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* Gefühlvolle Mandolinenmusik *
Mein ganzes Leben kannte ich meinen Vater nur
als Erinnerung auf einer stummen Leinwand
und aus Erzählungen meiner Mutter.
Dein Vater ist tot. Gestorben, da warst du acht.
Doch das war eine Lüge. Ich habe ihn gefunden.
Er heißt Vincenzo.
Es ist besser, wenn du das ruhen lässt. Nee, Mama, Schwachsinn.
Jetzt sitze ich neben ihm
auf dem Weg nach Deutschland zu Alexander ...
... meinem Großvater.
Ich muss deinem Vater etwas über seine Mutter sagen.
Giulietta. Vergiss es.
Sie ist der Schlüssel zu allem.
Alexanders eine große Liebe.
* Bewegende Musik *
Warum hast du dich nie gemeldet? Ich war bei dir.
Bei euch zu Hause.
Ich bin Vincenzos Vater, nicht wahr?
Ich will mit dir leben. Ich lasse mich scheiden.
Meine Mutter hat mir ein Leben lang die Wahrheit vorenthalten.
Warum ist mein Vater damals abgehauen?
Warum endet Giuliettas Tagebuch
als sie und Alexander endlich in ein neues Leben aufbrachen?
Ich will Antworten. Auf alles.
* Unheilvolle Klänge *
Giulietta, fahr rechts ran.
* Reifen quietschen. *
Halt an, Giulietta. Halt an, halt an.
Giulietta!
* Krachen *
* Düstere Klänge *
Der Tod meiner Mutter hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen.
* Nachdenkliche Musik *
Glaubst du, Alexander hat was Neues rausgefunden?
Wahrscheinlich ist es nur ein Trick, um mich zu ihm zu locken.
Was wäre so schlimm daran? Er will sich versöhnen.
Julia
Er hatte 40 Jahre Zeit dazu.
Er will sich nicht mehr schuldig fühlen auf seine alten Tage.
Giulietta
Alexander, jung
Als ich ihn brauchte, war er nicht da.
Du wolltest, dass er zu dir kommt, hm?
Das wolltest du auch von mir.
Vincenzo, jung
Für mich war alles eine absolute Katastrophe.
Ich fühlte mich so unendlich allein.
Vincenzo. Figlio mio.
Hör mir zu. Wir haben immer noch uns.
Wir sind eine Familie.
Vincenzo, älter
Du bist nicht allein.
Alexander, alt
* Klopfen *
Ist der Enzo Marconi zu Hause?
Nein.
Haut ab. Haut ab!
Ich habe nichts zu befürchten.
Assassino! (Polizist) Machen Sie auf.
* Enzo spricht italienisch. *
* Vincenzo schreit und weint. *
Auseinander!
Mach dir keine Sorgen, Vincenzo.
(Mann) "Ave Maria, piena di grazia."
Il Signore e con te.
Tu sei benedetta fra le donne e benedetto
e il frutto del tuo seno, Gesu.
* Wehmütige Musik *
* Italienisches Gebet *
* Trauergäste antworten. *
* Handy vibriert. *
* Vibrieren endet. *
* Melancholische Musik *
* Musik verklingt. *
Kannst du mal sagen, was los ist?
Ich habe mich nie getraut, hierher zu kommen.
Alexander wurde rausgeschleudert.
Er war nicht angeschnallt. Das war seine Rettung.
Sie war angeschnallt.
Meine Mutter war nicht viel älter als du.
Das tut mir leid.
Die Wahrheit über Giuliettas Tod.
Was kann Alexander damit gemeint haben?
Ich weiß es nicht.
Ich dachte, es war ein Unfall.
Nein. Es war kein Unfall.
* Geheimnisvolle Musik *
* Türklingel schellt. *
(Mann) Herr Marconi?
Wiedemeier von der Kriminalpolizei.
Ich hätte ein paar Fragen gehabt zum Tod Ihrer Mutter.
Hat Ihr Vater denn schon mal mit Gewalt gedroht?
Er war oft eifersüchtig.
Er streitet die Tat ab, aber was denken Sie?
Wäre er dazu fähig? Was geht Sie das an?
Ihre Familie stammt aus Sizilien.
Was denken Sie über die Tradition des Ehrenmords?
Klar, mein Vater ist Sizilianer, da kann er nur schuldig sein.
Wenn Sie sich sicher sind, sperren Sie ihn doch einfach weg.
Die Untersuchung ist eindeutig. Der Bremsschlauch war angeschnitten.
Zum Unfallzeitpunkt
war die Bremsflüssigkeit vollständig ausgelaufen.
Und? Ihr Vater ist Automechaniker.
Und er hatte ein Motiv.
Ich sage gar nichts mehr.
Das Tagebuch Ihrer Mutter.
Wo haben Sie das her? Sie hatte es bei sich als...
Es gehört Ihnen.
Schauen Sie ruhig rein.
03. August '64.
Mir schnürt es den Hals zu beim Gedanken,
dass Vincenzo es spüren könnte.
Dass er merkt, Alexander ist sein Vater.
* Angespannte Musik *
Hast du es gewusst? Was?
Wer mein Vater ist.
Du Feigling.
Warum hast du nichts gesagt? Es war nicht meine Entscheidung.
Es war die Entscheidung deiner Mutter.
Mach es dir ruhig einfach. Anders könntest du nicht damit leben.
Mei, Vincenzo. Das tut mir so leid.
Und wenn's du mal was brauchst... - Vincenzo.
Dann bin ich immer für ihn da.
Ich habe meine Frau Giulietta Marconi geliebt
und könnte ihr kein Leid zufügen.
