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(schwungvolle Klaviermusik)
(Paolo Conte singt „Via Con Me“)
(Song spielt weiter)
(Frau) „Name ist Schall und Rauch“,
heißt es bei Johann Wolfgang von Goethe.
Trotzdem wurden etliche Straßen nach ihm benannt.
In Deutschland gibt es allein 2114 Goethe-Straßen.
Die Plätze nicht mitgerechnet.
So auch in Bonn, der Geburtsstadt Beethovens.
Ludwig van, der Vorname.
Das ist die Adenauerallee,
benannt nach unserem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer.
Darauf folgt die Joachimstraße,
benannt nach dem Geigenvirtuosen Josef.
Dann kommt die Kaiserstraße,
zu Ehren deutscher Kaiser wie Wilhelm oder Friedrich.
Vielleicht auch Roland oder Franz.
Die Schumannstraße ist benannt nach Robert, nicht nach Clara.
Clara Schumann hat in Bonn
nur einen Weg auf der anderen Rheinseite abbekommen.
An jener Robert-Schumannstraße
biegt man dann schließlich rechts in die Goethestraße.
Hier, versteckt hinter Heckensträuchern
wartet eine Haustüre,
die schon die unterschiedlichsten Namen
hat kommen und gehen sehen.
(„Via Con Me“ spielt weiter)
(Mann) Ich komme. (Song klingt aus)
- Ja? - Zwei Tonno, eine Calzone.
(gedehnt) 12,50 Euro? Für eine Pizza Tonno?
- Was ist da drauf? Trüffel? - Thunfisch.
Ja, das weiß ich selbst.
Das italienische „il tonno“
hat seinen Ursprung im lateinischen thunnus.
Ja, der Thunfischbestand nimmt rapide ab.
Aber 12,50 Euro?
Das sind ja 25 Mark!
Ähm...
Denken Sie an die Armutsgrenze, die Flüchtlingskrise,
und Sie verlangen 80 Mark für drei Pizzen?
Gibt's eine Flasche Wein dazu?
- Die haben Sie nicht bestellt. - Ich mein ja auch gratis.
- Bei 80 Mark? - Du hast Pizza bestellt?
- Nein. - Was regst du dich auf?
- Sie haben nicht bestellt? - Natürlich nicht!
Geht ja nicht um Pizza! Es geht ums Prinzip!
Wiedersehen.
15 B ist nebenan.
Das bin ich, Elisabeth Berger-Böttcher.
Ja, ich trage freiwillig einen Doppelnamen.
Ich bin Deutschlehrerin am Gymnasium in Bonn-Beul.
„Ist Bacchus' Gabe...“
Ich leite die Lyrik-AG
und habe ein Programm für Schüler
aus finanzschwachen Familien entwickelt.
Wer weiß, wer Bacchus ist?
Ich war schon für Inklusion, als es das Wort noch nicht gab.
Ich unterstütze mit Fingerspitzengefühl
unsere Nachfolgegeneration dabei,
eigenständige und gemeinschaftsfähige
Charaktere zu entwickeln.
Justin, Jaden! Schluss jetzt! Strafarbeit für beide.
Wo ist jetzt dieser Scheißschlüssel?
Hast du in deinem Jackett geschaut?
- Hast du den da reingesteckt? - Warum sollte ich?
Wie soll er dann in meinem Jackett sein?
Das ist mein Mann. Stephan Berger.
Wir kennen uns seit der Grundschule.
Er ist Professor
für Neuere deutsche Literaturwissenschaften.
Er trägt Cordanzüge und Bart aus Überzeugung.
Das ist nicht komplizierter,
als das Reimschema eines Sonetts zu erkennen.
Nicht wahr, Herr Bode? (alle lachen)
Bitte! Bitte, meine Herrschaften.
Er sorgte mit seiner Abhandlung
über Heinrich Bölls Frühwerk in der deutschen Nachkriegszeit
für Aufsehen.
Ob es auch ein Prüfungsthema wird?
Das werden Sie dann noch sehen, nicht wahr, Herr Bode?
Er gibt in Moskau jährlich ein Blockseminar
über das Spätwerk Thomas Manns.
(spricht russisch)
Als gefragter Vortragsredner
ist er für das Goethe-Institut um die Welt gereist.
(spricht russisch)
Ich bewundere Stephans Scharfsinn.
Seine Fähigkeit, auf der Suche nach Antworten
die richtigen Fragen zu stellen.
Wo ist der denn, verdammte Scheiße?
Und seinen unbändigen Kampfgeist.
(schnaufend) Ich geb's auf.
(Telefon klingelt)
- Gehst du? - Ich muss zum Hähnchen.
Ist doch sowieso für... (klingelt weiter)
...dich.
- Deine Mutter! - Geh halt ran!
(klingelt weiter)
(prustet aus)
- Dorothea. - Stephan. Gibt's was Wichtiges?
Die Rosenthals haben sich angemeldet.
Das ist meine Mutter, Dorothea.
Nach Papas Tod dachten wir, ob sie nicht vereinsamt.
Aber nach ihrem Umzug in die Berge blühte sie richtig auf.
Seitdem ist sie busier, engagierter und entspannter,
als wir es uns je erträumt hätten.
Einer von euch hat mich angerufen.
Ja. Sabeth...
Sie kocht irgendwas Indisches.
Der Nachteil daran ist, dass sie viel zu erzählen hat,
und jeden Tag mit mir telefonieren will.
- Sabeth! Deine... - Ja?
Deine Mutter.
Danke. Mama?
- Ähm, du warst doch in Indien. - Ja, aber nicht zum Kochen.
Ingwer hab ich drin. Aber jetzt ist irgendwie...
Irgendwie fehlt noch der letzte Pfiff.
(Dorothea lacht)
Bei indischem Essen? Pfiff?
(seufzt tonlos) Hast du's mit Curry probiert?
Curry ins Curry? Das ist jetzt wirklich genial.
Aber mal was Erfreuliches.
Wir brauchen nur noch 258 Unterschriften,
und dann können wir den Bürgerentscheid beantragen.
Mhm... (Dorothea atmet tief durch)
Mama, nimmst du Drogen?
Sei nicht so spießig. Ich kiffe nur.
Das ist immer noch illegal!
Aber nicht, wenn man es auf Rezept kriegt.
Solltest du auch mal probieren.
Mhm.
Ich verstehe das nicht.
Ausgerechnet
die ländliche Bevölkerung will keine Flüchtlinge.
Die ganzen Zuschüsse...
Ich muss mich ums Essen kümmern.
Ideologisch hängen die hier noch in den Neunzigern.
Sechzigern. Manche in den Dreißigern.
Mama, das ist wahnsinnig informativ,
aber ich muss den Tisch decken.
- Die kommen jeden Moment. - Warte.
Frag Thomas, wann die kommen.
Seine Assistentin ist so unkoordiniert.
Ja, mach ich! Tschüss, hab dich lieb.
Was machst du da?
Man nennt das Ablenken.
Könntest du das auch, indem du den Tisch deckst?
Die linke Hirnhälfte setzt aus, und Zack!
Fällt einem ein, wo der Scheißschlüssel ist.
(Türklingel)
- Ach! - Bin ich zu früh?
- Nein. - Goldrichtig.
- Zum Gruße. - Wusste ja nicht, was es gibt.
Was Indisches.
- Zum Glück passt Rosé immer. - Ja.
Was Indisches... Ein Curry?
- Frag mich nicht. - Wo sind die Kinder?
- Bei meinen Eltern. - Oh, wie schade!
Ja, genieß einfach die Ruhe.
Mmh... Wie das duftet!
René König.
Als Waage mit Aszendent Waage
ist er ausgeglichen und sanftmütig.
Nie verlassen ihn die Nerven.
Er braucht ein ruhiges Händchen.
Er spielt Klarinette im Beethoven Orchester Bonn.
Klopf, klopf! Jemand zu Hause?
Hallo!
Sind das Strähnchen? Steht dir!
- Hab ich das nicht erzählt? - Keck!
Du bist der Erste, dem es auffällt.
Nee, mir ist das aufgefallen.
Ich wollt jetzt nur nicht sofort...
Warst du bei Sascha? Woanders gehe ich gar nicht mehr hin.
Ich auch nicht mehr.
René und ich sind die besten Freundinnen.
Das ist 'ne Wimpernwelle
- Was? - Ja!
Nach dem Tod seiner Eltern nahm meine Familie ihn auf.
Wir machen fast alles zusammen.
René ist sehr sensibel
und er hat immer ein offenes Ohr.
...und er kann es nicht verwinden...
Er weiß alles über mich und ich über ihn.
Er ist wie eine Schwester.
Was machst du denn da?
Elisabeth hat den Schlüssel vom Gartenhaus verschlampt.
- Braucht ihr den? - Nein. Es geht ums Prinzip.
- Und wenn ich ihn finde? - Bin ich ewig dankbar.
- Wie war München? - Gut. München halt.
Die haben mir eine Stelle angeboten.
- In München? - Mhm.
Die Symphoniker. Ihre Klarinette hat Burn-out.
Aber das ziehst du nicht in Erwägung?
Ist ja nur ein Angebot.
München ist viel zu weit weg!
So weit nun auch wieder nicht.
Das hast du bei Kanada auch gesagt.
