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Original subtitles

EINE NETFLIX ORIGINAL SERIE

Und Sie?

-Ich habe schon gefrühstückt. -Wie lange habe ich geschlafen?

11 oder 12 Stunden.

Wegen der Zeitdifferenz.

Unser Universum bewegt sich schneller als das, in dem Sie waren.

Schneller?

Für Sie waren es nur ein paar Tage. Aber hier sind sieben Monate vergangen.

Wie ist das möglich?

Im Gegensatz zu Ihrem Universum nimmt unser Universum einen Umweg.

Können Sie das nicht auch auf normale Weise erklären?

Stellen Sie sich vor,

Sie säßen an Bord eines Zuges, der nie anhält.

Und an einer Abzweigung oder einem Knotenpunkt

drücken Sie auf einen Knopf und springen auf einen Anschlusszug.

Dann fahren beide Züge weiter, auf verschiedenen Strecken.

Verständlich?

Ja. Bis jetzt.

Beide Züge müssen stets die gleichen Knotenpunkte erreichen.

Immer zur gleichen Zeit,

damit Sie auch den Knopf drücken und auf meinen Zug zurückspringen können.

Denn sonst könnten Sie nicht zurückkehren, verstehen Sie?

Ja. Ich bin auf den Zug neben uns gesprungen

und kann durchs Fenster alles sehen.

Nein, das nicht,

da die beiden Züge komplett unterschiedliche Routen nehmen.

Mein Zug muss weiter fahren als Ihrer, um die einzelnen Knotenpunkt zu erreichen.

Also muss er schneller fahren, um zeitgleich einzutreffen.

Okay.

Darum fühlen Sie sich jetzt so orientierungslos.

Der Tempowechsel kann verwirrend sein, bis man sich daran gewöhnt hat.

Und die Zeitdifferenz?

Stellen Sie sich vor, dass ein Kilometer einem Tag gleicht.

Wir waren mehre Tage unterwegs als Sie. Verstehen Sie das?

Ja. Mehr oder weniger.

Was ich Ihnen gestern Abend vor dem Schlafengehen gesagt habe...

Essen Sie erst etwas. Das wird Ihnen gut tun.

Am Mittag kommt der Putzdienst.

Wir ersparen ihnen etwas Arbeit.

-Ich kann das auch tun. -Ich weiß.

Von den wenigen Sachen, die Sie mir gestern Abend erzählt haben,

will mir eine nicht aus dem Kopf gehen.

Was?

"Meine Reisen in andere Universen enden stets in einer Tragödie."

So ist es. Im ersten habe ich Selbstmord begangen.

Im zweiten sind Elisa und die Kinder gestorben und...

Der Tod des jungen Eduard war ein Unfall, nicht zwingend...

Ohne mich würde er noch leben.

-Das wissen Sie nicht. -Es endet stets in einer Tragödie.

Nein!

Hören Sie auf, so zu denken.

Sie haben recht.

Alles geht schief. Aber nicht Sie sind schuld, sondern ich.

Ich bin für all das verantwortlich.

Sie haben mich doch gefragt,

ob Sie der Erste wären, der dieses Experiment wagt.

Sie sind nicht der Erste.

Wer hat es noch getan?

Ein Mann.

Ein Freund.

Na ja, er war mehr als ein Freund. Ein guter Freund.

Er kam von einer seiner Reisen nicht zurück.

Warum nicht?

Er hat nicht überlebt.

ICH GEHE NICHT HINEIN

Sie haben ganz und gar nicht versagt.

Was meinen Sie?

Sie stützen sich auf,

sind aber mehr als in der Lage, ohne meine Hilfe zu gehen.

Sehen Sie?

-Denken Sie, ich spiele Ihnen etwas vor? -Nein. Absolut nicht.

Was wollen Sie beweisen?

"Seit Wochen quält mich der Gedanke, ich könnte versagt haben.

Er hat mich all meiner Kraft beraubt."

-Was meinen Sie? -Die Nachricht, die Sie hinterließen.

-Oh, ja. -Sie haben nicht versagt,

Vielleicht bei diesem Mann, aber nicht bei mir. Ich bin hier.

Und Ihre Kraft kehrt zurück. Sie brauchen meine Hilfe nicht mehr.

Gehen wir weiter?

Nur für den Fall.

Sie denken darüber nach, nicht wahr?

