All language subtitles for Ger Conversation With Juliette Binoche.2025.WEB-DL.srt - deu(2)

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Original subtitles

Guten Tag. - Guten Tag.

Wann begann Ihre Liebe zu der Schauspielerei?

Ich glaube, der Auslöser war,

als ich "König Ubu" von Peter Brook sah.

Im "Théâtre des Bouffes du Nord".

Als es vorbei war, war ich so begeistert von dem Stück,

auch von der Internationalität,

den Darstellern aus aller Welt, die mit starkem Akzent spielten,

und von dem Bühnenbild, das fast inexistent war.

Das Publikum stand am Ende, ich weiß noch, ich war oben im Rang.

Meine Mutter hatte mich eingeladen. Und diese unbändige Freude!

Da dachte ich: "Wenn man solche Freude hervorbringen kann,

dann will ich genau das."

Das war definitiv ein Moment, in dem ich das gespürt habe.

Welche Erfahrungen waren zu Beginn Ihrer Karriere bedeutsam?

Meine Eltern waren beim Theater, das war natürlich prägend.

Die Kulissen des Theaters,

die Lichter, die Gerüche, diese besondere Gemeinschaft

der Schauspielenden, diese "Familie",

die sich einer Kunstform verschreibt.

Davon war ich schon angezogen, als ich zwei Jahre alt war.

Meine Mutter hat Theaterunterricht gegeben.

Da war ich auch dabei.

Wir hatten so viel Freude in diesem Kurs.

Deshalb wollte ich diesen Weg weitergehen, diese Freude verfolgen.

Ich wollte diese Welt erkunden, die Stücke, die Autoren.

Das Erschaffen von innen und von außen betrachten.

Das hat mich fasziniert.

Mich hat vor allem die Lebensfreude daran begeistert.

"Rendez-vous" von André Téchiné war Ihre erste große Rolle.

Was fällt Ihnen ein,

wenn Sie an Ihre, man kann sagen, "Geburt" beim Film denken?

Ich habe daran sehr gute Erinnerungen,

obwohl manche Szenen doch recht brutal waren.

Es war extrem kalt, um die minus 20 Grad, und ich in Regenjacke,

in einem Rock und hochhackigen Schuhen.

Ich erinnere mich, wie ...

hart der Dreh körperlich war.

Und auch emotional. Und wie nah André mir die ganze Zeit war.

Er flüsterte mir Dinge zu, versuchte, uns eng zu begleiten,

uns Schauspieler, also auch mich.

Und was für ein Vertrauen er in mich hatte!

Mir meine erste Filmrolle zu geben, eine wichtige Rolle.

Das war eine Art Ritterschlag für mich,

genau wie das Festival von Cannes.

Das war alles neu für mich.

Ich lernte damals, was es heißt, als Schauspielerin "begehrt" zu sein.

Es ist fast schon verwirrend, "Rendez-vous" zu sehen,

denn der Film erzählt die Geschichte einer jungen Schauspielerin,

die ihren Beruf erst erlernt, also eine Bildungsgeschichte.

Sowohl im emotionalen wie im Theatersinn.

Gab es da zufällige Überschneidungen zu Ihrer eigenen Geschichte?

Als junge Schauspielerin? - Sicher, ja.

Sie haben immer wieder gerne Frauen gespielt,

die schöpferisch kreativ waren, künstlerisch tätig.

Interessieren Sie diese Rollen besonders?

Ja, ich glaube,

der Wunsch, etwas zu erschaffen, hat eine mystische Dimension.

Es ist ein spirituelles Bedürfnis, sich dem Schöpferischen zu nähern.

Um uns entstehen Dinge. Auch wir wurden erschaffen!

Was für ein Mysterium das ist!

Aus dem Bauch einer Frau zu kommen und ein Leben zu leben!

Und selbst kreativ zu sein, selbst kreative Künstlerin zu sein,

egal in welcher Form, das ist ein Mysterium.

Es bringt uns einem spirituellen Zustand näher.

Wie ich in meiner vorigen Frage andeutete:

Rollen wie die in "Rendez-vous", eine Schauspielerin.

Oder auch Rollen von Frauen, die an einem Punkt im Leben sind,

in denen sie Künstlerin, Forscherin, Kreative sind.

Ob in "High Life", als George Sand

oder in "Geliebte Köchin".

Was fasziniert Sie an den Rollen? Wie gehen Sie an so etwas heran?

Jede Rolle ist anders.

Weil auch meine Lebenssituation immer wieder eine neue ist.

Und auch die Menschen, mit denen man arbeitet ...

Regie, leitende Kamera, die anderen Darstellenden.

Jeder Film hat seine eigene Energie, seinen eigenen Mikrokosmos.

Deshalb weiß ich keine allgemeine Antwort auf die Frage zu Rollen.

Jede hat ihren eigenen Weg, ihre eigenen Herausforderungen.

Ich treffe eine Wahl. Manche Rollen bereite ich vor,

andere gar nicht.

Ich gehe auch danach, worauf ich Lust habe.

Man wählt Rollen auch je nachdem, wo das eigene Leben gerade ist.

