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Adlerblick, Sir Richard!
Was hat er gesagt? - Der Adlerblick.
Hier hat man den ersten Blick auf Fordyke. - Das muss ich sehen.
Da drüben, links, zwischen den Bäumen.
Wie wunderschön.
Wie seh ich aus? - Sehr schön, was für eine Frage.
Schmeichler.
Wie kann man nach zwei Tagen auf staubigen Straßen noch gut aussehen?
Sie sind wunderschön, mein Liebling. - In Ihren Augen.
Aber da sind andere Augen.
Ihr Vater möchte seine neue Schwiegertochter kennenlernen,
er könnte da kritischer sein.
Er wird Sie genau so lieben, wie ich es tue.
Nicht ganz, Sir. Nicht ganz.
Das ist Sir Richard. Er kommt zurück.
Als ob das ein Grund wäre, in den Straßen zu singen.
Was wirst du ihm sagen?
So wenig, wie möglich. Diese Ausgeburt des Teufels.
Er braucht meine Gäule, um den Berg rauf zu kommen.
Lauf und scher sie zusammen.
Hallo Black John. - Hallo Tom.
Sieht aus, als hättest du das Lachen verlernt.
Jetzt waren wir Monate weg und das erste Gesicht,
das man sieht, ist schwarz wie eine Gewitterwolke.
Kann schon sein. Muss mich um die Pferde kümmern.
Nun, Black John, du freust dich sicher, dass ich wieder in Foredyke bin.
Schon möglich.
Schon möglich? Was soll das heißen?
Es gibt Leute, die behaupten, dass Sie nie weg waren.
Schirr schon die Pferde an und halt keine Maulaffen feil.
Schmid, komm wieder her und erklär dich mir gegenüber!
Schmid!
Ungehobelter Klotz!
Richard?
Ich hoffe, hier benehmen sich nicht alle Leute so wie er.
Ganz bestimmt nicht, mein Liebling.
Er scheint irgendwelche Sorgen zu haben.
Na, das werde ich schnell herausbekommen.
Bist du blöd?
Er kommt mit seiner neuen Frau an und du behandelst ihn,
als ob er der Teufel selber wäre.
Vielleicht ist er es. - Was ist denn hier los?
Ich habe jetzt keine Zeit für lange Reden.
Aber da ist doch irgendwas. - Ja.
Vergewaltigung und Mord.
Was redest du da?
Red ein bisschen leiser.
Und wenn schon, was hat das mit Sir Richard zu tun?
Du bist nicht der Erste, der das fragt.
Ich weiß bloß das, bevor sie krepieren musste,
da hat Lucy Judd seinen Namen geschrien.
Alles andere wirst du noch zu hören bekommen.
Die Pferde werden angespannt, Black John.
Tom!
Tom! - Ja, Sir.
Bist du so weit?
Es kann weitergehen. - Gut.
Da stimmt doch etwas nicht, Richard.
Ich hab keine Ahnung.
Aber das werde ich ja von Seymour erfahren, unserem Verwalter.
Ich hoffe, es hat nichts mit Ihrem Vater zu tun.
Ich freue mich ja so, Sir Giles endlich kennenzulernen.
Ich wünschte mir, Sie hätten ihn vorher kennengelernt, vor diesem Schlaganfall.
Er war ein prächtiger Mensch, vital, geistvoll...
Jetzt ist er so gut wie gelähmt, an den Rollstuhl gefesselt, der Sprache beraubt.
Er ist nur noch ein Schatten des Menschen von einst.
Ach ja, da wären übrigens noch seine Zeichen...
Seine Zeichen?
Ja, wissen Sie, er spricht mit seinen Händen.
Mittels Zeichen.
Das ist eine Erfindung der Franzosen, man lehrt sie jetzt schon in Edinburgh.
Und Sie verstehen seine Zeichen? - Nein, dass erfordert lange Übung.
Diana beherrscht sie, sie war mit meinem Vater in Edinburgh.
Diana, Sie meinen die Schwester Ihrer ersten Frau?
Ja.
Ich weiß, sie steht Ihrem Vater sehr Nahe.
Ich kann nur hoffen, dass sie mich als Freundin ansieht und liebenswürdig ist.
Warum sollte sie nicht?
Der Tod ihrer Schwester liegt schon über 5 Jahre zurück.
Es hat den Anschein, als würde sich Diana auf Fordyke wohlfühlen.
Dann seh ich da keine Probleme.
Ah, Harris. Das erste fröhliche Gesicht.
Willkommen daheim, Sir Richard.
Meine Liebe, dass ist Harris, mein Butler.
Seymour!
Jetzt weiß ich, ich bin daheim.
Willkommen, Sir Richard.
Weshalb auf einmal so förmlich?
Als ich ging, sagten Sie noch Richard zu mir.
Und ich bin als Richard wiedergekommen.
Seymour, das ist meine Frau, Lady Elisabeth.
Willkommen auf Fordyke, My Lady. - Es ist mir eine Freude, Seymour.
Lassen Sie sich von seiner leichenbitteren Miene nicht täuschen, Elisabeth,
er ist zuweilen ein ganz lustiger Bursche.
Ich habe ihn immer am liebsten bei einem Glas Wein,
aber wenn er mit seiner Buchführung kommt, dann sieht es anders aus.
Aber Gott weiß, was für Probleme er mir damit vom Leibe hält.
Sir Richard schmeichelt mir, My Lady. In beiden Fällen.
Was höre ich da? Mein Mann und ein Schmeichler, das ist mir neu.
Oh, hat man dafür Worte, Seymour?
Dabei ist die Lady kaum im Haus.
Kommen Sie. Begrüßen Sie Ihre Dienerschaft.
Das ist Thomas, My Lady.
Henry.
Tom.
Kate.
Und Mary, My Lady.
Ergebenste Dienerin, My Lady. - Geht.
Vater. Ich bin wieder daheim.
Vater, das ist Elisabeth.
Ich hoffe, es geht dir gut, Diana.
Willkommen daheim, Richard.
Elisabeth, erlauben Sie mir, dass ich Ihnen Diana vorstelle.
Willkommen auf Fordyke.
Danke.
Auch Sir Giles heißt Sie willkommen.
Er sagt, dass Sie sehr hübsch sind.
Er wünscht Ihnen alles Glück...
und ein langes Leben auf Fordyke.
Und er wünscht Ihnen viele Babys.
Danke, Sir Giles.
Diana, würdest du Elisabeth unsere Zimmer zeigen?
Ich bringe Vater in die Bibliothek. - Aber natürlich.
Elisabeth.
