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Original subtitles

* Gefühlvolle Mandolinenmusik *

Jeder Mensch sollte wissen, woher er kommt.

Bei mir gab es nur ein Loch.

Und Erzählungen meiner Mutter.

Dein Vater ist tot, Julia. Gestorben, da warst du acht.

Und genau das war eine Lüge.

Es geht um Ihren Vater, Vincenzo Marconi.

Mein Vater lebt irgendwo in Italien.

Das passte wohl nicht in dein und mein Leben.

Ich habe also einen Vater. Und einen Großvater, Alexander.

Der seine Liebe in Italien fand

und sein Herz an sie verlor.

Giulietta. Meine Großmutter."

* Emotionale Musik *

Ich bin verlobt. (Frau) E incinta.

Incinta.

Weißt du, dass es sein Kind ist?

Warum ich das erzähle?

Weil es alles zusammenhängt.

Mein Vater ist das Ergebnis dieser großen Liebe,

und ich muss mit ihm reden.

Für Alexander.

Ich muss Vincenzo sehen. Ich muss ihm was über seine Mutter sagen.

Für Onkel Giovanni, Giuliettas Zwillingsbruder.

Fahr nicht. Verdammt.

Und vor allem für mich.

Da oben.

Hier wohnt er? Ja.

Ich rede erst mal mit ihm.

Aber ich möchte mit hochkommen. Warte, Julia.

Ich habe es dir doch gesagt.

Vincenzo hat Familie. Für die bist du una bomba.

Julia

Giulietta

Giovanni. - Carmela.

Alexander, jung

Eh, bella come sempre sei.

E Vincenzo ci sta? - Eh, no.

Ah, questa e Julia.

Vincenzo, jung

Piacere. Buongiorno.

Prego, prego, entrate. - Grazie.

E la figlia di Vincenzo.

Vincenzo, älter

La figlia di Vincenzo? - Si.

* Carmela spricht italienisch. *

Alexander, alt

(übersetzt) Er ist bei seiner Tochter. Sie weiß nicht, wo er ist.

Mhm.

Un cafe? - Volentieri, grazie.

* Scheppern *

* Elegische Musik *

Na... Machen wir einen Spaziergang.

Jetzt lauf doch nicht weg.

Julia, warte. Du musst verstehen, sie hat Vincenzo schon mal verloren.

Er ist abgehauen und war fünf Jahre lang weg.

Wegen Tanja und dir.

Gib ihr ein bisschen Zeit, hm?

Nach ein paar Bombolone und zwei Kaffee sieht die Welt anders aus.

* Er lacht. *

* Handyklingeln *

Helen? Hey, das neue Kleid ist fantastisch.

Der Schnitt, die Farbe. Ja, findest du?

Das Beste, was du je designt hast.

Der Bonet werden die Augen rausfallen.

Hat sie sich gemeldet? Ja, sie kommt am Dienstag.

Du hast zehn Minuten, bevor sie ihre Kollektion zeigt.

"Ist das nicht fantastisch?

Du musst nur das Kleid fertignähen."

Ich bin in Turin.

Was?

Ich kann das gerade nicht erklären.

Sag mir, dass du nicht wieder vor dir selbst davonläufst. "Nein."

Nein, mache ich nicht.

Du hast so hart gearbeitet, das ist die Chance.

Ich schaffe das schon, versprochen.

Ich melde mich bei dir, in Ordnung? Tschüss.

Ich hab ihn einmal davor gesehen.

Ein einziges Mal.

Da war ich fünf Jahre alt.

Und jetzt... Ich existiere gar nicht für ihn.

Er hat eine neue Familie. Eine andere Tochter.

Vincenzo hat versucht, seine Vergangenheit zu vergessen.

Für ihn existiert Deutschland nicht mehr.

Warum? Was ist ihm denn passiert?

Als sie nach Deutschland kamen,

war Vincenzo noch jung und seine Mutter voller Hoffnung.

(Mann) Brigitte! Brigitte!

08. Juli '68. Endlich. Angekommen.

Willkommen in München.

Und mit jedem Schritt wächst mein Mut für Neues.

Es ist mein Aufbruch. Meine große Befreiung.

* Beschwingte Orchestermusik *

* Rosaria spricht italienisch. *

Du hast gesagt, du hast ein großes Haus.

Das ist ein großes Haus. Oder ist das etwa klein?

Na.

* Ulkige Musik *

Ja.

Das, äh, ist das Badezimmer.

Mit einer Badewanne. Modernes Klo.

Und, äh, das Wohnzimmer.

Elektroherd.

Kühlschrank.

Und Zentralheizung.

Einen Palazzo hat er gesagt.

Und dafür haben wir Sizilien verlassen, ja?

Ähm, aber das Beste...

* Beschwingte Musik im TV *

(Reporter im TV) "...acht Jahre Haft.

In Brandenburg wurde der ehemalige NS-Diplomat Fritz Geppert von Jahn

vom Schwurgericht für die Verbrechen an..."

(Rosaria) Und wo soll unser Kind schlafen?

Ist doch nur provisorisch.

* Telefonklingeln *

Marconi?

Enzo... Enzo. Beruhig dich, Enzo.

Nein, es ist... Sie kommen zurück.

Ja... Enzo.

Mamma. Ja.

Mamma... Ja. Mamma, hör doch auf.

Mamma?

Es geht mir gut. Vincenzo auch, keine Sorge.

Nein, ich schäme mich nicht, Mamma.

* Sie atmet zitternd. *

Giovanni, sag du es mir.

13 Jahre habe ich gewartet, dass die Liebe kommt.

Gefühle kommen, Gefühle gehen. Ihr seid eine Familie.

Ich war mal eine andere.

Alles, was ich mal werden wollte...

Diese andere Frau, wo ist sie?

Ich muss wissen, ob Alexander mich noch liebt.

Denk an deinen Sohn. Ich denke nur an Vincenzo.

Ich habe Angst, was meine Zukunft ist.