Nennen Sie einem bestimmten Film, dann kann ich genauer antworten.

Wir kommen noch zu einzelnen Filmen, wie "Camille Claudel 1915".

Und so viele andere. Aber zurück zu "Rendez-vous".

Der Film ist einem anderen verbunden,

der auch ganz toll ist: "Die Wolken von Sils Maria".

Ja. - Aus mehreren Gründen.

Zum einen ist es auch ein Porträt einer Schauspielerin.

Sie spielen beide Rollen, und beide sind Filme von Olivier Assayas.

Er war auch Co-Autor bei "Rendez-vous".

Als der Film gedreht wurde, war er noch kein Regisseur.

Ihre Rolle Nina aus "Rendez-vous" taucht als Echo in "Sils Maria" auf,

denn Sie spielen eine Schauspielerin, die ein Stück ...

nochmal spielt, das sie einst gespielt hat.

Ein Stück, das sie mit 18 berühmt gemacht hat.

Waren das bewusste Parallelen?

Haben Sie mit Olivier darüber gesprochen?

Nicht unbedingt, dass er Téchinés Film Hommage zollen wollte,

aber ihn vielleicht "ausweiten", mit Ihnen.

Es gab auch "Ende eines Sommers". - Ja, natürlich.

Im Grunde war es so:

Ich war eines Sommers im Südwesten Frankreichs

im Haus meiner Großmutter.

Und mir kam diese Idee ...

zu einem Film mit drei Frauenfiguren.

Also verschiedenen Blickwinkeln.

Es war noch keine konkrete Idee, aber trotzdem war es irgendwie ...

Und ich dachte: "Wer könnte diesen Film machen?

Und für mich war das Olivier Assayas.

Mein Gefühl war, wir hatten uns bei "Ende eines Sommers" verpasst.

Er kam mir distanziert vor, es fehlte irgendwie ...

diese Nähe, die man sich oft mit einem Regisseur wünscht,

denn so ein Film ist eine Zusammenarbeit.

Es ist ein Austausch, man bespricht miteinander die Takes,

die Szenen, da entsteht wirklich etwas Lebendiges miteinander.

Es gibt eine Vertikalität, und zugleich taucht man ein ...

Das hatte mich etwas frustriert, ich rief ihn also an und sagte:

"Hier, das ist meine Idee.

Interessiert dich das vielleicht?" Und er sagte: "Hör zu.

Gib mir zwei Wochen.

Falls mir dazu was einfällt, melde ich mich."

Und genau zwei Wochen später rief er an: "Ich glaube, ich habe da was."

Der Film entstand also ...

Auf Ihren Impuls hin. - Ja, und zugleich auch,

weil Olivier offen ist und Herausforderungen mag.

Er reagiert auf das, was um ihn herum passiert.

Input von außen.

Die Tatsache, dass meine Rolle in "Rendez-vous" Schauspielerin war,

und dass ich Schauspielerin bin,

hat ihn als Thema gereizt, aber da ist noch so viel mehr.

"Sils Maria" verhandelt so viel.

Aber ja, in gewissem Sinne war da die Idee, eine Komödie zu machen,

ich meine: "Stolze Schauspielerin, die Probleme mit dem Altern hat".

Dieser Teil der Geschichte hat komödiantisches Potenzial.

Und zugleich sind da all diese Fragen zur Liebe ...

Der Film wirft vieles auf, auch unsere Beziehung zu Bildern.

Oder die Welt, in der wir leben. - Ja, ganz genau.

In "Ende eines Sommers", den ich auch sehr mag,

ich finde, einer Ihrer größten Erfolge,

geht es um Weitergabe, um die Rolle von Kunst und Kultur im Leben.

Es ist eine Familiengeschichte,

aber er ergründet auch die Veränderungen unserer Gesellschaft.

Sie sind toll in diesem Film, und was Sie sagen, erstaunt mich.

Ich hätte gedacht, der Dreh war genauso harmonisch und froh

wie der Film wirkt. Das Publikum mochte den Film sehr.

Ich fühlte eine Distanz zu Olivier, er nicht.

Das war nur meine Empfindung, so ist das manchmal.

Ich weiß noch, ich fragte oft: "Kann ich improvisieren?"

Und er war da sehr offen.

Ich hatte irgendwie das Gefühl, wir kleben zu sehr am Text.

Einer wartet auf die Antwort des anderen, und manchmal ist es da gut,

etwas freier zu spielen.

Charles Berling sprang auch sofort darauf an, und es gefiel ihm.

Das hat den Szenen wirklich Vitalität verliehen,

das war interessant.

Ich finde, Ihre Rollen haben Licht, eine Klarheit, ein Lächeln,

das zieht sich so durch,

diese Suche nach Leichtigkeit ...

Das freut mich jetzt aber.

Oft heißt es: "Sie spielen im ernsten Fach, Sie lieben Tragödien."

"Warum nicht mehr Komödien?"

Aber selbst in tragischen Filmen wie "Rendez-vous"

sind Ihre Figuren zwischen Schatten und Licht.

Ich meine ... Nein, ich finde, das verkörpern Sie ganz wunderbar.