Auf ein Wort, Seymour. Bring uns Wein, Harris.
Ich mach das schon, Thomas.
Ist irgendetwas nicht in Ordnung, Seymour?
Wieso? Ihre Geschäfte gehen ganz vorzüglich.
Seymour! Ich bin nicht blind. - Worauf wollen Sie hinaus?
Ich habe den Schmid getroffen,
er verhielt sich mir gegenüber, als sei ich ein Aussätziger.
Er sprach nur mit größtem Widerwillen mit mir.
Ah, ja... Natürlich, ich bitte um Entschuldigung, aber...
damit sollten Sie sich nicht belasten.
Danke, Harris, wir helfen uns selbst.
Richard, im Moment laufen hier Gerüchte um,
man sagt dass... - Was sagt man, Seymour?
Nun ja, die dumme Sache mit der Kleinen. - Welcher Kleinen?
Lucy Judd. - Lucy Judd?
Die Tochter eines Ihrer Hirten.
Aha, und?
Man hat sie ermordet. - Ermordet?
Man hat sie vergewaltigt. Sie sah furchtbar aus.
Hat man den Täter gefasst? - Nein.
Aber ihr habt die Gegend abgesucht und alle Fremden verhört?
Aber natürlich, wir haben bis zum übernächsten Tag gesucht,
aber es war kein Fremder weit und breit.
Nicht ein einziger.
Widerwärtig, das ausgerechnet hier so etwas passieren muss.
Hier, Vater.
Sind Sie bei Lucys Vater gewesen?
Natürlich Richard und ich habe auch die Beerdigung bezahlt.
Gut.
Seymour, ich möchte nicht, dass meine Frau die Geschichte erfährt.
Jedenfalls nicht heute. In den ersten Stunden in ihrem neuen Heim.
Nein, natürlich nicht.
Da wäre noch etwas, Richard. - Was?
Das Mädchen war noch nicht tot, als man es fand und...
es sprach von Ihnen.
Lucy Judd?
Ich habe das Mädchen kaum gekannt. Was hat sie gesagt?
Eigentlich nur Ihren Namen, Sir Richard.
Und deshalb behandelt mich der Schmid wie einen gemeinen Verbrecher?
Wann ist denn das passiert? - Vor zwei Tagen.
Aber vor zwei Tagen war ich Hunderte Meilen weg. - Ich weiß das, aber...
die Leute hier sind keine Rechenkünstler.
Sie wissen ja selbst, was in ihren Köpfen spuckt.
Sie glauben noch an Hexen und an den Teufel.
Hexerei, sind die verrückt?
Sie wissen doch selbst, wie abergläubig die einfachen Leute noch sind.
In ihrer momentanen Stimmung ist jede vernünftige Erklärung zwecklos.
Diana, glaubst du, Elisabeth wird sich in ihren Räumen wohlfühlen?
Ich denke schon, Richard. Sie bittet, dass du bald zu ihr gehst.
Das werde ich.
Was möchte mir Vater mit dieser Geste sagen?
Er möchte, dass man ihn in den Garten fährt.
Wir sehen uns ja dann beim Diner. - Sicher.
Wir reden über diese Geschichte ein anderes Mal weiter.
Wie Sie wünschen, Richard.
Bist du Mary oder Kate? - Kate, My Lady.
Dann bist du also Mary? - Ja, My Lady.
Das ist für dich, Mary. Kate, das ist für dich.
Oh, vielen Dank, My Lady.
Aber die ist doch für alle Tage viel zu schade.
Heb sie doch für die Hochzeit auf.
Sieh an, dann bist du also eine Braut.
Das ist noch gar nicht so sicher.
Kate hätte das nicht sagen sollen.
Da seine Lordschaft in London war, konnte Brian noch nicht um Eheerlaubnis bitten.
Wäre es nicht möglich, dass Sie vielleicht mit ihm sprechen?
Mit seiner Lordschaft, meine ich.
Wer ist dieser Brian?
Er arbeitet im Dorf, beim Schmid.
Nun, wie gefällt Ihnen Ihr Zimmer?
Es ist anheimelnd und freundlich.
Ich fühle mich schon wie zu Hause.
Und haben Sie mit Diana schon Freundschaft geschlossen?
Natürlich, ich habe sie gleich gemocht.
Sie will mir sogar die Zeichensprache Ihres Vaters beibringen.
Mary, Kate...
Ihr könnt jetzt gehen.
Ihr könnt weitermachen, während wir speisen.
Richard, wirklich, ich... - Was ist denn, meine Liebe?
Sie überraschen mich.
Sie jagen die Mädchen hinaus wie ein ungestümer Bräutigam.
Aber Sie haben etwas übersehen, Madame...
Und was wäre das?
Dass ich es bin.
Was sagt Vater, Diana?
Er sagt, dass der Name Elisabeth in die Familienbibel eingetragen werden muss.
Sie sind so ungeduldig, Vater.
Aber ich werde daran denken.
Elisabeth wird bald in der Familienbibel stehen.
Elisabeth und ich hoffen, dass wir bald einen kleinen Giles dazuschreiben können.
Was ist das, mein Liebes?
Ich weiß es nicht, es sieht aus wie Latein. Können Sie es lesen?
Warum läuft er hinaus?
Da steht:
Semper honos nomenque tuum laudesque manebunt.
Die ersten Wörter kenne ich aus dem Wappen der Fordykes.
Diese Wörter sind aus dem Vers entnommen, dem der Wahlspruch der zugrunde liegt.
Er lautet: "Eure Ehre...
euer Name und euer Ruhm werden ohne Ende sein."
Aber weshalb hat Richard dann so reagiert?
Warum fragen Sie ihn nicht?
Bitte entschuldigen Sie mich.
Richard...
Richard...
Weshalb sind Sie so abrupt hinausgestürmt?
Diese Zeile... Sie wissen, was sie besagt?
Diana übersetzte sie. Es ist der Wahlspruch Ihrer Familie, es gibt keinen Grund...
Dianas Schwester hat sich wegen dieses Spruches das Leben genommen.
Sie hat sich das Leben genommen, wegen eines lateinischen Spruchs?
Eure Ehre, euer Name,
euer Ruhm werden ohne Ende sein.
Ja, deshalb hat sie sich umgebracht.
Ich bin meines Vaters einziger Sohn.
Als ich Anne heiratete, wollte er einen Nachkommen.
Er hatte Angst, die Fordykes würden mit mir aussterben.
Anne konnte ihm keinen Enkel schenken.
Und überall war dieser lateinische Spruch.
