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Zulu
.
(Rauschen)
Maria?
(Klavierklänge)
(Klopfen)
Sie warten schon.
Jetzt oder nie.
(Öffnen der Tür)
(Schritte)
Du blutest ja.
Ich hab mich am Papier geschnitten.
(Plätschern)
Komm, lass uns gehen, das war alles eine blöde Idee.
Spinnst? - Ich geh so net spielen.
Wie lang hast du gewartet?
Ein Jahr hab ich mir den scheiß Bach anhören müssen,
Noten geblättert, und du weißt, wie sehr ich Klassik hasse.
Komm. Zieh dich aus.
(Hannah seufzt.)
Hey.
Hör auf.
Komm schon.
Für mich.
(Tiefes Einatmen)
(Sie spielt ein lebhaftes Stück von Johann Sebastian Bach.)
(Satte Orgelklänge kommen hinzu.)
(Das Musikstück endet.)
(Voller Orgelklang, getragene Musik)
(Hämmern)
(Tür wird zugeschlagen.)
(Fließendes Wasser)
Abendessen gibt's immer um sechs.
Meine Älteste.
Valentin Zimmermann. Gesell auf der Walz.
Maria.
Ansonsten ist das Haus tabu für dich.
(Geschirrgeräusche)
Geil schaut er aus, oder?
Komm, Herr Jesus und sei unser Gast,
und segne, was du uns bescheret hast. - Amen.
War schon lang keiner mehr auf der Walz bei uns.
Wo kommst denn her?
Schwäbisch Alb.
Von droben runter?
Von ganz droben runter.
Dass eins klar ist - bei uns wird geschafft.
Ist kein Vagabund.
Hab ich recht?
Der letzte Walzer, den wir hatten, war ein Säufer.
Jetzt essen wir, es wird schon ganz kalt.
Drei Wochen, Kost und Logis.
Und dann ziehst du weiter.
(Tür wird geschlossen.)
(Klopfen) Ich kann dich sehen.
Kannst du net klopfen?
(Sie klopft.)
Hast dir ein Scheißkaff ausg'sucht.
Fucking Warmbrunn.
So schlimm?
Warum trägst ihn?
Ich find den cool.
Wer sich auf der Walz was zuschulden kommen lässt,
wer stiehlt, weil er sein Brot net selbst verdienen kann ...
dem wird der Ring ausgerissen.
Wie findest mich eigentlich ...
Such dir Freunde in deinem Alter.
Die Jungs im Dorf sind Idioten.
Dachte, du bist keiner.
Hab mich wohl geirrt.
Und dein Ring sieht schwul aus.
Und Maria?
Wusst ich's doch.
(Kussgeräusche)
(lacht leise:) Träum weiter, Prinzessin.
Sie mag dich.
(Applaus und Lärm aus dem Handy)
(Kichern)
Lass mich.
(Beide kichern.)
Komm. Ich brauch deine Hilfe.
Kommst du jetzt?
Sei eine gute Schwester. Hilf ihr.
(Popsong aus dem Handy)
Was sollte das?
Hilf mir lieber, sonst bleibt alles an mir hängen.
Eifersüchtig bist auf mich.
Wenn ich fort bin, musst auch mit anpacken.
(Rascheln)
(Fernes Bellen)
(Ruhige Melodie von Bach)
(Tempo wird schneller.)
(Sie hört zu spielen auf.)
Inge wär stolz auf dich.
Vielleicht nehmen's mich gar net.
(Ferne Discomusik)
Bist die Geilste, hm?
(Discomusik, Gespräche, Lachen im Hintergrund)
Und wer von euch hat schon ... (Sie lacht.)
... g'fickt?
Klar. Und du?
Dreimal.
Ohne Scheiß?
Ich nehm das auf.
Tat oder Wahrheit?
Wahrheit.
Sag: Hast du schon?
Erinnerst dich an den Typ aus der Zehnten?
Bevor er geflogen ist, hat er mich auf dem Dorffest.
Du lügst.
Und selber?
Erzählst wieder eine von deinen Storys?
Komm, es geht los.
(Ein Mädchen lacht, Discobass dröhnt.)
(Kichern)
(Auto fährt langsam heran, leises Bremsenquietschen)
(Mädchen kichern)
Ey, ist das net dein Vater?