In sehr vielen Filmen, und auch in Ihren Komödien.

Gibt das Genre der Komödie Ihnen denn etwas anderes?

Ich glaube ...

Man denkt nicht: "Jetzt Komödie". Das wäre meiner Ansicht nach falsch.

Komödie verlangt Ernsthaftigkeit.

Die Situation macht es komisch.

Oder weil man etwas überspitzt. Aber es muss was Wahres dran sein.

Eine Komödie, das heißt nicht ...

Wenn ich eine Komödie drehe, denke ich nicht "lustig". Das wird nichts.

Komödien erfordern vielleicht sogar größere Präzision,

was die Situationen und das Spiel betrifft.

Ich meine ... - Schon das Drehbuch.

Ja, das stimmt.

Es ist ein anderes Schreiben.

Und auch die Figuren reagieren anders ...

Bei Komödien geht es sehr ums Timing beim Spiel.

Zum Beispiel "Die perfekte Ehefrau" von Martin Provost.

Da war ihm besonders der Rhythmus wichtig.

Zurecht. - "Jet Lag" von Danièle Thompson!

Da erschaffen Sie wirklich eine Figur,

die sich über den Film verändert.

Im Grunde auch eine Tragödie. - Ja, ganz genau.

Ihr Schicksal ist auch pathetisch, aber diese Präzision!

Sowohl im Spiel als auch im Drehbuch.

Wir erwähnten bereits Assayas und Téchiné als wichtige Begegnungen.

Sie haben auch mit vielen anderen Großen gearbeitet,

zum Teil mehrfach.

Wie ist beispielsweise Ihre Beziehung zu Claire Denis?

Die haben Sie ja etwas später kennengelernt

und dann relativ zeitnah drei Filme hintereinander gemacht.

"Meine schöne innere Sonne", "High Life"

und "Mit Liebe und Entschlossenheit".

Diese Begegnung hat sehr schöne Filme hervorgebracht.

Ich finde, die drei Filme zeugen auch von der großen Vielseitigkeit

von Claire Denis. - Absolut.

Sie liebt es, ungewöhnliche Pfade zu erkunden

im französischen Film, man kann ...

fast sagen, ihre Handschrift ist international,

nicht typisch französisch.

Wie erlebten Sie diese Zusammenarbeit?

Es stimmt, die drei Filme sind sehr verschieden.

Bei "Meine schöne innere Sonne" kannten wir uns noch nicht.

Ich glaube, unter all dem lag immer Humor.

In all diesen Szenen

mit all diesen Männern im Verlauf des Films.

Ich mochte auch die Verbindung von ihr und Agnès Godard,

der Kamerafrau.

Sie haben dieses stumme Einverständnis ...

Die beiden gehen einen kreativen Weg zusammen,

ein großes Stück Leben und Film.

Es herrschte viel Freude am Set.

Wir hatten für den Film wenig Geld, mussten sehen, wie wir klarkommen.

Aber das Team war sehr enthusiastisch.

Und das trägt einen ungemein. Wie Wellen ein Boot.

Es war ...

Ja, ich würde sagen, Claire und ich haben uns wahrhaft erkannt.

Was "High Life" betrifft ...

Ich mag diesen Film sehr, weil ich finde ...

Zum einen ist es ein Blick auf unsere Gesellschaft,

die auch in ein "Schwarzes Loch" geht,

und Claire macht das über Humor, aber auch über Wahrheit.

Und ich mag, wie Claire arbeitet. Wie sie an Szenen herangeht.

Mit ihrem ganz eigenen Blick.

Immer auf der Suche nach Einstellungen, die sie liebt.

Sie muss sich in eine Einstellung verlieben.

Genau wie in ihre Figuren. Und das ist ...

Für uns als Schauspieler ist das tatsächlich wichtig.

Wir sind nicht einfach nur ...

Sie hat eine echte Beziehung zu dem, was sie filmt.

Und der internationale Cast von "High Life" hat mir auch gefallen.

Wir haben auch viel geprobt und diverse Übungen gemacht.

Astronomische Sachen ...

Es ist ein sehr körperlicher Film. - Ja.

Wir hatten schon Spaß.

Ich mag den Film sehr.

Der letzte Film war hingegen viel härter.

Es war wirklich zum Teil sehr belastend.

Das heißt, emotional sehr schwer für mich.

Und ja, ich war im Grunde enttäuscht darüber,

wie der Dreh verlief.

Aber so ist das im Leben von Schauspielenden,

von Regisseuren, Regisseurinnen, Filmarbeitenden.

Manchmal gibt es harte Momente.

Man muss ... nicht nur Widerstand leisten, sondern einen Weg finden,

die Rolle oder was auch immer zum Leben zu erwecken.

Und dabei nicht zu viele Federn zu lassen.

Kommen wir zu Bruno Dumont, den ich sehr mag.

Ich halte "Camille Claudel 1915" für einen wichtigen Film in seinem Werk.

Auch in Ihrem.

Er erzählt, wie Camille Claudel in die Psychiatrie kommt,

in der sie dann auch sterben wird.

Wie war die Zusammenarbeit mit Bruno Dumont?

