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(Franz Baumann singt) Ich hatt einen Kameraden,
Einen bessern findst du nit.
Die Trommel schlug zum Streite,
Er ging an meiner Seite
In gleichem Schritt und Tritt,
In gleichem Schritt und Tritt.
Eine Kugel kam geflogen,
Gilt es mir oder gilt es dir?
Ihn hat es weggerissen,
Er liegt mir vor den Füßen,
Als wär's ein Stück von mir,
Als wär's ein Stück von mir.
Will mir die Hand noch reichen,
Derweil ich eben lad.
Kann dir die Hand nicht geben,
Bleib du im ew'gen Leben,
Mein guter Kamerad,
Mein guter Kamerad.
Das wissen Sie doch.
(Dr. Schultze) Und mit 6 sind Sie nun zur Schule.
Das kann ich nicht so sagen.
Wird wohl so sein.
Haben Sie auf der Schule gut gelernt?
Ja, ist immer ganz gut gegangen.
Haben Sie auch gute Zeugnisse bekommen?
Die haben mich alle ganz gern gehabt.
Welche Fächer waren besonders leicht?
Ach, das ging alles ganz schön.
Schreiben können Sie doch famos.
Schreiben kann ich schön. Früher konnte ich noch schneller schreiben.
Haben Sie auch Geographie gelernt?
Ja. Wir hatten da so 'ne große Landkarte.
Wie heißt die Hauptstadt von Deutschland?
Das ist Berlin.
Da bin ich auch schon gewesen.
An welchem Fluss liegt Berlin?
Kann ich nicht sagen.
Hier fließt die Leine.
Wann waren Sie in Berlin?
1918, wie ich dort aus dem Zuchthaus kam.
Ach? Sie waren mal im Zuchthaus?
Das wussten Sie gar nicht?
Dann hätt ich's Ihnen ja gar nicht sagen brauchen.
Wie lange waren Sie in Berlin?
Tage? Wochen?
Nee, 1 Woche nicht. Ich bin da durchgefahren,
dann bin ich ausgestiegen und hab mir Berlin angesehen.
Was haben Sie in Berlin gesehen?
Kann ich nicht sagen.
Doch, so... So dicke Würstchen haben wir gesehen.
Sonst haben Sie nichts gesehen?
Er hat mir alles gezeigt, aber das weiß ich nicht mehr so.
Haben Sie Denkmäler gesehen?
Äh...
Sind Sie auf den Strich gegangen?
Das weiß ich nicht, wo der ist.
- Haben Sie die Jungs gebufft? - Ach was!
Der Junge aufm Bahnhof hat mir Berlin gezeigt!
Ich hab mich noch nicht rasiert.
Haben Sie mit dem Jungen nicht verkehrt?
Nee! Ich bin dann wieder weggefahren!
- Nicht poliert? - Ach was! Was denkt denn der davon?
Haben Sie ihm Geld gegeben?
Es gab doch kein Brot. Nur gegen Marken.
Und Würstchen haben wir gegessen.
Er freute sich, dass er was essen konnte.
- Wer wohnt denn in Berlin? - Das kann ich nicht sagen.
- Das weiß doch jedes Kind. - Berlin ist doch so groß!
Wie viel Einwohner hat Berlin?
Viel mehr wie Hannover.
- Und wie viele hat Hannover? - Über 1 Million.
- Das glaub ich nicht. - Doch!
Wie viel ist 1 Million?
1 Million...
Da wir doch jetzt das Geld von... Da findet man gar nicht mehr durch.
Wissen Sie, was 1.000 sind?
So einen hatte ich auch mal.
100 ist wie viel?
10 mal 10.
1.000 ist wie viel mal 100?
1.000 Mark ist...
Ja, das sind 1.000 Mark.
Wie viel mal 100 ist 1.000?
Kommt der öfter?
Wie viel 100-Mark-Scheine
müssen Sie zusammenlegen,
wenn Sie 1.000 haben wollen?
10. Stimmt ganz genau.
Ach was, das Rechnen. Fragen Sie mal was anderes.
Was versteht man unter "Prozente"?
Prozente?
Hab ich noch nicht gehabt.
Was versteht man unter "Prozente"?
Wissen Sie's nicht?
Doch, doch, das hab ich schon mal gewusst.
Ich muss mich drauf besinnen.
Das kann ich jetzt nicht sagen.
Ich will mich mal drauf besinnen.
Sie sind doch nicht auf den Kopf gefallen.
Nee, das bin ich nicht.
- Sie sind Kaufmann! - Mmm...
Sie sind doch sicher ein gerissener Kaufmann!
Ja, schon. Aber das Rechnen...
Ich rechne nicht gern.
Liegt Hannover an der Leine?
(Trinkt laut schlürfend)
Ja.
Wohin fließt die Leine?
- Ins Meer. - In welches Meer?
In Hamburg oben, da in die Nordsee.
Fließt die Leine in die Nordsee?
Da-das ist die Elbe, da sind die großen Schiffe.
Welche Stadt liegt an der Elbe?
Das ist Hamburg. Hans ist da schon gewesen.
Welche Stadt liegt noch an der Nordsee?
Lübeck?
Frau Krause kam da her.
Es liegt doch noch eine Stadt an der Leine.
Das ist Bremen. Herr Hardke wohnte da, der brachte uns immer Tabak.
Für die Fabrik vom Vater?
Och nee, sagen Sie das nicht.
Meine Mutter...
Wie nennt man die 3 Städte Hamburg, Lübeck und Bremen in einem Namen?
Nee, das gibt's gar nicht. Hamburg ist Hamburg, Bremen ist Bremen
und... und Lübeck ist Lübeck.
Sind das nicht die Ha...
- Hannover? Nee! - Hanse...
Nee, hab ich noch nie gehört.
Sind doch die 3 Hansestädte!
Ach ja, das stimmt ja doch. Das... das hab ich schon gehört.
Kennen Sie einen großen Fluss in Deutschland?
Ja, das ist der Rhein.
Da war ich auf der Unteroffizierschule gewesen.
Welche Stadt liegt am Rhein?
- Neu-Breisach. - Noch eine Stadt.
Straßburg. Da bin ich durchgefahren.
Noch eine.
Da sind wir nicht mehr weitergefahren.
Woher kommt der Rhein?
Von Chur in der Schweiz.
Da... da...
d...
da hat meine Freundin Krabbe zu mir gesagt: "Tritt mal da rüber."
Dann fragte sie: "Weißt du auch, wo du da rübergetreten bist? "
Ich sage: "Nee".
Und sie sagt: "Über den Rhein."
Ich dachte, das war so 'n kleiner Bach.
Wohin fließt der Rhein?
In die... Nordsee rein.
Durch welches Land zuletzt?
Der wird auch nach Hamburg runterfließen.
Nicht durch Holland?
Nee, das glaub ich nicht.
Der Rhein ist doch 'n... deutscher Fluss.
(Singt) Zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein
Lieb Vaterland... Magst ruhig sein.
Zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein
- Lieb Vaterland, magst ruhig... - Fritze!
Was passiert da jetzt?
Was ist da los?
Nichts. Nee.
Haben wir den jetzt ganz... den Rhein?
- Sind da nicht die Franzosen? - Die Franzosen, wieso?
Wann war der große Krieg?
Ja, das weiß ich. 1918.
Da war doch Revolution.
Wann hat er begonnen?
Da bin ich doch hier nicht gewesen.
- Sind Sie kein Deutscher? - Doch.
Ich hab doch bei den Jägern gedient.
Sie müssen doch wissen, wann der Krieg begonnen hat.
Das muss so gewesen sein...
Anfang 1 4, glaube ich.
(Getragene Orgelmusik dringt durch das Fenster herein)
So die Musik, die hör ich gerne.
Kennen Sie eine Schlacht aus dem Kriege?
Schlachter?
Kennen Sie eine Schlacht aus dem Kriege?
Das hab ich nicht richtig verstanden. Das müssen Sie mir noch mal sagen.
Sie wissen doch, was eine Schlacht ist!
Ja, Sie meinen im Felde. Ich war doch... ich war doch Soldat gewesen.
(Dr. Schultze) Eine Schlacht aus dem Kriege.
- Königgrätz? - Aus dem großen Kriege?
Bei Sedan.
Wann war die Schlacht bei Sedan.
Da haben sie doch Napoleon gefangengenommen.
(Stöhnt)
Ist Napoleon jetzt Kaiser von Frankreich?
Ja, die haben 'n Kaiser.
Haben wir noch einen Kaiser?
Oh ja, wir müssen noch 'n Kaiser haben. Ist doch selbstverständlich.
- Wir haben aber keinen Kaiser. - Doch.
Wer ist denn an die Stelle des Kaisers getreten?
Ist der denn tot?
Das weiß ich doch nicht.
Wir haben doch jetzt eine... Re... pu...
...blik? Nee! Die hat Frankreich.
(Weiterhin leise Orgelmusik im Hintergrund)
Wer ist der Oberste unserer Republik?
Fritz, äh... ?
Fritz heiß ich doch!
Fritz Ebert. Fritze Ebert.
Nee, von Fritze Ebert hab ich noch nie was gehört. Nein.
- Haben Sie von Hindenburg gehört? - Hm-hm.
Der wohnt in Hannover, in der Eilenriede.
Einen Tag sagten sie: "Hindenburg kommt, Hindenburg kommt! "
Da waren so viele Menschen.
Ich hab ihn aber nicht gesehen.
(Kommissar) Drehen Sie sich mal um, Fritz.
So ist gut. Und jetzt gehen.
Weitergehen! Weitergehen!
Mit der Verpflegung hier sind Sie zufrieden?
Ja, ja, sehr zufrieden.
Was gibt's denn so?
Am Sonntag gab's 'ne schöne Bouillon-Suppe
und 'n Braten und Kartoffeln.
Alles sehr schön.
Was gab's denn noch?
Ah ja, das Schönste noch. Gurkensalat.
Aha. Wie wird Bouillon hergestellt?
Bouillon?
Aus Fleisch und Knochen.
Aber kein Schweinefleisch.
Woraus denn noch, Fritz?
Ach, ich weiß wohl, was Sie wollen, Herr Kommissar.
Sie meinen, Menschenknochen.
Nee, nee, das gibt's nicht.
Das gibt's nicht?
(Dr. Schultze) Wie viele Gebote gibt es?
10.
Nennen Sie mal eins.
Du sollst Vater und Mutter ehren. Ende!
Haben Sie Vater und Mutter geehrt?