Was in diesem Universum passiert ist, in dem Sie waren.

Sie dürfen sich nicht schuldig fühlen.

Das lasse ich nicht zu. Ihr Experiment funktioniert.

Es ist nicht...

Ich bin es. Nur ich allein bringe den anderen...

Es war ein tragischer Unfall.

Es ist immer ein Unfall. Das kann kein Zufall sein.

Und es ist immer ein Auto.

Als müsste der Unfall von Elisa und meinen Kindern,

den ich verschuldet habe,

in jedem einzelnen dieser Universen wiederholt werden.

Sie sagten: "Es gibt ein Universum für jede Wahl, die wir nicht getroffen haben."

Gibt es denn kein Universum, wo all das nicht in einem schrecklichen Unfall endet?

Kein einziges?

Meine Erfindung ist sinnlos, wenn sie nur Schmerz verursacht.

Nein. Dank ihr konnte ich Elisa wiedersehen.

Aber es ging nicht gut aus.

Elisa... Sie war so jung, so hübsch.

Sie wollte, aber es ging nicht. Ich wollte...

Sie wollten bei ihr bleiben?

Ja.

-Warum haben Sie es nicht getan? -Der Altersunterschied war zu groß.

Und der arme Eduard... Ich konnte es nicht tun.

Ich konnte es nicht.

-Wo wollen Sie hin? -Es war ein Fehler.

-Was meinen Sie? -Alles!

Nein! Wollen Sie nicht weitergehen und...

Nein, ich bin müde. Ich muss mich hinlegen.

Wollen Sie nicht mitkommen?

Sie kennen meine Mutter. Und mein Bruder und...

Nein. Ich bin nicht besonders gesellig oder nett.

Ich habe schon zu lange keinen Kontakt mehr zu Menschen.

Ich weiß nie, wie ich mich verhalten soll.

Seien Sie einfach Sie selbst.

Haben Sie ihnen von mir erzählt? Sie hatten versprochen, es nicht zu tun.

Und ich werde mein Wort halten.

Na dann...

-Leben Sie wohl. -Sie setzen mich aber schnell vor die Tür.

Sie haben "Na dann" gesagt. Das bedeutet, dass Sie gehen möchten.

Woher wissen Sie das, wo Sie doch schon so lange alleine sind?

Vielleicht bedeutet es mittlerweile ja: "Ich würde gerne noch ein wenig bleiben."

Na dann...

Gehen Sie. Familie und Freunde sind das Allerwichtigste.

Wissen Sie schon, was Sie ihnen sagen werden?

Warum Sie so lange verschwunden waren?

Ich tue, was ich kann.

Wann sehen wir uns wieder?

Wenn Sie Ihre Familie satt haben.

Ich meinte nicht hier.

Das können Sie vergessen.

-Entschuldigt. Wenn ihr so freundlich... -Lass gut sein.

Nein, nein, nein.

Man bat mich, ein paar Worte zu sagen. Und das werde ich tun.

Und ich werde mich nicht zurückhalten, wenn das okay für euch ist.

Zuerst trinken wir auf dein Wohl.

Wir wollen feiern, dass du noch lebst.

Zum Wohl.

Zum Wohl.

Zum Wohl. Auf dich.

Also...

Wir alle haben dich in den vergangenen Monaten vermisst.

Einige von uns befürchteten das Schlimmste.

Kein Zeichen von dir. Nirgends. Keine Anrufe. Keine Nachrichten.

Die Polizei war ratlos.

Deine Mutter war die Einzige, die sagte:

"Solange ich keine Leiche gesehen habe, lebt Eduard.

Ich will nicht, dass ihr trauert."

Wir hatten ja bereits Erfahrung damit.

Du warst nicht zum ersten Mal verschwunden.

Aber so viele Tage und Monate ohne das geringste Zeichen...

-Òscar, bitte. -Nein, nein. Lass mich ausreden.

Die Polizei versicherte uns, dass sie ermitteln würde.

Und dennoch hielten wir keinen einzigen Tag die Füße still.

Clara und ich suchten an den unvorstellbarsten Orten nach dir.

Dein Bruder, Tere, deine Mutter... Wir hörten nicht auf, dich zu suchen.

-Sprachen mit deinen Kollegen... -Unnötig.

Was meinst du damit? Deine Mutter war sicher, dass du lebst.