War es eine echte künstlerische Begegnung?

Ja, eine künstlerische Begegnung, sicher.

Ich erinnere mich, dass Sie und ich uns in Berlin kurz begegnet sind,

und ich fragte etwas naiv: "Wie leitet Dumont seine Darsteller an?"

Und Ihre Antwort war: "Darsteller leitet man nicht an."

Das denke ich bis heute, nach 40 Jahren als Schauspielerin.

Was genau heißt das? Das ist interessant.

Meinen Sie, Ihre Art zu spielen kann etwas zu einem Film beisteuern,

was auch dem Regisseur unbewusst ist?

Es kann selbst uns Schauspielern unbewusst sein, also ja!

Kommt das vor? - Natürlich.

Ich bin selbst erstaunt, was da geschieht.

Ich verbinde mich mit einem Teil in meinem Inneren,

der sich öffnet: Und dann erscheint, was erscheint.

Aber ich "kontrolliere" mein Gefühl nicht, das wäre innere Manipulation.

So geht das nicht. Für mich ist es eine Art Alchemie.

Man konfrontiert sich, entweder mit einem Text ...

Oder einer Figur. - Ja.

Oder man konfrontiert sich innerlich.

Aber man wird auch immer selbst überrascht.

Man steuert das nicht.

Ich lasse in mir etwas aufleben,

das wirklich ist.

Mit reinem Willen bewegt man auch etwas, aber das ist nicht so schön.

Nicht so schön, wie wenn man ...

aus sich heraus spielt.

Ich glaube tatsächlich, die Basis dafür ist Demut.

Die Akzeptanz, nicht zu wissen. Und manchmal, es nicht hinzukriegen.

Zu akzeptieren, dass diese Dinge aus der Tiefe kommen.

Das mag vielleicht etwas seltsam klingen,

aber ein künstlerischer Akt kommt aus einer anderen Sphäre,

durch eine Verbindung, die uns nicht gehört, die wir aber wahrnehmen.

Und die man nutzen kann.

Indem man ... na ja, Erfahrung darin sammelt.

Da steckt auch viel Arbeit drin. - Natürlich.

Aber dann muss man das auch loslassen.

Man darf sich an den Bemühungen nicht festhalten.

An einem bestimmten Punkt muss der Wille abschalten.

Man muss loslassen? - Ja.

Heißt das, Sie empfinden sich bis zu einem gewissen Grad

als Autorin Ihrer Figuren?

Vielleicht auf eine andere Weise, als der Regisseur sie erschafft?

Ich meine, im Grunde erschaffen Sie ja diese Figur mit.

Sie prägen die Figur im Film, mit dem, was Sie spielen.

Aber absolut. Haben Sie Zweifel daran?

Gar nicht, aber manche Regisseure sind ja sehr bestimmend.

Ja, aber wissen Sie,

bestimmend ist zum Beispiel Michael Haneke.

Aber auch er weiß genau, welche Rolle Schauspieler haben.

Er ist sich dessen bewusst. - Schauspieler sind Künstler.

Sie sind keine Spielfiguren, sie sind eigene Persönlichkeiten,

mit ihrer Empfindsamkeit, ihrer Stimme.

In ihnen geht beim Spielen so viel vor.

Natürlich, Schauspieler verleihen einer Figur künstlerisch Leben.

Natürlich kommt dann noch der Schnitt.

Die gesamte "Konstruktion" des Films ist Regiesache. - Die Form.

Ja, der Cutter ist im Grunde nochmal wie eine eigene "Figur".

Ich meine ...

Es gibt Regisseure ... Aber man kann nicht verallgemeinern.

Nein. - Das ...

Sprechen wir über Michael Haneke.

Er mag perfektionistisch und kontrollierend sein,

aber er nimmt die Schauspieler sehr ernst.

Ja, weil er weiß, wovon er spricht.

Und er weiß um das Menschsein.

Er hat ja auch selbst gespielt. Er weiß, wovon er spricht.

Seine Darsteller sind nie "Marionetten".

Nie, nein.

Sie verleihen der Rolle Leben, aber er psychologisiert nicht gern.

Seine Filme sind sehr greifbar.

Verständlich. - Auch den Darstellenden zum Dank.

Kurz nochmal zu Bruno Dumont:

Nach "Camille Claudel 1915" folgte ein weiterer ganz besonderer Film:

"Die feine Gesellschaft".

Der Film ist eine weitere, für Dumont typische Überraschung.

Der Film ist poetisch, lustig, beunruhigend,

im Grunde vielleicht eine Burleske.

Sie spielen darin an der Seite zahlreicher bekannter Namen,

Fabrice Luchini, Valeria Bruni Tedeschi,

die eine sehr exzentrische Rolle spielt.

Ziemlich verrückt.

Haben Sie, was das Spielen angeht,

bei diesem Film Neues ausprobiert?

Bei "Camille Claudel" hatte Bruno kein Drehbuch.

Also er hatte eins, wollte es uns aber nicht zeigen.

Es war also schwierig, zu wissen, was ich eigentlich sagen würde.

Er meinte: "Keine Sorge, das kommt schon."

