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Original subtitles

.

Personen und ihre Farben:

Ginnie (Lilith Stangenberg) Heli (Jördis Triebel)

Weiß für alle anderen Personen

*Vögel zwitschern*

*Wasser plätschert*

*Schritte*

(Frau) Ginnie!

Komm bitte rein!

Ginnie, die Brüder sind da!

*Kanne fällt runter*

(Frau) Ich finde das so ganz schön. Ich habe alles umgestrichen.

(Mann) Geht das Klavier noch? (Frau) Na klar.

(Mann) Guck mal. Da ist ja Ginnie.

Ginnie!

Ginnie?

Ginnie, komm raus jetzt. Komm.

Was machst du denn?

*Sträucher knistern*

Magst du es selber machen?

Gut.

Guck mal.

Nasenspitze.

Gut, Ginnie. Noch die Hände.

Schön, guck mal.

Wieder sauber.

So.

Nee, lass mal. Lass mal.

Da.

Heli?

Heli!

Hey, Ginnie. Hey.

Oh.

Wir holen besser Heli, oder?

Komm, geht mal raus.

Ginnie duschen.

*Geschirr klappert*

Bap, bap, bap.

(er lacht) Hey!

*er lacht*

Musst du jetzt rauchen?

Was machst du denn gerade?

*er rührt*

Sag mal.

Lehraufträge an der Uni.

(Blonder) Philosophie?

Nein.

In was?

Feldforschung über das Verhalten von Flüchtlingen.

Echt? -Klar.

So was gibt's? -Ja.

Wirst du bezahlt?

Aber ich höre auf damit. Ich gehe nach Afrika.

Ich habe da ein Jobangebot bei einem Hilfsprojekt.

Wo in Afrika? Afrika ist groß.

In Mali.

Ist das nicht Kriegsgebiet?

Klar. -Was ist das für ein Job?

Schulen auf dem Land errichten, Lehrer ausbilden.

-Ich glaube, es ist gut für dich, deinen Arsch mal wegzubewegen.

Hör auf, du Idiot. Mann! *Klappern*

Hey. Hey.

(Bruno) Okay, los geht's. Los geht's.

Guten Appetit, Ginnie.

Nee.

(Bruno) Was ist denn los? Nee...

(Bruno) Was hast du denn?

Nee.

(Hutträger) Wusstet ihr, dass unsere Prinzessin einen Freund hat?

Echt?

Mädel, die Spaghetti werden kalt. Heli.

(Bruno) Heli!

Ginnie.

(Bruno) Heli! -Mmh.

Dein Lieblingsessen. Spaghetti.

-(Brillenträger) Heli! Komme gleich.

(Blonder) Das war ein Fehler, du und der Jazz.

In Deutschland kannst du nur mit Klassik was werden.

Papa traute nur dir zu, das musikalische Erbe anzutreten.

-Weil du nie die Disziplin hattest, das Ganze durchzuhalten.

So macht man nie Karriere.

Heli!

Ihr habt nie kapiert, dass mir Karriere am Arsch vorbeigeht.

Oh... Das glaube ich dir nicht.

Wieso sollte man nicht erfolgreich sein wollen?

Nee.

Für die Buddhisten ist Erfolg... *Klappern*

(Bruno) Heli kann jetzt nicht.

Sie ist drüben bei Alma und hilft ihr.

Lasst es euch schmecken.

Heli?

Heeer.

Heeer.

Heeer.

Hu...

Heeeer.

Okay, Leute.

Heeer.

Heeer.

(Brüder) Lieber Herr Jesus, sei unser Gast und segne...

Amen! Amen!

...was du uns bescheret hast.

Amen.

Schlaf ein bisschen, ja?

Hey.

Den brauchst du jetzt nicht.

Da.

Da.

Du kriegst ihn wieder.

*er spielt eine Melodie mit lang anhaltenden Tönen*

*Saxofon setzt ein*

*er spielt schnelle jazzige Töne*

Spiel mal nach.

Hör mal auf jetzt. Komm. -Oh Mann, Alter.

*kurzes Lachen*

(Blonder) Die Ladys.

Komm mal her.

Du ahnst nicht, was ich durchstehen musste.

Drei Implantate im vorderen Oberkiefer.

Hm, tut weh? -Ja.

Sei froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist.

Und dass die Frau noch lebt. Sei dankbar dafür.