Ständige Ermahnungen. Ständiger Vorwurf.
Anne bekam Zustände.
Sie dachte, mein Vater hasse sie.
Sie dachte, ich hasse sie.
Sie hat sich das Leben genommen.
Sie lief auf den zweiten Stock und stürzte sich aus dem Fenster dieses Hauses.
Mein armer Liebling...
Dieser Zettel war also keine Begrüßung für mich.
Er war eine Warnung.
Aber von wem? Von Ihrem Vater?
Seine Hände halten nicht mal eine Feder.
Als wir Annes Leichen fanden...
hielt sie einen Zettel fest in Ihrer Hand.
Darauf stand unser Wahlspruch.
Semper honos nomenque tuum laudesque manebunt.
Jemand hat sich den Spaß gemacht,
Ihre erstes Mahl in diesem Haus mit dem Gespenst der Erinnerung
an einen Selbstmord zu verschönen.
Aber wer kommt auf so eine Idee?
Ich weiß es nicht.
Kommen Sie.
Sie haben eine weite Reise hinter sich.
Morgen werden wir beide einsehen,
dass wir dem Zettel zu viel Bedeutung beigemessen haben.
Gute Nacht, Vater.
Gute Nacht, Sir Giles.
Wer bringt Ihren Vater zu Bett?
Niemand. Sie machen ihm das Bett im Rollstuhl zurecht.
Er verlässt ihn nie. - Nein.
Er trägt schwer an seiner Hilflosigkeit.
Sir Charles Fordyke...
Sir Giles Fordyke...
Sir Charles... Sir Giles...
Alle Ihre Vorfahren hießen entweder Charles oder Giles.
Das gehört zu den Traditionen der Fordykes.
Seit Generationen erhält der Erstgeborene den Namen des Großvaters.
Aber wieso hat Ihr Vater Sie dann Richard genannt?
Ich habe mir oft darüber Gedanken gemacht,
dabei war mein Vater immer so versessen auf Tradition.
Ich bin tatsächlich der Erste der Familie, der nicht Charles oder Giles heißt.
Nun ja, dafür sind Sie der Erste, der Sir Richard heißt. Das ist doch auch etwas.
Mein Liebling...
Es ist schon gut, mein Liebes.
Schlaf ruhig weiter.
Wo willst du hin? - Irgendwo schlägt ein Fenster.
Ich mach es lieber zu.
Nein...
Ist da etwas?
Es ist fort...
Richard, was ist?
Für einen Moment glaubte ich, es wäre jemand im Garten.
Einer deiner Leute?
Nein, es schien eine Frau zu sein...
Eine Frau in Weiß...
Es war sicher eine der Statuen.
Es war keine Statue.
Es hat sich bewegt.
Es sah mich an.
Für einen Moment sah die Gestalt wie... Anne aus.
Du bist noch halb im Schlaf.
Das Licht hat dir etwas vorgegaukelt.
Ja, vielleicht...
Und jetzt mach das Fenster zu und komm wieder ins Bett.
Weißt du, was das für ein Fenster ist?
Es ist das, aus dem Anne damals sprang.
Aber das ist doch ganz einfach.
Du hast an sie gedacht und in deinem halb verschlafenen Zustand...
Aber nein, ich war hellwach.
Aber Richard...
Es tut mir leid.
Ich geh und mach das Fenster zu.
Harris?
Warum bist du hier?
Ich wollte das Fenster schließen, Sir.
Warum hast du das nicht schon früher gemacht?
Es war zu, Sir.
Halt mich doch nicht zum Narren!
Wenn es zu war, warum bist du dann hier?
Ich bin jede Nacht hier, immer zur gleichen Zeit.
Jede Nacht, was soll das bedeuten?
Seit Sie nach London gegangen sind, springt dieses Fenster jede Nacht auf,
egal ob draußen Wind ist, oder nicht. Also komm ich und mach es zu.
Es ist My Ladys Fenster, Sir.
My Lady schläft in meinem Schlafzimmer. Das solltest du nicht vergessen.
Natürlich, Sir. Ich bitte um Vergebung.
Lass morgen früh Handwerker kommen.
Sie sollen das Fenster verschließen. Und zwar für immer.
Sehr wohl, Sir Richard.
Als ob das was nützen würde...
Du kleiner Teufel!
Ich hatte dich gewarnt. - Und ich, ich hatte dich gewarnt.
Und dafür gibt es nur eine Strafe!
Das weiß ich jetzt, du bist mehr als ein Teufel.
Natürlich, ich bin richtig aus Fleisch und Blut.
Ich muss jetzt ins Haus. - Aber doch jetzt noch nicht.
Sein nicht so bockig, für dich ist jetzt auch Zeit.
Und morgen, morgen komm ich herauf
und hol mir die Heiratserlaubnis. Meinst du, seine Lordschaft wird Ja sagen?
Wir haben jetzt einen guten Freund, meine neue Herrin.
Sie hat mir etwas geschenkt, das ist ein gutes Omen.
Fordyke hat ein gutes Omen dringend nötig.
Auf alle Fälle ist sie sehr nett.
Ich bin richtig neidig auf Sir Richard.
Was? Also gut...
Dann sag ich dir hiermit, dass ich Sir Richard schon lange anhimmele.
Hat er sich je an dich rangemacht?
Aber ich habe dich doch nur necken wollen, wie du mich neckst.
Das ist nicht dasselbe!
Er ist hier der Herr und die Herren machen mit den Mädchen, was sie wollen.
Du weißt doch, was man sich alles über ihn erzählt.
Was geht es mich an, was die Leute reden.
Mich interessiert nur, dass du endlich Sir Richard um die Heiratserlaubnis bittest,
alles andere ist mir egal.
Brian, wirst du auch gut zu mir sein, wenn wir erst mal verheiratet sind?
Ich friere manchmal nachts so sehr.
Ich werde dich schon wärmen...
Ich bin froh, wenn ich aus Fordyke weg bin.
Komm schon, gib mir...
Jetzt muss ich aber wirklich ins Haus.
Du hast es gut, du wohnst hier,
aber ich muss noch runter ins Dorf.
Und ich muss zwei Stunden früher raus als du.
Also sei lieb und geh.
Sonst verschläfst du noch und vergisst, um die Heiratserlaubnis zu bitten.
Ich bring dich noch an die Tür. - Kommt nicht in Frage.
Sei doch nicht so!
Hör auf, was soll der Unsinn?
Also gut, bis morgen.
Ja, bis morgen.
Waren Sie etwa schon die ganze Zeit nebenan, Sir?
