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Original subtitles

(Oskar:) Ich beginne weit vor mir.

Als meine arme Mama gezeugt werden sollte,

saß meine Großmutter Anna Bronski, eine junge Frau ohne Ahnung,

in ihren 4 Röcken am Rande eines Kartoffelackers.

Man schrieb das Jahr 99. Sie saß im Herzen der Kaschubei.

Es bewegte sich etwas am Horizont. Es sprang da etwas.

Bitte!

lst hier jemand vorbeigekommen? Ein gewisser Koljaiczek?

Er hat ein Feuer gelegt. - Er ist klein und breit.

Ja, er ist gerannt auf Teufel komm raus!

Wohin?

Das glaube ich nicht.

Er ist weg! - Dann muss er nach Bissau sein.

Das eine oder das andere. - Woanders gibt es nicht.

Nun regnet es auch noch.

(Sie stöhnt.)

Komm, Koljaiczek! - Joseph heiße ich.

(Oskar:) Mein Großvater war also ein mehrfacher Brandstifter.

Denn in ganz West-Preußen boten damals Sägemühlen den Zunder

für die Auflehnung nationalbeflügelter Polen.

Joseph und Anna fanden Zuflucht bei den Flößem,

wo sie fast ein Jahr blieben.

So lange brauchte die Polizei,

um die Spur meines Großvaters wieder zu finden.

(Ein Schuss)

Nein! Nicht schießen! (Schüsse)

(Schüsse) Du sollst nicht schießen!

(Oskar:) Nach diesem Sprung ins Wasser

tauchte Koljaiczek nie wieder auf.

Manche sagten, er sei ertrunken,

andere, er sei nach Amerika entkommen.

In Chicago sei er als Joe Colchic Millionär geworden.

Er soll sein Vermögen im Holzhandel gemacht haben,

sowie mit der Herstellung von Streichhölzem

und mit der Beteiligung an Feuer-Versicherungen.

(Oskar:) Meine Großmutter aber saß in ihren 4 Röcken über die Jahre

und rief aus, was sie auf den Markt brachte.

Gänse, nicht zu fett und nicht zu mager!

So wurde sie älter.

Der 1 .Weltkrieg kam.

Statt Gänsen gab es nur noch Rüben.

Steinpilze!

Rüben!

(Oskar:) Auch meine arme Mama wurde älter.

Sie sorgte sich um ihren Cousin Jan.

Jan sollte in den Krieg.

Er wollte aber lieber bei ihr bleiben.

Name? - Bronski, Jan.

Jahrgang? - 98.

Husten Sie! (Er hustet.)

Nochmal! (Er hustet nochmal.)

Zurückgestellt!

Na? - Kein Arsch, kein Genick, ein Jahr zurück!

(Oskar:) Da hielt meine arme Mama ihren Vetter Jan zum ersten Mal.

Ich weiß nicht,

ob sie ihn späterjemals glücklicher gehalten hat.

Diese junge Kriegsliebe blieb ungetrübt,

bis Alfred Matzerath auftrat.

Er war gebürtiger Rheinländer und im Lazarett Silberhammer

auf rheinisch-fröhliche Art der Liebling der Krankenschwestem.

(Sie spricht Polnisch) Was hat sie gesagt?

Dass Sie ein geborener Koch sind, Herr Matzerath.

Sie verwandeln Gefühle in Suppen.

(Oskar:) Endlich ging der Krieg zu Ende.

Danzig wurde zum Freien Staat erklärt.

Die Polen erhielten eine eigene Post.

Dort arbeitete Jan Bronski, der Briefmarken-Sammler.

Auch Alfred Matzerath blieb in Danzig.

Wir Kaschuben sind schon immer hier gewesen.

Lange vor den Polen und lange vor euch Deutschen natürlich!

Alte Kamellen, Jan! Frieden!

Deutsche, Polen, Kaschuben werden friedlich zusammenleben.

lch weiß nicht. - Du wirst es schon wissen.

(Oskar:) Die beiden so verschiedenen Herren waren über Mama einer Meinung.

Sie fanden Gefallen aneinander.

In dieser Dreieinigkeit haben sie mich, Oskar, in die Welt gesetzt.

(Oskar:) Die Sonne stand im Zeichen der Jungfrau.

Neptun besorgte das 1 0. Haus der Lebensmitte

und verankerte Oskar zwischen Wunder und Täuschung.

Drücken!

Drück, Agnes! Fest drücken!

Es kommt!

(Oskar:) Ich erblickte das Licht der Welt

in Gestalt einer 60-W-Glühbime.

(Das Kind schreit.) Alfred, es ist ein Junge!

Ein Junge!

lch wusste doch, dass es ein Junge ist!

Auch wenn ich manchmal gesagt habe, es wird ein Mädchen.

Nicht so heiß!

(Oskar:) Schreiend, einen Säugling blaurot vortäuschend,

lauschte ich kritisch den ersten spontanen Worten meiner Eltem.

Er kann das Geschäft übernehmen. Dann wissen wir, wofür wir arbeiten.

Wenn Oskar 3 Jahre alt wird, soll er eine Blechtrommel bekommen.

(Oskar:) Nur wegen der versprochenen Blechtrommel äußerte ich

den Wunsch nach Rückkehr in meine embryonale Kopflage nicht stärker.

Zudem war ich schon abgenabelt. Es war nichts mehr zu machen.

Und so konnte ich meinen 3. Geburtstag kaum erwarten.

(Sie singen:) "Wer hat uns getraut? Sprich!" "Sag du's! Der Dompfaff!"

"Der hat uns getraut."

lst was?

Ach, du bist es, Oskarchen!

Noch ein Stück Torte? - Nein, danke.

Dein Mäulchen ist schmutzig!

Noch einen Schluck, Oma? - Ja.

Prost! - Prost!

(Agnes und Jan singen:) "Die Liebe ist eine Himmelsmacht."

"Mild sang die Nachtigall ihr Liedchen in die Nacht."

Wir sollten lernen, unseren Körper wieder zu achten.

Die Semmel kostet wieder 3 Pfennig!

(Matzerath:) Der Mensch braucht eine stabile Währung!

Und etwas im Glas, Alfred!

Trinken wir auf die Renten-Mark und die 3-Pfennig-Semmel!

Prost!

Auf die Jugend! - Auf alles Schöne!

Darf ich "du" sagen, Gretchen?

Dann sage ich Lina!

So jung kommen wir nie wieder zusammen!

(Agnes singt:)

"Mild sang die Nachtigall ihr Liedchen in die Nacht!"

"Die Liebe"

"ist eine Himmelsmacht."

(Beide singen:)

"Mild sang die Nachtigall ihr Liedchen in die Nacht."

"Die Liebe..."

lst das schön!

"Die Liebe ist eine Himmelsmacht!"

(Matzerath singt:)

"Die Liebe ist eine Himmelsmacht!"

Jan, hol die Karten!

1 2. September 1 927.

Nächstes Jahr bist du so groß.

Und dann so. Bis du so groß bist wie ich.

Platz! Frisch aus dem Keller!

Hier sind Gläser, damit ihr nicht aus der Flasche trinken müsst.

Spielen Sie mit, Herr Scheffler? - Nein! lch schaue lieber zu.

lch muss bald ins Bett. - Er ist immer müde.

Du hättest keinen Bäcker heiraten dürfen, Gretchen!

Was machst du da?

Oma hat schon lange niemand mehr unter die Röcke gelassen.

Spielen wir Herz-Hand! - Verstehst du das, Lina? - Nein.

Mal sehen, wie die Buben liegen!

(Greff singt:) "Hohe Tannen weisen die Sterne,"

"an der lser wildentspringender Flut..."