Also München ist viel näher als Toronto.
- So viel näher auch nicht. - Noch ist nichts entschieden!
(Stephan) München. Das ja großartig!
Da bist du fast bei Dorothea.
- Da wärst du öfter bei ihr. - Stimmt.
(Türklingel) (Stephan) Na, wer das wohl ist?
- Hallo? - (Mann) Ich bin's, mach auf!
Zuerst eine klitzekleine Frage.
- Komm jetzt... - Wann wurde die BRD gegründet?
Ähm...
1945?
Also, Thomas, bitte!
Wirf das nicht mit dem Ende des Faschismus in einen Topf.
- Gut, machst du auf? - Klar.
Aber wer hat „Kabale und Liebe“ geschrieben?
Kleiner Tipp, Goethe war es nicht.
Also...
Thomas?
Thomas!
(schreien)
Das ist mein Bruder. Thomas Böttcher.
Er war kein guter Schüler, hat aber Karriere gemacht.
Er ist Makler
für Luxusimmobilien im Raum Köln-Bonn.
Er kennt nicht nur die größten Investoren,
sondern ist selbst aufgestiegen in den Rang seiner Kunden.
Das ist ein Blick!
Kein Wunder, denn Thomas kann selbst Eskimos Eis verkaufen.
Doch das Leben auf der Überholspur ist bald vorbei.
Seine Freundin Anna erwartet ein Kind.
Halt mal. (Handy klingelt)
- Oh, so was Edles. - Ein Kundengeschenk.
- Der ist zu schade. - Quatsch.
- Wo steht dein Jeep? - Das ist kein Jeep.
- Sondern? - Ein SUV.
Von Autos hast du keine Ahnung.
Mehr als du von Literatur.
- Und Geschichte. - Ja.
- Philosophie. - Ja!
Biologie, Kunst, Physik... (Thomas pfeift)
- Thomas! - Was machst denn du da?
Suche den Schlüssel vom Gartenhaus.
Gibt's Finderlohn?
- Mhm. Seine ewige Dankbarkeit. - Wie großzügig.
Warte mal, irgendwas ist anders.
- Es ist so leise. - Die Kinder sind nicht da.
Gott sei Dank.
- Und die Dicke? - Thomas!
- In der Küche. - Wo sonst.
(stöhnt) Diese Bildungsbürgertapete.
- Sag mal, Stephan? - Mhm?
Wie viele von den Büchern hier hast du gelesen?
Alle.
Alle?
Mehrfach.
(leise) Den trinken wir nicht heute.
- (Elisabeth) Hey! - Hey.
- Wo hast du Anna gelassen? - Die kommt nach.
- Die hat noch ein Casting. - Und?
- Und was? - Ihr wart beim Ultraschall.
Ach so, ja. Das.
- Ist was passiert? - (stammelt)
Wie soll ich sagen...
Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht.
Die gute Nachricht ist...
Es ist ein Junge.
- Und was ist die schlechte? - Er ist tot.
- Oh nein. - Was?
War ein Witz.
Mann! So was macht man nicht!
Alles gut. Was soll sein?
Ja, guck mal! Ganz der Papa.
Zeig, zeig, zeig!
Mein Neffe!
- Oh, nö... - Also ich erkenne gar nichts.
Oder ist das so ein Test,
wo man was hineininterpretieren muss?
- Stephan, mach die Augen auf. - Er ist reifer als der Vater.
Dorothea sagt, deine Assistentin ist unkoordiniert.
Dank Mama nimmt sie sich bald ein Sabbatical.
- Oh, er lässt koordinieren? - Bist du neidisch?
Wer koordiniert ist, braucht keine.
- Wann besuchst du sie? - Weiß ich nicht.
Vielleicht will René ja mit?
- Er zieht nach München. - Ach!
Ist noch gar nichts entschieden.
Also, Mama fragt echt ständig!
Dann sag ihr doch,
das Wochenende vom 32. auf den 33. November sieht gut aus.
Thomas, sie will euch sehen, bevor es so weit ist.
Mach mir kein schlechtes Gewissen.
- Sie hat viele Sperrtermine! - Die Berge tun ihr gut.
Vielleicht überspielt sie auch nur, wie einsam sie ist?
Wo ist die einsam?
Zwischen Volksbegehren, Charity und den Rosenthals
ist kein Platz mehr in ihrem Kalender.
- Warten wir auf Anna? - Nee.
Seit sie raucht, isst sie sowieso kaum noch was.
Wie bitte, sie raucht?
Ja... Was soll ich sagen?
Pränataler Stress.
Sie hat mit der Schwangerschaft angefangen.
Das schädigt das Wachstum.
Er kann froh sein, wenn er mit 18 an den Lichtschalter kommt.
Kleine Menschen haben beruflich viel weniger Erfolg als große.
Ach!
Und was ist mit Gerhard Schröder, Putin...
Oder Tom Cruise?
Er wird kein Schauspieler. Und kein Politiker.
Vielleicht ja Trommler?
Blech-Trommler.
Oskar Matzerath?
„Die Blechtrommel“? Günther Grass? Hallo?
(stöhnt)
Welches Klischee erfüllst du eigentlich nicht?
Ein Junge also.
Ja!
Habt ihr schon einen Namen?
- Natürlich. - (alle) Ach!
- Ratet! - Och, nö...
- Och, doch! - Warten wir auf Anna.
Nee, nee...
- Ratet. - Aber nicht Paul, wie Papa?
- Das wäre ja langweilig. - Ein klassischer Name.
Die sind ja wieder im Trend.
Friedrich?
Karl?
Falsch. Wir gehen nicht nach der Mode.
Versetzen wir uns in ihn hinein.
- Was er mag... - Mercedes?
- Das ist weiblich. - Geht's nach der Mutter?
Marlboro? (alle lachen)
Das ist leider gut. Aber falsch.
Wird das noch was?
Da muss was nicht in Ordnung sein.
Scheißkorken.
- Max? - Nee. Nee, das ist zu häufig.
- Luca? - Es wird ein Junge!
Geht für Jungen und Mädchen. Ist sehr beliebt.
Ja, es wird ein Junge.
Also männlicher?
Ivan? Wolfgang? Manfred?
- Manfred? - Ja, Leonard? Matthias?
- Nein. Nein. - Wie Kästner?
- Erich? - Eben nicht! Emil.
Wenige wissen, dass er Emil Erich...
Weder wie Kästner noch wie die Detektive.
Heinrich? Henry?
Nein. Nein, nein.
Donald? (prustet laut los)
Das wär’s.
Warum nicht?
(die beiden lachen schallend weiter)
Gib uns wenigstens einen Tipp!
- Fängt mit A an. - A!
- A... A... - Ähm...
- Alexander? - Axel?
- Alois? - Amadeus?
- Aurel? - Ansgar?
- Nein. - Albert?
Kalt.
- Alfred? - Was sind das für Namen?
- Anton? - Nein.
Alexander?
Hatten wir schon.
- Adrian? - Kalt.
- Arved? - Nee, bekannter.
- Andreas! - Origineller.
- André? - Nee. Anders.
Ja...
Warum nicht?
In den skandinavischen Ländern...
Nicht Anders. Anders!
Ach so. (Klingelton)
Ich muss zu meinem Hühnchen.
Apropos, bringst du den anderen Korkenzieher mit?
Wehe, ihr wartet nicht auf mich.
- Das ist gar nicht so leicht. - Mhm.
- Arne? - Arnulf?
- Nein. - Ihr sollt auf mich warten!
- (die Männer) Ja! - (leise) Alfons?
Asterix?
Ähm, nee.
Aber es gibt schon einen historischen Bezug.
Ah!
Arthur.
Abraham?
- Alexander? - Nein, immer noch nicht!
Historischer Bezug, aber nicht Alex... ah!
Äh... (stottert)
- (stöhnt) - Was?
Der... Na!
- Attila? - Nein.
- Anatol? - Nein.
- Welche historische Figur? - Ja, na der Anatol.
Gibt's da nicht diesen berühmten Anatol aus...
Apollo?
Genau, Apollo 13. Houston, we have a problem.
Ja, dann weiß ich nicht... Augustus?
Nein.
- Artemis. - Du meinst Aramis.
- Wieso? - Artemis ist die Jagdgöttin.
- Und Aramis? - Ein Musketier.
- Wir nehmen Aramis. - Nein.
Dann sag's halt.
Adolf.
Sehr witzig. Komm, sag's schon.
- Adolf. - Sei nicht albern, raus damit.
Wieso bin ich albern?
Ha, ha, ha.
Wir haben sehr gelacht.
Ihr nennt euren Sohn nicht Adolf.
Wieso denn nicht?
Adolf.
Wie... Adolf?
Genau.
Echt jetzt?
- Ja. - Ja, aber...
Ja, was ist denn... Ihr...
Das ist doch nicht sein Ernst.
Richtig. Nicht mein Ernst. Sondern mein Adolf.
Ihr wollt euren Sohn Adolf nennen?
Wie Adolf Hitler?
- Bist du bescheuert? - Äh, sag mal...
Wir sind noch lange nicht bescheuert.
Tut mir leid, das ist aber bescheuert!
Ist das nicht verboten? Mit Sicherheit!
- Das kann ich mir vorstellen. - Wo ist mein Handy?
