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Gritta von Rattenzuhausbeiuns (1985) dTV - MDR - 18: April 2013
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(Erzähler) Es war einmal ...
Es war wirklich einmal ...
100 oder 200 Jahre ist es her: Da lebte ein Mädchen.
Im alten verfallenen Grafenschloss derer von Rattenzuhausbeiuns.
Sie hieß Gritta.
Gritta lebte hier mit ihrem Vater, dem Hochgrafen Julius Ortel.
Und dem treuen Diener Müffert, der aus Mitleid bei ihnen geblieben war.
Der Hochgraf von Rattenzuhausbeiuns verarmte immer mehr.
Regieren war nicht seine Stärke.
Doch mit Lust hatte er das Maschinenwerkwesen studiert.
Auf diesem Gebiet brachte er es zu einigen Erfolgen.
Er erfand eine Haferschneidemaschine für die Bauern,
ein Sprechferngerät, genannt Bellofon, und eine Wasseruhr.
Seit 7 Jahren baute er schon an einer Thronrettungsmaschine für den König.
Der König hatte große Angst um sein Leben.
Und um seinen Thron. Deshalb ließ er im Lande ausrufen:
Wer ihm eine Thronrettungsmaschine baut, wird reichlich belohnt.
* Knallen und Krachen *
* Gewitter *
Gebhardt Müffert, wach auf! Ist es schon Morgen?
Nein, aber die Welt schickt sich an, unterzugehen.
Ich bleibe heute Nacht bei dir.
Leg dich wieder hin! Ich schlafe in der Truhe.
Vornehm geht die Welt zugrunde.
(Ratte) Ferkel!
(singt) Ach, wie ist's möglich dann, dass ich dich lassen kann?
Hab dich von Herzen lieb, das glaube mir.
Du hast das Herze mein
so ganz genommen ein, dass ich kein andren lieb
als dich allein.
* Schnatternde Gänse *
Wunderbar prima.
Der König erhöht die Belohnung für den Bau einer Thronrettungsmaschine.
Hört zu!
Wer schnell eine Rettungsmaschine für den König baut, wird belohnt:
Mit dem Maschinenwerksorden 1. Klasse und mit Edelsteinen.
Und einem Sack Goldstücke.
(lachend) Wunderbar!
Wunderbar!
Den Maschinenwerksorden 1. Klasse.
Mit Edelsteinen.
Iss erst mal, Papa!
(Ratte) Wieder nur Haferpamps!
Lieber Müffert, ist das heute Haferbrei oder Haferpudding?
Hafer-Parfait, Herr Hochgraf! Hm.
Vornehm geht die Welt zugrunde.
Sollen wir eigentlich bis an unser Lebensende Hafer essen, Papa?
Wir sind doch keine Pferde!
Vielleicht erfindest du mal eine Eierlege- oder eine Wurstmaschine?
Dann würden mir die Bauern außer Hafer auch Eier und Wurst schicken.
Wunderbar prima.
Dieses Gesindel ist ja zu dumm oder zu faul zum Eierlegen!
* Huhn schreit laut. *
Ich erwarte euch wie immer um die 9. Stunde in meiner Werkstatt.
* Trompete *
Majestät!
Das ist meine Thronrettungsmaschine TRM, Modell 1848.
Mit ihr wird der auf dem Thron Sitzende bei Gefahr empor geworfen.
Durch einen wohl berechneten Bogenschwung.
So kann er sich jeder Gefahr erfolgreich entziehen.
* Schreit laut. *
Wunderbar prima!
Wunderbar!
* Plätschernde Flüssigkeit *
Oh!
* Krachen *
Keine Angst!
* Lautes Einrasten *
* Lautes Zischen *
Juhu!
9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1, 0.
Aaaaaah!
* Glockengeläut *
Kuno Gebhardt Müffert, du gleichst einem Lämplein, wie du da hängst.
* Lacht *
War das nicht ein prächtiger Bogenschwung?
Du, mein hochgräfliches Fleisch und Blut, bist feige?
Es ist eine Ehre, eine königliche Thronrettungsmaschine auszuprobieren
Spring!
Für die Ehre deines Landes! Fang endlich an!
* Lautes Zischen *
Aaaaaah!
Wunderbar! Wunderbar prima!
Wunderbar primissima!
Es fehlt nur noch ein wenig Eigensicherheit.
Vielleicht könnte sich ein Schirm, gefüllt mit leichter Luft,
am Hinterteil des Fliegenden entfalten?
Ein Faltschirm!
Heureka!
Das ist es!
Ein Fall-
Schirm.
Kind, sei vorsichtig!
Haltet euch gut fest!