Cousin, du weißt doch, dass Karo blank ist!

Nicht streiten! Spielen!

Den auch noch und den auch!

Zwei Karos! - Das sind 40 Punkte! - Das wusste ich nicht.

(Oskar:) An diesem Tag, an dem ich über die Welt der Erwachsenen

und meine eigene Zukunft nachdachte,

beschloss ich, von jetzt an keinen Fingerbreit mehr zu wachsen.

Ich wollte immer der 3-Jährige, der Gnom, bleiben.

1 , 2, 3, 4,

5, 6, 7, 8.

(Lautes Klirren)

(Er schreit hell und durchdringend.)

Oskar!

Mein Gott! (Matzerath:) Was ist denn?

Er ist die Treppe runtergefallen! Tut doch etwas!

Warum war die Klappe auf?

Alfred, du hast die Falltür offen gelassen!

lch habe doch nur das Bier geholt!

Wir rufen den Doktor!

Das sieht schlimm aus!

Du hast die Tür offen gelassen! - Beruhige dich!

Hört doch auf!

lch habe doch nur das Bier geholt! Halte du dich raus!

Beruhigt euch! Es ist nun mal passiert.

Mein Oskarchen!

Mein Jungchen! Wie war das bloß möglich?

Zwei Wochen Bettruhe. Dann kann Oskar wieder aufstehen.

Es ist nur eine kleine Gehirn-Erschütterung.

Machen Sie kalte Umschläge!

(Oskar:) Mein Sturz war ein voller Erfolg.

Fortan hieß es: An seinem 3. Geburtstag

stürzte unser Oskar die Treppe runter.

Er blieb zwar sonst gesund,

aber er wollte keinen Zentimeter mehr wachsen.

Früh übt sich, Oskar!

Na, Oskarchen, es geht ja wieder!

Mahlzeit!

Oskar, lass das! Das darfst du nicht.

Sieh mal! Die ist wertvoll!

Die erste polnische Briefmarke seit über 1 00 Jahren.

(Matzerath:) Essen kommen! Es gibt Pfifferlinge!

Na gut, ich muss jetzt gehen.

Bleib doch zum Essen! Es gibt Pfifferlinge. - Nein!

lch habe in 20 Minuten Schalterdienst.

Nicht in der Wohnung! Außerdem ist die Trommel kaputt. Du tust dir weh.

Du bleibst doch zum Essen? - Leider nicht.

Lass die Trommel! Wenn du dir wehtust, bin ich wieder schuld!

lch habe es doch gesagt!

Oskar!

Gib mir die Trommel, ich gebe dir Schokolade.

Gib ihnen doch die Trommel! lch bringe dir morgen eine neue!

Nein, Oskar will nicht!

Das werden wir sehen! - Alfred, warum mit Gewalt?

Das wäre doch gelacht! - Meine Trommel!

(Er schreit hell und durchdringend.)

(Oskar:) So entdeckte ich, dass ich mit meiner Stimme

in so hoher Lage schreien konnte,

dass niemand es wagte, mir meine Trommel wegzunehmen.

Scherben bringen Glück!

(Oskar:) Denn wenn mir meine Trommel weggenommen wurde, schrie ich.

Und wenn ich schrie, zersprang Kostbarstes.

(Die Kinder singen:)

"lst die schwarze Köchin da? Nein, nein, nein!"

"Dreimal musst du rummarschieren, beim 4. Mal den Kopf verlieren."

"5. Mal, komm mit, Frau Schmidt! Da ist sie ja!"

(Er schreit.)

Verdammte Missgeburt! lch komme gleich runter!

(Greff singt:) "Aber keiner wagt zu hadern."

"Herrlich lockt der Sonnentag!"

"Saatengrün wie mit bittender Gebärde,"

"hält die alte Mutter Erde,"

"dass der Mensch ihr Eigen werde!"

Den nehme ich!

Sehen Sie diese außergewöhnliche Kartoffel!

Dieses schwellende, strotzende, immer wieder

neue Formen erdenkende und dennoch so keusche Fruchtfleisch!

lch liebe die Kartoffel, weil sie zu mir spricht!

(Kundin:) ln diesem Jahr sind sie größer als letztes Jahr.

Was machst du da? - Oskar schreiben lernen!

Lass das, Oskar. Du wirst nie schreiben und lesen lernen.

Klassiker! Die ewigen Wahrheiten! Stirb und werde!

(Eine Frau lacht.)

(Jemand bläst "Die lnternationale" auf der Trompete.)

Stellt euch näher zusammen! - Ein Herz zum 1 . Schultag!

Guckt her!

Guten Morgen, Kinder! (Alle:) Guten Morgen!

lch heiße Spollenhauer und bin eure Lehrerin. Setzen!

Könnt ihr ein Lied singen? (Alle:) Ja!

"Alle meine Entchen"! "Fuchs, du hast die Gans gestohlen"!

Oskarchen! Von dir haben wir schon viel gehört.

Wie schön du das kannst!

Oskar ist ein guter Trommler! - Ja!

Die Trommel kommt in den Schrank. Sie ist müde und will schlafen.

Nach der Schule bekommst du sie wieder.

Du bist aber ein böser Oskar!

lch lese euch jetzt den Stundenplan vor.

Montag: Schreiben, Rechnen, Lesen, Religion.

Alle zusammen: Schreiben!

Rechnen!

Hör auf, Oskar!

Religion. (Alle:) Religion!

(Er schreit hell und durchdringend.)

Frl. Spollenhauer! - Oskar!

(Sie schreit.)

Frl. Spollenhauer! - Raus!

Sehr sonderbar!

Wie alt ist er jetzt? - Sechs Jahre.

Schwester lnge, ziehen Sie Oskar aus!

Wann ist er von der Treppe gefallen? - Vor drei Jahren.

lch untersuche die Wirbelsäule nochmal.

Sei brav! Du bekommst die Trommel gleich wieder!

Gib sie mir! lch halte sie so lange.

So kannst du das Hemd nicht ausziehen.

Sei lieb, sonst macht dich der Onkel Doktor nicht gesund!

Gib mir die Trommel, mein Junge!

(Oskar schreit.)

Außerordentlich!

lch werde über diese Stimme in unserer Fachzeitschrift berichten.

Wenn Sie einverstanden sind, Frau Matzerath. - Ja.

Wirklich außerordentlich.

"Die Kraft dieser Stimme ist in hoher Lage so zerstörerisch,"

"dass man auf eine besondere Form des hinteren Larynx"

"des jungen Oskar Matzerath schließen kann."

"Dabei ist eine akzidentelle Entwicklung der Stimmbänder"

"zumindest als Hypothese nicht auszuschließen."

Das steht in einer medizinischen Zeitschrift!

Schreibt der Doktor auch, warum er nicht mehr wächst?

Das musst du ihn fragen!

Was? - Warum er nicht mehr wächst? - Er ist ebenso dein Kind wie meins.

Vielleicht sogar mehr. - Wer hat die Falltür offen gelassen?

A, B, C, D, E - der Kopf tut mir weh.

F, G, H, l, J, K - der Doktor ist da.

L, M, N, O - jetzt bin ich froh.

P, Q, R, S, T - es wird wieder gut, juche!

U, V, W, X - jetzt fehlt mir nix!

(Oskar:) Das da ... - Y und Z - jetzt geh ich ins Bett!

(Oskar:) Das da! - Du passt ja gar nicht auf!

Fangen wir noch einmal von vorne an!

A, B, C, D, E - der Kopf tut mir weh.

F, G, H, l, J, K - der Dok...

Oskar lesen! - Das ist nichts für dich!

(Grete) Rasputin ... - Raschu-Raschu-Rapupin!

O-S-K-A-R!

Nein, O-R-G-l-E!