Genau, und das Flittchen mit den Knalltitten ist deine Mutter?
(Lachen)
(Die Mädchen lachen.)
(Kichern)
(Leiser Technobeat aus den Kopfhörern)
(Musik wird lauter.)
(Stille)
(Tor wird leise geschlossen.)
(Leises Knarren der Treppe, metallenes Geräusch)
(Leises Seufzen)
(Sprecherin aus dem Fernseher)
"... vollautomatische und militärische Waffen ..."
"Seit dem letzten Amoklauf wird auch in den USA
wieder verstärkt über die Waffengesetze diskutiert."
"Gegen den Widerstand der mächtigen Lobby ..."
(Leise Schritte)
(Tür wird leise geöffnet.)
(Leises Hämmern)
(Hämmern, Sägegeräusche)
(Hämmern)
(Rumpeln, Schritte)
(Männerstimme von draußen:) Könnt ihr den Balken reinziehen?
Und Ziehen.
(Er ächzt.)
Das Dach schiebt sich schon auf die Bundstrebe.
Ja, hast recht.
Als sie die Kirche gebaut haben,
haben die einen Konstruktionsfehler gemacht.
Früher war die Decke hier, siehst die weiße Stelle?
Da war der Putz.
Willst das Balkenkreuz net ersetzen?
Vielleicht eine neue Strebe einbauen.
(Hämmern)
(Maria spielt ein heiteres schnelles Stück)
(Dumpfes Hämmern von oben)
(Leises Türknarren)
(Rascheln)
(Tür draußen wird geschlossen.)
(Reißgeräusch)
(Er öffnet eine Lade.)
(Rascheln)
(Ruhige Klaviermusik von draußen)
(Musik wird verspielter.)
(Schnelle Treppenschritte)
(Klaviermusik ist nun lauter.)
Du wühlst nie wieder in meinen Sachen!
Das ist wie eine Einladung. - Eine Einladung wofür?
Du weißt ganz genau, was ich mein.
Meinst, ihr würde gefallen, wie du rumläufst?
Es macht dir Spaß.
So zu sein wie sie. Hab ich recht?
(sehr leise:) Was hast du gesagt?
Was willst eigentlich von mir?
Dich beschützen.
Darf ich das?
Wenigstens ... - Ich kann auf mich selbst aufpassen.
(Schritte entfernen sich.)
(Rascheln, Ästeknacken)
(Ferne Krähenrufe)
(Musik aus den Kopfhörern)
(Leiser Song aus dem Kopfhörer)
(Stille)
(Ferner Käuzchenruf)
(Schritte auf den Holzbrettern)
Bist immer noch sauer auf mich. Hab ich recht?
Was ist los?
Ich hab dich gesehen.
Im Heizungskeller.
Und?
Was hast du g'macht?
Du hast dir weh getan.
Da unten.
Du hast geblutet.
Ich hab meine Tag'.
Deswegen hab ich geblutet.
Das ist net, was ich gesehen hab.
Bist du schwanger?
(Maria lacht leise.)
Von wem denn?
Du wolltest es wegmachen. - Quatsch.
Was unterstellst mir eigentlich?
Ich bin net schwanger.
Weiß net, was du gesehen hast.
Egal, was du glaubst, es ist net wahr.
Ich will net, dass du fortgehst.
(Maria seufzt.)
Ich kann doch net immer bei dir bleiben.
(Schritte auf den Holzbrettern)
(Schnelles Bachstück)
Was hat sie dir erzählt?
Hat sie einen Freund?
Redest nicht mit mir?
(Sie spielt das Stück weiter.)
(Ende der Musik)
(Maria seufzt.)
(Rascheln)
Seil ab!
(Jemand ruft:) Seil ab! - Gut!
Stopp!
(Sägensirren)
(Säge wird abgestellt.)
Recht hast g'habt.
(Sägengeräusch)
(Ferne Orgelmusik)
(Bohrersurren)
(Orgelmusik, Werkzeuggeräusche)
Ist es okay? - Ja.
(Ferne Orgelmusik, Schritte auf der Treppe)
(Orgelmusik wird lauter.)
(Leises Öffnen der Tür)
(Leises Quietschen)
(Orgelmusik wird laut.)