Sollen wir hier oben überwintern, Herr Vater?
Geduldet euch ein wenig!
Ich werde in der Mühle eine Leiter borgen.
Und dafür verkaufte er alles: Möbel, Lampen, Vorhänge.
Gut, dass die selige Hochgräfin den Abstieg des Hauses nicht mehr erlebt.
Ich muss mich mehr um Papa kümmern.
(jubelnd) Ja!
Hallo?
Hallo! Ich müsste eine Hallo-Maschine erfinden.
Nein, besser eine Wegweiser-Maschine.
* Papagei lacht *
* Papagei lacht. *
* Kinder lachen. *
* Kinder und Papagei lachen. *
* Höfische Musik *
(Papagei) Oh lala!
(Papagei) Oh lala!
Hätte Papa lieber regieren gelernt!
Ich werde nie einen Mann kriegen, wenn ich immer blaue Flecken habe.
Ob uns der König auch belohnen wird,
wenn diese blöde Maschine endlich mal fertig ist?
Sag was! Immer schweigst du. Nie sagst du deine Meinung.
Du bist arm, bekommst keinen Lohn.
Und lässt dich jeden Tag an die Decke schießen.
Sag doch endlich mal was!
Arme Leute müssen gehorsam sein.
Gott will es so.
Ich habe Besuch mitgebracht.
Darf ich bekannt machen?
Meine Tochter Gritta, die kleine Hochgräfin.
Und Kuno Gebhardt Müffert, unser treuer Diener, Koch und Leibwächter.
Papa, wo ist die Leiter?
Bitte verzeih! Ich habe die Leiter vergessen.
Du bist eine Niete, ein Versager, ein Trödelfritze! Trübe Tasse,
Pflaumenaugust, Maschinenfritze!
He! Spricht man so mit seinem hochgräflichen Vater?
Das Kind ist frühreif.
Ihre Kinderstube geriet durch den frühen Tod der Mutter ins Wanken.
Sie las viel, rebellische Bücher.
* Krachen *
Oh, mon dieu!
Ich habe das Schloss von meinen Vorfahren geerbt.
Es ist schon etwas ruiniert.
(Papagei) Ruiniertes Schloss.
Ruinierte Schlösser sind mir die liebsten.
Hier riecht es nicht so nach gräflicher Langeweile wie bei mir.
Gnädiges schönes Fräulein! Wollen Sie einige Tage hier verweilen?
Je veux. Ich will! Ich will!
* Zwitschernde Vögel *
* Stimmen, schnatternde Gänse *
* Tumult *
(Frau) Es ist doch eine einzige.
Warte doch noch 1 Monat. Dann holt ihr sie.
Weg da, alte Hexe!
Es ist eine Ehre für deine Gans, an die Tafel des Königs zu kommen.
Lass sie los!
* Viele rufen durcheinander. *
Lasst ihn los! Sonst sage ich es meinem Vater!
Dem da oben?
Sie meint den Hochgrafen Spinnefix. - Oh, sag ihm schönen Gruß!
Ihr dürft euch in Gnaden entfernen! Habe die Ehre, gräfliches Fräulein.
(spöttisch) Und an den Herrn Papa einen schönen Gruß!
* Romantische Musik *
Alles nur, weil ich so lange auf dich wartete. Warum kommst du so spät?
Warum, warum! Weil ich 3 Stunden an der Decke hing.
Sieh mal! Die blauen Flecke.
Und dann haben wir noch Besuch.
Wen denn?
Gräfin Zimtzicke mit 100 Schleifen und 7 verzuckerten Gartenzwergen.
Bist heute nicht sehr nett.
Warum auch? 3 Gänse stahlen sie mir. Die Müllerin wird mich schlagen.
Hast du Angst vor der Müllerin? Ja.
Feigling!
Vielerlei Speisen verderben nur den Magen.
Cest une délicatesse délicieuse. Eine köstliche Delikatesse.
Hafer kräftigt nicht nur, sondern heilt auch und dient dem Wachstum.
Aus einfachem Geschirr schmeckt doch alles am Besten. I! Äh!
Attention!
(singt) Bei des Mondes Scheine, Piero komm herfür.
Und vom Schreiben leihe deine Feder mir.
Meine Kerz ist trübe, hab kein Feuer mehr.
Mach bei Gottes Liebe, mach mir auf die Tür.
* Singt französisch weiter. *
* Singt französisch. *
* Kreischen *
Eine Katze! Sofort kommen Katzen ins Schloss!
Die Ratten müssen fort! Oder ich bleibe nicht länger.
* Zwitschernde Vögel *
He!
Was machst du denn hier?
Ich bin nicht mehr bei der Müllerin. Sie verjagte mich.
