All language subtitles for Der Tatortreiniger - S04E03 - Damit muss man rechnen.deu

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Original subtitles

Untertitel: Norddeutscher Rundfunk 2014

* (Radio) Der Überfall auf einen Elektromarkt in Hamburg ist vorbei. *

Moin.

* 2 Bewaffnete drangen kurz vor Ladenschluss in das Geschäft ein. *

* Sie erschossen den Verkäufer, als er fliehen wollte. *

* Die Kassiererin verständigte die Polizei. *

* Sie wurde auch niedergeschossen. *

* Bei einem Schusswechsel mit der Polizei ... *

Tschüss!

* ... wurden beide Täter getötet, ein Polizist wurde verletzt. *

* Der Zustand der Kassiererin ist kritisch. *

* Freude im Tierpark Hagenbeck. *

* Gleich 2 Babys brachte Elefantendame ... *

* Erschrecktes Keuchen *

Moin. Tag.

Hier, das ist auch alles voll.

Eigentlich hätte ich heute Nachmittag gearbeitet

statt Herrn Wichmayer.

Dann wäre das mein Blut, und ich wäre jetzt tot.

Bis gestern früh stand ich auf der Todesliste.

Nur weil ich gestern zufällig sah, dass ich viele Überstunden habe.

Sonst wäre ich jetzt tot und ...

Ach du liebe Güte, der Dampfgarer ist ja auch kaputt!

Stellen Sie den in die Ecke.

Alles, was beschädigt ist, da in die Ecke.

Bei Fragen wenden Sie sich an Herrn Neumann.

Der ist im Lager und holt Ware.

Ich muss los, hab wenig Zeit.

Bin nur hier, weil mich der Chef aus dem Urlaub angerufen hat.

Dass ich mich um dieses Chaos kümmere.

Die Polizei, die Reporter, die senden das auch im Fernsehen.

Fast wär ich erschossen worden, nun bin ich im Fernsehen.

Einen Schutzengel hatte ich. Daran glaube ich eigentlich nicht.

Da hat oben jemand für mich ein gutes Wort eingelegt.

Der hier ist ja auch kaputt.

Wobei es nur der Deckel ist. Den könnte man auch ersetzen.

Neu gekostet hat der 69,99.

Ich könnte Ihnen den für 25 Euro lassen.

Wenn Sie zufällig 'nen Dampfgarer ...? Nee, gerade nicht.

Ja, natürlich.

Entschuldigung, ich bin ein bisschen ...

Wenn ich eins weiß, dann, dass das hier kein Zufall war.

Da ist ein Schutzengel im Spiel.

Da hat wer da oben dafür gesorgt, dass ich den Überstundenplan lese.

Glauben Sie an Schutzengel?

Ja, nur schade, dass nicht jeder einen hat.

Ja, ich muss jetzt los.

Seit 3 Stunden bin ich hier. Zahlt mir niemand.

Wiedersehen.

Bei Fragen gehen Sie zu Herrn Neumann im Lager.

Hab ich ja schon gesagt.

Nicht zu fassen: Um ein Haar wäre ich erschossen worden.

Ich hätte tot sein können.

* Angewidertes Stöhnen *

* Entferntes Poltern *

* Leises Rattern *

'n Abend. 'n Abend.

Ganz schön heftig, oder? Das ist erst der Anfang.

Von was? Lang dauert's nicht mehr, dann ist hier Anarchie.

Haben Sie den gut gekannt? Man hat sich Guten Tag gesagt.

Aber so richtig gekannt? Nee.

Die meisten Verkäufer grüßen nicht, weil sie sich für besser halten.

Ich mache nur die Regale.

Aber der Herr Wichmayer hat immer nett gegrüßt

und auch mal gefragt, wie es geht.

Mehr weiß ich über den auch nicht.

Der ist wohl durch diesen Gang Richtung Notausgang gerannt.

Ja, das kann sein.

Die Panik.

Da handelt man widersinnig.

So widersinnig ist das nicht, dass man dann zum Notausgang will.

