All language subtitles for Istanbul.Ansiklopedisi.(2025).S01E01.720p.NF.Web-DL.[TR].DDP5.1.H.264-TURG

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Original subtitles

ALÇAKDAM-HÜGEL

STEILE, NICHT EINGEEBNETE STRASSE AN DER STELLE EINES GROSSBRANDES,

RINNENARTIG, VOR ALLEM AM UNTEREN ENDE, MIT STEINERNEN UND IRDENEN STUFEN.

ISTANBUL-ENZYKLOPÄDIE

Ich bereitete mich unterwegs vor.

-Es war alles geplant. -Ich fasse es nicht. Unmöglich.

Vielen Dank.

Dass ich bei dir wohnen darf. Ich wüsste sonst nicht wohin.

Schön, dass du da bist, Zehra.

Wir werden eine tolle Zeit zusammen verbringen.

-Wie findest du es hier? -Langweilig.

Du magst es nicht? Wir hätten woandershin gekonnt.

War nicht so gemeint.

Wenn deine Mutter hier war, waren wir immer hier.

Darum brachte ich dich her.

Sie war nur einmal in Istanbul, für einen Tag.

Den verbrachte sie hier?

Ich wählte einen langweiligen Ort, damit sie nicht wiederkam.

Das hat geklappt.

-Was weißt du über mich? -Nicht viel.

Aber die letzten 20 Jahre haben du und Mama,

die du sehr magst…

Ich weiß nicht, was ihr seid. Verwandtschaftsbeziehungen verwirren mich.

-Aber ihr seht euch nicht mehr. -Seit 19 Jahren.

Es gibt ein Foto von uns, als ich eins war, weißt du das?

-Ja. -Ja.

Du warst eins und ich 24. Ich war im fünften Uni-Jahr.

Du trägst ein grünes Kleid und ich ein rotes.

Das wusste ich nicht. Es ist ein Schwarz-Weiß-Foto. Danke.

Hast du es noch?

Ja.

Es fiel mir beim Packen ins Auge. Ich hab's dabei.

Ich weiß nur nicht wo.

Du bist so schön. Du warst so ein schönes Baby.

Dein Lieblingslied ist "Büklüm Büklüm."

Woher weißt du das?

Weil meine Mutter es verboten hat.

Ich rede, als wäre sie streng, aber Mama ist ein toller Mensch.

-Wieso hast du es dir angehört? -Ich hatte eine Retro-Phase.

Und ich mag Biografien.

Damals verbrachte ich viel Zeit im Internet.

Und Tülay Özer weckte meine Neugier.

Zerrin Özers ältere Schwester. Ich weiß noch, wie sie sagte:

"Mit 'Büklüm Büklüm' kam sie ganz nach oben,

aber dann war's das."

Hätte meine Mutter es verboten, hätte ich es mir auch angehört.

Na ja, sie hat nicht das Lied verboten, nur die Version von Tülay Özer.

Sie sagte: "Hör dir die von Sezen Aksu an. Es ist ihr Lied. Sie singt es besser."

Aber Tülay war ein No-Go. Keine Ahnung wieso.

Deine Mutter hat so ihre Marotten.

Stimmt.

Weißt du, wieso wir nicht sprechen?

-Das ist ein Tabuthema. -Sie hat es nie erwähnt?

Und obwohl sie mich so hasst, lässt sie dich bei mir übernachten?

Ja.

Menschen sind seltsam.

So schwer zu verstehen.

Sie behandeln einen wie was Besonderes. Man gewöhnt sich daran.

Man meint, nicht ohne sie leben zu können, und dann…

Dann sind sie weg.

Wie kann eine Person

über Vergangenheit, Stolz und Werte hinwegsehen,

die sie einst so hochgehalten hat, dass sie ihr ganzes Leben dafür änderte?

Ist das nicht unfair?

Das ist widersprüchlich und unmoralisch.

Mindestens.

So was schafft man wohl nur, wenn man jemanden sehr liebt.

Eine Tochter, zum Beispiel.

Ich hab gelogen.

Worüber?

Mama weiß nicht, dass ich bei dir bin.

Wie meinst du das?

Ich wollte noch warten.

Aber vielleicht sollte ich es jetzt sagen, bevor es mich zu sehr belastet.

Was redest du da, Zehra?

