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Restaurierung und Digitalisierung mit der UnterstUtzung durch CNC.
Das Farbverfahren "Gevavo|or", das bei den Dreharbeiten zum Film vervvendet wurde,
führte im Laufe der Zeit zu einem Verlust der Originalfarben und einer magenta Verférbung des Negativs.
Die von den Originalnegativen restaurierte Version gibt die verbliebenen Farbinformationen so gut wie méglich wieder,
jedoch sind einige Farbfehler irreversibel.
Die 2K-Scans, die Bild- und Tonrestaurierung wurden vom Labor Mikros image durchgeführt.
DER GRAF VON MONTE CHRISTO - 2. TEIL: HEIMKEHR UND RACHE
Jacopo, nun erfährst du,
wen du vor 1 Jahr aus dem Wasser gefischt hast.
Hör zu, ich war 2O Jahre alt und der glflcklichste Mensch der Welt.
Ich war 1. Offizier an Bord der "Pharao".
Wir segelten nach Marseille, wo meine Verlobte Mercédés wartete.
Der 2. Offizier Caderousse wollte mich loswerden und Kapitän werden.
Er schrieb einen Brief mit verstellter Schrift
und bezeichnete mich darin als Bonapartisten.
Fernand, der Vetter meiner Verlobten, war in sie verliebt.
Er half Caderousse, den Brief zu verfassen...
und brachte ihn selbst zum Staatsanwalt.
Am Abend meiner Verlobung wurde ich verhaftet
und von Staatsanwalt Monsieur de Villefort verh6rt.
Er versprach mir die Freiheit,
aber hatte Angst, Probleme zu bekommen, und gab den gegenteiligen Befehl.
Anstatt mich an jenem Abend nach Hause zu geleiten,
brachten mich die Soldaten nach Chéteau d'|f.
Ich verlangte ein Urteil, aber es war umsonst.
Man wollte mich einkerkern, ein Leben lang.
Zum Glück konnte ich Kontakt zu einem Mitgefangenen aufnehmen.
Er hieß Abbé Faria.
Eines Tages wusste er, er würde sterben und verriet mir sein grofkes Geheimnis:
Er fand auf Monte Christo einen Schatz,
der 3 Jahrhunderte lang verschollen war.
Am Tag darauf gelang es mir, auszubrechen.
Ich schlijpfte in Abbé Farias Leichensack und wurde ins Meer geworfen.
Und du hast mich herausgefischt, Jacopo,
und auf meine Bitte nach Monte Christo gebracht.
Das ganze Vermögen wollte ich vervvenden, um meine 3 Feinde zu bestrafen,
die mir meine Braut, mein Schiff und meine Freiheit geraubt hatten.
Ich begann mit Caderousse, besuchte ihn als Ménch verkleidet...
und brachte ihm einen Diamanten.
Am selben Abend wollten Caderousse und seine Frau
den Kéufer des Diamanten ermorden.
Er sollte selbst sein Schicksal wählen. Und dies hat er getan.
Aber es sind noch 2 Rechnungen offen:
Villefort und Fernand.
Villefort ist Staatsanwalt des Königs in Paris geworden.
Was Fernand angeht, nennt er sich jetzt General de Mortcerf...
und soll am Dienstag feierlich in die Pairskammer aufgenommen werden.
Haben Sie das Recht, sich zu rächen, nach so langer Zeit?
Das ist eine Sache zwischen Gott und mir.
Präsentiert das Gewehr!
Gewehr ab! Rechts um!
Abteilung, Marsch! - Meine Herren!
Heute ist die feierliche EinfUhrung von Monsieur General de Mortcerf,
der die WiJrde eines Pairs von Frankreich erhielt.
Seine Laufbahn diente ausschliefilich dem Wohl der Öffentlichkeit.
Ich bitte Monsieur de Mortcerf auf die Rednertribijne!
Meine Herren, ich danke Ihnen.
Ich versichere meine Treue und Ergebenheit seiner Majestät König Louis Philippe.
Schreiben Sie für die Nationalzeitung? - Ja, 50 Zeilen.
Was notieren Sie? - Ich schreibe über Madame de Mortcerf.
Ihr Lécheln wirkt gezwungen. Sie muss sich langweilen.
Ich verfolgte stets nur den geraden Weg,
der immer der einfachste und klarste ist.
Einfacher Soldat, ich habe niemals nur an mich gedacht!
Ich bin Iediglich ein treuer Diener dieser weißen Flagge und hoffe...
Ja, unser Schicksal steht darin. Alles.
Ich muss gehen. - Kommen Sie zum Opernball?
Ja! Ich weiß, wie Madame de Mortcerf geht. Wir haben dieselbe Schneiderin.
Bitte! Ich schreibe für die Nationalzeitung.
Als Zigeunerin.
Sucht Scharfrichter Köpfe zum Abschlagen? - Oder Verdrehen?
Welche Marter bevorzugen Sie? - Sie diirften mich gern képfen!
Er hört nicht. - Von wegen Scharfrichter, Herzensbrecher.
Würde die schöne Zigeunerin mir die Zukunft sagen?
Die Zukunft eines Scharfrichters? lnteressant...
Eine seltsame Hand...
Die gerade Linie zeigt,
dass Sie logisch denken. - Stimmt wohl.
Da, diese Querlinie...
Sie mussten Ihre Geliebte verlassen. - Mag sein.
Sie werden zu ihr finden, aber nicht wieder mit ihr vereint sein.
Diese Hand kommt mir bekannt vor. Habe ich Ihnen irgendwann wahrgesagt?
Ja, vielleicht? - Wann'?
Raten Sie mal, dazu müssten Sie die Vergangenheit kennen.
Sie haben Ihre Verkleidung gut gewählt, Herr Scharfrichter.
Vielleicht bin ich wirklich Scharfrichter und suche Opfer.
Hier auf dem Ball? - Vielleicht.
Ich möchte wissen, wer das ist.
Schéne Zigeunerin, Sie werden es noch frUh genug erfahren.
Wer sind Sie? - Das verrate ich Ihnen nicht.
Ich hörte Ihre Stimme schon einmal.
Wo und wann? - Ich komme nicht darauf.
Ich glaube nicht an Geister, aber Sie sind einer.
Weckt dieser Geist gute oder schlechte Erinnerungen?
Antworten Sie.
Vielleicht kommen auch mir Erinnerungen heute Abend.
Sehen Sie, wenn ich diese Musik höre,
bin ich noch mal 20 Jahre alt. - Sie auch'?
Jawohl. Vergleichen wir unsere Erinnerungen!
Erzählen Sie zuerst.
Das interessiert Sie nicht. - Doch.
Sie wollen mich zum Sprechen bringen.
Wer sind Sie Überhaupt? Aufhören!
Unter Ihrer Maske sehe ich Ihre Augen, sie sind voller Tränen.
Ach nichts. Es ist so warm hier.
Was haben Sie?
Woher ist die Narbe am linken Arm?
Sie ist schon alt und féllt kaum noch auf.
Scharfrichter haben gute Augen.
In Spanien verletzt man sich manchmal am linken Arm,
um das Schicksal zu beschwéren. - Wer sagt das?
Seinem Schicksal entkommt man nicht.
Begleiten Sie mich in meine Loge. - Warum? Wollen Sie nicht mit mir tanzen?
Doch. Aber ich habe das Gefühl, meinen Erinnerungen untreu zu werden.
Auf Ihren heutigen Erfolg!
Sie werden sicher auch bald in die Pairskammer aufgenommen.
Was ist? - Ich denke 2O Jahre zurUck.
Ja, das war ein langer Weg von Marseille bis hierher.
Ich habe Ihnen viel zu verdanken. Doch, doch.
Auch die Ernennung ins Orient.
