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Untertitel: Norddeutscher Rundfunk 2015
* Musikthema: Tatortreiniger *
Die Polizei sagt, das ist kein Menschenblut.
Und haben Sie 'n Verdacht, wer das war?
Religiöse Spinner.
Antireligiöse Spinner.
Oder politische Spinner.
Oder 'n Einzelspinner.
Oder jemand, der mir schaden will.
Mein Bruder Konrad vielleicht.
Die Wände müssen gestrichen werden.
Und kann sein, dass der Boden raus muss.
Der ganze Boden?
Ich guck mal, was ich machen kann.
Hallo, ja, äh, ich bin's.
Ich bin grade zufällig bei dir vorbeigefahren, und ...
Weil ich hier in der Nähe arbeite.
Und ich dachte, wir können uns treffen oder so ...
Auf 'n Kaffee.
Ja.
Nee, nur wenn's passt, nicht sofort.
Genau, ruf du mich doch später an oder schreib mir 'ne kurze SMS.
Jo, bis später vielleicht, tschüss.
Ach so.
* Räuspern *
Dong, dong, dong ...
(Dialog mit verstellten Stimmen) Hilfe, ein wilder Fisch!
Magst keinen Fisch? - Nein, keinen Fisch!
Es ist Freitag, jetzt gibt's Fisch. - Ich will keinen Fisch!
Oh Gott. Nein! Nein! Argh!
Was ist das für 'n Laden?
Eine Vermittlungsagentur für Religion und Spiritualität.
Danke.
Wir verkaufen Beratung und Service für religiöse Bedürfnisse.
Ah, verstehe.
Wa?
Unsere Kunden sind unzufrieden mit ihrer Religion
und überlegen einen Anbieterwechsel.
Oder Leute, die sich noch nicht mit Glaubensfragen beschäftigt haben
und feststellen:
Sie haben schon alles, bis auf Spiritualität.
Die fragen nach dem Angebot.
"Ich such was Religiöses. Was gibt's da so?" Ja, genau.
Wir erstellen ein Kundenprofil
und machen ein Matching mit passenden Anbietern.
Vermitteln Seminare, Schnupperkurse, spirituelle Events
und begleiten den Kunden bis hin zum Vertragsabschluss.
Taufe, Initiationsritus, je nachdem, welche Religion der Kunde nimmt.
Wieso braucht man da 'ne Agentur?
Wenn man mit seiner Religion Probleme hat,
kann man doch was glauben, was einem richtiger vorkommt.
So einfach ist es nicht.
Viele religiöse Verträge haben eine Unkündbarkeitsklausel.
Das hab ich mal gehört: Wenn man Moslem ist ... Oder Katholik.
Nee, aus der katholischen Kirche kann man doch aussteigen.
Rechtlich gesehen ja, religiös nein: einmal katholisch, immer katholisch.
Echt? Steht im Kleingedruckten.
Zweitens: Die meisten wissen gar nicht Bescheid über ihre Religion.
Die übernehmen nur den Glauben der Eltern.
Wer liest denn schon die Bibel?
Keine Ahnung. Jesus. Nee, Quatsch ... Eben.
Wer kennt den Unterschied zwischen evangelisch, katholisch, orthodox?
Methodistisch, baptistisch?
Mennonitisch, assyrisch, altkatholisch, neuchristlich?
Es gibt über 40 Christentum-Anbieter in Deutschland.
Weltweit mehr als 300.
Der gesamte religiöse Markt ist gigantisch.
Mehr als 6000 Anbieter konkurrieren.
Was, echt so viele? Ja.
Wenn man sich richtig dafür interessiert,
dann findet man da doch auch was, was man sucht.
Angenommen ...
... jemand beschäftigt sich intensiv mit dem Glauben.
Sagen wir mal, dem Christentum.
Setzt sich drei Jahre lang vor seine Bibel, klappt am Ende die Bibel zu,
und hat festgestellt, dass ihn das nicht mehr überzeugt.