Mutter ja, immer geehrt.
- Vater aber nicht. - Warum nicht?
Nee... Der wollte mich immer nach Hildesheim schicken.
Was war lhr Vater von Beruf?
Früher, da war er Lokomotivführer.
Dann ist er davongegangen von der Bahn und hat Mutter geheiratet.
Später hatte er so 'ne lüttje Zigarrenfabrik.
Die hat 10 Mann beschäftigt.
Schon als Junge hab ich helfen müssen arbeiten,
deswegen mochte ich den Alten nicht leiden.
Dann schimpfte er immer noch, wenn er kam. "Hosenscheißer".
Da konnte ich doch nichts für.
Wenn ich was in die Hose machte. Das wollte ich doch nicht!
Ein Gebot heißt doch auch: "Du sollst nicht stehlen."
- Mmmm... - Was heißt stehlen?
Klauen. Das hab ich... das hab ich nie gemacht.
- Sie sind doch oft bestraft worden. - Das ist nicht richtig.
Die anderen haben gestohlen und die Sachen hergebracht.
Die hab ich dann gekauft.
Darf man das denn?
Ja.
Man will doch leben.
Wie nennt man das, wenn man gestohlene Sachen kauft?
Das ist doch... Hehlerei?
Wird Hehlerei bestraft?
Das hab ich gesagt! Die Wirtin macht das...
Ich frage Sie, wird man mit Recht bestraft,
wenn man Hehlerei begeht?
- Das soll man nicht machen. - Warum nicht?
Ja, weil die das geklaut haben.
Und warum darf man nicht klauen?
- Das tun aber die Meisten. - Ich nicht.
Nein, aber die aufm Bahnhof, die ich da kannte, die klauen fast alle.
Mein Bruder, der Willie, der stiehlt nicht.
Der ist... furchtbar ehrlich.
Sie haben doch viel vom Betteln gelebt.
Ja.
Ist das Betteln erlaubt?
Die haben... die haben mir doch erst 3 Monate gegeben.
- Weshalb wird Betteln bestraft? - Weshalb?
Gott, das hab ich nachher auch nicht mehr gemacht.
Da kam ein Schutzmann zu mir und sagte: "Kommen Sie mal mit! "
Sie hätten ja auch arbeiten können.
Mich wollte doch keiner! Da bin ich doch in der Fabrik gewesen,
und da hab ich meine Militärpapiere gezeigt
und da drauf steht: "In-va-li-de".
So einen wollten die nicht. Da bin ich in die Geschäfte gegangen
und hab gesagt: "Ich bin Militärinvalide,
"ich will was kaufen, kann aber nicht so viel zahlen."
Und da hab ich Anzüge und Schuhe bekommen. Manchmal sogar geschenkt.
Und dann hab ich die mit Hans wieder verkloppt.
Darf man die Frau eines Verheirateten gebrauchen?
Was ist das?
Darf man die Frau eines Verheirateten gebrauchen?
Nein, das hab ich noch nie gemacht.
Aber Hans mit Dörchen.
Wie nennt man so was?
Das darf man nicht machen. Das ist doch Hurerei.
Und wie nennt man die Tat, die die Frau begeht?
Hurerei, da hab ich... da hab ich nichts gemacht.
Ist das nicht Ehebruch?
Ja, das sagt man so.
Ist das gestattet oder verboten?
Wer das will, kann das machen. Ich tu das nicht.
Sie haben doch früher mit Frauenzimmern verkehrt.
Früher? Mit meiner Braut.
Ja... Das war 'n anständiges Mädchen.
- Wie heißt die? - Erna.
- Das war ein gutes Mädchen. Hübsch. - Ist sie jetzt verheiratet?
Ja, schon lange.
Und davor? Haben Sie da nicht mit anderen Mädchen verkehrt?
Nein, noch nie!
Ach, Sie meinen das mit Schlachter Karl seiner Tochter.
Davon bin ich doch krank geworden.
Mit Schlachter Karl... Das ist doch Schwindel!
- Ach was! - Aber sicher!
- Das glaubt Ihnen doch keiner. - Da könnt ihr machen, was ihr wollt!
Ein Gebot lautet: "Du sollst nicht töten."
Ja, ja.
Das haben Sie aber nicht immer befolgt.
Das wollte ich doch nicht machen!
Wie viele haben Sie denn umgebracht?
Och, das war doch... 'ne ganze Portion gewesen.
Hat Ihnen das nicht Leid getan?
Das wollte ich doch nicht.
- Eine schöne Hand hat er. - Haben Sie nicht daran gedacht,
wie viele Eltern Sie dadurch unglücklich gemacht haben?
Das waren doch alles nur Puppenjungs gewesen!
- Sind Sie mehr als ein Puppenjunge? - Ich geh nicht auf 'n Strich!
Die Jungs boten sich doch an! Die kamen zu mir und sagten:
"Onkel Fritz, komm, w-w-w-w-wir wollen das machen."
Wie viele haben Sie dazu verführt, diese Schweinereien zu machen?
Ich geh hier wieder weg. Morgen.
Wo wollen Sie denn hin?
Ich geh wieder nach Hannover.
Da ist doch jetzt die Revolution.
- Ist die noch? - Wer hat Ihnen denn das gesagt?
- Die wollten das Gericht stürmen! - Wer?
- Darum haben die mich hergebracht! - Wissen Sie, wo Sie hier sind?
Hier... hier, bei Ihnen bin ich doch! In Göttingen.
- Und wer bin ich? - Professor sind Sie! Beim Gericht!
Haben Sie schon mal gehört, dass beim Gericht Professoren sind?
Ja, bei der Polizei gibt's ja auch Doktors. Die nennen sich doch Doktor.
Jetzt wollen wir bald aufhören.
Aber wir können ruhig noch ein bisschen bleiben.
Ist das lhr Sohn?
(Dr. Schultze) Wer ist Christus?
Unser Heiland.
Wir gehen doch immer zur Kirche. Da hängt er doch.
Warum feiern wir Ostern?
Ostern ist er ans Kreuz gekommen, der Herr Jesus.
Und da haben die Juden geschrien: "Kreuzige ihn! Kreuzige ihn! "
Warum?
Mit mir schreien sie jetzt auch so.
Und ich hab denen doch gar nichts getan.
Die Kommunisten.
Tja, und so ist das damals wohl auch gewesen.
Oh! Das tut weh! Wenn man sich so stößt.
(Ein Wasserhahn wird aufgedreht, Wasser plätschert)
'n schönen Stift haben Sie da.
Fritz!
Was ist der Unterschied zwischen einer Treppe und einer Leiter?
Der Unterschied zwischen einer Treppe und einer Leiter?
Äh, äh, die Leiter steht außen und man kommt aufs Dach.
Und Treppen...
Treppen hat man im Haus.
Meine Eltern hatten so 'ne lange Leiter.
So 'ne furchtbar lange Leiter. Die ging bis hoch aufs Dach.
- Und Hühner hatten wir auch. - Wie kommen Sie darauf?
Tja, wo der Hühnerstall war ging doch die Leiter.
Wenn wir die Hühner geschlachtet haben, mochte die nie einer essen.
Die haben wir immer weggeschenkt.
Wer hat die Hühner totgemacht?
Da kam immer der Frisör Eder.
Und jedes Jahr musste der so viele abschlachten,
wie wir Küken hatten.
Wir kniffen immer aus, wenn er kam.
Oah, kann ich heute noch nicht sehen.
Aber Sie haben doch Menschen geschlachtet.
Nee, nee, die waren tot.
Dann hab ich sie weglegen müssen.
So sagen die immer draußen.
(Hustgeräusche)
Nicht, dass Sie gleich sterben.
Da geht man doch nicht von tot! Nee!
Wäre das so schlimm?
Wenn die mich doch hinrichten.
Geht ganz schnell.
Woher wissen Sie das?
Mir ist es immer so, als ob ich schon mal gelebt hätte.
Und da haben Sie mir 'n Kopp abgehackt. Das ging so schön.
Wo war das?
Das muss schon lange her sein.
Wo war das?
Wo war das, wo war das, wo war das, wo war das...
Das muss hier nicht gewesen sein, in Deutschland.
Ich glaube, das war in...
Hrabec... wo ich im Zuchthaus war.
Da sind wir weit gefahren mit der Bahn.
Glauben Sie das wirklich?
Das gibt's doch. Das glaub ich, das gibt's.
l-ich hab zu Hause Gaslicht.
Ist viel schöner. Äh, ich meine...
mit dem Streichholz. Das ist viel heller.
Ach, jetzt brennt's.
- Was ist Schnee? - Den gibt's im Winter.
Wenn Weihnachten ist. Im Sommer regnet's. Dann... ist Gewitter.
- Was ist Eis? - Das gibt's auch im Winter.
Und wenn's ganz kalt ist, dann is' gefroren.
Was denn?
Hm, das Eis.
Wenn ich dran denke, huh, dann frier ich ordentlich.
(Es donnert und regnet)
Was ist der Unterschied zwischen Eis und Wasser?
Eislaufen, Schlittschuh...
(Leiser Lacher)
Wasser... trinken.
Was kommt zuerst, Blitz oder Donner?
Es hat doch nicht gedonnert soeben?
Was kommt zuerst?
Gewitter ist doch... Heute ist doch keins gewesen!
Nee...
Es wird wohl gleich Gewitter geben.
Und woran kann man das merken?
Da wird's dunkel...
Das ist kein Donner.
Ich dachte, das wäre Donner!
- Wollen Sie beten? - Wie kommen Sie jetzt darauf?
Meine Mutter betete immer bei Gewitter.
Warum tat sie das?
Meine Mutter betete überhaupt immer viel.
Und warum gerade während des Gewitters?
Wenn es Gewitter gab, da stellte sie die Geldbeutel auf den Tisch.
Die hatte viel Geld.
3 so große Beutel hatte die.
Der eine war voll Gold. Und die anderen waren voll Silber.
Und dann nahm sie ihr Gesangbuch und betete.
Warum hat sie die Geldbeutel auf den Tisch gestellt?
Wir wohnten ganz allein im Haus.
Und wenn das Gewitter kam... und es schlägt ein...
da konnte alles aufbrennen!
Was wissen Sie vom lieben Gott?
Der ist im Himmel.
Und wenn man tot ist, dann sind wir alle oben.
Bei ihm.
Und da haben wir's alle gut.
Meine Mutter ist auch im Himmel. Und meine Schwester.
Und ich will jetzt auch nach oben gehen.