Und mein Porsche? Totalschaden.

Sei nicht immer so materiell, echt.

Überleg dir mal, was hier drinnen bei dir abgeht.

Manchmal habe ich Schiss, dass die Implantate nicht halten.

Und mitten im Konzert wegbrechen.

Ich träume ständig davon.

Wenn die Implantate halten, werde ich ein guter Mensch

und rühre keine Frau mehr an, außer meiner.

Versprich mal nicht zu viel.

Ich habe mit einem Kollegen von der Komischen Oper geredet.

Die würden dich zum Vorspiel einladen.

Die suchen noch Jazzmusiker für die "West Side Story".

Überleg's dir.

Und versau's nicht wieder wie beim letzten Mal.

Als du vor drei Jahren abgehauen bist.

Du hast eine Riesenchance vergeben.

-Es war wichtig für mich, Freddie. -Was?

Gomera. Wegzugehen.

Was hast du denn da gemacht?

Auf Gomera, hm?

Gekifft?

In Höhlen gewohnt?

*Freddie lacht*

Tommie!

Komm.

*er spielt wieder Klarinette*

*sie spielen zusammen*

(Bruno) Hey, Leute.

Wie soll sie ihren Mittagsschlaf machen bei dem Krach?

Tommie! Frederick!

Hier, die Interviews, die Papa mit uns geführt hat.

Ach, krass. Die gibt's noch? -Klar.

'87.

Freddie, da warst du zwölf.

Hier, "Ginnie zum 18".

(Kassette) Nun, liebes Christinchen,

jetzt mache ich auch ein Interview mit dir.

Denn du hast heute deinen 18. Geburtstag.

Der Herr segne dich auf deinem weiteren Lebensweg

und stehe dir bei.

Jetzt bist du volljährig geworden und wir wollen zusammen beten.

Christinchen, auf dass unser Herr Erbarmen mit dir habe

und dich von deinem Leiden erlöse.

Du bist unser Nesthäkchen, und um...

"Du bist unser Nesthäkchen."

(Kassette) Auch wenn du geistig beschränkt bist...

(Freddie) Lass doch laufen.

Hier, Tommie.

'85.

(Kassette) *lautes schrilles Grölen*

*die Brüder lachen*

(Bruno) Hier, nimm mit.

*Musik: Violinkonzert von J. S. Bach*

(Bruno) Da warst du noch Grundschüler.

Das konntest du damals schon?

Krass.

*weiterhin Violinkonzert von Bach*

*Klick* *Musik endet abrupt*

*Stimmen aus dem anderen Zimmer*

*Lachen und Stimmen der Brüder*

*Freddie spielt Klarinette*

Du spielst die zweite Stimme, ja?

Und improvisier bloß nicht wieder.

*Saxofon erklingt*

*Klarinette erklingt*

*beide spielen zusammen*

Ginnie, Scheiße!

*sie hustet*

*Ginnie brüllt*

(Bruno) Spinnst du? *Ginnie brüllt*

Ihr solltet doch aufpassen!

*Besteck klappert, Brüllen*

(Tommie) Sie ahnt, dass sie weggehen soll.

Ausgerechnet du weißt, was sie ahnt, ja?

(Bruno) Was kriegt sie für Medikamente?

Keine. Damit sie nicht vor sich hin dämmert.

Im Heim wird man sie vollstopfen. Ja, ich weiß!

Sorry. Ich komme später wieder.

Nein, nein, ist okay.

Wann bringt ihr sie ins Heim? Morgen?

Zusammen?

Ach Mensch.

Du Arme, meine kleine Ginnie.

Falls wir uns nicht mehr wiedersehen, hm...

Alma hat ab und zu auf Ginnie aufgepasst.

Kann ich 'ne Zigarette schnorren?

(Freddie) Klar.

Kannst du behalten. -Danke.

Nee, nee, ich rauche viel zu viel.

Mein Engelchen, ich werde dich vermissen.

Tschüss. Man sieht sich.

Feuer? -Mhm.

*Besteck scheppert*

*Besteck scheppert*

Nein, das soll Ginnie machen.

*Besteck scheppert*

*Besteck scheppert*

*sie atmet angestrengt aus*

Na?

Ginnie?

Ginnie?

(leise) Hey.

Ginnie.

Ich muss mal mit dir reden.

Du musst mir was sagen.