Der sitzt nicht noch drei Jahre am Koran oder der Bhagavad Gita.
Bhaga... - was?
Eher fällt er aufs nächstbeste Lockangebot rein.
Aber wir finden für jeden das passende Glaubensmodell.
Eine Frage:
Verarschen Sie mich?
Man sucht sich seine Religion doch nicht aus wie so 'n Handy.
Erschreckend, nicht wahr? Irgendwie schon. Find ich auch.
Über ein Handy informieren sich die Leute bis ins Detail.
Die Frage nach Gott überlassen sie dem Bauchgefühl.
Ja sicher, Gott ist ja kein Handy.
Sollte man nicht mehr über Gott wissen als über sein Handy?
Aber so was wie Gott und Religion ...
Wenn man da ernsthaft unterwegs ist,
sucht man das doch nicht über 'ne Makleragentur?
Wenn man sich seinen Glauben mit 'nem Kundenprofil erstellen lässt,
ist doch eh klar, dass das nicht ernsthaft sein kann.
Wieso?
Mit einem Kundenprofil erfasst man die Kundenbedürfnisse professionell.
Was ist dagegen zu sagen?
Nix, aber wie passt Gott und so was in so 'n Kundenprofil rein?
Müsste das nicht größer sein?
Irgendwie was, eher von oben kommt.
Wie ein Hammer, der einen plötzlich trifft.
Also, ja, größer irgendwie.
Wer zur Partnervermittlung geht, glaubt trotzdem an die große Liebe.
Und wenn sich zwei Menschen über eine Agentur finden,
ist die Liebe nicht geringer, weil die Suche professionalisiert wurde.
* Schotty brummelt unschlüssig*
2400 Euro, ist das ein Fünf-Sterne-Kloster oder was?
Im Gegenteil.
Die Verpflegung ist einfach, die Unterbringung bescheiden.
Wer zahlt so was? Wer exzellenten Service will.
Unser Chauffeur holt Sie mit einem klimatisierten Mercedes ab.
Sollte es während Ihres Aufenthalts Probleme geben,
erreichen Sie uns Tag und Nacht telefonisch.
Und falls Sie den Aufenthalt früher beenden wollen,
werden Sie sofort abgeholt.
Man fährt mit 'ner Limousine ins Kloster,
um fünf Tage Armut zu erleben?
Genau.
Aber das ist doch irgendwie ... Professionell?
Haben Sie ein veraltetes Bild von religiöser Auseinandersetzung?
Glauben Sie, man muss leiden, um zu Spiritualität zu kommen?
Ich glaub gar nichts.
Und sicher nicht, dass man 2400 Euro zahlen muss, um zu Gott zu finden.
Wir arbeiten im Premium-Segment, das kann sich nicht jeder leisten.
Aber es steht ja jedem frei, sich Bibel oder Koran zu kaufen
und kostenlose Angebote direkt vom Anbieter wahrzunehmen.
Bei uns haben Sie die Garantie, dass wir Sie zu den Besten schicken.
Ob Pfarrer, Schamane oder Rabbi.
Und wir überreden oder manipulieren Sie nicht,
wir vertreten keine eigenen religiösen Interessen.
Unsere Kundenzufriedenheit liegt bei 99 % - das hat seinen Preis.
Und ...
Was geht gut?
Marktführer sind nach wie vor
Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus, Judentum.
Naturreligionen kommen wieder, mit Trend zur Göttervielfalt.
Bunte, fröhliche, sexualfreundliche Religionen.
Beliebt ist eine Balance zwischen männlichen und weiblichen Göttern.
Altkeltische Kulte sind da ganz vorn.
Die sind bestimmt bei frustrierten Frauen um die 50 der Renner, oder?
Möchten Sie diese unpassende Bemerkung wieder zurücknehmen?
Hmmmmmm ...
Nö.
Gut, ich nehm's zurück. Gut.
Was lachen Sie? Weil Sie leider recht haben.
Ha!
Wusst ich's doch!