(Musik endet.)
Johannespassion "Herr, unser Herrscher"?
Ich finde, das ist eine furchtbare Geschichte.
Sie nageln Jesus ans Kreuz, er stirbt ...
für die Schuld von uns allen.
Es geht net drum, dass er stirbt.
Worum dann?
Um Vergebung.
Hm.
(Maria kichert.)
Das ist eine Kemper & Sohn.
Großvater war Orgelbauer. Hätt's gerne g'lernt.
Komm. Ich zeig dir ein Geheimnis.
Als Kind hat er mich oft mitgenommen ins Allerheiligste.
(Leises Rumpeln)
(Helles Knarren)
Ich weiß net ...
Komm schon.
Es ist großartig.
Warst noch nie in deiner eigenen Orgel?
(Maria kichert.)
(Sie lacht.)
Bleib hier.
Überraschung.
(Gerumpel, dann Schritte)
(Drehgeräusche)
Net erschrecken.
(Satter anhaltender Orgelton)
(Tieferer Orgelton)
(Orgelton endet.)
(Schritte)
(Er lacht leise.)
(Stille)
(Orgelklänge)
Ist geil, oder?
(Orgelklänge)
(Stille)
Ich seh, wie du den anschaust. Triffst dich mit dem?
Ich treff mich mit niemand, Papa.
Links oder rechts?
Wie früher.
Rechts.
Du hast es für mich aufbewahrt.
Für dich.
Dreh dich um.
Gefällt sie dir?
Steht dir gut.
(Sich entfernende Schritte)
(Bebbeln, Schulglocke, Kinderstimmen)
(Bebbeln)
Komm werf ihn! (Bebbeln)
(Laubrascheln)
(Fernes Bellen)
(Öffnen der Hüttentür)
(Laute Gothic-Musik)
(Klopfen)
(Hannah stellt die Musik leiser.)
Lass mich in Ruh.
(Musik läuft weiter.)
(Musik wird abgestellt.)
Du bist so anders in letzter Zeit.
Du würdest mir doch alles sagen, oder?
Genau wie du.
Das ist von Mama?
Wo hast du das her?
Ich hab's gefunden.
Er hat sie dir geschenkt.
Du warst an der Hütte mit Johann.
Und?
Was habt ihr gemacht?
Ein Fuchs hat seinen Bau unter dem Boden gegraben.
Ich hab ihm geholfen, Fallen auszulegen.
(Rascheln)
Magst hochkommen?
(Schritte auf dem Holzfußboden)
(Schritte auf der metallenen Leiter)
Was willst eigentlich von mir?
(Leises Taubengurren)
Dachte, du bist anders.
Anders als wer?
Alle anderen.
Du siehst ihr ähnlich.
Ich hab's Bild gesehen.
Denkst oft an sie?
Meine ist abgehauen.
Mit einem anderen.
Hat sich einen Scheiß um uns gekümmert.
Damals haben alle gesagt, es wär besser so.
Als wär's mir vorbestimmt, ohne Mutter aufzuwachsen.
Glaubst, was alle sagen?
Ich glaub net an Schicksal.
Du?
Ich will frei sein.
Kommen und gehen, wohin ich will.
Schau.
Hier steht alles drin.
Wo ich war.
Wo ich hin will. Wen ich getroffen hab.
Ist mein Wanderbuch, aber für mich ist es eher ein Tagebuch.
Du kannst ja zeichnen.
Bist richtig gut.
Willst nimmer zurück?
Für mich ist das keine Prüfung.
Arbeit gibt's auch net auf der Alb.
Ich hab's beim Vater nimmer ausgehalten.
(Rascheln, Taubengurren)
(Schritte)
(Der Chor singt einen Kanon.)
♪ Bleibet hier und wachet mit mir.
♪ Wachet und betet.
♪ Wachet und betet.
♪ Bleibet hier und wachet mit mir.
♪ Wachet und betet.
♪ Wachet und betet.
♪ Bleibet hier und wachet mit mir.
♪ Wachet und betet.
♪ Wachet und betet.
♪ Bleibet hier und wachet mit mir.
♪ Wachet und betet.
♪ Wachet und betet.
♪ Bleibet hier und wachet mit mir.
♪ Wachet und betet.
