganz gerne ein anderes Cover.
(Schnauft.) Okay.
Gut. Danke.
Nur, wir sind da sehr weit mit der Drucklegung...
Ich weiß. Aber es wäre toll, wenn du das möglich machen könntest.
(Tobias) Okay.
Wann kann ich Neuvorschläge sehen?
(Stammelnd) Das muss ich abklären.
Prima.
*Schnauft unruhig.*
Darf ich fragen, warum? -Bitte?
Darf ich fragen, warum?
(Zögerlich) Ach...
Persönlicher Geschmack. Ich finde es ein bisschen Pseudo-Magritte.
(Frau lacht kurz.) Entschuldigung.
(Frau) Tschau. - (Frau2) Tschüss.
*Tür knallt.*
*Julia atmet unruhig.*
*Julia stöhnt.*
(Julia flüstert atemlos.) Sex ist etwas ganz Natürliches.
Was? -Nichts.
*Räuspert sich nervös.*
Alles klar?
(Flüsternd) Ganz natürlich...
*Atmet angestrengt.*
Komm her.
Endlich leck ich mal deine Muschi.
(Julia, streng) Psst!
Nicht so viel reden. Das gehört alles zum ganz normalen Liebesspiel.
So.
Und jetzt benutz deinen Penis.
Komm, mach! -Ja.
*Schnauft unruhig.*
Brauch noch kurz.
*Seufzt frustriert.*
(Julia) Komm, mach.
(Stöhnend) Es ist ganz natürlich.
*Julia stöhnt.*
*Klatsch-Geräusch*
*Händetrockner surrt.*
*Tür schließt sich.*
(Sören) Guter Tag heute?
Mhm.
(Lachend) Die Übersetzerin von Crideaux...
ich sag dir, die hat 'nen Totalschaden.
*Tobias seufzt.*
(Scherzhaft) Oh, Gott.
Hattest du mal was mit der zu tun?
Nee, nicht wirklich.
(Sören) Hmm.
Die Hellinger war jetzt doch nicht so einverstanden mit dem Cover, ne?
(Tobias) Hmm.
Man kann's ja noch ändern.
*Tobias seufzt genervt.*
Ja. Sieht ganz so aus, ne?
Ich würde mir deshalb keine Gedanken machen.
Sie hat manchmal so starre Ansichten.
Kannst du ja nichts dafür.
(Sören) Wow, Cover-Design...
Ist echt immer nicht so einfach, ne?
Wir können uns auch gerne mal zusammensetzen.
Ich kann dir Feedback geben, ein paar Trends dazu zeigen.
Das ist ja total klar, dass du dich nicht überall auskennen kannst.
*Dumpfer Metall-Schlag*
*Lacht ungläubig.*
Tschuldigung.
Schau mal nach 'nem Taschentuch.
Wo denn?
(Tobias schreit.) Hör auf!
(Sören) Alles okay?
*Autos rauschen vorbei.*
*Klingelton*
(Julia) Hallo.
(Svenjas Mutter, am Telefon) Hi.
(Julia) Was gibt's?
(Zögerlich) Ich muss mit dir über etwas sprechen.
Mhm.
Ich find's nicht okay, dass Tobias Svenja zum Weinen bringt.
(Vorsichtig) Davon weiß ich nichts.
*Julia seufzt.*
Findest du das in Ordnung?
Du, wieso redest du nicht mit Tobias? Ich hör das jetzt zum ersten Mal.
*Svenjas Mutter lacht ungläubig.*
Gut, es ist doch dein Mann!
(Sachlich) Ja. Bin ich deswegen für ihn verantwortlich?
Nein. Aber ich meine...
*Beide seufzen.*
Ich dachte, ich kann mit dir reden.
(Genervt) Du, deine Tochter schlägt meine Tochter
und jetzt regst du dich wegen so ein paar blöden Tränen auf.
Vielleicht hat sie's auch schlichtweg verdient.
*Schnauft.*
Hallo?
*Anruf endet.*
*Seufzt.*
*Schlüssel klimpern.*
*Autotür geht auf.*
*Franz Schubert/ Streichquartett Nr. 15*
*Hektische Streichmusik*
*Regen prasselt.*
*Tür knallt zu.*
*Musik klingt aus.*
(Julia) Hast du's ihm schon gesagt?
Ich hab mit Max geschlafen, aber nur von hinten.
Und er durfte auch nicht in meinen Mund kommen.
(Zynisch) Ja, ist ja sehr rücksichtsvoll von dir.
*Würgt.*
*Julia lacht.*
Mir schmeckt's gut.
Ich hab mich mit Sören geprügelt.
Jetzt verlier ich wahrscheinlich meinen Job.
Was? -Ja.
Ihm mit dem Thermos-Becher einfach ins Gesicht geschlagen
und dann hab ich ihn richtig fertiggemacht.
Hä, ist das wahr?
(Tobias) Na ja. Das mit dem Thermos-Becher schon.
(Julia) Siehst du, wie schön es ist,
dass wir alle so offen miteinander reden?
Ich find das sehr gut. -Ja. Das wolltest du doch, oder?
