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Dies ist die Geschichte eines Mannes, der gepr�gt ist, durch ein Bild aus seiner Kindheit.
Die gewaltt�tige Szene, die ihn so verst�rt,
und deren Bedeutung er erst Jahre sp�ter erfasste,
ereignete sich auf dem Haupt-Landeplatz in Orly, dem Pariser Flughafen
irgendwann vor Ausbruch des III. Weltkrieges.
Orly. Sonntag.
Eltern pflegten dort ihre Kinder mit hinzunehmen, um den Abflug der Flugzeuge zu beobachten.
An diesem speziellen Sonntag, war die Erinnerung des Kindes, dessen Geschichte wir erz�hlen
untrennbar verbunden mit der stillstehenden Sonne,
dem Schauplatz am Ende des Landeplatzes,
und dem Gesicht einer Frau.
Nichts unterscheidet Erinnerungen von ganz gew�hnlichen Momenten.
Erst sp�ter erkennt man sie an den Narben, die sie hinterlassen.
Das Gesicht, das er gesehen hatte, war das einzig friedliche Bild, dass den Krieg �berdauert hatte.
Hatte er es wirklich gesehen?
Oder hatte er diesen z�rtlichen Moment erfunden, um den kommenden Wahnsinn zu �berstehen?
Das pl�tzliche Ger�usch, die Geste der Frau,
der zusammengekr�mmte K�rper und die Schreie der Menge auf dem Landeplatz verschwammen durch die Angst.
Sp�ter war er sicher, er hatte einen Mann sterben sehen.
Und kurz danach folgte die Zerst�rung von Paris.
Viele starben.
Einige glaubten, sie w�ren die Sieger.
Andere nahm man gefangen.
Die �berlebenden liessen sich unter Chaillot nieder, in einem unterirdischen Tunnel-Netzwerk.
Oberirdisch war Paris, wie der meiste Teil der Welt, unbewohnbar,
voll von Radioaktivit�t.
Die Sieger waren Herrscher �ber ein Reich von Ratten.
Die Gefangenen wurden f�r Versuche benutzt,
die f�r diejenigen, die sie durchf�hrten, offensichtlich von gro�er Bedeutung waren.
Die Ergebnisse waren f�r einige eine Entt�uschung -
- f�r andere der Tod -
- und f�r wieder andere der Wahnsinn.
Eines Tages kamen sie, um ein neues Meerschweinchen unter den H�ftlingen auszuw�hlen.
Er war der Mann, dessen Geschichte wir erz�hlen.
Er hatte Angst.
Er hatte schon vom Leiter der Experimente geh�rt. Er war darauf vorbereitet, Dr. Frankenstein
oder einen verr�ckten Wissenschaftler zu treffen.
Stattdessen traf er ein vern�nftigen Mann
der ihm ruhig erkl�rte, dass die Menschheit verloren sei.
Der Raum sei gesperrt.
Die einzige Hoffnung f�r das �berleben, liege in der Zeit.
Eine Schlupfloch in der Zeit,
und dann w�rde es vielleicht wieder m�glich sein, Essen zu bekommen,
Medizin und Energiequellen.
Das war das Ziel der Experimente: Abgesandte durch die Zeit zu schicken,
und die Vergangenheit und Zukunft zur Hilfe f�r die Gegenwart zu nutzen.
Aber der menschliche Verstand schreckte vor dieser Idee zur�ck.
Aufzuwachen in einer anderen Zeit, bedeutete, als Erwachsener wieder geboren zu werden.
Der Schock w�re zu gross.
Nachdem man nur leblose oder empfindungslose K�rper durch verschiedene Zeitzonen geschickt hatte,
konzentrierten sich die Erfinder jetzt auf Menschen, mit sehr starken bildlichen Erinnerungen.
Wenn diese imstande seien, eine andere Zeit zu begreifen oder zu ertr�umen
w�re es ihnen vielleicht auch m�glich, darin zu leben.
Die Lagerpolizei spionierte sogar die Tr�ume der Insassen aus.
Dieser Mann wurde aus Tausenden ausgew�hlt
wegen seiner Besessenheit durch ein Bild aus der Vergangenheit.
Zuerst war es nichts weiter, als ein Abstreifen der Gegenwart und ihrer Halterungen.