Meine Mutter wartet schon auf mich.
lhre Mutter wird einen Schreck bekommen, wenn sie das erfährt.
Das sag ich ihr nicht.
Da erzähl ich ihr lieber, wie meine Verwandten es mit mir gemacht haben.
Und dass sie nicht aufgepasst haben!
Die Mutter erfährt doch lhre Hinrichtung.
Ach ja! Das kann man doch sehen.
Da sag ich ihr einfach, es war Krieg hier unten.
Im Kriege wird man doch nicht hingerichtet.
Das sieht sie doch nicht! Das muss ich doch wissen, ob ich reinkomme.
Das kann kein anderer wissen.
Kommt jeder in den Himmel?
Da kommen wir alle rein.
Nein.
Nur die Guten. Es gibt noch eine Hölle.
Da ist der Teufel. Und der hat Hörner.
Und einen Pferdefuß. Hat meine Mutter mir öfter erzählt.
Aber... gesehen hab ich ihn noch nicht.
Meine Mutter sagte das immer mit dem Pferdefuß.
Ob sie ihn gesehen hat, das weiß ich nicht.
Und der liebe Gott? Haben Sie den schon gesehen?
Nee. Da ist ein großer Garten.
Und da sind große Bäume und Blumen.
Da kann man schön spielen.
Und Musik ist oben.
Und da können wir singen. Sagte meine Mutter.
Kann man den lieben Gott überhaupt sehen?
Ja, wenn man oben ist.
Auf Bildern hab ich ihn schon gesehen.
Mit so 'nem schönen, langen, weißen Bart.
Meinen Vater guck ich aber nicht an.
Und die ich da umgebracht habe,
si-sin-sind die auch da oben?
Aber... die werden schon nichts sagen, hm?
Ich hab doch die Köppe alle kaputtgekloppt.
Ha... die hab ich doch... kaputtgemacht!
(lrres Lachen)
(Klopft immer noch heftig mit der Faust in die Hand)
Die hab ich doch...
Die können doch nichts sehen... ohne Augen!
Nee, nee. Die können mir doch da oben nichts tun.
Wird der liebe Gott Sie denn überhaupt in den Himmel lassen?
Meine Mutter ist doch oben.
Die wird schon dafür sorgen, dass ich komme.
Kennen Sie die nicht? Die hat immer so schön gelacht.
(Türen werden aufgeschlossen)
Ich d... ich dachte, Sie wollten heute Morgen schon kommen.
Mein Gott! Ich war zu beschäftigt.
Ach ja? Was haben Sie für Arbeit?
Der Kommissar hat mir gesagt, er hat Ihnen wieder Akten mitgebracht.
Wissen Sie, wie viel Akten Sie haben?
Ja, so 'n ganzen großen Wagen voll.
Was ist eigentlich mit dem Düsseldorfer?
- Der ist aus Kassel. - Ach!
- Ja. Gestern Abend waren die hier. - Wer?
Ja, der Bruder, glaube ich.
Ich hab ganz vernünftig mit ihm gesprochen.
Er hat gesagt, ich wär 'n hübscher Mensch.
Hm.
Sie wurden 1902 vom Militär
- Mit Rente entlassen. - Ja.
- Wofür bekommen Sie die Rente? - Für mein Herz.
Nicht weil Sie krank im Kopf waren?
- Ach, fangen Sie da... wieder von an. - Das muss ich doch.
Ich hab 'ne Herzbeutelerweiterung.
Der Stabsarzt sagte, ich wär 'n schöner Junge.
Ich säh aus wie 'n schöner Apfel. Bloß das Herz, da ist der Wurm drin.
Warum waren Sie im Lazarett?
Das war... von...
die... Manövergeschichte da.
Bin ich ohnmächtig geworden, haben sie mir gesagt.
- Wissen Sie nichts davon? - Nee, ich bin ja umgefallen.
- Haben Sie mich erzählt. - Wie lange waren Sie ohnmächtig?
Das weiß ich nicht mehr.
Da war ich lang. So 'n halbes Jahr.
Dann haben sie mich nach Straßburg geschickt,
von Straßburg hat mich einer nach Bitsch gebracht und...
Bin lang in Bitsch gewesen.
Hab Mariechen geholfen.
- Wer ist Mariechen? - Die Köchin.
Die sagt immer: "Fritz, du hast so schöne Augen."
Da war ich ganz schön mit befreundet.
Der Sergeant war richtig neidisch.
Der dachte, ich poussiere mit ihr! Da hat er mich rausgeworfen.
- Haben Sie mit ihr verkehrt? - Nein! Ich hab geholfen aufwaschen!
Da sagte der Stabsarzt: "Kannst ruhig reingehen und Mariechen helfen."
Oho, da hat er sich geärgert, der Sergeant!
Ja, war ganz schön da.
Ich schreibe auch schnell, aber so schnell nicht.
Haben Sie phantasiert?
Ach was, phantasiert!
- Stimmen gehört? - Nee, nee!
- Hatten Sie Krampfanfälle? - Herr Professor!
Machen Sie überhaupt krank?
Geht mir ganz gut hinterher.
Die ärgern sich alle, weil's mir so gut ging da.
Inwiefern?
Ich konnte spazierengehen im Garten.
Na ja.
Die Feldwebels, die da waren, die wollten mich immer ärgern.
- Warum denn? - Das war der Kunze.
Der sagte, ich hätte keinen Schick.
- Wie kommt denn der dazu? - Das hab ich Stabsarzt Franz gesagt,
und da haben sie mich weggelegt.
Wurden Sie damals gründlich untersucht?
Och, ich musste mich ausziehen, da hat er gehorcht,
dann hat er mich auf die Schulter geklopft.
Ich soll mich wieder anziehen.
Hat er Sie nicht rechnen lassen?
Nee, er fragte mal so nach meiner Schwester.
- Nicht das kleine Einmaleins? - Das hat er nicht gemacht.
- Fragte er, wo die Sonne aufgeht? - Nein. Nur "Wie geht es Ihnen? "
Hat er Sie nicht nach den 1 2 Monaten gefragt?
Hoho, das haben Sie doch gefragt.
Wollen Sie mir die Wahrheit sagen?
Ja, so wahr meine Mutter im Grab liegt.
Das sag ich immer.
Übertreiben Sie da nicht ein bisschen?
Och, ich war doch gar nicht krank.
Haben Sie sich nicht dümmer gestellt als Sie sind?
- Hören Sie mal! - Das glaube ich aber.
Dass Sie sich dumm gestellt haben.
Keiner lhrer Freunde glaubt, dass Sie nicht wissen,
- Wie die 1 2 Monate heißen. - Das ist nicht wahr.
- Hier steht's. - Wer hat das gesagt?
Hans. Er sagte auch, Sie seien viel schlauer, als Sie sich stellen.
So ganz dumm bin ich doch nicht.
Sie stellen sich oft recht dumm.
Nee, nee, das ist nicht wahr. Das hat mir noch keiner gesagt.
Früher hat man gesagt, Sie wären ein Idiot.
Das müssen Sie nicht machen. Sie sind ja wie der Alte.
Ich glaube auch nicht, dass Sie ein Idiot sind.
Nee, das glaub ich auch nicht.
Ich glaube, dass Sie einen Idiot markiert haben.
Ach was! Ach, du lieber Gott!
Ich glaube, dass Sie mir jetzt noch viel vorsimulieren.
Was wollen Sie denn noch wissen? Sagen Sie doch!
Sie wussten doch nicht mal, wer Ebert ist!
Dabei haben Sie früher auf ihn geschimpft!
- Auf Leinert. - Nein, auf Ebert.
- Leinert! - Ebert!
Nein, Leinert macht immer so 'n Radau!
Sie waren doch Sozialdemokrat.
Nein, ich wähle nicht. Und meine Schwester auch nicht.
Ich glaube, Sie machen sich lustig über uns.
Dann brauchen Sie ja nicht mehr herzukommen.
Ich komme doch beruflich zu Ihnen.
Dann machen Sie doch Schluss.
Ich meine, das ist ein Augenblick.
Wir wollen jetzt aufhören.
Passt mal auf, erzählt mir nichts davon! Wenn Sie wiederkommen...
ist ja widerwärtig! Ich will da nichts mehr von hören!
Wollen Sie nichts davon hören, weil es so ekelhaft ist?
Nö, das ist nicht so schlimm, aber wenn ich das so erzähle,
da sagt der eine das, der andere hat das dazugeschwindelt...
Nun sei doch mal vernünftig, ganz vernünftig.
Pass mal auf.
Die hab ich abgemurkst. Die hab ich richtig abgemurkst.
Ob nu einer mehr oder weniger... Deswegen werd ich doch hingerichtet.
Viele Eltern vermissen ihren Jungen.
Kann ich doch nicht sagen, so und so viele.
Herr Retsch hat mir 'n Bild gezeigt mit 'nem hübschen Jungen.
Da hab ich gesagt: "Herr Kommissar, wenn ich den gehabt hätte,
"den hätt ich auch umgebracht."
Schämen Sie sich denn gar nicht, uns das so offen zu sagen?
Sie fragen doch immer. Jetzt sag ich alles.
Welche Schande bringen Sie über lhre Familie?
l-ich bin doch nicht verheiratet.
Und lhre Schwestern?
Meine Schwestern? So?
Und lhre Brüder? Die schämen sich, über die Straße zu gehen!
Ein solches Schwein wie Sie hab ich überhaupt noch nicht gesehen.
Das is' doch keine Schweinerei nich'!
Ist das nicht eine große Sünde?
Das wollt ich doch nicht.
Darüber sprechen wir noch.
Na ja... ich geh hier morgen wieder weg.
Sie bleiben hier. Das bestimme ich!
Sie sagen mir nicht die Wahrheit!
(Lacht irre)
- Was soll ich denn noch sagen? - Sie amüsieren sich über uns!
Warum denn?
Weil kein Fünkchen Anstand in Ihnen ist!
Jetzt hat Sie einer aufgehetzt. Jetzt kommen Sie!
Das müssen Sie nicht machen! Das gibt's doch gar nicht!
Sie haben beim Betteln die Leute belogen!
Sie haben gestohlen, gehehlt, gemordet
und mit Hans die Kleidungsstücke der ermordeten Jungs verkauft!
(Atmet schwer)
- Was wollt ihr? Ich bin anständig. - Sie sind nicht anständig!
Das sagen alle! Das haben Sie auch erst gesagt!