Nach Ihrer Rückkehr haben Sie mir geholfen...
Sie sehen, wir sind quitt. - Eine kleine Gruppe von Männern,
die sich verbfmden und einen Pakt schließen,
kéjnnte die ganze Welt erobern.
Vorausgesetzt, etwas verbindet sie...
Zum Beispiel... - Zum Beispiel eine Leiche.
Ich muss mich wohl von Ihnen verabschieden.
General de Mortcerf und Staatsanwalt de Villefort
verzeihen hoffentlich Ihre Entfilhrung.
Wie haben Sie uns erkannt?
Ein Scharfrichter erkennt jeden, jeder kann es mit ihm zu tun bekommen.
Wenn Sie unsere Namen kennen, sagen Sie auch Ihren.
Scharfrichter haben keine Namen, sind nur Werkzeug des Schicksals.
Scharfrichter unterstehen der Justiz, und ich bin Staatsanwalt des Königs.
Über der Justiz des Königs gibt es die Justiz Gottes,
und ich gehorche wohl nur letzterer. - Sie sind ein Romantiker, Monsieur.
Schwérmen Sie fiJr die Dramen Victor Hugos? - Ich lehne sie nicht ab.
Dann frequentieren wir sicher nicht die gleichen Theater.
Die ganze Welt ist ein Theater, Monsieur.
Und man wählt nicht immer das Stück, in dem man spielt.
Wir werden uns nur dann wieder treffen, wenn der Autor es will.
Meine Verehrung, Madame.
Nur keine Sorge, wir sind morgen früh zuriJck.
Wohin wollt ihr denn, mein Sohn?
Nach Les Halles in eine Spelunke, ins Cabaret "Zur Glocke"!
Ihr werdet sehen, dass der Ruf täuscht. Hier ist es kein bisschen gefährlich.
Irgendwann führt man die Fremden her und nimmt Eintritt wie im Museum.
H6rst du? Die reichen Knaben spotten über uns.
Ja, sehr malerisch. - Und besser als in der Oper, mein Lieber!
Die Grafen und Marquis habe ich gefressen, ich liebe das einfache Volk.
Trinkt ihr ein Glas Rotwein mit uns, Kinder?
Nein, nein! Es ist 5 Uhr in der Früh.
Die Angeber sind weg, jetzt sind die echten Kerle dran.
Was heißt das? - Wirst schon sehen.
ReiBt euer feines Maul nicht so auf. - Wir wollten niemanden krénken.
Herr Wirt, Champagner fUr alle! - Hast du auch Geld?
Um die Zeit wird im Voraus bezahlt. - Natilrlich.
lst hier jemand nervtis? Zeig uns das Geld!
Albert, wir gehen wohl besser. - Hier kommt man leichter rein als raus.
Wir haben nurjemanden gesucht. - Wer suchet, der findet.
Sie haben wir nicht gesucht. - Mich habt ihr aber gefunden.
Etwas Unterweltluft schnuppern,
bei Tagesanbruch nach Hause, und mittags heiße Schokolade!
Lassen Sie uns durch! - Geh doch!
Vielen Dank, Monsieur. Darf ich erfahren, wie Sie heißen?
Ich bin der Graf von Monte Christo. - Albert de Mortcerf.
Meine Mutter wird sich sehr freuen, Ihnen zu danken.
"Monte Christo"? Das klingt italienisch. - Ja, aber er ist Amerikaner.
Er besitzt Goldminen in Colorado. - lst das möglich?
Ja, ich weiß es von einem Croupier. Er hat gestern fast 1 Million verloren.
Aber nein! Er ist ein Nachkomme des Kalifen von Bagdad.
Bagdad? Klingt wie ein Märchen aus 1.001 Nacht.
Mutter, der Graf von Monte Christo.
Danke, Monsieur. Ohne Sie hétte ich meinen Sohn nicht wiedergesehen.
Und ich danke Ihrem Sohn.
Ohne ihn hétte ich wohl nicht das Vergnügen gehabt,
schon heute vor Ihnen zu stehen.
Das Vergnügen ist ganz meinerseits.
Was fUr eine Überraschung.
Ganz Paris spricht vom Grafen von Monte Christo.
Ja, diese seltsame Person wirft Fragen auf.
Man will wissen: Woher kommt er? War er verheiratet...
oder etwa verlobt?
Natilrlich. Aber was hat das schon zu bedeuten?
Ist man reich und glücklich, vergisst man leicht die Vergangenheit.
Ja, das wilrde man gern. Aber kann es nicht immer.
Albert, widme dich unseren Gésten!
Ich zeige dem Grafen das Gewächshaus.
Edmond, Sie leben!
Sie erschienen mir schon gestern Abend sehr vertraut.
Warum bist du einfach gegangen?
Wäre ich länger geblieben, hétte ich wohl meinen Mann verlassen.
Zum Glück habe ich mich besonnen.
Mein Freund, mein armer Freund, es ist zu spät.
Nein. - Doch, 20 Jahre sind vergangen.
Hör zu, Mercédés: Vergessen wir, dass wir 20 Jahre getrennt waren.
Lass uns heute fortgehen!
Kein Mensch wird wissen, wo wir sind. - DafUr ist es zu spät.
Nein, Mercédés!
Im Gefängnis wurde meine Sehnsucht Tag fiJr Tag größer.
Jetzt, wo ich endlich frei und unendlich reich bin...
Ich werde dir alles erklären. ...|asse ich mich nicht mehr abweisen.
Mercédés, wir fahren heute Nacht.
Du glaubst, so kann man alles auslöschen? Das wére schön.
Aber was hält dich zurijck? - Ich habe einen Sohn.
Ja, vergessen Sie das nicht.
Wenn er hört, seine Mutter floh mit ihrem Geliebten...
Er wundert sich sicher, WO wir bleiben. Ich höre schon die Gäste tuscheln.
Du denkst nur an deine Gäste und an deinen Sohn.
Ich glaube, ich bin dir gleichgilltig.
Ich bin nicht schuld, dass man dich totsagte!
Wer hat denn diese Lilge verbreitet?
Jetzt weißt du es. -Aber ich kann Fernand nicht verlassen.
Ich nahm mir vor, alles zu vergessen, aber du offenbar nicht.
Nein, ich will nichts mehr davon hören!
Sie haben es so gewollt.
Ich bin zu spät wie immer. Verzeih mir.
Albert sagt, der Graf von Monte Christo war hier.
Ja, er ist soeben gegangen. Er hatte es eilig.
Umso besser, dieser Besuch gefiel mir nicht.
Albert ist ihm verpflichtet. - Mag sein.
Aber ein Pair muss seine Gäste auswéhlen.
Und dieser Monte Christo ist nicht gerade vom alten Adel.
Wie wir. - Umso mehr müssen wir uns zurückhalten.
Er ist ein Verschwender. Der alte Adel protzt nicht so.
Er hat schon wieder ein Haus gekauft, ein Stadtpalais auf den Champs-Elysées.
Monsieur de Mortcerf ist so gut wie tot.
Nein, ihn heben wir uns bis zum Schluss auf.
Ein arabisches Sprichwort sagt:
"Der Hauptschuldige soll vorher die anderen sterben sehen."
"Die anderen". Das heißt, Monsieur de Villefort.
Wollen Sie Monsieur de Villefort zum Duell fordern?
Weder verweigere ich ein Duell, noch fordere ich es heraus.
Diese Bestrafung geht zu einfach und schnell.
Ich durchforsche seine Vergangenheit und finde bestimmt etwas.
Monsieur de Villefort scheint unantastbar. Im amtlichen Bericht steht:
"unbescholtener Beamter, guter Familienvater, geachteter Bijlrger..."
Des Weiteren ist nichts bekannt über ihn.