Orgie! Oskar lesen!

"Alles, was von mir ausgeht," sprach Rasputin, "ist eine Quelle des Lichtes,"

"das die Sünden hinwegspült."

lst es da ein Wunder, dass die Hofdamen der Suggestion seiner Rede unterlagen?

Rasputin war ... Agnes! - Macht er Fortschritte?

Was lest ihr? Rasputin?

Ob Oskar das auch nicht versteht? - Aber nein!

lch gebe mir solche Mühe, aber er lernt einfach nicht.

An welcher Stelle bist du gerade?

Der Salon in der Gorochowa-Straße. - Ausgerechnet die!

Rasputin war allein mit lrina und der Großfürstin,

um deren Mund ein Lächeln zitterte.

"Ein Heiliger ist auferstanden," flüsterte sie

und ihre Augen wurden groß und weit entrückt.

Und sie verloren sich in Liebkosungen. - (Agnes:) Liebkosungen ...

Dann küssten sie den Starez auf Stirn und Wangen.

Mit seinen glühenden Augen bezauberte der Starez alle.

Bald sanken die Damen an seine Brust.

(Grete:) Erbarmung!

Sein schwarzer Bart kitzelte ihren Busen.

Wallende Körper begruben den Wundermann unter sich.

Sie werden sagen:

ln welch begrenzter Welt musste sich der junge Mensch heranbilden!

Doch während meine arme Mama und Grete Scheffler immer wieder Rasputin lasen,

entdeckte ich Johann Wolfgang von Goethe.

"Die Wahlverwandtschaften".

So wuchs ich, wenn nicht äußerlich, so doch innerlich,

zwischen Rasputin und Goethe hin- und hergerissen,

bis ich mir aus beiden Büchern eines erstellte.

So folgte der dämonischen Seite jeweils eine erleuchtete.

Wie ja im Leben auch.

(Die Kinder singen:) "3-mal muss ich rummarschieren..."

Da ist er ja!

Onkel Heilandt! Spuck in die Suppe, ich will sehen, ob es schwimmt.

lch habe zwei Frösche gefunden!

Eklig! - Soll ich sie reintun?

Was machst du da?

(Laute des Ekels.)

Die schwimmen immer noch! lgitt!

Oskar soll die Suppe probieren! (Andere Kinder:) Ja!

Los, hinter ihm her!

(Die Kinder schreien durcheinander.)

Nein, Oskar will nicht!

(Die Kinder schreien durcheinander.)

Jetzt bist du dran! - Das schmeckt dir bestimmt!

Nein!

Lecker! - Mach den Mund auf!

lst doch nichts dabei!

Das schmeckt, was? (Oskar hustet.)

Noch ein bisschen! - Das schmeckt!

Kommt, wir hauen ab!

(Oskar:) Der Labesweg und die Höfe wurden mir zu eng.

Ich hungerte nach Feme und nahm jede Gelegenheit wahr,

die mich den Nachstellungen der Suppenköche enthob,

und mich allein oder an Mamas Hand

aus dem Vorort in die Stadt führte.

(Sie sprechen polnisch.)

Die Trommel ist kaputt? Dann muss ich sie wieder reparieren.

Nein, er bekommt eine neue!

Meine Verehrung!

Tag, Oskar! - Tag, Onkel Jan!

(Er spricht polnisch.)

Kommst du doch mit?

Hopp!

lch muss jetzt gehen.

lch muss noch einiges besorgen. Auf Wiedersehen, Agnes!

lch gebe dir was für deine Trommel. Reicht das?

Komm, Oskar! Wiedersehen, Cousin!

Guten Tag, Herr Markus!

Die verehrte Frau Matzerath! Braucht Oskar eine neue Trommel?

Es ist wieder so weit. Mein Oskar ist ein fleißiger Trommler.

lch weiß nie, welchen Tag wir haben. Außer, wenn Sie kommen!

Dann weiß ich, dass wieder Donnerstag ist.

Sie haben so schöne Hände. Man möchte sie in Gold aufwiegen!

Gib mir mal die Schachtel da unten!

Danke.

Sehen Sie, Frau Agnes, die Strümpfe sind aus reiner Seide.

Eine gute Ware.

Drei Paar Strümpfe! Die werden lhnen sehr gut stehen.

Die sind zu teuer für mich. - Aber Sie sind es wert!

Ein anderes Mal. - lch gebe sie lhnen für einen halben Gulden.

So billig? Nein, Markus. Das ist ja geschenkt!

Nehmen Sie sie! Machen Sie sich keine Gedanken!

Und nun zu uns, Oskar!

Womit kann ich dem Prinzchen eine Freude machen?

Brauchst du eine neue Trommel?

Das Einfachste ist, du holst dir eine.

Da freut er sich.

Könnte mein Oskar eine halbe Stunde bei lhnen bleiben?

lch habe wieder wichtige Besorgungen zu machen.

lch passe gut auf ihn auf, damit Sie ungestört alles erledigen können.

Das Prinzchen wartet hier, während Sie alles erledigen.

Wie an jedem Donnerstag.

(Er stöhnt.)

Jan! Jan!

(Sie stöhnt laut.)

(Fahrrad-Klingel)

Oskar!

(Oskar schreit.)

Wir sperren gleich die Straße!

(Oskar trommelt.)

(Hitlers Stimme aus dem Radio:)

Danzig war und ist eine deutsche Stadt.

Der Korridor war und ist deutsch.

Alle diese Gebiete

verdanken ihre kulturelle Erschließung ausschließlich dem deutschen Volk.

Ohne das deutsche Volk

würde in den östlichen Gebieten Barbarei herrschen.

Wart ihr schön spazieren?

Dann eben nicht.

Überall spricht der Führer. Nur bei uns nicht!

Chapolino! Hilf mir!

Was hast du?

lch habe eine Krankheit.

Was für eine?

Ach! lch habe einen Vogel!

Er hat einen Vogel!

Und jetzt, meine Damen und Herren, der Kleinste der Kleinen!

Bebra und seine Liliputaner!

Chapolino! lch rieche Schnaps!

lch auch!

(Er erzeugt auf den Gläsern verschiedene Töne.)

Chapolino!

Machen wir Musik!

Pass auf! Mein Vogel kann singen!

(Die Clowns zwitschern.)

Schau, schau! Heutzutage wollen die 3-Jährigen schon nicht mehr wachsen!

Bebra, mein Name.

lch stamme in direkter Linie von Prinz Eugen ab.

Also von Ludwig XlV. Denn der war Eugens Vater,

nicht irgendein Savoyarde, wie behauptet wird.

lch habe an meinem 1 0. Geburtstag aufgehört zu wachsen.

Etwas spät, aber immerhin.

Oskar.

Bester Oskar, Sie sind vermutlich 14 oder 1 5 Jahre alt.

Zwölfeinhalb! - Nicht möglich! Wie alt schätzen Sie mich?

35.

Sie sind ein Schmeichler!

35, das war einmal! lm August feiere ich meinen 53!

lch könnte lhr Großvater sein.

Sind Sie auch Künstler? - Nein...

Aber ich...

(Oskar schreit.)

Sie sehen, ich bin fähig zu einem Kunststück.

Bravo!

Sie müssen zu uns kommen! Unbedingt!

Wissen Sie, Herr Bebra...

Wissen Sie...

lch gehöre lieber zu den Zuschauern

und lasse meine kleine Kunst im Verborgenen blühen.

Bester Oskar!

Glauben Sie einem erfahrenen Kollegen!

Unsereins darf nie zu den Zuschauern gehören.

Unsereins muss vorspielen, die Handlung bestimmen.

Sonst tun es die anderen.

Die anderen werden kommen!