Hol noch eine Leiter, im Stall sind bestimmt welche.
Die Handwerker, hast du sie wegen des Fensters kommen lassen?
Ja, der Rahmen war morsch und wollte nicht, dass du nachts noch mal geweckt wirst.
Das ist aber nicht das Pferd, um das ich gebeten hatte.
Nein, Sir.
Ich dachte, ich lasse Prince lieber im Stall.
Weshalb, Regges?
Na ja, ich dachte... - Egal, was du gedacht hast,
ich wünsche Prince zu reiten.
Aber er ist völlig abgeschwitzt, Sir. Entkräftet.
Entkräftet?
Nun ja, er ist heute Nacht geritten worden, Sir.
Wer reitet ohne meine Erlaubnis meine Pferde?
Na ja, die Lady, Sir. - Welche Lady?
Das weiß ich nicht, Sir. Ich hab sie nie gesehen.
Unglaublich! Hast du gehört, was dieser Mann behauptet?
Richard, bitte...
Ich werde doch wohl eine Erklärung verlangen dürfen?
Aber natürlich Sir. Sie sollen Ihre Erklärung haben.
Aber lassen wir uns doch nicht den wunderschönen Morgen verderben.
Sie haben recht. Verzeihung.
Wir sprechen noch darüber, Regges. - Ja, Sir.
Ich bitte um Verzeihung, Sir,
aber Jenkins wartet hinten bei den Ställen auf Sie.
Jenkins?
Er hat den neuen Sattel gebracht, den Sie bestellt haben.
Ich habe keinen neuen Sattel bestellt.
Das habe ich ihm schon gesagt, Sir.
Wann soll ich ihn denn bestellt haben?
Vor einem Monat, in Tibberton.
Der Mann ist ein Narr, die letzten Monate war ich Hunderte Meilen von Tibberton weg,
das weiß jeder.
Das habe ich ihm auch gesagt, Sir.
Trotzdem behauptet er, Sie hätten ihn persönlich bestellt.
Dann sag ihm, dass er einem Schwindler aufgesessen ist,
dass er das schöne Leder für nichts verschwendet hat.
Das würde ich, wenn es nicht Jenkins wäre.
Was macht das für einen Unterschied?
Er war Stallbursche auf Fordyke.
Er kennt Sie von Kindesbeinen an.
Dann sollte er auch wissen, dass ich die letzten Monate nicht in Tibberton war.
Aber er schwört, dass Sie es waren.
Das möchte ich ihn selber fragen.
Schönen guten Morgen, Sir Richard.
Also, Jenkins, Sie erkennen mich.
Sie sind nicht zu verwechseln, Sir.
Ein staatlicher Mann, ganz wie all die Fordykes vor Ihnen.
Was ist das nun mit diesem Sattel?
Den hab ich hier, Sir. Auf die Minute pünktlich fertig geworden.
Es ist die schönste Arbeit, die ich je gemacht habe.
Sie haben mir ja auch ein sehr schönes Stück Leder gegeben.
Damit konnte ich natürlich schon was anfangen.
Jenkins, du bist nicht bei Sinnen!
Wie kannst du behaupten, dass ich dieses Leder gegeben habe?
Aber wie könnte das eine Behauptung sein?
Ich habe Ihnen doch für die Ausführung eine Zeichnung gemacht.
Das haben Sie doch nicht vergessen, Sir?
Wir haben alle Einzelheiten besprochen.
Das ist doch alles bloß ein Hirngespinst!
Die letzten drei Monate war ich in London
und das erste Mal habe ich von diesem Sattel vor zwei Minuten gehört!
Ich bitte um Verzeihung, Sir, aber Sie waren bei mir.
Sir Richard, ich bin nicht reich.
Ohne Auftrag würde ich mit so einer kostspieligen Arbeit nicht anfangen.
Du bezichtigst mich also, ein Lügner zu sein?
Nein, Sir, nein, Sir Richard, nein.
Aber ich kann mich doch selber nicht auch für einen Lügner halten?
Sir, ich habe so lange darauf gewartet, von Ihnen einen Auftrag zu bekommen.
Eben noch habe ich Regges einen Schilling gegeben,
damit er an mich denkt, wenn Sie wieder Sattelzeug brauchen.
Das stimmt, Sir.
Der Mann kommt sicher von weit her, Richard.
Sehen Sie sich wenigstens den Sattel an, auch wenn es ein Missverständnis ist.
Tja, das ist wirklich eine außergewöhnlich gute Arbeit, Jenkins, in der Tat.
Ein Damensattel.
Würden Sie ihn als Geschenk annehmen?
Was soll das? Warum zum Teufel haben Sie das getan?
Elisabeth!
Was stehst du da, gib ihn her!
Er ist genau so, wie Sie ihn habe wollten, Sir.
Selbst die Form der Buchstaben ist...
Ich verfluche dich, Jenkins! Ich verfluche dich!
Aber, Sir Richard, ich...
Elisabeth! - Ich möchte nicht mehr darüber reden!
Sie haben mich damit geschlagen, Madame!
Ich werde darüber reden!
Dafür bitte ich um Verzeihung, es war sehr dumm.
Aber ich war ja so maßlos aufgebracht!
Bevor wir heirateten, haben Sie mir von Ihrer früheren Frau
und ihrem tragischen Ende erzählt.
Sag die Wahrheit, Richard: Ist sie tot?
Was zum Teufel meinen Sie?
Hier stimmt doch irgendetwas nicht.
Ich habe erst nicht darauf geachtet,
aber hier geschehen unverständliche Dinge.
Selbst du bist plötzlich ein Anderer.
Du bist nicht mehr der, den ich geheiratet habe, Richard!
Elisabeth, wie kannst du das sagen?
Ich werde alles schnell aufklären. - Wie?
Was kannst du getan haben, dass man dich so hasst?
Ich weiß es nicht.
Aber ich kriege es heraus, das schwör ich dir!
Den nichts und niemand...
könnte mir so kostbar sein, wie du.
Was Jenkins angeht, er ist ein Verrückter.
Ich halte ihn nicht für verrückt.
Er ist überzeugt von dem, was er gesagt hat.
Aber wie kann er das?
Wie kann er glauben, mit mir geredet zu haben, als wie in London waren?
Er ist trotzdem nicht verrückt,
Du glaubst also diesem Jenkins?
Aber nein.
Aber irgendwie geschieht hier eine entsetzliche Teufelei!
Elisabeth, bitte, glaub mir...
falls in diesem Haus eine Teufelei geschieht,
werde ich sie aufdecken.
Ich werde nicht zulassen, dass sich etwas zwischen uns drängt.