Na, komm mit!
(Papagei) Ich will! Ich will! Ich will!
He, das ist schweinisch!
* Kinder lachen. *
Vorsicht!
Ich scheuere die Treppe, Vater. Gut, gut.
Unmöglich! Das ist deine Erziehung!
Es wird Zeit, dass sie Sticken, Spinnen und Weben lernt.
* Tür knallt zu. *
* Trompetentöne *
Für dich. Unser neuer Turmbläser.
* Trompetentöne werden lauter. *
* Romantische Musik *
Merkst du was? Ja.
Was? Es kribbelt wie Ameisen.
Bei mir auch. Bis in die Nasenspitze.
Jetzt bis in die Zehenspitzen.
* Beide lachen. *
Liebst du mich?
Dann musst du es beweisen. Wie?
Wenn man liebt, tut man alles für seine Geliebte.
Alles! Ja, alles!
So iss, als Liebesbeweis für mich, eine Brennnessel!
* Lacht *
Bravo, mein tapferer Ritter! Die erste Feuerprobe habt Ihr bestanden.
Und nun die zweite.
Flieg mit meinem Flugrad, als Liebesbeweis, über dieses Tal.
Flieg, tapferer Ritter!
Flieg! Höher!
Höher!
(verzweifelt) Mein tapferer Ritter!
Die 2. Feuerprobe habt Ihr bestanden.
Doch die Belohnung erhaltet Ihr erst nach der dritten.
Liebespaar, küsst euch mal! Auf den Mund, das ist gesund.
Ihr blöden verzuckerten Gartenzwerge, ihr Plüschohren!
Aus! Schluss! Marsch auf den Turm! Und du, Gritta, geh ans Spinnrad!
Das wird sich ändern. Hier wird sich vieles ändern.
Und in diese Zimtzicke hat sich mein Papa verknallt.
Seitdem die da ist, ist alles anders.
Sie schreit und ich muss springen.
Ich glaube, Papa liebt mich gar nicht mehr.
Wenn das so weitergeht, haue ich hier ab.
Es ist mir egal, was aus Papa wird.
Sag was!
Du bist wie Müffert. "Wir müssen gehorsam sein. Gott will es so."
Mit dir kann man die Welt auch nicht verändern.
Kinder können die Welt nicht verändern. Wir wissen zu wenig davon.
Vielleicht gerade deshalb.
Die Erwachsenen sind schon an alles gewöhnt. Auch ans Böse und Schlechte
* Bedrohliche Musik *
Wenn ihr die Gräfin nicht findet, lass ich euch einsperren.
Sie war mir, dem Gouverneur des Königs, versprochen.
Sie war versprochen.
Ich werde sie bekommen.
Wir bringen sie zurück. Wir suchen im ganzen Land. Aber gebt uns Zeit!
Ihr bürgt mir dafür mit eurem Vermögen.
Mit unserem Vermögen.
* Fanfarenklänge *
* Militärische Musik *
Verriegelt das Tor!
Man will mich entführen!
Verriegelt das Tor!
Bewaffnet euch!
Das vom wohlweisen Rat eingesetzte Gericht, 2 Vormünder, verlangt,
mit der Gräfin Nesselkrautia Anna Bolena zu sprechen.
Ich spreche nur durch die Tür!
Wir weisen Sie an, umgehend mit uns, Ihren Herren Vormündern, zu reisen.
Auf das Ihnen zur Wohnung angewiesene Schloss.
Und dort zu verharren, bis Sie mündig sind.
Und nur zu tun, was wir Vormünder gut heißen.
Ich will nicht!
Sollte benannte Jungfrau Anna Bolena Maria, Gräfin, sich nicht stellen,
so wird sie und alle, die sie an ihrer Pflicht hindern, gestraft.
Durch uns, ihre Vormünder.
Fiat! Und das ganze vergammelte Jammerschloss wird ausgeräuchert.
Hättet ihr die Güte, zu verschwinden? Ihr Ungeheuer!
Denkt ihr vielleicht, ich heirate den da?
Seien Sie ein gutes Kind und folgen Sie uns!
Ich denke nicht daran! Es gefällt ihr hier!
Das könnte Ihnen so passen! - Sie ist minderjährig!
Das macht doch nichts.
Dieser Unhold! - Aua!
Das ist gesetzwidrig! - Pfui!
Pfui! - Doppel-Pfui!
Diese Schande! - Betrug!
Ihr wollt doch nur mein Geld. Deshalb soll ich den heiraten.
Weigere ich mich, stecken sie mich ins Kloster, kassieren mein Erbe.
Sie ist meine Braut! Pah!
Hier ist mein Vermögen, das Testament meines Vaters.
