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FÜR ALLE, DEREN GEHIRN SICH FRÜHER ZERSETZEN WIRD ALS IHR HERZ
Es ist alles bereit.
Okay.
- Möchtest du Wein? - Ja.
Das reicht, danke.
Auf dein Wohl!
Ist das Leben nicht wie ein Traum?
Ja.
Das Leben ist ein Traum in einem Traum.
Auf uns!
Auf uns!
Wir sind nicht viel.
Und meine Freundin, die Rose,
erzählte mir heute Morgen davon.
Im Morgenrot geboren,
mit Morgentau getauft,
blühte ich auf,
glücklich und verliebt
im Sonnenschein.
Verschloss mich in der Nacht
und bin alt aufgewacht.
Dabei war ich so schön.
Ich war die Allerschönste
der Blumen in deinem Garten.
Wir sind nicht viel.
Und meine Freundin, die Rose,
erzählte mir heute Morgen davon.
Der Gott, der mich erschuf,
ließ hängen meinen Kopf,
und das fühlt sich an wie fallen,
es fühlt sich an wie fallen.
Mein Herz liegt fast schon bloß.
Steh mit einem Bein im Grab.
Ich bin schon längst nicht mehr.
Gestern bewundertest du mich.
Zu Staub zerfalle ich
morgen für immer.
Wir sind nicht viel.
Und meine Freundin, die Rose,
sie starb heute morgen.
Der Mond hat letzte Nacht
über meine Freundin gewacht.
Im Traum sah ich sie
strahlend und entblößt.
Ihre Seele tanzte
jenseits der Wolken
und lächelte mir zu.
Möge glauben, wer es kann,
ich brauche Hoffnung.
Ohne sie bin ich nichts
oder einfach nicht viel,
erzählte meine Freundin, die Rose,
mir gestern morgen.
...werden wir über Trauer reden,
die Bedeutung von Ritualen, Resilienz,
Bewusstwerdung
und Erleben des Kontakts zu Verstorbenen.
Zu Gast: Dr. Boris Cyrulnik,
Neuropsychiater, Essayist and Ethologe.
Dr. Christophe Fauré,
Psychiater und Psychotherapeut,
und der Journalist Stéphane Allix,
Autor und Gründer des Instituts
für Außergewöhnliche Erfahrungen.
Christophe Fauré über den Trauerprozess:
Trauer ist ein natürlicher Prozess,
der unserem Wesens immanent ist
und die Heilung der Wunde begleitet,
die der Tod eines anderen verursacht.
Dieser Prozess führt
zum Abheilen dieser Wunde
und macht aus der objektiven Verbindung
mit der Person, die wir hören, sehen,
umarmen konnten,
eine innere subjektive Verbindung,
die wir nie wieder verlieren werden.
...nicht Vergessen,
sondern Introjektion,
die völlige Verinnerlichung
der Gegenwart der geliebten Person.
Wenn Sie trauernde Menschen kennen
und sich hilflos fühlen,
rät Dr. Fauré, in einen Dialog zu treten.
Man muss darüber reden.
Fragen Sie, wie sie zu dem Toten standen,
wie er gestorben ist, nach Erinnerungen.
Den Namen auszusprechen hilft Trauernden
bei der Interaktion und Internalisation.
Auch Rituale begleiten den Trauerprozess.
Boris Cyrulnik:
Wir können einen geliebten Menschen,
der in unseren Erinnerungen weiterlebt,
nicht einfach so verrotten lassen.
Wir lieben jemanden, der nicht mehr ist.
Es muss eine Grabstätte her,
erfunden von Herrn und Frau Neandertal:
Wir betten den Körper auf bedeutsame Art,
werfen Blütenblätter,
geben Proviant für die Reise ins Jenseits,
vergießen Tränen.
Die Neandertals konnten sprechen.
Sie taten dasselbe wie wir,
wenn wir geliebte Menschen verlieren:
Wir ritzen ihre Namen in einen Stein.
Dadurch bleiben sie lebendig.
Wir bringen ein Foto an,
legen Blumen nieder,
damit die Erinnerung lebendig bleibt.
Obwohl wir wissen, dass sie tot sind.
Die Inszenierung von Trauerritualen,
und jede Kultur hat ihre eigenen,
bewahrt die Würde der Verstorbenen
und auch unsere.
Denn den Leichnam verrotten zu lassen,
würde uns zutiefst beschämen.
Wir brauchen eine Grabstätte.
Und wir brauchen Rituale.
Wir weinen, aber die Gemeinschaft
verleiht dem Tod Bedeutung.
Die erste Reaktion
war also die Grabkunst.
Die der Ägypter graben wir bis heute aus,
studieren ihre Lebensbedingungen,
die sich im Tod widerspiegeln.
Die Wahrnehmung des Todes ist anders.
Ein toter Körper ist eine Leiche.
Tod ist Spiritualität.
Im Westen hält man den Tod auf Abstand.
Verdammt.
Verdammt.
Leck mich doch.
Verbunden mit technischem Fortschritt.
In den 50ern und 60ern verbannte man
alle Rituale aus dem häuslichen Umfeld.
Die alten Bräuche...
...was zu dieser Distanz führte
zwischen dem Sterben und der Gesellschaft.
Der Tod wird medizinisch.
Techniker und Experten kümmern sich...
Nein, nicht.
Danke.
Guten Tag, Madame, was darf es sein?
Die...
- Die Spielsachen? - Hinten rechts.
...und das Gehirn funktioniert wieder.
Beruhigt man sie nicht, hört es auf.
Es zeigt keine Aktivität mehr.
Man muss sie also zunächst beruhigen
und dann ermutigen,
um dem Geschehenen einen Sinn zu geben.
Sie müssen reden.