Wie ist noch mal euer WLAN?
Ha!
„Der Vorname Adolf ist in Deutschland prinzipiell...
nicht verboten.“
„Wie bei allen anderen Vornamen auch
obliegt den Standesämtern die individuelle Überprüfung
der jeweiligen elterlichen Beweggründe.“
Meine Beweggründe halten jeder Prüfung stand.
Das ist doch völlig egal!
Selbst, wenn man es darf... Man kann nicht! Gerade jetzt!
- Wie? Gerade jetzt? - Hallo?
Es brennen Asylunterkünfte.
Der Fremdenhass wird wieder salonfähig.
Und dann die Scheiß-AfD! Und du zündelst da mit?
Ja, eben nicht!
- Soll ich's dir erklären? - Was denn?
Ich hab's! Abraham!
Wie der Sohn von den Rosenthals!
Stimmt's?
Oh, ganz im Gegenteil.
- Ähm... - Das ist nicht das Problem.
- Du hast gekleckert. - Was? Nein. Ja. Auch.
- Völlig egal jetzt! - Was dann?
Du hast es gesagt.
Ja, er hat es gesagt. Leider.
Ich hatte dich gebeten zu warten.
- Elisabeth. Nicht das Problem! - Du hast gut reden!
- Dein Bruder... - Nee.
- Elisabeth... - Es interessiert mich nicht!
- Du willst es nicht wissen? - Nö.
- Ich sag's dir. - Ich höre nicht zu.
Bla, bla... Blumenwiese, Blumenwiese...
Hör auf.
Blumenwiese, Blumenwiese...
- Es reicht! - Blumenwiese!
Adolf! Hörst du? Adolf!
Er nennt seinen Sohn Adolf!
- Was? - Dein Bru...
Dein Bruder wird seinen Sohn
auf den klangvollen Namen Adolf Böttcher taufen.
- Äh, nein. - Nein?
- Nicht? - Was denn nun?
- Du verarschst uns doch? - Ich lass ihn nicht taufen.
Er soll später selber entscheiden.
Das erste Mal nach '45, dass Gott und Hitler
in einem Atemzug genannt werden.
Zumindest in meinen Kreisen.
Eine Taufe gehört dazu.
Hör auf mit der Taufe! Er nennt seinen Sohn Adolf!
- Stephan! - Was bist du so aggressiv?
Der nennt seinen Sohn wie Hitler, und ich bin aggressiv?
Das kannst du ihm nicht antun!
- Als ob das ein Verbrechen ist. - Gegen die Menschlichkeit!
Wenn wir wenigstens einen Adolf in der Familie gehabt hätten.
Dann hieße er wie sein Uropa. Aber einfach so?
Der ist für sein Leben gezeichnet!
In der Schule? Die Lehrer, wie sollen die ihn ansprechen?
Mit seinem Namen?
Überleg doch mal!
Der wird doch den ganzen Tag gehänselt.
Nee, wirklich nicht!
Nee... Ich nenne ihn anders.
Ach ja. Und wie, bitte sehr?
Keine Ahnung. Ich gebe ihm einen Spitznamen.
Was denn für ein Spitzname?
Ich dachte da so an... Knirps.
- Knirps? - Ja, genau.
„Knirps, komm, das Essen ist fertig.“
Der ist doch kein Regenschirm!
Ich habe meinen verloren, das hat mich geärgert.
Gut, nun muss man deinem Knirps erklären,
dass es noch einen Knirps gab, der Polen überfallen hat.
Und damit muss man ihn dann an das Thema heranführen.
Du wirst meinen Sohn nennen, wie er heißt.
Nämlich Adolf.
Wie den größten Massenmörder aller Zeiten.
Es hat auch andere gegeben.
Aber dein Adolf kommt nach dem Adolf,
der dem Namen
seinen ganz eigenen Touch gegeben hat!
Deshalb macht ihn der Name zu einem politischen Menschen!
Er setzt sich mit der Vergangenheit auseinander.
- Der wird Nazis hassen. - Oder ihr neuer Führer.
(lacht unterdrückt)
Das ist nicht witzig!
Ein bisschen schon.
Guck mal, hebt der nicht sogar den rechten Arm?
Lass das Kind in Ruhe! Es kann nichts dafür.
Vielleicht wenigstens mit PH?
- Adolph mit PH? - Ja!
Damit er sich absetzt von dem Adolf mit F.
Elisabeth! PH!
Das macht doch keinen Unterschied!
PH!
Katastrophe!
Philosophe!
PH!
Adolf F und Adolph PH,
das sind Homonyme mit derselben Bedeutung!
Endlösung!
Warum nicht mit Accent aigu? Adolphé!
Übertreib doch nicht so, Stephan.
Genau! Übertreib doch nicht so, Stephan.
PH!
Danke für die Argumentationshilfe.
- Wann wollen wir essen? - Hm?
(leise Jazzmusik)
(René) Mmh!
Willst du noch ein paar Kerne?
Da hast du dich selbst übertroffen, Elisabeth.
- Und das sind Kundengeschenke? - Bin eben beliebt.
Deine Studenten schenken dir so was nie.
Sei nicht traurig.
Du bekommst was Wertvolleres.
Ihre Aufmerksamkeit.
Sag mal, Stephan, hab ich dich da richtig verstanden?
Du denkst, der Name ist schuld, dass Adolf so geworden ist?
- Geht das jetzt wieder los? - Ich...
- Kannst du das wiederholen? - Geht das jetzt wieder los?
Nee, nicht du.
Du denkst, der Name ist schuld, dass Adolf so geworden ist.
Können wir einfach in Ruhe essen?
Lass deinen Bruder ausreden.
Ich bin gespannt.
Hitler ist nicht so geworden, weil er so hieß.
Wenn er Peter Müller geheißen hätte,
wäre er auch so geworden.
Man hätte nicht „Heil Hitler“, sondern „Heil Meier!“ gerufen.
Ja, aber Mama Hitler und Papa Hitler
haben ihren Sohn Adolf genannt,
und nicht Klaus, Peter oder Knut.
Und was ist mit den anderen berühmten Adolfs?
- Als da wären? - Adolf...
- Adolf... - Grimme?
Grimme. Adolf Grimme.
Seine Eltern haben ihn auch Adolf genannt
und keiner lehnt den Grimme-Preis ab.
Er hat auch niemanden massakriert.
- Deshalb nehmen wir den Namen! - Wegen Adolf Grimme?
Weil wir positive Beispiele brauchen!
Mein Adolf hat eine Mission! Der ist wie Gandhi!
Sein Name ruft friedlich und ohne Gewalt in die Welt:
„Hitler, du hast Deutschland alles genommen,
nur nicht den Namen!“
Hast du gerade Gandhi mit Hitler vergleichen?
Warum nicht?
Mein Adolf tritt gegen deinen in stillen Protest!
Was? Mein Adolf?
Du redest von nichts anderem!
Hitler hier, Hitler da! Du bist besessen von Hitler.
Also das ist...
Das ist der größte Quatsch, den ich je gehört habe.
Nein, das ist gelebte Courage.
Ich schrecke vor Hitler nicht zurück.
Du machst deinen Adolf erst zu einer Ikone des Bösen!
- Du sprichst Hitler heilig. - Thomas, du übertreibst.
Ich spreche Hitler heilig?
Nicht nur du, ganz Deutschland.
Hitler beherrscht uns!
Auf jedem zweiten Spiegel-Cover: Hitler.
Überall Hitler. Und warum?
Ein Popstar, den Leute wie du am Leben erhalten.
- Leute, wie ich? - Ja.
Nicht rechte Populisten, nicht die alten Nazis,
nicht ausländerfeindliche Idioten.
Linke, die behaupten, gegen Hitler zu sein,
sich aber jeden Abend auf Phoenix
an seinen Verbrechen aufgeilen!
- Muss ich mir das anhören? - Ich gucke Arte.
Ich behaupte nicht nur, gegen Nazis zu sein.
Selbstverständlich!
Stephan, selbstverständlich,
aber das heißt doch im Klartext,
dass du nichts machst.
- Ich spende für Flüchtlinge. - Deine alten Anzüge.
Damit sie scheiße aussehen.
Respekt, Stephan. Vive la Resistance!
Aber du setzt ein Zeichen,
indem du deinen Sohn nennst wie den Obernazi?
Indem ich meinen Sohn Adolf nenne,
gehe ich den ersten Schritt,
um den Mythos Hitler zu zerstören.
Thomas, ich habe da mal 'ne Frage.
- Bitte. - Hast du Drogen genommen?
Die Nase gepudert?
Ich möchte deine Aussage nur einordnen.
- Stephan, das ist unsachlich. - Ich will ihn nur verstehen!
Ich räum jetzt ab,
bereite den nächsten Gang vor
und wenn ich zurückkomme,
dann sprechen wir über was anderes.
Was gibt's denn?
Curryhuhn.
Armer Knirps.
Es geht mich ja nichts an
und es klingt auch so,
als hättest du dir das wohl überlegt.
Aber willst du's dir nicht noch mal überlegen?
Adolf ohne Hitler wird es nie mehr geben.
Der Name muss also ausradiert werden?
So ist es.
Dann müsst ihr demnächst im Schwimmbad barfuß rumlaufen.