Da hab ich noch nichts gewusst! Ist das ein anständiger Mensch,
der 1 7 Morde auf dem Gewissen hat?
Das sind so viele, das glaub ich nicht, dass ich das immer war.
Es sind noch mehr!
22 rechte Oberschenkel hat man dort alleine gefunden!
- Das waren meine nicht alle. - Die Leute bekamen Fett von Ihnen!
- Was für Fett? - Menschenfett! Das ist nachgewiesen!
- Ach? - SIE haben Krabben darin gebraten!
- Das glauben Sie doch selber nicht! - Sie haben Bouillon gemacht,
Sie haben Wurst gemacht,
Sie haben Sülze gemacht... So viel hat noch keiner gemacht.
Nee?
Einen Massenmörder wie Sie hat es noch nie gegeben.
Nee, das hat's noch nicht gegeben.
Hat Ihnen das denn so viel Freude gemacht?
Einer mehr oder weniger...
Haben Sie nie daran gedacht, wie viel Kummer Sie den Eltern machen?
Das waren alles nur Puppenjungs!
Sind Sie etwa besser als ein Puppenjunge?
Nein! Das ist nicht wahr!
- Ich bin der beste Mensch! - Das sind Sie nicht!
Das sagen Sie! Die Jungs haben immer gesagt:
"Fritz, du bist 'n guter Kerl."
So einen Kerl wie Sie...
muss man aus der Gesellschaft entfernen.
Dann sollen die mich doch köppen.
Das werden Sie vor Gericht hören.
(Nur schweres Atmen ist zu hören)
(lrres, gequetschtes Stöhnen, Scheppern, Kampflaute)
Dass Sie mir das aber nicht noch mal machen!
Ach, stellen Sie sich nicht so an.
Wer soll sich nicht so anstellen?
Sie können sich wieder anziehen.
Brauchen Sie mich noch?
Das machen die... für die Wassermann-Reaktion.
(Verzückte Laute)
Haben Sie als Junge onaniert?
Ja.
Haben Sie das in der Schule gelernt?
Das war der Alfred Schmitt, der hat mir immer in die Tasche gefasst.
War das ein Freund von Ihnen?
Nee. Der war so dick.
Haben Sie Kameraden und Freunde gehabt?
Nee.
Wie kam das?
Weil... ich hab...
ich hab mir doch immer... in die Hose... gemacht.
(Verlegene Laute)
Haben Sie damals mit Mädchen gespielt?
- Nee. - Nein, ich meine Ball gespielt?
Nee, ich musste doch immer arbeiten.
Die anderen durften spielen, ich nicht.
Der Alte, der...
- Haben Sie mit Puppen gespielt? - Nee.
Ich hab mal eine gekriegt, aber die war bald wieder kaputt.
Haben Sie auch Kochen gespielt?
Die Freundinnen von meiner Schwester, die kochten.
Ich hab zugesehen und da gaben sie mir etwas ab.
Haben Sie... auf der Unteroffiziersschule
mit anderen Jungen Dummheiten gemacht?
- Nee, das ham wir nicht gemacht. - Bei sich allein?
Auch nicht. Wir... wir schliefen nur alle zusammen.
Aber Sie waren doch auch mal allein.
Kann ja möglich sein.
Wann haben Sie zum 1. Mal mit einem Mädchen verkehrt?
Mit meiner Braut, mit der Erna.
War die jünger als Sie?
Nee, wir-wir... waren... äh... gleich alt.
Wo wohnte sie?
Meine Eltern hatten verschiedene Häuser.
Da wo... wohnte sie in einem drin.
Das wollten lhre Eltern wohl nicht.
Nee. Der Vater war Arbeiter.
Das war 'n gutes Mädchen.
Wenn ich mit ihr verheiratet gewesen wäre, dann...
dann... dann wäre das nicht passiert.
Die hätte schön aufgepasst.
Erinnern Sie sich noch, als Sie das 1. Mal mit lhrer Braut verkehrten?
(Schluchzende Laute)
Da hat sie so geweint. Da hat sie so gemacht.
Danach hat sie dann nichts mehr gesagt.
Ich bin immer rauf, wenn ihre Eltern nicht da waren.
Wollten die das nicht?
Der Vater war Maschinenmeister bei König & Erhart.
Der hatte seine Frau so lieb...
als sie gestorben war, da hat er sich aufgehängt.
Wo ist denn die Erna geblieben?
- Die hat geheiratet. - Wen?
Meine Schwester weiß das wohl.
Ich habe öfters geweint zu Hause, weil ich... sie nicht gekriegt habe.
Das war doch die, die nachher mit dem Frisör verkehrte.
Ja, das ist die.
Warum ist sie untreu geworden?
Willie hat ihr gesagt, ich wär schon mal in Hildesheim gewesen.
Da wollte sie mich nicht mehr.
War das nett mit dem Mädel?
Ja, das war schön.
Hat Ihnen das viel Freude gemacht?
Ja. Schön poussiert haben wir.
Haben Sie nochmals ein Mädel gehabt?
M-mich wollte doch keine.
Die Frau Bloomstich fasste mich immer vorne hin!
Da hab ich ihr ans Maul gehauen. Da hat sie mich angezeigt!
Da hat ihr die Polizei gesagt: "Das dürfen Sie nicht machen."
Die war 65 Jahre alt!
(Schrille, unverständliche Schreie in der Ferne)
(Spatzen tschilpen vor dem Fenster)
Wann haben Sie zum ersten Mal mit einem poliert?
Wann ich... wann ich...
- Meinen Sie in der Schule? - Nein, das haben Sie mir gesagt.
Da hab ich... die so...
- Das Fränkel. - Fränkel?
Da kommt auf einmal einer hinter mir her und fängt an mit mir zu sprechen.
Das war so 'n Studierter mit Brille, der war wohl schon 40.
Da sagte der: "Sie können mich so 'n bisschen begleiten."
Er hätte 'ne schöne Wohnung, ich sollte mit rauf...
Ich wollte erst nicht mit.
Und... es war schon dunkel, und dann bin ich doch mitgegangen.
Dann hat er Kaffee gekocht, mich in den Arm genommen und abgeküsst.
- Mit der Zunge? - Alles!
Ich sagte: "Männer küssen sich doch nicht! "
Und da sagte er: "Ich will einen schönen Freund haben."
Und... und dann hab ich da öfter geschlafen.
Klopfte da irgendwer?
Dann hat er es bei mir... und ich sollte es bei ihm machen.
Das hab ich aber nicht gemacht! Und dann wollte er mich von hinten...
Und... äh... da hab ich 's Bett vollgemacht.
Hat er sein Glied in lhren After gesteckt?
Nee, ich kriegte Angst, da bin ich nach Hause gegangen.
Wie alt waren Sie damals?
So 25. 20?
Und dann eines Tages, da klopfte es,
und meine Schwester sagte: "Fritz! Da ist ein Herr! "
Und da war er schon in der einen schönen Stube drin!
Da sagte ich: "Mensch, wie kommst du hierher?
"Das kannst du doch nicht machen! "
Da sagte er: "Weil du doch nicht wieder gekommen bist."
Ich soll doch mal wieder kommen. Er ist auch gleich gegangen,
- Damit meine Schwester nichts merkt. - Hat sie denn was gemerkt?
Passt mal auf! Jetzt war der weg,
der hatte 'n guten Anzug an, ja?
Da sagte meine Schwester: "Was ist DAS für einer gewesen? "
"Der sieht ja so unheimlich aus."
"Dass der mir nicht wieder kommt."
Ja, bei dem hab ich wichsen gelernt.
Haben Sie damals noch mit anderen Männern verkehrt?
Da hat er mir gesagt, dass sie bei Kröppke stehen, die Jungs.
Am Theater. Und am Bahnhof, wenn's regnet.
Was ist schöner? Mit einem Jungen oder mit einem Mädchen?
Damals, wie ich meine Braut noch hatte, das war schöner.
Ja, das war schön.
Und nachher?
Nachher war das auch ganz schön.
Wenn man schöne Jungs hatte.
Wann ist so 'n Junge hübsch für Sie?
Ah, das kann man doch sehen.
So schön gebaut, so 'n schönes Gesicht...
...so schöne Augen.
(Dr. Schultze) Dürfte er eine Brille haben?
Nein. Äh... nee. Dann hab ich ihn nicht genommen.
Bart?
Nee! Mit Schnurrbart mag ich nicht leiden.
Großes Glied?
Nee, das war nicht nötig. Wenn er lieb war und nett küsste...
Wussten die Jungs alle, worauf es ankommt?
Oh je! Das wissen die alle. Das sind doch Puppenjungs!
Was haben Sie gezahlt?
Die waren froh, wenn sie nachts irgendwo schlafen konnten.
Wann haben Sie zum ersten Mal gelutscht?
Das hat Fränkel zum ersten Mal mit mir gemacht.
Da kannte ich das noch nicht.
Hatten Sie Gefallen daran?
Ich dachte immer, er wollte beißen. Hat er aber nicht.
Ja, das war schön.
- Das ist doch alles Schweinerei. - Och...
Das geht ganz schön.
Er verdirbt ganz.
Ist das anständig?
Das machen die doch alle.
- Ich nicht. - Nee?
Ach... ich dachte, das machen alle.
Ist homosexueller Verkehr erlaubt?
Ja. Meine Schwester ist schon mit mir hingewesen auf der Polizei.
Die wollte das nicht, als ich bei ihr wohnte.
Da hat der Kommissar gesagt: "Mit Kindern ist es strafbar."
- Mit Großen kann ich das machen. - Welcher Paragraph ist das?
- Da gibt's keinen Paragraph drüber. - Haben Sie doch selbst gesagt.
1 75? Der ist von hinten.
Lutschen gehört auch dazu.
So?
Nee.
Bloß von hinten.
Nee.
Welche Handlungen sind verboten?
- Von hinten machen. - Wie nennt man das?
- Hinterbummer sagen die dafür. - Und warum ist das verboten?
Weil man was kaputtstoßen kann.
Warum verbietet das die Polizei?
Die Polizei will's nicht haben. Der liebe Gott auch nicht.
- Der will's auch nicht haben. - Steht das nicht in der Bibel?
- Im Römerbrief 10 steht das auch. - Wie heißt die Stelle?
Dass sich die Männer auf unnatürlichem Wege befriedigen.
Und so. Frauen auch.
Das will der liebe Gott nicht haben. Ich hab das auch nicht gemacht.
Ist doch auch unnatürlich, das Polieren.