Reden wirkt affektiv.
Es löst Gefühle aus.
Man versteht, warum etwas passiert ist
und wie es weitergeht.
Biologie und Psychologie spielen hier mit.
Wie funktioniert die traumatische
und wie die gesunde Erinnerung?
Die gesunde Erinnerung ist progressiv.
Die Erinnerung an das Geschehene
wird umgeschrieben.
Sie bringt die Vergangenheit nicht zurück,
sie repräsentiert die Vergangenheit,
unsere Vorstellung des Geschehenen.
Letztere verändert sich mit der Zeit
und unseren Beziehungen.
Wir sehen Dinge irgendwann anders.
Im Alter sind unsere Kindheitserinnerungen
weniger lebendig als in der Jugend.
Die Darstellung der Vergangenheit
verändert sich und...
Haben Sie alles gefunden?
Das ist die gesunde Erinnerung.
Sie entwickelt sich.
Die traumatische Erinnerung ist statisch.
Der Beweis für...
Schon wieder.
- Vuk? - Ich komme!
- Bist du da? - Ja.
Da bist du ja.
- Hast du meine Frau gesehen? - Nein.
- War sie nicht hier? - Warte, ich komm raus.
- War sie nicht hier? - Heute nicht.
Wenn du sie siehst, sag ihr, ich suche sie.
Mach ich. Gut, dass du da bist. Ich hab ein paar Sachen für dich.
Für die Arbeit.
Warte.
Was ist es denn?
Hier, über Symbolik und Träume.
- Damit beschäftigst du dich doch. - Ja, in meinem Buch.
- Kommst du voran? - Ja, aber ich muss meine Frau finden.
- Soll ich sie für dich aufheben? - Ja, gern.
Ich komme nicht zum nächsten Treffen. Zu viel Arbeit. Aber ich ruf dich an.
- Okay. - Wenn sie kommt, sag ich, du suchst sie.
Ja, danke schön. Ciao.
- Mach's gut! - Danke.
Guten Tag, haben Sie meine Frau gesehen?
Da hinten.
Monsieur, sie ist da.
Wo warst du?
Ich hab dich überall im Viertel gesucht.
Warum?
Komm, wir gehen nach Hause.
Magst du die? Wie viel?
- Fünf Euro. - Okay.
Hier, für dich.
Danke.
Gehen wir heim.
Auf Wiedersehen.
Vorsicht.
Komm.
Sachte.
- Und? - Ja.
- Was hast du gemacht? - Nichts.
Wie nichts? Du bist weggegangen.
Hast die Tür offen gelassen.
Und niemand wusste, wo du warst.
Wo warst du?
- Ich war in der Apotheke. - Nein.
Nein.
Das ist gelogen.
Nein, unmöglich. Ich war in der Apotheke.
Ich hab mit der Apothekerin geredet
und mit allen, die dort arbeiten.
Alle kennen dich.
Aber niemand hat dich gesehen.
- Du warst nicht in der Apotheke. - Du machst mir Angst.
Nein, du machst mir Angst.
- Wovor hast du Angst? - Dass du verschwindest,
in der Stadt verloren gehst.
Dass du überfallen wirst
von einem Gauner, einem Dealer.
- Es ist gefährlich in der Stadt. - Nein.
Doch, das ist es.
- Nein. - Doch, und du läufst seelenruhig herum.
Nein, die Leute sind sehr nett.
Nein, das meinst du nur.
Sie sind nicht nett. Sie sind furchtbar.
Die Welt ist voll von Verrückten und furchtbaren Menschen.
Sie ist voll davon!
- Verstehst du? - Das glaub ich nicht.
Es ist aber wahr.
Nein, glaub ich nicht.
Na gut.
Ich hab alles gesagt.
Jetzt ist Schluss.
- Du bringst mich um. - Nein, ich will dir nicht wehtun.
Keine Sorge, das geht vorbei.
- Geht vorbei? - Ja.
Weißt du, ich muss arbeiten.
Ich muss mein Buch schreiben.
Das ist wirklich wichtig. Sehr wichtig.
Es ist ein Buch
über das Kino und die Träume.
Es ist ein wichtiges Buch.
Ich bitte dich.
Wirklich. Ich bitte dich.
Wirklich? Okay. Danke.
Ciao.
Ja, bitte.
Ruf mich zurück.
Es ist wirklich wichtig.
Danke.
Claire, geh ran.
Antworte mir.
Bitte.
Ich muss mit dir reden.
Ich muss
deine Stimme hören.
Bitte.
Claire.
Hallo, Jean-Baptiste?
Ich bin's, ja.
Geht's dir gut?
Ich brauche dich.
Du weißt, ich schreib gerade ein Buch
über das Kino und die Träume.
Ich hab mir schon einen Titel überlegt:
"Psyche".
Gefällt dir?
Ja, das freut mich.
Ich hab einen wunderbaren Satz gefunden
von Edgar Allan Poe:
"Alles, was wir sehen oder scheinen,
ist nichts als ein Traum in einem Traum."
Das ist grandios.
Ich wollte diesen Satz
an den Anfang stellen.
Ja, das stimmt.
Mit Sicherheit.
Ich glaube außerdem,
dass das Kino,
also, das Kino als Kinosaal,
die angemessenste, die wichtigste Umgebung bietet,
um unsere Träume offenzulegen,
unsere Träume zu erzählen,
weil es im Kino dunkel ist.
Man hat keinen Kontakt.
Als würde man in seinem Bett liegen und schlafen und träumen.
Genauso ist das Kino.
Ein großer Traum. Das ganze Kino.
Nicht nur das Kino,
das von Träumen erzählt und von...
Alle Filme. Alle Filme sind Träume.
Ja.
Ah, der Satz, den ich geschrieben hab.