So was hier vermitteln Sie auch? Wir vermitteln alles, was legal ist.
Aber wir weisen auf die starke Kundenbindung von Scientology hin.
Da kann ja nichts passieren.
Wir sind eine Vermittlungsagentur.
Verantwortung für religiöse Gefühle trägt der Kunde.
Und Sie machen religiöse Gefühle zu Geld.
Ich mache Bedürfnisse zu Geld, das macht jedes Unternehmen.
Die Frage ist, was der Kunde fürs Geld bekommt.
Ich lüge nicht und verkaufe niemandem, was er nicht haben will.
Es gibt Nachfrage, ich habe Angebote.
Das ist alles korrekt.
Nee, echt, tut mir leid, aber bei mir beißen Sie sich die Zähne aus.
Sie sind also Atheist. Wahrscheinlich schon.
Obwohl mich wundern würde, wenn ich was mit 'nem Fremdwort wär.
Ich denk, man lebt, man stirbt und fertig.
Also ... ja.
Aus die Maus und Würmerfutter.
Glaub nicht, dass nach dem Tod noch was kommt. Warum nicht? Wa?
Warum glauben Sie's nicht? Weil ich das nicht glaube.
Sie glauben etwas nicht, weil Sie es nicht glauben.
Ja, ganz genau.
Sie könnten doch genauso gut sagen: Ich glaube was, weil ich es glaube.
Wär's nicht schöner, wenn nach dem Tod noch was kommt?
Klar - aber ich glaub's ja trotzdem nicht.
Ich habe 6000 Angebote, alle besser als "aus die Maus und Würmerfutter".
Religion ist doch nicht dazu da zu glauben, was man am liebsten hätte.
Sondern ... Sondern?
Das ... was stimmt. Oder am wahrscheinlichsten stimmt.
Oder was die Chance hat, dass es stimmen könnte.
Und ich glaub, das Wahrscheinlichste ist, dass danach nichts ist.
Aber sicher sind Sie nicht. Natürlich nicht.
Aber ich richt mich eben darauf ein, dass danach nichts mehr kommt.
Sonst ist das 'ne gute Überraschung.
Oder es gibt 'ne böse Überraschung und Sie braten in der Hölle. Genau.
Das noch eher.
Böse und gute Überraschungen sollten ja ausgewogen sein.
Aber die bösen sind viel häufiger, das ist bei allen so, die ich kenne.
Und die guten Überraschungen, wo sind die?
Weiß man nicht, die sind extrem selten.
Am häufigsten ist gar keine Überraschung,
nur 'ne Enttäuschung.
Klingt frustriert.
Ich hätte da ...
Altkeltische Kulte, wo man nachts nackig um 'ne Eiche tanzt?
Womöglich mit 'ner Gruppe von 50 ...
Wenn wir schon bei Hölle sind: Das wär meine.
Und Sie sind nicht frustriert? Nö, ich bin einfach enttäuscht.
Weil Enttäuschung das Normale ist.
Man wünscht sich was, ja?
Gut, man kriegt auch was, aber eben nicht, was man sich ...
Als Kind zum Beispiel hab ich mir ganz doll einen Hund gewünscht.
Hätt ich alles für gemacht.
Einmal dacht ich, ich krieg einen.
Es war Weihnachten, ich war mir ganz sicher.
Meine Mutter hat auch so Andeutungen gemacht, es wär was Lebendiges.
Ja, war's dann auch. 'n Hase. Toll.
Auch ein Tier, mit Fell, mit vier Beine, aber kein Hund.
Und das ist das Normale.
Oder man wünscht sich,
dass man einmal im Leben 'ner Frau begegnet, die einen umhaut.
Weil sie so ...
... so schön und so klug und so toll und so lustig ist.
Und dann trifft man die,
ist sogar mit ihr zusammen, zumindest kann man das so sehen.
Aber eben nur für vier Monate.
Danach greifen wieder die Naturgesetze.
Sie verliebt sich in jemand, der besser passt, was vorauszusehen war.