Wir alle wollten wissen, ob es dir gut geht...

Mir ging es bestens.

Und warum hast du uns nichts gesagt?

Du warst Monate verschwunden, und es ging dir bestens?

Wo? Was hast du getan?

Nichts von Bedeutung.

Du hast uns auf unmenschliche Weise leiden lassen.

Uns alle. Pau und Martí haben jeden Tag nach dir gefragt.

-Stimmt. -Ja.

Warum hast du nichts gesagt?

Wir sind immer noch besorgt. Und das wird sich so schnell nicht ändern.

Das haben wir nicht verdient. Was verschweigst du uns?

Du musst jetzt nichts sagen, wenn du nicht willst, aber...

Schon gut, ich versuche es.

-Tut mir leid... -Ihr habt recht, Mama.

Ihr alle habt recht. Ihr verdient eine Erklärung.

Ich habe mich die ganze Zeit über nicht gemeldet,

da ich keinen von euch vermisst habe.

Sei nicht so gemein, Eduard.

Ich bin nicht gemein. Ganz im Gegenteil.

Ich war monatelang fort. Okay.

Das ist es, was ihr ständig wiederholt und mir vorwerft.

Aber ich war mit einem Zug unterwegs, der langsamer gefahren ist als eurer.

Wenn ich euch nun sage...

...dass für mich nur ein paar Tage vergangen sind?

Vier, maximal fünf.

Ihr sagt, dass ihr monatelang ohne mich leben musstet.

Aber dort, wo ich war, wart ihr alle da. Bei mir.

Wo ist "dort"?

In diesem Zug.

-Welcher Zug? Was heißt das? -Nur eine Metapher.

-Es ist ein Ort wie dieser hier. -Und wir waren mit dir dort?

-Und wir haben dich nicht gesehen? -So ist es.

Wir waren hier, aber du...

-Nicht hier, Mama. Dort. -Wo ist "dort"?

Hört zu. Ich war nicht monatelang weg. Ich war an einem Ort wie diesem hier.

Und ihr alle wart auch dort. Und es waren nur einige Tage.

Darum habe ich euch nicht vermisst. Keinen. Nicht mal...

Nicht mal wen?

Elisa, deine Tochter.

-Deine Lieblingsschülerin. -Was?

-Deine beste Freundin. -Eduard. Hör auf.

Und ich habe... Papa gesehen.

Und dich und sie auch.

Wo... Wo hast du meine Tochter gesehen?

In seiner Fantasie, Joan. Wo sonst?

-Du gibst mir die Schuld an ihrem Tod. -Nein.

-Das habe ich nie gesagt. -Doch.

-Nicht mal gedacht. -Doch, das hast du.

Und ich habe gesehen, wie ihr mich alle hasst.

Das würden wir nie.

Hör auf, du machst ihnen Angst.

Hör auf, Eduard.

Ich wäre tot, wenn Papa noch lebte.

Wovon redest du denn da?

Und du wolltest immer mit Elisa schlafen.

-Wie bitte? Pass auf, was du sagst. -Und du... Ich sage es lieber nicht.

-Was? -Ich verletze die Menschen, die ich liebe.

Ehe er starb, wollte Papa mir ein Fahrrad kaufen.

Hätte er es getan, wäre ich tot.

Aber ich hätte euch alle gerettet. Haltet euch von mir fern.

Wenn nicht, werdet ihr alle sterben. Ihr alle!

Ihr wollt die Wahrheit? Das ist sie!

Das ergibt keinen Sinn. Hör auf!

Siehst du? Ich hätte besser nichts gesagt.

Kann ich reinkommen?

Wie geht es dir?

Und den anderen?

Gut.

Es geht ihnen gut.

Ich glaube dir.

-Wirklich? -Ja.

Ich verstehe sehr gut, was du sagen wolltest.

Was ich sagen wollte?

Du kannst dir in deinem Kopf nicht vorstellen,

wie du nach all dem weiterleben sollst.

In meinem Kopf?

Ja, und du siehst Bilder und Dinge, die real zu sein scheinen.

Darum vergeht die Zeit für dich langsamer als für uns.

-Das hängt vom Universum ab. -Ganz genau.

Es hängt nicht von dir ab.

Was?

Du leidest. Und es ist nicht leicht, diesem Schmerz zu entfliehen.