Sie werden die Festplätze besetzen. Sie werden Fackelzüge veranstalten.

Sie werden Tribünen bauen und von dort unseren Untergang predigen.

Oskar!

Man sucht Sie, bester Freund. Wir sehen uns wieder.

Wir sind zu klein, als dass wir uns verlieren könnten.

Oskar!

Guten Tag!

Komm jetzt!

(Bebra:) Auf Wiedersehen!

(Bebra:) Sie werden kommen!

Heil Hitler!

Guten Morgen!

Achtung!

Ein Radio!

(Musik ertönt.)

(Jemand läutet.)

He!

Guten Morgen, Oskar! - Danke, Onkel Jan.

Guten Morgen! Schönen Sonntag!

Die Wickel-Gamaschen rutschen immer!

Guten Morgen, Cousin! - Guten Morgen!

lch brauche Stiefel! - Die sind zu teuer.

Wenigstens Leder-Gamaschen! Wie ich aussehe!

Gehst du zu dem Aufmarsch?

Ja, auf die Mai-Wiese. Großkundgebung!

Wie geht's dir?

Gau-Amtsleiter Löbsack spricht! Der spricht wunderbar!

Wir erleben Tage, die in die Geschichte eingehen werden.

Da muss man dabei sein.

Du sollst den "Danziger Vorposten" lesen!

Dass du für Polen optiert hast, war eine Schnaps-ldee!

lch bin Pole! - Überleg dir das nochmal!

Nimm den Schirm mit!

lch kann zur Uniform keinen Schirm tragen!

Der Eintopf steht auf dem Herd. Nur ab und zu umrühren!

Er ist bald fertig. - lsst du nicht, bevor du gehst?

Keine Zeit. Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps.

Heil Hitler!

Blau. Blau!

Blaue Augen. Oskar auch!

Die blauen Augen der Bronski. Die haben wir beide.

Jan, hör auf, lass das sein.

lch ertrage es einfach nicht,

dass er die Wahrheit nicht weiß.

(Gau-Amtsleiter Löbsack im Radio:) Liebe Volksgenossen

aus Danzig und Langfuhr,

von Ohra, Schidlitz und Praust!

Ihr seid von der Höhe und aus der Niederung gekommen.

Ich weiß, ihr habt nur einen heißen Wunsch im Herzen.

Diesen Wunsch hegen wir alle,

seitdem uns ein schmähliches Diktat

von unserem geliebten deutschen Vaterland getrennt hat.

Wir wollen heim ins Reich!

(Alle rufen:) Heil! Heil! Heil!

(Löbsack:) Denn was ist das für ein Freistaat,

den man uns großzügig eingeräumt hat?

Wie die Laus in den Pelz

hat man uns die Polen ins Hafengebiet gesetzt.

Mitten in unsere geliebte Altstadt

hat man uns eine polnische Post beschert.

Wir danken für diese Bescherung! (Die Leute lachen.)

Wir Deutschen hatten schon eine Post,

als sich der Pole noch nichts in Briefen zu sagen hatte.

Denen haben wir doch das Schreiben beigebracht!

Doch nun, liebe Parteigenossen, begrüßen wir

unseren Gast aus dem Reich, den uns der Führer geschickt hat.

Soeben betritt der Parteigenosse Albert Forster diesen Platz.

Sieg Heil! Sieg Heil!

(Fanfaren und Trommeln)

(Marsch-Musik)

(Oskar trommelt in einem anderen Rhythmus.)

(Oskars Rhythmus stört den Rhythmus der Kapelle.)

(Mehrere Musiker spielen falsch.)

(Manche spielen sehr falsch.)

(Die Musik wird immer chaotischer.)

(Die Kapelle spielt den Walzer "An der schönen blauen Donau".)

(Oskar trommelt im Walzer-Takt.)

(Die Kapelle spielt weiter Walzer-Musik.)

lch habe Sand im Schuh.

Oskar, komm!

Kuckuck!

(Agnes:) Geht das auch mit einer Wäscheleine? - Ja, ja.

Richtig fischen oder nur einen alten Schuh?

Mal sehen, ob was dran ist!

Den Sack her!

(Sie erbricht sich.)

Die sind schon fett.

Aber nach der Seeschlacht am Skagerrak,

als wir mit den Englishmen crossing the T...

Stolz weht die Flagge schwarz-weiß-rot... Verstehen Sie!

Nach der Schlacht...

So dick waren die Aale!

Noch viele Jahre lang waren sie dick!

Er wollte 1 ,50. Aber ich habe ihm einen Gulden gegeben.

Glaub bloß nicht, dass ich diesen Aal esse, Alfred!

Ach was!

lch esse gar keinen Fisch mehr.

Du wusstest doch, dass Aale so etwas fressen.

Ruhe jetzt! Hör auf zu trommeln!

Lass das Kind in Ruhe! - Setz dich!

Du hast doch die Falltür offen gelassen! - Alte Kamellen!

Setz dich! Probiere, wie gut ich sie zubereitet habe!

Dann sehen wir, wer isst oder nicht isst.

Zigarette?

Aal grün mit Dill-Soße, mit Lorbeerblatt und Zitronenschale.

Wenn sie nicht essen will, dann zwing sie nicht!

Misch dich nicht ein! - Aber wenn sie sich dann übergibt?

Wozu habe ich die Aale gekauft? Probiere mal!

Sie sind sauber ausgenommen und gewässert!

(Sie flucht auf Polnisch.)

Keine Galle ausgelaufen, die Leber ist hell...

(Agnes spielt Klavier.)

Oskar! An den Tisch!

So was! lch koche stundenlang. Andere wären froh über den Aal!

(Agnes singt und übertönt ihn.)

(Sie singt weiter.)

Was soll ich machen? - Beruhige dich, Alfred!

lch kann nicht mit ihr reden. Der Fisch wird kalt.

Frauen sind empfindlicher!

Sprich du mit ihr! Damit sie sich beruhigt!

(Agnes schluchzt heftig.)

(Sie schluchzt weiter.)

(Das Schluchzen geht in Lust-Stöhnen über.)

(Sie stöhnt lustvoll.)

(Es ist still.)

Soll ich ihn nicht aufwärmen?

Machen Sie das nicht mit dem Bronski!

Er ist auf der falschen Seite, bei der Polnischen Post.

Setzen Sie nicht auf die Polen! Lieber auf die Deutschen!

Die kommen hoch, heute oder morgen.

Wenn die Deutschen kommen

und Sie sitzen da mit dem meschuggenen Polen!

Das geht nicht gut!

Warum setzen Sie nicht auf lhren Matzerath?

Oder wenn Sie mir die große Ehre tun möchten,

dann setzen Sie auf mich, Sigismund Markus.

lch bin jetzt getauft. - Nicht, Markus, bitte!

Fahren wir nach London wie die anderen. Dort habe ich genug Leute.

Da ist er ja! Wir nehmen ihn auch mit nach London!

Er soll es wie ein Prinz haben.

Danke, Markus, aber es geht nicht. Es ist nicht wegen Bronski.

Umso besser. Das dachte ich mir schon.

Gehen Sie Bronski aus dem Weg! Bleiben Sie bei Matzerath!

Na los!

Mach schon!

Eins-zwei, eins-zwei!

Kannst du nicht oder willst du nicht? Bürschchen!

Du kannst doch sonst alles!

lch war unkeusch, in Gedanken, Worten und Werken.

Allein oder mit anderen? - Zu zweit.

Wo und wann? - lmmer donnerstags, in der Tischlergasse.

lmmer wieder dieser schmutzige Ort!

lch kann nicht anders. lch möchte, aber ich kann nicht.

Und die Folgen, Frau Matzerath?

Die sind schon da, Hochwürden.