Aber es ist doch sehr enttäuschend.
Sie sprechen von der Dame, mit der Sie sich vorhin verabredet haben?
Vielleicht treff ich sie auf 'n Kaffee.
Gute Überraschung: Sie hat den Herzchirurg abgesägt.
Böse Überraschung: Sie hat 'n Tumor stirbt bald.
Aber wahrscheinlich keins von beiden:
Wir trinken gesittet unseren Kaffee, sie fragt mich, wie geht's dir,
ich sag gut, sie sagt, freut mich, schön, dass wir uns getroffen haben.
Also ... 'ne Enttäuschung. Genau.
Da wär es blöd, sich 'ne gute Überraschung auszumalen.
Weil die Enttäuschung dann umso größer wär.
Deshalb glaub ich auch nicht ans Paradies,
weder hier und jetzt noch im Jenseits.
Und die Hölle? Die schließ ich jetzt mal aus.
Warum?
Wer glaubt denn an die Hölle? Vier Milliarden Menschen. Echt?
Mit Folter und allem Drum und Dran.
Ich glaub doch nichts, was ich nicht glaube,
weil ich glaube, ich kommt sonst in die Hölle.
Haben Sie 'ne Feuerversicherung? Ja, sicher. Sehen Sie?
Nee, seh ich nicht.
Ich weiß ja, 'n Haus kann abbrennen, einem Bekannten ist das passiert.
Aber ich kenn keinen, der mal in der Hölle war.
Ich würde Ihnen gern das kostenlose Starterkit "Buddhismus" mitgeben.
So, jetzt mal Sie, Hosen runter!
Sind Sie ...
Ich wollt nur fragen, ob Sie gläubig sind.
Und deswegen sagen Sie "Hosen runter!"?
Kennen Sie den Ausdruck nicht? Nee.
Nicht in diesem Kontext.
Ach so, ja dann ... Dann nehm ich das zurück.
Also denn ... Hosen wieder hoch!
Also ... Sind Sie gläubig?
Nein.
Sie verkaufen den Leuten was, an das Sie nicht glauben? Ja, und?
Kann auch Fernseher verkaufen, ohne einen zu besitzen.
Es geht um den Kunden, nicht um mich.
Sonst müsste jeder Opelhändler Opel fahren. Das stimmt.
Ich würde lieber was anderes verkaufen, Senf, zum Beispiel.
Aber es geht um die Kundenbedürfnisse.
Wenn sich Senf nicht verkauft, muss man was anderes verkaufen.
Muss sich mein Bruder mit abfinden.
Dem Sie zutrauen, dass er den Laden verwüstet hat?
Ja, war sein Geschäft. Das hier?
Mhm, und davor fast 150 Jahre ein Familienunternehmen.
Krüger-Senf. Ach, Krüger!
Mein Vater hat meinem Bruder das Geschäft überschrieben.
Das war überraschend, denn ICH hab Unternehmensmanagement studiert.
Aber ...
Mein Bruder hat Geld und Inkompetenz ins Geschäft gesteckt
und nach einem Jahr Insolvenz angemeldet.
Wie zu erwarten war.
Und jetzt? Hab ich das Geschäft.
Und es läuft gut.
Mein Bruder hasst mich dafür.
Sagt, ich hätte die Familientradition verraten.
Schreibt böse Briefe oder zersticht meine Autoreifen.
Kann man nicht beides verkaufen? Wie, beides?
Religion und Senf.
Irgendwie ... zusammen ...
Wie soll das gehen? Die Zehn Gebote auf's Glas kleben oder so?
War nur so 'ne Idee.
Henny, guck mal bitte nach,
was Du findest zum Thema Senf und Religion.
Ja, Senf.
Bei welchen Religionen Senf 'ne Bedeutung hat.
Danke, bis gleich.
Der ist schön, zu welcher Religion gehört der?
Noch zu keiner.
Viele wollen neutrale Objekte selbst mit religiöser Bedeutung belegen.
Haben Sie 'ne Figur von Uwe Seeler?