Wenn der Gegner 'ne Fernwaffe hat,

laufe ich nicht in Schusslinie vor dem her.

Sondern? Besser wäre es,

zu den großen Sachen zu fliehen und sich zu verstecken.

In so 'ner Gefriertruhe, oder was?

Eine Gefriertruhe könnte ein Schutzraum sein.

Aber dann bin ich erst recht in der Falle.

Dann braucht er nur eine nach der anderen aufzumachen

und hat mich auf jeden Fall.

Die Ruhe hat er ja nicht. Der macht maximal 2 Stichproben.

Bei 16 Truhen sind das immerhin 87 % Überlebenswahrscheinlichkeit.

Das rechne ich in Ruhe aus, während einer auf mich schießt?

Besser, man bereitet sich im Vorfeld auf Gefahrensituationen vor.

Die meisten wissen nicht mal, wo der Feuerlöscher ist.

Nehmen Sie das mit? Nee, natürlich nicht.

Wenn ich was Persönliches am Tatort finde,

wird das den Angehörigen überreicht.

Ach so, ja.

Möchten Sie es haben? Gerne.

Bitte.

Ich dachte, Sie waren nicht dicke mit ihm. Simmt.

Warum wollen Sie sein Namensschild? Wegen der Klammer.

Waah?

Da ist oben 'ne Klammer dran. Zur Befestigung.

Die knipse ich ab. Kann ich brauchen.

Die kriegt man nicht einzeln.

Ein ganzes Päckchen brauch ich nicht.

Der Begriff "Pietät" sagt Ihnen was? Ja, sagt mir was.

Das ist 'n Fremdwort.

Benutzen feine Leute, die mit Geld.

Wenn du einen Stundenlohn von 30 Euro hast,

kannst du dir Pietät leisten.

* Sprühgeräusch *

Da hinten liegt 'n Schuh von Frau Paliszinskia.

Keine Angst, den will ich nicht. Das wäre auch pervers.

Da bin ich aber froh, dass Sie das auch so sehen.

Im Radio sagen sie "kaum Überlebenschancen".

Kann man jetzt nur hoffen. Kommt drauf an.

Auf was? Ob sie bleibende Schäden hat.

Dann kann sie nicht mehr arbeiten, die Miete nicht zahlen,

sitzt im Rollstuhl, auf der Straße.

Familie ist in Polen, kann nicht helfen.

Haben selber nix.

Da hofft man ihr zuliebe nicht, dass sie noch mal aufwacht. Scheiße.

Tja, damit muss man rechnen.

Also, man kann damit rechnen, dass die U-Bahn Verspätung hat

oder dass das Navi weg ist, wenn man das im Auto liegen lässt.

Aber keiner geht zur Arbeit und denkt,

er wird von durchgeknallten Junkies überfallen.

Deshalb hat der Verbrecher leichtes Spiel.

Jeden Tag sieht man's im Fernsehen.

Aber jeder denkt, das passiert nur anderen.

Auf einmal ist man selbst in so einer Situation,

da ist die Überraschung groß.

Sind Sie mal überfallen worden? Nee. Passiert eben nicht ständig!

Aber man muss auf alles vorbereitet sein.

Auf so was kann man sich nicht vorbreiten.

Das passiert doch immer überraschend.

Was würden Sie machen, wenn ich plötzlich hier durchdrehe?

Wenn ich jetzt mir hier eine Waffe nehmen und Sie damit bedrohen würde?

* Schnelle, rhythmische Musik *

* Hecheln *

Nix für ungut, ich wollte Sie nicht erschrecken.

Sie haben 'ne Waffe! Ich bin vorbereitet.

Sie gehen bewaffnet zur Arbeit? Sicher.

Sie können nicht einfach ... Sie sagten, Sie ziehen 'ne Waffe!

Ich habe gesagt "wenn" und "würde". Konjunktiv.

Bei Bedrohung denk ich nicht an Grammatik.

Aber ist die Waffe denn ...? Dürfen Sie das über...?

Haben Sie 'nen Waffenschein? Brauch man nicht.

Das ist ein Pot-Rejector.