Hä?
Was tragt ihr denn im Schwimmbad?
Was soll das denn jetzt?
- Dings... Badelatschen. - Hm, Adiletten!
Ja. Meinetwegen, auch.
Und woher kommt das „Adi“ in „Adilette“?
Adolf Dassler, Gründer von Adidas.
Millionen Deutsche tragen Adolf an den Füßen.
Und nicht nur das!
Auf jedem Trikot unserer Nationalmannschaft
steht Adidas!
- Ist ein Argument. - Ein Scheißargument!
Da hat man keine Assoziationen zu Hitler!
Bei Adolf denkt man an nichts anderes!
Es geht darum, was die Leute denken?
Nein! Aber bei einem Namen wie Adolf schon!
Das heißt der Name Pumuckl wäre in Ordnung?
Pumuckl hat nicht halb Europa ausgelöscht!
- Mein Adolf auch nicht! - Stephan, Thomas! Contenance!
Adolf ist der Inbegriff für Verbrechen!
Du darfst deinen Sohn nicht Adolf nennen!
Der Name ist also verboten, obwohl er nicht verboten ist?
- Das... kann man so sagen. - Aha.
Gilt das auch für andere Namen?
Machen wir mal 'ne Liste.
Genau. Wir machen 'ne Liste.
Was Schindler konnte,
kann Böttcher schon lange.
Na, ich höre.
Fangt schon mal an.
Oder ist Adolf der einzige verbotene Name?
Können wir das Thema wechseln?
Nein. Wir machen Böttchers Liste.
Wir suchen einen neuen Namen. Hast du 'ne Idee?
Josef? Wie Opa? Klassisch, nicht zu verbraucht.
Mit F oder PH?
Josef geht nicht. Oder, Stephan?
Ich bin ja nicht so bewandert,
aber gab's da nicht einen Diktator?
- Stalin. - Ah! Ja, ja, richtig!
Josef Stalin.
Josef ist zwar auch der Name vom Vater Jesu,
aber der Josef gab dem Namen den ganz persönlichen Touch.
So geht doch deine Logik, oder?
Ja, das wäre das Prinzip.
Im Prinzip.
Also, tschüss Josef...
Tschüss... Erich!
- Und tschüss, Ben. - Ben?
Ich hab ja nicht studiert, aber in Italien,
da gab's doch auch mal so einen, oder?
Benito Mussolini.
Ha! Ja, ja, richtig.
Und wieder. Unzählige Tote.
Benito, Ben, Benedikt...
Unseren Papst hat's nicht gestört.
Ach so! Hitlers Gang.
- Tschüss, Heinrich... - Hermann.
Tschüss, Hermann.
Und noch mal tschüss, Joseph.
Was ist mit deinem Patenonkel, Fritz?
- Fritz Haarmann? - War das der Serienmörder?
- Mhm. - Ja, wie viele Opfer?
Um die 20? Um die 20.
- Immerhin ein Achtungserfolg. - Lächerlich!
Nee, sag mal, Stephan.
Ab wie vielen Toten ist ein Name für immer verbrannt?
Das ist mir zu blöd.
Dann machen wir doch weiter mit Serienmördern, oder?
Vorschläge?
Dann fang ich an mit dem Bekanntesten.
Jack the Ripper.
Jack geht nicht. Was ist die deutsche Form von Jack?
Hans.
Danke. Hans.
- Das ist ein schöner Name. - Weiter?
- Marc Dutroux? - René, mach doch nicht mit!
Sehr gut, René. Tschüss, Marc.
Ach so, ah. Was ist denn mit Terroristen?
- Andreas Baader. - René!
Andreas ist leider raus.
Da bleibt für Neugeborene nicht viel übrig.
Thomas. Ich glaub, wir haben's kapiert.
Rudolf?
(alle) Hess.
- Es ist deine Sache. - Eben nicht, Elisabeth!
Als Teil der Gesellschaft hat er eine Pflicht!
Er ist der Vater!
Aber du erzählst es den Rosenthals.
Ich kann's kaum erwarten. Die werden es verstehen.
Ich tue uns einen Gefallen.
Ja, das ist großzügig,
dass du uns vom Faschismus befreien willst.
Aber wenn du deinen Sohn Adolf nennst,
ist die Idee dahinter egal.
Er heißt Adolf. Wie Hitler.
Und alle anderen sagen: „Die Eltern sind Nazis.“
Punkt.
Ende der Diskussion.
Okay.
Meinetwegen.
Siehst du, er ist gar nicht so stur!
(Klingelton) Mein Hühnchen!
Gleich erklären wir René, warum er nicht nach München darf.
- Hast du eine Ecke im Auge? - Noch nicht.
- Wartet auf mich! - (Stephan) Ja!
(Thomas) Wir warten!
Ich bin gespannt, was Elisabeth gezaubert hat.
Ja.
- Wie soll er denn jetzt heißen? - (Thomas) Hä? Adolf.
Jetzt hör auf. Wir haben sehr gelacht. Also?
Adolf.
Aber du hast doch gesagt, dass du das nicht tust.
Nein. Du hast gesagt: „Ende der Diskussion!“
Und ich: „Meinetwegen“. Aus Rücksicht auf Lisa.
Dein Ausraster beweist doch, wie nötig das ist.
Und Stephan, das ist nicht nur so eine Idee.
Das ist der Beginn einer Revolution.
Ich kotze gleich.
Stephan!
René, welchen Menschen hasst du am meisten?
- Niemanden. - Irgendjemanden.
- Das würde ich so nicht sagen. - Gut, den du nicht magst.
Franz Schwertfeger, unsere zweite Geige.
Franz ist ein Arschloch-Name!
Wenn du den hörst, dann denkst du nicht an...
Franz von Assisi oder Franz Beckenbauer.
- Und nicht an Franz Schubert. - Nee, nee.
- (Stephan) Ts... - Hey.
Franz Schwertfeger radiert Heilige, Komponisten aus.
Weil er ein Arschloch ist.
Dann schafft es ja wohl mein Sohn,
Hitler von seinem Thron zu stoßen.
Hm?
- Was ist jetzt schon wieder? - Er ist wieder da.
- Oh, nee. - Franz Schwertfeger, sei Dank.
Versteh ich nicht.
Dann musst du mal hierbleiben!
Entschuldige, dass ich für euch koche!
- Sabeth! - Och, lass mich in Ruhe!
Das ist ein Rollenspiel.
Die können keinen Sex haben. Und die ficken jetzt.
Sabeth, es tut mir leid. Dein Bruder macht mich fertig!
Schönes Fräulein, darf ich's wagen,
meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?
Keine Goethe-Zitate in meiner Küche.
Scheißding.
(ruhige Jazzmusik)
Na, was geht?
- Ich bin drauf reingefallen. - Worauf?
Adolf.
Ich meine das ernst!
Ich hab's gesehen.
Du hast was gesehen?
Hitler, Adolf. „Mein Kampf, kritische Edition“.
Du hast es nicht ganz zurückgeschoben.
Fuck!
Fuck!
Aber, wie er sich aufregt!
(abgehackt) Der Name muss für immer ausradiert werden.
Aber kein Wort zu den beiden.
- Aber lügen werde ich nicht. - Ja.
Lass mich aus dem Spiel.
Wie soll er denn nun heißen?
Paul, wie Papa.
Paul. Da wird sich Dorothea freuen.
- Sabeth... - Lass mich in Ruhe.
Da hatten wir einen Moment unter uns, und er fragt mich:
„Mama, warum hat Papa Haare auf dem Busen?“
(alle lachen)
Ach, wie schön...
Das war es nicht wert, sich zu streiten.
Das finde ich auch. Gibst du mir noch was?
Was ist denn wert, sich zu streiten?
- Oh, bitte, Stephan. - Ich frage doch nur.
Was ist dir wichtig genug, um darüber zu streiten?
Vielleicht müssen wir uns ja nicht streiten.
- Hm! - Stimmt, da hast du recht.
Das müssen wir wirklich nicht.
Aber was bringt dich in Rage? Faschismus ja nicht.
- Darum ging es ja gar nicht. - Aha. Worum dann?
Na, um euch.
Der Name war doch nur ein Aufhänger.
Wer von euch bringt den anderen zuerst auf die Palme?
Ah.
Das Thema ist doch dabei egal.
Die Frage ist, womit spielen wir heute?
Abtreibung? Burka-Verbot? Gentechnik?
Jeder nimmt eine Position ein. Und die einzige Aufgabe dabei:
sein Gegenüber so richtig zu ärgern.
Ich würde meinen Sohn nie Adolf nennen.
Sage ich ja! Ist doch so.
Ihr spielt Talkshow. Mit Talkshowthemen.
Hauptsache, ihr zeigt,
wie wichtig man sich nimmt.
Äh, was?
Ich lass mich da nicht reinziehen.
(Türklingel) Na endlich.
Ist was?
Nein, iss nur in Ruhe weiter. Ich gehe schon.
So lecker.
- Hallo! - Sorry, dass ich zu spät bin.
Kein Problem. Kein Problem.
Das Essen ist noch warm.
Leg ab. Die Jungs sind mächtig in Form.
Oh! Mensch, der ist aber groß geworden.
- Und bewegt er sich viel? - Ja. Nicht zu knapp.