♪ Wachet und betet.
♪ Bleibet hier und wachet mit mir.
(Ferner Chorgesang aus der Kirche)
(Vorsichtige Schritte)
(Geräusche aus der Hütte)
(Zittriges Atmen)
(Schweres verhaltenes Atmen von Johann)
(Leises Stöhnen, heftiges Atmen)
(Schnelles Atmen)
(Keuchen)
(Schritte auf dem Holzboden, Knarren des Tores)
(Schritte)
(Zuschlagen und Abschließen des Tores)
(Leises Windsausen, ferne Vogellaute)
(Sich nähernde Laufschritte)
(Erbrechen, Husten)
(Heftiges Atmen)
(Rumpeln von draußen)
(Erneutes Rumpeln)
(Arbeitsgeräusche)
(Dumpfe Schritte)
(Entferntes Hämmern)
(Sägegeräusche)
(Hämmern)
(Sägen)
(Leises Taubengurren)
(Sägen)
(Ruhige Orgelklänge)
(Maria lacht leise.)
(Dissonante Töne)
(Rollender Abschluss)
Hast ganz kalte Hände.
Ein Walzer darf kein Mädel haben auf der Wanderschaft.
Du benimmst dich besser.
(Er lacht leise.)
Und triffst dich nicht heimlich mit der Tochter vom Meister, hm?
Findest du, dass ich aus der Zeit gefallen bin?
Hm ...
Vielleicht gefällt mir grad das an dir.
Du kennst mich doch gar net.
Muss ich auch net.
Ist das net unchristlich?
Ganz im Gegenteil.
Können wir bitte immer so bleiben?
(Quizsendung aus dem Fernsehen)
"42 Prozent."
"Ja, das war die erste Runde. Jetzt kommt Runde zwei."
"Und die wird mindestens genauso gut."
"Fünf Mädels aus Großbritannien ..."
Lass mich.
(Fernsehgeräusche)
"... aus Glasgow!"
"One, two, three, four ..."
(Sich entfernende Schritte)
(Schritte auf der Treppe)
(Türenschlagen, Abschließen)
(Schritte auf der Treppe)
(Kräftiges Klopfen)
Ich bin's. Mach auf.
(Schnelles Klopfen)
Bitte, ich will mit dir reden.
(Laute Punk-Musik im Kopfhörer, Klopfen)
Hannah, wir haben uns was versprochen.
(Laute, heftige Musik)
(Leises Öffnen der Tür.)
(Leise knarrende Schritte)
(Leises Schließen der Tür)
(Leises Sesselschieben)
(Knarren)
(Leises Rauschen)
Er liebt mich.
Er tut dir weh.
Solang er mich hat, wird dir nix passieren.
Wie lang schon?
Red mit jemand.
Und dann?
Gib sie her.
Das hört auf, ich versprech's.
(Gerangelgeräusche)
Komm, wehr dich!
Kämpf net wie ein Mädle!
(Keuchen)
Du willst es auch, hab ich recht?
Naa!
(Stöhnen)
Es muss gut sein.
Besser als alles!
Warum sonst lässt du es mit dir machen?
(Keuchen)
Du musst mir was versprechen.
Du darfst keinem davon erzählen.
Versprochen?
Du musst.
Komm. Mach sie auf.
Oder ich bin nimmer deine Schwester.
Sag's.
(geflüstert:) Versprochen.
(Maria atmet tief aus.)
(Sie singt leise:) ♪ Ohhhhhhh ...
♪ Johnny, Johnny, Johnny come along long long.
♪ Oh, Johnny, Johnny, Johnny come along long long.
♪ Oh, Johnny, Johnny, Johnny come along long long.
♪ Oh, Johnny come along.
♪ Übers weite blaue Meer,
♪ wo die Seekühe brüllen.
♪ Wo die Nixen sich im Schaum
(beide:) ♪ und den Meereswogen hüllen
♪ Wo die Haie und die Wale ...
♪ sich an der Südseeküste aalen.
♪ Wo der kleine Pinguin ...
♪ einen Haifisch ...
(Schnalzen mit der Zunge)
♪ ... ver-schluckt.
(Leises Rauschen)
Wir haben gestern auf dich gewartet.
Hast Ärger daheim?