Denn das kann es gar nicht...
wenn wir einander vertrauen.
Es tut mir leid, Richard. Verzeih mir.
Colonel Wentworth ist hier, Sir. - Ach, tatsächlich?
Also gut, ich lasse bitten.
John Wentworth befehligt die Bürgerwehr.
Mein lieber Wentworth. - Richard.
Elisabeth, wir heißen so eben unseren ersten Gast willkommen: Colonel Wentworth.
Colonel Wentworth. - Lady Elisabeth, meine Verehrung.
Geben Sie uns privat die Ehre, John, oder besuchen Sie uns in dienstlicher Mission?
Wenn Sie mich jetzt entschuldigen wollen? - Aber natürlich, My Lady.
Also John, was gibt's?
Eine fatale Sache, Richard. - Militärischer Art?
Nein, ich spreche als Gerichtsbeamter.
Höchster Gerichtsbeamter bin ich,
also habe ich ein Recht darauf, zu erfahren, was vorliegt.
Sie waren nicht da, Richard.
Als ich hörte, dass Sie wieder zurück sind, bin ich sofort hergeeilt,
Sie können mir keine Säumigkeit vorwerfen. - Ich bitte Sie.
Also, was führt Sie nun hier her?
Sie haben gehört, was mit Lucy passiert ist?
Ja und ich habe vor, mich des Falls persönlich anzunehmen.
Das ist nicht so einfach, Richard.
Bevor Sie starb, hat sie noch meinen Namen gesagt, ich weiß.
Das ist nicht alles, mein Freund.
Die Menschen auf Ihren Besitzen sind in großer Unruhe.
Nicht das sie Sie anklagen, aber so weit wird es bestimmt noch kommen.
Ich wüsste nicht, was ich getan habe. - Beantworten Sie meine Frage.
Waren Sie in den letzten drei Monaten auf Fordyke, egal ob für eine Stunde oder so?
Was fragen Sie mich? Fahren Sie nach London.
Richard, ich habe mehr als einen Menschen, der bereit ist, zu beschwören,
dass Sie in den letzten Wochen in der Nähe von Fordyke waren. Also?
Das haben Sie von diesem verrückten Jenkins.
Dieser Jenkins ist nur ein Fall, da sind noch andere.
Habe ich bei denen auch Sättel bestellt?
Viele Leute sind bereit zu beschwören,
dass Sie nachts durch das Dorf geritten sind.
Das Sie verfolgt wurden.
Verfolgt? Von wem?
Von Lady Anne.
Von Lady Anne?
Aber wie und wann?
Immer nur nachts. Und erst, nachdem Sie nach London sind.
Aber das ist doch unsinnig!
Ich bin über hundert Meilen weg und meine Frau...
...meine erste Frau, ist seit über fünf Jahren tot.
Richard, ich bin weit davon entfernt, dass zu vergessen,
aber die Leute, die Sie gesehen haben wollen, haben Lady Annes Stimme erkannt.
Ihre Stimme?
Was hat sie gesagt? - Nur ein bestimmtes Wort.
Welches?
Mörder.
Mörder?
Mörder...
Und Sie glauben das natürlich alles!
Ich habe nichts selber gesehen oder gehört, aber ich sehe die Angst dieser Leute.
Sie reden von Hexerei.
Wenn man mich schon nicht wegen Mordes an den Galgen bringen kann,
dann bringt man mich eben wegen Hexerei auf den Scheiterhaufen.
Eine perfekte Teufelei!
Nach so einer infamen Beschuldigung gibt es keinen Ausweg.
Aber es muss einen geben.
Zweifeln Sie auch an mir, Wentworth?
Dafür kenne ich Sie zu lange.
Gott sei Dank, dass ich noch einen Freund besitze.
Richard, meine Soldaten sind nicht weit von hier. Wenn Sie sie hier haben wollen...
Soldaten gegen Hexen und Verleumdungen...
Ich dachte nur an die Sicherheit Ihrer Person.
Die Sicherheit meiner Person? Aber hier leben nur unsere eigenen Leute.
Das war ja nur ein Vorschlag.
Ich dachte da vielmehr an Lady Elisabeth.
Soll mein Haus etwa zur Festung werden?
Zum Gefängnis, in den ersten Stunden, wo meine Frau hier lebt?
Sie muss es ja nicht erfahren.
Wir können ihr ja sagen, dass die Soldaten hier sind,
um Lucys Mörder zu fangen. - Nein, Wentworth!
Ich verzichte auf die Unterstützung meiner Untergebenen.
Wie Sie wünschen.
Aber vergessen Sie nicht: Wenn Sie mich rufen, werde ich kommen.
Was zum Teufel ist jetzt wieder los?
Ich bedaure, Sir Richard, aber es ist dringend.
Also?
Eines der Zimmermädchen ist verschwunden. - Und zwar Mary, Sir.
Einer der Mädchen von Lady Elisabeth, Sir. Sie ist fort.
Großer Gott, ist das denn so wichtig, dass Sie hier reinplatzen?
Ich bedaure, Sir, aber der Fall erlaubt keinen Aufschub.
Wieso nicht?
Er ist hier, Sir. Er verlangt, Sie sofort zu sprechen.
Er verlangt? Wer ist das, der hier verlangt?
Ein junger Mann, halb von Sinnen... - Ich will die Wahrheit wissen!
Er redet nur davon, was mit Lucy Judd gesehen ist.
Ich will Sir Richard sehen! - Wer ist dieser junge Mann, wer?
Es ist der junge Brian, Sir. Der Gehilfe unseres Schmids.
Ich würde mit ihm reden, Richard.
Ich muss mit ihm reden! Wo ist er? Wo ist er?
Benimm dich anständig! Vergiss nicht, wo du bist.
Ich komme her, Sir Richard, um Sie zu bitten, dass ich Mary heiraten darf
und als ich frage, wo sie ist, sagt man mir, sie ist fort.
Und wo ist sie hin? Es ist genau wie bei Lucy Judd!
Wenn ihr einer was angetan hat, dann... - Lasst ihn los!
Gut, das Mädchen ist fort. Und was habe ich damit zu tun?
Was hatten Sie mit Lucy Judd zu tun?
Wer reitet denn nachts um sein Leben, gehetzt von seiner toten Frau,
die immer nur schreit: "Mörder, Mörder"! - Jetzt ist genug!
Wenn du dich nicht benehmen kannst. fliegst du raus.
Die Fordykes sind Teufel!
Du bist der Teufel!
Wenn Mary etwas passiert ist, dann wirst du dafür bezahlen!