Ich fand kein Zimmer. Istanbul ist fast so teuer wie Miami.

Ich höre immer nur: "Oh, das Istanbul von vor 20 Jahren…"

Ich hatte keine Wahl. Ich musste nach Istanbul.

-Ich verpasste das erste Semester. -Du hast gelogen.

Ich hatte keine Wahl.

Ich hätte höchstens noch einem Kult beitreten können.

Aber deine Großmutter bat mich doch darum.

Ich hab sie überredet. Sie ist sehr krank, aber klug.

Dachtest du echt, Mama erlaubt, dass ich bei dir unterkomme?

Bevor ich es vergesse…

Der Schlüssel.

Und eine Istanbulkart. Sie ist aufgeladen.

-Danke. -Gern geschehen.

Du hast eine tolle Wohnung. Ich bin dir wirklich sehr dankbar.

Darf ich dich Tante nennen?

Nenn mich Nesrin.

Ich wollte lieber fragen, da wir das noch nicht besprochen hatten.

Es wird mir schwerfallen, aber ich versuch's.

Dich Nesrin zu nennen, meine ich.

-Und Duzen ist ok? -Wie du magst, Zehra.

Ich kann versuchen, eine direkte Anrede zu meiden.

Kannst du.

Das hab ich übrigens auch.

Apropos:

Du rufst morgen deine Mutter an und erzählst ihr alles.

Sonst kann ich dich nicht bleiben lassen.

Ok?

Ok.

Gut. Dann gute Nacht. Brauchst du noch etwas?

Nein danke.

PRAKTISCHE ELEKTROKARDIOGRAFIE

-Guten Morgen. -Guten Morgen.

Gut geschlafen?

Wie ein Lamm.

Nein, so ging das nicht. Wie ein Stamm.

Das passt vielleicht auch nicht, aber ich schlief gut.

Super. Das heißt, du fühlst dich wohl.

Ich wache an neuen Orten ständig auf.

-Ich bin hier ja nicht neu. -Wie meinst du das?

Ich träume seit Monaten davon, hier bei dir in Istanbul zu leben.

-Ich schlief schon oft in diesem Bett. -War es dasselbe Bett?

Ja und nein.

Im Traum fahr ich zum Beispiel Auto.

Im Ernst. Einmal fuhr ich sogar einen Lkw.

-Den Führerschein krieg ich mit links. -Toll.

Du bist in einem Alter, in dem man träumt, lebt und Erfahrungen sammelt.

Und du?

Träumst du nicht mehr?

Doch, natürlich, aber vermutlich nicht so oft wie du.

Wovon träumst du?

Nur davon, diese Stadt zu verlassen.

Und sieh mal.

-Meine Träume wurden wahr. -Wie meinst du das?

Die Zusage von einem Krankenhaus in Frankreich.

-Echt? -Ja.

-Ich freu mich so für dich. -Danke, ich mich auch.

In zwei Monaten ist der Sprachtest. Sobald ich bestanden habe, zieh ich weg.

Sofort?

Du ziehst in zwei Monaten weg?

Ja, so ist es.

Ja, es ist schwer, hier eine Bleibe zu finden.

Aber keine Sorge, ich helfe dir. Ok?

Ok.

TECHNISCHE UNIVERSITÄT ISTANBUL

-Guten Morgen, Studierende. -Guten Morgen.

Das ist die erste Vorlesung des zweiten Semesters,

sofern das kein anderer 7-Uhr-Kurs ist.

Ich bin Özlem Varlık.

In diesem Semester studieren Sie Istanbul,

eine Stadt, die unvereinbar scheint.

Für manche von Ihnen ist die Stadt eine Unbekannte,

andere kennen sie bereits gut.

Das ist Ihre schöne neue Welt.

Auf euren Streifzügen werden Sie lernen hinzusehen.

Sie lernen Gesichter von Menschen lesen sowie die Fassaden von Gebäuden.

Sie werden Armensiedlungen, Bürogebäude und Villen passieren.

Müde, traurige, sorgenvolle, verängstigte, sorglose Gesichter.

Alles ändert sich genauso schnell wie Sie.

Sie verändern sich genauso wie die Stadt.

Haben Sie etwa keine Vergangenheit?

Schon, oder?

Sie haben eine Geschichte.