Doch, er hat vor 2O Jahren dieses Haus gemietet
und nie einen Fuß hineingesetzt.
Erinnerst du dich an die Adresse? - Auteuil, Rue la Fontaine 28.
Also, was wollen Sie in diesem Haus?
Ich sage Ihnen, ich will es kaufen. - Kaufen.
In diesem Viertel sind schénere Häuser zu verkaufen.
Ich will aber gerade dieses.
Ich reise viel.
Und brauche eine Vertrauensperson, die danach sieht.
So jemanden wie Sie. - Ich habe die Adresse des Notars.
Mademoiselle Picard aus den "Nouveautés dramatiques"!
Haben Sie sie spielen sehen? - Nein, aber ich habe viel von ihr gehért.
Und ich erkenne das Bild wieder. - Das bin ich.
Nein! - Doch. Meine Karriere wurde unterbrochen.
Ein Unfall? - Nein.
Ein Gardeoffizier, wenn Sie verstehen. Ich bin ja nicht aus Holz.
Ich musste das Theater verlassen. Das hat weggetan.
Seit 20 Jahren friste ich hier mein Dasein und bin da und dort behilflich.
Anfangs wohnte hier ein Fräulein. Sie hat sich vor allen versteckt.
Ein Geheimnis steckte dahinter, fast so aufregend wie am Theater!
Sie war gewiss nicht allein? - Nein!
Der Mann nannte sich Baron Danglars.
Die arme Kleine war ein bisschen nervös, vor allem zuletzt.
Aber kein Wunder in ihrem Zustand.
Ach ja? - Aber natürlich.
Sie war ein Mädchen aus den besten Kreisen.
Darum versteckten die 2 sich hier.
Haben sie Sie nicht mitgenommen, als sie abreisten?
Wohin denken Sie? Sie sind eines Nachts verschwunden.
Einfach so, heimlich, wie die Zigeuner.
Ich habe geschlafen und wurde durch Lärm im Garten geweckt.
Dann war Stille, und sie waren weg.
Sie haben Ihnen geschrieben? - Nein, nie.
Am nächsten Morgen hat der Notar gesagt, ich solle das Haus hiJten.
Ist das schon lange her? - Es war im Jahr 1817.
In der Nacht vom 27. auf den 28. September 1817.
Was fUr ein Gedéchtnis. - Kein Wunder.
Mein Liebhaber verlief}, mich in derselben Nacht.
Ein Korse, Bertuccio hieß er. Ein schéner Mann...
Und er kam nicht in dieser Nacht. Er kam Überhaupt nie mehr.
So etwas vergisst man nicht, wenn einem ganz Paris zu FEIILen lag.
Ich wollte ihn nie wiedersehen, obwohl ich könnte.
Er ist noch Oberkellner im "Café Ang|ais".
Vielen Dank, Herr Graf!
Guten Abend, Herr Graf! -Abend, Bertuccio!
Die Garderobe des Herrn Grafen!
Haben Herr Graf etwas vergessen?
Ja, Bertuccio. Meine Uhr.
Ich habe nichts gesehen. Hatte Herr Graf die Uhr wirklich bei sich?
Ganz gewiss.
Sie ist aber weder auf noch unter dem Tisch.
Sehen Sie in Ihrer linken Westentasche nach.
Warum denken Herr Graf, dass die Uhr sich gerade dort befindet?
Weil meine Geldbéjrse neulich in derselben Tasche verschwand.
Hier.
Behalten Sie sie und die Bérse auch. - Herr Graf ist zu groBzUgig.
Sie können in meinen Diensten noch viel mehr verdienen.
In Ihren Diensten? -Ab heute sind Sie mein Haushofmeister.
Mit dem Gehalt eines Ministers, was sich durch eigenes Zutun verdoppeln lässt.
Was heißt das? - Sie müssen mich nur bestehlen.
Was fUr Worte im Munde des Herrn Grafen.
Also Monsieur Bertuccio, ich warte.
Aber ich muss erst zur Direktion. - Schon geschehen.
Und wohin führen Sie mich dann?
In ein Haus, das ich erst gekauft habe: Auteuil, Rue la Fontaine 28.
Was ist, geféllt Ihnen das Viertel nicht?
Doch...
Aber ich will nicht nach Auteuil.
Soll ich lieber die Polizei rufen?
Warum dorthin? - Damit Sie erzählen,
was dort in der Nacht vom 27. auf den 28. September 1817 geschah.
In jener Nacht ist das Paar verschwunden, das in dem Haus gewohnt hatte.
Und von jener Nacht an haben Sie Ihre Geliebte dort nicht mehr besucht.
Denken Sie, ich war nur bei Mlle Picard, um deren Herrschaft zu bestehlen?
Sie irren, Monsieur. Ich habe nichts gestohlen.
Gar nichts. - Sagen wir, Sie haben es versucht.
Das bestreite ich gar nicht. Aber es war keine gute Idee.
Es war in jener Nacht? - Ja. Ich hatte mich im Garten versteckt
und habe einen Mann gesehen, der etwas vergrub.
Dort drUben, bei dem Baum.
Ich rilhrte mich nicht.
Bis der Mann wieder ins Haus ging.
Er kam mit einer Frau heraus, die MUhe beim Gehen hatte.
Sie fuhren weg, in einer Kutsche.
Ich grub dann an der Stelle.
Ich hoffte, Gold zu finden. Oder Schmuck.
Aber...
es war... - Es war was?
Ein Séiugling. Und er gab einen winzigen Schrei von sich.
Und dann... Es war dumm von mir,
aber ich nahm das Kind und lief mit ihm davon.
War es ein Mädchen oder ein Junge? - Ein Junge.
Was wurde aus ihm?
Ich hatte einen Plan.
Ich hétte gern den Papa erpresst. - Den Baron Danglars.
Ja, nur dieser Baron hat nie existiert.
Der Vater war Monsieur de Villefort, Staatsanwalt des Kéjnigs.
Also, habe ich den Plan lieber aufgegeben
und das Gér zu dem Lehrer gebracht.
Wer ist dieser Lehrer? - Er hat eine Schule.
Und wo ist seine Schule? - Im Viertel "La Goutte d'Or".
Jetzt du. Vorsichtig, ganz vorsichtig...
Gleich noch einmal. Los. Langsam...
Du darfst es nie mit Gewalt machen.
Pass auf, dass die Glocke nicht bimmelt. Vorsicht!
Herr Lehrer!
Was gibt es? - Erkennst du den alten Bertuccio nicht?
Lange nicht gesehen. - 20 Jahre.
Das ist ein Freund.
Er interessiert sich fUr einen ehemaligen Schiller.
Du weißt schon, diesen Jungen, den meine Schwester dir brachte.
Vor 2O Jahren... Vor 2O Jahren...
Oh ja, ich weiB! Er wurde "Bruno" getauft.
Erinnerst du dich an die große Charlotte, die vor Saint-Sulpice gebettelt hat?
Sie ist reich geworden durch ihn.
Er war ein guter Schiller, immer in allem der Beste.
Mit 10 knépfte er einem Polizisten unbemerkt die Hosentréger ab.
Und was ist aus ihm geworden? - Der Dummkopf hat sich verliebt.
Das macht nur Schwierigkeiten. Unser Metier ist Prézisionsarbeit.
Er wurde ervvischt und wehrte sich gegen die Gendarmen.
Darum sage ich immer: niemals Gewalt anwenden!
Niemals Gewalt anwenden! Bruno hat dafiJr 10 Jahre bekommen.
Ist er im Zuchthaus? - Ja, in Toulon.
Was machst du da? Wieder an die Arbeit, aber schnell!
Mein Kind, du hast dir sicher oft Gedanken über deine Herkunft gemacht.
Ja, manchmal. - Ein Findelkind hat es schwer.