* Emotionale Musik *

* Telefonklingeln *

Ja, Schlewitz?

Hallo, wer spricht da bitte?

* Hoffnungsvolle Musik *

(Frau) Ist denn schon Weihnachten? * Er lacht. *

(Frau) Komm her, du.

* Tragische Musik *

* Gefühlvolle Musik *

21.08.1968.

Wie konnte ich erwarten, dass Alexander noch frei ist?

Frei für mich?

Dass er gewartet hätte?

Ich werde die Kraft nehmen, die er mir gab,

um für mich und Vincenzo hier einen Weg zu finden.

Waren Sie auf der Modeschule? (lachend) Nein.

Sie haben sich alles selbst beigebracht?

Sie haben echtes Talent.

Giulietta, jeder hat seine Berufung.

Und es gibt im Leben nur eine Sünde.

Sein Talent vergeuden.

* Swing im Radio *

* Sie stöhnt, spricht italienisch. *

Buongiorno.

Ciao. Was machst du da?

Was ich seit 13 Jahren hätte machen sollen.

Mode.

Ich mache hier eine Boutique auf.

Was? In Deutschland? Du hast es selber gesagt.

In Deutschland kann man es schaffen.

Vincenzo muss zurück in die Schule.

Er kann auch hier in die Schule. Und wo ist sein Papa?

Vincenzo hat hier alles, was er braucht.

Und du?

Es ist nicht leicht, so weit von zu Hause.

Wo bin ich denn zu Hause?

In Mailand?

Wir sind Sizilianer.

Und dort ist nichts für uns.

Mein Zuhause ist, wo ich ich selbst sein kann.

Und hier kannst du das, oder was?

Du hast es doch auch geschafft. Mit deiner Firma.

Ja.

Komm, ich zeige dir, was ich geschafft habe in 13 Jahren.

Zieh dich an. Komm, wir gehen.

Giovanni, was machen wir hier um diese Zeit?

Ja, du wirst es gleich sehen.

Hier lang.

Vorsicht mit den Stufen, die sind ein bisschen wackelig.

Ja.

Hier arbeite ich.

Ich habe keine Firma. Ich bin kein Chef.

1956 gab es 2,30 Mark die Stunde, heute 4,50 Mark.

Warum hast du mir nie etwas gesagt?

(Mann) Ja, was ist denn, Giovanni?

(mit bayrischem Dialekt) Bist kaum da, schon machst du auf Dolce Vita?

Wir brauchen sofort die zehn Kisten Äpfel für Manfred.

Avanti, weiter. Presto, gehen wir. Komm.

Sepp, die Graupen müssen eingepackt werden...

Dann mach deinen eigenen Laden auf.

Stell mich ein.

Ich mache dir die Buchhaltung.

Und nebenbei nähe ich meine Kleider.

Was denn für einen Laden? Was du jetzt schon machst.

Wenn du nach Italien fährst, schleppst du Lebensmittel hierher.

Gastarbeiter sind arme Schlucker.

Die Deutschen wissen nicht mal, was Mozzarella ist.

Wir zeigen ihnen, was gut ist.

Ich habe keinen Pfennig Geld.

Du hast nichts gespart? Ich habe gelebt.

Giovanni.

(Chef) Giovanni, was ist? Presto. - Ja.

* Beschwingte Musik *

Da gibt es nichts zu sehen.

Da ist schon lange zu.

Genau das suchen wir. Ein leeres Geschäft.

Zum Mieten. Das ist aber nicht zum Vermieten.

Sehr schade. Der Laden wäre perfetto.

Specialita italiane. Spezialitäten aus Italien.

Sind jetzt sehr gefragt. Hm.

Aber vielen Dank. Grazie mille, signora.

Und einen schönen Tag. Ich finde schon was.

Italienische Spezialitäten?

Si. Italienische Spezialitäten.

Na ja. Dann schauen wir mal.

Permesso.

Das ist sehr nett.

Es ist für meinen Zwillingsbruder, Giovanni.

Er ist Spezialist. Mmh, Feinkost.

Das ist ein Glasscherbenviertel,

aber die Schlosserei meines Mannes, Gott hab ihn selig,

die war immer picobello.

* Giulietta lacht. *

Ihr Bruder hat aber eine Lizenz von der Lebensmittelaufsicht?

Jaja, er hat alles.

Da oben ist noch ein Raum. Wollen Sie den sehen?

Si, grazie.

Wir haben ja keine Kinder gehabt, leider.

(Rosaria) Giovanni, non ci credo. 4,50 Mark die Stunde.

Gib her.

Wir machen einen Laden auf.

Und wovon willst du den bezahlen?

Von Worten können unsere Kinder nicht leben.

Es ist eine Investition. Die wird sich auszahlen.

Wir müssen nur... Wir?

Nur für den Sommer war abgemacht.

Wir sind weg, bevor das Kind kommt. Wieder ein Versprechen.

Wir ziehen aus, bevor euer Kind da ist.

Wirklich.

Du hast gesagt, wir gehen zurück.

Dammi.

* Klingeln *

Mamma.

(Mutter) Was für eine Schande.

Dass ihre Mutter diese Reise auf sich nehmen muss.

Mamma. - Was habe ich getan, dass meine Kinder mich anlügen?

Mamma? Enzo ist ein guter Ehemann.

Was glaubst du, wer du bist? Prinzessin Soraya?

Lass mich reden. - Denk mal an die anderen.

Wer kümmert sich um mich, wenn ich alt bin?

Ich habe immer an andere gedacht.

Aber denkst du auch mal an mich?

Schämst du dich nicht? Weißt du, was die Leute sagen?

Es ist mein Leben, Mamma. Meins. Schluss jetzt.

Es reicht.

Ich mache mal Kaffee.

Vince.

Mein Junge. Enzo.

Können wir reden? Bitte.

Komm.

Giulietta, du bist meine Frau. In guten und schlechten Tagen.

Es ist nicht deine Schuld. Du warst gut zu mir.

Ich dachte, die Liebe kommt, aber ...

wir müssen aufhören, so zu tun als ob.