Ich, Enzo Marconi, bin unschuldig.
Der Mann vor mir war nicht mehr mein Vater,
aber der Mörder meiner Mutter.
Die ganze Familie war auf einer Lüge aufgebaut.
Meine wahre Familie durfte es nicht geben.
(Fräulein Schuberth) Ich hab Pause gemacht und ihn gesehen.
So Leute sind normalerweise nicht vorm Haus.
Was meinen Sie mit "so Leute"? - Mei, so Südländer.
Und das kam mir schon komisch vor,
weil er hat Herrn Dr. Schlewitz dabei beobachtet,
wie er die Plane über das rote Cabriolet warf.
(Staatsanwalt) Als Sie nach Hause gingen, stand das Cabrio noch dort?
Ja.
Hätte nachts jemand an den Wagen gehen können?
Herr Dr. Schlewitz war ja noch im Büro,
also, ja, sicher.
Das ist eine öffentliche Straße.
(Staatsanwalt) Keine weiteren Fragen.
(Polizist) Bitte folgen Sie mir.
* Angespannte Musik *
Schwören Sie, die Wahrheit zu sagen, so wahr Ihnen Gott helfe?
Ich schwöre.
Herr Dr. Schlewitz.
Wusste Herr Marconi von Ihrem Verhältnis mit seiner Frau?
Ja.
(Staatsanwalt) Wie beschrieb Frau Marconi ihren Mann?
Als besonders eifersüchtig? Eifersüchtig, ja.
Aber auch als liebenden Familienvater.
(Staatsanwalt) Als Sie nach Venedig fuhren,
hat sich Frau Marconi zu der Zeit für eine Scheidung entschieden ...
oder war es doch nur eine Affäre?
* Raunen *
Das weiß ich nicht.
In ihrem Tagebuch beschreibt Sie Frau Marconi als ihre große Liebe.
Hatten Sie denn vor, Herr Dr. Schlewitz,
Ihre Frau zu verlassen?
Euer Ehren, das steht nicht zur Debatte.
Vielen Dank, Herr Dr. Schlewitz.
Wir unterbrechen hiermit kurz die Verhandlung.
(Mann) Dr. Schlewitz.
Dr. Schlewitz, was sagen Sie zu den Anschuldigungen?
Dr. Schlewitz.
Marianne.
Es muss schrecklich für dich sein.
Vor den ganzen Leuten.
Es tut mir leid.
Lass die Vergangenheit ruhen.
Komm zurück nach Hause.
Wir brauchen dich.
Du bist mein Mann.
(Richter) Der Angeklagte Enzo Marconi
hat kein Alibi, ein klares Motiv
und aufgrund seines Berufes als Kfz-Mechaniker
die nötigen Kenntnisse,
um ein Versagen der Bremsanlage herbeizuführen.
In der Gesamtbetrachtung kommt das Gericht zu folgender Conclusio:
Da es der Anklage nicht gelungen ist,
die Schuld des Angeklagten zweifelsfrei zu beweisen,
gilt der Rechtsgrundsatz in dubio pro reo.
Das Gericht spricht den Angeklagten mangels Beweisen
vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung frei.
* Wütende Rufe *
Ruhe, bitte.
Bitte Ruhe!
Ruhe!
* Getragene Musik *
* Melancholische Klaviermusik *
Soll ich zuerst rein?
Entschuldigen Sie?
Entschuldigung. Alexander Schlewitz, wo ist der?
Schlewitz? Ja.
Äh, der ist in der OP.
Was für eine OP?
Da gab's Komplikationen. Ein Notfall.
Das... Das musste schnell gehen.
Kommen Sie. Ich zeige Ihnen, wo Sie warten können.
Ja.
Ich habe Angst, dass wir zu spät sind.
Vielleicht ist es besser so.
Entschuldigung.
Ich wollte nie wieder nach Deutschland.
Das alles hier...
Ich habe gedacht, ich habe es für immer hinter mir gelassen.
Ich habe mich von allen verraten gefühlt.
Von Enzo, vom Staat...
Was ist das für eine Justiz, die kleine Kiffer bestraft,
aber Mörder frei rumlaufen lässt?
* Spannungsvolle Klänge *
Doch da war dieser andere Vater.
Ein fremder Teil von mir.
Ich wusste nicht, welcher Teil,
der bessere oder der schlechtere.
* Spannungsvolle Klänge *
Ah, schon wieder verloren.
Ich schau mal kurz, wie weit die Mama ist, ja?
Wer bist du?
Ich... * Schritte *
* Schritte *
Alexander?
Äh... Moment.
Ich komme gleich.
Du bleibst hier. Es gibt gleich was zu essen, Schatz.
Hier lang.
Bitte, setz dich doch.
Ich habe sie auch verloren. Sie saß direkt neben mir.
Aber das macht's ja auch nicht besser.
Glaub mir, ich würde dich gern reinbitten,
aber meine Familie...
Die Familie, die du verlassen wolltest?
Wie heißt sie?
Wer?
Meine Schwester. Wie heißt sie?
Vincenzo, die letzten Monate waren die Hölle.
Für uns alle. Wir brauchen alle ein wenig Zeit, um zu heilen.
Wo willst du hin? Fragen, wie sie heißt.
Warte.
Alle sagen, sie wollen die Familie beschützen.
Aber weißt du was?
In Wahrheit seid ihr alle nur scheißfeige.
Warte. (Marianne) Alexander?
Essen ist fertig.
Sie weiß nicht, wer ich bin, oder? Doch.
Sie weiß es.
Hm. Na dann.
Wer war der Mann?
Niemand.
* Melancholische Musik *
* Handyklingeln *
Hey. Wo bist du? Deine Mom war da.