In diesem Kurs studieren wir Vergangenheit und Gegenwart dieser Stadt.

Und das mithilfe eines Buchs oder eher einer Enzyklopädie.

Die Istanbul-Enzyklopädie.

Sie wählen daraus einen Ort aus,

der Zentrum Ihres Projekts wird.

Hat hier schon mal jemand von der Istanbul-Enzyklopädie gehört?

Der Herr, der zu spät kommt: Verraten Sie uns Ihren Namen?

Harun, Professorin.

Herr Harun, kennen Sie die Istanbul-Enzyklopädie?

Tu ich.

-Könnten Sie uns erhellen? -Sicher.

Das ist eine kulturelle Enzyklopädie von Reşad Ekrem Koçu,

die unvollendet blieb.

Können Sie uns auch sagen, in welchen Jahren sie erschienen ist?

'44 und '73.

1944 und 1973?

Danke, Sie dürfen sich setzen. Kommen Sie nächstes Mal pünktlich.

Reşad Ekrem Koçus Istanbul-Enzyklopädie

ist Teil einer Ausstellung.

Vergessen Sie nicht, sie zu besuchen, solange sie läuft.

-Danke. -Klar.

Wenn Sie bereit sind, fangen wir an.

Das ist mein Lieblingskurs.

Es ist mein Lieblingskurs, weil wir an seinem Ende

über interessantes Zeug auf Französisch werden reden können.

Zum Beispiel darüber,

wie sich Beyoğlu über die Jahre verändert an.

Oder über den seltsamen Widerspruch,

hier wütend auf Immigranten zu sein, aber vom Leben in Frankreich zu träumen.

Verzeihung, das war natürlich ein Witz.

Ich hoffe, das ist ok.

Ok, fangen wir an.

-Könnten Sie sich vorstellen? -Ok.

Nennen Sie Ihren Namen, Beruf und warum Sie Französisch lernen.

Ok, ich heiße Kenan.

Ich bin Makler und hab viele französische Kunden.

Daher ist Französisch nützlich für mich.

Sehr pragmatisch, geschäftsorientiert.

Sehr gut.

Hallo.

Ich heiße Nesrin Caner.

Ich bin Herzchirurgin.

Ich lerne Französisch, weil ich nach Frankreich ziehen will.

Weil…

Weil…

Weil ich Istanbul hasse.

Ich…

Ich mag Istanbul.

Es wurde entworfen für die Mekteb-i Tıbbiye-i Şahane.

Erbaut im Renaissance-Stil, ein architektonisches Werk.

Das war zwischen 1846 und 1852, wenn ich mich nicht irre.

-Die Uni hat also Geschichte… -Bist du von hier?

Ja.

Du wurdest also in Istanbul geboren. Was für ein Gebäude bist du?

Eine Drei-Zimmer-Wohnung mit illegal angebautem Balkon, du?

Rat mal.

Ich weiß nicht, Zehra. Es sind erst 2 Stunden und 17 Minuten.

Ich kenn mich seit 19 Jahren, 10 Monaten und 17 Tagen und weiß es nicht.

Ich geh am Abend mit Freunden aus. Willst du mitkommen?

-Ich kann nicht. -Warum nicht?

Es gibt noch so viel über Istanbul zu lernen.

-Ok, wie heißt du auf Social Media? -Hab ich nicht.

-Wie mysteriös. -Ja, ich bin voller Geheimnisse.

Krieg ich deine Nummer?

Ich kenne sie nicht. Sie ist genauso neu wie alles andere.

Scanne den, falls du mich erreichen willst.

Diego.

MOSCHEEN

ISTANBUL-ENZYKLOPÄDIE REŞAD EKREM KOÇU AND ISTANBUL

NAME: ZEHRA, VERBRECHEN

Ein sehr langer Flur. Er scheint nie zu enden.

Da ist eine Tür, blau gestrichen.

Der einzig blaue Raum in einem gelben Krankenhaus.

Ich sterbe vor Neugier und denke:

"Stirb jetzt nicht, Serdar. Lüfte das Geheimnis dieses Zimmers."

Serdar…

Du sagtest, ich soll nicht ins Krankenhaus.

Du wolltest am Telefon nichts sagen, aber ich halt's nicht mehr aus.

-Ich muss dir erst das erzählen. -Serdar…

Nun lass doch den Unsinn.