Waah? Reizgasmunition.

Hier, hochdosiertes Pfefferspray.

Das funktioniert auch auf weite Entfernung.

Und die Waffe schreckt natürlich ab. Ja, allerdings.

Finden Sie das nicht übertrieben?

Nee.

* Schotty keucht und stöhnt *

Aber ich.

Alter, boah.

Auch eins?

Danke schön.

Ist für später.

Olaf Neumann. Olaf reicht.

Hatte mal 'nen Hasen. Der hieß auch Olaf.

Und? Ich hätte lieber einen Hund gehabt.

Das tut mir leid. Ist lange her.

Heiko Schotte. Schotty reicht.

Boah, boah.

Ich überlege, ob ich mir 'ne gute Espressomaschine kaufen sollte.

Die hier ist ganz schön, ne? Die kostet ... Was kostet die?

1669,99.

Gut, hat sich erledigt.

Wer kauft denn 'ne Kaffeemaschine für 1700 Euro?

Die macht doch auch nur Kaffee.

Oder macht die noch was anderes? Meine Steuererklärung, oder was?

Eben.

Vergoldet ist sie auch nicht. Ist nur 'ne Espressomaschine.

Ich frage mich, wer so was kauft.

Das ist doch hier ein normaler Elektromarkt für normale Leute.

Normal ist hier nichts.

Da steht ein elektrischer Mülleimer für 600 Euro. Boah!

Den kann man in Raten zahlen. Die Leute kaufen wie verrückt.

Je sinnloser, desto mehr Geld geben sie aus.

Da kommt eines Tages der ganz große ...

Oh! So einen wollte ich schon immer.

169,99.

Ja gut, der ist aber auch echt toll, ne.

Eben hast du gefragt ... Das kannste nicht vergleichen!

Was ist der Nutzwert von ...? Der kann fliegen!

* Schotty imitiert Hubschrauber *

Eins, zwei ...

... drei, vier.

Man spart halt, wo man kann. Klar.

Du, der herrenlose Kasten Bier da hinten in der Ecke:

Kann das sein, dass das Bier schlecht ist?

Wieso schlecht? Weil es dann fachgerecht entsorgt werden müsste.

Was heißt das?

Dass ich tierisch Lust auf Bier habe.

Und ob ich mir eins nehmen kann.

Ich glaub, der Chef hatte Geburtstag.

Aber ich weiß es nicht. Bin bei so was nicht eingeladen.

Hier.

Nee, danke.

Ach, das guckt kein Mensch an.

Die haben ganz andere Sachen anzugucken.

Selbst wenn sie das sehen:

Wenn man sich hier die halbe Nacht um die Ohren haut

und nicht mal ein Bier trinken darf, sollen die mal schön selber putzen!

Wer macht denn hier die Scheiße wieder weg für alle?

Jetzt komm wieder her. Ich hab mich wieder.

Keine Angst, ich habe Geld dafür hinten hingelegt.

Danke. Nett von dir.

Soll ich aufmachen? Nee, danke.

Trinkst du kein Bier? Doch.

Ich trink's später.

Ich habe mir schon die Zähne geputzt.

Die Ausstellungsstücke werden eh nicht verkauft.

Und was ist mit den ...? Dafür steht der Wagen da.

Ach.

Arbeitest du schon lange hier? 6 Jahre.

Aber nicht mehr lange. Und dann?

Bricht eh alles zusammen. Dann gibt es hier eine Katastrophe.

Das hier IST schon 'ne Katastrophe.

Meinst du? Nix ist das. 3 Tote, eine Schwerverletzte.

Das juckt niemanden. Bitte?

Für die Angehörigen ist es natürlich eine Katastrophe.

Aber es bringt nichts aus dem Gleich...

...gewicht.

Um 9 stehen hier wieder Leute,

kaufen sich Espressomaschinen, Dampfbügeleisen, Computerquatsch.

Und den Hubschrauber. Den kaufe ich mir morgen früh.

Ich sage nur: Bereite dich auf eine große Katastrophe vor.