Aber er wird vergehen.

Und dann kannst du auch wieder nach vorne blicken.

Momentan ist in deinem Kopf nur Chaos. Aber das wird vergehen.

Und irgendwann wird sich alles wieder normal anfühlen.

Was jetzt unmöglich scheint, wird dann vielleicht wieder möglich sein.

Ja?

In zwei, drei, vier Jahren.

Der Schmerz wird nie vergehen.

Aber du wirst lernen, damit zu leben. Und dann...

-Nein... -Nein, nein, nein.

Dann was?

Das Leben wird weitergehen.

Welch erfreulicher Anblick. Freunde, die sich liebhaben.

Ich...

Sie wollen sich von dir verabschieden.

Eine Sekunde.

Danach... sollten wir etwas trinken gehen.

-Du meinst... -Genau.

Nicht dein Ernst.

Wir haben darüber gesprochen.

Wir waren so oft zusammen, dass...

Aber was genau hat sie gesagt?

Nichts, aber man kann es sehen.

Mir ist es auch erst jetzt aufgefallen.

Ich weiß nicht. Der heutige Tag und dann das mit Elisa...

-Sie waren befreundet. -Elisa hat kein Problem mit so etwas.

Und sie hat nie ein Wort davon erwähnt.

-Nie. -Du tust so, als würde sie noch leben.

Ja. Ist das ein Problem?

Nein, nein.

Wenn sie gewusst hätte, dass Clara... Sie hätte es mir gesagt.

Hast du zugehört?

Elisa ist seit fünf Monaten tot, und Clara hat mit keinem Wort erwähnt...

Für mich waren es aber nicht sechs Monate, Òscar.

Okay, das genügt. Hören wir auf damit.

-Was? -Ach, nichts.

Jetzt, wo ich drüber nachdenke, scheint es lächerlich.

-Was? -Als sie es mir erzählte...

...hoffte ich insgeheim, dass sie das Gleiche zu mir sagen würde.

Zu dir?

Auf einer unser Reisen. Wir haben auf Korsika nach dir gesucht.

Warum Korsika?

Clara dachte, du könntest dort sein.

Sie sagte, du wärst mit Elisa vier oder fünfmal

in einem kleinen Hotel in Oletta gewesen, das ihr beide so paradiesisch fandet.

Wo ihr allem entfliehen konntet.

Vor Claras Geburt.

Oletta.

-Wir waren sicher, dass du dort bist. -Falsch gedacht.

Ja, ja.

Wir waren für zwei Nächte in diesem kleinen Hotel.

-Es existiert noch? -Ja. Es ist fantastisch.

Ich hatte es komplett vergessen.

Dort hat sie es mir gesagt.

Und dann stellte sich heraus, dass...

Erbärmlich ist untertrieben.

Als Elisa noch lebte,

musste sie es auch vor ihr geheim halten.

Clara hatte über die Jahre gelernt, mit diesem Schmerz...

-Zu leben. -Ja.

Sie hat dich immer geliebt.

Seit dieser Sache zwischen euch, als du und Elisa Probleme hattet.

-Wie bitte? -Das hat sie mir erzählt.

-Clara? -Ja.

Dass wir eine Affäre hatten, als Elisa und ich Probleme hatten?

Ja.

Elisa und ich hatten nie Probleme. Nie.

Und Clara und ich nie eine Affäre.

-Tja... -Und das hast du geglaubt?

Ja, weil ich mich mehr und mehr an diese Sache erinnere.

-Ach ja? Warum? -Sie hat mir davon erzählt.

Und wieso erinnere ich mich nicht?

Vielleicht, weil es 15 oder 16 Jahre her ist.

Oder vielleicht, weil du nichts Schlechtes von ihr denken kannst.

Oder weil es dir nicht gut geht.

Ja. Das muss es sein.

-Soll ich mit nach oben kommen? -Nein. Danke fürs Heimbringen.

Edu, was du vorhin beim Essen gesagt hast...

-Lass es. -Nein, nein.

Ich schwöre, dass ich nie...

Und wenn ich nie sage,

dann meine ich auch nie... mit Elisa...

Ich weiß, Òscar. Es war nicht so gemeint.

Tut mir leid.

-Sehen wir uns morgen? -Ja.

Woran denkst du?

Nichts. Danke.