Dann begannen sie von vorn.
Der Mann starb nicht. Und er wurde nicht verr�ckt.
Er litt.
Sie machten weiter.
Am 10. Tag begannen die Bilder durchzusickern,
wie Gest�ndnisse.
Ein friedlicher Morgen.
Ein friedliches Schlafzimmer, ein richtiges Schlafzimmer.
Richtige Kinder.
Richtige V�gel.
Richtige Katzen.
Richtige Gr�ber.
Am 16. Tag befindet er sich auf dem Landeplatz in Orly.
Er ist leer.
Manchmal erinnert er sich an einen gl�cklichen Tag, aber unterschiedlich.
Ein gl�ckliches Gesicht, aber unterschiedlich.
Ruinen.
Ein M�dchen, dass dasjenige sein k�nnte, das er sucht.
Er geht auf dem Landeplatz an ihr vorbei.
Sie l�chelt ihn aus einem Auto heraus an.
Andere Bilder erscheinen und verschmelzen
in diesem Museum,
welches vielleicht dasjenige aus seiner Erinnerung ist.
Am 30. Tag findet das Treffen wirklich statt.
Jetzt ist er davon �berzeugt, dass er sie kennt.
Tats�chlich ist dies das Einzige, dessen er sich sicher ist,
inmitten dieser zeitlosen Welt
die ihn zuerst mit ihrem �berfluss schockierte.
Um ihn herum nur m�rchenhafte Materialien:
Glas, Plastik, Frottee.
Als er aus seiner Trance erwacht,
ist die Frau gegangen.
Die Experimentatoren verst�rken die Kontrolle.
Sie schickten ihn wieder zur�ck auf die Reise.
Die Zeit l�uft wieder zur�ck, Augenblicke wiederholen sich.
Dieses Mal ist er ihr nahe, er spricht mit ihr.
Sie begr��t ihn wie selbstverst�ndlich.
Sie sind ohne Erinnerungen, ohne Pl�ne.
Die Zeit baut sich schmerzlos um sie herum auf.
Ihre einzigen Anhaltspunkte sind der Geschmack des Augenblicks, in dem sie leben,
und die Zeichnungen an den W�nden.
Sp�ter befinden sie sich in einem Garten.
Er erinnert sich, dass es G�rten gab.
Sie fragt ihn nach seiner Halskette,
die K�mpfer-Halskette, die er trug, seit dem Beginn des Krieges, der erst noch kommt.
Er erfindet eine Erkl�rung.
Sie gehen. Sie sehen sich den Stumpf eines Redwood Baumes an, der mit historischen Daten bedeckt ist.
Sie spricht einen englischen Namen aus, den er nicht versteht.
Wie in einem Traum, zeigt er ihr einen Punkt �ber dem Baum,
und h�rt sich selbst sagen,
"Dort komme ich her..." -
- und f�llt ersch�pft zur�ck.
Dann �bersp�lt ihn eine weitere Welle der Zeit.
M�glicherweise das Ergebnis einer weiteren Injektion.
Jetzt liegt sie schlafend in der Sonne.
Er weiss, in der Welt, in die er f�r kurze Zeit zur�ckgekehrt war,
nur um wieder zu ihr hingeschickt zu werden,
ist sie tot.
Sie wacht auf.
Er spricht wieder.
�ber eine Wahrheit, zu fantastisch, als dass sie das Wesentliche glauben k�nnte:
ein unerreichbares Land sehr weit entfernt.
Sie h�rt zu.
Sie lacht nicht.
Ist dies noch derselbe Tag?
Er weiss es nicht.
Sie gehen so weiter, auf unz�hligen Wanderungen, bei denen ein unausgesprochenes Vertrauen,
ein kindliches Vertrauen zwischen den beiden w�chst,
ohne Erinnerungen oder Pl�ne.
Bis zu dem Moment, wo er direkt vor ihnen
eine Grenze f�hlt.
Und so endete das erste Experiment.
Dies war der Beginn einer ganzen Serie von Tests,
in deren Verlauf er ihr zu verschiedenen Zeiten begegnete.
Manchmal findet er sie vor der Wand mit ihren Zeichnungen.
Sie begr��t ihn wie selbstverst�ndlich.