"Der Träumer ist wach." Ja.
Klar, ich frag meinen Verleger, wie er das findet.
Ich glaube, das Publikum im Kino
sieht die Träume nicht.
Es sieht bestimmte Symbole.
Aber der Großteil lebt in einem Zustand
der kontinuierlichen Entspannung.
Quasi
gefangen, sagen wir, in einem Traum.
Gefangen in einer Situation,
die ganz wunderbar ist,
mit Dingen,
die am Himmel schweben,
die symbolisch sind, wie Freud sagt.
Er sagt zum Beispiel,
das Meer ist deine Mutter.
Es hat aber auch die Bedeutung
von Sex, großartigem Sex,
wie wenn man vom Ozean träumt!
Das ist fulminanter Sex.
Von enormer Sinnlichkeit.
Es stimmt, das ist etwas,
dass ich manchmal...
Nicht, dass ich noch nie geträumt hätte, ich träume.
Aber nicht immer wie Fellini oder Mizoguchi.
Ja.
Ja, das ist wahr. Das ist genau...
Das ist in der Tat der Kern des Problems.
Bravo.
Okay.
Ja, bis bald.
Ciao. Ciao.
Stéphane, kannst du herkommen?
Stéphane?
Mama, hast du Nathalie angerufen?
Nathalie?
Ja, Nathalie.
Deine frühere Assistentin.
- Hast du nicht? - Nein, hat sie nicht.
- Hast du? - Nein, hab ich nicht.
Das muss sie selbst machen.
Sie hat mir schon zwei Nachrichten hinterlassen.
Wegen der neurologischen Untersuchung.
Da musst du noch hin.
- Nein. - Doch.
- Das ist wichtig. - Papa macht sich Sorgen und ich auch.
Du bist selbst Psychiaterin, sei doch vernünftig.
- Wir rufen sie nachher zusammen an. - Ja.
Es ist nur ein Termin. Entweder geh ich mit oder sie. Okay?
Okay.
Geh zu Kiki.
Da.
Die Medikamente, alles durcheinander wie ein Cocktail.
- Sind das deine und Mamas? - Ja, aber ich nehm nicht viel.
Die meisten sind ihre.
Kiki hat eben damit gespielt, räum sie weg.
Schau mal.
Die sind stark. Hat Mama das Rezept ausgestellt?
Nein, das war der Psychiater.
War sie denn bei einem?
Ja, beim Psychiater.
- Und der hat die verschrieben? - Ja, er hat sie ihr gegeben.
Warte.
Was ist? Was ist los?
Was ist los, Mama?
Was hast du?
Was?
Bring mich heim.
- Bring mich heim. - Wir sind daheim. - Nein.
Ich will nach Hause.
Was?
Sieh mich an. Was ist denn?
Ich...
Ich will nach Hause.
Du willst nach Hause? Wir sind zu Hause.
- Doch. - Nein.
Nein.
Sieh mich an.
Da ist...
Da ist dieser Mann.
Der verfolgt mich.
Was macht der hier?
Wer? Papa?
Nein, nein.
- Das? Das ist Papa. - Nein.
Papa, kannst du mal nach Kiki sehen?
Kommst du mit?
Sollen wir zusammen gehen?
Gibst du mir deine Hand? Nicht loslassen.
Komm, nicht loslassen.
Was ist das?
Alles okay?
Wonach guckst du?
Was ist los?
- Ich hab Angst. - Du hast Angst?
Stimmt das?
Ich weiß nicht.
Wo sind wir hier?
- Wo sind wir hier? - Wo?
Das hier ist das Wohnzimmer.
Keine Ahnung.
Sieh mich an.
Wer bin ich?
Weiß ich nicht. Ich weiß es nicht mehr.
Ich weiß nicht.
Ich bin Stéphane.
Wer bin ich?
Stéphane.
Mama, hey!
Ich bin's.
Du kannst mich nicht auf den Mund küssen.
Alles klar, Papa?
Hier, deine DVD.
- Sollen wir die ansehen? - Ja.
Mama?
Setz dich dahin.
Da ist sie.
Wir beobachten die Welt,
um sie zu verstehen
und uns in ihr zu entfalten.
Mit unserer Intelligenz schufen wir Werkzeuge,
um das unendlich Kleine zu verstehen
und das unendlich Große.
Kiki, ich komme.
...haben Psychologen, Biologen, Genetiker
und Neurowissenschaftler
die Welt seziert,
analysiert und vermessen.
Wir haben Computer erfunden,
waren auf dem Mond.
Und auch wenn wir das glauben,
unsere Intelligenz nimmt nicht zu.
Die Wissenschaft erforscht
die vielen Facetten unserer Intelligenz.
Aber kann die Wissenschaft...
So wird das Problem nur größer.
Du weißt, es gibt ein Wort,
das sehr wichtig ist im Leben: Liebe.
Ich...
Ich hab dich sehr geliebt.
Vier Nachrichten hab ich dir hinterlassen.
Du hast nicht geantwortet.
Guckst du weiter? Ich geh kurz zu Papa.
Ja, das stimmt.
Das ist wahr.
Nein, es ist niemand da.
Nein, meine Frau ist im Bett. Sie schläft.
Und mein Sohn...
Der ist schon weg.
Na gut, dann...
Ja, ich hoffe es.
Danke. Danke, Liebling.
Ja, ich...
Ich werde stark sein.
Erinnerst du dich?
- Ja. - Wer ist das?
- Paulette. - Fast.
- Paulette. - Pauline.
Pauline.
Sie ist wessen Mama?
Ich weiß nicht.
Du weißt nicht, wer Pauline ist?
Die Mama von...
Von... Wie heißt du?
- Kiki. - Kiki.