Ich schwöre dir, du wirst dafür bezahlen! - Schafft ihn hier raus.
Ich schwöre dir, wenn Mary etwas passiert ist,
dann bring ich dieses Schwein Richard um!
Möchtest du nicht endlich ins Bett kommen?
Ich habe gefragt, ob du nicht auch ins Bett gehen willst, Liebling.
Nein, zumindest jetzt noch nicht.
Es wird nicht lange dauern.
Anne!
Anne! Warte! Anne!
Warte, Anne!
Prince...
Prince, mein alter Junge. Ruhig.
Ich bin es ja.
Der dich gesattelt hat, muss dich genau kennen.
Es ist das Zaumzeug, das du von mir hast.
Was ist denn, Prince? Wir sind doch alte Freunde.
Komm, ich bring dich in den Stall.
Prince! Prince!
Mörder!
Mörder!
Mörder!
Mörder!
Mörder!
Mörder!
Festhalten! - Haltet den Verrückten fest!
Dieser Spuk hat nun ein Ende! - Was erlaubt ihr euch?
Jetzt haben wir das Schwein, das die Gegend unsicher macht!
Du bringst keine Mädchen mehr um! - Loslassen!
Sagen Sie diesen Tölpeln, sie sollen mich sofort loslassen!
Lasst ihn los.
Richard, warum machen Sie diesen Spuk mit? - Verdammter Narr, ich mache keinen Spuk!
Gottverdammt, ich habe es mit eigenen Augen gesehen, jetzt stehen Sie vor mir,
ich verlange eine Erklärung! - Ich habe auf der Lauer gelegen,
da sah ich plötzlich mein gesatteltes Pferd.
Ich stieg auf und da ging es mit mir durch!
Und die Frau? - Das weiß ich nicht,
sie kam aus der Dunkelheit und ritt hinter mir her! Fragen Sie sie doch selber!
Zeigen Sie sich!
Sieht aus, als wäre sie verschwunden.
Meine Leute versuchen sie aufzuspüren.
Ach, Sie lassen zu, dass ihre Leute mich belästigen und sie geht frei aus!
Es ist nichts damit gewonnen, wenn wir weiter hier rumstehen.
Wir reiten nach Fordyke.
Das schaff ich immer noch ganz gut allein.
Wo ist mein Pferd?
Ich bitte um Vergebung, Colonel, aber es ist durchgegangen.
Dann nehm ich einen Ihrer Gäule! - Aber natürlich.
Ich werde Sie morgen besuchen, dann reden wir weiter.
Ich werde Ihnen auch morgen nichts sagen können.
Über das Geschehen dieser Nacht werde ich Ihnen nie etwas sagen können!
Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie das jetzt zur Kenntnis nehmen würden.
Sie können nach Hause gehen. - Er hält uns zum Narren.
Nur weil er der Herr ist, haben selbst Sie Angst vor ihm.
So ein Unfug!
Sie haben gesehen, was heute Nacht passiert ist, und wie haben Sie sich benommen?
Ich lass mir erst Vorwürfe machen, wenn es bewiesen ist,
dass ich einen Fehler gemacht habe. - Schon gut, Sir.
Aber wenn ich was zu sagen hätte, dann würde Sir Richard jetzt am Galgen baumeln.
Ich bleib heute Nacht auf, Harris. - Wie Sie wünschen, Sir.
Warum hast du dich wieder angezogen? - Wieder angezogen? Wovon redest du?
Und deine Laune ist auch nicht besser geworden.
Was erwarten Sie denn von mir, Madame?
Ich bin von einer Verrückten durch das halbe Land gejagt worden,
meine eigenen Leute haben mich gefangen und zum Mörder erklärt!
Und da wundern Sie sich über meine Laune?
Dann haben Sie in den letzten Minuten aber viel erlebt.
Ich war mindestens eine Stunde fort!
Du wirst eingeschlafen sein und... - Es ist noch keine fünf Minuten her,
dass Sie hereingekommen sind, dass Sie sich dort hingesetzt haben,
dass Sie sich ausgezogen haben, dass Sie im Morgenrock hinausgegangen sind.
Das hast du geträumt.
Leider nicht, denn dazu haben Sie eine zu abscheuliche Laune!
Ich weiß genau, wo ich war.
Das können Wentworth und zehn andere Männer bezeugen!
Und ich weiß, was ich gesehen habe!
Sie treiben einen üblen Scherz mit mir! - Einen Scherz?
Wie Sie meinen.
Wenn ich mich vorhin ausgezogen habe, wo sind dann meine Kleider?
Dort drüben!
Hier!
Aber da waren sie gerade noch... - Also auch du!
Richard, ich verstehe das nicht! - Sie verstehen das nicht?
Ich verstehe es um so besser!
Sie, Sie haben diese Verschwörung gegen mich angezettelt!
Verschwörung? Richard, weißt du überhaupt noch, was du sagst?
Richard...
Das Fenster.
Richard, mein Liebling.
Richard, suchen Sie etwas Bestimmtes?
Ich suche die Familienbibel, Seymour.
Mein Vater will, dass ich den Namen meiner Frau eintrage.
Wenn ich das sagen darf, Ihr Vater war sehr glücklich, als er Ihre Gattin sah.
Die Familienbibel steht seit Jahr und Tag...
Sie stand immer da.
Aber wie Sie sehen, ist sie da nicht mehr.
Eigenartig...
Ihr Vater hat immer peinlich darauf geachtet, dass sie keiner nimmt.
Sie stand immer hier. Jedenfalls soweit ich mich erinnern kann.
Dann wird es wohl so sein, dass er sie hat.
Ich werde ihn danach fragen.
Harris, hast du Sir Giles gesehen?
Seit zwei Stunden nicht mehr, Sir. Soll ich nach ihm sehen?
Danke, dass mich ich selber.
Lass mir inzwischen eine Kutsche anspannen. - Ja, Sir.
Ich muss zu Colonel Wentworth.
Auf wen wartest du? - Auf Sir Richard, My Lady.
Wo will er denn hin? - Zu Colonel Wentworth, My Lady.
Richard...
Elisabeth, was immer auch geschieht, Sie müssen zu ihm halten.
Sie dürfen ihn nicht verlassen.
Ihn verlassen? Wie können Sie nur auf so eine Idee kommen?
Sie versprechen es mir also?
Das ist unnötig.
Also gut, ich verspreche es.
Ich liebe Richard zu sehr, als das ich das je könnte.
Entschuldigen Sie mich.
Wo ist Sir Giles? Es ist ihm doch nichts geschehen?