(Oskar trommelt.)

Was fällt dir ein, Bürschchen!

(Oskar weint.)

Oskar!

Was soll ich nur machen mit dem Kind?

lch habe ihn ja lieb, das Oskarchen.

Aber jetzt ist er schon 14 Jahre alt.

Und immer dieser Ärger. (Oskar weint laut.)

Beten Sie, liebe Frau Matzerath!

(Oskar weint laut.) Jetzt hör auf, Oskar!

Agnes? - Ja...

Mami!

Schon wieder Fisch! Sie isst nicht, sie frisst!

Und dann kommt es ihr wieder hoch! - Mein Gott!

Das macht sie schon seit 3 Wochen.

Erst waren es Bücklinge und Ölsardinen und jetzt Matjes!

lch habe alles versucht. Jetzt bin ich ratlos.

Warum hast du mich nicht früher geholt?

Was ist los, Agnes?

Wieso isst du Fisch, wenn er dir nicht bekommt?

Der Führer hat mehr Freude, wenn ein Kommunist in die Partei geht,

als wenn ein Zentrums-Bonze aus Schiss beitritt

und nicht, weil er erkennt, dass die neue Zeit angefangen hat.

Du willst nicht leben und nicht sterben, was? - lch weiß nicht.

Es ist zu viel und immer mehr.

Das habe ich auch immer gesagt. Aber dann ging es doch.

Es war nicht leicht, als dein Vater, der Koljaiczek,

auf einmal weg war unters Holz und kam nicht mehr zurück.

Aber wenigstens war er weg!

Weg? Das sagst du, wo du gleich zwei Männer hast.

Schon gut, Mutter. - Du kriegst nie genug!

Schwanger bist du, na und?

Hier ist doch genug Platz.

Wann ist es so weit?

Nie, Mutter!

Agnes...

Das konnte ich doch nicht wissen!

(Toiletten-Spülung)

Agnes!

Hilf ihr!

Agnes!

Warum willst du das Kind denn nicht?

Es ist doch egal, von wem es ist.

Mama!

Mama!

(Ein Schrei)

Agnes! - Mama!

Hier wird nicht geblasen! Bei deiner SA kannst du blasen!

Damit ist es sowieso bald vorbei, Nazi-Schwein!

Rote Sau!

(Die Trauernden singen auf Polnisch.)

He, Sie, hallo!

Was wollen Sie hier? Sie gehören hier nicht her.

Soll ich lhnen sagen, was Sie sind?

Sie sind ein ltzig! Oder sind Sie etwa kein ltzig?

Das Oskarchen!

Was machen Sie mit mir? lch bin doch getauft, wie sie auch.

lst deine Trommel kaputt?

Komm zu mir und hol dir eine neue Trommel!

Ein schöner Tag!

Nun ist sie dort, wo alles so billig ist.

Habemus dominum.

Ja, Schugger-Leo, es ist ein unvergesslicher Tag!

Auch ich habe den Herrn gesehen.

lch habe den Herrn gesehen!

Habemus dominum, Oskar! Et salutare!

Habemus dominum! Welch ein schöner Tag!

Schöner Tag heute!

Haben Sie den Herrn... Er ging vorbei und hatte es eilig.

(Er singt auf Polnisch. Die Leute singen mit.)

(Er betet auf Hebräisch.)

(Oskar:) Es war einmal ein Blechtrommler, der hieß Oskar.

Er verlor seine arme Mama, die zu viel Fisch gegessen hatte.

Es war einmal ein leichtgläubiges Volk,

das glaubte an den Weihnachtsmann.

Aber der Weihnachtsmann war in Wirklichkeit der Gasmann!

Es war einmal ein Spielzeug-Händler.

Er hieß Sigismund Markus.

Er verkaufte weiß-rot gelackte Trommeln.

Es war einmal ein Blechtrommler, der hieß Oskar.

Es war einmal ein Spielzeug- Händler, der hieß Markus.

Er nahm mit sich alles Spielzeug dieser Welt.

Markus!

"Polnische Provokation! Die Geduld des Führers ist am Ende!"

(Oskar:) Am 1. September 1939,

ich setze voraus, Sie kennen das Datum,

datiert sich meine zweite große Schuld.

Ich habe nicht nur meine arme Mama ins Grab getrommelt.

Ich habe auch meinen armen Onkel

und mutmaßlichen Vater, Jan Bronski,

in die Polnische Post geschleppt und so seinen Tod verschuldet.

Halt! Sie können nicht durch! - Wieso, ich arbeite da.

Sperrgebiet! Niemand darf rein!

Oskar! lch muss hinein! - Nein! Bleiben Sie stehen!

Ein Pole! Haltet ihn auf!

Das war höchste Zeit! Gehen Sie zur Waffen-Verteilung!

(Er spricht polnisch.)

Was willst du hier?

Kobyella, Trommel reparieren! - Das geht jetzt nicht.

Bronski, bringen Sie das Kind in Sicherheit!

Oskar, versteck dich! lch muss hier bleiben.

(Hitler im Radio:) 1. September. Überfall auf Reichsgebiet!

Polen hat heute Nacht erstmals auf unserem eigenen Territorium

auch mit regulären Soldaten geschossen.

Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen.

(Menschenmenge:) Heil!

(Männer:) Die Türen verbarrikadieren!

(Hitler:) Vonjetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten!

(Schuss)

(Er spricht polnisch.)

Wo ist Onkel Jan? - Schnell in den Keller!

Jan! Onkel Jan!

Jan, ich will die Trommel!

Oskar!

Komm runter!

Versteck dich! Geh sofort in Deckung!

Nein, Oskar will nicht! Oskar will die Trommel!

Nein! - Die Trommel!

Kobyella, nicht aufgeben!

lch mache dich fest, dann kannst du nicht umfallen.

Nein!

Den noch!

Den noch!

Bin ich dran?

Mit einem Spiel zwei contra drei Schneider vier mal Kreuz

ist 48 oder 1 2 Pfennige. - Ja.

Du darfst nicht schlapp machen! Sei kein Spielverderber!

Soll ich allein spielen? Reiß dich zusammen!

Was hast du?

Kobyella!

lch bitte dich!

lch habe einen Grand Hand! Schau!

(Schüsse)

Agnes! Agnes! - Sie ist tot.

Nicht schießen!

Wir ergeben uns!

Nicht schießen!

(Schuss)

Feuer einstellen!

Wir ergeben uns! Da sind noch Verletzte drin.

(Ein Knall) Hände hoch!

Aufstehen! Raustreten!

Los! Schneller!

(Jan lacht wie ein Wahnsinniger.)

Du auch!

Los! An die Wand! Hände hoch!

Schneller!

(Oskar:) Die Wochenschau machte einen kurzen Film von uns,

der später in allen Kinos lief.

Denn was Oskar in der Polnischen Post in Danzig erlebt hatte,

ist als Beginn des 2. Weltkriegs in die Geschichte eingegangen.

Die freie Hansestadt Danzig konnte den Anschluss ihrer Backsteingotik

an das großdeutsche Reich feiem.

Oskar, das ist ein großer Moment in deinem Leben.

Pass schön auf, damit du alles siehst und später davon erzählen kannst.

lch glaub, wenn er mich anschaut, werd ich ohnmächtig.

Da kommt er! (Alle jubeln, Oskar trommelt.)

(Menge skandiert:) Heil! Heil!

lch habe den Herrn gesehen!

Komm mit mir, Oskar. lch zeige dir was.

Er ruhe in Frieden!

(Er betet auf Lateinisch.)

(Er pfeift.)

Haben sie Jan Bronski erschossen? - Ja.

Da!

Alle Patronen-Hülsen haben sie eingesammelt.

Alle bis auf eine.