Wie heiße ich?

Ich heiße Bruno.

Bruno.

Sag...

Bru... no.

Bru.

Genau.

Bruder. Bruder.

Schwester.

Schwester.

Ja, du kannst es ja.

Aber die Idioten da unten kapieren's nicht.

Wie alt bist du denn?

Hm?

Bist du... Bist du jung oder bist du alt?

Bist du ein Mann oder eine Frau?

Frau. (leise) Ja.

Genau.

Hast du einen Freund, Ginnie?

Hm?

Aus der Theatergruppe?

Berührt er dich?

Fasst er dich an? Antworte mir.

Hey, tu nicht so blöd. Du weißt, was ich meine.

Rede mit mir, Ginnie. Sprich mit mir.

Du Idiotin. Ich will dir doch helfen!

Ich bin dein Bruder. Ich passe auf dich auf.

Dass dir nichts passiert.

Woher hast du die blauen Flecken? Flecke.

Hat dir jemand wehgetan? Flecke.

*sie spuckt*

*sie lacht*

*Projektor summt*

Seht ihr diesen Blick?

Der ist doch bewusst, der Blick.

Vielleicht gibt's im Heim ein Förderprogramm.

Es gibt ganz neue Methoden bei Sprachbehinderungen.

Ich glaube nämlich daran, dass Ginnie lernfähig ist.

Sie bekam bisher nur noch keine Chance, sich zu entwickeln.

Warum kam das letzte Kind unserer Eltern behindert zur Welt?

Hm? Vielleicht kam es gar nicht behindert zur Welt.

Ist Ginnie real behindert oder wurde sie dazu gemacht?

Weil sie wie ein Kaspar Hauser behandelt wurde von Heli.

*Schritte*

*es klatscht*

*sanft-traurige Klaviermusik*

Ginnie hätte ein anderes Leben führen können,

aber Vater wollte das nicht, und Mutter fehlte die Kraft,

um noch für ihr fünftes Kind zu kämpfen.

Und wir haben alles Heli überlassen.

Unsere Mutter sagte mir mal,

dass Ginnie vielleicht gar nicht von Vater ist.

Vielleicht hat unser Vater das geahnt oder gewusst

und sich deshalb nicht für Ginnie verantwortlich gefühlt.

Vielleicht bildete sie sich ein, dass sie von jemand anderem ist.

Warum das denn?

Sie wollte es nicht wahrhaben: ein behindertes Kind.

Da erfand sie einen anderen Mann.

Sie glaubte, Ginnies Behinderung sei die Strafe für ihre Untreue.

(Tommie) Was, echt?

Wusstet ihr, dass Mutter Bruno abtreiben wollte?

(Bruno) Oh! Ja!

Uh! Vielleicht bin ich gar nicht unseres Vaters Kind.

Vielleicht. Darum wollte sie mich nicht.

Oder sie liebte Papa nicht mehr und wollte mich deshalb abtreiben.

Bäm!

Ihre Unentschlossenheit ist mein Schicksal geworden.

Was meinst du mit "Schicksal"?

Bruno glaubt, dass er deshalb bindungsunfähig

und ein Einzelgänger wurde.

Und sich nicht in die Gemeinschaft einfügen kann.

Und dass er auserwählt ist. Na...

Was ganz Besonderes. Finger weg.

Und deshalb hält er uns für dumm. Richtig, mein Kleiner?

Deshalb hast du Philosophie studiert.

Ethnologie.

Zuerst war's Philoso... Zuerst... Nee, sag mal. Komm, sag.

Es war zuerst Philosophie, ganz am Anfang.

Und das hast du auch nicht zu Ende gebracht, wie so vieles.

Na sag doch!

Zum Beispiel hat Bruno mal... (lacht)

...eine Behindertengruppe, eine Theatergruppe organisiert.

Nee, nee. Finger weg!

Nee, sag. Du warst Feuer und Flamme, hm?

Und dann hast du alle überfordert mit deiner...

mit deiner Oberlehrerart, Ginnie inklusive,

und hast hingeschmissen, als es anstrengend wurde.

(lachend) Du bist so doof.

*sanft-traurige Klaviermusik*

Komm.

Sachen-Einkauf.

Fuß hoch. Fuß hoch. Kafftrink, Kaffee.

Helis Kleid, ja? Mhm.