Ich kann gerade nicht. Tut mir leid.
"Sie sah nicht gut aus." Ich melde mich bei ihr. In Ordnung?
Warte. Der Präsentationstermin ist doch schon übermorgen.
Willst du das rote Kleid doch nicht zeigen?
Können wir das wann anders besprechen?
Klar, aber ich glaube, das rote wird sie überzeugen.
Du musst es nur fertig machen.
Bei mir passiert gerade einfach wahnsinnig viel.
Ich, ähm...
Ich bin im Krankenhaus bei meinem Großvater.
Ihm geht's nicht gut. "Oh, sorry."
Wenn ich irgendwas tun kann, sag's bitte.
Ja. Ich danke dir.
Clara. Hallo.
Das ist Vincenzo.
Ich bin Clara, Alexanders Tochter.
Vincenzo.
Wie geht's ihm denn? Die OP ist vorbei.
Sie haben ihn in ein künstliches Koma versetzt für zwei Stunden.
Zur Stabilisation.
Ist alles gutgegangen?
Das wissen wir erst, wenn er wieder wach ist.
Aber ihr könnt hier nichts machen.
Geht nach Hause, ruht euch aus, ich...
Ich rufe dann an, ja?
Ich bringe dich nach Hause.
Mhm.
* Traurige Musik *
* Musik läuft weiter. *
Komm rein.
Einen Moment.
Helen schläft wie ein Stein, wenn sie vom Shooting kommt.
Entschuldige das Chaos.
Du hast ihr Talent.
Können wir bitte über was anderes sprechen? Entschuldige.
Mich interessiert, was du machst, wer du bist.
Wer ich bin... Keine Ahnung.
Komm, wir trinken einen Kaffee, ja?
Giovanni hat mir mal erzählt,
die Italiener sind Meister im "bella figura" machen.
Nach außen alles toll, aber innen drin ... totales Desaster.
Aber...
Das Desaster hier drin, das ...
ist leider auch nicht so ohne.
Das muss in den Genen liegen.
Hör nicht drauf, was andere sagen.
Hör auf das, was du wirklich willst.
Mama hat mir mein ganzes Leben lang gesagt ...
das hier ist der falsche Weg.
Sie versucht die Welt zu retten ...
ich schnipsel hier vor mich hin.
Also war Mama schon immer so?
Ja. Die war schon immer so.
* Fröhliche Rockmusik setzt ein. *
Die war anders als die Frauen meiner Familie.
Antikriegsdemo. Sie war frei.
Sie hasste ihre Nazi-Eltern,
wollte die Welt verändern, authentisch sein,
diskutierte nächtelang.
Habt ihr Kleingeld über? Nee, sorry.
Sag Bescheid.
Danke.
Kommst du zur Demo?
20. Mai, 14 Uhr. Aktiv Widerstand leisten.
Solidarisch gegen den Militarismus in diesem Land.
Kommst du? - Finde ich cool, was ihr da macht.
(Barmann) Kapitalisten bekämpfen und so.
Das ist deine Kneipe? - Ja.
Ja? Die gehört dir? Das ist Kapitalismus pur.
Nahrungsmittel gegen Geld.
So. Kommst du zur Demo?
Ihr kommt, ja? Zur Demo?
Was glotzt du denn so blöd?
Na, komm mit. Komm.
(Mann) Es geht um mehr als die Frage des Materials.
Das Entscheidende ist,
dass die Lage sich während der zweiten Hälfte 1955
grundlegend gewandelt hat.
Die Banküberfälle der Stadtguerilla sind kein Diebstahl,
sondern Umverteilung.
Das Volk nimmt sich zurück, was ihm gehört.
Sag mal, hast du mit dem gebumst?
Und wenn?
Wo stehst denn du politisch?
Keine Macht für niemand.
Und was hast du drauf?
Autos knacken. Und fahren.
Weiter. Wo waren wir?
Die Hippies hatten verloren.
Baader und Meinhof waren im Knast.
Und wir, wir waren die Stadtguerilla.
Keine RAF.
Wir waren nur das Fußvolk, machten die Drecksarbeit.
* Spannungsvolle Musik *
Hey.
Wir bekamen die Ware von den Roten Brigaden.
Die Ware ging dann weiter nach Frankfurt und Berlin.
Wir waren so eingebildet zu glauben,
wir machen das für eine gerechtere Gesellschaft.
(Reporter) "... Terroristen haben heute Mittag
die deutsche Botschaft in Stockholm besetzt
und Geiseln genommen.
Sie haben den Militärattache Baron von Mirbach erschossen."
(Tanja) Was für eine Scheiße.
Wir haben gesagt, keine Toten.
Waren das unsere Waffen? Das hat dich nicht zu interessieren.
Du bist Soldat. Du befolgst Befehle. Ach ja?
Und Gleichheit und Brüderlichkeit?
Willst du die Aktionen planen? Dazu fehlen dir die Eier.
Ach ja? Ist das so? Hey.
"...der Deutschen Presse-Agentur
ihre Forderungen zur Freilassung der Geiseln
und für ihren eigenen Abzug."
(Tanja) Olaf.
* Keuchen *
Du bist der Einzige, der nie von seinen Eltern erzählt.
Ah...
Komm, lass den Kleinen.
Buonanotte.
Ey. Ey.
Lass, lass, lass.
Olaf. Du gehörst niemandem, und ich gehöre niemandem, okay?
Wenn wir die Gesellschaft ändern wollen,
dann müssen wir bei uns selbst beginnen.
Dann bums doch, wen du willst.
Und? Wen willst du jetzt bumsen?