Eine wird immer vergessen.

Das ist Maria! Sie will hier arbeiten.

Du brauchst doch jemand für die Kundschaft.

Es geht ja nicht weiter so. Auch mit ihm hier.

"Gegrüßet seist du Maria voll der Gnade, der Herr ist mit dir."

"Du bist gebenedeit unter den Weibern."

"Heilige Maria, bitte für uns Sünder. Amen."

Lieber Gott, mach uns - fromm. - Dass ich in den Himmel komm.

Amen. Gute Nacht!

Warst du auf dem Klo? - Ja.

Soll ich dir etwas spielen? - Ja.

"Maria zu lieben, ist allzeit mein Sinn."

(Oskar singt:) "Maria zu lieben, ist allzeit mein Sinn."

"ln Freuden und Leiden ihr Diener ich bin."

Geh weg!

(Oskar:) Wenn ich von meinen anonymen Hinneigungen absehe,

war Maria meine erste Liebe.

(Maria summt eine Melodie.)

(Maria singt leise:) "...wenn man sich küsst und alles vergisst..."

Maria? - Ja?

Wie alt bist du? - 1 6.

lch auch.

Kaum zu glauben.

(Sie singt:) "Liebe kann nicht Sünde sein,"

"selbst wenn sie es wäre, wäre es mir egal."

(Oskar:) Maria roch nach Vanille. Wie kam das wohl?

Rieb sie sich mit solch einer Wurzel ein?

Gab es ein billiges Parfüm, das diesen Geruch hatte?

Oskar ging der Sache auf den Grund.

(Maria pfeift.)

Au!

(Sie pfeift.)

(Maria pfeift immer noch.)

Was machst du denn da?

He! Hör auf!

(Sie schleudert ihn zu Boden. Er weint.)

So ein Schlingel!

Du gehst da ran und weißt von nichts!

Was hab ich gesagt? Es klappt! Es läuft!

Ganz Frankreich in fünf Wochen! Unsere Jungen stehen am Kanal!

Das ist ein Katzensprung! Rüberspucken kannst du nach England!

Und ich, Alfred Matzerath, wurde zum Zellenleiter befördert.

Da ist eine kleine Feier fällig. - Mütze?

Wo ist denn das Ding? - Ach ja.

(Matzerath singt:) "Nach Frankreich hinein ..."

Wird es spät? - Kann sein. Zu viele Siege sind zu feiern.

So, dein Bonbon! Jetzt bist du ausstaffiert.

Du darfst heute bei Maria schlafen.

Wir haben Platz in einem Bett. Er ist nur ja eine Achtel Portion.

Oskarchen, rasch in die Federn! Komm rauf!

Da freut er sich!

Gute Nacht.

(Sie kichert.)

(Sie stöhnt leise.)

(Maria:) Ein bisschen noch! Aber pass auf, Alfred! - Ja ja.

(Maria stöhnt laut.)

(Die Standuhr schlägt drei Mal.) Es ist drei Viertel!

Ein bisschen noch, Alfred!

Aber pass auf!

lch mach das schon!

Na?

Gleich ist es so weit. Ein bisschen noch.

Aber... - lch passe schon auf.

(Sie schreit:) Nein! Nein!

(Er stöhnt.)

Nein! Nein, nein...

Was soll denn das?!

Hör auf damit! Was kann er dafür, wenn du nicht aufpasst!

lch? Du hast doch gesagt: Noch ein bisschen!

lch habe gesagt: Pass auf, gleich kommt es, aber es war ja nicht.

lhr kriegt nie genug! lhr seid alle gleich!

Du denkst dir: Rein, raus, fertig. Aber dafür such dir eine andere!

Bei mir geht es nicht so fix, bis es klingelt.

Aber du nimmst keine Rücksicht.

Das Geheule kann ich nicht hören!

Geh doch zu deinen Zellen-Leitern, du Schlappschwanz!

lch werde andere Saiten aufziehen! Weiberkram!

Das sind auch solche Schnell-Spritzer wie du! Hau ab!

Nimm einen Fremd-Arbeiter, wenn du so geil bist!

Den Franzosen, der das Bier bringt! Der macht es dir besser!

Für mich ist Liebe etwas anderes als nur Sauereien.

lch gehe lieber zum Karten-Spielen. Da weiß ich, was mich erwartet.

(Zarah Leander singt:) "Kann die Liebe Sünde sein..."

Du Giftzwerg!

Du übergeschnappter Gnom!

Du gehörst in die Klapsmühle! Drecksau!

(Sie weint.)

Es ist ja nicht so gemeint.

Au!

Du bekommst dein eigenes Zimmer! Er wird bald 1 7.

lm Osten geht es stramm vorwärts! - Ja.

Leningrad fällt bald!

Kiew ist wichtiger, wegen des Erdöls!

Es geht viel schneller als 1 91 5, als ich dabei war.

Am wichtigsten ist Moskau!

Alfred, schneide die Gans auf!

Wenn wir die Großmutter nicht hätten!

Für Gänsebraten sind die Kaschuben immer noch gut genug!

Wenn ich nur dabei sein könnte!

Leider braucht man mich an der Heimatfront!

Moskau muss vernichtet werden.

Sonst müssen wir diese Menschen im Winter ernähren. Das weiß Hitler.

Mein Herbertchen musste auch an die Front.

lch nehme an, ins Straf-Bataillon. (Er lacht.)

Die Feinde aushungern! Dann ist der Krieg vorbei. Brust oder Keule?

Keule!

Sehr schön kross!

(Gast:) Die Völker Europas an unserer Seite! Der tapfere Finne...

Keine Gans ohne Beifuss!

Die Ungarn, die Rumänen! - Ein herrliches Tauf-Essen!

Auf den Meeren stürmen wir voran! (Er singt:) "Denn wir fahren..."

Greff, keine Gans? - Nein, kein Fleisch.

(Greff singt:) "Ein junges Volk steht auf zum Sturm bereit,"

"reißt die Fahnen höher, Kameraden!"

Prost!

(Das Baby weint ein bisschen.)

Jetzt hast du ein Brüderchen.

Wenn er größer ist, kannst du mit ihm spielen!

Der Sohn vom Fleischer ist auch gefallen.

Er hatte das Eiserne Kreuz 1 . Klasse. - Nein, 2. Klasse.

Nein, 1 . Klasse! - Nein!

Streitet doch nicht!

Kurtchen, mein Sohn! lmmerhin bist du doch mein Sohn!

(Kurtchen weint.)

Wenn du 3 Jahre alt wirst, schenke ich dir eine Trommel.

(Kurtchen ist sofort still.)

Und wenn du nicht wachsen willst, zeige ich dir, wie man das macht.

(Eine Frau:) Oskar! Oskarchen!

Komm doch rein, Jungchen!

Es ist kalt, du wirst dich erkälten!

Komm!

Komm in die Stube!

Komm!

(Jemand klopft.)

(Die Tür wird geöffnet.)

Herein!

Komm ein bisschen näher!

Willst du mit in die Federn? Da ist es warm.

Es ist so kalt hier. Greff heizt so schlecht.

Komm herein!

Mach schon!

Der Greff will sich abhärten.

Er liebt die Jugend, das Straffe.

Aber er liebt Jungs mehr als Mädchen.

(Sie singen:) "...hell zu den Dünen empor!"

lch habe kalte Füße!

(Greff:) Ein Pfadfinder friert nicht!

Schön warm hier!

(Kinderchor:) "Schwarzbraun ist die Haselnuss,"

"schwarzbraun bin auch ich."

"Schwarzbraun muss mein Mädel sein,"

"gerade so wie ich!"

(Chor singt:) "Es zittern die morschen Knochen"

"der Welt vor dem großen Krieg."