*Ginnie wimmert*

Sei nicht so ungeduldig.

Ja. Noch die andere Seite, warte.

*Ginnie gibt Laute von sich*

*Heli lacht leise*

Sach-Einkauf.

Kafftrink. Ginnie, Ginnie, bleib mal stehen.

So.

Und noch die Haare aufmachen.

Gefällt's dir?

*sie klopft mit dem Fuß*

*Heli lacht leise*

(Tommie) Wir fahren zum Heim. Gib den Schlüssel.

(Freddie) Nee. Hör auf jetzt.

(Bruno) Dir ist egal, wo sie ist. -Du sagtest, das Heim sei gut.

Komm, ein Heim ist ein Knast, so oder so.

*Freddie lacht kurz auf*

Lasst uns das Haus verkaufen. -Spinnst du?

Wieso? Dann bezahlen wir eine Betreuung für Ginnie.

(Freddie) Das ist ungerecht. Heli hat für Ginnie gesorgt.

Das ist genauso viel wert wie das Haus.

-Aber sie gibt Ginnie weg. -Das Haus wird...

Mama und Papa sagten, wer Ginnie nimmt, kriegt das Haus.

Das stimmt. -Wo wart ihr die letzten Jahre?

Jetzt lass ihn doch mal.

Nein, das Haus wird nicht verkauft.

-Das bestimmst du nicht. -Doch, als Ältester.

Wir fahren ins Heim.

Gib ihm den Scheißschlüssel. -Nein!

Hey!

-Was ist mit dir los? -Was soll sein?

Das Haus wird nicht verkauft.

Bist du hier der Bestimmer? -Ja. Hör auf!

(Tommie) Ich will das Heim sehen.

(Freddie) Gib den Schlüssel her. (Tommie) Hier. Autoschlüssel.

-Ich habe den Porsche. -Hör auf, komm.

-Okay. -Gib ihn her.

-Ey! -Sag mal.

-Du hörst jetzt auf! -Oh, oh! Oh, der Frederick!

-Jaja. -Frederick.

-Gib mir den Schlüssel. -Ich hab keinen Schlüssel.

-Ich hau dir eine rein.

Ist doch alles geklärt, okay?

-Das Heim ist gut. -Bruno!

Wenigstens eine WG für betreutes Wohnen.

(Bruno) Es ist zu spät.

Warte.

Nee. Nee. Magst du nicht?

Ich mach's wieder ab. Ist gut. Nee.

Ich mach's wieder ab. Ginnie! Nee! Nee!

Hey... Ginnie! Nee.

Was denn jetzt? Lass das Kleid an!

Nee!! Du wolltest es anziehen!

Du lässt es jetzt an! Ginnie! Zieh es an!

Du wolltest es anziehen. Nee!!!

Du ziehst jetzt das Kleid an!

Ach... Heli! Ist gut jetzt.

Was ist denn? Nee!

Jean!

(sanft) Hey.

So. Hier!

Komm, ich helfe dir.

Aber nicht in die Eier treten.

So.

Komm her.

Hupsi.

Na, hast du deinen Willen? Hm?

Komm her.

Komm, wir gehen wieder runter.

Jetzt gibt's Musik.

*Tommie stimmt sein Saxofon*

*Freddie stimmt seine Klarinette*

(Bruno) Hey.

Wow.

*anerkennendes Pfeifen*

Darf ich bitten, die Dame?

Sie sieht so hübsch aus.

(Freddie) Wir spielen die Passage "Abschied"

aus dem "Lied von der Erde".

Für unsere Christina.

*Musik klingt melancholisch*

*Musik: modernes Arrangement von Gustav Mahlers Musik*

*Musik aus dem Kassettenrekorder*

Ginnie, lass mal. Ginnie.

*Freddie und Tommie hören auf zu spielen*

*Musik: "Shake it" von Tilmann Dehnhard*

*Heli lacht*

*Musik endet*

(Tommie) Ginnie.

*Klatschen*

(Tommie) Ginnie, komm.

Bravo, Ginnie.

*er klatscht und klatscht*

*Musik beginnt: "Shake it"*

*Musik endet*

*Stille*

Mir ist jetzt klar, dass wir durch diesen Prozess hindurch müssen.

Was für ein Prozess?

Ginnie ist dafür da, dass wir anders miteinander umgehen.

Wieder zu einer Familie werden, uns öfter sehen.