Keine kleinen Angeber mehr.
Für wen arbeitet der Typ? Das ist ein Bonze mit teuren Autos.
Wir machen keine Einbrüche. Wir nehmen uns, was uns gehört.
Umverteilung.
Der ist zu Hause um die Zeit. Bis der aufwacht, sind wir weg.
Okay, go. Welchen nehmen wir?
Okay, alles klar.
Beeil dich. Ja.
Okay.
Mach schnell. * Motor springt an. *
Okay.
Was machst du? Wir nehmen beide.
Was ist mit dem Fluchtwagen? Lassen wir hier.
Steig in die Karre. Nein.
Beeil dich. Der hört uns.
Scheiße. Scheiße, scheiße, scheiße.
Er ist aufgewacht. Mann, er hat uns gehört. Fahr.
Scheiße, scheiße.
Fahr, fahr, fahr, fahr. Ey! Ey!
Fahr, los! Aussteigen.
Raus aus dem Wagen. Nein.
* Düstere Musik *
Vincenzo. Was ist? Kennst du den?
Nein.
Du bringst uns alle in Gefahr!
Du befolgst meine Befehle, sonst keine.
Wenn ich gehorchen will, gehe ich zur Bundeswehr.
Was ist denn die Karre wert? Die gehört mir.
Privateigentum, oder was?
Die Beute gehört dem Kollektiv. - Ey! Hört auf. Mann...
Hey. Hey.
Olaf!
* Olaf ächzt. *
Du Ziegenficker!
Hey!
* Eindringliche Musik *
* Unheilvolle Klänge *
Polizei! Aufmachen!
* Hämmern * Aufmachen!
Scheiße. Warte... Schnell.
Polizei!
Polizei! Polizei!
Hier lang.
Polizei! Polizei!
* Spannungsvolle Musik *
* Sirenen nähern sich. *
Polizei! Stehen bleiben, oder wir schießen!
* Lied: "Brown Sugar" von The Rolling Stones *
* Lässige Rockmusik *
Schweine!
* Lied klingt aus. *
Wir hatten keine Zukunft mehr in Deutschland.
Wir suchten Zuflucht bei den Menschen,
denen ich vertrauen konnte.
Die bedingungslos zu mir halten würden.
Bei meiner sizilianischen Familie.
Hey.
* Er seufzt. * Hey, was ist mit dir?
Vincenzo, guck mich an.
Help. We need help.
Komm, komm.
Vincenzo?
* Rosaria spricht italienisch. *
Okay, okay. Ich habe dich.
(Rosaria) Was ist passiert? - (Tanja) Kannst du uns hören?
Vieni, vieni qua.
* Dissonantes Rauschen *
Schlaf weiter.
(Rosaria) Scusa.
Das Fieber ist gestiegen. - Ist das seine Verlobte?
Ich bitte dich, Mamma.
Vincenzo.
Amore mio.
(schwach) Nonna.
* Glockenläuten *
Du musst dir das anhören.
War es früher der Neid des Hungernden,
den die Bourgeoisie unterm reich gedeckten Tisch vermutete ...
Geht's dir besser?
Ja.
Also: ... so ist es heute der Wahnsinn gescheiterter Existenzen,
die sich in Konsumgesellschaften nicht zurechtfinden.
Joschka Fischer. Ein Auszug aus "Schriften gegen Konsum..."
Ich liebe dich.
Ich liebe dich.
Zeig mal her.
Zeig dich mal her.
Geht's?
Für eine Weile haben wir gelebt wie im Paradies.
Wir waren frei und unsere Welt drehte sich nur um ums,
als wären wir auf einer einsamen Insel gestrandet.
Natürlich hat man angefangen zu reden im Dorf,
über die verrückten Deutschen.
Aber uns war das völlig egal.
(Tanja) Ich habe mit einem Anwalt telefoniert.
Er sagt, wir müssen untertauchen, mindestens ein bis zwei Jahre.
Wir können nach Südamerika gehen, die Befreiungsbewegung unterstützen.
Oder nach Palermo, zur "Roten Brigade".
Das wäre auch 'ne Option. Oder ...
... wir bleiben hier und vögeln Tag und Nacht.
* Sie lacht. *
Nicht dass du denkst, dass wir aufhören. Wir kämpfen weiter.
Wir bleiben hier, bis es mir besser geht.
* Emotionale Musik *
Wir haben endlich einen Kontaktmann in Palermo.
Der kann uns sogar falsche Pässe besorgen.
Gut.
Alles klar...
* Sie spricht italienisch. *
Was sagt sie?
Gott soll uns segnen.
* Auf Italienisch *
(übersetzt) Es soll dir Glück bringen. No, no. Grazie.
Weißt du, was ihr das bedeutet?
Vincenzo, das ist deine Familie.
Bella. Grazie.
* Glockenläuten *
Was machen wir hier?
Redest du nicht mehr mit mir?
Ich weiß, wie schwer das hier für dich ist.
Mit dem Gästezimmer bei meiner Familie
und ihren 1000 unausgesprochenen Fragen.
Die Besitzer von hier sind ausgewandert.
Die kommen nicht mehr wieder.
Wir können von vorne anfangen, ein neues Leben.
Tanja. Lass uns Kinder kriegen.
Hier. Ganz viele.
Ja?
Du hast das hier gemacht?
Also, du hast das Haus renoviert? Ja.
Ohne mit mir zu sprechen? Du machst einfach deine eigenen Pläne?
Wir haben gesagt, dass wir bleiben, bis es dir besser geht.
Das war doch der Plan.
Jetzt auf einmal Haus und Kinder? Du bist zu jung.