Es sucht jemanden mit verbundenen Augen. Heute bringe ich dir gute Nachrichten.
Ist mein Vater ein Lump? - Im Gegenteil, mein Freund.
Du stammst aus einer angesehenen Familie. Freut dich das?
Ich habe nichts gegen angesehene Familien. Das hat seine Vorteile.
Wie heißt mein Papa? - Deine Augen bleiben vorerst verbunden.
Ich verrate es dir später. - Verstehe.
Moralpredigten halten, aber Geld: Fehlanzeige.
Im Gegenteil. Diesmal bekommst du keine Predigt, sondern sehr viel Geld.
Kann ich dann in der Kantine essen? - Das ist nicht mehr nötig.
Heute Nacht wartet ein Wagen an der 1. StraBenkreuzung auf dich.
Sie wissen nicht, was das heißt: Der Posten schieBt sofort.
Der Wachposten bekommt eine große Karaffe Wein.
Und die Zelle? - Wird offen sein.
Wir sind nachts zusammengekettet. - Deine Kette wird angefeilt sein.
Mein Kind, ich durfte dir ein Brot mitbringen.
Aber ich muss es mit den anderen teilen. - Ich weiB.
Behalte diese Hälfte hier fUr dich. Darin findest du eine Feile.
Jetzt muss ich gehen, mein Kind. Nehme Rilcksicht auf die Wachen.
Und bereite ihnen keinen Arger an deinem letzten Tag.
Sie sind ein seltsamer Ménch.
Zeige, du bist der Zukunft wiirdig und nutze die Gelegenheit.
Wie heißt dein M6nch, wie heißt er? - Was geht dich das an?
Doch nicht etwa Busoni? - Lass mich in Frieden!
Gib mir die Feile, oder ich schreie!
Ich schreie!
Das ist Caderousse. - Nehmt mich mit.
Sonst schreie ich. - Er schreit.
Teilt euch die Kleider, kommt!
Sie sind zu zweit. - Ich weiß, ich kenne den anderen.
Bitte melden Sie mich beim Generalinspektor an.
Schreiben Sie ein Gesuch und warten.
Lesen Sie all diese Bilcher? - Nein.
Dann ist es der Herr Inspektor? - Nein, seine Frau!
Sie hat bereits 3 Lesezimmer verschlungen.
Melden Sie dem Herrn lnspektor...
Monsieur Honoré de Balzac.
Mr Honoré de Balzac möchte Sie sprechen. - Monsieur Honoré de Balzac?
Treten Sie ein, Monsieur!
Sind Sie wirklich der Schriftsteller Balzac?
Ja, aber bitte sagen Sie es niemandem.
Meine Freunde in Marseille Uberhéufen mich sonst mit Einladungen.
Selbstverständlich. Freut mich, Sie kennenzulernen.
Was kann ich fllir Sie tun? - Ich schreibe einen neuen Roman.
Die 1. Kapitel sollen in einem grolSen Gefängnis spielen.
Haben Sie dabei an Chéteau d'|f gedacht?
Monsieur, leider ist verboten, Chéteau d'lf zu besuchen.
Sie könnten mir doch davon erzéhlen.
Die Gefangenen dort führen ein hartes, aber gesundes Leben.
Ich weiB, ich weiB... - übrigens bin ich oft dort.
Und notiere sorgfältig all ihre Beschwerden.
Ja, ich habe davon gehört. Und gibt es dort nie Fluchtversuche?
Doch, das kommt vor. lst sozusagen Tradition.
In diesem Zusammenhang habe ich von einem gewissen Abbé Faria gehört.
Das war im Jahr 1833. - Was fiJr ein Gedächtnis.
Doch der Tod dieses armen Teufels
ist von sonderbaren Umständen begleitet Worden...
Einer seiner Mitgefangenen...
Ein Mann namens... Warten Sie, namens...
Dantés! Ja, ein gefährlicher Bursche. ...hatte Verbindung zu diesem Faria.
Er ließ sich in die Leinwand einnéhen und anstelle des Toten ins Meer werfen.
Gelang ihm die Flucht?
Nein, nein. Er ist nie an der Oberfläche aufgetaucht.
Er war wohl nicht ganz darauf gefasst, dass eine Eisenkugel an seinen Füßen hing.
Danke.
Ich hétte gern sein Gesicht gesehen. - Ja, ich auch.
Der Direktor und ich waren sehr amUsiert. Er hat damals Folgendes gesagt:
"|ch wusste, dieser Faria hält einen Sack voller List bereit."
Ich bewundere den Humor in Ihren Gefängnissen.
Ich glaube, der Ausspruch stammt von mir.
Sie erlauben? - NatUrlich, Monsieur de Balzac.
Sind Häftlinge tot, bergen Akten kein Geheimnis mehr.
Ich habe Briefe zu unterschreiben. Eflauben?
Ach!
Ein anonymer Brief...
Davon gibt es genug in unseren Archiven.
Wollen Sie nicht die Verfasser finden? - Ja, manchmal.
Was übrigens recht einfach ist.
Man muss nur ermitteln, wem der Brief niltzt.
Ja, natürlich.
Hier, "de Villefort" und "Noirtier".
Und die Handschrift ist identisch.
Monsieur Noirtier de Villefort ist Staatsanwalt in Paris.
Sie kennen ihn bestimmt. - Ja, wir sind uns vor Jahren begegnet.
Falls ich ihn sehe, spreche ich ihn auf den Fall Dantés an.
Sind sie da? - Ja, Exzellenz.
Eben mit dem Schiff angekommen. Pardon.
Exzellenz, das ist Haydée.
Die junge Sklavin, die El Cobir in seinen Briefen erwähnte.
Er spricht kein Französisch.
Wer sind Sie? - Ich heiße Fatima.
Ich war beim Pascha von Janina im Dienst und half ihm mit den Sklaven.
Was will er? - Dass sie Sie begrUBt.
Er soll sie in Ruhe lassen.
Ich bin froh, dass Sie Haydée gekauft haben.
Hat er sie manchmal geschlagen? Haben Sie die Papiere?
Das hier ist die Urkunde über den vorigen Verkauf vor 13 Jahren.
"Quittung fUr den Sklavenhéindler El Cobir über 1.500 Piaster.
Preis für das Mädchen Haydée, 6 Jahre,
Tochter des Paschas von Janina.
Gezeichnet: Fernand Mondego...
Und hier, ihre Geburtsurkunde bezeugt Haydées Herkunft.
Perfekt.
Mein Vervvalter zahlt Ihnen die Summe aus.
Haydée.
Du musst nicht lächeln, wenn du nicht willst.
Musst nichts sagen.
Héjrst du?
Glaubst du, wir können Freunde werden?
Ich...
glaube es.
Exzellenz, Ihr Wagen steht bereit. - Gut, vielen Dank.
Ich entfUhre dich.
Nach Paris.
Hast du schon von Paris gehéjrt?
Mist! Ich bin in Paris und sehe nichts. - Du wolltest unbedingt mitkommen.
In Toulon kann man atmen. Ich bin Seemann und brauche frische Luft!
Lassen wir noch Wasser den Fluss hinabflielLen.
Wasser haben wir mehr als genug, es tropft einem sogar ins Gesicht.
Die Tür ist auf, niemand hält dich.
Damit die Polizei mich féngt, würde dir so passen.
Du bereitest dich auf das grofie Wiedersehen vor:
"Vater, darauf warte ich seit 20 Jahren."
Aber Caderousse wird noch da sein und Geld brauchen!
DariJber sind wir uns einig! - Sonst rede ich.
Ja.
Ich habe Hunger! Wann bringt dein Freund das Essen?
Wird schon serviert.
Mal sehen, was dein Freund bringt.
Ich habe riesigen Hunger.