Nur noch 3 Monate. Dann bin ich volljährig.
Und reich, reich! Und dann will ich den Grafen. Ich will!
Er hat sie verführt! - Das soll er uns büßen!
(Papagei) Feuer! Feuer! Feuer!
Das zahl ich dir heim!
* Rufende Kinder *
Hurra!
Freiherr Julius Ortel von Rattenzuhausbeiuns.
Willst du selbige Jungfrau:
Nesselkrautia Anna Bolena Maria als deine andere Hälfte und Herrin haben.
So sprich ein deutliches Ja!
(eindringlich) So sprich ein deutliches Ja!
Ja, ja, ja!
(Papagei) Verschwindet!
Gritta, gerade sitzen!
Den Rücken noch gerader.
Gritta, das Kinn höher!
Und wie soll ich jetzt noch meine Klöße sehen?
Du musst sie nicht sehen. Du weißt doch, dass es Haferklöße sind.
Etwas anderes gab es bei deinem Vater noch nie.
Meine Liebe!
Ich werde die Thronrettungsmaschine vollenden.
Der König wird mich belohnen. Ich werde reich! Reich, reich, reich!
Mon dieu, du und reich! Kümmere dich lieber um deine Tochter!
Sie stickt nicht, spinnt nicht. Stattdessen liest sie in Büchern.
Und wählt diesen Nichtsnutz zum Vertrauten.
Peter ist kein Nichtsnutz! Befiehl mir nichts!
Wie sprichst du mit deiner Mutter! Du bist nur 4 Jahre älter als ich!
Also halt die Klappe!
Iss vornehm, Kind!
Das ist deine wilde Erziehung. Damit ist es jetzt vorbei.
Von nun an wird das Kind in einer Klosterschule erzogen.
Das ist mein letztes Wort.
Du schleimverzierte Zimtzicke!
Gritta!
Kind, sieh mal!
Du bist doch jetzt schon ein großes Mädchen!
Komm zur Sache, Papa!
Ich weiß, du warst immer fleißig, hast gelernt, viele Bücher gelesen.
Rebellische Bücher.
Aber es war eine freie, undisziplinierte, wilde ...
Erziehung war das doch nicht, Gritta!
Deshalb ist es gut, wenn du endlich eine Schule besuchst.
Eine Klosterschule.
Sieh mal ... Du liebst nur noch sie!
Ja, ich gehe.
Weil ich dich lieb habe.
Wir bringen dich hin. Nein, ich möchte allein gehen.
Aber Gritta-Kind, das geht doch nicht!
Doch, Papa. Wenn ich gehe, gehe ich allein.
Und jetzt lass mich bitte!
* Traurige Musik *
(Peter) Du wirst mich vergessen. Im ganzen Leben nicht.
Soll ich dich bringen? Nein, ich geh allein.
Bleib bei meinem Vater, diesem alten Trottel.
Behüte ihn gut, wenn ich weg bin.
* Traurige Musik *
* Gruselige Musik *
* Beide lachen. *
Die kleine Hochgräfin von Rattenzuhausbeiuns.
Komm, Kind!
* Glockenläuten *
Was ist denn los? Was los ist? Du bist im Kloster.
Wie kommst du in mein Bett? Das kann ich dich auch fragen.
Die alten Schachteln sparen an allem.
Nicht mal ein Bett hat man allein.
* Klappernde Holzschuhe *
* Wasserplätschern *
Wo kommt die denn her?
Ich hab sie heute Nacht ausgebrütet.
Ich fand das Ei im Garten.
* Lachen *
Hat sie Federn?
* Glockenläuten *
Drängle nicht so!
(Mehrere) Eins, zwei, drei!
Jetzt bist du von uns getauft.
* Kirchlicher Chorgesang *
* Lateinischer Gesang *
Hohe Himmelsmutter! Schau auf von deiner Herrlichkeit
mild und gnädig auf uns. Sei unsere Schutzfrau in den Gefahren des Lebens
durch alle Zeit. Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
* Sehnsuchtsvolle Musik *
Es ist sündhaft, sich im Fensterglas zu spiegeln.
Du darfst es nie wieder tun! Bete zur Strafe 3 Vaterunser!
(singt) Ich ess nicht gerne Gerste. Steh auch nicht gern früh auf.
Ein Männlein soll ich werden, hab keine Lust darauf.
Also wünsch ich dem das Unglück hier, der mich armes Mädel
ins Kloster bringen will.
Die Kutt ist angemessen. Sie ist mir viel zu lang.
Das Haar ist abgeschnitten. Das macht mir Angst und Bang.
Also wünsch ich dem das ...
Pst!