Was soll man dann machen?
Ich hab neulich schon gesagt, ich hab solche Kopfschmerzen,
ich muss jetzt mal wieder einen haben. Das geht so nicht!
Ich werd richtig krank, hab ich schon gesagt.
Ich kann Ihnen doch keinen Jungen geben!
- Dann könnt ihr mich doch köppen! - Und dann is' er wieder tot!
Nee, das mach ich nicht.
Sie können sich doch da draußen hinsetzen!
Sie brauchen ja nicht abschließen! Das hören Sie doch!
Hier gibt's so schöne Studenten.
Indier. Die haben so schöne Augen.
Wärter Schweimler hat das gesagt. Die hat er hier gesehen.
Wissen Sie, dass die Homosexuellen verachtet werden?
Ach was! Ich hab zu meiner Schwester gesagt,
dass es nicht mehr geht mit Mädchen.
Das geht nicht mehr.
Haben Sie's noch mal versucht?
(Lacht leise)
Ich bin da mal im Puff gewesen, in Braunschweig.
Da hat sie mich so hingefasst und da kam er so 'n bisschen.
Und dann ging's nicht mehr.
Die haben das Geld gekriegt und ich bin wieder weg.
E... e... es ging nicht mehr!
- Waren Sie nicht auch mal krank? - Nee.
Haben Sie uns doch erzählt.
Ach ja! Da war die Revolution.
Meine Schwester sagte: "Fritz, du siehst schlecht aus.
Geh doch mal zum Doktor."
Und da bin ich da hin. Da sagte der:
"Aha! Das ist ein Tripper, wie er sein muss."
Und da hat er mir 'n Tee gegeben.
Und da hat mir einer von den Schwulen gesagt: "Das ist nix."
Und ich soll mir öfter einen abwichsen.
Oh, das tat weh!
Und... und dann ist Blut gekommen.
Und dann nach 3 Wochen, da war's weg.
Das war so 'ne Radikalkur, haben die gesagt.
Die schwulen Brüder.
Und am nächsten Morgen waren sie dann tot.
(Prustet los)
Wie können Sie darüber lachen?
Ach, jetzt fangen Sie wieder an zu schimpfen.
Keiner kann so beißen, dass einer stirbt.
Doch. Die waren aber tot.
Früher haben Sie angegeben, Sie hätten sie erdrosselt.
Das sagen die alle. Ich... ich hätt sie so gedrückt.
Ja, dann... das stimmt dann auch.
Haben sich die Jungs nicht gewehrt?
Es hat mal einer gekratzt.
Und mir ist so, als wenn mal einer geschrien hat: "Fritz, ah! "
Es kann aber auch sein, dass ich das geträumt habe.
Sie müssen aber eine gute Fertigkeit haben.
Ach, wenn man hier so reinbeißt,
da konnten sie nicht mehr sprechen und waren dann auch schon tot.
- Das glaube ich nicht. - Nee?
Wenn ich des Morgens aufwach, dann hab ich hier die Zähne gesehen.
Ich muss das am besten wissen, wie's gewesen ist.
Geschah das Beißen in geschlechtlicher Erregung?
Ich wollte doch nicht beißen.
Da ham wer so erzählt und da ham wer so gelutscht,
und auf einmal war's dann passiert.
Am anderen Morgen lagen sie dann da.
Und hatten Sie keinen Schrecken?
Doch. Manchmal hab ich auch geweint.
Wenn sie so schön waren.
Waren sie kalt?
Ja.
Einer war schon ganz krumm.
Der ließ sich nicht wieder gerade machen.
Blau war der schon.
- Wodurch kam das? - Weiß ich nicht.
Da war ich die Nacht aufgewacht, da war er tot.
Da hab ich mich ganz schnell wieder umgedreht.
Und dann bin ich wieder aufgewacht, und da war er ganz krumm.
Da bin ich aus dem Bett und hab ihn draußen auf die Erde hingelegt.
Und da war er schon ganz blau.
Und da wurd ich ganz schlecht und hab mich ganz schnell wieder hingelegt.
Was haben Sie dann gemacht?
Ja... dann bin ich aufgestanden
und hab... hab Kaffee getrunken.
Schmeckte der?
Den mach ich doch immer selber.
Schöner Kaffee. Schmeckt schön.
Hm. Auch dann, wenn ein Junge gestorben war?
Da hab ich doch was drübergelegt. Mit der Decke, so... so...
so drübergelegt.
Und der Junge hat sich nicht mehr bewegt?
(Gähnt)
Nee. Ja, die, die wieder nach Hause gegangen sind,
die haben dann Kaffee getrunken.
Was haben Sie mit den Leichen gemacht?
Mit 'm Messer hab ich hier ihren Leib aufgeschnitten.
Richtig aufgeschnitten.
Was passierte da?
(Lacht prustend)
- Da kam das hier heraus. - Und dann?
Ja, da hab ich hier... hier so abgeschnitten,
dann hab ich den Darm rausgenommen und in 'n Eimer geschmissen.
- Und dann? - Ins Klosett geschüttet.
Das hat nicht verstopft?
Das hab ich doch richtig kaputtgeschnitten.
- Womit? - Mit 'm Messer.
Mit was für 'nem Messer?
Wo man Kartoffeln mit schält.
Haben Sie auch den Darm kaputtgeschnitten?
Ja, immer so kleine Enden.
Der is' immer so zusammengeknüddelt.
Die hab ich noch abgeschnitten und hinein ins Wasser.
Wenn ich wieder einen habe, sollen Sie mal sehen, wie ich das mache.
Das geht doch so einfach.
Als Sie die Brust aufgeschnitten haben, ging das leicht?
Pass mal auf.
Da hab ich hier, hier, hier, hier, hier, hier... geht ganz leicht.
Das Messer geht von alleine. Ganz von alleine.
Und dann hab ich das so... so hochgeklappt...
Und hey...
das Herz lag drin.
Und was noch?
Da oben die Lunge, die hab ich dann auch kaputtgeschnitten.
- Worauf? - Worauf?
Auf welcher Unterlage?
Na, das lag doch da drin. Da wird alles blutig.
Sie haben die im Leib kaputtgeschnitten?
Oh ja! Meine Hände... meine Hände, so weit waren die blutig.
Das kann man nicht alles mit einmal, da muss man sich ausruhen...
Oder ins Bett legen.
Konnten Sie dann gut schlafen?
Ja.
Wie haben Sie die Beine abgeschnitten?
So.
Und dann?
Dann hab ich das Dicke so losgemacht,
dann hab ich das rote Fleisch so abgemacht
und dann hab ich immer so große Stücke losgeschnitten.
Und die Knochen richtig... rausgenommen.
Was haben Sie mit dem dicken Fett gemacht?
Immer in so kleine Stücke geschnitten.
- Wie groß waren die? - So groß ungefähr.
Sehen Sie mal nach.
- Wie viel Zentimeter? - Hm...
So... 6 Zentimeter. Vielleicht kleiner, vielleicht größer.
Gab es kein Blut?
Ach was, das bisschen. Das ist doch nichts.
Wenn man das Herz herausschneidet, das gibt Blut.
- Was haben Sie mit dem Blut gemacht? - In 'n Eimer geschmissen.
- Und mit dem Fleisch? - In die Leine geworfen.
Da, so beim Schloss so 'n paar Mal.
Wie oft?
So 6, 7 Mal. Bis alles raus war.
Das ist nicht viel, so 'n Mensch.
Nee.
So 'ne Aktentasche unterm Arm.
Was haben Sie mit der Pelle gemacht?
Och, auch ins Wasser. Hier, da, flugs hinein.
- Haben Sie nachgesehen? - Ich hab geguckt, ob alles wegfloss.
Und die Knochen?
Da hab ich 'ne Zeitung genommen, schön eingewickelt
und hineingeschmissen.
Schwammen die auch?
Plumps, waren sie weg.
- Und die Finger? - Ins Klosett.
- Ins Klosett... - Hab ich doch entzwei geschnitten.
- Ging das leicht? - Ach was! War schrecklich Arbeit!
Die mussten doch weg! Sonst fangen die an zu stinken.
Das hab ich mal gemacht. Ohhh...
Da kamen lauter Würmer raus.
Was haben Sie da gemacht?
Da konnt ich kein Fleisch schneiden.
Konnt ich nicht.
(Hustet, lacht irre)
Was haben Sie mit den Zehen gemacht?
Die kann man nicht ins Wasser schmeißen! Die schwimmen doch!
Wär das so schlimm?
Die Jungs spielten doch da!
Die angeln doch da! Dann hören die doch das!
Dann hätten die doch gleich gesagt: "DIE hat Fritz hineingeschmissen."
Warum würde man gerade Sie verdächtigen?
Das sieht man doch, wenn ich was hineingeworfen habe!
Einmal haben sie mich gefragt:
"Fritz,
was schmeißt'n du da hinein? "
Ich füttere eure Fische.
So hab ich das gesagt.
Was haben Sie mit den Geschlechtsteilen gemacht?
Ins Klosett.
Haben Sie gerieben, ob er steif wird?
Och... das macht man doch nicht mehr. Ist doch alles... blutig.
- Gelutscht? - Nee, dann nicht mehr.
Sie haben ihn ganz klein geschnitten?
Musst ich doch! In 3, 4, Teile. Geht schlecht kaputt, das olle Ding!
Das glitscht immer weg! Das olle Ding...
Das Klosett war nie verstopft?
Das hab ich reingeschüttet, dann auf 'n Knopf gedrückt, rumms, war's weg.
War lhr Glied steif, als Sie die Leiche zerschnitten?
Nee... ich will gar nicht mehr davon sprechen.
Was haben Sie mit dem Schädel gemacht?
So.
So oben hineingeschnitten mit 'm Messer
und dann sooooo... wie die Indianer es machen.
Das ist doch immer in den Büchern, hab ich doch gesehen.
Dann hab ich die Haare abgeschnitten, in 'n Eimer und alles ins Klosett.
Und dann?
Mit dem Beil, so hübsch...
Das hab ich doch alles schon erzählt.
Ich hab doch so 'n lüttjes Beil.
Ging die Schädelkappe leicht runter?
Ach was! Die Fingernägel... Tut doch weh.
Da musste ich mit 'm Beil so... drunterfassen.
Und da knackte es noch so 'n bisschen.
Das ist wie 'n... wie 'n Pott so rund.
Und dann hab ich das noch losgemacht, da ist noch so Haut drüber.
Und was haben Sie mit der Haut gemacht?