Sagen Sie Ihrem Chef, Essen ist willkommen.
Ein Hemd? - Ist fUr Monsieur.
Schuhe? - FUr Monsieur.
Ein Anzug? - Ist fUr Monsieur.
Sowie Krawatte, Handschuhe, Hut und Stock. - Und was ist mit mir?
Darf ich Monsieur beim Umkleiden helfen? - Danke, mein Freund. Nicht nötig.
Was ist mit mir?
Ich habe keinen Befehl, was Sie betrifft.
Bekomme ich nichts zu essen? - Doch.
Monsieur, hier ist Ihr Frühstuck.
Ist das alles? - Ja.
Ich mag kein trockenes Brot. - Essen Sie Zwiebeln dazu.
Ein Brot fUr 2 ist mager.
Aber nein, dieses Brot ist ganz fUr Sie allein.
Und er? - Monsieur wird in der Stadt essen.
Verspottet ihr mich? - Endlich komme ich hier raus!
Und was ist mit mir? - Ich bin nur fUr Monsieur zuständig.
Scheiße! - Achten Sie auf Ihre Ausdrilcke.
Hältst du dich filr den Prinzen von Wales?
Caderousse, werden Sie ein bisschen vornehmer.
Wenn es mir gut geht, dann geht es Ihnen auch gut.
Wirklich? - Ehrenwort.
Nein, nichts Ehrenwort. Sag lieber: "1 Mann, 1 Wort."
Ein Mann, 1 Wort.
Wir stammen eben aus verschiedenen Kreisen.
Versuchen Sie nicht, mich zu tr6sten.
Mein Kummer ist zu groß, ich werde mich umbringen.
Etwas Champagner tut gut. - Aber umbringen werde ich mich trotzdem.
Emilienne. - Ich mache es auch ganz unaufféllig.
Niemand wird davon erfahren. Ich sterbe in Neapel aus Liebeskummer.
Wie beim letzten Mal. - Nein! Das war in Palermo.
Und es ging nur um einen kleinen Prinzen. Aber heute ist es der Herzog von Sachsen.
Ich mache ihm keinen Vorwurf, er muss heiraten.
Wegen der Nachkommen, nicht wahr?
Aber das ändert nichts. Ich werde es nicht ilberleben.
Ich hörte, er hat für Sie gesorgt. - Nur mit einer Perlenkette.
Reisen Sie heute ab? - Ich muss doch abends noch auftreten.
Mein Schwanengesang. - Emilienne,
Sie wollen unbedingt sterben. - Ja.
Es muss sein. - Sie haben recht, Emilienne.
Bei solchem Kummer gibt es nur 2 Lésungen:
Tod in Neapel oder... - Oder?
Ein neuer Geliebter. - Niemand ersetzt den Herzog von Sachsen.
Niemals? - AuBer Sie werden sein Nachfolger.
Ich erinnere mich wieder. Wenn du willst?
Nein, es geht nicht mehr um mich.
Um wen dann? - Um einen jungen Grafen aus Florenz:
Andrea Cavalcanti. - Cavalcanti ist ein bedeutender Name.
Sagen wir, der Name ist ausreichend. Mit einem sehr grolifien Vermögen.
Mit groBem Vermögen? Komisch, ich habe noch nie von ihm gehört.
Er besitzt das Geld erst seit Kurzem.
Der Junge wurde als Kind von den Eltern ausgesetzt
und wuchs bei irgendjemandem auf.
HeilBt das, er hat keinerlei Erziehung?
Sie sollen ihm alles beibringen.
Mein Lieber, ich bin kein Kindermädchen.
Schade.
Dann werde ich ihn Armandine vorstellen. - Auf keinen Fall!
Der Graf hat die schönsten Kutschen von Paris.
Man wird nurAugen fUrArmandine haben.
Warum quélen Sie mich? - Und Sie wollen in Neapel sterben.
Meine Liebe, die Pariser interessiert nur, was in Paris passiert.
Lieber eine vornehme Kutsche als Selbstmord in Neapel.
Sie haben recht. Ich Uberlege es mir.
Herein!
Sind Sie bereit, Herr Graf?
Das ist er. Also ja oder nein?
Natijrlich ja. Wie schrecklich, ich bin nicht vorbereitet!
Ich muss mich kurz zurechtmachen und bin einen Augenblick nebenan.
Nein, nein! Ich kenne den Weg.
Und Caderousse? - Kocht.
Er ahnt nicht, was vor sich geht. - Perfekt.
Vater, darauf warte ich seit 20 Jahren! - Sehr schlecht.
Es klingt einstudiert, und die Arme... Sie [Jben den Satz seit 2 Wochen.
Woher wissen Sie das? - Ich mache Ihnen keinen Vorwurf.
Aber ich gebe Ihnen gern einen Rat:
Ihr Schicksal gibt Ihnen heute eine einmalige Chance.
Nutzen Sie sie.
Und täuschen Sie nie GefUhle vor, hinter denen Sie nicht stehen. Noch nicht.
Ist die Lektion beendet? - Ja.
Lassen Sie sich anschauen...
Sie kénnten eine gute Figur in der Gesellschaft machen.
Mir fehlt nur ein Name. - Richtig.
Vielleicht Ihrer, Monsieur de Monte Christo?
Nein, Sie sind nicht mein Sohn.
Aber ich kenne Ihren Vater sehr gut.
Ich habe Gefühle flJr ihn, die ich schnell beweisen möchte.
Ich will meinen Namen wissen. - Sie werden ihn rechtzeitig erfahren.
Heute Abend beziehen Sie erst einmal Ihr Domizil:
Auteuil, Rue la Fontaine 28. - Unter welchem Namen?
Sie heißen vorléiufig Graf Andrea de Cavalcanti.
Damit Sie sich nicht lächerlich machen: die Familiengeschichte Ihrer Vorfahren.
Wie? Ich habe 2 Pépste in der Familie?
Auf der letzten Seite steht Ihr Stammbaum.
Und wo bin ich? - Der 3. Zweig links, ganz oben.
Aber das ist nicht alles.
Graf Cavalcanti muss über Geld verfijgen.
Wie steht es damit? - Selbstverständlich, Monsieur.
Sie bekommen jeden Monat 15.000 Francs.
Ist das Geld von Papa?
Nein, von mir. Haben Sie keine Skrupel.
Ich schulde Ihrem Vater viel. - Wofilr?
Ja, ich habe mein Vermögen während einer Reise betréchtlich vermehrt,
fUr die ich mehr als 15 Jahre brauchte. - Mehr als 15 Jahre?
Dann haben Sie viel von der Welt gesehen. - So viel auch nicht.
Mademoiselle besteht darauf... - Ich weiß, dass Sie da sind.
Nur kurz: Darf ich Sie heute Abend zu meiner Vorstellung ervvarten?
Heute Abend bin ich leider eingeladen, meine Liebe.
Aber Graf Cavalcanti bewundert Sie gern.
Ich habe nur eine winzige Rolle. Nicht der Rede wert.
Trotzdem bin ich ganz aufgeregt.
Ich fahre noch aus. - Der Graf wird Sie begleiten.
Seine Kutsche steht unten. - Meine Kutsche?
Aber natürlich. - Ach so.
Der Sohn ist so wenig wert wie sein Vater.
Mein Gebieter. - Haydée!
Ja, in meinem Herzen seid Ihr wirklich mein Gebieter.
Darum werde ich Euch immer so nennen.
Eure Besuche sind meine grélSte Freude.
Hast du sonst keine Freuden? - Euch eine Wasserpfeife bereiten.
Mit viel Tabak! Sehr viel Tabak.
Und warum so viel?
Sagst du es mir?
Wenn viel Tabak in der Pfeife ist, bleibt Ihr länger hier.