Im Restaurant sagte ich dann: "Erzähl' wenigstens die Geschichte."

Damit ich eine Richtung habe.

Also erzählte er mir die Geschichte,

und ich schrieb sie auf so eine Papierserviette, wie man sie kennt.

Das war in Saint-Rémy-de-Provence.

Ich schrieb mir also kurz auf, welche Etappen der Film durchläuft.

Und ...

Irgendwann sagte er zu mir:

"Es wäre schön, du improvisierst ... diese Szene mit Paul Claudel.

Und dass du auch improvisierst

in der Szene mit dem Arzt."

Ich meinte: "Aber ich spreche nicht wie Camille Claudel.

Ich bin nicht im selben Jahrhundert geboren, habe eine andere Bildung."

Also hatte er die Idee, ich solle ihre Briefe lesen.

Er hat mir also Briefe von Camille gegeben und sagte:

"So soll es klingen, aber improvisiert."

Ich meinte: "Ich soll mein Vokabular also mit dem von Camille verbinden?"

Er sagte: "Ja."

Also habe ich was geschrieben und ihm per Mail geschickt.

Meinen Mix, und er meinte: "Aber das Wort hier würde Camille nie sagen.

Und das hier auch nicht."

Ich sagte: "Du willst also exakt den Brief, aber improvisiert."

"Ja, genau!"

Das Paradox Bruno Dumont. - Genau.

Wir haben also gedreht, ich verzichte auf die gesamten Details,

aber ich erinnere mich, dass er im Dreh mal sagte:

"Ich langweile mich. Ich muss dir gar nichts sagen."

Er konnte also nicht der Pygmalion sein,

wie er es sich vielleicht vorgestellt hatte bei diesem Film.

Aber zugleich

verstanden wir uns sehr gut.

Ich meine, obwohl es schwierig war, ich habe echt gezittert.

Im ersten Monat des Drehs hatte ich schlimme Albträume.

Ich bin schweißgebadet aufgewacht, weil die Geschichte mich so umtrieb.

Ab der Hälfte hat sich das völlig gewendet.

Da war ich im Gegenteil fast euphorisiert

Camille zu spielen. Es bekam eine neue Richtung.

Sie waren Camille geworden? - Ja, ich hatte das Gefühl ...

etwas aufleben zu lassen.

So habe ich das empfunden.

Camille Claudel wurde ja "unsichtbar" gemacht.

Ja, und ... - Durch Sie lebte sie auf.

Camille Claudel hatte immer ins Haus Ihrer Kindheit zurückgewollt.

Und zwei Wochen nach dem Dreh, da spielte ich in Reims,

konnte ich tatsächlich die Familie von Camille Claudel besuchen.

Ich stand in Kontakt mit ...

dem Sohn oder Enkel ihrer Schwester.

Und ich konnte in Camilles Haus gehen!

Dort die Möbel zu berühren ... - Sie waren vor Ort.

Und die Treppen hinaufzugehen

und zu sehen, wo sie anfangs ihre Skulpturen gemacht hat,

als junge Frau, das war sehr bewegend für mich.

Und es stimmt schon, es gibt manchmal Begegnungen, die ...

die ein Leben für immer verändern.

Und bei "Die feine Gesellschaft", ich meine ...

Wir aßen damals regelmäßig abends im Restaurant zusammen,

Bruno und ich, wir sahen uns jede Woche.

Und schon wieder waren wir mitten in einer Tragödie!

Ich rief: "Nach Camille machen wir aber eine Komödie!"

Und er hat Sie erhört.

Ich weiß nicht, ob es deshalb so kam.

Jedenfalls drehten wir "Die feine Gesellschaft".

Bei der Kostümprobe war

die Kostümbildnerin echt genial,

sie hat eine Technik, die Sachen so vorzubehandeln,

dass man sie anzieht und es fühlt.

Sie reibt sie irgendwie ab, wie auch immer sie das macht.

Jedenfalls spürte man bei der Kostümprobe

schon die ganze Verrücktheit des Films. Die Farben, die Stoffe.

Ich erinnere mich,

bei einer Anprobe,

ich drehte noch woanders,

ich war im Kopf also meilenweit von "Die feine Gesellschaft" entfernt.

Und er rief: "Wie spielst du sie? Zeig mir mal was!

Wie spielst du sie?" - Und ich: "Keine Ahnung!"

Ich hatte fast Angst, er schmeißt mich raus.

So fordernd war er, er wollte unbedingt ein Ergebnis sehen.

"Weiß ich noch nicht."

Und zwei Monate später, als es dann losgehen sollte,

und ich war sogar früher am Set, was mir sonst nie passiert,

haben wir abends was gegessen, und er war total entspannt.

Er hat nicht eine Frage gestellt, wie ich am nächsten Tag spiele.

Und dann ging es los, und es war ein großer Spaß.

Haben Sie ... - Da sah ich auch zum ersten Mal ...

Regisseure sind doch oft in so einer schwarzen Box,

weil man bei Tageslicht sonst die Aufnahmen nicht gut sehen kann.