Soll ich reingehen oder nicht?

NOVEMBER 2000

-Hallo. -Hallo.

Danke.

Ich schwöre...

-Sollen wir? Komm schon. -Nein, nein.

-Komm. -Nein!

Lass dir mal ein paar Eier wachsen. Komm schon!

Na los!

Willst du mich provozieren?

Nein!

Nein!

-So kalt ist es gar nicht. -Nein.

-Nein! -Nein, so kalt ist es nicht.

Nein!

Ich habe meinen Chef so satt. Im Ernst.

Er ist so besessen.

Er macht Kopien von den Sicherheitskopien.

Wirklich, es ist verdammt hart.

Hey. Geht's dir nicht gut?

Lass uns rausgehen.

Nein, erst trinken wir noch aus.

Du siehst nicht gut aus. Ist dir schwindlig?

-Sie ist schon seit Tagen so. -Ist etwas passiert?

Daran ist dieser Kerl schuld.

-Welcher Kerl? -Der Kerl aus dem Musikunterricht.

Lluís Antic?

Er ist schuld?

Er will unbedingt einen Liederabend mit Elisa veranstalten.

-Okay? -Wirklich?

Das fände ich toll. Ich würde kommen.

-Sie ist keine Sängerin. -Na und?

Wenn sie ihren Job an der Uni behalten will,

kann sie nicht mit Singen die Zeit vergeuden.

-Ihre Diplomarbeit ist überfällig... -Ich bin übrigens hier.

-Ich kann für mich selbst sprechen. -Du hast aber nichts gesagt.

Weil ich nichts sagen wollte.

Ich hasse es, wenn du vor meinen Freunden für mich sprichst.

Manchmal würde ich dir gern eine verpassen.

Tut mir leid, Elisa. Aber...

Ich bin schwanger.

Und ja, es geht mir nicht gut. Mir ist schwindelig und ich will gehen.

Trink du dein Bier aus, ich warte draußen auf dich.

Und wenn du länger bleiben willst, sehen wir uns später, oder morgen, oder...

Okay, ich gehe.

-Edu, hier. -Danke.

Du hättest es mir sagen können.

Das versuche ich ja seit Tagen.

-Was? -Du hast ständig zu tun.

-Weißt du es schon länger? -Nein.

Ich habe es vermutet, aber erst heute den Test gemacht.

Ich dachte...

Ja, meine Periode ist ausgeblieben.

Und vor dem Test wolltest du es mir nicht sagen?

Vorgestern warst du mit Kollegen aus.

Du hattest ein Meeting, hast deiner Mutter im Haus geholfen,

das Essen mit Òscar und Clara...

Und dein Gesangsunterricht. Was auch immer das bringen soll.

-Du bist ein Idiot. -Schatz...

Tolle Vorstellung, Vater zu werden.

Es ist keine Vorstellung, es ist Realität.

Natürlich, Schatz.

Ich werde es lieben, Vater zu sein.

Toll. Meinen Glückwunsch.

Warum bist du so? Was habe ich getan?

Sag du es mir. Denkst du, dass du etwas falsch gemacht hast?

Keine Ahnung. Sag du es mir.

Das ist das Problem. Du merkst es nicht mal.

Was soll ich denn bemerken?

"Ich werde es lieben, Vater zu sein."

Ja. Umso mehr, wenn es unser Kind ist, Liebling.

-Du bist furchtbar. -Aber warum?

Du denkst nicht einen Moment darüber nach,

dass ich vielleicht noch nicht bereit für ein Kind sein könnte.

Ob von dir oder wem auch immer.

"Wem auch immer"? Was heißt das?

-Hörst du mir überhaupt zu? -Das ist nicht okay.

Du denkst nicht nach,

weil es dir scheißegal ist, was in meinem Leben passiert.

-Scheißegal! -Nein, Elisa...

Lass mich in Ruhe! Und...

Es wäre besser, wenn du heute Nacht bei deinen Eltern schlafen würdest.

-Clara? -Ja.

Wir hatten eine Affäre, als Elisa und ich Probleme hatten?

Ja.

Elisa und ich hatten nie Probleme. Nie.

Und Clara und ich nie eine Affäre.

-Verstehst du, was ich meine? -Ja, das tue ich.

Du bist immer für mich da und hörst mir zu.