Das war...
als wir in Berlin waren. Die Fotos hast du gemacht.
Du machst schöne Fotos.
Deine Fotos waren schön.
Weißt du, dass du schöne Fotos machst?
Kocht Papa für dich? Oder wie macht ihr das mit dem Essen?
Kochst du?
Kannst du einen ganzen Satz sagen?
Nur einen Satz.
Ab und zu.
Und wer kauft ein? Kauft Papa ein?
Du tust dir weh.
- Hast du Aua gemacht? - An der Hand.
Du hast dir an der Hand wehgetan.
Hab ich gesehen. Ich hab das gesehen!
Nur einen Moment Ruhe und Stille.
Leiser.
Spiel leise.
Ach, Mensch.
Jetzt weinst du.
Warum?
Warum? Was ist los?
- Es geht ihr nicht gut, Papa. - Hat Kiki dich erschreckt?
- Hat Kiki dich erschreckt? - Nicht vor Kiki. Es ist nicht deswegen.
Nein. Aber ein bisschen ist es auch wegen ihm.
- Wenn er dauernd so macht. - Er spielt.
- Er spielt, aber wie? - Schon gut, reg dich nicht auf.
- Reg dich ab. - Er spielt, aber auf eine Art...
Wir sitzen am Tisch. Wir sind nicht auf der Straße.
Spiel was leiser. Oma und Opa sind müde.
Kannst du leiser spielen?
Schatz.
Mein Schatz.
Nicht weinen.
Ich kann das nicht haben.
Nein.
- Wieder besser? - Hast du Hunger?
Ja, ein Lächeln.
Lächele mal.
Ein kleines Lächeln.
Gut, wie schön.
Schön. Wunderschön.
Du bist so lieb.
So schön.
Was kann ich für dich tun?
Was kann ich für dich tun?
Sag's mir.
Sag.
Was kann ich tun?
Sag's mir.
Sei einfach da.
Sag schon. Ich mach's.
Da sein.
Da sein? Das ist er. Siehst du?
- Ja. - Papa ist da.
- Alle drei sind wir da. - Ja, die ganze Familie.
- Mit Kiki, dem Krachmacher. - Das ist schön.
Die Familie ist das Allerschönste.
Dein Sohn.
Dein Sohn, unser Sohn.
Sieht er nicht gut aus?
- Sie ist sehr krank. - Ich weiß.
- Du hast sie gesehen, und du weißt es. - Ich wusste nicht, dass sie so ist.
- Vor drei Wochen war das noch nicht. - Das stimmt. Seitdem ist sie...
Es geht ihr jeden Tag schlechter.
Für diese Krankheit gibt es keine Heilung, keine Drogen, keine Medizin.
- Man kann schon was machen. - Was denn?
- Das ist wie Wasser. - Nein.
- Doch, das ist wie Wasser... - Setz dich richtig hin.
Der Psychiater hat das auch gesagt.
- Das ist wie Wasser. - Wart ihr denn beim Psychiater?
Ja, schon oft.
Es geht bergab mit ihr.
Es geht immer weiter...
bergab mit ihr.
Immer weiter.
In den letzten drei Wochen hast du davon nichts gesagt.
Warum? Warum soll ich dich beunruhigen?
Du hast dein eigenes Leben, deinen Sohn.
Du hast viel zu tun, die Arbeit.
Ja, aber du kannst das nicht allein.
Mama stellt ihre Rezepte selbst aus. Das weiß ich.
Aber die Apotheker kennen sie.
Sie geben ihr nicht, was sie...
was sie haben will. Medikamente, die eh nichts bringen.
Die nicht gut sind fürs Gehirn.
Aber wie...
Ich geh ihr nach.
Aber das ist nicht einfach.
Ich hab dich gefragt, ich...
- Du musst stark sein. - Ich kann nicht, und ich frage dich...
Wie ich, manchmal bin ich stark, manchmal nicht.
Vor zehn Tagen frag ich, hast du Nathalie angerufen, du sagst ja.
Hast du aber nicht.
- Hab ich nicht. - Ich weiß.
Jetzt sagst du mir, ihr kommt klar. Das stimmt nicht.
Nein.
Pauline. Wie geht's ihr?
Sie ist in der Klinik, wie gesagt.
Schon wieder.
Besuchst du sie?
Siehst du sie ab und zu?
Wir sehen uns wegen Kiki oder zusammen mit der Sozialarbeiterin.
Ihre letzte Krise vor zwei Monaten war...
Das war total heftig.
Für Kiki war das schlimm.
Es ist meine Schuld.
- Nein, ist es nicht. - Doch.
Krankheiten sind nicht unsere Schuld.
Mamas Krankheit ist nicht meine Schuld.
- Aber die Drogen, Papa... - An der Krankheit
deiner Frau bist nicht du schuld.
Diese Dinge passieren. Das ist Schicksal.
Nein.
Doch, das ist Schicksal.
Es bewegt sich durch die Stadt.
Es bewegt sich und schlägt zu: hier,
hier,
hier.
Und dann brechen Krankheiten aus.
Wie läuft's bei dir finanziell?
Schlecht. Das Geld ist sofort weg.
Weg?
- Echt? - Ich hab nie welches.
Das weißt du.
- Hast du nicht einen guten Job gefunden? - Doch, ganz okay.
Ich mach entweder Dokus...
oder bin im Schnitt in der Postproduktion, so was halt.
Das ist okay. Ich hab meine Gage als Freischaffender...
Und ich arbeite ziemlich viel, aber ich geb alles aus.
Da haben wir was gemeinsam.
- Beide pleite? - Ja.
Auf die Zukunft!
Mach nicht so einen Druck bei Claire.
Das belastet dich nur noch mehr.
Ich ruf sie an.