Da war er also drin, in seinem Häuschen, und ich sah,

während einer Impro mit Fabrice Luchini,

den ich dabei "störte", seinen Text zu sprechen,

ich habe da was ausprobiert und vor mich hingenuschelt,

weil meine Figur irgendwas ins Gesicht bekommen hatte.

Und Bruno kam aus seinem Häuschen raus

und prustete vor Lachen. Er konnte nicht mehr.

Sie brachten Bruno zum Lachen!

Ja, das war schon was.

Mit Leos Carax drehten Sie zwei bedeutende Filme

des französischen Kinos:

"Die Nacht ist jung" und "Die Liebenden von Pont-Neuf".

Zwei große Liebesgeschichten.

Wie haben Sie das als Schauspielerin erlebt?

Es war sicher intensiv, diese zwei Melodramen,

beide sehr poetisch, sehr geistreich.

Ich denke, beide Filme beeindrucken das Publikum bis heute.

Wie war diese Erfahrung?

Auch wieder ganz verschieden.

Bei "Die Nacht ist jung" ...

Mir gefiel, dass Leos und sein Kameramann Jean-Yves Escoffier

zusammen mit Alain Dahan, der damals erster Produzent war,

eine neue Art entwickelten,

na ja, einen Film zu machen.

Das heißt, über längere Zeit zu drehen,

man verdiente zwar weniger, arbeitete aber intensiver zusammen,

wodurch die Techniker besser "reinkamen".

Wir hatten ein riesiges Set zum Drehen,

das war ...

in der Banlieue, unser Set für "Die Nacht ist jung".

Ich hatte "Boy Meets Girl" gesehen und war fasziniert gewesen.

Ich war also sehr glücklich, bei dem Projekt dabei zu sein.

Und es war auch ein Abenteuer, mit dem Fallschirmsprung,

und dann der Heißluftballon und all diese Szenen.

Ich gehe nicht ins Detail, aber es war schon abenteuerlich.

Na ja, und ich wollte ihm unbedingt gefallen.

Ich wollte mich dem hingeben, was er suchte.

Im Grunde, ihm das geben, was er wollte.

Ich wollte, dass er mich akzeptiert, mich mag, mich filmt.

Das war an diesem Film besonders.

Und auch die Beziehung zwischen ihm und Jean-Yves war sehr schön.

Sehr berührend ...

Und auch der leitende Bühnenbildner

Michel Vandestien ...

Er hat ...

auch dazu beigetragen ...

zu dieser Filmkunst.

Ja.

Ich empfinde eine Nähe zwischen zwei Regisseuren,

mit denen Sie gearbeitet haben.

In zwei Meisterwerken, großen Filmen,

in Ihrem Werk und generell im Film.

Und zwar Krzysztof Kieslowski und Abbas Kiarostami,

die beide fern ihrer Heimat arbeiteten,

und nicht in ihrer Muttersprache, und doch zugleich

ihr kulturelles Erbe, ihr Land mit einbrachten,

ihre Lebensanschauung, Moral, ihre Lebensphilosophie.

Der eine kommt aus Polen, der andere aus dem Iran.

Ich denke, Sie haben ihnen viel gegeben.

Sie wollten mit Ihnen drehen.

Was haben Sie aus dem Kontakt mit diesen Künstlern mitgenommen?

War ihre Herangehensweise an Filme radikal anders in Ihren Augen?

Im Vergleich zu dem, was Sie kannten?

Ja, jeder ist anders. Es gibt keine allgemeingültige Art, zu filmen.

Das ist ja das Schöne daran.

Kieslowski wollte nur einen Take machen.

Ich musste kämpfen, um einen zweiten zu bekommen.

Bei technischen Problemen ja, aber nicht wegen uns.

Das hat mich sehr frustriert, und ich wehrte mich einigermaßen.

Dann wurde ich mitten im Dreh krank. Es war zugig am Set, das ist oft so.

Man baut an einem Drehort auf,

und alles ist ziemlich ungemütlich.

Man kann sich am Set immer schnell was einfangen.

Ich hatte also keine Kraft mehr, mit ihm zu diskutieren.

Der Film "Drei Farben: Blau" war für mich im Grunde ...

einfach und leicht.

Trotz des Filmthemas.

Ich verliere im Film mein Kind und meinen Mann.

Bei einem Autounfall.

Vielleicht war ich aber auch einfach bereit für den Film.

Ich glaube nicht, dass er viel vom Schauspielen verstand.

Manchmal habe ich deshalb etwas gefrotzelt.

Er ist ein Genie im Schnitt.

Ja, das stimmt. - Er sucht besondere Geschichten.

Besondere Erzählweisen.

Das ist seine Stärke.

Aber was uns Darsteller betrifft, da wusste er, ob ihm etwas gefiel,

aber der Weg dahin ...

Vielleicht wollte er deshalb nur einen Take machen.

Er interessierte sich mehr für Komposition und Form.

Ganz genau.

Einmal kam ich die Treppe runter und neckte ihn.

Wir machten wohl da mal einen zweiten Take,

und ich meinte: "Merkst du, was das verändert?"

"Nein, keine Ahnung."

Das war interessant für mich.