Schönes Kleid. Zieht man so was beim Casting an?
- Vorsicht, der Haken. - Es passt ja nicht mehr viel.
Ach, der Haken...
Ihr glaubt nicht, wen ich letztens zufällig
auf einen Hugo im Café Klecks getroffen habe.
(beide) Mario Petzold.
- Woher... - (Anna) Sorry!
Der Regisseur wollte ewig probieren.
- Wir haben schon angefangen. - Ich habe eh keinen Hunger.
Gut siehst du aus.
Selber!
Kein Gramm zugenommen!
- Willkommen! - Danke.
- Hast du zu mir nie gesagt. - Du hast ja auch zugenommen.
Das macht doch nichts. Ist doch fast wieder runter.
(Elisabeth) Nach fast sechs Jahren!
- So hab ich das nicht gemeint. - Das ist eine Typ-Frage.
Und ich bin der dicke Typ?
(Thomas) Nein, der normale! Der Richtige! Der Gesunde!
Das Essen sieht geil aus!
- Und du willst wirklich nichts? - Nein.
Auch kein Wein. Leider.
Na, wie geht's dir?
Die Castings sind krass stressig,
aber es geht voll voran.
Nimmst du noch Rollen an?
Das meiste ist für nach der Geburt.
Sie möchte schnell wieder arbeiten.
Toll, dass es so gut läuft.
Und mit drei Wochen kann ich den Kleinen
in die Krippe bringen und abholen.
Thomas übertreibt voll.
Als hätte ich so schnell meine alte Figur wieder.
Du hast noch bei der Geburt deine alte Figur.
Du bist so ein Charmeur.
Ich finde was zum Anfassen sinnlich, oder, Stephan?
- Das ist weiblich. - Hörst du?
Ja, das ist ja total lieb, aber Caster sehen das anders.
Pölsterchen haben noch nie geschadet.
- Pölsterchen? - Ja. Ich hab welche, ihr auch.
Nein.
Männer haben Fett, Speck. Eine Wampe.
Hast du auch Fältchen und benutzt Cremchen?
- Es ist doch Renéchen. - Stimmt.
Und wie pflegt ihr eure Haut?
Wir waschen sie.
- Willst nicht doch was essen? - Nein.
- Du isst doch für zwei. - Nein.
Nach allem, was man so hört,
wächst in dir ja eine Führungspersönlichkeit heran.
(Musik verstummt)
Was ist los?
Sie finden den Namen unseres Sohnes eher so...
suboptimal.
- Du hast ihn verraten? - Mhm.
Konnte nicht widerstehen. Er war so stolz!
Und ihr findet ihn nicht geil?
Nein, wir finden ihn nicht geil.
Schon allein, weil geil ein Unwort ist,
das nicht nur nichts mehr
mit seiner ursprünglichen Bedeutung zu tun hat,
sondern auch noch ein vulgäres Synonym ist,
mit sexueller Konnotation,
und die Geiz-ist-geil-Entwicklung
wiederspiegelt.
Und das nichts im Wortschatz
eines Menschen über 18 zu suchen hat!
Sie finden ihn nicht geil.
Schade.
Na ja, also wir waren ein bisschen überrascht.
Ich würde eher sagen entsetzt.
Das tut mir krass leid.
Also, wir dachten, die Anspielung gefällt euch.
(Stephan) Die Anspielung?
Genau die hat uns nicht gefallen!
Hm?
Ich glaube, das ist ein Missverständnis.
Lass mal.
Wie kannst du uns so was ins Gesicht sagen?
- Ich raff echt nichts mehr. - Thomas hat solche Ideen.
Aber dass du da mitmachst!
- Ja, der Name war meine Idee! - Echt?
Also...
Dass du dich nicht ganz so gut auskennst wie unsereiner,
Schwamm drüber.
Aber du musst doch wissen, was dieser Mann getan hat!
Ich bin ihm nie begegnet!
„Ich bin ihm...“ Jetzt hört euch die an!
Die sitzt hier.
Sag's ihr ins Gesicht.
- Anna... - Gerne.
Du beweist, was beim Bildungsauftrag schiefläuft.
Die Tussi hat sie nicht alle!
- (Thomas) Äh... - What?
Die Tussi hat sie nicht mehr alle!
- Thomas, es reicht! - Ja. Gut, ich...
Bist du zufrieden? Das kommt von diesem Kacknamen!
Für wen hältst du dich?
- Das hat er nicht so gemeint. - Er ist Professor!
- Er weiß, was er sagt. - Allerdings.
Ich kenne Wörter und ihre Bedeutung,
statt sie nur auswendig zu lernen.
- Fick dich. - Woah!
Der Klugscheißer kann mich mal!
Ich darf meinen Sohn so nennen, wie ich es will!
Eben nicht!
Und das von jemandem,
der seine Kinder Cajus und Antigone nennt!
Woah! Halt! Stopp!
Stopp. Es war ein Witz.
Es war ein Witz.
Schatz, ich hab erzählt, dass wir ihn Adolf nennen.
Deswegen regt sich Stephan so auf.
Es war nur ein Gag.
Er soll Paul heißen, wie Papa. Das meinte Anna. Okay?
Puh... Jetzt...
beruhigen wir uns alle...
setzen uns wieder...
...essen Hähnchen. Hm, köstlich.
Und lecker Nachtisch, oder Lisa?
Alles wieder gut.
Du musst drücken und ziehen.
- Gleichzeitig. - Warte.
Die war teuer.
Au!
Das war Absicht.
War's nicht!
Soll ich dir Eis holen?
Okay, ja, es war scheiße von mir.
Ich bin ein Arsch. Es tut mir leid.
Ich bitte alle um Entschuldigung, okay?
René, willst du uns nicht was vorspielen?
Nö.
Lisa, jetzt hilf mir doch mal.
Jemand Nachtisch?
Stephan?
Sagst du nichts dazu?
Was soll ich denn sagen? Wehgetan?
Raffst du nicht, dass uns das nur sagen sollte,
wie blöd die die Namen unserer Kinder finden?
Quatsch! Ich habe im Regal „Mein Kampf“ gesehen.
Das war ein Witz! Das ist alles.
- Wir haben uns totgelacht. - Er hat sich ja entschuldigt.
Thomas ja, Anna nicht.
- Ich hör nur noch auf Tussi. - Anna! Bitte.
Niemand wollte eure Kinder beleidigen.
„Das von jemandem,
der seine Kinder Cajus und Antigone nennt!“
- Warum hat sie das gesagt? - Was willst du hören?
Was ich über die Namen seiner Kinder denke.
- Exakt. - Sie findet die Namen toll.
Tatsächlich.
Ja.
Wir finden, Cajus und Antigone sind...
coole Namen. Echt.
Endlich.
Ich hab mich die ganze Zeit gefragt, wo es ist.
- Was? Wer? - Dein Gesicht.
Was ist damit?
Du machst es, wenn du was sagst, aber nicht meinst.
Ich mache doch kein Gesicht.
Ist dir das noch nie aufgefallen?
Okay, wir haben's verstanden.
Du hast dich geärgert,
aber irgendwann ist auch mal wieder gut.
Alter...
Wie lief denn dein Vorsprechen für diese Serie, Schatz?
Gar nicht, Schatz. Es war ein Theaterstück.
Wie lief dein Vorsprechen für das Theaterstück?
Das interessiert dich?
Natürlich interessiert mich das.
Ah, sonst fragst du auch nie.
Weil du immer so reagierst.
Weil du meine Karriere nicht ernst nimmst.
(stöhnt)
Was willst du sagen?
Welche Karriere?
Nein, das wollte ich nicht sagen.
Ich war auf einer international angesehenen Schauspielschule.
Und ich habe diesen Workshop in New York gemacht.
Den ich bezahlt hab.
Das war ein Geburtstagsgeschenk!
Trotzdem soll ich in Elternzeit gehen. Und du?
Ach komm, das hat doch finanzielle Gründe.
Ich würde gerne in Elternzeit gehen.
- Da war es wieder. - Was? Wer?
Dein Gesicht.
Natürlich mach ich es. Es ist mein Gesicht!
Okay.
Wie mach ich?
„Ich würde gerne in Elternzeit gehen.“
Ja, und wo ist das Gesicht? Ich kapier's nicht.
- Du machst auch kein Gesicht. - Also!
- Es ist eher so 'ne Schnute. - Schnute ist übertrieben.
Findest du? Aber es ist doch eher so ein...
Exakt.
Was?
Stephan, dein neuer Opel ist sehr gut.
(Stephan) Ja, genau.
Ist keine Schnute?
Gesicht bringt's mehr auf den Punkt.
- Pupsi, lass dich nicht ärgern. - Ich ärger mich nicht.
Cajus und Antigone sind coole Namen. Echt.
Ist gut getroffen.
Aber es ist auch wirklich süß.
Lacht ruhig. Steh ich drüber.
(schallendes Gelächter)
„Steh ich drüber.“
Wisst ihr, was dieses Gesicht sagt?
- Ihr könnt mich mal! - Oh!
Polizei, Polizei.
- Sei doch nicht so empfindlich. - Bin ich nicht.
- Ich hole den Nachtisch. - Ich helf dir.
- Gibst du mir den Topf? - Ja.
- Ich mach. - Kannst du dahin stellen.