Ich wollte gerade zu ihm, da rollte der leere Stuhl die Treppe hinab.
Was ist, Seymour?
Sir Giles Rollstuhl, Sir. Er ist die Treppe heruntergestürzt.
Seymour!
Um Gottes Willen, mit wem reden Sie da?
Mit Sir Richard, My Lady.
Er ist derart zornig, wie ich ihn noch nie in meinem Leben...
Ich bitte um Verzeihung...
Aber das ist völlig unmöglich!
Unmöglich? Wie meinen Sie das?
Richard ist gerade in seiner Kutsche fortgefahren!
Sie müssen sich irren, Madame.
Ich habe in diesem Moment mit Sir Richard diskutiert.
Haben Sie nicht begriffen? Sir Richard ist eben mit der Kutsche weggefahren.
Wir haben beide gesehen, wie er wegfuhr.
Seymour!
Madame, Sir Richard ist da drin, Sie hören ihn ja selbst.
Haben Sie gerade gesagt, Sie haben ihn gesehen?
Dann ist es ein Gespenst, das Sie in der Kutsche gesehen haben!
My Lady und ich haben beide gesehen, wie Sir Richard wegfuhr!
Harris!
Hat Sir Richard eine Kutsche anscheren lassen?
Ja, Sir, er ist damit weggefahren. - War es auch wirklich Sir Richard?
Das könnte ich schwören!
Harris, Sir Richard ist da drin
und ich schwöre, er hat seit einer Stunde das Zimmer nicht verlassen!
Seymour, verdammt, wo stecken Sie?
Sir Richard hatte keinen Kutscher, oder?
Doch, er ist von Regges gefahren worden.
Gott möge uns beschützen.
Schnell Harris, hetze Reiter hinter ihm her! Lauf schon!
Lasst mich allein!
Sir? - Gehen Sie weg! Ich will allein sein!
Machen Sie auf, Sir!
Ich muss die Tür mit Gewalt aufbrechen. - So tun Sie es doch, um Gottes Willen!
Alle, die ich erwischen konnte, jagen hinter ihm her!
Gut, hol die Dienerschaft, wir brechen die Tür auf.
Die Tür ist eisenhart. - Dann hol den Zimmermann, aber schnell!
Bitte machen Sie auf! - Schert euch weg!
Seien Sie vernünftig! Schließen Sie auf!
Was zum Teufel geht hier vor?
Richard, bist du es?
Aber natürlich. Wieso?
Diana hat gesehen, wie Sie mit der Kutsche weggefahren sind,
dabei waren Sie die ganze Zeit mit mir in der Bibliothek.
Der Colonel ist mir auf halben Weg begegnet, also bin ich umgekehrt.
Aber wer ist dann in diesem Zimmer?
Die Antwort werden wir gleich haben. Packt mit an!
Aber... Entschuldigen Sie, Liebes.
Wie kommt Prince hier her?
Ich war in Tibberton, da hat man ein herrenloses Pferd gefunden.
Es war Prince.
Das ist das Pferd, das letzte Nacht mit mir durchgegangen ist.
Kein Wunder, unter dem Sattel war ein Eisendorn, und als Sie aufsaßen...
Ja, das wäre eine Erklärung.
Als ich aufsaß, drang der Dorn dem armen Kerl ins Fleisch.
Ein teuflischer Einfall.
John, Sie hatten mir gesagt, Sie wollten mir helfen.
Gilt dieses Angebot noch?
Ja, Richard, jetzt erst recht.
Ich habe keinen Appetit.
Bist du krank?
In bester Verfassung bin ich bestimmt nicht.
Seymour, und wenn Sie Jahre suchen müssen,
ich muss die Familienbibel haben.
Ja, Richard.
Können Sie sich erinnern, wann Sie sie zuletzt gesehen haben?
Nein, dafür liegt es schon zu weit zurück.
Ich red im Moment nicht von der Bibel selbst, sondern von den Eintragungen.
Von den Geburten und Todesfällen.
Nein, um die Eintragungen habe ich mich nie gekümmert.
Und du, Diana?
Nein, Richard.
Du...
Du hast in den letzten Jahren meinem Vater näher gestanden als jeder andere.
Hat er je etwas gesagt, dass... über die Familie, vielleicht...
Ich weiß nicht, was du meinst, Richard.
Als wir ihn fanden, da war sein Gesicht voll Tinte.
Er hat doch seit seinem Schlaganfall weder Papier noch Federkiel angerührt.
Als er ermordet wurde, muss er gerade versucht haben, etwas zu schreiben
und als er hinfiel, ist die Tinte verspritzt.
Das ist die einzige Erklärung.
Er muss versucht haben, mir etwas zu schreiben, dass...
ihn vielleicht schon ewig gequält hat. - Aber was?
Etwas, dass mit der Bibel zu tun hat?
Ja, es hat ganz gewiss etwas mit der Bibel zu tun.
Bevor mein Vater...
Richard, du bist überreizt.
Du brauchst Ruhe.
Was ist mit meinem Kopf, es dreht sich alles...
Der Wein...
Diana, lassen Sie einen Arzt rufen, schnell!
Harris, bring Sir Richard sofort auf sein Zimmer.
John, Kate!
Es ist keiner da!
Ich habe das ganze Haus abgesucht,
ich finde keinen, den ich zum Arzt schicken kann.
Aber das es so plötzlich auftritt.
Hoffentlich ist es nicht das gefürchtete Gehirnfieber.
Harris! - Ja, Madame?
Bitte geh und hol den Arzt.
Und laufen Sie, Harris, beeilen Sie sich! - Ja, My Lady.
My Lady... - Ich bin bei Richard.
Ich muss Sie sprechen, Madame. - Muss das jetzt sein?
Ich bedaure ja.
Ich muss Ihnen einiges mitteilen.
Um Gottes Willen, worüber?
Über Sir Richard.
Bitte kommen Sie mit in die Bibliothek.
Nun?
Wie soll ich es anfangen, My Lady?
Besonders nachdem Sir Richard immer so freundlich zu mir war.
Der größte Freundesdienst, den Sie ihm erweisen können, ist zu sprechen.
Auch wenn es schmerzlich ist, müssen Sie es sagen, und zwar sofort.
Seymour, reden Sie.
Ich darf also voraussetzen, dass Sie alles, was ich nun sage,
als Zeichen meiner Sympathie werten.
Wissen Sie, Sir Richards Großvater war ein ungezügelter, brutaler Mensch.
Er herrschte auf Fordyke, als lebten wir noch im frühen Mittelalter.