* Tür quietscht. *
(flüstert) Ja, die schlafen schön.
Gute Nacht. Schön.
Was träumst du hier herum?
Du sitzt die ganze Nacht an deiner Maschine und mich plagen die Ratten.
Ich muss viel an meine Tochter denken.
Beeil dich lieber mit deiner Rettungsmaschine!
Wenn ich Gritta nur finden könnte!
Und schaff mir die Ratten aus dem Haus!
* Bedrohliche Musik *
Hier liegen wir im Staube vor dir, Gott Zebaoth. Lies lauter!
Hier liegen wir im Staube vor dir, Gott Zebaoth. Warum müssen wir das?
Weil er uns aus Staub machte und wieder zu Staub macht.
Zur Strafe für Hochmut.
Gott sollte uns besser behandeln. Oh, du garstiges Kind!
Wie kannst du so unreine Gedanken haben!
Zur Strafe gehst du in die Kapelle. 1 Stunde beten, aber auf den Knien!
* Glockenläuten *
* Knarrende Tür *
So ängstlich werden wir bald alle sein.
Hier müssen wir fort.
* Lachen und Kichern *
* Spannende Musik *
Pst!
Pst!
* Spannung steigert sich. *
(Mann) Ich komme heute Nacht. Es gibt Wichtiges zu berichten.
Einer Ratte habe ich Speck gegeben, damit sie das Testament frisst.
Gut. Aber kommt durch den Rauchfang!
* Bedrohliche Musik *
* Schnarchen *
* Husten *
* Poltern *
Muss ich wie ein heimlicher Liebhaber zu seinem Schätzchen kriechen?
Wenn er sich als falscher Pater ins Kloster schleicht, muss er wohl.
War die Ratte schon da?
* Pfeifen *
(Ratte) Verdammter Kamin! Man verbrennt sich ja die Füße.
Hast du den Auftrag erfüllt? - Ich habe das Testament gefressen.
Ratzekahl. Leider war es nur Papier. Aber feinstes, fettes Pergament.
Nun ist die Gräfin arm wie eine Maus.
Alles Geld geht ins Kloster. Dafür sorge ich.
Gut.
Das ist die Strafe, weil sie Gritta vertrieb. Lebt sie denn noch?
Papperlapapp!
Nimm den Lohn und verschwinde!
* Pfeift *
Verschwinde endlich!
(Gouverneur) Wir haben es geschafft.
Ein gutes Werk hast du getan.
Sollte es dir nicht doch gelingen, selbst König zu werden?
Mit dem König werde ich fertig. Auch den Prinzen habe ich im Sack.
Hier sind noch Unterschriften.
Ich überzeugte einige Eltern, ihre Schäfchen im Kloster zu lassen.
Für immer. Das bringt viele Goldstücke.
Margarethe und Camilla.
Und Petrina.
Eslida und die kleine Hermina.
Die Hälfte des Geldes bekomme ich.
Ja ja, du schmutziges Gaunerchen!
* Schnarchen *
Halt! Wer da? - Ich musste mal.
Geh ins Bett und schlaf!
* Schnarchen *
Steh auf! Wir müssen weg! Weg?
Beeil dich! Ich weiß einen Weg.
Kriech zur Tür, mach sie vorsichtig auf. Ich wecke die anderen.
* Schnarchen *
* Schnarcht weiter *
Margaritha, wilde Beere, Camilla, Petrina, Reside, Hermina.
Lauft zu euch an der Mauer! Dort treffen wir uns.
Komm, beeil dich!
Aua!
Na komm!
Beeilt euch!
Lauft, so schnell ihr könnt! Damit wir einen Vorsprung haben.
* Quakende Kröte *
I!
Gibt es die heute zum Frühstück?
Guck! Da kommen die Nonnen.
Schnell! Legt euch wieder hin! Keinen Laut!
Los, kommt! Wir müssen weiter.
Ich kann nicht mehr. Du musst!
Wenn sie uns fangen, stecken sie uns für immer ins Kloster.
* Plätschernder Strahl *
(freudig) Ah!
* Hunde bellen in der Ferne. *
Aufstehen! Frühstück!
Hier bleiben wir.
Und dort wohnen wir.
* Lachen *
* Quakende Frösche *
Wenn wir erst Hühner haben, und Eier und Töpfe.
Und kleine Lämmer und Ziegen.
Hoffentlich finden sie uns nicht.
Ich hab noch mehr!
Ein Löwe!
* Lachen *
Jetzt kommt noch ein Wilder!
* Fanfarentöne *
Wir geruhen, euch gnädig zu sein.
Los, mach schon! Fall vor mir auf die Knie! Das gehört sich so.