Ich bin sauber.

Keine Spur mehr von dem Ding.

-Echt? -Echt.

Ganz echt.

Ganz echt.

Darf ich deine Werte sehen?

Vergiss es, schmeiß sie weg! Es ist vorbei, Liebes, alles ist vorbei.

-Es ist vorbei. -Ich bin so froh, Serdar.

Ich bin so froh.

Lass uns tanzen. Komm.

-Jetzt? -Komm schon.

Nein, jetzt nicht.

Gib einem gesunden Mann keinen Korb.

Ich will etwas trinken.

Also gut.

2014.

Dritter März.

Nacht, es gießt in Strömen.

Ich flüchte vorm Regen in eine Bar.

Dort ist es voll und dunkel.

Nur eins, das strahlt.

Das Schönste, was ich je sah.

Ich starrte sie ewig an.

Endlich nahm ich meinen Mut zusammen und…

"Verzeihung, hast du Feuer?"

Ich liebe dich so sehr.

Glaub mir, alles wird gut.

Ab jetzt werden wir unser Leben genießen.

Weil wir am Leben und zusammen sind.

Ab jetzt werden wir einander nie wieder loslassen.

Was ist das?

Unsere Flugtickets.

Paris. Genau dann, wenn du gehen willst.

Serdar, wieso tust du so etwas…

Willkommen, Zehra.

-Guten Abend. -Guten Abend.

Tut mir leid.

Wie schön! Echt jetzt?

Ich weiß nicht, was man in so einer Situation sagt.

Denken Sie einfach, ich gab die bestmögliche Antwort.

Das ist nett, danke.

Ich hole dir ein Glas.

-Nein danke. -Komm. Es ist ein besonderer Abend.

Ich hab mich schlecht ausgedrückt. Ich trinke nicht.

Nie, meinst du?

Genau. Daher die Gegenwartsform.

Wieso nicht?

Also… Ich esse auch keine Mayo, aber das verwundert irgendwie keinen.

Verzeihung.

Ich helfe Ihnen.

Danke.

Hey!

Das ist keine Limonade.

Tut mir leid.

Wir trinken sowieso alles.

Hast du deine Mutter angerufen?

Werde ich.

Also…

Entschuldigt ihr mich?

Ich treffe mich mit ein paar Leuten von der Uni.

Ich wollte mich nur umziehen.

Viel Spaß.

Nur zu.

Hallo?

Alaikum salam, Mama.

Mir geht's gut. Alles ok. Keine Sorge.

Nein, ich hab eingecheckt.

Hab ich, Mama.

Möge Allah auch über dich wachen.

-Willkommen. -Dank…

-Hi. -Hi.

-Ich stell dich vor. Komm. -Ok.

-Red keinen Unsinn. -Ich rede Unsinn?

Ok, es reicht.

Hey, Zehra?

So offensichtlich?

Harun kann nicht aufhören, von dir zu reden.

Darf ich vorstellen? Pelin, Dodo, Selin.

Was trinkst du?

-Ein Bier? -Ja.

-Gut, ok. -Ok.

Zehra kam eben erst an. Wir haben uns gerade erst kennengelernt.

Von mir hat sie also nichts gehört. Was ist sozialer Jetlag?

-Die soziale Version von Jetlag. -Siehst du? Hast du gehört?

Ja, aber das reicht nicht. Sie sollte es näher erklären.

Wenn man fliegt… Danke.

Nach dem Flug ist die biologische Uhr aus dem Takt.

Wegen des Zeitunterschieds. Das, nur im Alltag.

Siehst du? Wie spät ist es jetzt?

-21 Uhr. -Um diese Zeit wird Melatonin freigesetzt.

Aber du bist unterwegs. Verlangsamte Verdauung gegen 22:30 Uhr.

Und du trinkst Bier.

-Verstehe. -Auf die Gesundheit.

-Wie langweilig. -Dann auf Amazon.

-Auf Amazon. -Auf Amazon.

Alles klar.

-Meine Liebe. -Genau.

Ich hau dir auf den Kopf!

Ich verstand den Jetlag nicht. Erst, als Zehra ihn erklärt hat.

Zehra, ich hab dich im ersten Semester nicht gesehen.

-Ich fing eben erst an. -Wie kommt's?