Er war ein Mensch, der erfüllt war von schizophrenen Anwandlungen.
Was hat das mit meinem Gatten zu tun?
Sir Charles starb in völliger Umnachtung.
Dahingerafft von einem Gehirnfieber.
Wie ein Tobsüchtiger hatte er blindwütig im Hause gerast.
Eines schönen Morgens war er tot.
Soll das bedeuten, dass mein Mann den Verstand verlieren wird?
Was hier geschehen ist, reicht aus, um den gesündesten Mann mürbe zu machen.
Und Sir Richard...
Ist nicht der Gesündeste. Wollten Sie mir das sagen?
Lady Annes plötzlicher Tod hat viele Zweifel gesät, My Lady.
Ich glaube Ihnen kein einziges Wort.
My Lady, ich gäbe eher mein Leben, als über Sir Richard schlecht zu sprechen.
Ich habe es nur getan, weil ich um Ihre Sicherheit fürchte.
Aber Richard würde doch nicht...
Was könnte er für einen Grund haben?
Fordyke war keineswegs immer von großen Reichtümern gesegnet, Madame.
Sir Giles hat immer über seine Verhältnisse gelebt.
Wissen Sie, Lady Anne brachte ein beträchtliches Vermögen mit in die Ehe
und als sie starb, war Sir Richard der Alleinerbe.
Woher wissen Sie das so genau?
Sie war meine Cousine, Madame.
So kam ich nach Fordyke.
Seymour!
Seymour!
Verdammt, warum kümmert sich denn keiner um mich?
Aber Richard, es kümmert sich schon jemand um dich...
Ich.
Anne...
Nein, dass...
...dass träum ich doch nur.
Natürlich, du hast doch immer von mir geträumt, mein Geliebter.
Das ist doch völlig absurd.
Du bist tot.
Natürlich, Richard. - Geh mir aus den Augen, ich bitte dich!
Wie könnte ich das, Richard? Du bist mein Mörder.
Das ist eine Lüge!
Es war ein Unfall, du bist hinausgestürzt.
Ich weiß es besser, Richard.
Komm...
Wir gehen noch einmal diesen Gang zum Fenster.
Nein...
Komm, Richard...
Komm, Richard...
Komm...
Nein!
Ich mache diesem Spuk ein Ende!
Nein... Nein!
Schnell!
Seymour, wo war das? - Das klang, als wäre es oben gewesen.
Kommen Sie, schnell!
Seymour?
Seymour, wo sind Sie?
Seymour?
Richard, mein Liebling, was ist denn?
Warum hast du geschrien? Hier bist du doch sicher?
Komm jetzt.
Wie konntest du nur so leichtfertig sein und aufstehen?
Komm, leg dich wieder ins Bett.
Mein armer, armer Richard.
Deine Stirn ist ganz kühl, du hast kein Fieber mehr.
Aber, aber Richard...
Richard!
Richard
Bist du verrückt?
Richard, Richard, du bist wahnsinnig!
Wag nicht, mich anzufassen!
Genug!
Geh oder ich drück ab!
Diana!
Diana!
Ja, Diana.
Harris, schnell!
Du hast meine Schwester umgebracht.
Du und dein verdammter Vater.
Mörder! Mörder!
Das ist gelogen!
Du hast sie umgebracht!
Sie hat sich aus dem Fenster gestürzt. - Du lügst! Du lügst!
Wenn jemand in diesem Hause gemordet hat, dann warst du es!
Du hast meinen Vater umgebracht!
Es blieb mir keine andere Wahl.
Er wollte dir schreiben, dass dein Bruder...
Mein Bruder?
Jawohl, dein geistesgestörter Bruder!
Seymour! - Seymour, halt sie auf!
Richard, ich... Sie ist mir in die Klinge gelaufen, ich schwöre Ihnen, ich...
Sie lebt noch, schnell einen Arzt!
Ich lauf schon, Sir.
Du musst mir alles sagen, Diana.
Dein Bruder war von Geburt an schwachsinnig.
Dein Vater hielt ihn versteckt, er war ja ein Schandfleck.
Als deinen Vater der Schlag traf...
...da hast du erfahren, dass ich einen Bruder habe.
Und du hast die teuflische Ähnlichkeit bemerkt.
Darum musste die Bibel verschwinden, denn darin stand die Geburt meines Bruders.
Und du hast meinen Bruder benutzt, um mich zu vernichten.
So wie du meine Schwester benutzt hast.
Er ist tot.
Es war eine Gnade.
Er war eine Bestie.
Es war entsetzlich mit ihm.
Wie hast du mich nur so hassen können, Diana?
Hassen? Ich...
Ich habe dich nicht gehasst.
Ich habe dich geliebt.
Aber, wenn man liebt, wie ich dich geliebt habe...
ohne jede Gegenliebe, ohne Hoffnung... Verzeih mir, Richard.
Quäl dich nicht, Diana.
Du hast alles auf der Welt, Richard.
Du hast Fordyke, das Vermögen, das du von Anne geerbt hast...
und du hast Liebe...
Das mit dem Geld stimmt nicht, Diana.
Deine Familie war völlig verarmt. Anne besaß keinen Penny.
Ich habe Anne versprechen müssen, dass du es nie erfährst.
Nein, Seymour...
Seymour hat mir gesagt, dass...
Seymour...
Seym...
Fordyke gehört mir!
Hier Richard.
Bring sie in ihr Zimmer.
Richard...
Kannst du mir jemals verzeihen?
Verzeihen?
Als ich abgedrückt habe, dachte ich, ich schieße auf dich.
Doktor, könnten Sie uns einen Augenblick allein lassen?
Aber natürlich, Sir Richard.
Was gibt es da zu verzeihen?
Du konntest ja nicht anders.
Ich habe deinen Bruder umgebracht.
Er war ein bedauernswerter Mensch.
Mein Vater hielt ihn in einem Irrenhaus versteckt.
Hast du das nie gewusst?
Aber wieso wusste es Seymour?
Als meinen Vater der Schlag traf,
musste Seymour für den Unterhalt meines Bruders aufkommen.
Er holte ihn aus dem Irrenhaus und damit fing das Drama an.
Wir haben Qualen erlebt und Tod.
Wir müssen versuchen, zu vergessen.
Fordyke ist zu einem Schloss des Grauens geworden.
Wenn du nicht bleiben willst, fahren wir morgen nach London.
Nein, Richard, ich werde hier bleiben.
Nach allem, was hier geschehen ist?
Fordyke ist ein wundervolles Haus.
Ein Haus, in dem das Glück erst anfängt.
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