Ach, das Gesicht war perfekt.
- Du solltest schauspielern. - Findest du?
In der 10. Klasse war ich in der Theater-AG.
Du hast doch immer so mit der Versform gekämpft.
Tadam, tadam, tadam. Da musste ich dich abhören.
Warum hast du nicht weitergemacht?
Ich hab mich nicht getraut.
Aber du warst süß.
Gibt's noch was zum Anpacken?
Du findest Cajus und Antigone also blöd.
Mann! Du weißt, dass das keine normalen Namen sind.
Das klingt nach... was weiß ich.
Nach Theaterspielplan.
„Heute große Premiere: 'Cajus und Antigone'!“
- Was verstehst du unter normal? - Was, weiß ich. Üblich?
Verbreitet. Nicht so originell.
Hm.
Und ist Adolf originell oder normal?
Mann! Langsam gehst du mir echt auf den Sack!
Diese sind originell, um originell zu sein.
Die sind wie ein Post-It auf der Stirn.
„Ich bin der Anti-Kevin. Meine Eltern sind sehr schlau.“
Paul Böttcher klingt nach Jeep und GQ.
Es ist immer noch kein Jeep.
Und es ist mir völlig egal, was die Leute denken.
Ganz im Gegensatz zu dir.
Du kriegst nicht mal mit,
dass deine Kinder aufs Maul kriegen,
weil sie so bescheuerte Namen haben.
Du bist ein pseudointellektueller Poser!
- Ich? - Mhm.
- Pseudointellektuell? - Und Poser.
- Besessen von meinem Image? - Zerfressen davon.
Von all deinen Witzen heute, war das mit Abstand der Beste.
Nachtisch.
Schmeckt unglaublich!
Dass ausgerechnet du das sagst. Du bist die Egomanie in Person.
Ich? Egoman?
Selbstbewusst, ja. Und sicher nicht perfekt.
Ich finde Thomas großzügig.
- Siehst du! - Och...
Nicht jeder durchschaut deine Egomanie.
- Danke. - Ich kann dir nicht folgen.
Du tust alles, um im Mittelpunkt zu stehen.
Kannst es nicht ertragen, wenn dem nicht so ist.
Das beobachte ich schon eine Weile.
Seit wann?
Schon sehr, sehr lange.
Und wann hast du das zum ersten Mal beobachtet?
- Hört ihr jetzt bitte auf? - Wieso? Wie lange?
René, sagst du auch mal was?
- Wann? - Danke!
Mit Jackie hat alles angefangen.
Dem Hund von Tante Ulla.
Dem Hund von Tante Ulla.
Du weißt genau, wovon ich spreche.
Tante Ulla hatte einen Terrier.
Der neurotische Köter Jackie war ihr das Allerheiligste.
- Eine Art Kindersatz. - Ein süßer Hund.
Aber total verblödet. Sie hat ihn irre verhätschelt.
Ein heißer Tag im Spätherbst. Wir waren am Rhein.
Die Erwachsenen tranken Bier. Uns war langweilig.
- (Anna) Wie alt wart ihr da? - Ich war so dreizehn...
- Er vierzehn, ich neun. - Ach? Du erinnerst dich wieder?
Jackie kam immer wieder angekläfft.
- Kannst du dich erinnern, René? - Der hatte strubbeliges Fell.
- Und braune Ohren. - Wir warfen Steine ins Wasser.
Irgendwann habe ich gesagt:
„Wollen wir nicht lieber Stöckchen werfen?“
- Thomas fand die Idee doof. - (Thomas) Sie war doof.
Trotzdem hast du mich nicht abgehalten.
Anfangs ging auch alles gut.
Jackie kam mit dem Stöckchen aus dem Schilf.
Ging ab und an am Ufer baden.
Und schließlich warf ich das Stöckchen weiter.
Immer weiter ins Wasser. So weit ich nur konnte.
Und auf einmal war die Strömung zu stark,
riss Jackie mit, blubb...
und aus.
Du hast Jackie umgebracht?
Ja! Ich habe Jackie umgebracht.
- Ist ja krass. - Das echt Krasse kommt noch.
Thomas hat behauptet, er sei es gewesen.
Ich habe dich vor einer Tracht Prügel bewahrt.
So ist er! Und so war er schon mit neun.
Damals dachte ich, er hätte mich aus Freundschaft gerettet!
Aber er hat mir meinen Mord gestohlen!
Jeder Psychologe hätte seine Freude an dir.
Und warum hat er das getan?
Warum?
Um im Mittelpunkt zu stehen.
Es war allein meine Schuld,
dass dieser arme Köter ersoffen ist,
aber er sagt: „Tante Ulla, ich habe Jackie umgebracht.“
- Ich fass es nicht. - Das ist krass, oder?
Ich konnte eine Woche lang kaum sitzen.
Natürlich erinnere ich mich.
Darum ging's dir doch. Wie bei Adolf.
Im Mittelpunkt zu stehen.
Du bist ja wahnsinnig.
„Egomanisch. Krankhafte Ich-Sucht.
Neigung, im Mittelpunkt allen Handelns
und Geschehens stehen zu müssen.“
Guck mal! Hier ist ja ein Foto von dir!
Wo du schon mal das Buch hast. Guck mal unter G!
- G? - G, wie geizig!
(lacht leise)
Was?
Tja, ein Wort für mich, ein Wort für dich.
- Geizig? - Mhm.
- Ist das alles? - Oh, ich hab noch mehr.
- Aber eins nach dem Andern. - Stopp!
Beide gewinnen einen Satz!
Unentschieden. Und jetzt ist Ende, okay?
In Tennis gibt's kein unentschieden.
- Was? - Du hast gesagt, unentschieden.
Das ist nicht richtig.
Sorry, du kennst dich ja mit Wörtern aus.
Und mit Tennis.
Besser als mit Fußball und Autos.
- Besser als du mit Literatur. - Okay.
Du willst unbedingt eine aufs Maul?
Du bist ein pseudointellektueller Geizhals!
Es reicht! Jetzt hören alle auf!
Also... Stephan ist doch nicht geizig.
Ach so. Aber pseudointellektuell?
Nein. Aber...
Nee, also es...
Du legst einfach wert drauf, dass...
- René? - Ja, genau.
René. Findest du mich auch geizig?
Na ja. Du bist jetzt nicht grad verschwenderisch.
Das trifft's genau.
In Renés Worten heißt das krass geizig.
- Nein. - Wir können ja knickrig sagen.
Oder knauserig.
Mhm, und du bist großzügig. Oder doch eher großkotzig?
Du hast Antigone ein iPad zum Namenstag geschenkt.
- Zahnstocher hatte sie schon. - Das ist Mikado.
Im Gegensatz zu einem iPad höchst pädagogisch!
- Dein Geiz ist pathologisch. - Ja, das sagt der Richtige!
- Überbezahlt, wie du bist. - Nicht zu vergessen N!
Wie neidisch. Neidzerfressen.
Und da ist sie wieder, seine Egomanie.
Worauf soll ich neidisch sein? Du hast nicht mal Abitur.
Das ist es, was dich eigentlich ärgert.
Professor Berger hat sich Kraft seines Geistes
alles angeeignet.
Und Thomas, der Versager, fährt ein dickes Auto
und verdient dreimal so viel wie du!
- Hm. - Ohne Abi!
Klar, bei dir geht es um materielle Werte.
Ich mach mir nichts aus Äußerlichkeiten.
Aha.
Und warum dampfst du die Etiketten von meinem Wein?
Ich dampfe was?
Ich hab dich gesehen.
Du dampfst die Etiketten von meinen Flaschen
und klebst sie auf Aldi-Wein.
Oh mein Gott.
Ich weiß nicht, wovon er spricht.
War es das, was du neulich gemacht hast?
Was? Nein. Wann?
Bei mir ist eine Stunde ausgefallen.
- Du warst in der Küche. - Das ist doch lächerlich.
Was hast du dann gemacht?
Was dann, was hast du gemacht? Experimente!
- Für die Kinder! - Nö, ist klar.
Oh, oh.
Schön. Okay.
Jetzt, wo wir diese Offenheit aufgebaut haben,
sollte unser lieber René doch auch erfahren,
wie Thomas ihn nennt.
- Stephan, jetzt reicht's. - Ihr seid so krass.
Hat sich einer mal für das Essen bedankt?
Selbstverständlich.
- Was? Wann? - Da warst du in der Küche.
Ah, klar.
Wie nennst du mich denn, Thomas?
- René, bitte. - Jetzt mach da nicht mit.
Komm, vergiss es einfach, okay?
Ich möchte wissen, wie ich genannt werde.
- Nein! Möchtest du nicht. - Wieso?
René, vertrau uns einfach.
Du stehst doch über diesen Deppen hier.
Thomas.
- Wie nennst du mich? - René, bitte.
- Lass es einfach... - Stopp.
Ich will es jetzt wissen.
Königin.
Königin?
Er nennt dich „Die Königin“. Bist du jetzt zufrieden?
Die Königin? Ist es denn so schlimm?
(Elisabeth) Na ja...
René König... die Königin.
Ich versteh nicht.
- Tu doch nicht so. - Alles ist gut.
Wir lieben dich so, wie du bist.
Ja, wie bin ich denn? Wovon redet ihr?