So aufgeschnitten und 'n Bregen weggenommen.
Der Mensch hat 3 Bregen.
3 Stück.
Haben Sie die Haut vom Gesicht entfernt?
Nee, das konnt ich nicht.
Da hab ich, hab ich einfach so 'n Tuch genommen
und so draufgeschlagen.
So gekloppt!
(Unterdrückte Würgelaute)
Ahhh, wird er schlecht?
Muss er Wasser trinken!
- (Schluckt) - Was lag unter dem Schädel?
So 'n Abtreter, wo man die Füße dran wischt.
Da hab ich noch die alten Lumpen und meine Jacke draufgelegt,
damit's nicht so... bums, bums macht.
Haben Sie die Augen ausgeschnitten?
Nee, da hab ich so 'n Taschentuch drübergelegt.
Ich wollte nicht, dass die Jungs mich angucken.
- Die waren doch tot. - Ja, aber man sagt doch so,
dass die... die Geister noch leben.
Glauben Sie denn, dass die Jungs noch sehen konnten?
Wenn die Augen zugedeckt sind, dann nicht.
Wenn die Jungs tot dalagen, konnten sie da noch sehen?
Wenn man tot ist, soll man alles noch sehen können. Doch, doch!
Das glauben Sie doch selber nicht! Sie sind doch nicht dumm!
Doch, so war das.
Auch meine Mutter hat immer gesagt: "Ein Toter hört und sieht alles."
Auch meine Schwester. Fragen Sie mal meine Schwester.
Und wie lange hat das alles gedauert?
Die ersten Male... hat's Tage gedauert.
Schrecklich lange.
Nachher ging alles schneller, mitunter 1, 2 Tage.
Was haben Sie gemacht, als alles weg war?
Hab mich ins Bett gelegt.
Richtig krank war ich da. Übel, Kopfschmerzen...
- Da schmeckte mir nichts mehr. - Und warum?
Wenn Sie so tot sind, dann sehen Sie auch nicht schön aus.
Tat Ihnen das Leid?
Da hab ich so geweint.
Wie gelähmt war ich da.
Warum haben Sie's dann immer wieder gemacht?
Das wollt ich doch nicht.
Sind doch so viele wieder weggegangen.
War doch passiert. Was sollte ich machen?
Jetzt ist genug. Immer, wenn ich dran denke, krieg ich Kopfschmerzen.
(Eine Uhr tickt)
(Uhr schlägt)
Ich wollte Braun nicht wieder mitnehmen.
Warum nicht?
Das war so 'n hübscher Junge.
Der war so lieb, der nahm mich immer so schön in 'n Arm.
Der war in Hamburg gewesen.
Der konnte richtig schön poussieren.
Da konnt ich doch nicht sagen: "Mensch, ich murks dich ab."
Wie kam es denn nun zu lhrer Verhaftung?
Ich hab ihm doch immer gesagt: "Renn weg! "
"Geh weg! " Und da kam er immer wieder.
Und da hab ich gesagt: "Das will ich nicht! Das gibt es nicht! "
Und am 4. Tag, da waren wir am Bahnhof gewesen,
da wollt er mit Gewalt mit, und da hab ich der Polizei Bescheid gesagt.
Der Polizei?
Den hätt ich doch totgebissen, der war doch so geil!
Aber die Polizei konnte doch davon nichts wissen.
Nee, nee, so dumm bin ich nicht.
Als ich ihn verhaften lassen wollte, da wurde er gleich so frech.
Und fing an von schwul und so.
Und da haben die gesagt: "Fritze! Sie bleiben auch gleich hier."
Und dann hab ich gesagt: "Ist mir egal."
Hat man Sie früher aus ähnlichen Gründen schon mal verhaftet?
Ja, die haben mich immer erst nach 'm Gerichtsgefängnis geschickt,
und dann ham se mich freigelassen.
Warum hat man Sie früher freigelassen?
Ts... ist doch nicht strafbar.
Und warum hat man Sie jetzt nicht freigelassen?
Wei...
Weil sie Köppe gefunden hatten.
Wie hat man lhre Täterschaft festgestellt?
Die ham mich im Präsidium so... so wie geboxt.
Ich war ganz blau.
Nachher kam Herr Kommissar Rätz und hat gesagt: "Nu, Fritz,
nu sag es."
Da hab ich gesagt: "Aber nur, wenn Sie mich nicht mehr schlagen."
"Nee, nee, dir tut keiner was."
Ja, und da hab ich alles erzählt.
Woher wusste aber Herr Rätz, dass Sie Robert Witzel getötet hatten?
Der wusste noch mehr. Der wollte alles wissen.
Hat man Ihnen Kleidungsstücke vorgelegt?
Ja, die haben mir nachher alles das Zeugs so gezeigt,
und ich hab gesagt: "Das wird wohl alles so stimmen."
War Witzel auch sehr geil?
Der wär doch nicht totgegangen sonst.
Wenn der nach Hannover kommt, den kriegen se auch.
Wie viele haben Sie umgebracht?
3, 4 Dutzend?
Ach, Dutzend! Jetzt kommt der auch noch damit!
Nee, so viele können das nicht gewesen sein.
Ich hab immer gesagt, 10 oder 20.
Es wurden 22 rechte Oberschenkel gefunden.
Die haben se mir gezeigt. Die können Sie ruhig dazuschreiben.
Und wenn's 100 sind, ist auch egal.
Wenn die beerdigt werden, kommt 'n großes Denkmal drauf.
Mit meinem Namen.
Mit lhrem Namen.
Was wird draufstehen?
"Das sind die Opfer...
"von dem Massenmörder Fritz Haarmann."
Das wird 'ne Sehenswürdigkeit. Noch in 1.000 Jahren.
Da kommen se alle und sehen sich das an.
Die haben ja schon Bücher und Zeitungen gemacht.
Später kommen noch Romane. Ich bin doch jetzt berühmt.
Das ist aber nichts Schönes, als Mörder berühmt zu sein.
Wär ich doch sonst nicht geworden.
Jetzt kennen se mich... allerwärts.
Ich würde lieber auf den Ruhm verzichten.
- Sie sind jetzt auch berühmt. - Man kennt mich,
weil ich mich mit Ihnen unterhalten muss.
- Na, sehen Sie? - Aber man bedauert mich.
(Prustet)
Die meinen wohl, ich...
Nein! Ich bin doch so 'n guter Mensch.
Und warum waren Sie in Hildesheim?
Mmm...
Da hat der Alte Schuld.
Haben Sie nicht Dummheiten gemacht mit einem Kinde?
Nee, ist wohl der Willie gewesen.
Machen Sie doch nicht solchen Unsinn.
- Och, nun fangen Sie auch wieder an. - Sie waren damals vor Gericht
wegen Sittlichkeitsverbrechens an einem Kinde.
Ist nicht wahr.
Sie haben angegeben, Sie hätten sich nichts dabei gedacht.
Hab ich das gesagt? Das ist ja Schwindel!
- Sie wurden untersucht. - Weiß ich nicht.
War die Schwester lhrer Mutter geisteskrank?
- Nee. - Lhr Vater hat das gesagt.
Sehen Sie, da haben wir's wieder. Immer der Alte!
Der muss doch immer dabei sein!
Dann waren Sie in der Idiotenanstalt Langenhagen.
Ich will nichts mehr hören von dieser Verrücktheit!
Reißen Sie die ollen Dinger kaputt. Ist doch Unsinn. Verrücktheit!
Wenn die mich dabehalten hätten, dann wär ich heute verrückt.
So was... hab ich noch nie gesehen.
Wie lange waren Sie da?
Oh, da war ich lange.
1 ganzes Jahr haben die mich dabehalten.
Dann bin ich ausgekniffen.
Da konnte man so auf die Straße gehen,
und einmal, da war keiner bei uns,
und da, pfft! , hat Fritz 'n Hasen gemacht.
Wann sind Sie ausgerückt?
Kann ich nicht mehr sagen.
Das weiß ich aber.
(Lacht prustend)
Der weiß alles und dann fragt er noch.
Die Polizei hat Sie gesucht, aber nicht gefunden.
Nee, nicht gefunden. Da hat die Schwester mit der Mutter gesprochen,
da hat die Schwester mit der Mutter gesprochen,
und dann haben sie mich zu Bekannten nach der Schweiz geschickt.
Ich will mal Pause machen.
Ja, ruhen Sie sich doch aus.
(Atmet tief ein)
(Fritz atmet auch tief ein)
(Beide atmen aus)
(Es regnet heftig)
- Es regnet schon wieder. - So?
Heute Morgen war's schön, als ich aufwachte.
Die Sonne... da freu ich mich immer.
(Dr. Schultze) Die Sonne scheint über... ?
Die Sonne scheint über... Gute und Böse.
(Dr. Schultze) Kennen Sie den?
(Fritz) Der kommt mir bekannt vor.
Wo haben Sie ihn kennen gelernt?
- Wo ham wer uns kennen gelernt? - Sie habe ich gefragt.
(Fritz) Weiß ich doch nicht. Der macht so 'n betrübtes Gesicht!
(Dr. Schultze) Sie kennen ihn mit aller Bestimmtheit wieder?
Jawohl.
Wo wohnte er damals?
Gegenüber vom Judentempel.
Wie sah die Wohnung aus?
Das war so 'ne Bodenkammer. Ganz klein.
Und dann war da noch so 'n schmales Bett aus Eisen
und links das Fenster nach dem Judentempel zu.
Was stand neben der Eingangstür?
Kleine Tische mit Stühlen. Dann hing da noch ein Topf von der Decke.
Ja, der ist da gewesen.
Kommt mir bekannt vor. Aber ich kenn ihn nicht so genau.
Er muss früher dicker gewesen sein.
Wie viel hat er Ihnen geboten?
50 Mark.
Ach was, 50 Mark! So hab ich nie mit 'm Geld herumgeworfen! 50 Mark!
Warum hat er Sie gefesselt?
Wahrscheinlich um sich aufzugeilen.
Haben wir gewichst?
Nein.
Dann glaub ich das auch nicht. Dann ist das auch geschwindelt.
Wenn ich vor Gericht komme, ich kann alles beeiden.
(Fritz) Die Fürsorgezöglinge, die kenn ich! Die schwindeln immer!
Und dann werden sie gefragt und dann schwindeln sie sich so richtig fest.
Haben Sie mit anderen über die Fesselung gesprochen?
Nein. Nur mit Dr. Stock.