Giulietta... Du hast es nicht verdient, zweite Wahl zu sein.

Wieso, hast du jemand anderen? Nein.

Vincenzo kommt mit mir. Nein.

Wer bist du, dass du Sohn und Vater trennst?

Enzo, er braucht mich. Was er braucht, ist sein Zuhause.

Seine Freunde, eine Heimat.

Du reißt ihn aus seiner Familie.

Aus der Schule. Hast du ihn überhaupt gefragt, ob er das will?

Vincenzo, pack deine Sachen.

Er wird auch hier Freunde finden. Und er ist in jeder Schule gut.

* Angespannte Musik *

Willst du hierbleiben?

Gut.

Dann bleib. Wenn du willst, hole ich dich zu mir.

Ruf mich an, und ich komme, okay?

Komm, Mamma. Wir fahren wieder nach Hause.

Ja. Höher.

Passt. Vorsichtig.

Ja. Bravo.

Wunderbar.

Und weg damit.

* Rosaria lacht. *

* Schwungvolle Musik *

* Sie seufzt. *

* Er wimmert. * Vincenzo?

Hey, was ist los? Schatz, was ist passiert?

Nichts. Lass mich!

Woher hast du das?

Vincenzo, was war los?

Ein paar Jungs aus meinem Jahrgang. Aber warum?

Was haben die gegen dich?

Mögen keine Italiener?

Du Armer.

Was ist ein Gastarbeiterkind?

Hast du Schmerzen?

* Melancholische Musik *

Mamma. Ich will nach Hause.

03.09.1968.

Mein Vater hat immer gesagt:

'Ein Baum braucht Wurzeln, um in den Himmel zu wachsen.'

Raube ich meinem Sohn gerade den Himmel,

indem ich ihm die Wurzeln nehme?

Was ist all meine Hoffnung auf ein besseres Leben wert,

wenn Vincenzo darunter leidet?

Pronto? Hallo, Papa.

Passerotto.

Wie geht's dir? Blühen die Olivenbäume schon?

Oh, die blühen.

Und wie.

Ciao, Papa. Ciao, Vincenzo.

(Reporter) "Bei Armando Rodrigues, dem millionsten Gastarbeiter,

stießen die Ehrungen der Verbände

und ein Moped mit zwei Plätzen, zum Eingewöhnen in Deutschland,

erst auf Unverständnis."

Aber der Millionste. Das war schon '65.

Die brauchen einen Deppen für die Werbung.

Diesmal jemanden aus Südosteuropa.

Da, guck ihn dir an, den armen Teufel.

Ist ein Gastarbeiter, genau wie wir.

Und du bist ein Gastarbeiterkind.

Ich bin aber kein Kind mehr.

Ich will kein Arbeiter werden.

Und erst recht kein Gast.

Weil als Gast, da darfst du nie auffallen.

Da darfst du nie du selbst sein.

Ach, Vincenzo.

Eines Tages gehen wir in den Süden zurück.

Hör doch auf zu lügen, Giovanni.

* Ruhige Zithermusik *

Ciao. - Das Öl nehmen Sie für Salat?

Für alles. Fisch, Fleisch, Gemüse.

Olivenöl ist, ähm...

Meine Frau nimmt immer Margarine.

Delikatessmargarine.

Gell? Tschau.

Ciao.

Marconi, Giulietta.

Ich rufe an wegen der Zweizimmerwoh...

Verstehe. Danke.

Sobald sie den Namen hören.

Verstehst du, warum ich am Arsch der Welt wohne? Ja.

Langsam. Vorsichtig.

Überraschung! Alles Gute, mein Schatz.

(Rosaria) Alles Gute.

Ja.

Bravo. Bravissimo.

Und jetzt, Musica.

* Lied: "Azzurro" von Adriano Celentano *

* Italienische Popmusik *

* Gekicher *

Sagen Sie, sind Sie narrisch geworden?

* Musik endet. * Äh...

Es ist Sonntagsruhe. Die Nachbarn holen die Polizei.

Entschuldigung. - Wir sind ein anständiges Viertel.

(Giovanni) Ja, wir sind nur gerade fertig geworden und, ähm...

Vincenzo hat heute Geburtstag.

Und was ist das? Feinkost war ausgemacht.

Haben Sie überhaupt eine Lizenz? Das ist nur für mich.

Ihr könnt euer Graffel gleich wieder einpacken.

Blau. Was ist los?

Blau steht Ihnen ausgezeichnet. Ja, das stimmt allerdings.

Ich würde vorschlagen, klassischer Schnitt.

Sie sind eine schöne Frau.

Kommen Sie. Kommen Sie.

Prego. Ah, so schaut das jetzt aus.

Na ja.

Ist eigentlich eh ganz nett, dass Sie eine Schneiderin sind.

Ecco qua. Venga, venga.

Proviamo.

Rotwein für Sie. - Was, mittags ein Rotwein?

Das ist ein Nero d'Avola aus Sizilien. Dafür ist immer Zeit.

Also dann.

Mmh. Mmh.

(Rosaria) Buono, eh?

Und ist das der Mozzarella?

Nein, Mortadella.

Mozzarella sind weiße Käsebälle.

Ecco qua. Nicht zu modern, aber nicht zu brav.

Hm. Vielleicht ein bisschen jugendlich?

Was ist das?

Das ist mein Mann. Der ist ganz plötzlich gestorben.

Mit 55. Das ist doch kein Alter.

Das würde dem wahnsinnig gut gefallen.

Das machen wir so.

Allora.

Kann ich noch ein bissl? - Sehr gern.

Aber sie sind nicht wieder zurück nach Italien?

Das war eine schwere Entscheidung für Giulietta.

* Handyklingeln *

Carmela.

Noch einen Kaffee?

* Sie verneint. *

Ich möchte ihn sehen.

Bist du sicher? Ja.

Ich muss das machen.

Deshalb bin ich ja hergekommen. Okay.