Haydée, bist du glücklich? - Ja und nein.
Glilcklich, weil Ihr da seid. Aber unglilcklich, weil ich in Paris bin.
Und warum? Warum, Fatima?
Ein Mädchen von 18 Jahren ist bei uns eine Frau,
hier ist sie noch ein Kind.
Wenn wir in den Orient zurückkehren, wirst du bald eine Frau sein.
Vorerst bleiben wir hier in Paris.
Warum? Was hält Euch in Paris?
Wohl eine andere Frau.
Ihr wollt es nicht sagen, aber ich weiB es.
Ihretwegen gebt Ihr diese grolBe Gesellschaft.
So antwortet doch. Wird sie da sein?
Wenn wir vor 2O Jahren geheiratet hätten...
Wären wir Arm in Arm die Kirchenstufen hinabgeschritten.
So wie jetzt. - Wir hätten ein hUbsches Paar abgegeben.
Vergessen wir, was nicht zu ändern ist.
Vorsicht, man beobachtet uns.
Bleiben Sie noch lang in Paris? - Héngt von meinen Vorhaben ab.
Ich gebe ein großes Fest, worilber ich noch nicht sprechen will.
Gleich darauf verlasse ich Paris.
Ist es wahr, dass Sie fortgehen?
Ganz allein? - Nein, mit meinem Schijtzling.
Den Sie uns nicht vorstellen. - Später vielleicht.
Welch Geheimnis, Kompliment. Sie haben sich schnell getréstet.
Scherzen Sie nicht. Sie ist noch ein Kind.
Knaben können noch Kinder sein. Mädchen sind immer gleich Frauen.
Wären Sie eifersüchtig? - Wohl ein bisschen.
Sagen Sie nur ein Wort,
und ich schicke die Kleine morgen zurück.
Nein. Sie wissen genau, das ist unméglich.
Warum verhilllst du dein Gesicht vor mir?
Haydée ist unglilcklich, Sie bleiben bei der anderen Frau.
Wir haben über dich gesprochen. - Außerdem ist Haydée tief gekrénkt.
Warum? - Der Mann dort ist Fernand Mondego.
Der Offizier, der Haydées Vater vor 12 Jahren verriet.
Beruhige dich, Haydée. Er ist genauso mein Feind wie deiner.
Hilf mir, ihn zu bestrafen.
Ich habe ihn nur eingeladen, damit du ihn wiedererkennst.
Glaubst du mir,
Haydée?
Und Ihre Nachforschungen? - Sind beendet.
Alle Banken Europas erkennen Monte Christos Unterschrift an.
Also ist er kein Betrilger - Bedauerlich.
Allerdings, ich hétte ihn gern verhaftet.
Stattdessen lädt er uns ein, und ganz Paris verkehrt bei ihm.
Monsieur de Monte Christo! Wir reden gerade schlecht über Sie.
Mein lieber Freund, ich will Sie einem Staatsanwalt vorstellen.
Auch das noch. Vielleicht brauche ich ihn eines Tages.
Herr Staatsanwalt, darf ich vorstellen: der Graf de Cavalcanti.
Er interessiert sich fiJr die Justiz. - Versténdlich.
Ich freue mich sehr, Sie beide zusammenzubringen.
Bis spéter.
Ich kenne Ihren Namen, Cavalcanti ist alter Adel.
Wir haben 2 Pépste in der Familie. Das macht Eindruck.
Ich kenne Ihren Namen auch, er wird in meinen Kreisen oft erwähnt.
Man spricht oft von mir.
Herr Staatsanwalt, Sie kennen das Gesetz. - Ach Gott.
Helfen Sie mir, mein Freund ist unehelich und will seinen Vater finden.
Eine edle Gesinnung. - Offenbar ist der Mann auch noch reich.
Und mein Freund hat einen Verdacht, was kann er tun?
Ein Prozess scheint schwierig.
Und wenn er ihn ein wenig erpressen würde, gäbe das Arger?
Eine seltsame Frage. - Schwamm drUber.
Ich muss eilig zu meinem Wagen, eine Tänzerin wartet in der Oper auf mich.
Méjchten Sie einen Blick hinter die Kulissen werfen?
Nein, danke. Keine Umstände.
Herr Staatsanwalt.
Was ist los? Hast du Caderousse vergessen? - Ich habe keine Zeit.
Antoine, sag Mlle Emilienne, dass ich ein wenig später komme.
Wir fahren zur "Glocke".
Dort können wir reden.
Caderousse, ich habe kein Geld.
Was? Du verjubelst 20.000 im Monat. - Die Rechnungen werden direkt bezahlt.
Ach ja? Und dein Wagen und dein Haus? - Nichts davon gehört mir selbst!
Ich bin genau so blank wie du. - Du willst mich doch nur täuschen.
Wenn du mir nicht hilfst, verrate ich dich.
Hör zu, ich habe eine Idee. Die Sache ist Gold wert.
Dann lässt du mich in Ruhe! - Erzähl schon.
Das Haus, aus dem ich heute kam,
gehört einem der reichsten Männer von Paris.
Jeden Freitag zieht er in sein Schloss, und sein Haus bleibt leer.
Im Schreibtisch im Arbeitszimmer ist sehr viel Geld.
Zeichne den Plan auf.
Das ist der Eingang.
Was machst du, Schatz? - Einem Freund einen Gefallen tun.
Sag mal, schreibt man "|ndividuum" mit 1 oder 2 U?
Mit 2, mein Schatz.
Es ist gleich halb 12. - Alles ist bereit.
Wenn ich mich nicht téusche,
hat der Einbrecher einen Begleiter, der draußen wartet.
Postiere dich im 1. Stock und gib sofort Bescheid.
Der 2. ist eingetroffen!
Guten Abend, Caderousse.
Pater Busoni.
Ich wusste, ich sehe Sie wieder.
Wir sind uns schon 2-mal begegnet.
Beim 1. Mal schenkte ich Ihnen ein Vermögen,
und Sie wurden zu einem Mörder.
Beim 2. Mal habe ich Ihnen zur Flucht verholfen,
und Sie wurden zum Dieb.
Das ist aus Ihnen geworden, Caderousse. Das haben Sie daraus gemacht.
Aus den groBen Chancen, die ich Ihnen eingeräumt hatte.
Ja, dank Ihnen hatte ich 2 groBe Chancen.
Versuchen Sie es noch einmal mit mir!
Ich werde nie wieder rilckféllig. Rufen Sie nicht die Polizei...
Caderousse, hast du nie jemanden der Polizei ausgeliefert?
Hast du nicht einst einen Unschuldigen in Chéteau d'|f einkerkern lassen?
Sie wissen davon? Hat Dantés es Ihnen gesagt?
Ja, es stimmt. Ich gebe es zu.
Ein Schweinehund bin ich gewesen! Aber ich habe es bereut...
Ist das wirklich wahr? - Ich schwöre, ich bereue!
Gut, Caderousse. Ich gebe dir deine 3. Chance.
Dummkopf!
Worauf warten Sie? Rufen Sie die Polizei! - Ich rufe nicht die Polizei.
Geh! Aber nimm den Weg, auf dem du kamst.
Darf ich wirklich gehen? - Ja, aber pass gut auf.
Damit du wohlbehalten zu dir nach Hause zurUckkehrst.
Verschwinde!
Wieso starrst du so?
Sie machen mir Angst.
Als Kind glaubte ich an Geister. - Geh.
Lass ihn vorbei.
Adieu, Pater! - Adieu, Caderousse.
Sie lassen ihn laufen? Sie verzeihen ihm?
Gott wird entscheiden.
Haltet den Mörder!
Haltet den Mörder!
Ich weiB, wer mich ermorden wollte:
Bruno, ein entflohener Stréfling.
Er lebt in Paris als Graf...