Als ich das von den Kleidungsstücken gelesen hab, kam mir der Gedanke.
Da fragte ich einen Jungen.
Ich wusste wohl, wo der Judentempel war, aber nicht die Straße.
- Kennst du einen Böhnert? - Ja.
Hast du mir nicht den Stock gestohlen?
Den haben Sie mir doch geschenkt.
Wir waren mit Böhnert aufm Jahrmarkt gewesen und ich hab die da gesehen.
- Stimmt das? - Nein.
Und was sagen Sie zur Fesselung?
Da... da hat er was gelesen!
Der schwindelt ja das Blaue vom Himmel!
- Das ist nicht geschwindelt. - Doch! Der geht doch auf 'n Strich!
Da hat er mich doch angesprochen! Und dann ist er mitgekommen.
Poussieren wollt ich aber nicht.
Am anderen Morgen hat er dann selbst gewichst. So vor mir!
Was haben Sie für ein glänzendes Gedächtnis!
Ja...
Wenn Sie was wissen wollen, dann wissen Sie alles.
Ja, ja.
Kress hat die Krätze gehabt, wie er zu Ihnen kam.
(Fritz) Sehen Sie mal hin! So ein Schwein ist das!
Er sagt, Sie hätten an seinem verkratzten Arm gelutscht.
Da hab ich nicht gelutscht.
Nur am Halse. Das ist geschwindelt.
Sind Sie sich da sicher?
Das hab ich dann... halb... im Schlaf wohl gemacht.
Oh Gott, oh Gott.
Dass ich die dann nicht gekriegt habe.
Im Essen war was.
Ja.
Gestern war ich noch ganz fidel.
Und wie ich mich dann hingelegt habe, dann ging das ganze Zimmer rum.
Ich glaube, es war der Schweimler, der hat da Gift reingetan.
Der war sonst immer so freundlich.
Aber seit er in Hannover war, hat er sich aufhetzen lassen.
- Das glaub ich ganz bestimmt! - Das kann doch gar nicht sein.
Ich will heute Mittag mein Essen zurückhalten, ja?
Das müssen Sie dann mal untersuchen.
Ja, wenn ihr mich köppen wollt, dann müsst ihr das nicht machen!
Kann man... kann man scheintot sein?
Nicht ganz tot, und dann beerdigt werden?
Dann klopfen Sie an den Sarg, dann wird er wieder aufgemacht.
Meine Mutter hat auch geklopft, wie sie im Sarg lag.
Das hab ich zu meinen Geschwistern gesagt, wie wir sie beerdigt haben.
Da hab ich das ganz deutlich gehört.
Was für ein Gift soll denn das gewesen sein?
- Weiß ich doch nicht. - Aber sonst schmeckt das Essen?
Gestern Abend war's ganz salzig.
Und gestern Mittag schmeckte es mir überhaupt nicht.
Die Köchin kocht doch sonst gut! Hat mir sonst immer gut geschmeckt!
Die ist vielleicht verliebt?
Och, da wird man doch nicht von krank!
Herr Reich hat gesagt, es kann ja mal sein,
dass man was ins Essen kriegt, damit man schön schläft.
Aber vergiften... nnnein, das glaubt er nicht.
Ich hab's doch ganz deutlich gespürt! Den ganzen Tag Kopfschmerzen!
- Mmmm... heute noch! - Ich habe auch Kopfschmerzen.
Wissen Sie, ich hab mich schon mal vergiften wollen.
Im Lazarett.
Da hat mein Vater das mit Hildesheim geschrieben.
Da hab ich nur was genommen. So Rotes.
Da tun die die Messer rein und so was.
Da hatten die so 'n Brocken.
Ich weiß nicht, wie das heißt. Sagen Sie mal!
- Sublimat. - Ja.
Da bin ich nach 'm Klosett hingegangen und hab's geschluckt.
Und da ist es wieder raufgekommen. Mmm... es ging nicht.
Ein Sprichwort heißt: "Unkraut vergeht nicht."
Haha! Sie... Sie machen ja wieder Spaß.
Verstehen Sie das denn?
Das sagt man so. Auf mich kommt das aber nicht.
Das trifft auf einen zu,
der 'n Taugenichts ist.
- Ich glaube aber, Fritz... - Scht!
Wissen Sie, was ich sagen wollte?
Sie wollen mich wieder so 'n bisschen ärgern.
Aber wenn man sich so gut kennt,
da macht man mal so 'n Spaß.
Im Anfang hab ich mich manchmal geärgert. Jetzt nicht mehr.
Wenn Sie mir jetzt sagen: "Fritze, nehmen Sie das ein, das ist Gift",
dann würde ich das machen.
Sie haben mir doch schon mal was gegeben...
Das hat doch schön geholfen.
Ja, in Hannover haben sie mir auch Aspirin gegeben.
Das schmeckt so 'n bisschen so... so säuerlich.
Die Mischung... macht das Pikante aus.
Bei Zigarren macht mir keiner was vor.
Ich brauch die nicht mal zu rauchen. Ich brauch nur mal...
So viel Verständnis hab ich davon.
Oi... ich möchte Sie so in 'n Arm nehmen.
Sie brauchen keine Angst zu haben, ich beiß Sie nicht.
Aber wenn ich Menschen so liebhabe, dann nehm ich sie in 'n Arm.
(Dr. Schultze) Fritz, wir haben Besuch.
Erst sagen wir mal schön "Guten Tag".
- Machnik. - Dr. Machnik aus München.
Bitte sehr.
Heute war wieder 'n angestrengter Tag.
Ja, er war wieder da von Hannover.
Wie viel Fälle sind es denn schon?
Weiß nicht. Aber er sieht selbst ein, dass da viel Schwindel bei ist.
Da sind viele, die nur aussagen, um Zeugengeld zu bekommen. Ja.
Aber 'n hübschen Jungen hat er mitgebracht.
Hm-hm.
Der Bauernfels gibt an, er hätte aus lhrem Zimmer Schreie gehört.
Das ist doch 'ne Phantasie von ihm!
Damals war ich schon längst ausgezogen.
Frau Engel gibt an, dass Sie bei der Miete vereinbart haben,
selbst für die Reinigung des Zimmers zu sorgen.
Ja. Da hat keiner was zu suchen.
Wusste Frau Engel von lhrem Verkehr?
Ja. Lhr... ihr Junge war auch schwul. Sie mochte das nicht leiden.
Aber der Junge klopfte immer so lange, bis ich aufmachte.
Sie sitzen in der Sonne. Setzen Sie sich hierher.
Frau Linderer hat gesehen, wie Sie mit der Tasche rausgingen.
- Kann wohl sein. - Sie hat auch Fleisch gesehen.
Ist doch 'ne Lüge! Ist doch 'ne Klappe drüber!
Haben Sie das immer sehr sorgfältig gemacht?
Gerade weil sie so neugierig waren und immer guckten.
Frau Linderer hat auch gehört, dass Sie in lhrem Zimmer sagten:
"Bücke dich, bücke dich."
Ich könnte der so ins Gesicht hauen, weil sie so lügt.
Wenn ich raufkam, sagte sie schon:
"Jetzt ist wieder 'ne Braut da! Jetzt ist wieder... 'ne Braut da."
Die Kinder haben das auch gehört.
Das ist doch Schwindel.
Die schimpfen sich immer gegenseitig aus.
"Du Ludewig, du olles falsches Schwein", schimpfte sie ihren Mann,
und er schimpfte sie "du Hure". Fragen Sie mal die Leute,
wie die sich gegenseitig entehrten! Und das hab ich ihnen auch gesagt.
Und dann... zankten sie immer mit den Engels.
Und mich wollten sie immer dazwischen haben! Das Pack das!
Das ist doch Schwindel!
Wartet nur!
Lügengesellschaft!
Ach... ich kann mich darüber ärgern.
Frau Wegehenkel gibt an, sie hätten jeden Tag Besuch gehabt.
- Ach was, jeden Tag! - Wie oft haben Sie denn poussiert?
Ich war doch so kaputt.
Da musste ich doch im Bett liegen.
Und wenn ich dann auf der Straße war, da kamen die Jungs wieder angelaufen.
Haben Sie nicht auch einige totgemacht, um Kleidung zu bekommen?
Da lauerte der Hans jedes Mal drauf.
Hat Hans Ihnen die Jungs zugeführt?
Der hat sie scharf gemacht.
Dass sie mich ordentlich poussieren sollen.
Dann müsste Hans auch hingerichtet werden.
Nein. Das wollen wir nicht.
Der ist noch so jung.
Das war bloß leichtsinnig von ihm.
Ich glaube doch, dass er hingerichtet wird.
Dann sag ich nichts mehr.
Mich sollen sie doch köppen!
Ich hab sie doch totgemacht!
Wenn so was passiert war...
da hat er mich immer in 'n Arm genommen, geküsst
und gesagt:
"Du bist doch mein Bester."
"Wir wollen doch zusammen Treue halten."
Und dann is' er dann immer...
Ich war froh, wenn einer bei mir war.
(Schluchzt leise)
Ach...
Wollen wir was anderes erzählen.
Ich möchte Ihnen was sagen.
(Unverständliches Flüstern)
Sie können hier ruhig erzählen.
Wurst und Fleisch.
Och... Sie kommen immer wieder mit Wurst und Fleisch.
Ich muss das doch mit Ihnen besprechen.
Warum gehen Sie nicht zu Arlberg und fragen ihn danach.
Wie kommen Sie jetzt darauf?
Hat er mir erzählt.
Wo haben Sie denn mit ihm gesprochen?
Im Präsidium. Da war er Sachverständiger.
Weswegen denn Sachverständiger?
Der ist doch Schlachter. Ts...
D-d-der hat die große Schlachterei in Hannover!
Der hat zu mir gesagt,
aufm Schützenfest hätt er gar keine Geschäfte mehr gemacht.
Die wollten alle Haarmanns Würstchen.
(Lacht irre)
(Dr. Schultze) Reden wir mal über den Witzel.
Ach, kommen Sie schon wieder mit dem!
Das sind ja gerade die Kommunisten!
Die haben am meisten in der Zeitung gestanden.
Herr Professor, ich gebe Ihnen den Rat,
die Sache fertig zu machen.
lhre Nerven gehen sonst kaputt.
Was haben die Witzels denn mit den Kommunisten zu tun?
Die sind doch Puppenjungs!
Und jetzt wollen die sich so... so schön hinstellen!
Aber die Kriminale hat festgestellt,
dass die jahrelang davon gelebt haben!