-Du hörst mir zu und... -Ja, ja. Halt dich mal.

Wo bringst du mich hin?

Zu mir nach Hause. Du kannst kaum mehr stehen.

Kaum mehr stehen?

-Doch, kann ich. Mir geht's gut. -Komm schon, bitte.

-Nein! Ja? -Ja, ja.

Genug jetzt. Los, rein mit dir.

Eduard?

Eduard.

Eduard?

Es ist fast 9 Uhr. Du musst zur Arbeit.

Was ist? Weißt du nicht, wo du bist? Du warst so betrunken...

Warum hast du das zugelassen?

Du weißt, dass Alkohol mir nicht gut tut.

Ich bin nicht deine Mutter.

-Elisa? -Ich habe mit ihr telefoniert.

Sie weiß, dass du hier warst. Sie wirkte besorgt.

Redet einfach in Ruhe und vertragt euch wieder.

Dich so erbärmlich aufzuführen ist keine gute Idee.

-Na los, ruf sie an. -Nein, ich hole sie vom Unterricht ab.

Ich führe sie in ein schönes Restaurant aus.

Perfekt. Na los. Auf dem Waschbecken liegt ein frisches Handtuch, okay?

Clara?

-Danke für... -Mach die Tür zu, wenn du gehst.

Wäre schön, wenn mir das jemand gesagt hätte.

-So etwas sagt man nicht. -Freunde schon.

Kommt drauf an. Was hätte es dir gebracht?

Ich wäre nicht so erbärmlich.

Hör zu, Lluís Antic ist in Elisa verliebt.

Seit Jahren. Das weiß jeder.

-Und sie? -Was ist mit ihr?

Seit wann...

Wann sie es mir gesagt hat?

Nein, seit wann sind sie...

Ich... Ich weiß es nicht, Eduard. Ich kann es dir nicht sagen. Rede mit ihr.

Und die Schwangerschaft?

-Hat sie dazu etwas gesagt? -Was?

Hat sie ihrem geliebten Lehrer gesagt, dass sie ein Kind von mir bekommt?

Ein Kind von dir?

Was?

Es macht mich nur wütend, wenn Männer so etwas sagen.

Warum denkt ihr immer, dass alles euch gehört?

Warum nicht "Hat sie es ihm gesagt?"

Aber nein, es muss unbedingt "mein Kind"...

Scheiße.

-Was? -Clara...

Was?

Hat Elisa angedeutet, dass es vielleicht sein...

Langsam nervst du mich, Eduard. Ich weiß es nicht.

Rede mit ihr. Ich kann das nicht mehr.

Tut mir leid.

Tut mir leid.

Tut mir leid.

Es tut mir leid.

Eduard. Komm schon. Hey...

Was tust du denn?

Ich weiß nicht. Keine Ahnung.

-Tut mir leid. -Du nervst, Eduard. Wirklich.

-Bitte verzeih mir. -Es gibt nichts zu verzeihen.

Ich habe mich wie ein Idiot benommen. Wie ein totales Arschloch.

Warum sind Männer so feige?

Soll ich reingehen oder nicht?

Ich will nur, dass du weißt, dass ich das Kind will.

Wenn du dich anders entscheidest, wäre das tragisch für mich,

aber ich würde es respektieren.

Darf ich sprechen?

Sprich.

Ich will mein Leben mit dir verbringen. Wenn du das auch willst.

Ich werde bei dir bleiben, so lange du willst.

Und ich werde mich um sie kümmern, so lange du willst.

Mein Leben lang.

Ich will für immer mit dir zusammen sein.

Bis wir alt sind und sterben, voller Falten, uns umarmend,

und umgeben von unseren Kindern und Enkeln.

Das ist alles, was ich will.

Weil ich dich unendlich liebe.

Aber ich will nur dann eine Familie haben, wenn du es auch willst.

Tut mir leid, wenn ich ein Feigling war und das nicht schon früher gesagt habe.

Was, wenn ich nicht reingegangen wäre?

Haben Sie nicht geschlafen?

Ich warte schon seit Stunden auf Sie.

-Dr. Everest... -Nein.

-Sie wissen, was ich fragen will? -Natürlich.

Warum nicht?

Sehen Sie das nicht? Sie verhalten sich wie ein...

Wie ein Drogenabhängiger. Ja.

Ich brauche es.

Bitte.