Wir sind zu jung. Du gehörst hier genauso wenig hin wie ich.
Ich gehöre nirgends hin. Ich kann genauso gut hierbleiben.
Man braucht Wurzeln, um nicht verloren zu gehen. Wurzeln...
Ich habe mich nicht von Nazi-Eltern losgesagt,
um im Mittelalter zu landen.
Hier können Frauen nicht lesen. Wozu habe ich Journalismus studiert?
Tanja. Nein. Was soll ich denn...
Nein, ich möchte... Ich liebe dich, Tanja.
Wenn wir jetzt aufgeben, dann haben die anderen gewonnen.
Hey.
Haben wir was verändert? Mach uns nicht klein.
Wir haben gerade erst angefangen. Tanja.
Wir scha... Nein. Ich kann das jetzt nicht.
Wo willst du hin? Hm?
Nach Palermo, zur "Brigate Rosse"?
Das sind keine Freiheitskämpfer, das sind Mörder.
Die haben die richtigen politischen Ziele.
Ich nehme den nächsten Bus.
* Schwermütige Musik *
* Sie seufzt. *
Dann bin ich also ein Unfall?
Ich wollte dich.
Und sie?
Deine Mutter wollte immer die Welt verändern.
Sie hat für alles Verantwortung übernommen
und sich dabei selbst verloren.
Und du?
Willst du Familie?
Vielleicht. Irgendwann, ja...
Wenn ich den Richtigen finde.
In den letzten Jahren habe ich mich in Arbeit gestürzt und...
Tja, gebracht hat es nicht wirklich was.
Im Moment habe ich keine Ahnung, was ich will ... oder was nicht.
Ja, ich kenne das.
Als Tanja damals wegging und ich völlig alleine war,
da hatte ich auch keinen Schimmer.
Ich konnte nicht mal mein Abitur nachholen,
weil sie mich geschnappt hätten,
sobald ich mich an einer Schule eingeschrieben hätte.
Ich war niemand.
Ich hatte nichts.
Archimedes sagte:
Gib mir einen festen Punkt und ich hebe die Welt aus den Angeln.
Ich musste meinen festen Punkt woanders finden.
Nicht bei Tanja, nicht bei der Familie, sondern bei mir selbst.
Und das Schicksal gab mir einen Wink.
Die "Targa Florio", Mythos meiner Kindheit.
Das älteste Autorennen der Welt, und das härteste.
Über Landstraßen mitten durch Dörfer mit 300 Stundenkilometern.
Dort musste ich hin.
Endlich wusste ich, was ich wollte.
Nicht Autos bauen oder konstruieren, ich wollte fahren.
Als Rennfahrer brauchst du kein Abitur, keine Papiere.
Nur Talent und Verachtung für dein Leben.
Nur bekam ich erst mal keinen Platz im, sondern unter dem Auto.
* Sie spricht italienisch. *
Sono Carmela.
Rosaria hat erzählt, dass du hier bist.
Ich wollte mal kurz Hallo sagen.
Ich habe dich kaum wiedererkannt.
Hast du unseren Kuss auch vergessen?
So habe ich das nicht gemeint.
Bei Giovannis Hochzeit, da... Da warst du noch ein Mädchen.
Ja, jetzt... Wie lange bleibst du hier?
Ähm... Keine Ahnung.
Vincenzo. Kannst du kurz kommen? Ich habe ein Problem mit dem Vergaser.
Ich komme. Warte.
Hier.
Meine Nummer.
Ruf an.
* Lied: "Brand New Day" von Van Morrison *
* Sanfter Country-Rock *
Ich hätte nie geglaubt,
je eine andere Frau als deine Mutter lieben zu können.
Carmela war so anders und doch vertraut.
Sie nahm mich an, wie ich war.
Und endlich fand ich das, wonach ich die ganze Zeit gesucht hatte:
Mich selbst.
Bitte reg dich nicht auf, aber ich muss es wissen.
Was willst du aus deinem Leben machen?
Ich werde Rennfahrer.
Der beste, da bin ich mir sicher.
Und du?
Was willst du? Ich will eine Familie.
Es muss nicht hier sein, aber ...
ich mag die Sonne und das Meer.
* Telefonklingeln *
Pronto? (Giovanni) Ey, Vincenzo.
Was ist los, Giovanni?
Ich habe Tanja gesehen.
Wo? Hier in München.
* Geheimnisvolle Musik *
Tanja.
Die ist nach Palermo. "Nein, nein, sie ist hier."
Und, äh...
Sie ist schwanger. Was?
Kaffee? - (Tanja) Äh...
Entschul... Ja? Mädels, ich mache kurz eine Pause.
Ich habe sie gefragt, wer der glückliche Vater ist.
Du vielleicht? Ein Scherz, verstehst du?
"Sie guckt mich an und sagt nichts."
Vincenzo. Bist du noch dran?
Ich muss zu ihr. "Mach keinen Blödsinn."
Du kommst in den Knast. Wem hilfst du damit?
Tanja, deinem Kind? Warum sagst du mir das dann?
Du hast die Wahrheit verdient. Nein.
Hey, Vincenzo.
Vincenzo, was soll das?
Warum? Warum, Vincenzo?
Ich liebe dich.
Ich werde Vater.
In Deutschland.
* Dramatische Musik *
Lei puo passare.
* Spannungsvolle Klänge *
Ihren Reisepass, bitte.
Ich, ähm...
Ich glaube, der ist im Kofferraum. Steigen Sie aus.
Stehen bleiben! Hände hoch!
* Giovanni spricht italienisch. *
Idiot. Hast du sie gefunden? Oder ihre Nummer?