Äh...
- Kapierst du's echt nicht? - Nein!
Guck mal, Königin...
Das ist liebevoll gemeint.
Ich sage ja nicht Tunte oder Schwuchtel.
Ja, warum auch?
Ihr denkt, ich bin schwul.
Ich fühl mich erleichtert,
seit ich mich mit Jackie geoutet hab.
Aber ich bin nicht schwul!
- Dann weißt du es noch nicht. - Thomas.
Das ist doch kein Thema. Es gibt die Ehe für alle.
Wir hatten einen schwulen Außenminister,
Moderatoren, Musiker,
Bundestagsabgeordnete, Fußballer!
Fußballer sind nicht schwul!
- Das ist seine Sache. - Ich würd's euch doch sagen!
Also bitte, René! Du bist nicht verheiratet.
Du lebst in Köln, arbeitest in Bonn.
Du triffst Mario Petzold auf einen Hugo im Café Klecks?
Du trägst seltsame Farben wie Flieder oder Orange?
Wer trägt Orange, außer in Guantanamo?
Du backst gerne, du kochst, du trinkst Rosé...
- Bäh. - Du benutzt Parfüm.
- Eau de Toilette. - Das meine ich!
Ich liebe Männer, weil ich Hugo mag?
Und Flieder trage?
In welchem Jahr lebt ihr?
Ich mag auch Céline Dion und Thomas Mann!
- Wir verurteilen dich ja nicht. - Natürlich nicht!
Dann haben wir uns alle geirrt. Du stehst auf Frauen.
Du stehst doch auf Frauen?
- Ja. - Was?
Zumindest auf eine.
- Hast du wen kennengelernt? - Ja.
Echt?
Ja!
Aber ihr seid nicht zusammen oder so?
Doch.
Und warum weiß ich das nicht?
Und wie ist die? Groß, klein, blond?
Brünett? Aufblasbar? (Stephan kichert)
- Boa, du nervst! - Man wird doch fragen dürfen!
- Mir ist gerade nicht danach. - Dir ist nicht danach?
Immer wenn's um dich geht, kneifst du.
Also eins weiß ich sicher.
Du bist 'ne Memme.
- Was willst du wissen? - Lass dich nicht provozieren.
Er wird doch mal was erzählen können!
Er hat doch kein Schweigegelübde abgelegt.
Was willst du wissen? Frag.
- Wie lange seid ihr zusammen? - Ein paar Jahre.
Ein paar Jahre? Und das erzählst du mir nicht?
Und wie ist die so?
- Toll. - René, hört doch bitte auf.
Was hast du denn dagegen, dass er es uns erzählt?
Also ich, ähm...
- Na ja... Also... - Sag mal, kennst du die?
Ja.
Anna kennt sie.
Oh, das wird ja immer besser. Äh, kennen wir sie auch?
Ja.
Aber nicht Mario Petzold, oder?
Nein.
Jemand, den du kennst. Viel besser kennst.
- Was meinst du damit? - Viel besser.
Besser als jeder andere.
- Was? - Fuck.
Nee, oder?
Es läuft schon so lange. Sag's.
- Oh mein Gott! - Ich glaub's nicht.
René, sag's ihnen.
Komm jetzt, sag's ihnen oder ich sag's!
- Okay, ich sag's! - Was soll er sagen?
Es tut mir leid. Ich wollte das nicht.
Oh Gott, nein, das... Das hast du nicht gemacht.
Ich hab was nicht gemacht?
- Ist es von mir? - Was?
- Ist er von mir? - Wen meinst du?
Den kleinen Adolf, natürlich!
What?
Oh mein Gott, Alter! Hackt's?
Nein, das doch nicht! Also, bitte!
- Boa ey, ich dachte schon... - Ja, ich auch.
Also wirklich.
Alter, ey!
(alle lachen)
Und wer ist es dann?
Elisabeth...
Ich bin mit Dorothea zusammen.
Dorothea wer?
Dorothea. Deine Mutter.
Hä?
- Wessen Mutter? - Es ist Dorothea, Thomas.
- Wer? Dorothea Thomas? - Dorothea.
Deine Mama. Meine Mama.
Unsere Mama!
Wie...
- Du bist mit Mama zusammen? - Ja.
Du hast gelacht.
(Stephan und Thomas lachen schallend)
Jetzt hast du mich aber fast... Du, jetzt sind wir aber quitt!
Das ist kein Witz.
Dorothea und ich, wir sind ein Paar.
Aber, ich...
(neckische Musik)
Elisabeth...
(unverständliche Stimmen)
- Ich dachte, wir sind uns nah. - Sind wir ja auch.
- Aber du vertraust mir nicht. - Natürlich vertrau ich dir!
Aber nicht so wie ihr. Seit wann weißt du es denn?
Das ist eine Sache zwischen euch.
- Seit wann weißt du das? - Thomas!
Ich schiebe dir deine Klarinette in den Arsch.
Und zwar quer!
Seit wann?
Pupsi, ihr seid krass verletzt. Und es ist schwer...
Das war eine einfache Frage. Seit wann weißt du es?
Was ändert das?
Dann weiß ich, seit wann du mich belügst.
Das ist eine Sache zwischen Dorothea und René.
Hör auf zu trinken.
Ich fang gerade erst an.
- Ich hatte Angst. - Es geht ums Prinzip.
Wenn es jemand anders wäre, dann wär's doch dasselbe.
Was laberst du da? Es geht um Mama!
Hör doch mal auf mit Mama! Ich hör immer nur Mama!
Wie alt bist du eigentlich? Neun?
Deine Mama liebt einen Mann, na und?
Nein, keinen Mann!
Einen... René!
Boah, werd erwachsen. Wirklich!
René, seit über dreißig Jahren sind wir eng miteinander.
Es hat kaum einen Tag gegeben,
an dem wir uns nicht gesehen oder telefoniert hätten.
Oder wenigstens geschrieben.
Ich hab dir immer vertraut.
Elisabeth, kein Mensch erzählt alles.
Ich nicht. Nicht vor René. Der weiß alles.
Alles alles?
Es geht jetzt ausnahmsweise Mal nicht um dich!
René kennt meine guten Tage und meine schlechten.
Er kennt meine Sehnsüchte, meine Träume, meine Sorgen.
Und von deinen Problemen hab ich ihm auch erzählt.
- Das ist doch... - Was?
Zu Privat? Zu intim? Wozu hat man denn Freunde?
Wozu eigentlich? René... Wie konntest du nur!
Das ist Jahre her. Das ist nicht der Rede wert.
Ich wollte es dir sagen. Ich konnte nicht.
Warum hast du es denn Anna erzählt?
Hat er nicht.
Ich hab die beiden in Köln gesehen.
Händchen haltend.
Hör auf!
Ich hatte Angst!
Angst, dass ihr es nicht versteht.
- Wir haben... - Stopp! Stopp!
Du redest hier von Mama!
Meiner Mutter, die dich aufgenommen hat!
die dir Brote geschmiert
und Drei-Fragezeichen-Kassetten gekauft hat!
Der Frau von Paul, meinem Vater!
Klingelt's da?
Ich verstehe dich ja!
Papa hat dich geliebt! René hier, René da!
Das ist pervers!
Thomas, beruhige dich oder geh!
Ich gehe!
Nee, Thomas! Beruhig dich und bleib!
Thomas!
Thomas!
Thomas.
Thomas! Du wolltest, dass er redet!
Das ist das Tor zur Hölle!
Jetzt übertreib doch nicht so maßlos!
- Thomas! - Bleib da. Wir hören ihm zu!
Thomas!
Deine Eltern haben mich aufgenommen,
als ich sieben war.
Ihr alle habt mir Geborgenheit gegeben.
Elisabeth wurde meine Freundin, eine Seelenverwandte.
Du, Thomas, hast mich oft geärgert,
wie ein kleiner Junge das so macht.
Dorothea hat mich zur Musik gebracht,
sie hat das aus mir gemacht, was ich bin.
Erst Pauls Tod...
hat alles verändert.
Mir wurde klar, dass ich eine Frau liebe,
die ich nicht lieben darf.
Zumindest nicht... so.
Ich wollte nicht, dass es aus mir herausbricht,
wollte nicht, dass es irgendjemand merkt.
Weder ihr noch sie.
Also hab ich beschlossen, sie nicht mehr zu sehen.
Ich wollte sie vergessen, wollte nur noch weg.
Darum...
habe ich auch das Tourneeangebot angenommen.
- Nach Kanada! - Ja.
Ich bin geflüchtet.
Dorothea dachte,
Pauls Tod hätte mich von ihr entfremdet.
Sie dachte, sie ist mir nicht wichtig.
(sie spielen „Morgenstimmung“ von Edvard Grieg)
Aber mit der Zeit wurde es schlimmer.
Eines Abends, mitten im Konzert,
konnte ich nicht mehr weiterspielen.
Noch in der Nacht flog ich zurück,
nahm mir am Flughafen einen Leihwagen
und fuhr zu Dorothea.
Ich musste mit ihr sprechen.
Ich konnte es nicht mehr für mich behalten.
Ich kam in der Dunkelheit an. Es hat geschüttet.
Man konnte keine zwei Meter weit sehen.