Ich denke nicht daran! Was willst du denn hier?
Ich bin Prinz Bonus. Du musst dich freuen und Beifall klatschen.
Los!
Und wenn ich mich nicht freue?
Dann muss ich dich bestrafen lassen.
Alle Untertanen müssen sich freuen, wenn sich der König dem Volke zeigt.
Seine Hoheit, Prinz Bohne!
Warum trägst du deinen Kopf auf einem Teller?
Das ist meine Spitzenhalskrause. Ich muss sie täglich 2-mal wechseln.
Ich heiße nicht Prinz Bohne, sondern Prinz Bonus.
Er heißt nicht Prinz Bohne, sondern Prinz Bonus.
* Höfische Tanzmusik *
Ich bin sehr enttäuscht, dass ihr mich nicht erkannt habt.
Im Lande kennen mich sonst alle.
Ich muss mich täglich meinem Volk zeigen.
Damit ich lerne, es zu beherrschen. Lest ihr hier keine Zeitung?
Mein Bild ist jeden Tag auf der 2. Seite, gleich nach dem König.
Sein Bild ist jeden Tag auf der 2. Seite, gleich nach dem König.
Eine Zeitung können wir uns nicht leisten.
Wir hören lieber, was die Spatzen von den Dächern pfeifen.
Hier gefällt es mir.
Man sitzt im Grünen lieblicher als auf dem goldenen Thron.
Ich muss jeden Tag Probesitzen. Ihr seid dumm, Prinz Bonus.
Ja, ja. Man gewöhnt es mir an.
Ich soll Lampenglanz schöner finden als die Sonne.
Und das Rauschen der Perücken und Kleider schöner als Bäume-Rauschen.
Ich würde gern bei euch bleiben.
Wie ist dein Name? Du gefällst mir.
Gritta.
Du kannst bleiben. Aber du musst arbeiten.
Holz hacken oder das Dach decken.
Das würde ich sehr gern für euch tun.
Ich muss Hofmeister Pekavus fragen, wie viele Halskrausen ich brauche.
Und wie viele Röcke und Seidenstiefel.
Frag ihn nicht. Er ist gefährlich.
Er ist langweilig und dumm.
Er will dir und dem König schaden. Er will nur euer Geld und den Thron.
Das glaube ich nicht.
Vielleicht kann ich euch helfen?
Mein Papa hat nämlich eine Thronrettungsmaschine.
* Bedrohliche Musik *
Hier also befindet sich das thronerbliche Haupt!
(Mädchen) Lauft weg!
Beeilt euch!
Bettelkinder! Klatscht das Pack, das ich schon lange suche.
Gouverneur Pekavus!
Ich befehle Euch, meine Freunde nicht zu beleidigen! Entschuldigt Euch!
Vermaledeiter Branntweinbruder!
Sofort hörst du auf!
(Prinz) Halt!
Sonst sage ich dem König, dass Ihr mich ermorden wollt.
Das hast du nicht umsonst gemacht, mein Prinz!
Und euch lass ich als Landstreicher ins Gefängnis stecken.
Für immer!
Ihr entkommt mir nicht mehr!
Wenn mir mein Vater nicht glaubt? Hilf mir!
Wie komme ich ohne Torgeld in die Stadt?
Komm zum Schlossturm an der Stadtmauer.
Dort lasse ich jeden Montagabend eine Gondel runter.
Du setzt dich rein und bist bei mir.
Komm bald, mein kleines Waldfräulein!
Wir können hier nicht bleiben. Wir suchen uns einen anderen Ort.
Nein, Pekavus fängt uns und sperrt uns ein.
Margaretha, du bist die Älteste und kennst die Wege.
Bring Hermina und die anderen nach Hause.
Ich hab schon lange Sehnsucht nach zu Hause.
Ich auch.
* Traurige Musik *
* Wind *
* Krähenruf, knarrende Tür *
* Stille *
* Pfeift *
Gritta, wo warst du denn? Wir haben dich überall gesucht.
Dann haben wir deine Stiefmutter geplagt und die blöden Pagen verjagt.
Ich war im Kloster. Du warst im Kloster?
Das sagte er mir nicht, dieser habgierige Gouverneur Pekavus.
Betrug! Ich werde es ihm heimzahlen, mit Zwicken und Zwacken.
Pekavus ist gefährlich. Das machen wir lieber gemeinsam.
Gehen wir! Gehen wir!
Erst muss ich meinen Papa finden.
Ich bring dich zu ihm. Aber er darf mich nicht sehen, weil er sauer ist.
* Trompetenmusik *
Papa!
Papa!
Wunderbar! Wunderbar prima!
Papa! Was machst du denn da oben?