Du brauchst einen Anwalt. Was soll das bringen? Hä?
Wer bin ich? Ein dreckiger Ausländer.
Jammer nicht rum wie ein Sizilianer.
Ich habe gesagt, bleib drüben.
Aber ich...
Ich werde Vater.
Ich habe nichts geschafft außer diesem Kind.
Bitte, Giovanni.
Finde sie.
Sie haben Tanja auch erwischt.
* Düstere Klänge *
Tanja Becker hat mit den Aktionen nichts zu tun. Ich war allein.
(Staatsanwalt) Ihnen ist bewusst,
dass sich durch diese Aussage das Strafmaß empfindlich erhöht?
Sie hat nur bei uns gewohnt. Sonst nichts.
* Schwermütige Musik *
Dann bist du für sie in den Knast?
Nicht nur für sie. Für euch.
Mir hat sie erzählt... dass ich gefährlich bin?
Auch das ist ein Teil der Wahrheit.
Was soll das heißen?
Es ist schwer zu sagen, wo Schuld anfängt
und wo sie aufhört.
Bei wem.
Was denn für Schuld? Du hast sie gerettet.
"Ich bekam sieben Jahre. Bei guter Führung fünf.
Und ich wusste noch nicht mal den Namen meiner Tochter."
Warum bist du hier? Politisch, hm?
Arschloch.
Wegen euch kriegen wir einen Polizeistaat.
* Emotionale Musik *
"Eine Mehrheit von acht bis zehn Stimmen, haben Sie das erwartet?"
(Reporter) "Generalbundesanwalt Buback ist ermordet worden.
Bei dem Anschlag wurde auch sein Fahrer getötet."
Hallo.
Ja, hallo.
Na du?
Du hast sie Giulia genannt.
Julia.
Julia. * Julia quengelt. *
Schön.
Danke.
Wofür?
Deine Aussage.
Du musst für Julia da sein.
Fünf Jahre gehen schnell vorbei. Ich schaffe das. Versprochen.
Wenn du was brauchst, dann geh zu Giovanni.
Das ist schon okay, ich komme klar.
Ich arbeite ja wieder. Ich habe einen Job.
Ich bin jetzt Redakteurin.
Das ist nicht das Ende, ja?
Es ist ein Anfang.
Vielleicht haben wir das gebraucht.
Wenn ich rauskomme, bin ich für Julia da.
Und für dich, versprochen. Wir drei zusammen.
Ja?
Hey.
(Aufseher) Keinen Kontakt. - Ja.
Ist gut.
Dann sind wir eine Familie. Keinen Kontakt.
Es ist ja gut.
* Leise düstere Musik *
Der Polizist sagte, dass du ihn nicht als gestohlen gemeldet hast.
Ich habe nicht gedacht, dass es was nützt.
Dass sie ihn je wiederfinden würden.
Ich verkaufe ihn.
Lieber Vincenzo,
du willst mich nicht sehen, und das respektiere ich.
Bitte lies wenigstens meine Zeilen.
Einmal wirst du die Dinge vielleicht anders sehen,
wenn du mir verzeihen kannst.
Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an deine Mutter denke.
Und an dich.
Sie würde wollen, dass wir einen Weg zueinander finden
und uns aussöhnen.
Wenn deine Frau und deine Tochter etwas brauchen,
lass es mich wissen.
So wie jetzt muss es nicht für immer sein.
Gib uns eine Chance, und lass mich dir alles erklären.
Alexander.
Dass es dich gab, war meine Rettung.
Ich hatte einen Grund, weiterzumachen.
Ich wollte ein normales Leben.
Ich habe mich zum Fernstudium angemeldet. Fahrzeugbau.
Wenn ich rauskomme, bin ich fast fertig.
1,4.
Das ist großartig. Herzlichen Glückwunsch.
Danke.
Ich habe was für dich.
Den hat Julia für dich im Kindergarten gebastelt.
Wieso gibt sie es mir nicht selber?
Es ist nicht gut, ihren Vater hier zu sehen.
Sie ist vier, sie kriegt alles mit.
Hast du gehört? Sie haben John Lennon erschossen.
Was ist?
Hey. * Sie räuspert sich. *
Willst du mich heiraten?
Vincenzo, bist du verrückt?
Nein, bin ich nicht. Heirate mich.
Herr Marconi.
Wir müssen.
Nehmen Sie Ihre Sachen.
Kommen Sie.
* Melancholische Musik *
* Musik wird eindringlicher. *
* Musik verklingt. *
Hi.
* Energiegeladene Musik *
Nicht zu schnell werden. Oh mein Gott.
Gewonnen! Wuhu!
Die Bremse gezogen?
Okay, einmal aussteigen.
Fertig, los!
* Lied: "Don't Leave Me Now" von Supertramp *
* Emotionale Rockmusik *
Boah, guck mal.
Jetzt kommt hier alles an Erde drauf.
Wir haben's geschafft. Wuhu!
* Klingel schellt. *
Entschuldige die Störung, Helen. Ich habe was für Julia.
Könntest du ihr die geben, wenn sie kommt? - Sie ist hier.
Ach ja?
Aber sie ist nicht allein.
Warte.
Du hast sie nicht mal aufgemacht.
Das war mein Weg, damit umzugehen.
Ich konnte nicht anders.
Für Julia.
Du bist in den Knast für mich.
Dafür bin ich dir unendlich dankbar. Ich hoffe, du weißt das.
Aber ich habe nie Versprechungen gemacht.
Du hast immer gewusst, dass ich mein Leben anders leben wollte.
Heirat, Haus, Familie...
All das wollte ich nie.
Für dich war das, was ich gesagt und geglaubt habe, immer ein Spiel.