* Angespannte schwelende Musik *

Ciao.

Ciao.

* Er spricht italienisch. *

Wann bist du angekommen?

Heute Morgen.

Alexander möchte dich sehen.

Ah, so.

Will er das? Ja, er liegt im Krankenhaus.

Er möchte mit dir sprechen, es scheint wichtig.

Es geht um deine Mutter. Giulietta.

Vergiss es.

Wir sprechen hier von deinem Vater. Genau.

Das ist eine Sache zwischen mir und ihm. Aha.

Und das geht mich nichts an? Ja, genau.

So wie ich dich? Das hat nichts damit zu tun.

Das glaubst du wirklich? Hey, hey.

Setzen wir uns erst mal.

Und dann reden wir in Ruhe.

Hier gibt es nicht mehr viel zu reden.

Das war gerade schon ziemlich klar.

Von der Sache hast du keine Ahnung.

Ja, wie denn auch?

Vor zwei Tagen wusste ich nicht mal, dass du lebst.

Julia, warte.

* Tür fällt ins Schloss. *

* Schwermütige Musik *

(Giovanni) In einer Stunde.

Ich glaube, du hattest recht, es war von Anfang an eine dumme Idee.

Julia.

Du tust das, was sich in unserer Familie keiner getraut hat.

Das Richtige.

Willst du wirklich fahren?

Mhm.

Wir können uns ein Hotel nehmen und schlafen eine Nacht drüber.

Dein Papa ist ein deficiente.

Auf gut Deutsch ein Depp.

Ich habe mir was eingebildet.

Er ist einfach ein Fremder.

Ist immer noch dein Papa.

Ja, ist er das?

Einen anderen hast du nicht.

Was ist eigentlich sein Problem mit Alexander?

(Giovanni) Ciao.

Guck mal, die haben schöne Tomaten. - Kommen Sie rein.

Bitte, bitte. - Ja. Guten Tag.

Wir haben Neueröffnung.

Wir haben eingelegte Auberginen, die sind hervorragend.

Frische Pasta, aber das Beste ...

... Parmaschinken.

Sehr gerne, danke schön.

Und, äh ... Parmesankäse.

* Sie stöhnt auf. *

Was hast du? - Oh, Giovanni.

Brauchen Sie einen Arzt? - (Giovanni) Wasser?

Ich will kein Wasser. Das Baby kommt, Giovanni.

Das Baby kommt? - Ja, das Baby kommt.

Das Baby kommt. - Ich muss ins Krankenhaus.

Wir müssen ins Krankenhaus, es kommt! Ganz ruhig.

Atmen nicht vergessen.

* Schwungvolle Orchestermusik *

Schnell, schnell.

Atme. Atme

Si, Mamma, alles gut. Keine Angst, Mamma.

Ja, wenn es ein Junge ist, bekommt er Papas Namen.

Ich rufe an, wenn das Kind da ist.

Wir vermissen dich alle.

Ich vermisse dich.

Ich dich auch, Mamma.

Ciao.

* Gefühlvolle Klaviermusik *

Was machst du hier?

Ich lebe hier.

Hier in München?

Und wieso hast du dich nie gemeldet?

Ich war bei dir.

Bei euch zu Hause.

Mamma, es geht los.

Vincenzo.

Vai da Giovanni. Che arrivo. Vai.

Können wir uns ...

vielleicht wiedersehen?

(Krankenschwester) Herr Schlewitz?

Ja? Es ist ein Mädchen.

Ich komme gleich.

* Musik läuft weiter. *

* Baby quäkt. *

Danke.

Freust du dich? Ja.

Sehr.

* Giovanni summt ein Wiegenlied. *

# Fate la nanna coscine di pollo. # * Rosaria summt Melodie. *

(beide) # La vostra mamma vi ha fatto il gonnello. #

* Wiegenlied setzt ein. *

* Trauriges Lied *

19.09.'68.

Man kann seinem Herzen nicht befehlen.

Doch das Leben liegt vor mir.

Man muss Dinge auch zurücklassen können,

um zu neuem Glück zu finden.

Wir sind ja nicht aus der Welt.

Giulietta.

Das habe ich im Müll gefunden.

Es passt nicht mehr.

Wirf es weg.

Ciao. Ciao.

* Harmonische Musik *

* Klingeln *

Oh, oh. (Mann) Hm.

Hi.

Hey. Komm rein.

Komm, komm, komm. Komm rein.

* Lied: "Hello, Goodbye" von The Beatles *

Komm. Ich zeige dir dein Zimmer.

* Fröhliche Popmusik *

* Musik überlagert Szene. *

* Musik läuft weiter. *

(alle) Hey!

* Gefühlvolle Musik *

* Entferntes Lachen *

* Baby quäkt leise. *

Na?

Ich mache dir mal einen Tee, ja?

* Telefonklingeln *

* Lied: "Light My Fire" von The Doors *

* Telefonklingeln *

* Peppige Rockmusik *

Was?

Ja, die ist da. Ich hole sie schnell, warte.

Hey, Giulietta?

Da ist jemand für dich am Telefon. Schau mal kurz.

Ich komme gleich wieder. Einen Moment.

Hallo? "Giulietta?"

"Bitte leg nicht auf, ich..."

Hör mir einfach nur zu, bitte. Du musst nichts sagen.

"Ich weiß, es ist der völlig falsche Moment."

Aber ich kann dich nicht vergessen.

Und ich habe es versucht.

"Wenn es dir genauso geht, melde dich bitte."

* Leise angespannte Musik *

* Lied: "Let's Spend The Night Together" von The Rolling Stones *

* Peppige Rockmusik *

* Klingeln *

Papa.

Mamma. Mamma.

Was ist, Vincenzo?

Enzo? Was machst du hier?

Ich habe angerufen. Vincenzo ist nicht schuld.

Er hat gesagt, dass alles in Ordnung ist.

Schick mich nicht weg.

Bitte.

Ich muss mit deinem Vater reden. Geh.

* Sie seufzt. *

Enzo, ich komme nicht zurück.