Gerade der andere Witzel. Das ist so 'n großes Schwein.
- Warum? - Wenn der so bei Kröppke stand,
da kam er gleich an und fasste mich so an die Hosen und all so was.
Ah, ein widerlicher Bengel war das.
Wenn die so dreist waren, da mochte ich sie nicht leiden.
Aber was haben die denn nun mit den Kommunisten zu tun?
Die Witzels, das sind Kommunisten. Wenn ich das gewusst hätte,
- Hätte ich die nicht angeguckt. - Warum nicht?
Die wollten immer...
Die Kommunisten, die haben so 'ne gelbe Brosche.
Widerliche Leute. Die mag ich nicht leiden.
Die Frau Engel ist auch Kommunist.
Die haben mich doch verhauen.
Was wollen die Kommunisten?
Die glauben an keinen Gott.
Wenn ich mit Frau Engel über Gott sprach,
da schmiss sie mich sofort raus.
Ich hab gesagt:
"Es kommt noch mal die Stunde, wo Sie krank sind und sterben.
"Und dann beten Sie doch noch mal zu Gott."
Ich hab die Bibel so oft durchgelesen, die kenn ich.
Was wollen die Kommunisten noch?
Die wollen keinen Kaiser haben,
die wollen nicht arbeiten
und wollen das Geld, was andere haben, wegnehmen.
Fragen Sie mal in Hannover, was die Leute alles erzählen.
Und warum sind die Kommunisten böse auf Sie?
Weil ich so gern Soldat war. Und hielt zum Kaiser.
Wenn das einer sagte, da kriegte man Schläge.
Haben Sie Angst vor den Kommunisten?
Die wollten mich doch kaputtreißen.
Und das Auto umschmeißen.
Und mir 'n Kopf... langsam absägen.
Und mich im Zoo lebendig in 'n Löwenkäfig sperren.
Früher gab es einen Apostel.
In der Bibel. Der hat dem Löwen so 'n Dorn aus dem Fuß gezogen.
Wer war denn das?
Das kann ich jetzt nicht mehr sagen.
Aber ich weiß das.
Sie haben das wohl heute erst gelesen.
War das nicht Daniel?
Daniel in der Löwengrube. Dem hat der Löwe nichts getan.
Ihnen wird er auch nichts tun, wenn Sie ihm ins Ohr flüstern
und sagen: "Ich bin Fritz Haarmann."
Die Hunde, die riechen das. Die tun mir auch nichts.
Die wissen, dass ich Tierfreund bin.
lhr letzter Wunsch?
'n schönes Käsebrot,
schöne Tasse Kaffee
und 'ne schöne Zigarre.
Wenn wir den Kaffee getrunken haben, können wir schon gehen.
Aber nicht anfassen.
Sie sollen sagen: "Fritz Haarmann...
"ist mit einem furchtlosen...
"kolossalen...
"militärischen Mut zum Schafott gegangen."
Dann will ich noch 'ne kleine Rede halten...
Herr Professor, ich komm mir vor...
wie Napoleon auf St. Helena.
Napoleon auf St. Helena!
Ich geh so spazieren...
es sitzt dauernd einer bei mir...
Ist doch schön so.
Nur, Napoleon war ein großer Mann.
Hm-hm. Ich jetzt auch!
Ich bin doch sogar ins Kino reingekommen.
Allerwärts bin ich doch im Kino jetzt.
In China... Japan...
Amerika...
Napoleon war einer, der hat "A" gesagt
und konnte dann auch "B" sagen.
Wenn er auch ein Franzose war.
War 'n tüchtiger Feldherr.
Für den hab ich auf der Schule immer schon geschwärmt.
War 'n tüchtiger Mann.
Den hätten wir jetzt haben müssen.
Sollte der Pastor nicht mitgehen?
Ach was.
Nö.
Der Stareland von der Christuskirche hat mich doch konfirmiert.
Herr Retsch hat 2-mal mit ihm telefoniert, dass er kommen soll.
Is' er aber nicht.
Die Pastöre sind alles Irrelehrer.
Ich hab die Bibel öfter durchgelesen.
Die predigen ganz verkehrt.
Das war nicht schön, dass er nicht kam.
Hab ich gesagt: "Ich kann vor Gott so hintreten."
Und wenn die Sünde blutrot ist, so kann sie doch, wie Jesus sagt,
so kann sie gewaschen werden,
bis sie schneeweiß ist.
Dafür ist Gott da.
Gott hat gesagt:
"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst."
Was für eine Rede wollen Sie denn halten?
Ja... ich will sagen...
dass ich die reinste Wahrheit gesagt habe.
Man soll nicht denken,
dass ich gemordet habe aus Raubmord oder so was.
Das ist eine Sünde, das weiß ich.
Aber die Jungs liefen mir doch nach.
Das steht doch in der Bibel, dass Selbstbefleckung verboten ist.
Aber das hab ich auch nicht gemacht.
Das machten die Jungs bei mir und ich bei ihnen.
Das war gar keine Selbstbefleckung.
Und was ist mit dem Lutschen?
Das ist doch eine Schweinerei.
Jetzt komm ich erst so drauf.
Warum haben Sie die Jungs immer wieder mitgenommen?
Hm, weiß ich doch.
Das durfte ich nicht machen.
Und dann sind sie doch wieder mitgekommen.
Sie hätten aber damit rechnen müssen. Sie hätten sich sagen müssen:
"Damit ich keine Jungs umbringe, nehm ich keine mit."
Die quälten doch immer so.
Und wenn sie mich hier hinfassten und mich küssten, dann war ich weg.
Dann passierte es mal und dann passierte es wieder nicht.
Das hab ich euch doch schon so viel erzählt.
Ganz recht. Und darin liegt lhre Hauptschuld.
Och, Hauptschuld!
Wenn ich einen Freund bei mir gehabt hätte, wär das alles nicht passiert.
Kommen Sie zur Hinrichtung?
Äh... darf ich mal lesen?
(Lacht prustend los)
Ich stell mich doch nicht verrückt hier! Nee!
Och, ich wollt doch keine Fliegen hier.
Nö... ist doch lächerlich, dass jede Kleinigkeit so ausgebauscht wird.
Da sieht man schön, dass das 'n niederträchtiger Mensch ist!
Hier! "Menschenschlachter! "
Das gehört da nicht drauf.
Das gibt's ja nicht!
"Als Mensch gehst du rein, als Wurst kommst du raus."
Nee, solche Briefe schreibt man nicht.
- Wohl ein Neuer. - Fritz!
- Wissen Sie, wozu Sie hier sind? - Ja.
Herr Rätz hat gesagt, dass wir 'ne Vergnügungstour machen,
wollen Sie hier besuchen. Er sagt, es ist Aufruhr in Hannover.
Und wir müssen flüchten.
Und wenn alles wieder ruhig ist, dann...
Das ist ja 'n richtiges Ding hier!
Aus Berlin.
"Der Teufel erbt so seine Lust, steckt er doch in jeder Brust.
"Der Weltanwalt". Dato...
(Murmelt Unverständliches)
"Menschenfreund".
Hm...
Wie kommt das nur? Jahrelang hab ich keine Briefe gekriegt,
und jetzt auf einmal so viele.
Immer bloß diese Witzbolde.
Die so in der Wirtschaft sitzen.
Warum sind Sie nun hier?
Ja, Sie wollen mich untersuchen, ob ich vernünftig bin.
Was sagt man vor Gericht?
Das will ich nicht sagen.
"Ob ich..."
"...zurechnungsfähig bin."
Ja, aber das wollen wir aufm Gericht nicht sagen.
Soll ich denn nicht zur Verhandlung kommen?
Doch, Sie können ruhig da sein.
Aber ich will nicht, dass Sie was sagen von Hildesheim.
- Das will ich nicht. - Das können wir doch sagen.
Macht so 'n schlechten Eindruck.
Dann köppen die mich nicht.
Wäre es denn in Hildesheim schlechter?
Da wird man doch verrückt. Das hab ich nämlich schon bemerkt.
Hier sind auch Verrückte mit bei.
Hier schreit immer einer so furchtbar, so wie in Hildesheim.
Das sag ich Ihnen vorher. Wenn Sie mich für verrückt halten,
dann seh ich Sie nie wieder an.
Dann sind wir fertig!
Das hab ich Ihnen doch gesagt. Ich halte Sie nicht für verrückt.
Dann bin ich ja beruhigt.
(Atmet schwer und zittrig)
- Ich wünsch mir ein Denkmal. - Das kostet aber Geld.
Lass doch das 1.000 Mark kosten.
Sie werden doch jetzt Millionär mit diesem Buch.
Geben Sie mal Acht. Wenn die Gerichtsverhandlung kommt,
dann wird das reißend verkauft. Allerwärts, in 100 Jahren noch.
- Sollen auch Bilder dazu? - Natürlich.
Ich hab mich doch hier extra fotografieren lassen.
Jedenfalls soll aber der Stenograph einen Anzug haben.
Weil er so fleißig war.
Und Hans... Hans können Sie auch 'n paar Mark geben.
Und dann soll er mir jedes Jahr
an meinem Geburtstag 'n Kranz niederlegen.
- Das würd ich gern haben. - Sie haben ja bald Geburtstag.
Schade, dass Sie dann nicht mehr hier sind.
Ich weiß. Sie hätten mir was geschenkt.
1 Tasse Kaffee, 1 Käsebrot und...
- Eine Zigarre. ...eine Zigarre.
Den Scharfrichter will ich vorerst noch mal sprechen.
Dass er mich richtig kennen lernt.
Und... und das Messer auch scharf macht.
Und... und... dass er sich nicht mit den Kommunisten in Verbindung setzt.
Wenn das Messer nicht scharf ist, dann... leg ich mich nicht hin.
D... d... die sollen mir den Hals...
nicht abquatschen. Das soll nicht sein!
Richtig schön...
Glauben Sie, ich habe Angst?
Das is' es ja gerade, was die Leute glauben.
"Dieser feige Hund! "
Das denken die doch!
Wissen Sie noch nicht, wann Termin ist?
Wir sprechen uns bald zum letzten Mal.
(Schluckt schwer)
Sie kommen doch noch mal?
Bevor ich geköpft werde?
Ja. Ich komme noch mal.
(Atmet schwer und zittrig, bringt keinen Laut heraus)
(Das angstvolle Atmen ist weiterhin zu hören)
(Atmen verstummt, Stille)
Untertitel von mothes text & ton
und Warner Home Video GmbH
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