Aber sie geht nie ran.
- Für sie ist es auch kompliziert. - Ja, klar.
Wir sind seid fast zwanzig Jahren...
zusammen.
Wir lieben uns. Wir sind zusammen gereist.
Das war...
eine Liebe,
die mir sehr viel bedeutet hat.
Aber jetzt...
Es ist so gut wie vorbei.
Noch nicht ganz, aber fast.
Fast.
So ist...
So ist unser Leben.
Es ist nichts Halbes und nichts Ganzes.
Du machst damit weiter?
Ja.
Ach ja, ich rauche noch.
Vielleicht bringe ich mich um.
Denn...
Du weißt ja,
was ich hatte.
Nimmst du deine Medikamente?
Die nehme ich. Wirklich.
- Regelmäßig. - Regelmäßig. Jeden Tag.
Vier Tabletten.
Jeden Tag.
Ohne...
- Ist es zu riskant. - ...würde ich sterben.
Gut so?
Und du?
Nimmst du die Medikamente, die der Arzt dir verschrieben hat?
Ich krieg Substitutionsmittel.
Aber die mag ich nicht.
Die sind einfach...
Dir tut nichts weh.
Aber es ist nicht... es ist Scheiße.
Scheiße.
Etwas Erde darauf...
Mein Sohn.
Dieses Haus ist voll mit Medikamenten.
- Und Drogenabhängigen. - Ja, genau.
Und Mama?
- Mama nimmt... - Am wenigsten von uns allen.
Ja.
Wirklich.
Sei vorsichtig mit ihren Tabletten, nicht dass ihr die falschen nehmt.
- Nein, nein. - Was sie nimmt, ist echt heftig.
Ich weiß.
Ich weiß, welche sehr stark sind.
Ich pass gut auf.
Ist da Wasser drin?
Was für ein Leben...
- Was für ein Leben. - Ein Leben zwischen Drogen.
Wir sind wirklich...
so etwas wie.
Sklaven unserer Drogen.
Weißt du was?
Er schläft nachts nicht.
Er ist total verrückt.
Wieso verrückt?
Weil er...
Er hat überall Papiere!
Ein Durcheinander.
Und ich...
Ich versuche, Ordnung zu halten.
Aber es geht nicht.
Du musst nicht dauernd aufräumen.
Ich werde noch verrückt.
Weißt du, was ich tun werde?
- Ich verschreibe ihm Neuropax. - Nein.
- Doch! - Tu das nicht.
Ich kann das machen.
Weißt du, es ist gut, dass du hier bist.
Sprich mit Nathalie wegen der Rezepte.
- Du darfst keine mehr ausstellen. - Doch, doch.
- Sie kennen mich in der Apotheke. - Ich weiß nicht.
Ich hab einen Arztausweis.
- Kann ich das für Kiki mitnehmen? - Ja. Nimm, was du willst.
Falls er später Hunger hat. Und einen Joghurt.
- Nimm ruhig mehr. - Nein.
Musst du...
Musst du schon gehen?
Ja.
Weil sie ihn morgen abholt.
Ihr könnt doch hier schlafen.
Heute nicht.
Ich seh mal nach Kiki.
- Kiki? - Ja, Papa?
Pack die Autos zusammen.
- Komm, wir gehen. - Gleich.
- Kommst du mit? - Ja.
- In zwei Minuten. - Okay.
Alles klar?
- Kiki und ich, wir gehen jetzt. - Okay.
- Seid ihr weg? - Ja.
Kannst du mir 200 Euro leihen?
Der Automat hat meine Karte geschluckt.
Danke.
Sei vorsichtig mit den Medikamenten, die Mama dir gibt, okay?
Welche Medikamente? Glaubst du etwa,
sie will mich vergiften?
Nein, sie will dich nicht vergiften.
Sie...
Sie glaubt, sie ist immer noch Ärztin und kann das machen.
- Sie wirft alles durcheinander. - Okay.
Okay? Trennt eure Tablettenboxen.
- Und du passt auf. - Ja, danke.
- Hab dich lieb. - Ich dich auch.
Es riecht nach Gas.
Es riecht nach Gas!
Was hast du getan?
Gas!
Was hast du getan?
- Du bist verrückt. - Alles gut.
Verrückt! Du bist verrückt!
- Ich hab deinen Schreibtisch aufgeräumt. - Was?
- Ich hab den Schreibtisch aufgeräumt. - Meine Unterlagen!
- So. - Was auf dem Schreibtisch lag?
Und du wirfst alles ins Klo?
Das ist...
Eine Katastrophe!
Was du gemacht hat, ist eine Katastrophe!
Du willst mich umbringen!
Ständig!
Dieses Haus ist für mich...
Es ist für mich zum Alptraum geworden.
Du hast alles zerstört.
Alle Unterlagen für mein Buch.
All meine Unterlagen.
Alles, was ich geschrieben hab.
Du bist nicht nur verrückt,
du bist mehr als verrückt.
Papa, ich weiß nicht mehr, wie ich euch helfen soll. Ich...
Es sieht immer mehr danach aus,
dass es Mama zu viel wird.
Du hattest schon einen Schlaganfall.
Das war schlimm.
Euch beiden geht es immer schlechter.
Und was meine Sorge wegen Mama angeht,
sie hat mir von einem Heim erzählt.
Da kann man seine Sachen mitbringen. Es sind Wohnungen.
Aber es gibt medizinische Hilfe, Pflegekräfte, Psychologen.
Psychiater...
Es gibt da Plätze für Paare. Für zwei, damit ihr nicht...
Es wird wahrscheinlich was frei,
in zwei Monaten oder so. Und man bekommt selten direkt zwei Plätze.
Aber ich... ich will das nicht.