Nicht mit 3 Toten, sondern mit 30.000.

Dann wünschst du, du hättest dein Geld

für was Nützlicheres ausgegeben als 'nen Hubschrauber.

Was soll das für 'ne Katastrophe sein? Mit 30.000 Toten?

Krieg wär möglich.

Oder eine Naturkatastrophe. Oder ein Atomunfall.

Oder ein Angriff von Außerirdischen.

Auch damit muss man rechnen.

Ich tippe auf einen Terrorangriff.

Mit 30.000 Toten. Du guckst zu viel Fernsehen.

Es braucht nur wer das Wassersystem mit Viren anzugreifen.

Is nichts leichter als das, ne.

Lach nur.

Am 10. September hätten auch alle gelacht:

"Morgen werden Pentagon und World Trade Center angegriffen

und es gibt 3000 Tote."

Da hätten alle sehr gelacht.

Auch noch am 11., um 8.45 Uhr.

Eine Minute später lachte keiner mehr.

Das ist das Wesen einer Katastrophe: Dass man nicht damit rechnet.

Möglich ist alles.

Aber ich kann mir nicht dauernd 'nen Kopf machen, was passieren könnte.

Auf jeden Fall wird es ein Supergau. Ich lasse mich überraschen.

Die ersten Opfer sterben unmittelbar durch die Katastrophe.

Sie ertrinken, werden verschüttet oder vergiftet, je nachdem.

Die zweite Kategorie stirbt an den weiteren Folgen,

weil es keine medizinische Versorgung mehr gibt.

Die dritte Kategorie ... Jetzt hör mal auf damit!

Du denkst, dass ich ein Spinner bin, ne?

Schon gut, das bin ich gewohnt.

Was ist die dritte Kategorie?

Die sterben an weiteren Katastrophen der eigentlichen Katastrophe.

Seuchen oder Hunger oder so.

Man kann davon ausgehen,

dass das Wirtschaftssystem zusammenbricht.

Das spricht für den Mülleimer auf Pump.

Wenn die Katastrophe nach der ersten Rate ausbricht,

hätte man ein Schnäppchen gemacht.

* Lautes Gelächter vom Band *

* Gelächter verstummt *

Hier, das ist für JETZT und nicht für später.

Deswegen habe ich das gleich aufgemacht. Prost.

Wenn morgen die Katastrophe losgeht, wie lange überlebst du?

Kommt drauf an, was das für eine Katastrophe ist.

Kein Strom, kein Wasser. Banken geschlossen. Supermärkte zu.

Wie lange überlebst du in deiner Wohnung?

Vorausgesetzt, du hast noch eine.

Hast du Wasservorräte? Einschließlich Bier?

Bier und Wasser zusammengenommen so 20 Liter.

Aber danach würde ich nicht mehr Auto fahren.

Tankstellen sind eh nach 3 Stunden leer.

Es gibt die ersten Schlägereien um Bier ... Benzin!

Dann bleibe ich zu Hause.

Wie sieht es mit Essen aus?

2 Pizzas, 1,5 Päckchen Spaghetti, Dose Hackfleisch

und so 'n Sojamilch-Joghurt.

Hat 'ne Freundin bei mir vergessen.

Den kannst du abziehen - keine Katastrophe ist so schrecklich,

dass ich Soja-Joghurt esse. Glaub mal, den würdste essen.

Kategorie 3. Kannst maximal eine Woche überleben.

Was ist Kategorie 4? Die, die sich vorbereitet haben.

Die werden überleben.

Aber wenn das so schlimm wird, wie du sagst,

wie soll man sich vorbereiten?

Sauberes Wasser ist das Allerwichtigste.

Besorg dir Entkeimungstabletten oder eine Wiederaufbereitungsanlage.

Du hast so was. Sicher!

Und wenn's kein Wasser mehr gibt, um das aufzubereiten?

Deswegen ist ein eigener Zugang zum Grundwasser sinnvoll.

So schnell, wie es geht.

Die Katastrophe kann jeden Moment da sein.