Ich bin wohl gern etwas unkonventionell.

Wow!

Jedenfalls, ob zu spät oder nicht: Wir haben unser fünftes Mitglied gefunden.

-Super Idee, Mann. -Ziehen wir zusammen?

Auf die Bühne.

Es ist so:

Wir arbeiten an einem tollen Stück namens Amazon,

aber uns fehlt eine Person.

Sie fehlt uns nicht, sie ließ uns im Stich.

Egal. Nenn es, wie du willst.

Jemand stieg in letzter Minute aus. Würdest du mitmachen?

Hey, wir wissen noch nicht, ob Zehra es draufhat.

Was soll das Angebot?

Wir kennen sie nicht mal.

Tut mir leid, dir wird nicht einfach alles geschenkt.

Was soll sie tun, meine Liebe?

Sich beweisen.

Keine Sorge. Darum bin ich hier, meine Liebe.

-Meine Liebe. -Ich hau dir auf den Kopf!

Serdar.

Du weißt, wie wichtig du mir bist.

Heute erhielt ich

die vielleicht beste Nachricht meines Lebens.

Und ich bin so erleichtert.

Ja?

Ich will mich trennen.

Sieh mal, Liebes. Hör mir zu.

Ich weiß, du hast viel durchgemacht.

Serdar, glaub mir, es bringt nichts, es hinauszuzögern.

Ok, ok. Gehen wir zur Paartherapie.

Ich hol uns die beste Therapeutin. Wie die, die Serien schreibt.

Ich ziehe ins Ausland, Serdar.

Du gibst nie auf,

aber wirst wütend, wenn ich dich mit deinem Vater vergleiche.

Was hat das mit meinem Vater zu tun? Und richtig, ich geb nie auf.

Ok. Ein Wegzug ist ein Problem.

Ich besuch dich. Wir kriegen das hin. Keine Sorge.

Serdar, wir leben getrennt,

wir haben Regeln aufgestellt, Spiele gespielt, es klappt nicht.

Je länger wir es hinauszögern, umso schwerer wird es.

Als ich auf dem Land lebte, ging es auch.

Ich kam nur, wenn du wolltest.

Paris ist besser angebunden als Uşak.

-Serdar… -Keine Sorge, Liebes.

Serdar!

Ich will allein dorthin.

Ich will einen Neuanfang.

Ich will mich nicht mehr eingeengt fühlen,

weder von dir noch meiner kranken Mutter, süchtigen Schwester, Istanbul,

diesem furchtbaren Land, von gar nichts.

Ich bin's leid, ok?

Liebes, bitte. Bitte. Nicht jetzt. Ich flehe dich an.

Bitte. Bitte, Liebes. Beruhige dich. Nicht jetzt.

Es ist der richtige Zeitpunkt!

-Heute also, ja? -Ja!

Wo ich den Krebs besiegte?

-Ginge das nicht morgen? -Ich warte seit einem Jahr!

Ich schob meine Gefühle beiseite,

um für dich da sein zu können!

Ich vergaß meinen Schmerz. Ich hab auf diese Nachricht gewartet!

Was hab ich dir getan?

Sag, um Himmels willen! Was hab ich dir getan?

-Was, außer dich zu lieben? -Ich will das nicht mehr!

Ich will nicht, aber du lässt mich nicht! Brauch ich denn einen Grund?

Brauch ich einen Grund? Wieso kann ich mich nicht einfach trennen?

Nesrin, es tut mir leid. Entschuldige, dass ich Krebs hab.

Ich hab's dir zunächst nicht geglaubt, weißt du das?

Nein, hab ich nicht.

Ich dachte, du wolltest mich manipulieren.

Dann überzeugte ich mich, dass Serdar nie so weit gehen würde.

Bitte sag mir, wie du so was auch nur denken konntest?

Ich bin Ärztin, aber glaube jetzt an Astrologie.

Und du bist der Gott des Bösen, ein manipulativer Skorpion!

Red keinen Unsinn! Scheiß auf dein Horoskop!

-Zehn Jahre! Die wirfst du einfach weg? -Ich will nicht mehr!

-Gestern hast du mich noch geliebt! -Heute nicht mehr! Ich will mich trennen!

Aber ich kann nicht! Lass mich einfach gehen!

Es hat nichts mit dir zu tun!