Ich lebe endlich mein Leben. In Mailand kannst du das auch.

Alles ändert sich. Dieselben Studenten wie hier.

Italien ist zu alt, um sich zu ändern.

Sie schreien auf der Piazza: "Ho Chi Minh."

Dann kommen sie heim und rufen: "Mamma, bring die Pasta."

Du glaubst, Deutsche sind anders? Ich bin anders.

Hier kann ich mich neu erfinden.

Dann komme ich zu dir.

Ich kann mich auch neu erfinden.

Enzo, ich bin nicht die Giulietta, die du geheiratet hast.

Lass mich einfach für Vincenzo da sein, und dann sehen wir weiter.

Du hast dich verändert.

Gott hat in deinen Augen ein Licht angezündet.

* Gefühlvolle Musik *

Und ich will darüber wachen, dass es nicht mehr ausgeht.

* Lied: "Sympathy For The Devil" von The Rolling Stones *

* Lässige Rockmusik *

Der hier ist viel besser.

Das ist echtes Leder. Handarbeit aus Piemonte.

Vai.

Los geht's, Vincenzo. Andiamo.

Vai, vai. Du bist der neue Fausto Coppi.

Enzo, ich weiß nicht, ob dir reicht, was ich dir geben kann.

Was ich dir geben kann, reicht für zwei.

* Wehmütige Musik *

29. Oktober '68.

Ich erkenne Enzo kaum wieder.

Er hat alles aufgegeben, um bei uns zu sein.

Ohne Bedingungen, ohne Klagen.

Vincenzo braucht seinen Vater.

Kommt die Liebe vielleicht doch noch?

Vielleicht haben wir drei wirklich eine Zukunft.

* Lied: "Buon Natale A Tutto Il Mondo" von Domenico Modugno *

* Italienisches Weihnachtslied *

Das ist so toll.

In Deutschland kriegt man die Geschenke schon am Heiligabend.

Oh.

Danke, Papa. Sehr schön.

Zieh es an.

Enzo, woher hast du...

Die sind teuer. Der Sattler von Iso hat sie gemacht.

Grazie. Zieh sie an.

Bello sei.

* Lied läuft weiter. *

* Frau spricht italienisch. *

In Deutschland steht in jedem Haus einer.

Diese Deutschen.

Woher nehmen die nur all die Bäume? - Hm.

Wir haben das Meer, die haben den Wald.

Also, ich habe Hunger.

(Reporter im TV) "Der Astronaut Jim Lovell beschreibt den Mond.

Dieser sei grau und habe keine Farben."

* Klingeln * "Er wirke wie Gips oder grauer Sand.

Lovell schwärmt von den Einzelheiten, die er erkennen kann.

Vom Raumschiff aus wirke er..."

(Frau) Kleiner, da ist wer für dich.

"...gezeichnet wie von der Erde aus.

Lovell sieht keinen Kontrast

zwischen dem Mare und dem umliegenden Kraterland..."

* Angespannte Musik *

Oh, hallo.

Ist deine Mutter zu Hause? Nein.

Sie ist in der Kirche.

Oh, schade.

Könntest du ihr den hier geben?

Und das hier ist für dich.

Wir kennen uns.

Milano. 300 PS.

Drei, zwei, eins.

Sie sind der mit dem Sportwagen.

Ja.

Schöne Weihnachten.

* Giulietta spricht italienisch. *

Ciao, ragazzi.

Ciao. (Männer) Ciao.

Grazie.

Was ist das? Toll, was? Ist ein Geschenk.

Von wem? Dem Deutschen.

Hier, das ist für dich.

Was für ein Deutscher?

War er hier? Ja.

Ich habe ihn getroffen. Zufällig.

Im Krankenhaus. Er hat Frau und Kind.

Es ist nichts zwischen uns.

Pack es wieder ein.

Aber... Sofort.

* Schwermütige Musik *

Steig ein.

Es ist kalt, Giulietta.

Ich wollte euch eine Freude machen.

Warum verfolgst du mich?

Hast du meine Briefe nie gelesen? Damals?

Du hast dein Leben.

Ich habe meins.

Wir dürfen nicht.

Ich habe mich immer gefragt, habe ich mich getäuscht,

oder waren wir einfach nur jung?

Es ist, als wäre es gestern. Als würde ich dich ewig kennen.

Du hast immer gesagt, dem Herzen kann man nicht befehlen.

Aber wir können mit der Lüge, dass es uns nicht gibt, nicht leben.

Ich bin Vincenzos Vater, nicht wahr?

* Gefühlvolle Musik *

* Emotionale Musik *

* Entferntes Gespräch *

Hallo.

Das Board ist super. - Nicht durchschütteln lassen.

Vincenzo.

Ti amo.

Mehr als alles auf der Welt.

Ich dich auch. Was ist los?

Mamma.

Was ist mit dem Deutschen?

Dieser Mann...

Ich habe ihn mal geliebt.

Vor langer Zeit.

Bevor du geboren warst.

Enzo ist mein Mann.

Papa.

Er ist ein guter Vater.

Oder nicht? Ja. Ja.

* Handyklingeln *

Tolle Familie.

Der Papa spricht nicht mit der Tochter.

Die Tochter nicht mit der Mamma.

* Er kichert. *

* Handyklingeln *

Ja? Julia, ich bin es. Alles okay?

Ja, ist es, Mama.

Ich weiß, du bist sauer auf mich wegen deinem Vater.

Aber ich hatte gute Gründe. Klar, die hast du immer.

Wäre dein Leben anders, wenn dein Vater da gewesen wäre?

"Weißt du Mama, ich..."

Ich weiß noch, wie ich meine erste Barbie gekauft habe.

Ich habe ihr Kleider genäht und dir das gezeigt.

Ich dachte, du freust dich.

Aber du hast mir nur einen Vortrag gehalten

über fragwürdige Frauenbilder und Konsum.

"Also habe ich seitdem versucht,

irgendwas anderes zu machen, um dir gerecht zu werden."