Dann ist es zu spät, sich zu überlegen:

"Jetzt wär es gut, einen eigenen Brunnen zu haben.

Leider habe ich mein Geld für 'ne Espressomaschine ausgegeben."

Lass den Leuten ihre Espressomaschine.

Neidisch, weil du dir keine leisten kannst? Ich? Neidisch? Ja.

Auf eine Espressomaschine?

Kann jeder mit seinem Geld machen, was er will.

Eben, dann sag auch nix. Ich sage auch nix.

Aber einige werden bereuen,

Geld in Unsinn investiert zu haben anstatt in Sicherheit.

Oder auch nicht.

Dein Brunnen kann auch bei der ersten Katastrophe

verschüttet oder vergiftet werden.

Dann stehst du davor und sagst:

"Scheiße, hätte ich die Espressomaschine gekauft.

Dann hätte ich jeden Morgen geilen Kaffee getrunken."

Man muss sich auch darauf vorbereiten.

Dafür habe ich mobile Wasservorräte.

Wasserflaschen? 1000 Liter.

Du hast 1000 Flaschen Wasser zu Hause? 200.

Sind 5-Liter-Behälter.

Wo hast du die? Im Keller, oder was?

Das möchtest du gerne wissen.

Ja, nee. Interessiert mich einfach.

Weil das nach einem Bunker klingt. Das IST 'n Bunker.

Echt jetzt? Ja sicher.

Hör auf.

Du hast dir einen Bunker gebaut? Wo? Im Wald?

Wenn die Katastrophe kommt - ich bin vorbereitet.

Auch noch eins? Ja.

Hast du einen Weltempfänger? Nee.

Ganz wichtig. Sonst kommst du nicht an Informationen.

Am besten einen mit Kurbelgenerator.

Aber wenn die Krise länger dauert?

Du kannst nicht Essen für 3 Jahre bunkern.

Jetzt habe ich Essen für 4 Jahre.

Ich will für 5 Jahre Krise ausgerüstet sein.

5 Jahre? Das wird doch alles schlecht!

Nicht, wenn man weiß, wie es geht. Man muss sich damit beschäftigen.

Für 4 Jahre Krise bin ich vorbereitet.

Wasser, Essen, Gas, Kleidung, Decken, Schlafsack, Sturmfeuerzeug.

Was man halt so braucht.

Entschuldigung, aber das ist nicht zufällig ...

PB-5.

Wie wirkt das? Man wird satt davon.

Ach so, das ist was zu essen.

Mit 5 Riegeln kannst du einen Tag überleben, hält 25 Jahre.

Schmeckt das? Keine Ahnung.

Du hast 'nen Bunker davon und keine Ahnung, wie's schmeckt?

Ich will es nicht verschwenden.

Entschuldigung, das Zeug ist doch teuer, oder?

Ich will nicht indiskret sein, aber verdienst du so viel?

820 Euro.

Ich bin eben sparsam.

Lieber schränke ich mich jetzt ein.

Wenn die Katastrophe da ist, alles zusammenbricht, alle in Panik sind,

wird über mich eine ganz große Ruhe kommen.

Dann nehme ich meinen Rucksack und gehe zu meinem Bunker.

Wenn ich die Tür aufsperre und von Weitem das Inferno toben höre,

bin ich auf niemanden neidisch, der so 'ne Expresso-Maschine hat.

Der Bunker ist nur für dich alleine oder noch für ...? Nur für mich.

Wenn ich einen Bunker bauen würde,

würde ich das mit meinen Kumpels machen.

Ich habe oft genug mit anderen gerechnet.

Dann hätten wir einen Extra-Raum für Billard, Poker und Tischfußball.

6 Wochen vor der Hochzeit ist sie abgehauen.

In der Mitte hätten wir einen Schwenkgrill.

Da würden morgens schon die Schnitzel draufschmeißen.

Welche Schnitzel?

Am liebsten die von der Tanke, die vormariniert sind.

Ach so, ja.

Stimmt.

Dann hatte ich eine Speditionsfirma mit meinem Freund Kurt.

Rat ma, wer da sein Geld reingesteckt hat.