"Wir haben den Schrecken gebrochen,"

"für uns war's ein großer Sieg."

"Wir werden weiter marschieren,"

"wenn alles in Scherben fällt."

"Denn heute da hört uns Deutschland"

"und morgen die ganze Welt."

(Frau schreit.)

(Frau weint, schreit:) Hilfe! Oh mein Gott!

Erbarmung!

(Trompeter bläst Melodie zu "Es zittern die morschen Knochen".)

Bitte geben Sie mir ein Autogramm! - Eine Unterschrift, bitte!

Bitte schön! - Danke.

Darf ich Sie ebenfalls darum bitten?

Ach! Mein lieber Oskar!

Wie freue ich mich, Sie wiederzusehen!

lch wusste es: Wir sind zu klein, um uns zu verlieren!

Sehr gut! Sie sind nicht gewachsen!

Roswitha!

Darf ich vorstellen: Oskar, ein alter Freund, der Glas zersingt.

Signorina Roswitha Raguna.

Die große Schlafwandlerin!

Die Freude der Soldaten an allen Fronten und meiner alten Tage.

Sie wundern sich, mich in dieser Uniform zu sehen.

Das Propaganda-Ministerium bot uns an,

vor allerhöchsten Führungs-Gremien aufzutreten.

Diese schmutzige Politik!

Jetzt arbeiten wir für die kämpfende Truppe!

(Oskars Stimme ist nicht so laut wie früher.)

Ein Geschenk von Oskar!

Grazie, Oskarello! Sie haben Talent!

Wollen Sie sich uns anschließen? Was hält Sie noch hier?

Machen Sie bei uns mit! Trommeln Sie!

Zersingen Sie Biergläser, Glühbirnen, Champagnergläser!

Die deutsche Besatzungs-Armee im schönen Paris wird es lhnen danken.

Kennen Sie Paris? - Na also!

(Bebra:) Liebe Blei-Soldaten von Paris! Bebras Front-Theater spielt für euch

und singt für euch, hilft euch, den Endsieg zu erringen.

Zicke-zacke! Hoi! Hoi! Hoi!

(Clown:) Einmal in Paris! Einmal auf dem Boulevard...

Woran denkst du, Oskarello?

An die Röcke meiner Großmutter.

(Das Publikum klatscht.)

Und jetzt, verehrtes Publikum, zum ersten Mal in Frankreich,

eine Neuheit in unserem Programm:

Der Mann mit der Wunderwaffe, von der wir schon so viel gehört haben.

Oskar, der Trommler! Oskar, der Glas-Töter! Oskar!

Masel tov! Viel Glück!

(Die Leute klatschen.)

(Er schreit.)

(Das Publikum jubelt.)

Und nun, Signorina Raguna,

können Sie uns und dem verehrten Publikum mitteilen,

was das genaue Geburts-Datum des Oberleutnant Herzog ist?

1 1 . April

1 91 5.

ln Bremen.

Das stimmt genau. Auch der Geburtsort.

Applaus für Signorina Raguna!

Die große Schlafwandlerin!

(Raguna:) lch sehe, dass man ihm Champagner bringt!

Aber Sie werden ihn nie trinken!

Warum nicht? (Oskar schreit.)

(Sie spielen: "lst die schwarze Köchin da?")

(Bebra:) Jetzt alle zusammen! "lst die schwarze Köchin da? Ja..."

"Dreimal muss ich rummarschieren, das 4. Mal den Kopf verlieren,"

"Das 5. Mal komm mit..."

Flieger-Alarm!

(Sirenen heulen.)

Keine Angst! Dir passiert schon nichts!

Mio piccolo uomo.

(Die Clowns rufen:) Juhu!

(Sie lachen.)

(Bebra:) Sieg Heil! Sieg Heil!

lch melde: Keine besonderen Vorkommnisse!

Danke. Stehen Sie bequem!

"Keine besonderen Vorkommnisse." So geht das ständig.

lmmerhin Ebbe und Flut! Die Darbietungen der Natur!

Genau das macht uns Probleme. Deshalb bauen wir lauter Bunker!

Und Sie glauben an Beton? - Wir glauben hier an nichts mehr.

Richtig, Obergefreiter? - Ja, an nichts mehr.

Aber Sie mischen und stampfen! (Clown:) Holldero!

Oskar, schau, wie schön das Meer ist!

Habt euch, Kinder, küsst euch! Heute besichtigen wir Beton,

und schon morgen knirscht euch Beton zwischen den Lippen,

nimmt euch die Lust am Kuss.

"lst die schwarze Köchin da? Nein, nein, nein!"

"3-mal musst du rummarschieren, das 4. Mal den Kopf verlieren."

"Das 5. Mal komm mit! lst die schwarze Köchin da?"

"Ja, ja, ja! Da ist sie ja! Pfui, pfui, pfui!"

"Da ist sie ja!"

(Clown:) Fein! Picknick im Freien!

Es ist die Natur, die uns den Appetit anregt!

Das Grammophon! Machen wir Musik!

Echte Salami aus Ungarn! - Schokolade aus Holland!

Guten Appetit!

Lachs aus Norwegen! - Langt zu, Freunde!

(Vom Grammophon ertönt "La Paloma".)

(Er spielt ebenfalls "La Paloma")

(Bebra:) Wie uns die Seeluft gut tut!

Obergefreiter Lankes!

lch sehe da fünfmal was Schwarzes am Strand.

Das sind die Nonnen von Lisieux, die kommen manchmal bei Ebbe

und sammeln Muscheln und Krabben.

(Feldtelefon klingelt.)

(Nonnen lachen, Klaviermusik ertönt.)

Hier Dora 7, Obergefreiter Lankes!

Bewegung im Vorfeld! Haben Sie Tomaten auf den Augen?

Das sind Nonnen! - Haben Sie noch nie etwas von der 5. Kolonne gehört?

Jawohl!

Der Strand wird geräumt! Sperrgebiet ist Sperrgebiet!

Sie sammeln doch bloß Krabben. lch kenne die.

Das ist ein dienstlicher Befehl! - Jawohl, Herr Oberleutnant!

(Schüsse und langsame Klaviermusik)

(Jemand klopft.)

Herein!

Was ist denn los?

Die Amerikaner kommen!

(Bebra:) Los, beeilt euch!

(Bomben gehen nieder.)

lch muss einen Kaffee trinken! - Wir müssen fahren, Roswitha!

Einen Kaffee, bitte!

Grazie!

Roswitha!

(Ein Clown singt:) "Ein junges Volk steht auf zum Sturm bereit,"

"reißt die Fahnen höher, Kameraden!"

(Oskar:) Roswitha, ich weiß nicht, wie alt du warst.

Ich weiß nur, dass du nach Zimt rochst und nach Muskat.

Allen Menschen konntest du ins Herz blicken.

Nur in dein eigenes Herz blicktest du nicht.

Bebra! - Lieber Oskar, wir Zwerge und Narren

sollten nicht auf Beton tanzen, der für Riesen gestampft wurde.

Tschüss!

Komm, Bub! Wir müssen weiter!

Auf Wiedersehen, Oskar! - Sei tapfer! Alles Gute!

(Clown singt:) "Ein junges Volk steht auf..."

Das Oskarchen!

Stell dir vor, Kurtchen! Oskar ist zu deinem Geburtstag zurück!

Dein Bruder wird heute 3 Jahre alt.

lch habe ein Geschenk für dich!

Darfst du die Uniform überhaupt tragen?

Wo warst du denn?

Wir haben dich überall gesucht. Die Polizei hat dich gesucht.

Wir mussten beeidigen, dass wir dich nicht umgebracht haben.

Jetzt bist du da!