Nichts mit uns!

Es geht um mich!

Sag mir, wie ich das wieder hinbiegen kann!

Seit einem Jahr fick ich dich und denk dabei an andere Leute!

Ich vergrab mein Gesicht im Kissen, damit du es nicht mitbekommst!

-Was hab ich dir getan? -Was tust du da?

-Sag es mir. -Serdar, hör auf.

Sag, was ich dir getan hab.

-Was tust du? Hör auf! -Was hab ich getan?

-Hör auf, dich zu schlagen! -Verpiss dich, Nesrin!

Verpiss du dich!

Fick die Arschlöcher, von denen du träumst!

Klar tu ich das! Denkst du, ich bitte um Erlaubnis?

-Dann stell dir vor, du fickst mich! -Verpiss dich!

Dein Freund hat Krebs, und du träumst von anderen!

Jetzt, da ich ihn besiegt…

Du hast dich in Istanbul verlor'n

In Drogen und im Chaos

Wer weiß, wer die Trommel schlug, oh Gott Auf deiner straffen Haut

Wer weiß, wer die Trommel schlug, oh Gott Auf deiner straffen Haut

Hunderte, Tausende von Menschen, oh Gott

Sie alle sangen dieses Lied

Danke!

Dieser Song ist für alle Schwestern.

-Ja! -Für die Schwestern.

-Ja. -Ich kenn ihn.

-Was ist es für einer? -Ich hab's gleich.

-Komm schon. -Gleich.

Was immer du sagst Was immer du erwartest

Vom Schöpfer

Oh Gott!

Oder deinem Schicksal

-Du kriegst deinen Willen nur -Sieh sie dir an.

Wenn du dafür kämpfst

Es fühlt sich an

Wie Ertrinken

Es fühlt sich an

Wow, sie ist ziemlich gut.

-Ich mag dich. Willkommen bei Amazon. -Wie eine Wiedergeburt

-Prost. Los. -Los.

Es fühlt sich an

Wie wieder und wieder zu sterben

Wenn du sie nicht kennst

Diesen Schmerz, diese Tortur

Es wickelt sich um deinen müden Hals

Zerstreut sich in deiner gebrochenen Seele

-Du bist super! -Nehmt euch einen.

Fragenden Blicks an deiner Tür

Kommt schon! Schnell!

Ja!

Deine bitteren Erinnerungen bleiben

Wickeln sich um deinen müden Hals

Zerstreuen sich In deiner gebrochenen Seele

Fragenden Blicks an deiner Tür

Deine bitteren Erinnerungen bleiben

-Bravo! -Bravo!

-Ich les dein Schicksal. -Blickst du in meine Zukunft?

Das heißt Manifestieren. Wie soll ich in die Zukunft blicken?

-Mani-fes-tie-ren. -Was ist das?

-Das ist ernst. Nicht lachen. -Ok.

Dreh dich zu mir.

Hände auf die Knie.

Und vertrau mir einfach.

Gerade trau ich dir so gar nicht.

-Wieso nicht? -Darum.

Nein, mach die Augen zu und lass dich auf mein Ritual ein, ok?

Augen zu.

Das, wonach du dich am meisten sehnst, ist…

-Du willst verstanden werden. -Nein.

Was meinst du? Ich hab doch richtig geraten.

Augen zu. Nicht aufmachen.

Ich seh einen Wal in diesen Augen.

Ja, würde mich nur jemand so verstehen, wie ein Pottwal den Ozean versteht.

-Das wäre toll. -Du wünschst dir auch Liebe.

Verdirb nicht die Stimmung.

Es ist nicht schön, überall die Fremde zu sein.

Was noch? Empfindest du irgendwie Druck?

Erfolg zu haben.

Ich hab das Gefühl, nur so hab ich eine Chance im Leben.

Ich kann mir keine Niederlagen leisten.

-Was ist dein größtes Problem? -Obdachlosigkeit.

Das ist zu viel, Zehra. Du hast zu viele Probleme.

Das ist mein Schwachpunkt. Du trafst ins Schwarze.

-Inwiefern? -Weil es eben mein Schwachpunkt ist.

Sag schon.

Ich glaube, all meine Probleme wären gelöst,

hätte ich einen Ort, wo ich ich selbst sein kann.