Aber für mich...
Für mich war es ernst.
Danke.
Wofür?
Dass du auf sie aufgepasst hast.
So gut es ging.
Sie ist eine wunderbare Frau.
* Leise perlende Musik *
* Tür wird aufgeschlossen. *
Hey. Guten Morgen.
Wo warst du?
Tanja war hier.
Hm.
Und was ist das?
Die habe ich dir geschrieben.
Also, nachdem ich weg bin.
Warum?
Warum was? Warum bist du damals abgehauen?
So. Hier arbeiten wir.
Du kannst dir nicht vorstellen, wie oft die Bullen uns durchsucht haben.
Reine Einschüchterung. Das ist der Arbeitsplatz von Julia.
Hallo, Ute. - Hey.
Na, alles klar? - Ja.
(Tanja) Guck mal, Ute. Das ist Vincenzo.
Vincenzo, Ute. Hallo.
Schon viel von dir gehört. - Tschüss.
Ähm... Ja.
Wo wohnst du jetzt eigentlich?
Wenn du möchtest, ich kann dir auch Geld leihen
für eine Pension oder so.
Vincenzo, wir haben eine Tochter zusammen,
aber das heißt nicht, dass wir eine normale Familie sind.
Ich, äh... Du hast dein Leben, klar.
Was machst du denn am Wochenende?
Wieso kommst du nicht zu uns nach Hause?
Vincenzo wohnt woanders.
* Schwermütige Musik *
Wir sehen uns bald wieder, ja? Bist du auch mein Papa?
Vincenzo ist dein Papa.
Tschüss, Papa.
Ciao, amore.
Bis bald. Bis bald.
Hey.
(Tanja) Na, wie war's?
Hallo, Bernd. - Hallo, Ute.
* Spannungsvolle Musik *
Hey... Hallo? - Vincenzo.
Nimm Tanja, aber meine Tochter fasst du nicht an.
Ja, ist ja gut.
Beruhig dich jetzt mal. Lass mich.
Das Leben ist weitergegangen.
Ich bin für uns in den Knast gegangen, du Schlampe.
Jetzt reicht es. Raus.
Wer bist du denn? Hört auf jetzt.
Sag mal, bist du bescheuert?
* Dissonant verzerrte Klänge *
* Sie schreit auf. *
(Tanja) Ruf die Polizei!
Polizei? Hier ist das Redaktionsbüro vom "Blatt".
Wir haben eine Schlägerei. Kommen Sie sofort.
Hau ab.
Hau ab!
* Tragische Musik *
An diese Schlägerei habe ich...
Da habe ich absolut keine Erinnerung mehr.
Alles andere an dem Tag ist noch da.
Die Seifenkiste und der Ausflug in den Olympiapark
und das kleine Bäumchen.
Ich weiß sogar noch das Eis, das du mir gekauft hast.
Vanille mit so kleinen Kokosstückchen drauf.
Ich wollte unbedingt diese Kokosstückchen haben,
weil du gesagt hast, sie seien aus Feenstaub.
Aber dass du Bernd verprügelt hast, das wusste ich nicht mehr.
Es tut mir bis heute noch leid. Jeden Tag.
Ich habe viele Fehler gemacht, aber ...
das war mein größter.
Ich habe immer gedacht, ich hätte dich vertrieben.
Ich dachte, ich wäre nicht gut genug
oder hätte dir nicht gefallen.
Das ist doch totaler Quatsch.
Die Logik einer Fünfjährigen.
Später hat Mama gesagt, du bist tot.
Das hat sie gesagt?
Sie hat es getan, um dich zu beschützen.
Warum hast du dich nicht mehr gemeldet?
Auf meine Briefe habe ich keine Antwort bekommen.
Irgendwann habe ich keine mehr geschickt.
Du hättest mal anrufen können.
Tanja hat es nicht gewollt.
In eurem Leben war kein Platz für mich.
Ich wollte dein Leben nicht mit Gewalt an mich reißen,
nur damit ich mich wie dein Vater fühlen konnte.
Ich musste mir ein neues Leben suchen.
Ich bekam ein Cockpit
auf der "Targa Florio" als Ersatzfahrer.
Ich fuhr wie der Teufel.
Die anderen waren nicht schlechter, hatten aber Frauen und Kinder.
Ich hatte nichts, was ich verlieren konnte.
Und so siegte ich, immer wieder."
* Emotionale Musik *
* Leiser Frauengesang *
* Zarte perlende Musik *
Carmela hatte einen Bauunternehmer geheiratet.
Als ich sie wiedertraf, war sie geschieden.
Das war ein Glück für mich.
Ich habe mich für Carmela und für Italien entschieden.
Und musste euch vergessen.
Ich habe genau das gemacht, wofür ich Alexander gehasst habe.
Danke, dass du nach Turin gekommen bist.
Dass ich dich kennenlernen durfte.
* Handyklingeln *
Hallo, Clara?
Ja. Okay, bis gleich.
Sie holen Alexander in einer Stunde aus dem Koma.
Hast du Enzo je wiedergesehen?
Giovanni hat ihn mal getroffen.
Er hat in einer Werkstatt in München Motorroller repariert,
aber das ist 25 Jahre her.
Also ist er gar nicht zurück nach Italien?
Keine Ahnung.
Alle reden immer vom Zurückgehen, Giovanni auch,
aber am Ende ist sogar Rosaria in Deutschland geblieben.
Ihre Kinder sprechen besser Deutsch als Italienisch.
Sie haben deutsche Freunde, sie träumen deutsch.
Ihre Heimat ist hier.
* Leise perlende Musik *
Okay.