(Motorrad)
Um neun am Bauwagen?
Ich weiß net.
Bringst was mit?
Komm schon. Wegen deiner Schwester?
Die steckt sich höchstens eine Orgelpfeife rein.
Red net so über sie.
(Fernes Bellen)
(Maria seufzt.)
(Knarren des Sessels)
(Ausatmen)
(Lippenstift verschließen)
(Stampfende Schlagermusik)
(Gespräch wird von Musik übertönt.)
(Langsame sentimentale Musik, lautes Stimmengewirr)
(Musik endet.)
(Kussgeräusche)
(Valentin atmet schwer.)
Was ist los? - Nix.
Mach weiter.
Hm ... Warum weinst du?
Ich wein net, es ist schön mit dir.
Warum lügst mich an?
Ich lüg net.
Wenn du jemanden liebst ...
dann würdest du doch alles für ihn tun, oder?
Würdest was für mich tun?
Wenn du weiterziehst ...
nimmst mich mit?
Mich und die Hannah?
Hm. Was wird Johann dazu sagen?
Warum?
Bitte.
Du willst mich gar net.
Du willst mich nur ficken und dann abhauen.
Machst das immer so?
Und ich war so lieb zu dir.
(Laute Schritte)
Maria!
(Stimmen)
Maria.
(Leute unterhalten sich auf der Straße.)
(Fernes Lachen)
Es ist besser, wenn wir uns nimmer sehen.
(Lärm und betrunkenes Singen in der Ferne)
Warum willst mich loswerden?
Es war Johann, oder?
Hat er dir verboten, dich mit mir zu treffen?
Es geht net um dich.
Kapier's endlich.
Dann hilf mir.
Ich kann net.
Du kannst net.
Du kannst net was, hm?
Alles.
(Fallgeräusch)
Langsam, ja?
Au!
Ah!
Bist du völlig meschugge?
Zieh dich aus.
Du kannst mich jetzt haben.
Oder traust dich net?
(ruft:) Hau ab!
Ich hass dich!
(Krachen, Splittern)
(Quietschen, Knarren)
(Rascheln, Klappern von kleinen Hölzern)
(Knarren der Tür)
(leise:) Kannst mich jetzt haben ...
Oder traust dich net?
(Plätschern)
(Knarren)
(Lautes Schließen der Tür)
(Quietschendes Abdrehen des Wasserhahns)
Was hast du g'macht?
G'hörst genäht.
Meinst du, ich merk net, wie du mich anschaust?
Denkst du, dass es meine Schuld ist?
Bist du dabei gewesen, als es passiert ist?
Es war dunkel.
Ich bin gestürzt.
Auf dem Weg zurück nach Hause.
Stillhalten.
Dann tut's auch net weh.
Ich geb dir noch eine Salbe mit, damit sich's net entzündet.
Was letztes Jahr auf dem Dorffest passiert ist ...
Ich hab selbst eine Tochter zu Haus. - Maria net.
Ich red mit ihr.
Gleich morgen früh. - Danke.
Johann?
Die Leut' schwätzen schon.
Wovon?
Über deinen Walzer.
(Autotür wird zugeschlagen, der Wagen gestartet.)
(leise und eindringlich:) Red jetzt mit mir.
Bist eifersüchtig?
Willst mich ganz für dich allein?
Er macht's mit mir.
Jetzt weißt du's.
Passt auf mich auf. Denn er liebt mich.
Was willst jetzt machen?
Hm?
Sag doch, dass du mich für eine Hur' hältst.
Ich werd dich immer beschützen.
Das weißt doch, oder?
(Öffnen und Schließen der Tür)
(Pfarrerin:) Ihm sind alle Menschen gleich wichtig.
Und ich bin mir sicher,
Gott hat mit jedem von uns etwas ganz Besonderes vor.
Und jeder von uns hat seine Gaben bekommen.
Lasset uns diese Gaben hier bei uns in der Gemeinde einsetzen,
damit wir unseren Platz im Leben finden. Amen.
(Maria spielt eine ruhige Melodie am Klavier.)
(Chor:) ♪ Komm, bau ein Haus, das uns beschützt,
♪ pflanz einen Baum, der Schatten wirft,
♪ und beschreibe den Himmel, der uns blüht,
♪ und beschreibe den Himmel, der uns blüht.