Aber Mode ist das Einzige, was ich kann und worin ich gut bin.

Weil es auch das ist, was ich machen will. "Ja."

Ich habe dich ermutigt, deinen Weg zu gehen, aber dann geh ihn auch.

"Ja." Du hast von Freiheit geredet,

aber ich durfte nicht mal meinen Vater kennenlernen.

Ach Julia, ich will, dass wir uns wieder vertragen, hm?

"Wo bist denn du überhaupt?"

Bist du aufm Bahnhof?

Ich bin in Turin. "Wo bist du?"

Hast du ihn getroffen?

"Julia, bitte komm nach Hause."

Dein Vater...

Es ist besser, wenn du die Sache ruhen lässt.

Nee, Mama. Schwachsinn.

Ich habe keine Lust mehr auf eure Heimlichtuerei.

Es ist mein Recht zu wissen, woher ich komme.

Julia? Julia?

Unser Zug.

Gibt's nicht.

Hotel?

Ja. So gefällst du mir.

Andiamo. Andiamo.

* Er lacht. *

* Italienisch im TV *

* Handyklingeln *

(Moderator) "Frau Becker, Hochachtung vor Ihrer Arbeit.

Die ganze Welt hat weggeschaut, als die griechischen Behörden

immer mehr Haushalten Licht, Gas, Wasser abstellten.

Sie haben nicht lockergelassen und weiter berichtet.

Gegen jeden Widerstand, wenn man so sagen will.

Was macht ein so angesehener Preis

mit einer so unerschrockenen Journalistin, wie Sie es sind?"

"Also...

Der Preis bedeutet mir viel.

Sehr viel.

Aber ...

... ich habe heute Abend etwas begriffen.

Der Preis gebührt meiner Tochter."

In meiner Karriere habe ich überall auf der Welt

den letzten Stein umgedreht, um die Wahrheit zu finden.

"Aber meiner eigenen Tochter habe ich sie vorenthalten."

Ich hoffe, dass sie die Wahrheit findet, nach der sie sucht.

* Traurige Musik *

* Musik schwillt an. *

* Klopfen *

* Sie räuspert sich. *

(nuschelt) Moment.

Ciao. Ciao.

Alles gut? Ja.

Ja, klar.

Ich habe was für dich.

Ich habe nicht gewusst, ob ich es dir geben soll.

Es ist das Tagebuch deiner Großmutter.

Ich glaube, Giulietta hätte gewollt, dass du es liest.

Sie hat auf Deutsch geschrieben.

Damit Enzo nichts versteht.

Lies es. Dann wirst du viel verstehen.

Danke. Ciao. Buonanotte.

Gute Nacht.

16.04.'69.

Alexander will mich nicht ziehen lassen.

Er sagt, wir können nicht zurück zu unserem alten Leben.

Und trotzdem müssen wir. Ich muss.

Bitte ruf mich nicht mehr an. Schreib keine Briefe mehr.

So sehr ich will, es geht nicht.

Du willst Vincenzo um seinen Vater betrügen? Er hat einen Vater.

Ich dachte, ich mache es wegen "onore". Wegen Enzo.

Aber ich habe mir selbst was vorgemacht.

Die Wahrheit ist, ich war damals nicht mutig genug,

mit einem Mann zu gehen, den ich kaum kannte.

Allein in ein fremdes Land, mit Kind im Bauch.

Ich hätte alles geboten. Ein Zuhause. Eine Zukunft.

Ich weiß.

Und jetzt?

Ich habe mich für einen Weg entschieden.

Vincenzo darf nichts wissen.

Auch Enzo nicht. Die Familie ist alles, was sie haben.

Ja.

Klare Verhältnisse sind das Beste für alle.

Auch für meine Familie.

Unter einer Bedingung.

Er soll aufs Gymnasium gehen, Abitur machen und studieren.

Wir sind kei... Nimm ihm seinen Vater.

Aber nicht seine Zukunft.

An der Volksschule... als Ausländer hat er keine.

Er muss aufs Gymnasium.

Hier.

Ein Nachhilfelehrer.

Ich werde ihn bezahlen. Ich will kein Geld.

Es ist nicht für dich. Es ist für meinen Sohn.

* Schwermütige Streichmusik *

Äh, und ich möchte Fotos.

Regelmäßig.

* Donnergrollen *

* Musik schwillt ab. *

(Lehrer) Guck mal hier. Goethes "Italienische Reise".

Die Wurzeln der europäischen Kultur liegen am Mittelmeer.

Athen, Rom.

Deine Vorfahren.

Wir haben mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede.

So, bitte.

Da. Kapitel eins.

"Früh drei Uhr stahl ich mich aus Karlsbad,

weil man mich sonst nicht fortließe.

Die Gesellschaft, die den 28. August, meinen Geburtstag..."

Ciao.

Vincenzo hat was von Nachhilfe gesagt.

Wer soll denn das bezahlen? Niemand.

Der Lehrer ist in Pension.

Er hilft, dass Vincenzo aufs Gymnasium kann.

Er kann mit seinen Händen arbeiten, was ist daran verkehrt?

Er will Mechaniker werden.

Ich will, dass er eine Chance hat.

Dass ihm mal alles offensteht.

Dass er studiert.

* Gefühlvolle Musik *

Hallo.

* Sehnsüchtige Musik *

(Reporter im TV) "Das Hüpfen scheint ihm keine Probleme zu bereiten.

Auch das ist von der NASA als Test so vorgegeben.

Die Schwerebeschleunigung auf der Mondoberfläche

beträgt etwa ein Sechstel im Vergleich zur Erde.

Dies erklärt, warum die Astronauten

vergleichsweise große Sprünge machen können.

Wir hören gerade, dass Präsident Nixon gleich..."

Enzo. Warte.

Wo kommst du her?

Was ist passiert? Ich habe eine neue Arbeit.

Die U-Bahn-Strecke. Was ist mit dem Großmarkt?

Die zahlen mehr. Du machst dich kaputt.