Ich will nicht weg aus diesem Haus, wo wir unser ganzes Leben verbracht haben.
Unsere ganze Vergangenheit ist hier, all die Dinge,
die uns an unser Leben erinnern.
An meins und ihres.
Unsere Arbeit, unsere Bücher.
All diese Dinge, die dazugehören
zu unserem Leben. Wir können hier unmöglich weg.
- Aber ihr könnt was mitnehmen. - Hunderte von Büchern?
Zeitungen und Zeitschriften?
Das ist unmöglich!
Das meiste würde weggeworfen.
Ich werfe meine Vergangenheit nicht weg.
Das ist das eine. Und ich arbeite.
- Du kannst auch da arbeiten. - Nein, ich kann da nicht arbeiten.
- Da täuschst du dich. Unmöglich. - Das weißt du nicht, Papa.
Nein, ich werde meine Frau nicht begleiten
in eine Wohnung, die eine Art Krankenhaus
für Menschen ist,
die nicht ganz klar im Kopf sind.
- Nein. - Aber Mama ist nicht klar im Kopf.
Sie ist nicht klar im Kopf, weil sie eine unheilbare Krankheit hat.
Alle kennen sie.
Es gibt junge Psychiater,
die genau darauf spezialisiert sind.
Hast du sie angerufen?
Ja, und mit ihnen gesprochen. Ich hab da eine Liste.
- Laut Nathalie hast du nicht. - Sie erinnert sich nur nicht.
Ich hab eine Liste mit jungen Psychiatern,
die auf diese Art von Krankheit spezialisiert sind.
Ich hab mit ihnen gesprochen. Das ist eine Krankheit,
für die es keine Heilung gibt.
Eben, damit kommt ihr allein nicht klar.
Du hast nicht angerufen.
- Hab ich. - Wegen der Liste, Papa.
Im Arbeitszimmer liegt eine lange Liste. Aber Mama war noch bei niemandem.
- Warst du bei einem Psychiater? - Sie...
Warst du beim Psychiater?
Ich hab mit ihnen gesprochen.
Das hab ich nicht gefragt, Papa.
- Hört auf... - Ich hab auch welche getroffen.
- Redet nicht so über mich. - In Labors.
Ich hab darüber geredet. Diese Krankheit kennt jeder.
Sie ist allseits bekannt.
Etwas, das jedermann kennt.
Und sie...
- Papa, wenn... - Es wäre besser,
es wäre besser,
wenn ich tot wäre.
Nein, sag das nicht.
Sag das nicht. Das ist nicht richtig.
- Das ist nicht wahr. - Das stimmt nicht.
Du gehörst zu uns.
Lebendig, gesprächig, du redest, machst weiter.
Du hast eine Vergangenheit, die du erzählen kannst. Nein.
Entschuldigung.
Mir tut das alles so leid.
Das muss dir nicht leid tun. Wir müssen halt einfach versuchen,
eine gute Lösung zu finden.
Ich und Papa, wir können das nicht.
Ich kann euch nicht gut helfen.
- Du... - Wenn Mama hinfällt...
Du kommst nie her. So gut wie nie.
Ich komme, so oft ich kann.
Ich will nicht gemein sein,
aber wenn jemand von uns
in eine Klinik oder ein Krankenhaus muss
oder in ein Heim, dann bist du das.
Auch du hast Probleme, die du lösen musst.
- Aber ich versuche... - Alle wissen das. - Stopp! Stopp! Stopp!
Alles gut, Mama.
Wir reden zum ersten Mal darüber, das ist wichtig.
- Zum ersten Mal öffnen wir unsere Seelen. - Papa, du willst nicht...
- Ja, zum ersten Mal. - Es tut mir leid.
Das muss es nicht.
Papa, wenn ich...
- Ich bin nicht gegen dich. - Darum geht es nicht.
- Das bin ich nicht. - Ja, du willst nicht...
Du willst nicht gemein sein oder so.
Aber es hilft nicht gerade, mir zu sagen, dass ich in eine Klinik gehöre oder so.
Darum geht es hier nicht. Ich versuche einfach nur...
Ich helfe bei der Drogenhilfe. Ich hab eine Sozialarbeiterin.
Ich komme vorbei, vielleicht nicht so oft, aber nur weil ich versuche,
alles auf die Reihe zu kriegen und...
Ich will...
Als ich... Papa? Mama?
Entschuldigung.
- Wofür? - Entschuldigung wofür?
Wofür entschuldigst du dich? Du hast doch keine Schuld.
Gar keine.
Als ihr...
Als ihr mich habt einweisen lassen...
Ja.
- Da wolltet ihr nur das Beste. - Ja.
- Für dich! - Du wolltest mich nicht einsperren.
- Ihr wolltet nur das Beste. - Ja, für kurze Zeit.
Für eine kurze Zeit, Papa. Hör mir mal zu.
Ist doch egal. Ich war in der Klapse, und ihr habt es gut gemeint.
Danach...
Auch wenn ich das, auch wenn es nicht...
Danach ist was passiert.
Ich hatte wieder Halt, Unterstützung.
Ich konnte die Dinge etwas vernünftiger und gesünder angehen. Okay?
- Ihr habt es gut gemeint. - Ja.
Ich werde mich nicht um euch kümmern können.
Fällt sie hin, kannst du ihr nicht helfen. Verirrt sie sich, weißt du nicht wo.
Wenn du hinfällst... Du hattest vor drei Jahren einen Schlaganfall.
Was soll er machen, wenn du fällst, Mama? An manchen Tagen weiß sie nicht,
wer sie ist oder du oder die Nachbarin.
- Ja. - Hab ich recht oder nicht? - Ja. Aber ich kümmere mich darum.
Ich hab meine Freunde gefragt.