♪ Lad viele Tiere ein ins Haus
♪ und füttre sie bei unserm Baum,
♪ lass sie dort munter spielen,
♪ wo keiner ihre Kreise sperrt.
♪ Lass sie dort munter kreisen,
♪ wo der Himmel blüht.
♪ Komm, bau ein Haus, das uns beschützt,
(Maria hört auf zu spielen.)
♪ pflanz einen Baum...
(leise:) Sag, was los ist.
Sag, dass es wahr ist.
(laut:) Sag, was er mit dir macht.
(leise:) Ist gut jetzt.
Fass mich net an.
(Tür wird geschlossen.)
(Jenny:) Hannah, bleib doch stehen!
Warum sagst net einfach, dass es Valentin gewesen ist?
Weil er mit deiner Schwester fickt? - Weil's Johann war.
Jetzt weißt du's.
Er liebt sie so sehr, dass er mit ihr schläft.
Ich glaub dir kein Wort.
Warum erzählst mir das?
Dass es am nächsten Tag alle im Dorf wissen.
(Dumpfe Schritte auf dem Holzboden)
Was du zu mir gesagt hast,
wenn du wirklich fort willst, ich nehm dich mit.
Dich und Hannah.
Es ist zu spät.
Ich will nimmer fort.
Ich hab ihr zu viel durchgehen lassen,
seit die Mutter nimmer da ist.
Es gibt ein Internat am Bodensee.
Vielleicht tut Hannah der Abstand gut.
Ich hab keine Absage vom Konservatorium bekommen.
Ich hab den Brief verbrannt.
Warum?
Weil ich dich nicht allein mit Hannah lassen kann.
(Schlürfen)
(Kussgeräusch)
Willst mich, Papa?
Oder noch Suppe?
(Lebhaftes Orgelspiel)
(Musik wird schneller.)
(Musik wird dunkler und etwas langsamer.)
(Maria hört auf zu spielen.)
(Orgelmusik)
(Musik endet.)
(Knarren)
(Schritte)
Was soll das?
Bist völlig überg'schnapt?
Zieh dir was an.
Komm.
Zieh dir was an, Maria kommt gleich.
Ich weiß net, was in dich g'fahren ist.
Erst den Auftritt in der Kirche. - Hab euch zusammen gesehen.
Was willst du mir damit sagen?
Ich bin immer mit euch zusammen. Mit dir und Maria.
Ich weiß, was ihr miteinander macht.
Wenn die Mutter noch leben würde ... - Sie ist aber tot.
Wenn sie noch leben würde ...
würdest es dann auch mit Maria treiben?
Hat sie dir das erzählt?
Ist net einfach, seit die Mama nimmer da ist.
Aber wir haben uns was versprochen - wir halten zusammen.
Du kannst net einfach so verschwinden.
Meinst, ich lass zu, dass du Lügen über mich erzählst?
Sperrst mich ein?
Ich lass dich erst gehen, wenn die Lüge aus der Welt geschafft ist.
Geh! weg von ihr.
Bring du sie zur Vernunft.
Ich weiß net, was mit ihr los ist.
Verrückt ist sie und zieht mich in den Dreck.
(Laden)
Was hast du ihr erzählt?
Erzählst Lügen.
Nix als Lügen.
Das ist alles, was du kannst. Lügen. - Lass sie - los.
Tu das Ding weg.
Wenn du mich erschießen willst, dann musst höher zielen.
(tonlos:) Hier.
(leise:) Und hier.
Ich lieb dich.
Ich bin euer Papa.
Du tust mir weh.
Jedes Mal.
Wenn du mich liebst, würdest mir net wehtun.
(Das Gewehr kracht auf den Boden.)
Was erwartest von mir, dass du bei mir bleibst?
Nix.
(Im Gleichschritt)
(Aufschließen)
(Quietschen)
(Marias Schritte in der Hütte)
(Scheppern)
(Rascheln mit den Zündern)
(Lodern)
(Knistern)
(Heftiges Lodern und Knistern)
(Verkehrslärm)
(Elektronische Gitarrenmusik und ruhiger Song)
(Ruhige Gitarrenklänge)
(Musik verklingt.)
SWR 2021
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