Wir schaffen es auch so.

Ich werde das Studium zahlen.

Enzo. Das ist mein letztes Wort.

Ich kann das nicht mehr.

Wir haben eine Vereinbarung.

Es geht nicht mehr.

Giulietta. Giulietta, bleib hier.

Wenn du mich bestrafen willst, tu es.

Verrate mich, von mir aus.

Aber ich werde für dich nicht länger meine Familie belügen

und bestehlen wie eine Diebin.

Nein.

Es ist 15 Jahre her.

Na und?

Du weißt nicht, wie oft ich nachts wach liege

und über uns nachdenke.

Darüber, was damals gewesen wäre, wenn ich Ja gesagt hätte.

Dann wärst du vielleicht nicht so hart zu mir.

Und zu dir.

Du wärst genauso schön wie heute.

Und wir hätten die gleichen Ringe am Finger.

Und wenn wir jetzt einfach nach Venedig fahren?

Bei Sonnenaufgang sind wir da.

* Sirenengeheul nähert sich. *

* Spannungsvolle Musik *

(1. Mann) Au, hey. - (2. Mann) Scheißbullen!

Lasst mich los. Hör auf!

Bitte nicht.

Das ist mein Sohn! Mamma!

Er gehört zu mir! Vincenzo!

Mamma! Halt! Er ist mein Sohn!

Mamma! Mamma! Vincenzo!

Mamma! Papa!

Vincenzo! Vincenzo. Vincenzo!

Vincenzo, Vincenzo! Bitte!

Vincenzo!

(Giovanni) Vincenzo war mehr als einmal im Knast.

In der Nacht hat ihn übrigens Alexander rausgeboxt.

Ohne dass es Vincenzo wusste.

* Handyklingeln * Oh, Entschuldigung.

Rosaria, amore mia.

Si.

Okay.

Ciao. Ciao, ciao, ciao.

Ist alles in Ordnung? Eh.

Ach, das Geschäft. Aber kein Problem.

Giovanni? Wenn du nach Hause musst, dann fahr.

Das hier, das, ähm...

Das ist jetzt meine Angelegenheit.

Mach du dir jetzt mal keine Sorgen. Ich finde schon alleine zurück.

Gut.

Aber wenn dieser Depp nicht zur Besinnung kommt,

ruf mich an, okay?

Mache ich. Versprochen.

Ach, du bist eine tolle Frau.

Mutig wie deine Nonna. * Sie gluckst. *

Ciao. Ciao.

04. Mai '70.

Enzo bemüht sich rührend um mich.

Um uns.

Ich will ihn nicht mehr belügen.

Kann ich mit Enzo leben und Alexander lieben?

Oder muss ich einen Teil von mir sterben lassen,

damit der andere Teil leben kann?

Wir sind anständige Leute.

Keine Drogen. Mein Mann arbeitet bei der U-Bahn.

Wir haben Aufenthalt.

(Vermieter) Aha.

Trotzdem, keine laute Musik

und kein Kochen mit Geruchsbelästigung, verstanden?

Die Miete müssen wir etwas anpassen.

Sagen wir, um 200 Mark?

* Sie flüstert auf Italienisch. *

Sind wir uns einig, Herr Marconi?

Grazie.

Wiederschauen. Mhm.

E allora?

* Gefühlvolle Musik *

* Tür wird geöffnet. *

* Gefühlvolle Musik *

(Kommentator) "90. Spielminute. Grabowski auf Schnellinger.

Schnellinger immer noch am Ball und ... Schnellinger!

Das ist das Tor in allerletzter Sekunde.

Schnellinger vom AC Mailand.

Oh, das wird die Italiener nicht besonders freuen."

* Italienischer Kommentator spricht. *

* Einzelne Rufe auf Italienisch *

* Gefühlvolle Musik läuft weiter. *

Das klingt wie Italien.

* Gedämpfte Rufe und Hupen *

Italien hat gewonnen.

Und jetzt?

Jetzt gibt es nur uns.

* Zarte Klaviermusik *

Wo warst du? Ich habe Giovanni angerufen.

Was ist? Papa ist im Krankenhaus.

Der U-Bahn-Tunnel ist eingestürzt. Oh dio. Nimm deine Jacke.

* Leise schwermütige Musik *

Oh. Enzo, was ist passiert?

Oh mio dio.

Ma com'e possibile? Es tut mir so leid.

Ma cos'e successo?

Kollege ist tot.

Oh, povero. Andra tutto bene.

(Reporter im TV) "Zu Beginn der Olympischen Spiele

sollen die Strecken in Betrieb sein.

An Bahnhöfen der Außenbezirke

ist großzügiger Parkraum vorgesehen.

Heute gleicht München noch einer einzigen Baugrube.

Dies alles entbehrt nicht einer gewissen Ironie..."

* Tragische Musik überlagert TV. *

* Tür wird geöffnet. *

* Enzo spricht italienisch. *

Vincenzo, lass gut sein.

Papa... Nur Absagen.

(Willy Brandt im TV) "In unserer Mitte arbeiten

fast zweieinhalb Millionen Menschen aus anderen Nationen.

Wir wissen, dass es allzu oft die Not ist,

die sie zu uns führt.

Wir wissen aber auch,

wie sehr sie mit ihrem Fleiß

zu unser aller Wohlstand beitragen.

Das sollten wir anerkennen.

Es ist aber, meine Damen und Herren, notwendig geworden,

dass wir sehr sorgsam überlegen,

wo die Aufnahmefähigkeit unserer Gesellschaft erschöpft ist."

Glaubt der, man kann Menschen abbestellen wie eine Ware?

Uns kann es egal sein.

Wir haben keine Zukunft in diesem Land.

Die wollen uns nicht mehr.

Wir gehen zurück nach Italien.

Bei der Iso kriege ich Arbeit.

Und Respekt. Iso ist pleite.

Was?

Die haben die Fabrik schon dichtgemacht.

Egal. Zu Hause habe ich Chancen.