Das ist die Kontaktaufnahme mit den Mondbewohnern.
Gestern habe ich einen kleinen Mann auf dem Mond gesehen.
Er schwenkte eine Fahne.
Wenn wir mit den Mondbewohnern in Kontakt treten,
werde ich der berühmteste Mann der Welt.
Mein Töchterlein!
Mein hochgräfliches Töchterlein!
Anna Bolena, Peter!
Kommt und seht, wen wir hier haben!
* Gefühlvolle Musik *
Gefällt dir dein kleiner Bruder?
Bitte.
* Schlürft *
* Nachtigall trällert *
Wir hatten Angst um dich.
Als wir erfuhren, dass du nicht mehr im Kloster bist, hatten wir Angst.
Hast du deine Thronrettungsmaschine fertig?
Sie ist fertig. Mit Fallschirm.
Willst du sie probieren?
Nein, heute nicht.
Aber wir werden sie bald brauchen. Für den König.
Für ihn habe ich sie ja gebaut. Aber ich komme nicht zum König.
Pekavus verlangt 20 Goldstücke als Einlass in die Stadt.
Wir verkaufen schon Holzlöffel und Quirle,
damit wir das Geld verdienen.
Ich bring euch in die Stadt.
Ich weiß auch schon, wie.
Wir müssen nur noch ein paar Tage warten. Bis Montag.
(singt) Nach Sevilla! Nach Sevilla!
Wo die hohen Prachtgebäude in den breiten Straßen stehen.
Aus den Fenstern reiche Leute schön geputzte Frauen sehen.
Dahin sehnt mein Herz sich sehr.
Dahin sehnt mein Herz sich sehr.
Nach Sevilla! Nach Sevilla!
Wo die letzten Häuser stehen, sich die Nachbarn freun, sich grüßen,
Mädchen aus den Fenstern sehen, ihre Blumen zu begießen.
Dahin sehnt mein Herz sich sehr.
Dahin sehnt mein Herz sich sehr.
Versteckt euch gut! Ich hole euch bald.
* Spannende Musik *
* Disharmonische, spannende Musik *
* Quietschen *
* Klingelton *
* Quietschen *
* Romantische Musik *
Wie schön, dass Ihr gekommen seid, mein kleines Waldfräulein.
Ich habe über uns nachgedacht, schrecklich lange.
Es tat richtig weh im Kopf. Ich kam zu folgendem Entschluss:
Du bleibst hier im Turm, bis ich König bin. Dann bist du meine Königin
Sei nicht albern! Ich bin hier, um Pekavus zu entlarven
und dem König die Thronrettungsmaschine zu bringen.
Sahst du eine Ratte mit Ohrring?
Eine Ratte? I! Wozu eine Ratte?
* Gong *
Was ist das?
Ich muss zum königlichen Nachtmahl. Bis gleich.
Und dein feines Essen bring ich dir mit.
Vergiss es nicht!
* Melodie einer Spieluhr *
* Hüsteln *
Ich freue mich, mein Sohn, dich endlich wieder lächeln zu sehen.
Oh, mir ist unwohl! Darf ich mich entfernen?
Sie bleiben hier!
* Gritta singt. *
Lass das doch!
* Gedämpftes Stöhnen *
* Stöhnt *
Aua!
* Gedämpfte Geräusche *
* Schnappendes Schloss *
* Knarrende Tür *
Ich bin ein Diener.
Weil der Prinz nicht kommen kann, schickt er mich.
Mit einem Gruß und einem Pfefferkuchen.
Serviert man einer Dame den Kuchen aus der hohlen Hand?
Er ist ein schönes Ferkel. Wenn das sein König wüsste!
Ganz schön dicke Diener hat der König Gänserich.
Aber da er nun mal hier ist, so hole er mir einen Pelz aus dem Schrank.
Denn im Schloss ist es nicht nur langweilig, sondern auch saukalt.
Wer bist du, schönes Kind?
Das sage ich, wenn du den Pelz gebracht hast. Mach schon!
Hua!
* Er niest. *
Eins. - Hatschi!
Zwei. Hatschi!
Drei, vier.
Hatschi!
Fünf.
(an die Tür trommelnd) Öffne sofort die Tür!
Ich bin der König! Dein König!
Das weiß ich längst. Ich bin ja nicht blöd.
Sofort öffnest du! Oder ich lasse dich teeren und federn!
Wo ist die Wache?
Hilfe!
So laut schreit nur, wer Unrecht tut.
Unrecht? Davon weiß ich nichts. Mach auf!
Du weißt nichts? Jeder im Land weiß es.
Du kommst erst raus, wenn du etwas versprichst.