Cavalcanti!
Monsieur Graf von Monte Christo!
Verzeihung, leider muss ich Sie stören.
Das Verbrechen geschah vor Ihrer Tür.
Einbruchspuren sind an der Wand sichtbar.
Ich muss Sie als Zeugen vernehmen.
Eine banale Sache.
Aber ich muss mich darum kümmern, weil sie in meinen Amtsbereich féllt.
Ist etwas entwendet Worden?
Geld, Kunstwerke? - Nein, nichts.
Der Mord muss also vorher geschehen sein. Vermutlich ein Streit über den Anteil.
Sagen Sie, kennen Sie diesen Cavalcanti schon länger?
Seit seiner Ankunft in Paris.
Er ist sehr jung.
Ich bitte Sie um Ihre Nachsicht. - Rechnen Sie nicht damit.
Ich war ihm schon einmal begegnet. Und zwar bei Ihnen.
Ich habe gespUrt, dass er ein Gauner ist.
Eine Tatsache spricht trotzdem für ihn:
Sein Vater hat ihn als Séiugling ausgesetzt.
Wir kennen solche Geschichten.
Vielleicht ist es ja wahr. - Wie auch immer.
Ich habe eh vor, die Todesstrafe zu beantragen.
Angeklagter, erheben Sie sich!
Nennen Sie Ihren vollen Namen, Alter und Geburtsort.
Welchen Namen, Herr Präsident? Ich habe mehrere.
Mein 1. Name war Bruno.
Im Zuchthaus nannte man mich "Langfinger".
Dann wollte man, dass ich "Graf de Cava|canti" heiße.
Warum nicht? Nicht schlecht. Na ja, Graf oder nicht...
Suchen Sie sich einen Namen aus, ich bin nicht festgelegt.
Weiter! Wir kommen darauf zuriJck. Geboren am...
Der Angeklagte ist ein Findelkind. Seine Angaben sind zwangsléufig ungenau.
Gut. Angeklagter, Sie haben erklärt:
"Dann wollte man, dass ich Graf de Cavalcanti heiße."
"Man", wer ist "man"?
Das Gericht möchte gern wissen: Wer ist "man"?
Bruno, antworten Sie!
Der Graf von Monte Christo.
Eine Uberraschende Aussage. - überprüfen Sie sie.
Der Graf ist als Zeuge anwesend.
Amtsdiener, fUhren Sie den Grafen herein!
Monsieur, ich habe die Pflicht, Sie nach Namen und Geburtsdatum zu fragen.
Edmond Graf von Monte Christo,
geboren am 21. September 1793 in Marseille.
Schwéren Sie, Sie sagen die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.
Heben Sie die rechte Hand und schwören Sie.
Ich schwöre. - Sie haben von dem Angeklagten verlangt,
dass er sich "Graf de Cava|canti" nennt.
Das ist die reine Wahrheit.
Aber Monsieur, damit machen Sie sich zum Komplizen.
Ja. Aber nur, was die Namensfélschung betrifft.
Weitere Komplizenschaft gibt es nicht.
Was haben Sie mit der Namensfélschung bezwecken wollen?
Ich wollte Misskredit und vielleicht sogar Schande
von einer angesehenen Familie abwenden. - Von welcher Familie?
Fragen Sie nicht weiter, Herr Präsident. Oder Sie beschwéren einen Skandal herauf.
Einen Skandal bis in die höchsten Kreise der Magistratur.
Ihr Schweigen wére ein gréfierer Skandal als die Wahrheit.
Falls Sie den Namen des Téters kennen, fordere ich Sie auf, ihn zu nennen.
Besagter Bruno wurde in der Nacht vom 27. auf den 28. September 1817 geboren.
In Auteuil, Rue Ia Fontaine 28. - Sie scheinen gut informiert.
Woher wissen Sie diese Details?
Von 3 Personen, die hier im Saal anwesend sind.
Hiermit beantrage ich, Herr Präsident, dass diese 3 Personen vernommen werden.
Die Verteidigung folgt dem Antrag des Zeugen.
Es geht um Monsieur Bertuccio, Madame Picard und Monsieur Mireille.
Genannte Personen bitte vortreten!
Sie heißen? - Bertuccio, Emile,
geboren am 14. April 1790 in Bastia.
Gegenwértig in Diensten des Grafen von Monte Christo.
Was wissen Sie über die Herkunft des Angeklagten?
Ich war im Park des Hauses in Auteuil
in der Nacht vom 27. auf den 28. September 1817.
Was haben Sie dort gemacht? - Ich wollte in das Haus einbrechen.
Sollen etwa Einbrecher hier die Beweise liefern?
Gébe es nur Einbrecher wie mich
könnten Sie nicht davon leben, Herr Staatsanwalt.
Denn ich habe in jener Nacht rein gar nichts gestohlen.
Im Garten habe ich einen Mann Überrascht, der ein neugeborenes Kind begraben wollte,
das noch lebte, und ich spéter mitnahm.
Herr Präsident, es hat wohl keinen Sinn, fortzufahren...
Herr Präsident!
Ich stand in Diensten jenes Mannes, den Monsieur erwähnte.
Jener Mann war in der Tat leiblicher Vater des Kindes.
Er nannte sich Baron Danglars.
Dann bin ich Baron Danglars!
Der Baron Danglars hat nie existiert.
Der Mann, der sich den Namen zugelegt hat,
ist Monsieur de Villefort, Staatsanwalt des Königs.
Ruhe, oder ich lasse den Saal réiumen!
Monsieur de Villefort,
treten Sie dieser furchtbaren Anklage entgegen.
Herr Präsident,
diese Leute sagen die Wahrheit.
Ich bekenne mich schuldig und stehe dem Staatsanwalt des Königs zur Verfügung,
meinem Nachfolger.
Jetzt bin ich sicher, ich kann Sie retten.
Die Sitzung ist geschlossen!
Wache, den Angeklagten abfflhren!
Warum verfolgen Sie mich? Was habe ich Ihnen getan?
Erinnern Sie sich nicht an einen Seemann, dem Sie die Freiheit versprochen...
und lebenslänglich eingesperrt haben?
Es war sogar der Abend Ihrer Verlobung und seiner auch.
Hier,
das Dokument mit Ihrer Unterschrift.
Edmond Dantés.
Adieu, Monsieur de Villefort.
Der Staatsanwalt ist wahnsinnig geworden! Ich glaube, den sehen wir nicht wieder.
Der Graf von Monte Christo ist Urheber dieses Skandals.
Was hast du?
BerUhrt dich die Sache denn so sehr?
Ach was. Ich bin nur nervös und erschépft.
Man mUsste Paris und alles vergessen.
Albert, wir sollten fUr einige Wochen aufs Land fahren.
Unmöglich, Vater hat eine Sitzung.
Wegen so eines Skandals sollen wir Paris verlassen?
Was geht uns dieser Graf an?
Nichts. Du hast recht.
Ich will unbedingt dabei sein. - Ich will sehen, wie er das erklärt.
Wer? Monsieur de Villefort? - Aber nein!
Monsieur de Villefort, das war gestern. - Heute geht es um Monsieur de Mortcerf.
Bertrand, reich mir die Zeitung!
Monsieur de Mortcerf wagt nicht zu kommen.
Ich versichere, Sie haben all unsere Sympathie.
Der Pressekrieg ist ein absoluter Skandal. - Wie in der Republik!
Meine Herren, bitte die Platze einnehmen! Die Sitzung beginnt!
Meine Herren, die Sitzung ist eröffnet!
Eine Pressekampagne solcher Art schadet der Ehre unserer Kammer!
Ich möchte wissen, was Monsieur de Mortcerf
auf die Anschuldigungen der Journalisten erwidert.