Komm, wir gehen rein.
Kommt rein.
Vincenzo.
Ich wünschte,
ich könnte die Zeit zurückdrehen.
Schön, dass ihr gekommen seid.
Ich lasse euch mal allein. Nein, bitte bleib.
Auch du sollst hören, was ich zu sagen habe.
Ach, das...
Das kann doch noch warten. Nein. Es hat keine Zeit.
Warte, ich helfe dir. Danke.
Im Rückblick sieht man, wie alles zusammenhängt.
Aber ...
... man kann das Leben nur nach vorne leben.
Auf dem Sterbebett gestand mir Marianne etwas.
"Etwas so Unvorstellbares ...
... dass ich mich lange geweigert habe, es zu glauben.
Aber das, was ich mir nicht vorstellen konnte,
das war die Wahrheit."
So viele Jahre an Mariannes Seite ...
... und ich habe nichts gemerkt.
Ich musste mein halbes Leben neu schreiben.
Hätte ich es nicht ahnen müssen?
Habe ich meine Augen verschlossen,
weil ich mir nach dem Gerichtsprozess
nichts sehnlicher gewünscht habe, als meine Familie?
Du...
Du hast mit ihr zusammengelebt. Ich habe sie geliebt.
Auf eine andere Art als Giulietta,
aber ich habe sie geliebt.
Was soll ich sagen?
Ich wünschte,
ich wäre ...
mutig genug gewesen, dich damals nicht wegzuschicken.
Aber ich war nicht mutig.
Ich hatte mich für ein Leben entschieden
und darin war in diesem Moment für dich kein Platz.
Ich wünschte, du hättest dich früher versöhnen können,
mit dem Vater, der für dich da war,
als ich nicht da sein konnte.
Den du einen Mörder nanntest.
* Schwermütige Musik *
Giulietta ...
war das Schönste, was mir das Leben geschenkt hat.
Und ... in euch lebt sie weiter.
* Emotionale Musik *
* Musik wird ruhiger. *
* Ruhige Gitarrenmusik *
Wir kommen. - Gute Idee.
Figlio?
Ciao, Papa.
* Emotionale Musik *
Ich weiß die Wahrheit.
Du warst es nicht.
Ich hätte es die ganzen Jahre wissen sollen.
Es tut mir leid.
Du bist mein Sohn.
Du wirst es immer sein.
Danke.
Ich fahre zurück nach Italien.
Ich wollte dich fragen, ob du mit mir kommst.
Die Heimat besuchen.
Ja.
* Lied: "I'm All Over It" von Jamie Cullum *
* Peppiger Jazz *
Oh, Gott sei Dank. Ich dachte schon, ich schaff's nicht.
Schön, dass du da bist. Alles gut?
Ja. Es ist umwerfend.
One moment.
Ich könnte noch 1000 Sachen ändern,
aber jetzt ist auch gut.
Also, los. Okay. Let's go.
* Lied läuft weiter. *
Julia Becker.
Die Frau, der die Worte gefehlt haben. Ja.
Also, ich, ähm...
Ich habe in letzter Zeit
viel über mich und meine Familie erfahren.
Ich habe der ursprünglichen Kollektion ein Kleid hinzugefügt.
Bitte nehmen Sie doch Platz.
Licht, bitte.
* Dissonantes Schrillen *
* Düsteres Rauschen *
Das Kleid, was Sie gleich zuletzt sehen werden,
sagt viel mehr über mich und meine Arbeit aus als...
Als jedes weitere Wort.
* Sphärisch wummernde Elektromusik *
* Musik klingt aus. *
Gefällt mir sehr.
Stark.
Wir melden uns. Danke.
* Peppiger Jazz setzt erneut ein. *
Das war toll.
Vielen Dank euch allen.
Prost.
Mama. Glückwunsch zu deinem neuen Job.
Ist schon okay.
Ich weiß, was du von der Branche hältst.
Du bist ja nicht die Branche.
Du hast gefunden, was dich glücklich macht. Das ist, was zählt.
Prost.
Auch deine Mama ist lernfähig. Prost.
Danke.
Ach, Julia.
Weißt du ... manchmal ...
führt ein Fehler im Leben zum nächsten.
Irgendwann weiß man nicht mehr,
wann man den ersten gemacht hat, mit dem alles angefangen hat.
Na ja...
Mein Schatz.
* Sanfte Gitarrenmusik *
Ich war immer wieder hier.
Ich habe immer an diesen einen Tag gedacht
und mir vorgestellt, das wäre unserer.
Unser Baum.
Papa.
Die Jahre bei Natalie Bonnet waren eine gute Schule,
aufregend, anstrengend und sehr lehrreich.
Aber ich musste begreifen, mein Weg ist ein anderer.
Ich wollte kein Rädchen in einem großen Konzern sein,
sondern etwas erschaffen, das Menschen verbindet.
Angst macht nur das, was man nicht kennt.
Am Ende sind wir uns alle viel ähnlicher als wir denken.
Wo ich dachte, auf Fremde zu treffen,
habe ich mich selbst gefunden.
Die Damen, wir sehen uns morgen.
Tschüss. Bis dann, tschüss.
Guckt mal, die Mama. - Schau mal, Mama kommt.
Ciao, Julia. Giovanni. Buon compleanno.
Hallo.
Komm her, mein großes Mädchen.
(alle singen) # Tanti auguri a te,
tanti auguri a te,
tanti auguri, Giovanni,
tanti auguri a te. #
Facciamo una foto. Machen wir ein Foto, eh.
* Emotionale Streichmusik *
Noch ein bisschen näher zusammen.
Lasagne. - (alle) Lasagne.
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2019
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