Sie darf nicht geopfert werden. An ihr müssen wir uns abarbeiten.

Jetzt weiß ich, warum deine Freundinnen dich verlassen haben.

Du machst einen verrückt. (Bruno) Was tust du da?

Wie? Na, was du da machst.

Wir schieben die Schwachen ab, wie immer.

Deutschland ist das einzige Land auf der Welt,

das seine Behinderten unter den Nazis vernichtet hat.

Das sagt viel über unsere Werte aus.

-Verzeihung, dass ich unterbreche, aber will jemand einen Espresso?

Ja, gerne. -(Bruno) Unser Egoismus.

Die Sucht nach Bequemlichkeit.

Was anstrengend ist, wird als störend empfunden.

Wir erkaufen Glück mit dem Unglück der anderen.

Wir sind am Arsch!

Kaputte Individualisten,

die für ihre Freiheit den anderen betrügen, ignorieren,

sogar töten.

Bruno, hau doch einfach ab aus meinem Haus.

Heli, das ist nicht dein Haus. Das Haus gehört uns allen.

(Tommie) Hey...

*er hustet*

Also mir reicht's auch.

Ich habe eh genug Stress. Ich haue ab.

Ich sage noch Ginnie Tschüss.

Frederick, wenn du jetzt abhaust, bist du ein Arschloch.

Viel Spaß in deinem Schneckenhaus, du Idiot.

(Tommie) Hey, hey, hey! -(Bruno) Nee.

Lass mal wieder einräumen, komm.

Ja. -Echt...

Huh. Huh. -Huh.

Ja was? Was, hm? Was ist los?

Nee, sag, komm. Was ist los? Hm?

-Bruno. -Sag doch mal was.

Komm runter. -Sag was.

Komm runter. -Sprich mal mit mir.

Nicht streicheln. Sag was.

Was ist denn los? Hier.

Hm?

Mach doch mal.

Los, mach mal was!

Geht doch.

*Rumpeln*

Wenn du dich im Heim eingelebt hast,

dann komme ich dich besuchen.

Versprochen.

Meine kleine Schwester lässt sich also vögeln.

Hm?

Hm...

*sie keucht heftig*

Hey!

Ganz ruhig.

Ginnie.

*sie hyperventiliert*

Hey.

Heli!

Christinchen, hab keine Angst. Alles wird gut.

Hey. Ganz ruhig.

Heli, Bruno, kommt mal jemand!

-Was ist denn los? -Keine Ahnung.

*sie keucht* Scheiße, was ist passiert?

Ginnie, ruhig.

Komm, hol Heli. Hol Heli.

Hey, hey, hey. Ruhig. -(Bruno) Was hat sie?

-Sie hyperventiliert. -Und jetzt?

-Keine Ahnung.

*sie keucht* (Bruno) Pscht.

*er klopft* Heli!

Ginnie geht's nicht gut.

*Klopfen* (Freddie) Bist du da drin?

Sag doch was! *er rüttelt an der Tür*

Komm!

Oh Mann!

-Ginnie. -Ginnie. Ginnie.

(Freddie) Heli ist nicht da.

*Ginnie keucht immer noch*

Hast du mit ihr was gemacht? -Pscht.

(Tommie) Ruhig. Komm her. Komm hoch.

Komm her. Hey, pscht.

Pscht.

Pscht.

Ganz ruhig. Ganz ruhig, Ginnie.

Scheiße.

Pscht.

Ruhig.

(Bruno) Nimm die Tablette. Guck mal.

Nimm, dann geht's dir besser. -Komm, gib her.

*sie keucht und stöhnt*

Mund auf! Ginnie, Mund auf!

Hier ist Wasser.

Wasser, Ginnie.

Ah!

Sollen wir sie ans Bett binden? -Spinnst du?

*Ginnie hyperventiliert*

Scheiße! Wir haben ihr Helis Antidepressiva gegeben.

Ginnie, spuck die Tablette aus. -Die Tablette macht nichts.

Die ist nicht gut für dich.

*sie hyperventiliert*

*sie hört auf zu atmen*

Scheiße! -Ginnie?

Sollen wir den Notarzt rufen? -Quatsch!

-Scheiße! -(Bruno) Was denn?

Heli!

Scheiße, Scheiße, Scheiße. Ginnie.

Heli!

Ginnie!