Und rat ma, wer in die eigene Tasche gewirtschaftet

und sich ins Ausland abgesetzt hat.

Ich mache keine Pläne mehr mit anderen.

Aber 4 Jahre allein im Bunker?

Was machst du die ganze Zeit? Kreuzworträtsel?

Tagsüber bin ich unterwegs.

Aha. Für ... ? Geschäfte.

Ich hab nicht nur für den Eigenbedarf vorgesorgt,

sondern auch Tauschwährung angeschafft.

Fahrradanhänger z.B. Braucht jeder in der Krise.

Fahrräder auch, haben aber die meisten.

Die wenigsten haben Anhänger, um Habseligkeiten zu transportieren.

Habe ich nie drüber nachgedacht. Aber ich.

Dann, Herr Bröhme, behandeln Sie mich nicht mehr wie Hundescheiße.

Was glaubst du, wie höflich der zu mir ist,

wenn ich dem einen Fahrradanhänger oder eine Dose Thunfisch anbiete?

Die Füße küsst der mir.

Das hättest du gerne, dass der dir die Füße küsst?

Ja, vielleicht.

Ich will seinen Porsche - für 'ne Dose Thunfisch.

Den kannst du auch nicht fahren, wenn's kein Benzin gibt.

Nee, aber später. Nach der Krise.

Dann kaufe ich mir eine Villa in Alsterdorf

für einen Sack Getreide und ein Kilo PB-5.

Angenommen, du hast recht mit der Krise und der Katastrophe.

Möglicherweise wirst du sogar reich mit deinen Eiweißriegeln.

Stört dich das nicht, wenn du weißt,

dein Wohlstand ist auf der Not von anderen aufgebaut?

Das ist doch Erpressung.

Nee.

Das ist, wenn ich dir den Revolver an die Stirn halte und sage:

"Gib mir dein Geld."

"Ich habe was, was du dringend brauchst, was zahlst du?"

Das ist ein Geschäft.

Doch, das ist schon anders.

Jetzt kannst du frei entscheiden, ob du dich drauf einlässt.

Wenn du verhungerst und dir jemand Thunfisch anbietet,

kannst du nicht mehr frei entscheiden.

Dann musst du es machen.

Und warum arbeite ich für 820 Euro?

Weil ich mich frei dazu entschieden habe?

Warum dürfen die mir so ein Drecksgehalt zahlen?

Ich kann doch nicht anders. Ich habe keine Wahl.

Wenn mir jemand seine Villa für einen Sack Getreide verkauft,

ist er selber schuld - der hätte vorsorgen können.

Kategorie 5, das sind die Sieger.

Außer es kommt keine Katastrophe.

Dann wärst du aber angeschissen, oder?

Die Katastrophe kommt auf jeden Fall.

Vielleicht ist jetzt schon was im Gange.

Über uns oder unter uns.

Ausschließen kann man's nicht.

Aber eins hast du in deiner Rechnung vergessen.

Was denn? Den Hubschrauber.

Wenn das hier morgen früh wirklich zu der Katastrophe kommt,

gehöre ich auf jeden Fall zur ersten Kategorie.

Deswegen muss ich den heute unbedingt fliegen lassen.

Sonst ist es vielleicht zu spät. Das würde mich echt ärgern.

* Motorengeräusch *

* Schnelle Musik *

Bin jetzt fertig. Ich gehe jetzt.

Ja, ich habe hier auch nicht mehr so viel.

Den schenk ich dir.

Danke.

Jetzt habe ich einen klitzekleinen Notvorrat.

Ja.

Eiskalt kann die Katastrophe mich schon nicht mehr erwischen. Ja.

Pass auf dich auf. Du auch.

Tschüss.

Mach's gut.

Olaf.

* (Radio) ... als die Täter das Feuer auf 2 Angestellte *

* des Elektromarktes eröffneten. *

* Ein Verkäufer starb am Tatort, *

* die Kassiererin erlag am Abend ihren Verletzungen. *

* Musik *

Copyright Untertitel: NDR 2014

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