Manchmal seh ich mich um

und hab das Gefühl, das Leben eines anderen zu leben.

Als wäre ich noch nie hier gewesen.

Aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran.

Dann umarmt dich Istanbul und du fühlst dich zu Hause.

Ja.

Also…

Das ist kein Problem. Finde ich.

Was willst du nicht?

Werden wie meine Mutter.

Wie meine Mutter oder sie.

Alles ok?

-Haben wir's ruiniert? Was war das? -Nein. Ich weiß nicht, was passieren wird.

Aber eins weiß ich:

Du bist echt komisch.

Du auch.

-Alles ok? Geht's dir gut? -Ja, mir geht's gut.

Es ist eiskalt.

Lauf!

-Was machst du da? -Spring!

-Spring! -Stopp!

-Lauf! -Stopp!

Spring!

Spring!

Idiot!

Ach ja?

-Ich hatte Angst. -Angst?

Ja, im Ernst.

-Machen wir ein Selfie. -Was?

Ein Selfie.

-Warte… -Istanbul.

Alçakadam.

Da stand "Alçakdam-Hügel".

Nicht alles Geschriebene stimmt.

Es ist eine Enzyklopädie. Das kannst du nicht sagen.

-Ja, Professorin Zehra. War es 1900… -'44. Peinlich?

War sie schon fertig? Alçakadam lässt sich leichter lesen.

Hier ist es.

Sagst, du seist obdachlos, damit ich dein Schicksal vorhersage,

dabei ist dein Haus ziemlich nett.

Das ist nicht meins, sondern Nesrins.

Sie ist wie eine Tante.

Sie heißt Nesrin. Ja.

Ich weiß noch nicht genau, wie ich sie ansprechen soll.

-Schon gut. Cool. -Ja.

Gute Nacht.

-Gute Nacht. -Gute Nacht.

Gute Nacht.

-Geh jetzt. -Ich geh, wenn du drin bist.

-Geh einfach, es ist kalt. -Ich geh, wenn du drin bist.

Ok, ich gehe. Geh jetzt. Los.

-Geh jetzt. Los. -Was? Ich höre dich nicht.

-Geh einfach. -Was?

-Sag es mir. -Los. Du musst.

Was?

Buchstabe A: Alçakdam-Hügel.

Hier rannte ich in dieser Stadt mit sieben Hügeln und zwei Küsten

meine erste Treppe runter und machte mein erstes Selfie.

Was ich an den Treppen am meisten mag, ist,

dass man gar nicht aufhören kann zu rennen.

Als ich unten ankam, schlug mir das Herz bis zum Hals.

Ich dachte an die Beschreibung in der Enzyklopädie.

"Steile, nicht eingeebnete Straße an der Stelle eines Großbrandes,

rinnenartig, vor allem am unteren Ende,

mit steinernen und irdenen Stufen, aus denen mal eine Treppe werden soll."

Wie ich

ist sie voller Potenzial, aber noch nicht eingeebnet.

Damals lautete die Vorhersage, sie würde mal eine Treppe sein,

und jetzt, 50 Jahre später,

fließen Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart zusammen,

während meine Istanbul-Geschichte gerade erst begonnen hat.

Guten Abend.

Es ist Nacht.

Tut mir leid, dass ich so spät kam.

Hast du deine Mutter angerufen?

Es ging nicht.

Du hast versprochen, sie heute anzurufen, oder nicht?

Nicht?

-Doch. -Wieso hast du es nicht getan?

-Einfach so. -Ich hatte einen sehr harten Tag.

Ich hab nicht die Kraft, nett zu sein,

und ich hab mich klar ausgedrückt.

Halt dein Versprechen. Ruf deine Mutter an.

Du hast noch Zeit, dein Versprechen zu halten.

Sonst kannst du morgen früh gehen. Es liegt bei dir.

Was machst du da?

Zehra.

Beruhigst du dich bitte?

Ich weiß, was dein Problem ist.

Es stimmt wohl, was Mama über dich gesagt hat.

Ich brauch kein Mitleid von einer empathielosen Egoistin.

Was soll eine wissen, die all ihre Gefühle wegschiebt?

Gut, geh! Sieh nur, wie Istanbul wirklich ist!

Morgen kommst du wieder und tust, was ich dir gesagt hab!

Untertitel von: Carolin Polter

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