Sie nennt ihn ihren Geist.
Eines Tages scheint sie ver�ngstigt zu sein.
Eines Tages scheint sie sich ihm zu n�hern.
Aber er selbst weiss nicht, ob er sich ihr n�hert,
ob er getrieben wird, ob er es geschafft hat,
oder ob er nur tr�umt.
Um den 50. Tag herum,
treffen sie sich in einem Museum, angef�llt mit zeitlosen Tieren.
Jetzt ist das Ziel perfekt justiert.
Im richtigen Moment eingetroffen, kann er hier bleiben und sich ohne Anstrengung bewegen.
Sie scheint auch beruhigt zu sein.
Sie akzeptiert es als nat�rlich,
dieses Verhalten des Besuchers, der kommt und geht,
der existiert, redet und mit ihr lacht,
nicht redet und ihr zuh�rt,
und dann wieder verschwindet.
Einmal in den Experimentierraum zur�ckgekehrt,
weiss er, dass etwas anders ist.
Der Lagerleiter war da.
Aus den Gespr�chen um ihn herum,
erf�hrt er, dass sie nach den gl�nzenden Testresultaten in der Vergangenheit...
...vorhaben, ihn nun in die Zukunft zu schicken.
Seine Aufregung liess ihn f�r einen Moment vergessen, dass das Treffen im Museum
das letzte gewesen war.
Die Zukunft war besser gesch�tzt als die Vergangenheit.
Nach mehreren schmerzhaften Versuchen,
empfing er schliesslich einige Wellen der kommenden Welt.
Er ging durch eine v�llig neue Welt,
Paris war wieder aufgebaut,
mit unfassbaren 10 000 Stra�en.
Andere warteten auf ihn.
Es war nur ein kurzes Treffen.
Offensichtlich wiesen sie solche Absonderungen einer anderen Zeit zur�ck.
Er erz�hlte ihnen seine Lektion:
Da die Menschheit �berlebt habe,
k�nne sie nicht ihrer eigenen Vergangenheit das �berleben verweigern.
Diese Spitzfindigkeit wurde als Schicksal verstanden.
Sie gaben ihm eine Energie-Einheit, die stark genug war,
die gesamte menschliche Industrie wieder in Gang zu setzen
und erneut schlossen sich die Tore zur Zukunft.
Einige Zeit nach seiner R�ckkehr,
wurde er in einen anderen Teil des Lagers verlegt.
Er wusste dass seine Gef�ngnisw�rter ihn nicht verschonen w�rden.
Er war nur ein Werkzeug f�r sie,
das Bild aus seiner Kindheit war nur als K�der benutzt worden, um ihn zu konditionieren.
Er hatte ihren Erwartungen entsprochen und seine Rolle gespielt.
Jetzt wartete er nur darauf, liquidiert zu werden, und mit ihm
irgendwo in seinem Inneren, die Erinnerung an ein zweimal gelebtes St�ck Zeit.
Und tief in dieser Schwebezustand,
empfing er eine Botschaft von den Menschen aus der zuk�nftigen Welt.
Sie reisten ebenfalls durch die Zeit,
und viel einfacher.
Jetzt waren sie da,
dazu bereit, ihn als einen der Ihren zu akzeptieren.
Aber er hatte einen anderen Wunsch:
Anstatt dieser friedlichen Zukunft
wollte er gern zur�ck in die Welt seiner Kindheit,
und zu dieser Frau, die m�glicherweise auf ihn wartete.
Wieder zur�ck am Hauptlandeplatz in Orly,
wo er jetzt an diesem warmen Vor-Kriegs-Sonntagnachmittag stand,
dachte er verwirrt daran, dass das Kind, das er einmal war, auch hier sei,
die Flugzeuge beobachtend.
Aber zuerst suchte er nach dem Gesicht der Frau am Ende des Landeplatzes.
Er rannte in ihre Richtung.
Und als er den Mann erkannte, der ihm aus dem Untergrund-Lager gefolgt sein musste
verstand er, dass es keinen Weg gab, um der Zeit zu entfliehen,
und das dieser Augenblick, den er als Kind beobachtet hatte,
der nie aufgeh�rt hatte, ihn zu qu�len,
der Augenblick seines eigenen Todes war.
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