Ginnie!

Na komm.

*sie spuckt*

(Tommie) Ginnie? -Kommt raus.

Kommt.

Ich brauche einen Schnaps.

Das hat sie mit Absicht getan.

Was?

Hey. Ich glaube, der ist von Papa.

Oh Mann, ey!

Willst du auch einen?

*er ploppt*

(Tommie) Bruno!

*schwermütige Klavierklänge*

*traurige Jazzmusik*

*traurige Musik läuft weiter*

*Musik verstummt*

Zeig mal her, dein Gift.

(Freddie) Hast du dich beruhigt?

Schnaps.

*Plätschern*

Cheers.

Uäh, ist ja ekelhaft.

Uah.

Schmeckt nach Papa.

Wie ich dich damals beneidet habe.

Du konntest Fußball spielen oder in den See springen,

während ich acht Stunden oben eingesperrt war und üben musste.

Und was habe ich jetzt davon?

Ich habe in zehn Jahren drei Porsche kaputt gefahren,

und du beneidest mich.

Habe ich doch gar nicht gesagt.

Na? Alles okay bei dir?

Ginnie hat sich wieder beruhigt.

Ich beneide dich.

Du beneidest mich?

Warum denn eigentlich?

Na ja,

du gehst jetzt in dein großes Abenteuer.

Verlässt Deutschland.

Genau der richtige Zeitpunkt, um zu gehen.

Und was mache ich?

Ich heirate.

Du wolltest es doch so.

Ruhe in dein Leben bringen,

dich um nichts mehr kümmern müssen.

Je länger ich über meine Heirat nachdenke,

desto weniger Lust habe ich dazu.

*klopft kurz an* Bruno.

-Hm? -Kannst du mal kommen?

Lass dir Zeit.

Hinten ist sie nicht.

(Freddie) Mann, ey.

Sie ist bestimmt zur Kolonie. -Hm?

Sie ist zur Kolonie.

Wir fahren hintenherum.

Mann.

Ginnie!

(schreit) Ginnie!

*Rumpeln*

*Stöhnen und Rumsen*

*erregtes Stöhnen*

(Tommie) Ginnie?

Ginnie, hey. Hey.

Hey.

Hey.

*sie stöhnt*

*Krachen*

*Stöhnen*

*Rumpeln*

*er summt ein Lied*

Hm.

Hm. Hm. Ginnie.

Hm.

(Kind) Hm. Hm.

Komm, Ginnie. Ginnie.

(leise) Komm.

Komm.

*Glocken läuten*

(Freddie) Wo warst denn du?

Na, Ginnie.

(Freddie) Hier lang.

*Vögel zwitschern*

*lautes Ruckeln*

*lautes Ruckeln*

*Bett ruckelt*

*angestrengtes Atmen*

*Wasser plätschert*

Nein.

Na?

Vielleicht sollte jemand wie Ginnie keinen Sex haben.

(Tommie) Warum nicht? Ich hat's doch gefallen.

Ginnie verhält sich wie ein Tier. Ein menschlicher Zug.

Und wenn sie jetzt schwanger wird?

(Bruno) Das muss sie nicht. Gib ihr ein Verhütungsmittel.

Ich wäre bereit, mich um sie zu kümmern.

Du?

Ausgerechnet du? Ja, warum nicht?

Ist doch genug Platz hier.

Für dich, deinen Freund, Ginnie und mich.

Du wärst immer in ihrer Nähe und musst dir keinen Kopf machen.

Vielleicht machst du's ja bloß, damit du hier wohnen kannst.

(Tommie lacht kurz) Und wenn schon.

(Bruno) Lasst ihn doch mal.

Ginnie ist sicher lieber bei mir

als zugedröhnt mit Medikamenten im Heim mit lauter armen Irren.

Du hast gesagt, Heli...

Du hast gesagt, sie ist fertig, weil sie hier weg muss, oder?

Von dir, von ihrem Zuhause. Ginnie wurde hier geboren.

Stellt euch mal vor, ihr müsstet ins Heim.

Du willst das also übernehmen, ja?

Du warst doch selber in der Psychiatrie.

Du warst nicht auf Gomera.

Oder?

Ich hab in der offenen Psychiatrie für Patienten Musik gemacht.

(Freddie) Was für Musik?

Straßenmusik und Klassik.

Danke, Heli.