Doch plötzlich...
als hätte sie gewartet, immer auf mich gewartet,
stand sie da.
(Musik wird pompös)
Ich fühlte mich leer und erschöpft, aber...
aber ich war glücklich.
Endlich war ich da, wo ich hingehörte.
Die Regentropfen auf Dorotheas Gesicht
waren wie Tränen.
Oder es waren Tränen, ich weiß es nicht genau.
Es war ein Traum, und doch Wirklichkeit.
Dorothea nahm mich bei der Hand und...
dann haben wir miteinander geschlafen.
- Oh, René! - Oh! Halt die Fresse!
(Musik klingt aus)
(Elisabeth) René!
Oh, sag mal...
(René ächzt leise)
Schau dir das an.
- Ist schon okay, Anna. - Nein, ist es nicht.
Entschuldige dich.
Sorry, dass ich dich geschlagen habe,
obwohl du es verdient hast.
Tut mir leid, aber ich musste dich nicht um Erlaubnis bitten.
- Wir sind alt genug. - Ja, vor allem sie.
- Okay, der war nicht schlecht. - Mann...
Die könnte deine Mutter sein. Sie ist quasi deine Mutter.
Langsam verstehe ich Dorothea.
Mit der hast du auch noch drüber geredet?
Ich habe ihr gesagt, ihr werdet das verstehen.
Offensichtlich lag ich da falsch.
(Telefon klingelt)
Dorothea! Ich gebe dich mal weiter!
Hallo, Mama!
Großartig. Bombenstimmung.
Das Essen war super.
Wir haben es bloß kaum runtergebracht.
Warum?
Ich möchte dich nicht langweilen mit Details...
Thomas hat erzählt, dass er seinen Sohn Adolf nennen will.
Anna kam eine Stunde zu spät zum Essen.
Sie finden die Namen unserer Kinder blöd.
Aber das war noch gar nichts im Vergleich zum Mord an Jacky,
den nämlich Stephan begangen hat.
Gar nicht Thomas, wie wir dachten.
Und anscheinend dampft Stephan
die Etiketten von Thomas' teurem Wein ab,
und verköstigt uns mit billigem.
Von Thomas soll ich dir ausrichten,
er möchte dich wahnsinnig gern besuchen
am Wochenende vom 32. auf den 33.
Falls du es nicht verplant hast mit deinem Liebhaber.
Hm?
Na, René, wen denn sonst? Oder hast du noch andere?
Ja, klar. Gern.
Mama will dich sprechen.
Moment.
Das erzähle ich dir später.
Nicht so gut...
Okay.
Ich melde mich.
(leise) Ja, ich... dich auch.
(Würgelaute)
Sie kommt morgen.
Auch das noch.
Elisabeth, ruf Dorothea an und entschuldige dich.
- Ich soll mich entschuldigen? - Natürlich.
Und wer entschuldigt sich bei mir?
- Na? Irgendwer? - Äh... Ich verstehe nicht.
Sag mal, wie du mich anguckst.
Wie meine Schüler beim Abschreiben.
Mit dem Grammatikbuch auf dem Schoß,
dem Spickzettel in der Hand:
„Ähm, keine Ahnung,
Frau Berger-Böttcher, wovon Sie reden“.
Du bist doch immer so stolz auf deinen Intellekt.
Sabeth? Geht's dir gut?
Was ist denn hier los?
Was will meine hysterische Frau von mir?
Keine Ahnung! Vielleicht eine Entschuldigung?
Ich renne hin und her, kümmere mich ums Essen,
ich parke die Kinder bei deinen Eltern,
damit du mal Ruhe hast.
Und was macht ihr?
Ihr schlagt euch gegenseitig die Köpfe ein!
Und du bringst keinen Teller in die Küche.
Du wolltest doch Kinder, unbedingt!
Und kümmerst du dich um die?
Nee! Nie! Manchmal überkommt es dich.
Dann spielst du mit ihnen, sonntags, eine Viertelstunde,
und zwar so, dass sie total überdreht sind,
wenn ich sie ins Bett bringen muss.
Aber du musst dich ja nicht drum kümmern.
Du musst ja nicht aufstehen, wenn sie einen Alptraum hatten,
oder wenn sie ins Bett machen
und man das Laken wechseln muss.
Nee, du musst ganz dringend
noch den superinteressanten Aufsatz von XY
in der neuesten Ausgabe von Blablablup lesen.
Weißt du noch, wie das angefangen hat?
Ich habe für dich auf meine Doktorarbeit verzichtet.
Und was heißt denn überhaupt deine?
Es war mein Thema!
Wär ja schade gewesen,
meine Vorarbeit zu verschwenden.
Nee, in diesem Haushalt
wird wirklich gar nichts verschwendet.
Und wer hat Korrektur gelesen?
Ich war ja zu Hause, ich war ja im Mutterschutz!
Da hat man ja gar nichts zu tun!
Nicht das Geringste! So wie heute Abend auch.
Ich habe nichts gemacht, habe ja nichts zu tun hier.
Und du hast die Abendessen mit deinen tollen Kollegen.
Und du musst dir Ausreden ausdenken,
warum ich nicht mit kann.
Bin ich dir peinlich?
Weil ich mich in deiner Doktorarbeit
besser auskenne als du?
Weil ich nach der Geburt der Kinder fett geblieben bin?
Und entschuldigst du dich jemals dafür?
Nee! Nein! Natürlich nicht.
Oder du, Thomas? Hm? Du Muttersöhnchen!
Dir hat man von deiner Geburt an
alles durchgehen lassen!
Papas süßer, kleiner Clown, der alles darf!
Schlechte Noten? Kein Problem.
Das Abi schmeißen? Warum nicht?
Wenn der Junge keinen Bock hat.
Wir haben ja deine Schwester,
die unsere Erwartungen erfüllt.
Und René, ich mein...
Du weißt alles über mich, ich weiß nichts über dich.
Anna!
Wir hatten uns noch nie was zu sagen.
Rauch doch noch eine.
Oder trink einen Schnaps
auf deinen Adolf oder Paul, oder Knut!
Ich hol mir jetzt
eine schöne Flasche von unserem Billowein
und geh damit allein ins Bett.
Wie jeden Abend!
Ihr könnt mich alle mal!
(zaghafte Klavierklänge)
Ich wollte doch nur einen Witz machen.
- Ich fahre dich nach Hause. - Und was ist mit Elisabeth?
Schon gut, ich mach das.
Ich nehme den Wagen, du ein Taxi.
Wir sehen uns morgen, falls du dich beruhigst.
Anna, ich...
- Man sieht sich. - Ich bring euch noch zur Tür.
(gefühlvolle Klaviermusik)
Komm, ist gut.
Hier.
Danke. (Musik spielt weiter)
(seufzt)
(leise) Oh Mann, ey.
Nur der Gedanke... Mama treibt's mit der Königin.
Mit ein bisschen Glück kriegen sie keine Kinder mehr.
(beide stöhnen) Ist der süß!
Renés Rosé.
Süß und warm.
Gib dem Ganzen Zeit.
Es ist immer schwer, den Stiefvater zu akzeptieren.
Hier. Ich guck mal nach Sabeth.
Boah...
Gute Nacht.
Willst du nicht hier pennen?
Nee, ich nehm mir ein Hotel.
Ist doch Quatsch, bleib doch hier!
- Echt? - Ja, sicher.
Das Sofa ist saubequem.
Schläfst du da öfter?
Äh, das kommt vor.
Oh!
Ach, guck mal.
Krieg ich jetzt deine ewige Dankbarkeit?
Nee, die leihe ich dir.
Mit Zinsen, weil ich so geizig bin.
Gute Nacht, du Komiker.
Gute Nacht, du Mörder.
(lockere Gitarrenmusik)
(Katie Melua singt „Wonderful Life“)
(Elisabeth) So endete ein Abend,
nach dem nichts war wie vorher...
(Klopfen)
Ach Sabeth, mach auf.
...und doch alles beim Alten blieb.
Menschen streiten sich
und raufen sich wieder zusammen.
So ist das nun mal.
In einer sich rasant verändernden Welt
müssen wir auf die bauen, die wir lieben.
Auch, wenn sie uns manchmal nerven oder enttäuschen.
Das Leben ging weiter
und die Dinge nahmen ihren natürlichen Lauf.
Drei Monate später gab Anna
eine für alle Zuschauer unvergessliche Vorstellung.
Die Waffen ruhen, des Krieges Stürme schweigen.
Auf Blutgeschlachten folgt Gesang und Tanz,
ein Zar und Kirche prangt in Festes Glanz!
Ihre Fruchtblase platzte, und das Kind,
für das Thomas tatsächlich Elternzeit nehmen wollte...
(schreit)
...kam schließlich zur Welt.
(Baby schreit)
Wir eilten zur Klinik, um den Jungen zu begrüßen.
Es gab allerdings ein Problem.
Und?
Ja, also es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht.
- Was ist? - Die gute...
Die Mutter ist wohlauf.
Was ist die schlechte?
Na ja, das Kind ist...
Das Kind ist...
ein Mädchen.
Ach, so was macht man nicht!
- Das gibt's doch nicht! - Habt ihr schon einen Namen?
(schwungvoller Rocksong)
(„Make Me Smile (Come Up And See Me)“)
(von Steve Harley)
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