Zu verstehen, was er wahrnahm und was nicht.

Aber klar, am Ende macht jeder seine Arbeit.

Jeder hat seins.

Aber nein, ich ... mochte Kieslowski wirklich sehr.

Ich fand, er war ... ein sehr sanfter Mensch.

Er hatte die Intelligenz des Herzens. Das trifft es.

Er sagte oft: "Kurwa".

Irgendwann fragte ich: "Was heißt denn das?"

Das wollte er mir dann nicht übersetzen.

Wissen Sie heute, was es heißt? - Ja.

Und Kiarostami? - Kiarostami ...

Es war schön, wir waren in Lucignano in Italien,

dort drehten wir in einem Dorf, es war wie ein Filmstudio.

Ganz klein, wir drehten alles chronologisch.

Und vor Drehbeginn zeigte er mir

den ganzen Film auf Kassette, damals gab es noch VHS-Kassetten.

Er hatte ihn vorgedreht, mit seiner Assistentin,

mit seiner Übersetzerin Massoumé

und mit seinem Produzenten Charles Gillibert.

Er hatte also das ganze Drehbuch schon gedreht.

Mit diesen drei Personen, die das Drehbuch lasen.

Dann hatte er es geschnitten, und die Kassette hat er uns gezeigt.

Dem Schauspieler und mir. Wir sahen den Film!

Ein Demo. - Des ganzen Films!

Das war genial. Das erlebte ich zum ersten Mal.

Dass man den Film vor dem Dreh sieht.

Dadurch wusste ich, dass die Geschichte sich zuspitzt, verengt.

Sie endet im Schlafzimmer und im Bad.

Aber der Dreh war einfach.

Einfach. - Durchsichtig.

Ja, genau.

Die Suche nach der Liebe

ist ein wiederkehrendes Thema Ihrer Rollen.

Ein paar Filme haben wir ja schon angesprochen.

In "So wie du mich willst" von Safy Nebbou

spielen Sie eine Frau, die aus einer Depression in eine Liebeseuphorie

verfällt, mithilfe eines Fake-Onlineprofils.

Trotzdem ist sie sehr einsam.

Ihre Beziehung ist nicht real. Es ist ein Sumpf aus Lügen.

Sie spielen die Liebe und das Verliebtsein in allen Formen.

In verschiedenen Epochen und Orten.

Dieser Film ist sehr modern.

Und sehr treffend. Hat Sie das an der Rolle gereizt?

Als ich das Drehbuch gelesen habe,

war ich mittendrin in diesem Labyrinth.

Es ist auch ein Thriller. - Ja, es ist eine wahre Hölle.

Und diese Schizophrenie ...

Dass sie die Zeit, die vergeht, im Grunde verdrängt.

Der Film erzählt drei Geschichten.

Es ... gibt drei Geschichten, die da wichtig sind.

Alternativen.

Das hat mich fasziniert.

Ich fand das Drehbuch gut und hatte Lust darauf.

Wir sprachen von Künstlerinnen, Schauspielerinnen, die Sie spielten.

Aber wenn man sich Ihre Filmografie anschaut,

sieht man, dass es auch um den Platz der Frau in der Gesellschaft geht.

Der Frau im Beruf, in ihrer Profession.

Sie spielen Frauen verschiedener sozialer Schichten.

Ob Kosmetikerin, Hausfrau, Künstlerin oder Journalistin.

Inwiefern ist Ihnen wichtig,

den Bezug von Frauen zu ihrer Arbeit darzustellen?

Das bedenke ich von außen nicht so.

In einem Drehbuch ist es nicht der Beruf, der mein Interesse weckt.

Also was die Figur beruflich macht.

Mich interessiert ihr innerer Weg, ihre Verwandlung.

Was sie durchmacht.

Wie sie sich verändert.

Der Beruf selbst ist für mich zweitrangig.

Ich habe da also keinen "politischen" Ansatz.

Ich entscheide mich nicht aus politischen Gründen dafür.

Vielleicht eine bestimmte Bürgerschicht ... - Nein.

"Wie im echten Leben" erzählt

von einer Schriftstellerin, die sich einschleust,

um als Putzfrau zu erleben, was für ein Leben das ist.

Sie arbeitet von früh bis spät,

weil sie verstehen will.

Oder der Film, den ich mit John Boorman in Südafrika drehte.

Darin geht es um eine Frau,

die Journalistin ist, und die sich hineinbegibt

in den Horror der Apartheid.

Bestimmte politische Themen interessieren mich.

Aber nicht ...

Mich interessiert die menschliche Erfahrung.

Was in unserem Inneren geschieht. Das ist es.

Auch eine Form von Engagement. - Natürlich.

Schauspielen heißt nicht nur Text, es hat auch eine körperliche Ebene.

Vielleicht. - Zum Glück.

Ich habe den Eindruck, der Körper ...

die Choreografie der Bewegung, des Körpers,

ist in Ihrem Werk bedeutsam.

Sie haben ja auch getanzt.

Hat Sie das Körperliche früh begeistert?

Oder ist es eine sensiblere, tiefere Leidenschaft?

Welche Rolle spielt es in Ihrer Arbeit?

