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Ich wohne hier um die Ecke seit 60
Jahren und kenne das auch aus DDR-Zeiten.
War DDR-Bürger, Widerwillen, ein unfreier Staat.
Ich konnte mir nicht mal mein schönes Deutschland
angucken, die Alpen, die Nordsee.
Ich verfolge diese Feiern hier seit vielen Jahren
und sehe heute die Veränderung.
Die Balance stimmt nicht mehr.
Die Ukrainer können sich hier präsentieren, obwohl von
den Leuten, die da hinten stehen, ist wohl
von 10, sind 2 Ukrainer dabei, also Deutsche.
Ich finde es nicht gut, dass die Russen,
das ist ja für sie der 9.
Mai der wichtigste Feiertag.
Sie haben ja den Kriegssieg bezahlt mit 25,
27 Millionen Toten.
Aber es waren ja nicht nur Russen, es
waren ja sowjetische Bürger.
Komme ich ja noch.
Die Russen haben den größten Anteil in der
Sowjetunion, aber eben Ukrainer, Weißrussen, Kasachen und so
weiter.
Und vor 5 Jahren zum 75.
durften die hier ihre Sowjetfahnen zeigen und die
fahren ihre Sowjetrepubliken.
Kein Problem.
Da drüben sind die Gräberfelder.
Ach, die hängen heute wieder, die Fotos von
den Toten, den Kriegstoten.
Aber es ist weniger geworden.
Ich habe den Eindruck, viele Russen sind eingeschüchtert,
dass sie eben nicht ihre jetzige Flagge zeigen
dürfen und die sowjetische.
Denn unter der roten Fahne wurde ja der
Sieg errungen.
Ja, ich habe mit den Leuten da diskutiert,
die sind unbelehrbar, die wollen Russland besiegen, eine
Atommacht.
Aber wie sie das konkret anstellen wollen, konnten
sie mir nicht sagen.
Ich sage es in jeder Runde, in jedes
Mikrofon, ich will Waffenstillstand heute Abend noch.
Und dann kann man verhandeln, wie es weitergeht,
weiß ich nicht.
Wissen auch unsere schlauen Politiker offenbar nicht.
Aber dieses immer weiter, das läuft ja wahrscheinlich
so wie im Ersten Weltkrieg.
Auf ein Pad hinaus.
Viele Tote und keine Seite hat ihr Ziel
erreicht.
Weder der Westen mit der Ukraine-Unterstützung, noch
die Russen.
Der Papst hat gestern gesagt, Frieden für euch
alle.
Das will ich auch.
Aber wir sind jetzt ein bisschen in die
aktuelle politische Lage abgerückt.
Und es geht ja jetzt um einen Tag,
der vor 80 Jahren stattgefunden hat.
Und wenn man sich hier die Menschen anguckt,
sind ja oftmals Nachfahren von Menschen, die hier
wahrscheinlich ihr Leben gelassen haben.
Sie haben es gerade erwähnt, da hinten sind
die Gräber.
Da sind viele hier.
In der Vergangenheit waren es, wie gesagt, mehr.
Meine Frage ist aber jetzt, Sie als Deutscher
quasi.
Was macht das mit Ihnen, wenn Sie jetzt
hier stehen vor diesem Monument und Sie wissen
jetzt, okay, man darf jetzt einen Großteil der
Menschen, die hier diesen Tag begehen, die dürfen
jetzt ihre Symbole nicht zeigen.
Was macht das mit Ihnen als Deutschen?
Was macht das mit mir?
Naja, mein Vater ist einmarschiert 1941 in der
Ukraine.
Jetzt können Sie raten, ob er wiedergekommen ist
oder nicht.
Er ist nicht wiedergekommen.
Da war Deutschland der Aggressor.
Von Westen Richtung Osten.
Und heute kommt die andere Armee, die russische,
von Osten nach Westen.
Haben Sie Angst, dass Sie hier einmarschieren?
Nein, überhaupt nicht.
Ich sehe doch, wie weit die in drei
Jahren gekommen sind.
200 Kilometer.
Jetzt mal sarkastisch gesagt.
Bezahlt mit vielen, vielen Menschenleben.
Leider, ja.
Ich habe überhaupt keine Angst vor Russland.
Wir sollten die Aussöhnung suchen.
Die Aussöhnung so wie mit Frankreich.
Das sollte unser Ziel sein.
Das langfristige, strategische Ziel.
Aber von unserer Politik hört man da kein
Wort.
Erst mal muss Russland besiegt werden.
Es gab kürzlich eine Umfrage von dem Meinungsforschungsinstitut
YouGov.
Das wurde in fünf westlichen Ländern durchgeführt.
Amerika, Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Italien.
Und die Frage lautete, wer hat Ihrer Meinung
nach den Sieg erhoben vor 80 Jahren?
Und die große Mehrheit, also fast 50%
in allen befragten Ländern, gaben an, entweder Amerika
oder Großbritannien.
Was sagen Sie dazu?
Stimmt nicht.
Kriege werden am Boden gewonnen.
Zeigt die Geschichte.
Alle Kriege werden am Boden gewonnen mit Infanteristen,
Artillerie, Panzern.
Also können die Briten nicht die Kriegssieger sein.
Die kamen ja nur mit Bombern hierher.
Erst in der Endphase, zusammen mit den Amerikanern
und Kanadiern.
Am Boden.
Jetzt habe ich den Faden verloren.
Ihre Meinung zu diesem Geschichtsrevisionismus?
Am Boden.
Die Zahlen sagen es.
Die Opferzahlen.
11 Millionen tote Soldaten.
Da redet noch keiner von den Verstümmelten, Verwundeten.
Natürlich haben die Russen materielle Hilfe bekommen.
Durch diesen Vertrag mit den Amis.
Die haben Lokomotiven, Panzer, Lastkraftwagen bekommen.
Aber das war, schätze ich mal, 10%
des materiellen Beitrages.
Die Russen hätten den Krieg auch ohne diese
Hilfe gewonnen.
Der Krieg wäre leider nur bis 1950 oder
länger gegangen.
Aber die hätten nicht nachgelassen.
Die wurden so schlimm überfallen.
Das Land wurde so schlimm verwüstet.
Durch meinen Vater.
Mein Onkel liegt in Stalingrad.
Das wäre meine Antwort auf diese Umfrage.
Vielen Dank.
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