Aber vielleicht ist Monsieur de Mortcerf dazu noch gar nicht bereit.
Doch, meine Herren!
Einen Angriff zurilckzuschlagen, duldet keinen Aufschub!
Den gerade Feinde gegen mich fiihren, die nicht alle Unbekannte sind!
Ich verlange sofortige Aufklärung!
Die Kammer ist einverstanden?
Monsieur de Mortcerf, Sie haben das Wort!
Meine Herren!
Ich war mit 36 Jahren General.
War 2-mal verwundet.
Diente mein Leben lang unserem grofken Vaterland.
Und nun wagt eine Zeitung meine Ehre anzutasten!
Aber wir wissen alle, dass hinter dieser Zeitung ein Mann steht!
Ein Fremder,
dessen enormes Vermögen ein Geheimnis bleibt.
Meine Herren, wem glauben Sie mehr: diesem Fremden oder mir?
Man wirft mir Verrat vor!
Es heißt, ich hétte den Pascha von Janina seinen Feinden ausgeliefert!
Dass ich beim Pascha groBes Vertrauen genoss,
beweist folgende Tatsache:
Vor seinem Tod vertraute er mir seine Frau und seine Tochter Haydée an!
Was ist aus ihnen geworden?
Leider kamen sie bei den letzten Gefechten ums Leben.
Und ihr Tod war fiJr mich...
einer der schwersten Schläge meines Lebens.
Leider gibt es dafilr keine lebenden Zeugen mehr.
Doch, Monsieur de Mortcerf. Einen gibt es noch.
Er möchte aussagen.
Es besteht kein Zweifel,
dass so die Unschuld unseres Kollegen bewiesen wird.
Darum schlage ich vor, ihn anzuhéren. Meine Herren, sind Sie einverstanden?
Jawohl! - Jawohl!
Monsieur de Mortcerf, nehmen Sie Ihren Platz ein.
Amtsdiener, holen Sie den Zeugen herein!
Aber das ist ein Betrüger! Es gibt Ieider keinen Zeugen.
Madame, bitte nennen Sie uns Ihren Namen.
Haydée, Tochter des Paschas von Janina.
Kénnen Sie uns Ihre Identitét beweisen? - Jawohl.
Hier ist meine Geburtsurkunde... Außerdem die Urkunde über meinen Verkauf
durch Offizier Fernand Mondego an den Sklavenhéndler El Cobir.
Monsieur de Mortcerf,
erkennen Sie die Tochter des Paschas? - Nein!
Aber zum Glück erkenne ich dich.
Meinen Vater hast du um alles betrogen und mich hast du verkauft!
Sehen Sie ihn an,
er hat auf der Stirn noch das Blut meines Vaters!
Eine Untersuchung! - Ja, eine Untersuchung.
Das ist eine Beleidigung!
Sie verurteilen sich nur selbst!
Wer ist fUr eine Untersuchung?
Madame, Sie können sich zurückziehen. Die Kommission Iédt Sie morgen vor.
Monsieur, ich will eine Erklärung! - Hier in der Oper?
Sie, Ihre Geliebte und Ihre Zeitung haben gelogen!
Ich rate Ihnen, nicht so laut herum zu krakeelen.
Das steht nicht jedem, Monsieur de Mortcerf.
Sie sind ein feiger Betrilger!
Ihre Freunde finden mich nach der Vorstellung zu Hause.
Meine Herren, ich halte Sie nicht auf.
Um 8 Uhr, Bois de Vincennes.
2O Schritt Abstand, der 1. Schuss auf Kommando.
Ich habe Sie erwartet.
Sie hatten gar keine andere Wahl.
Sie Wollen, dass ich Ihren Sohn verschone? - Ja.
Mich durch Tränen zum Mitleid bewegen. - Ja, das will ich.
Sie wéren jetzt sogar einverstanden, mit mir wegzufahren.
Ja.
Jetzt ist es zu spät, Mercédés. Das Duell ist vereinbart,
und ich gehe hin. - Aber warum verfolgen Sie uns?
Natflrlich. Fernand hat gelogen, als er von Ihrer ErschieBung berichtete.
Diese Lilge werde ich ihm nie verzeihen.
Aber wir waren fijreinander verloren, Sie waren im Gefängnis.
Und wer ist schuld daran?
Bitte, lesen Sie.
Wegen dieser 1O Zeilen verbrachte ich meine Jugend im Gefängnis.
Mein Vater starb in Armut,
und meine Verlobte heiratete einen anderen.
Aber der Brief ist anonym. - Sogar Z-fach anonym,
Caderousse schrieb den Anfang.
Der Schluss ist von Fernand Mondego, Ihrem Gatten.
Dann ist alles verloren. Alles.
Sie verzeihen das nie. - Es war hart fUr mich.
Aber es gibt noch Schlimmeres. Jawohl.
Ich denke die ganze Nacht daran, dass mein Sohn sterben muss.
Und warte bis zum Tagesanbruch.
Wie spät ist es? - 2 Uhr.
Noch 6 Stunden.
Ich wilrde Ihnen gern verzeihen, aber kann es nicht.
Mercédés!
Sie haben gewonnen.
Ich verspreche, Ihr Sohn wird lebend zurijckkommen.
Gleichzeitig sind Sie von mir befreit. Wenn ich ihn verfehle...
Er verfehlt mich bestimmt nicht. Er hat den 2. Schuss.
Er wird weder getötet noch verwundet. - Ich gebe Ihnen mein Wort.
Danke.
Monsieur de Mortcerf hat uns mitgeteilt, dass er hierherkommen wird. Da ist er ja.
Wie leichtsinnig, zu einem Duell zu reiten!
Mit offenem Mantel? - Er ist verrückt.
Ich muss den Grafen sprechen. - Aber das widerspricht jeder Regel!
Wollen Sie ihn unter 4 Augen... - Nein, vor allen.
Monsieur de Monte Christo, als ich Sie gestern provozierte,
kannte ich nur die halbe Wahrheit. Den Rest erfuhr ich erst heute Nacht.
Ich bitte Sie um Verzeihung fUr den Verrat,
den Leutnant Mondego vor 23 Jahren an Ihnen beging.
Ich hoffe, meine Zeugen halten mich nicht fUr feige.
Falls dies der Fall sein sollte, bin ich bereit, das Gegenteil zu beweisen.
Lieber de Mortcerf, wir können uns hier trennen.
Ich komme mit Ihnen.
Herein!
Monsieur de Mortcerf möchte Sie sprechen.
Monsieur!
Mein Sohn hat abgelehnt, aber ich duelliere mich mit Ihnen!
Aber sofort und auf der Stelle.
Sehen Sie mich an!
Wird Ihnen klar, dass Edmond Dantés Sie besiegt hat?
Edmond Dantés.
Führen Sie Monsieur de Mortcerf hinaus! Meine Tür bleibt ihm verschlossen.
Bist du bereit? - Sofort.
UNTERSUCHUNGSKOMMISSION BEANTRAGT AMTSENTHEBUNG
MARSEILLE - EIN FEBRUARABEND IM JAHRE 1837
Mutter, sei nicht mehr traurig! Der Vertrag ist unterzeichnet:
Dein Sohn wird Seeoffizier.
Wenn es nicht mit dem Teufel zugeht, bin ich in 4, 5 Jahren Kapitän.
Wann fährst du? - Am Dienstag.
Wohin? - Ägypten. über Bastia, Malta, Tripolis.
Ja, die Route ist noch die Gleiche.
Und was mache ich solange? - Du wartest auf mich.
Hier, du wirst an diesem Fenster sitzen.
Das bin ich gewohnt.
Die ganze Jugend wartete ich auf jemanden und schaute aufs Meer hinaus.
UND SO ENDET DIE GESCHICHTE VON MONTE CHRISTO.
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