Journalisten, Autoren, wichtige Leute,
ob sie einen Mann kennen, eine Frau ist zu schwach,
einen starken Mann, der helfen kann,
sie hochzuheben, wenn was passiert.
- Der mit ihr rausgeht. - Hast du einen Termin...
- Hast du einen Termin? - Nein, ich hab eine Liste.
- Wieder nur eine Liste? - Eine Liste mit Namen.
Da ist ein Mann, der war in einer Familie.
Alle kennen ihn und sagen, er ist ein guter Mensch.
- Ich will nicht wissen, ob... - Das sind alles...
neue Psychiater.
- Ich hab eine Liste! - Papa, ich mach dir...
Ich mach dir keine Vorwürfe.
Das ist kein Vorwurf.
Ich weiß, du machst Listen, rufst Leute an.
Aber es ist keiner da, der euch hilft.
Du hast mir oft vorgeworfen, ich hätte euch angelogen, oder?
Okay?
Ich hab gelogen, damit ihr euch keine Sorgen macht, und jetzt lügst du.
Erzähl mir nicht, das ist nicht wahr.
Ich weiß, dass du Listen machst.
Aber ich kann euch nicht helfen. Ich kann nicht mal mir selbst helfen.
Bei Kiki sagt mir eine Sozialarbeiterin, wie ich was zu machen habe.
Ich kann euch nicht helfen. Und wenn ich es versuche, machst du nicht mit.
Du erzählst was von Listen.
Aber ich möchte jemanden, der euch besser helfen kann als ich oder ihr beide.
Ihr soll es nur
gut gehen.
Dir soll's gut gehen.
Ich...
Dein Sohn und dein Mann lieben dich.
- Auf jeden Fall. - Sie helfen dir.
Papa, was ich nicht will...
Ich bin der Letzte, der euch Vorträge halten will.
Alle...
Ich will nur, dass wir... Weil Mama heute so klar ist,
sie ist stabil heute, das ist gut.
Ich will nur, dass wir darüber reden...
Du liebst Listen. Lass uns Listen mit guten Ideen machen!
Ich möchte nicht, dass ihr alle meine Ideen ablehnt.
Vielleicht ist das Heim keine gute Idee.
Und es gibt andere Ideen, mit einem Pflegedienst vielleicht.
Wir können uns informieren, andere Lösungen finden.
Ich will nur, dass wir uns einig sind, wie wir das Ganze angehen.
Ich werde euch
von mir befreien.
Was erzählst du da, Mama?
Klar ist das anstrengend, aber wir reden miteinander.
Nicht zu reden, wäre noch schlimmer.
Du würdest auch mit deinen Patienten reden.
Du würdest mit ihnen reden.
Du hast ihnen gesagt, was nicht gut läuft, was man machen kann, ändern sollte.
Ja oder nein?
Ja.
Nichts anderes tun wir. Vielleicht etwas ungeschickt,
weil Papa als Italiener immer zu laut ist.
Und ich bin stur.
Papa?
Auch wenn wir nicht so gut darin sind, ist Reden wichtig.
Nein, es wäre...
Es wäre...
Wir sind eine kleine Familie.
Wirklich.
- Nicht sehr groß. - Drei Personen.
Und Kiki und sonst...
- niemand. Wir sind eine kleine Familie. - Ich bin ein bisschen müde.
- Bist du müde? - Ja, ein bisschen.
- Möchtest du einen Kaffee oder Tee? - Ja.
Papa, Kaffee?
Nein, danke. Lieber ein Glas Wasser. Was möchtest du?
Dass wir so tun...
als wäre es normal.
- Habt ihr was da? - Klar.
Ich bräuchte 2-3 Spritzen-Sets.
- Zwei oder drei? - Lieber drei.
Danke. Und noch eine Crackpfeife.
- Sonst noch was? Einen Stick? - Ja, warum nicht.
- Papiertücher? - Wasser?
- Nee, alles gut. - Geht so? - Brauch ich nicht.
- Okay. - Mach's gut.
- Bis dann. - Tschüss.
Ganz schön viele Spritzen heute.
- Immer noch wenig los. - Ja.
- Und deine Mutter? - Tja.
- Alt werden ist krass. - Aber hallo!
Alt werden oder fixen, wie soll man sich entscheiden?
Am besten gar nicht. Was die sich einwirft!
Mehr als wir. Mehr als die.
- Und? Kommst du damit klar? - Ist verdammt hart.
Weißt du...
Hey, Leute, wartet auf mich.
- Aber schnell, hier ist jetzt Schluss. - Ein Set.
- Bitte. - Für jeden eins.
- Wir schließen. Sticks? - Auch für meinen Freund.
- Du weißt, wie's läuft. - Er ist gleich da.
Der kommt doch eh nicht.
- Nicht? - Du bist allein.
- Er soll morgen kommen. - Okay.
- Danke. - Er soll vorbeikommen.
- Wir sind jeden Tag hier. - Ciao, ciao.
Macht's gut.
- Das war's? - Feierabend? Ja.
"Das Gedächtnis des Kinos" heißt die Ausgabe. Und ich frage mich,
ob wir das Gedächtnis des Kinos sind.
Du schreibst doch ein Buch.
Ja, ich schreibe gerade ein Buch.
Ein Buch über Träume und das Kino.
Wunderbar! Träume, Erinnerungen!
- Nein. - Das ist nicht dasselbe.
Nein. Das ist was anderes. Mir geht es...
- Das ist doch gut. - Mir geht es um etwas ganz anderes.
Kaffee?
Gern.
Entschuldige.
Deine Frau?
Nicht gut. Gar nicht gut.
Albträume sind immer Teil der Dystopie.
Das ist ein interessanter Gedanke. Es gibt uns eine Vorstellung davon...