Sie glauben nicht dran, aber wenn, wie würde das Paradies aussehen?
Paradies?
Paradies geht so:
Ich komm da an, und Merle kommt mir entgegengerannt.
Oder geflogen, je nachdem.
Oh, das würde heißen, sie ist vor mir gestorben.
Tut mir leid, Merle, aber so wird das in meinem Paradies.
Sie kommt mir entgegengeflogen, lacht und schreit: "Endlich!"
Dann umarmt sie mich, küsst mich, ich schmeiß sie auf 'ne Wolke ...
Da ist das erste Paradiesproblem: keine Körper mehr.
Das ist schade, sehr schade.
Jetzt hätten wir so viel Zeit dafür.
Gut, dann eben kein Sex mehr, dann wär das eben so.
Ist ein Minuspunkt.
Aber immerhin wären wir zusammen, das ist ja wenigstens ...
Das würde mir reichen, um dazu "Paradies" zu sagen.
Und das zweite Problem:
Der Herzchirurg, mit dem sie grad zusammen ist,
wo ist der im Paradies?
Vielleicht in der Hölle, aber wenn ich Pech hab, eben nicht.
Ist er dann mit uns zusammen?
Man sagt doch, im Paradies verstehen sich alle, es gibt keine Eifersucht,
das ist so 'ne große Seelensoße.
Für mich ist das kein Paradies.
Für mich heißt Paradies: Merle und ich, sonst nix und niemand.
Merle, ich und 'ne Direktschaltung zur Erde mit Bundesliga-Übertragung.
Aber das ist alles.
Das ganze Erkenntniszeugs, wer die Welt und warum die Menschen
und wieso Gott und das alles, interessiert mich wenig.
Ich bin ja schon tot.
'ne nachträgliche Erklärung brauch ich dann auch nicht mehr.
Haben Sie was im Angebot, das mir überzeugend vermittelt,
dass ich mit Merle alleine unendlich lange an einem schönen Ort bin?
Dann nehm ich das.
Egal, was das kostet.
Gut.
Ah.
Das ist der Gott Yame.
Das ist der Gott der Liebenden.
Die Religion heißt Merele.
Es war zu Anbeginn der Zeit,
als der Gott Guiamba die Welt erschaffen hatte.
Dort lebten zwei Menschen, Yangur und Yimde.
Die beiden liebten sich Tag und Nacht,
und noch im Schlaf träumten sie voneinander.
Da wurde Guiamba eifersüchtig auf die Liebe.
Er verwandelte Yangur in einen Vogel und warf ihn in den Himmel,
und Yimde in einen Fisch und warf sie ins Meer.
Yangur aber tauchte ins Meer und zog Yimde nach oben.
So flogen sie einen Moment in der Luft,
dann tauchten sie ins Wasser, damit Yimde atmen könnte.
Dann tauchten sie wieder auf, damit Yangur Luft bekäme.
So flohen sie in Richtung der Insel Lumaman.
Wer die Insel erreicht, ist von jedem Fluch erlöst.
Guiamba aber verfolgte sie voll Zorn.
Doch war er im Wasser, waren sie in der Luft,
und war er in der Luft, waren sie im Wasser.
So erreichten sie Lumaman.
Als sie die Insel erreichten, wurden sie wieder Mann und Frau
und leben dort glücklich bis in alle Ewigkeit.
Nicht schlecht.
Genau so was meinte ich, so was würde ich gerne glauben.
Dann glauben Sie's doch. Schön wär's.
Im Ernst, warum entscheiden Sie sich nicht, daran zu glauben?
Himmel Herrgott noch mal, weil's 'ne Geschichte ist.
Wenn Sie wirklich dran glauben, ist es keine Geschichte mehr.
Und wenn andere auch dran glauben, haben Sie schon einen Mythos.
Und das ist ja erst der Anfang.
Da fehlt die Schöpfungsgeschichte, Erklärungen für Leid und Unglück ...
Verhaltensregeln, Tabus und ...