Zu Hause bin ich noch wer.

Ich gehe arbeiten. Ich muss nicht studieren.

Dann können wir hierbleiben.

Willst du zum Großmarkt?

Hm? Oder auf den Bau?

Hier sind wir nur für die Drecksarbeit da.

Du bist intelligent. Hast beste Noten.

Du willst studieren. In Italien.

Und das bestimmst du?

Macht doch, was ihr wollt.

Ich bleibe hier nicht.

Du bist so schön.

Lügner.

Wieso treffen wir uns hier?

Wir gehen zurück. Nach Mailand.

Wieso? Enzo hat hier keine Chance mehr.

Aber Mailand... Die Iso-Werke sind zu.

Es ist seine Heimat. Da wird er was finden.

Und du? Willst du zurück?

Das bin ich ihm schuldig.

Gut. Ich werde einen Arbeitsplatz für ihn finden.

Versprochen.

Hier in München. Ja?

Das, was wir hier machen. Du und ich.

Kannst du das wirklich?

Ich meine, ganz tief hier drin.

Ja.

Und darum besorge ich ihm Arbeit.

Ich weiß, dass das hier dein Zuhause ist.

Das bin ich dir schuldig.

* Leise perlende Musik *

* Sie sprechen italienisch. *

Herr Doktor Schlewitz kommt gleich.

Entschuldigen Sie die Verspätung.

Herr Marconi. Freut mich sehr, dass Sie die Zeit gefunden haben.

Frau Marconi.

Kaffee? Ja.

Fräulein Schuberth? Ja, sehr gerne.

Bitte, wollen Sie Platz nehmen?

Der Verkauf der Iso-Werke hat mich ziemlich erschüttert.

Haben Sie Ihre Unterlagen dabei?

(Fräulein Schuberth) Bitte sehr.

Vielen Dank. Gerne. Bitte sehr. Schön.

Und für Sie.

Zucker. Vielen Dank.

Ich weiß, auf welchem Niveau Sie bei Iso gearbeitet haben.

Alle reden von der Automatisierung.

Wir arbeiten für namenhafte deutsche Automobilhersteller.

Ich kenne die Vorstände. Jemand wie Sie ist unverzichtbar.

Es gibt eine Stelle für einen Mechaniker Ihres Kalibers

bei einer Zuliefererfirma.

Hier in München.

Die Position ist gut bezahlt.

Enzo.

Was ist los?

Enzo.

* Angespannte Musik *

Nein, danke.

Enzo. Ma che vuoi? Warum bist du überhaupt mitgekommen?

Ich wollte ihn noch einmal sehen.

Er hat Vincenzos Lächeln. Was soll das?

Ich war beim Arzt.

Damals in Mailand, als du nicht mehr schwanger wurdest.

Er hat gesagt, es liegt an mir.

Warum? Warum hast du mir das nie gesagt?

Weil ich dann unsere Familie zerstört hätte.

Die einzige, die ich je hatte.

Du hast es die ganze Zeit gewusst.

Ich bleibe in Deutschland. Ich finde eine Arbeit.

Aber du beendest die Geschichte mit ihm.

Ein für alle Mal.

* Sehnsüchtige Musik *

Moment. Äh, Moment.

Alexander.

Meine Herrschaften, würden Sie uns kurz entschuldigen?

Ich will mit dir leben.

Ich lasse mich scheiden.

Ich bin für dich da.

Für dich und Vincenzo.

Immer.

Komm mit mir nach Venedig.

Was? Morgen früh.

Und sag diesmal bitte Ja.

* Italienisches Stimmengewirr *

* Lied: "O Mio Babbino Caro" von Maria Callas *

* Gefühlvolle Opernmusik *

13. Juli '70.

Das Leben ist plötzlich ganz leicht.

Nach Enzos Eingeständnis fühle ich mich zum ersten Mal wieder frei.

Keine Last mehr auf meinen Schultern.

Da ist nichts mehr außer purem Glück.

Marianne.

* Ruhige Musik *

Es wird alles gut.

Wir sehen uns bald wieder.

* Musik wird gefühlvoll. *

14. Juli '70.

Erst ganz langsam begreife ich, unsere Liebe ist kein Traum mehr.

Unsere Liebe ist nun Wirklichkeit.

Alexander und ich brechen heute auf.

Nach Venedig.

Der erste Tag unserer gemeinsamen Zukunft.

* Sanfte Klaviermusik *

Warum bist du damals abgehauen?

Ich... Ich will mit der Vergangenheit nichts zu tun haben.

Ich kann nicht. Wie praktisch.

Ich bin nicht Teil deines Lebens. Das glaubst du wirklich?

Du glaubst, ich habe es mir leicht gemacht? Keine Ahnung.

Weiß ich nicht.

Warum hast du dich nie gemeldet?

* Leise emotionale Musik *

Wir fahren nach München.

Ist das nicht, was du wolltest?

Wenn du willst, kann ich dich mitnehmen.

Ich habe es allein hergeschafft, ich schaffe es auch nach Hause.

Es tut mir leid, was ich gesagt habe.

Es ist alles nicht deine Schuld.

Komm, steig ein.

Steig ein.

* Lied: "Time In A Bottle" von Jim Croce *

* Gefühlvolle Musik *

Wuhu!

* Entferntes Gelächter *

Die Wahrheit über Giuliettas Tod,

was kann Alexander gemeint haben?

War es nicht ein Unfall? Nein. Es war kein Unfall.

(Mann) Ihr Vater ist Mechaniker.

Und er hatte ein Motiv.

Assassino! Mörder!

* Tragische Musik *

Was glotzt du denn so blöd?

War Mama schon immer so? Ja.

Schon immer.

Schweine!

Ey, ey!

Dann bist du für sie in den Knast? Nicht nur für sie. Für euch.

(Tanja) Manchmal führt ein Fehler zum nächsten.

Man weiß gar nicht mehr, wann man den ersten gemacht hat,

mit dem alles anfing.

Untertitel im Auftrag des ZDF, 2019

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