- Was ist los? - Was los ist? Das weißt du.
Du gehst mir aus dem Weg. Das ist los.
Nicht hier. Komm. Komm mit.
Ich räum das auf.
- Es tut mir leid. - Ist irgendwas vorgefallen?
- Nein. - Wirklich nicht? - Ja.
Wir brauchen eine Pause.
Ich liebe dich immer noch. Ich liebe dich.
Ich hänge noch immer an dir.
- Wirklich. Sehr sogar. - Ja, ich weiß. Ich auch.
- Du fehlst mir. - Es bricht mir das Herz.
Du fehlst mir.
Deine Güte, deine Liebe.
Deine Zärtlichkeit.
Du fehlst mir.
Wir sollten zurückgehen.
He, Steph!
Steph! Hilf mir!
- Kann ich mit zu dir kommen? - Nein.
- Kann ich bei dir ein Blech rauchen? - Osnat... - Komm schon.
- Nein, ernsthaft. - Komm, lass mich rein. Hör mal.
Wenn du was brauchst, Smack oder so, ich besorg's.
Ich kenne einen, der hat krasses Zeug.
- Echt. - Was für Zeug? - Das knallt voll und super Qualität.
Total sauber, keine Angst. Und gar nicht weit von hier.
- Ich besorg dir was. - Ich hab keine Kohle.
Keine Ahnung. Aber wenn du was willst. Ich bin hier.
Lass mich doch kurz rein, und wenn du's dir anders überlegst,
ich bin da.
- Jetzt komm schon. Bitte! - Dann komm.
Oh mein Gott.
Was machst du da?
Was machst du?
Es tut weh.
Mein Herz.
Warte.
Ich helf dir.
Gut.
Ja.
- Was soll ich machen? - Anrufen.
- Kranken... - Krankenwagen.
Ruf einen Krankenwagen.
Krankenwagen.
Krankenwagen.
Ich ruf an.
Stéphane.
Null,
sechs,
sechs,
fünf,
sieben,
vier,
sieben,
sechs,
vier,
fünf. Ich hab's.
Stéphane, Stéphane?
Ja, hier ist Mama.
Papa. Papa ist gefallen.
In seinem Arbeitszimmer.
Ruf einen...
Krankenwagen.
Ruf einen Krankenwagen.
Ganz schnell und komm her. Komm.
Nein, das weiß ich nicht. Ich weiß nicht.
Komm her.
Komm.
Er kümmert sich darum.
Ist dir kalt?
Geht's?
Atmen.
Ich bin in der Nähe, wenn Sie was brauchen.
Danke.
Okay, da kommt Ihr Sohn.
Ich bin bei dir.
Geht's ihm gut?
- Und dir? - Nein.
Schatz?
Schatz?
Schatz.
Schatz.
Was haben Sie denn?
Ihr Mann ist nicht mehr da.
Er kommt nicht zurück.
Gehen Sie ins Bett und schlafen Sie. Und morgen rufen Sie Ihren Sohn an, okay?
Schließen Sie die Augen...
Wo ist das Haus?
Das kenne ich.
Ist gut, ich sag es ihr.
Wiedersehen. Schönen Tag.
Madame. Alles in Ordnung?
Madame, Ihr Sohn war gerade am Telefon.
Stéphane.
Er ist sehr froh. Er hat ein Heim für Sie gefunden.
Das ist toll!
Nicht weit von hier.
An der Porte de Pantin.
Das ist doch gut. Es ist ein gutes Haus.
Wir machen uns fertig und gehen hin.
Wir packen Ihre Sachen.
Suchen was zum Anziehen aus.
- Er freut sich sehr. - Sie...
Sie...
Sie sind
wer?
Der Mann, der seit ein paar Tagen kommt,
Ihnen Essen macht und Ihre Medikamente gibt.
Wir reden.
Unterhalten uns. Sie reden über Ihre Kindheit, Ihre Oma.
Ich komme seit einigen Tagen. Ich hab Ihnen von mir erzählt.
Und Ihr Sohn freut sich sehr, denn ich kann nicht immer hier sein.
Das ist besser für Sie.
Dort sind Sie sicher, da sind Leute, die Ihnen zuhören, die mit Ihnen reden,
die jeden Tag für Sie da sind. Das wird gut.
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Amen.
Die Papiere sind nachmittags fertig.
Haben Sie alles Nötige zusammen?
Ja, hier...
Ich nehme Ihnen das ab. Danke.
Danke.
Für Frauen nehmen die meisten weiße Blumen.
Wie Sie sehen,
gibt es eine große Auswahl an Urnen. Suchen Sie in Ruhe aus.
Natürlich sind wir gern behilflich.
Mama,
meine geliebte Mutter,
diese letzten Monate mit dir und Papa waren sehr intensiv.
Und es war ungewohnt für mich,
der ich immer eure größte Sorge war, quasi die Elternrolle zu übernehmen
und sogar für euch zu entscheiden.
Manchmal...
Manchmal gegen euren Freiheitswillen.
Alle Träume sind kurz.
Und Träume in Träumen sind noch kürzer.
Ich hoffe, dass ihr in Frieden ruht.
Wir werden deinem Wunsch nachkommen, Mama, damit niemand eure letzte Reise stört.
Im Namen von Kiki, mir,
deinen Freunden und Angehörigen
bedanken wir uns bei dir, Mama.
Vielen Dank für Ihre Worte, Monsieur.
Meine Damen und Herren, wir werden nun eine Diashow sehen
und uns an die schönen Zeiten mit der Verstorbenen erinnern.
Haben Oma und Opa jetzt ein neues Haus?
Nein.
Das ist doch kein Haus.
Nur die Lebenden haben Häuser.
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