(Matzerath:) lch mache dir etwas zu Essen, du bist sicher hungrig.

lch mache Wasser heiß zum Baden.

Wir hatten genug Scherereien wegen dir. Man will dich in eine Anstalt stecken!

Verdient hast du es ja! Läufst davon und sagst nichts!

(Mann flüstert:) Hau ab! Klepper-Mäntel!

(Maria:) Alles wird gut! (Matzerath:) Komm rein!

Heil Hitler, die Herren! - Heil Hitler.

Es gibt nicht Neues. Keine Ahnung. Auch wir sind verzweifelt.

Wir hörten, dass das abnorme Kleinkind gesehen wurde. - Hier?

lm Labesweg in Langfuhr?

Sie hätte es melden müssen, nicht irgendwelche Nachbarn.

Wir wollten doch laufend Kontakt halten.

Das Kind gehört in ärztliche Obhut.

Es muss auf jeden Fall von der Straße weg.

Das mag ja seine Richtigkeit haben, aber ...

Als Parteigenosse sollten Sie wissen,

wie wichtig dem Führer auch jetzt die Volksgesundheit ist.

Hier ist die Einverständniserklärung

für die Einweisung in die Pflegeanstalt Kohlhammer.

Das Kind kommt nicht nach Kohlhammer! - Herr Matzerath!

Eine kleine Unterschrift! - Auf keinen Fall!

Das musste ich meiner Frau am Totenbett versprechen.

lch bin der Vater und nicht die Gesundheitspolizei.

lch hab ja alles mitgemacht. Aber das nicht!

Das geht zu weit. lch bringe es nicht übers Herz.

Man kann doch nicht den eigenen Sohn ... - Aber alle sagen, er soll in eine Anstalt.

Die haben wahrscheinlich keine Kinder.

Beruhige dich. Du weckst noch das Kurtchen!

Du tust ja so, als würde mir das nichts ausmachen.

Aber wenn sie sagen, das macht man heute so, weiß ich auch nicht weiter.

Abgeholt haben sie schon viele. Zurückgekommen ist keiner.

Agnes hätte das nie mitgemacht oder erlaubt.

Sie war ja auch die Mutter und hoffte immer, dass es mit ihm besser wird.

Aber du siehst ja ...

Es ist nicht so gekommen. Überall wird er rumgestoßen.

Er weiß nicht zu leben und nicht zu sterben.

Kommt nicht in Frage!

(Er spielt auf der Trompete.)

(Trompetenspiel und leises Trommeln)

Beethoven war ein Genie!

(Draußen gehen Bomben nieder.)

(Jemand sucht am Radio einen Sender.)

(Klopfgeräusch)

(Matzerath:) Was haben sie nur mit uns gemacht!

Lass doch! Es ist aus. Endsieg! (Alfred lacht bitter.)

(Draußen gehen Bomben nieder.)

Alfred, mach das ab! Der lwan ist jeden Moment da!

(Eine Bombe geht nieder.)

Wo tu ich das hin? - Unter die Kartoffeln!

Lasst das liegen!

Hände hoch!

(Die Soldaten sprechen russisch.)

Nein! Nein! Nein!

Nein! Lasst mich!

(Lina schreit.)

(Lina schreit.)

(Maria schreit:) Alfred!

Hände hoch!

(Schüsse)

(Maria schreit:) Nein! Nein!

Papa!

(Maria schreit.) (Oskar:) Papa!

Papa!

(Russische Stimme aus Radio.)

(Fajngold spricht leise polnisch.)

Matzerath ...

(Fajngold spricht leise Polnisch.)

(Murmelt vor sich hin.) Ah, Matzerath!

Guten Tag! Entschuldigen Sie die Störung.

lst hier der Kolonialwarenhandel Matzerath?

(Fajngold spricht leise Polnisch.)

Und Sie sind sicher Frau Matzerath.

Ljuba, das ist die Waage! Eine echte Dezimalwaage!

(Fajngold:) Ein Petroleumtank. Eine Messingstange für die Wurst!

Und die Registrierkasse!

lch bin Herr Fajngold aus Lemberg.

Darf ich vorstellen: Das ist meine Frau Ljuba.

Und das sind meine sechs Kinder: Berek, Lew,

Jakob, Mendel,

Leon, und Sonia, mein Augenstern.

Das sind die Dokumente.

Anweisung: Wir sollen das Geschäft übernehmen.

Wenn Sie wollen, stelle ich Sie als Verkäuferin ein.

Sie könnten mit ihren Kindern bei uns bleiben.

Hier ist ja viel Räumlichkeit vorhanden.

Geht es da in den Keller?

Kann man da runtergehen? Wenn Sie gestatten?

Honig, Seife.

Palmolive! Dass es die immer noch gibt ...

Mehl sogar. Sehr gut! Der Herr Matzerath hat vorgesorgt.

Er muss ein ordentlicher Kaufmann sein.

Oh Gott!

Der Herr Matzerath?

Ja, das ist mein Mann gewesen.

(Fajngold ruft seine Familie auf polnisch.)

(Er spricht polnisch.)

Das ist der Herr Matzerath!

Er hatte seine Zeit.

Meine Frau und meine Kinder lagen auch alle so da,

bevor sie in Treblinka in die Öfen kamen.

Nur ich lebe immer noch,

weil ich Chlor, Karbol, Lysol gestreut habe.

lch war Desinfektor im Lager.

Ljuba, hilf der Frau Matzerath die Leiche zu waschen.

(Maria:) Fajngold!

Danke!

(Mann:) Beeilt euch! lch muss noch Stiefel besohlen.

Oh Gott, die Hand!

Das macht nichts mehr.

"lm Namen des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes."

"Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade..."

Kurtchen, schmeiß nicht mit den Steinen!

"Du bist gebenedeit unter den Weibern..."

Soll ich oder soll ich nicht? Du bist im 21 . Lebensjahr, Oskar!

Sollst du oder sollst du nicht? Ein Waisenkind bist du, Oskar!

lch soll, ich muss, ich will

wachsen!

Oskar!

Er ruhe in Frieden!

Kurtchen, was hast du getan!

(Maria weint.)

Ach Gott, nein!

Er wächst!

Was? - Er wächst!

Seht, wie er wächst! lch habe den Herrn gesehen!

Der Herr! Der Herr!

Seht, wie er wächst! - Was wächst?

Oskarchen!

Oskarchen!

So ist es nun mal mit den Kaschuben!

Die trifft es immer am Kopf.

Aber ihr geht ja nun nach drüben, wo es besser ist.

Nur die Oma wird bleiben.

Denn mit den Kaschuben kann man keine Umzüge machen.

Die müssen da bleiben und den Kopf hinhalten.

Damit die anderen draufhauen können.

Weil wir nicht richtig polnisch sind und nicht richtig deutsch.

Und die müssen immer alles genau haben.

Wollen Sie ... nicht meine Frau sein, Maria?

Wenn Sie meine Frau sind, werden Sie und die Kinder nicht ausgewiesen.

Das geht nicht.

Das hier ist futsch.

Und vorbei.

Nehmen Sie das mit auf die Reise!

Das ist Margarine und das Kunsthonig.

Und ein bisschen Lysol braucht man immer!

Danke.

Wir gehen zu meiner Schwester ins Rheinland.

lch verstehe. Mag besser sein im Westen.

Tut es dir weh?

Hoffentlich wird das kein Wasserkopf!

Mit 3 Jahren fiel er die Treppe runter und ist nicht mehr gewachsen.

Nun ist er ins Grab gefallen und wächst wieder.

Gehen Sie weiter!

(Frau:) Wohin geht der Transport?

(Oskar:) Babka!

Babka!

Babka!

Babka! Babka!

Babka!

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