Ich denke nicht daran, einem Kind etwas zu versprechen.
Dann bist du jetzt König im Schrank. Der Staub soll dich bedecken.
Der Holzwurm ist deine Stundenuhr.
Deine Knochen findet man in 100 Jahren. Was muss ich versprechen?
Erstens: Die Stadttore öffnen, damit jeder durch kann ohne Geld.
Zweitens: Die Gänsesteuer für die armen Leute erlassen.
Du kennst ihre Not nicht.
Wenn ich die Gänsesteuer erlasse, habe ich keine Gänsepastete mehr.
Drittens sollst du Pekavus bestrafen.
Er ist ein Schwindler und Betrüger.
Das ist nicht wahr. Verleumdung. Es steht nirgends in den Landeszeitungen
Es ist doch wahr!
Na warte! Wenn ich herauskomme, du garstiges Kind!
Ohne Versprechen wirst du nicht herauskommen. Schade!
Nun wartet mein Papa umsonst mit der Thronrettungsmaschine vor dem Tor.
Eine Thronrettungsmaschine, sagst du?
Mach auf! Für diese Maschine verspreche ich dir alles.
Es wird Zeit. Sonst hätte ich den Schlüssel aus dem Fenster geworfen.
Nichts versprichst du, Dickwanst! Jetzt habe ich den Schlüssel.
Die Thronrettungsmaschine kriege ich auch. Du kannst Holzwürmer fressen.
Seid Ihr es? Gouverneur Pekavus? Unterstehen Sie sich!
König Pekavus!
Jetzt bin ich der König!
(Pekavus) Es ist aus! (Prinz) Aua!
* Er schließt die Tür ab. *
* Etwas fällt zu Boden. *
* Pfeift *
Gritta, keine Angst! Wir holen euch raus, aber ihr müsst Geduld haben.
Wo ist Gritta?
Irgendwo wird sie schon sein, deine Gritta.
(König) Was ist da schon wieder los?
Ist das wieder dieser Hundsfott?
Dieser Betrüger?
Gut, dass du es endlich einsiehst. Nun sei still, beweg dich nicht!
Sonst frisst dir eine Ratte deinen fetten Gänsebauch an.
Ratte? Nein!
Bitte keine Ratten! Nein! Ach, sei still!
Hochverehrte Majestät! Meine Erfindung besteht darin,
dass diese Thronrettungsmaschine, genannt TRM, Modell 1848,
den auf dem Thron Befindlichen im Augenblick höchster Gefahr
von der gefährdeten Stelle "Thron"
durch einen gut berechneten, sanften Bogenschwung hinwegschleudert.
Gesichert durch einen Sicherheitsfallschirm.
Die Maschine entspricht dem neuesten modernsten technischen Stand.
Ich habe sie über viele Jahre erfolgreich ausprobiert.
An vielen Menschen und Tieren. Gut, gut!
Sag endlich, wie das Ding funktioniert!
* Er lacht begeistert. *
Majestät, so geht das nicht.
So geht das nicht.
Wunderbar geht das! Ich will euch durch Blitz und Donner regieren.
Auf die Knie vor mir!
* Knallen und Poltern *
* Ächzt *
* Lautes Blitzen und Krachen *
* Zischen *
Haaaaaaalt!
Halt!
Komm sofort zurück! Das ist meine Maschine!
Du!
* Flugzeuggeräusch, Pfeifen, Krachen *
Nun ist er weg!
Verdammt! Jetzt werde ich wohl allein regieren müssen.
Kind! Ich werde dich in mein Kabinett aufnehmen.
Als erste weibliche Beraterin.
Da muss niemand mehr Angst haben.
Ich werde anordnen, dass sich alle miteinander vertragen.
Wenn einer böse ist, dann ...
Das wird ein Fest! Gänse ... äh ... Musik!
* Fanfare *
* Höfische Musik *
Majestät sind schon zurück?
Und ohne Fallschirm?
Kind, das ist mein schönster Tag.
* Stumme Szene *
Wenn ich erst König bin, dann bist du meine Königin.
Au! Lass das!
Ich denke nicht daran, so bald zu heiraten.
Und so einen Samt- und Seiden- Heinrich schon gar nicht.
* Gritta und Peter lachen. *
(singende Mädchenstimme) Blau ist ein Blümelein.
Das heißt Vergiss-nicht-mein.
Dies Blümlein leg ans Herz
und
denk an mich!
(Erzähler) Hier endet die Lebensbeschreibung
der kleinen Hochgräfin Gritta von Rattenzuhausbeiuns.
Des klugen Kindes, woran sich jedes Kind ein Beispiel nehmen kann.
Untertitel: MDR TEXT
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