Leben heißt Körper.

Und in uns ist etwas, eine Seele.

Da ist Spannung, da ist Reibung.

Der Körper steckt voller Leben.

Da geschieht ein Austausch zwischen innen und außen.

Diese Begegnung von Körper und Geist,

die es echt macht, die wahrhaftig ist.

Beides gehört zusammen.

Wenn man nur "Geist" ist und den Körper vernachlässigt,

den Körper vergisst, dann hat man ein Problem.

Und wenn man nur "Körper, Materie" ist und den Geist vergisst,

dann genauso, beides muss sich begegnen.

Und als Schauspielerin bin ich genau am Herzpunkt dieser Fragen.

Wie stellt man dar ...

Wie stellt man im Spiel das Leben dar?

Also Gefühle, Gedanken und Empfindungen.

Und was ich mittlerweile verstanden habe, ist,

wenn man von der Empfindung ausgeht,

braucht man nichts weiter zu tun.

Weil die Empfindung spricht.

Sie ist es, die spricht. Sie macht es lebendig.

Aber der Geist, die Gedanken müssen auch in diesem Gefühl sein.

Und dann funktioniert es. Wie wir zu Beginn schon sagten.

Gedanken begleiten das Gefühl. Es ist nicht rein körperlich.

Ja, aber beides verbindet sich nur auf der Basis der Empfindung!

Dann "spricht" etwas aus uns. Etwas, das wahr ist.

Und dann versucht man nicht, irgendwas zu erzwingen.

Leistung zu bringen. - Genau.

Und das ist wirklich magisch.

Der Körper spricht, aber mithilfe des Bewusstseins.

Für mich ist das die hohe Kunst der Schauspielerei.

Das gilt für alle Formen der Kunst.

Nicht nur ...

In der Wissenschaft sicher auch.

Plötzlich begreifst du ...

Man entdeckt etwas,

weil der Körper und der eigene innere Antrieb

gewisse Höhen in uns erreicht haben,

so dass beides klickt und man etwas findet!

Der Körper versteht, und der Geist versteht.

Wenn Sie darüber nachdenken, oder eben auch nicht,

sehen Sie einen, sicher unbewussten, roten Faden,

was Ihre Rollen betrifft?

Ich habe wirklich keine Ahnung.

Und wahrscheinlich will ich es auch gar nicht wissen.

Es ist eben Ihr Leben, Ihre Begegnungen ...

Man täuscht sich schnell, wenn der Kopf zu viel analysiert.

Mir geht es um die Freiheit, "ja" zu einem Projekt zu sagen.

Weil ich neugierig bin oder etwas wagen muss und mich einlasse.

Oder weil die Arbeit mit dem Regisseur einfach toll sein wird.

Wie das Leben eben so spielt.

Dann ist das der rote Faden. Ihre Freiheit, zu entscheiden.

Ja, da gibt es kein System. Im Gegenteil.

Es geht um die Freiheit der Wahl, was ein Privileg ist.

Und doch ist jeder Film ...

eine ganze Welt, in der viel Arbeit steckt.

Und Verantwortung. - Ja.

Und diese Arbeit kann sehr unterschiedlich sein.

Denn manchmal tauche ich bewusst in einen Film ein,

ohne mich vorzubereiten.

Als Teil des Projekts. - Genau.

Ich fand zum Beispiel die Arbeit mit Hou Hsiao-Hsien ganz toll.

Daran dachte ich auch gerade, da gibt es keinen doppelten Boden.

Genau, aber was einen auffängt, ist seine Freude.

Seine Freude am Film.

Ja, sie war der doppelte Boden.

Und manches war extrem vorbereitet, wie das Set zum Beispiel.

Und zwar Monate vorher.

"Der rote Ballon?" - Bitte?

"Der Flug des roten Ballons?" - Genau.

Mich hat seine Detailgenauigkeit, was das Set angeht, beeindruckt.

Den Raum der Figuren.

Die Topografie des Films. - Das Set, ja.

Im Kühlschrank war alles, was hineingehörte.

Genau wie in den Schubladen.

Sowas war präzise vorbereitet.

Ich sollte Koffer mitbringen,

mit Dingen, die mir das Gefühl geben, bei mir zu Hause zu sein.

Er machte eine Aufnahme,

alles improvisiert, und zugleich ...

hatte alles ... seinen Platz.

Trotzdem große Präzision. - Ja.

Hat Ihnen Ihre Schauspielarbeit Lust auf Regie gemacht?

Nun ja, es ist schon seltsam ...

Wenn man spielt, wenn man Schauspielerin ist,

ist man immer Teil der Regiearbeit, man ist ja mittendrin.

Natürlich nur von einem bestimmten Teil der Regiearbeit, nicht alles.

Sie sind "Co-Autorin".

Ja, ich meine, so ein Film ist immer eine Gruppenarbeit.

Es ist kollektive Arbeit, auch wenn es einen Kapitän gibt,

der das Schiff steuert.

Ja, ich hatte Lust auf Regie. Alles zu seiner Zeit.

Natürlich.

Danke, Juliette Binoche. - Danke.

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