Und siehst du, dein Papa ist auch nicht perfekt.
Du kannst also aufhören, nur auf mich böse zu sein.
(Tobias) Das kann sie ja wohl selber entscheiden.
(Julia) Das stimmt.
Du solltest dir eigentlich von niemandem reinreden lassen.
Aber vielleicht sollte sie dann doch noch ein paar andere Sachen wissen,
damit sie das auch richtig entscheiden kann.
Marielle, weißt du...
Dein Papa wollte dich abtreiben.
(Leise) Nein, das stimmt nicht.
(Julia) Doch.
Marielle, nein. Das stimmt nicht.
Er wollte, dass ich dich abtreibe. -Nein, das stimmt nicht.
Doch. -Jetzt hör auf!
*Tobias schlägt auf Tisch.*
Natürlich. -Nein!
*Schlägt erneut auf Tisch.*
Was sagst du dazu?
*Schritte auf der Treppe*
*Julia schnauft.*
*Franz Schubert/ Streichquartett Nr. 1*
*Trübe Streichmusik*
*Musik endet.*
(Bedrückt) Ich will so nicht sein.
*Julia seufzt leise.*
Ich auch nicht.
Sie muss damit aufhören.
(Skeptisch) Wie denn? Willst du mit ihr zum Schamanen?
Also glaubst du jetzt doch daran?
(Seufzend) Sei ruhig.
*Seufzt laut.*
Na ja. Alles hat angefangen, nachdem sie geohrfeigt wurde.
(Tobias) Du weißt ja, worüber wir gesprochen haben. Hm?
Bitte rede mit uns. -Ja.
Du willst auch, dass es aufhört?
Ja.
(Julia) Wir wollen nicht so sein, wie wir sind.
Wie wir waren.
Weil so sind wir eigentlich nicht.
Denkst du nicht auch, dass die Ohrfeige ein guter Versuch wäre?
Wahrscheinlich.
(Tobias) Hmm.
Vielleicht, um es so angenehm wie möglich zu machen,
ohrfeigst du dich einfach mal selbst?
(Streng) Nein.
Wenn ihr das wollt, dann muss es einer von euch machen.
*Tobias schnauft.*
Wir wollen dich wirklich nicht schlagen.
(Julia) Probier's doch selbst mal.
Und dann... -Svenja hat fest zugeschlagen.
(Julia) Hmm.
Ich halt auch still, aber ihr müsst es machen.
Von wem möchtest du denn geschlagen werden?
Egal.
Das musst du entscheiden. Wir wollen das beide nicht.
Nein.
*Tobias seufzt leise.*
Papa macht das. -Hm?
Einfach, weil...
Aus Tradition.
Es schlagen ja schon eher die Männer.
*Julia lacht.*
Nee, also...
Ihr Frauen habt ja die viel intimere Bindung zu euren Kindern.
Dir tut es ja genauso weh wie ihr. Wäre ja auch deshalb gerechter.
Also das ist ja jetzt Unsinn. -Hä?
Es geht doch mehr um die Verantwortung.
(Zögerlich) Du bist schon irgendwie das Familien-Oberhaupt.
Du würdest es dir sicherlich nicht aus der Hand nehmen lassen,
die unangenehmen Dinge selbst zu tun, oder?
(Tobias) Siehst du Mama?
*Tobias seufzt unruhig.*
*Ächzt angestrengt.*
(Leise) Och, Mann...
*Hosentasche raschelt.*
*Seufzt.*
Kannst du die Augen zumachen?
*Atmet zittrig ein.*
(Flüsternd) Ich kann's nicht.
*Schritte nähern sich.*
(Julia) Ich mach's.
*Lauter Schlag.*
(Julia) Und?
*Julia schnauft frustriert.*
Fester.
*Lauter Schlag* *Poltern*
(Erfreut) Es hat geklappt.
*Wasser gluckert.*
*Gluckern wird lauter.*
(Tobias) Wenn du willst, können wir ja am Wochenende wegfahren.
Egal, wohin.
(Leise) Okay.
Wir können uns ja ein Musical anschauen.
Hättest du darauf Lust?
*Tobias lacht.*
Ja.
Papa?
Wolltest du mich wirklich abtreiben?
*Tobias seufzt leise.*
Ich hatte kurzzeitig irgendwie Angst.
Und dann hab ich diesen Vorschlag mal in den Raum geworfen. Ja.
Aber das hat nichts mit dir zu tun.
Wir kannten uns ja noch nicht.
*Marielle atmet angespannt.*
Das kannst du alles nicht wissen, aber deine Mama und ich
hatten eher einen holprigen Start... -Hör auf.
(Verständnisvoll) Nicht schlimm.
Wirklich?
(Flüsternd) Ja.
Ich bin froh, dass es dich gibt.
Gute Nacht, Papa.
(Julia) Ist das immer noch der Crideaux?
(Tobias, verneinend) Mm-mm.
Kannst du mir eine schöne Stelle zitieren?
*Tobias schnauft.*
Aus dem Crideaux?
Auf Französisch?
(Französisch) Was würdest du gerne hören?
(Französisch) Sie lügt uns an.
Sie kann uns noch hören und sehen.