Sie wollen mir ernsthaft was als Religion andrehen,
das Sie sich grade in meinem Beisein ausgedacht haben?
Ich will Ihnen nichts andrehen.
Mein maßgeschneidertes spirituelles Produkt macht es Ihnen leichter,
mit Ihrer Sehnsucht zu Merle zu gehen.
Das ist doch irgendwie ...
Wenn Sie wüssten, die Geschichte wäre wahr,
Sie wären nach dem Tod mit Merle für immer auf Lumaman ...
Aber die Geschichte ist nicht wahr.
Würden Sie das glauben, das würde Sie doch glücklich machen.
Ja, aber ... Glauben Sie doch was, was Sie glücklich macht.
Aber das wird nicht so sein.
Wir leben nach dem Tod nicht auf 'ner Zauberinsel.
Egal, was nach dem Tod ist ...
Darum geht es doch bei Religion: was nach dem Tod ist.
Ja, aber das kann ja niemand wirklich sagen.
Der reale Mehrwert von Glauben ist: Es geht einem einfach besser.
Hier, im Diesseits.
Genau das ist doch die Selbstverarsche.
Statt hier seinen Kram zu machen, wartet man aufs im Jenseits.
Man stirbt, und alles ist gut.
Was man hier nicht geregelt kriegt: halb so schlimm.
Im Jenseits klärt sich alles.
Da nehmen sich alle in den Arm, alle haben sich lieb.
Genau das glaub ich nicht.
Wenn Sie mit Ihrem Bruder was klären wollen, rufen Sie an, jetzt gleich.
Meine einzige Chance bei Merle ist nicht auf Lumbalumba, sondern hier.
Wenn ich das nicht hinkrieg, bevor ich sterbe ...
* Keuchen *
Schotty!
Ist was passiert? Ich werde sterben. Hä? Und du auch. Was?
Nicht jetzt, aber ... Bist du krank?
Nee, mir ist was klar geworden. Du bist nicht krank. Nein.
Jetzt hast du mich ...
Wir beide, wir gehören zusammen.
Das ist Bestimmung, alles andere ist einfach falsch.
Ich hatte immer Angst, dir das zu sagen, hab mich nicht getraut.
Aber ich hab von Anfang an gedacht, das wird eh nix mit uns.
Auf jeden Fall nix von Dauer, weil ...
Weil ich nicht gut genug bin.
Und du so toll ... Das ist nicht der richtige ...
Ja, das passt grad nicht, aber ich muss das jetzt sagen.
Vielleicht bin ich morgen ja schon tot.
Ich bin nicht krank, aber ich will mein Leben mit dir teilen.
Niemand weiß, wie viel Zeit uns bleibt.
Also jetzt ... Ja, dein Herzchirurg.
Der hat dir was zu bieten, der ist klug, der hat Kohle,
kennt Rotweine mit Fremdwörtern, das weiß ich doch alles.
Aber ich hab dir auch was zu bieten. Warte ...
Ich bring dich zum Lachen, lass dir Wasser in die Wanne,
mach dir Pfannkuchen mit Gesichtern.
Ich mach dir den Hasentanz.
Und, Merle, hier:
Ich hab immer ein zweites Taschentuch dabei.
Für den Fall, dass wir uns zufällig begegnen,
weil ich weiß, wie eklig du verrotzte Taschentücher findest.
Und guck mal, das ist ganz frisch und ähm ... Moin.
Das hab ich sogar gebügelt.
Es gibt nichts, was ich nicht tun würde, ich mach alles für dich.
Ich bau dir 'n Haus.
Ich mach dir 'n Kind, oder auch viele, wenn du willst.
Ich will mein Leben mit dir teilen.
Und nicht irgendwann, sondern ab heute, ab jetzt.
'ne Tasse Tee?
Nee, danke.
Kann funktionieren.
Das freut mich.
Hallo Angelika, hier ist Constanze.
Ich würde gern mit Konrad sprechen.
Copyright Untertitel: NDR 2015
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