Sei froh, dass du Ginnie hattest.

Du meinst, als Ausrede für mein Scheitern als Künstlerin?

Du hattest mit deiner Schwester wenigstens einen Grund, ich nicht.

Ich habe hier acht Jahre lang auf Sparflamme gelebt.

Ich habe nichts mehr gemalt.

Weißt du, was ich jetzt gern möchte?

Ich möchte abhauen, alles loslassen.

Ich will was Neues entdecken, Unbekanntes.

Am liebsten würde ich in eine Stadt verschwinden,

wo mich niemand kennt, wo ich niemand bin, völlig frei.

Ich nehme mir ein Zimmer oder eine Wohnung

und ich gehe einfach nur mit vielen Männern ins Bett.

Es geht um mich. Ich will nicht jemanden versorgen.

Oder für jemanden Verantwortung tragen.

Ich will mich selbst mit anderen Augen sehen.

(Freddie) Ja, mach das.

Du hast noch alles vor dir liegen,

deine ganze Zukunft.

Unsere durchschnittliche Lebenserwartung

liegt bei... 100 Jahren.

(Bruno) Ach echt? Mhm.

Willst du einen Keks?

(Tommie) Ginnie.

Ginnie.

Ginnie.

Ginnie.

Ich habe gute Nachrichten.

Stell dir mal vor,

du musst nicht ins Heim, wenn du nicht willst.

Du könntest bei Heli bleiben, zu Hause.

Und dein Bruder Tommie passt auf dich auf.

Was hältst du davon?

Freut dich das?

Hm?

Dann können wir ganz viele Sachen einkaufen,

Kaffee trinken gehen.

(murmelt) Sachen kaufen.

Ginnie. Ginnie. *sie murmelt vor sich hin*

Ginnie. Pscht. Ginnie.

Hat sie das jetzt gehört?

Nee.

Schockiert euch das? (Freddie) Nein.

(Bruno) Und Markus?

Markus glaubt, dass er alles über mich weiß.

*er brummt und knurrt wie ein Hund*

Nee...

Nee.

Nee.

Nee.

*Tommie knurrt* Nee. Nee.

*sie gibt Laute von sich*

Nee. *er lacht*

(Tommie) Grr. Grr. Grr.

Ginnie, stopp. Stopp, Ginnie. Stopp.

Ginnie, stopp!

*Schritte*

Die nimmt jeden, den sie kriegen kann.

Jetzt kommt mal runter.

(flüstert) Ginnie.

*er spielt eine einfache Akkordfolge*

*er spielt schwungvolle Jazzmusik*

Yeah.

*Saxofon setzt ein*

Hey, Ginnie.

*lebhafte Jazzmusik*

*lautlos*

*schwungvolle Jazzmusik*

*lebhafte Jazzmusik*

*hektische, schrille Saxofonmusik*

*leises Quietschen*

*leises Stöhnen*

*erregtes Stöhnen*

*Rumpeln, Stöhnen*

Ginnie.

Verschwinde.

*Stöhnen*

*melancholische Musik*

*melancholische Musik*

*Vögel zwitschern*

Ginnie! Frühstück ist fertig! Komm jetzt!

Hm.

Ha...

(Tommie) Ginnie, was ist los?

*Lachen* (Bruno) Nicht lachen.

Das hat sie in der Theatergruppe gelernt.

*unterdrücktes Kichern* -Pscht.

(mit verstellter Stimme) Ginnie. Hallo!

Hallo, Ginnie! Hallo, Ginnie. Hallo!

Hallo!

Hallo!

-Ginnie, hallo! -Ginnie.

Wo ist denn die Ginnie? Wo ist sie? Ginnie?

-Ginnie. -Ginnie. Wo ist denn die Ginnie?

Wo ist denn die Ginnie?

-Ah! -Ah!

Könnten Sie ein Foto machen?

Entschuldigung.

Komm, wir machen noch ein Foto.

*Klicken*

*Klicken*

Danke sehr.

Komm, Ginnie.

Wo soll sie sitzen? (Mann) Hier vorne.

Hallo.

Ist nur zu Ihrer Sicherheit.

Tschüss, meine Süße.

Halt, stopp!

*Musik: "Shake it" von Tilmann Dehnhard*

*Musik "Shake it" läuft weiter*

Untertitel: No Limits Media 2017/ rbb 2018

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