Danke.

Nicht reden. Nicht, dass ich meine Entscheidung am Ende noch bereue.

Und sehen Sie mich nicht so an.

Warten Sie hier.

Ich sollte das nicht tun.

Aber Sie werden es tun.

Was, wenn Sie diesmal nicht zurückkehren?

Was, wenn Sie diesmal den Platz des anderen Eduard einnehmen,

für immer bei ihrer Frau bleiben

und sogar ihre Kinder und Enkelkinder sehen?

Ihre Enkelkinder, auf dem Sterbebett. So wie Sie es immer wollten.

Ich kehre zurück.

-Wissen Sie, wo Sie hinwollen? -Ja.

In ein Universum, in dem ich nicht reingegangen bin.

Vielleicht bin ich bereits tot, wenn Sie zurückkehren.

Sagen Sie nichts. Falls Sie...

-Das wird nicht passieren. -Aber falls doch...

Es wird nicht passieren. Gehen wir.

12. MÄRZ 2004

Alles in Ordnung?

Ja. Klar.

Diese Bank ist zum Sitzen da, nicht zum Schlafen.

Ja. Sagen Sie, welcher Tag ist heute?

...in der Via Laietana vor dem Grand Central.

Verstanden, wir sind unterwegs. Bitte gehen Sie.

Weil ich nicht weiß, wo.

Das habe ich nicht gesagt. Sieh doch selbst nach.

Ja, jetzt.

Wir kommen jetzt. Bis gleich.

Tausende Katalanen sind auf den Straßen,

um den Opfern der Angriffe von Madrid zu gedenken.

Nur wenige Stunden nach den Angriffen

haben sich 5.000 Menschen auf der Plaça Sant Jaume versammelt,

angeführt von Pasqual Maragall, dem Regierungschef von Katalonien.

Sie weint dauernd.

Was ist los, mein Schatz?

Ich will nicht zu Oma und Opa.

Doch.

-Hast du sie nicht gewickelt? -Keine Zeit.

-Ach komm. -Carlota hat eingekackert.

Komm, wir gehen.

-Nicht mit voller Windel. -Soll ich sie etwa jetzt wickeln?

-Nein. Los, wir gehen. -Das stinkt. Carlota stinkt.

Komm schon, Joanet. Wir wickeln sie im Auto.

-Setz sie in den Buggy. -"Joanet".

"Carlota..."

Schon gut, ich bin ja da. Geht weiter.

Warte!

Was?

Einen Moment. Ich kann nicht alles machen.

-Kannst du? -Aber...

-Nimm du sie. -Ich habe sie doch schon.

-Und wo kommt der Buggy hin? -Lass ihn hier.

-Moment. Mach das Auto auf. -Nimm die Kleine und...

Ich mache ja schon, Clara.

-Du bleibst im Auto, okay? -Kannst du oder nicht?

-Warte kurz. Nimm die Kleine. -Ich nehme sie ja schon. Moment!

-Wie geht das, Clara? -Einen Moment.

Warum hast du keinen anderen Buggy gekauft?

Pack ihn ins Auto, ja? Joanet wartet.

Wir kommen, Joanet. Kannst du mir helfen?

Nein, kann ich nicht. Das ist doch scheiße.

Warte. Steig ein. Steig ins Auto. Bitte, steig...

Kriegst du es hin?

So. Geschafft.

Jetzt haben sie einen Unfall.

-Hey! -Was denn?

-Was soll das? -Pass auf, wo du hinfährst!

Stimmt etwas nicht mit dir? Fahr weiter, na los!

Entschuldigung, tut mir leid.

VERSCHOBEN AUF 13. MÄRZ

Wir wollen die Wahrheit! Wir wollen die Wahrheit!

Wir wollen die Wahrheit! Wir wollen die Wahrheit!

Wir wollen die Wahrheit! Wir wollen die Wahrheit!

Warum dauert das so lange?

Das Konzert wurde wegen der Angriffe abgesagt.

Aber sie werden es doch verschieben, oder?

Keine Ahnung.

Da ist sie!

Ja, sie ist es!

Denkst du, wir bekommen ein Autogramm?

Keine Ahnung!

21:30 UHR PALAU DE LA MÚSICA ELISA MONTCALM

VERSCHOBEN AUF 13. MÄRZ

Untertitel von: Matthias Ott

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