Das glaube ich nicht.
Sie sagt die Wahrheit.
Woher weißt du das? -Hör auf!
Sag's mir! -Sie sagt die Wahrheit.
Warum antwortest du mir dann auf Französisch?
*Schnauft ungläubig.*
Du bist so ekelhaft.
Du kotzt mich an.
(Tobias, auf Deutsch) Verstehst du?
(Ironisch) Schön, oder?
Schlaf jetzt. Ich verzeihe dir alles.
Lass uns wieder eine richtige Familie sein
und lieb zueinander sein.
Ja?
(Frau) ...für zehn Minuten. Dann komm ich
und beende die Veranstaltung.
Mhm. -Okay?
(Leise) Ja, ja. -Gut. Dann hätten wir's ja.
Ist alles in Ordnung? -Nein.
Kann ich dir irgendwie helfen?
Nein.
Hast du einen Moment? -Nein.
*Julia räuspert sich unruhig.*
(Leise) Rauchen ist sehr schädlich.
(Sarkastisch) Das gibt's ja nicht.
Weiß deine Frau, dass du rauchst?
Nein.
Vielleicht solltest du's ihr sagen.
Ich glaube, das ist ein "hard no" von meiner Seite.
*Räuspern*
Es war falsch, was wir gemacht haben.
Lass uns einfach nur Kollegen sein.
(Leise) Gut.
Mit dir war Rauchen eh langweilig.
(Oma) Ah, hallo. -Hi.
Komm rein.
Stör ich auch nicht? Ich war gerade spontan in der Nähe.
Nein, nein. Komm rein.
Wie geht's dir?
Gut. Und dir?
Auch gut. Danke.
Wie kommst du mit Marielle zurecht?
Gut.
Sie ist zurzeit ein bisschen still. Zurückgezogen.
Das ist wahrscheinlich das Alter.
(Andächtig) Ja.
(Oma) Und ein gewisser Schwermut stellt sich bei ihr ein.
Na ja, irgendwann schlägt das Leben halt zu.
Ich weiß noch, so glücklich wie als Kind war ich danach nie wieder.
Mama, was ich dir sagen wollte...
Danke, dass du für Marielle kochst und dass dich so kümmerst.
(Oma, locker) Klar. Ist doch klar.
Dafür brauchst du dich nicht bedanken.
(Zögerlich) Und, ähm...
dann noch...
Es tut mir leid.
(Oma, verwundert) Hm?
Es tut mir leid, was ich dir alles angetan hab.
(Verwirrt) Was hast du mir angetan?
*Julia atmet tief ein.*
Ich...
Ich war gemein zu dir.
Hab schlimme Sachen gesagt oder nicht mehr mit dir geredet.
Als Kind, als Teenager.
(Oma, lachend) Oh Gott. Also so schlimm war's nicht.
Doch.
(Oma) Aber das ist doch normal. Das machen Kinder so.
Der Tee ist gut, oder? -Ich will, dass du weißt,
dass ich das nie so gemeint habe und dass ich einfach nur gemein war.
Und das tut mir unglaublich leid.
(Oma, beruhigend) Es ist alles gut.
(Leise) Nein.
Ich weiß noch genau, wie du mir dieses Kleid genäht hast,
als ich acht oder neun war. Und...
Du hast dir totale Mühe gemacht.
Das weiß ich jetzt.
(Zögerlich) Und ich fand's scheiße und wollte es nicht anziehen.
(Zittrig) Und ich hab dir gesagt, dass es so hässlich ist.
(Weinend) Und es tut mir jetzt so unglaublich leid, Mama.
Wirklich, es tut mir so leid.
*Beide seufzen.*
(Oma, ruhig) Gut.
Gut.
Danke.
(Oma) Ich hol mir noch einen Tee. Du hast ja noch.
(Flehend) Was muss ich tun, damit du mir verzeihst?
(Marielle, monoton) Ich verzeihe dir.
Nein, wirklich.
Ich verzeihe dir. -Sei ehrlich.
Wir können ehrlich miteinander reden.
*Schulhefte knautschen.*
Gib mir bitte eine Chance. Bitte.
Ich tu alles, was du willst. -Du musst nichts machen.
(Julia) Ich will nur, dass du mich wieder lieb hast.
(Kalt) Lass es einfach. -Bitte.
Bitte, Marielle.
Glaubst du mir?
Hm?
Glaubst du mir, dass ich dich nicht mehr höre und sehe?
Ja.
Soll ich ehrlich sein?
Ja.
Ich hab einfach gemerkt, dass ich dich eigentlich gar nicht mag.
Mehr nicht.
*Seufzt.*
*Schritte entfernen sich.*
*Schritte auf der Treppe*
*Franz Schubert/ Streichquartett Nr. 15*
*Heitere Streichmusik*
*Musik endet.*
*Stimmengewirr*
Tschüss. -Tschüss.
*Tür fällt zu.*
Marielle?
(Julia) Marielle?
(Flüsternd) Marielle.
(Leise) Ich liebe dich.
*Schnauft hörbar.*
*Johannes Brahms/Wiegenlied*
*Zärtliche Klaviermusik*
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